Montag 10. November LTOS ISS. Jahrgang Erstes Blatt. Tie hessischen Landtagswahlen. Gießen, 10. November 1902. Flugblatt behauptet, die dortigen seitberigen Abgg. Morneweg und Köhler hätten ,in unbegreiflicher Verkennung der Interessen zahlreicher Minderbemittelter re. durch ihre Abstimmung in den agrarischen Fragen allen diesen Interessen entgegengewirkt". Die beiden Herren haben indeß in agrarischen Dingen denselben Standpunkt eingenommen, wie die Staatsregierung. Ferner wurde gegenüber den neuen Darmstädter Kandidaten, den dem Nationalliberalismus nahestehenden Oberbürgerincister Morneweg und Landgerichtsrat Dr. Buff bemerkt, das Ziel der gesamten Einwohnerschaft müsse sein, Männer in den Landtag zu senden, «welche nicht gebunden durch amtliche Rücksichten, i „Gomoslaza!" Ng s-Verms zu fW cs m Nodzin e wegen Angeklagte Mulle crneueruna i öMlchn Nchm zu zwei Aahreu jk. 261 muß es W; Stück weniger » --ssa-* Bezugspreis» monatlich 76 P \ n viertel^ iäbrllch 9Jir. 2.20; durch Aohole- u Z'vetgstelleri monatlich Pf.; durch diePost Aik 2.—viertel- fährt, auefcht. Bestellg. Annahme von Anzeigen für Die TageSnurnrner bi- oonnUtagfl 10 Uhr, Zeitenpreis: total ISPf, auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich» tüt den poltL u. aUgem, teil. P. Wiltko: füi .Stadt und Land" und -Gerichtsfaal" Eurl Plato, für den Anzeigenteil: $>an8 Beck. "'«Ätz PA prin. glimmen der , lgung, de/ l°,-etn es ° gestellt, M «ZL eJ? begründen. Z ,e nem anderen Pa^ ^.wenn tvirL l-'Mr M„rr StundenI Grober auf namentliche Ab, 'Ruhe, sonst kann ich l fest, daß ihm durch °"nen ist, seinen An, Vertagung der Sitzung 'ung über den Ver, ^emtragt nament, gestellten Antrag, lmentlichen Ab, ! s a n t r a g. wen 63 mit 5a, W tung. hnt. w Abg. Speck Mj gen über die zu ff lt über den ssziil' betr. Helgolm).: h> meisten soziÄMka- iicn. Am SamStag fanden in unserem Großherzogtum die Landtagswahlen statt, die die aus 50 Mitgliedern bestehende Zweite Kammer zur Hälfte erneuerten. Sie mußten nach dem alten indirekten Wahlsystem vorgenommen werden, da die Abgeordneten der bäuerlichen Freien Vereinigung, sowie eine Anzahl ländlicher Mitglieder der nationalliberalen Landtagsfraktion die dem letzten Landtag vorgelegte Wahlreform der Regierung bekanntlich nicht acceptieren wollten. Sie wollten den Städten, die dadurch statt der seitherigen 10 Abgeordneten deren 15 erhalten sollten, und namentlich unserer Stadt, der Universitätsstadt des Landes, den Zuwachs nicht gönnen, weil sie um den seitherigen unbestritten agrarischen Charakter der Zweiten Kammer besorgt waren. Angesichts dieser Sachlage war es begretflich, daß in einzelnen der Städte, die, wie bekannt, alle diesmal ihre Abgeordnetenmandate zu erneuern hatten, eine antiagrarische Agitation sich entfaltete, während in anderen Städten, wie bei uns in Gießen und in Worms eme größete Regsamkeit vor der Wahl von den Ausschlag gebenden Parteien für überflüssig erachtet wurde. Sie Abgeordneten Dr Gutsleisch-Gießen und Reinhard-Worms sind als energische und rückhaltlose Wahrnehmer der Interessen ihrer Wähler längst genugsam bekannt und gehören seit Jahren überdies zu den fleißigsten, fähigsten und emflußreuchsien Mitgliedern der Zweiten Kammer. Ihre Wahl war, ebenso wie die in Alsfeld, wo nur ein Personenwechsel -mtrat indem der bisherige freisinnige Abg. Guntrum sein Mandat an den freis. Rechtsanwalt Reh übergab, °on vornherein gesichert. Gleichfalls vorausgesehen wurde die Wiederwahl des sozialdemokratischen Buchdruckereibeiitzers Ulrich m Offenbach, dem eine in Offenbachs Bevä kerung nicht besonders populäre Persänlichkeit, der Fabrikant Louis Fes - mann, entgegengestellt worden war, und die des Stadt- verordneten Pennrich inBmgen, eines Zentrumsmannes, der dort überhaupt keine ernsthafte Gegnerschaft besag. Anders m Darmstadt und Friedberg. Den bis- hörigen Vertretern dieser Städte wurde m der letzten Ze'' vid Uebles nachgeredet. So wurde m einem Darmstadter Nr. »64 Erscheint täglich außer Sonntag-. ' Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener $amUien- blätter viermal in der Woche beigelegt -Rotationsdruck u. Verlag der vrühl'schen Ünivers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erdens Rsdaktton, Expedttüm und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen» Vlnzeiger Wtetze»». gernsprrchanschluß Nr. 51. *«* L'S"" r 7L-S - i < “ Gietzener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Gießen, 6. November 1902. Betr.: Die AuSführnng der polizeilich-technischen Maß- : und Gewichtsreoisionen im Kreise Gießen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien Lang-Göns, 2ltten- dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Klein-Linden, Holzheim, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg, Garbenteich und Steinbach. