Nr. 9 Samstag, 11. Januar 1903 1&3. Jahrg Erscheint lagNch mit Ausnahme ded Sonntags. Die „Gießener Lamilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Unioersitätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 114. Sitzung vom 10. Januar. 1 Uhr. Das HauS ist schwach besetzt. Am Bundcsrathstisch: Frhr. von Thielmann, von $ ° ^Die *Abgg. Dr. Paasche (nat.-lib.), Schmidt- Warburg (Ctr.), Letocha (Ctr.), Dr. Kropatscheck (kons.) und Dr. Pachnicke (freis. Vgg.) werden zu Mitgliedern der Reichs- schuldcn-Kommission wiedergewählt. Sodann wird die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Abg. Basscrmann (nat.-lib.): Meine Freunde sind damit einverstanden, in diesem Jahre eine Einschränkung der Kornrnissions- berathungen cintreten zu lassen und gewisse Theile des Etats, die bisher der Budgetkommission überwiesen zu werden pflegten, diesmal sofort in zweiter Lesung im Plenum zu behandeln. Die Kommission wird ja eine Reihe prinzipieller Fragen 311 erörtern haben, dazu kommt, dazu kommt, daß die Etatsbcrathung in diesem Jahre später begonnen hat als sonst, so daß es besonderer Beschränkring bedarf, wenn wir auch in diesem Jahre den Etat, wie es unsere Absicht ist, rechtzeitig verabschieden wollen. Mein Freund Sattler hat in früheren Jahren eingehend über die geringe Uebersichtlichkeit des Etats gesprochen. Seine damaligen Magen gelten auch für den diesjährigen Etat. Ist doch der Etat nachgerade so komplizirt geworden, daß er, wie man sagt,- nur noch von einem Beamten der Reichskanzlei vollständig beherrscht wird. In den letzten 2 Tagen haben eine Reihe von Rednern den Etat eingehend kritisirt. Vieles von dem, was gesagt worden ist, kann ich mir ohne Weiteres zu eigen machen. Der Herr Schatzsekretär hat das Jahr 1901 als das schlechteste bezeichnet, das wir seit langer Zeit hatten; das Klagelied, das zu den Noten des vorliegenden Etats gesungen worden ist, ist durchaus berechtigt. Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß er mit 59 Millionen Defizit abschließt; dazu kommen noch verschiedene Anleihen. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Verschlechterung der Erwerbsverhältnisse im Allgemeinen auf den Etat großen Einfluß gehabt hat, da die Einnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern bei derartigen Verhältnissen naturgemäß nicht ein so starkes Wachsen wie in den letzten Jahren aufweisen konnten. Der Schatzsekretär und der Abg. Richter haben darauf hingewiesen, daß die Erhöhung des Börsenstempels nicht diejenigen Resultate ^gezeitigt hat, wie wir sie damals erwarteten, vielleicht weil in der That bei einzelnen Geschäften zu hohe Sätze gewählt worden sind und in Folge dessen ein Theil dieser Geschäfte ins Ausland gegangen ist. Eingehend ist die Finanzlage der Postverwaltung erörtert worden; nach den ausführlichen Darlegungen des Abg. Bachem verzichte ich darauf, weiter mich hierüber zu befreiten. Die Entschädigung der Privatposten, die Äenderung der Tarifsätze, die Erhöhung der Gehälter der Postassistenten mußten natürlich auf den Etat der Poswerwaltung Einfluß ausüben. Ich hoffe, daß die Zunahme des Verkehrs baldigst den Ausfall ausgleichen möge, wie das der Staatssekretär der Post ja bereits für 1903 in Aussicht gestellt hat. Dazu kommt, daß in Folge der schlechten wirthschaftlichen Verhältnisse die Eisenbahnen eine Mindereinnahme ergeben und daß das Jahr 1900 ein Defizit von 2 Millionen aufweist. Ich bin mit dem Grafen Stolberg der Meinung, daß wir keine großen Abstriche an den Ausgaben vornehmen sollen. Man hat darauf hingewiesen, daß Abstriche vielleicht möglich sind bei den Postbauten. Auch das wird schwierig sein, namentlich in einer Zeit, wo von den verschiedensten Parteien verlangt wird, daß gerade die staatliche Bauthätigkeit einsetzt, um die Arbeitslosigkeit zu milbern. Von dem Defizit von 59 Millionen sollen 35 Millionen durch Zuschußanleihen aufgebracht werden. Daß das eine unsolide Finanzgebarung ist, darüber sind wir Wohl alle einig; ob es verfassungsrechtlich zulässig ist, so zu verfahren, diese Frage wird jedenfalls noch eingehend in der Budgetkommission erörtert werden müssen. Ohne Weiteres werden wir nicht auf den Boden der Anleihe treten können. Der Abg. Bachem hat gestern zur Sparsamkeit gerathen. Zu richtiger Sparsamkeit sind wir ja schließlich alle gern bereit, ich bin aber der Meinung, daß es angesichts der Mehrheit, mit der der Reichstag die Postrcformen und die Aufbesserung der Gehälter verschiedener Beamtenkategorien angenommen hat, keinen Zweck hat, nachher über die dadurch hervorgerufenen finanziellen Ergebnisse zu klagen. Die Ausführungen des Kollegen Bachem konnten die Meinung aufiommen lassen: „Dies Kind, kein Engel ist so rein". Man konnte glauben, daß er unschuldig sei an dem Anwachsen der Ausgaben, thatsächlich aber hat das Centrum diese Ausgaben bewilligt und ist infolgedessen mit verantwortlich dafür. Wir freuen uns ja darüber, daß das Centrum Schulter cm Schulter mit uns eingetreten ist für die Bewilligung der Mittel zur Aufrechterhaltung unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande, aber wir müssen andererseits auch darauf Hinweisen, daß für den finanziellen Effekt nicht nur wir, sondern auch das Centrum die Vcr- onttoortung trägt. (Sehr richtig.) Der Vorschlag, 35 Millionen auf Anleihen zu übernehmen, bedeutet den Bankerott unseres bisherigen Finanzsystems. Die verbündeten Regierungen müßten nunmehr ernstlich bemüht sein, Mittel und Wege zu finben, einem derartigen unsoliden Finanzzustcmde ein Ende zu machen. Mit anderen Worten: man wird der Frage einer Finanzreform sehr ernstlich näher treten müssen. Der Ansicht des Kollegen Bachem, daß das System der Matrikularbeiträge, die clausula Frankenstein, eine Konsequenz des föderalistischen Systems sei, kann ich nicht folgen. Es kann doch unmöglich eine Folge des föderalistischen Systems fein, daß die Einzelstaaten erklären: So, wie das System sich in der Praxis bewährt hat, sind wir nicht mehr in der Lage, die höheren Matrikularbeiträge zu zahlen. Es wird den Einzelstaaten vorgeworfen, daß sic ihrerseits bei der Abgabe ihrer Stimmen-für Heeres- und Marinevorlagen sowie für koloniale Zwecke nicht zurückhaltend genug waren. Dieser Vorwurf ist unberechtigt, denn die Einzclstaaten können sich der Bewilligung von Forderungen des Bundesraths, die im nationalen Interesse Deutschlands nothwendig sind, nicht entziehen, sie werden immer den nationalen Gesichtspunkt gegenüber dem finanziellen in den Vordergrund stellen, und wir können es nur lobend anerkennen, daß trotz der finanziellen Schwierigkeiten die Einzelftaaten doch in nationalen Fragen immer den richtigen Weg gefunden haben. (Zustimmung.) Wir haben ftüher wiederholt schon die Nothwendigkeit einer Reichsfinanzreform betont, das hat insbesondere auch in seiner vorjährigen Etatsrede der Abg. Sattler gethan. Wir halten die Reichsfinanzreform für nöthig, um das Reich finanziell mehr auf eigene Füße zu stellen, eine Steigerung der Schulden ins Ungemessene zu verhüten und die Verwendung von Ueberschüssen zu einer wirklich rationellen Schuldentilgung durchzuführen. Ein Hauptargumcnt für das System der Matrikularbeiträge ist immer, daß das Reich an sich unbelastet bleibt, aber gerade die Leichtigkeit, mit der man so Ausgaben bewilligt, weil man die Aufbringung der Mittel den Ein- zelftaaten überläßt, ist es, die eine zu geringe Sicherung gegen übermäßige Ausgaben gewährt. Das zeigt die ganze Entwicklung seit dem Bestehen des Reichs. Die Matrikularbeiträge enthalten auch insofern ein Moment der Unbilligkeit, als sie auf die einzelnen Staaten ganz verschieden wirken. Das Steigen derselben wird von Staaten mit reichen Einnahmequellen weniger stark empfunden, als von anderen Staaten. Bei der vorsichtigen Finanzpolitik, die der verstorbene Finanzminister Dr. v Miquel zum Segen des Landes befolgt hat, bei den hohen Einnahmen, welche Preußen aus seinen Eisenbahnen zieht, macht sich das Anwachsen der Matrikularbeiträge dort weniger fühlbar, ebenso auch in Baiern, das große Summen aus seiner Biersteuer gewinnt, und in anderen Staaten, die z. B. eine reiche industrielle Entwicklung und dadurch eine starke Kapitalkraft aufweisen, aber es giebt doch eine Reihe kleinerer Staaten, die schwer unter dem Anwachsen der Matrikularbeiträge leiden und sie nur mit großer Mühe tragen können. Allerdings wird es sehr schwierig fein, eine reinliche Scheidung zwischen den Finanzen des Reichs- und denen der Einzelftaaten herbeizuführen, so lange noch so große Parteien wie das Centrum widerstreben, das, wie wir gestern gehört haben, an der clausula Frankenstein festhält. Immerhin halte ich die Aussichten auf eine Finanzreform jetzt für großer, als im Jahre 1893, als uns die bezügliche Vorlage gemacht wurde. Verschiedene Artikel der „Freisinnigen Zeitung" zeigen mir, daß auch der Abg. Richter eine Reichsfinanzreform für durchführbar hält, wenn er allerdings