Freitag 11. Juli L»«S ISS. Jahrgang Zweites Blatt 2 Die Heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. in diesem Fall die Mandate über die kalendermäßige Zeit hinaus bis zum Tag der Neumahlen gelten lassen. Komische Tagesschau. Parlamentarische Redebeschräukuug. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter' schreibt unterm 10. Juli: Zu früh erregt scheint sich der „Vorwärts" zu haben, als er den angeblichen Plänen zur Beschränkung der Redezeit in der Zollkommission die Anwendung jedes Mittels gegen den Tarif als Drohung entgegensetzte. Auch in der heutigen Sitzung der Kommission tauchte kein solcher Vorschlag auf. Vielmehr konnte ein Vertreter der äußersten Linken, Abg. Baud er t, unter allgemeiner und beifälliger Heiterkeit den Satz aufstellen: Nach dem alten Sprüchwort ei zwar Schweigen Gold, aber seine Freunde hielten es in diesem Falle mit dem Silbermann Dr. Arendt nnd folgten der Loosung: „Reden, reden, reden!" Und das bleibt augen- cheinlich die Loosung für die anderen Parteien. Wir glauben nicht daran, daß ernslliche Absichten bestehen, den Redner mit der Uhr in der Hand zu kontrollieren. Keine Fraktion ist frei von „Dauerrednern", von Parlamentariern, die das Wort festhalten, solange noch ein einziger noch so bescheidener Gedanke zur Verfügung steht. Es wird überhaupt zu lange und weitschweifig gesprochen im Reichstage. (Aber nicht nur im Reichstage, sondern in allen Parlamenten! D. Red. d. Gieß. Anz.) Schon zu öfteren Malen ist daher die Idee der Redebeschränkung aufgetreten; die Begrüßung, die chr zuteil wurde, kam zwar aus dem Publikum und aus der Presse. Mer Diejenigen, die es anging, konnten dem kleinen Maulkorbzwang keinen Geschmack abgewinnen. Das ist am Ende begreiflich. Einmal in der Kommission eingeführt, würde das Reden mit festem Termin auch für das Plenum des Reichstags acceptiert werden müssen, aus Billigkeitsgründen, denn warum sollten die Kommissionsmänner mehr des Mißbrauchs der Geduld und der Zeit verdächtig sein, als die Kollegen ohne Kommissions-Mandat? Es war denn auch schon behauptet worden, man wolle ähnliche Neuerungen für das Plenum vornehmen. Das war zu viel behauptet, weil ja das Plenum nicht vorhanden ist, und einzelne Vertreter dec Fraktionen natürlich keine Beschlüsse nach dieser Richtung hin fassen können. Also: es wird weiter geredet, Bekanntmachung. SBeir-i Bildung einer öffentlichen Wassergenoffenschaft in der Gemarkung Allendorf a. d. Lahn. Nachdem zur Ausführung einer Entwäfferung des Wiesen- distrikts Au in der Gemarkung Allendorf a. d. Lahn Antrag auf Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft gestellt worden ist, und das Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, die Einleitung des Verfahrens zur Bildung der öffentlichen Wassergenossenschaft unterm 14. l. M. angeordnet hat, wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Vorarbeiten hierzu vom 18. bis einschließlich 31. Juli l. I. auf dem Bureau der Groß. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn zur Einsicht sämtlicher Grundeigentümer, deren Grundstücke in die zu verbessernde Fläche fallen, offenliegen. Gleichzeitig werden diese Grundeigentümer zur Versammlung und Beschlußfaffung, sowie zur Wahl ihrer Vertreter für das weitere Verfahren auf Freitag den 15. August l. Js., vormittags 9 Uhr, in das Gemeindehaus zu Allendorf a. d. Lahn vorgeladen, unter Androhung des Rechtsnachteils, daß die Nichterschienenen sowie die Nichtabsfimmenden als dem beantragten Unternehmen beistimmend, mit der Wahl der Vertreter einverstanden angesehen und mit ihren Einwendungen gegen die Art der Ausführung später nicht mehr gehört werden. Diejenigen Grundeigentümer und Wassernutzungsberechtigten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar beteiligt erscheinen, werden hiermit aufgefordert, etwaige Einsprachen gegen das Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt geltend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berücksichtigt würden und nur noch privatrechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend gemacht werden könnten. Unsere Bekanntmachung vom 27. Juni d. I. rubr. Betreffs, Amtsverkündigungsblatt Nr. 65, wird hiermit ausgehoben. Ai eß en, den 11. Juli 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Wagner. nach Herzenslust. „Im Grunde," so bemerkt zutreffend die „Nationalztg.", „dreht sich der Streit nur um die Frage, wann die Kommission Ferien machen kann — und auf solche hat sie nach der Gewährung besonderer Diäten eigentlich keinen Anspruch." Möglicherweise verdankt die so allar- mierende Redebeschränkungs-Meldung dem „Ferienseufzer irgend eines Mitgliedes der Zollkommiffion die Entstehung, das sich bitterlich beklagte über den langsamen Gang der Verhandlungen. Einstweilen braucht der „Vorwärts" noch nicht die Sache so tragisch zu nehmen, wie es in der furchtbar feierlichen Verwahrung des Blattes zum Ausdruck kommt: „Hier würde an den Grundlagen des Reichstags verbrecherisch gerüttelt!" Ein Kanonenschuß nach Spatzen. Die Zollkommission beriet im übrigen am Donnerstag die Positionen, Weichkautschukwaren, weiter und setzte die Zölle für Position 573, Schläuche von 100, und 45 Mack auf 60.80 und 40 Mark herab und nahm unverändert 574, Treibriemen, 575, Wagendecken, 576. Kautschukschuhe, unlakiert, 70 Mark, lakiert 100 Mark, an, setzte 577, Kautschukreifen und Laufdecken für Fahrzeug räd er von 80 auf 60 Mark herab und nahm unverändert 578, andere Weichkautschukwaren, und 579, Ge- spinnstwaren, in Verbindung mit Kautschuk, an. Nach lebhafter Debatte setzte die Kommission die Pos., 580, Kautschukdrucktücher und künstliches Kratzenleder für Kratzcnfabriken auf Erlaubnisschein von 50 Mark, des Entwurfs auf 30 Mk. herab, sowie die Position 817, Kratzenbeschläge, von 60 auf 40 Mark. Die Kommission setzte ferner im Abschnitt Hartkautschukwaren die Pos. 581 von 8 Mark des Entwurfs auf 5 Mark, die Pos. 583 von 15 auf 10 Mark und Pos. 584 von 45 auf 40 Mark herab und genehmigte unverändert die Pos. 582 und 585. Die Staatsschuld der deutschen Bundesstaaten. In dem neuesten Jahrgang des „Statist. Jahrbuches für das Deutsche Reich" giebt das Kaiserl. statistische Amt zum ersten Mal u. a. auch eine ausführliche Uebersicht über die Finanzen des Reiches und der Bundesstaaten, und zwar sind die Mgaben für das Reich dem Reichshaushaltsetat entnommen, für die Bundesstaaten aber im wesentlichen von den betr. statistischen Landesstellen geliefert worden. Die Uebersicht giebt u. a. auch über die Frage Auskunft, wie viel Staatsschuld durchschnittlich auf den Kopf der Bevölkerung entfällt. Für das gesamte deutsche Reich ergiebt sich dabei der Betrag von 42.50 Mk. Die 26 Bundesstaaten schließen sich aneinander in folgender Reihefolgc an und zwar: Bremen (711.79 Mk.), Hamburg (558.80 Mk.), Lübeck (399.51 Mk.), Hessen (254.00 Mk.) — also unser Land ist unter allen deutschen Monarchien das thcuerste! — Bayern (243.21 Mk.), Württemberg (228.24 Mk.), Sachsen (197.47 Mk.), Preußen (191.54 Mk.), Baden (190.44 Mk.), Mecklenburg-Schwerin (178.66 Mk.), Oldenburg (139.84 Mkh, Braunschweig (125.88 Mk.), Schwarzburg - Rudolsta Nr. 160 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Giehener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotattonsdruck u. Verlag bc. Brühl'sche- Univers. Buch-u.Stei. druckerer (Pietsch Erben) {heöafuv.. Expedition um Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Begriff der Steuerkapitalien allgemein aus dem Staats- teuersystem ausgeschieden und im Besonderen bei der Einkommensteuer vollständig als Rechnungsfakdor beseitigt worden ist, erheblichen Schwierigkeiten begegnen. Es empfiehlt sich daher, die Gesetzesbestimmung durch eine andere Vorschrift zu ersetzen, welche sich an die nunmehr bestehende Steuergesetzgebung anschließt. Die Regierung glaubte deshalb, den Stünden des Großherzogtums diesen Gesetzentwurf unterbreiten zu sollen, über welchen von den Stndekammern für den Fall Beschluß zu fassen sein würde, daß ein neues Wahlgesetz durch übereinstimmende Beschlüsse der Gesetzgebungssaktoren aus diesem Landtage nicht mehr zu stände kommen sollte. Im Einzelnen wird bemerkt: Zu Artikel I: Artikel 5 Absatz 1 des Wahlgesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 6. Juni 1885 enthält die steuerlichen Voraussetzungen für die Stimmberechtigung und Wählbarkeit bei den Wahlen des Adels zur Ersten Kammer. Diese Bestimmung basiert noch auf der Grundsteuer. Als StaatsstJuer ift| die Grundsteuer in Wegfall gekommen, während sie für die Gemeinden noch orterhoben wird. Da aber auch für die Kommunalbesteuerung die Aufhebung der Grundsteuer in absehbarer Zeit eintreten kann, empfiehlt es sich, Artikel 5 Wsatz 1 des Wahlgesetzes jetzt schon der neuen Steuergesetzgebung anzupassen. Die neue Entwurfsbestimmung ist aus Artikel 5 des Gesetzentwurfs, die Landstände betreffend, herübergenommen. Während früher ein gewisses Normalsteuerkapital (80 Mark) erfordert wurde, wird man nach der neuen Steuergesetzgebung eine Mindeststeuerleistung an direkten Staatsteuern verlangen müssen. Es fragt sich also, welcheMindest- teuerleistung entspricht dem früher verlangten Mindestnormalsteuerkapital. Bei einem Mrmalsteuerkapital von 80 Mark konnte nun nach den früheren Steuergesetzen die Steuerleistung eine verschiedene sein, da zwar das Steuerkapital einheitlich und fest bestimmt war, aber bekanntlich die Staatssteuerkoesfizieitten für die verschiedenen Steuern verschieden waren und auch für dieselbe Stauerart der Koeffizient je nach den Staatsbedürfnissen wechselte. Mmmt man mm den niedrigsten Koeffizienten der Staats steuern, der lange gleichmäßig bestand, nämlich 14 Pfennig für die Mindeststeuerleistung an staatlicher Grundsteuer von 80 Mark 9tormalgrundsteuerkapital, so repräsentiert die Veranlagung zu einem Normalsteuerkapital von 80 Mark eine mal 14 gleich! 11.20 Mk. jährlich, Diese Summe war also nach den früheren Steuergesetzen die Mindeststeuerleistung, welche die Wählbarkeit zum Wahlmaun verlich. Diese Mindeststeuerleistung verlangt nunmehr der Entwurf. Dabei >arf aber nicht übersehen werden, daß, während früher bas Steuerkapital, welches seither die Grundlage der Wählbarkeit bildete, ein festes war und von dem Wechsel der Steuer- koesfizienten unberührt blieb, die Steuersätze, wie sie die nunmehrigen Steuergesetze enthalten, bewegliche sind, die durch jedes Finanzgesetz geändert werden können. Eine Erhöhung oder Verminderung der Steuerbeträge durch bas Finanzgesetz muß aber naturgemäß auf die Wählbarkeit und den Kreis der Wählbaren ohne Einfluß bleiben. Der Entwurf hält sich daher nur an die in dem Einkommen- teuer- und dem Vermögensfteuergesctz angegebenen Normalteuerbetrüge und erklärt, daß wählbar ist, wer an direkten Staatssteuern mchr als 11 Mk. zahlt, wenn die in Artikel 48 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes und die in Artikel 13 Absatz 1 des ,Vermögenssteuergesetzes vom 12. August angegebenen Normalsteuerbetrüge zur Erhebung kommen, oder, falls das Finanzgesetz andere Steuerbeträge sestsetzt, mehr als 11 Mk. zahlen würde, wenn die m den genannten Gesetzen angegebenen Normalsteuerbeträge zur Erhebung kämen. Die Mürdeststeuerleistung wird für die gesamte Steuerleistung verlangt, mag dieselbe für Einkommen oder für Vermögen erfolgen. Daß der Entwurf wohl das Richtige trifft, mag noch folgende Erwägung lehren: Von den Urwählern, welche nur Einkommen besitzen, entrichteten seither an direkten Staatssteuern mindestens den einem Normalsteuerkapital von 80 Mk. entsprechenden Betrag die -Personen mit einem Einkommen von 1100 Mk. und mehr (vgl. Art. 49 des Einkommensteuergesetzes vom 25. Juni 1895). Auch die neu vorgeschlagene Bestimmung würde den Kreis der nur Einkommensteuerpflichtigen genau ebenso umgrenzen, da nach Artikel 48 des Einkommensteuergesetzes vom 12. August 1899 eine Staatssteuer von mehr als 11 Mk. alle Ernkommensteuer- pslichtigen mit einem Einkommen von 1100 Mk. und mehr ßine neue Regierungsvorlage betrifft den Gesetzentwurf, die Aenderung einzelner Bestimmungen des Gesetzes vom 8. November 1872 über die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahlen der Abgeordneten. Artikel I.: Artikel 5 Absatz 1 sowie Arttkel 9 des Gesetzes vom 8. November 1872 sollen aufgehoben mit) durch folgende Vorschriften ersetzt werden: Stimmberechtigt und wählbar bei den Wahlen des Adels (Artikel 2 Ziffer 7) sind diejenigen adeligen Grundbesitzer, bei deren Veranlagung zur Vermögenssteuer seit Anfang des Rech^ nungsjahres, in welchem die Wahl stattfindet, Grundstücke, die zusammen mindestens zehn Hektare int Werte von mindestens 500 000 Mk. umfassen, in Anschlag gebracht worden sind. Wählbar zu Wahlmänncrn sind die stimmberechügtenUc- wähler (Artikel 6, 7. 8), welche in der Wahlgemeinde (Artikel 19) ihren Wohnsitz haben und seit Anfang des Rechnungsjahres, in welchem die Wahl vorgenommen wird, bei Zugrundlegung der in Artikel 48 Wsatz 1 des Gesetzes, die allgemeine Einkommensteuer betreffend, und der in Artikel 13 Wsatz 1 des Gesetzes, die Vermögenssteuer betreffend, vom 12. Wgust 1899 angegebenen Steuerbeträge an direkten Staatssteuern mehr als elf Mark jährlich zu zahlen haben. — Artikel II.: Dem Artikel 48 des Gesetzes vom 8. Wvember 1872 wird folgender Wsatz 5 a ngefügt: Das Mandat derjenigen Abgeordneten zur Zweiten Kammer, welche in Gemäßheit der Bestimm- ungen im ersten, zweiten und vierten Wsatz aus der Zweiten Kammer auszutreten haben, ist mit dem Tage als erloschen zu betrachten, an welchem dre Neuwahlen der Wgeordueten erfolgen. Das Gesetz, die Wahlen zur Zweiten Kammer der Stände betreffend, vom 5. Mai 1875 ist ausgehoben. Die in den Artikeln I und II enthaltenen neuen Bestimmungen sollen als ein Bestandteil der .Verfassungsurkunde angesehen werden. .. . v In der „Begründung" heißt es: Da mtt der Mogltchr- keit zu rechnen ist, daß die Regierungsvorlage vom 5. März 1901 über den Gesetzentwurf, dre Landstände b e t r e f f e n d auf dem 31. Landtag durch übereinstimmende Beschlüsse der beiden Kammern der Stände ntcht mehr verabschiedet wird, muß der Fall ins Auge gefaßt werden, daß die im Laufe des Jahres 1902 stattfinden- den Neuwahlen zur Zweiten