Dienstag 11. NovemberlSOL 152. Jahrgang Zweites Blatt. $>ie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten nur ger darauf hinausgehen, Werkzeug Deuts ch- oii Direktiro. K) 1 in großer Auswah.^ M, Mit a’ Achtung zu leben. Solche Gesinnungen müßten aber von beiden Seiten geteilt werden. Eine ganze Reihe erbitternder Nadelstiche könne nicht gleiche bei den ersten zur Versöhnung aussordernden Worten vergessen werden. — „D ailyChro- niete" schreibt: Das englische Volk ist e r f r eu t, zu sehen, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und England, die sehr gespannt geworden waren, durch den Austausch von Freundschaftsbeweisen zwischen den beiden könig- lichen Verwandten besser geworden sind. Trotzdem glauben wir nicht absoluter Unvernunft beschuldigt werden zu können, wenn wir dem Argwohn Raum geben, daß die Hoffnungen vieler Deutscher weniger darauf hinausgehen, aus uns einen Freund, als ein Werkzeug Deuts ch- l a n d s zu machen. — Tie „W e ft m i n st e r Gazette" befürwortet die Pflege freundschaftlicher Beziehungen mit Deutschland und sagt: Der Besuch des Kaisers könne viel dazu'beitragen, die Wolken des Mißtrauens zu zerstreuen, die über den deutsch-englischen Beziehungen ausgebreitet seien.' Es mögen triftige Gründe vorhanden sein für die Empfindung der Engländer, daß das deutsche Publikum keine freundliche Rolle während des Krieges gespielt hat; aber es würde thöricht sein, diese Gründe für die Leitung der englischen Politik gegenüber der deutschen Regierung geltend zu Nr. 265 «t täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden hn Wechsel mit dem hessischen Landwirt dre Gießener Zamilie«. blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotattonsdruck u. Vertag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckorei (Pietsch Erbeut Redaktion, Expedition und Druckerei: Vchnlstraße 7. Adresse tür Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernfprechanschluß Nr. bl chllungtll bestrebt sein, seinen L me Stunden zu bereite nnoncen, Uugzettel a »ter Zeü das Deutscher Reichstag. 212. Sitzung vom 10. November. 1 Uhr. Das Haus ist gut besetzt. * Am Tische des Bundesrats: Bei Beginn der Sitzung Deutsches Keich. Berlin, 10. Nov. Von Hannover aus wird im Zusammenhänge mit dem Berliner Besuch des Kronprinzen von Dänemark und der Englandreise des Kaisers wiederum das Gerücht von einer bevorstehenden Verlobun g des deutschen Kronprinzen mit einer Prinzessin von Cumberland verbreitet. An amtlicher Stelle ist von einem solchen Projekt nicht das Geringste bekannt. — Ter bisherige Botschafter in Wien Fürst Guten* bürg ist nunmehr auf sein Ansuchen mit den gesetzlichen Wartegeldern in den zeitweiligen Ruhestand versetzt worden. Seinen Wunsch, dauernd aus dem Staatsdienste zu scheiden, hat der Kaiser in schmeichelhaften Worten abgelehnt und dem Fürsten als erneutes Zeichen der Anerkennung das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub verliehen. Ter Gesundheitszustand des Fürsten ist in letzter Zeit so wenig befriedigend, daß dieser nicht imstande ist, in absehbarer Zeit nach Wien zurückzukchren, um sein Abberufungsschreiben dem Kaiser Franz Josef persönlich zu überreichen. — Tie Geschäftsordnungskommission des Reichstages beraumte zu Tonnerstag vormittag eine Sitzung an zur Beratung der ihr vom Reichstag überwiesenen Frage. Koblenz, 10. Nov. Zu Ehren des scheidenden Erb- großherzogS von Baden veranstaltete die Provinz ickereien ßck >* von 40 v gjM Lapijjm! eomrcch^ UM 25 i besonders schöner mb angei'angenen Arbkü» jeder Art. re. sgMu. Kaiser Wilhelm iu ßuglaud. Sandring'ham, 10. Nvv. Gestern abend fand bei Hofe Konzert statt. Heute früh ging der deutsche Kaiser auf die Entenjagd. Ter Prinz von Wales begleitete ihn. Entgegen einigen Berichten wird der Kaiser vor dem Besuch beim Gart os Londsdale weder nach Cambridge noch sonst wohin gehen. Chamberlain Brodrick, Balfour und die übrigen Gäste, die Ende der vorigen Woche in Sandringham eingetroffen sind, sind heute nach London wieder abgereist. Auf der zum benachbarten Tevsingham gehörenden Straße, welche die beiden Güter des Königs verbindet, wurden heute nachmittag vom Kaiser Wilhelm, dem König und dem Prinzen von Wales im ganzen 13 Bäume gepflanzt. Ter Zeremonie wohnten auch die Königin, zwei Söhne des Prinzen von Wales, Prinzessin Viktoria, Prinz und Prinzessin Karl von Dänemark, der deutsche Botschafter in London, der englische Botschafter in Berlin, sowie die beiderseitigen Gefolge bei. Tie Einwohner des Kirchspiels waren als Zuschauer geladen. Einer der Pächter des Königs überreichte am Schlüsse der Feierlichkeit eine Adresse. T ar auf fuhren die Herrschaften zu einem in der Nähe errichteten Festzelt, wo den Arbeitern und Pächtern des Königs ein Festmahl zu Ehren des Geburtstages des Königs gegeben wurde. lieber den äußeren Eindruck, den eine Unterredung des Kaisers mit C h a m b er l a in an den Thoren der Kirche von Sandringham gewährte, berichtet eine Londoner Agentur folgendes: Ter König und der Kaiser kamen zu der Stelle, wo der Kolonialminister Chamberlain stand. König Eduard reichte iüm die Hand und wandte sich dann anderen Mitgliedern der Gesellschaft zu, indem er den Kolonialsekretär und den Kaiser bald allein ließ. Ter Kaiser war besonders herzlich und hielt Chamberlain, nachdem er ihm die Hand geschüttelt, in längerer Unterredung zurück. Beide standen ganz allein abseits von den übrigen Gruppen 15 Minuten lang zusammen und jede Geste wurde von den Zuschauern mit gespannter Aufmerksamkeit beobachtet. Darüber, daß der Gegenstand der Unterhaltung, welcher Art er auch immer gewesen sein mag, ein „absorbierender" war, herrscht kein Zweifel und keinen Augenblick verlor die Unterhaltung ihren ernsten Charakter. Hie und da, wie um seine Worte zu unterstreichen, erhob