«chulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Sieben. Fernsprechanschluß Nr. 51. lehnenden Standpunkt legte heute Abg. Graf Kun i. . m einer kurzen, über geschickten und erschöpfenden Rede, von 189b Die Entscheidung über die Brüsseler Konvention eile keines-- ziucrererz Kre AulLerLouventiou angenommen. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm S. Juni: < Nr. 133 Erscheint tSgttch außer Sonruags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem yesflschen Landwirt die Gießener tfamilieih blätter viermal in der Woche beigelegt. Siolalronö druck u. Verlag der Brüh lachen Univers.-Buch- n. Steü»- druckerei (Pietsch Lrbeni Deutsches Reich. Berlin, 9. Jvni. Das Kaiserpaar begab sich heute früh zu Pferde nach dem Bornstedter Felde, wo der Kaiser das 1. und 3. Garde-Ulanen-Regiment besichtigte. Später frühstückte der Kaiser im Kasino des 3. Garde-Ulcmen-Regi- ments. Bei dem Exerzieren waren die fremdherrlichen Ofsi- ziere und der als Gast des Kaisers im Potsdamer Stadtschlosse wohnende österreichische General der Kavallerie, Frhr. o. Mauchenheim mit seiner Begleitung zugegen. Heute nachmittag um 4 Uhr nahm der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militärkabinets entgegen. — Wie der „Reichsanz." meldet, hat der Schah von Persien dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Frhr. v. Nicht Hofen sein Bildnis in Brillanten verliehen. — Wie die ,Berl. Zig." mit Bestimmtheit hört, ist der Geh. Kommerzienrat Goldberger vom Kaiser aus allerhöchstem Vertrauen in das preußische Herrenhaus berufen worden. — Das preußische Abgeordnetenhaus nahm heute den Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung einzelner Bestimmungen deS Berggesetzes, in dritter Lesung an, genehmigte den Kommissiönsbericht, betreffend Organisation im Verfahren der Generalkommissionen, nebst einer von der Kommission cm- pfohlenen Resolution, und erklärte die Rechnung über Verwendung des auf Grund des Gesetzes zum Zwecke der Errichtung von Rentengütern aus dem Reservefonds der Renten- banken gewährten Zwischcnkredits für die Zeit vom Inkrafttreten des Gesetzes bis Ende Dezember 1901 durch Kenntnisnahme für erledigt. __________ Läuterung" des Direktors im Auswärtigen Amt, Herrn v. Körner, des deutschen Delegierten bei der Konferenz, o gut wie keine Beachtung. Bisher hatten überwiegend Gegner der Konvention gesprochen, die Wagschale neigte sich stark zu Ungunsten dieses Vertrages. Sie abermals kräftig niederzudrücken, zeigte sich der Führer des „Bundes der Landwirte", Wg. Dr. Roe- i ck e - Kaiserslautern beflissen, der besonders über die „Nachgiebigkeit" Deutschlands gegenüber England, diesem vativen; vom „Minoe oer -txnwruirrtr- routuc „Zwischenhändler" unter den Staaten, n .rch am in zwölfter Stunde" eine Protest-Eillkundgebung in die eine Zustimmungskundgebung, und zwar von Zeilen oes aeleitct berart daß die rübenbauenden Ämdwirte Wg. Dr. Paasche, namens des großen Teiles der Natw- in zwölfter Stunde" eine Protesteilkundgebung in die nalliberalen. Er meinte, die Kommissionsverhandlungen die Vertreter ihrer Wahllrerse drrrch Telegramme arrffor^ Hütten anfllärerL gennrkt;du! vorgebE-n Bedmkn txn-n sollen aeaen die -iuckervorlaae zu stimmen. Den ab- lonue er nur als gegen Kleinigkeiten gerichtet oerracyieii. lehnenden Standvnnll legte h-nte Wg. Graf Knnitzter, MdeLprm^Prn^Paalcheh°t^d-n^Zuck°vsten^g-,ch -euaung in Westindien cui Ort und Stelle w^a^e's^enchsehle^^flch^ dtt'^mte'^^'^chmL stLie'rt,'sein Vortrag war dementsprechend instruktiv Wg. Öbie loSton Iutückzuverweis7m TXis gerade Gamp (Np.) hält die Konvention für bas fernere Uebett Gegenteil, mvglichlst schnelle^ Entscheidung, wünschte Abg, das ter baittten Sutotnbuftrie drohe DcZhaw nehme Dr Wiener lfrers Vv ). Er hatte von vornherein eine feine §raktron die Konvention an. Wg. M. 'üar 1 Ir Ä[i0 ««dM °m Stund- Bgg.) suchte die^Regierung mrs ehre Punkt den Wg. Müller-Fulda (Zentr.) heute als „leichjt- lichkeit hm „sestzuiiageln , den „Riedergaiig Me Rechte hatte an der Rede des dards der ösftnttt^n Moral bekl»g»rd, an d m du Zentrmmssührers je länger, je mehr ihre Helle Freude; gierung nickst ohne Sch^ ba^an nichts weniger als das mochten aber Gras Bulow und vo n Son n enb erg (Antis.) ivomsiertc im U-ufaMV oaran die StaatssÄretäre Gras P o s a d o w s k y, Frhr. v. Thiel- die „zukünftige Regierungspartei der „Bwr um Dr. mann Frhr v. Richt Hofen empfinden, insbesondere bei Barth" rn der ihm eigenen drastischen Art. Dw lleb er dem^Vorwurs, nicht Sachverständige nach Brüssel -ur raschendste ereignete sich zum Sck) uß Nachdem G^af Konferenz entsariM zu HWen. Andere Länder hätten nicht Limbuvg geleugnet hatte, daß ferne Rede die^gierung ««trssx.tzDML. mi,siousbcschtüss?uus ganz mrderru Gründen nicht. Der „®ute" tarn hier tijo u> der That zuletzt warum mcht vielgenannte Parlamentarier hatte seine Rede mit Fleiß sruher? Dergrundlegend^^a/g e- nuanpnrBpifpf nnd brachte sie in temperamentvoller Weise ventwn wurde Mit groszer .vceyryeii angc -um Vortrag Auf Grund seines laugen Aufenthalts in nommen. Die Regierung darf beglückwünschen, s e England glaubte perr Bernstein über die Stellung Eng- wird wahrscheinlich schon^morgen „Zucker und Brannt- sands zur- Zuckerfrage ein sachverständiges Urteil fällen zu wein" unter Dach und Fach haben. können Die Ostelbier", die Abg. Bernstein mit den indischen ------- ~ -- - Wil erpflanzern in Parallele brachte, beugten sich aber diesem Urteil nicht- Namens der entschiedeüen Gegner der Kdn- veiition sprach alsdann Wg. Graf Limburg (kon,.), den seine fast vollzählig anwesenden polttifchen Freunde dicht- aeschart umstanden. Während die Stimme des konservativen Führers schneidend in den Saal klang, konferierte Graf Bülow ei cig mit den Staatssekretären, und kaum hatte Graf Limburg geendet, da ergriff Graf PosabowskY das Wort. Er sprach fast erregten üvones, meist zur Rechten sich lvendeud: ,^Wenn Sie die Regierung hier vor dem Lande diskreditieren, Muh diese im Plenum ent- svrechend antworten. Es ist die Annahme der Konvention an Bedingungen geknüpft, es ist eine ^uistik in die ganze S^che hineingetragen worden, zu der sich die Regierung unmöglich fcetennen kann!" (Lebhafter Beifall links.) Sehr eingehend behandelte Gras Posadowsky wetterhm die finanzielle Wirkung der von der Kommisfion beschlossenen Qe rabseüung der Zuckersteuer (VerbrauchsabgWe) aus 12 Mk. Die Regierung könne im Interesse der Reichsfi n a n z eu, und namentlich der Finanzen der k lei n e n Bundesstaaten, einer Ermäßigung auf höchstens 14 Mark ür den Doppelzentner zustimmen. „Nicht nuv die Gerechtigkeit, sondern auch eine gesur^a Fruarupolittk ist das Fundament der Staaten!" Die Rechte nahm die Rede schweigend auf und schenkte der nachfolgenden „Er- dennoch wird der Gesamteindruck mächtig, überwältigend, sein für jeden, der tn Andacht den himmlischen Tönen lauscht, mit denen die in die altehrwürdigen Worte gekleideten Glaubensgeheimnisse an unser