Kammer noch nach den Bestimmungen des bestehenden Gesetzes vom 8. November 1872 zu erfolgen haben. Die fernere Anwendung des Artikels 9 dieses Gesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 6. Juni 1885, welcher die Voraussetzungen der Wählbarkeit bei den Wahlen der Wahlmänner enthält, würde, nachdem die Staatssteuergesetzgebung im Jahre 1899 eine durchgreifende Neugestaltung" erfahren hat, und nachdem der bezahlen. Artikel II schlägt eine Gesetzesänderung vor, welche bereits in Artikel 57 des Gesetzentwurfs, die Landstände betreffend, in Anregung gebracht worden war, aber tn er-- weiterter Form. Es soll Vorsorge getroffen werden, daß jederzeit die Zweite Kammer vollbesetzt ist, da Falle eintreten können, wo ein rascher Zusammentrrtt der -Ltände erforderlich ist, wie in Fällen eines Mtstandes oder m Füllen, für welche das Gesetz, betreffend dre Regentichust vom 26. Mürz 1902 Normen enthält. Die Landtagsmandate erlöschen im allgemeinen mit dem kalendermaßigen Ablauf der 6 (bezw. 3) Jal)re. ton finden ine Neuwahlen bet der Partialerneuerung wohl nie auf denselben Kalendertag statt, an welchem vor 6 (bezw. 3) Zähren die Wahlen erfolgten Daß, falls die Neuwahlen vor Wlauf der 6 (bezw. 3) Jahre stattfinden, die alten Mandate in ihrer Giltigkeit abgekürzt werden müssen, hat beretts die alte Fassung des einaiaen Artikels des Gesetzes vom 5. Mat 18/5 geregelt, in dem bestimmt ist, daß bie alten Alandate mit dem Tag der Anordiiung der Neiiwahlen erlöschen sollen. Der Ent- wurf erweitert die Giltigkeitsdauer bis zum Tage der Neuwahlen selbst. Der Entwurf trifft aber auch Vorsorge für den Fall, daß die Neuuwahlen erst nach dem Wlauf der kalendermäßigen Mandatsdauer stattfinden und will auch — Ä ----. _ Bezugspreis: Cj monatlich 75Ps., viertel-, jährlich Mk. 2.20; durch Eichener Anzeiger n ** General-Anzeiger w O w für den polit u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW W 1 ” zeigenleil: Hans Beck. (43J.9 9RL), Sachseu-Meiningeu (36.86 Mk.), Waldeck (34,06 Mk.), Sachsen-Koburg-Gotha (26.58 Mk.), Elsaß- Lothringen (17,64 Mk.), Schwarzburg - Sondershausen (15.09 MkA Sachsen-Weimar (14.91 Mk.), Mecklenburg- Strelitz (14.28 Mk.), Sachsen-Altenburg (10.90 Mk.), Lippe (9.27 Mk.), Reuß j. L. (7.47 Mk.), Schaumburg-Lippe (6Jt7 Mk.) und Anhalt (4.88 Mk.). Reuß cu L. kommt in dieser Beziehung nicht in Betracht, da eine Staatsschuld dort nicht vorhanden ist, vielmehr der Staat noch ein verhältnismäßig recht erkleckliches Barvermögen besitzt. Deutsches Reich. Berlin, 10. Juli. Aus Kopervik wird gemeldet, Hie „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord hatte nach der Fahrt von Travemünde am 7. d. M. vormittags bei schönem Wetter bis zur Höhe von FrederiVhaven gute Fahrt und abends tvegen starker Dünung im Kattegat auf der Hohe zwischen Skagen und Frederikshaven geankert. Am 9. p. M. vormittags 10 Uhr wurde die Fahrt bei gutem Wetter fortgesetzt. Gegen 11 Uhr aus der Höhe von Skagen kam das erste Geschwader, unter der Führung des Prinzen Heinrich, in Sicht. Die Nähe desselben war schon aus einer Entfernung von ca 60 Km. durch das Aussangen von elektrischen Funken in dem Telegraphenapparat an Bord konstatiert worden. Die „Hohenzollern", mit „Nymphe" und „Sleipner" im Gefolge, durchfuhr in doppelter Kiellinie das entgegenkommende Geschwader. Es wurden Salutschüsse abgegeben und! die in Paradeaufstellung stehenden Schiffs- besa^lngen brachten drei Hurras aus. Nach dem ersten Passieren des Geschwaders wendete sich die hohenzollern" und durchfuhr nochmals das Geschwader, überholte Dasselbe und setzte die Fahrt nach Norwegen fort, während das Geschwader weiter manövrierte. Bald wurde die Küste von Darwegen gesichtet und um 6 Uhr Salut mit einem aus Nordw kommenden holländischen Kriegsschifse ausgetauscht. Die Ankunft vor Kopervik erfolgte am 10. d. M. gegen 2 Uhr morgens. An Bord ist alles wohl. — Der Kais er ist während seiner Nordlandsreise begleitet von den Generaladjutanten v. Kessel und v. Scholl, dem General v. Moltke, dem Obersten Graf v. Mollke, dem Ches des Marinekabinetts, Vizeadmiral v. Senden, dem Ches des Militärkabinetts Generalleutnant Gras Hülsen-Häseler, Flügeladjutanten Korvettenkapitän v. Gramme, tzausmarschall Frhrn. v. Lyncker, Generalarzt Dr. v. Leuthold und den Gesandten v. Tschirschky. Als Gäste fahren außerdem mit: Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, Prinz Sayn-Wittgenstein, Graf Schlitz, genannt v. Görtz, Oberjägermeister Frhr. v. Heintze, Professor Dr. Güßfeldt, und Marinemaler Professor Saltzmann. Es fehlen also diesmal der Botschafter in Men, Fürst zu Eulenburg, und der Intendant des königl. Theaters in Wiesbaden, Kammerherr v. Hülsen. Der Grund liegt in dem leidenden Gesundheitszustand der beiden Herren. — Wie das ,^erl Tagebl." erfährt, hat der Kaiser bei seinem letzten Bonner Aufenthalte im engeren Kreise der früheren und jetzigen Borussen noch eine für studentische Kreise sehr bedeutungsvolle Rede gegen die studentischen Trinksitten gehalleu. Der Kaiser ermahnte ftie Jugend, von dem au dem Korpswesen nagenden Mißbrauche geistiger Getränke zu lassen. Besonders abfällig sprach er sich dabei über das Zwangstrinken aus. —r Nach Meldungen aus London veröffentllchen die dortigen Blätter eine Lissaboner Depesche, der zufolge der deutsche Gesandte Graf Tattenbach eine Privatunterredung mit dem portugiesischen Minister des Auswärtigen über den Ankauf Macaos durch Deutschland für eine Million Pfund Sterling gepflogen habe. Es verlaute, England würde ohne wesentliche Entschädigung die Abtretung Macaos an Deutschland niemals dulden. Mesen englischen Meldungen gegenüber kann das „23erL Tagebl." versichern, daß au hiesiger maßgebender Stelle von einem derartigen Angebot Deutschlands nicht das geringfte bekannt ist. Köln, 10. Juli. Der „Köln. Ztg." wird gemeldet: In ausländischen Blättern wird jetzt wieder die Nachricht verbreitet, daß die Räumung Tientsins nur durch Schwierigkeiten, die Deutschland in den Weg werfe, hinausgezogen werde: Deutschlano stelle int Gegensatz zu anderen Staaten sehr drückende Bedingungen und suche bei dieser Gelegenheit wohl Sondervorteile für sich herauszuschlagen. Hierbei handelt es sich lvieder um eine schon oft beobachtete illoyale Berichterstattung, die nur daraus abzielt, Deutschland als Störenfried unter den Mächten hinzustellen und bei den Chinesen den Glauben zu erwecken, als ob an jeder Drangsalierung Chinas Deutschland die alleinige oder doch hauptsächlichste Schuld trüge. Karlsr uh e, 10. Juli. Der badische Land tag wurde ai Gegenwart der Großherzogin in feierlicher Weise durch, den Großherzog geschlossen. Die Thronrede beginnt mit dem Dank des Großherzogs für die hingebende Arbeit der Stände in der verflossenen Tagung und spricht des weiteren die Hoffnung aus, daß in nicht zu ferner Zeit eine völlige Gesundung der wirtschaftlichen Verhällnisse zu erwarten sei. Sodann gedenkt die'Thrvnrede des Regierungs- subiläums und der dem Grohherzog in so reichem Maße entgegengebrachteu Beweise der Liebe und Treue und schließt mit der Bitte an die Abgeordneten, den