Nr. 35 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 11. Februar 1902 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Familien^ blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver- lag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Skein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Lrpedltion und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprrchanschlußNr.51. GietzenerAmeiger General-Anzeiger w AmK- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen Bezugspreis-. monatlich 7b Pi., viertel- jährlich Mk. 2.30; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go Pf.; durch diePosl Mk.2.— viettel- lährt. auöschl. Destellg. lnnahme von Anzeige» ir die Tagesnummer s vormittags 10 UHr. ,errn im Reichstage bestellt ist, dürfte ans den Debatten über die Lex Heinze in Erinnerung sein. Etliche entrüstete Abgeordnete würden, wäre ihnen für ihre Handlungen außerhalb des Reichstages dieselbe Unverletzlichkeit zuge- sichert, wie für ihre Reden innerhalb desselben, sich vielleicht kaum von den Bilderstürmern des 16. Jahrhunderts! unterscheiden. Es gab eine Zeit, in der man in der Politik den Beyrisf „Rationalgefühl" nicht kannte: die Zeit des Abso- llittsmus. Dian operierte mit Ländern wie mit Schachfiguren; die 9tationalität der Bewohner kam nicht in Betracht. So haben die Habsburger Länder in Menge sich Lu eigen gemacht. Der große Besitz ist durch das Erwachen des Nationalgefühls zur schweren Sorge geworden. Der Msolutismns ist international, er schließt die Anerkennung einer Nation ans, wie Rußland bei seinem Verhalten gegen Finnland beweist. Das Endstreben des absoluten Fürsten ist die Beherrschung der Welt. Der letzte absolute Fürst großen Stiles, Napoleon, ging an dem Erwachen des National gefühls zu Grunde. Der absolute Herrscher auf dem Gebiete der Kunst war das Griechentum. Wie international es war, zeigt einer seiner größten Vertreter: Thorwalds en. Seine dänische Heimatlvrache hatte er verlernt, das Italienische undDeutsche nie vollständig erlernt, sodaß sich keiner recht mit ihm unterhalten konnte, und Kestner seine Sprache ein „Hervorstammeln" nannte. -( Das erwachte Nationälbewußtsein brachte auf dem Gebiete der Kunst die Emanzipation von der „Antike". Man spricht von französischer, englischer Kunst. Von deutscher Kunst zu sprechen, möchte ein Teil der Männer verhüten, die unsere Nation politisch vertreten sollen. Unsere moderne Kunst ist eine durchaus nationale Kunst. Wer hätte es früher gewagt, beispielsweise von malerischen Reizen der märkischen Landschaft zu sprechen? Ein Maler, der statt in Italien oder Griechenland in der Mark landschaftliche Vorwürfe gesucht hätte, wäre verlacht worden. Seit der alte Fontane feine „Wanderungen durch die Mark"" geschrieben und der vortreffliche Maler Walter Leiftikow und andere mit ihrem Skizzenbuche hinausgingen und sich andächtig vertieften in die schlichten Schönheiten des Grunewaldes und der Spree- und Havelufer, hat man darüber anders denken gelernt. Ebenso haben unsere hessischen Architekten die malerischen Reize des hessischen Bauernhauses, des mittelalterlichen Fachwerkbaues entdeckt und unsere heimischen Poeten Alfred Bock und Wilh. Holzamer Oberhessen und den Odenwald in die Litteratur eingeführt. Ist die Arbeit des Mnstlers, der den Blick erschließt für die Reize der Heimat, nicht eine nationale That? Der Turnvater Jahn hatte mancherlei Absonderlichkeiten, die uns lächerlich und durchaus nicht nachahmenswert erscheinen; sie können unsere Bewunderung und Dankbarkeit vor dem nationalen Manne nicht beeinträchtigen. Die moderne Kunst hat zweifellos ihre trüben Auswüchse, — jede neue Bewegung hat sie — sie trägt doch viel zur Stärkung des Heimatgefühls und damit zur Hebung des Nationalbewußtseins bei. Man hört allerorten über Kunst reden. Am 28. und 29. ^eptcinber ü. I. tagte der Kunsterziehungstag in Dresden. In bufcni ^ahre wird in Chemnitz der deutsche Lehrertag das Dhema „Kunst und Schule" erörtern. Ueberall regt es sich. Nur in den Berliner Parlamentsgebäuden prallt die Woae ab. Gott sei Dank, daß in Darm stadt eine rudere Luft weht! Volitischc Tagesschau. Zum Entwurf des Hauptvorauschlags der Staatseinnahmen uod -Ausgaben für das Etattjahr 1902/03 und dem Beschluß des ()inanz-Ausschuffes der 2. Kammer veröffentlicht die ,Darmst. Ztg." eine Regierungs-Erklärung, die wir ihrem Inhall nach bereits gestern telegraphisch mitteilten. Wir -affen lie heute im Wortlaut folgen: Nach dem zu Ende des vorigen Jahres der Zweiten Knmmer der Landftände vorgelegten Entwurf des Hauptvoranschlags der Staatseinnahmen und -Ausgaben für das Etatsjahr 1902/04 schloß ^r die laufende Verwaltung enthaltende erste Teil des Vor- mschlags ab mit einem Fehlbetrag von rund 1960000 Mk., 'elcher nach dem Vorschlag der Großh. Regierung zum Teil gedeckt werden sollte durch eine Erhöhung der Vermöaens- steuer (um 20 Psg. für je 1000 Mk. Vermögen) im Gesamtbetrag von 809 091 Mk., im übrigen aber durch Entnahme von 881509 Mk. aus den in früheren Jahren angefammclten Vermögensüberschüssen der Hauptstaatskasse (von insgesamt rund 1701390 Mk.) Inzwischen ist der Finanzausschuß der Zweiten Kammer der Landstände zu einem anderen Ausgleich gekommen: er hat unter Erhöhung einiger Einnahmen und weitgehender sogar produktiver Aus- gaben den Fehlbettag der laufenden Verwaltung um rund 500 000 Mk. vermindert und vorgefchlagen, den danach noch verbleibenden Fehlbettag ganz aus den Vermögensüberschüssen früherer Jahre zu decken, sodaß diese danach auf rund 520000 Mk. zufammenschmelzen würden. Die Großh. Regierung hat in den Beratungen des Finanzausschusses den auf Verminderung des Fehlbetrags gerichteten Bemühungen des Ausschusses, wenn auch keineswegs in dem von demselben schließlich beliebten Umfang, so doch wenigstens insoweit gerne nachgegeben, als sich dies ihres Erachtens ohne empsindliche Schädigung wichtiger Interessen rechtfertigen ließ; dagegen hätte die Großherzogliche Regierung, wenn sie über die beabsichtigte vollständige Deckung des darnach verbleibenden Fehlbetrags aus dem — damit nahezu aufgezehrten — Vermögensrest gehört worden wäre, mit einer solchen Maßnahme unter keinen Umständen sich einverstanden erklären können. Dieselbe steht vielmehr auch gegenüber dieser wie jeder anderen, weitergehenden Inanspruchnahme des Vermögensrestes für das eine Jahr 1902/03 auf dem Standpunkt des Finanzministers, welcher mit Rücksicht darauf, daß die beiden folgenden Budgets nach aller Voraussicht