Nr. 84 0rf$eint täglich außer Sonntags. Dem Greßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eießruer ZamUien- blätler viermal in der Woche beigelegt. Notanonsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Slein- druckerei (Pietsch ErberO Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulst ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FeriüprrchanscklußNr.51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Freitag 11. April 1903 GietzeimAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen VezugspretSr monatlich 7bPs., viertel* jährlich Pik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen^ monatlich 65 Pf.; durch! die Poft Mk.2.— viertel- jährt. ausschl. Bestell^ Annahme von Anzeige« für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr»! ZeilenpreiS: lokal 12Pj* auswäNS 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Steil: P. Wtltko- für .Stadt und Land" und . Gerichtssaat': R. D i t U mann; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Bekanntmachung. Der Kirchliche Versicherungs-Verein zu Köln hat seinen Geschäftsbetrieb auf das Großherzogtum Hessen ausgedehnt und Franz Wilhelm Abel, Agentur- und Assckuranzgeschäft in Mainz, Pfaffengasse 10, zum Hauptbevollmächtigten für das Grobherzogtum bestellt. Gießen, den 9. April 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. 93.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. B e t r.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen. Montag, den 28. April 1902, vormittags 91/4 b i s IO1/4 Uhr, findet im Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringcn die Cmtgcg.nnabme der Wünsche bezüglich der Zuteilung des IL Feldes der Gemarkung Taubringen statt. Tie Wünsche sind schriftlich einzureichen, müssen Flur und Nummer bei* zusammenzulegenden Parzellen enthalten und vom Eigentümer unterschrieben sein. Wünsche, welche in dem obengenannten Termine nicht vorgebracht werden, haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung. Friedberg, den 7. April 1902. Ter Großherzogliche Lereinigungskommissär: S p a m e r, Kreisamtmann. UL.'-'. .......■■■■■■■■ । । ■ .. ... — Politische Äageüschau. Die Zolltarif-Kommission pahm am Donnerstag nach der Vorlage die Positionen 73 bis 75 Bau - und Nutzholz an. Position 73 unbearbeitet hart für 1 Doppelzentner 0,20 oder 1 Festmeter 1,80, weich für ein D-oppelzentner 0,20, Festmeter 1,20. Position 74 in der Längsrichtung beschlagen hart für ein Doppelzentner 0,50, Festmeter 4 Mk., weich Doppelzentner 0,50, Festmeter 3 Mk. Position 75 in der Längsrichtung gesägt hart Doppelzentner 1,25, Festmeter 10 Mk., weich Doppelzentner 1,25, Festmeter 7,50. Gedämpftes getränktes imprägniertes Bau- und Nutzholz unterliegt einem Zollzuschlage für den Festmeter von 2,40 für den Doppelzentner Harles Holz 0,30, weiches 0,40 Mk. Flöße unterliegen der Verzollung als Holz. In der Beratung wurde hinzugenommen Position 79, Eisenbahnschwellen aus hartem Holze Doppelzentner 0,40, Festmeter 3,20, ans weichem für ein Doppelzentner 0,40, Festmeter 2,40. Die Position wurde nach der Vorlage cm gen omni eit. Tie Position 76 Erilaholz (Brnyereholz), Kokosholz, unbearbeitet oder in geschnittenen Stücken sind frei, wird angenommen. Position 77 Zedernholz, auch Bleistiftholz, unbearbeitet, oder lediglich mit Axt oder Säge bearbeitet, jedoch nicht in Längsrichtung gesägt oder anderer Weise vorgerichtet, für den Doppelzentner 0,10, oder für den Festmeter 0,60, in der Längsrichtung gesägt oder in anderer Weise vorgerichtet, nicht gehobelt, für den Doppelzentner 0,25. Tie Position wird in der Fassung der Vorlage angenommen. Position 78 besagt, Nutzholz von Buchsbaum, Ebenholz, Mahagoni, Palisander, Teakholz, Poüholz unbearbeitet oder lediglich in Querrichtung mit Axt oder Säge bearbeitet für den Toppelzentner 0,20, für den Feftmeter 1,80, in der Längsrichtung beschlagen oder anderweit mit der Axt vorgearbeitet oder zerkleinert für den Toppel- zentner 0,50 oder für den Festmeter 4 Mark, in der Längsrichtung gesägt oder in anderer Weise vorgerichtet, nicht gehobelt, für den Doppelzentner 1,25, für den Festmeter 10 Mk. Tie Position wird in der Fassung der Vorlage angenommen. Position 80 Holzpflasterklötze für den Toppelzentner 1,25 Mk. wird unverändert angenommen. Position 81 Naben, Felgen, Speichen sowie für diese Gegenstände erkennbar vorgearbeitete Hölzer für den Doppelzentner 1 Mk. oder für den Festmeter 8 Mk. wird nach der Vorlage angenommen. Position 82 Faßholz (Faßdauben, Faßbodenteile), auch zu solchem erkennbar vorgearbeitetes Holz (Staliholz), ungefärbt, nicht gehobelt, von Eichenholz, pro Doppelzentner 0,30, Festmeter 2,40 Mark, von anderem hartem Holz Toppelzentner 0,40, Festmeter 3,20 Mk., von weichem Holz Toppelzentner 0,40, Festmeter 2,40 Mk., wird nach den Regierungssätzen angenommen. Position 83 setzt fest für Korbweiden, auch gespalten, ungeschält, auch Faschinen, Toppelzentner 0,55, geschält 4 Mk., wird nach der Vorlage angenommen. Position 84 Reifen st äbe (gespalten für Fatz- und ähnliche Reifen), auch rund gebogen, ungeschält, nicht gehobelt, Toppelzentner 0,55 Mk., geschält, nicht gehobelt, ungeschält und geschält gehobelt, oder mit zur unmitteffcaren Verwendung als Reifen erforderlichen Einschnitten, sogenannten Schloß, versehen, 