Dank des Grotz- herzogs hierfür den einzelnen Bezirken übermitteln zu wollen. Mit einem dreimaligen Hoch der Versammlung auf den Großherzog fand die Feier ihren Abschluß, — In einer von über 2000 Personen besuchten Protest- versammlung gegen Zulassung von Männer - orden und Klöstern begründete Professor Boeth- lin g k unter großem Beifall und teilweise lebhaftem Widersprach eine äußerst scharfe Resolution, welche besagt: In Baden habe es bis zum heutigen "Tage keine Klöster gegeben. Unwahr sei, daß das'katholische Volk die Orden wünsche; diese würden nur bou Fanatikern gefordert, welche kein Mittel unversucht ließen, um den religiösen Frieden zu untergraben. Dre Zulassung Mich nur eines Ordens, werde folgerecht allen Orden Thür und Thor öffnen. — Beim Schlußwort: „Wozu Klöster? Wir brauchen und wollen keine!" erhob sich minutenlanger, türrntscher Beifall, der nur schwache Unterbrechung sand, ödaß der Vorsitzchlde die Annahme der Resolution fest- tellte. Ausland. Lo n d ou, 10. Juli. Oberhaus. Harrington kommt auf das Verhalten der Militärbehörden zu sprechen, welche 29 Kadetten von der Akademie in Sandhurst zeit- wellig entfernt hätten, weil dort Brandstiftungen und andere Verstöße gegen die Disziplin vorkämen. Redner sagte, die Behörden bestraften Unschuldige. Lord Roberts erklärt, es habe sich gezeigt, daß unter den Kadatten WarrgeL an Disziplin herrsche. Unter diesen Umstanden sei eine allgemeine Bestrafung notwendig geworden. Man dürfe auch nicht zulassen, daß die aus der Anstalt verwiesenen Kadetten eher zurückkehrten, als bis die Ursache des Feuers aufgeklärt sei. — Das Auswärtige Amt drückte im Namen der eng-, lischeu Regierung der deutschen ihre warme Anerkennung aus anläßlich der hochherzigen und ritterllchen Handlungsweise des Kommandeurs des am 23. Juni in den Grund gebohrten deutschen Torpedobootes, das die vier an Bord befindlichen Engländer zuerst retten ließ. Daß sein Leben habet zum Opfer fiel, werde von der englischen Regierung tief bedauert. Utrecht, 10. Juli. Präsident Krüger ist augenblicklich! mit oer Abfassung einer Geschichte des südafrikanisch en Krieges beschäftigt. Das Material dazu wird er von den nach Europa kommenden Burenführern erhalten Das Werk dürfte bereits gegen Ende des Sommers in Druck gehen und wird sämtlichen europäischen Herr- sc^rn zugesandt werden Paris, 10. Juli. Im Senat interpellierte der Monarchist Provost de Launay über einzelne Zwischenfälle in der Affäre Humbert, besonders über die Behandlung einer von den Humberts ausgebeuteten Frau, die vor deren Wohnung Schüsse abfeuerte, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber verhaftet und in ein Irrenhaus gesteckt wurde. — Justizminister Balle sagt eine Untersuchung dieses Falles zu Er bedauert weiterhin, daß diejenigen, welche etwas über den Aufenthalt Humberts zu wissen glauben, nicht den Untersuchungsrichter informieren, anstatt die Justiz in der Presse anzugreifen. Rom, 10. Juli. In der Villa Doria fanden in Gegenwart des Kriegsministers und der auswärtigen Militär- Attaches Schieß-Experimente auf einen von einem gewissen de Benedetta erfundenen angeblich kugelsicheren Panzer statt. Weder die Geschosse des englischen Armee--Revolvers N0rch dre des italienischen Militär-Gewehrs durchschlugen den Panzer, dessen geringste Stärke 3 Mm. beträgt, während die Kugeln auf dem Panzer deformiert wurden. Man wandte diesen Panzer bei einem Esel und bei einem Hahn an. Die Tiere schienen nicht einmal den Schlag des Geschosses zu spüren. Alle Anwesenden waren über das Resultat dieses Versuches aufs höchste erstaunt. Der Kriegsminister ordnete toeitere Schieß- proben am De Benedetta gestattete niemanden, das Gewebe, das beliebig verstärll werden kann, zu untersuchen. Prag, 10. Ali. Der Landtag ertellte seine Zustimmung zur strafgerichtlichen Verfolgung derAbgg. Schalk und Wolf. Sofia, 10. Juli Die Regierung hat in der Sobranje eine Vorlage eingebracht, wonach der Effektivbestand des Heeres für 3 Jahre von 45000 auf 10000 Mann, herab ges etzt werden soll. Petersburg, 10. Juli. Von einem mißglückten Attentat auf den' Zaren weiß ein russisches Blatt zu berichten. Der Bericht soll als geschlossener Brief bisl zur Grenze geschickt uaib von dort telegraphiert worden feim Er lautet folgendermaßen: Das russische Kaiserpaar wollte dieser Tage der Einweihung einer in der Nähe von Peterhof errichteten Kirche beiwohnen. Wenige Minuten bevor die Feier beginnen sollte, sah man den Polizeichef General Fisch im Galopp der Eguipage des Kaiserpaares entgegensprengen und angelegentlich mit dem Kaiser reden. Er teilte dem Zaren mit, ba0 die Feier nicht statt- finden könne, da der Archirnandrit schwer erkrankt sei. In Wirllichkell hatte sicht folgendes zugetragen: Die Polizei hatte kurz vor dem Erscheinen des Kaiserpaares den Fußboden der neuen Kirche noch einmal einer gründlichen Untersuchung unterzogen und gefunden, daß er gänzlich unterminiert war. Etwa zehn Minuten nach der Ab- fahrt des Kaiserpaares erfolgte eine Explosion, die einen großen Teil des Unterbaues der Kirche zertrümmerte. Da die Kirche vorher geräumt worden war, sind Menschenopfer nicht zu besagen. — Es ist merkwürdig, daß (auch trotz der Sorgfalt der Zensur) bisher noch nichts von dem etwas dunllen Vorfall bekannt geworden ist . Newyork, 8. Juli. Der Zar hat zwei Agenten nach Amerika gesandt, die die Baumwoll-Samenöl-Jn- dustrie studieren sollen, in der Absicht, eventuell die amerikanische Betriebsmethode auf den russischen Baumwollpflanzungen, vorerst des Zaren, zu versuchen. Die Enteignung des Geländes für die Miuitbauteu. -L Gießen, den 11. Juli. Am Mittwoch verhandelte die Lokal-Kommission wegen der Enteignung des zu den Klinikbauten benötigten Geländes. Besonders für die Allgemeinheit interessant sind die Ausführungen, welche von den Parteien hierbei in Betreff der Not -- wendigkeit der Enteignung und des Geeignetseins des Geländes links von der Frankfurterstraße, auf dem die Erbauung einer chirurgischen und ophthalmolo- gischen Klinik geplant ist, machten. Das Enteignungs- Verfahren ist eingeteitet für folgende Terrains: 2457 Quadratmeter Pfarrei Gießen, 2489 Quadratmeter Rentier Karl Schwan sen., 2175 -j- 2266 Quadratmeter Andreas Weidig II, 1276 Quadratmeter Nathan Rosenthal, 1079 4- 1131 -|- 2323 + 5271 -j- 1420 Quadratmeter Gails Erben, 4076 Quadratmeter Balser-Stiftung, 1101 Quadratmeter Wilhelm Plank II, 925 + 1944 + 387 Quadratmeter August Gabriel fr. gehörig. Das Gelände ist teilweise Acker- und Gartenland mit Ausnahme der Gabrielschen Hoftaithe. Zur Vertretung der Interessenten waren erschienen die Rechtsanwälte Justizrat Hirschhorn, Katz, Römheld und Grünewald und die Staatsregierung wurde vertreten» durch den Bau-Inspektor Becker. Als Vorsitzender der Lokallommission fungierte Regierungsaffeffor Emmerling, Beisitzer waren Baurat Stahl und Stadtverordneter Haubach, lieber die Frage, ob das in Aussicht genommene Gelände für die geplanten Bauten unbedingt notwendig und geeignet sei, führte Rechtsanwalt Grünewald aus: Heilanstalten müßten über das Weichbild der Stadt hinaus gelegt