keineswegs leichter zu balancieren sein werden, als dasjenige für 1902/03 in seinem Expos« zum Entwurf des Hauptooranschlages ausgeführt hat, „es müßte ein Versahren, welches den vorhandenen Vermögensrest lediglich zur Deckung des Fehlbetrages de§ einen Jahres 1902/03 v er w enden und vollständig aufzehren würde, als überaus kurzsichtig und nicht zu verantworten bezeichnen werden." — Nunmehr hat auch der Finanzausschuß der Ersten Kammer der Land stände sich von der Notwendigkeit einer solchen Steuererhöhung überzeugt und dieser Auffassung in der- am 8. d. Mts. stattgehabten gemeinsamen Sitzung der Finanzausschüffe beider Kammern Ausdruck gegeben. Dom Burenkrieg. Dewetist, wie uns gestern bereits Depeschen meldeten, aus dem großen Kesseltreiben, bas von Lord Kitchener gegen itn veranstaltet war, entwischt, wie schon so oft, wie besonders in jener Zeit, als sieben englische Generäle hinter ihm her waren. Und babei hatte Lord Kitcheuer diesmal nicht nur die größten Vorbereitungen getroffen, er hatte auch im Gegensatz zu früher insofern ein neues System angewandt, als die vielgerühmten Blockhauslinien ihm be- hülflich sein sollten. Aber seine Hoffnung betrog ihn. Das ist besonders deshalb für England ein großer Schlag, weil man darauf die größten Hoffnungen gesetzt hatte. Man war wieder einmal „diesmal ganz sicher", den großen Feld- Herrn zu fangen- Dieser moralische Schlag sollte dann die übrigen Buren veranlassen, die Flinte ins Korn zu werfen, und sich endgültig dem „Herrn von und über Transvaal" in London zu ergeben- In dem Blockhaussystem, das diesmal zu Hilfe genommen wurde, ist gleichsam die „Maschinenstrategie" ord Kitcheners verkörpert; diese Bezeichnung rührt von der Kriegführung ^kitcheners im Sudan her, wo er seine Erfolge gegenüber den schlechttreffenden Eingeborenen nur unter Aufwendung aller erdenklichen maschinellen Kriegs- hülfsmittel zu erzielen vermochte. Man wollte nun die Hauptmacht Dewets durch Angreifen in langer Linie in eine Ecke zweier Blockhauslinien zwängen und sollte Tewet von Osten hergetrieben werden. Bekanntlich standen die Blockhäuser ursprünglich 1000 bis 1200 Meter von einander entfernt; dies erwies sich als unwirksam, da die durch sie zu schützenden Bahnlinien in den Zwischenräumen wiederholt von Burenabteilungen überschritten oder auch zerstört wurden. Sodann rückte man sie bis auf ea 700 Meter nahe aneinander und verband sie mit Stacheldrahtzäunen, die man auch in breiterer Ausdehnung die Linien entlang und um die Blockhäuser herum anlegte. Tas geschah natürlich besonders sorgfältig mit den für die Jagd gegen Tewet bestimmten Linien. Also die Hoffnungen waren groß, sind doch außerdem 33 Kolonnen gegen ihn in Thätigkeit gesetzt worden. Wie die eiserne Umarmung in Funktion trat und wie Tewet sie zerbrach, haben wir bereits gestern gemeldet. Dieses Entschlüpfen Dewets wird für England nach jener stolzen Mittwoch-Rede des englischen Premierministers, Lord Salisbury, eine sehr bittere Pille bilden. Immer weiter noch, das zeigt sich jetzt wieder recht deutlich, werden den Buren jene starken, alten Bundesgenossen beiseite stehen, und dagegen kann das große englische Weltreich nichts machen: der jahrhundert alte holländisch-englische Rassenhaß, das für die Guerillakriegführung so günstige Gelände, die Englands Kraft dahinraffende Zeit, und endlich last not least, so tapfere und treue Heerführer wie Tewet, die dem einzelnen Buren im Kampfe ein glänzendes Beispiel und Vorbild geben. Ob nun wohl Lord Rosebery feine angekündigte große Rede, die nichts als eine Bestätigung der Rede Salisburys bringen sollte, halten wird? Ter südafrikanische Krieg könne anders nicht, als durch Verzicht der Buren auf die Unabhängigkeit beendet werden, war bisher auch Roseberys Ansicht. Sie wird nun doch wohl ein wenig ins Wanken geraten sein. Das Gerücht, die drei Buren delegierten tyätke» freies Geleit nach Südafrika verlangt, ist vollkommen ^unbegründet. Auch ist keineswegs die Rede vov einer Erhaltung der Besetzungen zwischen dem Präsidenten Krüger und den Burendelegierten, noch auch von einer Absicht Krügers, sich in Genf niederzulassen. Deutsches Reich. Berlin, 10. Febr. Ter Kaiser begiebt sich am IR. Februar mit größerem Gefolge nach Hubertusstock zur Jagd. Tie Kaiserin toi s ihren OK mahl dorthin begleiten- — Bon ehu.u Geschenk des Kaisers an die deutschen Kriegsveteranen in Amerika wird berichtet: Der Kaiser hat dem ^Zentralverband der beut- deutschen Vaterlandokrieacr in Amerika" (Sitz der Zentralleitung befindet sich in Philadelphias aus den Beständen des Zeughauses in Berlin ein im Feldzuge gegen Frankreich 1870/71 erbeutetes Broncegeschütz als Geschenk überweisen lassen. Dieses Geschütz soll mit allem Zubehör auf dem städtischen Friedhof zu Philadelphia ausgestellt toerben und zwar neben einem Monument, das der Verband zur Ehrung der alten Kriegsveteranen daselbst errichten will. Für diesen Zweck ist ein Komitee gebildet worden, das schon einen größeren Tenkmalssonds zusammen- gebracht l)at und dem auch von Deutschland aus Spenden zugeflossen sind. Erst kürzlich haben die Großherzöge von H e s s en und von Baden dem Fonds je 200 Mark überwiesen. — Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In den letzten Wochen ist in englischen und amerikanischen Blättern wiederholt behauptet worden, während des spanisch-amerikanischen Krieges habe England den Vereinigten Staaten dadurch einen wertvollen Dienst geleistet, daß es eine von anderen Mächten, z. B. auch von Deutschland, beabsichtigte Einmischung verhinderte. Im Verlauf der hierüber entstandenen Erörterungen wurde in der deutschen Presse die geschichtliche Thatsache zur Sprache gebracht, daß ein die amerikanische Politik in Kuba mißbilligender Kvl- lektivschritt der Mächte gerade vom Vertreter Großbritanniens in der Konferenz der Botschafter in Washington am 14. April 1898 angeregt worden ist. Diese Thatsache, die nicht als ein nur zwei Mchten bekanntes Geheimnis gelten kann, sucht man jetzt auf der Gegenseite zu bestreiten- Ein englisches Zeitungs-Telegramm meldet: Der Washingtoner Korrespondent der Newyorker „Evening Post" drahtet, er fei zu der Erklärung ermächtigt, daß die am 6. Februar veröffentlichte Berliner Depesche, wonach der englische Botschafter Pauncefote am 14. April 1898 eine Kollektivnote an die Regierung der Vereinigten Staaten über die Unrechtmäßigkeit einer Intervention in Kuba vorgeschlagen habe, eine thörichte Behauptung (absurd ftatement) fei- Wir