Donnerstag 11.Dezember LNOT ISS. Jahrgang Erstes Blatt. E Studinm. «S- 2 10 12 1 1 1 34' 1 70 Staaten Ein junger Mann m glücklich zu Fall, Sotmtag, den 14. Dezember. 1B1 10 10 5 2 2H 180 9| 89 4 15 86 88 30 3 2 24 ej| 35 49| 35 Theologie . . . Rechte .... Medizin . . . Tierheilkunde Zabnbeilknnde Philosophie . . Mathematik . . Naturwissenschaften Chemie ... Pharmazie . . Kameralwiflenschaft Forstwiffenschaft beschichte . . . Klassische Philologie Neuere Philologie Mil Reifezuanis von 62 203- 165 12 10 31 21 24 2 1 24 7 43 34 iL 13 3 •* Uebersicht der Studierenden nach Staaten und Fa^ kultätcn. _______________________ Nv. 291 Erscheint täglich außer SomnagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die (Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'ichen Umvers.-Bnch- u.Slem- bruderet (Pietsch Erben) Redaktion, Ervediturn und Truderet; Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernlvrrchanlcliluß ')lr. 51 die dem und Der vor, Zeit zur ~ Von der LandesuniversitLt. Uebersicht be8 Studierenden nach Fächern: treffenden Fragen. Im nordam er ikanrschen Kongreß werden Geschäfte von einem Ausschuß geleitet, der aus Sprecher, aus einem Führer der Mehrheitspartei aus einem Vertreter der Minderheitspartei besteht. Ausschuß schreibt mit Zustimmung der Mehrheit genau welche B'll zur Verhandlung zu stellen ist, tote viel der Debatte gewidmet werden darf, und wann sie Abstimmung gelangen soll. Der Sprecher hat das Recht, Anträge, die ihm als „dilatory", als lediglich zur Verschleppung gestellt, erscheinen, nicht zur Beratung zu stellen. Dagegen kann an das Haus appellrert werden. 62 203! 166 175 10 22 77. 5Ö 60] 23 49 Aus Stadl und Land. Gießen, den 11. Dezember 1902. ** Gedenkta ge. Zu Berlin wurde am 11. Dezember 1758 Karl Friedrich Zelter, Goethc's bester Freund, Erfinder des Wortes „Liedertafel" und Begründer einer solchen, geboren. Ursprünglich Maurermeister, betrieb er die Musik in Mußestunden und leistete bald als Violinist, Dirigent und Komponist Vorzügliches. Durch seine Bemühungen erblüte für die Männergesangvcreine eine neue Aera. Keiner aber hat so herrlich wie er die Goethe'schen Lieder komponiert. Einer der bedeutendsten Schüler Zelters ist Mendelssohn-Bartholdy. Zelter starb am 15. Mai 1832. ** Unfall auf der Eisbahn. < kam am Sonntag auf der Eisbahn so unglücklich zu .. daß er sich eine nicht unbedenkliche Verletzung am rechten Auge zuzog und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. ** Konzert-Verein. Kaum sind die hehren Klänge des Requiems von Brahms, 1 15 5 58 182 61 22 4 3 7fl 33 29, 6 42| 6 371 53 Wie stad dte Heschäflsordnunflen in anderen Parlamenten beschaffen? Neber die Geschäftsordnung im englischen Parlament ist schon früher Näheres mitgeteilt worden. In Frankreich kennt die Geschäftsordnung außer dem Ordnungsruf noch die RÜoe (Eensure) und die Rüge mit zeitweiligem Ausstbluß. Außerdem kann zur Ordnung gerufen werden mit Äntragung ins Protokoll, wenn der Abgeordnete in derselben Sitzung sich einen Ordnungsruf zugezagen hat. Ein solcher verschärfter Ordnungsruf hot den Verlust der halben Diäten während 14 Tagen zur Folge. Ist ein Redner zweimal in derselben Sitzung zur Ordnung gerufen w-orden, so kann ihm für den Rest der Sitzung auf Vorschlag des Präsidenten das Wort entzogen werden. Tie Kämmer entsehoidet darüber ohne Debatte durch Aufstehen und Sitzenbleiben. Die Rüge wird u. a. erteilt dem Abgeordneten, der in einem