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 13. Oktober d. Js. im Kreisblatt Nr. 250 vom 24. Oktober d. Js. fordern wir Sie auf, in ortsüblicher Weise bekannt zu machen, daß im Interesse eines besseren Fortganges dec Revisionen, und um die Interessenten vor unnötigen Kosten zu bewahren, sämtliche zu prüfenden Gegenstände in gehörig gereinigtem Zustande und reparaturbedürftige Maße und Waagen erst nach vollzogener Reparatur in das Atchlokal zu verbringen sind. I. 93.: Dr. Wagner. — Bekanntmachung. DaS Königliche Proviantamt in Hanau giebt bekannt daß dasselbe Weizen, Roggen, Hafer Heu und Rogggenstroh gegen Baarzahlung ankaust. Die Lieferungen haben frei Magazinhof auf Gefahr des Verkäufers zu erfolgen. Die Getreidearten müssen gesund, trocken, ohne Staub oder Sand, möglichst frei von Besatz und gründlich gereinigt fein. Die Einsendung von ungeschmeichelten Proben von reichlich V* Liter, nebst Mitteilung, wann und wieviel geliefert werden kann, ist erforderlich. Wenn bei großer Entfernung die Lieferung mittelst Landfuhre unmöglich ist, dann empfiehlt es sich, daß mehrere Landwirte sich zu einer gemeinsamen Lieferung per Waggon vereinigen und aus ihrer Mitte einen Vertrauensmann (Bevollmächtigten) wählen, der dann mit dem Proviantamt in Verhandlung tritt. Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die Herren Bürgermeister selbst die Sache in die Hand nehmen und sich der kleinen Mühe unterziehen. Den Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch Magazinsäcke zur Verfügung gestellt. Bei Bahnsendungen wird die Bahnfracht verauslagt, sowie die Abfuhr von der Bahn übernommen; letztere kostet 6 Pfg. pro Zentner Weizen, Roggen oder Hafer, und 15 Pfg. pro Zentner Heu oder Stroh. Die Adresse für den Frachtbrief ist: Hanau, Bahnhof Nord. Auch hat der Ankauf von Hülsenfrüchten und Zwiebeln seitens der Konservenfabrik in Mainz begonnen. Etwaige Angebote sind an die genannte Fabrik oder an das Proviantamt Hanau zu richten. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich erteilt Gießen, den 5. November 1902. GroßherzogUcyes Kreisamt Gießen- Dr. Breidert männer zwar dort waren, an der Wahl aber nicht teilnahmen. Zur Giltigkeit der Wahl gehört aber, daß mindestens zwei Drittel der Wahlmänner abftimmen. Eine nochmalige Wahl ist auf nächsten Donnerstag, den 13. Noo., anberaumt, die Wahl erfolgt dann ohne Rücksicht auf die Zahl der erschie- neuen Wahlmänner. Die Wahl des Sozialisten Orb ist dort außer Frage. Offenbach nebst Umgegend ist eben die hessische Hochburg der Sozialdemokratie, und auch das goldene Mainz, die Bischofsstadt, ist längst eine sozialdemokratische Domäne. Der Wahlkampf in Offenbach spielte sich übrigens, so meinte jüngst die „Wormser Zeitung", seitens der unbeeinflußt von I Sozialdemokraten unter der Devise ab »Arm gegen wecku'elnden Ansichten der Staatsverwaltung, völlig unabhängig Reich", und diese Devise wurde getreten von dem für das Wohl der Vaterstadt eintreten." Der Darmstädter „wohlhabend^ Buchdruckerei- und ^Z^ungsbefitzer Ullr ch, Oberbürgermeister erklärte zwar öffentlich, daß er nur der welcher fein Geschäft in rem kapitalistischer Weise und nicht Stadt Darmstadt gegenüber abhängig, ün übrigen völlig un- ohne Nutzen betreibt . Nach einem Beschluß der letzten abhängig sei, und die Unabhängigkeit des deutschen Richters Landeskonferenz der Hess. Sozialdemokratie vom 7. Sept. d. J. ist bekanntlich durch die Reichs - Verfasst,ng gewährleistet, zu Worms sollte diese Partei m allen Landtagswahlkreisen,^ Agrarfreundlich sind die Herren nach ihren ausdrücklichen m denen Neuwahlen stattstnden, mit Energie in beni) - Angaben ebenso wenig wie Gegner des allgemeinen direkten kampf eintreten, um eme „bessereZu^mmensetzung der Kammer Wahlrechts. Trotzdem traute die Mehrheit der landeshaupt- zu erzwingen". Nun, die bürgerlichen Parteien haben Men städtischen Wählerlchaft diesen beiden perren nicht. Von den Beschluß nicht besonders schwer genommen unb bamit Recht 50 Abgeordneten des letzten Landtags gehörten 27 den land- behalten. Amüsant war es, bafe m emem Statt wirtschaftlichen Berufen an und waren echteste Agrarier. Dazu des Landkreises Offenbach gesagt worden war. »Herr Ulnch kamen zehn weitere Abgeordnete, die sich bei ihrer Wahl m ist em so verständiger toleranter Mann daß 'hn auch der ländlichen Bezirken auf das agrarische Programm verpflichtet strengstgläubige Katholik wählen tann . Bei uns 'n Gießen halten und gewissenhaft danach handelten. Dieser kompakten leisteten sich zwar die Sozialdemokrateni gegen den ^reifirm agrarischen Majorität gegenüber verfügten die Städte eine Gegenkandidatur, aber wohl nur deshalb well eine re über game aelm Vertreter, von denen die Hälfte den aktionäre Partei hier überhaupt nicht in Frage war. Freisinnigen \mb Sozialdemokraten, die andere Hälfte Von besonders mtereflanten ben Nationalliberalen, Wilden und Zentrumsmännern wähnen, daß, was man nicht geg aubt hatte, der Bauern anaehörte. Das gab den städtischen Wählern viel zu denken, bündler Weidner und der nationalliberale Gegner des allge- Zu^deni blieb es in Friedberg unvergessen, daß der bisherige meinen direkten Wahlrechtes, Direktor Dr. eure ich,.wie-- Vertreter dieser Stadt, der Justizrat Dr. Jockel, einst em dergewähtt worden sind. Weidners parteiloser Gegenkandidat, oppositioneller Draufgänger ersten Ranges, dem das direkte Oberförster Dr. Weber, erhielt im ersten Wahlgang 12, unb geheime Wahlrecht als zu erstrebendes Ideal erschien, Weidner 16 und Dr. Bogel-Laubach 6 Summen, ^n der neben Vielem anderen besonders zwei schwere Worte im letzten Stichwahl entfielen dann 19 Stimmen auf Weidner, Landtage geäußert halte, nämlich: Wer nicht unabhängig ist, 15 Wahlzettel auf Weber ^t^ I» Waldmich ch soll auch nicht wählen", und: „Das hessische Volk ist für die wurde Dr. Heibenreich ebenfalls nut 19 Stimmen wieder- direkte Wahl nicht reif." Das wagte em Nationattiberaler gewählt; der