haben hieraus zu erklären, daß in dieser Sache eine Thorhcit nur dort zu entdecken ist, wo inan versuchen will, den Vorgang zu verdunkeln, der sich nicht unter vier Augen abgespielt hat, über den vielmehr am 14. April 1897 die Vertreter sämtlicher Großmächte in Washington nach Verabredung gleichzeitig und gleichartig an ihre Regierungen berichtet haben. — Im preußischen Abgeordnetenhaus wurde die Novelle zum Wiesbadener Landesbank-Gesetze in zweiter Lesung genehmigt, ebenso der Gesetzentwurf betr- die Landeskreditanstalt Kassel genehmigr. Er folgte die erste Lesung des Gesetzentwurfes betr. die Umlegung der Grundstücke in Frankfurt a M. Minister v- Thielen begründete die Vorlage. Dieselbe sei ein wichtiger Faktor für Beseitigung der Wohnungsnot- Abg. O e f er (freif- Volksp.), der neue Vertreter von Frankfurt, befürwortete die Vorlage und schloß mit der Bemerkung, daß man in Frankfurt Dringend bas Zustandekommen des Gesetzes wünsche- Die Vorlage wurde an eine besondere 21er Kommission verwiesen- — Für das bevorstehende Iubiläumsjahr des Papstes ist eine gleichlautende Anordnung sämtlicher deutschen Bischöfe ergangen, die singendes enthält: „Vom 20. Februar 1902 bis 20. Februar 1903 sollen die Priester täglich beim hl. Meßopfer das Ofebct für den Papst einlegen- Am Sonntag, 23. Februar, sollen die Gläubigen in der Predigt auf die Bedeutung des jetzt schon einzuleitenden Festes hingewiefen werben. Ter Haupt- gotresdienst Hai vor ausgesetziem Allerheiligen stattzufinden. Gemeinschaftlicher Empfang der heuigen Koin- munion ist zu empfehlen- An demselben Sonntag ist eine Sammlung von Liebesgaben für den Heiligen Vater vorzusehen." Ulm, 10. Febr. Infolge von Vorgängen bei der 2. Eskadron des Ulanenregiments in Wiblingen hat der Regimentskommandeur Oberst Frani ganz schnell seine Entlassung genommen und ist abgereist. Auch Rittmeister Foester geht aus „Gesundheitsrücksichten" in Urlaub- Ausland. London, 10. Febr. (Unterhaus.) Brodrick erklärt, die Regierung habe beschlossen, die gegentoärtige, aus einem chinesischen Regimenr uno einer ubtc.. :ng Genietruppen bestehende Garnison von Weihaiwei zurückzu- ziehen. Auf Anfrage Dittes bezüglich der Schaoeneriatz- ansprüche infolge der Wirren auf Samoa erwidert Uuterstaalssekretär Granborne, die Angelegenheit unterliege gegenwärtig dem Schiedssprüche des Königs von Schweden. — (Oberhaus.) Ter Unter;aatSjefretär der Kolonien giebt betr. Weihaiwei eine ähnliche Erklärung ab, wie Brodrick. Es werde dort eine Polizeitruppe errichtet. Dian sei zu der Erkenntnis gekommen, daß der Platz nur enter großen pekuniären Opfern befestigt werden könne. Er habe Grund zu der Annahme, daß die Besitzung von Rcutzen und Wert jein werde. Tas Gerücht, Wei Haiwat au Ehina MÄckzugeben oder an eine andere Macht allzu. + Klein-Linden, 10. Februar. Am Samstag Abend and im Saale des Gasthauses „Zur deutschen Eiche" das 37. Stiftungsfest des ältesten hiesigen Gesangvereins „Eintracht" statt. Es gelangten im ganzen fünf Theater- tücke und Solovorträge zur Aufführung. Die Leistungen der Spieler fanden den ungeteilten Beifall aller Festteilnehmer. Sämtliche Stücke wurden sehr geschickt gespielt. Das von vier Damen und zwei Herren meisterhaft aufgeführte Theater- tück „Gypsfiguri" fand besonders reichen Beifall. Sehr chön wurden ferner das Duett „Adam und Eva" und das Solostück „Heimgeschickt" vorgetragen. Auch der kämpfenden Buren wurde nicht vergessen. An dieAufführung des Stückes„Ein Deutscher im Burenkrieg", das einige Szenen aus dem Frei- yestskampf der Buren darstellt und recht gut gespielt wurde, chloß sich eine Sammlung zu Gunsten der in den Konzentrationslagern darbenden Burenfrauen und Buren- Aus Stadt und Land. (Der Albdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 11. Februar 1902. * * Personalnachrichten. Der Großherzog hat dem • Oberlehrer an der höheren Mädchenschule zu Worms Dr. Uhrig den Charakter als Professor und dem ersten Assistenten bei der Dampfkesselinspektion, Regierungsbaumeister D o f f l e i n in Darmstadt den Titel und Rang eines Bauinspektors erteilt. * * Fastnachts-Dienstag. Schier trostlos sah es in den letzten Tagen aus infolge des fast ununterbrochen niedergehenden Schnees, der immer bald wieder zu Wasser wurde. Gar mancher karnevälsfreudigen Brust in unserer Stadt mag sich um das Gelingen der Fastnacht der Stoßseufzer entrungen haben: „O Himmel, schließ' Deine Schleusen zu, wenigstens für den Fastnachts-Dienstag." Und der Himmel hat ein Einsehen gehabt. Schon gestern erstrahlte er um die Mittagszeit im schönsten Blau, und auch heute lädt schönster Sonnenschein alle Karnevalsfreudigen ein, einmal alle Sorgen des Alltagslebens abzuschütteln und dem Narrenkönig ihre Huldigung darzubringen. So hat denn der Fastnachtstrubel in unserer Stadt auch bereits begonnen. Schon am Vormittag sah man einzelne verschrobene Maskengestalten in den sonderbarsten Kostümen durch die Straßen ziehen. Und um die Mittagszeit bewegte sich der Gießener 8. C. unter den Klängen fröhlicher Märsche, die unsere Regimentskapelle spielte, in fastnachtsmäßigem Aufputz durch die Stadt nach dem Marktplatze. Anch ein eigentümlich ausstaffierter Fastnachtshund, der zur Feier des Tages ein Paar „Unaussprechliche" angezogen hatte, marschierte stolz neben dem Zuge einher. Auf dem Marktplatze entbot namens Seiner närrischen Hoheit des Prinzen Karneval ein Redner den Versammelten — inzwischen hatte auch eine große Menschenmenge sich zusammengefunden — herzlichen Gruß, worauf der übliche Salamander gerieben und die Gläser auf dem Pflaster zerschellt wurden. " Das umgebaute Kreisamt am Brandplatz wird mit elektrischer Beleuchtung versehen. Wie wir hören, ist die Einrichtung der elektrischen Anlage dem Ingenieur Muhlert hier übertragen worden. * * Die Intendantur des 18. Armeekorps hat sich an sämtliche Handelskammern Hessens mrt der Anfrage gewendet, welche Firmen die Lieferung von Ausrüstungsgegenständen für Reserve-Lazarethe für den Fall einer Mobilmachung übernehmen könnten. * * Ein tragisches Geschick hat die Famllie Heß hier betroffen. Der im 68. Lebensjahre stehende Herr Georg Heß stürzte sich gestern auf seinem alltäglichen Spaziergang in einem plötzlichen Anfall geistiger Umnachtung beim Passieren der Lahnbrücke in die Lahn und konnte nur als Leiche herausgezogen werden. ** Zagdverpachtungen. Zu unserer gestrigen Notiz, bett, die Verpachtung der Gemeindejagd inAltenbuseck wird uns mitgeteilt, daß diese Jagd von mehreren hiestgen