Zeitraum von drei Tagen sich wiederum einen Ordnungsruf zugezogen hat, oder Zeichen zu einem lärmenden Auftritt giebt, oder der seine Kollegen beleidigt, herausfordert oder bedroht. Die Rüge hat den Verlust der halben Diäten während eines Monats zur Folge. Außerdem wird in 200 Eremplaren auf Kästen des Betroffenen der die Zensurverhängung enthaltmde Ausschnitt des Sihungsprotokolls gedruckt und in allen Gemeinden angeschlagen, die den Abgeordneten gewählt haben. Wer in derselben Tagung fefwn zwei einfache Rügen erhalten hat. kann mit zeitweiligem Ausschluß aus dem Sitzungsgebäude, bestraft werden, ebenso derjenige, der die Kämmer, einen Teil derselben, den Präsidenten, ein Mitglied der Regierung, den Präsidenten der Republik oder den Senat beleidigt. Eine solche Rüge schließt das Verbot ein, während vierzehn Tagen im Kammergebände zu erscheinen. Erscheint oer Abgeordnete vor Ablauf der gesetzlichen Frist, so wird er auf Befehl der Quästoren verhaftet,, in einen dafür hergerichteten Raum geführt und dort bis zu drei Tagen festgehalten. Im Falle eines solchen Wiedererscheinens und wenn die verschärfte Zensur in derselben Tagung ein zweites Mal denselben Mgeordneten betrifft, so wird die Ausschlußzeit auf 30 Sitzungen ausgedehnt, zugleich mit Verlust der halben Diäten während zweier Monate. Dazu kommt der öffentliche Anschlag in den betreffenden Gemeinden. Tie Kämmerpolizei wird vom Präsidenten ausgeübt. Er hat das Recht, die bewaffnete Macht und alle Behörden zu requirieren, deren Mithilfe ihm nötig erscheint. Zur sofortigen Verfügung steht ihm die militärische Kämmerwache, die er beispielsweise herbeiruft, wenn nach Erteilung einer verschärften Rüge der bestrafte Abgeordnete sich weigert, den Saal zu verlassen. In Italien giebt die Geschäftsordnung vom 1. Juli 1900 dem Präsidenten die Befugnis, die bewaffnete Macht in den Sitzungssaal zu rufen, um unbotmäßige Abgeordnete zum Gehorsam zu zwingen. Außerdem wurde die Möglichkeit, namentliche Abstimmungen herbeizuftchren, erheblich eingeschränkt, indem sie völlig ausgeschlossen wurden bei der Genehmigung des Sitzungsprotokclls, den Urlaubsgesuchen und allen das geschäftliche Verfahren be- S ä ° = 1*?-° 2 ® 2 S »iXgs.h -1 Q Bezugspreis: monatlich 75Pi., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Adhole» u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer dis vormittags 10 Uhr. Zeilenvreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. u. allgem. Teil! i. V.: Fr. Hannemann; für,Stadt u. Land" unb .Gerichtssaal": 6.urt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. 6 1 io; 'jl018| 608 201j 6391 163j Darunter neu immatrikuliert . ♦ . || 1251 23| Politische Tagesschau. „Zar Reed." Ter soeben telegraphisck gemeldete Tod des ehemaligen Sprechers (Präsidenten) oes amerikanischen Kongresses Thomas B. Reed ruft gerade unter den jetzigen Zeitverhältnissen die Erinnerung wach, wie er einst die Obstruktion im Kongresse brach, wodurch er sich den Beinamen Zar Reed erwarb. Tie Parteien hielten sich damals im Kongreß fast die Wage. Tie Mehrheit der Revublikaner, welche Reed zum Sprecher erwählt hatten, betrug nur wenige Stimmen, und da fast immer einer oder der andere von den Republikanern wegen Krankbeit oder aus anderem Grunde fehlte, so pflegte die Gegenpartei, die Temokraten, so oft es ihnen paßte, die Versammlung dadurch beschlußunfähig zu machen, daß sie sich aus dem Saale ent- ernten, nur Einm zur Beobachtung der