4 Mk. Tie Sätze der Vorlage werden angenommen. Position 85 (Holz zur Herstellung von mechanisch bereitetem Holzstoff, nicht über 1,20 Meter lang, nicht über 24 Zentimeter am schwächeren Ende stark, unter Ueberwackung der Verwendung); Position 86 (Brennholz, Stakiiolz, Reisig, Späne, andere nur als Brennholz verwertbare Holzabfälle, Wurzeln, Zapfen von Nadelhölzern, ausgelaugtes Gerbholz, ausgelaugte Gerbrinde, auci) geformt); Position 87 (Holzkohlen, auch gepulvert, Holzkohlenbrikets) bleiben zollfrei; Position 88 0,40 Mk. pro Toppelzentner für Holzmehl, Holzwolle, auch für Heizzwecke; die Sätze der Vorlage werden aufrecht erhalten. Position 89, worin für unbearbeitetes Ko r k- holz Zollfreiheit vorgeschlagen wird, wird genehmigt, desgleichen Pos. 90 betreffend Zollfreih eit fürFarb- hölzer. Es folgt die gemeinsame Beratung der Positionen 91, Gerbrinden, 92, Quebrachholz, 93, sonstige Gerbstoffe, 381 Gerbstoffextrakte. Die Sozialdemokraten beantragen Zollfreiheit für Gerbrinden und Que- bracho, das Zentrum will für Gerbrinden den Regierungssatz von 50 Pfennig auf 1,50 Mk. und für Quebracho den Satz von 1 Mark aus 7 Mark erhöhen, für die übrigen Gerbstoffe, welche die Regierung zollfrei einlassen will, 3 M a r k Z 0 l l haben und den Satz von 2 Mark für flüssige Gerbstoffextrakte auf 14, den Satz von 4 Mk. für feste auf 28 Mark erhöhen. Wurm (Soz.) meint, nur die zollfreie Einfuhr von Quebracho werde die Großindustrie konkurrenzfähig erhalten, ein Zoll dagegen Amerika zum Siege verhelfen. Bröckmann (Ztr.) verweist auf den Niedergang der deutschen Schälwaldungen. Tie Gerberei mit Lohe bedürfe des Schutzes. Staatssekretär Graf Posadowskv hält an der früheren Erklärung der Regierung fest, sie beabsichtige nicht, veraltete Methoden durch Schutzzölle zu erhalten, oder technische Fortschritte zu hemmen. Ob die Schutzzölle dem Schälwald aufhelfen könnten, fei überhaupt zweifelhaft, jedenfalls sei Quebracho nicht die Ursache des Rückganges der Eichenrinde. Außerdem könne man das Publikum nicht zwingen, nur mit Eichenrinde gegerbte Lederwaren zu laufen, das Publikum wolle lediglich gut aussehende Ware. Er bitte entschieden, die Zentrumsanträge abzulehnen. Beumer (nl.) tritt ebenfalls für Zollfreiheit ein. Wer die Lohgerbung wünsche, wie beispielsweise die Militärverwaltung, könne dieselbe auch trotz der Zollfreiheit des Quebrachos erhalten. Nach längerer Debatte, in der auch der Vertreter Württembergs und Handelsminister Möller gegen den höheren Quebrachozoll sprechen, werden sämtliche vom Zentrum beantragten Zollerhöhungen mit 16 gegen 8 Stimmen angenommen. Positionen 94 bis 98, welche Zollfreiheit verlangen für Eicheln, Kastanien, Torfstreu, Moos, Terpentin, Lack, Gummi, Kautschuck, Guttapercha, Kampfer, werden angenommen. Zur bevorstehenden Beratung der Viehzölle in der Zollkommission brachten Gamp, Herold, Schwerin-Löwitz und Sieg folgende Ko m pr 0 m i ßa n t rä g e ein: Pferde im Werte von 300—1000 Mk. 90 Mk. Zoll pro Stück, statt 75 im Entwurf, bis 2500 Mk. Wert 180 Mk., statt 150 im Entwurf, über 2500 Mk. 360 Mk., statt 300. Ter Bundesrat ist befugt, Zuchtpferde unter 2 Jahren zu einem Stückzoll von 10 Mk., ältere zu 20 Mk. einzulassen. Vorstehende Pferdezölle dürfen durch Verträge nicht mehr als um 20 Prozent ermäßigt werden. Für Rindvieh 18 Mk. pro Toppelzentner Lebendgewicht, während der Entwurf ansetzt für Bullen und Nühe 25 Mk. pro Stück, Jungvieh 15 Mk. pro Stück, Käl b e r 4 Mk. pro Stück, -Ochsen 12 Mk. pro Doppelzentner Lebendgewicht. Der Bundesrat darf Zuchtbullen von Höhenvieh zum Stückzolle von 9 Mk. einlassen. Auch diese Rindviehzölle dürfen vertragsmäßig nicht mehr als um 20 Prozent ermäßigt werden. Ferner Schafe 18 Mk. pro Toppelzentner, statt 2 Mk. pro Stück. Schweine 18 Mk. pro Doppelzentner statt 10 Mk. pro Stück. Frisches Fleisch einschließlich Schweinespeck, pro Toppelzentner 45 Mk., statt 30 des Entwurfs, einfach zubereitetes Fleisch 60, statt 35, zum feineren Tafelgenuß zubereitet 120, statt 75. Schweinespeck soll einem Zollzuschlage von 36 Prozent unterliegen, sonstiges knochenfreies Fleisch, auch Schinken einem Zollzuschlag von 20 Prozent. Die Sozialdemokraten beantragen Z 0 llfreiheit für Pferde, Maultiere, Maulesel, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine, Federvieh und Fleisch. Nene Enthüllungen über die Morde in Südafrika. Ein früherer „Buschveld-Karabinier" hat der „Liverpool Post" weitere Enthüllungen über das Treiben des Offiziers- korps der genannten Truppe gemacht. Aus den Mitteilungen sind besonders interessant die Angaben über das Geschick des deutschen Missionars Heese, des Holländers van Buiren und mehrerer Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren. Der Gewährsmann der „Liverpool Post", der selbst ein Liverpooler ist, berichtet wie folgt: „Bei Spelonken, etwa dreißig Meilen nördlich von Pietersburg, wurden die ersten Mord- thaten begangen. Sergeant Wrench nahm mit 10 Mann 8 Buren gefangen. Er kam mit ihnen an einer deutschen Missionsstation vorbei. Der Missionar, der die Abteilung sah, bot ihnen guten Tag. Die Leutnants Morant und Hancock trafen die Patrouille und befahlen, man solle die Gefangenen erschießen. Der Missionar fand die Leichen der ermordeten Buren. Er spannte feine Kapkarre an und