Erstes Blatt. Montag 11. August 1902 152. Jahrgang Nr. 186 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers^Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gietzeu. Fernsprechanschluß Nr. 51. ® Ak Atzk Ä vezugspret», f&isifiär ▼ fSF monatlich 75Pf.,vierlel- GleßenerAnzelgerW w General-Anzeiger " Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen sMZ MP]gnBlr[lliIMin-l, LL1iiLiiiiii 1 uijL.... _____________________________________________ zeigenteil: Hans Beck. icks jjß r'schback , ^Mnsrc^e. ih Leliersberg. ir, tzrünbergerstt. äutz.Schlisendagerw. 6de Bismara- uno mit* äuser, Neuenbaue., 6111* Km-D ppel-Essig ttorbflaschen 9Q 2o und mehr M Salicyl, nsteinsänre rnrze«at,ttL FischbacH «Sw nkeh®#*^' gfaA wS * ««wthaler >eizerkäse und 5463 Mtt # h eingetrossen. . Adami rkfurterftrabe 9. mdheits- c-Zwieback König Hduards Krönung Feuilleton. Lord Uhr Der sein die Bekanntmachung. Betreffend: Die Abhaltung des Jugendfestes. Mittwoch, den 13. August l. I., nachmittags von 2 Uhr ab, wird das diesjährige Jugendfest im Philosophenwalde abgehalten werden. Zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit bestimmen wir hiermit, daß an genanntem Tage von iy8 Uhr nachmittags ab der Fuhrwerksver- kehr nach dem Philosophenwald nur den Mittelweg entlang und von da zurück nach der Stadt nur durch die Eichgärten; von 6 Uhr nachmittags ab aber in umgekehrter Richtung bewerkstelligt werde. Das Publikum wird gebeten, sich nicht in den Zug hineinzudrängen, auch nicht die Spielplätze im Philosophenwald zu betreten oder in die Spiele einzugreifen. Gießen, den 1L Aug. 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. London, 9. August. Heute vormittag 11 Uhr verließ das Königspaar in der Staats-Karosse unter den donnernden Hurrahrufen der Menge den Buckingham-Palast. Dem Wagen des Kö- stigspaares ritten der Herzog von Connaught und Kitchener voran. Kanonensalven verkündeten um 11 25 Minuten die Ankunft in der Westminster-Äbtei. König schien bei ausgezeichnetem Wohlbefinden zu und dankte ebenso wie die Königin freundlichst für enthusiastische Begrüßung. Zum Schlüsse machte Sanitärsrat Dr. Alsberg (Kassel) Mit- teiluug von den australischen Funden der Abdrücke des Gesäßes zweier Menschen und eines Fußes auf einem Sandsteinbruche in Viktoria, l1/< bis l*/2 Meilen von der Küste; auch Abdrücke der Fußspur des australischen Straußes und des KänSeruh fanden sich auf diesem Sandstein. Tie Eindrücke müssen ursprünglich in Dünensand gemacht sein, und da in Australien ^eine Küstensenkung von den Geologen konstatiert ist, und auch der Sandstein oom Kalkstein, dieser dann von Humus und Bäumen bedeckt war, so hat dieser Sandstein lange unter dem Meere gelegen. Aus anderen Funden nehmen die Geologen Archibald und Schoetensack au, daß diese 12 Uhr 40 Minuten ging das Aufsetzen der Krone vor sich; der Erzbischof vollzog diesen Akt, indem er dabei ein Gebet sprach Die in der Kirche versammelte Menge brach hierbei in den Ruf: „God save the King!" aus. Es ertönten aus dem Hyde-Park und dem Tower Kanonenschüsse. Nach Beendigung der Krönung wurde König Eduard von der Geistlichkeit auf den Thron gehoben. Der'Erzbischof und die übrige Geistlichkeit kniete vor dem König nieder und huldigten ihm. Der Prinz von Wales kniete gleichfalls nieder und schwur dem König den Lehnseid. Desgleichen thaten sämtliche Prinzen und die Peers. Es folgte die Krönung der Königin. Die Königin scyien durch die Feierlichkeit, deren Eindruck auch thatsächlich überwältigend war, etwas befangen. Sie ging langsam und mußte von Oxford, der links neben ihr ging, bitten, sie an der Hand zu führen. Um 1 Uhr verließ der Zug die Abtei um nach dem Buckingham-Palast zurückzukehren, unter dem Glockengeläut aller Kirchen und Salutschießen. Die Menge brach bei Erscheinen des Königs in laute Hurrah- rufe aus. Die ganze Art, wie die Krönung geleitet wurde, machte einen guten Eindruck. Die gewaltigen Tribünenbauten der Galerien waren so angebracht, daß sie den Anblick des Inneren der alten Kathedrale mit ihren braunen Säulen und Wänden möglichst wenig änderten. Zwei große Tribünen waren übereinander aus jeder Seite des Mittelschiffes hinter den Säulen errichtet und die Vorberwand zwischen ihnen war dunkelblau und gelb drapiert. Die Tribünen selbst waren in zartem Meergrün gestrichen, was alles zum Braun des alten Gesteins gut paßt. Dunkelblau war auch der eigens gewebte Worcester Teppich, der sich vom Altar der Kirche, bas ganze Mittelschiff entlang, bis zum vorderen Portale erstreckte. Solche weniger auffallende Farben waren nötig als Hintergrund zu den bunten Uniformen und Trachten und Toiletten der Zuschauer. Man hatte anscheinend darauf gesehen, die Tribünen recht bunt und prächtig zu besetzen und darum so viele Bürgermeister in farbiger Amtstracht, Ordensritter in ihren Talaren, und Freimaurer mit ihren Anzeichen eingetaden. Leute ohne Uniform, die eingeladen waren, mutzten besonders distinguiert und bekannt sein, wie z. B- der Schauspieler Sir Henry Irving, der in sammtener schwarzer Tracht neben einem hohen Offizier saß. Den geschickten Regisseur der ganzen Feier, Herzog von Norfolk, sah man vor der Krönung unten im Schiss immer mit gemütlicher Ruhe umhergehen. Er trug einen dunkelroten mit vielem Gold gestrickten Frack, weiße seidene Kniehosen und Strümpfe, und machte den Eindruck eines Mannes, der seine Aufgaben genau kennt. Daß das Alles ziemlich theatralisch, vielleicht sogar etwas opernhaft war, .ist kaum zu leugnen. Tie schöne Musik, die vier Stunden anbauerte, that das ihrige. Wagner kam zweimal zum Ton, einmal mit den Fanfaren aus „Lohengrin", das zweite Mal mit dem Kaiser mar sch Auch Gounod und Tschaikowsky hatten Märsche geliefert. Andererseits stimmten die Umstände, unter denen der König und die Königin die Krönung durchmachten, doch ernst. Vielleicht war ein fehlerhaftes Ueverwie- gen des Theatralischen in dem Umstande zu erkennen, daß, als der Erzbischof den zu krönenden König dem Volke vorstellte und es befragte, ob es ihn als König huldigen wollte, die jubelnde Antwort: „Gott erhalte König Eduard!" nicht vom Volke selbst ausgestoßen wurde, sondern allein von den Chorknaben im Orchester, und daß Fußspuren der späteren Tertiärzeit (?) oder dem ältesten Diluvium angehören. — Die Arbeiten des Kongresses waren von Exkursionen begleitet. Bitt dem Danke an die gastliche Stadt Dortmund seitens des Vorsitzenden ward die Versanmüung geschlossen. Der Vorstand besteht neben dem Ehrenpräsidenten Geh. Rat Virchow sür das nächste Jahr aus Professor Waldeyer (Berlin), Freiherr v. Andrian- Werburg (Wien), Pros. K. von den Steinen (Berlin). Als nächster V e r j a m mlungsort wurde War m s gewählt. Schutzimpfung bei Niudertuberkulose. Geh. Medizinalrat Tr. v. Behring veröffentlicht im Verein mit seinen wisicnschaft- lichen Mitarbeitern Römer und Ruppel eine Art von Urtunden- jammlung zu seinen bedeutsamen Studien und Versuchen über „Tu° berkiilose". Diese lahrelang fortgesetzten Arbeiten hallen keinen geringeren Zweck als die Auffindung eines wirksamen Immuni- sierungsverfahrens gegen die Ausbreitung der Rinder- tuberkulose. Die genannten Forfcber süid zu der Ueberzeugung ge° langt, daß ihneii die Lösung dieses Problems gelungen sei. Sie behaupten aus Griind ihrer Versuche und ihrer