Mittwoch 11. Juni LVOT ISS. Jahrgang Zweites Matt. oßen Wasserstraßen wünscht, die preußische Re- Ganzes, Graf Bülow voran, die Erneuerung geplanten gro AeeHovens Wesse Kr. Aeußerlich Weg gegangen, sich die Messe, er doch ursprünglich >5 den wenn und wie Schluß, betrachtet, ersten anders Nr. 184 Erscheint t^ali«- außer Sonnlags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesflscheu Landwirt bte Siebener Kamillen- bläNer Diermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck u. Vertag der Brüh l'schen Nnivers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Vtebaftton, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: «azetger Gießen, nnsprechanschlliß Nr. bl. ■4' ist Beethoven er mußte es. MetzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen gierung als dieser Kämpfe für unzeitgemäß hält. Aber es würde allerdings einer Hinausschiebung der Kanalprojekte in ungewisse Zeit ziemlich ähnlich sehen, falls sich eine Mitteilung bewahrheitet, die ebenfalls der „Nationalztg." zugeht: daß angeblich in der Absicht liegt, die preuß. Wasserbauverwaltung von dem Ministerium der öffentlichen Ar- ungen versprach. Wer einmal die Engelstimme der Geige im Benedictus gehört hat, der wird diesen Eindruck nicht wieder vergessen. Daß es Beethoven auch beim Orchester um die Hervorbringung mächtiger Schallmassen zu thun war, beweist die für seine Zeit unerhört starte Besetzung, beweist vor allem die reichliche Verwendung der Posaunen, aber auch die fast raffiniert zu nennende Steigerung der Schallkraft in den Streichinstrumenten. Von fast beispielloser Wucht ist die Instrumentation jenes schon in den Stimmen so gewaltigen Omnipotens, nie ist die Leidensklage ergreifender instrumentiert worden _ als in der Begleitung zu dem Sub Pontio Pilato Passus des Chores. Besonders weich ist die Orchestersprache im Agnus Lei: „In den Seufzern, die das Thema umzittern, in den sich fortspinnenden flehenden Gängen der Geigen, in der aufs reichste abwechselnden solistischen Ausnutzung des Motivs breitet sich das Seelenleben der reuigen und Erbarmen heischenden Gemeinde sichtbar vor uns aus." Jedenfalls ist , die Gewalt der Orchesterbegleitung von der Geige bis zur Orgel, von der Flöte bis zur Pauke, so riesenhaft, daß die Stimmen auch eines sehr großen Chores Mühe haben, sich daneben Geltung zu verschaffen, und es ist, angesichts der aufs höchste gesteigerten "Anspannung der Orchesteressekte durch das ganze Werk hindurch, fast rätselhaft, Ivie Beethoven Zeltern gegenüber sich dahin äußern konnte, daß seine Messe „beinahe blos a la capella aufgeführt werden könne." Beethovens Messe gehört in die Kirche. Zwar kann sie ihrer ursprünglichen Bestimmung für den Gottesdienst nicht mehr zugeführt werden, und Beethoven hat das selbst gewußt. Tag er aber dauernd an die Kirche als den einzig möglichen Ort der Aufführung dachte, zeigt die durchgängige Verwendung der Orgel, ohne die eine sinngemäße Wiedergabe des Werkes zur Unmöglichkeit wird. Aber auch die Stimmung, in der er sein Werk schuf, zeugt dafür. „Mit Andacht" hat er über das Kyrie und über das Sanctus geschrieben, eine Bezeichnung, die sich sonst über seinen Kompositionen nicht findet, wie vrele zur Andacht stimmende Sätze wir iym auch verdanken mögen. Tie ganze Messe ist in Beethovens Sinne ein Lobpreis des Gottes, dem der Meister sich stets in Andacht nahte, wenn er die in seiner Handschrift über seinem Schreibtisch hängenden Worte las: „Ich bin, was da ist. — Ich bin alles was ist, was war und sein wird, fein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben. — Er ist einzig von ihm selbst, diesem Einzigen sind alle Tinge ihr Dasein schuldig." Ve»«g»pretSr monatlich 7b PI., viertel^ jährlich Alk. 2.20; durch, Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch! diePostMk.2.— viertel sährü ansfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für tue Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal I2Pf« auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit u. allgem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Land^ und „Gerichtssaal^:R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Deutsches Reich. Berlin, 10. Juni. Nach einer Meldung der „Schles. Ztg." verlautet in Wiener politischen Kreisen, daß Reichskanzler Graf Bülow Kaiser Wilhelm zu den russischen Seemanövern begleiten und auch der russische Minister des Aeußeren Gras L a m s d o r f f der Zusammenkunft beiwohnen werde. — In der Rechnungskommifsion des Reichstages legte der Abg. Dr. Hasse heute den Vorsitz nieder, weil er von keiner Seite die nötige Unterstützung gefunden habe; auch sei eine Einladung zu einer Kommissionssitzung vom Reichstagsbureau nicht beachtet worden. Die Angelegenheit wird später wohl noch das Plenum beschäftigen. Zunächst wählte sich die Kommission in dem Abg. Beck (nl.) einen anderen Vorsitzenden. alle Ausdrucksmittel verwertet, die der Musik überhaupt zur Verfügung stehen. Hatte schon Bach in der Verwendung der menschlichen Stimme fast Hebermenschliches geleistet, Beethoven überbot ihn. Mit vollendeter Rücksichtslosigkeit behandelt er das Stimmmaterial. Die