machte sich auf den Weg nach Pietersburg, um den Vorfall zu melden. Ich befand mich in dem Fort, als die Patrouille zurückkehrte, und erfuhr bald von der Geschichte. Der deutsche Missionar mußte an unserem Fort vorbeilommen, und die Offiziere sahen ihn. Leutnant Hancock ging hinaus und sprach mit ihm. Wir konnten sehen, daß sie in einen Wortwechsel gerieten. Der Deutsche setzte sodann seine Reise fort. Als Leutnant Hancock in das Fort zurückgekommen war, rief er feinem Kaffern- biener zu, daß dieser sein Pferd satteln sollte. Er holte sich dann feinen Karabiner und ritt hinter dem Missionar her. Erst sehr spät, gegen Mitternacht, kam er zurück. Er sprach mit feinem Menschen. Am nächsten Tage fand eine Patrouille die Leiche des ermordeten Missionars auf der Straße liegen. Sie ließ sie liegen. Daraus ging eine andere Patrouille, zu der auch ich gehörte, hinaus und holte die Leiche. Wir gaben dem Missionar eine anständige Beerdigung." — Der Bericht geht weiter: „Ein Holländer namens van Buiren hatte sich über das Erschießen der acht Buren sehr heftig ausgesprochen. Eines Tages befahlen ihm die Leutnants Morant und Hancock, er solle aufsatteln, um mit ihnen und mit Moronis Burschen, einem Holländer, der Botha hieß, einen Patrouillenritt zu machen. Rach der späteren gerichtlichen Aussage des Botha schoß einer der Offiziere nach dem van Buiren, während man über das Feld ritt, und traf ihn in die Schulter, aber ohne ihn zu töten. Van Buiren sagte darauf: „Ich dachte nicht, daß Sie einen Ihrer eigenen Leute erschießen würden!" „Du sprichst noch?" antwortete Morant und schoß ihn dann mit drei weiteren Schüssen tot. Am nächsten Tage wurde im Tagesbefehl bekannt gemacht, daß van Buiren im Kampfe den Tod eines rechtschaffenen und tapferen Soldaten erlitten habe." — Der Berichterstatter fährt fort: „Einige Zeit darauf faßte eine andere Patrouille einen Burenwagen ab, auf dem sich auch zwei Knaben im Alter von etwa 10 und 12 Jahren und ein kleines Mädchen befanden. Die Leute kamen herein, um sich zu ergeben. Die Patrouille erhielt den Befehl, auf den Wagen zu schießen. Das Mädchen und einer der Knaben waren verwundet worden. Der unverwundete Knabe nahm seinen kleinen Bruder auf den Rücken und versuchte, ihn wegzutragen, als ein weiterer Schuß beide tdt niederstreckte. Das kleine Mädchen starb einige Tage später an den erhaltenen Verwundungen." — Der Gewährsmann der „Liverpool Post" sucht eine Erklärung für die maßlose Verrohung der Buschveld-KarabinierS und hauptsächlich des Offizierskorps derselben zu finden. Er sagt: „Im ganzen sind etwa 35 bis 40 Personen gemordet worden. In einigen Fällen war das Motiv Raubgier, in den meisten aber eine durch Saufen hervorgerufene Verkommenheit. Man wollte morden, und wen man mordete, darauf kam es nicht sonderlich an. In Pietersburg kosteten 1 Dutzend Flaschen Whisky nur 32 Schilling, während man in Kapstadt für die einzelne Flasche 6 Schill. 6 Pence bezahlen mußte. Der Whisky wurde durch die Kantinen von der Regierung geliefert. Weder Offiziere noch Mannschaften hatten jemals Mangel an Whisky, und ich möchte behaupten, daß die anderen Truppenteile in Südafrika ebenso viel Whisky zur Verfügung hatten." Die rnsfischen Studenten. Der „Times" wird aus Moskau geschrieben: Die Un»- ruhen, die im vergangenen Monat in der alten Hauptstadt des russischen Reiches stattfanden, waren ernster als amtlich zugegeben wurde. Es kann auch nicht behauptet werden, daß die Polizei große Milde an den Tag gelegt hätte. Abgesehen von 95 Studenten, die nach Ostsibirien verbannt wurden, und von 500 weiteren Studenten, die man in die Gefängnisse von Archangel und anderen entfernten Orten des Reiches überführte, sind noch viele in Moskau in Hast. In Verbindung damit steht eine merkwürdige Mitteilung, die am 2. April dem amerikanischen Konsul zuging. Diese angeblich von den Müttern und Schwestern der verhafteten Studenten herrührende Eingabe erhebt Einspruch gegen die Grausam-- feiten, denen die Gefangenen unterworfen worden sein sollen. Der Zar, so hieß es, kenne die Thatsachen nicht, sonst werde» er in seiner bekannten Herzensgüte sofort dem Verhalten der Behörden Einhalt thun. Der Konsul möge, als Vertreter des freien und erleuchteten amerikanischen Volkes, dem Kaiser mitteilen, welche Grausamkeiten man in seinem Namen verübe. Die Studenten bestehen darauf, für alles, was sie verbrochen haben sollen, vor Gericht gestellt zu werden, und sollen die Annahme von Speisen verweigern, bevor ihnen dies zugesichert ist. Alle bisher verhängten Strafen sind auf dem Verwaltungswege, d. h. ohne Verhör und lediglich nach einer polizeilichen Untersuchung, verfügt worden. Unter diesen Umständen scheint der Unschuldige mit dem Schuldigen gelitten zu haben. In einem Fall wurde ein Student auf drei Monate in das Gefängnis von Archangel geschickt, weil er das Verbrechen begangen hatte, einer Versammlung von Studenten beizuwohnen. Sofort, als er bemerkte, was die Absicht der Mehrzahl der Anwesenden war, nämlich die Veranstaltung einer revolutionären Kundgebung, verließ er mit noch 100 anderen Studenten die Versammlung, weil er mit derartigen Plänen nichts zu thun haben wollte. Trotzdem wurde er bald daraus verhaftet und befindet sich jetzt im Gefängnis von Archangel. Welche Gefühle