auch die Voraussetzung macht, daß dazu die vorherige Schaffung eines verantwortlichen kollegialen Rcichsmini- steriums nothwendig sei. Der Anschauung des Abg. Dr. Bachem, daß die Finanzreform schließlich die Deckadresse für die Forderung neuer direkter Steuern fein werde, vermag ich mich nicht anzuschließen; dazu läge gar fein Anlaß vor, denn meine Freunde wenigstens haben z. B. gegenüber derartigen direkten Reichssteuern noch niemals einen direkt ablehnenden Standpunkt eingenommen. Im Gegentheil, der Abg. Dr. Hammacher ist sehr ausführlich auf den Gedanken einer Reichseinkommensteuer eingegangen, und in einem späteren Stadium haben wir uns auch zustimmend verhalten gegenüber dem Gedanken einer Reichserbschaftssteuer, obwohl wir uns der Schwierigkeiten der Durchführung wegen des Widerstandes der Konservativen und des Centrums und vieler Einzelftaaten, die sich diese Steuer nicht gerne werden abnehmen lassen, wohl bewußt waren. Auch ich bedauere es, daß der Schatzsekretär am Schlüsse seiner Rede die Worte Bier und Ta b a k in die Wagschale geworfen hat. Ich bin mit dem Abg. Richter völlig einverstanden, daß man mit solchen Ankündigungen nur kommen darf, wenn bereits der ernste Wille der Regierung, sie zur Durchführung zu bringen, vorliegt, aber man darf nicht durch lose hingeworfcne Worte in große Erwerbszweige Beunruhigung hineintragen. Ich meine auch, daß die Erfahrungen, welche die Regierung mit ihren früheren derartigen Steuerprojekten gemacht hat, nicht gerade verlockend sind, aufs neue damit zu kommen. Gerade den gegenwärtigen Augenblick halte ich für sehr geeignet, mit einer Reichsfinanzreform auf dem Plan zu erscheinen. Graf Posadowsky hat ja ausgerechnet, daß der neue Zolltarif dem Reiche eine Mehreinnahme von 192 Millionen bringen werde. Wenn diese Kalkulation richtig ist, was dahin gestellt bleibe, so würden allerdings nach den Vorschlägen des Centrums, mit denen wir uns ja auch einverstanden erklärt haben, gewisse Summen einen bestimmten Verwendungszweck erlangen, aber es würden darüber hinaus doch noch starke Mittel verfügbar bleiben, die eine anderweitige Regelung des finanziellen Verhältnisses des Reichs zu den Einzelstaaten mit Nothwendigkeit mit sich brächten. Jedenfalls würde ich es bedauern, wenn wir statt zu dem Mittel der Finanzreform zu greifen, Anleihen aufnehmen würden, ohne die gehörige Sicherheit für die Amortisation zu haben. Der Mg. Richter hat gestern die Nothwendigkeit einer Stärkung der Finanzgewalt in der Neichsverwaltung betont. In dieser Richtung sind wir vollständig mit ihm einverstanden. Auch wir halten es für nothwendig, den leitenden Beamten der Reichsfinanzverwaltung zu stärken, ihm größeren Einfluß zu geben. Das Centrum, das sich hier noch immer ablehnend verhält, weise ich auf einige Artikel in der „Kölnischen Volkszeitung" hin, in denen der Ruf nach Reichsmini st ern vom Centrumsstandpunkt aus beleuchtet ist. Es ist darin ausgeführt, daß bei dem jetzigen System dem Reichskanzler formell eine Verantwortlichkeit aufgeladen sei, die über seine Kräfte gehe, während wir effektiv eine Reihe von selbständigen Neichsministern hätten. Die Logik der Thatsachen würde schließlich dazu führen, daß der effektiv bestehende Zustand sanktionirt werde, daß mit anderen Worten die Staatssekretäre auch formell zu Reichsministern abancirten. Wenn sich dagegen auch viel Widerstand geltend machen würde, so würde sich hier schließlich doch zeigen, daß in der Welt, in der wir leben, die Dinge mächtiger sind als die Menschen. Also die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit von Neichsministern bringt auch innerhalb des Centrums in immer weitere Kreise. Ich komme zu den einzelnen Etats. Im Etat des Reichstags finden wir keine Position für Diäten oder Anwesen- heirsgelder. Die Wünsche des Reichstags in dieser Richtung sind bis heute nicht berücksichtigt; die Negierung hat auch nicht Veranlassung, dem Reichstag einen Gesetzesvorschlag über diese Frage zu unterbreiten. Dabei wächst die Bedeutung der Frage von Jahr zu Jahr. Immer allgemeiner bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß der an und für sich idealere Zustand eines diätenlosen Reichstags nicht aufrecht erhalten werden kann, sondern daß auch hier die Macht der Thatsachen ftüher ober später die Einführung der .Diäten durchsetzen muß. Ich brauche hier nicht oft Gesagtes zu wiederholen, nicht auf die Beschlußunfähigkeit des Hauses hinzu- weisen, die wir leider viel zu oft feststellen müssen. Den Schaden haben heute nur die bürgerlichen Parteien; die sozialdemokratischen Abgeordneten, die von der Parteikasse unterstützt werden, leiden weniger darunter. Dabei wächst die Zahl der Doppelmandate von Jahr zu Jahr; auch das hat die Diätenlosigkeit nicht verhindern können. Die Gewährung der Diäten würde meines Erachtens der Sozialdemokratie dn'-chaus nicht nützen, sondern eher ihre Einigkeit schädigen, da dann die Abgeordneten von der Parteikasse nicht mehr so abhängig sind wie jetzt. Ich kann nur bedauern, daß die verbündeten Negierungen die Entscheidung fo lange hinausgeschoben haben. Es wird gar nicht möglich fein, den Zolltarif ohne Anwesenheitsgelder zu verabschieden. Wir müssen mit monatelangen Verhandlungen über den Zolltarif rechnen; daß wir ohne Diäten die Abgeordneten so lange werden zusammenhalten können, glaube ich nicht. Dazu kommt die Abhängig- keit vom preußischen Landtag, in der wir uns befinden; wenn der preußische Landtag geschloßen ist, pflegt es hier recht öde und leer auszusehen. Ich weiß nicht, ob die preußische Regierung in diesem Jahre für die späteren Stadien der Zoll- berathung die Einbringung der Kanalvorlage im Landtage plant; der Ausdruck „seiner Zeit" in der Thronrede ist ja vieldeutig. Für uns konnte eine solche Absicht nur erfreulich sein. Ich halte es für durchaus falsch, daß die Erledigung der Diäten- fragc so lange hinausgeschoben wird. Das ist eine Kurzsichtigkeit, vielleicht auch eine Selbsttäuschung, wenn vielleicht irgendwo geglaubt werden sollte, daß die Diäten nur gegen Kompensationen zu gewähren seien. Das ist v 0 l l st ä n b i g ausgeschlossen; die Negierungen werden die Diäten ohne jede Kompensatüm in Bezug auf das Wahlrecht geben müßen. Der Abg. Richter hat gestern mit gutem Humor und bitterer Satire die Entwickelung unserer Kolonien erörtert. Wenn wir aber bedenken, daß wir erst feit verhältnißmäßig kurzer Zeit Kolonialpolitik treiben, und daß es außerordentlich schwierig ist, in diesen Gegenden eine gesunde wirthschastliche Entwickelung herbeizuführen, so ist klar, daß wir den beschrittenen Wog weiter gehen müssen. Auch die anderen Kolonial-Staaten haben die Früchte ihrer Kolonialpolink nicht in den ersten Jahrzehnten geerntet. Ich will nur noch den afrikanischen Bahnbau nach Mrogoro kurz streifen. Bekanntlich hat sich die Budgetkommission im vorigen Jahre eingehend mit dieser Frage beschäftigt, und sie ist auch zu einem Antrag gekommen, der hoffentlich jetzt baldigst zur Verabschiedung gelangt. Meine Freunde wünschen das umso mehr, als England und der Kongostaat sehr energisch mit Bahnbauten in Afrika Vorgehen. Es handelt sich hier nicht um die Centralbahn, sondern zunächst nur um eine Stichbahn, deren Wetterführung zukünftigen Entschließungen überlaßen bleibt. Herr Richter warf gestern die Frage auf, ob der Bunbesrath an dem Heeresetat Abstriche vorgenommen habe. Soviel mir bekannt ist, sind in der That sehr starke A b st r i ch e vorgenommen worden, sehr zum Bedauern des preußischen Kriegsministers. Herr Richter hat auch die Frage des Quinquennats gestreift. Ich gebe zu: Jetzt, wo große Parteien, die ftüher Heeresvermehrun- gen ablehnend gegenüberftanben, mit uns zusammengehen, hat die Bewilligung auf längere Zeit an Bedeutung verloren. Aber eine gewisse Bedeutung hat das Quinquennat doch auch heute noch; dieselbe Bedeutung, die das Flottengesetz gehabt hat: man ermöglicht dadurch ein planmäßiges Wirthschaften für eine gewisse Zeitspanne und hält dann die Vcrtoaltung im We entliehen in den festgesetzten Grenzen. Allerdings sind die Fesffetzungen der letzten Militär- Vorlagen nicht ganz eingehalten worden; es werden jetzt 10 neue Kompagnien gefordert. Das wird sich selbstverständlich niemals vermeiden lassen; wir werden auch der Militärverwaltung keinen Vorwurf machen können, wenn sie in dringenden Fällen über die festgesetzten Formationen hinaus einzelne Weiterbildungen fordert; im Gegentheil, wir können ihr das nur danken. Herr Richter fragte: Wie steht es mit den 7000 Mann, wie mit den 3. Bataillonen? Ich meine, mir können diese Frage doch auf sich beruhen lassen. Bei den Verhandlungen über die letzte Militärvorlage hieß es, diese 7000 Mann würden sehr bald nachkommen. Das ist nicht geschehen, sondern die Militärverwaltung hat sich in dankcnswerther Weise Beschränkung auferlegt. Herr Richter fordert den Abschluß der Präsenzvermehrungen. Diese Forderung ist meines Erachtens