ISS. Jahrgang Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 5>le öeutiqe Kummer umfaßt 10 Seiten. blätter oiennal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bet Brüh l'lchen Unioerl.-Buch' u.Stetn- brudeiet tPietlch (£rbeiO Redaktion. Exvediturn ui>d Drucketei: Tchulstratze 7. Öbrefle für Develchen: Anzeiger Gießen. gfrnfprfdianlrfiliiß'Jh 51 Zweites Blatt. 9 die Post Mk. 2.—viertel- jahrl. ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer biS vorimttags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ ausivärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. u. allgem. XeiC i.93.; Fr.Hannemann; für,Stadl u. Land' uno „®ertd)lSfaar: Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. 291 Erscheint täglich auüer Sonntags. Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem heffilchen Landwirt fc die Lietzener Familien- L geschieht, kann man der Wahrheit kaum ins Gesicht schlagen. Das „Manifest" ist dann auch, wie aus Washington telegraphiert wird, daselbst mit vollständiger Gleichgiltigkeit ausgenommen worden. Tie amerikanische Nation sieht auch sonst, wie weiter verlautet, der Entwickelung der Dinge mit größter Ruhe entgegen. lieber die venezolanische Kriegsmarine, die, wenn sich die Nachricht von der Wegnahme der vier Kriegsschiffe und besonders des „Bolivar" bestätigen sollte, ja schon fast gänzlich unschädlich gemackit wäre, wird berichtet: Tie venezolanische Kriegsmarine ist eine äußerst bescheidene und wird vorzugsweise im Zolldienst und auf dem Orinoco und dessen Mündungen verwendet. Castro gebietet über drei Kriegsfahrzeuge und sechs Zolldampfer. Tie beiden größten Schiffe, das Torpedo-Kanonenboot „Restaurador" und der Torpedakreuzer „Bolivar", sind in der Wasserverdrängung fast unserer „Loreley" gleich. Sie laufen angeblich 15 und 18,6 Seemeilen und haben eine Besatzung von annähernd je 100 Mann. Tie frühere Jacht „Restaurador" ist mit schnellfeuernden Geschützen, einer 7,6 Ctm.- und vier 5,7 Ctm.-Kanonen, der Bolivar" mit zwei gewöhnlichen 12 Ctm.- und vier 5 Ctm.-Gcschützen bewaffnet. Die Artillerie und die Maschinenleistung des dritten Schiffes, des Torpedosahrzeuges „Miranda", sind ganz unbedeutend. Präsident Castro hat den „Bolivar" und die „Miranda" von Spanien gekauft. Tie Zollkreuzerflvtte ist bis auf einen Tampf- schooner leicht armiert. ES sind überwiegend ältere Schiffe; nur die „Mariseall Ayaeucho" und der „General Crespo" stammen aus den 90er Jahren, sind aber nur 140 Tonnen groß. Die ältere „Zamore" saßt 351 Tonnen. Jedes dieser drei Schiffe führt eine 3,7 Ctm.-Maschinenkanone und ein Maschinengewehr. Venezuela besitzt außerdem den Einschraubendampfer „Sencrberr", das Leucbtfenerfchiff „Liber- dador" und den Dampfschooner „Augusta". Tie Armee der Republik besteht aus 30 Bataillonen zu 5 Kompagnien i 60 Mann — meist aber nur auf dem Papier. Brauchbare Soldaten sind nur die Gebirgsbewohner. die Andinos, w"lche treu zum Präsidenten Castro, der selbst ein Andino ist. halten. Tie Infanterie ist mit dem deutschen Gewehr, Modell 71/84. bewaffnet. Tie Artillerie ist, abg^schen von der Gebirasbatt.-rie, mit kleineren Geschützen älterer Krupp'scher Konstruktion ausgerüstet. Bespannung existiert aber nicht. Tie Uniformierung ist der französischen nachg^bildet: blauer Wafienrock mit zwei Reihen Knöpfen, rote Hosen. Käppi und Stiefel. Für ge- wöhnlich besteht die Bekleidung jedoch nur in Trillich- anzug, Kävpi ober Strohhut und Sandalen nebst Patvonen- gürtel. läufig sind aber auch schon Offiziere in Civil im Tienst erschienen. Der Dienst beschränkt sich im großen und ganzen auf Wachdienst. Tie Schießausbildung läßt alles zu wünschen übrig und der Soldat bedient sich im Kampfe am liebsten der landesüblichen Machette, eines langen Haumessers. Unter den in Venezuela lebenden Fremden ragen die Teutschen durch Intelligenz und Thatkraft hervor. Vor allem nehmen sie im Großhandel eine dominierende Stellung ein: die ersten kapitalkräftigsten Firmen in La Guaira, Puerto Cabello und Maracalbo, sind deutscher Nationalität. Ferner sind unsere Landsleute in Venezuela thätig als Fabrikanten, als Techniker, als Inhaber von Verkaufs- geschäften, als Pflanzer, als Hotelwirte. Turch ihren Fleiß und ihre Betriebsamkeit erwarben sie sich rasch Vermögen. Donnerstag 11. Dezember 1908 _ vezngSpreilr monatlich 75P!., oiertel- ▼ jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen ’tÄ 8a monatlich 65 Ps.; durch Per jtonflifif mit Venezuela. Die Ueberreichung des Ultimatums