Nr. 811 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Sesstschen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Untvers.-Buch- u.Stein- druckerei lPtetsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. vdresie für Depeschenr «n-etger Gießen. Fernsprrchanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 158. Jahrgang Dienstag S. September IVOS Sietzener Anzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezngSpretSr monatlich 7b Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.—viertel- iährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und Cantr und .Gerichtssaal*: Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Nie heutig« Mmmcr umfaßt 8 Seiten. Ans Stadt und Zand. Gießen, 9. September 1902. VlitteiKmgeu aus dem Publikum werden gern entgegengenommen und angemessen honoriert. 1s. Universitäts-Neubauten. An der Frankfurterstraße gegenüber der Gärtnerei Bernhardt wird für den KltnikSgärtner ein neues Wohngebäude errichtet. •* Auf denr Braun st einwerk vorm. Fernie geht das Wohngebäude des Direktors seiner Vollendung entgegen. ES ist ein Prachtbau im Barockstil mit Kellergeschoß, zwei Stockwerken, Mansardenstock, zwei Verandas und einem Aus- sichtSturm und enthält etwa 25 Räume. Es ist mit allen Bequemlichkeiten versehen: eigene Wasserleitung, Dampfheizung und elektrisches Licht. Ende Oktober wird es zum Bewohnen fertig sein. m. Das Cementwarenlager Gutmann an der Frankfurterstraße hat dieser Tage ebenfalls Anschluß an die elektrische Leitung erhalten. ** Der bergmännische Verein für Gießen und Umgegend feierte am 6. d. M. sein diesjähriges Stiftungsfest unter zahlreicher Beteiligung von Damen und Herren aus der Nähe und Ferne durch eine Besichtigung der Gabriel'schen Lahnkalk- und Marmorwerke nebst Tampf- ziegelei und durch nachfolgendes gemütliches Zusammensein in der Restauration „Abendstern". Unter der fachmännischen Führung des liebenswürdigen Besitzers, A. Gabriel, der den Verein aufs herzlichste eingelaoen und auch in zuvorkommendster Weise alle Vorbereitungen für das Fest übernommen hatte, fand zuerst ein Rundgang durch die Gesamtanlage statt, die mit zu den größten des Lahn- thaleS gehört und infolge der Vorzüglichkeit ihrer Produkte mit jedem Jahre an Ausdehnung gewinnt. Tas Werk beschäftigt ca. 70 Arbeiter und werden jährlich 1500 Waggons ä 10000 Kgr. Rohkalksteine aus den ca. 3 Km. entfernten, unerschöpflichen Steinbrüchen zu verschiedenen gewerblichen und landwirtschaftlichen Zwecken sowie 300 Waggons Rohkalk für Terrazzo- und Kunststeine verarbeitet. Letztere kommen ihrer verschiedenen Vorzüge wegen immer mehr zur Drwerrdung. Tie Dampfziegelei liefert jedes Jahr mehr als iy8 Million Ziegelsteine von ausgezeichneter Güte. — Die Festteilnehmer hatten bei diesem Ruiio- gange und durch die von dem liebenswürdigen Führer gegebenen Erläuterungen Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, daß das Werk in allen seinen Anlagen und Maschinen aufs praktischste und zweckmäßigste eingerichtet ist. Das Gabriel'sche Werk ist auch ein Beweis dafür, wie bei zweckmäßiger Gewinnung und Betriebseinrichtung die im Schoße der Erde liegenden Naturschätze ebenso gut wie die über der Erde wachsenden landwirtschaftlichen Produkte zum Nationalwohlstand beitragen und vielen Leuten Arbeit und Verdienst geben können. Auch für Einrichtungen zum Wohle seiner Arbeiter hat der Besitzer in sehr anerkennenswerter Weise gesorgt Sehr befriedigt von der Besichtigung der Anlagen folgte man alsdann gerne der Einladung in das dem Werk gegenüber liegende Restaurant Abendstern. Nach einem Imbiß verlebte man bei Gesang und Musik, humoristischen Ansprachen und Toasten einige sehr frohe Stunden. Die Verlesung von Begrüßungstelegrammen auswärtiger Mitglieder, deren Festesgrüße man sofort erwiderte, fand großen Beifall. Aus dem Herzen gesprochen waren allen Anwesenden auch die Worte des Vereinsvorsitzenden Direktors Marr, der Herrn Gabriel für die Besichtigung seines Werks und die festlichen Arrangements den wärmsten Tank auSfprach. Zum Schluß wurde noch flott getanzt, bis, leider viel zu früh, „Bieberlieschen" durch pünktliche Abfahrt dem Vergnügen ein Ende machte. *ö HessischeHandwerks kämme r. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Im Verlage der Karniner ist soeben ein „Leitfaden zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung rm Handwerk" erschienen. Ter Handwerker, der das Recht zur Führung des Meistertitels erwerben will, muß u. a. die Meisterprüfung bestanden haben. Tiefe Prüfung soll nach der Gewerbeordnung den Nachweis erbringen, daß der Handwerker die zum Betriebe seines Handwerks notwendigen Kenntnisse besitzt. Tie nähere Bezeichnung der Prüfungsgegenstände und des Umfangs der Prüfung hat durch die von den Handwerkskammern zu erlassenden Prüfungsordnungen zu erfolgen. Tie von der Handwerkskammer zu Tarmstadt erlassene Prüfungsordnung schreibt vor, daß sich der theoretische Teil der Meisterprüfung, abgesehen von den für jedes einzelne Handwerk nachzuweisenden Fachkenntnissen, auch die Kenntnis der einfachen Buch- und Rechnungsführung, auf die allgemeinen Grundsätze des Wechselrechts und die Hauptbestimmungen der Gewerbeordnung und der Arbeiterver- ficherungsgesetze, soweit sie den Handwerker berühren, zu erstrecken habe. Von der Erwägung geleitet, daß man dem Handwerker nicht zumuten kann, aus den größtenteils recht schwierigen Gesetzen und Materien den Vorbereitungsstoff für die Meisterprüfung sich selbst herauszuschälen und zu- lammenzutragen, daß man ihm vielmehr die Möglichkeit gewähren muß, die nachzuweisenden Kenntnisse auf die leichteste Art sich anzueignen, hat sich die Handwerkskammer zu Tarmstadt zur Herausgabe dieses Merkchens entschlossen. Ta