nicht berechtigt; meine Freunde sind der Ansicht, daß im Großen und Ganzen mit dem Wachsen der Bevölkerung auch eine gewisse Zunahme der Heerespräsenzziffer wünschenswerth und nothwendig ist. Auch die allgemeine Lage weist uns darauf hin, von der bisherigen bewährten Praxis nicht abzugehen. Tarin bestärken mich gerade die Ausführungen des Reichskanzlers über den Dreibund. Zwei Neuerungen im Heeresetat acceptiren wir ohne Weiteres: Die Trennung des Jngenieurwesens von dem Festungs- bantoefen und die Einrichtung einer technischen Hochschule, die sich dem Militär-Erziehungswescn angliedern soll. Zwei andere Fragen werden dagegen eingehender Prüfung bedürfen: Die Vermehrung der Maschinen-Gewehrabtheilungen und die Vermehrung der Fußartillerie. Wir verkennen ja nicht die große Bedeutung des Festungsbaus, sowie die Thatsache, daß die Fußartillerie auch für Angriffskriege eine ganz andere Rolle spielt als ftüher. Immerhin muß die Frage in der Kommission eingehend erörtert werden. Auf die vielen Klagen über die Jnvalidenpensionen will ich hier nicht eingehen, da über diese Frage ja zwei Interpellationen ein» gebracht sind. Bezüglich der M i l i t ä r j u st i z kann ich nur bedauern, baß man sich so zögernd entschließt, die neue Militär-Strafprozeßord- nung ihrem Geist entsprechend in die Wirklichkeit zu übersetzen, daß man namentlich die Grundsätze über dieOeffentlichkeitdes V e r f ah r e n s nur so langsam und zögernd anwendet. Das ist ja menschlich verständlich, da unsere Armee an ein ganz anders aufgebautes Verfahren gewöhnt ist; aber auf der anderen Seite weisen gerade die Vorgänge tn Gumbinnen, Mörchingen, Insterburg darauf hin, wie nothwendig es ist, besonders bei „sensationellen" Fällen, die die öffentliche Kritik herausfordern, die breiteste Oeffentlichkeit her- zustellen. (Sehr richtig!) Das ist ein schlechtes System, wenn man zum Therl öffentlich verhandelt, zum Tcheil aber die Oeffentlichkeit ausschließt, und dadurch der Legendenbildung Thür und Thor öffnet. In solchen Fällen muß volle Oeffentlichkeit herrschen, und man muß sich auf den Standpunkt stellen: Entweder ist der Angeklagte unschuldig; dann ist es sein volles Recht, seine Unschuld vor der brertesten Oeffentlichkeit erwiesen zu sehen (sehr richtigl), oder er ist schuldig, dann verdient er keine Rücksicht, und es ist kein allgemeines Interesse vorhanden, daß seine Schuld durch die Heimlichkeit des Verfahrens verhüllt wird. Ich möchte also hoffen, daß die gesunden Grundsätze, die wir in die Militärstrafprozeßordnung mmmgebracht haben, immer mehr in Fleisch und Blut unserer Militärbehörden übergehen. Was den Etat des Reichsamts des Innern anbe- trifst, so kann ich mich der herben Kritik des Abg. Südekum an den 'Osmlreformatorischen Bestrebungen nicht anschließen. Der Kollege rTn?eit, übertrieben. Es werden z. B. die Mittel für eine Denkschrift verlangt, woraus man schließen kann, daß man nunmehr dazu übergeht, em R e i ch s a r b e i t s a m t in Deutschland zu er» rüsten. Wir begrüßen die Anfänge dieser neuen Einrichtung, weil hm glauben, daß sich daraus in der That das von uns wiederholt geforderte Reichsarbeitsamt entwickeln wird. So wie jetzt können die Dinge nicht weiter gehen. Es ist unmöglich, daß das Reichsamt des Innern, das z. B. die Vorarbeiten für den Zollrarif zu bewilligen hatte, auch noch das ganze große Gebiet der Sozialpolitik bearbeitet. Ich möchte meinerseits nur den einen Wunsch äußern, daß eine Seite der arbeiterstatistischen Kommission bei der Ausgestal- Mtheilung au^er Acht gelassen wird, das ist das Vorschlagsrecht, das die Kommission bisher hatte. Es ist doch sehr wesentlich, daß diese Abtheilung, die ja nicht nur aus Beamten besteht, sondern die künftig einen Beirath von 12 Mitgliedern haben foU, das Vorschlagsrecht hat. Hoffentlich wird durch diese neue Einrichtung m das ganze Gebiet der Arbeiterstatistik neues Leben gebracht, und der neue Vorsitzende der Kommission scheint mir ja die Gewähr dafür zu bieten, daß das geschieht. Im Uebrigen will 'ch.auf die Sozialpolitik nicht weiter eingehen, sondern mochte nur meiner Befriedigung darüber Ausdruck geben, daß die verbündeten Regierungen dem Gewerbegerichtsgesetz ihre Zustimmung ertheilt haben, und ich knüpfe daran die Hoffnung, daß nun auch bald die Frage der kaufmännischen Schiedsgerichte geregelt wird. Die Frage des Schutzes der Bauhandwerker will ich nicht berühren. Da werden sich immer die beiden Meinungen gegenüberstehen, auf der einen Seite die Rücksicht auf die Handwerker, auf der anderen Seite die Ansicht, daß der Grundlredit dadurch beeinträchtigt wird. Eine Aufgabe, die der Regelung bedarf, ist die Frage der gewerblichen Kinderarbeit. Das Reichsamt des Innern hat ja bereits 1897 Erhebungen in die Wege geleitet und die Haupt- ergcbnisse veröffentlicht. Dabei sind überraschende Zahlen zu Tage getreten; es sind auch eine Reihe von Verfügungen ergangen, durch die die krassesten Mißstände beseitigt werden sollen, aber erschöpfend kann die Frage nur geregelt werden, wenn wir den Weg der Reichsgesetzgebung beschreiten. m . . .. .... Beim Po stctat möchte ich nur meiner Befriedigung darüber Ausdruck geben, daß cs gelungen ist, sich mit Würtemberg über eine einheitliche Marke zu einigen. , * Im Laufe der Debatte ist auch auf die w i r t h s ch a f t l i ch e Krisis hingewicscn. Wenn man sich die' Produktionsziffern vor Augen hält und bedenkt, in welcher Weise von 1895 bis 1900 die Produktion in Deutschland angcwachscn ist, so kann man sich nicht wundern, daß jetzt der Moment gekommen ist, wo eine Absatzstockung eintritt. Die Kursverluste sind von dem besten Kenner unserer wirthschaftlichen Verhältnisse, dem Reichsbankpräsidenten, jüiigst auf etwa eine Milliarde geschätzt worden. Das Eine scheint mir sicher zu sein, daß die jetzige Krisis nicht, wie es vielfach geschieht, in Vergleich gezogen werden kann mit dem wirthschaftlichen Rückgang der 70er Jahre, wo eine Reihe vollständig schwindelhafter Unternehmungen zusammenbrach, die überhaupt keinen wirthschast- lichen Werth hatten. Bei der jetzigen Krisis hingegen waren solche Fälle nur Ausnahmen, speziell erinnere ich an die Trebergesell- schaft. Zweifellos ist cs ein Verdienst der Reichsbanl, daß aus dieser Absatzkrisis nicht eine größere Krisis entstanden ist, und ich kann daher die Haltung der Reichsbanl nur anerkennen. Die Begleiterscheinungen des wirthschaftlichen Niederganges sind ja hier schon besprochen. Es ist bereiis die bedauerliche Thatsache erwähnt, daß durch die verbrecherische Thätigkeit einzelner Personen zahlreiche Leute ruinirt worden sind. Es ist weiter nicht zu leugnen, daß in dieser kritischen Zeil bei einer großen Reihe industrieller Unternehmungen der Aufsichtsrath nicht seine Schuldigkeit gethan hat. Tic zivilrechtlichen und strafrechtlichen Bestimmungen sind nicht genügend beachtet worden. Eine andere Begleiterscheinung dieser Krisis ist die beklagenswcrthe Arbeitslosigleit in vielen Jndustrie- bezirkcn. Ich kann mir versagen, darauf einzugehen, da ja diese Frage auS Anlaß einer Jnterpellarion besonders behandelt wird. Dabei wird auch die Frage der 'Arbeitslosenversicherung erörtert werden müssen. Die Revision des Börse ngesctzes ist zu einer Nothwendigkeit geworden, weniger wegen des Gesetzes selbst, als wegen der Auslegung einzelner Paragraphen durch das Reichsgericht, insbesondere deshalb, weil das Reichsgericht über den im § 48 eng begrenzten Begriff des Börsentermingeschäftes hinaus- gegaugen ist, handelsrechtliche Lieferungsgeschäfte, zum Theil Kassa- gcschäfte, in diesen Kreis einbezogen und gesagt hat, es komme nicht auf diese genaue Beschränkung und Festlegung des Begriffes im i? 48, sondern darauf an, was mit dem Geschäfte gemeint ist. Es kann nicht geleugnet werden, daß ein Zustand der Unsicherheit eingetreten ist. (Sehr richtigI links.) Die Vogelfreiheit der Banken dadurch, daß die Möglichkeit der Erhebung des Differenzeinwands auf Jahre binaus vorliegt, so daß cs für eine Reihe von Banken kaum möglich sein wird, eine richtige Bilanz aufzunehmen, weil sie nicht in der Lage sind, beurthcilcn zu können, welche Rückforderungen aus früheren Jahren aus derartigen Geschäften an sie hcran- treten können, welche Sicherheiten zurückgefordert werden und welche Forderungen, die sie haben, in den Rauchfang geschrieben werden müssen. (Scbr richtig! links.) Man kann heute bei der Rechtsprechung des Reichsgerichts gleichzeitig ä la baisse und ä la Hausse spekuliren und den Gewinn von einem Bankier einziehen und einem anderen Bankier gegenüber den Differenzeinwand erheben. Wir erstreben mit diesen Reformvorschlägen, wie das seiner Zeit bei einer Berathung der nationalliberalen Partei festgestellt ist, keine Aushebung des Verbots des Getreideterminhandels, aber wir möchten die Erhebung des Differenzeinwcrndes einschränken, ihm gewisse Personen untersagen, die an der Börse regelmäßig verkehren, ferner den