Deutschlands und Englands hat, wie jetzt berichtet wird, am Sonntag Nachmittag um 3 Uhr stattgefunden. Cs sollten dem Präsidenten Castro nur 24 Stunden zur Entscheidung gelassen weirden. Man darf aber annehmen, daß diese Frist verdoppelt und sonach mit dem zwangsweisen Vorgehen der deutschen und englischen Flotten erst am Dienstag Nachmittag begonnen worden ist. Ter Präsident der Republik scheint in unglaublicher Verkennung de? Ernstes der Lage noch immer auf das Eintreten von Zeichen und Wundern zu hoffen. Er hat anstatt einer entgegenkommenden Antwort an die Mächte ein sehr pathetisches „Manifest an sein Volk" erlassen, in welchem der wirkliche Sachverhalt geradezu auf den Kopf gestellt wird. Während die Geduld der beiden Mächte durch die diplomatischen Schach- und Winkelzüge der venezolanischen Regierung auf die aller- schwerste Vrobe gestellt wurde, macht ihnen Castro jetzt noch den Vorwurf, daß sie die friedlichen Mittel zur Erlangung ihrer Ansprüche nicht erschöpft hätten. Auswärtige Telegramme meldeten — so sagt Herr Castro in seinem Manifest —, daß gewisse Nationen, darunter England und Deutschland, eine Allianz geschlossen hätten, um Akte der Gewalt und d^s Angriffs in Venezuela zu unternehmen. Tie Art und Weise, wie diese Nationen den Versuch machten, die Wiederaufnahme der Zahlung der Zinsen der Staatsschuld zu erlangen, müsse den Verdacht erwecken, daß dies die Konsequenz der Revolution sei, die er kürzlich niedergeschlagen habe. Trotz deS offiziellen Charakters der Nachricht von der englisch-deutschen Intervention lehne er ab, an dieselbe zu glauben, da es ihm unglaublich erscheine, daß Nationen, die herzliche und freundschaftliche Beziehungen zu Venezuela unterhalten, es vorziehen sollten, zur Gewalt ihre Zuflucht zu nehmen, anstatt diplomatischen Wegen zu folgen, insbesondere, wenn vorausgesetzt werden müsse, daß der Streitfall völlig in den Bereich ber venezolanischen Gesetze falle, die auf dem Grundsätze der Gerechtigkeit fußten. Hätte Venezuela sich geweigert, seine fiskalischen Verpflichtungen zu erfüllen und hätten Recht und Diplomatie alle ihre Hilfsmittel gegen ein solches Unterfangen erschöpft, nur dann hätte ein solches extremes Vorgehen erwartet werden können. Aber dies sei nie der Fall gewesen. Tie Thatsache, daß die venezolanische Regierung die Staatsschuld nicht erhöbte und alles bezahlte, was während der Revolution, einschließlich der Frachten auf den deutschen und anderen Eisenbahnen, bestellt sei, beweise die Ehrenhaftigkeit von Castros Verwaltung und zeige, was die Ausländer von ihm erwarten könnten. — DaS Schreiben fährt fort: „Ehrenhafter Weise kann ich nicht mehr thun. Ich stelle die Cl)re voran und werde nicht Ausflüchte suchen, um dreiste (folhardtsi Fsindschaften durch Annahme von Demütigungen zu entwaffnen, welche die Würde Venezuelas verletzen und nicht im Einklang mit meinem Leben als Staatsmann stehen würden. Tie Sache unserer nationalen Würde ist gegründet aus unsere Rechte, unseren Gerechtigkeitssinn und auf unseren Beziehungen, unserer Freundschaft und der gegenseitigen Achtung zu fremden Nationen." , „, „ t , Schroffer, als es in dieser lächerlichen Kundgebung Tie Zahl der Deutschen in Venezuela wird auf 962 gegeben, während die Zahl der britischen Unterthanen 6154 beträgt, jedoch meist Leute von Trinidad. DaS Gebiet Venezuelas unfaßt 972 000 Quadratkilometer, hat aber noch nicht 2i/2 Millionen Einwohner. So lange eS sich um Orte handelt, die von den Geschützen der fremden Schiffe be- trichen werden können, ist an einen Widerstand dar Venezolaner nicht zu denken. Im englischen Unterhause kam die Denezuelasrage auch gestern wieder zur Sprache. Lluf eine Anfrage erwidert Cranborne, die Natur der englischen Forderungen gegenüber Venezuela, welche dazu genötigt habe, ZwangS- inaßregeln zu ergreifen, werde vollständig bargestellt werden in Schriftstücken, die in nächster Zeit erscheinen würden. Tie englischen Forderungen umfaßten u. a. Ansprüche auf Entschädigung wegen einer ungerechtfertigten Einmischung gegenüber englischen Handelsschiffen, wegen Einkerkerung und Mißhandlung englischer Staatsangehöriger, Zerstörung englischen Eigentums und Beschädigung von . rollendem. Bahnmaterial, das einer englischen Kvmpagnie gehörte. Es liege eine Reihe von Präzebenzfällen dafür vor, daß solche Forderungen durch Repressivmaßregeln durch^esetzt worden seien. Bryce fragt an, was die letzten Nachrichten bezüglich Venezuela seien. Cranborne erwidert, der englische Vertreter