werden, so weit hinaus, daß die Entwickelung der Stadt sie in absehbarer Zeit nicht einhole. Dann aber sei der Einwand auch begründet, daß man die bauliche Entwickelung der Stadt eineuge, rund herum in dem Zuge, den sie nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse in unserer Stadt nehmen müsse. Es bleibe der Stadt nur die Entwickelung nach Südwesten. Diese wolle man aber unterlwechen, indem man mitten in das im Entstehen begriffene Lillenquartier die Krankenhäuser stellen toilL Cs Dringe im dw Augen, daß für Klinllshauten weit geeigneter und gesunder sei, das am sonnigen Hang nach Osten, von Nordwinden, durch Hügel, Stadt und Tannenwald geschützte Terrain östlich der psychiatrischen Kilinik, zwischen dieser und der Schönen Aussicht gelegen. Jetzt im Enteignungsverfahren sei Gelegenheit zu ermitteln, daß jenes Gelände zwischen der Schönen Aussicht und den neuen Kliniken den Vorzug verdiene vor dem zu enteignenden. Vor allem stelle es sich heraus, daß die Besitzer der Exproprra- tionsgelände mehr als die offerierten 5 Mark für den Quadratmeter erhalten müßten. Tie sellher verhinderte Mitteilung einer in Aussicht stehenden Enteignung, dies sei bei der Wertbemessung zu berücksichtigen. Der Einwand, das von ihm vor geschlagene Gelände sei bereite für andere Universitätsbauten in Aussicht genommen, entspreche nicht den Thatsachen. Das noch freie Gelände in jener Gegend sei beinahe 150 Morgen groß, von denen höchstens bisher über 20—24 Morgen baulich disponiert sei. Justizrat'H i r s ch h o r n als Vertreter der Balserschen Stiftung bemerkt, daß die von ihm vertretene Anstalt nach dem Willen chres Stifters ausschließlich humanem Zwecke dienen solle. Man könne nach dem Gesetz und nach der Verfassung deren Fonds — und zu diesem gehöre auch das Grundvermögen — nicht antasten, ohne die Genehmigung der Stände. Diese sei noch, nutzt erteilt worden, und bis dies der Fall sei, müsse er Namens seiner Auftraggeberin gegen das Enteignungsverfahren in Bezug von Stiftungs- geuinde protestieren, er lege Verwahrung dagegen ein, wenn trotzdem expropriiert werden' solle. Die Bcllsersche Stiftung, eine Wohlfahrtseinrichtung, die armen unbemittelten Augenkran Leu Diene, die düse Humanitätsanstall stark in Anspruch nähmen, habe sparsam in der Vergangenheit gewirtschaftet, sie verfüge über ein Kapital von nahezu 100000 Mark, und beabsichtige, sich toeiter auszudehnen. Dies sei aber unmöglich, wenn man derselben ein Gelände von über 4000 Quadratmeter abnehme, lediglich um eine Lehranstalt zu errichten, die an anderer Stelle einen geeigneteren und besseren Platz finde. Es sei nicht angängig, den armen bedauernswerten Augen kranken der Balserschen Stiftung durch die Enteignung Luft und Licht zu entziehen, um auf deren Gelände die geplante Direktor- wohnung zu errichten für die Ophtalmologische Klinik. Dieses Wohnhaus müsse nicht unbedingt an der geplanten Stelle stehen,'von der man nicht nur in die neu geplante Uni- oersitätsaugenklinik sehen könne, sondern auch dirett beobachten könne, was in der Balserschen Stiftung passiert.,. Das Wohngebäude für den dereinstigen Leiter der Augenklinik brauche nicht unbedingt in deren unmittelbaren Nähe zu stehen. Die berühmten früheren Setter dieser Anstalt hätten ebenfalls entfernt von dieser gewohnt und trotzdem Bedeutendes geleistet. Ganz entschieden muffe er aber dagegen protestieren, daß man nach den Erklärungen des Bauinspektors Becker Gelände auf Vorrat enteigne. Dieser habe zugegeben, daß die Direllorwohnmrg erst später erbaut werden solle, daß auf Dem zur Enteignung vorgeschlagenen Terrain eine Ohrenklinik und eine Klinik für Hautkrankheiten später noch gebaut werden sollen. Dies feien Projekte, zu denen die Stände erst die Genehmigung zu erteilen hätten. Das Gesetz lasse aber nur eine Enteignung für thatsächlich greifbare Zwecke, für realisierbare Zwecke zu, und die in Aussicht stehende Ohrenklinik rc. fei nicht zu verwirklichen, wenn' die Kammern hierzu die Genehmigung nicht erteilten, und bevor diese nicht vorliege, könne keine Handbreit von dem dazu notwendigen Gelände im Ent- eignungStoege in Anspruch: genommen werden. Anfänglich seien auch die Pläne zur Erbauung der beiden Institute ganz anders geartet gewesen; das nach diesen Plänen benötigte Gelände habe weit weniger Bodenflache der von ihm vertretenen ^itereffenten beansprucht. Besonders gehe dies die Gailschen Erben an, Deren Grundbesitz als ungeteiltes Ganzes überaus wertvoll werde, deren Wasserversorgungsanlage aber durch das jetzt beabsichtigte neue Projekt in Mitleidenschaft gezogen werde. Das frühere Projekt habe sich well mehr nach der „Schönen Aussicht" hin ausgedehnt und sich der Gails Erben und der Balser- Stiftung Besitzung ferngehallen. Es sei interessant, zu erfahren, welche Gründe die Projektänderung veranlaßt haben, und er bitte die Lokalkommission, danach zu forschen. Pfarrer Dr. Naumann als Vertreter der Kirchen- behörde erklärt, daß diese Behörde das fragliche Gelände Dem Staat zur Verfügung stelle, vorbehaltlich der Er- mittelung des Wertes. Die angebotenen fünf Aiark für den Quadratmeter hält seine Behörde für zu niedrig. Er habe sich in letzter Zeit mit den einschlägigen Bestimmungen des Enteignungsgesetzes beschäftigt und Dabei mit Erstaunen gesehen, daß die oberste Instanz in dem Streitverfahren das Ministerium sei, dieselbe Behörde, welche die Erbauung der Kliniken an der zu enteignenden Stelle angeordnet hat Hieraus könne man doch schon im voraus annehmen, daß dieselbe Behörde, die die Notwendigkell und Gebotenhell der Klinllen an Der strittigen Stelle bereits anerkannt habe, als oberste Instanz von dieser Ansicht nicht abweichen würde. Regierungsassessor Emmerling weist demgegenüber darauf hin, daß ja eben das Verfahren vor der Lokalkommission und dem Provinzialausschuß für die Interessenten das Gute und auch den Zweck habe, das Ministerium eines Besseren zu belehren, von dem etwa schlecht unterrichteten an das besser zu informierende Ministerium zu aopellierein Bauinspektor Becker erklärte, daß ein Teil des vom Rechtsanwalt Grünewald in Vorschlag gebrachten Terrains mit Zustimmung der Stände berells angekauft sei und toeiter angetauft werde, um erstens darauf Die Klinikswäsche und weitere Universitätsinstitute zu errichten, welche nicht zur Aufnahme von Kranken dienen. Das fragllche Gelände sei auch für Klinikszwecke darum ungeeignet, well es erstens sehr dem Zuge ausgesetzt sei, und well es zweckens seiner ganzen Lage nach zu entfernt von der Bahn und Dem Verkehr liege, dann seien auch bautechnische Bedenken wegen der Plazierung der Operationssäle vorhanden, die Der Vertreter des Staates Der Lokallommission demnächst näher erläutern wolle. Wegen der juristischen Bedenken betreffs der Zulässigkeck der Enteignung des Geländes der Balser- Stiftung erklärt Bauinspektor Becker sich nicht äußern zu können, er über taffe die Prüfung dieser Frage der Lokal- lommission. Die Verhandlung wurde am Abend um 1/27 Uhr abgebrochen und auf Samstag vormittag 8 Uhr vertagt, wo wegen des Wertes des zu enteignenden Grund und Bodens verhandelt werden soll. Aus Stadt und Land. Gießen, den 11. Juli 1902. — Personalien. Herr Karl Stadelmann aus Berlin ist zum Präparator am zoologischen Institut der Landes-Universität, der Kreisamtsgehilfe Wllhelm Volk zu Büdingen ist zum Burcauvorstcher bei dem Kreisamt Büdingen ernannt worden. .