weiteren Verhandlungen zurücklassend. Eine Weile sah Reed das mit an. Wer als eines Tages nach Anordnung einer wichtigen namentlichen Abstimmung die Demokraten, wie, gewöhnlich, den Saal verlassen wollten, fanden sie sämtliche Aus- gangsthüren auf Anordnung des Sprechers aeschlossen. Es kam zu wütenden Szenen. Einige demokratische Vertreter versuchten sogar, die mächtigen Thüren zu erbrechen. Aber Reed ließ unentwegt mit der namentlichen Abstimmung fortfahren. Ta die Zahl der Abstimmenden die beschluß- sähige ?lnzabl nickt erreichte, diktierte er den Schriftführern eine Liste von Mitgliedern, die er gesehen habe, die also anwesend seien, wenn sie auch inzwischen in den Nebenzimmern verschwunden waren, und erklärte dann die Abstimmung für perfekt. Dabei blieb es auch von da an, da es sich herausstellte, daß die neue Uebung der Geschäftsordnung nicht zuwiderlief. Tie wütenden Proteste der Minderheitspartei wurden noch eine Zeit lang fortgesetzt, verstummten jedoch allmählich. Reed aber verdankte seinem energischen Vorgehen seinen Spitznamen: der Zar. Thomas B. Reed war im Oktober 1839 in Maine geboren, ist also nur 63 Jahre alt geworden. Er war wohl der bedeutendste Mann, den die republikanische Partei besaß, konnte aber bei der Bewerbung um die Präsidentschafts-Nomination gegen den geschmeidigeren Mac Kinley nicht aufkommen. Erbittert zog er sich ins Privatleben' zurück. In neuerer Zeit hatte Präsid-mt Roosevelt ein Auge auf ihn geworfen, der ihn an die Spitze einer Kommission stellen wollte, welche Mittel zur Niederhaltung der „Trusts" ausfindig machen und Vorschlägen sollte, für welche Aufgabe der energische Mann als besonders befähigt erachtet wurde. Sein früh- zeitiger Tod hat ihn ihr entrückt. Hessen .... Andere deutsche Staaten: Preußen . Bauern . . ♦ Sachfen . . . Württemberg . Baden Mecklenburg-Schwerin Oldenburg Sachsen Weimar Sachsen-Kobiirg-Gotha Braunschweig . Elfaß-Lothringen Sachsen-Meinungen. Waldeck . . . Hamburg . Lübeck Andere europäische Staaten: Oesterreich-Ungarn . Rußland . Frankreich . * Großbritannien . Niederlande . Schweiz . Türkei . ♦ Spanien . • . Serbien ... Rumänien . . Außereuropäische Staaten: Nord-Amerika . Süd-Amerika . . Indien . . . Japan . ♦ * GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen Fakiiltäten — O o'E o *3 ^2 S ?> .E 58 182 87 281 608 _ 17 176 66 259 1 1 48 5 55 — — 5 2 7 — —— — 4 — 1 11 6 18 — — 1 —— 1 — — 4 4 1 — 2 — 3 — — i — 1 — — i — 1 1 — ß 6 — —— i — 1 — — i 2 3 1 — i 2 4 — — — 1 1 _ 1 _ 5 6 — — 2 14 16 _ — —— 2 2 — — — 4 4 — — — 1 1 — — — 1 1 — — — 1 1 — — 1 — 1 — — 1 — 1 — — — 1 1 _ _ 3 1 4 — 1 — — 1 I. —— —— — 1 — — 1 — 3 62 |203 |3öl 402 |1018 Fruillctan. Christlanla, 8.Dez. Der 70. Geburtstag Bjornstjerne Bsörn- fons wurde heule unter lebhafter Anteilnahme der ganzen Bevöl- kenmg gefeiert. Tie Stadt zeigt reichen Flaggenschmuck. Sämtliche Leitungen bringen an leitender Stelle Festartikel. Im Lause Bsörn- son^ erschienen im Laufe des Vormittags zahlreiche Abordnungen, darunter solche der Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Lehrerund Frauenvereine. Unter den eingelaufenen Adressen befindet sich eine oom dänischen Volke mit 30 000 Unterschriften. Abends findet zu Ehren Björnfons im Nationaltheater Galavorstellung statt. Tie Studentenschaft bringt ihm einen Fackelzug dar. Petersburg, 7. Dez. In Vertretung der Protektorm, der Großfürstin Senia, eröffnete heute die Großfürstin Olga Alerandrowna im