sei angewiesen worden, 24 Stunden nach der Uebergabe des Ultimatums in Caracas zu verbleiben und alsdann, wenn keine Antwort von der venezolanischen Regierung erfolge, sich nach La Guayra zu begeben und daselbst wiederum 24 Stunden an Bord eines englischen Schiffes zu bleiben. Diese Zeitfrist war Dienstag abend um 7 Uhr abgelausen. Cranborne fährt fort: Wenn inzwischen kein Zugeständnis von der venezolanischen Regierung eingegangen ist, wird es nötig sein, ein zwangsweises Vorgehen einzu schlagen, aber wir haben noch keine Nachricht erhalten, daß ein solches Vorgehen eingeschlagen ist. Tie Regierung hat keine Nachricht bezüglich der Verhaftung englischer und deutscher Unterthanen, doch kann die Meldung, daß venezolanische Schiffe mit Beschlag belegt wurden, möglicherweise wahr sein, obgleich wir keine amtliche Information über diesen Punkt haben. Am Situation im Aeichstag. Im Reichstag hofft man, am heutigen Vormittag den Antrag Kardorff zur Beratung und zur Abstimmung zu bringen. 'Tie dritte Lesung des Zolltarifs fort sich unmittelbar an schließ en. Wahrscheinlich dürfte alsdann die ganze Zolltarif-Frage noch vor Weihnachten erledigt sein. Im Einklang mit einer Aeußerung des Abg. 23a ff ermann schreibt ber Abg. Arendt im „Tag": „Tie Dinge sind jetzt so weit gediehen, daß es ein Zurück nicht mehr giebt. Die Mehrheitsparteien können nicht »ugeben, daß irgend eine Vorlage den Reichstag beschäftigt, ehe das Zolltarifge setz verabschiedet ist. Auch der Etat darf hiervon keine Ausnahme machen. Nicht um den Taris handelt es sich, sondern um die Verfassung des Deutschen Reiches; da muß auch und wird auch die zweite Lesung des Etats zurückgestellt werden. Giebt sich die Minderheit wirklich der Hoffnung hin, nachdem die Enbloc-Annahm« des Tarifs erreicht, noch ein halbes Jahr hindurch erfolg- reich Obstruktion zu treiben? Sie kann nichts weiter er- ........................................------- Konzert des akademischen Kcsangvereins. Von den größeren T-nschöpfungen des verewigten Meisters Johannes Brahms ist wohl keine, die eine so g^ße Verbreitung gefunden bat und sich einer solchen Del--b'h"tt erfreut, wie das ..deutsche Requiem", das Herr Musikdirektor Trautmann gestern zum zweiten Male seit dem Tode des großen Tondichters unserem mit fi Hi-'beut) en Publikum tn wahrhaft mustergiltiqer Weise mit seinen Getreuen, dem akademischen Gesangverein und der verstärkten Kapelle des hiesigen Reg'ments. zur Anssich-ung bracht-. Tas „deutsche Reauiem" hat mit den gleichbenannten Werken frubrer Meister nichts gemein. Brabrns schrieb dasselbe zum Andenken an seine verstorbene Mutter, und dieser Umstand hat ihn jedenfalls neue Bahnen betreten veranlaßt. Thatsache ist ja auch, daß er erst nach der ersten Aufführung des Werkes im Jabre 1868 die allgemeine Anerkennung in Musikerkreisen gefunden hat. .... . r r Von der gestrigm Aufführung. die in den akust:,ch sehr günstigen Räumen unsrer Stadtkirche statsiand, wiederholen wir, wa? wir vorhin schon andeuteten: sie war musterhaft. Tie verschiedenen Chöre wurden m't einer Sicherheit gefangen, die Bewunderung erregte. Tabei waren alle rytb misch en und dynamischen Finessen aufs Sorgfältigste ausgearbeitet, und die Aussprache war gut und deutlich. So gelangten alle Schönheiten des kostbaren Werkes zur vollen Geltung und wir gestehen gern, daß es eine Aufführung aus einem Guß war, die allen Mitwirsi-nden zur Ehre gereicht, nicht zum wenigsten auch.den wackeren Musikern unsere? Regiments, die ihre schwierige Aufgabe mit Geschick und Glück lösten. Tie Solopartien hatten Fraul«-m Carola Hubert (Soprans aus Köln und Herr August Lei m er (Baryton^ aus Frankfurt übernommen, und wir berichten gern, daß Herr Musikdirektor Trautmann mit diesen Herrschaften eine ausgezeichnete Wahl getroffen hat. Fraulein Huber hat seit ihrem letzten Auftreten in Gießen (Elias, offenbar noch große Fortschritte gemacht und brachte gestern den Beweis, daß ihr wohlklingender, in allen Lagen völlig ausgeglichener und leicht ansprechender Sopran sich für die dankbare Rartie im Reauiem in hoh"m Maße eignet. Herr August Leimer ist gleichfalls von früher her als Konzertsänger in Gießen vorteilhaft bekannt und bat auch gestern wieder nrit den beiden Arien: „Herr lehre doch mich und „Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis" wieder gezeigt, daß er auch schwierigen Partien vollständig gewachsen ist. Vor dem Requiem spielte der Organist Herr Adolph Hempel aus München das Präludium und Fuge in