Sänger uiib Sängerinnen mochten zusehen, wie sie mit den freischwebenden Einsätzen in den höchsten Tonlagen fertig wurden. Er wußte natürlich so gut wie jeder Andere, was er ihnen dabei zumutete, aber er wußte auch, was er ftir seine Zwecke nötig hatte. Und so sind ihm unglaubliche Wirkungen gelungen: Tas kolossale Omnipotens (Allinächtig) im Gloria, das vom Himmel durch die Welt zur Hölle führt, der riesenhafte Aufschwung des Gloria in excelsis Teo am Schlaffe des Satzes, das schmetternde Et resurrexis (Und auferstand) und das glorreiche Et vitam aeterni jaecuii (und ein ewiges Leben) im Credo, und viele andere Stellen legen Zeugnis davon ab, bis zu welchem Grade Beethoven die Grenzen der Ausdrucksfähigkeit menschlicher Stimmen zu erweitern vermocht hat. Mer auch wo er sich in den alten Grenzen hält, finden sich Tonsolgen von einer alles durchdringenden Wirkung, Stellen, die „von Herzen kommen und zu Herzen gehen", wie das Christe Eleison, das Pax hominibus (Friede den Menschen), das Suscipe deprecationem nostram (Nimm an unser Flehen), das Gratias agimus (Dank sagen wir), das Miserere im Gloria, das Qui propter nos homines (Der wegen uns Menschen) und die wunderbare Leidensklage im Credo, und nicht zuletzt das Dona pacem. Ihren höchsten Reiz aber erhält diese Gesangsmusik biird) die häufige Wechselwirkung zwischen Chor und Solostimmen, die fast nie einzeln — wie so oft bei Bach — sondern fast immer als Quartett auftreten. Wie diese Stimmen das In gloria Lei patxis amen zum Siege führen, wie sie bei der Verkündigung des Geheimnisses der Menschwerdung über dem leise murmelnden Chore schweben, wie sie das Sanctus, das Bene- dictus und das Agnus Dei psallieren, das vermag die Feder nicht zu beschreiben; man muß es hören. Mer wir haben es nicht mit der menschlichen Stimme allein zu thun. Ist bei Bach der Gesangschor die Hauptsache, so „dienen bei Beethoven die Stimmen der Menschen und der Instrumente gleichmäßig dazu, die unermeßlrchen Eingebungen seiner Phantasie in Tönen zu verkünden." Ja, man kann sagen, daß im Organismus seiner Messe das Orchester eine fast noch größere Rolle spielt als der menschliche Gesang. Er hat die Orchesterpartie mit der größten Sorgfalt behandelt und überall die Instrumente eingesetzt, von deren Klangfaroe er sich die größten Wirk- durchblicken, daß er eine solche Jnstruktton nicht empfangen hat. Heber die Haltung zu jenem Antrag gab es jur den Ministerpräsidenten „keinen Augenblick des Schwankens"; er habe hierbei ebenso auf das Verttauen der Krone wie auf die einstimmige Unterstützung des Staatsministeriums rechnen können. Das Wort „rechnen" ist besonders gut gewählt, indem es nochmals die Selbstständigkeit der Entschließung betont. Noch etwas anderes Darf zwischen den Zeilen gelesen werden: daß Graf Bülow sich im Vollbesitz der kaiserlichen Huld weiß Tie ausdrückliche Konstatierung enthält einen zarten Wink an die Konservativen, die Hoffnung fahren zu lassen, LV; vielleicht der Kaiser durch unmittelbare Darlegungen für eine veränderte Auffassung über die in der Zollpolitik einzuschlagenden Wege gewonnen werden könnte. wollte, als Kirchenmusik geeignet erweisen sollte. Das Kyrle mag auch noch Spuren davon tragen, daß er nicht von Anfang an sich von der Rücksichtnahme aus die liturgischen Bedürfnisse ganz freizuhalten wußte. Aber schon hier bricht sein Geist durch und vom Gloria ab sehen wir alle solche äußerlichen Rücksichten beiseite geworfen. Zwar die Form hat er auch in den späteren Sätzen nicht völlig durchbrochen, aber er ist insofern ganz dem Beispiel Bachs gefolgt, als auch er nunmehr nur wiedergeben wollte, was in ihm lebendig war, seine Auffassung der Textworte. Aber diesen Worten stcurd er anders gegenüber als Bach Bach war ein Mann der Kirche, wenn auch nicht der katholischen; sein kindlich frommes Gemüt versenkte sich gläubig in die heiligen Worte, die die Religion der Bibel zusammenfassen. Anders Beethoven. In der katholischen Kirche geboren und erzogen, lebte er dennoch ganz in den Gedanken und ,Bor- stellüngen der Auftlärmrg, nicht jener Aufklärung, die auf oas Heilige mit Fingern weist oder es dem Gespötte der Menge preisgiebt, sondern jener tieferblickenden, die das Heilige ehrt, ohne an seinen Formen zu hängen, aber auch ohne sie zu verlachen. 'Sie Überirdische Gewalt seines Textes packte ihn von Satz zu Satz mit wachsender Stärke. Es schüttelte iyn und rüttelte ihn. Als er die grandiose Fuge mit sich herumtrug, mit der das Credo abschließt, da ist er einmal tief in der dfeccht, nach langem Ausbleiben, im furchtbarsten Unwetter, mit bloßem Haupte, das halbergraute Haar von Regen ttiefend, erstarrt in seine Wohnung zurückgekommen. Er hatte nichjts gemertt, vor seinem Auge hatte das ewige Leben gestanden, und die Töne, in denen er den Glauben daran zu versinnbildlichen gedachte. Und immer höher trägt ihn der Geist. Es jubelt in ihm: „Himmel und Erde sind Deines Ruhmes voll." In die höchsten Sphären dringt er im Benedictas; es ist, als ob er sich schon wisse in den Gefilden der Seligen, bis ihn der Gedanke au die irdischen Gebrechlichkeiten wieder zurückruft