Innerstes heran- wollte Beethoven mit seiner Messe und wie hat er seinem Wollen Ausdruck gegeben? Die beiden geistlichen Chorwerke, die Beethoven voy seiner großen Messe geschrieben hat, der.Christumi am ££ berg" (1801 op. 85; und die „Messe in C-dur (180 < op. 86) haben in dem Schassen des Meisters keine Epoche gemacht. Nach sachverständigem Urteil zeigt nichts in ihnen, daß ihre Wfassung ihn sonderlich tief ergriffen hatte, wie es immer der Fall war, wenn er etwas Großes zu bieten hatte Es war mehr konventionelle Arbeit. Dagegen ist Beethoven an die Komposition der „Missa Sotemliis", luic )ic ichon frühzeitig, wohl nach Aeußerungeu des Komponisten selbst, der aber aus das Titelblatt der Partitur nur „Mflsa" geschrieben hat, gencuiut wurde, von Ansaiig an mit inner* ltchster Anteilnahme herangegangen. „Opfere noch einmal die Kleinigketten des gesellschastlichen Lebens deiner Kunst: o Gott über alles". Mit diesen Worten begann er biq Arbeit, uiid über den ersten Satz, das „Kyrie", schrieb er: Bon 5)erzen! Möge es wieder zu Herzen gehen." Ein äußerer Anlaß hatte ihn zur Komposition beftimmt, zu dem 5?ochamt bei der Einsetziing seiner Sck)ulers, des Erzherzogs Rudolf von Oesterreich, als Erzbischof in Olmutz 1820 wollte er die Kirchenmusik schreiben. Er hatte schon 1818 aus 1819 mit der Arbeit begonnen, aber sie wuchs zu solchen Größeiiverhältnisseii aus, daß sie trotz miaet strengten Schassens erst im Sommer 1822 fertig wurde. Wie sehr sie ihn beschäftigte, dafür giebt es manchen Beleg. Am treffendsten schildert Sckstndler, Beethovens HauS-, freund, den Zustand, wenn er sagt: „Gleich von Beginn an schien Beethovens ganzes Wesen eine andere Gestalt angenommen zu haben, ivelches besonders seine älteren Freunde wahrnahmen, und ich muß gestehen, daß ich ihn niemals vor und niemals nach jener Zeit mehr in einem) Antwort gewöhnlich: die geraden enormen Anforderungen, die Beethoven an sehr vielen Stellen der Messe an die Leistungsttaft der Sänger, insbesondere un Sopran und im Tenor stellt, möchten eine Schädigung der Stimmen zur Folge haben. Ein solcher Grund mag nun vor Jahrzehnten eine gewisse Berechtigung gehabt haben, als unsere Gesangvereine sich im allgemeinen an ziemlich zahmen Aufgaben übten, obwohl von chatsächlich erfolgter Schädigung nie etwas verlautet haben dürste. Wer wie hat man damals auch über die Ueberanstrengung der Stimmen im Chorsatz der neunten Symphonie geklagt, und doch wird niemand heutzutage es wagen, eine derartige Befürchtung gegen eine Ausführung gettend zu machen. Der wahre Grund ist ein anderer: es giebt noch heute Dirigenten auch großer Chöre genug, denen das Werk wegen der schier unüberwindlichen Schwierigketten, die die Par- tttur bietet, aber auch — und vielleicht noch mehr — wegen seiner inneren Gröhe, die nur dem tiefem dringenden Geiste sich enthüllt, „nicht liegt", wie der Kunstausdruck lautet. Und wenn der Führer schon den Kops schüttelt, so darf man sich nicht wundem, daß seine Schaaren ihii nicht zu einer Aufgabe drängen werden, bei der zwar Lorbeeren zu holen sind, aber erst nack) heißer, schwerer Arbett. Wenn irgendow, so gilt hier .Hesiods Wort, daß die Götter vor die Tugend den Schweiß gestellt haben. Immerhin, die Arbeit trägt in sich selbst den schönen Lohn, daß sich die Aiisführenden bei fortgesetztem Studium in das Werk hineinleben. Haben sie die äußeren L)indernisse in etwas überwunden, beginnen sie sich eui* zuleben in den Geist des Meisters, so kommt auch etwas über sie von seiner Begeisterung. Selbst die musikalisch Minderbegabten unter ihnen sangen an, das Wehen des Genius zu spüren. Schllmmer scheint das Publikum daran zu sein. In mächtigen Wogen rauschen an seinem un- geschulten Ohr die Tonmassen vorüber, und selbst, wer den Klavierauszug vor der Mssührung studiert hat, wird schwerlich im stände sein, alles, was der Gewaltige uns zu sagen hat, unverkürzt in sich auszunehmen. Und Beethovens Wesse. Kr Unter akademisch« Gesangverein ist in den letzten fahren vor immer größere Ausgaben gestellt Worten. Er fiat uns Verdis Requiem. Schumanns Faust und — tnt Boriaen Winter — Wolsrums Weihnachtsmhsterrum gebracht. Nunnrehr will er sich an ein Riesenwerk wagen, das in der MusWteratur nur wenige jrtneS .Gleichen fiat an Beethovens Messe») Um welches Wagnis es srch dabei handelt, kann man «messen, wenn man bedenkt, daß dieses Werk von Choren mittlerer Stswke bisher nur ganz vereinzelt zu Gehör gebracht worden rst. haben doch selbst untere größten Chorveremigungm lange gezögert ick mit dieser Ausgabe vertraut zu machen. Dle 1823 n ter Handschrift vollendete Messe ist nachdem im März 1824 in Detersburg eine Aufchhrung stattgefunden hatte, der am 7^Mai 18Z die Aufführung des ^rie, Credo und Suva Del in Wien unter Beethovens Leitung folgte, 1830 inbem Keinen Warnsdorf t d. Lausitz unter I. B. Richters Leituna sodann 1844 in Köln bei Gelegenheit des 26. Nieder- rlseinischen Musikfestes aufgeführt worden. Es hat noch Jahrzehnte gedauert, bis .sie sich einzuburgern begann, und noch heute, zu einer Zett also, da die neunte Symphonie dem Verständnis des musikalischen Publikums durch häuiiae Aufführungen allmählich nahe gebracht worden ist man Beänntschast mit der Messe nur bei den verhältnismäßig Wenigen voraussetz^l, die durch glück- ttch- Umstände in die Lage v«,etzt wurden, einer der sel- lenen Aufführungen beizuwohnem Bei der allgemein zugestandenen Beoeuttmg des W-iles ist solche langsame öffentliche Anerkennuug auffallend. Fragt man nach der Begründung, so lautet die "Heu obenstehenden Ausführungen liegt für die that- sächlichen Angaben außer den bekannten arößeren Werken äe K empfehlenswerte „Wruns in Aethovens Mffsa Solernnis von Prof. Dr. RichaLd Siemseld" (Berlin, Har- morche^ zu Grunde. Ausland. London, 9. Juli. Wie aus halbamtlicher Quelle mitgeteilt wird, soll der König t r o tz Abr at e n ferner Minister entschlossen sein, sich nach Irland zu begeben, um die Ausstellung von Cork zu besuchen. — Unterhaus. Cranborne erwidert auf eine Anfrage, daß der Plan für die Bondsausgabe für den britischen Anteil an der chinesischen Kriegs-Ent^ chädigung von den englischen Delegierten bei der Bankierkommission in Shanghai in Vorschlag gebracht fe$ und jetzt vom britischen Gesandten in Peking erwogen, iverbe. Tie britische Regierung belvilllgte, daß Ansprüche in Höhe von hundert P,und und darunter bar ausgezahlt werden sollen aus der ersten Halbjahresrate, die am 1- Bstli fällig ist. In der Ausschußsitzung über die Knanzbill beantragt Fowler, die Beratung des ersten Artikels, Getreidezoll betr., zu vertagen, und zlvar, weil deck Schatzkanzler erst erklären solle, wie er die im Hinblick auf die mögliche Fortdauer des Krieges un Voraus bewilligte große Summe zu verwenden gedenke. Keine Steuer sollte bewilligt werden, ohne daß das Haus genau unterrichtet werde, für welchen Zweck die Steuer gefordert werbe. Schatzkanzler hicks Beach ertotbert, bas Gelb werde benötigt für gewisse militärische Zwecke, einschließlich des länger, als vorher angenommenen, bauern- ben Aufenthalts ber Burenbevölkerung in ben Konzentrationslagern. Er fügt hinzu, er sei ber Ansicht, Fowler wolle mit seinem Antrag Obstruktion treiben. Nachdem dann mehrere Redner für ben Antrag Fowler gefprodjen hatten, erklärt der Schatzkanzler noch, er sei bereit, bem Hause binnen kurzem eine Aufstellung vorzulegen, aus der die Verwendung der Gelder im Einzelnen hervorgehe, Tas Haus werde bann diese Aufstellung der Beratung unterziehen können. Der Antrag Fvlvler wird hierauf ab- gelehnt. 