Gegenkandidat, kathol. Pfarrer Blum,echiAt zu sagen, nachdem alle Deutschen seit einem Menschenalter 16 Stimmen. In Butzbach wurde der bisherige fteis.Abg. direkten den Reichstag wählen! Kurzum, die Bürgerschaft Joutz mit 19 gegen 12 antisemitische Stimmen wie erge- in diesen beiden Städten war der Ansicht, daß ihre bis- wählt. Gegenkandidat von Joutz ^ar d« radikale A^isem^ herigen nationalliberalen Vertreter da, wo es sich darum Fritz Fenchel m Griedel. Von den Bauernbmidlern war m handelt, zu Fragen Stellung zu nehmen, die einen Wider- der Butzbacher Gegend eme rege Agitatton während ^c ver- streit zwischen städtischen und ländlichen Interessen mit sich stoffenen Woche entfaltet worden. In der Burgerschaffl Butz- brachten, auf der Seite der Agrarier gestanden hätten. Und bachs hat der Sieg des seitherigen Vertreters, wie mcm uns da sie annahm, daß die bäuerlichen Abgeordneten umso von dort schreibt, große Freude hervorgerufen. Ferner weniger geneigt und veranlaßt seien, den Städten Gerechtig- wurden wieder gewählt der wahlrechtsreformfeinbliche sellhenge tÄÄn ^u lassen, weil fie unter allen Umständen Abg.Möll inger inPfebdersheim, und inLamp ertheim darauf rechnen könnten, daß ihnen die Herren Morneweg, Bürgermeister seelinger (ntl.). , Dr Buff und Dr. Jockel schließlich doch nachgeben würden, Man sieht, auf dem Lande, wo hier urll> da eine Nüancen- da'warmes kerne gar so erstaunliche Erscheinung, daß bei Verschiebung emgetreten ist, übe^iegt doch vielfach das ge- diesen Voraussetzungen in Darmstadt und Friedberg die Frei- mäßigt agrarische Element Dies hat u a die^Wahl m Oppen- sinnigen und Sozialdemokraten mit dem Zentrum darauf heim bewiesen, wo der Bauernbun.ler Braun den Wahl verzichteten, sich die Mandate streitig zu machen, daß sie sich rechtsreformgegner Koch verdrängt hat, der mit den wieber- oielmeL gegeSeitig unterstützten. Und sie schloffen dort den gewählten Dr. Heidenreich und Möllmger als emer der rechtS- Wahlkampf bmit emem vollen Erfolge ab. In Darmstadk stehenden nationalliberalen Parteiveteranen bisher angesehen wurden die Freisinnigen Langenbach und Säng, in wurde. In den Städten dagegen dominiert die^Koalition Friedberg der Freisinnige Da,nm gewählt. Freisinn-Centrum-Sozialdemokratte. Nur die Stadt WormS Der neue hessische Landtag ist zum Teil unter dem Druck macht hiervon eme Ausnahme. „Die Zeiten, m denen echt- der Reichstagsdebatten zu Stande gekommen. War die nationale imd liberale, weitblickende Manner das hessische Wählerschaft sich auch bewußt, daß dem Landtag ein direkter Parlament an die Spitze der deutschen Volksverttetungen Einfluß auf die großen sozialen und volkswirtschaftlichen stellten, sind doch wahrhaftig langst vorüber , so schneb im Fragen bie ba§ Reich beschäftigen und augenblicklich im Sommer die „Wormser Ztg." resigniert. Das ist die Bilanz Kampf'um den Zolltarif gipfeln, nicht zusteht, so handelte der Abrechnung der natwnalliberalen Partei, der sie auf ihrem luanPbei den eben erfolgten Llbslimmungen für unsere hessische Rückzug den Rucken zu decken versucht. Warmn sind diese Kammer doch offenbar stark unter dem Einfluß der parla- Zeiten vorüber? Wo halten sich die Totengräber des einstigen^ mentarischen Vorgänge in Berlin. Die „Offenb. Ztg." sagte Einflusses der nattonalliberalen Par ei versteckt? Die emsichts- unlängst nicht unrichtig, die Magenfrage habe auch hier über vollen Kopfe m der nationallib^alen Partei wissen, wen sie daS Pattech^raramin gesiegt. Denn daß es sich weniger um für die Zerfahrenheit m ihren Rechen zur Verantwottung zu einen polittschen Zug nach Links, als um eine oppositionelle ziehen haben. Der WahlauMf des Landesaus^chusses der Bewegung innerhalb der Miltelparteien handelte, beweist der nationalliberalen Partei sprach sich über die wichtigste Pro- Um^nd däß nicht den Sozialdemokraten, sondern den Frei- grammfrage, zu der alle übrigen polittschen Parteien Heffens- si^nigen'die Folgen einer Verschiebung nach Links zu Gute bündig Stellung genommen haben nur unklar aus Aber kommen die offenbar weniger in der Unzufriedenheit mit er stellte sich doch auf einen lt b era l er en © tan bp unft als daS unseren hessischen Zuständen, als mit der wirtschaftlichen Lage neue Wormser Programm, das die Wahlrechtsfrage für noch nicht nn^Reiche^ bnuhte. Man kann jedenfalls bezweifeln, ob sich spruchreif erklärte. Der Landesausschuß erkennt wenigstens F^eisinm Demokratie und Sozialdemokratie in Mainz, in die Notwendigkeit der Reform des Wahlrechts als berechtigt Darmstadt und in Friedberg so einträchtig zusammengefunden an und hält eme Reform im „Staatsintereffe und im ,,Jn- hätten wenn sie nicht das Bewußtsein erfüllte, daß sie m tcreffe der Wähler" für yböten. Doch damtt fft nicht gar ,4 .<- «*..