es, wie erwähnt, nur den Zweck verfolgt, diejenigen allgemeinen Kenntnisse kurz zusammenzustellen, die von dem Handwerker in der Meisterprüfung nachzuweisen sind, kann dasselbe keinen Anspruch darauf erheben, den behandelten Stoff vollständig zu erschöpfen. Im Gegenteil war man bei seiner Abfassung bemüht, über Einzelheiten, die für den Handwerker nur geringe Bedeutung haben, hinwegzugehen. Andererseits musste man aber doch wieder vermeiden, den Lernstoff allzu knapp zu behandeln und darzustellen, um nicht das Verständnis desselben, zum Schaden der Lernenden, zu beeinträchtigen. Wird der Prüfling mit den Hauptbestimmungen der einzelnen Abschnitte genau vertraut, so wird dies für eine erfolgreiche Ablegung dieses Teiles der Meisterprüfung wohl genügen. Tas Merkchen kann zum Preise von 0.75 Mk. von dem Sekretariate der Kammer zu Tarmstadt, Kiesstraße 133, bezogen werden. ** Der Hessische Landes-Lehrerverein wird seinem Obmann, Oberlehrer Backes aus Tarmstadt, aus Anlaß seiner zwanzigjährigen verdienstvollen Leitung des Vereins eine besondere Ehrung zu teil werden lassen. Der Vorschlag, ein Bild des Obmanns herstellen zu lassen, hat unter den Lehrern Hessens große Zustimmung gefunden, so daß die Ausführung des Planes durch die bereits sehr zahlreichen Bestellungen gesichert ist. (Preis des einzelnen Bildes 4 Mk.) Es soll ferner eine „Backes-Stiftung" ins Leben gerufen werden und zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken im Interesse des Lehrerstandes Verwendung finden. *♦ Herbstpferdemarkt. Die Anmeldungen zum Markte und zur Prämiierung sind überaus zahlreich eingelaufen und werden namentlich in Arbeitspferden vorzügliche Qualitäten der Kommission vorgeführt werden; auch von im Privatbesitz befindlichen Pferden sind in den verschiedensten Abteilungen Reit-, Wagenpferde, sowie Arbeitsschläge, angemeldet. Für die zum Markt gebrachten Pferde und Fohlen beginnt die Prämiierung früh 8y2 Uhr, für die im Privatbesitz befindlichen Pferde gegen 11 Uhr. Für die Zuschauer ist diesmal ein abgesperrter gefahrloser Platz mit direktem Zugang von der Rodheimer- straße (hinter dem Schlachthause) reserviert. Von und nach dem Bahnhof wird ein regelmäßiger Omnibusverkehr zu allen ankommenden und abgehenden Zügen eingerichtet. — Nach stattgehabter Preisverteilung findet ein gemeinschaftliches Mittagessen um U/s Uhr im Hotel „Zum Großherzog von Hessen" statt, zu welchem Anmeldungen ebendaselbst noch Mittwoch früh erfolgen können. )( Landtagswahlen. Aus Grünberg wird uns geschrieben: Die Parteien beginnen anläßlich der demnächst stattfindenden Landtags Neuwahl im Wahlkreis Grünberg-Allendorf a. Lumda bereits eine rege Agitation. Wählerversammlungen werden überall angezeigt. Besonders rührig scheinen die Antisemiten mit ihrem Kandidaten Hirschel-Offenbach ans Werk zu gehen. Doch dürfte letzterer kaum Aussicht auf Erfolg haben. ** Wichtig für die eintretenden Rekruten. Tie im nächsten Monat zum Militär eintretenden Personen, die der Jnvaliditäts-Versicherungspflicht unterliegen, werden darauf hingewiesen, daß nach dem neuen, am 1. Januar 1900 in Kraft getretenen Jnvalidenversicherungsgesetze vom 13. Juli 1899 die Quittungskarte nur eine Giltigkeitsdauer von 2 Jahren, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, hat. Vielfach wird die Bestimmung des § 135 genannten Gesetzes noch nicht genügend beachtet. Diese lautet, daß eine Karte, falls sie nicht innerhalb zweier Jahre vom Tage der Ausübung an gerechnet, der betr. Polizeibehörde zum Umtausch oder zur Verlängerung vorgelegt wird, chre Giltigkeit verliert. Tie zum Militär eintretenden Personen thun gut, ihre Invalid entarte vor dem Eintritt aus den Stadt- oder Amtsbureaus abzugeben. Nach ihrer Entlassung vom Militär erhalten sie dann eine neue Karts. ** Zur Warnung für Arbeits-Invalide fei daraus hingewiesen, daß in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 184 Anträge um Bewilligung einer Invalidenrente von der Lanüesversicherungsanstalt abgelehnt wurden. Von den Antragstellern konnten 59 die Wartezeit von mindestens 200 Wochen nicht nachweisen, 78 mußten abschläglich be- schieden werden, weil bei ihnen noch nicht Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes vorlag. Bei weiteren 15 war die Erwerbsunfähigkeit durch einen Zufall herbei- gesührt, schließlich hatten 28 zwar genügende Beitraas- wochen nachgewiesen (geklebt), von denen aber wegen des Erlöschens der Anwartschaft so viele ungiltig wurden, daß der Rest zur Erfüllung nicht ausreichte und ihnen deshalb eine Rente nicht zugesprochen werden konnte. **Der infolge derEinführungneuerPost- wertzeichen am 1. April notwendig gewordene Umtausch der alten, außer Kurs gesetzten, der vom 20. März bis 30. Juni d- I. gestattet war, ist bei den Postanstalten des Reichspostgebietes äußerst rege getvesen. Nach der „D. Verk.-Ztg." sind insgesamt 40 000 000 Stück im Werte von 2 750 000 Mk., und zwar zum großen Teil in den ersten Tagen des April, umgetauscht worden. Bemerkenswert ist, daß sich darunter von den seit mehr als zwei Jahren postseitig nicht mehr ausgegebenen Reichsvostwertzeichen im Reichspostgebiet für 178655 Mk. und in Württemberg für 2000 Mk. befunden haben. Mit anderen Worten, es hat ein Kapital von rund 180 000 Mk. mehr als zwei Jahre lang iv Adlerwertzeichen sestgelegen. ** Gerste- undHopfen-Ausstellung inBer- l i n. Der hessische Landwirtschastsrat teilt uns mit, daß er den Anmeldeschlußtermin für die Beschickung der „Gerste- und Hopsenausstellung zu Berlin" auf den 16. d. M. verlegt hat. Anmeldungen und Proben müssen jedoch bis zu diesem Tage bereits an die Adresse des hessischen Landwirtschaftsrats gelangt sein. Bisher scheint die Beteiligung an dieser Ausstellung nur weniger rege zu sein als in den früheren Jahren. ** Mangel an Zehnmarkstücken. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben beschlossen, beim Staatssekretär des Reichsschatzamts wegen vermehrter Aus- I beide in diesem Wei einander nichts nach! Trotz des Glanzes und der Herrlichkeit dieser schwellen- Wettstreit um Lieblichkeit und Reichtum! und an seine endliche Wiederkehr konnten auch die zahlreichen Betrüger und Narren nicht erschüttern, die nach- I einander auf trat en^ um die Rolle des Idols des deutschen Aus Barbarossas Aeich. Kyffhäuser, 3. Sept. Eine schönere Jahreszeit, um die Herrlichkeit des Kyff- häusers zu würdigen, als die jetzige, und ein köstlicherer Tag als oer gestrige, lassen sich nicht denken. Es ist immer noch Erntezeit, da das Einbringen des Kornes sich verspätet hat. In dem goldgelben Kranze, der sich rings tm Kreise um den Fuß des blaudunklen Kyfshäusergebirges legt, ist es lebendig von Schnittern und Garbenbindern, von Wagen und Pferden, von geschürzten Mädchen, von spielenden Kindern! Ueberall ist der Landmann mit den Seinigen dabei, den goldenen Schatz der Felder zu heben und zu bergen. Ueber diesen Werken gesegneten Friedens reckt sich das Kriegerdenkmal, ein Sinnbild der Beruhigung und Sicherheit, hoch in die Lüfte. Ueber ihm blaut das Meer des wolkenlosen Himmels, und erwärmend und silberleuchtend strahlt die Sonne. Tas Kysshäusergebirge hat infolge seiner geringen Ausdehnung eine g.anz besondere Eigenheit: Tas Auge kann es als ein Ganzes erfassen; als eine bewaldete Felsinsel- die in einer goldenen See schwimmt; als ein grünes Bijou auf goldener Schüssel. Diese Schüssel denke man sich wieder in Moos und Steinen gebettet, die herumlagernden Gebirge illustrierend; den Harz aus der einen Seite, die Hainleite auf der anderen. Ten Bewohnern der Nord- iliederung, des lachenden Helmethales, zwischen Kyffhäuser und Harz, wäre diese Tarstellung ihres Landes schon ge- genehm, denn ihre Oertlein Kelbra, Berga, Roßla, Sittendorf, Tilleda nennen sich stolz in der „goldenen Aue" gelegen. Tie jenseits von Frankenhausen aber, vvn Rottleben, Thalleben u. s. f. wären damit nicht ganz einverstanden; denn sie haben, um den ersteren über zu sein, ihr Wipperchal die diamantene Aue" getauft. Nun, sie gäben den Fluren mischt sich eine Schwermut in die Lust des Anblicks. Es sind die Erinnerungen aus Geschichte und Sage, die die lichten Gefilde umwölken; die vielen tragischen Schicksale, die auf dem Kyffhäuser und seinem nächsten Umkreis sich abgespielt haben: Fürstengeschicke, Volksringen. kleinbürgerliche Drangsale uno Leiden. Obenan steht Die sagenumrauschte Gestalt Kaiser Rotbarts, der im fernen Land der Palmen einen frühzeitigen Tod fand, — der dann unter Tannen und Buchen im Bergesgeklüst schlafwachend, durch die Jahrhunderte hindurch weiter lebte, bis Deutschlands Glorie den erhabenen Zeitenwächter zur ewigen Ruhe bettete. Toch redet seine gewaltige Stimme zum Enkel noch heut aus den grauen Trümmern seiner Kaiserburg „Kusfese", die er, nach ihrer ersten Zerstörung durch Lothar von Sachsen, so herrlich hatte Wiedererstehen lassen zum Schutz seiner Pfalzen, der Königslager Tilleda und Wallhausen unten im Thal. Seinen grimmigsten Widersacher, den gewaltigen Welsenlöwen, der ihn schmählich auf der Fahrt nach Welsch land verlassen, sah dasselbe Tilleda, wenige Jahre später, an Leib und Seele gebrochen, vor dem jungen Heinrich sich beugen, .Versöhnung heischend und Versöhnung erlangend, weil eben die Sonne der Liebe und Gnade aus der Neigung zweier junger Seelen friede- bringend ausgestrahlt war, aus dem Herzensbündnis des jungen Welfenlöwen mit der Staufin Agnes, der Brnders- tochrer des verratenen Barbarossa, einem Bündnis, das zugleich die Fesseln eines anderen niedergeworfenen Löwen löste, des gefangenen Richard von England. So waltete, Rache und Segen bringend, der Geist Barbarossas weiter fort, von seinem Märchenzwinger aus, im Felsgeklüst des Kysshäuser! Den Glauben an den aewaltiLen Kaiser Barbarossa Volkes zu spielen, und die ihren Frevel mit qualvollem Tode büßen mußten. Ja, ihr Erscheinen, besonders das des letzten, der für die große Menge ebenso rätselhaft verschwand, indem die deutschen Fürsten ihn heimlich auf die Seite brachten, als er in geheimnisvoller Weise plötzlich in den Ruinen der KysfHäuserburg ausgetaucht war, bekräftigte nur die festgewurzelte Ueberzeugung, daß der vergötterte Kaiser noch immer getreu über seinem Volke wache und es einst aus Schmach und Unterdrückung erlösen werde. Jenseits, oberhalb Frankenhausens, über dem kahlen, steinigen (ÄhlachLberge, erfüllte sich das Geschick des unglücklichen Bauernbefreiers, des einstigen Hofpredigers von Allstedt, Thomas Münzer. Erfüllt von dem neuen reformatorischen Glauben, den er Hand in Hand mit Luther den deutschen Landen verkündete, das Herz geschwellt von beglückenden Ideen, hatte dieser kernige Sohn des Harzes den Beladenen der Erde auch die Freiheit des Leida» »^der der Seele zusuhren wollen. Gleichwie er befehdet, die Herren der Klostermauern ges/urzt hatte, so vermeinte er auch den Herren von der gerf’^tigen Faust, Den Gebietenden in Stadt und Land, die (Gerechtsame der Bauern abringen zu können. Ter ärmste 2Faß alle Verlangenden befriedigt werden könnten. Dazu eichten auch die Goldfelder von Transvaal nicht aus. **Vom Yeldberg, 4. Sept- Es dürste wohl wenig bekannt sein, daß der Feldberg auch in der Liste der Luftkurorte steht. Seit einer Reihe von Jahren besitzt das alte Feldberghaus nicht mehr allein das Privllegium des Wirtschaftsbetriebs, es sind ihm bekanntlich zwei' Konkurrenten erwachsen und da genügte der tägliche Fremdenverkehr nicht mehr. Der Kurbetrieb mußte ausgenommen werden. Die Sache hat sich