T-moll von I. S. Bach und ein Präludium und Fuge in F-dur eigener Komposition, die ihm den Ruf eines tüchtigen Meisters auf der Orgel, der Register, Manual und Pedal mit gleicher Sicherheit beherrscht, in Gießen aufs neue gesichert haben. Mit zwei ernsten Liedkompositionen von I. S. Vach und I. Rass, die Herr Hempel feinsinnig begleitete, führte sich Fräulein Huber auch als Interpretin dieser Kom- positionsgattunq im ersten Teil des Konzerts vorteilhaft ein. Tas größte Lob für die gestrige Aufführung gebührt natürlich unbestritten unserem verehrten Musikdirektor Trautmann, der das Ganze zu einem so guten Gelingen geführt hat. Nur seiner unermüdlichen Energie und seinem Kunstsinn, der in richtiger Erkenntnis stets die besten Kräfte ausfindig macht, hat es Gießen zu verdanken, daß es in den letzten Jahren Konzerte im großstädtischen Stil bekommen hat. • Pr. Are indischen Krö'nvngsf klichkeiLen. Aus London wird zu den glänzenden Feftlichteiten in Delhi, zu denen, wie berichtet, gestern ftüh auch S. K. H. der Groß Herzog abgereist ist, folgende interessante Schilderung gegeben: Man muß schon sehr reich sein, wenn man an dem Krönungsdurbar bei Delhi teilnehmen will. Dennoch haben wir in der vergangenen Woche einen wahren Exodus von hochgestellten Männern und schönen Frauen beobachten können, von denen wohl viele Gäste deS VizekönigS sind, andere aber doch auf eigene Kosten die Reise unternahmen. Der Tagespreis in den Delhi-HotelS beträgt heute schon 80 bis 110 Mk. für ein Zimmer, die eingeborenen Diener verlangen daS dreifache der gewöhnlichen Löhne und die Kulis verdienen an einem Tage soviel wie sonst in drei Wochen. DaS Fest wird freilich ein feenhaftes werden. DaS Lager dehnt sich weit über sechs Meilen aus und überall wird eine bis dahin nie gesehene Pracht und cm unbeschreiblicher Luxus entfaltet werden. Das Zelllager des Höchstkominandierenden ist bis auf die innere Einrichtung aufgeschlagen. Diese wird aus weißem, blauen und Gold-Mousielin an den Wänden, blau und silber an der Decke bestehen. Luxuriöse persische Tevpiche bedecken den Boden und ein aus schwarzer indischer Eiche geschnitztes Mobiliar schmückt die Räume. Zwischen den Zelten ist der Raum reich mit orientalischen Blumen und Blattpflanzen bestellt. Für daS Zelt deS japanischen Kronprinzen sind bereits Hunderte von Kisten auS Tokio und Osaka eingetroffen und daS Mobiliar wird fast gänzlich aus den kostbaren Lackarbeiten aus Kirschbaumholz bestehen, die nicht mit den lächerlich billigen, aber nicht haltbaren Lackarbeiten zu verwechseln sind, wie sie bei unS auf den Markt kommen. Der Wert dieses in Delhi zur Verwendung gelangenden japanischen Materials wird auf 400000 Mk. geschätzt. DaS Hauptquartier Lord Curzons, deS VicekönigS, ist das Gerichtsgebäude, ein imposantes Haus, zu dem eine 40 Fuß hohe Freitreppe führt. Der Portikus wird von acht Säulen getragen. DaS HauS ist mit einem schneeweißen Anstrich versehen, doch werden die Prosile vergoldet. Ein charakteristischer Zug in der auS aller Welt herbei- strömenden mächtigen Versammlung werden die Veteranen auS dem indischen Aufstande sein. Ursprünglich wollte man alle die alten Soldaten heranziehen. Als sich aber ergab, daß man dann 1500 Mann unterzubringen haben würde, so mußten die Einladungen nur auf die Offiziere und Unteroffiziere beschränkt werden, die an der Belagerung von Delhi teilnahmen. Von europäischen Veteranen wurden in der Folge nur 95, von heimischen, die den Briten in jenen verhängnisvollen Tagen beistanden, 230 aufgefordert, den Festen beizuwohnen. DaS Lager der europäischen Veteranen befindet sich ganz in der Nähe desjenigen deS VizekönigS inmitten der Zelte der Provinzialstatthalter. Es steht an derselben Stelle, von wo am 11. Mai 1857 die britischen Soldaten und die Eingeborenen mit Frauen und Kindern ihren furchtbaren Rückzug nach der Fortnahme der Citadelle antraten. Tie sämtlichen Straßen, die nach dem Durbarlager führen, werden mit Bogenlampen, die Zelte mit Glühlicht beleuchtet. reschen aV schärfere Bestrmunrngen der Geschäfts^cd lMwg tmb eine wachsende Erbitterung aller Nassen der Bevölkerung gegen die Märmer der Cbfh-uftwn.