das Vorgehen der Polizei erweckt hat, zeigt sich in dem Versuch einer jungen Dame, den Chef derPolizei zu ermorden. Nach beunruhigender als die Thatsache, daß solche Verbrechen versucht werden, ist der halbherzige Unwille oder gar die Zustimmung, mit der man diese Unthaten allgemein betrachtet. Tas führende reaktionäre Blatt, die „Moskowskija Wjedomosti", veröffentlichte vor wenigen Tagen eine lobende Schilderung des Lebens des im vorigen Jahre ermordeten Unterrichtsministers. Das Blatt griff dabei die „intelligenten" russischen Kreise an, weil diese den Minister gehaßt hätten. Es ging sogar soweit, zu behaupten, daß die Nachricht von der Ermordung von den gebildeten Klassen nicht nur nicht mit Unwillen, sondern sogar mit Genugfhuung ausgenommen worden sei. Sitzung -er Sla-tveror-neten. Gießen, 10. April 1902. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Gsoroi und Grüneb.rg, die Stadtverordneten Brück, Emme- lius, Euler, Faber, Flett, Tr. Gafsky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Heichelheim, Helfrich, Heyligenftaedt, Huhn, Jughardt, Mißbrauch abgestempelt würden. Stadtv. Dr. Gaffky L s e w ü 61 Höchste Temperatur Niedrigste „ am Lehrerinnen e Kontoristinnen Lelegratistinen -c Verkäuferinnen d. Blutbeecbaffenheit bessert, die Nerventhätigkeit anregt u. eine richtige Anbildungder Körpergewebe, Fett u. Muskulatur bewirkt. Bei Blutannut u. gesunkener Ernih- rang glebt es kein wirksam. Mittel wto Hausens Kasseler Hafer-Kakao, der vou mehr als 10000 Aerzten stündig verordnet wird u. auch für Kinder das bekömmlichste Getränk ist. Nur echt i. Mauen Cartone i Mk. 1,—, niemals lose. 16,8t> c. 2,8° C. 9. bis 9. „ 10. April 10. , 5 c die infolge geistiger, körperlicher oder Nerven-Uebcran- strengung an Abspannung u. Uebermüdung leiden, finden tritt den Ausführungen des Stadtv. Krumm in der oomi Sanitätsvercin und der Sterbekasse am 22. März d. I. ein-i berufenen Versammlung entgegen, und bemerkt, daß die Opfer-| Willigkeit der am Zustandekommen des Volksbades Beteiligten! heute noch vorhanden sei; die Bäder aber billiger als zu den Selbstkosten abzugeben, gehe nicht an, dazu sei man nicht be--' rechtigt; für Minderbemittelte sei durch, die beschlossene^ 500/gigc Erniäßigung gesorgt; es werde nicht zu umgehenj sein, die Badepreise, die in keinem Verhältnis zu den Kosten,! namentlich den hohen Kohlenpreise stehen, zu erhöhen; die Erhöhung nur für die Bäder 1. Klasse eintreten zu lasten,! mache stnanziell keinen Effekt. So barbarisch und antisozial», wie der Stadtv. Krumm die Entziehung des Rabatts dargestellt, sei diese Maßregel nicht. Auch finanziell sei es nicht von Nachteil, wenn die Bäder, die zu billig abgegeben wurden, infolge der Erhöhung der Badepreise nicht mehr benutzt würden. — Stadt. Krumm bemerkt, nachdem er seine Dar-- lcgungcn in der betr. Versammlung verteidigt, daß der Miß-- -brauch mit den Karten in Unklarheit über die einschlägigen Bestimmungen geschehen sei. — Stadtv. Pirr bemerkt, daß, das Referat über die vom Stadtv. Dr. Gaffky erwähnte Ver- sammlung die Bemerkung enthalte, daß durch Mitglieder von Jnnungskassen, speziell derjenigen der Metzger, Mitzbrauch mit den Karten getrieben worden sei. Dies veranlasse ihn,, folgendes zu erklären: Die Jnnungskasse sei durch Schreiben des Vorstandes des Volksbades benachrichtigt worden, daß! auch sie Karten zu ermäßigten Preisen erhalten könne. Erhübe darauf mit dem Verwalter des Volksbades Rücksprache« genommen, der ihm erklärte, die Karten könnten auch von den Familienangehörigen benutzt werden, was auch geschehen ei. Ihm sei nur bekannt, daß in einem Falle eine derartige Karte angehalten wurde, die an die verheiratete Tochter einer: Metzgerfamilie in dem guten Glauben abgegeben wurde, daß auch sie zur Benutzung berechtigt sei; von einem absichtlichen Mißbrauch könne danach wohl keine Rede sein. Der Voranschlag des Stadterweiterungsfonds, der in Einnahmen und Ausgaben mit Mk. 149 500.79 ab* chließt, giebt zu Debatten keinen Anlaß. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. kein besseres Frühstücks- u. Telefonistinnen Kasseler Hafer-Kakao, der, mit Wasser od. Milch gekocht, Tas Gesuch des Philipp Hofmann, der behufs Vergrößerung seiner Wirtschastsriäume sein in der Wetz- steiugasse stehendes Haus durch einen Anbau erweitern will, wird des Wegfalls der,Einfahrt wegen abschläglich beschieden. Tas Gesuch des Heinr. Winu um Erlaubnis zur Erbauung eines Wohnhauses für Backsteinmacher am Wiß- marerweg wird widerruflich genehmigt. Tie Bepflanzung der Wieseckböschung an dem zwischen Frankfurterstraße und Bahnhofstraße liegenden Teil der Alice st raße und die Anlage schmaler Spazierwege, Aufstellung von Ruhebänken re. war in einer früheren Sitzung.der Stadtverordneten beschlossen worden. Es hat sich nachträglich herausgestellt, daß die Böschung zu steil für derartige Anlagen ist; es wird deshalb auf Antrag der Baudeputation beschlossen, den betr. Beschluß abzuändern und die Böschung nur zu bepflanzen. Tem Anträge auf gärtnerische Umgestaltung des Platzes zwischen Tammstraße und Wetzsteingasse an der Nordanlage stimmt die Versammlung zu, unter Bewilligung der auf 1200 Mk. veranschlagten Kosten. Ter Vorstand des Theatervereins beabsichtigt, die der Stadt gehörigen Theaterrequisiten instand