eingetragenen Kaufleuten. Darunter fallen selbstverständlich die Handwerker nicht; mit dem Argument der Mittelstandspolitik kann man da nicht kommen. Wir möchten ferner Bestimmungen einführen, daß Sicherheiten nicht zurückverlangt werden dürfen, und daß gewisse Verjährungsfristen gelten, damit der Differenz- einwand nicht ad Infinitum oder auf 30 Jahre über dem betreffenden Bankhause schwebt. Solche Aenderungen liegen auch im Interesse der kleinen Banken, die am meisten unter der jetzigen Unsicherheit leiden; das große Bankhaus kann solche Schwierigkeiten viel leichter überwinden. Im Bankgeschäft vollzieht sich ja heute wie in anderen Zweigen des wirthschaftlichen Lebens eine stetige Konzentration; die großen Banken erweitern ihren Betrieb immer mehr und nehmen immer größere Kapitalien auf. Wir wollen durch die Gesetzgebung nicht Zustände bestehen lassen, die schließlich die Provinzbank ablösen und durch Filialen der Großbanken ersetzt werden. Noch ein kurzes Wort über unsere auswärtige Politik 1 Meine Freunde begrüßen den Abschluß der Er- p c d i t i o n nach China, die durchaus nothwendig war für ötc Wiederherstellung des an uns begangenen Unrechts. Nach der ganzen Entwickelung der Sache können wir cs nur billigen, daß mit so p'oßer Energie seitens der deutschen Heeres- und Mariue- vcrwaltung vorgegangcn ist. (Sehr wahr!' bei den National- Liberalen.) Im Großen und Ganzen haben die Verbündeten Negierungen ihr Programm eingehalten; es ist erreicht worden die Bestrafung der Schuldigen, die Schleifung der Takuforts und d-e bessere Sicherung der Gesandtschaft in Peking. Die Sühnemission, d.e ja wohl nothwendig war, ist erfolgt. Auch die Frage der Kostendeckung ist geregelt. Wir haben in diesen Tagen auch gc- le>cn, daß der Hof nach Peking zurückgekehrt ist. Wir können uns auch damit einverstanden erklären, daß erhebliche Besatzungstruppen Zurückbleiben, nicht nur zur Sicherung der Provinz Tschili, sondern auch in Schanghai. Für eine Verminderung der Besatzungstruppen möchte ich nicht die Verantwortung übernehmen. Es könnte, ehe dort vollständig gesicherte Verhältnisse eingetreten sind, cm recht^kostspieliges Experiment werden, wenn wir zu frühzeitig unsere Truppen zurückziehen. - Begrüßen kann ich cs endlich, daß auch die Frage der H n n n c n b r i c f c ihre Erledigung durch Gerichtsverhandlung gefunden hat. In dem Prozeß gegen den „Stuttgarter Beobachter" ist General von Lessel als Zeuqc vernommen, und dieser hat festgestellt, daß auf etwa 20 000 Mmm deutscher Truppen in China nur 12 Fälle von Ausschreitungen gekommen sind, die sofort aufs Schärfste bestraft sind, und daß N'bergriffe. von Offizieren nur vier bis sechs stattgeftindcn hätten Er hat weiter festgestellt, daß das Anbinden der bestraften Soldaten au den Pfahl eine disziplinarisch vorgesehene Maßregel war, weil geeignete Arresträume fehlten. Weiter ist festgestellt worden, daß in der Schweiz eine förmliche Fabrik von Hunnenbriefcn bestand, die nach China gesandt wurden, um von dort den Weg nach Deutschland zu finden, und daß friedfertige Chinesen massenhaft den deutschen Schutz gegen die Boxerbanden nachgesucht haben. Dabei hat auch die Wegnahme der a st r o n o m r s ch e n Instrumente ihre Beleuchtung erfahren, die ich mir allerdings nicht fo ohne Weiteres aneignen möchte. Man sagte, daß sie dem Kriegsbrauche gemäß wegen ihres Metallwerthes mit Beschlag belegt worden seien (Heiterkeit) als Thcilungsdeckung für die Kosten. Diese Frage wird einer näheren Erörterung werth fein. Jedenfalls können wir zuftieden fein, daß die ganzen Vorwürfe gegen das Verhalten der deutschen Truppen durch diese Gerichta- verhandlungen ihre Erledigung gefunden haben und daß sich als richtig erwiesen hat, was bereits die Verhandlungen über den Nachtragsetat hier festgestellt haben: daß diese Briefe auf Ueber- trribungen ober Fälschungen beruhen müssen und daß es unmöglich ist, daß deutsche Soldaten sich derartiger Schandthateii schuldig machen könnten, wie cs diese Briefe behaupteten. Bezüglich der Angelegenheit Chamberlain bin ick mit dem Abg. 'Richter der Ansicht, daß mit der scharfen Zurückweisung der Rebe des englischen Kolonialministers durch den Reichskanzler die Sache wohl für uns ihre Erledigung gefunben hat. (Sehr richtig!> Es i)t nicht zu leugnen, daß Ausbrüche deutschen Unwillens mit elementarer Gewalt in allen Th eilen Deutschlands zu verzeichnen sind, Ausbrüche, die am letzten Ende rcsultircn aus der Mißbilligung des BocrenkricgcS überhaupt, speziell gewisser Vorgänge auS den letzten Stadien der Kriegführung, des Nieder- brennens der Farmen, um die Lebensmittelzufuhr unmöglich zu machen, der kolossalen Mißstände in den Konzentrationslagern, dec enormen Kindersterblichkeit, also Vorgängen, die in der That jedcii Aicnschenfrcund aufs Tiefste empören mußten. Daß in einer derartigen Gemüthsvcrfassung solche Vergleiche, wie sie Herr Chamberlain beliebt hat, den Umvillen der deutschen Bevölterung ams Höchste Hervorrufen mutzten, war vorauszusehcn, und so trat beim nicht nur die deutsche Jugend mit ihrem Temperament in hie Arena und hielt überall Entrüstungsvcrsammlungen ab; auch die deutschen Krieger bemächtigten siel) dec Angelegenheit und warfen ihren Protest in die Wagschale. Professoren der deutschen Universitäten und das Bürgerthum aus allen Parteien protestirten gegen die Aeußcrung Chamberlains. Es ist ja sehr thöricht, die an und für sich im deutschen Volle aus Anlaß deS Boerenkricges vorhandenen Antipathien noch zu verschärfen, und das ist ja wohl zum Theil auch in England selbst empfunden worden, wie das z. B. ans der Rede des Lord Rosebery hervorging. Wir hätten unsererseits nur gewünscht, daß gegenüber derartigen Deklamationen des Herrn Chamberlain eine etwas rechtzeitigere Zurückweisung seitens der verantwortlichen Reichsleitung erfolgt wäre. (Sehr richtig! links.) Meine Freunde vredigen nicht das Evangelium der Hetze gegen die Engländer. Wir wünschen in freundschaftlichen Beziehungen zum englischen Volke zu leben; wir müssen aber auch verlangen, daß auf die Gefühle des deutschen Volkes in den leitenden englischen Kreisen Rücksicht genommen wird, daß man nicht derartige verletzende Acutzerungcn in die Ocffentlichkeit hinausgeben laßt und daß, wenn es doch geschieht, rechtzeitig die nothwendige Reaktion von Seiten unserer Regierung erfolge; wäre diese rechtzeitig gekommen, bann hätten die Protestkundgebungen lange nicht diesen Maßstab angenommen, wie cs tlmtsächlich der Fall war. Was im klebrigen unsere auswärtige Politik betrifft, so haben wir zwar mit Vergnügen die warme Ansprache vernommen, die der Kaiser von Rußland bei der Danziger Zusammenkunft an die deutschen Admiräle gehalten hat, aber andererseits kann man doch nicht leugnen, daß, wenn man die Presse der letzten Wochen durchgeht, gewisse Bcunruhigungssymptome überall hervortreten. Diese Symptome knüpfen an an Erwägungen über den Fortbestand und inneren Werth des Dreibundes; die politischen Beunruhigungen gingen aus von der Erwägung, daß zweifellos heute intimere Beziehungen vorhanden sind zwischen Frankreich und Italien, als es früher der Fall war. Der Kollege des Herrn Millerand, Herr Delcasse, ist offenbar ein erwerbslustiger Mann, der sich nicht allein auf seinem Gebiete bewegt, sondern auch bemüht ist, dem französischen Einfluß in überseeischen Gebieten weitere Expansion zu geben. Er versteht cs ferner — das wird wohl der Zweck der Aktion mit Italien fein — sich Erwerbungen, die Frankreich gemacht hat, zu sichern und vielleicht der Same, mit der er die „Extratour" tanzt, die Felle un- crlegter Bären zur Verfügung zu stellen, sei cs in Tripolis, sei cs in Albanien. Mag dem sein, wie ihm ivolle, jedenfalls müssen wir den Eindruck gewinnen, daß Frankreich heute bestrebt ist, gewisse Vortbeile zu liquidiren, die aus dem Zweibund refultiren. Daher die Beunruhigung, ob die bestehenden politischen Verhältnisse mit Dreibund und Zweibund auch für die Zukunft Dauer haben werden. Nun, die Aeußerungen des Reichskanzlers waren ja in gewisser Richtung beruhigend. Italien wird gewiß bedenken, daß die Liquidation der Türkei wohl noch in weitern Felde steht, und daß es ohne Dreibund Frankreich gegenüber leicht zur quantite negligeable werden kann. Verstärkt wurde die politische Beunruhigung durch Artikel, welche zum Theil den Gedanken ausspannen, daß unsere Beziehungen zu Oesterreich kühler geworden sind. Das hängt zusammen mit der Erregung wegen der Vorgänge im galizischen Landtage zu Lemberg, wo die anmaßende Kritik deutscher Verhältnisse durch den Fürsten Czartoryski nicht sofort von der Regierung zurückgewiesen ist. Wir müssen ja zugestehen, daß in diesem Fall unsere Regierung feste zugegriffen und ihren Standpunkt cnt- fchiedcn gewahrt hat. Wir können auch mit Vergnügen konstatircn, daß der Eindruck der Ausführungen des Reichskanzlers über die Bedeutung des Dreibundes richtig verstanden wird, daß insbesondere