Nr. «37 Erstes Blatt. 153* Jahrgang Donnerstag 9. Oktober LSVL •tfflehH tS-ttch außer Sonntags. Dem Dteßener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem VeMschen Landwitt die Steyener Familien, blätter viermal in der Woche betgeUgt Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Unwers.-Vuch-ruvtein- druckerei (Piersch Redaktion. Erpedttion und Druckerei: Schnlstratz« 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. Kl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Anttr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ve»«aSprei», monatlich 7b viertel- jährlich Mk. L20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel- sährl. auSschl. Bestellg. Annadme von Anzeige, für bit Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilen pretS: lokal 13Pf, auSwärtS 20 Pfg. verantwortlich! ffir den polil. u. allgem. Teil: P. Witiko: für »Stabt und 2anb" und .Gerichtssaal": Cutt P lato; für den Anzeigenteil: Han- Beck. Bekanntmachung. Betr.: Dorträg« über Obstbau. Der Obstbautechniker bei Oberheffischen Obstbauvereins, Herr WieSner zu Friedberg, beabsichtigt am kommenden SamStag, den 11. d. abends um 8 Uhr in Hungen einen Vortrag über Obstbau zu halten. Das Lokal des Vortrags wird noch durch bit Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen bekannt gegeben werden. Alle Freunbe der Sache werden zur Teilnahme freundlichst eingeladen. Dießen, den 8. Oktober 1902. Der Vorsitzende öeS BereinSbezirkS Gießen des Oberheffischen Obstbauvereins: Dr. Heinrichs, Regierungsrat. Bekanntmachung. Betr.: Rotlaufseuchenverbacht in Ettingshausen. Die wegen RotlaufoerdachteS bezüglich bes Gehöftes des beorg Döring in GttingShaujen angeorbnete Sperre ist ufgehoben. Dießen, ben 8. Oktober 1902. Großherzogliches itcetöanit Gießen. Dr. Breibert. Dießen, den 10. Oktober 1902. Betr.: Das Gesetz, baß Eigentum an Kirchen, Pfarrhäusern rc. von Dr. Best, Ministerialrat in Darmstabt. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzogl. Bürgermeistereien und die Kirchenvorstünde des Kreises. Im Verlag von I. Diem er in Mainz ist baß Gesetz, das Eigentum an Kirchen, Pfarrhäusern rc. betreffenb, vom Ü. August 1902, herauSgegeben unb erläutert von Ministerialrat Dr. Best, erschienen. (Preis 80 Pfg.) Wir machen Sie auf biefeß Merkchen aufmerksam unb empfehlen angesichts btt Wichtigkett bet Sache seine Anschaffung, soweit daß Gesetz für Ihre Verhältniffe von Bedeutung ist. Dr. Bretdert. Zum uationaüiöeraLeu Parteitag. Man schreibt uns aus uationalliberalen Kreisen snterm 7. Oktober! Je näher der nationalliberale Parteitag ist, mit umso größerer Entschiedenheit gelangt in derjenigen national- liberalen Presse, welche industrie- und handelsvertragsfreundlich ist, der Wunsch nach einer klaren und einmütigen Stellungnahme der Partei zu den zollpolllischen Fragen zum Ausdruck. „Begrenzung der Nachgiebigkeit gegen das Agrariertum", baß ist mit kurzen Worten das Ziel dieser Bestrebungen. Man will nicht länger in der Wirtschaftspolitik jeden nach seiner Fa-on selig werden lassen, sondern mau verlangt, daß die Minderhett der nationalliberalen Agrarier sich nach dem Standpunkt der Mehrheit richte. Lieser Standpunkt ist in Bezug auf die Tarifvorlage dadurch gegeben, daß die landwirtschaftlichen Zölle nur in der Höhe der Regierungsvorschläge, nicht aber in der Höhe des sogenannten Kompromisaw- tragö zu billigen sind. Tie „Nationalztg." beschäftigt sich heute abend mit diesem Thema, sie zitiert Aus- süyrungen des „Hannov. Eourier", ferner eine Zuschrift an die „Magdeb. Ztg." und knüpft daran die Besorgnis, daß aus dem Telegiertentag die Erörterung der zoll- iinb handelspolitischen Frage und im Zusammenhänge damit des künftigen allgemeinen Verhaltens der Partei eingeschränkt oder erschwert werden könnte. Eine solche Feststellung der Tagesordnung sollte verhindert werden. — Es ist nur zweckmäßig, daß eine derartige Mahnung ergeht. Tenn es würde ein nicht wieder gutzumachender Fehler sein, wollte der Parteitag kurz vor einer der wichtigsten und folgenschwersten Entscheidungen sich mit etlichen zu nichts verpflichtenden Beschlüssen begnügen. Tas hat Jahre hindurch zur Not hingehen können, daß in der Wirtschaftspolitik jedes Mitglied der Reichstags- fraktion Die Wege einschlug, die ihm behagten. Aber es geht jetzt nicht mehr an. Tie Zolltarifvorlage verlangt von jeder Partei, wenn anders sie das Gewicht chreS Einflusses und Ansehens in die Wagschale werfen will, eine geschlossene, präzise Stellungnahme. Wer dabei nicht Mitwirken kann oder will, der muß eben in den Rechen derjenigen Partei seinen Platz suchen, die seinem Herzen näher steht. Es ist ein peinlicher, verwirrender bald nachgerade unhaltbarer Zustand, daß nationalliberale Mändät- inhaber an einem Strang mit der Rechten ziehen, der Rechten zugerechnet werden, und die Meinung, der eigenen Parteigenossen bekämpfen Helsen. „Man kann nicht zugleich liberal und agrarisch-konservativ sein", ist gesagt worden. O ja, man „kann" es schon, wie sich oftmals in der Praxis gezeigt hat, aber man sollte es nicht. Ist es