Beisein mehrerer Minister und zahlreicher Hofwürdenträger, sowie einer glänzenden Versammlung die internationale Au s- stellunq historischer Trachten nnd moderner Kostüme im Taurischen Palais. Tie Chefs der diplomatischen M.sfionen der aiisstellenden Staaten geleiteten die Großfürstin nach dem Hauvtfaal, in dem sich die bev.tkhe und oUerrcichnche Abteilung befinden. Lier fand zunächst die kirchliche Einweihung statt. Ter deutsche Botschafter v.Alvensleben übernahm als Protektor der deutschen Abteilung die Fuhruiig durch letztere. Bei icr Bern- stetn.Ausstelli.nq des pretiß.schen Handelsrnrnntermms überreichte Professor Klets der Großsürstin einen mit hunderten von Bernstein' tropfen gezierten Strauß von Tannenzweigen und Rosen. T,e Großfürstin dankte und sprach wiederholt ihre Be.ounden.ng über die Entwickelung der Bernsteintechmk au^. Besondere Pachtung widmete sie auch der auf Befehl des deutschen Kn'fers ver- aiistalteten AussteNi.ng historischer Trachten der preußischen Armee. Danach fand unter Führung der betreffenden MisiionschefS die Besichtigung der übrigen Abteilungen statt. 2.ie französische Abteilung war noch nicht fertiggestellt. - Gerhart HauptmannS ,,Dcr arme Heinrich , non jem Dichter in der Buchausgabe einfach al? „Deutsche Sage bezeichnet, hat nun auch bei seiner Erstaufführung im 4 eimchen Theater zu Berlin einen vollen Erfolo erzielt. 4 ie Ulunumme Dichtung beim Publikum war eine sehr freundstche, >o daß Haupt- mann vom zweiten Akt an haufio —- oem Porbang erscheinen mußte. Das Drama besteht aus fünf Akten und ist in Versen geschrieben, die Charakteristik der Lauptpersoiien bet aller Einfachheit von eindringlicher Kratt und tiefer Empfindung. Tas altdeutsche Gedicht von Hartmann von der Aue ist in seiner Vereinigung von Lieblichem und Grausigem in dem Stück aus einer Fülle psnehologischer Feinheit neu entwickelt. Tie Gestalt des armen Heinrich, der, von der „Miselsucht" befallen, auf der Besitzung eines armen Landmanns emkehrt und deffen Tochter für seine Heilung zum Ovfertod bereit findet, wächst in den mittleren Akt fast zu tragischer Größe heran, von der die Aufführung im Deutschen Theater leider kaum Etwas ahnen ließ. Tie nüchtern naturalistische Spielweise des Herr-n Rittner, iein Mangel an großer Leidenschaft, seine zerriflene Sprechweise brachten die Titelrolle, von wenigen gelungenen Einzelheiten abgesehen, um den besten Teil ihrer Wirkung. Ebenso wenig entsprach Fräulein Triesch nach Erscheinung und Ton dem Bilde, daZ der Dichter von dem Opfermut dieser vom Kind zum Weib erwachenden deutschen Jungfrau entworfen hat. lieber den tiefen poetischen Gehalt des „Armen Heinrich" wird sich nur Rühmliches sagen kaffen. Dramatisch bleibt es ein seltsamer Fehler, daß der Akt, der in Salerne vor dem sarazenischen Arzt spielen und die lröchste Stetgerting der Wandlung, den Uebergang vom Opferglauben zur Menschenliebe, bringen mußte, von dem Dichter einfach fortaelaffen und durch eine Erzählung im letzten Aufzug ersetzt worden ist. Eine ein- gehende Besprechung des Tramas und seiner Darstellung kaffen rotr noch folgen. „ . Die Nobelpreise sollen zuerkannt werden: Prof. Theodor Mommsen- Eharlottenburg erhält den Literaturvrels ; Prof, des Völkerrechts von Martens-Vetersburg den Friedenspreis, Tr. Ronald Roß von der Schule für tropische Medizin in Liverpool den Preis für Medizin, Prof. Emil F i s ch e r - Berlin den für EHernie und die Holländischen Profefforen