der Kaiser die behandschuhte Hand und Chamberlain nickte in Würdigung der Worte des Kaisers leicht mit dem Kopf. Ter Don der Stimme des Kaisers wurde von den toemge Schritte entfernt stehenden Kirchgängern und Besuchern deutlich vernommen. Diese öffentliche Kon- ferenz bot dem Publikum kein geringes Interesse und gewährte ihm einen Grad von Befriedigung, aus dem es keinen Hehl machte. Interessant sind die englischen Preßstimmen. Der ^Standard" bespricht den Gedanken, daß b e s ss e r e B e - ziehungen zwischen Deutschland und England Platz greifen mögen, und sagt, die große Mehrheit der Engländer wünsche nichts besseres, als mit ihren deutschen Verwandten in Freundschaft und gegenseitiger verweilten etwa eine halbe Stunde. Auf das von Sir Tighton Prvbyn ausgebrachte Hoch auf König Eduard erwiderte der König mit einer kurzen Ansprache und forderte zum Schlüsse alle auf, auf das Wohl des deutschen Kaisers zu trunken, von dem er hoffe, daß er noch oft nach Sandring- ham komme. Ter Kaiser verbeugte sich dankend. Im Schlosse trafen im Laufe des Nachmittags Lord Lcmdsdowne mit Gemahlin und eine Anzahl andere Gäste ein. Nstchiuhunfäyig! Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 10. November: Ter Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung, durch den der Name des bis dahin in weiteren Kreisen unbekannt gebliebenen Mg. Aichbichler (Ztr.) zu einer gewissen Berühmtheit gelangt ist, hat die Situation im Reichstag einigermaßen geändert. Nicht so sehr der Stang, gegen den Zolltarif anzukämpsen, als eine Art parlamentarischen „Selbsterhaltungstriebes" ist nunmehr bei den Minderheitsparteien zur vollen Entfaltung gelangt und läßt vor allen den Abg. Singer, den Geschäftsordnungskenner und Haupttakliter der äußersten Linken, gleich einem „brüllenden Löwen", umhergehen. Abg. Richter räumt Singer vollstäitdig das Feld, wie denn die Freis. Voltspartei überhaupt im parlamentarischen Kampf gegen den Tarif sogar hinter dem „weiblichen" Freisinn, der von Abg. Tr. Barth geführten „Vereinigung", auffallend zu- rüüsteht. Tie letztere soll sich, wie man in Reichstagskreisen erzählt, mit, der Hoffnung tragen, bei den Neuwahlen dem „männlichen" Freisinn einige Mandate abzugewinnen. Unmöglich ist das wohl nicht, da der Kampf um den Zolltarif die alte Gegnerschaft zwischen dem Abg. Richter und den Sozialdemokraten ersichtlich aufteben läßt. — Tie heutige Sitzung stand im Zeichen der namentlichen Abstimmungen über Abänderungsanträge der Linken zu § 5 des Zolltarifgesetzes, die weniger der sachlichen Bedeutung wegen, als aus taktischen Gründen, um die Mehrheit auf die Kopfzahl hin zu kontrollieren, gestellt waren. Glänzend war dort die Präsenz gerade nicht; sie schwankte zunächst zwischen 219, 224, 216, 214 Abgeordneten. An die Lungenkraft der Schriftführer wurden durch diese Namensaufrufe beträchtliche Anforderungen gestellt, und im Interesse dieser Sperren liegt es zweifellos, daß der Antrag Aichbichler, der den Namensaufruf durch Namensunterschrift ersetzen will, zum Beschluß erhoben wird. Bei der fünften namentlichen Abstimmung ereilte den Reichstag das Geschick; die Mehrzahl der Linken verließ vor dem Namensaufruf den Saal, und da außerdem einige Mitglieder der Rechten seltsamerweise sich entfernt hatten, ergab sich bei einer Präsenz von nur 193 Mgeordneten die Beschlußunfähigkeit des Hauses. Sie Beratung mußte abgebrochen werden, ohne daß sie auch nur um einen einzigen Paragraphen gefördert worden wäre. Ein sonderbares Schauspiel nach der zweitägigen Pause, die der Präsident hatte eintreten lassen, damit die Fraktionsvorstände in Muße „zur Sammlung blasen" konnten! Wenn nicht eine schärfere Disziplin seitens der Mehrheitsparteien in Anwendung gebracht wird, dann kann auch der Antrag Aichbichler nicht „den Kohl fett machen". Tie an dieser Stelle stets vertretene Auffassung, daß Diäten das einzige Mittel sind, den Tarif zu retten, gewinnt immer mehr an innerer Berechtigung. Ter Zwang der That- ileinerl Ebert. i machen. _ c _ , , Alle Versuche, politische Motive dem Besuch zu unter- schieben — die „Daily News" und andere Londoner Leitungen fabulieren von dem Wunsch einer „Gegenleistung" für die englisch-portugiesischen Abmachungen — werden indessen an den Berliner amtlichen Stellen als unglaubwürdig zurückgewiesen. Ebenso müßig erscheinen andererseits die Betrachtungen der englischen Presse, ob Teut'sch? land es aufrichtig meine mit der Freund,chast und den Grundsatz der gegenseitigen Achtting verkenne. Solche Erörterungen führen ja doch zu keinem praktischen Ergebnis, oder allenfalls dazu, daß auf deutscher Seite die Grunde der Entfremdung erörtert werden, was ohne unliebsame Reminiszenzen nicht möglich ist. Ter Kaiser hat, auch, nach unbeeinflußten Berichten, eine sehr herzliche Aufnahme gefunden. Tas ist gewiß geeignet, vorhandene Sympathien zu bestärken und Antipathien gegen England zu mildern. Tie Herstellung eines guten Einvernehmens zwischen Volk und Volk muß der ausgleichenden Zeit überlassen bleiben. Kingslyun (Grafschaft Norfolk), 10. Nov. An dem Festmahl, das heute nachmittag den Arbeitern des königlichen Gutes Sandringham gegeben wurde, nahmen 500 bis 600 Personen teil. Ter Kaiser und der König w ‘b*kand Voge1®3,^ OrB Hall' uriPl5 zlniE ein*# Ml' Tj. V- MM An gettudcr Verzweiflung. Man schreibt uns aus Berlin, 10. November: Ratlosigkeit, Grimm, Ungeduld, kurzum der Zustand „gelinder Verzweiflung" herrscht unter den Zoll-Mehrheit-- Parteien. Mit Mühe und Not hat man sich mit der Regierung „verständigt"; man betrachtete es als eine Kleinigkeit, den Beschluß in die That umzusetzen — und nun folgt ein Tag dem anderen, ohne daß die Beratungen vom Fleck kommen. Durch die Unmasse namentlicher Ab- timmungen ist der Reichstag zur „Schreckenskammer" geworden; sogar