etwa zu bestreiten, daß die unglückliche Zwei-Seelen-Er- scheinung dem Nationalliberalismus empfindlichen Schaden zugefügt, manchen Anhänger des liberalen Gedankens der Partei entfremdet hat? Geht nicht dieser Riß durch die ganze Partei? Ter nationalliberale Delegiertentag wird gut thun hierüber mit aller Offenherzigkeit in einen Meinungsaustausch einzutreten. Es wird sich daraus von selbst ergeben, daß die Freiheit der Meinung in wirtschaftlichen Fragen, wie jede vernünftige Freiheit, der Begrenzung bedarf. -int K-nigsüouferenj. Im Gegensatz zuin König von Italien, der sich bei ungünstigem Stande der Staatssinanzen Auslandsreisen versagt, erachtet der König von Portugal solche Er- cheinung nicht als bestimmend für seine Reisepläne. Es ällt freilich ms Gewicht, daß der portugiesische König sehr eiten sich veranlaßt sieht, außer Landes zu gehen. Tie Beziehungen Portugals zu den VLächten — von England abgesehen — sind zu loser Natur, um Anlaß für eine Zusammenkunft zu bieten. Der Besuch beim König von England wird nun demnächst statthaben, und zwar ist eine Tauer von etwa 40 Tagen in Aussicht genommen. Während dieser Zeit soll die Königin von Portugal vertretungsweise die Regentschaft führen. Ter Londoner Besuch ist nach der förmlichen Seite hm wohl als Erwiderung der Ehrung aufzufassen, die dem Regenten Portugals dadurch erwiesen wurde, daß das englische Kanalgeschwader chm bei seiner diesjährigen Luftfahrt nach Madeira und den Azoren als Eskorte diente unb alsdann den portugiesisch en Seemanövern beiwohnte. Tie politische Bedeutung des Besuchs charakterisiert sich durch die ungewöhnlich lange Dauer und die Thatsache, daß die Anwesenheit des Königs von Portugal am Londoner Hofe mit bet* jenigen Kaiser Wilhelms zusammenfallt. Tie Begegnung erfolgt am 9. November, dem Geburtstage des Königs von England. Es giebt nur ein Gebiet der Politik, auf dem Teutschland mit Portugal Berührungspunkte hat, und es ist just das, an dem auch England interessiert ist: Ost- afrika. Ter noch immer geheime deutsch-englische Afrikavertrag bezieht sich wesentlich auf die portugiefi|che Tela- goabai, von der die Lissaboner Regierung immer und immer behauptet, daß eine Veräußerung an England nicht beabsichtigt sei. Die Möglichkeit einer Verpachtung jedoch wurde bisher nicht in Abrede gestellt; man darf also annehmen, daß diese den Verhandlungen Lord Miluers mit den Koloniälbehörden in Laurenco Äiarques zu Grunde Lag und durch die Konferenz in London besiegelt werden soll. Portugcll kann die Koloniallast kaum noch tragen, die Eingeborenen-Aufstände der jüngsten Zeit in Dlozam- bique, Loanda unb St. Thoms sind nur mit äußerster Mühe und unter großen finanziellen Opfern nieber- gehalten worben. Ter Fehlbetrag im portugiesischen Etat, den unterrichtete Kreise auf mindestens 35 Millionen Mark beziffern» ist größtenteils aut1 das Kolonialkonto zu setzen. Aus eigenen Mitteln kann Portugal dieses neue Dian ko nicht decken. Der Druck der Notwendigkeit führt es zu einer Vereinbarung mit England. Wie Deutschland sich zu dem englisch-portugiesichen „Geschäft" stellt, ist das Geheimnis der amtlichen Kreise und bleibt es vielleicht auch nach der Londoner Konferenz. Es wird wohl in der Hauptsache auf Wohlwollen hin auslaufen. Allerdings hätte Portugal sich dieses erst zu' verdienen, beim die tonangebende Lissaboner Presse ergeht sich geflissentlich in Verdächtigungen der deutschen Polllik unb der im Auslande thätigen deutschen Tipwmaten, letzthin besonders des deutschen Gesandten in Peking. Es ist aber im Grunde belanglos, ob Portugal den Deutschen Gutes oder Schlimmes nachfagt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 9. Oktober 1902. Gedenktage. Am 10. Oktober 1791 starb in Stuttgart der Dichter Lhristian Friedrich Daniel Schubart. Seinen Lyrannenhaß büßte er mit lOjähriger Haft auf dem Hohenasperg. In einfachen unb ergreifenden Worten schildert er sein trauriges Los mit dem Liede »Der Gefangene". Die glühendste Freiheitsliebe aber atmet sein Gedicht »Die Fürstengruft". Schubart machte seinerzell durch seine Gedichte, wie durch sein Schicksal den mächtigsten Eindruck auf das jugendliche Gemüt Schillers. 1743, am 26. März, wurde der unglückliche Dichter zu Ober-Sontheim in Schwaben geboren. ** Ter Kaiser und König hat dem Oberpostsekretär Raab in Tarrn stad l bei seinem Scheiden aus dem Dienste den Charakter als Rechnungsrat verliehen. Versetzt sind: Postpraktikant Hedrich von Gießen nach Cöln, der Ober- Postassiftent Habicht von Butzbach nach Lauterbach, die Postassistenten Flath von Bad-diauheim nach Darmstadt, Kling von Cöln nach Bab-Nauheim, Neumann von Bad-Nauheim nach Cöln. Etatsmäßig an gestellt ist der Postassistent May in Großgerau. Angenommen wurde zum Postagenten: der Landwllt Joh. Peppel I. in Oberseemen. Bestanden haben: die Postsekretärprüfung: die Ober-Postassistenten Geißler in Nidda und Schliep- hacke in Gießen; die Postassistentenprüfung: der Post- gehilfe Schande!maier in Gießen. Freiwillig a u s g e s chi e d e n ist der Postagent Joh. Peppel XIII. in