Nr. 160 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Freitag 1 l.Juli 1903 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlußNr.51. Gießener Anzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel jährlich Mk. 2.20; durch Avholc- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk. 2.— viertel« jährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für ,Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Hessischer Kandtag. Krsie hessische Ständekammer. 19. Sitzung. Darmstadt, 10. Juli. Präsident Gras Görz zu Schlitz eröffnet die Sitzung um 91/2 Uhr. Am Regierungstisch: Staatsnrinister Rothe (grg., Finanzminister G-nauth Exz., Ministerialräte Braun, Breidert und Best, Geh. Staatsrat v. Krug. Zu Ehren des verstorbenen Mitgliedes, Prälaten D. Habicht, erhebt sich das Haus von den Sitzen. Von den Einlaufen werden erwähnt die Mitteilungen des Staatsministeriums zu dem am Freitag nachmittag 41/2 Uhr durch Se. Kgl. Hoheit den Großherzog stattfindenden Landtagsschluß. Ein Schreiben des Staatsministeriums betrifft die Ernennung des Superintendenten von Mainz D. R. Walz zum Prälaten der evangelischen Kirche des Großherzogtums Hessen; ein weiteres Schreiben die Zustimmung zu dem Voranschlag der Landstände. Aust eine Anfrage des Fürsten zu Solms- Hoh ensolms-Lich, betr. die Erhebung der allgemeinen Kirchensteuer, antwortet Staatsminister Rothe, daß für die Regierung nach Lage der Verhältnisse und nach den von den kirchlichen Behörden eingelaufeuen Antworten keine Veranlassung zu einer Aenderung vorliege. Eventuelle Ermäßigungen soll- ten später in Betracht gezogen werden. Für st zu Leiningen erklärt zur Geschäftsordnung, daß wegen des späten Einlaufens des Berichtes über den Beschluß der Zweiten Kammer zur Wahlrechtsvorlage der Ausschuß in die Behandlung dieser wichtigen Materie nicht mehr eintreten konnte. (Eine Meldung auswärtiger Witter, die Regierung habe die Wahlrechtsvorlage zurückgezogen, beruht demnach auf Unrichtigkeit.) Hieraus folgt ohne Debatte die Annahme der Regierungsvorlagen zu Pos. 1: die Nachweisungen der Einnahmen und Ausgaben an Domanial- und Staatsvermögen der Finanzperiode 1894/9.7; zu Pos. 2: die summarische Uebersicht der Landeskredittasse; zu Pos. 3: über die Ausführung des Artikels 5 des Gesetzes, die Regentschaft betr. Einer Reihe weiterer Beschlüsse schließt sich die Erste Kammer an. _J_j L i_ Die Regierungsvorlage über den Entwurf eines Gesetzes betr. die Bildung der Stadtverordneten-Versammlung von Worms für die Zeit vom 1. April 1898 bis 31. Dezember 1902, wurde ohne Debatte angenommen. Pos. 7. Der Antrag des Abg. Möllinger betr. die Erteilung von Wirtschaftserlaubnissen pp. wurde entgegen den Beschlüssen der anderen Kammer abgelehnt. Pos. 8. Zu der Vorstellung der Einwohner Kastels, die Unterstützung ihrer auf Stadterweiterung gerichteten Bestrebungen erklärt Staatsminister Rothe, daß es trotz aller Bemühungen nicht gelungen sei, alle Wünsche Kastels zu erfüllen, daß aber die innere Umwallung gefallen sei. Die Reichsfinanzverwaltung verkaufe den Rayon selbst und stelle der Gemeinde Straßen und Plätze kostenlos zur Verfügung. Es sei ein neuer Bebauungsplan ausgearbeitet und soweit eine Verständigung erzielt; es bleibe nur noch die Bestätigung .des Reichsschatzamtes abzuwarten. — Es sei daher für die dringend notwendigen Aenderungeu Abhilfe in Sicht. Geh. Kommerzienrat Michel wünscht, daß der Reichs- nrllitärfiskus das Gelände erst ebene und parzelliere, ehe es verkauft werde, auch sei für baldige Beseitigung der Sümpfe zu sorgen. Die Vorlage wird genehmigt. Die Regierungsvorlagen betr. den Dau des neuen Museums, die innere Einrichtung betr. und die Schaffung einer Hausbeschließerftelle für das neue Museum werden ohne Debatte angenommen, ebenso die Regierungsvorlage betr. den Gesetzentwurf, die Besoldungen und Disziplinar- verhältnisse der Gendarmen betr. Die Vorstellung des Gendarmen i. P. Dotzert in Gießen wird dem Ausschußantrag entsprechend für erledigt erklärt. Die Vorstellungen der Polizei- und Gemeindediener der Provinz Rheinhessen usw., sowie der Antrag Köhler hierzu, werden für erledigt erklärt. Eine lange Debatte veranlaßte die Regierungsvorlage bezüglich des Gesetzentwurfs, das Eigentum an Kirchen und Pfarrhäusern betr. Hierzu bemerkt Bischof Dr. Brück, daß diese Bestimmung eine Kontro- vorse sei, denn von vielen Gerichtshöfen seien der katholischen Kirche das unbestrittene Eigentum der Pfarrhäuser, Kirchen ufw. zugesprochen worden; ob demgegenüber die Regierung bezw. der Staat irgendwelche berechtigte Ansprüche machen könne, sei fraglich Man ,olle das preußische Gesetz von 1880 zu Grunde legen, und ine Formalitäten vereinfachen. Gegen Art. 14, das Benutzungsrecht der Glocken betr., habe et schwere Bedenken, da sehr leicht Zwiste und Streit entstünden. Das sei eine Beetnschrankung des Kirchenrechtes; man solle hier auf friedlichem Wege eine Verständigung herbeiführen. . . Auch der Ausdruck „allgemeine Gemerndezwecke" sei zu vulgär und nichtssagend; hier müßte em Legislativ eintreten, damit der Willkür der Gememden em Ziel ge- fßfef j gl Ministerialrat B e st widerlegt diese Ausführungen und erklärt, daß die Regierung das Gesetz nie in dieser Form annehmcn könne; es sei in jeder Welse die notige Bor- sicht getroffen, um Differenzen zu vermeiden, die schließlich, doch nicht ausbleiben. Gegen willkürliches Vorgehen der Bürgermeister sei der Kreisausschuß vorhanden. Staatsminister Rothe erklärt, daß das Gesetz wohl Schwierigkeiten biete, aber um sowohl der Kirche wie den Gemeinden entgegenzukommen, in dieser Form das Richtige treffe. Einzelne Wünsche könne man durch besondere Instruktionen regeln. Geh. Rat Prof. Schmidt rechtfertigt den Standpunkt des Ausschusses, da man das preußische Gesetz hier nicht anwenden könne. Die Vorlage wird hierauf angenommen. Pos. 27. Die Errichtung von Irrenanstalten wird im Sinne der Zweiten Kammer mit dem Zusatz angenommen, daß mit dem Bau beider Anstalten zu gleicher Zeit begonnen werden soll. Zu Pos. 37. Antrag des Abg. Haas-Darmstadt, betr. die Errichtung einer Landwirtschaftskammer erklärt Fürst Solms-Lich, daß er im Prinzip nicht gegen dies Institut sei, es jedoch in dieser Form nicht annehmen könne. Man solle erst die Erfahrungen in Preußen abwarten. Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim ist der gleichen Meinung und wünscht zunächst noch weiteren Ausbau der Provinzialvereine. Man gehe in dieser Forderung der Berufsorganisation zu weit. Man könne nicht den Bauern allzu große Lasten aufbürden und solle an den Landwirt- schastlrchen Verein und den verdienstvollen Bauernbund sich halten; durch die Ausbildung der Provinzialvereine werde man Gutes leisten können. Es empfehle sich nicht, das viele Geld wieder zur Verfügung einzelner Personen zu halten, die, wie schon manchmal seither, falschen Gebrauch davon gemacht haben, wie bei der Landwirtschaft usw. Der Staat dürfe sich sein Perfügungsrecht nicht nehmen lassen; der Abg. Haas dürfe vor.allem nicht Vorstand der neuen Einrichtung werden oder er solle seine anderen Aemter niederlegen. Man müsse sehr vorsichtig zu Werke gehen. Hierauf wird die Vorlage einstimmig ab- gelehnt. Zu Pos. 41. Die Regierungsvorlage betr. den Gesetzentwurf, die Handelskammern betr., erklärt Freiherr von Heyl die jetzige. Einteilung der Handelskammerbezirke für eine schreiende Ungerechtigkeit, da man die ganzen Riedorte, deren Beziehungen nach Worms gravitieren, nach Darmstadt eingeteilt habe. Ministerialrat Braun verteidigt die Regierungs-Borlage, doch wird dieselbe mit 10 gegen 9 Stimmen abgelehnt und ein Abänderungsvorschlag Hehl angenommen. Zur Regierungsvorlage bezügl. des Entwurfs eines Gesetzes, die Entschädigung für an Maul- und Klauenseuche gefallenes Rindvieh betr., berichtet mündlich Freiherr von Riedesel. Er beantragt Annahme des Gesetzentwurfes mit den nach der Regierungsvorlage wieder hergestellten Ar- tikeln 1, 2 und 10. Der Antrag wird hiernach genehmigt, und die Abänderungsvorschläge der Zweiten Kammer abgelehnt. Auch der Antrag Schönberger zu Art. 88 des Gesetzes vom 17. Juni 1899, die Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuches betr., wird entgegen dem Beschlüsse der Zweiten Kammer abgelehnt. Die übrigen zur Beratung gekommenen Anträge werden ohne Debatte int Sinne der Anträge des anderen Hauses erledigt. Mähst e Sitzung Freitag 10 Uhr. Demgemäß trat die Erste Kammer nicht dem Beschlüsse der Zweiten Kammer bei, daß den Wünschen der G e r i ch t s s ch r e i b e r usw. in Bezug auf Titeländerungen entsprochen werden soll. Dem Anträge der Abgg. Ulrich und Genossen, die Eis en bah n ta ri fe der preußisch- hessischen Gemeinschaftsverwaltung betreffend, wurde keine Folge gegeben. Hinsichtlich der Vorstellungen der Gemeinden Eberstadt (Kreis Gießen) und Dorf-Gill, bezw. Birklar, den Bahn bau Butzbach —Lich betreffend, wurde dem Beschluß der Zweiten Kammer beigetreten, an die Regierung aber das Ersuchen gerichtet, bei der landes- polizeilichen Prüfung des Projekts die vorgebrachten Wünsche der Interessenten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Zweite hessische Ständekammer. 127. Sitzung. Dornstadt, 10. Juli. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 11 Uhr, statt um 10, wie vorgesehen war. Am Regierungstisch: Geh. Staatsrat v. Krug, Ministerialrat Dr. Becker, Geh. Oberschulrat Nodnagel. Nachdem die Sitzung eröffnet worden ist, erllärt Abg. Gut fleisch, daß eine neue Gesetzesvorlage dem Hause vorliege, die das Wahlgesetz von 1872 abändere und bedingt sei durch die geänderte Steuergesetzgebung. Das alte Rechst solle hier nur übersetzt werden in eine neue Ausdrucksweise. Die verschwundenen Steuerkapitalien könne man jetzt nicht mehr in Betracht ziehen, man müsse vielmehr die Steuerbeträge in Ansatz bringen. Die Fassung der Gesetzesvorlage sei eine loyale und den Verhältnissen entsprechend. Der beantragten Dringlichkeitserklärung des Gesetzentwurfes wird zugestimmt. Der Gegenstand wrrd nach erfolgter Erledigung der Tagesordnung verhandelt werden. Es erfolgt die Abstimmung über den Antrag Ohl, den Ausbau der Realschule zu Groß-Umstadt zu einer Oberrealschule betr. Geh. Oberschulrat Nodnagel erklärt, daß er nur das wiederholen könne, was er neulich gesagt habe. Es sei an den Oberrealschllen im Lande noch für 80 Primaner Platz, für weitere Anstalten bestehe also kein Bedürfnis, und mit den bestehenden Anstalten habe man reichlich genug. Auch sei in nächster Zeit nicht zu erwarten, daß das Bedürfnis ein dringenderes werde. Wetm der Stadlvorstand Groß- Umstadt sage, die Frage der Herbeischaffung der fehletiden Lehrkräfte sei lediglich eine Frage der Organisation, so Ware es für chn interessant, zu erfahren, wie sich der Stadt- Vorstand dies denke. Groß-Umstadt rechne mit 10 Oberprimanern, dies bedeute für den Wohlstand Groß-Umstadts keinen großen Zuchwachs; auch würden dadurch 40—50 Schüler hinausgescheucht und in die Stadt getrieben, da sie den lateinischeti Unterricht notwendig hätten. Abg. Bähr meint, die Frage der Errichtung einer Vollanstalt in Groß-Umstadt mit der Errichtung einer Volksschule daselbst zu verquicken, sei nicht statthaft. Auch das Land müsse zu seinem Rechte kommen. Die Abgg. Korell und Weidner werden für den Antrag Ohl stimmen. Geh. Oberschulrat Nodnagel betont nochmals, daß, selbst wenn die Zweite Kammer den Antrag annehmen werde, die Regierung dem Beschluß keine Folge geben könne, da sie aus den angeführten Gründen daM nicht in der Lage sei; ultra Posse nemo obligatur. Abg. Ulrich hält zwar die Zustände der .Vorschulen en Groß-Umstadt für geradezu unglaublich, aber im allgemeinen müsse man eine Erleichterung für den Besuch höherer Lehranstalten treffen. Deshalb solle die Regierung diese Frage einmal in Erwägung ziehen, und er begreife nicht die ablehnende Haltung derselben. Abg. Bähr erllärt, daß die Stadt Groß-Umstadt sich bereit erklärt habe, jährlich 2500 Mi. zuzuschießen; das Fehlende werde durch das Schulgeld ge&ecft Sei dies nicht der Fall, so könne die Regierung einen kleinen Betrag zuschießen. Geh. Oberschulrat Nodnagel erwidert, daß die Re-» gierung tatsächlich nicht in der Lage sei, der Errichtung' einer Vollanstalt zuzustimmen. Der Vorteil für Groß-Umstadt werde nicht groß sein. Sodann wird abgestimmt. Der Antrag Ohl auf Errichtung einer Oberrealschule in Groß-Umstadt für geradezu unglaublich, aber im all-- Es folgt die Beratung der Vorstellung des Stadtvvr-- standes von Butzbach, den Ausbau der Realschule daselbst zu einer Oberrealschule betr. Abg. Joutz: Hier lügen dieselben Verhältnisse vor wie in Groß-Umstadt. Butzbach sei für die Errichtung einer Oberrealschule der geeignetste Platz Auch Nauheim sei dabei interessiert. Er bitte um Zustimmung zu dem Antrag. Abg. Gras O r i 0 l a hat so viel Zutrauen zu dem Orga» nisationstalent der Schulbehörde, daß man leicht über den vorgebrachten Lehrermangel hinwegtommen werde. Auch die Änne für die Errichtung einer Prima seien ausreichend. Die Vorwürfe, die man Groß-Umstadt in B^ua auf j'eine Volksschulen gemacht habe, könne man der Stadt Butzbach