Donnerstag 10* April 1902 ISS. Jahrgang Zweites Blatt. D Nr. 83 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotanonsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch- aStein- Druckerei (Piets ch Erben) RedakNon, Erpeditton und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Hernsprechanschluß Nr. 51. GleßenerAnzergerW General-Anzeiger w V für den poht. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen KM v T zeigenteil: HanS Beck. Z)ie heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. politische Tagesschau. Der deutsche Reichskanzler in Wien. Tie Telegraphenbueraus verbreiten heute folgende unerwarteten Meldungen: Innsbruck, 9. April. Reichskanzler Graf Bülow ist hier eingetroffen und setzte die Heimreise fort. Er fährt nicht direkt über München zurück, sondern macht einen kurzen Abstecher in Wien. Bozen, 9. April. Reichskanzler Graf Bülow reiste gestern abend hier durch, verabschiedete sich von seinem Bruder Alfred (dem deutschen Gesandten in Bern) und setzte dann die Reise über Innsbruck nach Wien fort. Wien, 9. April. Der „N. Fr. Presse" zufolge, trifft Reichskanzler Graf Bülow heute abend hier ein, und bleibt bis Freitag. Er wird mit dem Grafen Golu- chowski konferieren und vom Kaiser empfangen werden. Wien, 9. April. In hiesigen volitischen Kreisen erblickt man in dem Besuch Bülows oen besten Beweis dafür, daß die Beziehungen zwischen den Dreibund- Staaten die besten sind, und daß der Erneuerung des Bündnisses kein Hindernis im Wege steht. In Berliner „maßgebenden Kreisen" glaubt man annehmen zu dürfen, datz bei den langjährigen persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen des deutschen Reichskanzlers mit dem österreia)isch-ungarischen Minister des Auswärtigen und bei dem Vertrauen, das Graf Bülow bei Kaiser Franz Joseph genießt, der Aufenthalt Bülows in Wien dazu beitragen werde, die Kräftigung und Befestigung des Dreibundes angesichts aller feindseligen Unterstellungen nach den verschiedensten Richtungen hin außer Zweifel zu stellen. Der deutsche Botschafter Fürst Eulenburg wird während Bülows Aufenthalt nicht in Wien anwesend sein. — Rach einem Telegramm der „Voss. Ztg." aus Wien hat daselbst Bülows Besuch ziemlich überrascht. Seine Anwesenheit wird den Kreis der Beratungen, die der Reichskanzler in Italien zur Erneuerung des Treibundes gepflogen hat, schließen und durch die rasche Aufeinanderfolge der Konferenzen mit Prin etti und Goluchowsky wird die politische Bedeutung des Besuches erhöht. Vielleicht wird, wie man in Wiener diplomatischen Kreisen glaubt, dadurch auch die am Freitag in Budapest beginnende Fortsetzung b.*r Beratungen des österreichisch - ungarischen Zolltarifs eine andere Grundlage bekommen, da Bülows Besuch ebenso derJösung politischer wie wirtschaftlicher Fragen gilt, und auch dem österreichischen Ministerpräsidenten von Koerber wird dadurch vielleicht eine neue Stärkung in der Ordnung der parlamentarischen Verhältnisse gegeben. Soweit die uns vorliegenden Meldungen. Der Hauptzweck der ..berraschenden Fahrt des Reichskanzlers nach Wien ist z. eisellos ein politischer; er gilt dem Dreibund. Graf Bülow zeigt sich auch hier wieder als ein Freund des „mündlichen Verfahrens", und als ein Staatsmann, der das Eisen schmiedet, so lange es warm ist. Die Unterredung mit Prinetti hat zweifellos das grundsätzliche Einverständnis des italienischen Verbündeten ergeben, die bewährte Gemeinschaft fortzusetzen. Da war es denn das Einfachste, sich auch gleich in Wien vom Grafen Golu- chowsti dieselbe Gewißheit zu holen. Der Empfang des Reichskanzlers beim Kaiser Franz Joseph hat unter diesen Umständen die Bedeutung, daß alles geregelt ist. Von der Osterfahrt bringt Graf Bülow die Sicherheit der Fortdauer des Dreibunds heim. Dieser Erfolg fällt schwer in die Wagsck>ale. Daß bei Gelegenheit dieses Besuchs auch die künftigen Handelsverträge gestreift werden, ist anzunehmen. Aber der Reichskanzler wird im Hinblick auf die verworrene Situation, in der bic Tarifvorlage sich befindet, nicht viel mehr zur Beruhigung sagen können als sein geflügeltes Wort in der ersten Lesung des Entwurfs: „Warten Sie ab, wie der Hase läuft." Wovon man sprach. Man schreibt uns aus Berlin, 9. April: Ueber die unlängst erfolgte Unterredung des holländischen Ministerpräsidenten Dr. Kuh per mit dem Staatssekretär Frhr. v. Richthofen verlautete bisher nur, daß die Angelegenheit der Buren nicht Gegenstand des Gespräches gewesen ist. Andeutungen aus den Kreisen der holländischen Kolonie der Reichshauptstadt lassen den Schluß zu, daß die beiden Staatsmänner über Fragen des Zolltarifs sich unterhalten haben. Es wurde vor einigen Monaten bereits an dieser Stelle auf die in den Mederlanden sich geltend machenden Bestrebungen hingewiesen, die Einfuhrzölle für aus Deutschland kommende Waren zu erhöhen. Bekanntlich ist auch die holländische Regierung mit der Revision des Zolltarifs beschäftigt, die sich, den wirtschaftspolitischen Anschauungen des Ministeriums Kuyper gemäß, in schutzzöllne- rischem Sinne vollziehen und besonders agrarische Erzeugnisse betreffen dürste. Es liegt also in der That nahe, daß in der Unterredung zwischen Frhr. v. Richthofen und Dn Kuyper Zollfragen erörtert worden sind. Der Staatssekretär des Auswärtigen kommt vielleicht bei der zweiten Lesung des Zolltarifentwurfs auf diese Angelegenheit zurück. Ordensverleihungen an englische Offiziere. Ter deutsche Kaiser hat Berliner Blättern zufolge dem englischen Admiral Seymour und den Offizieren seines Stabes Ordens-Auszeichnungen verliehen. Diese Ordensauszeichnungen werden nicht, wie die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Lord Roberts, zu politischen Kommentaren Anlaß geben können. Der Kaiser ehrt die Verdienste, die sich Admiral Seymour durch den kühnen Versuch, die in Peking Eingeschlossenen zu entsetzen, erworben hat. Allerdings ist dieser Versuch von militärischen Beurteilern vielfach angefochten worden, weil er mit durchaus unzureichenden Mitteln unternommen wurde. In der höchsten Not erschallte damals der Ruf: Die Deutschen vor die Front!" Kapitän v. Usedom, der sich an die Spitze der mit größter Bravour kämpfenden Mannschaften setzte, hat bereits den Orden pour le merite erhalten. (Einern Berliner Blatte zufolge gab die Lektüre der Tagebücher des Kapitäns v. Usedom dem Kaiser Veranlassung, die englischen Offiziere zu dekorieren. Admiral Seymour wurde durch Verleihung des Roten Adlerordens 1. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet^^_________________________________ Vorn Burenkrieg. Der entschiedenste und thatkräftige Vertreter der Frie- densidee' auf englischer Seite ist zurzeit unstreitig König Eduard. Tas Bild hat sich völlig verschoben: während früher die englischen Minister, allen voran Herr Chamberlain, das Mort führten — natürlich im kriegerischen Sinne — und der König sich im Hintergrund hielt, ist es im Ministerlager jekt völlig still geworden; dagegen sucht der König auf jede mögliche Weise das Ende der Feindseligkeiten herbeizuführen. Auf seine Initiative ist die Einleitung von Friedensverhandlungen mit der Transvaal- Regierung bewirkt, begab sich Lord Wolseley nach dem Kriegsschauplatz, soll demnächst Lord Roseberry nach folgen, um, wie es heißt, auf Grund eigener Anschauungen dem Könige entspreck-ende Vorschläge zu unterbreiten. Die Entsendung dieses liberalen Politikers ist ein untrügliches Anzeichen dafür, daß der König die Haltung des Kabinetts Salisbury's-Chamberlain in der Südafrikafrage mißbilligt. Tie Tage des konservativ-unioniftischen Ministeriums sind darnach gezählt; Rosebery ist der „kommende *1)101111". Aus die Buren wird dieses rückhaltlose Bestreben, den Krieg zu beenden, nicht ohne Eindruck bleiben. Heißt es doch bereits, daß auch Telarey sich an dem Zugeständnis der Selbstregierung der Buren genügen lassen will. Gerüchte aller Art über die Friedensverhandlungen wurden gestern an der Londoner Börse verbreitet. Wie es nach Reuter heißt, widersetzen sich die Oranjeburen den versöhnlichen Vorschlägen der Vertreter Transvaals. Nach anderen Meldungen aus dem Haag soll der Friede in zwei Tagen unterzeichnet werden. Dem lvird aber sofort aus London offiziös widersprochen. Alle diese Gerüchte entbehren jeder authentischen Grundlage und beruhen auf bloßem Gerede. In Londoner amtlichen Kreisen ist keine Nachricht über einen angeblichen Fortschritt der Friedensverhandlungen eingegangen. Präsident Steijn leidet, nach einer Meldung von gestern aus Pretoria, an einer Augenkrankheit, durch die er mit Erblindung bedroht ist. Wir wollen hoffen, daß dies eine englische Ente ist. In der Angelegenheit des in Südafrika ermordeten Berliner Missionars Heese weisen Berliner Blätter auf folgende Erklärung hin, die Staatssekretär v. Richthofen am 13. Januar im Reichstage ab gab: Ein Teil der Missionare hat die deutsche Staatsangehörigkeit entweder überhaupt nicht mehr, oder doch nur neben der Staats-Angehörigkeit der Bureurcpubliken. In solchen Fällen lehnte die englische Regierung eine Intervention ab. Mir ist beispielsweise folgender Fall bekannt geworden: Ein Missionar namens Heese, ich glaube, von der Berliner Mission, ist, anscheinend von Angehörigen des englischen Heeres, ermordet worden. Ter kaiserliche Konsul hat sichso- fort mit der englischen Militärbehörde in Verbindung gesetzt, welche auch die Untersuchung mit v ollem Eifer einleitete. Als der Konsul sich daun an den Vater, der gleichfalls Missionar in Südafrika ist, wandte, schrieb dieser zurück: Mein Sohn ist britischer Unt er than, ich kann daher eine Intervention für diesen deutscherseits nicht beanspruchen. Wie aus London geschrieben wird, ist in den „Times" folgende außergewöhnliche Annonce zu lesen: „Verstorbene Offiziere und Soldaten in Südafrika Einbalsamieren." C. E. Kiplinger, Leichenbesorger und Einbalsctmierer, Spezialvertreter der amerikanischen Regierung im Ausgräber:, Einbalsamieren und Verschiffen von Offiziers- und Soldatenleichen nach dem Krieg auf Kuba, hat ein Zweiggeschäft in Kimberley eröffnet und wünscht das englische Publikum zu informieren, daß seiner Mitwisserei Gewissensbisse bekommen, und seinen Kollegen bienen. Alle Leichen können ausgegraben unb verschifft werden, ohne Rücksicht auf das Datum der Beeroigung. Deutsches Reich. Berlin, 9. April. Ter Kaiser hatte heute vormittag eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Frhrn. v. Richthofen und hörte im königlichen Schloß den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts von Lueanus. Um HV2 Uhr wohnte das Kaiserpaar in der Urania einer Vorführung über die Herstellung farbiger Photographieeu bei. Vorträge hielten Prof. Miethe und Dr. Selle. — Die Ei nn ahm en der Staatseisenbahnen sind gegen den Etatsansatz um rund 80 Millionen, gegen die Einnahmen des Jahres 1900 um rund 35 M il l. zurückgeblieben. Ebenso weist der Eisenbahnuberschuß gegenüber dem Etatsansatz einen Rückgang um rund 58 Millionen, gegenüber dem Vorjahre um rund 43 Millionen Mark auf. (Vgl. „Preuß. Abgeordnetenhaus.") — Tie Beratung der auf weitere Erhöhung der Getreidezölle gerichteten Anträge der Konservativen und des Zentrums im preuß. Mgeordnetenhause soll bis auf weiteres verschoben werden. — Vertreter der in Deutschland bestehenden Kartelle und Syndikate tagten hier unter Vorsitz des Geh. Finanzrats Jancke und beschlossen, ein sechsgliedriger Ausschuß der heutigen Versammlung solle gemeinsam mit dem Direktorium des