1 , Nom, 9. Juni. Im Senat fand heute die Beratung der Vorlage, betreffend Schaffung von neuen, 3y2 pro- zentigen konsolidierten Renteutitres und bett, die Maßnahmen zur Tilgung der einlösbaren Schulden statt. Sck)atzminister bi Broglio erklärte, die Finanzoperation zur Konversion der Eiseubahuschulden, sei durch Schasf- mig von neuen 3y2probentigen Neiltentitreö gesichert. Tie in Finanzkreiseli verbreitete Nachricht, inan beabsichtige, bie Konversion ber fünfproz. KousolS auf dieselbe Weise vorzunehmen, wie bei den Eisenbahnschulden, fei ganz unbearünbet. Der Minister erklärte sodann nachdrücklich, er wurde es für einen großen Fehler halten, an eine solche Konversion zü denken, bevor inan gesehen habe, welche Aufnahme die neuen 31/2 prozentigeu Titres finden. (Beifall.) Der Senat nahm darauf die Vorlage an. _ Die Zeugen des Ministers Prinetti und des Grafen Borsarelli beschlossen, das zweite Duell als erledigt gelten zu lassen. Konstantinopel, 9. Ium. Die Pforte wurde benachrichtigt, daß der König von Serbien hierher zu kommen beabsichtige, um dem Sultan persönlich für die ' Erteilung des Berats an den Bischof Firmilian feinen Die große Mehrheit, die in der Kommission des Reichstags schließlich sowohl für die Brüsseler Zucker-Konvention wie für da§ neue Zuckersteuergesetz sich, fand, konnte zu Hoffnungen berechtigen. Die Hmrptaeaner der Konvention und der Zuckersteuernovelle waren dekanntlichi die Konservativen; vorn „Bunde der Lcmdwirte(^wurbe^ sogar noch Erstes Blatt. 15Ä. Jahrgang Dienstag ty.Jum L»«» GlchenerÄnzelgerW General-Anzeiger v ,.»ä Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM Dank auszuspvechen. Die Weihe Firmllians soll am 14. Juni in Salonichi stattsinden. — Der Adjutant des Sultans, Oberst Feozi, ist mit Ehrengeschenken für das Zarenpaar nach Petersburg abgereist. Die Waffenstreckung der Buren vollzieht sich weiter friedlich und ohne Störungen. Nach einer Depesche Kitchencrs wurden Samstag und Sonntag Nachmittag im Ganzen 2500 Gewehre übergeben, wovon 448 den Kapaufständischen, die übrigen hauptsächlich den Leuten Dewets gehörten. Burger und Botha nehmen zudem keinen Anstand, Uebergaben anzuwohnen. Sie haben außerdem, wie wir bereits kurz mitteilten, ihre Landsleute aufgesordert, sich in die Schickung zu fügen. Der „Standard" veröffentlicht jetzt ihre «om 31. Mai datierte Botschaft. Der Wortlaut dieses bedeutsamen Schriftstückes, das als die letzte amtliche Erklärung der jetzt aufgelösten Transvaalregierung zu betrachten ist, ist der folgende: „Offener Brief an alle Offiziere und Beamte oer Lurghers, die bis zum heutigen Tage ihre Pflicht gegenüber dem Lande unb dem Volke treu erfüllt haben. Kameraden, Brüder, Landsleute! Wir danken Euch herzlich für Euren Heroismus und für die Hinopfcrung von so vielem, was Euch teuer und lieb war, wir danken Euch für Euren Gehorsam und Eure Irene Pflichterfüllung in allem, was dein Asrikandervolke zur Ehre und zum Ruhine gereicht. Wir raten Euch allen, Euch in den Frieden zu schielen, Euch ruhig und friedlich zu verhalten und der neuen Regierung Gehorsam und Achtung zu erweiferi. Von den Vertretern der beiden Staaten ist eme Kommission ernamlt worden zur Beschaffung von Geldmittelii re. für die Witiven und Waisen, deren Galten imb Vater ihr Leben gelassen haben im Kampfe für Freiheit uitb Recht unb die m unserer Geschichte eivig fortlcben werdeii. Wir sprecheii miser inniges Mitgefühl a»ls denen, welche trauern, und bitten Gott, daß er ihnen Kraft geben möge, ihr Kreuz zu trageli. Auch unseren Weibern und Kindern möchten wir Miseren Dank aussprechen, die so tapfer Opfer gebracht und so bitteres Leid getragen habeii. Jetzt, da der Friede geschlossen ist —wenn er auch nicht ein Friede ist, ivie wir i h li ersehn teil — laßt uns da verharreil, wohin Gott u>is geführt Hal. Alit gutem Geivisseii tonnen nur erklären,... daß 2*/2 Jahre la,rg das Bolt den Kainpf in einer Weise geführt hat, wie es die Geschichte bisher kaum kannte. Lasset uns nun einander die Häiide reichen für einen andere n großen K a Ni p f, der vor lins liegt, für die geistige und soziale Wohlfahrt des Volkes, lasset uns allen bitteren Gefühlen entsagen, lasset ims vergessen und vergeben, auf daß die tiefen Wunden heilen mögen." Der alte Krüger aber tritt aus seiner Schweigsamkeit nicht heraus. Ein Pariser Blatt nur weiß zu melden, daß er es ablehiltc, auf einem englischen Dampfer nach Südafrika zurückzukehren, dagegen das Angebot der Königin Wilhelmina, die Rückfahrt auf einem holländischen Kriegsschiffe anzutreten, angenommen habe. Die von den Burenvertretern in Holland in Umlauf gesetzte Andelltullg, daß den in London amtlich veröffentlichten Uebergabcbedingungen irgend ein geheimes Protokoll oder geheime Bestimmungen beigefügt seien, entbehrt, nach Reuter, aller Begründung. In Utrecht dementiert mein die Meldung, daß die in Europa befindlichen Buren-Delegierten beabsichtigen, vor der englischen Gesandtschaft im Haag den Treueid abzulegen. Die Delegierten warteten vielmehr Instruktionen aus Transvaal ab und wollen erst nach genauer Aufklärung über die Lage den Eid leisten. Das Brüsseler „Petit bleu" berichtet, die englische Zensur übe über die aus Europa nach Südafrika gesandten Telegramme eine äußerst scharfe Kontrolle aus, weil sie befürchte, daß den Buren angeraten werden könne, die Waffen nicdcrzulegcn und dadurch der Krieg verlängert würde. Das Blatt bemerkt hierzu, der Friede sei nur durch falsche Vorspiegelungen und Verschweigen einer ganzen Reihe von Thatsachen herbeigeführt worden, die, sobald sie den Buren zur Kenntnis kämen, eine Umwälzung veranlassen würden. Weiter meldet dasselbe Blatt, daß verschiedene belgische Städte beabsichtigen, neuen Straßen und Plätzen die Namen: Krüger, Steijn, Dewet, Delarey, Botha rc. zu geben. Zu der angeblichen Verschwörung in Südafrika wird noch über London gemeldet, daß sich unter den Beteiligten Rechtsanwälte, Llpotheker, ein Arzt und gefangene Buren und Holländer, die auf Ehrenwort frcigelassen wurden, befänden. Am Donnerstag wurden die Truppen die ganze Nacht unter Waffen gehalten und die folgende Nacht die Wachen wieder verdoppelt. Die Verschwörer erwarteten Hilfe von außerhalb. Die Stadt sollte angegriffen und die Waffen und Vorräte geplündert werden. Während des Tumults sollten die Gebäude in die Luft gesprengt und Lord Kitchener, sowie andere Offiziere