nicht machen. Er bitte, dem Anträge des Ausschusses zu- sttmmen. Geh. Oberschulrat Nodnagel erklärt, wenn man dem Projekte zustimme, dann könnten mit demselben Rechte und den gleichen Gründen auch andere Orte, wie Gernsheim, Heppenheim, Oppenheim ic. kommen mit ebensolchen Wünschen. Oberhessen habe allerdings ein größeres Recht auf eine solche Anstalt als Starkenburg. Die Räume in Butzbach seien nur gerade für die settherigen Zwecke ausreichend. Ein Bedürfnis für eine Vollanstalt sei vorläufig noch nicht vorhanden und auch wohl noch nicht abzusehen. Auch in Preußen sei genau derselbe Lehrermangel vorhanden. s2lbg. Weidner dankt der Regierung dafür, daß sie wenigstens anerkannt habe, daß für Oberhessen ein größeres Bedürfnis vorhanden sei. Werde dem Anträge nicht zugestimmt, so werde das Land nicht zur Ruhe kommen. Dadurch werde eine Verstimmung der ländlichen Abgeordneten hervorgerufen, die sich vielleicht demnächst zeigen könne, wenn es sich einmal um städtische Forderungen drehe. Abg. Joutz empsiehtt nochmals den Antrag des Stad-t- vorstandes. Es wird abgestimmt und der Antrag des Ausschusses, dem Anträge des Stadtvorstandes zu Butzbach zuzustimmen, gegen acht Stimmen angenommen. ' Es folgt die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf, die Aenderung einzelner Bestimmungen des Wahlgesetzes von 1872 betr. Abg. David halt den Emtwurf nicht für notwendig; die Zweite Kämmer habe ja das neue Wahlgesetz mit direkter Wahl angenommen, stimme nunmehr die Erste Kammer zu, dann habe man das neue Notgesetz nicht nötig. Der Entwurf fordere übrigens eine erhöhte Steuerleistung im § 9. Dadurch werde die vierte Ein- kommenllasse, die gerade 11 Mk. zahle, von der Wahl zum Wahlmanne «ausgeschlossen. Dies sei ein schweres Unrecht gegen alle dieejnigen, die lediglich Ein kommen steuer zahlen. Diese Klasse solle man noch in die Wahlmännerberechtigung einziehen. Wie lange das diotgesetz in Kraft bleibe, wisse man nicht. Würden mm die Steuerstufen für die Zukunft erhöht, bann schaffe man ein noch schreienderes Unrecht. Deshalb solle man das vorliegende Gesetz ablehnen. In der Begründung zu dem Gesetzenttourf ist aus» geführt, daß, da voraussichtlich! der Gesetzentwurf, die Lanb- stände betr., nicht mehr auf dem 31. Landtage verabschiedet werden wird, der Fall ins Auge gefaßt werden müsse, daß die demnächst stattfindenden Neuwahlen zur Zweiten Kammer nach den Bestimmungen des alten Gesetzes von 1872 über die Zusammensetzung beider Kammern und die Wahlen der Abgeordneten zu erfolgen haben. Nachdem die Staatssteuergesetzgebung im Jahre 1899 eine durchgreifende Neugestaltung erfahren hat, die die Steuerkapitalien aus- geschieden und die Einkommensteuer als Rechnungsfaktor beseitigt hat für die Voraussetzungen der Wählbarkeit bei den Wahlen der Wahlmänner, so empfiehlt sich die Bestimmungen des Art. 9 durch andere Vorschriften zu ersetzen^ die sich an die bestehende Steuergesetzgebung anschlretzen. In gleicher Weise wird hinsichtlich des Art 5 des Wahl-, gesetzes in der Fassung des Gesetzes tion'1885 uuf> des ein* tzlgen -ArtMA^jeL Gosetzes von IW eine Abänderung vor- geschlagen. ' "Nach Art. 1 des neuen Gesetzentwurfes sind ftintnt* berechtigt und wählbar bei den Wahlen des Adels bie^ ignigen adligen Grundbesitzer, bei deren Vermögenssteuer- Veranlagung mindestens 10 foeftar im Werte van mindestens 500000 Mark in Anschlag gebpacht sind. Ferner sind wählbar zu Wahlmännern diejenigen Urwähler, die an drrekten Steuern mehr als 11 Mark jährlich zu zahlen haben. Nach Art. 2 erhält Art. 48 des Gesetzes von 1872 den Zusatz, daß das Mandat der Abgeordneten mit dem Tage als erloschen zu betrachten ist, an dem die Neuwahlen erfolgen. Art. 3 hebt das 1875er Gesetz auf und nach Art. 4 sollen diese neuen Bestimmungen als Bestandteile der Verfassung angesehen werd em Geh Staatsrat v. Kr u g: Den Vorwurf des ALg. David, daß die Regierung und die Erste Kammer das neue Wahlgesetz nicht wollen müsse er entschieden Wrückweisen. Auf Grund der alten Grundsteuerkapitalien, die durch die neue Steuergesetzglämng beseitigt seien, könne eine Neuwahl zur Zweiten Kammer nicht mehr stattfindeu. Falls der vor- liegende Entwurf von dem Hause abgelehut werde, über-, nehme es damit eine schwere Verantwortung. ALg. Ulrich (Soz.): An der Zweiten Kammer liege es nicht, wenn das neue Wahlgesetz nicht schon jetzt verabschiedet werde, und er müsse entschieden dagegen Verwahrung einlegen, daß man das Odium des Nichtzustandekommens des Wahlgesetzes auf die Zweite Kammer schieben wolle Die Erste Kammer habe einfach beschlossen, dasselbe in diesem Landtage nicht mehr zu beraten, wahrscheinlich müßten die Herren ins Bad. Die Abänderung des Artikels 9 wäre annehmbar, wenn darin festgesetzt würde, daß diejenigen zu Wahlmänueru wählbar seien, die m i n d e st e n s ii Marr jährlich au direkten Staatssteuern zahlten. Es sei -jedenfalls ein logischer Unsinn, daß jeder Urwähler zwar Aum Wgeordnet^ aber nicht jeder auch zum Wahlmanne gewählt werden könne. Man falle deshalb seinen Vorschlag berücksichtigen. Geh. Staatsrat v. Krug verwahrt sich gegen die Vor- toürfe des Vorredners Der Gesetzentwurf beabsichtige lediglich eine Umrechnung und eine Anpassung der Gesetzesbestimmungen an die veränderte Steuergesetzgebung. Ministerialrat Becker: Aus dem alten Wahlgesetz von 1872 habe mau nur das herausgesucht, was einer formellen Aend eräug bedürfe. An den bestehenden Verhältnissen werde absolut nichts geändert, denn Die seitberigeu 80 ML Steuerkapital entsprächen bei einem Ausschlagkoeffizienten von 14 Pfg. pro Mark Steuerkapital genau dem angesetzten Betrag von 11,20 Mark. Werde der Entwurf abgelehut, so entstehe ein Vacuum, da man alsdann nicht wisse, wer zum Wahlmann gewählt werden könne Wg. David (Soz.) erklärt, daß die Legierung der Form nach allerdings recht habe, sachlich dagegen nicht. Wg. Mo lth an (Ztr.) hält es für bedenklich, daß man die lediglich formellen Aenderungen zum Ausgangspunkt einer Revision, von Bestimmungen des allen Wahlgesetzes -nehmen wolle. Werde die Vorlage indes heute nicht die -nötige Zweidrittelmajorität finden, so sei an dem Scheitern ;bes Entwurfes die Erste Kammer schuld, die auf die Erledigung des neuen Wahlgesetzes in dieser Session verzichtet Habe. ALg. Wolf (fr. w. V) erblickt in der Vorlage eine Verschlechterung des heutigen Zustandes, worauf Ministerialrat iB e ck e r den Nachweis führt, daß dies durchaus nicht zutreffend sei. Wg. Ulrich (Soz.) hebt nochmals hervor, daß der fpringende Punll ihres Antrages sei, eine Verschlechterung