Zentralverbandes deutscher Industrieller die enbgUtige Schaffung einer gemeinsamen Vertretung der deutschen Kartelle vorbereiten. — Ter „Berl. Pol. Nachr." zufolge, dürfte dem Reichstage ein weiterer Nachtragsetat zugehen, nach welchem, statt bisher 40000, künftig 60000 Veteranen eine Jahresunterstützung von 120 Mark zuzuwenden ermöglicht werde. München, 9. April. In der Abgeordnetenkammer kam heute die Frage der Zukunft der Pfälzer Eisenbahnen gelegentlich der Etatsberatung zur Sprache. Hierbei erklärte der Staatsminister Graf von Crailsheim u. a.: Tie Auffassung eines Vorredners, daß die Pfälzer Bahnen von einem ü b e r m ächti g en Ge g- n er umgeben seien, kann ich nicht teilen. Tie preußische Eisenbahnverwaltmig hat sich vielmehr der bayerischen Staatsbahnverwaltung sowie der Verwaltung der Pfälzer Bahnen gegenüber stets nicht als Gegner, sondern als Freund bewiesen. Richtig ist, daß der Pfalz durch Kon kurrenzmaßnahmen ein großer Teil des Verkehrs entzogen werden könnte. Es ist aber nie der Versuch dazu gemacht worden. Sodann erörterte der Minister die Bedingungen, unter denen die Pfälzer Bahnen im Jahre 1905 vom Staate übernommen werden könnten, und fuhr fort: Ich möchte aber von dieser Stelle aus erklären, daß an eine Angliederung der Pfälzer Bahnen an die preußisch-hessische Bahngemeinschaft oder an die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen nicht gedacht 1derben kann, unb daß alle hierauf bezüglichen Bestrebungen völlig aussichtslos sind. Ter Minister schloß mit den Morten: Wir wollen bei dem Erwerb der Pfälzer Bahnen für den Staat fein Geschäft machen, sondern betrachten ihn nur als eine Maßnahme im wirtschaftlichen Interesse der Pfalz. Auslanü. Haag, 9. Styrif. Premierminister Kuyper hat sich bei seiner Rückkehr in anerkennendster Weise über den ihm in Belgien und Deutschland zuteil gewordenen Empfang unb über die zuvorkommende Art und Weise ausgesprochen, in der ihm die Erfüllung seiner Aufgabe — der Besuch der technischen Schulen in den genannten Ländern — erleichtert wurde. — In niederländischen Regierungskreisen scheint man der Frage der holländisch-deutschen Zollunion noch ebenso skeptisch gegenüberzustehen, wie vor drei Jahren. Bei dem ohnehin nicht sehr günstigen Staude der Reich sein fünfte fürchtet man das Risiko eines Ausfalles bei Erniedrigung der Portotaxen. Trotzdem ist gegenwärtig eine genaue Untersuchung im Gange; auch werden zwischen den beiden höchsten Post- verwaltungsstellen Hollands und Teutschlauds Korrespondenzen in dieser Sache gewechselt. Bevor jedoch Die hiesige Hauptverwaltung das bis jetzt noch nicht vorliegende Resultat ihrer Untersuchungen dem Handelsminister nicht unterbreitet hat, kann man in Negierungskreisen noch fein abschließendes Urteil abgeben. Brüssel, 9. April. In der Kammer polemisierte Minister de Favereau gegen die hochschutzzöllne- rischen Tendenzen im deutschen Reichstage. — Japanische republikanische Abgeordnete, die gestern abend einer Versammlung im Volkshause beigewohnt hatten, wurden heute notmittag von der Poli^eiverwaltung benachrichtigt, daß sie heute nachmittag Belgien zu verlassen hätten. Sie sind heute nach Paris abgereift. Eine aus Sozialisten bestehende Volksmenge, der eine rote Fahne vorangetragen wurde, begleitete sie nach dem Südbahnhofe, und gab bei der Abfahrt ihren Beifall kund. In Demselben Augenblick verließ der König, der von Biarritz zupück- kehrte, den Bahnhof. Die S 0 z 1 a l i st e n d r ä n g t e n sich an das Automobil des Königs und schwenkten die rote Fahne unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht und die Republik. Es fand keine Verhaftung statt. — Mit Rücksicht auf die Möglichkeit von Ruhestörungen hat der Kriegsminister die Einberufung der Jahrgänge 1898 und 1899 der Milizen Der 14 Linien - regimenter und des 1. und 2. Jägerregiments zu Fuß sowie des Jahrgangs 1898 des Carabinier- und Grenadier- regiments unb der Verwaltungstruppen angesronet. Die Genannten haben sich unverzüglich zu ihren Truppenteilen zu begeben. Ebenso haben sämtliche Gendarmeriebrigaden sich marschbereit zu halten. Klerikalen Führerin wurden die Fenster eingeschlagen. Zwei Polizisten mürben schwer verletzt. Ein Volkshaufe dranate in Schaerbeck drei Schutzleute in ein Kaffeehaus, plünderte dieses und gab Revolver schlisse ab. Tret Schutzleute wurden ve r w u n d e t. Einwanderer Volkshaufe durchzog nach einer Versammlung die Straßen und warf die Fenner der Jesuitenkirche und des Priesterseminars ein. Vor Dem Polizei- bureau in der Rue St. Francois sanden Massenansamm- hingen statt. Es wurden Revolverschüsse abgegeben. Lüttick, 9. April. Im Laufe der Kundgebungen wurde abends der Deputierte Troclet verwundet. Paris, 9. April. Ter „Statin" will heute wissen, daß der Warschauer Oberst Grimm einen an den Zacken Nikolaus gerichteten Bericht über die Mobilm achung Prinz und Prinzessin Heinrich von nach Frankfurt. In Haine St. Paul in bet? 31345, 33064, 33503, 40469, 40555, 44073; 100 auf Nr. 501, 3014, 3076, 11885, Ein Rekrut, der gestern 21275, 31792, 41834, 25473, 33803, 44461, 21728, 32481, 43931, 25667, 34083, 45824, 13530, 26030, 36117, 46218, 13659, 26398, 39200, 48852, der elektrischen Leitung im? Die Gefahr wurde bald be*' 52040, 54670. Ein Radaubruder. Preußen werden am 15. in Wilhelmshaven eintreffen, um der Grundsteinlegung des dort in der Bismarckstraße zu errichtenden Seemannsh a uscs für die kaiserliche Marine beizuwohnen. Mark 46025, 30560, Mark 15693, 27538, 40005, 50538, * Ansbach, 9. April, brach infolge Kurzschlusses Maschinenrauni Feuer aus. eitigt. * Brüssel, 9. April. Nähe von La Louviere wurde eine Dynamitpatrone in den Garten des katholischen Ortsgeistlichen geworfen. Die Bombe verursachte