bewährt- Eine größere Anzahl von Fremden hat sich in diesem Sommer dauernd hier oben einquartiert. Alle loben die reine Luft, die wohl- thuende Stille und die gute Verpflegung. IT Lollar, 7. Sept. Der Um- und Ausbau unseres Bahnhofs dürste vor Sommer 1903 nicht fertiggestellt sein. Es soll geplant sein, die Züge der neuen Strecke Grünberg—Londorf—Lollar nicht nach Gießen durchlaufen zu lasten. Butzbach, 8. Sept. Im hiesigen Kriegerverein wurde des Tages von Sedan sowohl in der Versammlung am Samstagabend gedacht als auch gestern vormittag in ernster kirchlich-feierlicher Weise. In der Samstags-Versammlung hiell Herr Lehrer Storch einen fesselnden und von patriotischem Geiste durch glühten Vortrag „über Rhein und Mosel". Gestern vormittag versammelte sich der Kriegerverein zu ernster kirchlicher Feier unter Mitwirkung der Regimentsrapelle der 168er. An: Kriegerdenkmal wurden nach einer Ansprache des Med.-Rats Tr. Bogt, in welcher der gefallenen Helden und Kameraden gedacht wurde, mehrere Kränze niedergelegt. — Heute morgen rückten unsere seitherigen Manövergäste zu dem nun beginnenden Brigade-Manöver aus, das sich vorerst nach Bad-Nauherm—Friedberg zu hinzieht. B. Z. -r- Blofeld b. Reichelsheim (Wetterau), 8. Sept. Unsere umgebaute, im Rohbau fertige Kirche befand sich am vergangenen Mittwoch in großer Gefahr, durch Feuer zer- stött zu werden. Auf der sehr schmalen Pfarrgasse mar Tags zuvor mit der Maschine gedroschen worden und man hatte einen großen Strohhaufen auf die schmale Gaste und auf das an derselben stehende Leiternhaus gesetzt. Nachmittags um 5 Uhr ging — durch welche Ursache ist noch nicht aufgeklätt — der Strohhaufen in Flammen auf, das Leitern- hauS verbrannte mit. Die Flammen schlugen über die Kirch- hofsmauer und setzten einige Gerüststangen in Brand. Wären dieselben nicht schnell weggerissen worden, so hätte sich das Feuer unfehlbar dem Turmgebälk mitgeteilt, das gerade an diesem Tage aufgeschlagen worden mar. Die Dorfbewohner waren auswärts mit der Grummeternte beschäftigt; auch mangelle es an Wasser, da unsere Wasserleitung nicht durch den Ort fühtt, sondern hinter dem Ort hergeht, wodurch die höher gelegenen Brunnen im Sommer versagen. Die Obstbäume in der Nähe des Brandplatzes wurden versengt und sind jetzt mit gebratenen Aepfeln und Birnen behangen. — Vielleicht giebt dieser Vorfall den Behörden Anlaß, das Dreschen auf den engen Ortsstraßen zu verbieten. Zudem werden die gepflastetten Rinnen durch die schweren selbstfahrenden Lokomobilen ruiniert. Bei der eingeleiteten Feldbereinigung könnte leicht ein geeigneter Dreschplatz im Felde vorgesehen werden. pr. Brauerschwend, 8. Sept. Ein schönes und gewiß reich gesegnetes Fest ist das Missionsfest gewesen, das das Dekanat Alsfeld gestern in unserer Gemeinde gefeiert hat. Obwohl das Wetter große Hoffnungen nicht aufkommen lassen wollte, war der Besuch doch wider Ermatten recht stark. Den Festgottesdienst begann Pfarrer Sic. Herrmann - Alsfeld um 21/, Uhr nachmittags. Missionar Fl ad aus der Baseler Mission, der 10 Jahre in China gewirkt hat, schilderte die Mission in diesem wunderbaren Lande im allgemeinen und Erlebniste aus seiner eigenen Thätigkeit. In der gegen 5 Uhr beginnenden Nachversammlung gab derselbe Missionar nach einem kurzen Begrüßungswort des Ortsgeistlichen, Pfarrers Schlösser, tm Namen des Kirchenvorstandes und des Pfarrers Sauerwein-Alsfeld im Namen des Dekanats treffliche Ausführungen über das Leben und das Arbeiten der Chinesen, über die Missionsthätigkeit, das Wachsen der Missionsgemeinden u. dgl. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte ein jeder den Worten des Redners. Den Schluß bildete eine Ansprache, die Pfarrer Stock- Ober-Brcitenbach hielt über den niederen sittlichen Stand des Lebens der selbst in hoher Kultur stehenden Heidenvölker, gab Schilderungen über Kindererziehung, über die Schwierigkeiten der Missionsarbeit und ermahnte, sich dieselbe recht angelegen sein zu lasten. Die Kollekte über 100 Mk. kam der Baseler Missionsgesellschaft zugute. 8 Langenhain, 8. Sept- Unserm Kriegerverein, der im Juli sein 25 jähriges Bestehen feierte, wurde kürzlich von dem Kaiser eine Fahnenschleife verliehen. Gestern nachmittag fand nun ihre feierliche lleberreichung durch den Kreisrat Fey von Fttedberg im Saale des Gastwirts Möckel dahier statt; bei dem Aktus war unser Ortsoorstand und der Kriegerverband vertreten. — Kürzliche Schürfungen auf dem nahen Siederhag ließen größere Erzlager ziemlich nahe an der Erdoberfläche entdecken. Offenbach, 8. Sept- Unser Hafen wird mit allen Anlagen am 15. Septemoer dem allgemeinen Betrieb übergeben werden. Tie Ladebrücken sind seit gestern fertig- gestellt; ebenso sind die Arbeiten an der Uferbahn, sowie an den Lagerplätzen der Firmen Hiller und Neubaus nunmehr beendet. — Eine eigentümliche Mißbildung am Gebiß eines Hasen, schreibt die „Offb. Ztg", wurde uns vorgezeigt. Das Tier ist auf einem Felde bei Rumpen- heim kraftlos und halbverhungert aufgefunden worden, da ihm die Nahrungsaufnahme durch eine merkwürdige Zahnverbildung sehr erschwert oder unmöglich gemacht worden ist. Die beiden unteren Schneidezähne sind etwa zwei Zoll lang bogenförmig zu aus dem Maule herausgewachsen, auch die oberen beiden Nagezähne sind überlang, so daß das arme Tier das Maul nicht mehr schließen konnte und dem Hungertode preisgegeben war. Tie interessante Abnormität ist für eine Jagdzeitschrift photographiert worden. Dieburg, 6. Sept. Ter Fall, daß jemand seine eigene Todesanzeige verschickt, dürfte wohl selten ein. Eine hiesige Frau schrieb ihren auswärts bediensteten erwachsenen Töchtern einen fingierten Brief des Inhalts, daß Frau N., die Mutter der Adressaten, plötzlich gestorben ei und an einem