* Mrt der Haltung der Nationalliberalen im Reichstag bezüglich deS Antrages Kardorff sind bekanntlich verschiedene mehr dem linken Flügel angehörende Parteigenossen nicht einverstanden. Tas kam auch in einer Versammlung des Berliner Nationalliberalen Vereins in scharfer Weise -um Ausdruck. Es gab viel Widerspruch und manche harte, abfällige Kritik. Man warf der Fraktion vor, die Grundsätze von Eisenach verleugnet zu haben und beantragte sogar eine Resolution, die die Zustimmung zum Antrag Kardorff für eine „nicht zu billigende Unterdrückung der Minderheit erklärt. Unter den Tadlern befand sich auch Justizrat Krause, der Vicepräsident des Abgeordnetenhauses. Verteidigt wurde die Fraktion vornehmlich vom Abgeordneten Tr. Sattler. Von einer Beschlußfassung wurde nach langer Beratung Abstand genommen. — Tie „Nat.- Ztg.", die Führern der Opposition gegen den Antrag Kardorff, erklärt heute, der fernere Zusammenhalt der national- liberalen Partei hänge davon ab, daß dieselbe irn Lande der Politik, welche im ©inne des Antrags Kardorff getrieben werden soll, unzweideutig die Gefolgschaft verweigert. Tas Blatt pssegt den Mund indessen nntunter etwas voller zu nehmen, als ihm nach Maßgabe der von ihm vertretenen Kreise zu kommt! Tas auffallend ruhige Verhalten der Sozialdemokraten in der gestrigen Reichstagssitzung findet, wie nachträglich bekannt wird, seine Erklärung in Vorgängen, die sich innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion abgespielt haben. In der letzten Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion soll es nämlich zu scharfen Zusammenstößen zwischen den Gemäßigten und den Radikalen gekommen fein. Abg. v. Vollmar hatte die Führung der ersteren Gruppe übernommen und die Art imb Weise, wie in letzter Zeit Obstruktion getrieben wurde, mit ungeschminkten Worten getadelt. Es soll dabei pi solch heftigen Auseinandersetzungen gekommen fein,, daß man es für geboten erachtete, die im Vorzimmer harrenden Saaldiener wegznschicken. Parlamentarisckies. Die zweite Kammer der Landstände hält am Dienstag, beu 16. Dezember, Vormittags 10 Uhr, ihre dritte Sitzung ab mit folgender Tagesordnung: T. Beratung und Beschlußfassung für eine an Seine Königliche Hoheit den Großherzog zu richtende Adresse. IT. Regierungsvorlage, Gesetzentwurf, die Fürsorge für Beamte in Folge von Betriebsunfällen be- tteffend. (Berichterstatter: Abg. Reh.) III. Regierungsvorlage, Nachtragsforderung zu Kapitel 93 „Kriminalkassen" des Hcmpt- voranschlaqs 1902/03. (Bvrichterstatter: Abg. Hänsel) IV. Regierungsvorlage, Entwurf eines Gesetzes über die Aenderung des Gesetzes, die Erhebung der direkten Steuern, vom 29. August 1874, betreffend. (Berichterstatter: Abg. Möllinger.) Seitens der Regierung ist der zweiten Kammer folgender Entwurf eines Gesetzes, die Entmündigung wegen Verschwend ring oder wegen Trunksucht vorgelegt worden: Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und verordnen hierdurch wie folgt: Einziger Artikel. Die Entmündigung wegen Verschwendung oder wegen Trunksucht kann auch von dem Armenverbande beantragt werden, dem die Fürsorge für den zu Entmündigenden im Falle der Hilfsbedürftigkeit desselben obliegen würde. Der Anttag bedarf, falls er von dem OrtS- armenvcrband einer Gemeinde auSgeht, auf welche die Landgemeinde-Ordnung Anwendung findet, der Genehmigung des zuständigen KreisamteS. Deutsches Reich. Berlin, 10. Tez. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts, des Ministers des Innern, des Justizministers und des Generaladjutanten Grafen Hochberg. — Ter neuern(rrrnte deutsche Botschafter für den Wiener Posten Graf Wedel trifft dort, wie der „Voss. Ztg." gemeldet wird, am 30. Dezember ein. — Eine Protestversammlung der Besitzer und Leiter von Brauereien Deutscblands nahm einstimmig eine Erklärung an, welche die Erwartung aussvricht, daß, wenn der Reichstag die beabsichtigte Erhöhung des Gerstenzolles, sowie die differentielle Behandlung von Brau- und Futtergerste beschließen sollte, der Bundesrat einem derartigen Beschlüsse seine verfassungsmäßige Zustimmung versagen werde. — Auf deutschen Eisenbahnen — ausschließlich der bayerischen — sind nach dem „Reichsanz." im Monat Oktober d. I. 13 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 5 bei Personenzügen), 24 Entgleisungen in Stationen (davon 7 bei Personenzügen), 3 Zusammenstöße auf freier Bahn (nur bei Güterzügen), 31 Zusammenstöße in Stationen (davon 8 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 1 Bahnbeamter getötet, 1 Reisender, 19 Bahnbeamte, 3 Postbeamte und eine fremde Person verletzt. — Zur Neckar-Kanalisation. Wie man aus Heidelberg schreibt, hat das badiscke Ministerium des Innern die am Neckar gelegenen Gemcinoen aufgefordert, sich über das Projekt eines Großschiffahrtsweges oder genauer einer Neckar-Kanalisation zwischen Mannheim und