lediglich Materialschaden. * Mährisch-Ost rau, 9. April. Im Friedrichs-, Schachte erfolgte heute ein Wasser-Einbruch, wobei drei» Bergleute ertranken. Aus Stadt und Land. Gießen, 10. April 1902. ** Militärisches. Die trigonometrischen Vermessungsarbeiten des General st abes finden dieses Jahr in der Provinz Oberhessen statt. ** Bei den Frühjahrs-Kontrollversammlungen wird an die Reservisten die Frage gerichtet, wer bereit sei, als Ersatz in die ostasiatische Besatzungsbrigade einzutreten. Die Verpflich- tlng beträgt zwei Jahre bei Aussicht auf freie Ansiedelung. Vornehmlich werden ledige Leute gewünscht, die ein Bauhandwerk erlernt haben. ** Tas Großh. Regierungsblatt Nr. 19, aus- gegeBen am 7. April d. I., enthält, wie wir bereits mitteilten, u. a. eine Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldver- chreibungen auf den Inhaber durch die Stadt Friedberg betreffend, die folgenden Wortlaut hat: Der Stadt Friedberg ist in Gemäßheit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Artikels 67 des Hessischen Ausführungsgesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 mittels Entschließung des unterzeichneten Ministeriums vom Heutigen die Genehmigung zur Ausgabe der nachbezeichneten 3i/2prozentigen Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt worden: Lit. N. Nr. 1—150, 150 St. zu je 1000 Mk. gleich 150 000 Mk., Lit. O. Nr. 1—320, 320 St. zu je 500 Mk. gleich 160 000 Mk., Lit. P. Nr. 1—250, 250 St. zu je 200 Mk. gleich 50 000 Mk., zusammen 720 Stück im Gesamtbeträge von 360 000 Mk. ** Der Zug Wetzlar—Gießen, der sonst 9 Uhr 17 Min. abends in Dutenhofen eintraf, fiel bekanntlich im Winter aus. Seit dem 1. April ist er indessen wieder eingelegt worden, worauf wir unsere Leser hierdurch besonders aufmerksam machen. Die Wiedercinlegung dieses Zuges wird besonders den vielen Ausflüglern willkommen sein, die im Sommer den beliebten Ausflugsort „zum Jagdschlößchen" aufsuchen. Universitäts-Nachrichten. Berlin, 9. April. Prof. Rudolf Pirchow wird demnächst! eine Erholungsreise antreten und sich vorerst nach Teplitz-Schönarp begeben. ** Eine gefährliche Diebin. Am 25. v. Mts. hat in einem hiesigen Goldwarengeschäft eine unbekannte Frauensperson unter dem falschen Namen Konrad Kuhl Ehefrau aus Dorfgill folgende Waren im Gesamtwerte von 125 Mk. herausgeschwindelt: 1 Fächerkette, 2 gold. Brachen, 1 Collierkette, 1 Herzchen, 1 versilbertes rundes Brettchen, 2 Flaschenuntersätze, 1 versilb. Kaffeelöffel, 1 Confekt-Korb, 2 Zuckerdosen, 2 Doubleketten, 2 Anhänger mit Kompaß, 2 Kragenknöpfe, 1 Garnitur Knöpfe, 1 Paar Manschetten- liöpfe, 2 Armbänder, 2 Sicherheitsketten und 1 versilberter Konfekt-Korb. In einem anderen Geschäft erschwindelte sich dieselbe Person einen Tafelaufsatz im Werte von 12,50 Mk., und in einem dritten Geschäft wußte sie sich 15 Mk. in Bar zu erschwindeln. In den beiden letzteren Fällen nannte sich die Person fälschlicherweise Georg Geißler Ehefrau von Lollar. Die Betrügerin war mit den Verhältniffen der Leute zu Lollar und Dorfgill bekannt. Es liegt daher die Ver- Nlutung nahe, daß sie entweder in der Umgebung wohnt, oder^ als Hausiererin umherzieht. Die Betrügerin ist etwa 40 Jahre alt, von großer schlanker Statur, hat dunkles Haar, dunkle Augen, schmales Gesicht, gelbliche Gesichtsfarbe und trug braunen Rock, graue Blouse, graues Capes und chwarze Kaputze. Das Gr. Polizei amt Gießen ersucht um Nachforschung nach der Betrügerin und Mitteilrmg aller' Anhaltspunkte, die zur Feststellung ihrer Person führen könnten und event. um Festnahme und Drahtnachricht. ** Zum Ausverkaufswesen. Der Generalstaatsan, walt des Großh. O der l an d es g er ich ts hat durch neuerliche Verfügungen Veranlaffung genommen, die Beamten der Staatsanwaltschaft auf die in letzter Zeit stärker hervor- tretenden Auswüchse des Ausverkaufswesens, im besonderen auf die sog. Nachschübe von Waren bei Ausverkäufen hinzuweisen, und angeordnet, im öffentlichen Interesse in allen ihnen zur Kenntnis kommenden Fällen Anklage zu erheben. Auch die Konkursverwalter sollen, falls sie sich bei Veranstaltung und Durchführung eines Ausverkaufs der Konkursmasse unlauterer Mittel bedienen, angezeigt werden, damit die Gerichte für später in den Stand gesetzt werden, andere Verwalter zu bestellen. 8. Darmstadt. 9. April. Auf besondere Einladung des Großherzogs hatte sich u. a. Geh. Oberbaurat Professor Hoffmann der Fahrt des Großherzogs und des Prinzen und der Pinzessin von Preußen nach Worms angeschlossen. Hoffmann leitet bekanntlich die Restaurationsarbeiten am Wormser Dom. Während der Fahrt hielt er den hohen Herrschaften Vortrag. Nachdem die Herrschaften bei dem Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim auf Heilshof das Frühstück eingenommen hatten, besichtigten sie die Restaurationsarbeiten, besonders die Neufundamentierungen am Dom und im Anschluß hieran das Paulusmuseum. Es folgte darauf die Besichtigung der Arbeiterwohnungen bei Worms. Besonderes Interesse erregte eine von Herrn v. Heyl errichtete Arbeiterwohnung. Auf der Rückfahrt fand eine Umfahrt um das Ludwigsdenkmal statt. Die Herrschaften nahmen bann in Heilshof den Thee ein. Um 6 Uhr 10 Min. abends trafen sie mittelst Sonderzuges wieder hier ein. Darmstadt, 9. April. Prinz Max von Baden kehrte gestern Nachmittag 5 Uhr 27 Min. nach Karlsruhe zurück. Landgräsin Anna von Hessen fuhr um 6 Uhr 30 Min. ** Hessische Landeslotterie. Bei der heute stattgehabten Ziehung der 1. Klasse der Hess. Landeslotterie fiel eine Prämie von 30 000 Mk. auf Nr. 50 209, die mit 300 Mk. gezogen wurde, nach Worms; 1 Haupt-Gewinn von 20 000 Mk. auf Nr. 2385 nach Darmstadt; 5000 Mk. auf Nr. 27314 nach Mainz; 3000 Mk. auf Nr. 48801 rwch Oldenburg; 300 auf Nr. 