näher bezeichneten Tage begraben werden olle. Tie Töchter machten sich infolgedessen alsbald auf den Weg zur Vaterstadt und kamen dort in Trauerkleidung im Mutterhause an. Wer aber beschreibt ihr Staunen, als ie hier die totgeglaubte Mutter ganz wohl und munter sich entgegentreten sahen! Des Jiätsels Lösung war bald gefunden; wenigstens verstanden es die Töchter so, daß die Mutter selbst den Brief unter anderem Namen geschrieben hatte, um die Töchter zu einem Besuche zu bewegen, den sie wohl schon oft vergebens erwartet hatte. (!) Alzey, 6. Sept. Im Gefängnis gestorben ist dieser Tage ein wegen Sittlichkeitsverbrechen inhaftiert gewesener Mann von hier. Nach Begehung seiner That flüchtete er nach Amerika, kehrte dann aber freiwillig zurück und wurde vor Gericht gestellt. Diese Woche sollte ihm der Rest seiner Strafe im Gnadenwege erlassen werden; zwei Tage vor dem Entlassungstermin hat der Tod den völlig Niedergebrochenen ereilt. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. -- Gladenbach, 8. Sept. Bei der gestrigen Kirmes in dem nahen Mannshaufen a. d. Salzböde wurde ein junger Bursche aus Wommelshausen Namens Ludwig Heck durch einen tiefen Messerstich in die Seite so verletzt, daß er in der Marburger Klinik lebensgefährlich erkrankt darniederliegt. — In der Nähe von Dernbach,- auf der sog. Höhe, ging vergangene Woche ein französischer Registrierballon nieder. "Kleine Mitteilungen au8 Hessen und den Nachbarstaaten. Das 18 Monate alte Söhnchen des Landwirtes Lorenz Schuck zu Gailbach wurde von einem beladenen Steinmagen überfahren und starb nach qualvollen Stunden an den erlittenen Verletzungen. — Die Klotzfabrik Jakob Gerold zu Miltenberg wurde durch Brand zerstött. — Der Steinbrecher Maurus Straub aus Miltenberg wurde in einem Steinbruche bei Richelbach von plötzlich niederstürzenden Steinmassen verschüttet und lebensgefährlich verletzt. — Das Fuhrwerk des Frachtfuhr- manns Ernst Metzger aus Lohr stürzte in einen Steinbruch, wobei ein Pferd augenblicklich getötet wurde. Das andere Pferd und der Knecht wurden wie durch ein Wunder vom Absturze bewahrt. — Ein italienischer Arbeiter wurde bei Wernfeld von einem Zuge überfahren und in Stücke zerrissen. Der unglückliche Unbekannte hatte den Weg verfehlt. — Ein Daubholzarbeiter aus Rechtenbach brachte seiner Frau, während diese neben ihm das Abfallholz sammelte, au§ Unvorsichtigkeit mit dem Beile schwere Verletzungen im Gesichte bei. Die Nase wurde ihr vollständig abgehauen. — Der ca. 70jährige pensionierte Briefträger Raiser von Biebrich sprang gestern vormittag an den Kribben in den Rhein und wurde nachmittags bei Schierstein als Leiche gelänbet. Was den alten Mann zu dieser That bewogen hat, ist noch nicht aufgeklätt. Deutscher und Aesterreichischer Alpeirverem. Wiesbaden, 8. Sept. Wie wir gestern telegraphisch meldeten, unternahm der Alpenverein eine, von herrlichem Wetter begünstigte R h e i n f a h r t. Ueber den Verlauf derselben wird gemeldet: Tie beiden schönen Rheindampfer „Elsa" und „Lverstolz", besetzt mit Hunderten von Menschen, es mögen etwa 1000 Teilnehmer gewesen sein, gingen pünktlich zur festgesetzten Stunde ab. Den Rhein hinab ging die Fahrt bis nach St. Goarshausen. Nach einer prachtvollen Fahrt, die durch Gesang und Tanz gewürzt war, traf die „Flotte" gegen 4 Uhr in Aßmannshausen ein. Ohne Aufenthalt ging es weiter, teils zu Fuß, teils mit der Zahnradbahn, hinauf auf das Jagdschloß, und von da unter Vorantritt der Musik über die Rossel nach dem N a t i o n a l d e n k m a l, an welchem dann in weihevollster Weise eine von echt rattiotischem Geist durchwehte Handlung vor sich ging. Nachdem die Musikkapelle einen Choral gespielt, hielt der Vorsitzende der Sektion, Pfarrer Veesenmeier, ;uie Ansprache, in der er sagte: . Vor unserem geifhgen Auge entsteht wieder jene große Zeit, die wir alle miterlebt, die viele von uns miterkämpft, und für die manche aus unseren Reihen — es waren Namen von gutem Klang — ihr junges Leben zum Opfer gebracht haben. Unb auf ihre Höhe uns führen zu lassen, und uns zu erfüllen mit vaterländischem Geist und aus den Federungen kleinlichen Sinnes und engen Mißvergnügens hinauszusteigen zu den Höhen, wo des Voleks heilige Feuer glühen, das hat auch heute noch seinen Segen. Unsere Ausgabe ist, es zu erhalten. Erhalten aber kann es nur werden, wenn in uns jerfelbe Geist noch lebt, der es schuf; dieselbe Glut der Vaterlandsliebe, derselbe Lpferfinn, dieselbe freudige Hingabe um das Wohl des Ganzen. Aus allen deutschen Gauen und Stämmen zu einem Bund vereint, stehen wir hier vor dem herrlichen Bilde deutscher Heldenttaft und Volkseinheit und aus deutschen Männerherzen soll hier das Gelöbnis aufsteigen zum Himmel, das Gelöbnis der Treue für Kaiser und Reich, der Liebe für Volk und Vaterland. So wenig irgend eine Macht die im Feuerguß zu- sammengeschrnolzenen Metalle wieder trennen kann, . die auf das Geheiß des Künstlers sich zu dieser herrlichen Figur verbunden haben, so wenig soll irgend ein äußerer oder innerer Feind uns auseinanderreißen und zerspalten, das unter schweren Opfern und Stümpfen endlich geeinte Vaterland. Wie unsere Alpengipfel hoch dinausragen in des Himmelsblau aus allen Wolken, und wie machtlos abprallt an ihren Mauern des Sturmes Gewalt, so steht uns hoch über allem das Vaterland, so gehe es siegreich hervor aus allen Kämpfen der Zeit. Und auch Ihnen, liebe Herren und Freunde aus unjerm Nachbarreiche, gilt heute der Gruß der Germania: „Wißt Freunde, ob uns auch die Berge scheiden, ein jedes Volk sich friedlich selbst regiert, so sind wir eines Stammes doch unb Bluts, unb eine Mutter ift's, die uns geboren." Was einstens die harte Notwendigkeit für eine Zeit lang schied, das hat sie wieder