Beobachtungen, Rinder durch Vorbehandlung nut bestimmten Tuberkelbaallenkul- turen derartig beeinflußt zu haben, daß sie eine spätere Impfung mit einem für gesunde Kontrolliere t ö t l i ch e n Tuberkelgift ohne irgendwelchen Schaden ertragen konnten. Ob diese durch den Versuch erzeugte Unempsäuglichkeit der Rinder sich auch aus die natürliche Ansteckungsmöglichkeit mit Tuberkelgift erstrecken wird, das zu ermitteln ist Ausgabe der experimentellen Forschung, die bereits eingeleitet wird. Es liegt cutf der Hand, daß die Thatfache — immer die Richtigkeit der wissenschaftlich nachgeprüften und für richtig befundenen Methode voraiisgesetzt — der wirksamen Rinderschutzimpfung gegen die schädlichen Einflüsse hochgradiger Rinder- tuberkelbaziUen von einer unermeßlichen Tragweite für die Viehzucht nicht nur werden muß, sondern daß sie auch noch ungeahnte Perspektiven für den Kampf gegen die Menschentuberkulose eröffnet, sollte es wirklich möglich werden, auch beim Menschen eine solche wirksame Schutzimpfung gegen das Gift der Menschentuberrnlose einzuleiten, dann würde der Name Behring den größten MenschheitS- roohlthärern aller Zeiten und aller Völker zugezählt werden müssen. Eine Majeftätsbeleidignugsttage, die durch ihre Vorgeschichte und ihren Entwicklungsgang in mehr als einer Hinsicht Aussehen erregt, wurde durch die Münchener Staatsanwaltschaft gegen den Dichter Friedrich Benz eingelettet. Benz, der zu den Hypermoderneil gehört, bat eine Reihe von Bänden seiner Dichtungen erscheinen lassen. Der in Braunschweig lebende Herausgeber der „Stimmen der Gegenwart", Karl Hartmann, interessierte sich für diese Bücher und trat mit Dem m SBrieiroedricL I um biographische Taten von ihm zu erhalten, die er in einem Buch über den ethischen Gehalt dieser Gedichte verwerten wollte. In einem Bries an Hartmann äußerte nun Benz auch seine Meinung über die bekannte K u n st r e d e d e s K a i s e r s vom Februar d. und gebrauchte in Bezug auf den Inhalt der Rede, nicht auf die Person des Aton arch en, einen kräftigen, vulgär e n Ausdruck, den auch Goethe in feinem Faust nicht verschmäht hat. Tie Briefe und auch eine Sendung Bücher von Benz kamen merkwürdigerweise zu Handelt der Braunschweiger Polizei und diese leitete ein Verfahren ein. Zunächst erschien bet Benz in feinem Sommeraufenthalt in Tutzing em Gendarmeriewachtmeister und bald darauf erhielt er eine Vorladung vor das Amtsgericht zu München. Der ihn vernehmende Amtsrichter zeigte dabei wenig Neigung, die Ausführungen des Beschuldigten entgegenzunehmen, er meinte vielmehr: „Ich würde Sie verurteilen. Wenn Sie solche Sachen sagen ivollen, können Sie aus Deutschland auswandern." Ta es sich in diesem Falle nicht um eine Kritik der Person des Kaisers, sondern einer Aeußerung handelt, die der Kaiser in einer den Regierungsgeschäften ferne liegenden Angelegenheit in Bezug auf die Kunst gethan hat, und da ferner ein in einem Privatbrief gebrauchter Ausdruck Anlaß zu strafrechtlicher Ein- schreitung gab, ist die Angelegenhrit für die lüerarischen Kreise von größtein Interesse. Mainz, 10. Aug. DaS Vermächtnis der Frau Dieterich an die Stadt Mainz besteht aus einer Reihe von Gemälden, von denen wir folgende erwähnen wollen, die zu den bei- gesetzten Preisen tariert sind: Eugen Bracht 600 Ml., L. Knaus (Schusterbuben) 6000 Mk., Andreas Achenbach 3500 Mk., Harburger (Bauernkopf) 100 Mk., Preller 150 Mk., A. v. Werner 2000 Mk., Harburger (Rübenschälerin) 1800 Mk., Leibl 1500 Mk., Harburger (Wirt) 150 Mk., Vautier 1500 Mk., Knaus (alter Mann) 800 All., Knaus (Harlekin) 300 Mk., Andreas Achenbach 500 Mk. Gesamt- ivert 29 170 Mk. Wilh elm Jordan hat sich von feinem Unwohlsein wieder soweit erholt, daß er schon das Zimmer verlassen komrte, um sich in seinen Garten zu begeben und voraussichtlich nächster Tage eine Ausfahrt machen wird. — Tr. Paul Lindau teilt zugleich im Namen feines Freundes Adolf L'Arronge mit, daß er mit dem letzteren einen Vertrag abgeschlossen hat, auf Grund dessen die Leitung des Deutschen Theaters zu Berlin vom 1. Juli 1904 auf ihn übergeht. — Die 47. Allgemeine Versammlung der Deutschen Geologischen G e f e l lsch as t wird vom 8. bis 18.Augustin Kassel abgehalten. Paris, 9. Aug. Der Maler Tissot ist gestorben. — Bom deutschen Anthropologenkongretz in Dortmund. Pros. Köpp sprach über die Ausgrabungen bei Haltern i. Westfalen. Durch Prof. Schuckhardt sind 1901 an St. Anna- berg (südwestlich von Haltern) Grabungen vorgenommen worden. Die geringen Funde in dem doppelt so großen Kastell wie es die Saalburg ist, deuten auf die Zeit des Augustus; auch fand sich nordwestlich dieses Lagers noch ein zweites größeres Lager mit reichereil Funden. Eine dritte Fundstelle lag'südlich der zweiten, an der Lippe, die damals 100 Mir. nördlich ihres heutigen Laufes ihr Bett hatte. Tie dort gemachten reichen Funde, die tausende halbverbrannter Weizenkörner wiesen auf Getreidemagazine hin. Italische Sigillate, Waffen, Fibeln, Münzen vielleicht auf einen Anlegeplatz und auf ein Uferkastell. Zwischen 12 vor bis 16 nach Christo sind hier die Römer gewesen. Prof. Johannes Ranke (München) besprach seine Untersuchungen an sechs ihm aus China zugesandten V e r o r e ch e r g e h i r n e n. Es waren Köpfe von Raubmördern, die dort durch das Richtbeil getötet worden waren. Bei den bayerischen Verbrechern fand man meist Gehirne von großer oder von kleiner Kapazität, die letzteren gehen nach Ranke zumeist auf Atrophie zurück, während bei den Verbrechern mit großem Schädel ein gewisser Schwachsinn anzunehmen ist, der auf einem Hirndefekt beruhen muß. Dr. B i r k n e r (München) hat die Hunderassen aus der römischen Periode Bayerns untersucht. Die Schriftsteller, die Abbildungen des Altertums wiesen wenig, die Ausgrabungen einige Schädel auf. Dagegen besitzen wir auf römischen Ziegel st einen Abdrückeder Pfoten, aus denen ein größerer und ein kleinerer Hund erkennbar werden. Vergleiche mit den abgeformten Pfoten unserer Rassen ergaben, daß kein Hund der Römer in Bayern, so viel ist vorläufig zu sagen, die Größe eines Bernhardiners erreicht hat. Zum Schlüsse machte Sanitätsrat Dr. Alsberg (Kassel) Mit- teilung von den australischen Funden der Abdrücke des Gesäßes ferner der Jubel darüber, daß der König den alten Krö- nunaseid geschworen und unterzeichnet hat, nur durch die Musik ausgedrückt wurde, während das Volk stumm bleiben mußte. Auffällig war bei der Auffahrt zur Abtei die bisher bei solchen Gelegenheiten noch nicht dagewesene Verwendung von Motorwagen. Herzog von Connaught kam zusammen mit zwei anderen Generälen in einem keuchenden Motorwagen in eine Gruppe berittener Offiziere hineingefahren, deren Tscrde scheuten, ehe die Offiziere salutieren konnten. Zu i Spalierbilden waren neben englischen Soldaten und Muwosen auch indische Soldaten und Truppen aus den Kolonien verwendet. Die exotischen Truppen wurden durch Beifall sehr ausgezeichnet. Die Indier und Fidschi-Insulaner und West-Afrikaner hatten den größten Beifall. Ein Indianerhäuptling aus Kanada trug einen Heiterkeitsersolg davon. Die beiden Krankenpflegerinnen des Königs wurden in einer Hofkutsche zur Abtei gefahren und enthusiastisch begrüßt. Daß der Erzbischof von Canterbury nicht nach vier Himmelsgegenden, sondern nur nach Westen den zu krönenden König dem Volke