4386, 14206; 200 Mk. auf 11070, 38440, 51986; 150 Mk. auf Nr. 11234, 16378, 18730, M , morgen dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte, mußte, da er ruhe- törendcn Lärm verübte, verwarnt werden. Die Vermahnung nützte indessen nichts; er belästigte vielmehr die ihm begegnenden Personen weiter, verfolgte sogar Leute bis in ihre Wohnungen, weshalb er in der Schanzenstraße verhaftet wurde. Bezirkes von Warschau entsendet habe, weiter aber nichts. Der Zar habe eines Tages diesen Bericht gewünscht und der Oberst Grimm, der chn kopieren sollte, machte ein Duplikat, das er nach Berlin v erkauf ' habe Wien, 9. April. Der Herausgeber des tschechischen Blattes „Slowan", Janen, fühlte sich durch ein vom Abg. Choc herrührendes „Eingesandt" in dem Organ der böhmischen Nationalsozialen in seiner Ehre verletzt und sandte während der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses dem Abg. Choc seine Zeugen. Abg .Choc erwiderte, er werde seinerseits heute drei Vertrauensmänner ernennen. — Die sozialistischen Abgeordneten wollen den Justizminister wegen folgender Angelegenheit interpellieren: F ü r st I s e n b u r g - B i r st e i n versuchte, als er in Geld- ■ Verlegenheiten war, vom Geldverleiher Umlauf in Preß- bürg 30000 Gulden zu bekommen, dieser gab sie ihm aber erst, nachdem Erzherzog Franz Salvator an Umlauf einen Brief geschrieben hatte, in welchem er die volle Garantie für ein bis 30 000 Gulden reichendes Darlehen übernahm; Die Mutter des Fürsten Isenburg ist die Tante des Erzherzogs. Als zum vereinbarten Termin der Fürst nicht bezahlte, bat Umlauf, den Konkurs über das Vermögen des Fürsten zu verhängen, wurde aber abgewiesen, weil der Beklagte deutscher Standesherr ist. Hieraus stellte Umlauf das Verlangen an die Kammer des Erzherzogs, daß dieser gemäß der übernommenen Garantie die 30 000 sl. bezahle. Er bekam aber den Bescheid, daß der Erzherzog nur ein offenes Darlehen garantiert habe; da Umlauf den Fürsten aber Wechsel habe ausstellen lassen, sei der Erzherzog zu nichts verpflichtet. Umlauf ging nun zum Gericht, seine Klage wurde aber in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Erst in dritter Instanz wurde erkannt, der Erzherzog sei verpflichtet, die geforderten 30000 Gulden zu bezahlen. Die Interpellanten stellen an den Justizminister die Frage, was er zu thun gedenke, damit das Vertrauen der Bevölkerung in die unteren Instanzen der Gerichtsbehörden nicht erschüttert werde. Melbourne, . April. Der zuständige Ausschuß des Bundesparlaments setzte den Zoll für baumwollene und leinene Sosse auf fünf Prozent des Wertes fest. Arbeiterbewegung. Mainz, 9. April. Schon seit Wochen schweben zwischen den Tapezier er gehilsen und den T a p i e r er m e i st e rrr Unterhandlungen wegen Herabsetzung der täglichen Arbeits- o e i r und Regulierung der L o h n o e r h ä l t n i s s c. Den Bemühungen des Vorsitzenden des Ortsgerichts, Herrn Rechnungsrat Amend, ist es nunmehr gelungen, eine Verständigung dahin zu erzielen, daß eine, allgemeine E i n i g u n g zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Kürze zu Stande kommen dürste. Berliner Arbeiterbewegung. Die Vertreter der Organisa- fioncit der Bäcker, Brauereihilssarbeiter, Konditoren, Müller und Tabakarbeiter haben gemeinsam beschlossen, ein engeres Zusammenarbeiten dieser Verbände herzustellen. Budapest, 9. Avril. In Hoedmezoe-Vasarhely im Crongrader Konutat stellten gegen 1000 Arbeiter der im Bau begriffenen Lokal-. Vermischtes. Im Deutschen Theater; Grrichtssaal. Darmstadt, 8. April. Ein heute vor der Strafkammer t verhandelter Fall unerlaubter Ausspielung zeigt, daß die. bezügl. Bestimmungen immer noch nicht genügend bekannt sind. Ade öffentlich veranstaltete Ausspielung bedarf nach § 286 des Strafgesetzbuchs obrigkeitlicher Erlaubnis und ist, falls der Betrag der Lose 100 Mk. übersteigt, nach dem Reichsstempelgesetz von 1900 auch stempelpflichtig. Tie von Vereinen öfters bet Festlichkeiten veranstalteten Ausspielungen, auch Tombolas, fallen fast stets unter- den Begriff „öffentlich", also auch unter die fraglichen Bestimmungen,, wenn sie nicht blos auf die Mitglieder beschränkt sind. Der Vor- tand eines hiesigen Gesangvereins hatte bei seiner Weihnachtsbescherung, zu der jedermann gegen Entree Zutritt hatte, ohne Erlaubnis eme Tombola mit 560 Losen ä 20 Pfg. gehalten. Jedes der zwölf Vorstandsmitglieder wurde deshalb zu der Mindeststrafe von 3 Mk. event. 1 Tag Gefängnis verurteilt. Berlin, 9. April. Wegen eines P i st o l e n z w e i k a m p f e s,, der vor einiger Zeit im Grünewald ausgewchten wurde, wurde' ein Mediziner F. von der Kaiser Wilhelms-Akademie zu drei Monaten Festungshaft verurteilt. Sein Gegner war ein Referendar. Dieser kam eines Tages mit mehreren Bekannten in« den „Strammen Hund", eine Kellerwtrtschaft, die vielfach oon jungen, Akademikern besucht wird, und hänselte den Mediziner, Den Erbsensuppe mit Schweinsohren verzehrte. Der Mediziner erwiderte, und in dem sich entspinnenden Streit ohrfeigte ibn ber Referendar. Die Folge war, daß der Mediziner ihn auf Pistolen orderte. Bei dem Zweikampf erhielt der Beleidigte einen Schuß n die B r u st. Die Verwundung ivar so schwer, daß der Getroffene 6 Wochen im Garnisonlazarett liegen mußte. Als er dann vollständig geheilt war, wurde er vor ein Militärgericht gestellt und zu 3 Monaten Festung verurteilt. Vorgestern trat er die Strafe in Weichselmünde an. Gegen den Referendar, der bei einem hiesigen Korps belegt hatte, ist vor dem bürgerlichen Strafgericht noch nicht verhaiidelt worden. — Verfälschung von Fleisch. Eine für die weitesten Kreise interessante Entscheiduiig über Verfälschung von Fleisch hat foeben das Reichsgericht nach einer Mitteilung