fpäter in anderer Weise verbunden, in treuer Bund esgenossenschaft reichen Teutschlanb und Oesterreich sich die tiänbe zum Schutz und Trutz zum Werke des Friebens. Unser Verein ist ein kleines unb doch bedeutsames Abbild dieses Bundes. Tie Wurzel auch Ihrer Kraft, verehrte Herren unb Freunbe, liegen im deutschen Wesen, es sind große gemeinsame Interessen, die wir trotz aller politischer Trennung zu wahren und zu schützen haben. Sv hört die Mahnung, die die Germania dort oben Euch zuruft: „Ans.Vaterland, ans teure schließt Euch an, das hattet fest mit Eurem ganzen Herzen." Wir aber wollen antworten mit dem Gelöbnis: „Wir wollen fein em einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr." Zur Bekräftigung dieser Worte entblößet Eure Häupter und rufet mit mir, dem teuren deutschen Vaterlande ein dreifach donnergewalttges Hoch, hoch unb abermals doch!" Tie Versammlung, der große Platz vor dem Denkmal war voll gedrängt von Menschen, stimmte begeistert in den Ruf ein, der weit hin aus klang über den Rhein ström. Tie Musik intonierte sodann „Deutschland, Deutschland über alles" unb in feierlich gehobener Stimmung fangen alle Anwesenden zwei Verse des gemeinsamen deutsch enNattonal- liedes. Hierauf trat der Vorsitzende des Zentralausschusses Professor Tr. Jpsen hervor. Er dankte „hier an dieser heiligen Stätte", angesichts dieses nationalen Mekkas des deutschen Volkes der Wiesbadener Sektton, daß sie dem Verein die Möglichkeit geboten habe, Sammlung und Er- Hebung an den Stufen dieses Tenkzeichens deutscher Einheit zu suchen. Seine Rede fand tönenden Widerhall bei allen Zuhörern, die sich hierauf zum gemeinsamen Abstieg nach Rüdesheim auf den Weg machten, wo neue Genüsse ihrer harrten. Hier hatte das Weinhaus I o h. B a p t Sturm zur Kellerprobe geladen und alle alle folgten dieser freundlichen Ladung unb wohl keiner fehlte. Tie Keller- Zeit das Auge gefangen. Jetzt trat ich in den Glanz der Gegenwart binaus, auf bi. obere Plattform. Ter Anblick war übenuäliigenb, I der Eindruck großartig. IM empfand unb verstaub, als ich. von elekttischem Licht erleuchtet werden, besucht; hatte von dort die unabweisliche Ansichtskarte verschickt; war dann weiter durch die diamantene Aue nach Frankenhausen gewandert, hatte dort die Soolbäder besichtigt unb der Musik der bescheidenen Kurkapelle gelauscht; war dann am Schlachtberg vorbei quer durchs Gebirge übers Ratsfeld, dem schwarzburgischen Jagdschlößchen, in dem seinerzeit unser Kaiser als Gast geweilt, nach der herrlichen Rothenburg gezogen, von deren Nord-Terrasse man Wieder die goldene Aue unter sich liegen sieht, zu deren Südterrasse die Kysshäuserburg unb das Denkmal seitwärts herüber- grußen, währen!) das Auge sich am Anblick der Thaler und Höhen des dunklen Tannenbergs sättigt, und war dann durch tiefes Waldes'ounkel dem Endziel'zugeellt. Auch hier, auf 'dem eigentlichen 'Khsfh'äuser, hatte ich erst die alte Varbarofsaburg, die den Gipsei säumt, und den ehrwürdigen Kalfer-Frledrichturm, sowie Dfe enisi so wunderirästige Vurg- kapelle besucht und mich dann dem Denkmal zugewendet. Es hatte Entsagung gekostet, soum bas Beste und Größte herumzufchleichen. Aber der Lohn war auch einzig, die Wirkung vollständig. Noch einmal, beim Aufstieg zum Denkmal, forderte die Vergangenheit wie zu einem letzten Zu- sammcnfassen aller Hauptmomente auf: Turch Die Wölbungen hindurch ragte aus den Felsen des Unterbauet die gigantische, ehrwürdige Gestatt Kaiser Barbarossas heraus, das Meisterwerk Geigers; der schlummernde Held inmitten der schlafenden Seinen, dessen Rechte das Schwert saßt, dessen Linke in den wallenden Bart greift, hielt noch lange ganÄ^jMarfTijäufer erst zu umkreisen und zu durchstreifen, feu16™ Glanzpunkt und Schlußstein ernpor- fteigt der ma^neilj> unj> ^eiid den Wanderer, fast überall fidjtbar, ^^l^auch ich meine Route gewählt. Ich hatte zunächst die *Luc durchquert, ihre Ortschaften be> sucht die s^vrnuiblich mit ihren roten Tüchern aus Baumesorün 1,,-^orlugen; war von dem glücklichen Kelbra, h Äälberane, Dem Doppelt glücklichen, weil es i'nfnfn» v» • ^ännikuiig aus Mittel alte rszett so wohlsituiert /fr hnü c ■■ c Bürger keine Steuern zu zahlen brauchen, .DaH 'OHöstlichsten Aussichtspunkt, den herrlichen •JUten- ju Dem n©r$e)l, einporgeklettert, von wo der Blick bis zum M hBrocken hinüber trägt; war Dann auf ein'ain über Die hier und Dort Rudel von xnr- Henkershand fand, nachdem er ihn hundertmal vorher in i scheu und Rehen wegsprangen, nach der Barbarossahöhle den Folterkammern des grimmen Grasen von Mannsfeld hinabgestiegen, hatte ihre mächtigen Grotten mit Den erbutbet hatte. I trhstallklaren unb gletfdferfalten unterirbijdjen Seen, die Manch tragische Erinnerung schwebt auch über Roßla, dem Residenzstädtchen des einen Der drei Fürstentümer Stolberg, der einstigen Rössel-Aue, die schon bei den alten Romern wegen Ihrer vortrefflichen Pferdezucht berühmt war. Sie erzählt davon, tote einst ein Königtum durch Bruderstreit und Habgier verscherzt und in drei unbedeutende Kleinstaaten zerfplittert wurde, ein Bild im kleinen von dem, was Deutschland im großen durch Jahrhunderte hindurch erlitt. All diese Gestalten, ihre Schicksale unb bie Gedanken, Die sie erwecken, bringen mit Macht auf Den Besucher des Kyfflsäufer ein; sie lassen ihn nicht frei, sie verfolgen ihn auf Schritt und Tritt; erst der Anblick des herrlichen Denkmals, das auf den Ruinen der Kl)ffhäuserburg empor gewachsen ist uni) Das den erlösenden Gedanken der alten Sagen und Geschichten verkörpert, verscheucht die Schatten Der Vergangenheit. Es ist daher am besten gethan, den zur Reiterstatue Kaiser Wilhelms emporblickte unb höher hinauf zu der Kolossal-Kaiserkröne, die den Turm überwölbt, die Bedeutung