Lorenz und Zeemann erhalten den Physik-Preis. Wagner-Festspiele im Prinzregenten-Theater zu München Einer Mitteilung der Münchener Lottheaterintendanz zufolge werden im Priiizregenten-THeater zu Tiünchcn im nächsten Jahre ! ip-agner-Festspiele stailsmden vom 8. bis 11., 14. bis 22. und 25. b,L 28. August, vom 31. August bis 8. September und vom 11. I bi5 14. September. Zur Aufführung gelangen »Ter Ring des 9U- belungen", „Lobengrin", „Tristan und Isolde", „Tannhäuser" und „Die Meistersinger". . . — Dem Richard Wagner-Museum in Eiseuach sind, rote ein Drahtbericht meldet, durch Vermächtnis eines in Newyork verstorbenen Weimarer Bürgers zwei Millionen Mark zuge^ fallen., lieber die besondere Bestimmung des VermächtniffeS ist noch nichts bekannt. , — Angnst Striudbera ist zur Zeit nut der Dichtung eines neuen großen Tramas beschäftigt, in dem Marlin Luther dte Hauptrolle spielen soll. . — Theaterschriststeller contra Kritiker. Hermann Suder-, mann hat, wie verlautet, gegen Maximilian Horden gerichtliche Klage erhoben. Er fühlt sich durch die glanzende Abfuhr, die Harden ihm in der „Zukunst" für seine Klagen wider die Kritik angedeihen ließ, beleidigt. Leicht möglich, daß Larden auf Grund formaler Ueberschreitung auch wirklich ein bischen gestraft wird. — DaS verbesserte Gemälde. Einer der bekanntesten fron» zösischen Künstler geht, so erzählt der „Gaukois", im schönsten Viertel von Konstantinopel spazieren und sieht im Schaufenster eines Bilderhändlers ein Gemälde, daS ihm sehr bekannt vor- fommt. „Schau, ichau!" sagt er sich, „dieses Bild sollte ich doch kennen!" Er lieft: „Fontainebleau bei Sonnenschein." „Merkwürdig", murmelte der Künstler- ,Lch habe Fontainebleau bei Mondaufgang gemalt, und hier ist es bei Sonnenaufgang! Und doch steht meine Signatur darunter!" Ohne Zeit zu verlieren, geht der Künstler zu einem Dragoman, und beauftragt ibn, zu dem Händler zu gehen imb sich nach der Herkunft des Gemäldes zu erkundigen. Der Dragoman gebt und erfährt, daß es sich wirklich um das in d"m und dem Jahre hergestellte Gemälde des Künstlers bandelt, und daß man nur aus dem Mondaufgang einen Sonnenaufgang gemacht hat, weil das Mondlicht den Beschauer . . . melancholisch macht! Ter Künstler schien aber diese Sorge um die Seelenstimmung deS Beschauers nicht zu teilen, denn er verklagte den Händler. Dieser erschien am nächsten Morgen trn Gericbisgebände und bat den Maler flehentlich, die Klage zurück- zunebmen; aber der Künstler, der sonst ein sehr liebenswürdiger Alaun ist, zeigte sich unerbittlich. 6s gibt noch Richter tn Konstant.iiopel, und sie sollen entscheiden, ob es erlaubt ist, so mir mchls — dir nichts au4 einem Monde eine Somre -u macheu- welches der Akad emische Gesangverein zur Aufführung brachte, verrauscht und schon wieder ruft uns der Konzert-Verein zu neuen, musikalischen Ge- müsseu. Wir müßten das unbedingt für ein „Z u vie l", unter welchem Eindruck auch leider die Aufführung des Requiems stand, erklären, wenn nicht der vorliegende Sonntag uns eine ganz auserlesene Künstlerschar brächte. Es giebt nur eine ganz kleine Anzahl von Quartett- Genossen, die sich einen Weltruf errungen haben, aber von diesen wieder nur einen ganz bescheidenen Bruchteil, der mit dem Heermann-Quartett (Frankfurter Museums-Quartett), welches für Sonntag verpflichtet ist, in gleiche Linie zu stellen wäre. Nicht etwa darum, weil zwei Virtuosen, wie Professor Heermann und Pro- fessor HugoBecker, der