vorstellte, wurde nicht bemerkt, dagegen wurde auch im äußeren Teile der Kirche bemerkt, baß der König auf die vier Fragen, die ihm der Erzbischof vor der Vereidigung vorlegte, mit sehr lauter Stimme antwortete. Daß der Erzbischof nachher, als er den König zur Standhaftigkeit ermahnte, einen Schwäche an fall bekam, er gestützt werden und sich zur Kapelle Eduards I. zurüc^iehen mußte, war nur wenigen bekannt. Als der König mW)er nach dem Buckingham Palace zurückgekehrt war, zeigte er sich in Krone und Hermelinmantel mit der ebenfalls die Krone tragenden Königin auf dem Balkon. Beim Abmarsch der Spalier bildenden Truppen lief ein scheu gewordenes Pferd zwischen die indischen Soldaten und verletzte zehn davon. In Hall stießen zwei Hofequipagen zusammen, deren Pferde scheu geworden waren. Die beiderseitigen Insassen, Lord Pel- yam und Lord Clinton, wurden herausgeschleudert und leicht verletzt. Die freudige Erregung, die bereits am frühen Morgen in den Straßen der Stadt herrschte, ließ auch in den späteren Stunden des Tages nicht nach; überall läuteten die Glocken; die Menge in den Straßen war noch größer als man erwartet hatte. Ihr Enthusiasmus war so groß, daß sie an zwei Stellen die Spalier bildenden Truppen durchbrach, um den König besser sehen zu können. Die Truppen hatten jedoch keine Schwierigkeit, bald wieder ihre Reihen zu schließen, so daß die frühere Ordnung wieder hergestellt wurde. Die Kundgebungen des Publikums vor dem Palast nach der Rückkehr der Majestäten war so stürmisch, daß der König und die Königin auf dem Balkon erschienen. Der König trat heraus, so daß er von der Menge gesehen werden konnte, er trug sein Staatsgewand und die Krone und wurde aufs lebhafteste begrüßt. Er wandte sich dann um und forderte die Königin auf, an seine Seite zu treten, was eine neue spontane Huldigungskundgebung zur Folge hatte. Die Illumination ist auch glänzend ausgefallen. Der Buckingham-Palast erstrahlte in festlicher Beleuchtung. Auf seinem Dache war eine weithin sichtbare Krone aus zahllosen Glühlampen angebracht. Ungeheure Menschenmengen umstanden den Palast. Auch alle Häuser in den Straßen, durch die der Krönungszug sich bewegt hatte, prangten im Schmuck elektrischer Lampen. Um 11 Uhr 25 Minuten traf der königliche Wagen in der Abtei ein. Der König verließ leicht und ohne jede Unterstützung den Wagen. Am Eingänge zur Abtei hatte sich der Erzbischof von Canterbury mit der gesamten Geistlichkeit aufgestellt, um das Königspaar in das Innere der Kirche zu geleiten. Die Königin, deren Schleppe von acht Pagen getragen wurde, nahm auf dem Throne der Königin Platz. Der König-trug das königliche Staatsornat und war begleitet von Edelleuten, welche die Regalien trugen, und anderen Würdenträgern. Der König schritt alsdann aus den im Vordergrund des Thrones befindlichen, für ihn bestimmten Sitz zu, verbeugte sich vor der Königin und kniete zum Gebet nieder. Bei Beginn der Predigt setzte sich der mit dem Purpurmantel bekleidete König das purpurne Sammt-Barett auf. Alsdann nahm der Erzbischpf dem König den Krönungseid ab. Der König trat zur Zeremonie der Eidesleistung nicht, wie üblich, zum Altar, um niederzuknieen, sondern Leistete den Eid auf seinem Stuhle sitzend, mit der Hand auf der großen Bibel, küßte die Bibel und unterzeichnete die Eides-Urkunde. Es folgte die Oelung, die der Erzbischof vollzog. Er goß dem König einen Löffel mit Oel in Form eines Kreuzes aufs Haupt, Brust und beide Handflächen. Darauf segnete der Erzbischof den friieenben König. Lord Chamberlain überreichte dem nunmehr Gekrönten die Reichssporen und das Reichsschwert. Bei Anlegen des Schwertes ermahnte der Erzbischof den König, damit das Reich zu verteidigen. Nach dieser Zeremonie erhiell der König den Königsmantel aus goldenem Tuch umgelegt, und den Reichsapfel in die Hand. Um Politische Tagesschau. der ihm den Rothen Adlerorden britter Masse verlieh. Der Stellvertreter des Chefs des ZioilkaLinetts Valentini g. Tie „D. N. N." berichten fplgen- hier ein. — In gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Stellung des Oberpräsidenten v. Ritter als erschüttert ist vortrefflich Lübeck, 9. Äug. Ter König der Belgier traf land. Paris, 10. Äug. Demnächst werden nach Fudschi n a bedeutende .T r u p pen v e r stä r kun g e n entsandt werden. Dieselben sind dazu bestimmt, falls in Siam Unruhen ausbrechen sollten, unverzüglich dahin abzugehen. 'Belgrad, 10. Äug. Die Regierung wurde verständigt, daß die Notierung der neuen serbischen An leih e an der Pariser Börse von der französischen Regierung genehmigt wurde. Petersburg, 10. Aug. Der „Regierungsbote" veröffentlicht ein Reskript des Kaisers Nikolaus an den General-Admiral Großfürsten Alexis, in dem der Kaiser sich befriedigt und anerkennend über das Revaler Manöver äußert, und dem Großfürsten Dank für das Gefühl der tiefen sittlichen Befriedigung ausdrückt, das er, Kaiser Nikolaus, an den drei auf der Rhede von Reval verbrachten Tagen empfunden habe. — Blättermeldungcn zufolge ist die Lage inMace- donien äußerst ernst. In Bitolia und Umgegend sollen Aus Stadt und Sand. Gießen, 11. August 1902. ** Jugendfest. Im Interesse der Jugend richtet man die Bitte an die Eltern, ihre Kinder während der Pausen unter ihre Aufsicht zu nehmen und ferner dafür besorgt zu sein, daß sich dieselben, sobald das Signal zum Abmarsche aus dem Walde — abends 7% Uhr — gegeben wird, bet ihrer Zugfahne einfinden und zum Heimzuge antreten; denn ein Fest, das der Schuljugend gilt, muß mit Anbruch der Nacht beendet sein. If Promotionen. Zum Doctor utriueque iuris promovierte bei der juristischen Fakultät unserer Landes- Universität Gerichtsaccessist Adolf Ostern aus Worms auf gründ seiner Dissertation „Alternative Willenserklärungen im Strafprozeß." Ostern erreichte das Prädikat „summa cum laude“. — Wie aus unseren Promotionsberichten und der von uns s. Z. veröffentlichten Statistik leicht ersichtlich, hat sich während des vergangenen Semesters die Zahl der Doktoranden, vor allem auch der juristischen, an der Universität Gießen im Vergleich zu früheren Semestern, erfreu* licherweise bedeutend vermehrt. Während bisher auch solche Herren, welche bei uns Fakultätsexamen gemacht hatten, andere Universitäten, vor allem Heidelberg, zwecks Erlangung der Doktorwürde aufsuchten, hat sich der „Gießener Doktor" bei unseren Landessühnen mehr und mehr eingebürgert. ES dürste dies vor allen Dingen den in letzter Zeit hervor- getretenen Bestrebungen der deutschen Universitäten zu verdanken sein, eine größere Gleichmäßigkeit in den An- forderungen, die an den Doktoranden gestellt werden, herbeizuführen. ff Selbstmord oder Unglücksfall? Der cand. med. Alfred W., in der Kirchstraße wohnhaft, ist am Samstag Morgen an den Folgen einer Vergiftung durch Opium gestorben. Morgens gegen 9 Uhr vernahm die Wirtin, bei der der Verstorbene wohnte, lautes Stöhnen aus dem Schlafzimmer. Sie ging hinein und sah, daß W. sehr schwer krank war. Ein sofort herbeigerufener Arzt konstatierte eine Vergiftung durch Opiumtinktur und nahm augenblicklich eine Auspumpung des Magens vor. Während dieser Operation starb der Patient. Auf dem Nachttisch neben dem Bette standen mehrere gefüllte Arzneiflaschen, darunter auch eine mit Opium. Eine heute vorgenommene Lokalbesichtigung durch die