und sein Gesang ausklingt in die Bitte um inneren und äußeren Frieden. Es ist unmöglich, weder mit kurzen noch mit langen Worten, eine ausreichende Vorstellung von der Riesenkraft zu geben, n;it der dieser Heros der Menschheit sein Bekenntnis — denn das ist die Messe — geformt hat. Er hat Politische Tagesschau Was Graf Bülow sestzufiellen wünscht. Graf Bülow legt Wert daraus, vor der Oeffentlich- feit zu konstatieren, daß er nicht nur der verantwortliche Staatsmann, sondern der Leiter der Polittk nach eigener Initiative, nach selbständiger Auffassung ist. Es war in einzelnen Blättern angedeutet worden, der Kanzler habe zuerst den Konservativen eine entgegenkommende Antwort auf den bekannten Getreidezollantrag im preußischen Abgeordnetenhaus gewähren wollen, dies habe jedoch der Kaiser verhindert. In einem sehr geschickt abgefaßten Entrefilet der „Nordd. Allg. Ztg." läßt nun Gras Bülow beiten loszutrennen und dem Landwirtschaftsministerium zu übertragen. Herr v. Podbielski geht zwar mit den parlamentarischen Vertretern der Landwirtschaft keineswegs durch Dick und Dünn; er gab wiederholt Beweise davon, daß ihm gewisse agrarische Forderungen ganz und garnicht imponieren; ja, man behauptete sogar, von.Herrn v. Podbielski, er sei allein der Mann dazu, den konservativen Widerstand gegen die Wasserstraßen zu besiegen. Sgerr v. Podbielski braucht deswegen nicht „Kanalmmister" zu werden, die Kanäle gehen den Verkehr und den Handel an — wie wenig berühren sie die Interessen der Landwirtschaft. Nicht Herrn v. Thielens Rücktritt, wohl aber die Loslösung Der Wasserbauverwaltung vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten wäre Balsam auf die Wunden Ale Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. 11-, .i.. —1 ■ ■■■ 1 "'.i — .. Kie Maricnöurger Rede Kaiser Wilhelms ifat dem czechis chen Radikalen Klosac Anlaß zu einet unverschämten Anpöbelung des deutschen Reichsoberhauptes im österreichischen Abgeordnetenhause gegeben. Abg. Klosac richtete in seiner gänzlich deplazierten Wut über die Kaiserworte, die aus die in Preußen lebenden Polen gemünzt waren, eine „Anfrage" an den Präsidenten und sagte: Der deutsche Kaiser hat sich diesmal mit seiner Marienburger Rede öffentlich an die Spitze der Alldeutschen Propaganda gestellt und Ausdrücke gebraucht, die bisher vlos aus dem Munde von Agitationsrednern gehört wurden. Wenn ein gewöhnlicher Mensch von polnischer Frechst und sarmatischem Uebermute spricht, ist das blos ein Merkmal ungenügender Bildung, „wenn jedoch ein Kaiser solche Worte führt, für dessen Dynastie bei Sedan Ströme polnischen Blutes vergossen sind, ist dies ein Beweis, daß der Uebermut anderswo zu suchen fei". Doch der deutsche Kaiser hat diesmal nicht blos von -den Polen gesprochen, sondern in Gegenwart eines hohen österreichi- jd^n Würdenträgers „gewagt, die Deutschen auch außerhalb des deutschen Reiches zum Kampf gegen das Slawentum aufzufordern. Ta hört jede Rücksicht auf. Die Regierung ist verpflichtet, tue entsprechenden Maßnahmen zu treffen und gegen solchenpreußischen Hebermut energisch aufzutreten. Indem wir den Präsidenten ersuchen, den Ministerpräsidenten auf diese Angelegenhell aufmerksam zu machen, antworten wir auf di.e M a - rienburger Rede mit Pfui!"- Der Redner, den die Czechisch-Radikalen mit wütenden Zwischenrufen und Beifallsklatschen begleiteten, wurde vorn Präsident wiederholt mit der Bemerkung unterbrochen, das „Oberhaupt des uns Verbündeten Staates nicht in bie Debatte zu ziehen" und zur Ordnung gerufen. Tie Zwischenrufe und anhaltenden BeschimpfungendesdeutschenKaisers sind nicht wiederzugeben. Bei dieser Szene war das Haus fast geleert. Ten Schluß der Sitzung bildete andauernder großer »Lärm. Ausführliche Berichte liegen zur Stunde noch nicht vor. der Agrarier, gewissermaßen ein „Versöhnungsopser" für des Grafen Bülow kategorisches Auftreten im Abgeordnetenhaus. Es bleibt abzuwarten, rvas die Organe der Regierung zu der aufsehenerregenden Meldung der „Nationalzeitung" sagen werden. Ausland. London, 10. Juni. Die Stadt trifft bereits Vorbereitungen für die Beleuchtung der Straßen und öffentlichen Gebäude aus Anlaß der Krönungs feier. Tie Ausgaben zu diesem Zwecke seitens der Bankhäufer und anderer Großer Geschäftshäuser werden sehr bedeutend sein. So hat z. B. die Bank von England mehrere tausend Pfund Sterling ausgeworfen, um das Gebäude mit mehr als 30 000 Flammen beleuchten zu lassen. — (Hn ter haus.) Im Laufe Der Besprechung des ersten Artikels der Finanzbill fragt Harcourt an, ob die Regierung den K o r n z o l l als Mittel betrachte, einen Vorzugstarif für die Kolonien zu stände zu bringen. Schatzkanzler Hicks Beach erwidert, daß der Kornzoll nur "zu dem Zwecke auferlegt sei, das Staatseinkommen zu erhöhen. In einigen Wochen werde eine Konferenz mit Vertretern der Kolonien über die Frage der Bevorzugung der Kolonien und über andere, das gesamte Reich angehende Fragen ftattftnden. Der Schatzkanzler fährt fort: Vorausgesetzt, daß es möglich ist, den Freihandel für das ganze Reich Durchzuführen, würde eine solche Maßregel nicht die Kolonien und das Mutterland