Gemeinschaft angehörcn, sondern wir mixfjtcn beinahe sagen, trotzdem, denn das Virtuosentum ist beim Quartett spiel nur eine schätzbare Beigabe. Im Quartett ist jeder Partner gleichwert, hier herrscht nur ein Wille und der ist stets das Kunstwerk, welches seitens der Künstler dargeboten wird. ** Große Kälte. Tie sttenge Kälte dieser Tage hat leider schon zahlreiche Opfer an Menschenleben gefordert. Viele Todesfälle durch Erfrieren werden aus Ostpreußen und selbst aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet gemeldet. Manche Verunglückte haben, dem gefährlichen Müdigkeitsgesühl nachgebend, das jeden stark durcykälteten und ersctHpften Menschen befällt, sich nur zum augenblicklichen i»lusruhen auf einen Stein oder eine Bank gesetzt, sind dabei völlig eingeschlasen und dann erfroren. Was diesen unbeabsichtigt passierte, suchte ein Lebensmüder mit vollem Bewußtsein herbeizuführen, indem er den Tod durch Erfrieren suchte; zum Glück wurde er noch rechtzettig ausgefunden. Leider sind auch die Unfälle,' die der Winter,port verursacht, in diesem Jahre recht zahlreich; aber gleichzeittg mit ihnen werden auch Fälle von mutigen Rettungsthaten bekannt. So rettete in Friebendors (Bez, Kassel) ein erst elfjähriger Knabe einen anbcren, obwohl das aanze Ufer voll Menschen stand, von denen aber keiner die rechte Geistesgegenwart hatte, indem er sich lang aufs Eis legte, zu dem schon fast unter dem Eis Verschwundenen hinkrvch und ihn herauszog. Auf einem Eisfest in Hartford (Connektikut) gab das Eis nach und es erttanken über 40 Personen. — Aus Newyork wird gemeldet, daß im ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten ebenfalls eine furchtbare Kälte herrscht. Tie Temperatur ist bis 35 Grad unter Null gesunken. In Newyork macht sich die Kohlennot infolgedessen sehr fühlbar. Bei einem Preise von 8—10 Dollar pw Tonne geben die Händler nur kleine Mengen ab. [j Ober-Ohmen, 9. Dez. Am Sonntagnachmittag wurde unsere, im Innern vollständig neu restaurierte Kirche cingeweiht und wieder ihrer Bestimmung übergeben. Tie im Schiff sehr geräumige Kirche hat ein prächtiges neues Kiew bekommen, mit dem sich chr altes Gewand nicht messen kann. Ganz besonders reich in Ornamenten mit farbig gehaltenen Füllungen ist die Decke aus- gesührt. Auch die sonstigen ornamentalen Zeichnungen an den Brüstungen der Emporen, die Ausführung des Gestühls u. a. machen ihrem Werkmeister Ehre. Dazu verbreiten die vollständig neuen, in grünem Mattglas gehaltenen Fenster ein wunderbares Licht. Pfarrer Jung hier wies in seiner Festrede eindringlich auf die Bedeutung des neu hergestellten Gotteshauses hm, und Dekan Wagner aus Grünberg sprach 'n herzlichen Worten den Tank aus allen denen, die durch ihre Opfer und ihre Bemühungen ermöglichten, daß das Gotteshaus in solchem schmucken Kleide neu dastehe. Mainz, 10. Dez. Tas Eisg e schä ft ist infolge der Killte bereite im S-ct-wunge. Der Zentner Eis wird, in die unteren Stadtteile verbracht, mit 15 Pfg. in der Fuhre bezahlt. Voriges Jahr, als das Eis rar war, wurden 30 Pfg. per Zentner bezahlt. — Tie Eisdecke des Maines ist jetzt so fest geworden, daß sie dem Verkehr freigegeben werden konnte. Von der Erlaubnis haben im Laufe des heutigen Vormittags bereits viele Hunderte Gebrauch gemacht, sodaß an der Fährstelle schon ein breiter, ausgetretener Pfad durch die Schollen hindurch ins „Preußische" hinüberführt. Auf dem Eise tummelt sich natürlich die Jugend