Oberseemen. ** Nationalliberales aus Rheinhessen. Man schreibt uns: Wie wir von wohlinformierter Selle hören, 'ist in Mainz der Gebaute aufgetaucht, den Abg. Reinhart alsKandidatendervereinigtenNa- tionalliberalen, Freisinnigen und Zentrums-Wahlmänner gegen den sozialdemokratischen Kandidaten auizuftellen. Wie begannt, sind die zwischen den Mainzer Parteivorständen gepflogenen Verhandlungen, welche dahin zielten, bie Sozialbemo- kraten zum Verzicht auf einen der beiden von chr vertretenen greife zu Gunsten eines nationalliberalen Kandidaten zu bewegen, gescheitert. Nun ist der Abg-Reinhart, be||en Wiederwahl in Worms zweif^haft geworden ist, (? Red. des „Gieß. Anz/^ ein uandidat, btt jedenfalls bie freisinnigen, wahrscheinlich auch bie Zeulrums- stimmen gewinnen könnte. Reinhart ist katholisch und steht dem Zentrum und Freisinn auch dadurch nahe, daß er einer der Wortführer für Einsühruna des allgemeinen direkten Wahlrechts in Hessen ist. Reinbart, der als Gegner des Frhrn. v- Hehl von der demokratischen und klerikalen Presse in Hessen wiederholt genannt und als solcher gegen Heyl ausge|pielt worden ist, dürfte auch den Mainzer Sozialdemokraten weniger unwillkommen sein (? D. Red ) als vielleicht jeder andere Kandidat einer nicht sozialistischen Partei. Wie weit der Mg. Reinhart für seine projektierte Kandidatur in Mainz gewonnen ist, und ob der Mainzer Parteivorstand in dieser Richtung schon Schritte gethan hat, läßt sich z. Zt- nicht feststellen.' ES handelt sich vorläufig überhaupt nur um eine „Idee" und noch nicht um ein festes Projekt. Jedenfalls fände ein solches Projekt in nationalliberalen Kreisen ganz Hessens vollen Beifall. Parteipolitisch würde es durchaus richtig fein, in der Person des Abg. Reinhart den einen der beiden Mainzer Landtagstreise zu erobern und gleichzeitig für den Abg. K ö h ler-Darmstadt einen Platz in ber Kammer zu schaffen, nachdem Köhlers Wahl in Darmstadt au s s i ch t s l o s und diejenige in Worms gegenüber dem langjährigen Vertreter Reinhart wenig opportun erscheinen muß. Frankfurt a. M., 7. Okt. 9tun werden gar bie Kanarienvögel „akademisch gebildet !" Wohl sind sie von der Mutter Natur mit Hellen, frischen Stimmen versorgt, aber dem Menschen genügt daS nicht mehr: bie Kanarienvögel müssen noch einmal in die Schule gehen, inS ,Mogel-Konservatvrium", um, wie bie Menschenkinder, die technisch-musiSalisch-kontrapunktisch richtigen Triller und Läufer herauszubekommen. Unb wenn ein „Harzer Roller" in seiner Heimat noch so schön schlug, hilft ihm alles nicht, er muß nach Frankfurt, ui die Stadt der neuen Hochschulen. Tie Kanarienzüchter des Main- Rh ein gau-Gerb and es veranstalten nämlich in diesem Winter einen Gesangskursus für Kanarienvögel. Der Unterricht ist in bie Abteilungen Mainz-Wiesboben und Frankfurt-Hanau eingeteilt und wirb durch die Lehrer A KÄnig in Mainz unb. I. Zehrung in Frankfurt geleitet, bie als tüchtige Preisrichter und gute Gesangskenner bekannt sind. Für Frankfurt und Hanau begann der Unterricht am 5. Okt. im Hotel ,Lum König von England". Wir wünschen aus voller Brust: Gut Piep! Frankfurt, 8. Okt. Ein auf der Durchreise befindlicher Arzt, verheiratet, in den dreißiger Jahren, wurde, so meldet ein Berichterstatter der „Frkf. Ztg.", heute im Wartesaal des HauptbahnhosS von fünf Studenten der Hochschule in Darmstadt in arger Weise belästigt. Einer der jungen Herren setzte sich vor dem Mzt auf den Tisch, und was dergleichen Unfug mehr ist. Ter Arzt verbat sich dieses Betragen, worauf er mrzerhand zum Duell gefordert wurde. Ter Arzt wollte den Ho.chscbülern, die hier die Nacht durchgekneipt hatten, aus dem Wege gehen und verließ den Bahnhof, worauf die Studenten, die ihm folgten, einen Schutzmann ersuchten, die Personalien des Herrn festzustellen, obwohl er ihnen seinen Namen schon genannt hatte. Der Schutzmann er- Härte, für ihn liege keine Veranlassung zum Einschrellen vor. Wichrend dieses Zwischenfalls waren mehrere Reisende und Babnbeamte zugegen, die eine drohende Haltung gegen die Studenten einnahmen. Zwei von ihnen reiften hierauf nach Darmstadt, die übrigen entfernten sich aus dem Bahnhof. Wiesbaden, 8. Okt. Wie jetzt mitgeteilt wird, ist die von der „Frkf. Ztg." gebrachte Meldung, daß Polizeipräsident von Schenk die irrtümlich sistierteFrauvon Decker habe zu sich bitten lassen, um sich wegen des polizeilichen Mißgriffs zu entschuldigen, unrichtig. Der Polizeipräsident hat vielmehr einen Beamten zu dec Dame nach dem Versammlungsgebäude gesandt, der sich den Vorfall noch einmal mündlich von ihr schildern ließ. Die Angaben des Schutzmanns deckten sich nicht mll denen der Dame, von der inzwischen auch eine schriftliche Beschwerde bei der Polizeidirektron ein gegangen war. Daraufhin wurde Frau von Decker eine schriftliche Antwort des Polizeipräsidenten ins Hotel gesandt. Im übrigen schwebt eine eingehende Untersuchung, nach deren Abschluß woh 1 gegen ben Schutzmann einge|dritten werben wird. Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Tas Gewerkschastskartell in Frankfurt a. M. hat bei dem Magistrat angefragt, ob er eine Arbeitslosenzahlung vornehmen will. Wenn bec Magistrat ablehnt, will das Gewerkschastskartell sofort selbst die Arbeitslosenzählung in Angriff nehmen, wozu Gewerberat Kliever feine Unterstützung zugesagt hat. — Ter bei der Elektrizlläts-A-G. vorm. C. Buchner in Wiesbaden an- gestellte Monteur August Niaus feierte am 3. Ottobec das 25 jährige Jubiläum seines Eintritts bei der Fllma. Aus diesem Anlaß wurden ihm durch ben Tirektor eine goldene Uhr mit Kette überreicht, während bie Beamten unb Monteure des Geschäftes den beliebten Jubilar ebenfalls reich beschenkten. —'Der in London verstorbene Herr Adolf Görz, ein geborener Mainzer, hat dem Verein „Mainzer Liedertafel und T)amengesangverein" 40 000 Mark unter der Bedingung zum Geschenk gemacht, daß von den Zinsen dieses Kapitals alljährlich ein Konzert Veranstalter werde, zu welchem ein nicht höherer Eintritlspreis erhoben werden soll, als zu den Volkstonzerten, damit jedermann die Mög- lichleit habe, dieses Konzert besuchen zu können. — Die Lehrgänge des Frankfurter Hochstifls für das Winterhalbjahr 1902/03 nehmen am 14. Oktober ihren Anfang. U. a. spricht Prof. Dr. Adolf Harnack-Berlin über „Ursprung und Entwickelungsgeschichte des Papsttums", Pros. Ludw. Geiger-Berlin über „T-eutsche Litteratur von 1840 bis 1848", Prof. Albrecht Dieb er ich-Gießen über Volksglaube und Bollsbrouch im Altertum unb Gegenwart". L. provinzial - Aeffügel - -usstessuug des per- öaudes Höeryesstscher K.Mgelzüchter-pereine. <5. Bübingen, 7. Oft. Bor einigen Dagen fand ün städtischen Schulhause zu Büdingen die diesjährige Verbanbs-Ausstellung der Geflügelzüchter-Vereine unserer Provinz statt. EL war die dritte derartige Veranstaltung, welche die Vereine von Oberhessen, seitdem sie sich vor etwa vier legten zu einem Verwände zusammen geschlossen hatten, ab* War auch ba& Arrangement zu der Büdinger Ausstellung nach mancher Richtung hin verbesserungsfähig, so ist doch anKuerkennen, daß der kleine und noch junge Verein, dem die Abhaltung der Ausstellung übertragen war, sub redlich bemüht hat, diese Geflügelausstellung nach außen yin würdig zu gestalten. Tie Ausstellung umfaßte etwa 250 Nummern und bot in gewisser Beziehung ein Bild von der Federvichhaltuna unserer Provinz. Betrachtet man die überaus gut beschicke Abteilung des Wassergeflügels, so muß man gestehen, daß in Gänsen und Enten durchschnittlich vorzügliche Stämme zur Ausstellung gesandt worden sind. U. a. waren drei Stämme Gänse sowie Rouen- und Peking-Enten von Rü b samen-Gießen ausgestellt. ES waren durchgängig in der Figur sowohl wie im Gefieder ideal schöne Eiere, wie man sie nicht besser auf der nationalen Ausstellung antrifft. Tie vorgeführten sechs Stämme indischer Laufenten erwiesen sich bis auf die Paare von P r e s s v n - Ober-Roßbach und Hühn- Hain- gründau als noch nicht durchzüchtet. In der Abteilung Hühner bemerkten wir zu unserer Freude, daß das Hamburger Huhn gegen die früheren Ausstellungen nicht so stark vertreten war. Tie Hamburger sind nun einmal keine Rasse für das Land, und in nötiger Erkenntnis scheint man auch in unserer Provinz das Italiener Huhn als fleißige Eierleaerin jetzt immer mehr und mehr zu bevorzugen. Die sch>ön gesprenkelten und gelackten Hamburger eignen sich ganz entschieden besser für einen Geflügelhof in der Stadt, wo man neben dem Nutzen auch eine Augenweide haben will, aber die Hühnerhaltung auf dem Lande muh von ganz anderen Gesichtspunkten betrieben werden. Mr erinnern uns, daß noch vor zwei Jahren im BogelS- berg in einzelnen Gegenden Hamburger Hühner dominierten; die Büdinger Ausstellung beweist oberz daß man anscheinend jetzt auf dem Wege ist, auch dort davon abzukommen. Ebenso scheinen die Versuche, das schwarze M-inorkahuhn bei uns eiiMbürgern, keinen durchschlagenden Erfolg gehabt zu haben. Bei den ersten beiden Verbandsausstellungen in Friedberg und Gießen Ivar dieser Hühnerschlag weit stärker vertreten, als jetzt in Büdingen. Man muß sich ja freuen über die kräftigen Gestalten der aus spanischem und italienischem Mut hervorgegangenen Hühnerrasse, ebenso sind gewiß deren schwere und große Eier schätzenswert, aber man mußte sich wohl überzeugen, daß dieser Hühnerschlag für unseren im Winter rmchen Vogelsberg nicht ausdauernd genug ist, und daß es geratener erscheint, für Nutzzwecke allein die Itallener zu bevorzugen und h evantzsuzüchten. Die Büdinger Ausstellung zeigte aber unstreitig, daß man in Oberhessen gerade unter den Italienern und besonders in den r»ebhuhnfarbigen dieser Rasse über ein außerordentlich gutes Zuchtmaterial verfügt. In der Sammelklasse landwirtschaftlichen Nutzgeflügels zeigte der Weinhändler Aug. Schwan L vier rebhuhnfarbige Italiener, bei denen der Hahn zwar etwas schwache war, während die Hennen jeden: Rassezüchter mit Ehre gereichen. Diese Hennen waren zweifellos die besten Tiere der Ausstellung. Ebenso waren in der gleichen Klasse die rebhuhnfarbigen Itallener von Hildebrand-Udenhausen und von Adam Düring-Gießen, sowie von Heil-Streben- dvrf sehr oute Züchtungen. Unter den paarweise vorgeführten re'bhuhnfarbtgen Italiener stehen als vorzügliche oben an die Tiere von Julius Stvhr-Gießen und von Hildebrand-Udenhausen. Unter den anders gefärbten Italienern hatten beste Leistungen aufzuweisen Ludwig Schwarz-Büdingen (schwarz), Ludwig Hanau-Gießen (wäß und silberhalsig) und Friedr. T ü r ck - Büdingen (ge- sperbert). Wenn auch nur in wenigen Stämmen, so war doch auch unter den schwarzen Minorkas wertvolles Zuchtmaterial zur Ausstellung gebracht. Die Kollektion 1/ 3 von Christ-Neumühle bei Büdingen war u. a. eine Glanzleistung, der sich die Stamme von Hildebrand- Udenhausen und H. T h i e ß e n - N.