enger miteinander verbinden als irgend eine andere. (Beifall.) Wenn wir den Freihandel mit unseren Kolonien haben könnten, sehe ich nicht ein, warum dies eine Erhöhung unserer Zölle gegenüber den fremden Nationen mit sich bringen sollte. Aber es dürsten sogar, wenn wir den Freihandel mit unseren Kolonien haben, Opfer in dieser Beziehung gebracht werden. Es ist nicht möglich, den Freihandel mit den Kolonien jetzt durchzuführen, aber können wir nicht versuchen, den Handel freier zu gestalten, als er jetzt ist, ohne daß dies notwendigerweise irgend ein fremdes Land schädigt? Nach Herr v. Thielen, der Minister unserer Eisenbahnen, will nun doch nach Beendigung der preuß. Landtagssession in den Ruhestand treten. Vor kurzem wurde es noch vesttritten, daß irgend welcher Temissionsgrund für Herrn v. Thielen vorliege. Aber die heute im Frühblatte gebrachte Mitteilung der „Ncllional- Zeitung" darf.als zuverlässig gelten. Von „Amtsmüdig- feit" oder „erschütterter Gesundheit" ist fteilich Herrn von Thielen nichts anzumerken; just gestern hat er im preußischen Abgeordnetenhaus das Wort ergriffen, zu dem Gesetzentwurf über die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M. Es würde verfehlt fein, den Fortgang des Herrn v. Th., der vorn Mittellandkanal gesagt hat, „Gebaut wird er doch!", als eine Genugthunng für die Agrarier zu betrachten. Längst sind „normale" Beziehungen wieder- hergeftellt zwischen der Rechten und Herrn v. Thielen. Man weiß auf Seiten der Kanalgegner zur Genüge, daß, wenn der Berkehrsminister persönlich noch so lebhaft die meiner Idee muß diese höchst wichtige Fruge aus der Grundlage des Freihandels und nicht auf der des Schutzzolles behandelt werden. (Beifall.) Einige Mitglieder des Hauses haben angeregt, wir sollten den fremden Nationen einen Zoll auserlegen, um den Kolonien eine Lorzugsbehandlung zu gewähren. Tas ist aber nicht )ie Politik der Regierung. Sir Edward Grey (liberal» protestiert gegen jedes System von Vorzugszöllen uno auch gegen den Getreidezoll, weil dieser zu Vorzugstarisen führe. Ter Antrag Channing (liberal), die Geltung des Getreidezolles aus ein Jahr zu beschränken, wurde ab- gelehnt. — Tas Unterhaus nahm mir 279 gegen 193 Stimmen Artikel 1 der Finanzbill (Getreidezoll) an. — Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Newyork, werden zwei deutsche Militärs, Major v. Mühlmann und Oberst v. Witzleben im Auftrage Kaiser Wilhelms II. zum Studium der amerikanischen Heeresorganisation eine Reise nach Amerika machen. Tie beiden Offiziere würden zunächst die Militärakademie zu Westpoint besuchen und dann zur Besichtigung der wichtigsten Militärstationen eine Reise durch die Bereinigten Staaten unternehmen. Haag, 10. Juni. Tie Zweite Kammer nahm durch Akklamation das Abkommen mit Deutschland an, betreffend die Verbindung der asiatischen Kolonien durch ein von einer deutsch-holländischen Gesellschaft herzustellendes und zu betreibendes Kabel. Paris, 10. Juni. In der Deputierten kammer stellte sich heute das neue Kabinett Co mb es der Volksvertretung vor. Entschiedene Republikaner sind alle seine Mitglieder von dem sozialistisch angehauchten Pelletan an bis zu dem opportunistischen Freunde Gambettas, Rou- vier, dem Manne mit dem klaren Blicke für das, was finanziell möglich und ersprießlich ist, und zu Herrn Tel- casse, dessen diplomatische Bedeutung — will sagen Schmiegsamkeit — soeben von russische-offiziöser Seite vidiniert worden ist. Einig sind sämtliche neue Minister in dem Kampfe gegen den Einfluß der Kirche auf Schule, Ver- »valtung und Armee, und dieses Moment wird der nächsten Zeit seine Färbung geben. Ob sich nicht hinsichtlich anderer Punkte Friktionen zwischen den „Kollegen" bald einstellen, wird man abzuwarten haben. Rom, 10. Juni. Deputierten kammer. Bei der Beratung des Marinebudgets erklärte Marineminister Morin auf verschiedene Anfragen, er widme der Frage der Unterseeboote andauernde Aufmerksamkeit. Ein Schisfs- ingenieur habe ein darauf bezügliches Projekt eingereicht, welches wertvoll zu sein scheine und einer genauen Prüfung unterzogen werden würde. Er hoffe, daß der Typus der italienischen Unterseeboote dem anderer Mächte überlegen sein werde. Die italienische Marine sei in andauerndem Fortschritt begriffen. — Unter dem Vorsitz des Kardinals Swampa wurde einstimmig beschlossen, daß den Mitgliedern des Klerus der Gebrauch des Fahrrades untersagt sei. Sofia, 10. Juni. Die Meldung, daß die türkischen Behörden die Flagge und das Wappen des bulga- rischen Handelsagenten in Sevres niedergerissen haben, ruft hier große Erregung hervor. Petersburg, 10. Juni. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist heute mittag in Peterhof eingetrossen und begab sich alsbald nach der kaiserlichen Billa, wo der Empfang des Fürsten durch den Kaiser und die Kaiserin stattsand. Der Kaiser stattete ihm alsbald im großen Palais einen Gegenbesuch ab. Später besuchte der Fürst die Kaiserin-Mutter in Gatschina sowie die Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch und Michael Nikolajewitsch. Nach der Rückkehr des Fürsten fand in Peterhof Familiendiner statt. Pretoria, 9. Juni. Bisher haben sich über 7 00 0 Buren ergeben. — Krüger wird nicht mehr nach Südafrika zurückkehren, sondern seine letzten Tage in Holland beschließen. Aus MM und Land. Gießen, 11. Juni 1902. ** Der hiesige Brieftaubenklub veranstaltete am Sonntag, wie angekündigt, einen Taubenwettflug. Trotz des schlechten Wetters ist immerhin noch ein gutes Ergebnis erzielt worden. Die Tauben wurden in Regensburg 6.10 Uhr aufgelassen. Die erste Taube wurde um 1.5 Uhr hier konstatiert. Bis 1.33 Uhr waren alle Preise vergeben. Preise erhielten folgende Herren: G. Forbach 1.7. 8.10. 12. Preis; I. Schlitt 2. 3. 6. 9. Preis; K. Neuling 4. 5. Preis; I. Hücker 11. Preis. * * Fleisch,offerte für unsere Garnison. Bei 0er letzten Submission betr. bcn Fleischibedars des Infanterieregiments Nr. 116 für das halbe Jahr bis Januar 1903 verlangten unsere Metzger folgende Preise: Hammelfleisch Mk. 1,12, Rindfleisch Mk. 1,10, Ochsenfleisch Mk. 1,32, Schweinefleisch Mk. 1,35 per Kilo. Tie Offerten fanden aber höheren Orts keine Annahme mit Ausnahme des Angebots für Hammelfleisch, dessen Lieferung dem Metzgermeister Malkomcsius, Mäus'burg, übertragen wurde. Es wurden erneute Anerbietungen für die anderen Fleischsorten eingefordert. * * Der Steg, der hinter dem Letschen Felsenkeller die Wieseck überbrückte, ist seit einigen Tagen entfernt worden, weil-er durch den hochwasserfreien neu angelegten Steg nach dem Hamm überflüssig geworden ist. Für die Passanten allerdings, die von der Westanlage am Eisenbahndamm entlang nach der Bahnhofstraße gehen, war der alte Steg, solange die Wieseck hochwussersrei ist, be- quemcr. Diese müssen jetzt einen Umweg unter dem Viadukt hindurch machen. * * Zur Reform der Unfallverhütung bei Bauausführungen. Eine Anzahl Vertrauensmänner der baugewerblichen Arbeiter in Hessen hat im Januar an die Zweite Kammer eine Petition gerichtet, in der sie dem Landtage ein Detail ausgearbeiteter Vorschläge zum Schutz Der Bauarbeiter und des Publikums bei B a u - au s sü h r u n g e n unterbreitet mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß diese Vorschläge einem Lcmvesbaupolizeigesetz zu Grunde gelegt und zur Reform des Bauarbeiterschutzes verwertet werden möchiten. Es wird aus die vielfachcm Mißstände hingewiesen, welche mit dem Baubetriebe in seiner jetzigen Gestaltung befunden sind, und die ihren äußeren Ausdruck darin fänden, daß nach der Unfaltstatistik der Baugewerksberufsgenossenschaften die Bauunfälle — auch in Hessen — von Jahr zu Jahr zunehmen. Die Befugnisse der Baupolizei müßten erweitert und g-esetz- ttche Vorschriften gegeven werden, welche die Rücksicht auf tieben miii) Gesundheit im allgemeinen sowie auf das sanitäre und sittliche Wohl der Arbeiter verlangen. Insbesondere sei dringend geboten, zur baupolizeilichen Ueber- wachung Arbellcr zuzuziehen. Der 4. Ausschuß wünscht. daß diese Vorschläge der Regierung für die in Aussicht genommene Regelung eines ausreichenden Bauschutzes als Material überwiesen itnb an die Regierung das Ersuchen gerichtet werde, zur baupolizeilichen Ueberwachung praktisch geschulte Bauarbeiter zuzuziehen. ** Gu t e St roh ernte tu Aussicht. Gestern brachte der Schreinermeister Träntner in der Maigasse eine Kornähre aus dem Neustädterfeld mit heim, die 2,80 Meter im Halm maß. ** Wirtschaftsüberuahmc. Wie wir kürzlich mitteilten, siedelt der Geschäftsführer (nicht Büffetier, wie cs in jener Notiz hieß) unserer Bahnhofsreslauration Kohler demnächst als Pächter der Museumswirtschaft nach Marburg über. g. Muschenheim, 9. Ium. Das am 29. Juni stattfindende 25jährige Stiftungsfest des hiesigen Gesangvereins verspricht einen großartigen Verlauf zu nehmen. 31 auswärtige Vereine mit mehr als 1400 Sängern haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. Darmstadt, 10. Juni. Der Großherzog wohnte heute vormittag den Besichtigungen des 2. Großh. Dragoner- Regiments (Leib-Tragoner-Regiments Nr. 24 und der 1. Abteilung des 2. Großh. Feld-Artillcrie-Rcgiments Nr. 61 durch den Kommandierenden General auf dem Truppen- Uebunasplatze bei. — Der Großherzog wird sich voraussichtlich am 21. zur Krönungsfeier nach London begeben. In seiner Begleitung werden sich dem Vernehmen nach der funktionierende Generaladiutant Oberst v. Wachter und Rittmeister Kraemer befinden. Schloß Schaumburg, 10. Juni. Königin Wilhel- mina der Niederlande ist mit der Königin-Muller heute Abend hier eingetroffen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein Agent aus Kassel hat den Vorsitzenden des Gesangvereins zu Harmuthsachsen durch einen Messerstich getötet, weil ihni der Eintritt zu einer Festlichkeit des Vereins verweigert wurde.