Staats- anwaltschaft konnte zunächst nur den oben angegebenen Befund feststellen. Ob eine Fahrlässigkeit, vielleicht em Verwechseln der Flaschen oder das Einnehmen einer zu starken Dosis des Arzneimittels, oder ein Selbstmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt. !? Der erste Spaten st ich zu unserer Kanalisation ist heute Morgen gemacht worden. Es ist die Strecke vom Lahnpegel entlang der Wieseck bis an die Stelle, wo das Flüßchen den Bogen macht nach dem Eisenbahnviadukt in An- griff genommen und ferner von der Kreuzung der Moltte- slraße mit der Wieseck bis zur Roonstraße. Die ausführende Firma Jäger u. Rumpf in Hanau bietet gewiß Gewähr, daß die Arbecken so schnell als nur möglich gefördert werden, besonders wo solche in den Straßen notwendig werden, in denen starker Verkehr ist. !? Besitzwechsel. Das dem Bankier Jakob Grünewald gehörende Haus Schillerstraße, Ecke Nordanlage, ging : für 28000 Mark in den Besitz des Metzgers Ruthsatz über. ! Die Kreiskonferenz der s o ziald emo kra- i tischen Partei des ersten oberhessischen Wahlkreises, welche gestern mittag um 1 Utzr im Lokale von Ocbig ist hier eingetroffen. — Zur Teilnahme an dem Stapellauf hes Schnelldampfers „Kaiser Wilhelm II.", der bekanntlich am 12. August in Gegenwart des Kaisers auf der Werft des ,MIkan" in Stettin vor sich gehen wird, werden u. a. mich die Minister Budde, v. Goßler und Möller erwartet. — Reichskanzler Graf Bülow traf aus Swinemünde solches Mädchen gewesen. Washington, 9. Aug. Präsident Roosevelt genehmigte den Plan der Commercial-Pazrste-Company, mit dem sich kürzlich der Kongreß beschäftigt hat, etn Kabel von San Francisco nach China über yawii, Guam unb dlL Philippinen zu legen. 18. Deutscher landwirtschastl. Kenossenschaststag. Kiel, 8. August. Die heutigen Verhandlungen des Genossenschaststages, an dem u. a. Geh. Oberregierungsrat Dr. Hoffmann-Berlin als Vertreter des preußischen Landwirts chastsministeriums teilnahm, fanden wieder in der Marine-Akademie statt. Es referierte zunächst Gutsbesitzer Meinert-Hamburg über, die Milch Versorgung der Städte durch genossenschaftlichen Zusammenschluß Ueber die Frage: „Kann durch genossenschaftliche Veranstaltungen die Anwendung der Elektrizität in der Landwirtschaft gefördert werden", sprach Ingenieur Tr. ing. Baldamus -Magdeburg. Entgegen den Ansichten des Referenten halten die Herren v. Hertzberg, v. Mendel, Johannsen u.a. die Anwendung elektrischer Kraft zum Pflügen für sehr unrentabel und empfehlen sie nur für den Haus betrieb und für große Güter, auf denen Wasser vorhanden ist. Regierungs-Assessor Gennes aus Darmstadt beleuchtete das Reckt der Genossenschaftsverbände auf Vertretung der ihnen angeschlossenen Genossenschaften den Behörden gegenüber. Oek.-Rat H ü n e r as ky - Posen spricht über die Zweck- Mäßigkeit der Annahme der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung für landwirtschaftliche Assoziationen und führt aus, daß die Form der Genossenschaft für landwirtschaftliche Vereinigungen, welche die Hebung und Förderung der Wirtschaft ihrer Mitglieder bezwecken, die geeignetste sei. Es kam auch die Resolution zur Annahme, wonach der Allgemeine Verband unter Berücksichtigung örtlicher Verhältnisse nur für landwirtschaftliche Assoziationen, welche größere Anlagekapitalien erfordern und deren Bestehen und Fortentwickelung von einem feststehenden Kapital- bestande abhängig ist, auch die Zweckmäßigkeit der Annahme der Rechtsform der Gesellschaft mit beschränkter Haftung anerkennt. Tann unterzieht Rechtsanwalt v. Brentano diTre- mezzo-Offenbach a. M. die Haftpflicht der Verbandsrevisoren und der Verbände bei Durchführung der Revision einer ausführlichen Beleuchtung und kommt zu dem Schluß, daß der Revisor für etwaigen Schaden, den er widerrechtlich bei Durchführung der ihm obliegenden Verrichtungen Tritten zugefügt hat, persönlich haftbar ist; eine, MityaftunH des Revisionsverbandes könne nur nach Maßgabe des § 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches eintreten. Wegen allzuweit vorgeschrittener Zeit wurde von den weiteren 5 Borträgen nur noch der des Tr. K. Beerwald- Berlin über „die Förderung der ländlichen Wohlfahrtspflege durch die Genossenschaften" zu Gehör gebracht. Redner hält die Nutzbarmachung der wissenschaftlichen und technischen Fortschritte der 'Neuzeit, auf dem Gebiete der Gesund- yeitspflege für die ländliche Bevölkerung für ein dringendes Bedürfnis und ersucht zur Lösung dieser wirtschaftlich hochbedeutsamen Ausgabe die Genossenschaften zur Mithilfe. Ein Anschluß an den „Deutschen Verein für Volkshygiene" sei wünschenswert. Mit Worten des Tankes schloß Verbandsanwalt Haas den 18. Genossenschaftstag. Däe trckßchen Abgeordneten protestierten heute in der Stadthalle in Dublin in schärfster Weise gegen die verfassungswidrige Regierung Irlands durch baä englische Parlament und den englischen König. Von maßgebender Seite wird gemeldet: Der König überstand die Feier vorzüglich und ohne Ermüdung zu zeigen. Sein Aussehen war gut und fern Befinden ist ausgezeichnet. . . ' London, 10. Aug. Der König und die Königin wohnten heute mit den übrigen Mftgliedern der königlichen Familie und mehreren im Bucllngham-Palast weilenden fremden Gästen dem Gottesdienste in der Ka- pälle des St. Iamas-Palastes bei. Sie wurden auf dem ganzen Wege von der Menge lebhaft begrüßt In der St Pauls-Kathedrale fand heute feierlicher Dankgottesdienst statt, der vom'Bischof von London abgehalten wurde. An demselben nahmen der Lord-Mayor, sowie zahlreiche Wür- heute hier ein. Heiligenbeil, 9. Aug. Heute sand hier die Feier des 600 jährigen Bestehens von Heiligenbeil statt Zu derselben waren u. a hier eingetroffen der Ober- präsident Frhr. v. Richthofen, der Regierungspräsident von Waldow und der Landeshauptmann v. Brandt Am vormittag fand Festgottesdienst statt, an den sich ein Festakt Vom französischen Kulturkampf. s Ruhestand versetzt. _ In der Bretagne wurde am Sonntag, nichts gegen die ---- — j T Ordensschulen unternommen, da die Gefahr eines Blut- ^USlßllU« Vergießens zu groß ist. In St Me an hielten die Bewohner London, 11. August. Der König hat an Balfour eine Versammlung^ab, worin beschlossen wurde, alle Mittel 1.^ schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß er Os- anzuwenden, die Schließung der Ordensschulen zu verhin- ßorue $011je mit Ausnahme der Privatgemächer der dern und die Ratschllige zur Ruhe außer Acht zu la,fen. Königin Viktoria der Nation als Geschenk übergebe, Es sollen Bienenkörbe unter die Pferde 9^tDOrTen un^ ^em er der Hoffnung Ausdruck giebt, daß dasselbe werden und die früher gedienten Soldaten sollen sich ^rl^ationaten Zwecken gewidmet und als Erholungs- Gendarmen bemächtigen In L an ouee mußten berittene s^r Offiziere des Heeres und der Marine, Jäger eingreifen, um die Schließung der Schulen zu be- ^ren Gesundheit im Dienste des Landes Schaden genommen werkstelligen 1500 Personen erwarteten den Polizeikom- dienen werde missar. Der Bescher der Schule, Herzog von Rohan,, der sich Haag, 10. Aug. Der frühere Staatssekretär von im Innern derselben befand, weigerte sich, die yuren <£ran§üaaL Reitz ist zum Besuch seines Sohnes hier ein- zu öffnen, worauf diese mit Eisenstangen erngeschlagen hoffen wurden. Tie Menge verhinderte jedoch den Polizeikommiss ar, Rotterdam 10. Aug. Krüger entsandte seinen in das Gebäude einzudringen, und leistete der Aufforde- Sekretär Bredell nach Brüssel, um der Witwe des ver- rung, sich zu zersft:euen, keine Folge. Ter Kommissar drang I Torbenen Burengenerals Lukas Meyer bei der Ord- alsdann vom Hofe aus rn die Schule und nahm die Aus-1 nunc. ihrer Angelegenheiten beizustehen. Weisung der Ordensschwestern vor. In Brouvenac Brussel, 10. Aug. Die gesamte hiesige holländische wurden die Einwohner durch die Kirchenglocken zusammen-! Kolonie wird an der Beisetzung des Burengenerals Lukas gerufen, als sich der Polizeikommissar mit zwölf Gendarmen hyt e b e r teilnehmen. Tie' Gesandtschaften Transvaals und einstellte. Nur durch Einschlagen der Thur en und Fenster Hollands treffen Vorbereitungen zur Beisetzung des Ver- vermochten die Gendarmen in die Schule einzudrmgen. Torbenen. Der protestantische Pfarrer aus Pretoria, der In St. Amour-Soult hak sich der Gemeinderat initl ^^^rtiq in Scheveningen weilt, wird den Traucr- dem abgesetzten Bürgermeister und den beiden Schuften ,oli- Gottesdienst abhalten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß darisch erklärt, indem sie den ihnen auf geprangten neuen (Lprcb'ibent Krüger hierher kommen wird, um dem Ver- Bürgermeifter nicht anerkennen. die letzte Ehre zu erweisen. Eine Tochter des -i .r. . . Verstorbenen ist ' heute aus Dresden hier eingetroften. y£Ut|Uj£5 Eine zweite Tochter befindet sich noch in Pretoria. Heute Berlin 10. Aug. Man meldet aus Swinemünde: wurde von einem Arzte die Einbalsamierung der ^eick/e Die ,ch o h e n z o l l e r n" und die Begleitschiffe sind heute des Burengenerals vorgenommen, da sie wahrscheinlich morgen hier eingetroffen. Tie „Hohenzollern" machte am nach Pretoria uberzuhrt werden wird. Der Tag der pichen- Duat feft, roorauf an Sorb öottcSbienft ftatttanh. Ter Kaiser seier ist noch mcht festgesetzt, ba bas Emtresten der Kinegs- verblieb tagsüber an Bord der „Hohenzollern". Der Kreuzer kameraden des Verstorbenen abgewartet werden soll. Zahl- „Prinz Heinriche ging nach Kiel in See, nachdem sein Kom- reiche Brüsseler Gesellschasten beabsichtigen ^ ber Zere- mandant, Kapitän Wentzel, sich beim Kaiser gemeldet hatte, moine teilzunehmen. Cnne im Ve,^^^^ der ihm den Rothen Adlerorden dritter Klasse verlieh.ausgelegte Kondolenzliste füllt ii^ nut äaWl^e”^llter_ Ter Stellvertreter des Chefs des Zioilkabinetts Valentini schriften hervorragender Persönlichkeiten, Mitgliederii des diplomatischen Korps usw. Von allen Seiten sind Beileidstelegramme eingetroffen, darunter auch welche aus Eng- gelte. — Der Deichs anz." widmet in seinem nichtamtlichen Teil dem verstorbenen früheren Oberpräsidenten von Hannover Tr. von Bennigsen einen warmen Nachruf, in welchem es u. a. heißt: „Ein treuer und überzeugter Führer seiner Partei hat er doch, niemals die großen gemeinsamen Ziele aus dem Auge gelassen, und wenn er mit Erfolg in großer, bewegter Zeit feine hervorragenden Kräfte für Die Neugestaltung des Vaterlandes einsetzen konnte, so gebührt der Dank hierfür nicht nur seinem hohen Patriotismus, seiner glänzenden Begabung und bedeutsamen Tbätigkeit als Beamter, Parlamentarier und Redner, son-,^-...... —m-i- ----- •—., - . - - . . . dern auch seiner klugen Aiäßigung als Parteipolitiker, die alle Christen von den gurken e r m o r d e t worden sein, ihm neben neben der Liebenswürdigkeit und Lauterkeit Tie Stadt Debard wurde von Albanesen geplündert und seines Charakters die Freundschaft und Unterstützung aller niedergebrannt. Die Nowosti verlange, daß England patriotisch gesmnten Männer gesichert hat. So wird denn sich den Schritten Rußlands und Oesterreick^, anschließe, auch bei allen Parteien und in allen Kreisen sein Name um die Pforte zu Reformen in Macedonren zu zwingen, in ehrenvollstem Gedenken bleiben." Tsingtau, 9. Aug. Berichte besagen, daß m Honau L Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Nach amtlichen erneute B ox er b ew e g un g en austauchen, sodatz Der Veröffentlichungen der englische Regierung sind für das dortige Gouverneur ab berufen wurde, um durch den bis- Gebiet der eh em alig en Bur enstaat en En t s chäd i- herrgen Gouverneur von ^chantung ersetzt zu werden, ^es aunqsansprüche, die in der Zeit vom 31. März bis weiteren wird versickert, datz m weiten Strecken Chinas 30. Juni 1902 einschließlich entstanden sind, bis zum 31. vollständige Dürre besteht, sodaß August 1902 bei Vermeidung des Ausschlusses bei der Ent- schlecht ausfallt, eine Hungervnot zu befürchte steht. schLigmigstommission in Britisch-Südafrika anzu- - Ueber Mädch enhandel in China berichtet die melden. Zeitschrift „Ost-Asien". In China beftnden sich manchmal Bremerhaven, 10. Aug. 850 Mann der von dem viele kleine Mädchen auf dem Wlartte und werden zu 3, Dampfer ,Main" gelandeten Ablösung des ostasiati- 5, 7 Taels usw. ausgeboten. Reiche Käufer erwerben schen Kreuzergeschwaders sind heute früh 10 Uhr in einem 5—10 Mädchen auf einmal uiid lassen ihnen einige Jahre Sonderzuge nad) Wilhelmshaven, um HV2 Uhr 750 Mann lang eine gute Erziehung angedeihen. Pie schönsten der nach Kiel abgegangem Ter Gesundheitszustand der Truppen Mädchen werden entweder die Konkubinen des Eigen- b 1 ' tümers oder wie jede andere Ware weiter verkauft und mitunter mit 1000—10 000 Taels bezahlt. Wie wir hörten, ist die Frau eines Direktors der Eisenbahn em solches "Mädchen gewesen und für 10000 Taels angekauft worden. Die Kaiserin-Mutter ist früher bekanntlich auch ein den Vorgang, der dem Blatt von sehr glaubtoürDiger Selle veickürgt wird. Es war in den ersten Tagen der Regierung des Königs Georg. Seine Räte legten ihm einige Erlasse zur Vollziehung vor, die er abzuändern für nötig hielt Dies wurde aber für unmöglich erklärt, well die Erlasse schon ins Land gegangen, ja sogar bei den amtlichen Blättern schon in Truck seien. Mit ernster Mißbilligung machte der König die Herren auf das Unstatthafte chres Verfahrens aufmerksam und erklärte ein für allemal, er wolle nie und nimmer als b l 0 ß e r „I a s a g e r" seinen Namen unter die Elaborate seiner Räte setzen, sondern er wolle selbst die Entscheid u n g in allen wichtigeren Fragen treffen Tiefer Vorgang ist, wie schon gesagt, gut verbürgt Er ist ein hocherfreuliches Charakteristikum für die tiefe Auffassung, welche der König von seinen Regentenpflichten hat." ucuucucm wv ,wvv-™,~, 1.....0-------7.----j — Ter bedenkliche Rückschlag zum Schlechteren im Be- benträger und politische Persönlichkellen bet Nach dem finden des Kriegsministers v. d. Planitz galt an. Der heute veröffentlichten Bulletin Überstand der König Minister ist zeitweise völlig ohne Bewußtsein und liegt im die Krönung sehr gut. Er zeigte wenig Ermüdung und Fieber. Eine Katastrophe ist stündlich zu erwarten, -ter verbrachte Die däicht gut. Das Allgemeinbefinden ist in Killegsminister v. d. Planitz steht im 60. Lebenswahre und ist jeder Hinsicht zufriedenstellend. Die Veröffentlichung von seit 1891 sächsischer Heeresminister. Bulletins wird nunmehr eingestellt Straßburg, 10. Aug. Der Ausschuß der kath 0 - Berlin, 9. Aug. Aus Anlaß der Krönung des Königs lisch en Vereine Deutschlands erließ einen Aufruf, in Dem Eduard fand heute in der hiesigen en g li s ch en Kir che die katholischen Elsässer unter Hinweis auf Die immer im Parke von' Monbijou ein feierlicher Gottesdienst dringender werdende Notwendigkeit eines Z u s a m m e n - stall. Die Äiöche war mit Palmen gruppen und Blumen- schlusses aller Katholiken aufgefordert werden, so Arrangements geschmückt. Im Auftrage des Kaisers wohnte zahlreich wie möglich bei der am 24.