die Zoll-Kommissionsberatung kommt zu ungeahnten Ehren und wird vergleichsweise als „angenehm" gerühmt gegenüber dieser Verurteilung zum endlosen Abstimmen und zum Anhören endloser Reden. Es rächt sich, daß die Mehrheit gar so spröde und anspruchsvoll den Tarifentwurf behandelt hat. Tie Gleichgiltigkeit gegen das Schicksal der Vorlage ist allzustark markiert, mit dem Feldgeschrei „Alles oder nichts" zu verschwenderisch umgegangen worden. Tie Heerführer hätten zu einem rüheren Zeitpunkt sachte ein len Een müssen. Die Folge )es zu lange fortgesetzten Weigerungs-Spiels ist, daß der Eifer der Regierung eine merkliche Abkühlung erfahren hat. Das geht schon daraus hervor, daß Gras Bülow sich nicht dazu versteht, aus der Bewilligung von Tagegeldern für den Reichstag eine Kabinetts frage zu machen. Seht zu, wie Ihr den zuerst verschmähten Tarif durchbringt! Tiie Regierung kann nichts dazu thun, sie hat das ihrige gethan. Und die Mebrheitsparteien halten Beratung auf Beratung ab, wie oie böse, zähe Obstruktion der Linken kleinzukriegen ist. Es fehlt in dem Zorn gegen die aufsässige Minderheit und in der Besorgnis, daß die Vorteile des neuen Tarifs auf Mmmerwiedersehen verschwinden, nicht an den radikalsten, abenteuerlichsten Vor- d)Lägen, über die man sich zu anderen Zeiten entrüstet haben würde. Zu den verlMtnismäßig milden Vorschlägen gehört, daß der Reichstag jedesmal entscheiden soll, ob dem Antrag auf namentliche Abstimmung Folge zu geben ist, oder nicht. In den allermeisten Fällen würde natürlich die Mehrheit das Letztere beschließen. Mer es sind weiterhin Bestrebungen darauf gerichtet, eine Begrenzung der Redezeit einzuführen, derart, daß auch darüber der Reichstag befinden soll, ob einem Mgeordneten, der die Geduld der Hörer mit oder ohne System mißbraucht, das Wort zu entziehen ist. Die nervöseste Stimmung hat Platzgegrif- sen, und jedes neu auftauchende Mittel, den Widerstand der Linken zu brechen, gilt für diskutabel. Mer ein Königreich für eine gute Idee, die den Erfolg verbürgt! Ein Plan von „verblüffender Einfachheit" i'st noch nicht da, wird vielleicht audj nicht gefunden werden, denn um die taktische Kunst geschickt zu brauchen, bedarf es der kaltblütigen Ueberlegenheit. Kühl bis ans Herz hinan verhalten sich mit. wenigen Ausnahmen die Nationalliberalen gegenüber den hitzigen Geschäftsordnungs-Neuerern. Ebenso wahrt Präsident Graf Ballestrem absolute Zurückhaltung. Graf Ballestrem wünscht gewiß dem Tarifentwurf alles? Gute, doch man darf versichert sein, daß er unter keinen Umständen die Hand bieten wird zur Unterstützung von Bestrebungen, die nicht streng im Rahmen der parlamen- tarifdjen Tradition sich halten. Die „Kreuzztg." wirft soeben die Frage auf, ob Graf Bülow an der Zolltarif- Vorlage fein Interesse mehr habe? Tas konservative Blatt spricht von der Passivität der Regierungsvertreter, die Verantwortung für das Scheitern der Tarifreform würden die positiven Parteien nicht zu tragen haben. „Mag resignieren, wer will; die Reichstagsmehrheit darf es nicht thun!" Ein Zeichen der erregten Stimmung ist auch, daß der Artikel— er ist überschrieben: „Tie resignierte Reichs- regierung", — die Präsidenten auf ihre Pflicht aufmerksam macht. Es sei wünschenswert, daß der Präsident von dem Ruf zur Sache und den sich daran knüpfenden Folgen fortan energischen Gebrauch mache. Bisher war eine solche Kritik an der präsidialen Geschäftsführung nicht üblich, und wir glauben, nicht, daß der Hinweis die gewünschte Wirkung erzielen wird. sachen dürfte auch auf den Reichskanzler Eindruck machen, oer, dem neuerlichen Interview zufolge, bisher die Gewährung von Diäten als „nicht zeitgemäß" erachtet. Kommissare. Die zweite Beratung des Zolltarifgesetzes wird fortgesetzt mit den Abstimmungen zu dem § 5 (Zollfreihest). Zuerst abgestimmt wird über den Antrag Albrecht und Gen., allen Helgoländern die Vergünstigung zu gewähren, daß die von ihnen gefangenen Fifd)e und Robben zollfrei eingehen können. ' In der letzten Sitzung, am Freitag, hatte sich bei der Ab- timmuna über diesen Antrag die Beschlußunfähigkeit des Hauses herausgestellt. Der Antrag wird bei Anwesenheit von 219 Mitgliedern mit 165 gegen 54 Stimmen abgelebnt. An der Abstimmung über den weiteren sozialdemokratischen Antrag, unter allen Umständen zollfrei zu lassen (nicht nur aus Grund besonderer Erlaubnis) gebrauchte Gegenstände, Aus- tattungsgegenstände, Hochzeitsgeschenke re., beteiligten sich 224 Abgeordnete, von denen 64 für den Antrag, 160 dagegen stimmten. Auch dieser Antrag ist also a b g e l e h n t. Ter sozialdemokratische Antrag, Zollfrecheil für Schiffs- proviant in einer auf eine Woche (nicht nur auf 2 Tage- berechneten Menge zu gewähren, wird mit 160 gegen 56 Stimmen a b g e l e h n t. Ferner beantragen die Sozialdemokraten zu der Bestimmung des § 5 die Zollsreiheit für Gegenstände für öffentliche Kunstanstal' ten gewährt den Zusatz: „den öffentlichen Anstalten und Sammlungen stehen solche gleich, die dem allgemeinen Besuch in derselben Weise wie Die öffentlichen zugänglich sind". Auch dieser Antrag wird mit 157 gegen 57 Simrnen ab- gelehnt. Ueber einen weiteren sozialdemokratischen Antrag, wonach die Zollfreiheit von Bau- und Ausrüstungsmaterialien für zu Luxuszwecken bestimmte Seeschiffe aufgehoben werden fall, ivird gleichfalls namentlich abgestimmt. Der Namensaufruf er- giebt die Anwesenheit von 191 Mitgliedern, von denen 149 gegen und 42 für den Antrag gestimmt Haden. Das Haus ist nicht beschlußfähig. Die Beschlußunfähigkeit ist dadurch hervorgeriisen, daß sowohl von den Mehrheitsparteien wie auch von der Linken inzivijchen eine Anzahl von Abgeordneten sich entfernt hatten. Präsident Graf B a l l e st r e m beraumt die nächste Sitzung an auf Dienstag, 12 Uhr: Fortsetzung der heutigen