des allen Wahlgesetzes durch den Entwurf zu verhindern. Wg. Gut fleisch (freis.) erklärt, daß es sich hier um die Ausfüllung einer Lücke in der Gesetzgebung handele Eine Aenderuug in dem seitherigen Zustande werde dadurch nicht herbeigeführt. Der Entwurf der Regierung sei in jeder Beziehung loyal und Iraan solle deshalb demselben zustimmen. Sodann wird abgestimmt. Arllkel 1 wird angenommen mit der von den Sozialdemokraten vorgeschlagenen Aenderuug, daß derjenige zum -Wahlmann wählbar ist, der mindestens (statt mehr!) elf Mark an direkten Staatssteuern zahlt. Die Artikel 2—4 werden debattelos genehmigt. Schluß 21/2 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr. Politische Tagesschau. Der Streit Vetter Hieht noch immer seine Kreise. Da behauptet in einem Berliner Blatt ein Genfer Schriftsteller namens Platzhoff-Lejeune, daß die Kulturbedeutung der Schweiz nicht nur auf der Stammverwandtschaft mit Deutschland, sondern auch auf der Rasfengemeinschaft mit Frankreich und Italien beruht. Wenn man die Schweiz eine deutsche Provinz in geistiger Beziehung nenne, so könne man sie ebensogut als eine französische oder italienische Provinz in geistiger Beziehung bezeichnen. Dazu sagt die .Kreuzztg." mit Recht: Formell sind die drei Volksstämme in der Schweiz allerdings gleichberechtigt, aber nicht nur nach ihrer Qualität, sondern auch nach ihrer Zahl nehmen die deutschen Schweizer mit 2 Millionen Köpfen die führende Stellung ein, da die ftanzösischen Schweizer nur 640000 und die italienischen nur 160000 Köpfe aufzuweisen haben. Gollfried Keller, der große schweizerische Dichter, hat einmal gesagt: .Man kann Schweizer, man muß Deutscher sein." In diesem Wort lieg eine tiefe Bedeutung und zugleich eine ernste Mahnung für gekommen, außerdem habe Vetter durch fortgesetztes Ungeschick eine Stellungnahme be§ Senats herausgesordert. Mit dessen Beschluß sei Beller einverstanden gewesen, nur habe er ver- angt, daß der Senat eine Resolution gegen die Hellmüllersche Unterstellung annehme, Prof. Vetter habe sich durch seine Nürnberger Rede für eine Professur in Deutschland empfehlen Vollen. Diese Resolution wurde abgelehut, aber nur weil der Senat der Meinung gewesen sei, es sei unter seiner Würde, gegen das Hellmüllersche Preßerzeugnis überhaupt Stellung zu nehmen. Prost A. Onckcn ist der Meinung, daß danach für Prof. Vetter kein Grund zum Aufgeben seiner Lehrthatigkell an der Berner Hochschule vorliege und ver- ichert, daß seine kollegiallsche Achtung für Herrn Vetter durch die jüngsten Vorgänge keine Minderung erfahren habe. ,,Es würde uns schmerzlich berühren," so schließt Prost A. Oncken, „wenn Herr Vetter diesen Anlaß berllitzte, aufzuhören unser Kollege zu sein." Herzogin Friederike von Anhalt die Großtante Europas. Wie aus Alexisbad im Harz gemeldet wird, ist die dort zur Kur weilende greise Herzogin-Wttwe von Anhall am 10. d. Mts. gestorben. Kein ausgesprochenes Leiden, andern lediglich Altersschwäche endete das Leben dieser Fürstin. Die erlauchte Dame, die am 9. Oktober 1811 als zweite Tochter des damaligen Prinzen, späteren Herzogs Friedrich Wtthelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücks- burg und seiner Gemahlin Luise, Prinzessin von Hessen- Kassel, auf Schloß Gottorp geboren war und sich am 30. Oktober 1834 mit dem im März desselben Jahres zur Regierung gelangten Herzog Alexander Karl von Anhalt-Bern- burg vermähll Halle, wurde mit einem gewissen Recht die Großtante Europas genannt, da sie eine Schwester des Königs Christian von Dänemark, des Großvaters von Europa war. Sie hatte in den Jahren 1855 bis 1863, infolge unheilbarer Krankheit ihres Gemahls, als Mitregentin die Regentschaft über das Herzogtum Anhalt geführt. Bis vor Kurzem noch erfreute sich die Herzogin, als älleste deutsche Fürstin, einer für ihr Alter geradezu erstaunlichen Frische des Körpers und des Geistes. Bei den wellverzweigten verwandt- chaftlichen Beziehungen beschwört ihr Hinscheiden eine fast internationale Hoftrauer herauf. Heer mtb Flotte. Aus de? Rangliste für das Jahr 1902. lieber das Zahlenverhältniß zwischen den adeligen und bürger- Kchen Offizieren des Heeres geben wir folgende Zu- ammenstellung: Die 3 Generalfeldmarschalle, die 6 Generalobersten und die 60 Generale der Infanterie, Kavallerie ober Attillerie sind sämtlich adelig. Unter den 91 Generalleutnants sind 11 Bürgerliche, das sind 12,1 v. H. gegen 14,3 im Jahre 1901 und 18,2 im Jahre 1900, sodaß der Anteil der Bürgerlichen im Dienstgrade der Generalleutnants erheblich gesunken ist, während er im Dienstgrade der Generalmajors im letzten Jahre nicht unwesentlich gestiegen ist; denn es sind unter den 171 Generalmajors 56 Bürgerliche, das sind 32,2 v. H. gegen 28,5 und 28,4 in den beiden voraufgegangenen Jahren. In der gesamten Generalllät sind demnach 67 Bürgerliche vorhanden gegen 63 im Jahre 1901 und 69 i. I. 1900; es sind dies 20,2 v. H., während i. I. 1901 der Anteil der Bürgerlichen an der Generalllät 18,7, L I. 1900 19,5 v. H. betrug. Unter den 231 Obersten der Infanterie sind 94 mrgerliche, d. i. 40,7 v. H. gegen 43,1 st I. 1901, 39,1 l I. 1900 und 34,9 st I. 1899. Nach einer starken Steigerung ist also jetzt der Anteil der Bürgerlichen nicht unwesentlich z urückgegangen. Bei der Kavallerie mb von 54 Obersten nur 3 bürgerlich, b. st 5,6 v. H. gegen 3,2 im vorigen Jahre. Bei ber Feldartillerie sind unter 35 Obersten 29 bürgerlich, also 82,9 v. H. gegen 84,2 im vorigen Jahre. Bei der Fußartillerie giebt es nur bürgerliche Obersten, ebenso auch beim Train. Im Jngenieurkorps sind unter 18 Obersten 16 oder 88,9 (1901 92,3) v. H. bürgerlich, bei den Verkehrstruppen unter 3 Obersten 2 ober 66,7 v. H» und bei der Gendarmerie unter 12 Obersten 5 ober 41,7 v. H. bürgerlich. Von den 4 Obersten der ost- asiatischen Truppen, Schutztruppen u. s. w. sind 2 oder 50 (1901 40) v. H. bürgerlich. Insgesamt sind unter den 375 Obersten 168 oder 44,8 v.H. bürgerlich gegen 44,3, 41,9 und 39,2 in den drei voraufgegangenen Jahren. Unter den Oberstleutnants find bei der Infanterie 43,1 (1901 43,6), bei der Kavallerie 18,0 (14,3), bei der Feldartillerie 76,2 (86,1), bei der Fußartillerie 100,0 (95,4), im Jngenieurkorps 84,6 (90,0), bei den Verkehrstruppen 100,0 (50,0), beim Train 100,0 (80,0), bei den technischen Instituten 80,0, in der Gendarmerie 71,4 (77,8) und bei den ostaficllischen rc. Truppenteilen 80,0 (66,7) v. H. bürgerlich. Von sämtlichen 353 Oberstleutnants find hiernach 171 bürgerlich, das sind 48,4 v. H. gegen 51,1 und 52,5 in den beiden Vorjahren. Von den Majors sind bürgerlich bei der Infanterie 52,5 (1901 53,2) v. H., bei der Kavallerie 20,2 (22,0), bei ber Feldartillerie 76,7 (75,1), bei der Fußartillerie 97,6 (96,5), beim Jngenieurkörps 94,1 (91,2), bei den Verkehrstruppen 87,5 (88,2), beim Train 84,0 (88,0), bei den technischen Jnstitillen 90,0, in der Gendarmerie 26,7 (41,2 und bei den ostasiatischeu rc. Truppen 45,0 (48,9) v. H. Von sämtlichen Majors find 57,0 v. H. bürgerlich gegen Gd.