-Gemünden würdig anschlossen. Don dem Hühnervolk schwerer Schläge, die sogen. Brüter, verdienen noch volle Beachtung: ein Stamm weiße, vier Monate alle WyandotteS von Kämpf in Elpenrod und eine Kollektion 1, 3 schwarze Langshan tarn Adam- Gießen. Unter den Zwerghuhnzüchtern ragte L. Aß- muß-Bad Nauheim mit seiner Spezialität 1, 1, schwarze, rosenkämmige Bantams, über alles sonst Gebotene hervor. Friedrich I v ck e l-Grünberg glänzte mit einem Stämmchen Zwerg-Cochin, welche überaus ffein und dabei schön in den Federn waren. Die Tauben-Abteilung der Büdinger Ausstellung umfaßte beinahe 100 Nummern und war ganz besonders vielseitig. Deutsche Kröpfer waren in den verschiedenen Farbenschlägen mit 20 Paaren vertreten, darunter waren die Tiere, welche H. H ü h n - Haingründau zur Ausstellung gebracht hatte, die bemerkenswertesten. Beinahe ebenso zahlreich waren die Brünner Kröpfer vertreten, von welchen die Taubenpaare von Keller in Ossenheim, von Läufer-Meder-Erlenbach und von Lehrer Frank in Langenbergheim die besten waren. Pfautauben, und zwar acht "Paare, hatte Apotheker Schwieder- Gießen ausgestellt, unter denen sich übrigens prächtige Paare befanden. Unter den sonstigen Taubenrassen, welche aus der Berbandsauestellung vertreten waren, sind die Brieftauben erwähnenswert, und zwar besonders deswillen, weil die vielen Brieftaubenzüchter aus Gießen, die anerkanntermaßen über sehr gute Tiere verfügen, nicht ausgestellt hatten. Tie nächste Verbandsausstellung roirb, wie wir hören, im Jahre 1903 in Verbindung mit der dann in Gießen geplanten großen landwirtschaftlichen Ausstellung stattfinden. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, die Ansicht zahlreicher Geflügelzüchter in der Provinz betreffs der Prämiierung auf den Verbandsausstellungen Ausdruck zu geben. Es besteht unter den Züchtern b*r Wunsch — der übrigens in den verschiedenen Verdand^'itzungen leider bisher vergeblich geäußert worden ist — man möge bei diesen Ausstellungen das Preisrichteramt an Männer übertragen, die außerhall) Ob er Hessens wohnen, die also mit den einzelnen Aus stellern nullt persönlich bekannt sind. (&. ist damit die Gewähr geboten, daß das zur Ausstellung gebrachte Geflügel streng unparteiisck prämiiert wird, und wer dann Mit seinen Zuchtresultaten bei der Prämiierung zu kurz kommt, kann nicht, wie dies jcnt thatsächlich bei jed ?luS- steUung vorkommt, sich dem Mißtrauen hingeben. 3>U Bekämpfung des Mädchenhandels. Frankfurt a TL, 8. Oft. Tie Verhandlungen deS zweiten Kongresses zur internationalen Bekämpfung deS Mädchenhandels nahmen heute früh ihren Anfang. Graf Bernstorff übernahm den Vorsitz. Am Vorstands tisch nahmen u. a. ferner Platz: Senator BSrenger-PariS, Percy William Bunting-England, Senator Saburoff-Rußland, de Meuron-Schweiz, Ingenieur Tr. Turin-Italien, Pfarrer Burckhardt-Berlin, Mortensen-Kv- penhagen, Unterstaatssekretar a. D- Prof. Dr. von Mayr- München, Oberbürgermeister Tr. AdickeS, sowie Frau Prof Michelet-Norwegen und Anna de Ho geiürorf-Holland. Ten Tätigkeitsbericht deS internationalen Bureaus und des englische Nationalkomitees erstattete Wm. Alex. Co o t e-London. Der Bericht erwähnt die günstige Wirkung der internationalen Konferenz zu Paris am 15. Juli d. I. und geht dann auf einzelne Fälle von Mädchenhandel ein. Ein neues Nationalkomitee ist in Spanien gegründet worden, in Argentinien gelang dies bisher nicht. Redner empfahl schließlich Anträge zur Annahme, nach denen u. a die Polizei des Landes, in welchem ein Mann oder eine Frau in Begleitung junger Frauen angetroffen wird, offenbar für den Zweck, sie in ein fremdes Land zu führen, angeblich, um sie in Stellungen zu plazieren, die Macht haben soll, den Mann oder die Frau zu zwingen, ein Zeugnis seines ober ihres Vorlebens abzulegen, und ihnen die Verpflichtung aufzuerlegen, gesetzlich zu beweisen, daß sie mit der Führung eines achtbaren Gewerbes beschäftigt sind. Weller sprachen für Belgien B e l l e r o ch e, für Dänemark Morten sen - Kopenhagen. Beide National - Vereine waren eifrig thätig. Propst Freiherr v. d. Goltz-Berlin sprach für das deutsche Nallonallomitee. Er betonte die Tntroenoigleit der Zusammenarbeit von Behörden und Vereinen und der Organisation. Tie Schaffung eines Bureaus mit tüchtiger Leitung und Hilfskräften werde viel nützen. Tas französische Nationalkomitee vertrat Frd. Dr eyf us-Paris. Die Franzosen bemühen sich um Ueberwachung der