* V^rs ch önerungsve-rein. Die vielen Armehm- lichkeckeu und Erleichterungen, welche für den Spaziergänger 'm unserer näheren Umgebung durch die Thätigkeit des 1888 gegründeten hiesigen Verschöuerungsvereins fortdauernd geschaffen werden, haben unsere Mitbürger längst mit Genug- thuung wahrgenommen. Um nur einiges hier herauszugreifen, möchten wir zunächst daran erinnern, welche vorteilhafte Verbesserung der Alte Schiffenberger DHeg seit den 80er Jahren erfahren hat. Wo man damals auf gänzlich schattenlosem Fahrweg durch tiefen Sand und Staub mühsam zum »Walde vordringen mußte, da wandelt man heute einen bequemen, sauberen Pfad, von schattenspendenden Linden anmutig gesäumt, und während gar der mittlere Teil des Weges im Walde vor einem Jahrzehnt noch selbst dem beherzten Touristen bei ungünstiger Witterung kaum überwindbare Hindernisse bot, wird er heute nach jüngst erfolgter Fertigstellung der letzten Strecke auch von unseren zartesten Mitschwestern zu jeder Jahreszeit mühelos und ohne Fährnis für Schuh und Kleid begangen. Wer hat sich nicht schon der trefflichen Weganlage gefreut, die jetzt zur Hohen Warte hinanführt, wer hat nicht schon vom neuen Aussichtsturm bort oben das entzückte Auge über Thäler und Höhen fihweifeu lassen? Die Errichtung des Georgstempels, die Anbringung von Wegweisern, die Verbesserung an so manchen beliebten Waldpfaden (man denke nur an den noch immer zu wenig gewürdigen Hangelstein) rst sicher von gar vielen mit aufrichtiger Freude begrüßt worden, und ein jeder von uns, wes Alters er auch sei, hat ohne Zweifel des öfteren schon auf einer der zahlreichen in Wald und Flur aufgestellten Ruhebänken willkommene Rast gehalten. Wenn demnach wohl alle Bewohurr Gießens begründete Ursache haben, dem Verschönerungsverein für sein gemeinnütziges Wirken (auch des Wetterhäuschens in der Südanlage sei hier gedacht) dankbare Anerkennung zu zollen, so dürfte man füglich erwarten, daß dieser Dank auch in zahlreichen Beitritten und Beitragsleistungen seinen Ausdruck fände. Leider aber stehen noch so manche außerhalb des Vereins, denen es wahrlich nicht an Verständnis für dessen Bestrebungen mangelt, denen auch die Höhe des Jahresbeitrages (2 All.) kein Hindernis sein kann, bei denen es vielmehr wohl nur an der erforderlichen Anregung bis jetzt gefehlt hat. In dieser !Erwägung läßt gegenwärtig der Vorstand des Verschönerungs- vereins Aufforderungen zum Eintritt an weitere Kreise ergehen; wir möchten wünschen, daß dieses Vorgehen vom ^besten Erfolg begleitet sei, und wir dürfen versichern, daß berjenige, der aus Versehen etwa eine besondere Aufforderung nicht erhalten hat, nicht minder willkonunen geheißen wird, wenn er seine Anmeldung an Herrn Fabrikanten Ad. Z ur b u ch, Goethestraße 7, richtet. Noch sei darauf aufmerksam gemacht, daß jedem Mitglied ohne besondere Aufzahlung eine große Aebersichtskarte der Umgebung von Gießen überreicht wird, welche, im Maßstabe 1:25 000 und in anschaulicher Geländedarstellung ausgeführt, besonders auch durch die ausgedehnten Waldungen unserer Gegend, da sie alle Schneisennamen enthält, ein zuverlässiger Führer sein kann. In den Papiergeschäften von E. Balser und H. Kühn ist sie zur Ansicht ausgelegt. ** Emser Kur-Theater. Wegen gänzlich ungenügender Betelligung findet eine Fortsetzung der Operetten- Vorstellungen nicht statt. In der Musikalienhandlung von Ernst Ehallier werden die nicht verkauften Bonds zurück- gezahlt. ** Die neapolitanische Gesangs- und Tanzgesellschaft Masaniello, die heute abend in Steins Garten gastiert, leistet nach Urteilen der „Badischen Presse" in Karlsruhe und des „Stuttgarter Tageblattes" so Vorzügliches, daß ein Besuch wohl empfohlen werden kann. ** Größere Anzeigen für die Samstagsnummer des „Gießener Anzeigers" wolle man mög- üchst bis heute nachmittag, kleinere bis Samstag vormittag 10 Uhr, bei der Geschäftsstelle aufgeben. X Nieder-Gemünden, 10. Juli. Einem entsetzlichen Unfall ist der Bierfuhrmann der Gießener Aktien- Brauerei, H. Lang, zum Opfer gefallen. Gestern Abend spät auf dem Heimwege kehrten seine Pferde mit dem Wagen ohne den Fuhrmann nach Burg-Gemünden zurück. Alan fand den Fuhrmann auf der Straße tot liegend mit abgestürztem Genicke. Entweder haben seine Pferde bei dem grellen Blitzen des in der Nacht losbrechenden Gewitters gescheut, oder der Verunglückte ist durch einen anderen Umstand von seinem Wagen gestürzt. Der noch junge Mann hinterläßt Frau und Kinder. ha. Schlechtenwegen (Kreis Lauterbach), 10. Juli. Gestern gegen Mitternacht schlug der Blitz in das Gehöft des Bürgermeisters Schrimpf hier. Das Gehöft brannte, obwohl die Feuerwehr sofort erschien, total nieder. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Darmstadt, 9. Juli. In der letzten Zeit sind hier zwei falsche deutsche Reichskassenscheine zu 20 Mark (vom 10. Januar 1882 und den Nummern 285706 und 403746) zur Ausgabe gelangt. .Sie sind anscheinend durch Lichtdruck hergestellt und die rote Schrift ist auf der Rückseite leicht verwischbar. Das Papier der Nachbildungen greift sich härter an wie bei den echten. Als besonderes Erkennungszeichen der falschen Scheine dient das auf der Rückseite unter der Nummer befindliche Zeichen, indem bei den echten der Reichsadler und zu beiden Seiten desselben die Zahl 20 ganz deutlich sichtbar, während bei den Nach- blldungen der Reichsadler und die Zahl 20 kaum erkennbar sind. Aehnliche Nachbildungen sind in München in Verkehr gebracht. ha Birst ein, 9. Juli. Am 16. Oktober 1901 war m Hannover ein 4jähriges Kind gestohlen worden und bis jetzt nicht wieder zum Vorschein gekommen. Nun haben gestern drei Gendarmen das gestohlene Kind auf dem Wege zwischen Fischborn und Wüstwillenroth bei einer Zigeunergesellschaft aufgefunden. Sämtliche Personen des Wagens wurden sofort verhaftet und in das hiesige Amtsgefängnis /abgeführt. Das Kind wurde von der Fürstin Ysenburg- Birstein in Pflege genommen. Auf das Wiederauffinden des Kindes war von den Eltern eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt, welche jetzt den drei Gendarmen zufällt. Mainz, 9. Juli. In der heute Abend abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung machte der Oberbürgermeister die Mitteilung, daß die Gewerkschaften eine Eingabe an die Stadt Mainz gerichtet haben, in welcher sie darum ersuchen, städtische Arbeiten sirr die Folge nur an solche Firmen zu vergeben, welche mit ihren Arbeitern schriftlich festgelegte Vereinbarungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen anerkannt habem Diese Eingabe wird der sozialpolitischen Deputation zur Begutachtung überwiesen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei St. Goarshausen fuhren dem Personenzug 313 Frankfurt-Köln am 9. d. Mts. mehrere Güterwagen in die Seite. Personen wurden nur sehr leicht, besonders durch Glassplitter verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend. — Seine goldene Hochzeit feierte am 8. Juli in Offenbach der Präsident des Sängervereius, Herr Henry Fuchs. Es wurden ihm aus diesem Anlaß viele Ehrungen zu Teil. Der Großherzog übersandte ihm sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. — In Ober-O hmen geriet ein jung verheirateter Einwohner unter die Räder seines schwer- beladenen Wagens und erlitt dabei einen mehrfachen Rippen- bruch und schwere Quetschungen.