getötet oder gefangen werden. Uns scheinen sowohl die Meldungen von dieser Ver- schwörung wie die obigen des Brüsseler Blattes nichts weniger solchen Zustande absoluter Erdenentrücktheit gesehen habe, als dies vorzüglich im Jahre 1819 mit ihm der Fall gewesen." Tie Musik während des katholischen Hochamtes, ge-> wöhnlich wie dieses Missa (Messe) genannt, besteht auss sechs Sätzen, die nach den Ansangsworten des zu singenden Textes benannt sind: aus dem schrie eleison oder Christel eleison (Herr oder Christus erbarme dich), dem Gloria in excelsis Teo (Ehre sei Gott in der Höhe), dem Credo (Ich glaube), dem Sanctus (Heilig) und Osianna (Hosianna, hilf doch), ldem Benedictus (Gelobt sei) und dem Agnus Tei (Lamm Gottes) mit den Schlußworten Dona nobis paccm (Gieb uns Frieden). Ter Komponist solcher feststehender, teils ganz kurzer, teils ausgedehnter Texte ist im allgemeinen gezwungen, sich den gottesdienstlichen, den liturgischen Anforderungen nach Zeit und Ort, insbesondere mit Bezug auf die musikalische Ausdehnung, möglichst an- zrchasseu. TaS ist bei den int Gottesdienst verwerteten Kirchenmusiken natürlich durchgängig der Fall, überhaupt aber ist in fast allen musikalischen Messen die Einteilung! des Textes beibehalten worden. Nur Bach macht mit seiner hohen Messe hier eine Ausnahme. Er hat z. B. das Kyrie zu drei ganz abgesonderten Sätzen ausgebildet (Chor, Duett und wieder Chor), das Gloria zu sechs Sätzen, in denen teils der Chor teils die Solisten als die Dolmetscher der Text- gedankcn erscheinen. Ihm schjvebtc dabei nicht die Be- friedignng der liturgischen Bedürfnisse vor, sondern ihn beseelte der Wunsch, dem religiös-kirchlichen "Gehalt der Worte des Textes möglichst erschöpfenden Ausdruck zu jachen. ^Schluß folgt.). als glaubwürdig. Diese gegenseitige Hetzereien stehen so ganz und gar nicht im Einklänge mit der würdigen Tonart, die Schalk Burger und Louis Botha in ihrer obigen Proklamation angeschlagen haben, daß wir ihnen durchaus mißtrauen. Wir glauben an keine „geheimen Bestimmungen", an keine „Vorspiegelungen" und an keine Verschwörung, die wohl nur von zwei englischen Blättern, aus denen die Nachrichten herrühren, in Nirgendheiin „entdeckt" worden sind. Ten „Reynolds New Papers" zufolge werden zwei Soldaten der australischen Freiwilligenkompagnie in den nächsten Tagen vor ein Kriegsgericht gestellt, unter der Be- chuldigung, Spionagedienste den Buren geleistet zu haben. Aus Heilbron wird berichtet: Säintliche Buren kommandierenden und Feldkornets dürfen ihre Waffen behalten, während den übrigen Buren nur ihre Pferde gelassen werden. Der englische Unterstaatssekretär im Kriegsamt Stanley erklärte im Unterhause auf eine Anfrage, die Zurückfüh- riing der gefangenen Buren nach Südafrika werde obald als möglich beginnen, er könne gegenwärtig aber l eine detaillierten Angaben machen. Kauplversammlurrg des Mundes der Landwirte. M a n n i) e i m, 8. Juni. Heute fand hier eine Hauptversammlung^ des Bundes der Landwirte statt. Insgesamt mochte die Schar, die sich eingebunden hatte, etwas über 200 Köpfe zählen. Ter Vorsitzende des Bundes, Reichstagsabg. Lucke, gab zunächst einen kurzen Rückblick aus das Entstehen und die Entwickelung der Vereinigung. Danach zählt der Bund der Landwirte in Südwestdeutschland gegenwärtig über 21000 und in ganz Deutschland etwa 264000 Mitglieder. In Baden befinden sich 4560, in Hessen ebenfalls über 4000 und in der Rheinpsalz 5970 Mitglieder. Hoyenzollern ist im letzten Jahre mit 493 Mitgliedern neu dazug.'treten; dagegen habe der Bund in Elsast-Lothringen bisher nur 52 Anhänger. In 261 Wahlkreisen zum Reichstag sind wir o organisiert, daß wir entweder ganz ausschlaggeb.ud sind oder oaß doch die Parteien mit unserem Wahlzettel rechnen müssen. Im übrigen handle es sich um die M a g e n- rüge des deutschen Volles, um die E r h a l - t u n o des d e u t s ch e n V a u e r n st an d e s. Das deutsche Volk braucht Brot und Fleisch, das mir aber selbst machen wollen, das wir nicht aus Amerika hereingebracht wissen wollen. Die deutsche Landwirtschaft sei befähigt, ganz Deutschland mit Fleisch und Brot zu versorgen. Tie Schulden der deutschen Landwirtschaft seien seit der Caprivischen Aera um V/2 Millionen gestiegen. Ter ReichStagsabg. für Kaiserslautern, Dr. Roesicke, Vorstandsmitglied des Bundes, referiert über den von der Re-gierung ausgearbeiteten Zolltarif und sucht zahlenmäßig darzuthun, daß der deutsche Weizen einen Zollschutz von 71/2 Mark pro Doppelzentner haben müsse und den Vorwurf des „Brotwuchers" zu entkräften. Die Regierung habe die Bauern mit s chö neu Worten getäuscht, und so un-d so viele Abgeordnete, die aus Bauern- kreisen gewählt seien und für die Forderungen des Bundes einzutreten versprochen hätten, seien bereit, auf der ganzen Linie hinter diese Forderung zurückzuweichen. Der jetzige Zolltarif sei nichts, was den Bauern helfen könne. Redner berührt dabei die „Brüskierung der Agrarier" durch Bülow im preußischen Abgeordnetenhaus (am letzten Montag), und kritisiert Bülows Verhalten mit scharfen Worten, während aus den Ecken des Saales Pfuirufe ertönen. Man hält den Bauern immer entgegen, daß bei Zollsätzen keine Handelsverträge zustande kommen könnten. Was haben wir Bauern für ein Interesse an Handelsverträgen? Die Handelsverträge sind derLandwirtschäft ganz egal. Wir haben nur ein Interesse daran, daß unsere Produktion geschützt wird. Wenn.das erreicht ist, dann wollen wir gegen Handelsverträge nicht sein, aber würden wir vorher für dieselben sein ohne ausreichenden Zollschutz für unsere Erzeugnisse, so würden wir geradezu den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Ferner streift Redner die Brüsseler Zuckerkonvention. Sie werde den gesamten deutschen Rübenbau vernichten und in den bisherigen Rüben- pflanzern den anderen landwirtschaftlichen Betriebszweigen nur eine neue Konkurrenz erstehen lassen. Redner rechnet aus, daß durch diese Nachgiebigkeit der deutschen Regierung dem Auslande gegenüber dem deutschen Bauernstände etwa 56i/2 Millionen Mark genommen würden. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen : „Tie heute in Mannheim versammelten Bauern und Mitglieder des Bundes der Landwirte erklären, daß sie von allen Abgeordneten, welche die Interessen der deutschen Landwirtschaft und des Mittelstandes schützen wollen, erwarten, daß sie nur einem solchen Zolltarif ihre Zusttmmung geben, welcher die Interessen aller Erwerbs stände gleichmäßig und aus- reichen d schützt. Sie erwarten, daß die Brüsseler Zucker konvention vom Reichstage abgelehnt wird, da diese den Ruin des deutschen Zuckerrübenbaues« in sich schließen würde." Ans Staöt und Land. Gießen, 10. Juni 1902. •• Erlaubniserteiluug. Der Großherzog hat dem Obersinanzrat Dr. Rohde unb dem Geheimen Finanzrat Dr. Götz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen von dem Regenten der Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Sachsen- Ernestinischen Hausordens erteilt. '* Amtsenthebung. Der Großherzog hat den Oberkammerherrn Carl Frhrn. Schenck zu Schweinsberg auf sein Nachsuchen in wohlgefälliger Anerkennung der treu geleisteten Dienste von den Funttionen des Oberkammerherrn enthoben und ihm Titel und Rang eines Oberstkammerherrn verliehen. ** Turnverein. Die gestern abend nach der Turnhalle an der Nordanlage einberufene außerordentliche Generalversammlung des Turnvereins war von über 80 Mitgliedern besucht. Von 27 älteren Turnern war in einer früheren General-Versammlung der Antrag auf Satzungsänderung gestellt worden. Dieser Antrag stand gestern zur Beratung. Die beantragten Aenderungen laufen in der Hauptsache darauf hinaus, den jetzt aus 15 Mitgliedern bestehenden Vorstand nm drei Mitglieder zu verringern, und zwar um zwei Turnälteste und einen Beisitzer. Tie Leitung des Turnbetriebes, die bisher vorn ersten Turn- wart und in dessen Stellvertretung vom zweiten Turuwart besorgt wurde, sollte nach den vorgeschlagenen Satzungsänderungen von den beiden Turntoarten gemeinsam vorgenommen werden, während der Turnälteste zu ihrer Vertretung eintreten soll. Auch der Vorstand erklärte der gestrigen Versammlung, daß er Abänderungsanträge zu den Satzungen zu stellen habe. Nach den Statuten mußte sich die Versammlung zuerst über die Frage, ob diese geändert werden sollen oder nicht, schlüssig machen. Tie Abstimmung ergab 43 Stimmen dagegen und 39 dafür, so daß der Antrag gegenstandslos wurde. Tie jüngeren Turner hatten fast sämtlich mit ,,nein" gestimmt. Die älteren Turner vertraten säst sämtlich die Ansicht, daß die Satzungen abänderungsbedürftig sind. ** R a d r e n n e n. Die am Sonntag auf unserem Sportplätze an der Hardt stattfindenden großen Radrennen haben in allen Nummern eine so starke Besetzung gefunden, daß Vorläuse gefahren werden müssen. Es haben sich die besten deutschen Amateure gemeldet, und es dürften sich sehr heiße Kämpfe entwickeln. Sehr interessant wird sich das Haupt- fahreii gestalten, da zu diesem Rennen verschiedene Motore als Schrittmacher gemeldet sind, die für ein sehr scharfes Tempo sorgen werden. Hierzu liegt auch die Meldung des überaus ersolgreicheii Rennfahrers Gg. Drescher-Mainz vor, der in letzter Zeit jeden überwand, der sich ihm gegen- überstellte. Da er nun zum ersteumale in dieser Saison auf erstklassige norddeutsche Fahrer trifft, so ist zu erwarten, daü man ein. Rennen sehen wird, wie es wohl noch selten« hier der Falt war. Wir kommen auf die Einzelheiten noch zurück, möchten nur noch einmal auf das Fejiprogramm Hinweisen, das in unserer letzten Sonntagsnummer veröffentlicht wurde, hauptsächlich auf das sich dem Rennen, anschließeiide „Große Gartenfest" auf der Hardt-Terrasse, das be> vollständig freiem Eintritt stattsindrt: ebenso auf das Frühschoppen-Konzert im Restaurant Zioyal, dem Klub- heim der „Wanderer", G. R.-G, zu dem der Vorstand des Gaues 9 des T. R.-B. seine Mitglieder noch besonders eingeladen hat. ** Eine Reichshanptbank für Hessen. Die „Worms. Ztg." veröffentlicht in ihrer Nummer 130 vom Samstag an leitender Stelle einen beachtenswerten Artikel, in dem mit Rücksicht auf den Geschäftsumfang der Neichsbankstellen- und Neben- stellen in Hessen, der bei den beiden Bankstellen allein im letzten Jahre gegen 1725 Mill. Mk. betrug, für Rheinhessen unb Starkenburg sich also auf mindestens 2 Milliarden belaufen dürfte, für das Großherzogtum Hessen die Errichtung einer Reichshauptbant verlangt wird. Dafür sprächen nicht nur praktische Gründe, sondern es käme auch der staatspolitische Gesichtspunkt in Betracht. Ein erster Schritt zur Verwirklichung des angeregten Gedankens sei bereits geschehen. ** Gegen die deutsch-amerikanische Petroleum-Gesellschaft. Wie wir hören, ist die in der Jnteressentenoersammlung der Kolonialwarenbranche am 28. Mai gefaßte Resolution gegen die deutsch-amerikanische Petroleum-Gesellschaft von ca. 80 hiesigen Firmen unterzeichnet worden. -r. Nidda, 9. Juni. Noch ist eine Strafsache wegen Ablaß giftiger Wasser in die Nidda nicht ausgeiragen und schon wieder ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag Giftwasser in die Nidda gelassen ivorden, sodaß gaiize Zentner Fische verendet sind. So sind von einem Manne an 30 vergiftete Forellen aufgefunden ivorden. Die Fischpächter hoffen auf endliche Bestrafung der Verursacher des schweren Schadens, den sie erleiden. Büdingen, 9. Juni. Unter dem dumpfen Trauer- marsch der Trommel und unter feierlichem Geläute der Kirchenglocken wurde heute vormittag die Leiche des Kreisrats J r le zur Bahn gebracht, um nach Tarmstadt übergeführt zu werden. Den Trauerzug eröffneten mit deflorier Fahne der Kriegerverein, die Schützengesellschaft '(unter Gewehr), der Liederkranz, der Turnverein und die Feuerwehr; hinter dem Wagen, der mit den von den Vereinen gewidmeten Kränzen geschmückt war, folgten die Verwandten des Verstorbenen, Die Angestellten des Kreis- amts, die Stadtverordneten von Büdingen, Erbprinz Wolfgang, Abordnungen des Fechtllubs, des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, des Kreisäusschnsses und der Sparkasse Ortenberg, eine große Anzahl Bürgermeister und Lehrer des Kreises und außerdem viele Beamte, Bürger und Frauen. Darmstadt, 9. Juni. Der hiesige Brieftaubenklub oer* anftaUete am Sonntag einen Tauben-Wettflug ab „Metz", 202 Kilometer Luftlinie. In Metz wurden die Tauben um 6.50 Uhr vormittags aufgelassen. Die erste Tanbe mar schon um 9.15 Uhr in Darmstadt. Sie hatte eine Fluggeschwindigkeit von 1393 Meter in der Minute erreicht. Innerhalb zwei Stunden waren über 50 Prozent der eingesetzten Tauben zurückgekehrt. Dem Mitgliede A. Ganß wurde für die beste Leistung der zuerst vorgezeigten 10 Tauben die vom Kriegsministerium ausgesetzte Staatsmedaille zilerkannt. fc. Darmstadt, 9. Juni. Auch in diesem Jahre kommt, wie wir hören, das russische Zarenpaar nicht nach Schloß Wolfsgarten zum Besuch des Großherzogs. Im vorigen Jahre war der Besuch wegen der zwischen Großherzog und Großherzogin schwebenden Differenzen unterblieben. Darmstadt, 9. Juni. Der Großherzog wohnte heute vormittag den Besichtigungen des 1. Großh. Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner-Regiments) Nr. 23 und der 2. Abteilung des 1. Großh. Jeldartillerie-Regiments Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps) durch den Kommandierenden General auf dem Truppen-Uebungsplatz bei. Wehlar, 9. Juni. Das Königliche Lehrerseminar wurde heute durch den Seminarlehrer C. Padderatz mit einer Schülerzahl von 19 eröffnet. p. Frankfurt a. M, 9. Juni. Heute morgen kam der 5 Uhr-Zug von Mörfelden ohne Wagen und ohne Fahrgäste an. Mehrere hundert Arbeiter, die hierher auf ihre Arbeitsstätten fahren wollten, mußten einige Stunden später fahren. Wegen der Ausstellung in Mannheim hatte man keine Wagen mehr gehabt! •• Kleine Mitteilungen aus Hesten und den Nachbarstaaten. Der blutige Stteit vorn Frettag Abend in der Dams'schen Möbelfabrik zu Dotzheim, von dem wir gesteni berichteten, hat noch ein zweites Opfer gefordert. Der Niaschinenarbeiter Heinrich Stäuber ist im „Paulinenstift" seinen Verletzungen erlegen. Er hinterläßt eine Frau und zwei unmündige Kinder. Gerichtssaal. Mainz, 8. Juni. Nach zivcüäqigen Verhandlungen haben gestern in später Abendstunde die gerichtlichen Verhandlungen gegen die drei kroatischen Erdarbeiter ihr Ende genommen, welche am 6. November v. Js. in einer Kantinenwirtschast tu Kempten einen Raubmord ausgeübt haben. Bei den beiden Hauptangeklagten Papic und Strila erkannten die Geschworenen auf Totschlag, worauf das Gericht Papic und Strila einschließlich der in Neuwied gegen sie verhängten 15jährigen Zuchthausstrafe zu i e b e n s l ä n g l i ch e r Z u ch t h a u s st r a s e verurteilte. Der der Beihilfe beschuldigte dritte Angeklagte, Radeka, wurde zu14Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Begründung der Anklage durch den Staatsanwalt wurden die Angeklagten durch einen Dolmetscher von dessen Ausführungen unterrichtet und gefragt, welche Einwendungen sie dagegen zu machen hätten, worauf sämtliche drei Angeklagte durch Den Dolmetscher entgegnen ließen, daß sie nichts einzuwenden hätten und daß man mit ihnen machen möge, was man wolle. Budapest, 9. Juni. Das Gendarmerie-Distriktskommando in Nagyoarad verurteilte vier Gendarmen, die erwiesenermaßen Verhaftete mißhandelt haben, zu schwerer Kerkerstrase von einer Dauer von 3—7 Monaten. Sport. •* Schliefplah. Der Verein „Hundesport" hat beschloßen, seinen Schliefplatz auf „Textors Terrasse" in der Ausdehnung und nach dem System des Frankfurter Schliefplatzes (Ober- schweinstreg) anzutegem Die Frankfurter Anlage ist die beste derartige Einrichtung in ganz Mitteldeutschland; ihm gleicht in Süddeutschland nur der Schliefplatz in München. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. w. Wetzlar, 9. Juni. Die Draht st ifte-Fabrik in A l b s h a u s e n, die bis vor Kurzem 100 Arbeiter beschäftigte, stellt demnächst ihren Betrieb ganz ein. Das Werk hört dem Verband deutscher Drahtstistfabrikanten an, der seine Produktion einschränken will. Dortmund, 9. Juni. In der Generalversammlung der Dortmunder Union wurde, den Anträgen der Verwaltung entsprechend, die Zusammenlegung der Aktten Lit. C und die Ermächtigung zur Abtrennung der Henrichshütte nebst Zubehör einstimmig, ferner die Ausgabe von 10 800 000 Mk. Vorzugsaktien Lit. D, die im Verhältnis von einer Vorzugsaktie zu 4 zur Zuleg ung einzureichenden Aktien Lit. C den gegenwärtigen Aktionären angeboten werden sollen, mit 8408 gegen 313 Stimmen genehmigt. Bremen, 9. Juni. Der Schnelldampfer des „Nordd. Lloyd" „Kronprinz Wilhelm" stellte einen neuen Ozeanrecord auf. Das Schiff verließ letzten Dienstagnachmittag New-Park und traf heute vormittag 10.05 Uhr in Plymouth ein. Die auf der Reise erzielte durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 2 3,53 Seemeilen in der Stund e. Bisher hielt der Hamburger Dampfer „Deutschland" mit 23,51 den Ozeanrecord, welcher nunmehr durch den „Kronprinz Wilhelm" geschlagen ist. — Accumulatoreufabrik, System Pollak, Frankfurt a. M. Aus Frankfurt a. wird uns geschrieben: Der Bericht, welcher Aufschluß über die durch Den Selbstmord des Direktor Massenbach aufgedeckte sehr ungünstige Lage des Instituts giebt, ist nun erschienen. Bekanntlich war schon im Abschluß für 1900 ein grober Fehler enthalten, ein Betrag von Mk. 224;227 ist zweimal als Aktivum eingestellt worden. Der Porstand spricht bie lieber» zeugung ans, daß Massenbach diesen Fehler nicht mit Absicht begangen hat und ist gleich ivie der Aussichtsrat heute noch der Meinung, daß Dem Dahingeschiedenen nicht die geringste unredliche Handlungsweise zur Last gelegt werden könne. Wird die unrichtige Buchung von 1900, die eine Verteilung von 7 Prozent Dividende gestattete, rektifiziert, so ergiebt sich statt des Reingewinns von Mk. 184,984 ein Verlust von Mk. 39,243. Aber auch hiervon ganz abgesehen, weist das Ergebnis von 1901 eine bedeutende Verschlechterung auf. Ohne auf Einzelheiten des ziffernmäßigen Er- gebuiffeS einzugehen, teilen wir nur mit, daß sich ein Gesamtfehlbetrag von Alk. 582,221 herausstellt und nach Absorbierung der mit Mk. 277,322 allgesammelten Reserven ergiebt sich eine Unter- bilanz von Mk. 304,899 bei einem Aktienkapital von Mk. 2 Mill. Als Ursache dieser schlechten Ausweisziffern werden angegeben: Bedeutend geringerer Absatz bei vermehrten Generalunkosten und weichenden Berkaussprersen. Auch die Aussichten für das laufende Jahr werden als recht unerfreulich hintzestellt. Die Verkaufspreise der Accumulcttoren seien inzwischen weiter zurückgegangen, so daß das laufende Jahr jedenfalls auch mit Verlust abschließen wird. Versichert wird, daß gespart werden soll, wo gespart werden kann. Tie unrentable österreichische Fabrik soll aufgelöst werden. Weiter wird noch versichert, daß mit der Zeit alles wieder gut werden wird, daß es der Gesellschaft gelungen ist, eine neue Großoberflächenplatte zu konstruieren, die von keinem anderen System an Leistungsfähigkeit und Lebensdauer übertroffen werden kann und die in der Fabrikation erhebliche Ersparnisse gestattet; der Erfolg werde sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen. Die Organisation der Gesellschaft sei allen Anforderungen gewachsen, die art eine Accumulatorenfabrik ersten Ranges gestellt werden können. Der Bericht des Aufsichtsrats erwähnt, daß der vereidigte Sachverständige die Buchführung der drei letzten Jabre revidiert bat und außer dem bekannten großen Fehler keine Unregelmäßigkeiten fand. Auch der Sachverständige spricht sich dahin aus, daß der Fehler keine beabsichtigte Fälschung sei. In Bezug auf die Reoisiouspslicht des Aussichtsrats meint der Sachverständige, daß die Revisionskommission den Fehler hätte entdecken können, aber nicht müssen, da sich die Revision gewöhnlich nicht mit den einzelnen Buchungen beschäftigt. Ter Aufsichtsrat hat die Tantiemen für 1900 mit Alk. 8466 zurückgezahlt. Er will auch die zur Ausschüttung gelangte Dividende mit Mk. 132,000 an die Gesellschaft zurückoergüten, ivenn ihm enbgiltige Entlastung erteilt wird. — Jedenfalls wird die Generalversammlung eingehen; es ist das Gescheiteste, was sie thun fann. — Bon der Reichsbank. Am 2. Juli wird in Sanger- Raufen eine von der Reichsbankstelle in Nordhausen abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kafseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. — S Milliarden Mark hat den Engländern,-schlecht gerechnet, der Transvaalkrieg gekostet. Mögen die Einnahmequellen des englischen Reiches noch so ergiebig fließen, ein Aderlaß von 5 Milliarden Mark läßt sich doch nicht so schnell verwinden, umsomehr, als mit den bis jetzt geleisteten Ausgaben diese noch lange nicht abgeschlossen sind. Es wird sich noch zu zeigen haben, wie weit sich diese finanzielle Schwächung auf wirtschaftlichem Gebiet bemerkbar macht. Entweileu sucht man die entstandenen Lücken