— In Frankfurt a. M. hat sich die m der Parkstraße wohnende 63 Jahre alte ehemalige Lehrerin Grieshammer sich in ihrer Wohnung erhängt. Sie besaß ein größeres Vermögen._________________________ Vermischtes. • Berlin, 10. Juni. Polnische Studenten verursachten gestern Abend in einem Kaffeehaus am Scwigny- platz in Charlottenburg einen großen Skandal. Sie zerschlugen Tische und Stühle, sowie die Fenster des Etablisse- ments. Nur mit Mühe gelang es, die Exzedenten zu überwältigen und in polizeilichen Gewahrsam abzuführen. * Ferrol, 10. Juni. Der Küstentelegraph meldet die Vorüberfahrt eines englischen Dampfers, an dessen Bord eine Kesselexplosion stattgefunden habe, bei der einige Personen getötet und verwundet seien. Ein deutscher Dampfer leistete den Schiffbrüchigen Hilfe. Der Name des Dampfers ist unbekannt. * Chicago, 10. Juni. Bei dem Brande im Sanatorium der St. Lukes Society wurden neun Männer nnb eine Frau getötet, 30 Personen wurden verletzt. Die Mehrzahl der Patienten befand sich wegen Trunksucht in Behandlung. Als das Feuer ausbrach, waren eine Anzahl Diliriumkranke an die Betten fest geschnallt. Gerichtssaal. M. Gießen, 10. Juni. Strafkam me r. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Staatsanwaltschaft vertrat 'Oberstaatsanwalt v. Hessert. — Die Elisabethe Btlz von Groß-Karben, wegen Betrugs vielfach vorbestraft, wird wegen Betrugs im strafrechtlichen Rückfall in sechs Fällen und eines weiteren Betrugs in Jdealkonkurrenz mit Urkundenfälschung zu einer GesaMt- gefängnisstrase von 2 Jahren und 1 Monat verurteilt. — Der Landwirt Karl Eurich von Ilbeshausen war vom Schöffengericht Herbstein zu einer zehntägigen Gefängnisstrafe wegen Diebstahls verurteilt worden. Der 'Angeklagte hat feinem Schwiegersöhne Karl Ochs fast fern ganzes Besitztum abgetreten. Da die Ueber- gabe nach Angabe des Ochs nicht rechtzettig erfolgte, klagte derselbe auf Uebergabe und zwar mit dem 1. Juli 1901. Der Angeklagte fall nun nach einer Anzeige seines Schwiegersohnes Heu von den abgetretenen Aeckern sich rechtswidrig zugeeignet haben. Da nach der eigenen Angabe des Ochs die Aneignung vor dem 1. Juli 1901 erfolgt sein soll, in einem Zeitpunkt, in dem das Eigentum an den Aeckern noch gar nicht auf den Ochs übergegangen, eine fremde Sache mithin nicht weagenommen war, so mußte, unter Aushebung des erstinstanzlichen Urteils, der Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen werden. — Der Gärtner Heinrich Brod VI. von Steinsurlh wird beschuldigt, fahrlässigerweise den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telephonanlage dadurch verhindert, bezw. gestört ztt haben, daß er beim Ausästen von Bäumen Zweige derart auf die Telephondrähte niederfallen ließ, daß sich die Drähte aneinanderschoben und eine Störung des Fernsprechbetriebes verursacht wurde. Ta dem Angeklagten nur eine leichte Fahrlässigkeit zur Last fällt, hält das Gericht eine Geld- slrafe von 3 Mk. für ausreichend. — Der wegen Diebstahls vorbestrafte Michael Jzydorsack ausSiemiauswitz hat einem Arbeitskollegen ?in Geldstück von nicht zu ermittelndem, jedenfalls aber unbedeutendem Werte aus der Tasche entwendet und wird deshalb zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. — Der vorbestrafte Bäckergeselle Julius Löb und der Metzgergexelle Karl Feucht sind des Vergehens im Sinne des § 181a des St.-G.--Bs., der Angeklagte Löb zudem des Betrugs und der Angabe eines falschen Namens beschuldigt. Löb wird in eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten und 1 Woche und in etne Haststrafe von 1 Woche, Feucht in eine Gefängnisstrafe von 1 Monat, verbüßt durch die erlittene Untersuchungshaft, verurteilt. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldnngeu des Gießener Anzeigers. 8. Darmstadt, 11. Juni. 2. Kammer. Forts, der Be ratang der Wahlrechts-Vorlage. Staatsminister Rothe erklärt aus die Vorwürfe des Abg. Heyd cur eich, die Vorlage sei von der Regierung sachlich und eingehend geprüft und für praktisch befunden worden. Die Regierung sei zu jeder Erläuterung bereit und empfehle die Annahme des Entwurfs in dieser Form. Abg. David ergeht sich in längeren Ausführungen über die seitherigen Wahlbestimmungen und begrüßt die Vorlage mit Freuden. Mit der Vorlage müsse aber ein allgemeines, gleiches geheimes Wahlrecht ohne jede Verklausulierung verbunden sein. So sehr man die Einführung des Wahlgeheim- visies begrüße, ebenso sehr bedauere man die vielen Beschränkungen dec Allgemeinheit des Wahlrechts. Eine der häßlichsten Ehikanen sei die Klausel der Steuerrückstände, die oft zu Stimmenfang benutzt werde. Staatsminister Rothe erwidert, die Regierung habe bei allen Abänderungen von den Hauptvoraussetzungen der Gesetzgebung nicht abgchen können. Geh. Staatsrat Krug zu Nidda führt aus, die Geschichte beweise, br; die Vorzüge des direkten Wahlrechts noch nicht bc wiesen seien. Trotzdem bringe man dem Lande diese Vorlage und hoffe auf sein Vertrauen. Beschränkungen des allgemeinen Wahlrechts ließen sich nicht ganz vermeiden. Abg. Gutfleisch ist über die Vorlage erfreut. Nach Aeußerungen mehrerer Ab- geordneter teils für teils gegen die Vorlage wird die Weiter- 456 Oesterr. Goldretne . 102.80 4‘ Oesterr. Silberrente 101.80 Tendenz 112.80 44.40 . 25.65 . 90.20 . 106.00 101.50 102.75 46.10 29.45 . 216.90 . 188.00 . 140.00 . 147.00 . 159.00 . 151.30 . 18.90 . 169.50 37t% 3°/o SWu 3% 3l-2°/. 3' r56 do. Konsole < do . . Hessen überliessen 92.95 101.90 92.50 100.00 41/2 /., Chinesen Electric. Sei uckert Nordd Lloyd . . Kreditaktien , Dibkonto-Koramandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Ber iner Bandelsges. Oesterr Staatnbahn Lombarden . . üotthar ibahn . . Laurauütte . . . Buchara .... Harpener . . . : ruhio-. . 