___________________________ Vermischtes. * Stettin, 10. Juli. In der vergangenen Nacht wurde auf dem Bürgersteige der Johannisstraße ein schwer verwundeter Mann in bewußtlosem Zu st and ausgefunden. Gr hatte eine 15 Centimeter lange Halswunde und wurde als der Schuhmacher Neuendorf von hier festgestellt. Als der Thäter wurde der Schuhmacher Friedrich Narrenbach ermittelt und festgenommen. ' Narrenbach erklärte bei der Vernehmung, daß er dem Neuendorf ein Schuhmachermesser vorgehalten und dieser in dasselbe hineingelaufen sei. * Paris, 10. Juli. Eine furchtb are Feuersbrunst zerstörte gestern einen Teil des Städtchens Her- pont. Das Polizeiamt, die Kirche, sowie drei Wohnhäuser und eine Scheune sind ein Raub der Flammen geworden. Sämtliche Kirchengeräte, zahlreiches Mobiliar und Warenvorräte sind vernichtet. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Da das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen ansbrach^ vermutet man Brandstiftung. — Die Versteigerung des Mobiliars der Familie Humbert dauert fort. Heute kommen 200 Hüte, welche von den hervorragendsten Pariser Geschäften geliefert worden sind, zum Verkauf. Wie „Petit Parisieu" berichtet, gelangen etwa 100000 Meter feinstes Leinenzeug ebenfalls heute oder morgen zur Versteigerung._____________________________ Ulliversltäts-Uachrichten. Würzburg, 9. Juli. Der Konflikt des Kultusministers mit der Würzburger Senats-Mehrheit hat eine pikante Seite, die in den bisherigen Erörterungen nicht errvähnt wurde. Der Minister ist nämlich Ehrendoktor der Universität Würzburg! (Gelegentlich der Einweihung des neuen Kollegienhauses ernannte 1896 die juristische Fakultät Herrn v. Landmann zum Dr. jur. honoris causa. In der Begründung der Ehrung wurde auf Landmanns Kommentar zur Gewerbeordnung hinaewiesen.) Innsbruck, 10. Juli. Der pensionierte Universitätsprofessor Dr. Julius v. Ficker, Fortsetzer von Boehmers Kaiserregesten, ist heute früh hier gestorben. Gerichtssaal. Mainz, 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Das Ortsgewerbegericht Mainz hat tm Gegensatz zu dem preußischen Ministerium aber in Uebereinstimmung mit verschiedenen Gewerbegerichten süddeutscher Staaten entschieden, daß das Gärtner- gewerbe zum Handwerk, nicht zur Landwirtschaft zu rechnen sei. Leipzig, 10. Juli. Das Reichsgericht verwarf die Revision Yes Staatsanwalts gegen das Urteil des Landgerichts Elberffld vom 17. April 1902, wodurch der Verlagbuchhändler Wiemann von der Anklage, den Kaiser von Oe st erreich b.eleidigt zu haben, frergesprochen wurde. Hirschberg, 10. Juli. Vom hiesigen Schwurgericht wurde nach zweitägiger Verhmldlung der 20 Jahre alle Schlosser Lorenz wegen Mordes mrd die 38jährige Steinsetzersfrau Neugebauer wegen Anstiftung zum Atorde zum Tode verurteilt und der bürgerlichen Ehrenrechte für verlustig erklärt. Lorenz hatte auf Anstiftung der Neugebauer, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, den Ehemann Neugebauer am 19. November v. Js. durch Beilhiebe getötet. Beide haben dann den Leichnam zerstückelt, den Kops in dem Stubenosen verbrannt, den Rumpf und die Beine in einen Sack genäht und diesen dann in den nahen Fluß geworfen. Heidelberg, 10, Juli. Die hiesige Straflammer verurteille den heruntergekommenen und schon öfter vorbestraften, 27 Jahre alteri Sohn eines höheren bayerischen Offiziers, Willy Vogel aus Wochenheim, der z. Z noch eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren verbüßt, wegen hier verübter Schwindeleien und Betrügereien zu einer Zusatzflrafe von 1 Jahr 4 Atonalen Gefängnis. Vogel, der als Einjahrig-Freiwilliger gedient und Medizin st u d i e r t tjat, geriet in München in Folge einer verfrühten und unpassenden Heirat auf die Bahn des Verbrechens, die er seitdem nicht mehr verlassen hat. Aus München würbe er seiner Zell ausgewiesen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde« 7, Sonntag nach Trinitatis, den 13. Juli. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinbe. Vormittags 91/« Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormlltags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Matthäus- gemeinde. Pfarrer Schlosser. I« der Johauneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 9'/, Uhr: Profeffor D Drews. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. N a u m a n n. Am Sonntag, abends 8 Uhr, Versammlung und Bibel- besprechimg im Konfirmandensaal der Johauneskirche. Katholische Gemeinde. Samstag den 12. Juli. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur heil. Beicht. Sonntag den 13. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6‘/t Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil, Kommunion. , , 8 Uhr: Die zweite hell. Meße. „ „ 91/2 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 21/, Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 12. Juli 1902. Vorabend: T46 Uhr. Morgens: 8^ Uhr. Nachmittags: 4 Uhr: Schrifterklärung. Sabathausgang: 940 U^rf Zändel und Verkehr. UolkswirtschM Liquidation einer Petroleum-Importfirma in Mannheim. Die Importfirma von russischem Petroleum und Mineral ölen G e h l i g, Wa chenheim u. Co. in Mannheim ist im Liquidation getreten. Die in einer in Frankfurt a. M. ab» gehaltenen Versammlung der Beteiligten gewählte Liquidations- kommission hat das Geschäft mll allen Aktiven und Passiven an eine auswärtige Jnteressentengruppe, vertreten durch eine Berliner Bank, veräußert. Wie man noch nntteill, wurde die Liquidation herbeigeführt durch g r 0 ß e V e r l u st e bei dem Zusammenbruch der Firma C, W. Gehlig in Lodz, andererseits aber auch infolge der scharfen Konkurrenz seitens anderer Importfirmen. Nach einem Eintraa zum Handelsregister hat der frühere Prokurist der Geseü- schaft, Aug. Büschler in Antwerpen, die Firnia übernommen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Darmstadt, 10. Juli. Erste Kammer. Die Vor^ stellung der Gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten rc. wird den Beschlüssen der Zweiten Kammer gemäß erledigt. Die Regierungsvorlage, 6etc. den Gesetzentwurf der Nebenbahnen Bingen — Büdesheim und Hetzbach — Beer» selben findet die Zustimmung des Hauses. Der Antrag Schönberger u. Gen., betr. die Nebenbahn Reichels« heim—Fürth, wird entgegen den Beschlüßen der Zweiten Kammer abgelehnt. Die Vorstellung der Gemeinde König st ädten, betr. den Waldtausch mit der Großherzogl. Domcmialoerwaltung, und der Antrag des Abg. Köhler» Langsdorf, betr. die Umgestaltung der ländlichen Fortbildungsschulen wird gemäß den Beschlüßen der Zweiten Kammer erledigt. Der Antrag Ohl, betr. den Ausbau der Reallchrlle