Herren gepachtet worden ist, unter denen Apotheker Dornberger nur einen Anteil hat. — Die Gememdejagd in Burg-Gemünden, die fast cnrSschlteßkich ans FeLdjagd besteht, wurde für Mk. 2SH Vermischtes. * Freiburg i. Br., 10. Febr. Eine Explosion im Laboratorium wurde verursacht durch das Versagen des Ventils am Kohlensäureballon, als Prof. Kiliani vor Hofrat Wiedersheim experimentierte. Wiedersheim blieb unverletzt. Prof. Kiliani hat einen Schädelbruch erlitten; der Verletzte ist jetzt wieder bei Besinnung. * München, 10. Febr. Der Fall, daß ein verteidigender Rechtsanwalt von einem Zeugen nachträglich wegen seiner Ausfälle auf diesen eine Forderung zum Zweikampf erhalt, dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören. Daß dies aber vorkommt, mußte ein Münchener Rechtsanawlt erfahren, der kürzlich in einem Strafprozeß eine Angeklagte verteidigte und hierbei gegen den Hauptbelastungszeugen, einen hiesigen Großindurstiellen, in seiner Eigenschaft als Verteidiger in scharfer Weise vorging und dessen eidliche Aussagen kritisierte. Nach der Verhandlung bekam der Rechtsanwalt wegen dieser Ausfälle von dem Zeugen eine Forderung zum Zweikampf. Er legte diese Herausforderung in seiner Eigenschaft als Offizier des Beurlaubtenstandes einem Ehrenrate zur Begutachtung vor. Dieser verbotaber dem Herausgeforderten, der Forderung Folge zu leisten, da der Anwalt die allerr- falls als Beleidigung des Zeugen aufzufassenden Ausdrücke in Erfüllung seiner Berusspflicht zur Wahrung der Interessen ।einer Klientin gebraucht habe. Infolge dieses Ausspruches unterblieb das Duell, indem der Anwalt die Forderung ablehnte. * London, 10. Febr. Gestern und vorgestern wütete hier ein Sch nee sturm, wie er seit 20 Jahren nicht erlebt wurde. Die Verbindung mit der Umgebung Londons ist vollständig abgeschnitten. * P a t e r )o n, 11. Febr. Die Zahl der bei der Feuersbrunst Verletzten, die in Krankenhäusern Aufnahme gesunden haben, beträgt fünfzig. Durch den Brand ist auch der Stad tth eil zerstört, in dem die Anarchisten ihre Zusammenkünfte hatten. * Paris, 10. Febr. Die „siamesischen" weiblichen Zwillinge des Zirkus Barnum wurden gestern von dem bekannten Chirurgen Doyen durch eine Operation von einander getrennt. Das eine der beiden Mädchen ist schwer an Tuberkulose der Lunge und des Bauchfells erkrankt. Die Operation bezweckte, das Leben der gesunderen Doodica zu retten und zugleich den Zustand der schwer erkrankten Radiea zu bessern durch Entfernung der tuberkulösen Herde aus dem Bauchfell. Die Operation währte nur 20 Minuten. Sie bestand in der Durchschneidung einer von der Leber gebildeten und mü Haut bedeckten Verbindungsbrücke, welche 7 Ctm. lang und 4 Ctm. dick war und drei Schlagadern führte. Wie der Doktor selbst ui den Zeitungen berichtet, ist er bisher mit dem Erfolg der Operation zufrieden. * Eine umfangreiche Spiele raffaire macht jetzt der Charlottenburger Kriminalpolizei viel zu schaffen. Es liegt ein umfangreiches Beweismaterial zu einem Spielerprozeß vor. Die Angelegenheit fußt auf Begebenheiten, die sich in einem Hause am Kurfürstendamm abgespielt haben. Hier befinden sich mehrere Läden, die auf einen Korridor münden, von dem man ein hofwärts belegenes großes Zimmer betritt. Einen dieser Läden hatte ein früherer Fähnrich W. zu einem Geschäft gemietet, das nichts einbrachte. Das Zimmer gehörte ihm ebenfalls. Während der Laden leer stand, fand in dem Zimmer indessen regerer Verkehr statt, freilich nur zur Nachtzeit. Durch einen Laden und auch durch die Hausthür sah man Herren und Damen eintreten, die sich in dem Jung- geseüenzimmcr versammelten und bis zum Morgengrauen oer* gegen 9JIL 110 früher an Metzgermeister Schreiner-Gießen und Weißbindermeister P. Werner in Burg-Gemünden verpachtet. — Tie Jagd in Schwarz, welche seither für Mk. 361 verpachtet 'war, wurde am Freitag auf weitere 6 Jahre für Mk. 514 verpachtet. Deinnach hat sich die Pachtsumme zum Vorteil der Gemeinde uni Mk. 153 erhöht. Pächter ist auch jetzt wieder der Großherzog. — Bei der Verpachtung der Gememdejagd in Kirtorf blieben Graf v. Schaumburg- Lehrbach und Oberförster Wiener-Kirtorf mit Mk. 835 Meistbietende. Der seitherige Erlös war bedeutend niedriger. — Bei der Wiederverpachtung der Gemeindejagd in W ahlen wurde der Jahrespachtpreis um Mk. 320 in die Höhe getrieben. Das Höchstgebot war Mk. 480 gegen Mk. 160 in der letzten Jagdperiode. — Die Gemeinde-, Feld- und Wald- Jagd in Bermuthshain wurde auf weitere sechs Jahre dem Engländer Ernst Dillmuth aus London und Friedrich Frhr. von Riedesel in Lauterbach für jährlich Mk. 375 verpachtet. Der bisherige Pachtpreis betrug Mk. 210. * * Eine schwere Säbelmrnsnr wurde am Sainstag in der Nähe unserer Stadt ausgefochten. Der eine der Beteiligten, ein hiesiger Verbindungsstudent, soll so schwere Verletzungen am Unterleib davon getragen haben, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. — Nach einer anderen uns zugegangenen Mitteilung sind die Verletzungen leichter Natur. * * 23au r a t Renting y. Am 7. d. M. ist in Mainz der Gr. Bauinspektor Banrat Renting, Vorstand des Gr. Hochbanamtes in Mainz, nach längerem Leiden gestorben. Renting war früher in G i e ß e n erst Vorstand des damaligen Gr. Kreisbanamtes Gießen und später der neu gegründeten Gr. Baubehörde für die Universitätsbauten. Als solcher hat er die Neubauten der psychiatrischen Klinik, des hygienischen Instituts und des chemischen Laboratoriums in der Ludwig- straße ausgeftihrt. 23er Renting, der ein ebenso tüchtiger Beamter, wie ehrenhafter Charakter war, kannte, wird dem Frühverstorbenen ein treues Andenken bewahren! * * Maskenball. Am Samstag feierte der Beamten- Verein Gießen im Cafe Leib seinen Maskenball- Die Festlichkeit kann als äußerst gelungen bezeichnet werden- Es hatte sich eine große Menge Masken in recht kleidsamen und zum Teil auch sehr kostbaren Kostümen eingefunden. Die nach der Demaskierung veranstaltete Aufführung das Stückes „Die Puppen fee" errang viel Beifall, und es muß dem Leiter sowie den Klavierspielern und den Mitwirkenden vollste Anerkennung gezollt werden. Diese Darbietung zeigt von neuem, daß der Verein weder Zeit noch Kostenscheut, um seine Mitglieder angenehm zu unterhalten. Ten Wünschen vieler würde der Verein gewiß entgegenkommen, wenn das reizende Stückchen die „Puppenfee" nochmals anfgesührt würde. treten, sei unbegründet. Rosebery zieht einen Vergleich zwischen den 23ehauptungen der Regierung bei der Erwerbung Weihaiweis und ihrer