-Jäger-, Gd.-Schützen- und 7. Jäger-Bataillon nur adelige Offiziere. Bei der Garde-Jnsantene stehen nur noch 5 (1901 7, 1900 10) bürgerliche Offiziere, nämlich 1 Hptm., 1 Oblst und 3 Lts. Die meisten Orden hat von allen in der Rangliste Aufgeführten der Gen.-Lt. ä la suite der Armee unb Zeremoniemneister Graf zu Eulenburg mit 66; dann olgen der Generaloberst v. Hahnke mit 56, der Gen.-Lt. ä la suite der Armee und Lbergewandkämmerer Gras v. Perponcher mit 48, Prinz Heinrich von Preußen mit 47, der Reichskanzler Graf v. Bülow, der in der Rangliste noch als Rittmstr d. Res. des 7. Hus.-Regts. aufgeführt ist, rnll 47, der dienstthuende Generaladjutam des Kaisers Gen.-Lst v. Scholl mit 46, Prinz Albrecht von Preußen mit 46 und der kommandierende General des Gardekorps Gen.-Lt. v. K e s s e l mit 43 Orden. Graf Wald er* s ee besitzt 40, Fürst Herbett Bismarck 39, Prinz Friedrich Leopold 36 Orden. Auch der Kronprinz hat berells 36 (im vorigen Jahre 32), Prinz Eitel Friedrich 14 (12), Adalbert sogar 15 (7) Orden. Keueralveröandstag der Raiffeisen-Hrganisatiou Neuwied, 10. JE Die ganze Tagung stand unter dem Zeichen der Einweihung des Denkmals für den Vater des ländlichen Genossenschaftswesens, die heute unter dem Lchreupräsidtumi des Fürsten zu Wied erfolgst Das Hoch auf den Kaiser und die deutschen Bundes* fürsten, mit dem Generaldirektor Heller die Tagung eröffnet, braust mächtig empor. Es ist eine Freude, den? Ausführungen ber einzelnen Redner zu lauschen, und sich des einigen Kraftbewußtseins zu freuen, das allen Ausführungen aus Ost und West, Süd und Nord gemeinsam isst Ein Mitglied brachre den Wtrag ein: „Wir billigen das Schweigen unseres Genossenschastsblattes gegenüber den fortgesetzten Angriffen der Leitung des Allg. Verbandes deutscher Erwerbs- und Wirt^ s ch a s t s g e n 0 s s e n s ch a f t e n" in den „Bst für Genossene cha ft en" (Schulze-Delitzsch). Abgesehen davon, daß eine Auseinandersetzung bei ber meist hämischen 2trt dieser Angriffe höchst unfruchtbar wäre, ist, das (allerdings traditionelle) Gehaben dieses Verbandes, als sei er tm Volk besitze genossenschaftlicher Weisheit und darum der berufene Vormund des ländlichen Genossenschaftswesens, heute weniger als je ernst zu nehmen." lieber diesen Antrag wurde zur Tagesordnung übergegangen mit der Begründung, daß die Angriffe des Schulze-Delitzsch'scheu Verbau* des einer Abwehr von seilen der Raiffeisen-Organisation „nicht wert" seien. Der Geschäftsbericht des Generaldirektors weist die ruhige und stetige Auf wärtsentwickelun g des ländlichen Genossenschaftswesens Raiffeisenscher Organisation auf. Die Zahl der angeschlossenen Genossenschaften ist von 3713 im Vorjahre auf jetzt 3850 gestiegen. Der Jahresumschlag betrug im Geldverkehr 540 Mllltonen gegen 460, Millionen im Vorjahre. Die Zentraldarlehenskasse ist im stände, vermöge chres Reingewinnes von 225 000 Mark ihren Aktionären, den Vereinen, eine Verzinsung von 4 Prozent zu bieten. Bemerkenswert ist die Erscheinung, daß Osten und Westen innerhalb des Zentralverbandes im Geldausgleich und gewinnbringenden Warenverkehr sich glücklich ergänzen. Die Einigungsbestrebungen zwischen Neu-., wied und Offenbach haben nach dem Bericht des Generaldirektors zu den'erwarteten Ergebnisse nicht geführt. Die gemeinsam mll dem allgemeinen (Offenbacher) Verband geplante Gründung einer Reichs g e n 0 s s en- schaftsbank ist von letzterem Verbände allein ans- geführt worden, bevor es dem Aufsichtsrate der Raiffeisen- Organisation möglich war, eine Entscheidung über diese Sache zu treffen. Interessant war noch die Darlegung, daß und warum die Raiffeisen-Organisation sich an dem Unternehmen der Erwerbung von Salpeterfeldern in Chile, in das der Offenbacher Verband, der Bund der Landwirte und die christl. Bauernvereine eingetreten sind, nicht be- teiligt^hast Es erschien der Verbandsleitung zu gewagt, die Erfolge jahrzehntelanger Arbett auf eine Karte zu setzen, zumal die Sache spekulativen Charakter trägt Jedenfalls ging daraus, wie ans der späteren, sehr lebhaften Debatte über die einzusch,lag ende Zinspolitik hervor, wie vorsichtig die Raiffeisensche Organisation in chrer Finanz- v er waltung isst Bei der heute nachmittag erfolgten Gnthüllun gpes Raiffeisendenkmals in Heddesdorf verlas Erbprinz Wied namens seitens Vaters die Weiherede. Der Fürst von Wied gelobte festzuhallen an den Bestrebungen Rolfs-' eisens und legte einen Kranz nieder, der die Widmung trug: „Meinem Freunde Raiffeisen." Zahlreiche Vertreter aus deutschen Gcmen, auch aus England, Frankreich, Holland usw. legten ebenfalls Kränze am Denkmal nieder. Generaldirektor Heller übernahm das Denkmal in seine Obhut. Nach der Denkmalsenthüllung fand ein Festessen statt, an dem über 2000 Personen teilnahmen. Das Denkmal zeigt Raiffeisen im kräftigsten Mannes- alter, wie er mit ausgestreckter Hand zu dem Landvolle: spricht. In zwei packend modellierten Reliefs ist sein Lebenswerk versinnbildlicht Das erste stellt ihn als Tröster und Helfer eines ansgewucherten, verzweifelten Bauern Dar, das- andere zeigte denselben Bauer, jetzt aufrecht, wie er in froher Dankbarkeit Raiffeisen die Hand schüttelt Das erste Relief trägt den Spruch: ,L8as chr gethan habt, einem der Geringsten meiner Brüder, das habt chr mir gethan", das zweite: „Hilf dir selbst, so hllft dir Gott." die deutschen Schweizer. Es giebt Leute, die diesen Aus- chruch unmittelbar in sein Gegenteil kehren, die da behaupten, man muß Schweizer sein, man kann Deutscher, Franzose oder Italiener sein. Diese polttischen Epigonen sind kurzsichtige Oppottumtätspolitiker und sicher wird eine Zett kommen, da man auch in der Schweiz zu einer besseren Erkenntnis kommen wird. Nur wenn die deutschen Schweizer an der Mahnung Gottfried Kellers Festhalten, werden sie ihre Stamm e secgenatt und ihre politische Selbständigkett behaupten. Der Rektor der Universität Bern, Prof. Dr. Augu Qncken, hat der ^Franks. Ztg." eine umfängliche Zuschri übersandt, um den abfälligen Deutungen entgegenzutrelen, die der vieleröttette Beschluß des Hochschulsenats m der Angelegenheit des Profi Vetter vielfach gefunden hat Prof. A. ^Oncken bestreitet, daß diesem Beschluß eine politische Tendenz zu Grunde gelegen habe. Für den Senat sei die Rede nur als eine Angelegenheit des TaktiS feines Delegierten in Frage 56,8 t I. 1001, 55,3 i. I. 1900, 53,9 i. I. 1899 und 53,8 l I. 1898. Unter sämtlichen 2192 (1901 2242) Stabsoffizieren sind 1174 (1206) bürgerlich, das sind 53,6 v. H. gegen 53,8 L I. 1901, 52,7 l I. 1900, 51,1 L I. 1899 und 50,6 t I. 1898. Der Anteil der Bürgerlichen an der Gesamtzahl der Stabsoffiziere, der in den letzten Jahren langsam geftiegen war, ist also jetzt ein wenig zurückgegangen. In den unteren Dienstgraden treten die bürgerlichen Offiziere mehr hervor, doch giebt es nach wie vor eine große Anzahl von Truppenteilen, aus denen das bürgerliche Element ausgeschlossen ist. Wir zählen 35 (1891 34) Regimeter, die ein durchweg adeliges Offizierkorps haben; es find dies das 1^ 2^ 3. und 5. Gd.