Häfen und der Grenzstationen nach Spanien und klären viel durch Veröffentlichungen auf. Im weiteren Verlaufe der heutigen Verhandlungen des zweiten Kongresses zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels sprachen Herr und Frau Dr. Turin für Italien. Die Propaganda erstreckte sich auf 8000 Gemeinden. Für Holland referierte Gräfin von Ho gendor f, für Norwegen Frau Prof. Michelet, für Ungarn Frau Malwine Fuchs, für Rußland Senator Saburvff, der hauptsächlich die Bestrebungen der russischen Frauenschutzgesellschaft schildert. Für Schweden referiert Clara Wahlström, für die Schweiz d e Meuron. Spanien vertrat Quigo. Der Präsident des Reichsversicherungsamtes Gäbel, hebt die Notwendigkeit praktischer Mrbett hervor. In den Gefängnissen müßten gebildete Frauen und Mädchen die Aufsicht führen. Frau Sh eld o n-Amo s-London unterstützt die Anträge Coote, die den einzelnen Komitees zur Erwägung überwiesen wurden. Sic. Weber spricht über Maßnahmen an den Grenzen. Kriminalkommissar v. Treskow-Berlin sagt, die gemeinsame Arbell der Polizei und des deutschen Nationalkomitees haben schon gute Erfolge gehabt. Reichstags abg. Cah ens ly-Limburg schildert die Thätigkeit des RasaelsvereinS. An der weiteren Diskussion beteiligten such noch Frl. Heymann-Hamburg, Pfarrer Burckhardt-Berlin. Tie Debatte wurde dann geschlossen und die Absendung folgenden Telegramms an die Kaiserin beschlossen: „Ew. Majestät bittet der hier tagende -welle Kongreß seinen ehrfurchtsvollsten Dank für die Förderung der ernsten Arbell zur Rettung und Wahrung vieler Töchter des Volkes entgegennehmen zu wollen." Ferner wurde beschlossen, den Prinzessinnen Ludwig Ferdinand von Bayern, Olga von Oldenburg, Helene von Sachsen-Altenburg und einer spanischen Prinzessin den Tank für ihre Mitarbeit auSzusprecyen. Damit schloß die Vormittagssitzung. In der Nachmittagssitzung verzeichnete die Teilnehmerliste 260 Namen. Den Vorsitz führte der Earl of Aberdeen. Dieser schlug die Absendung folgenden Telegramms an bie französische Regierung vor: „Der Kongreß übermittelt ber französischen Regierung ben besten Tank bafür, daß sie die Konferenz der offiziellen Regierungsvertreter im Juli 1902 einberufen hat Er hofft zuversichtlich, baß bie Beschlüsse ber Konferenz in möglichst kurzer Zeit bestätigt unb ausgeführt werben mögen. Sobann referierte Senator Geren ger-Paris über bie „Aufgabe ber Regierungen in ber Bekämpfung des Mädchenhandels." Ter Dllidchenhandel als internationales Verbrechen könne nur durch gemeinsam von ben Regierungen unternommene Maßnahmen zur befinitihen Feststellung bes Thatbestanbes unb Bestrafung unterbrückt werben. Rebner bespricht bie Beschlüsse ber Pariser Konferenz. Tie Definition bes Londoner Kongresses machte das Vorhandensein des Verbrechens sowohl in Bezug auf minderjährige als volljährige Mädchen ober Frauen abhängig von ber Anwenbung von Zwangs- ober Betrugsmitteln. Die französische Regierung schlug vor, bie Minber- jährigen im Hinblick auf ihre eigene Schwäche zu schützen. Tie Besttafung ber Zurückhaltung in einem öffentlichen Hause tonnte nicht burch eine internationale Vereinbarung erzielt werben. Tie Konferenz hat erklärt, baß sie sich jedes Eingriffes in die diesbezüglich bestehenden Gesetz- gehungen enthalten wolle. Tas Pariser Abkommen ist von Delegierten der Regierungen von Deutschland, Oesterreich, Großbritannien, Belgien, Brasilien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien, Norwegen, Niederlande, Portugal, Schweiz, Rußland und Schweden unterzeichnet worden. Unterstaatssekretär Prvf. Dr. v. Mayr-München begründet den Antrag, 1. des deutschen Nationalkomitees betr. die Revision der Strafgesetzbücher. Der Vorsitzende empfiehlt Ueberweisung der Anträge von Mayr an bie verschiedenen Nationalkomitees. Cberrabbiner Werner- Müncyen macht Vorschläge zur strengeren Besttafung des Versuches des Verkaufs eines Mädchens. Ter Vorschlag Verengers, baß der Kongreß den von der Konferenz gefaßten Beschlüssen beipflichten sott unb ben Regierungen, welche baran teilgenommen haben, der Ausdruck ber Dankbarkeit übermittelt werben sott, wird ange- Kriminalpollzei hielt unter ihren alten Bekannten Umschau, wer wohl ber Thäter sein könnte. Ter erste Verdacht richtete sich gegen ben Einbrecher Schütte, der aber nicht ge- funben werben konnte. Ta entdeckte man einen „Baron von Möllendorf", ber sich eine prächtige Wohnung eingerichtet hatte unb von bem niemand sagen Konnte, wovon er lebte. Ta ber Baron eine ausfallende Aehnlichkell mit bem verschwundenen Schütte auswieS, so wurde er auf Schritt unb Tritt scharf beobachtet. Ta zeigte sich benn, daß er einige kostbare Sachen versetzte unb daß er in Verbindung stand mit einem Herrn „Oskar v. B e r ^e n", der mit seiner Geliebten Lona Hildebrandt in AauS und BrauS lebte. Herr „v. Bergen", in dem bald ein mehrfach vorbestrafter Einbrecher Moritz ^Goldbart festgestellt wurde, war augenblicklich mit seinem Schwager Moritz Kasselkraut verreist. Lona, die er allein zurückgelassen hatte, wußte mitzuteilen, daß ihr Freundchen v. Bergen