aus Oesterreich die Resonanz herausklingt, daß unser gutes Verhältniß zu Oesterreich nicht berührt werden kann durch Erwägungen über die künftige Ausgestaltung eines Handelsvertrags oder durch Dinge, wie sie im galizischen Landtag von den Herren Polen beliebt worden sind. Jedenfalls billigen wir das Selbstbcwußtsein, welches für die deutsche Politik mit diesen Ausführungen dcs Reichskanzlers in Anspruch genommen wird. Der Dreibund hat nicht nur Vortheile für Deutschland, sondern genau dieselben Vortheile der Friedcns- sicherung für die anderen beiden Staaten. Zweifellos hat Deutschland nach wie vor viele Feinde. Unsere politische Entwicklung, auch die wirthschaftliche, das Hochkommen unserer Industrie, die fortgesetzt sich vollziehende Ausdehnung unserer Handelsbeziehungen, das Eindringen unseres Handels in fremde Gebiete, das früher von anderen Nationen als ihr Reservat- recht angesehen wurde, hat ganz selbstverständlich den Erfolg gehabt, daß viele unsere Neider geworden sind. Man fürchtet und haßt uns, aber man liebt uns durchaus nicht. Auch heute noch gilt das Wort des Fürsten Bismarck, daß wir allein stark genug sein müssen, um in dem Selbstvertrauen und Gottvertraucn, das der deutschen Sache nie fehlen wird, auch jeder Koalition die Spitze bieten zu können. Auch die heutige Lage stellt an die Vorsicht und Weisheit der leitenden deutschen Staatsmänner hohe Anforderungen, wir werden daher nicht rasten können bei dem, was wir bisher geleistet haben in dem Ausbau unserer nationalen Schlagfertigkeit der Armee und der Marine. Wir werden dafür sorgen müssen, daß unsere Flotte zu einem Machlfaktor wird, und daß Armee und Flotte zusammengenommen uns zu einem gefürchteten Gegner und einem beliebten Bundesgenossen machen. Es ist allerdings nicht zu verkennen, daß auch jedes allzuscharfc Aufeinanderplatzen von Gegensätzen insbesondere auf wirthschaftlichcm Gebiet im Lande selbst geeignet ist, fein Ansehen nach Außen zu mindern. Darum sind wir mit dem Reichskanzler und den Regierungen durchaus bereit, auch eine kräftige Heimathspolitik zu treiben. Dazu gehört auch, daß der heimischen Landwirthschaft ein stärkerer Schutz gewährt wird, als bisher, aber es ist unmöglich, den Vogen so straff zu spannen, mie cs von mancher Seite gewünscht wirb. Wenn das geschieht, bann wirb Gnbe 1903 bet Bogen jäh zerspringen, unb cs wirb unmöglich werben, die Kluft zwischen Stadt unb Laub auszuglcichen. Wir lvünschen auch keinen Kampf zwischen Jnbustrie und Lanbwirth- schaft, bas war ber gute Sinn bes Wortes „Sammelpolitik". In Zeiten wie ber jetzigen treten große Aufgaben an bie Regierung heran. Die Regierung muß bie führenbe Rolle in ber Hand behalten, sic muß über ihre Ziele Klarheit schaffen. Das gilt vor allen Dingen hinsichtlich des Z o l l t a r i f 5. Sic darf uns nicht mit umschriebenen Erklärungen kommen, wie sie auch Graf Posadowsky noch in der ersten Lesung gebraucht hat. Je früher sie diese Klarheit schafft, desto früher ist die Gewähr vorhanden, daß eine Majorität sich bildet auf acceptabler Linie, die gewillt ist, die Landwirthschaft stärker zu schützen und auf der anderen Seite den Weg zum Weitermarschiren auf der Bahn der Handelsverträge offen läßt. Wenn das nicht geschieht, dann wird vieUeicht jene Centrumskorrespondenz Recht behalten, in der es unlängst in Beziehung auf den Zolltarif hieß: „Ich fürchte, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn". Es giebt Leute, die der Ansicht sind, daß wir sehr schwierigen Zeiten entgegengehen. Der Zweifel, ob es gelingen wird, einen Zolltarif zu schaffen, der gleichzeitig die Landiwrthschast stärker schützt, unb uns gleichwohl den Weg zu Handelsverträgen nicht verschließt, ist ja auch berechtigt. Wir müssen mit der Möglichkeit, vielleicht mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß der Zolltarif 1903 die Parole ber Wahlkämpfe wird. Wenn bas geschieht, bann ist cs gewiß, daß bie Sozialdemokratie großen Nutzen daraus ziehen wird. Wenn die Sozialdemokratie an die Stelle ihres zerrissenen Programms, bas, wie jcber Parteitag zeigt, aus losen Fetzen besteht, mit einer bestimmten Wahlparole kommt, so muß ihr das natürlich größere Frucht Anträgen. Das sollten Diejenigen vcdenken. die sich in ihren hochschutzzöllne- rischen Forderungen nicht genug thun können, auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht leichter Hand mit dem Worte Obstruktion um sich werfen. Dieses Wort kann, wenn es zur Wahrheit wird, unter Umständen den Tod dcs Parlamentarismus in Deutschland bedeuten. (Sehr richtig!) Ich hoffe aber, wenn wir uns auf einer der Regierung acceptablen Linie zusammenfinden, wenn wir alle, die wir Willens sind. Der Landwirthschaft beizustehen unb auch den Weg zu Handelsverträgen frei zu halten, uns in großer Majorität zusammenfinden, bann wird cs uns auch gelingen, jeder Obstruktion Herr zu werden. Wenn das nicht geschieht, bann sehen wir einer schlimmen Zukunft entgegen. Ich hoffe unb wünsche, es möge auch in ber Frage bcs Zolltarifs ein positives Resultat erzielt werden, das uns bewahren möge vor Erschütterungen, bie in ihrem letzten Ende vielleicht eine Gefährdung unseres Verfassungslebens mit sich bringen. (Lebhafter Beifall.) Kolonialdirektor Stubcl: Ich will nur gegenüber den gestrigen Aeußerungen des Abg. Richter eine thalsächlichc Feststellung geben. Er bemerfte, die Behauptung der Denkschrift, daß die Usambara- bahn durch verhältnißmaßig sehr fruchtbares und gut angebautes Land führe, habe sich als irrig hcrauSgestellt, cs sei vielmehr jetzt erwiesen, daß die ganze Strecke durch einen Sumpf führe. Demgegenüber stelle ich fest, daß cs sich nur um zwei kurze sumpfige Stellen handelt, unb daß die Bahn im Uebrigen in der That durch eine äußerst fruchtbare Gegend führt. Die Bahn hat auch bisher schon großen Erfolg gehabt. Während ber Kaffee-Export im Jahre 1899 nur 50 000 Kilogramm betrug, ist er im Jahre 1900 auf 150 000 Kilogramm gestiegen, er hat sich also verdreifacht. Ich bin überzeugt, daß die absprechenden Aeußerungen des Abg. dichter über unsere Kolonialpolitik in den weitesten 'Kreisen dcs Volkes lebhaften Unwillen erregt haben werden (Widerspruch links) und ich bin dem Abg. v. Kardorff außerordentlich dankbar dafür, daß er diesen Bemerkungen entgcgcngetrctcn ist, ebenso dem Abg. Bassermann für die Art, in der er heute bie Bahnbauten in unseren Kolonien behandelt hat. Das Reich darf sich diesen Bahnbauten nicht entziehen. Ich spreche nur meine feste unb pflichtgemäße Ueberzeugung aus, wenn ich sage, daß der Eisenbahnbau heute den Kernpunkt unserer Kolonialpolitik bilden sollte, weil die Eiscnbahnen heute für unsere Kolonien eine Lebensfrage geworden sind. Verweigern wir unfern Kolonien die Eisenbahnen, während rings herum die ausländischen Kolonien von Eisenbahnen durchquert sind, so verweigern wir ihnen das tägliche Brod, bas sie zum Leben brauchen. Nachdem das Reich einmal Kolonien e worben hat, sind die Kolonien geradeso als Thcile des Vaterlandes zu beurteilen, wie die heimischen Bestandtheile des Reichs, cs kommt für die Schutzgebiete sogar noch hinzu, daß sie viel ex- ponirtcr liegen gegenüber dem Auslande, als irgend eine Provinz innerhalb des Reichs. Ich schließe mit dem aufrichtigen Wunsche, daß zwischen dem Reichstag und den Regierungen ebensowohl bezüglich des nothwendigen Ausbaus der Usambarabahn bis Mombo wie bezüglich der Strecke Dar-es-Salaam—Mrogoro ein Einverständ- niß erzielt wird. Abg. v. Dziemvowski-Pomian (Pole): Der Reichskanzler hat von einer polnischen Gefahr gesprochen. Die Gefahr besteht aber nur in dem deutschen Chauvinismus. Früher hatten, wir drei Institutionen, auf die wir stolz fein konnten: bie Post, bie Rechtspflege unb die Universitäten. Wie aber sind diese Institutionen jetzt gegen die Polen vorgegangen! Sogar die Freiheit des Burschen wird auf den Universitäten untergraben. Man weicht den polnischen Studenten aus. Die Post ist politisch geworden unb die Rechtspflege eine Strafanstalt. Man verbietet jetzt polnische Lieder, die früher die deutschen Militärkapellen auf Den Schlachtfeldern gespielt haben. Vicepräsident Graf v. Stolberg: Diese Ausführungen stehen doch nur in losem Zusammenhang mit dem (Stai. Abg. v. DziembowSki (fortfahrend): Der Abg. Bassermann tadelte die Vorgänge im galizischen Landtag. Was hat denn der Abg. Sattler am 10. Dezember gethan? Da hat er hier die galizischen Verhältnisse eingehend kritisirt, ohne daß die verbündeten Regierungen antworteten. Da braucht man sich doch nicht zu wundern, daß die österreichische Regierung im galizischen Landtag dem polnischcn Redner nicht entgegen trat. Der Abg. Sattler ist doch nicht sakrosankt im internationalen Verkehr. Der Reichskanzler sagte, er wolle dafür forgen, daß der Deutsche im Osten nicht unter dic Räder komme. Graf Bülow kann ganz ruhig sein, wir Polen sind durch die deutsche Politik so arm geworden, daß wir gar keinen Wagen und keine Räder mehr haben. (Lachen rechts.) Die Regierung will die deutsche Sprache und das deutsche Wesen schützen. Aber will denn Jemand der deutschen Sprache etwas /thun? Ich persönlich schätze sie sehr hoch. Aber man braucht doch deswegen die polnische Sprache nicht unterdrücken. Denken Sie nur an Wreschen, wo man kleine Kinder prügelte. Wie will man denn die „polnische Gefahr"bekämpfen? Einen kulturellen Kampf, auf sittlichem Gebiete, auf dem Boden des Rechts, den würden wir verstehen, und den nehmen wir auch auf. Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Vorredner hat gerügt, baß bie verbündeten Regierungen bem Abg. Sattler am 10. Dezember nicht entgegengetreetn sind. Aber über bas, was hier gesagt werben darf, entscheiben nicht bie vcrbünbeten Regierungen, fonbern ber Präsibent. In seiner Macht liegt es, einen Redner zur Sache zu rufen. Ich will mir daher auch kein Urtheil darüber erlauben, ob bas, was ber Herr Vorrebner gesagt hat, zum Etat bes deutschen Reiches gehört. Ich bin aber ber Ansicht, ber persönlichen Ansicht, baß seine Beschwerden ins preußische Abgeordnetenhaus gehören, und da wird sowohl der Ressortminister, als der Ministerpräsident ihm Rede stehen. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) Ich möchte an erster Stelle mein Bedauern darüber aussprechen, daß für unsere Kriegsinvaliden noch immer viel zu wenig geschieht. Das erregt im Lande allgemeinen Unwillen, die letzte Erhöhung des Ehrensoldes wird überall als unzureichend empfunden. Freilich den Schatzsekretär trifft keine Schuld, denn er darf nicht mehr zahlen, als das Gesetz zuläßt. Deshalb ist eben eine neue gesetzliche Maßnahme erforderlich. Auch die Pensionen der in den Kriegen verwundeten Offiziere sind viel zu niedrig. Wir müssen zuerst für unsere Kriegsinbaliden sorgen unb nicht für dic Börsenjobber. Will doch der neue Han- delsminister sofort das Vörscngcsetz reformiren. Aber ba§ Vörsen- gesetz darf nicht abgeschrvächt werden, das Publikum muß geschützt werden, die Börse war stets eine Schule der Gesetzesübertretung. Ich hoffe, daß in der Frage des Zolltarifs die Mehrheit dcs Reichstags auf Seiten der Landwirthschaft steht und nicht auf Seiten des Brodwucher- und Zeter- und Mordio-Schrei-Vereins. Es handelt sich hierbei um einen Kulturkampf im besten Sinne des Wortes, um eine kräftige Heimathspolitik. Der Grund und Boden ist ein Geschenk Gottes, sein Ertrag muß erhöht werden, er darf nicht tüic jede andere Waarc behandelt werden. Deshalb brauchen wir ein Heimstättengesetz und ein Gesetz zur Ablösung der Grund- schulden. Auch eine Statistik über die Lage der Laiidwirthschaft fehlt noch, wenn die erst da ist, wirb Keiner mehr bie Noth ber Lanbwirthschaft leugnen können. Die Sozialbemokratie weiß, weshalb sie die Landwirthschaft ruiniren will. Erst soll bas Volk ein Mammons-Diencrvolk werben, unb bann wollen bie Sozialbemo- fraten ihren Weizen ernten. Ich bitte ben Reichskanzler, bie Petition zu beantworten, bie fragt, weshalb benn ber scheußliche JomberJ^orb noch nicht gesühnt ist. Der Staatsanwalt hat in blesem ,zalle grobe Gesetzwibrigkciten begangen. In Darmstabt hat em Amtsrichter einen Jubcn für besonders glaubwürdig erklärt, weil bie Jubcn cs mit bem Eibe besonbers ernst nähmen. Das ist Dcgrabation ber Christen. In Bezug auf Dic auswärtige voll tu hoffe ich zuerst, baß bie Venezolaner auf Granit ober auf Giicn beißen werben, unb bah man auch die beutschen Ansprüche, tn Nicaragua befriebigt. Die Hunnenbriefe sind ictzt ja durch die Gerichte nach ihrem wahren Werthe hin- gcstcllt, hoffentlich wird auch bie Schwärmerei beä Abg. Bebel für solche Kaffcrnnachrichtcn etwas abgclühlt fein. Besser Ware cs allerdings, wenn der Schatten der Hunnen niemals rhetorisch ^re schütze 'ührungen stehen Reichskanzler hat ahr besteht aber hatten wir drei N, die Rechtste ^Jnstitnttonen Freiheit des n. Man weicht sch geworden und et jetzt polnische us den Schlacht- 6g. Vassermann § fyat beim der hier bie galijie ie verbündeten doch mcht zrr izrschen Landtag Abg. Sattler ist )er Reichskanzler Osten nicht unter sein, wir Polen n, daß wir gar hen rechts.) Äe deutsche Wesen Sprache ettvas :r man braucht in. Denken Sie Wie will man ltmellen Kampf, den würden wir dner hat gerügt, am 10. Dczem- was hier gesagt ernngen, sondern lebner zur Sache l darüber er- it, zum Etat des , der persönlichen ördnetenhaus ge- ils der MiniW > mochte an erster ir unsere Kuegs- erregt im Lande ^hrensoldes wno en 1, als das Gesetz mahme erforder- MenOif'S ; KriegZ'nvalid^ i der neue her das « im muß geicl' tzt -kesübcrtrelung. M- Sinne des Dor- st, prfiarr, ist Ns die 0 bet auf ■i sassungsle^ Ästchen ' Bambara, gebautes sumpstge bisher ^Lrport im tm W 19oo ’° verdreifacht, ngcn des £ m'Kreisend?.' .Widerspruch baiu" *L* -d-ch J'e -vahnbauten )t!rf sich diesen 'we feste und .der Eisenbahn- den sollte, weil -ebenssrage gc, le Eisenbahnen, °n Eisenbahnen l'che Brod, das nmal Kolonien nle des Vat-r- scüe des Reich;, daß sie viel 2$, 7 eine Provinz chtigen Wunsche, 'ensowohl bezüg- bis Mombo wie :in Einbecständ. I 10. Milzbrand-Sporen. Mundhöhlen halte mau sich drei Schritte vom Leibe. Freilich geht das nicht immer. Wir müssen uns deshalb dcr- rauf einrichten, auch gegen die nicht abzuhaltenden Spaltpilze so gut wie möglich anzukärnpfen. Das ist wenigstens insofern einfach, als — abgesehen von Wunden — nur ein vauptthor in das Körper- innere führt: die Mund-- und Rachenhöhle. Wir müssen unsere Mundhöhle so präparieren, daß diese Schmarotzer sich nicht darin entwickeln können. Das geschieht aus zweierlei Weise. 1) Entweder man vernichtet sie direkt durch scharfe, spaltpilztötende chemische Mittels (Anhseptica), oder man verdirbt ihnen den Nährboden und giebt sie dem Hungertode preis. Beide Verfahren nennt inan antiseptisch. Verfahren 1, welches, zwar das emsachste wäre, ist im menschlichen Körper nur in beschränktem Maße anwendbar, weil die meisten Stosse, die die Spaltpilze vernichten, auch die lebenden Zellen unseres Körpers abtöteu, also die Schleimhaut schädigen oder aber die Zähne angrersen. Das hieße den Teufel durch ihre Verbreitung solchen Speichelspritzer verdanken, sind in erster Linie zu nennen: Jnflueiiza, Diphtheritis, Lungenentzündung, Tuberkulose, Aussatz, Pest, wahrscheinlich auch Scharlach und Masern. Solche infektiöse Speichelspritzer sind besonders aus unsauberen, ungepflegten Mundhöhlen zu erwarten. Ein unsauberer Mund ist — nicht oft genug kann das wiederholt werden — ein Eldorado für eine üppige Spaltpilzflora, ein geradezu ideales Brutnest für allerhand Mikroorganismen. Hier ist so ungefähr alles vorhanden, was der Gelehrte, dtzr Spaftpille zu wissenschaftlichen Zwecken züchten will, in einem Baklerien-Brutosen künstlich erzeugen muß. Hier ist die zum Brüten nötige Temperatur (37° C), hier ist Feuchtigkeit, hier y ft sind organische Stoffe (Speichelreste), die den Spaltpilzen als Nahrung dienen. Schade, daß ■ a y weder Sitten noch Gesetze unsaubere Mund-- [ S sxx « höhlen im volksgesundheitlichen Jntereffe ver- I tiQB b. U bieten. Hoffentlich kommt es noch einnral da- hin. Inzwischen empfehle ich als Prinzip der » " j Lelbsthilse: Menschen mit unsauberen v ■ Beelzebub anstreiben. Trotzdem enthalten zahlreiche antiseptische Mundwässer des Handels derartige schädliche Stoffe. Ein Unfug, dem gesteuert werden sollte. Bleibt Verfahren II: Verderben des Nährbodens, Ausbungern der Schmarotzer. Dazu sind verschiedene Maßnahmen möglich, weil die Schmarotzer verschiedene Nährboden wählen. Viele Keime, z. B. der Erreger der Zahncaries (Zahnfäule) gedechen nur aus Speiseresten und produzieren daraus die den Zähnen so schädlichen Mundsäuren. Andere Schädlinge, und darunter vorzugsweise die gefährlichen Krankheits-Erreger, halten sich am liebsten aus Ab- fonderungen einer krankhast veränderten Mundschleimhaut aus. Daraus folgt: a) die Speisereste und Absonderungen der Muiidschleimheit müssen (durch Zahnstocher, Zahnbürste und Spülungen) entfernt werden: b) hohle Zähne, deren Inhalt der geeignetste Nährboden für viele Bakterien ist, soll man beim Zahnarzt füllen lassen; c) die Entwickelung der Spaltpilze selbst muß mit chemischen Mitteln, die aber im Munde absolut feinen Schaden anrichten dürfen, verhindert werden. Bei den oben angedeuteten kompliziertenVerhältnissen imMunde eignen sich nur sehr wenige chemische Stoffe zu diesem Zwecke. Tie meisten Antiseptica sind sür die Mundhöhle unbrauchbar, weil sie die Zahnsubstanz auflösen. Andere greifen die Zähne zwar nicht an, atzen aber die Mundschleimhaut und begünstigen dadurch das Wachsen der Spaltpilze erst recht. Wieder andere sind allgemein giftig. Neuere Forschungen haben ergeben, daß besonders zwei Stoffe bin-' reichend antiseptisch wirken und dabei weder Schleimhaut noch Zcchnei irgendwie nachteilig beeinflussen: Einfaches Kochsalz und das Mund-, wasser Ldol. Odol ziehe ich wegen seines Wohlgeschmackes und mich deshalb vor, weil es nach dem Mundspülen die ganze Mundhöhle mir einer gleichmäßigen, antiseptischen Schicht überzieht und dadurch die Schleimhaut noch eine Zeit lang als Nährboden sür übertragene Krankheitskeime ungeeignet macht. Es ist zweifellos das gegenwärtig zweckmäßigste Mundwasser für den täglichen Gebrauch. (Dr. med. W. Ganser-Wien.) Der nächste Artikel erscheint am Samstag den 18. Januar. 