heutigen Erklärung, nach welcher der Platz zu einem Seebade zweiten Ranges herabgesetzt werde. (Heiterkeit.) Der erste Lord der "Admiralität, Selborne, erklärt: Den wahren Schutz des englischen Handels in den Chinagewässern bilde die englische Flotte'. B r ü s s e l, 10. Febr. In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, daß Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien und Italien vor Wiederaus nähme der Brüsseler Zuckerkonferenz sich dahin verständigen werden, einen Zollkrieg gegen England und Frankreich ins Werk zu setzen, wenn die Zuckerkonferenz infolge des französischen Treubruches scheitern sollte. Paris, 10. Febr. In Regierungsrreisen wird mit Bestimmtheit versichert, daß die Regierung nicht im geringsten daran dentl, dem an General Gallifet gestellten Ansinnen, die Dreyfus-Affaire von neuem durch Einberufung des obersten Kriegsrats wieder auszurollen, Folge zu leisten. — Die Deputiertenkainmer berät das Budget des Justizministeriums. Dumas beantragt Streichung des Titels betr. Kosten für Hinrichtungen, und spricht sich für Abschaffung der Todesstrafe ans. Iustizminister Monis bekämpft den Antrag. Der Antrag Dumas wird abgelehnt. (So hat also das französische Parlament es versäumt, einen ethisch wertvollen Schritt vorwärts zu machen . D. Red.) — Trotz Verbots des Polizeipräfekten ist es den Jung- türken gelungen, ihren Kongreß in Paris abzuhalten. Vertreten waren die türkischen, griechischen, albanischen, armenischen, christlichen jüdischen und kurdischen Komitees. Der Kongreß verpflichtete die Teilnehmer, auf Umwandlung der türkischen Staatsverwaltung in ein konstitutionelles Regime hinzuarbeiten und die Mächte für die Durchführung von Reformen zu interessieren. Venedig, 10. Febr. Zu einer Besprechung betr. Erneuerung des Dreibundes und Abschluß neuer Handelsverträge joU nach Ostern hier eine Zusammenkunft der leitenden Staatsmänner Italiens, Deutschlands und Oesterreichs stattfinden. Be lgrad, 10. Febr. In der Skupschtina wurde sest- gestelll, daß der frühere F i n a n z m i n i st e r 23 u kaschin Petrowitsch, der jetzt im Auslande weilt, den Staat um große Summen gesch ädigt hat. So wurde u. a. mitgeteilt, daß er in Silber aufgenommene Darlehen in Gold zurückgezahlt hat, Rechnungen von Lieferanten gegen Duplikatfakturen beglichen hat, während die Originalrechnungen sich in deren Händen befinden und Zahlungsverbindlichkeiten begründen, und ferner, daß er bei hiesigen Banken kleinere Leihbeträge zu Wucherzinsen ausgenommen hat. — Hier cirEuttert das Gerücht, daß sich Prinz Mirko von Montenegro mit Frl. Natalre Constantino- witsch, Tochter des Onkels des Königs Alexander, verlobt hat. New York, 10. Febr. Der Zustand von Roosevelts Sohn ist sehr kritisch. Ein Newyorker Spezialist wurde zugezogen. Sofern nicht eine schnelle Wendung zum Bessern eintritt, dürfte PrinzHeinrichs Besuch verschoben werden. , . t- Grebenhain, 7. Februar. Die Vermessungsarbeiten an der Bahnstrecke Grebenhain-Gedern, die anfangs Februar nach kurzer Unterbrechung wieder fortgesetzt wurden, sind beendet, und es erfolgt jetzt eine vollständige Ausarbeitung des Projekts, das sodann einer landespolizeilichen Prüfung unterzogen wird. Nach technischer Beurteilung werden keine Anstände zu erwarten sein, da es außer einer Ueberbrückung der Staatsstraße Grebenhain-Gedern eines ca. 9 m tiefen Einschnitts bei Hartmannshain und eines zu errichtenden 7 m hohen Dammes in der sogen. „Hundsbach" keine größeren Terrainschwierigkeiten gibt. Auf eine Beschleunigung des Baues wird behördlicherseits sehr gedrängt. Darmstadt, 9. Febr. Am Freitagabend war das Komitee für Errichtung eines Bismarck-Denkmals zusammen- getreten. Drei Plätze waren zur Diskussion gestellt worden, nämlich der Ludwigsplatz, der Platz vor den Bahnhöfen und die Kraftruhe. Nach kurzer Beratung wurde die allgemeine Ansicht festgestellt, daß sich der Ludwigsplatz aus verschiedenen Gründen nicht für die Aufstellung des Denkmals eigne. Gegen • öen Platz vor den Bahnhöfen sprachen sich in erster Linie die Künstler, insbesondere Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann, entschieden aus. Es kam also nur noch die Kraftruhe infrage. Geh. Rat Hofmann bezeichnete sie als geradezu idealen Platz dafür und einstimmig und freudig wurde die Wahl der Kraftruhe beschlossen. Mainz, 10. Febr. Der kürzlich verstorbene Fabrikant Adolph Beck, in Firma Oberdehn und Beck, hat ein Vermächtnis von 10 000 Mk. hinterlassen mit der Bestimmung, daß alljährlich die Zinsen dieses Kapitals an Arbeiter oder deren Frauen, welche durch Krankhesten oder sonstige Verhältnisse in eine bedrängte Lage geraten sind, verteilt werden sollen. Frankfurt a. M., 10. Febr. Auf einer Eisenbahnstatton unweit Frankfurt a. M. wurde eine Kiste aufgegeben mit der Aufschrift: „Lebende Tiere". Von dort aus wurden diese Tiere in einem Wagen befördert, in dem sich lebende Gänse befanden, die in Verschlügen eingestellt waren. Als man in Hannover den Wagen öffnete, um die Tiere zu tränken, sah man, daß zehn Exemplare der „Retterinnen des Kapitols" zerrissen und zum Teil angefressen im Wagen lagen. Gleichzeitig aber kauerten in den Ecken des Wagens zähnefletschend zwei Hyänen. Die 23estien hatten sich aus dem Kasten befreit und dann das Blutbad unter den Martinsvögeln angerichtet. Die Hyänen waren für die Firma Hagenbeck in Hamburg bestimmt. * * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die am 8. v. Mts. bei Groß-Krotzenburg aus dem Main geländete männliche Leiche, die allem Anschein nach schon seit längerer Zeit im Wasser gelegen hatte, wurde nunmehr als die des im Oktober v. I. ertrunkenen Steinhauers Engelbert Gönner aus Fechenbach bei Miltenberg erkannt. lindern, die 20,10 Mk. ergab. Der zweite Teil der Feier bestand in einem flotten Tänzchen, dem besonders die Jugend eifrig huldigte. Aber auch die älteren Mitglieder ließen es ich nicht nehmen, noch einmal einen Walzer zu riskieren, und so verging nur die Zeit zu schnell, so daß mancher der älteren Mitglieder sich in der Heimkehr um einige Stunden verspätete. Die Kapelle Becker Wieseck sorgte für treffliche Musik. So nahm die Feier den denkbar schönsten und besten Verlauf. g. Garbenteich, 10. Febr. Die gestrige Abendunterhaltung des „Gesangvereins Viktoria" war sehr zahlreich besucht. Der Lotz'sche Saal war Kopf an Kops gefüllt. Die theatralischen Aufführungen waren recht gut, ebenso er- reuten die schönen Musik- und Gesangsvorträge. Eine kleine Tanzbelustigung, die die