in Scharen. Unterhalb der Mainbrücke ist noch eine große Eisfläche völlig eisfrei. vermischtes. • Goslar, 10. Dez. Die Bankfirma Ehr. Ruennecke hat heute ihre Zahlungen eingestellt. In der Stadt herrscht große Erregung, da viele Geschäftsleute und Sparer geschädigt sein dürften. Der Konkurs ist vorläufig noch nicht eröffnet. * Brüssel, 10. Dez. Eine Feuersbrunst zerstötte gestern abend in der Rue Gallait drei Fabriken, die 350 Arbeiter beschäftigten. Der Sachschaden wird auf 500 000 Frcs. geschätzt. * Kaffee als Getränk — für Pferde. Das fast in keiner Familie fehlende, unter dem Namen Kaffee bekannte liebliche Getränk hat nun Aussicht auf eine weit größere Verwendbarkeit. Daß eine gute Tasse Kaffee stets anregend wirkt und besonders für ältere Damen ein geradezu vorzügliches Mittel zur Konservierung des Magens und zur Anregung der Konversation abgiebt, dürfte wohl allen Lesern hinreichend bekannt sein. Daß aber Kaffee auch bei Tieren die gleiche Wirkung ausübt (wenigstens was den Magen betrifft), war bis jetzt nicht bekannt. Bon Paris wird aber nun gemeldet, daß ein dortiger Kaffee- konsumcnt seinen Pferden regelmäßig Kaffee als Getränk verabreicht, und er will dabei die Erfahrung gemacht haben, daß der Genuß von Kaffee die Leistungsfähigkeit und Ausdauer seiner Pferde ganz bedeutend erhöht habe. Wir er* leben's noch, wie an den Troschkenhaltestellen frühmorgens „Fritz" oder „Liese" ihr „Schälchen Kaffee" sich genehmigen. Landwirtschaft. 8 Ruppertenrod, 9. Dez. Der Obstbautechniker Koch aus Friedberg hielt am verflossenen Sonntagabend in der Gastwirtschaft „Zur Krone" hier vor einer sehr starken Versammlung einen Vortrag über die zur Anpflanzung für die hiesige Gegend sich am besten eignenden O b st - [orten. Im Verlaus des Vortrags zeigte Redner die verschiedenen Obstsorten selbst vor, erinnerte daran, wie fegend rercy unv wpnenv me mesrapnge uüimm-r guinrn «m» rote richtige Sortenwahl im Verein mit rationeller Pflege die Kardinalfaktoren der Obstbaumzucht seien. Wie sehr die Worte des Borttagcnden auf guten Boden fielen, zeigte der Beitritt von neun neuen Mitgliedern zu den seitherigen acht der hiesigen Ortsgruppe. Auch zu den an Obstbäumen ausgeführten Demonstrationen am folgenden Tage hatten sich trotz der sibirischen Kälte einige Interessenten einy» fanden. Kriklkastcn der Jkönfitinn. («uonyme Anfragen bleiben nnberückfichtigt.) K. u. L. Ter Titel bleibt wie bisher: Königliche Höhest und Großherzogin; Wohnsitz ist Eoburg. H. L. A,wiil)ine Einsendungen wandern in den Papierkorb. "! .'"-1" von 65 Pf. an p. ÜMet, letzte Neuheiten. Franko u. ecbon verzollt me pauS geliefert. Reiche Musrerausstung umgehend. Nelüenlabrik 11 en e- berg, Zürich. 7056 Ball-Seide ü ZurSchönheitspflege unentbehrlich Li eleg CariuiiH u ne Z erde für j' d. (Jeburtuta.8- u. Wen tiu. hr*. Tisch. Wo n Apotheken n. Dro^uenhandl. n cht erhältlich, wende 5 man sich an : Dr. Graf & Co., Berlin 0 112 oder für g Oesterreich-Ungarn: Wien VI 1, Amerling*tr»-*e 2. Herrliches Festgeschenk gratis. Gegen Einsendung von 12 Umhüllungspapieren der Pak. Myrrholin» Seife oder des Myrrholin-Glycerin erhält man von der Myrrholm» Gesellschafl in Frankfurt a. M. gratis und franko das Pracht-Sammel- Albuin i Europa. Tie hierzu gehörigen 400 hochinteressanten und belehrenden Ansichten aus ganz Europa verlange jedermann unentgeltlich in den Apotheken, Trogen-, Parfümerie- und Friseur-Gesüiaiten. Ans dem Gcjchüstslclrcn. Ein