des Bauwerkes als Symbol urtb Tenkmal der wieder aufgerichteten Käisergröße Deutschlands. _ . An einem so herrlichen Tage wie dem gestrigen unb an einem so denkwürdigen wimmelte es aüf allen Plattformen bis zur Spitze des Turmes von Besuchern. So viel Scharen als befriedigt davonzogen, 'so viel kamen erwartungsvoll lseran. Patriottfche Vereine und Turnerschäften zogen mit Bannern und klingendem Spiel herauf. Truppweise langten Familien an. Gruppen von Soldaten, von Studenten und Offizieren ftanben bewundernd umher. Gesang und Musik erschallte. Tazwischen tönten von der nahen Burgwirtschaft die Klänge eines 'Icorbhausener Orchesters, das dort konzertierte, herauf. Fröhlichkeit unb nationale Begeisterung herrschten überall. An den Brüstungen lehnten die Ausschau Haltenden und genossen die entzückendste, klarste, sonnigste Fernsicht. Vom Turm herunter Hangen Jubelrufe Der Kinder, Die sich über sorgfältig gezählte Treppen hinweg zu einem wundervollen Schauspiel emporgellettert hatten. Etwas tiefer unten, in der Burgwirtschaft, wo die Rück- kehrenden Ruhe unb Stärkung finden, ging es hoch her. Jedes Plätzchen war besetzt. Es war ein gewaltiges Ge- Dränge. Ter Kysshäuser ist ein sehr wasserarmes Gebirge. Um so reicher ist er an sehr guten Bieren. Und da nicht nur die Bergwanderung, sondern auch die Segeifteruna ungeheuren Dürft erzeugt, so kann man sich leicht vorstellen, zu welchem Quantum des edlen Gerstensaftes beide Fak- toreii vereinigt berechtigen und verführen Tiefe Berechtigung unb Verführung ließ jebermann unverkummert auf sich wirken. Wobei noch unberücksichtigt bleiben soll, daß Das treffliche Naß roieberum neue Begeisterung, und so immer loieber neuen Turst erzeugte, und jo fort, bis Die Dr.W:Knechts Magenbitter LSÄNTIS isfder beste W der Welt 8- Eept. fWItÄ PS pjrobbah ,r>®wa ,ne.D°n echt neier, eine ^em geistigen ut ble manche gutem Klang )en-. Unb auf ^Gllen mit 9en klemlichen leigen zu den das hat auch ft es zu n- lvenn in uns elbe Glut der freudige Hin- llen, deutschen ft stehen wir ldenkrast und M soll hier Gelöbnis der lk und Vater« Mergutz iu. en kann, die rrUchrn Figur äußerer oder zerspalten, das geeinte Vater« -ragen in des machtlos ab- ewalt, so steht che es siegreich ade aus unjenn rmanifl: „Wißt ein jedes Volk . Stamme» doch geboren." Was zeit lang schied, t verbunden, in md und Lester« zum Werke des' och bedeutsmes hrer Kraft, ver« lschen Wesen, fjen, bie wir inb zu schien iia dort oben x oder wollen sein ein einzig en und Gefahr." ixe Häupter und inde'ein dreifach shoch!" >r dem Tenkmal te begeistert in den SihemMM. nb, Deutschland -ung sangen alle itschenNatma^ nnalausschnsl.es hier an W a, daß iS deuycher ^ « Widerhall °e> »S hlte. Dreier- -'s? w» <* ««*!» und »n St^uji! ien ®u;\nrt M' nale WA Ms- lehuleu ^ste, tiiidenbF' ^bel- er klaE ^^pen ging in A d° «K cen- u;.-ferunö i-EA"L AO ! B-Ä L f scheidende Sonne den Gipfel des Denkmals vergoldete, die Dämmerung in die Thäler sank und alle Welt zum Aus- bru^ rüstete. M. W. — Professor Dr. Franz Wülluer f. Slus Braunfels a d Lahn erhalten wir die Trauerkunde, daß der allverehrte städtische Kapellmeister und Direktor des Kölner Kons^vatoruuns aestern nachmittag 6°/. Uhr seinen Leiden erlegen ist. Er hatte sich durch Ueberanslrengung eine Krankheit zugezogen von der er stch aber zeitweise wieder erholte. Um feine frühere Rüstigkeit wieder zu erhalten und wieder völlig zu gesunden, hatte er stch irn ^ruh- lahr nach Wiesbaden begeben und von da nach dem stillen Braun- els a. d. Lahn. Im Januar d. Js. hatte man zur Feier seines 70. Geburtstages große Festlichkeiten veranstaltet, die er aelstes- frisch überstand. Allein während der darauffolgenden Monate machten sich bei ihm während der Proben zu den Gurzemchkon- zerten Schwächezustände bemerklich. - Geboren wurde der Meister 1832 zu Münster in Westfalen. Von fernem Vater, der sich vom Elementarlehrer bis zum Gymnasialdirektor emporgearbeitet, hat Wüllner die ihm eigene Energie und den lehrhaften 6mn geerbt. Seine musikalische Ausbildung leitete zuerst der Gesang ehrer am Gymnasium zu Düsseldorf, Schmidt, dessen Direktor fern Vater damals war. Der kleine Franz verlor seinen Vater schon mit acht Jahren, er wurde von seiner Mutter dann dem Gymnasiallehrer BohnS in Köln anvertraut, wo ihn der Konzernnelster Franz Hartmann im Violinspiel unterrichtete. Als Bohns versetzt wurde, kehrte er zu seiner Mutter nach Münster zuruck und besuchte das dorttge Gymnasium, wo er das Abiturientenexamen mit 16 Jahren bestand. Inzwischen hatte er die Geige mit dem Klavier vertauscht, das nun sein Hauptinstrument wurde. In der-rheorie war Anton Schindler, der Freund und Biograph Beethovens, sem Lehrer. 1854 ließ Wüllner sich in München als Musiklehrer und Konzert- spieler nieder und gründete sich dort einen eigenen Hausstand. 1856 wurde er Lehrer an dem von Franz Hauser geleiteten staatlichen Konservatorium in München. Nach zwei Jahren berief man ihn schon nach Aachen als städtischen Musikdirektor, m welcher Stellung er sechs Jahre verblieb. 