Teilnehmer in fröhlichster Stimmung bis zum Morgengrauen zusayrmenhielt, bildete den Schluß. a. Gruningen, 8. Febr. Am Donnerstag fand das Konzert zum Besten der Buren-Frauen und -Kinder statt. Das Prgramm, das in drei Teilen 15 Nummern aufwies, war gut gewählt. Großen Beifall fand der Violinist F. H e ß mit seinen Solis, zu denen Lehrer Jung hier die Klavierbegleitung übernommen hatte. Lebhaften Beifall fanden auch die von Letzterem vorgetragenen Lieder. Der Reinertrag der Veranstaltung beläuft sich auf 76 Mk. Fricdrichshiitte (Oberhessen), 8. Februar. Wer schon einmal von Hungen das Thal der Horloff hinauf gewandert ist, der wird sich noch der sich hoch aufbauenden Holzstöße in der Nähe der chemischen Fabrik bei Ruppertsburg erinnern. Keinen geringen Schreck rief es hervor, als heute morgen der Ruf Feuer an diesem Platz erscholl; ein großer Holzstoß tand in Flammen. Da die Feuerspritze der Fabrik das Feuer nicht bewältigen konnte, wurden die Feuerwehren m Laubach, Gondershausen, Ruppertsburg, Röthges und Villingen alarmiert, welche bis 7 Uhr sämtlich zur Stelle waren, so daß den vereinten Kräften die Verhinderung des weiteren Ausbreitens des Feuers bald gelang. Dem „Darmst. Tägl. Anz." zufolge sind etwa 300 Meter Buchenholz durch das Feuer verzehrt worden. Ueber die Ursache ist bis jetzt nichts Näheres bekannt, böswillige Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen. § Lauterbach, 9. Februar. Bürgermeister Frank von Radmühl, der zu der gestrigen Bürgermeisterversammluttg hierher gekommen war, verunglückte auf dem Wege nach dem Bahnhof derart, daß er in das hiesige Krankenhaus gebracht werden mußte. Er glitt in der Nähe des Perrons aus und fiel hin. Dabei brach er zwei Rippen und trug auch eine Verletztuttg am Arm davon. t- Hartmannshaill, 6. Februar. Der Gemeinderat hat die Ausführung einer Wasserleitung beschlossen. Sie ist ehr leicht und billig anzulegen, da nur einige 100 Mir. vom Ort ergiebige Quellen sich befinden, die auch genügend hoch liegen, um da§ Wasser bis in die höchst gelegenen Häuser zu bringen weilten. Ta man vorher beobachtet Halle, daß W. mit einem Kaufmann zur Tages- und Abendzeit auf einem Roulette übten, so war der Verdacht entstanden, daß jenes Zimmer als Spielhölle benutzt würde. Dadurch kam die Sache zu Ohren der Polizei, die das Nest ausnahm und zwei Roulettes beschlagnahmte. Soviel bisher bekannt ist, hat W. eine Reise nach Monako unternommen, sich dort die Roulette? beschafft und wahrscheinlich auch m der Handhabung Überweisung erhalten. Wer die Bankhalter waren, wer mit Gewinn oder Verlust das einsame Zimmer verlassen hat, muß bei den noch mchl abgeschlossenen Feststellungen einer späteren Veröffentlichung vorbehalten bleiben. * lieber neue Moden in den Haartrachten schreibt ein englischer Modebericht: Die neue Mode in den Haartrachten, wie sie zu Gesellstt-aften getragen werden, bestehl darin, das Haar an beiden Seiten hervortreten zu lassen und diese hervortretenden Teile mit den üblichen Kämmen zu halten. Dann wird das Haar hinten in drei Heine Nollen horizontal eine über der andern gerade auf hem Nacken arrangiert. Das ist nicht schwierig und erfordert auch durchaus wicht reichlichen Haarwuchs. Ein Scheitel in der Mitte ist jetzt sehr oft zu sehen und steht einigen Gesichtern sehr gut, besonders Wenn das Haar an beiden Seiten nicht zu flach gehalten ist. Dies letztere würde sehr altmodisch ausiehen, m einer Zeit, wo das Wesentliche der Frisur darin besteht, das Haar um das Gesicht so lotter wie möglich zu tragen, sodaß es dasselbe einrahmt. Dadurch sieht das Gesicht schmal aus, und diese Haarfrisur sollte immer bei breiten Gesichtszügen und sehr vollen Backen getragen werden. Obgleich oas Haar jetzt immer hervortritt, wird es oollfommcn eigen arrangiert, in: Gegensatz zu den „ästhett- schen" Frisuren, bei denen das Haar sehr sorglos behandelt wurde und mehr vogelnestartig aussah. Am beliebtesten als Putz sind kleine Blumenkränze oder Blätterkränze, Schmetter- Unge aus mit Juwelen besetztem Chiffon oder Spitze, ober Aigrettes aus Blumen und Knospen. Manchmal wird ein ■6tud hellfarbigen Sammetbandes zwischen die Locken der Frisur gedreht. Weiße Blumen sehen in grauem Haar gut aus, besonders wenn sie mit einem Knoten schwarzen Sammetbandes gebunden sind. Ist das Haar sehr dick und schön, so braucht es weiter keinen Ausputz, aber ein kleiner Knoten aus weißem, schwarzem oder farbigem Tüll ist manchmal sehr wirkungsvoll New York, 10. Febr. Hoch in Detroit (Michigan), Vizepräsident der (Litt) Savinas Bank, unterschlug 1 Million Dollars. Die Bank ist fallit. Märkte. Gießen, 11. Februar. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Psund 0,90—1,00 Mk., Hühnereier pr. Stück 7—8 Pf., 2 Stück 00.00 Ps., Jläfc pr. Stück 5—7 Pf., Kasematte 2 Stück 0—0 Pfg., Erbsen pr. üitcr 19 Psg., Linsen per Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar 0,90—1,00 Hühner pr. Sluck 1,20—1,50 ÜJtf., vahnen pr. Stück 1,30—2,00 Alk., Enten pr. Stück 2,20—2,50 Alk., Gänse pr. Psd. 00—00 Psg., Ochscnftcisch pr. Psund 66—76 Psg., Kuh» und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Psg., Schweine- leisch pr. Psund 70—80 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 60—66 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 3,50—0,00 Alk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,00—8,00 Alk., Aiilch per Liter 1b Pfg. Acpfel per Psd. 9—15 Pfg., in Körben 12—15 Psg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Psd. 18—20 Pfg. Tauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen seilgeboten werden. Meteorologische Bcobuchtungen der Station Gießen. Wetter Februar -O - § .2 a 5 5 eo C H 5? * 10. 2,s 738,5 + 1,7 3,3 64 W. 2 Sonnenschein 10. 9" 736,0 + 0,4 3,8 78 E8E. 1 Bed.H., Echnee 11. 7“ 738,0 — 0,6 4,1 94 NW. 6 Bcd. Himmel »ochste Temperatur am 9. Febr. bis 10. Febr. 4- 3,2° C. fiebrigste , „ 9. „ ,10. , — 3,9° C. Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 10. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Toppeischraubendampfer „Breslau^, Kapitän H. Feyen, vom 9lorddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 7 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Gerichtssaal. — Das Gewerbegericht ist zuständig für Lohnklagen, ist es aber auch umgekehrt zuständig, wenn zuviel gezahlter Lohn zurück- E' dert wird? Das Gewerbegericht Frankfurt a. Dl. hat die e bejaht, denn wenn die Rückforderung sich auch als eine e wegen ungerechtfertigter Bereicherung darstelle, so sei die verlangte Rückzahlung doch gleichzeitig eine „Leistung aus dem Arbeitsverhältnis . Brandenburg, 10. Febr. Ter Stalions-Eef in Togo, Hauptmann Wegener, welcher der tödlichen Mißhandlung von Eingeborenen angeklaat und deswegen nach Deutschland zurückgeschickt worden war, ist vom Kriegsgericht freigesprochen worden Kandwirtschaft. ** Der Verband rheiuhefsischer Weinhändler hat folgende .