der Zeitschrift „Das Recht" gefällt, indem es beit Grundsatz cmssprach, daß Verfälschung eines Nahrungsmittels auch dadurch begangen werden kann, dan ihm der S ch e i n einer besser enBeschaffenhett bei» gelegt wird, z. B. durch Zusetzen von schwefligsaurem Natron zu Hackfleisch, um beit hellroten Farbstoff des Blutes länger zu erhallen, als dies ohne den Zusatz der Fall sein würde. Die in Be-^ jug genommenen gesetzlichen Vorschriften bezwecken den Schutz des Verkehrs mit Nahrungsmitteln vor Täuschung, ohne daß es darauf ankommt, ob mit einer solchen Täuschung zugleich durch Minderung des Nähr- ober Genußwertes eine Vermögensbeschäbigung bewickt wird. Der Mehr- oder Minderwert eines Nahrungsmittels bemißt ich nicht allein vom physiologisch-chemischen Standpunkt aus, vielmehr sind dafür wesentlich Rücksichten des Verkehrs maßgebend, und wird dieser Wert durch die mehr ober minder berechtigte Auf- assung des in Betracht kommenden Konsumentenkreises beeinflußt. reuther auf getrenntes Ab stimm en zur Abstimmung bringt, beginnen dieAlldeutscheneinenohrenbetäuben- den anhaltenden Lärm und schlagen mit Eisen st äben,Büchern rc. auf die Pultdeckel, pfeifen und lärmen ununterbrochen. Sobald der Präsident die Glocke schwingt, um sich Gehör zu verschaffen, beginnt der Lärm aufs Neue. Die anderen Parteien verhalten sich ruhig. Tie Szene dauert etwa zehn Minuten. Da hierauf der Präsident unter anhaltendem ohrenbetäubendem Lärm über die nicht strittigen Resolutionen abstimmen läßt, protestieren nicht nur die Alldeutschen, sondern auch die Teutschsortschrittler und die deutsche Volkspartei durch Zurufe gegen dieses Vorgehen. Einige Alldeutsche springen auf die Präsidententribüne. Der Abg. Jro er greift die Präsidentenglocke und schlägt damit nnunter - b r och en auf d en Präsid enten tisch Plötzlich entgleitet ihm die Glocke und fällt, dicht am Kopfe des Präsidenten vorbeifliegend, zu Boden. Der Lärm dauert fort. Einzelne Parteiführer begeben sich zum Präsidenten und besprechen sich mit demselben. Auch innerhalb der einzelnen Gruppen wird die. Lage lebhaft besprochen. Da der Lärm fortdauert, verläßt der Präsident den Saal, nachdem er erklärt hat, daß die Sitzung aus eine halbe Stunde unterbrochen sei. Tie Sitzung wurde um 5 Uhr 45 Min. wieder aufgenommen. Ter Präsident teilte mit, daß er die Verhandlungen infolge der vorgerückten Stunde abbreche. Abg. Bareuther gab eine Erklärung ab, in welcher er neuerlich wiederholte, daß die Alldeutschen durch das Abgehen des Präsidenten von der üblichen Gepflogenheit, getrennte Abstimmung zuzulassen, gezwungen gewesen wären, zugleich mit der Abstimmung zu Gunsten der deutschen Staatsgewerbeschule für die Errichtung einer tschechischen Staatsgewerbeschule zu stimmen. Solange der Posten „Cilli" in deni Budget enthalten sei, würden die Alldeutschen niemals für die Errichtung einer tschechischen Anstalt stimmen. Das Vorgehen des Präsidenten habe daher die Alldeutschen mit tiefster Empörung erfüllen müssen. So scharf nun auch die Form der Abwehr gewesen sei, so habe sich diese doch nicht gegen die Person des Präsidenten gerichtet. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. Preußisches Abgeordnetenhaus. (Sitzung vom 9. April 1902.) Nachdem der Präsident v. Kröcher dem verstorbenen Abg. Dr. Lieber einen ehrenden Nachruf gewidmet, tritt das Haus in die Beratung der Eisenbahnvorlage ein. In einstündiger Rede legt der E i s e n b a h n m i n i st e r den Etat vor. Die Krisis des Jahres 1901, die zu einem Mind er er tr ag von 80 Millionen Mark gegenüber dem Voranschläge geführt habe, zeige, daß unsere Eisenbahneinnahmen nicht unter allen Umständen als sicher anzusehen seien. Daher sei bei den Ausgaben große Vorsicht geboten. Trotz der Mindereinnahmen werde aber die Verwaltung ihre Baukredite voll ausnützen, um dem Wirtschaftsleben einen neuen Anstrich zu geben. Seiner persönlichen Ueberzeugung nach würden die a n g e s e tz t e n Einnahmen nicht erreicht werden, die Ausgaben aberauch nicht. Das mache ihm keine Sorgen. Man werde auch über das Thal Hinwegkommen. (Beifall.) Abg. Macco (natl.) wünscht andere Regelung des Verhältnisses der Eisenbahnverwaltung zum Finanzministerium, vielleicht auf dem Wege jährlicher fester Abgaben und bemängelt, daß sich die Verwaltung zu sehr durch Juristen ftatt durch die praktisch erfahrenen Techniker leiten lasse. Minister von Thielen entgegnet, an eine solche sei beamten in Schutz. Dieselben würden in besonderen Vorlesungen schon auf der Universität vorgebildet und für ihre Brauchbarkeit spreche, daß die Privatindustrie gerade aus ihnen mit Vorliebe ihre leitenden Kräfte nehme. Abg. Gamp (freik.) verlangt weitere radikale Verbilligung der P e r f o n e n t a r i f e. Minister von Thielen entgegnet, an eine soleche sei nicht zu denken. Was die UnfallVerhältnisse bei den Dahnen betreffe, so sei die Zahl der Fälle nicht gestiegen, obwohl der Verkehr sich ganz bedeutend gesteigert habe. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben führte aus, daß für eine Ermäßigung des Personentarifes, für die eine Reihe von Abgeordneten ein getreten fei, kein -An laß vorliege. Die Frage der Herabsetzung der Gütertarife zu prüfen, behalte er sich von Fall zu Fall vor. Um 41/4 Uhr wurde die Beratung abgebrochen und die Fortsetzung auf morgen vertagt. Um den Etat bis zum 19. fertig zu stellen, sind Abendsitzungen in Aussicht genommen. Tie Mindereinnahme beträgt 3 5 Millionen gegen das Vorjahr. Ties Ergebnis steht in der Geschichte der letzten zwei Jahrzehnte ohne Beispiel da. Herr v. Thielen sprach zwar die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die Depression überwunden werde, aber nur mit der äußersten Vorsicht in Bezug auf alle nicht unbedingt notwendigen Ausgaben. Von Tarifermäßigungen darf also leider bis auf weiteres feine Rede sein! Bemerkenswert ist, daß die Pointe der Ausführungen, die Darlegung über den voraussichtlichen Minderertrag von 35 Millionen bereits in einer Auseinandersetzung der „Berl. Pol. Nachir." enthalten war. Der Gedankengang war ein ähnlicher wie in der Rede des Herrn von Thielen. Demnach scheint das einstige Organ Miquels nunmehr den Anschluß an Herrn von Tbielen gesunden zu haben. Dem preußischen Landtag ist ein Entwurf zur Abänderung des Handelskammergesetzes zugegangen sowie ein Gesetzentwurf betreffend die Erweiterung des Ruhr- orter Hafens. Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. Wien, 9. April. Tas Abgeordnetenhaus hatte heute wieder eine Sturm sz en e s chlimmster Art und zwar bei der Abstimmung über die Resolution betr. die Errichtung einer czechi- fchen Staatsgewerbeschule in Budweis, Abg. Bareuther beantragt die Einschiebung des Wortes bmtsch vor „Gewerbeschule". Abg. Ploj (Slovene) beantragt einen Zusatz- antrag auf Errichtung einer tschechischen Staatsgewerbe- fchulc in einer geeigneten tschechischen Stadt des Budweiser Hanvelskammerbezirks und einer deutschen Staatsgewerbe- fchule in einer geeigneten Stadt des' Egerer Kamm erb ezirks. Kreuther beantragt namentliche, getrennte Abstimmung über den Antrag Ploj. Der Präsident erklärt, er könne Dem Antrag Bareuther auf getrennte Abstimmung nicht vertreten und werde das Haus befragen. (Lärmende .ßroteftc auf Seiten der Alldeutschen.) Die abgg. üer](i)ntta unb Bareuther erheben gegen die Auf- fasfung des Präsidenten Einspruch und verlangen qe- ■tramtt Abstimmung. Als der Präsident den Antrag Ba- bahn, sowie mehrere hundert Zimmerleute und Maurergehilfen die Arbeit ein und fordern Lohnerhöhung. Schisssnachrichten. Norddeutscher Lloyd. ein Gi-tzeu vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 5. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschraubendampser .Chemnitz-", Kapitän 3- Jantzen, vom Norddeutschen Lloyd m Bremen, ist gestern 2 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. Bremen, 6. April. (Per transattantischen Telegraph.) Ter Doppel chraubendampfer „Brandenburg", Kapitän Cl. Sleencken vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 10. April. Im Maschinenraum des Deutschen Theaters war gestern durch elektrischen Kurzschluß F«rer ausgekommen, das von der herbeigerufenen Feuerwehr auf seinen Heerd beschränkt werden konnte. London, 10. Avril. Die „Times" meldet aus Peking, der Kaiser habe das Mandschurei-Abkommen untersiegelt und somit ratifiziert. Mülheim a. Ruhr., 10. April. Auf der Straßenbahn- strecke Mülheim-Heissen wurde infolge einer Stotung m der Leitung ein in voller Fahrt befindlicher Wagen zurück- geschleudert. Die Bremse versagte, und der Wagen stürzte um. 9 Personen wurden schwer verletzt. Einer von ihnen, ein Lehrer aus Ob er Hessen, erlitt einen Schädelbruch und ist bereits gestorben. Karlsruhe, 10. April. Die Zweite Kammer nahm mit allen gegen 7 Stimmen den Staatsvertrag zwischen Baden, Hessen und Preußen, betr. die Vereinfachung der Verwaltung der Main-Neckar- Bahn, an. London, 10. April. Nach einem Telegramm aus Pre- toria ist Präsident Stejiu an einem schweren Augenleiden erkraakt. Tie Sehkraft ist stark gefährdet. Loudon, 10. April. Baisour erklärte in einer politischen Versammlung in Leeds: Zu Beginn des Jahres hätten die Buren 20000 Manu gehabt, aber nun besäßen sie nur noch über 8000 Manu. Verhandlungen im eigentlichen Sinne des Wortes würden zur Zeit in Südafrika nicht geführt. Die Bärenführer hätten einfach um die Erlaubnis nach- gesucht, zusammenkommcn zu dürfen, um über die Einstellung der Feindseligkeiten beraten zu können. Ob die Burenführer irgend ein Anerbieten machen würden, könne Redner nicht sagen, noch weniger könne er sagen, ob solches Anerbieten, wenn d gemacht werden sollte, befriedigender Natur sein würde. Ec selbst sei - nicht sehr zuversichtlich. In der- selben Versammlung erklärte Unterstaatssekretär Lang: Nach einem so langen und kostspieligen Kriege werde England keinerlei Interessen aufgeben. London, 10. April. Reuter meldet ans Graafrcmet im Kapland: Das Verhör Kruitzingers, deffen Freisprechung bereits gemeldet ist, begann am 3. April. Krnitzinger war wegen Mordes eingeborener Kundschafter aageklagt worden. Die Beschuldigung, daß er einen Eisenbahnunfall ver- nrsacht habe, wurde zurückgezogen. Durch Zeugenaussagen wurde festgestellt, daß Leute von Kruitzingers Kommando unbewaffnete Kundschafter erschaffen hätten. Ein von Kruitzinger gefangen genommener Kundschafter sagte jedoch aus, daß man ihn gut behandelt und später fteigelaffea habe. Tie Zeugenvernehmung wurde am 4. April geschloffen. Der Anwalt des Beschuldigten stellte keine Frage. Arlon (Belgien), 10. April. Hier soll ein anar- chistisches Komplott entdeckt worden sein, welches bezweckte, den Juftizpalast und alle öffentliche Gebäude in die Luft zu sprengen. Wien, 10. April. Das „Fremdenblatt"" wie auch die „N. Fr. Pr." besprechen den Zweck des Besuches Bülows und bestätigen dabei, daß sich bei der Besprechung Bülows mit Prinetti eine erfreuliche lieber- einstimmung der Anschauungen herausgestellt habe, sodaß man nach der bei der italienischen Regierung herrschenden Disposition mit aller Zuversicht auf eine Fortsetzung b er Ver tr a gs-P olitik sowohl im Hinblick auf das Bündnis als auch auf die Wirts cha ft lich en Beziehungen rechnen könne. — Die Äudienz des Grafen Bülow beim Kaiser Franz Joseph findet heute nachmittag 2 Uhr statt. Dann begiebt sich Bülow wahrscheinlich zur Konferenz mit dem italienischen Botschafter 9tigra. Abends ist diplomatisches Diner beim Minister