« io *->- L ^^^Außer den Freisinnigen, die die beiden Darmstädter und scheinung getreten ist unb bei den folgenden Wahlen m den das Friedberger Mandat eroberten, haben die Antisemiten Jahren 1896 und 1899 sich weiter gezeigt hat, nämlich die in fflrünbera wo Hi rs ch - l - Offenbach gegen den Na- Schwächung der nationallibemlen Partee des Großherzogtums. tonM,beraten Moll durchdrang, euren Zuwachs zu oerze.ch- Drese Parier war von entscherdendem Ernfluß und auch lerd. ‘ Dio Rararier aber haben ferner den Nationalliberalen. üch einig, so lange ihr die Sonne der Regierungsgunst ichren. die' in7«anren 5 Sitze verloren haben, den Landkreis Mn dem Abgang des Mingtenums Finger Härte das auf, Darmitadt' den bisher der tüchtige Oberlehrer Backes ver. nachdem sich schon vorher die ersten Anzeichen des Zerfalls Kat 7baen°mmen Zentrum und Sozialdemokratie gemeldet hatten. Die Partei unterließ es. sich den veränderten haben ihren Besitzstand gewahrt und werden in der alten Verhältniffen entsprechend zu reorganisieren, einer nach dem Stärke erscheinen 3m Wahlbezirk Os send a ch-Land, wo andern ihrer srüheren Führer zog sich verstimmt mS Pnvat. den 3a sozialdemokatiichen Wahlmännern 22 bürgerliche leben zurück. Es gab und gibt m der Partei wahr ich genug aeaenüberstande» ist die IN Groß-Steinheim adgehaltene Männer, die sich den Anforderungen der modeinen Entwickelung Wahl resultatlos verlausen, weil die bürgerlichen Wahl-1 Nicht verschließen wollen! um wirklich ErlpnetzücheS letzte« zu. Jfönnen, fehlt e6 ihnen aber cm der wMgen und verständnisvollen Mitarbeit ihrer Parteigenossen. Diese wieder herbeizuführen, wird, wie wir bereits wiederholt ausgeführt haben, die nächste Hauptaufgabe der Partei sein. Die Ti)conrebe, die der Groß her zog bei dem feierlichen Schlußakt des letzten Landtages verlas, sprach in ihrem Eingang von der hingebenden Pflichttreue, mit der sich der Landtag den Angelegenheiten und dem Wohle des Landes in anstrengender Arbeit gewidmet habe. Es kann zugegeben werden, daß es der frühere Landtag cm Fleiß und gutem Willen nicht hat fehlen lasien; em gleich rühmliches Zeugnis hat man aber der politischen Einsicht und den gesetzgeberischen Fähigkeiten aller Abgeordneten mcht ausgestellt, und der parlamentarische Takt vieler hat sich bei zahlreichen Anläsieu als nicht ganz ausreichend erwiesen. Wir konnten denjenigen, die da sagten, die Debatten hüllen sich keineswegs immer auf einem wünschenswerten Niveau gehalten, nicht so ganz Unrecht geben. Das Fiasko, das die bisherige Kammer unstreitig zum Schluß hauptsächlich in der Wahlreformfrage, aber nicht in dieser allein machte, war zugleich ein unwiderleglicher Beweis für die Fadenscheinigkeit und Belanglosigkeit der Gründe, die die Verteidiger des indirekten Wahlsystems so gern ins Treffen führen. Obwohl nun auch der neue Landtag noch aus dem indirekten Wahlsystem hcrvorgegangen ist, demjenigen System, das gerade nach der Ansicht der Reaktionären die beste Möglichkeit und Gewähr bieten soll, die geeignetsten Männer m die Volksvertretung hineinzuwählen, so wollen wir doch hoffen, daß er mehr auf der Höhe seiner verfaffungsmäßigen Stellung sein wird. Daß er dem alten nicht ähnlich fein wird wie ein Ei dem andern, das ist heute schon feststehend. Agrarisch aber wird wohl weitere 3 Jahre Trumpf sein, und es macht für die Beurteilung der politischen Bedeutung der Wahlen nichts aus, ob hier oder dort ein nationalliberaler Agrarier durch einen Bauernbündler oder Antisemit ersetzt wurde. Der Kammerpräsident Haas, der formell zur nationalliberaleu Partei gehört, aber in Wirklichkeit die Seele des Agrariertums in Hcffen ist und, -wie die letzten Reichstagssitzungen bewiesen haben, zu den Hochschutzzüllnern sans phrase gehört, wird weitere drei Jahre von großem Einfluß auf die Gesetzgebung sein. Mancher ist der Ansicht, daß es für die Gesamtheit der heffischen Bevölkerung besser wäre, wenn dieser Mann sich auf die Förderung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, um das er sich außerordentliche Verdienste erworben hat, beschränken würde. Hätte nicht die Regierung vielfach unter den größten Unannehmlichkeiten der agrarischen Mehrheit entschlossenen Widerstand geleistet, so wäre die Bevorzugung des platten Landes sicher noch krasser in die Erscheinung getreten. Die Regierung hat des Oöfteren gezeigt, daß sie zeitgemäßen Reformen auf allen Gebieten des politischen und sozialen Lebens nichts weniger als abgeneigt ist. Das heffische Volk hat jetzt dafür zu sorgen gehabt, daß diese Neigung nicht durch eine reaktionäre oder unzulängliche Zusammen- 'setzung der Zweiten Kammer in ihrer Bethätigung gehemmt werde. Es hat eine Reihe zuverlässiger und umsichtiger Männer der heffischen Volksvertretung zugefügt, von der wir manches Gute zu erhoffen uns berechtigt glauben. Vor allem wollen wir hoffen, daß cs der ernste Wille von Landtag und Regierung in der nächsten Session sein wird, das alte morsche Wahlsystem zu zerbrechen, einen Anachronismus, der eines so regsamen Staates wie des hessischen einfach unwürdig ist, obwohl gerade in unserem Lande nichts ferner liegt, als etwa zwischen Ur- und Hauptwahl, wie in unserem Nachbarstaaten, Don Seiten der Regierung ein Mißbrauch ihres amtlichen Einflusses. • • Zur Landtagswahl wird uns aus dem Bezirk Herbstein-Ulrichstein geschrieben: Mit 31 gegen 4 Stimmen siegte der bisherige Abg. Bürgermeister Schmalbach von Crainfeld über den Gegenkandidaten, Bürgermeister Muth von Salz. Zu der bevorstehenden Wahl erschien jüngst int Hungener Blatt eine Notiz, wonach die Wiederwahl von Schmalbach sehr gefährdet sei, insbesondere wegen seiner Stellung zur Je- suitensrage. Tie hier prophezeite Niederlage des Herrn .Schmalbach wirkte sehr erhetternd, wußte man doch zu genau, wer gründlich unterliegen würde und daß die Pham taste jenem Berichterstatter einen schlimmen Stretch gespielt Habe. Berechtigten Unwillen erregte dagegen der Versuch, eine Wahlparole zu