Beratung. Schluß 3'/. Uhr. - _ _ ___— _ veza,»Pret»i Zjs Jrv ft m»nallich75Pf.,viertel» Eichener Anzeiger« General-Anzeiger w v tür den polit. u. fltigern, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW V iciqenteil: HanS Beck. heute rrachmMag ein Festmahl. Ter Erbgrvßherzog hielt die erste Ansprache, in der er die wiederholte Anwesenheit des Kaisers in der Rheinprovinz wahrend der letzten Monate erwähnte und Lervorhob, daß der Kaiser sich dabei von dem großartigen Aufschwünge des Handels und der Industrie in der Rheinprovinz überzeugt und auch chm gegenüber seiner Bewunderung hierüber Ausdruck gegeben habe. Ter Erbgroßherzog wies darauf hin, daß der Kaiser seinen zweiten Sohn der Universität Bonn rugeführt habe, nachdem schon der Kronprinz zu den akademischen Bürgern gehöre, und fuhr dann mit etwa folgenden Worten fort: Ties alles ruft lebhafte Tankgefüble hervor, an denen ich lebhaften Anteil nehme. War es doch das Vertrauen des Kaisers, das es mir vergönnte, in dieser Provinz wirken zu können. Dieses Dankgefühl löst sich ganz besonders hier in der Rheinprovinz aus, wo ich Vaterlandsliebe und Königstreue schätzen und kennen lernte. Ich bitte Sie, meine Herren, mit mir einzustimmen in den Ruf: Der Kaiser lebe hoch! Lberpräsident Nasse brachte sodann ein Hoch auf den Erbgroßherzog aus. Dieser erwiderte dankend und versicherte, daß er und seine Gemahlin die Jahre, die sie in Koblenz zubrachten, zu den glücklichsten ihres Lebens zählten. Ausland. London, 10. Nov. Auf dem heutigen Lordmayors- Hankett sagte Parlamentssetretär der Admiralität Forster: Es ist die Pflicht der Behörden, dafür zu sorgen, daß das Land mit den nötigen Mannschaften und Geschützen versehen ist. Die Admiralität ist bemüht, diese Pflicht zu erfüllen, und ergreift Maßnahmen, um genügende Reserven für denFalleines Krieges zu haben. — Ministerpräsident Balfour drückte seine Freude aus über den Mschluß des Friedens in Südafrika. Ter südafrikanische Krieg giebt eine bejahende Antwort auf die beiden vor dem Kriege gestellten Fragen, nämlich: Wünscht das englische Volk, wie früher den Frieden, bereitet aber den Krieg und alle durch den Krieg erforderten Opfer vor. Sind die autonomen englischen Kolonien statt bloße Kommanditar-Reichshandelshäuser'zu sein, die bereit sind, an den Vorteilen tcilzunehmen, ohne sich Gefahren auszusctzen, vielmehr bereit für das Reich zu kämpfen? Der Redner bemerkte ferner, was eine andere Frage angehe, ob ein glücklicher Frieden einem glücklichen Kriege folge, so sei er von Hoffnung erfüllt, aber ohne übertriebenen Optimismus. Balfour wies dann auf den Besuch des großen befreundeten Souveräns bei seinen nächsten Verwandten hin und erklärte, er lehne es ab, auf wiloe phantastische Erfindungen ein- rugehen, die die Presse daran geknüpft habe. Die Frage des Somalifeldzuges sei keine wichtige-Reichsfrage, aber von großem Interesse, weil sie die freundlichen Ge- ühle Italiens gegenüber England hervortreten ließ, sowie )ie Bereitwilligkeit, mit derItalien England für gemein» ame Interessen beider Länder seine Mitwirkung lieh. Madrid, 10. Nov. Ministerpräsident Sagasta überreichte dem König heute das Entlassungsgesuch des gesamten Kabinetts. Der König erklärte Sagasta, er werde morgen hinsichtlich der Vertrauensfrage die Entscheidung treffen. Fiume, 10. Nov. Wie verlautet, erhielt die Kur- Direktion in Mazzia eine Mitteilung, für Anfang Januar die Villa Angiolma für die deutsche Kaiserin und deren Tochter bereit zu stellen. Die Kaiserin werde bis Ostern in Mazzia verweilen, um welche Zeit Kaiser Wilhelm sie besuchen, und mit chr die Heimreise antreten werde. Man glaubt, daß aus diesem Anlaß eine Zusammen kun ft zwischen KaiserWilhelm und Kaiser Franz Josef in Abazzra stall finden werde. Budapest, 10. Nov. Heute verhandelte der Wehr- aus schuß über die verlangte Erhöhung des Rekrutenkontingentes. Der Honvedminister Baron Fejerwary machte die sensationelle Enthüllung, daß die geplante Truppenerhöhung mll keinerlei Mehr- k o st e n verbunden sei, weil die Kosten für die jetzt verlangten 22 000 Mann schon seit mehreren Jahren im Budget eingestellt waren, und die betreffenden Summen unter den gemeiusamen Aktiven vorhanden sind. Konstantinopel, 10. Nov. Die Pforte hat nunmehr alle italienischen Bedingungen angenommen und sich auch damit einverstanden erllärt, daß bis zur Durchführung der seitens der Türkei übernommenen Verpflichtungen die llalienischen Kriegsschiffe vor Midi verbleiben. Ncwyvrk, 10. Nov. Tie deutsch-amerikanische Gesellschaft feierte am Sonntag die durch den Besuch des Prinzen Heinrich angeregte er st jährige Feier des Deutschentages im Beisein des deutscheu Botschaft-Sekretärs, Legationsrat Grafen von Quadt. Der Graf brachte neben dem Präsidentenhoch ein solches auf den deutschen Kaiser aus. — — Die Zahl der für die So ziali st en bei den letzten Wahlen abgegebenen Stimmen beträgt rund 250 000. — Tie Zahl der fanatischen Duchoborzen ist auf 600 Köpfe zurückgegangen. Man hat ihnen zwei Schwadronen kanadische Reiter entgegengeschickt, um sie mit Gewalt auf der Eisenbabn Heimzubringen und sie vor dem Verhungern uno Erfrieren zu retten. Tie Frauen und Kinder sind in Sicherhell gebracht. Inzwischen hat in Yorktown ein junges Mädchen erklärt, sie sei die Mutter Gottes und dadurch eine neue Raserei entfacht. — Tie Verhandlungen mit Columbien sind sowell gediehen, daß nichts mehr übrig bleibt, als ein formeller Mschluß des Vertrages zur Erbauung des Pa- namakanalS. — Ein Telegramm aus Caracas meldet: Die be- schädigten Brücken der deutschen Bahnlinie sind wicderhergestelll. Tie Flucht der Armeen der Aufständi- fd)en dauert fort. Das revolutionäre jlomitee in Caracas ift nicht im stände, die Ursache der Spaltung unter den Führern zu erklären, oder zu sagen, lvas aus den 10 000 Mann geworden sei, die bis zum 2. dlovernber unter den Waffen gestanden haben. In amtlichen Kreisen fei man der Ansicht, Mates zog sich üi der rlllchtung auf Tucacas zurück. Castro ljubc am Samstag 15 000 Mann ensaudt, um Cere anzugreifeu. Er beabsichtige, Cere, Barcelona, Ciudad-Bclivar und Cumana unverzüglich wieder zu erobern. Tie Verbindung zwischen Caracas und Valencia und Puerto Cabello sei wiederhergestellt. Aus Htädt uni) £nni). Gießen, den 11. November 1902. - Die Eröffnung des Landtages findet, wie der „Darmst. tägl. Anz." meldet, gutem Vernehmen nach durch den Großherzog am Montag. 