zu Groß-Umstadt zu einer Oberrealschule wird entgegen den Beschlüssen der Zwecken Kammer ab gelehnte — Zu einigen weiteren Anträgen ertellt das Haus feine Zustimmung. Darmstadt, 10. Juli. Zweite Kammer. Abg. Möllinger teilt schriftlich mit, daß er nach mehr denn 40jähriger Thätigkeck sein Mandat nieder lege. Die Versammlung beschließt, dem Abg. Möllinger den Dank des Hauses für seine lange Thätigkeit zu übermitteln. Offenbach, 10. Juli. Gegen den Beigeordneten Wolff hiers. und dessen Kartellträger hat die Staatsanwallschaft wegen Herausforderung zum Zweikampf die Strafverfolgung angeordnet. Frankfurt a. Vä, 1L Juli. In BonLme^s itz heute früh die Scheune des Landwirts Heß in Brand geraten. Das Feuer sprang ans ein nebenstehendes WohuhauA über. Der Brand dehnt sich Wecker aus. 9 Uhr morgens brannten vier Wohnhäuser. Berlin, 11. Juli. Das Buren-Hilfskomitee beriet gestern wieder über die Heimschaffung der gefangenen Deutschen. Es hat sich mit der Wörmann-Linie in Verbindung gesetzt und diese wckd mck einem am 21. d. in Bombay abgehenden Ostafrika - Dampfer eine Anzahl deutscher Gefgngener über Ostafrika zurüekbefördern. Wahrscheinlich wird der Eine oder Andere in Ostafrika zu bleiben wünschen. Für das weitere Fortkommen' der übrigen werden sich der Burenhilfsbund und der Alldeutsche Verband bemühen. Ferner soll ein anderer Dampfer möglichst bald Gefangene von der Insel St. Helena abholen. Die Verhandlungen mit den deutschen Dampferlinien und der englischen Regierung führt das deutsche Auswärtige Amt. London, 11. Juli. Der Londoner Korrespondent der Liverpooler ,-Daily Post" meldet: Bei einem vor wenigen Tagen stattgehabten Diner gratulierte eine Dame dem Herzog von Cambridge zur Rekonvaleszenz des Königs. Der Herzog antwortete in ernstem Tone: „Dem König geht es gut — jetzt", wobei der Herzog besonders^ das letzte Wort betonte. Es ist durchaus nicht unmöglich, fährt der Korrespondent fort, daß der König sckb vielleicht einer zweiten, wenn auch weniger gefährlichen Operation unterziehen mutz. — Die Preß^Assoeiation bestätigt die Timesmeldung, daß der 9. August für die Krönung in Aussicht genommen ist mit dem Vorbehalt ärztlicher Zustimmung. Es heißt, der König werde zur Erholung zunächst nach Kingsgate auf der Insel Thanet gehen. Wien, 11. Juli. Blättermeldungen zufolge hat sich Graf Alfons Pachta, Großgrundbesitzer und ehemaliger Landtagsabgeordneter, in einem Anfall von G e i ste s stüru rr§ erschossen. Raccouigi, 10. Juli. Der König reiste heute abend nach Rußland ab. In Mailand schließt sich MiniMr Prinetti dem Gefolge des KLnigs an. New York, 11. Juli. Hier sind weckere Emzelheckeu über den vulkanischen Ausbruch auf Marti-, nique eingetrosfen. Eine vulkanische Wolke erschiieu über Fort de Francs am Mittwochabend. Sie war dunkelschwarz und wies zahlreiche Lichtpuncke auf, so sehr war sie mck Elektrizität durchsetzt. Ein furchtbarer Donner begleitete, die Erscheinung. Die Bevölkerung war zwar erschrocken^ blieb indes ziemlich ruhig. Johnstowu (Pennsylvanieu), 11. Juli. Die Zahl' der Atannschaften der in der Cam b riamin e Um gekommenen wckd auf 300 geschützt. Alle Minen in der Nachbarschaft sind geschlossen, da die Bergleute bei den Rettungsarbecken Hilfe leisten. Telephonischer Kursbericht« 3*/a% Reichsan Lei he . . 102.55 30/0 do. ... 92.90 8'/,0/0 Konsuls .... 102.15 3<>/o do......92.55 3*/2% Hessen .... 100.20 3*/3% Oberhessen . . . 99.25 4% Oesterr. Goldretne . . 103.30 4‘/2% Oesterr. Silberrente 101.85 4% Ungar. Goldrente . . 102.30 4°/ü Italien. Rente . . . 103.25 4V3% Portugiesen . . . 47.20 3°/e Portugiesen. .... 29.20 1% C. Türken . . . . 28.95 Türkenlose ...... 113,40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.10 4’/,% äussere Arpentiner —.— 3% Mexikaner .... —. 4'/sVa Chinesen .... 91J.5 Electric, ßchuckert ... 102.50 Nordd. Lloyd . . , . —.— Kreditaktien ..... 213.20 Diskonto-Kommandit. . . 184.90 Darmstädter Bank . , . 136.50 Dresdener Bank .... 144.50 Berliner Handelsges. . . 156.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 149.50 Lombarden ..... 17.40 Gotthardbahn.....168.10 Laurahütte ...... 199.50 Bochum ....... 191.20 Harpener......162,50 Tendenz: schwächer. Auf dem Trockenboden wird die schönste Wäsche nicht hell, wenn man ein geringes billiges Waschpulver verwendet hat, welches Soda und oft rwch schärsere- Substanzen enthält. Gioth's gemahlene Kernseife mck Salmiak und Terpentin bleicht sowohl durch den aaranttert großen Seifeugehatt als auch durch den Gehalt au Terpenttn, welches den stärk' bleichenden Ozon entwickelt, in überraschender Weise. Preis per Packet 15 Pfg. Fabrikant: I. Gioth, Hanau. 1996 Wieseck, den 10. Juli 1902. 5079 Die Beerdigung findet Samstag nachmittag 4 Uhr vom Sterbehause aus statt. Todes-Anzeige. Statt jeder besonderen Anzeige. Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unsere liebe Gattin, Mutter und Schwiegermutter Katharina Peppier, geb. Wagner gestern abend lP/n Uhr im 58. Lebensjahre in dem Herrn sanft entschlafen ist. Mit der Bitte um stille Teilnahme: Die trauernd Kinterölieöenen. Bekanntmachung. Ncuh Artikel 3 des Gesetzes über das Faselwesen vom 'S. August 1901 sollen in einer Gemeinde in der Regel Faseltiere verschiedener Raffen nicht nebeneinander gehalten werden. Zur Anhörung der Viehbesitzer darüber, welche Rasse Rindvieh in der Stadt als Faseltiere gehallen werden soll, lade ich die beteiligten Besitzer von Rindvieh zu einer Versammlung auf Mittwoch bfn 16. d. Mts., vormittags 9 Uhr, tm Bürgermeistereigebäude, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 11 ergebens! ein. Gießen, den 10. Juli 1902. 5084 Der Bürgermeister: Mecum. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister Abt. A wurde heute eingetragen die Firma „Verlag der Hessischen Feuerwehrzeitung Kindt & Roth" zu Gießen; Offene Handelsgesellschaft; Beginn 15. Juni 1902; Inhaber: Verlagsbuchhändler Otto Roth und Buchdruckereibesitzer Otto Kindt, beide zn Gießen. Gießen, am 9. Juli 1902. 5075 Großherzogliches Amtsgericht. Vertreter die Herren: Dr. Markwald n g W Dr. Schliephake. Dr. Klein. KieueMtermem für Gießen n. Wg. Versammlung Sonntag den 13. Juli, nachmittags 3*/2 Uhr, zu Lützellinden bei Gastwirt Johs. Bock. Tagesordnung fft durch die ,^8iene" Nr. 7 bekannt. Abfahrt nach Großen-Lmden 2.18 Uhr nachmittags. Auch Nichtmitglreder sind fteundlichst eingeladen. 5073 Der Vorstand. Sängerkranz. Angesichts der eiugetretcnen unsicheren Witterung wird die für Sonntag deu 13. Juli geplante Waldpartte umgeändert tu einen Ausflug nach dem Windhof. Gemeinschaftliche Abfahrt mit der Vieberthalbahn nachmittags 4 Uhr. Oberer großer Saal reserviert. 5081 Der Vorstand. Statt mitPomade,Oel n. schädlichen Tink- tnren pflege man »ein Haar nur mit dem anerkannt solidesten Haarwasser der Gegenwart. Ueberall zu haben. Fl. M. 2.— und 3.50 gk a Hatten I Jd? bcjcu^c Jhncn gern, bas 3br .fabrlfat VS j!) „Cs hat geschnappt" bei meinen Runden große Anerkennung findet, da die IDir!(am(cit®l)icfe5 ■ E gTw 0 rC® Kattenmittcls eine sehr gute ist. 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