-Gren.-Regt, alle 8 Gd^-Kav.-Regt, das 1., 2., 3., 4. und 6. Kür.-Regt, das 2., 3„ 4., 12., 17., 18. und 19. Drag.-Regt, das 3., •L, 7. und 10. Hus.-Regt, das 5., 9. und 13. Ul.-Regt, und das 1. Gd^ Feldart^Regt Außerdem haben noch dos Der Leipziger Bankprozetz. XVIL Leipzig, 10. JE. Als Zeugen wurden vernommen Kaufmann Paul Schröder, Kaufmann W. Dodel, der Bruder des Angeklagten. Heinrich Dodel, Hrch. Girbardt, SoKius des Wgeklagten Wölker. Sie behmben übereinstimmend, sich, noch im Februar bezw. April 1901 bei ihren Brüdern, bezw. dem Sozius, nach der Steigerungsfähig kett des Kurses der Leipziger Bank erkundigt und auf deren Auskunft hin größere Posten gekauft zu haben. P. Schröder entäußerte sich^ später wieder aus geschäftlichen Rückfichten seines Mttenbesitzes, während W. Dodel und Girbardt bei dem Zusammenbruch der Bank namhafte Verluste erlitten haben. Zeuge Chemiker Bertram hat im Auftrage der Bank im April 1901 eine Besichtigung der Neheimer Anlage vorgenommen und als Ergebnis dieser Verkohlungscullage eine günstige Rentabilität gefunden. Auch die von ihm mit Gentzsch zusammen besichtigte Anlo^ in. Fiume hat ffuf ihn einen guten Eindruck gemocht. ebenso die Anlage hx Bettenhansen bei Kassel. Der Gerichtshof beschloß hierauf, den früher als Zeugen verhörten Hermann Sumpf aus sein Ansuchen von dem weiteren Verweilen an der Grrichtsstelle mit dem Vorbehalt zu entbinden, daß er, falls der Zeuge A. Schmidt jede Aussage ablehnen sollte, sofort wieder zu erscheinen habe. Zugleich wurde beschlossen, diesen Zeugen mit Rücksicht auf § 56 Absatz 3 der Strasprr>zeßorduung (Verdacht der Teil- nahmean einem Gegenstand der die Untersuchung bildenden That) nichjt zu vereidigen. Es wird dann Angeklagter Gentzsch vernommen, der isch offen krib unumwunden zu der Verschleierung bekennt. Er ist der Meinung, daß sä m t l iche Herr en des Aufsichtsrates sich auch der Verschleierung bewußt gewesen seien, aber nicht an die Möglichkeit des Zusammenbruches geglaubt haben. Der Gerichtshof beschäftigt sich hierauf mit der Aufsicht^ ratssitzung vom 16. März 1901. Es wurde damals beschlossen, im Hinblick aus die vielfachen Angriffe aus die Trebergesellschaft in der bevorstehenden Generalversammlung der Bank Aufklärung zu geben. Es sollte dabei alles vermieden werden, was zur Diskreditierung der Treber^ gesellschaft und zur Erschütterung des Vertrauens ^ur Bant führen könnte. Man war sich einig in diesem Bericht, mit dem man etwaigen Anfragen der Aktionäre zuvoy- Lommen wolle, alle Zeugen über die Höhe deS Engagements des Treberkor^erns zu vermeiden. Angeklagter Exner hat aus Veranlassung Sachsenröders einen Bericht versaßt und chu Gentzsch und dem Juristen der Bank zur Begutachtung vorgelegt. Gentzsch hatte keine Erinnerungen zu machen, auch sämtliche Aussichsratsmitglieder sagten aus, daß das Expose der Wahrheit entspräche. SLmfliche Mitglieder des Äuf- sichtsrats meinten, es wäre geradezu eine Pflichtverletzung gewesen, wenn man die Zahlen bekannt gegeben hätte. Exner sagt, daß das Expose der Wahrheit entsprochen habe. Wenn dies eine Bersch l e i e r u n g sei, dann habe er sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht, aber bewußt sei er sich dessen nicht gewesen. lieber die Erklärung giebt Angeklagter Dodel näheren Aufschluß. Nach seiner Erinnerung ist das Expose einfach verlesen worden, man war damit einverstanden und hat es ohne jede Diskussion gebilligt, weil alle Mitglieder, speziell auch er, der Ueberzeugung waren, daß das Expose dem entspreche, was der Aufsichtsrat sagen durfte und was zu sagen war. Bei der ^Verlesung sei ihm nichts bewußt gewesen, aber er giebt zu, in einer privaten Unterredung von Sachs enröd er gehört zu haben: enn wir die ganze Wahrheitsagen,ist alles aus." Dr. Gentzsch hatte vorher die gleiche Aeußerung Sachsenröders zillrt, welche lautete: „Wenn das keine Ver schlei ernnsg ist, dann weiß ich nicht." Angeklagter Meyer schließt sich den vorausgehenden Ausführungen an, er müsse aber dem Dr. Gentzsch entgegen- treten, daß die Erklärung etwas Straffälliges einschließe. Nach der Aussage des Angeklagten Wölker entspricht die Erklärung Meyers auch seiner Auffassung, Verteidiger Zehme meint,, hätte Gentzsch Bedenken bei dem Bericht gehabt, so hätte er als Ehrenmann sagen müssen, wir verstoßen gegen djas Gesetz. In gewissem Sinne seien die Aufsichtsratspritglied er durch das im voraus schon fertig gestellte Protokoll getäuscht worden Die Angeklagten Vörster und Wölker leugneten ebenfalls jeden Doms. Nach einer kurzen Pause äußert sich Sachverständiger Plauth dahin, das Expose sei von A bch Z eine thatsächliche Verschleierung aller Verhältnisse. Wasg esag t s ei, sei nicht so schlimm, als das, was verschwiegen worden sei. Der Zeuge Emil Rüggeberg, früherer Besitzer der an Kassel verkauften Anlage in Neheim, berichtet über die rotierenden Retorten, die verschiedentlich technische Mängel hatten, aber bei denen eine wesentlich höhere Ausbeute als bei den liegenden Retorten zu erzielen gewesen sei. Die Versuche mit bent neuen Verfahren seien 29 Tage lang gemacht worden, aber die technischen Mängel waren thatsächlich ungemein groß. Aus Stadt und Zand. Gießen, 11. Juli 1902. '* Aus der Kammer. Eine Anfrage des Abgeord. Pitthan, ob die Regierung geneigt ist, Auskunft zu geben, wie weck die Projekte der Nebenbahnen Wendelsheim— Badenheim—Kreuznach ihrer Ausführung entgegen» sehen können, ist soeben dem Bureau der Zwecken Kammer zugegangen. *• Vertretung im Hess. Landtage. Die„W.Ztg." kann bestimmt mckteilen, daß Oberbürgermeister Kühler, der seckher die Stadt Darmstadt im Landtag