-28. August in Mann- Prinz Friedrich Leopold der Feier bet Das Auswärtige heim stattfindenden 49. Generalversammlung der Katho- iAmt war durcy den Unterstaatsselletär Dr. Mühlberg ver- liken Deurschlands zu erscheinen. Ter Ausruf stellt den treten. Weiter waren anwesend Mitglieder des diplo- ersten Versuch dar, eine Atassenbeteiligung tleritaler Elsas,er mallschen Corps und zahlreiche Mllglieder der englischen an einem deuffchen Katholikentage in die Wege zu leiten. Kolonie. Zur Feier des Tages hatten die hiesige englische ------- Botschaft und das General-Konsulat Flaggeuschmuck anlegt. | Heer Uttd Flotte. Militärdienstnachricht. Wohlfahrt, Garnison- Pfarrer in Mainz, zum 15. August d. I. mit Pension in den .1. August 1902. Zugmd richtet man tyrenb bet Pausen bafür befolgt zu r zum AbmaW lybm M 6a e antreten; 'm mit Anbruch der “W’ftstta ' «■ W' sch Hamburg ff L^Isensch^ WIM öurZy ^-°lektü,K H-Ä ®en’wiMtai ihei die 3toeä, * S-jchchE Mch. § ?-twz mti, • bezwecken, die l zur Annahine, ltf,i$igung ort- ie Jtii°5iationen, ,uuü deren Be- Weu Kapital- 'U der Annahme rankter Haftung tanodiTre- ■ Verbandsreot- $ Revision einer em Schluß, dch verrechtlich bei jungen bittet Aiichastuna des Labe des § 831 wurde von den K. Leerwald- hen Wohlfahrts- gebracht. Redner ichen und techni- )iete der Gesund- für ein düngen- eser wirtschaW ften zur Mithilfe ür Lollshygren^ ndsMwaÜ Haas lt ntrineqne uuis unserer Landes« aus Worms auf llmserklarungen m >ilat „summa cum sberichtm unb btt nckt ersichtlich, hat die Zahl der hen, an der Um- Lemestern, erfreu' > bisher auch solche n gemacht hatten, , Ecks Erlangung ^Gießener Doktor t eingebürgert, letzte? Zeü ** noersitAen/ o» afett m den W tn s-B «“* ? 2er cand. si’B'Z nen o“5 ftänt e”t»> 9^ Äon I** ÖII,e Mette l't«* » d-" •*"**»* ins WÄ*1'1 e>-hi ftb°h"°^ Jh* F® "liS * s'L--»' otwendld Ä «* tagte, beschäftigte sich zuerst mit der Neuwahl deJ Vor- inerten 5fe Bewohner jenes Gäßchens wiederholt bei der staudes, die folgendes Resultat zeitigte: L Vorsitzender StadtvermLuttenttersammbung und baten, man möge den geschrieben, zeigt. ** Englischer Krönuugsschwiudel. Das Opfer einer großartig angelegten Schwindelei sind zahlreiche deutsche Zeitungsgeschäftsstellen und im weiteren jedenfalls auch unzählige Ansichtspostkartensammler geworden. In der Nummer vorn 3. August unzähliger großen, mittleren und kleinen Zeitungen — wir bemerkten darunter fast die gesamte Frank- urter Presse mitsamt der „Frkf. Ztg." und fast alle kleineren und größeren Nachbarblätter, dann aber auch Dresdener und Leipziger und Thüringer Blätter rc. rc. — befand sich eine auffallend große Anzeige (sie wurde mehrere Male wiederholt), durch die „prachtvolle Krönungspostkarten" aus Anlaß der Krönung König Eduards VII. angeboten wurden, die am Krönungstage an die der „Continental Publishing Company" aufgegebenen Adressen gegen vorherige Einsendung des Betrages (!) versandt werden sollten. Dem Jnsertionsauftrage war zugleich ein Check in der Höhe der Einrückungsgebühr auf die „British Royal Bank" beigefügt. Auch der „Gieß. Anz." wurde mit einem solchen von 80 Mk. beglückt, unsere Expedition hat ihn jedoch mit skeptischem Lächeln alsbald wieder fein säuberlich eingepackt und mit Dank an den Einsender zurückgeschickt mit der freundlich- ühlen Bemerkung, daß sie von ihm keinen Gebrauch machen könne. Und sie that sehr recht daran: denn jetzt hat es sich zum Leidwesen Zahlreicher herausgestellt, daß es in London eine Bank mit dem genannten Namen gar nicht giebt! Der Check war also, wie unsere Expedition richtig vermutete, ein wertloses Stück Papier und von einer Londoner Gaunerbande hergestellt, um dem braven Bruder Michel das Geld aus der Tasche zu locken. Der Gieß. Anz. hat also manchen seiner Ansichtspostkarten sammelnden Leser dadurch »vor einer kleinen Enttäuschung bewahrt. ** Die Familien blätter des Gieß. Anz. enthalten in chrer heutigen Nummer außer mehreren kleineren Artikeln einen Modebericht über Sport-Kostüme. ? Lich, 10. Aug. Vorgestern fand die Eröffnung der erstenLokalgeflügelausstellung für Lichund Umgegeird statt, der sich auch die beiden Nachbarvereine Grünberg und Hungen angeschlossen hatten. Der Fürst von So lms-Ho h enso lm s-Lich, welcher in freundlicher Weise das Protektorat übernommen hatte, traf pünktlich um 3 Uhr mit seiner Gemahlin ein und wurde am Eingänge von dem Ausstellungskomitee empfangen. Bürgermeister Heller hielt eine Begrüßungsansprache, auf welche der Fürst antwortete und die Ausstellung eröffnete. Ist diese auch nur eine Lokalausstellung, so wird man doch angenehm enttäuscht, wenn man die Halle in Steins Garten betritt. Ueberrascht ist man auch von der großen Anzahl der freiwillig aesttsteten Ehrenpreise. Es ist viel und gut ausgestellt. Vom schwersten Fleischhuhn bis zu den verschiedenen fleißigen Italienern unb zu den kleinen Zwerghühnchen ist fast alles vertreten. Sehr stark ist die Ausstellung auch mit Tauben und Wassergeflügel beschickt. Sogar ein zahmer Storch blickt würdevoll auf seine Umgebung hernieder. Es herrscht überhaupt ein munteres Leben. Das Gezwitscher der Kanarien, das Pleggem des Papageien, das Krähen in allen möglichen Stimmlagen und Tonarten bringt Leben in die Bude. Gut ist, daß die einzelnen Käsige durch dichten Drcht von einander getrennt int), sonst würden überall zwischen den Hähnen Kämpfe entbrennen, so zornig blicken sie sich! an, und versuchen durch das Gitter zu beißen. Am Abend vereinigte ein Essen die Aussteller, welchem daun ein gut besuchtes Freikonzert folgte. Heute, Montag, siudet dann die Verlosung statt. ? Butzbach, 10. Aug. Gestern abend machte der in dem Küchel'schen Russensteinbetrieb hier beschäftigte Arbeiter B. die überraschende Entdeckung, daß sein in dem mit Anderen gemeinsamen Wohnraum befindlicher Koffer erbrochen und die darin befindlichen Ersparniffe mit 93 All. geraubt worden waren. Der Verdacht lenkte sich auf den 26jährigen Kollegen R..... aus Rödelheim, welcher am Schluß des Tagewerks allein die Arbettsstelle verließ und seitdem nicht mehr hier gesehen wurde. Die Gendarmerie leitete bereits Recherchen nach dem Dieb ein. — Ende dieses Frühjahrs wurden aus dem etwa 1 Stunde von hier im Walde gelegenen, dem Herrn de Neufville zu Frankfurt a. M. gehörigen Jagdhause mittelst Einsteigens verschiedene Luxusgegenstände, Vorräte, Kleidungs- und Wäschestücke sowie sonstige Gegenstände, im Werte von etwa 200 Mk. gestohlen, ohne daß die Thäter ermittelt werden konnten. Letzte Nachwoche geriet nun der Schreinergeselle Schäfer in Verdacht, welcher unlängst Sachen verkauft haben soll, die mit den gestohlenen Gegenständen übereinstimmen. Schäfer wurde am Bahnhof zu Friedberg verhaftet und am abend in das Haftlokal zu Butzbach gebracht. Mainz, 10. Aug. Für den Kaiserbesuch werden sehr umfassende polizeiliche Sicherheitsmaßregeln getroffen. Auch von Wiesbaden kommen mehrere Kriminalbeamte hierher, um Anarchisten zu überwachen. Daß der Kaiser, wie einige Blätter