bethätigen, die geeignet tst, konfefsio- neNen Unfrieden zu entfachen; das alte bereits vor sechs Jahren widerlegte Märchen war von neuem ausgewärmt worden, als habe der Abg. Schmalbach dem Zentrum bezüglich seiner Haltung zu der übrigens vor das «yorum des Reickstages gehörenden Jesuitensrage Zusicherungen gegeben. Nun, die Wahlmänner haben die einzig rtchttge Antwort darauf gegeben und unserem beliebten Abg. Schmalbach ihr unerschütterliches Vertrauen bezeugt. Von anderer Sette schreibt man uns aus Herbstein: Die Wiederwahl unseres verdienten Landtagsabgeordn. Schmalbach wurde überall mit großer Freude begrüßt. Nach der Wahl waren die Wahlmäuner und Freunde des Wieder- gewählten in fröhlichem Kreise vereint. Reden im Wechsel Mit Gesängen ließen die schönen Stunden nur zu rasch vergehen und das Scheiden schwer werden, besonders da Herr Schmalbach .seinen treuen Mannen in herzlichen Worten Dank gezollt und ausführlich bekundet hatte, in welcher Weise er weiter für das Wohl und Blühen seines Bezirkes wirken werde. Kaiser Mlyelm in England. Port Victoria, 8. Nov. Als die „Hohenzollern" langsam mit einer Eskorte von Torpedobooten um Garri- rison Point, nordwestlich von Sheemeß, herumkam, nahmen die Mannschaften auf Deck Ausstellung. Ein offizieller Empfang des Kaisers fand nicht statt. Außer Offizieren befanden |idj nur wenig Menschen auf der Mole, an der die „Hohcnzvllern", welche die deutsche und englische Flagge am Großma-ft führte, kurz vor 8 Uhr festmachte. 3O .\\ul traf der deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich aus der ^Hohenzollern" ein, und wurde öom Kay er empfangen. Später fand der Empfang des Ehrendienstes stau. Um 10 Uhr begab sich der Kaiser von der „Hohenzollern" zu dem Sonderzug, der alsbald noch .SHornclifse abfuhr. London, 8. Nov. Prinz von Dales und mehrere Minister, so der Premierminister Balfour, Staatssekretär Chamberlain mit Gemahlin, der Staatssekretär Brvdrick usw. begaben sich hetllc mittag nach Sandrlligham. London, 8. Nov. Der Sonderzug mit dem Kaiser traf bei strömendem Regen in SHornclifse ein. So- balo der Zug hielt, verließ der Kaiser den Salonwagen und begrüßte den zum Empfang erschienenen Feldmarschall Lord Roberts und General Wood. Der Kaiser stieg zu Pferde, um sich nach dem Uebungsfelde der Royal Tra- goons zu begeben. Auf dem Uebungsfelde wurde der Kaiser von dem Oberst Lord Bas in g, dem Kommandeur der kgl. Dragoner empfangen; die Musik spielte die deutsche National-Hymne. Nachdem der Kaiser die Reihen des Regiments abgeritten hatte, machte er Halt und ließ, mit dem Säbel grüßend, die Truppen im Schritt und im Trabe an sich vorüber ziehen. Als hierauf das ganze Regiment von neuem Aufstellung genommen hatte, ritt der Kaiser an dasselbe heran, und hielt folgende Ansprache: Es hat mir große Freude bereitet, Euch heute hier zum ersten Mal zu besichtigen, settdem Eure große Königin, meine geliebte Großmutter, deren Tod ick) mit Euch beklagt habe, mir die Ehre erwies, mir die Würde des Ehreiivbersten dieses Regiments zu verleihen. Ich beglückwünsche Euch zu Eurer Heimkehr nach der langen Zeit schweren Dienstes, den Ihr wacter zur Ehre Eures Königs und Vaterlandes gethan habt. Ich beglückwünsche Euch zu Eurem prächtigen Aussehen bei der Parade und zu dem tadellosen Vorbeimarsch, der wieder einmal die schöne Haltung gezeigt hat, wegen der die Royal Tragoons so bekannt sind. Tant der Huld S. M- des Zlonigs dars ich Euch heute besichtigen, und ich kann meine Dankbarkeit Sr. Majestät gegenüber in keiner besseren Weise zum Ausdruck bringen, als dadurch, daß ich drei Hurrahs auf S. M. König Eduard VII. ausbringe. Dann brachte der Kaiser drei Hurrahs aus. Sodann wurde im Ofsizierskasino das Frühstück eingenommen. Bei dem Lunch brachte Oberst Lord Basttrg folgenden Trinkspruch aus: Ich weiß kaum, wie ich unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen soll, die wir bei den Worten empfanden, die Se. Majestät auf dem Uebungsplatze an das Regiment gerichtet hat. Der heutige Tag wird für immer ein Gedenktag in den Annalen des Regimentes sein. Das große Interesse, welches Se. Majestät stets den Royal Tragoons entgegengebracht haben, und ein freundliches Gedenken haben Se. Majestät veranlaßt, den Frauen und Kindern der Mannschaften, die nach Südafrika gingen, ein so glänzendes Geschenk zu machen. Ich kann Ew. Majestät versichern, daß viele Fälle von Not gelindert sind, und viele Familien nur durch den Edelsinn Eurer M a - jestät zusammengehalten wurden. Der Stolz, den wir alle über die Tyatsache empfinden, daß Ew. Majestät unser Chef ist, trug in hohem Maße dazu bei, daß das Regiment die Würdigung genießt, die es erworben hat. Alle Mann bemühten sich, diesen Ruf in Südafrika noch zu erhöhen. Zum großen Teil ist es dem Um st and zuzu schreiben, daß Eure Majestät Chef des Regimentes sind, wenn die Royal Tragoons das populär st eRegi ment der britischen Armee ist. Wir haben 200 Mann mehr als jedes andere Kavallerieregiment der Armee. Möge uns die Anwesenhell Sr. Majestät ein Sporn sein, zu noch toeiterer Anspannung und uns in den Stand zu setzen, dem Regiment neuen Lorbeer und Ruhm zu erwerben. Ich bitte Sie, füllen Sie die Gläser und trinken Sie ein volles Glas auf den Kaiser. Der Kaiser erwiderte: Meine Herren! Ich möchte Ihnen zum Ausdruck bringen, in wie hohem Maße ich Seiner Majestät dem König für