vertreten hat, sich um sein seitheriges Mandat nicht mehr bewerben wird. *• Für die Dienstboten. Wenn man sich in unseren Lagen auf die Wohnungssuche begiebt, ist man oft freudig überrascht, wie fürsorglich der Baumeister auf Bequemlich- kecken Acht gegeben hat. Der Abstand gegen die allen Mietskasernen ist groß. Aber es verlohnt sich wohl, auf einen vielfach beobachteten Uebelstand aufmerksam zu machen. Es betrifft das die Räume • für die Dienstboten. So viel Geschmack und Geschick der Baumeister auf die Herstellung einer komfortablen Wohnung verwendet, für die Dienstboten muß er den elendesten Winkel aussuchen. Die einen verweisen die Mädchen auf den Korridor, der ist ja groß; in einem anderen Hause wird als Mädchenraum ein Loch in der Wand des finsteren Korridors gezeigt, der die frische Luft aus Küche und Kloset bezieht. Dort endlich wird dem Mädchen ein Hängeboden angewiesen oder irgend ein Bretterverschlag auf diesem, in den im Winter durchs schlecht schließende Fenster die Kälte dringt. Hinzuzufügen ist da weiter nichts, als daß solche Wohnungen vielfach mit Erker, Balkon, Veranda oder gar Loggia versehen sind, das ist ja sehr viel wichtiger. Wir möchten unseren Architekten recht dringend eine bessere Fürsorge für unsere Dienstboten ans Herz legen. -k. Bad-Nauheim, 10. Juli. Unser Stationsgebäude, das nach Schluß der vorjährigen Saison in Umbau genommen wurde, ist nunmehr in seinem Aeußeren und Inneren fast vollständig ferllggestellt; ebenso sind die Ueberdachungsarbeiten der Bahnsteige vollendet. Das Ganze erweist sich m seiner feinen Totalausführung in jeder Beziehung als ein allen Anforderungen entsprechendes Empfangsgebäude. Sehr anerkennenswert ist, daß von maßgebender Stelle mit der Ausführung der Arbetten in der Hauptsache hessische Firmen betraut wurden. Die Bauausführung hatte Bauunternehmer Winn aus Gießen, die Beleuchtungskörper Lehmann, Bad-Nauheim, die Jnnen-Dcköration und Aus- tdüung der Wartesäle, Damenzimmer rc. fertigte Möbelfabrikant Th. Brück in Gießen, dem auch jetzt noch die Lieferung des Fürstenzimmers übertragen wurde. w Nid da, 10. Juli. Am nächsten Sonntag wird die katholische Kapelle hier eingeweiht werden. Zu der Feier sind zahlreiche Einladungen ergangen. Dem Vernehmen nach wird der Bischof erst in einigen Wochen kommen, um die Firmung zu spenden. w Dauernheim, b. Nidda, 10. Juli. Gestern wurde hier das Dekanatsmissionsfest des Dekanats Nidda gefeiert. Der Tag war für die Gemeinde ein Feiertag. Das ganze Dorf war mit Kränzen und Fahnen geschmücll. In dem bis zum letzten Platz gefüllten Gotteshaus predigten am Vorm. Pfarrer Wahl von Niederflorstadt u. Missionar Fl ad; am Nachm. der Letztere und Pfarrer Metz von Wallernhausen. Missionar Flad wußte durch seinen einfachen und doch packenden Vortrag die Zuhörer zu sesieln. Der Posaunenchor aus Ober-Mockstadt unter Leitung des Pfarrers K a l b h e n n begleitete nachmittags die Gesänge. Die Kollekte betrug 75 Mark. Offenbach, 10. Juli, lieber unsere Gegend ging gestern Nachmittag ein schweres Gewitter mit wollenbruchartigem Regen nieder, das, wie wir bereits mckteilten, in Heusen stamm sehr großen Schaden anrichtete. Gegen 5 Uhr traf ein Blitzstrahl die kath olische Kirche. Ein donnerartiges fürchterliches Krachen schreckte die Bewohner auf; einen Augenblick herrschte lauüose, ängstliche Stille, dann aber erscholl auf allen Straßen der Schreckensruf: „Die Kirche brenntI" Den herzueckenden Bewohnern bot sich alsbald ein schauerlicher Anblick. Der ganze Thurm und das Dach der Kirche, sowie eine benachbarte Hofraithe standen in Hellen Flammen. Die alsbald zur Stelle eckende fteiwillige Feuerwehr konnte des verheerenden Elements nich Herr werden. Erst, nachdem die benachbarten Wehren aus Obertshausen, Bieber und Offenbach, letztere mit einer Dampfspritze, wirkungsvoll mit eingriffen, wurde das Feuer au: seinen Heerd beschränkt. Der strömende Regen erwies sich als sehr erwünscht, da er eine größere Ausdehnung des Feuers mit verhütete. Die Kirche hat unter dem Feuer sehr schwer gelitten. Der Thurm ift bis auf den Glockenstuhl abgebrannt und die Decke völlig eingestürzt. Nur mit großer Mühe und unter hoher Gefahr konnten die Monstranz und einige Kelche gerettet werden. Den empfindlichsten Schaden traf die Kirche im Innern. Die vor Kurzem erst durch Gra von Schönborn unter einem Kostenaufwande von 70000Mk. gestifteten herrlichen Malereien sind vollständig vernichtet, Der übrige Schaden am Thurm und Dach dürste nicht viel weniger betragen. In der benachbarten Hoftaithe brannten ein Stall und eine Scheune total nieder. Den Feuerwehren gebührt für ihr energisches, rasches Eingreifen höchstes Lob. (?) Franksurt, 10. Juli. , Die zwei letzten Wochen waren für den Z oologische n Garten von großer Bedeutung; neue Säugetiere und zahlreiche Vögel und Rep- ttlien sind in den Tierbestand eingereiht worden. Von Raubvögeln oerbient zunächst ein „Streitaar" Erwähnung, ein gewaltiger, habichtartiger Falle von Südamerika. Fünf Uhus sind in einem neu aufgestellten Käfig (am Elefantenhaus) im Dunenkleide zu sehen, in dem sie ein vom erwachsenen Vogel völlig verschiedenes Aussehen haben. Die Seeadler wurden um ein weiteres Exemplar vermehrt und ein Steinkauz (das volkstümliche Totenkäuzchen) sowie eine Waldohreule wanderten als Geschenke in die Burgruine. An katzenartigen Raubvögeln wurde ein amerikanischer Luchs und zwei aftikanische Wüst en luchse, schöne, aber unbändige Exemplare, die jeden am Käfig Vorübergehenden anfauchen, angeschafft. Eine Paguarundi-Katze stellt eine Seltenheit aus Südamerika dar, und eine noch größere Rarität erhielt der Garten in einer kohlschwarzen Varietät der brasilianischen Tigerkatze. Unter den Schlangen sind zwei ceylonesische Peitschenschlangen von hellgrüner Farbe mit goldenen Augen besonders elegante Erscheinungen; ihr dünner Körper gleicht genau einer herab- häugenden Leine, und der spitze Kopf wiegt leffe hin und her, wie ein Zweig, den der Wind bewegt. Frankfurt a. M., 9. Juli. Der Rabbiner-Ver- b and besprach in der Schlußsitzung die religiös-sittliche Erziehung der schulentlassenen Jugend und nahm eine Erklärung an, welche die Gründung von Jünglings- und Mädchenvereinen nach dem Vorbckde derarttger christlicher Vereine empfiehlt. Der Berichterstatter Eschelbacher-Berlin befürwortete auch die Unterstützung der jüdischen Studenten- rereine, obwohl sie auf zionistischer Grundlage stehen. Die Versammlung lehnte nach längerer Erörterung die Stellungnahme zu diesem Punkte ab. — Die Stadtverordneten lehnten