24. November, statt. * • Hofnachrichten. Aus Darmstadt wnd un§ geschrieben: Großfürst und Großfürstin Sergiu- sind Montag abend 11.47 Uhr, vom Großherzog, Prinzen Heinrich und Gefolge an die Bahn begleitet, nach Italien abgereist und werden sich vorerst direkt nach Neapel begeben; der Aufenthalt in Italien ist auf ca. 5 Wochen berechnet. Die Weihnachtstage werden die Herrschaften wieder am hiesigen Hofe zubringen. — Der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sind Montag mittag 5 Uhr 23 Minuten zum Besuche des Großherzoglichen Hofes in Darmstadt eingetroffen. — Prinz Heinrich, welcher von der Retrutenvereidigung in Kiel wieder nach Darmstadt zurückgekehll ist, wird mit seiner Familie voraussichtlich noch bis zum 26. d. Mts. in der hessischen Residenz verbleiben. — Am 25. wird der Geb urtstag des Großherzogs gefeiert. — Prinz Nikolaus von Griechenland nebst Gemahlin Großfürstin Helene reifen am 12. November von Petersburg nach Griechenland ab. — Die Reise des Großherzogs nach Indien roirb, wie der „Darmst. Tägl. Anz." schreibt, voraussichtlich am 15. Dezember d. Js. angetreten werden und die Rückkehr am 15. k. Js. erfolgen. • * Von der Universität. Ter zu Ehren des Professors Drude veranstaltete Fackelzug wird sein Eiide auf Den Gail'schen Wiesen an der Trace der Fuldaer Bahn finden, wo mit Erlaubnis des Herrn Kommerzienrats Gail die Fackeln zusammen geworfen werden. Der Kommers findet in Steins Saal statt. * * Von der Universität. An der Landesuniversität hat sich in diesem Semester eine neue Korporation auf- gethan, der Akademisch-Neuphilologische Verein (A. N. V.). Er gehört dem Weimarer Kartell-Verband neuphilologischer Vereine an. Seine Farben sind Schwarz- Weiß-Grün. * * Der N eubau der höheren Töchterschule. Die Ausführung des Neubaues der höheren Töchterschule steht in nächster Zeit bevor. Bereits früher hat man das Plochsche Anwesen — Gebäude mit großem Garten — als Baugelände für 91 000 Mark erworben. Folgendes ist geplant: Das seitherige Gebäude der höheren Töchterschule soll nach Vollendung des Neubaues Stadtmädchenschule und die jetzige Stadtmädchenschule Bezirksschule werden, in der Knaben und Mädchen des südwestlichen Stadtbezirks gemeinsam unterrichtet werden sollen. Für die Volksschule ist die Beschaffung weiterer . Räumlichkeiten dringend erforderlich, sieben Schulbaracken stehen bereits in den Schulhöfen und in der Hammstraße. Im nächsten Frühjahr steht die Errichtung von mindestens zwei weiteren Schulklassen bevor. Während die ersten Baracken Bretter- und Pappdeckelwände besitzen, haben die zuletzt aufgestellten Wände aus Fachwerk. Welches System des Barackenbaues den Vorzug verdient, wird der kommende Winter zeigen. Um die Errichtung weiterer Baracken zu umgehen, wird der Raum für die zu Ostern erforderlich werdenden beiden Klassen voraussichtlich durch Teilung des Zeichensaales in der Stadtknabenschule beschafft werden. ” Der Neubau der katholischen Kirche zwischen Liebigstraße und Wilhelmstraße ift seit 14 Tagen begonnen worden. Man ist zunächst mit der Ausmauerung der Fundamente beschäftigt. Wir erfahren über den Bau, daß dieser nach einem Entwurf des Architekten L. Becker in Mainz, einem bewährten Kirchenbaumeister, in rein gotischen Formen aufgeführt werden und nach der Liebigstraße hin zwei hochragende Türme erhalten soll. Das Gotteshaus ist als Langschiffkirche entworfen, von dem allerdings erst eine Hälfte auö- geführt werden soll, und zwar nicht die Turmseite, sondern die gegenüber liegende, Chor und Sakristei enthaltende. Dadurch wird zunächst ein Raum, der zirka 600 Personen faßt, geschaffen. Als Bauzeit sind zwei Jahre vorgesehen. Wenn später die für den Weiterbau erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, soll die noch geplante andere Hälfte des Kuchenschiffes und die Türme hergestellt werden. Die Bau- lellung ist dem Architekten Kockerbeck hierselbst übertragen worden, die Mauerarbeiten werden durch Maurermeister Abermann gemeinsam mit der Baufirma Birken stock u. Schneider ausgeführt. Wir wollen hoffen, daß es dem Kirchenbau nicht wie so vielen anderen ergeht, daß er nämlich niemals fertig wird. Wenn man berücksichtigt, daß der verhältnismäßig geringe Kosten erfordernde Teil der Kirche zuerst gebaut wird, während man die Fertigstellung des Hauptteils, vor allem der Türme, die noch dazu die Straßenfront hüben sollen, von der Zukunft erwartet, so ist jene Hoffnung sehr nötig, denn ein halber Bau verschönt das Straßenblld nie. * * Tie Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke, vormals Fernie hat zum 17. d. M. eine Gewerke-Versaminlung nach hier einberufen. Außer mit dem Rechenschaftsbericht rc. wird sich die Versammlung mit der Anlage eines Eisenbahnanschlusses nach der locherhessischen Strecke hin beschäftigen, da bei einem etwaigen flotten Versandt die Drahtseilbahn nicht imstande ist, die Heranschaffung von Erz in genügender Menge zu bewältigen. — Die Direktton des Draunfteinbergwerks hat in der Gegend refp. auf dem Gelände, auf welchem die Provinzial-Jrrenanstalt geplant ist, durch Bohrungen fest- gestellt, daß dort in gar nicht sehr großer Tiefe überaus wertvolle und leicht abbaufähige