die Stunden dautbar bin, die ich bei meinem Regiment habe verbringen können. Mit hoher Geuug- thuung höre ich, daß mein Beitrag |o viel gethan hat, die Bedürfnisse der Frauen und Kinder der Mannschaften, die ins Feld zogen, zu befriedigen. Ich glaube, ich kann nichts Besseres thnn, um diesen Tag in den Annalen der Royal Tragoons zu kennzeichnen, als noch einen Beitrag zu dem Unter stütz- ungsfonds für die Mannjchaften und chre Familien zu stiften. Gestatten Sie mir, allen meinen Gedanken und Wünschen für das Regiment in drei Hurrahs für die Royal Tragoons Ausdruck zu geben. Ter Kaiser hat wiederholl seine Freude über den herzlichen (Empfang ausgesprochen, welcher ihm nicht nur von seinem Regiment, jonbern auch von der Bevölkerung in SHornclifse bereitet wurde, die trotz des strömenden Regens zu Zehntausenden gekommen war, ihn yi begrüßen. Nach dem Frühstück begab sich der Kaiser in geschlossenem Wagen nach dem Bahnhofe und fuhr über London nach Sandringham. Ter 3ug passierte die Liv er - poolftreet-Station in London gegen 3Vx Uhr. Ta der Wunsch ausgesprochen war, die Anwesenhell des Kaisers in London als privat zu betrachten, waren alle Maßnahmen getroffen, um die 'Passagiere und Schaulustige von dem Bahnsteig sernzuhalteu. Da man indessen den Zug von verschiedenen anderen Stellen ankommen sah, brach das vor dem Bahnhofe versammelte Publikum in stürmische Hochrufe aus. Sandringham, 8. Nov. Puntt 6 Uhr lief der Zug mit dem Kaiser auf der Station Wolferton ein. Zehn Minuten vorher waren vier geschlossene zweispännige Wagen und ein Automobilgefährt von Landrmgyam auf dem Bahnhofe eingetroffen, in derem einen sich der König und der Prinz von Wales befanden. Beide erwarteten in den Fürstenzimmern die Ankunft des kaiserlichen Zuges. Als die Ankunft gemeldet wurde, traten sie auf den Bahnteig. Während der Kaiser ausstieg, ging der König auf ihn zu und küßte ihn herzlich auf beide Wangen, ebenso der Prinz von Wales. Nactjdem sich die Fürstlichkeiten noch einige Minuten auf dem Bahnsteige unterhalten hatten und dem Kaiser einige Herren vorgestellt waren, fuhren der Kaiser, der König und der Prinz von Wales nach Sandringham ab. Sandringham, 9. Nov. Der heutige Tag war von herrlichem Wetter begünstigt. Schon vom frühen Morgen an sah man auf der nach Sandrmgham führenden Landstraße Fuhrwerke aller Art mit Bewohnern der umliegenden Ortschaften. Ter Weg zur Kirche war mit einer dichten Reihe von Zuschauern besetzt. In der Kllche fanden nur die Gemellidemllglieder und Bewohner des Schlosses Zutritt. Zuerst erschienen die Königin, der Prinz von Wales, Prinz und Prinzessin Karl von Dänemark, Lord Roberts und Gemahlin, die Gemahlin des Ministers Ebam- berlaiu und nach einiger Zell der finnig, Kaiser Wilhelm, Premierminister Balfour ui«b Chamberlain sowie die übrigen Gäste. Es wurde der üblicke Morgengottesd. nft abgehallen, zum Schlüsse jedoch die Nattr-nalhymiic gcspiell. Ter Bischof von Ripon hielt die Predigt und sprach die Hoffnung auf eine Zell aus, wo die Rassenunterschiede zurücktreten und die Menschhell eine einzige brüderliche Gemeinschaft bilden würde. Er gedachte der lange* Krankheit und Genesung des Königs sowie des Krönungstages unb fuhr fort: Ter Monarch eines uns verwandten Volkes ist gekommen, nicht als Souverän, sondern als Verwandter uiid Freund, um unsere Freude zu teilen, wie er vor kurzem auch das Leid des englischen Volkes teilte. Thatsachen scheinen auf die Mogtichkeii der Verwirklichung des Traumes von dem Verschwinden des Rassenunierschttdes hinzudeuten. Man hat berechnet, daß in hundert Jahren die Völker des Westens beinahe doppelt so zahlreich sein werden, als des Ostens. Wie sehr auch in Teutschland und England durch den deutschen Ozean getrennt fein mögen, die aus beiden Völkern gemischte Rasse nimmt jenseits des atlantischen Ozeans immer mehr zu, wo Teutsche und Engländer eine Nationalität werden. Aber nicht ploß auf physischem Wege vollzieht sich diese Mischung, sondern durch die edleren Mittel der Intelligenz und des geistigen Zusammenwirkens. Tie Kräfte, die dem Fortschritt dienen, sind große Persönlichkeiten, große Rassen und große Ideen gewesen und übten auf die Welt einen nützlichen Einfluß aus. Wir haben ein charakteristisches Beispiel hierfür in den beiden großen Völkern Deutschlands und Englands. Redner gedachte der Haltung beider Völker im Zeitalter der Reformation und sagte, dies führte sie zusammen. In den kritischen Zellen der europäischen Geschichte erkannten sie ihre großen Verantwortlichkeit und sind gemeinsam thätig gewesen, sie übten auf die anderen Völker Europas eine große Wirkung aus und forderten den Geist der Brüderlich leit. Sie ubicn ihre Macht nicht zu ihrem eigenen Besten, sondern zum Wohle der ganzen Menschheit aus, und trugen dazu bei, den Traum zu verwirklichen, daß man einst die Rassenunterschiede aus den Augen verlieren werde. Nach dem Gottesdienst machten der Kaiser und König Eduard einen gemeinsamen Spaziergang in den Gärten. Ter Kaiser brachte für den König und die Königin kostbare Geschenke mit, darunter ein Paar herrliche Vasen. Prozeß Koeing. Neuwied, 8. Nov. Otto Boeing wurde zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren Gefängnis, Mark 19,800 Geldstr a f e und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt. Von der Anschuldigung der Urkundenfälschung wurde er freigesprochen. Arthur