setzen zu lassen. Zu den auf 600 Mk. veranschlagten Kosten will der Verein 200 Mk. beitragen, weitere 200 Mk. sind von der Theaterdirektion beizutragen, der Rest von 200 Mk. von der Stadt. Ter Beitrag wird bewilligt. Ter 11. Gegenstand der Tagesordnung, die Gießener Omnibusgesellschaft betr., wird in nichtöffentlicher Sitzung beraten. Jean Brunner beabsichtigt, mit seiner Wirtschaft an der Ecke Ludwigsplatz-Löberstraße eine Gartenwirtschaft zu verbinden; das Gesuch wird befürwortet; desgl. das Gesuch von Gustav Skalitzky, der im Bach'schen Hause an der Ecke der Plockstraße und Iohannesstraße ein Wiener Cafö einrichten will; das dritte Gesuch um Wirtschafts- Konzession hat Peter Am end aus Sterbfritz eingereicht, der die Wirtschaft zum „Deutschen Host' weiterbetreiben will. Die Bedürfnissrage wird bejaht. Zufolge Beanstandung Großh. Oberrechnungskammer werden eine Anzahl Rechnungen über aus der Hand vergebene Steinhauerarbeiten, Fahren der Straßenwalze usw. nachträglich genehmigt. Hierauf wird in der Beratung des Haushalt- plan s der Stadt Gießen für 1902/03 eingetreteii. Zu Punkt „Vermögen der Stadt" bemerkt Bürgermeister Me - cum, daß eine Neueinschätzung der städtischen Grundstücke beabsichtigt sei, die jedenfalls zu erfreulichen Ergebnissen führen werde. Tas Vermögen der Stadt ist zur Zeit mit Mk. 10 319 531 angenommen. — Bei Pos. 5, ersucht Stadtv. Brück um Auskunft über die Freigabe des Jn- stallationsgeschäfts für Gas und Wasser an Privat-Jnstal- iateure. Bürgermeister Mecum entgegnet, daß der Gegenstand in der nächsten Sitzung der (Aas- und Wasserwerk-Deputation beraten werde. — Bei Pos. 5a, Elektrizitätswerk, wünscht Stadtv. Pirr Verlängerung des Kabels nach der Marburgerstraße. Bürgermeister M c - cum bemerkt, daß auch hierüber die Deputation für das Gas- und Wasserwerk in nächster Sitzung beraten werde. — Bei Pos. 7; Schlachthaus, bemängelt Stadtv. Pirr die Benutzung der Freibank an Markttagen zu anderan Zwecken (Amtszimmer für die Tierärzte); für derartige Zwecke möge man nötigenfalls eine Wellblechbaracke anffteilen. Ferner bezeich-ict Stadtv. Pirr die Erbauung einer Wohnung für den Anteil an Steinpeltaxen für Wanderlaqer 38 (38), für die Landes- Universität 80 (80), Fleischbeschau 7076 (6779), Rettuugsanstalt, Eholerabarackc und Desinfektionsanstalt 400 (400), Zusammenlegung von Grundstücken 466 (466), Gemeindesteuer 705 389 (675 921si Ausgabe. Gebäude 3790 (4275), Grundstücke 11341 (10 829), Waldungen 43132 (39 617), Schlachthaus 31711 (17 477), Jagden 220 (220), Märkte 3122 (3059), Aichanstalten 77 (82), Waaganstalien 1563 (1119), Kirchen 55454 (75 974), Friedhöse 8897 (5772), Volks- und Fortblldungsschulcn 144 649 (137 419), höhere und erweiterte Mädchenschule 66150 (66002), Realgymnasium und Realschule 50 508 (43774), Handwerkerschule 2049 (1959), Vorschule des Gymnasiums 6480 (6550), Aliceschule 651 (891), öffentliche Feierlichkeiten 600 (600), Denkmäler 800 (250), gemeinnützige Zwecke autzerhalb der städtischen Verwaltung 9038 (8433), Sträßenunter- hallung 49 930 (50595), Slraßcnreungung und Kehrichtabfuhr 56304 (53494), Straßenbeleuchtung 33600 (31105), öffentliche Alltagen 14412 (12100), Brunnen 3130 (3580), Bäche 1910 (1990), Kanäle .9616 (11142), Entwässerungsanstalten 636 (641), Filial- arbeitshaus 2960 (2960), Tonnenanstalt 167 (167), Feuerlöschanstaltcn 4175 (3958), Faselvieh 1125 (1125), Gemarkungs-, Flur- und Ge- maimgrcii3enL Parzellenvermessung, Grundbuchskosten 100 (7980), Werl- und Schadenersatz von Feldslrascn 100 (100), Vertilgung schädlicher Tiere 200 (200), Armenpflege 49 350 (48 350), Versicherung der Arbeiter 9 700 (9090), Jmpßmg 560 (500), Stiftungen 7618 (8254), Zwecke des Kreises und der Provinz 104000 (96000), Milttärzweckc 2400 (4000), Polizei 65485 (62050), öffentliche Sicherheit 3179 (2901), allgemeine Verwaltuug 117 727 (112873), Ruhc- unb Witwengehalte 5689 (4499), SchuldeiUilgung 155880 (140160). Kapiralzinseu 332726 (335934), Oktroi 22286 (22711), Hnlidesteuor 734 (477>, für die Landesuniversiläl 924 (924), Fleischbeschau 7076 (4855), Rettungsanstalt, Choker ab ar acken und DesuneklwuSanftalr 1849 (1691), Zusammeillegimg von Grundstücken 311 (311), ausgeliehene Kapitalien 718 (984), Gemeindesteuern 19 430* (27 930), Rente der Oberhessischen Eisenbahn-Gelände-Entschädigung 7561 (7561). Die Bcrmögens-Ncchnuug veranschlagt die Einnahmen ivie folgt: Stiftungskapitalien 718 (984), An- und Verkauf von Grundstücken 37 418 (11 607), Erbauung gemeiuheillicher Gebäudes 300 (300), Erbauung von Straßen inid Wegen 2000 (18640), Kapi^ talaufnahmc 826 217 (1087 430); die Ausgaben: für Stiftungskapitalien 800 (1100), An- und Verkauf von Grundstücken 138 36(1' (88 500), Erbauung gemeinheitlicher Gebäude 20172 (277 287), Erbauung von Straßen und Wegen 24 525 (105 754), Kanal- und Wasserbauten 302 716 (380), Erbauung eines Gaswerks 13 320 (48 315), Erbauung eines Elektrizitätswerkes 35 000 (435 000), Erbauung eines Wasserwerkes 25 500 (27 982), Schuldentilgung zur Uebernahme des Volksbades 4600, Beitrag zu den Kosten für den) Neubau von Kliniken 200 000, Kapitalrückzahlung 101600 (134 643)., Tie Hauptsumme aller Einnahmen beträgt Mk. 2 971646*07: (3 090 297), der die gleiche Summe an Ausgaben gegenübersteht. Bei Pos. 71 a, Schuldentilgung