Änträge zu dem Entwürfe eines neuen Zolltarifs dem Reichstag unterbreitet: Zu Nr. 176 — Anderer Branntwein, Kognak, Arrac, in Fässern — den vorgesehenen Zoll von 150 Mark für 100 Kilogramm auf 125 Mark ermäßigen zu wollen Zu Nr. 177 — Branntwein aller Art in anderen Behältnissen als in Fässern -i- Satt dem vorgesehenen Zollsatz von 241 Mk. für 100 Kilogramm en bisherigen Zollsatz von 180 Mk. zu belassen. Zu Nr. 178 — Wein und frischer Aiost in Fässern oder Kesselwagen — bittet der Verband den Reichstag dringend, die Staffelung der Zollsätze nach dem Weingeistgehalte beseitigen und einen einheitlichen Zoll für alle Weine und Moste bis zu 20 Grad Weingelstgehalt entführen zu wollen. Für letzteren Aittrag werden dieselben Erwägungen Sielicnb gemacht, die bei den verbündeten Regierungen für die Be- eitigung der Staffelung bei Branntwein den Ausschlag geben »ürften. Insbesondere wird bemerkt, daß Weine mit einem Weingehalt von 14 bis 20 Grad den einheimischen Weinen nur eine sehr geringfügige ^lonkurrenz bereiten, weil sie durch letztere nicht ersetzt werden können und weil sie zum großen Teile als Medizinalweine Verwendung fmben. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. " Bad-Nanheimcr Ltadtaulerhc. Unserem gestrigen Bericht über die Vergebung der Bad-9tauheimer Stadtanleche tragen wir noch nach, daß in Gemeinschaft mit dem Bankhauje Ephraim Meher u. Sohn in Hannover auch das hiesige Baickhaus Jakob Grünewald sich mit 97,10 Prozent unter den Wettbewerbern befand. Frankfurt a. M., 10. Febr. Der Reingewinn des Frank- futer Hypotheken Kreditvereins beträgt 1280 361 Alk. gegen 1251 528 Mark im Vorjahre. Tie Dividende wirb wieder mit 71/« Prozent beantragt Berlin, 10. Febr. In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats der Rationalbank für Deutschland wurde seitens der Direktion die Bilanz und das Gewinn- und Verlust-Konto für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt Nachdem die außerordentlichen Reserven von Alk. 2 500 000 mit Mk. 1000 000 für den aus den Beziehungen der Bank zu der Allg. Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft, Akt.-Ges., und dem Besitze von Werten derselben sich ergebenden Verlust, ferner mit Alt. 700 000 auf die Forderung an die Leipziger Bank in Leipzig, und mit Alk. 800 009 auf Eonsortialbestände abgeschrieben worden sind, ergiebt sich auf Wechsel- und Zinsen-Konto ein Gewinn von Mk. 3 462 898.84 (im Vorjahr 4 498 179.50), Provisions-Konto 1 127 994.37 (1 465 672.83), Effekten- und Con- sorttal-Konto 543 826.37 (457 988.25), Sorten- und Koupons-Konto 36 461.40 (52 698.21), Gewinnvortrag aus dem Vorjahre 151 616.63 (109 c>08.34> Alark. Rach Abzug der Verwaltungsspesen von Alk. 1433 075.21 (1 462 452.01), Steuern 360 445.98 (367 013.56) und ferner nach Abschreibung auf Eonfortialbestände 1000 000 auf Conto-Corrent-Konto 462 939.11 (390 376.45) Alk., sowie auf Bank- gebäube- und Inventar-Konto 35 911,10 Alk., verbleiben verfügbar 2030425.70 Mk. Es wurde beschlossen, der auf den 27. März 1902 einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 3 Pr oz. vorzuschlagen, dem Beamten-Pensions- unb Unterstützungsfonds 25000 Alk. zuzuwenden, für Bearnten- Gratisikationen 100 000 Alk. zu verwenden unb den verbleibenden Rest mit 105 42o.70 Alk. ach neue Rechnung vorzutragen. Hamburg, 10. Febr. Tabak. Das Geschäft zeigte sich etwas lebhafter. Für Brasll-^abake herrschte reges Interesse, da un- Ä 25000 Ballen vorjähriger Ernte für Regiezwecke hier und achbarmarkt aufgenommen wurden. Es scheint dies eine Folge des schlechten Ausfalles der diesjährigen Ernte zu sein, welche trotz der früheren gegenteiligen Berichte nicht beit Anforderungen einer leichten, guten Ernte entspricht. Nach allem, was hier bisher von neuer Ware gezeigt wurde, dürften die Tabake schwerlich für bessere Zwecke Verwendung finden können, sodaß man schon jetzt auf die alten Bestände refleftiert Verkauft wurden ca. 1000 Packen St. Felix Tabake zu guten Preisen, ferner wurden einige kleinere Partien Rio Grande und Carmen begeben. Heber die Havana- Ernte laufen andauernd ungünstige Berichte ein. In anderen Sorten fehlten Zufuhren. Für türkische Tabake, namentlich billige Sorten, bleibt rege Nachfrage bestehen. Verkauft wurden zirka 600 Packen billige Griechen zu guten Preisen. Neueste Meldungen. OriginaldrahtmeUmugen des Gießener Anzeigers. Berlin, 11. Febr. Die Reichsbank setzte heute chren Wechseldiskont auf 3pCt. und ihren Lombardziusfutz auf 4pEt. herab. London, 11. Febr. In hiesigen Hofkreifeu wird ernstlich mit der Eventualität einer Vertagung der auf den 26. Juni angesetzten Krönungsfeier gerechnet und zwar mit Rücksicht auf die zunehmende Ausbreitung der Pocken-Epidemie. Amtlichen Kreisen kommt das nicht ganz ungelegen. — Zn einem Times-Telegramm aus Pretoria heiht es: „Trotz der gewaltigen Ausdehnung der Blockhaus-Linie sei es nicht möglich, auch nur einen Bezirk von dem Umfange der Grafschaft York als auf die Dauer vom Feinde gezaubert zu bezeichnen. Auch wurde selbst die Gefangennahme von D ewe t, Louis Botha und anderer leitenden Bnren-Generale keinen merklichen Einfluß auf den Fortgang des Krieges ausüben". Dieses Telegramm giebt die Auffasfnug des britischen Haupt-Quartiers wieder. Man macht sich deshalb iu leitenden Kreisen mit dem Gedanken erheblich längerer Kriegsdauer von neuem vertraut und wird, da man die Krönung keinesfalls vornehmen kann und will, bevor die Waffen ruhen, eventuell die Pocken-Epidemie als plausiblen Vorwand zu einem Aufschübe benutzen. London, 11. Februar. Daily Chronicle veröffenllicht eine Mitteilung des Staatssekretärs von Indien, worin dieser be- kannt macht, daß in Roajpootana die Hungersnot noch durch ein Ueberhandnehmen der Ratten verschlimmert wird, die alle Vorräte anfgesreffen haben. Dec Regen bleibt noch immer ans. Die Zahl der Notteidenden beträgt 200,000. Das Blatt erklärt die Lage in Indien für noch schlimmer als die in Südafrika. Loudon, 11. Febr. Die ministeriellen Erklärungen über die Zukunft von Wei-hai-wei haben in parlamentarischen Kreisen nicht befriedigt, weßhalb