Boeing wurde gänzlich freigesprochen. Ter Staatsanwall hatte in feinem Plaidoyer u. a. folgendes ausgesührt: In der Voruntersuchung habe Boeing einmal gesagt, die Gerichtsverhandlungen würden sechs Stunden in Anspruch nehmen, später habe er zugegeben, daß sie in zwei Tagen zu Ende geführt sein könnten. Jetzt, am Ende der sechsten Woche habe man gesehen, wie es der Angellagte verstanden habe, die Sache hmzuziehen. Immer wieder habe Boeing das Schreckgespenst herausbeschworen: 2000 brotlose Arbeiter! Der Staatsanwalt begründet die einzelnen Punkte: des Konkursvergehens, der Bilanzfälschung und Urkundenfälschung. Em Betrug sellens L. O. Boeings liege auch noch vor in dem Verkauf der Aktien; dieserhalb sei aber feine Anklage erhoben. Aus den Aussagen des Zeugen Brvermanu sei heroorzuheben, wie unrühmlich im Jahre 1878 L. O. Boeing aus dem Prozesse hervorgegangen sei, als er als Haf|lerer einer Baiikfirma wegen Unterschlagung von 4000 Mark verurteilt worden sei. L. O. Boeing habe 1881 den Offenbarungseid geleistet, sei auch später im Wiederaufnahme-Verfahren freigesprochen worden. Inzwischen habe die geschädigte F-irma von dem Generaldirettor Boeing chr Geld erhallen; durch Urteil vom 20. Oktober 1885 sei L- O. Boeing von der Anklage des Betruges, der Erpressung und des Wuchers freigesprocyen worden; fein, des Staarsanwalles, Vorgänger habe den Angeklagten einen Hochstapler genannt. Ein weiteres Mitglied der Famllie, Emil Boeing, sei toegen Falsche wes im Jahre 1877 inGießen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er müsse dies alles sagen, um zu bekunden, was das für eine Familie sei, die sich 1891 veranlaßt gesehen habe, an das Vertrauen des Publikums mit ihrem Prospekte heranzu. treten, wie sie es verstanden habe, in ungesetzlicher und listiger Weise die gesetzlichen Bestimmungen zu Umgehen. Eine Schonung diesen Leuten gegenüber fei unangebracht. Während der neun Jahre seien die Mitglieder der Familie Boeing reiche Leute geworden; daß die Fabrik zu Grunde gegangen, sei lediglich Boeings Schuld. In Sachen Der Urkundenfälschung fei die freche Täuschung des Gerichts zu ahnden. Arthur Boeing sei der Beihilfe chuldig, er sei der Eideshelfer seines Bruders gewesen, der freudige Empfänger des Gewiims. Redner empfiehlt dem Gericht, wellesten Gebrauch von den beantragten Geldstrafen zu madieu. Gegen L. O. Boemg beantragte der Staatsanwalt: Wegen Untreue als Geschäftsleiter fünf Jahre Gefängnis und 20 000 Mark Geldstrafe, wegen drei Vergehen gegen 313 H.-G-B. je vier Monate Gefängnis und 10 000 Hit Geldstrafe, wegen Vergehens gegen H.-G.-B drei Monate Gefängnis und 1O00O Mk. Geldstrafe, zusammen 75 Monat Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust; wegen Urkundenfälschung vier Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust; die 75 Monate Gefängnis gellen gleich 50 Monaten Zuchthaus, sonach beantragt er eine Gesamt- Zuchthausstrafe von acht Jahren, tiuOOO Mk. Geldstrafe eventuell 16 Monate Zuchthaus und Ehrverlust auf zehn Jahre. Gegen Arthur Boemg beantragte er 2y2 Jahre Zuchthaus, 2100 Mark Geldstrafe eventuell 140 Tage Zuchthaus und Ehrverlust auf fünf Jahre. Tie Fabrik feuer- und säurefester Produtte in Ballen- >ar, an deren Spitze Boemg bis vor zwei Jahren stand, hatte die Aufmerksamkeit dura) verschiedene unliebsame Vorkommnisse schon seit längerer Zeit auf sich gerichtet. Tie As- atre der Nauheimer Fabrn, wie das Unternehmen kurzweg genannt wurde, hat in verschiedenen Punkten Aehn- lichkcll mit der Treberraffaire: rasch aufeinanberfolgenDe Kapitalserhöhung, hohe Dividenden, und dann plötzlich der Krach! Boemg hatte, wie festgestellt ist, mindestens eit dem Jahre 18d6 unrichtige Bilanzen aufgestellt und zu hohe Dividenden oerteill. Letzteres soll nur dadurch möglich gewesen sein, daß die ivesellschaft ihre eigenen Produkte zum Dell für den Bau ihrer eigenen Anlagen vcrwaiidte und sich selbst zu Preisen anredjnete, die well über den Marktpreis hinausgmgen. Eine Revi- ionskommission, die nach der Etitlassung Boeings eingesetzt wurde, konstatierte, daß die Anlagewerte mit ca. 6 Millionen Mark zu hoch in Die Bilanz eingestellt seien. Tas Unternehmen mußte schließlich Den Kon. ir» anmelden und, wie aus den Bekundungen des KonkursoerwalterS im T.rafprozesse hcrvorgeyt, erscheint es sehr zweisechast too die ?Enskhhe^> hüben ° U ein ' Nid ßu™1}^. s 7 fes d°r tuLM R -d-z h*z bOh ceith jehl \W L4"M a° $tl* 4 Ner nickf ?< - und i »»d be Setn ’W -*8; ■anfmIO??^cn '.anttvortllciM unb Sj“ Qut die 2 J®{ au- und for- ^Men ihre Macht äm Lzohle der bei, den rrMm aiaiienunterMde c Kaiser und Mia ag m den Gurten, die Königin kostbare rrliche Aasen. ’ Wied, 8. Nov. Gesamtstrafe vor ark 19,800 Geld- Ehrenrechte aus fim Mg der llrkundai- Lrthur Boei-F em Plaidoyer il a smhung haöeSe^ ngen ivürder-^- habe er Meten, |ein konW ^etzl, gesehen,siees der ;mzuziesLi Zmmr st herWRjchlvoren-. nwalt ^gründet die -Heus, der Man^ i Betrug Mus L dem Berkaus der Hage erhoben. Aus jei heroorzuheben, Boeing aus dem ls Msicerer eme' ßhMU vwrtteu m Li'.eubarmigseit lichrahme-VersLyler labe die geschädigt ,fl rhr Geld erhalta; i L O. 