meldeten, ün Schlöffe zu Wiesbaden Wohnung nehmen wird, kann selbstverständlich nicht in den Kreis der Möglichkett gezogen werden. Auch, daß em Teil des kaiserlichen Marstalles im dortigen Schlöffe untergebracht nurd, ist unwahrscheinlich, da der Kaiser doch in Mainz Gast des Großherzogs von Hessen ist und als solcher wohl dessen Gefährte benützt. -k- Mainz, 10. Ang. In dem Strecke der Mainzer Viehhändler mit den hiesigen Nletzgern, der nunmehr schon 14 Tage anhält und dessen Ausgang noch gar nicht abzu- i sehen ist, hat das fleischkonsumierende Mainzer Publikum die 1 Kosten zu tragen. In allen Qualitäten Ochsenfleisch ist ver- ■ flossene Woche eine merkliche Preissteigerung eingetreten, der von den Metzgern einfach damit begründet wird, daß fte eben - das Vieh auswärts kaufen müßten, was den Einkauf selbst- Nameu der Gasse obänderry well sich Studenten unb andere junge Leute an diesem Namen stoßen. Bei jener Gelegenheit wurde vom Stadtverordneten Schäfer mitgeteilt, daß vor Großvaters Zeiten einmal ein Regierungsrat Teufel in jener Gegend ein Häuschen besessen habe, welches er mit einem für die damalige Zeit prächtig angelegten Garten umgeben ließ Dieser Umstand war Veranlassung, die Be- zeichnung Teufels-Lustgärtchen entstehen zu lassen. In historischer Treue weist aiufx das Straßenschild an der Ecke der Löwengasse den Namen des Teusels-Lustgärtchen, in zwei Worten geschrieben, auf, während an dem entgegengesetzten Ende der Straße nach dem Seltersweg hin das Straßen- child höchst unhistorisch Teufelslustgärtchen, in einem Wort Beckmann, 2. Vorsitzender Karl Orbig, Schriftführer Volz, Rechner Bock, sämtlich von Gießen, Beisitzender Stein- müller-Heuchelbeim, Karl Dech-Wieseck unb Becker-Altenbuseck. Es wurde dann über die am 7. September in Worms statt findende Landes-Konferenz verhandelt. Orbig teilte mit, daß in Aussicht genommen sei in sämtlichen hessischen Landtagswahllreisen eigene Parteikandidaten aufou= stellen. Bisher sind aus dem Gießener Wahlkreise zur Teilnahme an der Landeskonferenz neun Ortschaften mit 23 Delegierte angemeldet. — Ms Vertreter für den Parteitag in München für den Wahllreis Gießen-Grünberg-Nidda wurde Redakteur Vetters-Gießen und als Ersatzmann, falls dieser behindert ist, Stadtverordneter Krumm gewählt, lieber die nächste Reichstagswahl referierte Redakteur Vetters. Er prüfte u. a den von einem Parteigenossen gemachten Vorschlag eines Kartells der Sozialisten mit den linksstehenden bürgerlichen Parteien und erklärte unter Zustimmung der Versammlung, man könne beim besten Willen nicht bar an benken, bei einer Reichstags-Hauptwahl mit ben Freisinnigen ober mit ben Demokraten zusammen zu gehen, anders sei es bei Stichwahlen zum Reichstage, bei Landtagswahlen ober bei Wahlen zur Stabtverorbneten- versammllmg ober zum Gemeinderat. Redner erörtert an Hand der Statistik die Aussichten seiner Partei bei der nächsten Reichstagswahl im ersten oberhessischen Reichstagswahlkreise. Es sei sehr wahrscheinlich, daß man das nächste Mal gegen Köhler siegen werde. Jedenfalls feien die Aussichten ick) er aus gute für die Sozialdemokraten. Da Redakteur Scheibemann erklärt hat, baß er wegen seiner aussichtsreichen Solinger Kandidatur für ben Reichstag im Wahlkreise Gießen-Grünberg-Nibba nicht mehr kandieren könne, wirb von ber Kreiskonferenz einstimmig Stabtverorbneter Eb. Krumm zum Kanbidäten für bie 1 nächste Reichstagswahl nominiert ** Das Wohlthätigkeitskonzert am Samstag zum Besten Unterstützungsbedürftiger der Primus- Katastrophe war leider nicht so besucht, wie man in Anbetracht des guten Zwecks hätte erwarten sollen. Die Erschienenen werden aber sicherlich nicht unbefriedigt nach Hause gegangen fein. Bot doch der Abend durch die Zllher- chöre mit Verweisung von Mandolinen etwas ganz Neues, man kann sagen. Originelles. Von den Gesangspieyeu war ioo^j in jeder Beziehung der von ca. 70 Sun gern vorgetragene „Schottische Bardenchor" die hervorragendste. Auch die beiden Männerchöre „Harmonie" und „Maschinenbauer-Gesangverein", bewiesen, daß sie es mit chrer Sache ernst nehmen; besondere Erwähnung verdienen „Matrosen- tfyor" des ersteren und „Untreue" des letzteren Vereins. Die erfreulichste Erscheinung des ganzen Abends jedoch Ivar, daß wir wieder einmal mit einem Zusammenschluß von Vereinen bekannt gemacht worden sind, der ben Vorteil einheitlicher Leitung unb Schulung genießt 3n unserer Zeit ber Dezentralisierung ist bies jedenfalls um so freudiger zu begrüßen. Möge bas künstlerische Ergebnis ben beteiligten Vereinen unb ihrem Dirigenten, Geruh arb t, als Entschäbigung für die finanzielle Enttäuschung gelten unb aufmuntern zu weiterem gemeinschaftlichen Arbeiten und Streben. ** Wetterwendische Sonntage sind es> bie den Sommer 1902 auszeichnen. Sowohl ber am Tage vorher Ivie am Sonntag vormittag stark beguckte Barometer in ier Südanlage, der über jebe Katerftimmung erhabene Laubfrosch unseres Sonntagsberichterstatters thaten zwar ihr möglichstes, ber Welt, bie sich nicht gern langweilt, ^lusflugswetter zu verkünbigen, aber zwischen Versprechen mnb Halten ist immer ein Unterschieb, ben durch einen undurchlöcherten Regenschirm auszugleichen bie Mutter aller 'Weisheit energisch gebietet. — Sowohl bie hinter uns lieaenben Wochen mit ihren bis zur Ermübung brängenben Festlichkeiten, wie bie Aussicht auf bas in bie Mitte biefer Woche fallende Jugendfest — für das wir im Namen von -31/2 Tausend Schulkindern unb etwa breimal so viel Herren Eltern, Geschwistern, Onkeln, Tanten, Groß- unb Schwiegermüttern sowohl den alten Wettermacher, wie die zudringlich« junge Männerwelt um möglichste Zurückhaltung bitten — waren wohl die Veranlassung, daß gestern in Gießen und Umgegend wenig los war. Philosoph ehr Wald, Windhof, Schisfenberg, Jagdschlößchen, bas „Mühlchen", Annerod, Kruse in Heuchelheim und vie die Bierquellen alle heißen, nahmen auch gestern wieder ille bie auf, bie einen Strichregen nicht furchietenl bezw. 1 unter keinen Umständen daheim bleiben wollten. — Gäste jind da immer willkommen, gerade wie beim Bauer scheu Gesangverein, der sich gestern im Walde (erste Schneise rechts) angesiedett hatte. Die sehr zahlreiche Gästeschar kam auf ihre Rechnung, sogar mit dem ebled Bichlerbräu zapfenden Wirt aus dem Gambriuus; bie stattliche Sänger schar tot das Beste, was ihr „Süffertdje" enthielt, in ihren Weisen kam das Lob des edlen Waidwerks, des leider gut 20 Wegstunden von der Licherstraße entfernten Vater Rheins unö sonstige Perlen deutscher Sangeskunst trefflich zu Ge- bör, und zum Schluß stieg sogar der Tag des Herrn Schluß: Lampionzug mit Musik- unb Regenschirmbegleitung; Abschluß: im Postkeller. — In bem bekanntlich gegen alle Unbilden ber Witterung geschützten und deshalb jede Programmänderung von vornherein ausschließenden Steins Karten hiett der Liederkranz fein Sommerfest Zwischen fchpnen Aiufikvorträgen bot der Verein Hervorragendes im Gesang, vorwiegend Männerchöre, wie: Wer hat dich, du schöner Wald, Die Königskinder, Silbern Bächlein, Wschied, S'Sträußle, Mei Diandle is sauber. Die Lieber- kränzlern anberaumten Liederabends — ben Mitgliedern für morgen Dienstag in Gemeinschaft mit den Sänger» kränzlern anberaumte Liederabend — ben Mitgliedern beider Vereine zu empfehlen ist — Der Gießener King- und Stemmklub bereinigte