Cannstatt zu äußern. Die daraufhin erfolgten Antworten lassen erkennen, daß diese Ofcmcinixm dem Projekt kein besonders lebhaftes Interesse entgegenbringen. Tie Kleinschiffer befürchten vielmehr eine Beschränkung ihres Erwerbs und die Stadt Heidelberg eine Beeinträchtigung ihrer landschaftlichen Schönheiten des Neckarthales. $n Mannheim find die Meinungen geteilt. Auf der einen Seite glaubt man, daß der Umschlagsverkehr zum Teil auf Heilbronn übergehen würde, aus der anderen erwartet man Vorteile für Mannheim auS der Verkehrssteigerung. Magdeburg, 10. Dez. Wie die sozialdemokratische „Volksstimme" meldet, wurde der Eisendrcher Kutzner nach 22iähriger Arbeitszeit und der Metalldreher Andre nach 16jähriger Arbeitszeit heute vormittag aus dem Kruppschen G r ii s o n - W e r k entlassen, weil die beiden das Huldigungstelegramm der Arbeiter an den Kaiser nicht mit unterschrieben hatten. Breslau, 10. Dez. Eine gemeinschaftliche Nersarnm- tting des Breslauer Fortschrittsvereins und des Vereins „Franz Siegler" sollte ein Vertrauensvotum an den Abg. Eugen Richter beschließen. Nach einer Rede des 9iebar- teurS Cunow unterblieb das Votum. Aus üladt und Land. Gießen, den 11. Dezember 1902. ** Der dritte wissenschaftliche Fortbild- unaskursus für VolkSschullehrer wird im nächsten Frühjahr an der hiesigen Landeshvchschule statt- finden. Tie beiden ersten Kurse — 1901 und 1902 — erfreuten sich des denkbar stärksten Besuchs, der erste zählte 236 Teilnehmer, der zweite ziemlich dieselbe Zahl, ©ogar aus der weiteren Umgegend Gießens, z. B. Grünberg, Alsfeld, Lich, Hungen, Nidda, Dilbä, Friedberg, Wetzlar usw. beteiligten sich die Lehrer an den Kursen. Auch an der Universität M a r b ur g sind seit einigen Jahren derartige hirfe eingerichtet; so findet in diesem Winter roieber ein olcher vom 14. Januar bis Ende März statt. ** Das Auftauen der Sch a u f en st er. Uns wirb geschrieben: Von verschiedenen Ladeninhabern ist in letzter Zeit zum Freihalten der Schaufenster von Eis die Einrichtung benutzt, daß in unmittelbarer Nähe der Spiegelscheiben Zahlreiche Gerne Gasflämmchen unterhalten werden. Auf )ieje Weise wird allerdings das Zufrieren der Spiegel- cheiben verhütet und die Schaufenster werden durch die ausströmende Wärme stets trocken erhalten; es sind hierdurch aber auch in einzelnen Fällen Schäden veranlaßt worden und die betreffenden Ladeninhaber dadurch um so mehr benachteiligt, als die Versicherungsgesellschaften sich in solchen Fällen, gleichwie wenn künstliche Mittel zum Erwärmen der Scheiben zwecks Abtauen von Eis angewandt ind, nicht zum Ersätze verpflichtet halten. Die Policebedingungen bestimmen, daß, wenn Einrichtungen im Geschäftsbetriebe getroffen werden, welche die Gefahr erhöhen, die Gesellschaften nicht zum Ersatz verpflichtet sind, wenn dieselben nicht ausdrücklich ihre Genehmigung zu solchen Einrichtungen erteilt haben. Unter der erwähnten neuen Einrichtung sollen namentlich die größeren Spiegelscheiben zu eiben haben und durch die von innen durch die Gaslämmchen erzeugte große Hitze im Gegensatz zu der außen vorhandenen falten Temperatur mehrfach zum Zerspringen gebracht sein. Nicht minder gefährlich ist diese Einrichtung aber auch für die in den Schaufenstern ausliegenden oder ausgehängten Waren, die bei dem geringsten Luftzüge oder beim Herabfallen irgend eines kleinen Stücks leicht Feuer äugen. Es kann dadurch ein bedeutender Schaden herbei- geführt werden. Diejenigen Ladeninhaber, welche vorerwähnte Einrichtung bereits getroffen haben, dürften daher in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie fich zuvor mit den betreffenden Versicherungsgesellschaften verstän- ngten, damit sie hernach, wenn ein Schaden entstanden ist, nicht mit den Ansprüchen an die Versicherungsgesellschaft zurückgewiesen werden, weil sie gegen die Assekuranzberingungen gehandelt haben. T a r m ft a b t, 10. Dez. Die Gesamtzahl der von dem Schwurgericht der Provinz Starkenburg im laufenden Jahre abgeurtcuten Fälle beträgt nach dem am letzten Samstag erfolgten Schluß der letzten Tagung nunmehr unsunddreißig. Unter ihnen stehen oben an die Sittlich? keitsverbrechen mit neun, dann folgen Meineid mit sieben, Brandstiftung mit fünf, Kindesmord mit vier, Verbrechen im Amt und Urkundenfälschung je mit drei, Körperverletzung mit tötlichem Erfolg zwei, Raub und betrügerischer Bankrott je ein Fall. Tie Verhandlungen dieser Sachen, von denen eine zwei Tage dauerte, nahm im ganzen sechs Wochen in Anspruch nur 4 von den 35 Fällen (2 Meineide, 1 Brandstiftung, 1 Verbrechen im Amte) führten zu völliger Freisprechung. Handel und ycrkrljL MUn>uiirlschast. Märkte. Limburg a. d. 8., 10. Tez. Frachtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.39 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., altes Korn 10.37 Mk., neues Korn 10.60 Mark, Gerste 8.50 Mk., alter Haler 6.81 Mk., neuer 0.