heute Lord Crauborue darüber interpelliert werden wird, ob die Entfernung der Besatzung infolge des Abkommens mit Deutschland oder einer anderen Macht erfolgt ist. London, 10. Febr. Kitchener meldet ans Pretoria vom 10. Febr. die Burenverluste betrugen in den letzten 3 Wochen 69 Tote, 17 Verwundete, 574 Buren wurden gefangen genommen, 57 ergaben sich. General French berichtet: daß ein aus 60 Wagen bestehender Convoi, der nach Beaufort westlich nach Fraserburg, ging und von 160 Mann eskortiert war, 30 Meilen vorn Bestimmungsort genommen. Der Oberst Crabbe trieb den Feind nach heftigem Kampfe zurück. Ten Engländern wurden zwei Offiziere und 11 Mann getötet, ein Off izier und 47 Manu verwundet. Von den Buren wurden 24 Mann getötet und 47 verwundet. Von der Kolonne Darum, die bei Cativia operi rt und Nachts au dem Rückzüge angegriffen wurde, find 3 Offiziere und 7 Mann getötet, 17 Alaun wurden verwundet. Die Koloune von Donop, die von Lord Methuen am 7. Februar nach Walmirstadt gesandt wurde, überraschte am 8. Februar morgens ein Bnrenlager. Bei dem Ueberfaü wurden 2 Buren getötet, 3 Derrn unbet und 33 gefangen genommen. Der Kommandant Pot- giester entkam. Budapest, 1L Febr. Auf Anregung Deutschlands werden die Handelsverträge mit Deutschland, Italien und Serbien durch provisorische Verträge auf die Tauer eines Jahres ver- läng er t. Breslau, 1L Febr. Ter Leiter der hiesigen Singakademie, Komponist und Musikschriftsteller Prof. Julius Schäfer, ist gestern im Alter von 78 Jahren gestorben- Dresden, 11. Febr. Wahrscheinlich wird sich auch der infolge seiner Niederlage amlsmüde Minister von Metz sch ins Privatleben zurüttziehen. Der Direktor im Staatsministerium Geheimrat Diller hat gestern den Abschied erhalten. Chemnitz, 11. Febr. Der Laufmanns - Lehrling Schneider hat gestern ab em- nach 9 Uhr an der 33jähr. ledigen Direktrice Derlei einen Mordversuch begangen. Er lauerte ihr vor ihrer Wohnung auf und versuchte ihr mit einem Rasiermesser den Hals durchzuschneiden Er wurde noch in der Nacht in dem Schuppen des Wohnhauses seiner Mutter verhaftet. Als Motiv gilt die That- ache, daß die Oertcl von einem Einbruch lvußte, den der Lehrling im Gesttstifte seines Prinzipals begangen hatte. Paris, 11. Febr. Nach einer Londoner Privatdepciche des „Matin" ist die Meldung daß Uvischen der englisch«: und französischen Regierung eine geheime Abmachung über die Zuckers rage getroffen worden ist, vollkommen unbegründet. Nachod, 11. Febr. Die Prinzessin Wilhelm vonSch au m bürg-Lippe, geb. Prinzessin von Anhalt, ist gestorben- Ihre Tochter, die Königin von Württemberg, sowie ihr jüngster Sohn, der Prinz Max von Schaumburg, sind hier eüigctroffen. Sidney, 11. Febr. General Hntto, Befehlshaber der australischen Armee, hielt gestern eine Parade ab, wobei er eine Ansprache hielt, in der er den Militarismus verurteilt, uwd erklärte, Australien brauche keine Armee. Seine Miliz genüge vollständig zu feiner Verteidigung. van H outeris cacao Ein nahrhaftes, belebendes Getränk, welches einen wohlthuenden Einfluss auf die Nerven ausübt» — Salvatorbier. Tas weltberühmte Münchener Bier aus der Großbrauerei zum Paulanerbräu kommt wie alljährlich auch Heuer wieder Anfangs März zum Versandt! Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M 37,o/0 Reicbeanleiho . . 102.30 30/g do. ... 91.90 8*/,% Konsole .... 101.95 3°/o do......91.65 3 ’/a°/o Hessen .... 100.00 3% Hessen —.— 4% Oesterr. Goldrento . 103.20 41/,% Oesterr. tiilberrente 101.40 4% Ungar. Goldrento . . 101.10 40/0 Italien. Rente . . . 101.10 4V,% Portugiesen . . . 42.00 bO/, Portugiesen .... 27.60 1 % C. Türken . . . 28.10 Türkcnlose 115.20 4% Griech. Monopo.l-Anl. 45.60 11. Februar. 3°/q Mexikaner .... 26.80 4,/8"/o Chinesen .... 90.80 Electric. Bohuckert . . . 122.00 Nordd. Lloyd — Kreditaktien 219.80 Diskonto-Kommandit . . 194.50 Darmstädter Bank . . . 187.20 Dresdener Bank .... 138.60 Berliner Handelsges. . . 153.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 148.00 Lombarden 20.80 Gotthardbahn 170.30 Laurahütte 205.50 Bochum 194.20 Harpener 168.50 4*/i% äussere Argentiner —.— Tendenz: ruhig. Bekanntmachung. Der Boranschlag der Gemeinde Großen-Linden pro 1902/03 liegt vom 13. d. Mts. an während 8 Tagen zur Einsicht und Entgegennahme etwaiger Einwendungen bei uns offen. Großen-Linden. am 11. Februar 1902. Großh. Bürgermeisterei Großen-Linden. _____________________Leun.________________1280 Oeffentliche Vergebung. Für Großh. Landgericht Gießen und die Staatsanwaltschaft bei diesem Gericht soll die Lieferung der für 1902/03 erforderlichen Schreibmaterialien (mit Ausnahme der Artende ckel) und die Fertigung der Buchbiuderarbeiten im An- gebotswege öffentlich vergeben werden und können verschlossene Angebote und Muster der Materialien bis zum Eröffnungstermin, Freitag, 28. Februar 1902, vormittags 11 Uhr, auf der Gerichtsschreiberei Großh. Landgerichts (Justizgebäude Zimmer Nr. 33) niedergelegt werden. Der Zuschlag bleibt 7 Tage vorbehalten. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerialerlass vom 16. Juni 1893, betr.: das Verdingungswesen, enthaltenen allgemeinen und den dahier aufgestellten besonderen Bedingungen, welche, wie auch der Tarif für Buchbinderarbetten, auf der Gerichtsschreiberei zur Einsicht offen liegen bezw. erhältlich sind. Gießen, 10. Februar 1902. 1281 Gerichtsschreiberei Großh. Landgerichts. Bilanz am 31. Dezember 1901. Aktiva. JL H 1. An Kassa-Konto 95.07 2. „ Waren 8134.38 3. „ Mobilien nach Abschreibung von 10<70 115.93 4. , Utensiüen nach Abschreibung von 15% 32.04 5. u Debitoren 1202.63 Passiva. JC. H 1. Per Mitglieder- guthaben 1761.— 2. „ Reseroefond 1248.28 3. „ Betriebsrücklage 1547.27 4. , Waren-Kredt- toren 2071.99 6. , Geschäftsunkosten 371.72 6. „ Reingewinn 2579.79 9580.05 Mttgliederstand Ende Zugang m 1901 Abgang in 1901 9580.05 1900 ... 109 .....10 119 ..... 4 Mttgliederstand Ende 1900 . . ♦ 115 Klein-Linden, den 31. Dezember 1901. Konsum-Derein e. H. m. u. K. Klein-Linden. Der Borstand: P. Jung EX., G. Jung IL, Naumann. Direktor. Rechner. 1276 Couverts mit Firma liefert billigst Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 (Pietsch Erben) Glessen, Schulstr aase 7, Anfertigung von Drucksachen aller Art ■ -1 - Danksagung, 67. ernt !2, p. Wohn' u. Küche 057ö] Junge, der die L chneiderei erlernen will, zu Ostern gesucht. Georg Leib & Sohn. 0585] Ein braves Hausmädch^ welches servieren und die bess. 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