den Antrag des Magisttats auf Verkürzung der Messen ab, genehmigten aber die Aufhebung der Schaustellungen auf dem sogenannten Juxplatz. Balduinstein, 10. Juli. Prinz Heinrich der Niederlande ist heute Abend 9 Uhr auf dem Bahnhofe in Diez eingetroffen und wurde von der Königin Wilhelm in a herzlichst begrüßt. Die Herrschaften begaben sich nach Schloß Schaumburg. Vermischtes. • Fort de France, 10. Juli. Gestern erfolgte em furcht barer Ausbruch des Vulkans von 7% Uhr bis Mitternacht, welcher die Bevölkerung in den größten Schrecken versetzte. Der Umfang der Verwüstungen ist unbekannt. Die Telegraphendrähte sind geschmolzen. Man fürchtet für die englische Mission, welche in Carbet ankerte. * Konkurs eines Fürsten. Fürst Ludwig zu Salm-Kyrburg auf Schloß Henneburg in Oesterreich hat wegen Zahlungsunvermögen den Konkurs angemeldet. Der Fürst hat sich durch fein luxuriöses Leben eine Schuldenlast von insgesamt 1141450 Mk. auf gebürgt, während den zahlreichen Gläubigern nur 17 000 Mk. zur Verfügung stehen. Universitäts-Nachrichten. — Der Würzburger Professor Dr. Anton Ehrouft, der mittelbar den bekannten dortigen Universitäts-Sturm heraus- beschworen hat, erläßt eine Erklärung, derzufolge er weder Ezeche sei, wie behauptet worden war, noch „ U l t ra- montaner". Er sei vielmehr in Graz von deutschen Ettern ae- boren, sei Schriftführer des Vereins „Südmack" gewesen und bekenne sich offen als Anhänger der deutschen Volkspackei in Steiermark. Seiner politischen Richtung nach fei er national und liberal, allerdings nicht nationalliberal. — In der Münchener ^Medtnz. Wochenschrift' nimmt auch der Aerztestand Stellung gegen den Kuttusmimster v. Landmann, gegen den in den gebildeten Kreisen Bayerns eine tiefgehende Erbltterung herrsche. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Worms, 10. Juli. Die zur Sinsheimeckschen Konkursmaffe, gehörige utüer der Firma Wormser Leiterfabrik, Adolss Sinsheimer bestehende Leiterfabrik steht en bloc mit allen Warenvorräten, Maschinen und Aickagen, einschließlich der drei irr die Gebrauchslnusterrolle des Kaiserl. Patentamts eingetragenen Gebrauchsmuster, sofort zum Veckauf. Paris, 10. Juli. Die Gläubigerversammlung bet. Geisse (iönerale des Camilles nahm einen so stürmischen Verlauf, daßs der Vorsitzende, Handelsckchter Racine, sich nach den ersten Ab°l stünmungen veranlaßt sah, eine Pause eintreten zu lassen, um dann ausemanderzusetzen, daß ein Antrag auf Falliterklärung vorläufig unzulässig sei. Die Versammlung timne nur den gerichtlichen^ Liquidator bestätigen und zwei Kontroleure ernennen, auf decew Bericht hin erst das Handelsgericht die Falliterklärung aus sprechest könne. Die Versammlung faßte schließlich entsprechende Beschlüsse^ Der Vorsitzende konstatierre ausdrücklich, daß der DirektionsberichL die Aktiva übertrieben und die Passwa unterschätzt habe; bxe. Gläubiger könnten nur auf etwa 20pEt. rechnen. Belgrad, 10. Juli. Der Abschluß einer 5proz.Millionen» Anleihe mit der Pariser Bankgruppe steht bevor. Devj Emissionskurs beträgt 80pEt. Der serbischen Regierung werderp 15 Millionen sofort zur Verfügung gestellt. Der Rest bis zmst 1. Jmri 1903. — Darmstädter Bant. Wie es heißt, werden zwischen den Kaligeweckschaft Ronnenberg und der Darmstädter Bank Der»: Handlungen geführt, wonach der Gewerkschaft von der Bank neue Mittel gewährt werden sollen. — Streit um die Lieseruugsbediuguugeu. Das in Ham- bürg erscheinende Fachblatt „Der Herren-Konfektionär" schreibt: „Die Stettiner Herren- und Knaben---Korr- fektionäre, die bekanntlich eine führende Stellung in der Branche einnehmen, haben sich dcchin verständigt,, von den Tuch- fabrcken nur noch unter ganz bestimmten Bedmgungen zu kaufen, deren stckkte Einhaltung sich für sie als Bedürfnis hermchgestellt hat. Das verembarte Skonto soll stets als Waren-, nicht als Zahlungs-Skonto angesehen werden; für Waren, deren Fehler sich erst nach der Verarbeitung Herausstellen, soll der Fabrikant vollen Schadensersatz leisten, ebenso auch das, was bet nicht nadelfeckiger Ware einläufl, vergüten uird endlich soll auf thunlichste Einhalttmg der Lieferfristen beftanben werden — Forderungen, deren Berechtigung man urtbedingt anerkennen muß. Tie Tuchfabriken haben zwei Firmen (S. Lewin und Leopold Juda) in Stettin diese Bedingungen bereits seit längerer Zett zugestanden, weigern sich nun aber, sie auch den übrigen Stettiner Konfektionären einzuräumen. Darauf antroorteten nun diese letzteren mit einem kategorischen „Wir kaufen nichts", das jeder Veckreter einer Tuchfabrik zu hören bekam, die nicht auf gründ der einhettlicheu Kommissions-Kopie liefern will, die der Zerttralverband der deutschen Herren- unb- Knaben-Kleiderfabrikanten unter Festlegung der oben bezeichneten, Gesichtspunkte aufgestellt hat. Von dtesem Verhalten soll auch in gukunft nicht abgegangen werden und, wie wir aus zmxstlässiger. uelle hören, haben sich die Tuchfabriken auch bereits gefügt, und zwar selbst diejenigen, die noch vor firnem in öffentlicher Erklärung die Bedingungen der Konfektionäre am unannehmbar bezeichnet haben. Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzerr. Juli s Höchste Temperatur am 10. bis 1L Juli 22,3° C. Niedrigste „ „ 10. „ 11. „ 13,8*0. Bed. Himmel Äegen * — a "H CD .9*05 So? Absvl euchti Nelat euchti CSD 10. 2“ 738,6 21,3 9,7 52 WNW. 6 10. 9=6 737,7 144 10,4 87 WSW. 2 11. 726 741J. 11,7 Sck 89 w. 4 Wöchentliche Ueberfichtder Todesfälle mder Stadt Eießes. 24. Woche. Vom 8. bis 14. Juni 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26400 (inkl. 1600 Mann Militär)» Sterblichkeitsziffer: 16,06, nach Abzug von 6 Ortsfremden 4,01 °/oo* Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: L Verunglückung 2 (2) 2 (2) Miliartuberkulose 1 (1) 1 (1) Brechdurchfall 1 — Lebensschwäche 1 — Influenza 1 (I) 1 (1) Herzfehler 1 (1) 1 (1) unbekannter Ursache 1 (1) 1 (1) im Dt>m Lebensjahr: 2.—15. Jahr 1 — 1 — Summa: 8(6) 6(6) 2 — Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie vrell der Todesfälle in der betteffenüen Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. „Henneberg-Seide“ ZM ** schwarz, weiß u. farbig für Blusen und Roben von 95 Pfg. bis Mk. 18.65 p. Met. Absolut keinen Zoll zu zahlen! da die portofreie Zusendung der Stoffe durch meine Seidenfabrik auf deutschem Grenzgebiet erfolgt. — Nur echt, wenn birett von mir bezogen! Muster umgehend. [342^ WZähffi ^bsolügbestEs iMürfdwasserf der Weir, j 2737 ausgeführt von der 5027 Kamemberts-, Kronen- 703 4725 4302 bei Jos. 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