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Arlicitcrbtuiegnng. Marseille, 10. Dez. Die eingeschriebenen Seeleute, veranstalteten beute eine Versammlung in der A r b e i t s b ö r s e , die von 5000 Personen besucht war. Dieselbe lehnte einstimmig den Vorschlag des Admirals Rouvier ab, ein Schiedsgericht einzusctzen. Die Versammlung nahm eine Tagesordnung an, welche alle Organisationen aufforderte, die Arbeit niederzulegen und in den Ausstand zu treten. Der Sekretär der eingeschriebenen Seeleute in Matteille, Ri» velli, verlas gestern Abend eine von Abgeordneten der verschiedenen Syndikate angenommene Tagesordnung, in der diese sich für den Generalausstand aussvrechen um die eingeschriebenen Seeleute zu unterstützen. Die Versammlung ging unter Hochrufen auf den G e n e r a l a u s st a n d und die foziale Revolution auseinander. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Neliaiansgemeinde. Samstag, den 13. Dezember 1902. Vorabend 4.30 Uhr. Morgens 9 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schristerklärung. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Hottesdteuff brr israelitischen Leliqionskieseffschafl. Sabbathfeier am 13. Dezember 1902. Freitagabend 4.00 Uhr. Samstag Vormittag 8.30 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Mochengottesdienst: Morgens 7 Uhr, abends 4.00 Uhr. lleneste itieluiuuien. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Berlin, 11. Dez. Das Resultat der Wahlen zum 91 eiterten-Kollegium ergab eine überwiegende Majorität von Mitgliedern, die für das selbständige Fortbestehen der Korporation der Berliner Kaufmannschaft eintreten. Limburg, 11. Dez. Aus Oberaar (Westerwald) wird gemeldet, daß ein Mann aus Ettinghausen erfroren aufgefunden worden fei. Der Verunglückte hinterläßt eine Familie von 7 Kindern. München, 11. Dez. Auf die Resolutton der Münchener Studenten, betr. Aussechtung der Duelle mit blanker Waffe, die dem bayrischen Kriegsminister zugegangen war, antwortete dieser, daß er nach § 201 deS ReichS-Strafgeseh- bucheS nicht in derLage fei, Wünschen über die Art der AuSfechtttng der Duelle Rechnung zu tragen. Straßburg, 11. Dez. Auf der Station Merzheim im Kreise Gebweiler im Qberelsaß wurde gestern abend die 38 jährige Tochter deS Spezereihändlers Dubach, welche au5 einem Personenzuge auf der falschen Seite auSgcstiegen war, von einem von Straßburg fommenben Schnellzuge überfahren und bis zur Unkenntlichkeit zermalmt. Stockholm, 11. Dez. Hinsichtlich der Verleihung der Nobelpreise teilte der Präsident der Akademie der Wisien- schaften, Profesior Theel, mit, daß der physikalische Preis den holländischen Profefforen Lorentz und Zecb- mann verliehen sei, wegen ihrer Arbeiten über den Zusammenhang der optischen, elektrischen und magnetischen Phänomene. Der chemische Preis sei dem Profesior Fischer-Berlin, dem Direktor deS chemischen JnstttutS bet Universität, verliehen, wegen seiner synthetischen Arbeiten übet den Zucker. Paris, 11. Dez. Die venezolanische Regie» rung teilte ihrem hiesigen diplomatischen Vertreter mit, daß Deutschland und England sich Venezuela gegenüber eine Gewaltthätigkeit (!!!) zu Schulden kommen ließen, indem sie in La Guayra liegende venezolanische Kriegsschiffe beichlag. nahmten. Als 9lntroort hierauf habe die venezolanische Regle- rung die Verhaftung der deutschen und englischen Staatsangehörigen in Caracas, sowie die Beschlagnahme bet Eisenbahn verfügt. Die Regierung richtete einen Aufruf an bie Bevölkerung, sich mit Gewalt gegen bie beutsch-englischen Angriffe zu verteibigen. Paris, 11. Dez. Dem .Petit bleu' zufolge ist eine Klage wegen Morbes gegen Romain d'Aurignac.eingebracht worden. Derselbe wird beschuldigt, im Jahre 1894 einen seiner Gläubiger im Eisenbahnzuge ermordet zu haben. Marseille, 11. Dez. Die Hafen- und Dockarbeitei erklärten sich im Prinzip mit dem Proklamieren beS Gcneral- ausstanbes einoerftanben. Mabrid, 11. Dez. Die immer bedrohlicher (autenben Melbungen au5 Marokko rufen in RegierungSkreisen große Erregung hervor. Man befürchtet, baß ber Moment gekommen sei, in welchem die europäischen Machte intervenieren