zur Uebernahme desi Vollbades, bringt Stadtv. Krumm die Entziehung des den! Kranken- u. s. ro. Kassen-Mitgliedern bisher gewährten Rabatts bei Benutzung der Bäder 2. Klasse zur Sprache; er spricht sich für Anbahnung einer Verständigung aus, nach welcher) allen auf Grund des Krankenkassengesetzes Versicherungspflich-^ tigen, für die die jetzigen Preise entschieden zu hoch seien, eins Rabatt von etwa 331/3 °,0, gleich einem Badepreis von! 40 Pfg. für ein Wannenbad 2. Klasse gewährt wird. —j Bürgermstr. Mecum erklärt, daß bei Entziehung des Rabatts! sowohl das Desizit des Volksbades, wie der mit den billigen; Karten getriebene Mißbrauch ausschlaggebend gewesen seien; es> sei beschlossen worden, Rabatt nur auf Grund ärztlicher Be-l scheinigung zu gewähren. Er für seine Person sei für eine! Verständigung in der Weise, daß Rabattbillets au Krankenkassen gegeben werden, die die Karten in kleinen Posten am die Mitglieder abgeben, und daß die Karten zur Verhütung öon. Gerichtssaal. Darmstadt, 9. April. Wegen Betrugs, begangen an der Preußischen und Hessischen Staatsbahn, wurden^ vor der hiesigen Strafkammer heute verurteilt der Siedemeister Theodor M i ch l e r aus Berthaldsdorf zu 6 Monat Gefängnis, der Aufseher Paul Weitzenberg aus Anleben zu 9 Monat Gefängnis, der Agent Thomäs H e y l aus Kleinumstadt zu 60 Mk. Geldstrafe. Die Beklagten haben in den Jahren 1900 und 1091 in etwa 1000Fällen beim Wiegen von Zuckerrübenwagen jedesmal zwei Wiegekarten ausgestellt, eine rote und eine weiße. Die weiße behielt die Zuckerfabrik in Groß-Gerau, die rote die Bahn zur Fracht- verrechmmg. Auf der weißen wurde das richtige Gewicht angegeben, auf der roten ein geringeres, sodaß die Bahn um etwa 10 000 Mk. geschädigt worden ist. Bayreuth, 9. April. Die hiesige Straflammer verhcmdelte gegen den Pfarrer W i e s b e ck von Kirchenpingarten wegen zweier Sittlichkeitsvergehen. W. wurde freigesprochen* Jamr, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Loos, Orbig, Piry. Dr. Schäfer, Schiele und Wallenfels. Entschuldigt: Bcig. Wolff, die Stadtv. Dr. Fuhr, Haubach, Löber, Petri, Schaffstädt, Schmall. Bürgermeister M e c u m eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung, daß Beigeordneter Wolff am 1. Mai d. I. leider das Kollegium verlassen werde. — Finanzminister Tr. Gnauth hat für heute (Donnerstagabend) seinen Besuch angekündigt; eine gemütliche Zusammenkunft mit demselben soll nach der Sitzung im „Großherzog" stattfinden. — Eine weitere Mitteilung betrifft eine Eingabe der Volksschullehrer um Gehaltsaufbesserung. Bürgermeister Mecum erklärt hierzu, daß er den Vertretern der Gesuchfteller s. Z. erklärt, eine Gehaltsaufbesserung sei nach Lage der finanziellen Verhältnisse nicht angängig, und ohne Steuererhöhung, an die man ohne große oJot nicht denken könne, nicht durchführbar. Auf wiederholte Vorstellung der Lehrer habe die Finanzdepntation beantragt, dem Gesuche keine Folge zu geben, und die Gesuch- fteller hätten später gebeten, das Gesuch der Stadtveroro- neten-Versammlung zu unterbreiten, am 5. Dlpril aber durch einen Vertreter erklären lassen, daß sie das Gesuch vorlegen wollen, wenn die städtischen Finanzen eine Gehaltsaufbesserung gestatten. Das Gesuch wird danach vorläufig zu den Akten genommen. — Tie Ortskrankenkasse legt in einem Schreiben Protest ein gegen die vom Stadtv. Petri gelegentlich der Beratung über die Errichtung einer besonderen Krankenkasse für die Angestellten des Handelsgewerbes gethanc Aeußerung, daß in der Ortskrankenkasse Parteipolitik getrieben werde; eine Abschrift dieser Kundgebung soll dem Stadtv. Petri, der nicht anwesend ist, zugestellt werdeil. Tas Gesuch der Baugenossenschaft des e v a n g. Arbeitervereins um Bauerlaubnis für die Erledner- straße und den Mittelweg wird bezüglich des wegen Ausführung von Giebeln in Holzarchitektur erforderlichen Dispenses befürwortet. — Beig. Georgi wünscht, daß Gesuche wegen Ausführung von Gebäuden in leichter Holzkoustruk- tiou in Zukunft von der Baudeputation genehmigt werden sollen, damit nicht die Baulustigen unnötig aufgehalten würden. — Bürgermeister Mecum erklärt, es sei Vorschrift, daß darüber die Stadtverordneteu-Versammlung beschließe; es seien noch andere Punkte der Bauvorschriften der Abänderung bedürftig; er habe das Stadtbauamt angewiesen, Vormerkungen darüber zu sammeln, er werbe bann im Laufe des Sommers entsprechende Vorlage machen. Heinrich Arnold II. beabsichtigt fein Haus in der Marktstraße niederzulegen und an dessen Stelle einen Neubau zu errichten. Der projektierte Neubau entspricht hinsichtlich der Größe des Hofraums, der Abortanlagen und der Gebäudehöhe nicht den Bestimmungen der Bauordnung, weshalb Dispens erforderlich ist. Das Gesuch soll nicht befürwortet werden, hauptsächlich wegen der im Verhältnis zur Straßenbreite das zulässige Vöaß weit übersteigenden Gebäudehöhe. — Stadtv. Huhn tritt für Genehmigung des Gesuchs insoweit ein, als er einen dreistöckigen Bau unter Reduzierung des vorgeschriebenen Höhenmaßes der einzelnen Stockwerke genehmigen würde. — Bürgermeister Mecum spricht sich entschieden gegen die Zulässigkeit größerer Gebäudehöhe aus, wenn nicht der ohnedies engen Marktstraße noch mehr Licht und Luft entzogen werden soll. Schlachthofdirektor für notwendig; die