405 jeder Kreuzer |ct ein Echwergewichr m der Wagfchale des Frei- Wir fürchten und Sicherstellung des Weltfriedens. Ich kann aber nicht schließen, ohne auch meinem Bedauern Ausdruck zu geben über Die Art und Werse, wie der Vorredner sich ausgesprochen hat über die inneren österreichischen Verhältnisse. Wenn w,r es nicht gern haben, wenn wir unter Umständen es uns i !■>'ne Neuwahlen. Wir werden ja dann leben wer Recht behält. , Wenn cte Obstruktion Thmsache werden wllre so müssen wir Die sogar sehr ernstlich verbitten, wenn man sich in unsere inneren Angelegenheiten einmischt, bann müssen auch wir die inneren Angelegenheiten anderer Länder mit demjenigen Takte behandeln, der nach wie vor die beste Grundlage für korrekte internationale Beziehungen ist. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Certcl (kons.): Tie jetzige Krisis wäre nicht so groß geworden, wenn die Presse eher ihre Schuldigkeit getban hätte. Sie hätte längst dem Publikum sagen müssen, daß die Trebergesellschast ein sehr großer Schwindel wäre. Ten früheren Staatssekretär des Neichspostamts muß ich gegen den Vorwurf des Abg. Bachem, die Postfinanzen nicht pfleglich behandelt zu haben, in Schuh nehmen. Wie stimmt denn dieser Vorwurf zu der erst kürzlich erhobenen Anklage des Abg. Dasbach, der denselben Staatssekretär der übertriebenen Fiskalität beschuldigte? Das Land ist keineswegs hier das Karnickel gewesen, die FcrnsprccdApparate, die man auf das Land gesandt hat, sind einfach miserabel. Und da spricht der Abg. Richter von einer Liebesgabe für oas Land! Ich verstehe nicht, weshalb man im Etat die Börsenstcuer um volle 40 Prozent niedriger eingeschäht bat, als sonst. Vielleicht hat man das gethan, um mit den niedrigen Einnahmen die Nothwendigkeit der Börsenstempel-Reform zu begründen. Tie Börscngeietz-Nobelle werden meine Freunde recht gründlich prüfen, wir werden die lex imperfecta der Strafbestimmungen zu einer lex perfecta machen und auch den Deklarationszwaiig beantragen. Ich bitte aber den Bundesrath, zu bedenken, daß die Session schon belastet genug ist. An dem Etat werden wir nur wenig sparen können, gegen eine Erhöhung der Matrikularumlagen muß ich mit meinem ganzen Körper sträuben. (Heiterkeit.) Es wird daher eine Reichsfinanzresorm nöthig fein, doch sind meine Freunde alle gegen direkte Rcichs- fteuer. Neue indirekte Steuern dagegen müssen sorgfältig erwogen werden, so aus dem Handgelenk kann man so was nicht schütteln. Die ungünstige Lage wird hoffentlich dafür sorgen, daß wir ein kräftiges Saccharin - Gesetz bekommen. Gegen den Vorschlag eines Reichs - Finanzministeriums muß ich mich nach wie bor entschieden aussprechen. Ich erl*,*,r£* an, daß die verfassungsmäßige Stellung des Neichs- diese Zurückweisung nur -in Vorwand fein sollte, um uns eine kanzlerS wieder bergestellt ist. Icb hoffe, es wird jetzt nicht^mehL andere Haltung aufzunöthigen gegenüber dem südafrikanischen verkommen, daß em Sraarsiekreiär in einer Zeit, wo die Schutze Kriege oder cm Präicxk, um feindliche Beziehungen herbcizufuhreu zollpotint wieder etwas energischer wird Den Ausspruch thur, zwischen unserem Volk und einem Volk, Dem wir nie feindlich gegen- jeder Krcuzcl sei ein Schwergewicht m Der Wagfchale Des Frei» übergestanden haben und mit Dem uns zahlreiche und schwer-> bondels Vielfach ist angeregt worden. Die Entscheidung in Dec wiegende Interessen verbinden, so will ich nicht den mindesten! Zollvorlage bis zu Den Neuwahlen zu verschieben. schworen worben wäre. In ben Polenkrawallen hat sich Rußland weit loyaler gezeigt als Oesterreich. Die Erklärung deS Reichskanzlers, daß wir kein vitales Jntereffe am Dreibund mehr haben, war ja deutlich. Eine Intervention im Boercnlrieg wünsche ich nicht. Wir waren auf dem Haager .Kongreß, daß dieser Kongreß nicht Mlbr Erfolg gezeitigt hat. ist die Schuld Rußlands, das frier der am mci|ten blamirte Europäer ist. Wir müssci' aber streng neutral fein, und Damit verträgt es sich nicht, wenn die Regierung zwar Lieferung deutscher Firmen an England zulässt, aber die Lieferung frfjon bezahlter Kanonen an den Oranje-Freistaat verbietet. Auch sillte die Regierung cs durchsetzen, daß '■? ctrauenSmänner des Boeren-Komites Afrika aufsuchcn dürften, um dafür zu sorgen, daß die gesammelten Mittel auch wirklich verwendet würden, um das Elend der Boeren zu lindern. Einspruch erheben muß ich gegen die Rede, die der neue englische Gesandte Wolfs-Metternich neulich in Hamburg intcr pocula gehalten hat. Der „extravagante Jugendstil", über Den Der Graf höhnte, besteht Darin, daß man sein Vaterland liebt, und wenn man cs schmäht, nicht die geballte Faust in Der Tasche hält, sondern dem frechen Verleumder Damir unter Die freche Rase fährt. (Heiterkeit.) Die Erklärung des Reichskanzlers gegen Chamberlain kam viel zu spät. In Chamberlain sieht das deutsche Volk Den verruchtesten Buben, Den Gottes (rrDboDcn trägt Präsident Graf Ballcstrem: Wegen dieser Beschimpfung des Ministers eines befreundeten Staates rufe idi Sie zur Ordnung Abg. Liebermann von Sonnenberg (fortfahrend): Einen anderen Ausdruck giebt es nicht, aber ich muß mich Dem Verlangen dt-g Präsidenten fügen. Von Zanzibar bis Samoa hat uns Eng- lauD stets geschädigt. Wenn man an dem Denkmal des großen Kaisers vorübergeht, muß man lebhafte Entrüstung Darüber empfinden, daß man in England gewagt hat, das Diebes- und Räubergesindcl, aus dem Die Armee Englands besteht, mit unseren braven Soldaten zu vergleichen. Reichskanzler Graf von Bülow: Nachdem Der Herr Präsiden: di- parlamentarische Rüge verhängt hat über eine Aeußerung des Vorredners, gehe ich auf die von dieser Rüge betroffene Bemerkung nicht weiter ein. (Beifall.) Ich will nur sagen, daß ich glaube, ich befinde mich im Einklang mit Der Mehrheit, der sehr großen Mehrheit dieses hohen Hauses, wenn ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß sich nicht die Gepflogenheit einbürgern möge, von Der Tribüne des Reichstages aus fremde Minister zu beschimpfen. (Lebhafter Beifall.) Es wurde das weder Den Gepflogenheiten des deutschen Volkes, das ein gesittetes Volk ist (Beifall), noch Den Interessen unserer Politik entsprechen. Ich muß gleichfalls mein tiefes Bedauern aussprechen über Die Art unD Weise, wie sich der Vorredner ausgesprochen hat über das Heer eines Volkes, mit Dem wir in Frieden und Freundschaft leben. (Beifall.) Wenn wir empfindlich sind gegen Angriffe auf bie Ehre unseres eigenen Heeres, so dürfen wir auch nicht fremde Heere beschimpfen/ in denen es doch auch Leute giebt, Die zu sterben verstehen. (Zustimmung.) Nun hat Der Abg. Wassermann seinem Befremden Darüber Ausdruck gegeben, daß nicht irgend eine autorisirte Stimme, z. V. nicht die „Norddeutsche Allg. Ztg.", früher das Wort ergriffen hätte, gewissermaßen unserer öffentlichen Meinung und unserer Presse die Wege zu weisen. Unsere Presse und unsere öffentliche Meinung müßten auf einer niedrigen Stufe stehen, wenn sie in Fragen der nationalen Ehre des Leitmotivs, der Parole von oben bedürften. Ter Werth einer großen Presse und einer öffentlichen Meinung besteht in Der Freiheit ihrer Bewegung. Das Korrelat Dieser Freiheit ist aber das Gefühl der Verantwortlichkeit und das habe ich soeben bei dem Herrn Vorredner vermißt. (Sehr gut!) Ich habe vor einigen Tagen keinen Zweifel darüber gelassen, daß es durchaus berechtigt war, wenn unsere öffentliche Meinung den Versuch auch nur des Scheines, als ob die Ehre unserer Armee angetastet werden Ipnnte, mit Entschiedenheit zurückgewiesen hat. Wenn aber Zweifel lasten, daß ich so ciwas feldstverständlick, nicht mitmacke Durch Reden, durch Resolutionen m Volksoersamm'.unge ... ____ können wir uns die Richtschnur unserer auswärtigen Politik nicht goldene Ruckfichtslosigken Demgegenüber anroenDen, Die Dem Abg. vorschreiben lassen (Beifall) ; sie wird leDiglid) bestimmt durch das roi- Liebermann eigen ist Es ist richtig, daß Der Reichskanzler auj reale Interesse des Landes, und das weift uns Darauf hin unter I Bierbankreden nicht ohne Weiteres crwas geben kann Aber auf Die voller ' lufrechthaltung unserer Selbständigkeit, unserer Wurde und! Siimmung Des Volkes gegen England muß er Rücksicht nehmen, unserer Ehre mit England freundliche und friedliche Beziehungen ! Von Interventionen u s. w. lann allerdings nicht die Rede sein; zu pflegen Das uuD nichts Anderes hat auch der kaiserliche Bot- wir wurden Dann in eine nicht glänzenDe Verschalter in London sagen wollen, unD zwischen dem. was er gefaßt. cinfamung kommen. Aber die deutschen