Erze lagern. Ob man dort den Bergbaubetrieb eröffnen will, Bonnten wir nicht in Erfahrung bringen. * * Eine Straßen sze ne. Eine Frau und ein junger Bursche kamen gestern in der Steinstraße in Wortwechsel, wobei sie sich gegenfeitig beleidigten und auf offener Straße mit Steinen warfen. Es wurde Anzeige erhoben. **TerFriedensstifterbekommtdiePrügel. Am vergangenen Sonntag abend gerieten drei Brüder von hier an der Krofdorferstraße in Streit, wobei zwei von ihnen in den Chcnllseegraben fielen; auf das Hülfe ruf en des einen tarn ein Vorübergehender hinzu und trennte die Kampfhähne. Gegen diesen Friedensstifter erhoben die Brüder Anzeige wegen Körperverletzung. * * Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde gestern nachmittag im Vorplatz des Schwesternhauses in der Johannesstraße verübt. Ein feit einigen Tagen hier zugereister Monteur, der Postkarten zum Verkaufe anbot, Halle sich in den Hausflur des Schwesternhauses einzuschleichen gewußt, erbrach eine dort aufgehängte Sammelbüchse für die „Krippe" und entwendete daraus etroa 17 Mark. Der Thäter wurde auf erstattete Anzeige bald darauf I ergriffen und dem Gericht eingcliefert. " Die Steinkohlen-Bezugs-Gesellschaft Gießen, welche Ende des Geschäftsjahres 1901/1902 einen Mttglieder- bestand von 827 zahlte (16 Mitglieder mehr als im Vorjahre), hat 1901/1902 im Ganzen 62 488,12 Ztr. Brennmaterial umgefetzl und zwar: Nußkohlen 14 952,06 Ztr. (Winterbedarf) und 42 350,06 Ztr. (Sommerbedarf), Anthra- cilkohien 4 183,76 Ztr., Briketts 802,24 Ztr., Melierte Kohlen 200 Ztr. Die Ausgaben des Vereins betrugen 75 984.94 Mk. und zwar für Kohlen 45 158.58 Mk., Frachten 19 655.50 NU. Oktroi 2 468.32 Mk., Wiegegeld 620.91 Mk., Einbringerlohn 1 405.10 NU., Fährlöhne 3 168.50 Mk., Zinsen und zurückgezahlte Mügliederbeittäge 1394.40 Mk„ Verwaltungskosten 1 875.24 Mk., Sonstige Ausgaben 252.81 Mk. Ter Reservefond beträgt 704.55 Mk. gegen 615.58 Mk. des Vorjahres. Die Preise der einzelnen Kohlengattungen inklusive der Verwaltungskosten stellten sich in 1901/1902 wie folgt per Ztr.: Nußkohlen, Winter 1.15 Mk., Sommer 1.10 Mk.; Anthracit- kohlen, Wimer 1.70 Mk., Sommer 1.68 Mk.; Briketts, Winter 78 Pfg., Sommer 72 Pfg.; Meliette Kohlen 1.06 NU. • • Verein zur Hebung des Fremden»Verkehrs. In Folge unseres Berichtes, daß sich hier die Gaslwitte für einen Verein zur Hebung des Fremden-Verkehrs interessieren, hat der Bürger-Verein, Bad-Nauheim, sich an den Vorstand des Witte-Vereins-Gießen und Umgegend gewendet und diesem zu dem sehr zeitgemäßen Vorhaben, einen Verkehrs- Verein zu gründen, Glück gewünscht und hmzugefügt, daß das Verkehrs-Bureau-Bad-Nauheim auf Wunsch sehr gern bereit ist, mit Rat und That zu dienen. )( Leihgestern, 11. Nov. Am nächsten Sonntag 2 Uhr nachmittags findet hier die Einweihung des neuen Schulhauses statt. )( Altenstadt i. Hessen, 10. Nov. Am Samstag vormittag setzten sich in einem in unserer Nähe, zwischen hier und Rodenbach betriebenen Steinbruch mächtige Gestein- massen in Bewegung und verschütteten zwei Arbeiter, und zwar den eigenen Sohn des Steinbruchbesitzers, der auf der Stelle tot blieb, während dessen verheirateter Unglücksgenosse nur leicht verletzt wurde. Darmstadt, 10. Nov. Prinz von Isenburg und Büdingen-Birstein hat, wie die Franks. N. N. melden, den Manifestalionscid geleistet. Mainz, 10. Nov. Peinliches Aufsehen erregte die ver» flossene Woche erfolgte Verhaftung eines älteren unverheirateten Lehrers der höheren Bürgerschule in Wörrstadt, der im Verdacht steht, sich an einer Reihe von Mädchen dieser Schule in unsittlicher Weise vergangen zu haben. Worms, 10. Nov. Zu den Frhr. v. Heylschen Treibjagden, die heute und morgen in den Gemarkungen Osthofen und Herrnsheim stattfinden, traf Prinz Heinrich von Preußen mit Gefolge heute vormittag mittels Extrazugcs in Osthofen ein. Die Rückkehr nach T>armstadt erfolgt nachmittags 4.10 Uhr von Osthofen aus. Morgen wird auch der Gr o ß h e r z o g zur Jagd erwartet. Der Großherzog und Prinz Heinrich nehmen am Jagd diner in Schloß Herrnsheim teil und reifen 8.30 Uhr mittels Extrazugs nach Darmstadt zurück. Kveryessischer Aerein für innere Mtjston. W. Gießen, 10. November. DaS Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission wurde heute morgen halb 11 Uhr im Konfirmandensaale der Matthäusgemeinde mit der ersten Hauptversammlung des Verbandes der oberhessischeu Erziehungsvereine eingeleitet. Zu ihr waren die Vertreter sämtlicher vorhandenen Vereine erschienen; als Vertreter der Staatsbehörde war Regierungsrat Dr. Wagner auS Gießen erschienen. Der Vorsitzende, Pfarrer Röschen aus Freienseen, eröffnete die Versammlung mit Erstattung des Jahresberichts. Er warf dann vor allem einen Rückblick auf die Geschichte des Verbandes, der am 20. Januar ds. Js. in Hungen begründet wurde, und auf die Entwickelung der einzelnen Vereine, von denen die im Jahre 1865 gegründete Malhilden- ftiftung zu Friedberg der älteste ist, während bic Gründung der eigentlichen Dekanatsoereine mit der des Schottener Vereins im Jahre 1890 und des Grünberger im Jahre 1894 folgt, die der jüngsten erst der Anregung deS Verbandes zu verdanken ist. Die älteren Vereine bringen Kinder auch auf eigene Kosten unter und erheben daher Mitgliederbeiträge, bic jüngeren beschränken sich mehr, als Erziehungsbeirat für die Gemeinden und bic Kreisämter zu wirken. Im ganzen würben durch die Vereine 293 Kinder untergebracht, 200 Knaben und 93 Mädchen, und ihre Erziehung überwacht, davon durch die Mathildenstiftung 147, durch die Vereine in Schotten 27, in Grünberg 79, in Büdingen 26, in Nidda 7, in Gießen 4, in Schotten 3. Davon sind 24 Kinder, sämtlich aus der Mathildensttftung, in Anstalten, die übrigen 249 in Familien untergebracht. Die Resultate wurden als recht günstige bezeichnet. Es