Wohnung im Schlachthause fei zu klein. Weitere Bemerkungen machte Stadtv. Pirr in Bezug auf das Budget des Schlachthauses, das keinen genauen Ueberblick gewähre. Tie 30 000 Mark Anlagekapital für die Maschinen seien nicht nur abgeschrieben, die Abschreibung habe sogar das Anlagekapital bereits um 13 000 Mark überschritten; das Baukapital von ursprünglich 200 000 Mk. sei bis auf 137 000 Mk. abge- schrieben. Die neueren Anlagen feien hierbei nicht berücksichtigt, so daß man einen Ueberblick über den Wert der Ge- samtanlage nicht habe. Er empfehle Ausstellung besonderer Rechnung und Voranschlag wie bei dem Gas- und Wasserwerk und zwar durch den Schlachthofdirektor, der damit auch ermächtigt werde, kleinere Anschaffungen selbst zu machen. — Bürgermeister Mecum erllärt betr. der ihm nicht bekannten anderweitigen Benutzung der Freibank das nötige veranlassen zu wollen. — Die Beratung über die projektierte Kühlanlage werde die Frage entscheiden, ob das Schlachthaus überhaupt an der jetzigen Stelle bleibt, weshalb' die Erbauung einer Tirektorwohnung vor der Hand noch gegenstandslos sei. Tie Frage des Stadtv.« Krumm, ob es gestattet sei, Freibankfleisch in größeren Mengen nach außerhalb zu verkaufen, beantwortet Bürgermeister Mecum dahin, daß dies nach vorher ein- geholter Erlaubnis der hiesigen Bürgermeisterei gestattet sei; an hiesige Wirte dürfe Freibankfleisch nicht verkauft werden; auswärtige Bürgermeistereien würden, wenn derartiges Fleisch ausgeführt werde, benachrichtigt, damit sie, die Verwendung überwachen könnten. — Bei Pos. 9, Märkte, bemerkt Stadtv. Hanau, daß bei den Pferde- märkten zu viel Wert auf die Prämiierung gelegt werde, wahrend die Hauptsache der Verkauf sein solle; man solle Pferde, deren Besitzer gar nicht die Absicht hätten, sie zu verkaufen, nicht prämiieren; der Markt gleiche sich mehr einer Tierschau. — Bürgermeister Mecum entgegnet, daß die Pferdemarktkom- mission auch diesbezügliche Erwägungen angestellt habe, aber durch schwerer wiegende ©rünbe veranlaßt worden sei, es bei der bisherigen Hebung zu belassen. — Stadtv. Kirch erklärt, daß Geldpreise nur an Händler und Züchter vergeben werden, also nicht an Private, die lediglich Ehrenpreise erhielten; man habe bisher nur gute Erfahrungen mit dem Pferdemarkt gemacht: die Einkäufe zur Verlosung im Betrage von 10—12 000 Mark berührten die hiesigen Geschäfte angenehm. — Stadtv. JugHardt bemerkt, daß das Verlangen des Stadtv. Hanau, nur Verkaufstiere zur Prämiierung zuzulassen, leicht umgangen werden könne, indem die Privatbesitzer so hohe ' Preise für ihre Pferde verlangten, daß sich keine Käufer finden. Stadtv. Pirr empfiehlt, in Zukunft bei Festsetzung der Märkte zu berücksichtigen, daß sie nicht am Tage nach Feiertagen ftattfinben. — Bei Pos. 11, Friedhöfe, fragt Stadtv. Hanau, bis wann mit der Belegung des neuen Friedhofs begonnen werde. — Bürgermeister Mecum erklärt, daß der Friedhof jedenfalls am 1. Juli eröffnet werden könne; die Friedhofskommission habe sich dafür ausgesprochen, nicht bis zur Fertigstellung der Kirpelle zu warten; die Friedhofsordnung sei in Arbeit, die Auf- eherstellen noch zu besetzen. Stadtv. Krumm bemerkt, daß n dem Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei als Grund der späteren Fertigstellung der Maurerarbeiten am neuen Friedhöfe der Maurerstreik vor zwei Jahren angegeben ei; seinerzeit habe aber Beigeordneter Wolff erklärt, daß )ie Verzögerung eingetreten sei, weil die Pläne noch nicht ertig gewesen; er wolle dies hier nur richtig stellen. — Bei Pos. 28, B ä ch e, regt Stadtv. Helfrich die Verpachtung der Wieseckböschungen, die keinen nennenswerten Ertrag an Heu abgeben, an die Anlieger und zwar für mehrere Jahre an. — Zu Pos. 52, Oktroi, bemerkt Stadtv. Hanau, daß bereits vor zwei Jahren von dem Oberbürgermeister Gnauth die Vorlage eines neuen Oktroitarifs in Aussicht gestellt wurde. — Bürgermeister Mecum erwidert, daß bereits an dem Entwürfe gearbeitet sei; vorläufig habe die Ausarbeitung keinen Zweck bis im Reichstag darüber entschieden sei, daß Gegenstände, die an den Reichsgrenzen verzollt werden müssen, durch die Gemeinden nicht mehr besteuert werden dürfen. Aus Antrag der Finanzdeputation wird der Voran- chlag genehmigt. Aus nachstehender Ziffernaufstellung inb die Beträge der einzelnen Positionen (in vollen Mark, die eingeklammerten Ziffern bedeuten die Beträge des Vorjahres) zu ersehen: Eiunahmc. Gebäude 18 023 (16 419), Grundstücke 30 556 (28 682), Waldungen 96 795 (103 604), Gaswerk 56 700 (107 450), Wasserwerk 16 500 (81 607), Schlachthaus 31 711 (31 071), Jagden 4015 (4035), Märkte 2850 (2600), Aichanstalten 200 (200), Waaganstalten 5000 (4500), Kirchen 53 619 (74139), Friedhöfe 241 (2317), Volks- und Fortbildungsschule 1127 (1117), höhere und erweiterte Mädchenschule 34 451 (34 051), Realgymnasium und Realschule 230 (230), Handwerkerschule 50 (50), Vorschule des Gymnasiums 4680 (6480), Aliceschule 60 (60), Straßeuunterhaltung 2350 (2200), Straßeu- reiniguug und Kehrichtabfuhr 85 (85), öffentliche Anlagen 180 (30), Bäche 30 (30), Filialarbeitshaus 2960 (2960), Feuerlöschanstalren 180 (180), Wert- und Schadenersatz von Feldstrasen 100 (100), Versicherung der Arbeiter 6945 (6295), Stiftungen 8186 (8489), Militärzwecke 800 (1500), Polizei 6615 (7315), öffentliche Sicherheit 98 (98), Allgem. Verwalttmg 9714 (11114), Schuldentilgung 82 405 (11000), Grundzinsen und Anerkenuungsgebühren 810 (815), Kapitalzinsen 159 996 (58 825), Oktroi 118 750 (114 750), Hundesteuer 7040 (7110), April Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtuug Windstärke Wetter 10. 