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Endlich einmal wieder ist es der Polizei gelungen, eine Anzahl der nächtlichen Helden zu erwischen, die in unbegreiflichem Vandalismus, durch Alkoholgenuß erhitzt, an der böswilligen Beschädigung öffentlichen und privaten Eigentums Gefallen zu finden scheinen, und in der Zerstörung desselben eine Großthat zu erblicken so albern sind. Die heutige Verhandlung hat gezeigt, daß hierin geradezu Erstaunliches geleistet wird. Eine Anzahl junger Leute, von denen drei das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nämlich der Installateur Georg W., der Schlosser Konrad F., der Haudlungslehrling Julius Sp., der Schlosser Litd- wig Kl. haben vor kurzem nach dem Verlassen mehrerer Wirtschaften einen wahren Plünderungszug durch die Straßen Gießens veranstaltet. Unter großem Lärmen und Johlen, zertrümmerten sie gegen zehn Laternen in den verschiedensten Stadtteilen; eine Anzahl Laternen wurde abgerissen und mitgenommen. In der Franksurterstraße brachen sie bann von den Baumstützen etwa 16 eiserne Spitzen ab, mit denen sie die mitgenommenen Laternen zusammenwarsen. Außerdem wurde von den rohen Patronen eine Fensterscheibe eingeworfen, etwa fünf Laternen ausgedreht, ein Apotheker und eine Hebamme durch Läuten der Nachtglocke aus dem Schlafe geschreckt. Ter Schaden, welcher der Stadt durch das Zertrümmern der Laternen usw. entstanden ist, wird auf ca. 150 Mark geschätzt. Die Angeklagten sind säintlich geständig. Bei dem Plardoyer führte der Vertreter der Anklage aus, daß es hier, wenn irgendwo, am Platze sei, bnrd) eine exemplarische Strafe abschreckend zu mitten. Seit der Bestrafung eines Studenten wegen ähnlicher Delikte mit Gefängnis hätten dieselben nachgelassen. Erst in letzter Zeit seien wieder zahlreichere Falle zu verzeichnen gewesen. Der nicht ersetzte Schaden, den die Stadt seither durch Zerstören von Laternen erlitten habe, wird auf 700 Mark geschätzt. Das Gericht verurteilte hierauf jeden der Angeklagten zunächst wegen Ruhestörung zu je 15 Mark Geldstrafe, event. fünf Tagen Haft; wegen der verschiedenen Sachbeschädigungen den Angeklagten Konrad F., der sich besonders her- vorgethan hatte, mit zehn Wochen Gefängnis, die übrigen mit je fünf Wochen Gefängnis; den Georg W. außerdem wegen AuSdrehens der Laternen zu zehn Mark Geldstrafe; endlich sämtliche Angeklagte zur Tragung des entsprechenden Teiles der Kosten des Verfahrens. Gegen einen fünften Beteiligten wurde die Verhandlung wegen Abwesenheit desselben ausgesetzt. Hoffentlich sind diese Strafen eine dauernde Warnung für die Zukunft. — Wegen Ruhestörung hatten sich acht junge Burschen aus Allendorf an der Lahn zu verantworten. Da nur einem desselben, Philipp R., die Uebertretung nachgewiesen werden konnte, mürben bie übrigen freigesprochen. R. erhielt eine Geldstrafe von achtMark und hat die Kosten des Strafverfahrens zu tragen. — Wie gernöhnlich beschäftigte das Gericht auch diesmal eine Anzahl von Privatklagen wegen Verbalinjurie. Auszug an» dku Kirchenbüchern dkl Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusgemeinde. Den 1. November. Johann Heinrich Montag, Hotelbesitzer zu Gießen, und Anna Brunne, geb. Espei, Witwe des verstorbenen Obersteigers Heinrich Brunne zu Horst Den 3. Nov. Peter Otto Brühl, Glasermeistrr zu Gießen, und Emma Margarethe Elise Hitzel, Tochter des Landwirts Heinrich Hitzel IIL zu Manzenberg. — Lukasaemeinde. Ten 1. Nov. Johann Wilhelm Rinn, Schlößer zu Gießen, und Juliane Schmidt, Tochter des verstorbnen Mullers Heinrich Schmidt zu Elbenrod. Denselben. Karl List, Metzger zu Brauerschwend, und Luise Tina Friederike Christine Rinn, Tochter des verstorbenen Oekonomen Karl Rinn zu Gießen. Denselben. Wilhelm 9äinhard^ Stationsgehilfc zu Gießen, und Karoline Marie Elisabech Pfeiffer^ Tochter des verst. Oberknechts Johann Adam Pseisser zu Greßen. Denselben. Lridwig Weisbrod, Fahrkartenausgeber zu Gießen, und Marie Elisabeth Kws, Tochter des verst. Taglöhners Heinrich KlöS zu Gießen. Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 2. November. Dem Kutscher August Velke ein »Lohn, Hans, geboren den 18. September. Den 4. Nov. Ein unehelicher Sohn, Ernst, geboren den 21. Oktober. — M a r k u s g e m e i n d e. Den 2. November. Dem. Weißbindermeister Heinrich Konrad ein Sohn, Friedrich Franz, geboren den 11. Juli. Denselben. Dem Dachdecker Johann Jakob Pfeiff ein Sohn, Hans, geboren den 2. Juli. Denselben. Dem Arbeiter Jakov Müller ein Sohn, Friedrich Heinrich Georg, geboren den 15. September. — Lukasgemeinde. Den 2. November. Dem Steinhauer Louis Schmidt ein Sohn, Wilhelm, geboren den 5. Oktober. Denselben. Dem Lokomotivheizer Karl Wittich ein Sohn, Karl Wilhelm Philipp, geboren den 26. September. Denselben. Dem Wagenwärter Werner Krug ein Sohn, Friedrich Ludwig Heinrich, geboren den 5. Oktober. — Johannes - gemeinde. Den 2. November. Dem Kaufmann Peter Kronenberg ein Sohu, Edgar, geboren den 15. September. Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 2. November. Sufanna Margarethe Schmidt, Prioatin, unverheiratet, 68 Jahre alt, starb den 1. November. Den 6. November. Friedrich Büchner, Schulrat i. P-, verheiratet, 76 Jahre alt, starb den 3, November zu Ebsdorf. — Johannesgemeinde. Den L November. Amanda Dorf!ein, geb. Schütz, Ehefrau des Wirts und Küfers Leonhard Dörflein, 33 Jahre alt, starb den 29. Oktober. Klone- B iscuits Zu haben bei Hofl. J. JtiLOnx, beltersweg No. 25. 3505 Gemeinsamer Einkauf von circa 200 Spezial - G-eschäften. Verband Weimar, Wir empfehlen unseren grossen Spezial -Artikel: TrikO‘fc