200.80 . 178.00 4% Ungar. Goldrente . . 4°/ Italien Rente . . . 4' ,5L Portugiesen . . . °/ Portugiesen..... 1% C. Türken . . . . Türkenlose...... 4°/q üriech. Monopol -Anl. 4'/,-6 äussere Argentiner Haiatansschläge. gg» schlüge ist Obermeyer's Herba-Seife. Bestandteile 90“,u Seife, 3° 0 Arnica, 2°/, Salbei, 1,5°/, arab. Wasserbechertraut, 3,5° „ Harntraut. Z. h. p. St. 1.25 Mk. in Apotheken, Drogerien und Parfümerien oder v. Fabrllanten I. Giolh, Hanau.4335 beratung auf morgen vertagt. Berlin, 11 Juni. Dem Reichstage ging heute durch den Reichskanzler der Antrag zu, der Vertagung des Reichstags bis zum 14. Oktober zuzustimmen. Sibyllenort, 11. Juni. Der heute früh ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Der König von Sachsen schlief in der ersten Hälfte der Nacht ruhig. In den frühen Morgenstunden trat jedoch wieder etwas Unruhe ein. Der hohe Kranke verlangte Speise und Trank. Der Zustand erfordert noch sehr große Ruhe im Bett oder Liegestuhl. Fieber ist nicht vorhanden. Puls 104, regelmäßig. Berlin, 11. Juni. Die „Kreuzztg." dementiert die Meldung, daß Graf Kanitz seine Interpellation wegen des Schiffahrtstrustes zurückgezogen habe. Am letzten Samstag hat der Reichskanzler dem Grafen Kanitz mitgeteilt, daß er wegen anderweitiger Inanspruchnahme die Interpellation in den nächsten Tagen noch nicht würde beantworten können. — In zwei dicht an einander au- schließenden Plenarsitzungen will der Reichstag heute den gegenwärtigen Abschnitt seiner Tagung abschließen. Ein Berichterstatter meldet: Tie Gesamtabstimmungen über die Zuckerkonvention, die döovelle zum Zuckersteuergesetz und das Branntweinstcuergesetz werden in die zweite Plenarsitzung verlegt werden, so zwar, daß die Abstimmung über die Branntweinsteuernovelle zwischen die anderen Abstimmungen geschoben werden soll. Damll soll verhütet werden, daß irgendwie und irgendwoher ein Bein gestellt werden kann, um eine dieser Vorlagen zu Fall zu bringen. Es sind mehrere namentliche Absttmmungen in Aussicht genommen. Tie Mehrheit für die Zucke rkvn- vention und die Novelle zum Zuckersteuergesetz ist gesichert. London, 11. Juni. Oberst Lynch kam in Calais an, um nach England überzusctzen und seinen Sitz im Unter- Hause einzunehmeu. Er wurde bekanntlich von dem irischen Wahlkreise Galway gewählt, aber mit sofortiger Verhaftung wegen Hochverrat bedroht, da er unter der Buren- Armee gegen England kämpfte. — Die Königin Alexandra ließ durch den Bischof von London ankündigen, daß sie bei der Krönung 10 000 Dien st mädchen zum Thee empfangen und ihnen Krönimgs-Gedächtnis-Medaillen verleihen will. London, 10. Juni. Im Unterhause wendet sich CampbellBannermann scharf gegen den Kornzoll, namentlich wegen der möglichen Konsequenzen und sagt, es bestehe keine Analogie zwischen dem deutschen Zollverein und der Einrichtung, welche einige Träumer als auf das britische Reich anwendbar vorschlügen. Er wünsche sehr, jede Ursache der Reibung zwischen England und seinen Kolonien zu beseitigen, aber das System der Vorzugszölle würde einen stärkeren Anlaß zur Reibung geben, als irgend eine andere Maßnahme. Harcourt bekämpft jedes System der Schutzzölle oder Vorzugszölle und sagt, das Beispiel Deutschlands sei ein schlechtes Argument für dieSchutzzollpolitik. Tie Lage Deutschlands sei weit weniger blühend als die Englands. Deutschland wäre augenblicllich äußerst froh, wenn es Englands Wohlfahrt hätte. — Finanzsekretär Austin Chamberlain erklärt, die Opposition wünsche von der Regierung mit Gewalt die Erllärung zu erlangen, daß die Regierung zu keiner Zeit und unter leinen Umständen einem Vorzugsabkommen mit den Kolonien zustimme. Es wäre ein sonderbares Verfahren, wenn die Regierung, ehe sie die Argumente der Vertreter der Kolonien hörte, sich feierlich verpflichte, auf keine Argumente und Ratschläge zu hören, welche diese Delegierten ihr geben könnten. Ein solches Verhalten gegenüber Fremden sei nicht höflich, gegenüber Verwandten nicht ziemlich. Schatzkanzler Hicks Beach erklärt, Campbell Bannermann habe den Zoll trotz seiner gestrigen Ausführungen als Vorläufer einer Vorzugsstellurtg der Kolonien behandelt. Es bestehe kein Grund für diese Auffassung. London, 11. Juni. Die heutigen Blätter veröffentlichen ein amtliches Kommunique, wonach die südafrikanische Armee während der Jahre 1902 und 1903 noch 3 0 Millionen Pfund Sterling kosten werde. Wien, 11. Juni. Fast die gesamte hiesige Presse spricht ihr tiefstes Bedauern aus über die in der gestrigen Abgeordnetenhaus-Sitzung vom Führer der tschechischen Sozialisten, Klofac, wegen "der Marienburger Rede des Deutschen Kaisers gemachten Ausfälle, und fordern, daß die Regierung Sorge trage, daß in Zukunft so verwegene unb frivole Aeußerungen nicht mehr gethan werdeii. Die gesamte öffentliche Meiiiung müsse die Beleidigungen des befreiindeten Monarchen als einen dem eigenen Lande zugefügten Schimpf energisch zurückweisen. Wien, 11. Juni. Gestern nacht brach Feuer in einem großen von vier Straßen begrenzten Häuserblock in der Nähe des Hauptplatzes von Hornenburg aus, das bis heute früh anhielt. Der Häuserblock ist fast vollständig vernichtet. Heute früh gelang es, den Brand zu lokalisieren. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Tunis, 11. Juni. Der Bey von Tunis ist heute vormittag gestorben. _________ TeSephoiiBseher Kursbericht. Reichsanleihe . . 102.05 [ 37u Mexikaner . . V tt’O’WS Cakes-Täbrüi § Bekanntmachung. Anmeldungen zum Bezüge der aus der Ebelstiftuug für 1902 an arme Kinder zu verabfolgenden Kleidungsstücke sind bis zum 5v. Juni bei dem Armenamt (Zimmer Nr. 4 des Bürgermeisterei- gebäudes) vorzubrinaen. Gießen, den 6. Juni 1902. 4330 Die Arinen-Deputation der Stadt Gießen. Mecum. ___ Hengras-Versteigerung. Das Heugras von den Domanialwiesen der Oberförstereien Gießen und Wieseck wird versteigert: 1. In der Gemarkung Alten-Buseck, Donnerstag den 19. Juni, vormittags 9 Uhr, in der Wirtschaft des Herrn Otto Rabenau zu Alten-Buseck. 2. In der Gemarkung Wieseck, Freitag Veit 20. Juni, vormittags 9 Uhr, in der Wirtschaft des Herrn Dorfeld zu Wieseck in der Post. 3. In der Gemarkung Gießen an demselben Tage, nachmittags 3 Uhr, in der Leib'schen Wirtschaft im Philosophenwald bei Gießen. Gießen, den 10. Juni 1902. 4327 Großh. Oberförsterei Gießen. Großh. Oberförsterei Wieseck. Joseph. ________Weigandt._____ keMMAmZ - liier;««. Nächsten Sonntag den 15. Juni, vormittags */2ll Uhr, findet in der Turnhalle der höheren Mädchenschule — Schillerstraße — die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe an die betreffenden Lehrlinge statl. 4328 Zur Besichtigung der Gesellenstücke und zur Beiwohnung der Feierlichkeit laden wir hierdurch freundlichst ein. Der Ortsgewerbeverein. Der Prüfungsausschuß. L. Heyligenstaedt.______________Traber._______ Gascokes. Infolge Stadwerordneten-Beschlusses vorn 10. April d. I. tritt eine PreisemDiWg ojerer Aßtcks ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres iestgesetzt wie folgt: Für den Gentner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes..............1,10 M. Nutz-Cokes, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschieüeiren Korngrößen für Stubenheizung und für weile und enge O f ens ch ä ch t e passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, gangbar ste Sorte......... 1,25 DA. Große 9lr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit .....1,30 Mk. Zu Wagenladungen von mindestens 36 Ceumern: Stückcokes ...... 1,05 Mk. Stutzcokes Nr. 1 .... . 1,20 „ Nutzcokes Nr. 2 .... . 1,25 „ Gei Entnahme von mindestens 200 Gentnern: StückcokeS.......1Mk. Nutzcokes Nr. 1 .... . 1,15 „ Nutzestes Nr. 2 .... . 1,20 „ Mr Gokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Gentner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centucr berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Gokes — bis zu 6 Gentnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Ceutner Gokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der KleimldMs der (ferata von 1 bis 5 Eentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 uni) 34, Gebr. stahl, Mantfurterstraße 151, Cd. Klinket, Bahnhofftraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Cmil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehenüe Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Gentnern. Die Preise unserer Gascokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarruug Gietzen ermäßigen sich um den Betrag der Octroirückvergütung von 4 Pfg. für den Gentner. Gießen, den 10. April 1902. 3086 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gietzen. Versteigerung. | Donnerstag ocu 12. d. M., nachmittags 2 Uhr, sollen dahier Neuenweg 28 diverse Haus- und Küchengeräte, eine Ladeneinrichtung. 1 Schreibmaschine, 20 Bände Kaisers Lexikon u. v. a. zwangsweise gegen bar versteigert werden. 02594 Gießen, 10. Juni 1902. Seipel, Gerichtsvollzieher. Stöbt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: NtzicBeiiiY äü M KMeisÄ 10 NlS- Mermehl, fcj beste Kindernahrung! jiN * Aerztlich warm tk empfohlen. JUd Gebrüder Berdnx. 4341 Versteigerung. Montag, 16. Juni l. I., vormittags 11 Uhr im Rathause zu Schlitz (Oberhessen), letzte öffentliche Versteigerung der zum Konkurse der Karl T r c ß e r Eheleute gehörigen Liegenschaften, insbesondere des seit Jahren renommierten Geschäftshauses, in welchem seither flott gehende Metzgerei und Wirtschaft betrieben wurde. Das Haus ist sechs Minuten vom Bahnhof entfernt. Beste Lage der Stadt. Wirtschaft seither gut frequentiert. Tadelloser Eiskeller. Wasserleitung. Metzgerei mit Motorbetrieb eingerichtet. Unweit des Hauses schöner Garten. Sehr preiswert. Nähere Auskunft durch den Unterzeichneten. 4029 Schlitz, 29. Mai 1902. Otterbein, Konkursvenvalter. IiN KtüMlMaikN empfiehlt sich .Herm. Bauer,Dammstr. 34,11 Pünktliche und gute Ausführung zugesichert.3952 Postkörbc 4438 ovale und viereckige, in größter Auswahl empfiehlt billigst Ludwig Kohlermann IV., SltidlWt 12. 02575] Gute Vadeeiurichtuug und Schwitzbad billig abzugeben. 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