nach Leipzia und Hamburg gefahren sei. Währenddessen »ertrieb sie sich die Zeit tagsüber in der Friedrichsttaße und nachts in Cafes. Tabec stach sie alle Rivalinnen durch die Kostbarkeit ihres Schmuckes aus. Ihr Oskar hatte ihr echte Brillanten verehrt, Brillanten ans ber Liebermannschen Pfandleihe. Tann kam ein Telegramm aus am bürg. Os'ar fragte feine Lona: „Kann cch kommen ober haben sie Lampen?" Diese Tevesche erhielt aber nicht Sona, sondern die Kriminalpolizei. Sie telegraphierte Herrn v. Bergen zurück: „Jtomm, haben keine Lampen!" Ahnungslos tarn Herr v. Bergen wieder nach Berlin, nachdem er mit seinem Schwager seinen Anteil an ber Liebermannschen Beute in Leipzig und Hamburg zum größten Teil versetzt hatte. Tie Kriminalpolizei ließ ihn ruhig nach Hauie gehen, nur baß ihm einige Beamte auf bem Fuße folgten. Dasselbe Gelell erhielt Kasselkraut nach seiner Wohnung. Lona war zwar etwas überrascht, boch aber hocherfreut, ihren Oskar so bald wiederzusehen unl> noch dazu mit so viel Geld! Bevor sie aber noch dazu kam, ihn zu fragen, weshalb er schon so früh gekommen fei, fand das Wiedersehen eine unangenehme Storung. ,^err v. Bergen" wurde unverzüglich nach dem Polizeipräsidium geholt, und Sona mußte ihm folgen. Tort sanden sich zur selben Zeit aud) die Herren d. Möllendorf alias Heinz Schütte unb Moritz Kasselkraut auf befonbere Einlabung ein. Tie Herrschaften wollten von einem Einbruch bei Siebermann nichts wissen, als was in ben Zeitungen stehe. Als man ihnen jedoch bie unterdessen beschlagnahmten Kostbarkeiten zeigte, gaben sie schließlich klein bei. Goldbart unb seinem Schwager wurden das bare Geld und die Pfandscheine abgenommen. Ein Teil der Wertsachen aber wollte nicht zum Vorschein kommen. Erst auf Zureden des verhörenden Kriminalkommissars gab Schütte das Versteck an. Er hatte einen Teil seiner Beute im Tiergarten vergraben. Kriminalbeamte fuhren mit ihm hinaus und fanden die Kostbarkellen an der bezeichnete^ Stelle. Schütte gestand auch, bei wiederholten Einkäufen in der Pfandleihe den Einbruch ausbaldowert und bann mit seinen beiden Freunden den Plan näher ausgearbellet zu haben. Tie ganze Gesellschaft wurde dem Untersuchung-, richter zugeführt. *EinesensationelleVerbaftung. Aus Hamburg wird berichtet: Ter österreichtsche Reiteroffizier unb Sportsman Graf Arthur von K, ber nach Hinta> lassung großer Schulden mit ber Gräfin F. aus Wie» verschwaub, wurde gestern hier wegen Betrugs verhaftet. Der Graf hatte sich als gewöhnlicher Mattos« aus einem hiesigen Schiffe anwerben lassen und die erhaltene Heuernote bei einem Händler für gekaufte Kleidung rn.Zahlung gegeben, ohne den Dienst auf bem Schiffe anzutreten. ♦ Die Siebe für's Exotische. Seit drei Tage» wird bie Gattin des Buchhalters Wolff in Berlin vermißt. Gewisse Umstände deuten darauf hin, daß Frau Molff sich freimütig von Hause entfernt hat, um sich gLiz- lich ihrem Geliebten, einem — Neger — widmen zu können. Ihr Gatte ist in einem Engroshause beschäftigt, in welchem auch ein aus Ostafrika stammender Neger, Josua, angestellt ist. Gelegentlich einer Feier, die der Chef des Hauses gab, machte Frau Wolff die Bekanntschaft deS Josua, ber ihr den ganzen Abend Gesellschaft leistete. Bon da an schrieben sich der 28jährige Josua und bie 40jahrige Frau Wolff Ansichtskarten, und der schwarze sprach auch, wenn sein Weg ihn gerade vorüberführte, in der W.'schen Wohnung vor. Tonnerstag mittag, als W. aus bem Geschäft nach Hause kam, fand er seine Wohnung verwaist. Auf bem Tische lag ein Brief, in welchem Frau Wolff bittet, nicht nach ihr zu forschen, da sie mit ihrem Manne nicht mehr zusammenleben könne. W. stellte fest, daß feine Gattin Wäsche, Kleider und ein Sparkassenbuch über 8OQ Mark mitgenommen hatte. Seit derselben Zell ist Josua ebenfalls verschwunden, auch er hat Wäsche und einen Anzug in einem Koffer mitgenommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. *6 Oktober ■e 5$ 5 ÖD sw. NE. NNE. 8“ 9“ 7” E £ 8. 8. 9. Höchste Temperatur am 7.-8. Oktober Niedrigste , , 7.-8. , i 745,6 13,7 7,9 68 747,1 5,5 6,2 93 747,2 4,4 5,9 96 V s 11____ 2 Sonnenschein 2 n ernt;. Himmel 2 Nebel 18,8 K). 2,7' C. i ■ ■ nur direkt! — schwarz, Henneberg-Seide w Franko u. schon verzollt ins Haus geliefert. Reiche Musterauswahl umgehend. Seiden- fabrik Henneberg, Zürich. 7056 Aus dem Gcschäftsletren. nommen. — LimouSbrot. Im Simonsbrot beoegnen wir einer Er» findung, welche bereits in allen Großstädten Einführung fand. Die Neuheit beruht in der Eigenart der Teigbereitung. Es wird die noch unvermahlene Fruchl (Roggen oder Weizen- nach tüchtigem Waschen gequellt und eru dann gemahlen und zu Teig oerarbeuet. Sauerieig roirö nicht hinmgesetzt, sondern Eigengahrung ab» .. . geroartcr, worauf in altdeutschem Ofen das Brot einer langen Bact- ^Ji?rinilu]i£d. I zeit nmerworfen wird. Es werden für das Brot bie Vorgänge in . _ . _ . ö 3 , rjr Anspruch genommen, ganz besonders nahrhaft und bekömmlrch zu Ein Kriminalroman. Aus ber —iebermannschcn |Cln# darin alle Nädrjalze und aller Kleber der Frucht tat» Pfandleihe in Ber! ' n wurden vor einigen Tagen 15 000 Lallen und durch bai Malzocrsahren total aufgeschlossen sind. — 2)uarf, Goldsaöheu und uctzondcrs Brillanten gefloßen. Tie, Im übrigen verweisen wir auf den Annoncenteü unseres Blattes Frau Scheren- Tresden ist für Aufhebung der öffentlichen Häufer, das sei das einzige Mittel zur Abhllfe. Damit schloß bie Sitzung, der auch der bekannte französische Polizei-Präfett Löpine beiwohnte. 