durch neue Steirern und Zölle auszusüllen. — Trausvaalbahn. Die englische Regierung ist, wie aus London gemeldet wird, nicht geneigt, ihre Offerte von 130 Lstr. für die Aktie zu erhöhen. Die deutschen Aktionäre rechnen Darauf, daß ihnen die Reichsregierung bei Durchsetzung eines höheren Preises behilflich fein werde. — Ju Berlin hat sich ein Zentralverband der Kohlenhändler Deutschlands gebildet. Ueber die Zwecke und Ziele des Verbandes herrscht iioch Unklarheit. Der Verband will hauptsächlich Stellung ilehmen gegen direkte Bezüge von Privaten oder Ein- faufsgenosfenschasten von Nichtkohlenhändlern. Da der Verband gegen die Syndikate nicht ankämpsen will, muß abgewartet werden, in welcher Weise er den Konkurrenten Rechnung trägt Als Verbandsorgan gilt, wie wir erfahren haben, die in Berlin erscheinende „Deutsche Kohlenztg." — Harpcner Bergwerks-Gesellschaft. Am 20. ds. Mts. tnbet eine Aufsichtsratsitzung statt, in welcher eine Kapitalerhöhting vorgeschlagen werden soll; in welcher Höhe ist noch unbekannt. Gerüchte behaupten, die Harpener Gesellschaft werde die Zeche Konstantin der Große erwerben. Märkte. Gieße«, 10. Juni. Marktbericht. Auf demheuttgenWochenmarkt kosteten: Butter pr. Psd. 0,90—1.10 Mk., Hühnereier 2 Stck. 11—13 Pjg., Gänseeier 10—12 Pfg., Enteneier 6—7 Pf., Käse vr. Stück 5—7 Pf., Käsematte 2 Stck. 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,75—1,00 Mk., Hühner pr. Sttick 1,00—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 1,20—1,80 Mk., Enten pr. Stück 2,40—2,60 Mt, Gänse pr. Pfd. 00-00 Psg^ Ochsenfleisch pr, Psurrd 66—76 Sßfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64Psxp, Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,00—4,00 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 14,00—15,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaussplätzen und nicht im Umherziehen feilgeboten werden. eh. Lauterbach, 9. Juni. Der heutige Prämien markt erfreute sich trotz der zweifelhafter: Witterung eines guten Zuspruchs. Er war sehr stark mit Zucht- und Mastvieh befahren. Der Handel mit Schweinen war viel lebhafter als der mit Rindvieh, obgleich eine Menge Schweine zur Stelle waren und ein reger Handel daher nicht vermutet wurde. Die Ferkel wurden zu 60—75 Mk. das Paar, die Einlegschweine zu 120—140 Mk. verkauft. — Der mit dem Prämienmarkt verbundene größte Krämermarkt im Jahre war von einer großen Menschenmenge aus den umliegenden Ortschaften bis in den hohen Vogelsberg besucht. Mngesanöt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zur Frage der Bodenreform. Zu dem Eingesandt in Nr. 129 erkläre ich, daß es ein Versehen des Berichterstatters war, loenn es in dem Bericht über die Damaschkeversammlung hieß, daß für den jährlichen Beitrag, der in die Kaffe des „Bundes deutscher Bodenresormer" gezahlt wird, national-soziale Schriften geliefert würden. Dies zu oer- beffem, hat niemand für nötig gehalten, weil der Irrtum auf der Hand lag für jeden, der auch nur eine ganz oberflächliche Kenntnis hat von den Verhältnissen und der Thätigkeit einer der beiden Organisationen, — National-sozialer Verein und Bund deutscher Bodenreformer. Daß jemand, der öffenttich erklärt, daß er „die Bodenrechtsbewegung für so wichtig hält, wie das tägliche Brot", das Versehen nicht als solches erkannte, befremdet sehr. Jede einzelne Nummer der „Deutschen Volksstimme", des Organs jener Bewegung, konnte ihn darüber aufklären, was die Mitglieder des „B. d. B." für ihren Beitrag geliefert erhalten. Es ist reichlich viel, aber ausschließlich Schriften des Bundes. — Der national- soziale Verein hat die Versammlung von sich aus erst veranstaltet, als sich Verhandlungen, die darauf abzielten, eine öffentliche Versammlung von unparteiischer Seite aus berufen zu taffen, zerschlagen hatten. Die Mehrheit in der Versammlung gehörte dem national-sozialen Verein nicht an. Tür Referent betonte hier wie stets, nachdrücklich, und der Vorsitzende erklärte dies auch durchaus für die Auffassung der Nationaljozialen, daß die Bodenresormsache frei zu halten fei vor: der Verquickung mit parteipolitischen Bestrebungen. So wurde denn auch in den Ausschuß der neugegründeten Bodenresormgruppe nur 1 Mitglied des national-sozialen Vereins gewählt und Ergänzung des Ausschusses durch Mitglieder der Parteieii, die in der Versammlung nicht vertreten waren, vorgesehen. Auf die durchaus unmotivierten Angriffe gegen den national- sozialen Verein einzugehen, verbietet die Form, in der sie vorgebracht wurden. Ich konstattere nur, daß die einzige thatsächlichc Aufstellung, daß „nun fast alle national-sozialen Führer in dem Dienste des Handelsvertragsvereins stehen", eine Unwahrheit ist. Dr. phil Ern st Vogt. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Mittwoch, den 11. und Donnerstag, den 12. Juni 1902. Wochenfest. 1. Tag. SBorabenb: 8 00 Uhr. Morgens: 8 Uhr. Predigt. Nachnüttags: 4 Uhr. 2. Tag. Vorabend: 986 Uhr. Morgens: 8 Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Festesausgang: 9es Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 680, abends 780. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 9. 9. 10. 225 9»6 7” o O & 5 N -S*. Q c * c JQ >Q 12 .2a> KZ 739,3 739,6 739,6 14,0 12,0 10,2 9,2 8,9 8,6 78 86 93 NW. N. N. Wetter Sonnenschein Bew. Himmel Bed. Himmel Höchste Temperatur am 8. bis 9. Juni 14,8° O. Niedrigste „ „ 8. „ 9. „ 9,5° C.__________ Neueste Melkungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. 8. Darmstadt, 10. Juni. (Fortsetzung der Beratung der Main-Reckarbahuvorlage). Bei Beginn der Sitzung macht Abg. v. Brentano eine persönliche Bemerkung gegen eine Auslassung der „Offenb. Ztg.", die die bisherigen Vertragsgegner des krassesten Partikularismus beschuldigte und von ihnen be- hauptete, daß sie ungeheuerliche Sachen wider befferes Wiffen verbreiteten. Brentano bezeichnet diese Auslassung als Unge- zogenheit und auf Unwahrheit beruhend, und nennt den Versaffcr des Artikels Verläumder und infamen Lügner. Die „Offenbacher Ztg.", die diesen Artikel gebracht habe, ohne sich beffer zu orientieren, sei nicht erheblich beffer. — Staats- Minister Rothe macht nochmals aus die Folgen einer Ablehnung der Vorlage aufmerksam. Tas Staatsmmister>um muffe es ablehnen, jetzt beim preußischen Ministerium eine Abänderung des bisherigen Verhältniffes zu beantragen. Er apellierc au die Loyalität der Kammer; auch die Kammern der beiden anderen Regierungen hätten dem Vertrag zugestimmt. Abg. Weidner erklärt, infolge der vielen gehörten Klagen habe er gegen das Gesetz stimmen wollen; inzwischen habe er seine Ueberzeugung geändert und werde im Vertrauen auf Preußens Loyalität für den Vertrag stimmen. Finanzminister Gnauth glaubt, daß man, selbst wenn die Klagen gerechtfertigt wären, den Vertrag nicht ablehnen dürfe. Tie Abgg. Euler, Schill-Osthofen und Köhl er-Darmstadt treten für den Vertrag ein. Abg. Ulrich erklärt, im ganzen Lande sei eine Unzahl von Klagen aus allen Klaffen der Beamten und Arbeiter vorhanden. Man dürfe nicht nachgiebig sein, denn Preußen sei nicht gewillt, entgegenzukommen. Durch die Zustimmung werde die Regierung nicht stärker, sondern schwächer werden. Finanzminister Gnauth will nicht aus die vom Vorredner angeführten Einzelheiten eingehen; denn wenn er auch eine besriedigeude Antwort gäbe, würden die Freunde Ulrichs nicht zufrieden sein. Rach persönlichen Bemerkungen erläutert Abg. Jockel den Standpunkt der Mehrheit des Ausschusses. Entsprechend dem Art. 6 des 1896er Vertrages muffe man den gegenwärtigen Vertrag unbedingt au- nehmen. Es wird mm zur Abstimmung geschritten. Der Vertagungs autrag des Abg. Schmidt wird mit 29 gegen 20 Stimmen abgelehut und der Vertrag mit 31 gegen 17 Stimmen angenommen. Berlin, 10. Juni. Der „Lok.