kamen nur wenige Fälle vor, in, denen sich die Pfleglinge der Ueberwachung zu entziehen versuchten. Sodann wurden einzelne Fragen eingehend besprochen. Betreffs der Höhe des Pflegegeldes wurde unter gewöhnlichen Verhältnissen ein Betrag von 100 Mk. als entsprechend erachtet. Bei den in Dienststellungen befindliches Zwangszöglingen solle der Lohn von dem ErziehungSvercin verwaltet werden. Wenn durch den Verkehr der Eltern mit den Zöglingen ein ungünstiger Einfluß auf diese zu befürchten ist, müsse dieser mit allen Mitteln verhindert werden. Der Vertreter des Kreisantts sagte jede Unterstützung dabei zu. Heber die Stellung der Erziehungsoereine zu den Verwaltungsbehörden herrschte eine sehr erfreuliche Einmütigkeit. Die staatlichen und städtischen Behörden nehmen btc Dienste der Erziehungsoereine sehr dankbar in Anspruch, lassen ihnen all» gemein den nötigen Spielraum für ihre Wirksamkeit und vergüten die erwachsenden Kosten. Bezüglich des Verhältnisses der Vereine untereinander wurde feltgeftellt, daß jeder Verein seine Thätigkeit auf sein Gebiet zu beschränken habe. Auf Grund dieser Aussprache wurden die Verbandssatzungen, sowie die vorgelegten Mustersatzungen für Einzelvereine enb- gUtig angenommen. Am Nachmittag wurde in der am gleichen Otte stattgehabten Mitgliederversammlung zunächst die Herren Pfarrer Euler und Professor O. DrewS in den geschästsführenden Ausschuß berufen. Sehr eingehend wurde dann über das Kollektenwesen und dessen Mißstände beraten. Allgemein wurde als das Ziel bettachtet, den Bernfskollektanten zu beseitigen. Wie weit die Kollekte urch Pfarrer unb Kirchen- oorfianb übernommen werben L ne, unb ob bie AnttellunL mehr Qi»nQlt^ len 149=9* metbcbam2'?(^ k, A ?’64sÄ »t |jl55-60®t. W» ""«* IW ®l. dis N^?" ®Mltn 1.06 W Lbl.e ®*irte für ft “"** , ’W “»ben $ot. Wnbgeroenbetunb «nm AÄ-Hrz. ■U'Wiügt, ich ’ ®"”W I-h- gta !,EW? Sonntag ^Weihung des r mÄ ^ta9 dor- -urheziv^ihen hier \ mächtige Gestein- . En zwei Weiter mbruchbesitzers, der denen verheirateter rde. '. do? Isenburg ie bte Franks. 313t itet sehen erregte die ver. 9 eines alteren m- iürgerschule in Wörr- ■t Reihe von 3Nchn gangen zu haben, hr. v. heylscher gen in den Gte ffnden, traf Pr,rj olge heute üorrr.v Tie Kckkehl ad) hr von LsthchM. g zur Fngd flBortet nehmen oe W- md reisen MO Uhr niut mere Mov. -n, 10. November. Vereins ffc innere r im Konfirmanden- r ersten Haupt- ,t vdertze^ischi. i ihr waren die B erschienen; als Ver- agsrat Lr. Wagner in aus Freienseen, er» ig des Jahresberichts, »lief auf die Geschichte z. Js. in Hungen be- nq der einzelnen Ve> zeqründete ^rend d,e Gründung ^es Lchvttener Lev rate im Jahre 1894 q des Derbandes zu igen Kinder auch au Vtitgüederveürage, d -ichungsvenat sur -■ »SÄ» -SA *^*6>*» il’ 8rQS ” „Utbt unt« als i”1, : °°n 100J' Lblii« > »«ä i«'1 u Hefrf“ au bieie zu 1 Set Ä- * *®er Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Psg. Höchste Temperatur am 9.—10. November Niedrigste , , 9-—10. , Trauben 00—00 Psg. Die Marktzeit dauert von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Gegenstände des Wochenmarktoerkehrs dürfen vor Beginn der Macktzert überhaupt nicht und während der ersten drer Stunden der Marktzeit nur auf den dafür beftimmten und angewiesenen Verkaufsplätzen, also auch nicht im Umherziehen, feilgeboten werden. toUrbo'onbon, 11. Nov. Die „St. James-Gazette" erfährt von zuständiger Seite, daß die englisch-deutschen Meinungsverschiedenheiten über tue Räumung von Shanghai befriedigend bergeleah eien. In derSüdafrikafrage besLandenkerneDrs- erenzen zwischen Deutschland und Großbrttannren, Sollte das gegenwärtig in Verhandlung stehende Handels- M komm en Englands mit Portugal bezüglich der Delagmp- Bai zum Mschluß gelangen, so würde Deutschland keur Einmischungsrecht haben. Die britische Regierung staube übrigens nrcht, daß Deutschland sich einzumrschen wünsche.^ Soweit die brttische Regierung in Betracht komme, Hube der Kaiserbesuch keine politische Bedeutung, St Ett enne, 10. Nov. Ter Nationalausschuß der Grubenarbeiter richtete an dns Arbetterproletavtat ein Manifest, in dem der Ausschuß zur Geduld mahnt, an die Annahme des Schiedsgerichtes erinnert und den Gesellschaften Winkelzüge, Verschleppungstpolttik und schlechte Absichten gegenüber den Ausständigen vorwirft. Dre Not und die Unterwerfung einzelner Ausständiger würden die Gesamtheit nicht zum N a ch g e b e n bewegen, sie wurde vielmehr kämpfen bis zu einem siegrerchen Ende. Gegenüber dem Proletariat erklärt der Ausschuß, daß angesichts der Kampfbegier mala fides die Ardettgeber und Grubenarbeiter nicht mehr isoliert dastehen dürften und fordert das gesamte Proletariat auf, sich am Kampfe zu beteiligen. Ter Ausschuß appelliert an alle Arbeiterverbände, durch ein allgemeines entschiedenes Vorgehen sämtlicher Arbeiter die Bemühungen der Arbeitgeber zu unterstützen. Wien, 11. Nov. Die „Neue Freie Presse" bezeichnet auf Grund zuständiger Informationen die Nachricht, daß die deut scheKaiserin längere Zett in Ab azzia Aufenthalt nehmen wolle, für unbegründet. X. Gießen, IL Nov. Eine Gebühren-Ordnung für die sanitäre Ueberwachung von Geflügelschauen durch bte beamteten Tierärzte wird, wie die Geschäftsleitung des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen dem Vorstand des hiesigen Geflügelzucht-Vereins mitteilt, das^Großh. Ministerium, Abteilung für Medtzinalwesen, festsetzen. ~ s s Gießener Geflügel-Verein aus Anlaß seiner vorjährigen Geflügel- Ausstellung sich an das Kreisamt, resp. an das Ministerium gewendet, weil die ihm aboerlangten Gebühren den Mitgliedern des 71,.7 zu hoch erschienen. Nun wird durch die in Aussicht stehende Gebühren-Ordnung eine dankenswerte Klarheit geschaffen, die um so nötiger ist, als die Vereine, welche Ausstellungen abhalten, vorher genau wissen, welchen Betrag sie für die tierärztliche §dji|f5tmdjridjt£n. Nordbeutscher Lloyb. In Gießen vertreten burch Earl Loos, Krrchenplatz. Bremen, 6. November. (Per transattantijchen Telegraph.