würden. Wien, 11. Dez. In der heutigen Nachtsitzung deS Gemeinderats kam es zu großen Demonstrationen für den deutschen Kaiser. Der Gemeinderat Schwer hielt eine heftige Rebe gegen bie Sozialdemokraten und beschuldigte sie direkt der 9lrbeiterfeindlichkeit. Tie Verleumdunq sei das Feld der Sozialdemokraten. In Deutschland hätten dieselben durch Verleumdung einen wirklichen Arbeitersieimb in den Tod getrieben. Gott sei Tank habe ber beutsche Kaiser ben Mann nach seinem Tobe noch geehrt. Tiese ©rflärung wurde von ben Antisemiten mit tosenbem Beifall und nicht endenwollendem Händeklatschen begleitet. Großwardein, 11. Dez. Gestern Abend fand in ber Gasanstatt eine Exp losion statt. Eine Retotte und bie bamit im Zusammenhang stehenden Magazine wurden in die Luft gesprengt. Die große Retorte konnte rechtzeitig durch Absperrung der ZuleitungSrohre gerettet werden. Zahlreiche umliegende Häuser wurden zerstört, mehrere Personen verwundet. New-Pork, 11. Dez. Die furchtbare Kalte verursachte während der letzten Nacht den Tob von fünf Menschen. Die Temperatur sank auf 28 Grad R. unter Null. Die Stadt bewilligte 100 000 Dollar für Frei- kohlen. New-Pork, 11. Dez. Die weggenommenen venezolanischen Kriegsschiffe ergaben sich nachmittags 4 Uhr ohne Widerstand mit 390 Mann. Die Schiffe wurden in- Schlepptau genommen und alsbald aus dem Hafen gebracht. — Das Staats-Departement wurde durch ben Gesandten Bowen von ber Verhaftung mehrerer beutschcr unb britischer Unterthanen in Caracas benachrichtigt. Bowen bewirkte mit energischem Protest bie Freilassung einiger. Anbere sinb trotz bes Protestes noch in Hast. — Em Lonboner Regierung Organ melbet: Ter Kapitän betz englischen Kriegsschiffes »Retribution* habe gestern nachmittag einen Spezial-Kutter mit einem Ultimatum nach Caracas gefanbt, das eine letzte Frist von 48 Stunben zur Erfüllung ber bann enthaltenen Forberungen festsetzt. Die Note verlangt eine sofortige Baarzahlung von je 34 000 Dollar an Deutschlanb unb England sowie Regelung ber Ansprüche au§ ber vergangenen Revolution burch ein gemischtes Tribemal in betreiben Weise wie bei bem letzten Uebercinfoinmen mit Frankreich. — Der Lonboner venezolanische Konsul erklärte einem Vertreter der St. James-Gazette, bie Lage sei äußerst gefährlich. Die Beschlagnahme ber Flotte käme einer Kriegs-Erklärung gleich. Die Verhaftung beutschcr unb englischer StaatSangc' hörigen läge in deren Jntercsie als Schlitz gegen die wutentbrannte Bevölkerung. Er glaubt, in Caracas seien zirka 240 Engländer, im Lande etwa 600. Deutsche gebe es in Caracas an 250—300. Falls Deutschland unb England gegen Venezuela Krieg führen wollten, hätten sie eine schwere 9lufgabe. Die Republik könne wenigstens 100 000 Mann ins Feld stellen. — Die Blokade ber venezola- nischen Küste wirb nach einem Lonboner Telegramm von Barima bis La Guayra burch englische, von La Guayra bifl zur kolumbischen Grenze durch deutsche Schiffe aufrecht erhalten. Telephonischer Kursbericht« Frauktiiri 3*/iö/o Reich-anloibe . . 101 90 1 »"/. do. ... 90.95 3‘VVq Konsole . . . . 101 70 3«/, do..... 90 90 V/f®/ Hessen .... 100.75 t % Obprhessen . . . 99 80 4% O-i*terr. Go’drerte . 103.00 41 T % Oeaterr. Hitberrcnte 101.-10 4% Unrar. Ooldr-nto . . 101.55 4° Italien Kente . . . 103.30 4’ Portnpies-n . . . 49.40 <•/ ‘'ortn^feaen.....31.00 i 1% C. Türken .... —| Tilrkenlose .....121 60 j 4*/o Oriech. Monopo' -Aul. 44.50 ' 4* äunsere Argentmer —.— | b. >1M 11. 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Romml ein Einlagebuch abhanden, so hat der Sparer unverzüglich bei der Bank Anzeige zu erstatten. Die Bank ist berechtigt, aber nicht verpstichtet, bei Kapital- rückzahlungen die Legitimation des Vorzeigenden zu prüfen. Die Beischreibung der Zinsen erfolgt im Januar jeden Jahres in den Büchern der Bank. Die Besitzer der Einlagebücher können die Auszahlung oder Beischreibunq jedoch ganz gelegentlich auch in anderen Monaten veranlassen. Ravitalien unter 1000 Mark können ohne Kündigung abgehoben werden, dagegen hat der Zurücknahme von Beträgen über 10O0 Mark in der Regel eine dreimonatliche Kündigung vorauszugehen. Vormünder können die Zinsen für ihre Mündel erheben, wenn das Gericht nicht anders bestimmt hat. Bei Kapitalrückzahl- uugen bedarf es der schriftlichen Ermächtigung der obervormund- Hypothekenbank in Hamburg. Il.e FJnlö*ung der am Ä. Jannar 1903 tä li en ZBun* Meine unserer Hynothekenpfänd riefe erfolgt vom 15. 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