-Anz." kann auf Grund authentischer Informationen mitteilen, daß die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten im Landtage bezüglich der Zollfrage in vollem Einverständnis mit sämtlichen preußischen Ministern abgegeben wurde und daß zwischen dem Grafen von Bülow und Herrn von Podbielski keinerlei Meinungsverschiedenhetten in der Zollfrage bestehen, mithin von einer partiellen Ministerkrisis keine Rede sein könne. Sibyllenort, 10. Juni. Das heute morgen 7.20 Uhr ausgegebene Bulletin lautet: Der König von Sachsen hat zwar in der vergangenen Nacht mehrere Stunden geschlafen, fühlte sich aber heute morgen weniger kräftig als gestern. Die Herzthätigkeit ist im allgemeinen befriedigend, die Atembeschwerden treten zeitweilig auf, gehen aber rasch vorüber. Die Nahrungsaufnahme ist vollkommen genügend. — Heute vormittag ist der Beichtvater des Königs, Hofprälat Maaz, hier angekommen. Hofkaplan Plervka reiste vormittags wieder ab. London, 10. Juni. Die „Times" melden aus Canear Unter den Mohamedanern herrscht große Aufregung wegen derErmordung von 4 mohamedanischenSchiffern, die an der Küste von Sphakia von Christen aus einem Hinterhalt erschossen wurden. London, 10. Juni. Bei dem Feuer in der Queen Vietoria-Street sind insgesamt acht Mädchen und ein Knabe umgekommen. London, 10. Juni. Nach den amtlichenVerlust- l ist en ist am 4. Juni bei Nitnengt in der Nähe von Vereeniging ein Offizier gefallen und einer verwundet, und bei Athole am 4. Juni ein Mann verwundet worden. Rotterdam, 10. Juni. Krüger ließ die Flagge des Transvaal-Freistaates von der Villa Oranjelust in Utrecht niederholen, erkannte somit äußerlich die englische Souveränität über die südafrikanischen Republiken an. Toulon, 9. Juni. Ein zu der Marineluftschiffer- abteilung gehörender Ballon, dessen Bewegungen zwei Torpedoboote folgten, und in dem sich der Marineleutnant Baud in befand, unternahm gestern früh einen Vüif» stieg. Der Ballon st ü r z t e ins Meer, wobei B a u d i n ertrank. — Im Laufe einer Geschützübung bei Kap Brun, in der Nähe von Toulon, wurde die Culasse eines Geschützes heftig nach hinten gestoßen, wobei ein Kanouiep getötet und acht Mann verwundet wurden. Wien, 10. Juni. Hierher gelangten Nachrichten zufolge soll eine wesentliche Verschlimmerung im Befinden Krügers eingetreten sein. M a r i e n b a d, 10. Juni. Tie Appartements für den hier eintreffenden KönigEduard werden für den 8. Juli in Bereitschaft gestellt. Graz, 10. Juni. Im ganzen Alpengebiet ist ein heftiger Wettersturz eingetreten. Die Berge sind bis zur Tahlsohle herab mit Schnee bedeckt. TÄe Temperaturen find tief gesunken. Konstantinopel, 10. Juni. Der Sultan richtete gestern an den König von Sachsen ein Telegramm, in dem er sein unendliches Bedauern über die Krankheit des Königs und seine Wünsche für eine baldige Genesung ausspricht. — König Albert dankte dem Sultan telegraphisch und erklärte, er befinde sich besser. Durban, 10. Juni. Schalk Burgher erklärte einem Vertreter des „Natal Mercury", der alte Generalissimus der Buren, Joubert, sei,an einer Krankheit und nicht an einer Verwundung gestorben. Er teilte ferner mit, daß Steijn für den Frieden gewesen sei und nur wegen seiner Krankheit nicht an der Friedens-Konferenz teilgenommen habe. Auch habe Steijn keine Korrespondenz mit Krüger über die Friedensbedingungen gepflogen. N e w y o r k, 10. Juni. Aus Kingston wird gemeldet, daß ein neuer Ausbruch des Soufriöre erfolgt ist. Die ganze Insel war in dichte schwarte Wolken gehüllt. Tie erneute Thätigkeit des Mont Pel 6 e hält an. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. 10. Juni 1902. 872% Reichsanleihe . . 102.00 ßo/o do. ... 93.05 3V3% Konsols .... 101.80 3<>/t) do 92.65 3‘/2% Hessen .... 100.00 3>/i% Oberhessen . . . 99.25 4% Oesterr. Goldretno . . 102.90 41/2% Oesterr. Silberrente 101.80 4% Ungar. Goldrente . . 101.55 40/ Italien. Rente . . . 102.70 4>/g-6 Portugiesen . . . 46.25 ->°l Portugiesen. .... 29.50 1% C. Türken .... 26.55 Türkenlose ..... 113.80 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.40 4äussere Argentiner —.—v 3u/q Mexikaner .... 25.60 4^2 /o Chinesen .... 90.35 Electric. Scbuckert . , . 107.80 Nordd, Lloyd . . . . 110.25 Kreditaktien , . . . . 216.95 Diskonto-Komm andit. . . 188.20 Darmstädter Bank . . . 140.20 Dresdener Bank .... 147.00 Berliner Handelsges. . . 159.40 Oesterr. Staatabahn . . . 151.70 Lombarden .... 19.00 Gotthardbahn .... 169,50 Laurahütte ..... 207.50 Bochum ...... 201.30 Harpener ..... 178.00 Tendenz: fest. Wir kehren nicht zurück ttsc: thode, ohne S ersa zu waschen, da wir unsere Wäsche schonen wolleir. Marie und Anna. ist ein ausserordentlich f nahrhaftes Getränk, welches einen wohl- ' thuenden Einfluss auf die Nerven ausübt Unübertroffen für den täglichen Gebrauch. VAN HOUTEN’s CACAO Seidenstoffe?ews- von Eltes & Kwsen, UL Krefeld. Kutsihcr 4284] Ein Manu, der das Bauholzfahren versteht, zu einen? Pferd sofort gesucht. Dampfsägewerk und Zimmer» gcschäft Ervkauterweg 20. Georg Schubecker. Danksagung ÄrhAltor sum Heumachen al Vvllvl und Hacken ge- Ar- Cost. ucht. Geschwister Petri. 4323 Gießen, den 10. Ium 1902. 4322 Dor alte &rafUtftu3 sagt: 'M fcCHETx Mord Ludwigslraße 88. 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Die Ausfiihnmgsbeding- angen und Arbeüsbefchreib- ungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und sind die Angebote bis zum 21. d. Mts., vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abjugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 9. Juni 1902. Großh. Hochbauamt Gießen. Neuling. 4309 Mittwoch beo UL Juui d. A., nachmittags 2 Uhr, werden im Saale des Lenz« sche» AelfeukellerS versteigert: 1 großes Oclgemälde (Schafherde), 3 kleineOelgemalde (Land- djaften), 1 Stahlstich (Bismarck), l Tischchen mit Marmorplatte, 1 Äeliefbild (Taufe Johannes), 10 Flaschen Stachelbeerwein, l eiserne Bettstelle mit See- zrasmatratze u. a. m. 4315 Die Versteigerung findet bestimmt statt. Geißler, Gerichtsvollzieher. Mullin betäubt nicht nur, sondern tötet SOfOrt und daher ist Mullin das Sefie eriftirenbe TötuvgS. a. ®ertUgung8mittel. 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