7067 von 90 Psg. an per Pfund und höher. LS nur amerikanisches Petroleum führen. 6978 Srße Gießener ZlhMbeMMI Schlotzgafse 5. Wolkengafie 20, K.Weidig. 6948 75 bis 7.— Johannes Hecker Nm in Paketen Die beete Würze aller Suppen und Speisen ist und 0 lrtSt ituugeu Mer 7074 04448 Gießen, den 8. Oktober 1902. Ladeneingang Schlossgasse. 11 Kirchenplatz 11. Eigene Metalldreherei und Armatnrenfabrikation. Fr. Kraft, Rechtsmck Lanolin i 7059 wird garantiert dort* dH L < MAGGI 1. 2. 3. 4. 5. In assen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschaflen eryälttich. r c e. o 3 Z Saaistagabend 6$ W geschlossen. Mathilde Nachmann, LaWosilcatze 6 hL-uptlehrer. Für den AuffichtSrat: C. RingShausen, Vorsitzender. Ich zeige hierdurch an, daß ich meinen Wohnort nach Büdingen verlegt habe. Acsohtt schnell, gut «nd billig. MM- Anfertigung nach Miass. 6292 Die Schulleitung: Höhn, Großh. Hauptlehrer. im SchützenhauS. Tagesordnung: Berichterstattung. Rechnungsablage. Vorstandswahl. Wrnterfestlichkeiten. Verschiedenes. Ä «fc « x UTib einen w Deutsch-Amerikanische Petroleum' Gesellschaft Herren-Hakenstiefel, Kalbleder Ml. 8.50 bis 15.— Nebenstehendes Plakat kennzeichnet diejenigen Geschäfte, welche Erstlllstze Lcbciismrstchemg sucht in besseren Kreisen gewandte Persönlichkeit zur diskreten Vermittelung guter Geschäftsabschlüsse. Hohe Provisionen und bei dauerndem Erfolg außerordentliche Nebenbezüge gewährleistet. Offerten bittet man unter Nr. 04444 an die Geschäftsstelle d. Bl. gelangen zu lassen. Sfitringerär Zimmermann, Bahnhofstraße 42, 11. J. H. Fuhr, Toaneaftaße 25. NB. StriLen von Strümpfen, A-cke« etc. wird vUkigst veforgt. —. 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MW Femmhr SamStag, den LL Oktober d. F. im Aestsaale des gafö Jeiß: Feier des lHahr.LtistllllgWs verbunden mit Theater und TanzunterhaStung- ««saug 8 Uhr. Der Vorstand. Nur Mitglieder und eingeladen« Gäste gegen Vorzeigung der Karten haben Zutritt.6949 w ssS VZ "SÄ und askoch- und Bade-Apparate Lyras, Lustres, Ampeln, Kronen modernen Stils Schirme, Tulpen, Cyllnder, Blaoker und Stifte. Glühstrümpfe M haltbare und von höchster Leuchtkraft I. Qual. pr. 8t. 45 , pr. Dizd. 4.80 JL, pr. 100 8t. 86 JL LL „ „ 35^, „ 3.60 ,, 28 JL Wasserleitungsartikel, Closets Elektrische Klingeln, Telephone, Feuermelder. Komplette Anlagen unter Garantie. Beparaturen. 5865 Carl Graf, Giessen 2 SoNNLNsU 2 steoch-p'^ 2 W Mtierte Wotanaj von S bis 4 Zimmer«, Küche und Zubehör für ea. 6 Monatt per sofort gesucht. Offerten mit Preisangabe zu richten an Henkers MeitWLoda, 6275 bestes u- billigstes Waschpulver Wnr7A Original-Fläschchen zu WUrZiVe 8o Pfg. werden für 25 Pfg., die zu 65 Psg. für 45 Pfg. und die zu Mk. 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I. im Stadtkuabeufchulhaufe an Rordaulage beginnt und yon genanntem Tage an wöchentlich nvetmal abgehalten wird. , Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche oLhrend der letzten drei Jahre auS der Volksschule entlassen wur- tit, sowie die Schüler deS Gymnasiums. Realgymnasiums, Ober- erllschulen, Realschulen und höheren Bürgerschulen, welche nach lltlauf des achten Schuljahres austreten ohne mindestens ein Jahr acg der Obertertia angehört zu haben und sich hier aufhallen. (U haben sich etruustnden: Montag de« 18. Oktober, nachmittags 2 Uhr, M schulpflichtigen ^ufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische ' $ Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, it-olographen, Graveure, Lithographen, Mechanller, Maler, nackterer, ßriseure, Metzger, Kellner, Ausläufer, Gärtner. In dieser Gruppe findet der Unterricht MontagS von 2 bis i Ihr «nd Donnerstags von 2 bis 4 Uhr statt. Montag den 18. Oktober, nachmittags 5 Uhr, ith schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, tpengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder und alle bnrftaen Bauhandwerker. In dieser Gruppe findet der Unterricht MontagS vo« 5 biS I Lhr nnd Donnerstags von 4 bis 7 Uhr statt. Dienstag den 14. Oktober, nachmittags 5 Uhr, iüm schulpflichtigen Bäcker, Schneider, Schuhmacher, Sattler, Tape- ptner, Wagner, Schmiede, Fabrikarbeiter und alle übrigen Schul- :fl ichtigen, deren Unterricht Dienstags von 5 bis 7 Uhr nnd zr-titagS von 4 bis 7 Ubr stallfindet. Außerdem haben dieienigen Schüler der Nachbargemeinden, vr Iche abends in ihren HeimatSort zur^ickkehren. aber zum Besuche k; hiesigen Fortbildungsschule angemeldet worden sind, sich Mitt» vo»chofstr.l7,p. Snftitut «ol|;»Söää: vinj. u.Prim.-Examen. Grdl. AuSb.i. Franzm.Engl.v.Nat.-Lehr. Pension. Pr. gr. Dir. H. Boltz. Frisier & Rossmann, Mondlos & Co., Gritzner.