beachtenswerter Fortschritt aus dem Gebiet der Ligtieur- TestiUation ist durch die Firma Tr. W. Knecht & Eo. in Frcmk'urt erreicht worden. Tieselbe bringt unter dem Namen „Zaniie" einen aus reinsten Alpenkräutern hergesteUten Magenbittern, auf den Markt, der die denkbar grositen Vorzüge in sich vereinigt und deshalb berechtigtes Aufsehen erregte. „Säntis" ist em aroma- tischer, sehr pikant schmeckender Xiiföv von vorzüglicher Wirkung on$ die Verdauungsorgane und wurden bei Mageiibeschwerden, Tarniträgheit rc. ausgezeichnete Resultate von den Briten beobachtet. Wto) '^e Hoheit uch an CbnJg» SÄ'* «fhältlieh, weti» 1 U2 oder fa ‘Hngstrwe j, derPat.M,ch» von derMynst» )ar Prachl-LE! iocf)iniere|janifc; >e jedermann, idWeur-Tejtz eben. n Tebiel ber^rs t Lo. in jttfy Namen „lau i NlagenbiA d in sich peri 7.'.: 16" ist scm- lor^üglidc faliing ; öiagtn.'ttoM an den Lzim bt- 222***. fe'fe“ —___ 1(66 K 2 hujlsch'vestern f' 1 fei •w h->- W V B M LM :ki I 7s=r L Sonnenstrasse 25. Sonnenstrasse 25. Grosse VJeihnachts-Assstelhng in Kinder-Spidwarcn 8108 Trommeln, Trompeten, Säbel und Gewehre. 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Reparaturen gut und billig. -^2 6669 tzistbcschtriiügdcrkltiiililider-Bcililihlliiistalt Am 4. Advent-Sonntag, de« 21. Dezember d. I., soll k Lbristbescherung für die Kinder unterer Anstalt staitstnden. jirn haben in diesem Jahre über 200 Kindern d.e Bescherung her- u iliten und den Weihnachtstisch mit Gaben zu decken. Um dies , Können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohl- t ! enden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder, ’nr bitten, uns lAaben an Kleidungsstücken, Stoffen, lNarn und h icirfien, besonders aber auch Geldgaben, die uns die gleich- viiigste Bescherung für untere Kleinen ermöglichen, zuwendeii 1 (Sine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgehen. icl'mehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an nai der nachbenannten Borstandsdainen gelangen Xi, lallen: s^rau sc stsanwall Grünewald, Liebigstraße 21; Frau Johanna HaaS, siü iilage 31; Frau Rechnungsrat Kalbfleisch, Lndw,gstrane 7 kmi Professor Leist, Lstanlage 36; Fra,» Bürgermeister Mecum, d^erstraße 23; Frau Pfarrer Waumann, eubanlaae 8: ^rau itije OttcnS, Bismarckstraße 11; Frau Lina «ch"'l»ll, Ostan- 36; Fräulein Luise Wortmann, Dammstraße 32 Auch die Schwestern unserer Anstalt find bereit, Gaben an- wolle freundlichst beachten, daß es bte Kleinkinder» find Diezstratze 15. Olieuen, den 10. November 1902. Der Vorstand der Kleinkinderbewahranstalt. D r. N a iimann.___7Kbr> rZekannlinachuno Für ein 6 Monate altes Kind werden Pstegeeltern geliicht. |858U Näheres auf dem Arnienanit. K. 59/02. Donnerstag, den 8. Jan. 1903 nachmittags 2', Uhr werden auf hiesigem Ortsgericht die den Eduard Friedr. Niemer Eheleuten in Wießen vor Rainen steheiiden Äriindslücke der (Se- markung Dießen 5lur 19/131/= 100 qm Weg rechts der E Haussee am Weiber, _ 19 125" ,„=100q.,dHofraitk _ 126"/,«,= 100 , } unter , 127"/Ieo=194 | dem Weihercher 19133h^ = 38 qm Hofraitt rechts der Chaussee amWeihei öffentlich meistbietend versleiger werden. 8261 Gießen, am 27. Novbr. 1902 Großherzogl. Orlsgericht. Krste aller Artikel bedeutend unter Preis. Bahnhofstr. 54. C. Röhr & Co. Bahnhofstr. 54. Bett-Damaste Handtücher Wollene Schlafdecken Damen-Wäsche 1 Weisse Hemdentuche Tischtücher, Servietten Baumwoll. 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