Interesse.» (ja: und was ich sage, bestehl nicht die mindeste Divergenz Daß j in Südafrika könnten etwas bester gewahrt werden, uns die Aufrechterhaltung freundschaftlcher Beziehungen zu Eng- Es w'rd z B noch immer Darüber geklagt daß deutsche Missionare land nicht gerade erleichtert worden ist Durch den Zwischenfall Der ! m Südafrika in d-e Konzentanonslage: geschickt und sonst belästigt uns seit einigen Tagen beschäftigt, das werden mit m:: alle ein- und ihres Eigenthurns beraubt werden. Es gehl Das aus einem sichtigen Kreise nicht nur in Deutschland, sondern auch in Eng- von Pastor c Bodelichwingh veröffentlichten Briefe hervor. Auch lend bedauern Ich kann nur Die Hoffnung aussvreckien. daß ans । Kirchen sollen zerstört worden fein Ttc Qualifikation des Ministers in der Zukunft solche Zwischenfälle erspart werden mögen, Die uns Chamberlain können wir uns ersparen, weil sie communis opinio eine Haltung erschweren, die ebensosehr dem englischer und dem st Darin hat Der Abgeordnete Bassermann Recht: Wem» deutschen Interesse entspricht, wie Demjenigen Der Aufrechterhaltung I Die Presse Der Führung nicht bedürfte, dann brauchte nicht Die nach- unD Sicherstellung Des WeltfrieDens. hinkende Erklärung Der „NorDDemschen Allgemeinen Zeitung," zu kommen. Entweder mußte Diese sofort kommen oDer gar nicht. Daß gegen Die Rede Chamberlains Die Entrüstung allgemein ist und gröbliche Formen angenommen hat, auch hier im Reichstag, ist begreiflich, wenn auch für Den PräsiDenten Des Reichstags nicht verzeihlich. Ich gönne Den EnglänDern Den Minister Chamberlain von ganzem Herzen. Mögen sie ihn so lange verbauen, bis seine Unberdaulichkeit an ihm selbst in Die entsprechenDe äußere Erscheinung tritt. (Heiterkeit.) Die Männer aller Zukunst, nicht nur Der Gegenwart locrDcn Diesen Krieg in Südastika verfluchen. Der so grausam geführt toorDen ist. wie keiner vorher geführt worden ist. Wir wollen die alten Traditionell in den Beziehungen zu England nicht stören, sondern wiederherstellen wie zu Zeiten Bismarcks, als wir England zwar steundlich, aber kühl gegenüberstanden Unsere Beziefrungen sollten korrekt sein; auf die Hühneraugen wollen wir England nicht treten; dazu haben wir auch zu guten Geschmack, (Heiterkeit.) Man darf in der Politik auch nicht zu steundlich sein, sonst macht man leicht den Eindruck Des Vasallenhaften. Die FreunDschast mit RußlanD halte ich für außerorDentlich wichtig; abev wir Dürfen für politische FreunDschast keine wirthschaftlichen Konzessionen machen. Aus Den Fortbestand des Dreibundes legen wie großen Werth: die anderen Dreibundstaaten sollten bedenken, datz der Dreibund für sie mehr Werth hat als für uns. Wir müssen eine richtige Heimaihsvolitik treiben, sonst nützen alle Maschinen uitb Kreuzer nichts. Unser Volk muß in seinem wesentlichsten Theil Vauernbolk bleiben. Hierauf v c r t a g t sich das Haus. Persönlich bemerkt Abg. v. Liebermann von Sonnenberg: JH habc das englische Ministerium nicht angegriffen, sondern nur Angriffe abgewchrt. Als ich von Diebesgesindel sprach, schwebte mir ein amtliches, englisches Schriftstück vor. in dem konstatirt wird, daß die meisten Rekruten vorbestraft seien. Ich habe im Uebrigen nur meine Schuldigkeit getfjan und übernehme die volle Verantwortung dafür. Ich bin mit Bewußtsein in Den parlamentarischen Orkus hineiugesprungen und habe mir bewußt den Ordnungsruß zugezogen. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr. .(Fortsetzung der Etats- berathung.)^ Schluß 6j& Uhr, Aus MM ilttö (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:,,Gieß, -lnz." gestattet.) Gießen, 11. Januar 1902. '* Französische Vortrage und Rezitationen. Mehreren Aufforderungen entsprechend wird Lektor Goetschy seinen auf den 15. d. Mts. angekündigtcn Vortrag über „L’esprit de Voltaire“ erst am folgenden Donnerstag dem 16., um die gewöhnliche Zeit abhalten. ** Einrichtung neuer Postanstalten. Falls der Postctat für 1902 die verfassungsmäßige Genehmigung findet, werden im April in Altenbuseck bei Gießen und Wißmar bei Krofdorf Postagenturen eingerichtet werden. Frankfurt a. M., 10. Jan. Heute nachmittag kam es wieder ru D e m o n st r a t i o n e n von Arbeitslosen. Vom Roßmarkt kommend zog ein Trupp von mehreren hundert Mann unter 'großem Lärmen über die Zeil und Kaiserstraße bis zum Bahnhof. An der Liebfrauenstraße kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Demonstranten und der Polizei. Die Schutzleute zogen blank und trieben die Menge vor sich her. Verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen. An den besonders gefährdeten Stellen waren Doppelposten von Polizisten aufgestellt. Reitende Patrouillen durchzogen die Altstadt. Ernstere Ausschreitungen kamen nicht vor. — In der vergangenen Nacht wurde der 27 Jahre alte Tagelöhner Hans Heyeck aus 5^eidelberg in der Nähe der städtischen Sandtrocknungshalle auf dem Fischersera erschlagen. Drei junge Leute wurden als der That verdächtig verhaftet. Neueste Meldungen. Originaldrahtineldungen des Gießener Anzeigers. -o- Darmstadt, 11. Jan. Wie wir aus bestunterrichtcter Quelle erfahren, ist man im Finanzausschuß der zweiten Kammer nicht gewillt, in eine Erh öhung der Steuern zu willigen. Man gedenkt vielmehr, einem etwaigen Defizit durch beträchtliche Streichungen bei den Ausgaben des Budgets zu begegnen. So soll u. A. von der Umwandlung der Geometer- und Gerichtsvollzieherstellen in Staatsstellen, die natürlich große Mehrausgaben bediugeu würden, für diesmal abgesehen werden. Auch tritt man der Frage der Ein- snhrnng der Weiuftener w oder näher, falls so ein genügender Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben im Staatshaushalt nicht zu erreichen ist. Berlin, 11. Jan. Die Entlassung von 10 Prozent aller im Holzarbeitergewerbe beschäftigten Arbeiter wurde gestern in einer Generalversammlung der Berliner Tischlerinnung beschlossen. Hamburg, 11. Jan. Die Polizei verhaftete eine Diebesbande, die eine systematische Güterberaubung auf Schissen betrieb- Allein über 3000 Pfund Kaffee sowie große Mengen Zucker wurden gestohlen- Metz, 11. Jan. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend in der Familie des städtischen WN. Was sind ZLaLterien? Was ist antiseptisch? (Fortsetzung.) Dic allgütige Vorsehung hat die Existenz und das Fort- fornmen vieler Spaltpilze durch eine wunderbare Einrichtung auf einige Zeiten gesichert. Ist nämlich der Nährboden, auf dem die Spaltpilze leben, erfchöpst, so bilden viele Arten aus ihrem Zellenleibe sogenannte Sporen (10 B. Milzbrandsporen). Das sind kleine Körper von eiwrnier Widerstandskraft gegen alle möglichen Einflüsse, wie Hitze, Kälte, Trockenheit u. s. w'., denen die Mutter- pllze fonit unterliegen wurden. Aus dieser Einrichtung der Sporenbildung bernyl die Leichtigkeit der Verschleppung keimfähiger Spaltpilze und ihre enorme Vermehrung und Verbreitung. . t Nur wenige Arten von Krankheits-Spaltpilzen scheinen sich in der Luft lange lebensfähig haften zu können, die Luftspaltpilze Und in der Regel harmlose Gesellen. Tie incisten Krankhefts-Erreger werden direkt von einem Menschen auf den anderen übertragen, und zwar am häufigsten durch kleine Speichelspritzer, die beim Ränspern, Husten, Sprechen, Niesen m die umgebende Luft ver ' spritzt und direkt von der Mundhöhlen- und Slajen- fchleimhaut benachbarter Liiftnenschen aufgeuoimncu werden. Unter den Krankheiten, Die vorzugsweise g. saremen. Wasserballlnspektors Hacdrich, dessen 21jährige Tochter, ein. blühendes Mädchen, einen brennenden Petroleumosen über ben Flur nach -der Hinteren Wohnung tragen wollte. Auf dem Flur explodierte der Ofen. Das Mädchen stand, sofort in Flammen. Sämtliche Hausbewohner eilten' herbei, auch der Vater. Dieser warf sofort Decken auf div Tochter. Die Flammen schlugen nach oben; es entstand ein) Brand, der durch bie Feuerwehr gelöscht wurde. Das Mäd-», chen ist schwer verletzt. Der Vater erlitt schwere Braud-^ wunben an beiben Armen. Johannesburg, 11. Jan. In seiner Rede bei bent Festmahl im Rathause führte Milner u. a. aus: Eng- lanb wünsche nicht, bie Buren zu verschlingen^ bie stets ein wichtiges, obwohl nicht länger vorherrschendes^ Element 6Üben müßten. Zweifellos würde Johannesburg, eine ber größten Städte der Welt werben- Ein großes^ Jobannesburg bebeute ein englisches Transvaal, bas die Wägschale zu Gunsten bes englische n Südafrika lenke. einfach u.billig durch Ander- * l, J nach'5 bowlhrto aspbalt-Isellrplatten. Muiter u. Proipokt mit zahlreichen Anerkannt!ng„chrelben I G poitfrel and nmionit A. W. And mach in Beuel am Bholn. " Zu haben in Gießen auf dem Fabriklager bei Herrn Emil Hörnt, Riegelpfad. 175 Gickn "W" MM jßr Gießen MW» 17 GM • M ylfillB db> R«Wch-17 Cassel. vrorm^üs F» Leitzow & C@u Cassel. Erstes nn- größtes Sortimentsgeschäft am Platze! -MU DWr- Auf sämtliche Artikel unseres gesamten Warenlagers geben wir bis auf weiteres 1O°. 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