auf der Liebigs- höhe alle, die Ergötzen am Spiel menschlicher Muskelkraft and Gewandtheit suchen. Wer dort eine Herausforderung annahm, konnte von vornherein damit rechnen, nicht mit Glaceehandschuhen angefaßt zu werden. Hier fiel alles schwer ins Gewicht, unb bie 100 Kilo-Steine, mit beiten gespielt würbe, waren nicht von Pappe. — Kraft Hell! Heber das Koschat-Quintett, das hier am Sonntag den 17. August in Steins Saalbau konzertieren wirb, ichrieb man unlängst in Berlin: „Am Sonntag begann bas bekannte unb beliebte Wiener Quintett unter Leitung von Thomas Kofchat im Belle-Allianee- Lheater sein Gastspiel mit ben gemütvollen österrerchsichen Volkslebern. Diese Wiener Hofopernsänger sind nicht etnfeüig. Sie verstehen sich ebenso gut barauf, schlichte Volkslieber in herzergrei-- ienber Weise zum Äusbruck zu bringen, wie ben humoristischen Znhall brolliger Lieber nach jeber Richtung m erschopsen. Die Sehnsucht nach der Heimat m bem Quartett „In ber yremb’" unb n bem anberen „Grüße an die Heimat" fanb begeisterten Beifall. Die meisten ber vorgetragenen Lieber hat Herr Koschat selbst ge- -ichtet unb komponiert. r! Teufels-Lustgärtcheu. Vor Jahren vettttv- rebenb verteuere. Da bas Mchtbefuchcn des Mainzer Vieh»' Hofes durch die hiesigen Viehhändler aber der Stadt auch einen ganz dcketten Schaben an Ausfall von Gebühren zu- fügt, werben gegenwärtig burch bie Bürgermeisterei Versuche gemacht, bie Viehhänbler anberen Sinnes zu stimmen, was indes dis jetzt noch nicht gelungen ist, indem die Viehhändler erklären, daß sie nur ohne Gesundheitsgarantie ihr Vteh unter den gegenwärtigen Bedingungen verkaufen könnten, sonst sie großen Schaben erleiben würben. Frankfurt, 10. August Der König von Italien, wirb voraussichtlich am 26. August, vormittags, hier ein», treffen unb sich vor feiner Weiterreise nach Berlin die Dffi» ziere des 13. Husaren-Regiments im Hauptbahnhof vorslellerr lassen. Der betr. Teil des Bahnhofs wird abgesperrt. — Der österr. Finanzminister v. Kallay kam heute früh von Wildungen nach Frankfurt, besah die Stadt und reifte nach Wien weiter. Soden i. T., 10. Aug. Heute Vormittag wurde hiev eine vom Kurverein und auswärtigen Kunstfreunden zur Erinnerung an die Anwesenheck Richard Wagners im Sommer 1860 gestiftete Gedenktafel mit einer fchllchteu Feier enthüllt. Die Festtede hielt Or. meä. Hughes._______ HandelU Verkehr UolkswüMast. Grünberg, 9. August. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 17.00 bis 00.00 Mk., Korn 15.50 bis 00.00 M, Gerste 00.00 bis 00.00 M., Hafer 17.48 bis 18.00 Mst Erbsen 21.00-00 Mk., Linsen 00.00 All, Lein 00.00 Mk., Wicken00ÜX) Mark, Samen 22.00—00.00 Mk„ Kartoffeln 3.00 bis 0.00 Mk. ko. Frankfurt a. M., 11. Aug. (Telegr. Orim-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen ber heutigen Biehmarkt-j preise. Zum Verkaufe stauben 432 Ochsen, darunter 167 aus- Oesterreich, 58 Bullen, barunter 4 aus Oesterreich, 87 Kühe, Fersen,, Stiere und Rinder, 0 Kuh aus Oesterreich, 214 Kalber, 127 Schafe unir Hammel, 823 Schweine, 0Ziegen, 140 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen UQualttät 70—72Mtt, 2. Qual. 66—68 Mk., 3. Quall 60—62 Mk.; Bullen l.Qual. 58 bis 60 Mk., 2. Qual. 54—56 Mk.; Kühe 1. Qual. 66—68 Mk., 2. Qual. 61—63 Mst 3. Qual. 52—54 Mk, 4. Qual. 43—44 Mk., 5. Qual. 00—00 All. Kälber: 1. Qualität80—82Pfg„Lebendgewicht 78—80 Pst, 2‘ Qual. 77—78 Psg., Lebendgewicht 63—66 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 64—66 Pfgv, 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. DÄuaL 69—00 Pfg., Lebendgewicht 55 Pfg., 2. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 67—00 Pfg., 3. Qual. 58—60 Psg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut, Ueberftanb gering, Schweine konnte Bedarf nicht gedeckt werden. fc. Frankfurt a. M.» 11. Aug. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amlliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Alk. 16.00—16.50, Kurhessischer Alk. 00.00—00.00, La Plata Mk. 16.75—17.75, Kansas Alk. 16.75—17.75, Roggen (hiesiger> Mark 14.25—14.75, Gerste (Wetterauer) Mk. 00.00—00.00, Franken- felder Mk. 00,00—00,00, Hafer Mk. 17.50—18.50, Mais Alk. 12.25—00.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.00—25.50, 2. Qualität Mk. 23.00 bis Mk. 23.50, 3. Qualität Alk. 21.00—21.50, Roggenmehl 0 Mk. 24.00—00.00, 1. Qualität Mk. 22.50—00.00, Weizenkleie Alt. 8.75 bis Alk. 0.00, Roggentlere Mk. 9.50—0.00, Maiskeime Mk. 10.00 bis Mk. 00.00, Framen, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberückstchtiift.) C.B. Nach Mitteilung Sr. Magnifizenz an uns liegt hier ein böses Mißverständnis Ihrerseits vor. Es wird uns versichert, daß jene Bemerkung des Herrn Prof. Dr. D. ganz allgemein gehatten und gemeint war, so daß jede Verknüpfung mit dem „Gieß. Anz." sich als durchaus nnpaffend erweist Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Swinemünb e, 11. Aug. Der Kaiser wohnte heute- vormittag den Schießübungen der hiesigen Batterie bei. München, 11. Aug. Der Priuzregent hat, wie jetzt amtlich bekannt gemacht wird, dem Staatsrat und Staatsmiuister Dr. Robert Ritter v. Landmanu unter Anerkennung seiner Dienste die uachgesuchte Entlassung erteilt und den Ge* sandten am k. k. österr.-ungarischen Hof zu Wien, Glemenfr, Freiherrn v. Podewils - Durniz, zum Staatsmmister des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenhetten ernannt. — Das Staatsministerium hat in feiner Sitzung vom 9. d. M. die in der Rechtfertignngsschrift des Senates der Universität Würzburg ausgesprochene Protesterhebung für ungehörig erklärt und ebenso deren Veröffeuttichung, wofür der Senat allein die Verantwortung trägt nach deffen eigener Erklärung. Das Enthebungsgesuch des ^Senats vom Amte hat das Ministerium zur Vorlegung an Merhöchster Stelle nicht geeignet befunden. München, 11. Aug- (SS wird sehr bemerkt, daß dem Minister von Land mann, der ,chis auf Weiteres" in den Ruhestand versetzt worden ist, nicht die Verleihung eines Ordens zuteil geworden ist. — Baron Würtzburg sttebt den Gesandtschaftsposteu in Wien alK Nachfolger des Frhrn. von Podewils an- — Der Spen- d er der 100000 Mark, die von der klerikalen Mehrhell der Abgeordnetenkammer gesttichM worden waren, ist Reichsrat von Cramer-Klett. (Vgb unsere heutige „Poli- tische W o ch e n s ch a u".) . Telephonischer Kursbericht« Frankfurt «,. M., 10. August 1902. 372% Reichsanleihe . . 102.70 3% do. ... 93.00 3V,% Konsole .... 102.80 3% do. ..... 99.80 372% Hessen .... 100.50 Zl/z-6 Oberhessen . . . 99.50 456 Oesterr. Goldretne . . 103.70 472 % Oesterr. Silberrente 102.30 456 Ungar. Goldrente . . 102.35 4% Italien. Rente . . . 102.80 4%56 Portugiesen ♦ . ♦ 47.20 3°/ Portugiesen. .... 29.30 156 C. Türken .... 28.40 Türkenlose......113.40 4% Griech. Monopol.-Anl. 43.40 47,56 äussere Argentiner —.— 3% Mexikaner .... 26.50 47z-/b Chinesen .... 91.80 Electric. Bohuckert ... 89.70 Nordd. Lloyd . . . . 105.45 Kreditaktien.....215.70 Diskonto-Kommandit. . , 182.70 Darmstädter Bank . . . 134.00 Dresdener Bank .... 142.50 Berliner Handelsgee. . . 153L0 Oesterr. Staatsbahn , . . 152.80 Lombarden ..... 18.00 Gotthardbahn.....170.30 Laurahütte ...... 191.00 Bochum . ...... 179.25 Harpener ...... 16L8O- Tendenz: schwach. Jugendfest. 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