^ Ter Toppelfchrauben - Dampfer „Brandenburg , Kapttan Steencken, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, tft heute 8 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. , Ueberwachung zu zahlen haben. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft Märtte. Vermischtes. * P a d e r b v r n, 10. Nov. Ter Stationsvorsteher des i Bahnhofes Rheda wurde beim Ueberschretten eines Geleises 1 «ach der Abnahme des Zuges durch einen von der anderen Vette kommenden Güterzug überfahren unb zermalmt. *Hamburg, 10. Nov. Auf dem Hamburger Salpeter- Misf „Gudrun" wurde ein Matrose unwett Kap Horn durch »ine Sturzwelle über Bord gespült. Beim Rettungsversuch llenterte das Rettungsboot; vier Insassen ertranken * Lübeck, 10. Nov. Ter Wagen, in dem sich die ■Gräfin Sierhagen und Prinzessin Antoinette ■Inna von Anhalt befanden, wurde bei einer Spazier- Tahrt lumgeworfen. Die Gräfin erlitt einen Armbruch, eie. Prinzessin blieb unverletzt. * Ueber das Duell zwischen dem monarchisttschssn deputierten und Automobtt-Fabrikanten Grafen Dion unb dem sozialistischen Deputierten Gerault- Richard ist beretts wiederhott berichtet worpen. In den pariser Blättern finden sich, ausführliche Darstellungen dieses lustigen Zweikampfes. Der Ort des Duells war das Etablissement „Cheri". Tie Pariser Dnellschriftsteller rühmen den Ort als besonders glücklich gewähtt. Ter Hotelier besitze eine Courtoisie, eine Tiskretion, bte ihn eklen Tuellanten bestens empfehle. Mtt dem Etablissement sieht ein ausgebretteter Park in Verbindung, und üt demselben befindet sich eine wohlgepllegte Allee, an deren Ende die Stallungen anstoßen. In den Ställen befinden sich gegenwärtig keine Pferde. So konnten in den Verschlagen, rvelche die Aussicht auf die Allee frei lassen, die Amateur- Photographen untergebracht werden. Tie Sekundanten sorgten dafür, daß außer den Photographen die Vertreter der Presse, sowie intime Freunde der Leiden Gegner bevorzugte Plätze, ^sozusagen Sperrsitze, eingeräumt erhielten. Von diesen aus konnte ihnen kein Detail des Zweikampfes entgehen. 20 Minuten vor 11 Uhr erschien Graf Dion als der Erste, selbstverständlich kam «r per Automobil. Er trug einen langen Pelzrock und Zylinder, um den Hals einen weißen Foulard. Der Pelz ischeint aber im Pariser Tuell-Lottetten-Codex nicht de uigueur zu sein, denn von Gärautt-Richard, der Punkt 11 IUhr am Schauplatz der Ereignisse erschiert, wurde berichtet, dtr sei im einfachen, dunkelgrauen Ueberrock erschienen. Nun werden von den Zeugen die Präliminarien desZweikampfes gepflogen, alles vor den Augen der höflichst interessierten -Zuschauer und Zuhörer. In dem Augenblicke, da die beiden «Gegner mit dem Degen in der Hand einander gegenüber» ttecten, mißachtet das Publikum die Ermahnungen zur Ruhe, welche die Sekundanten erteilt hatten. Diejenigen, die an Len Stallfenstern keinen Platz ' ' 'oben, verlassen »einfach den Stall und nähern i] senden. Ten weiteren Schilderungen des s ist zu entnehmen, daß Neide Gegner den Anforderungen des schaulustigen Publikums entsprochen haben, nur ist itö gleich nach dem ersten Gange klar, daß Graf Diou seinem •tfegner bei weitem überlegen tft. Beim zweiten Gang entflieht ein lebhafter Klingenwechsel. Aber, setzt der Chronist 'bedauernd hinzu, in dem Augenblick, da die Erregung aufs 'höchste gestiegen war, wett man eine ernstliche Verwundung ,tines der beiden Gegner vorausssetzte, waren die zwei Minuten, die für den Gang festgesetzt waren, -u Ende; er wurde unterbrochen. Beim sechsten Gang notiert Iber Berichterstatter ein überraschendes Degenkunststück des । Grafen Tion, das er mit sachlicher Ausführlichkeit würdigt. ’ -£er zehnte Gang war der letzte. Gerault-Rcchard erhielt Hine leichte Verwundung am Arm. Sie genügte, sagte der Bericht, für einen Kampf zwischen Gegnern, bte nichts von .einander trennt außer dec Polttik. So war nun alles zu >Äide, schließt der Chronist, und die Menge flutete nach Paris zurück. In Fiakern, in Privat-Equipagen, im Automobil umb der Bicyele. Zum Liegburger Ehedrama. Zu einer überraschenden Freisprechung, der des -Doppelmörders Courth, durch das BonnerSchwur- .ge richt wird von dott geschrieben: Courth war früher 1 Schweizer und zuletzt Generalpächter des Rtttergutes „Haus Zur Mühlen" bei Siegburg an der Sieg, das den Schauplatz seiner blutigen That bildete. Seine von ihm erschossene ! qjrau war dem Trünke ergeben und ihre Beziehungen, die l lsich nicht nur auf die verschiedenen Gutsoerwalter, sondern ja ft auf das gesamte männliche Hausgesinde bezogen, waren seit Jahren in der ganzen Umgegend bekannt. Da der Angeklagte wiederholt erregte Auseinandersetzungen mit feiner ^■rau hatte, nahm man allgemein an, daß auch er von den Liebschaften derselben mit feinen Untergebenen Kenntnis hatte. । Dies ist jedoch von ihm im Laufe der Verhandlung energisch testriÜen worden, obwohl nachgewiesen wurde, daß er erst deutschen Ä in feinsten und amerikanischen Fabrikaten. - Echte russische und amerikanische Gummischuhe Der Hansa-Stiefel zeigt keine echiefen Aäme, wenn die Knöpfe versetzt werden, da die Lasche gewalkt ist. k Der Hansa-Stiefel 5 VK/ besitzt die hervorragende Annehmlichkeit, dars er durch ^■ßk das Wegfällen der Näute eUmisca und geschmeidig ist. Grösste Aaswahl eleganter Damen- und Der Hansa-Stiefel Jet der einzige existierende Knopfstiefel, welcher rnrr wBk am einem 8tück Leder geschnitten ist. TgK ZWT. Der Hansa-Stiefel r schliesst Belästigungen durch NÄhte, wie Trennen, Drücken Eindringen von Nässe und Staub gänslich aus. 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