Gulochowsky. Dux, 10. April. Infolge Einsturzes einer Kohlendecke im Paulschachte wurden mehrere Bergleute verschüttet. Temrsvar, 10. April. In die Bureaux des hiesigen Korps- und Platzkommandos wurde em Einbruch verübt, bei welchem außer zahlreichen wichtigen Papieren den Dieben auch die in der Handkaffe befindlichen Gelder in die Hände fielen. Von den Thätern fehlt jede Spur. Petersburg, 10. April. Die russische Regierung machte dem Vatikan den Vorscylag, an Stelle des für drei Jahre nach Twer verschickten Bischofs von Wilna, Zie- rowitsch, einen katholischen Priester deutscher Nationalität zum Bischöfe von Wilna zu ernennen, da die russische Regierung niemals mehr einen italienischen Bischof dulden werde. Petersburg, 10. April. Tie Verurteilung des Obersten Grimm soll bereits erfolgt sein. Er wurde, wie es heißt, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt, und vom Zaren zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Er wird demnächst in die Festung Schlüsselburg überführt werden. Konstantinopel, 10. April. Unweit Mekka wurde ein Pilgerzug von Beduinen angegriffen, wobei zahlreiche Pilger getötet wurden. Konstantinopel, 10. April. In Jemen haben aufrührerische Eingeborene ein türkisches Infanterie-Regiment von vier Bataillonen, das Steuern einziehen wollte, geschlagen und entwaffnet. Der Sultan von Nedschd wurde vom Stamme des Ibn Soghoud angegriffen und geschlagen. Der Letztere drang fe®$. in die Hauptstadt von Nedschd ein. Djibuti, 10. Aprtt. Der Direktor der rat Bau begriffenen abessynischen Bahn Eharetti wurde auf offener Straße von dem Vicomte de Villarmois überfallen und durch einen Revolverschuß verwundet. Man glaubt, daß der Dicomte die Thal in einem Anfall von Geistesstörung begangen hat. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. April •ß VD - § Q - A- W 9. 9. 10. 749,7 + 12,1 749,4 4- 6,8 748,1 + 3,5: 5,3 4,7 4,7 Höchste Temperatur am Niedrigste „ „ 51 NE. | 64 ENE. 80 NE. 8. bis 9. April 8. „ 9. , Sonnenschein Bed. Himmel Bew. , 14,8« C. 1,2“ 0. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt ». M.. 10. April 1902. 8*/$% Reicheanleihe . . 101.85 8% do. ... 92.00 3V,% Konsole .... 101.90 3% do.....92.00 3‘/e% Heesen .... 100.25 3% Hessen —.— 4% Oeeterr. Goldretne . . 102.60 4*/,% Oeeterr. Siiberronte 101.50 4% Ungar. Goldrente . . 101.05 4°/ Italien. Rente . . . 100.90 4’/3% Portugiesen . . . 43.65 x«/ Portugiesen 28.50 1% C. Türken .... —— Türkenlose 111.20 4% Griech. Monopol.-Anl. 43.30 4*/a% äussere Argentiner 8J/o Mexikaner .... 26.40 4*/e /o Chinesen .... 90.10 Electric, bcluckert ... 107.50 Nordd. Lloyd .... — Kreditaktien , . . . . 210.25 Diskonto-Kommandit. . . 189.10 Darmstädter Bank . . . 137.30 Dresdener Bank .... 137.50 Berliner Handelsgcs. . . 151.50 Oestorr. Staatsbahn . • . 142.50 Lombarden .... 18.40 Gotthardbahn .... 167.50 Laurahütte ..... 199.50 Bochum ...... 193.20 Harpener 165.50 Tendenz: fest vrühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulstratze 7 ht jeder beliebigen Schriftart und Kortoe» Bekanntmachung Flur Mk. u u 166.75 11. 820.— 8. 9. 408.— 168.— 36.— Lieferungen durch öffentliche Versteigerung werden, als: 473.80 265.— in Akkord gegeben veranschlagt zu 789.48 274.50 344.50 70.— 219.05 186.40 Wilhelm Nr. 116 bringt beschwerdeführend bei uns vor, daß in letzter Zeit die auf dem Exerzierplatz stattfindenden militärischen Hebungen seitens des Publikums des Oefteren gestört worden sind. Wir nehmen daher Veranlassung, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß jedes ungeeignete Verhalten von Civilpersonen übenden Truppen gegenüber auf Grund des § 360 pos. 11 R.-St.-G.-B. zu bestrafen ist. Gleichzeitig warnen wir dringend vor dem Betreten des in der Nähe übender Abteilungen befindlichen Geländes. Gießen, den 9. April 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. H e ch l er. b) Gießenerstraße. 10. Maurerarbeit zur Kanalisation . Lieferung von glasierten Thonröhren (Steingut) ...... Steinhauerarbeiten in Lungsreinen . Liefern und Verlegen von Cement- Trottoirplatten .... Lich, den 9. Llpril 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. Lieferung von glasierten Thonröhren . Pflasterarbeiten Liefern und Verlegen von Cement- Trottoirplatten . . . . . Lieferung von 4 Waggon Schlackenfand Lieferung von 1 Waggon Basaltgries . Donnerstag den 15. Mai 1902, nachmittags 2‘/z Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Earl Schleenbecker von Krofdorf und bezm. seiner Ehefrau stehenden Grundstücke Flur 26/114,8 — 306 qm Hof- raite auf der Weißerde, auf die Kreisgeometer betreffend. Diejenigen Großh. Geometer, welche als Kreisgeometer oder Assistenten bezw. Gehilfen der Kreisgeometer angestellt ober verwendet zu werden wünschen, werden aufgefordert, ihre des- fallsigen Gesuche unter Verwendung des gesetzlichen Eingabestempels von 1 Mk. 50 Pfg. bis zum 25. d. Mts. an die unterzeichnete Behörde zu richten. 2881 Darmstadt, 7. Aptil 1902. Großh. Katasteramt. Dr. Lauer. den obersten Niegelpfad, Flur 26, H4öV,m neuerbauten Hause Schiffen- V bergerweg 66 ist ber L unb UL Stock, beslehenb aus 4 Zim. mit allem Zubehör und Garten- anteü z. 1. Juli zu vermieten. 25i6 Joh. Gg. Pfaff, Bisntarckstr. 32. 2603] 4 Ziminer mit Zubehör (Nebenhans) pr. 1. Juli zu Denn. Näheres Bahnhofstraße 38, iL 26uuj Neubau Grüuberger- straße 7 ist Beletage und oberer Stock, besteh, aus 6 Zimmern, 2 Balkons, Bad, Gas, Bleichpl., Garten, per 1. Juli zu vermieten. Kranz Hewel. infach möbliertes Zimmer zu vermieten. Wallthorstr. 31. 2 gut möbl. Zimmer zu verm. 2716 Asterweg 6, I. ^chön möbL Zimmer sofort zu venn. Frcuikfurterstr. 1, Ii. 6>reundL möbl. Zimmer sof. zu V verm. 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