2“ • 744,8 + 16,2 4,2 31 NE. 2 Sonnenschein 10. 925 744,7 4- 8,8 5,8 68 N. 2 Sternh. Hirn. 11. 742,9 + 6,4 5,9 83 NE. 2 Bed. , fitv Xotl teuer» Etr ‘ti'vo o o ÄÖ Mtz LZ o ܧ «I fiS — 72, CD') (M Bü Z-s E t-> ei'? SB a = *S''ö' Z 55 •>?< Ke) :^KN n» C ZZ CQ 9 K tfO K 70 O-*? >O ?< NL' S «St O K E c>St a — s- »TT^-S E ec, -•- <4—tP S^.-K <5 äWwä S X?» «a H V> NZ | K e er? o © «St 5 h cd N N «st q S ■« E S K OJ S Si K K iugea e «st 9 gßetta Ä 2 (9 2 5 bWE 2(9 = S • iW- 19*5 19: s IS) s LP CQ’See Oft <9 «»•; G y/j gas + p *e E c co g- 3.2 e tu 83 es K » *ö o ts 3 E «s7 « 23 ,, e do E « •-7. ->-L ru L :e ?4 5 Z-L P) P ’S K C E 2 w 3 o e e R ««S.'L B «St öS tu CD« 2- 5 E55 cc •eres E1 K £ «v tu I K S rungssondS, 149500.79 ab* D « -r 3 E 3 o © tu 'S* -ov'L -t- •o Zs-Z 3 u u "5" tu x S-oL «'p «i M t: oto 2 9E S-E* legangen an da 0? der hiesigea odor Michl er Auffeher Paul ii§, der Agent rase. Tie Äe- 000 Fallen iedesmal jwer Die weiße be- M zur Fracht Bahn um elm mer verhandel ingarten weg« ireigejproLL 'H' K ■—.2 X 3 billigen M seien; es sicher $e.. ’n iei iw eine; 3 an Men. ^Pcheuan. Verhütung ton, ■ Dr. Gafsli) 'n der 00m. ?lö d. I. ein», daß die Opfer* 3e§ beteiligten; I« als zu den man nicht be»‘ c beschlossene! ; öu umgehen >u den Stoßen,! erhöhen; bie ceten zu lassen,, unb antisozial, > Rabatts dar- iell sei es nicht gegeben rouiben,. mehr benutzt > er seine Dar» daß der Miß«, ie einschlägigem r bemertt, daß erwähnte Der- Mitglieder von ,er, Mitzbrauch veranlasse ihn,, urch Schreiben worben, bafr n könne. Er. !§ Mchprache den auch von auch gescheh« 1 eine derartige ic Tochter einer )cn wurde, daß em absichtlichen »Siu X.§ = - o ~1S)1 ^5® S‘"g 2q o 5 Q t •*“ jC c'?^ 3 »St ’S ost E «Sl «& OSt ,«S' 051 53 05t «St ZT? ost ost «St CD tiZ. CCQ Dux 96 . 103.30 84.30 Faber u. Schlei« 3 Madrider . . 3 do..... —,- —— 3A do..... 98.— 98.- 3 Raab-Oedenbg. vank-AMen. cher .... 130.50 130.50 4 Mew. Thlr. 100 133.45 134.10 4 Oester. Goldrte. 102.55 102.90 4 Offenbacher. . 102.25 —.— (alte) . . . 83.70 79.70 Maschf. Gritzner 161.50 161.50 5 Oesterr v. 1860 153.50 153.50 Vh Oester.Silberrte 101.50 101.60 4 Wormser . . 103.- 103.30 3 do. v. 97 . . 79 50 72.90 Dtsch. Reichsbk. 153.45 153.70 Schnellpressen 3 Oldenb.Thlr.100 128.70 128.50 3 Oest. Lokalbahn 82.— 82.20 3% do..... —,— 98.— 4 Rudolf Gold . 102.- 65.20 Berliner Hand. 151.10 154.2(1 Frankenihal . — — 168.95 2*/j Raab-Grazer . 106.50 107.30 5 „ Galiz. Karl- öA Frankfurt a. M. 98.70 99.10 3 Jtal. gar. E. D. 65 40 Darmstädt. Bk. 137.45 139.40 Schuhfabrik Otto 3 Türk. Frs. 400 111.40 111.80 Ludw^Bahnin 100.60 3 y3 Larmiladt . . 98.7(> 99.- 3 Livorneser . . 66.40 66.30 Denlsche Bk. . 206.90 208.60 Herz u. Co. . 128.50 128.— Silber . . . 99.80 4 Mannheimer . 4 Sizil. v. 91 . 101.80 101.80 Dtsch. Geiwssbk. 102.40 103.70 Siemens Glas 112.— 247^50 pr. Stück i. Mk. 4M Portug. Staat. 43.65 43.80 4 Dlunchcner . . 103.75 103.85 5 Toscanier . . 104.20 11'3.60 DiSct.-Comm. . 189.— 194.60 Nordd. Lloyd . 108.90 109.- 3 do..... 28.50 28.70 4 dlürnberger. . 103.80 103.80 4 Rufs. Sudost . 99.- 99.30 Dresdner . . 137.40 138.80 Concordia Berg« Ansbacher st. 7 _ _ __ 5 Rum. am. Rte. 97.- 97.20 4 Psorzheun . . 103.- —.— 4 do. Südwest 98.80 Franks. Bank . 191.- 188.80 werk . . . 263.- 262.25 Augsburg, st. 7. 31.— 4 Rumän. v. 1890 82.95 84.50 4 Wiesbaden . . 103.10 102^50 4 R]äsan-UralSk . 99.30 ■r*— ■ ■■ D.Eff.u.Wechf.« Dortmund.Union 49.90 53.10 Brjchw.Th1r.20 129.90 4 Russen v. 80 . 100.40 100.— 4 Babenhausen . —.— 4 Wladikawkas 99.- 99.40 Bank . . . 105.70 106.10 Eschwlr. Berg- Freiburg. FrS. 10 33.60 3H Russen Gold- 94.40 94.- 4 Lissaboner . . 76.20 76.75 5 Anatolier . . 102.50 102.45 Pfälzische Bank 118.10 119.20 werk . . . 200.3Cr 200.10 Mailand. Frs. 10 18.- 8lnl. . . 4 Rom L-VIII . 101.50 101.10 3 Salon.-Mon. . 59.80 60.— Schast'hsr. „ 122.60 123.25 DonnerSmark« Diennnger fL 7 "Pappcnh. st. 7 2970 31.- 4 Rust. Slams- Nie., Rubel . Schweden v. 80 Schweiz . . . 1 1. 1 s» 1 o 47, BuenoS-Aires . ■ — Bank für Süd« Hütte . . . 190.- 190.30 8X 3M 1 1 1 f l'Z! Standeshrl. Ani. 4 Pfandbriefe. Frankf.Hypotbk. deutschland . Mittelbtsch. Rattonalbk. 108.90] 110.40 110.70 110.50 110.70 110.50 Hörder Bergw. Kölner Bergw. Mannst.-Fa^on 96.— 314.25 139.25 121.— 312.- 148.75 Venediger L. 30 29.- 29.10 M • 101.— 101.— 4 S.-Braunf. . . - .— XIV . . . 99.- 101.— Oest. Cred.-Akt. 211.10 219.90 Nordstern Bergw. Phönix „ 227.- 225.- Serben ». 96 . 6/.— 66.40 »7. do..... —- —— 27, do. XII XIII . 96.60 96.80 Wie». Bankver. 115.— 118.20 137.75 141.60 Spanier. . . 80.10 —.— 3» /, do. Lich . . — . — 37, do. XV . . 96.80 96.80 iHiebed Montan 201.80 199.50 Turk. Zoll-Obl. —.— ■—— 3>, Vsenb.-Bierst. . 97.— — 4 Frkst. Hypoth.. Schalter Grub. 318.- 319.- do. conv. L'it b. 52.— 52.- Creditverern . 100.-- 100.— Bochumer Guß. 192.50 197.- do. cono. L'it. C 27.60 27.80 4 do. Ser. 27 . 10L— 101.— Gelsenk. 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