1865 wurde er als ~eiter der Kirchenmusik der Allerheiligen Hofkirche in München angestellt und 1867 definitiv zum königlich bayerischen Hofkavellmeister ernannt. Besichtigung mit folgender Weinprobe verlief, wie es nach dem getroffenen, überaus praktischen Arrangement nicht anders möglich war, glänzend. In gastfreiester Werse bot die Firma eine Anzahl ihrer Weine zum Kosten und darunter einige Edelgewächse des Rheingaues. Herr Albert Sturm bewillkommnete seine Gäste in humorvollster Rede und bat sie, einen Teil ihrer Generalversammlung bei ihm tagen zu lassen. Er habe 14 Anträge auf die Tagesordnung gestellt, die hoffentlich Gefängnisse im Innern Rußlands statt, welche durch Militär gemalt unterdrückt werden mußte. * Eine „reiche junge Witwe". In einem Dorf in Michigan legte vor kurzem der Postbeamte seine Thatig- keit nieder, wett er für eine Dorfbewohnerin eure derartige Menge von Briefen bekam, daß er allein die Arbeit nicht bewältigen konnte. Als man nun die Sache untersuchte, teilte man fest, daß diese Frau, die eine Art Hütte in einer elenden Dorfstraße bewohnte, eine Annonce in eine Heiratszeitung hatte setzen lassen, durch die sie einen Gatten uchte: sie gab sich als eine junge Witwe aus, die über >00 000 Mark im Vermögen und außerdem die Aussicht aus eine Erbschaft von fünf Millionen hätte. Als Antwort chickte sie Heiratslustigen, die an sie schrieben, das Porträt einer Schauspielerin. Als man sie festnahm, entdeckte man mehr als tausend Briefe von Bewerbern. * Ganz nach Wunsch — geb or en. Ein Berliner Spediteur sandte jüngst, wie der „Boss. Ztg." geschrieben wird, im Auftrag eines Kunden an einen slandesbewußten Herrn im äußersten Norden Deutschlands einen Brief mit der Titulatur „Wohlgeboren". Der Empfänger des Brieses beklagte sich bei dem Auftraggeber bitterlich, daß ihm das ihm gebührende „Hochwohlgeboren" vorenthalten worden sei. Der Spediteur, dem die Mage übermittell wurde, hat nun, durch diesen Vorfall gewitzigt, für seinen Gebrauchs Couverts unfertigen lassen mit dem Aufdruck Wohlgeboren Hochwohlgeboren und dem Vermerk: „Mcht Gewünschtes bitte durchzu- treichen." Gewiß äußerst praktisch und sehr bequem für alle, die genau wissen, wie wohl und wie hoch sie geboren wurden! In dieser Eigenschaft dirigierte er die von König Ludwig II. — gegen den Willen Wagners — befohlene Erstführung des Rhemgold und der Walküre. Infolge dieser ganz außerordentlichen Talentprobe wurde ihm auch ein Teil der Opernleitung übertragen. 1877 erhielt Wüllner die Berufung als Nachfolger von Jul. Rietz als königlich sächsischer Hofkapellmeister nach Dresden und übernahm gleichzeitig die artistische Leitung des Konservatoriums. Kom- petenzkonstikte veranlaßten ihn 1884, auf diese glänzende Stellung zu verzichten und dem an ihn ergangenen Ruf als städtischer Kapellmeister und Leiter des Konservatoriums m Köln Folge zu leisten. Wüllner hat Köln zu einer Musikstadt ersten Ranges gemacht. — Immanuel Kaut. Ein Lebensbild nach Darstellungen seiner Zeitgenossen Jachmann, Borowski, Wasianski. Herausgegeben von Alfons Hoffmann. (Halle a. d. S., Hugo Peter. 2 Mk.) — Wer sich mit dem Leben Kants beschäftigt, der weiß, daß die Hauptquellen für die Erkenntnis des Menschen Kant drei kleine Schriften sind, die 1804, im Todesjahre des Philosophen, zu Königsberg erschienen. Von ihnen ist Borowskis „Darstellung des Lebens und Charakters Immanuel Kants" darum interessant und wichtig, weil ihr Verfasser, einer der ersten Schuler Kants, seine A beit Kant vorgclegt und mit berichtigenden und erläuternden Randbemerkungen von chm zuruckerhalten hatte. Wie der spätere evangelische Er,disch°s «nebenbei bemertt: der eingtge, ben Preußen gehabt hay, 1° standen auch die Urheber der beiden anderen Schritten Kam längere Zeit hindurch persaistich nahe^ Jachmann, Direktor eines ErzlehmigsinstitM» b^ Danzig, Ivar Kants Schnür und Amanuensis, der als solcher reichliche Äestgen. heil hatte, den großen Mann m den mannlgsachsten Verhältnissen seines privaten Lebens zu beobachten, überdies sich auch daraus beraten tonnte, daß Kant selbst ,hn etwa -n-r,Jahre vor fernem Tode aufgefordert hatte, seine Biographie zu schreiben. Als eine Biographie im eigentlichen Sinne deS Wortes kann nun zwar sem Immanuel Kant, geschildert in Briesen an einen Freund , nicht gelten, wohl aber als überaus werwoller Beitrag zu einer Lhar-stte- ristik von Kants Lebens- und TenkungSart. Wasianski eiidüch, Tiakonus zn Königsberg, war im letzten Jahrzehnt von Kants Leben dessen Helfer und Berater m allen Angelegenheiten des privaten und ökonomischen Lebens. Gr leitete seinen Hausstand und verwaltete sein Vermögen, als der Greis selbst nicht mehr dazu im Stande war. Sein kleines Buch „Immanuel Kant in seinen letzten Lebensjahren, ein Beitrag zur Kenntnis seines Charakters und häuslichen Lebens aus dem täglichen Umgang mit ihm", ist ergreifend in der schlichten Darstellung des allmählichen Verfalles eines so reichen und gewaltigen Geistes. Alfons Hoffmann folgte einer von H. St. Chamberlain in seinen „Grundlagen des 19. Jahrhundert" gegebenen Anregung, indem er diese drei Schriften, mit Vor- und Schlußwort versehen, in einer Neuausgabe vereinigte, die als dankenswerte Erscheinung zu begrüßen ist. Daß her Herausgeber sich verleiten ließ, bei feinem Abdruck „der inzwischen veränderten Rechtschreibung und Zeichensetzung Rechnung zu tragen, sowie verschiedene, namentlich weniger gebräuchliche Fremdwörter sinngemäß zu verdeutschen", wird man bedauern, weil antiquierte Ortographie und Ausdrucksweise nicht zu unterschätzende ästhetische Faktoren sind, deren Wirkung man gerade bei solchen Schriften, die uns gleichsam als Miterlebende in langst vergangene Zeiten zurückversetzen sollen, ungern missen wird. Aber Hofsinann hatte bei seiner Publikation in erster Linie das nicht gelehrte Publikum im Auge. Allen Denen, die Kant, den Denker und Forscher, nur vom Hörensagen kennen, und denen auch nicht wohl zugemutet werden kann, über die philosophische Bedeutung dieses gigantischen Geisteshelden aus eigenem Studium sich ein selbständiges Urteil zu bilden, ihnen wollte er den Menschen Kant, seine Persönlichkeit, das an ihm, was nicht minder groß ist als seine Philosophie, sein Herz und seinen Charakter näher bringen, verehren und lieben lehren. Ein großer Philosoph, der zugleich ein großer und ganzer Mann ist, wirkt in doppelter Weise aus sein Volk. Indirekt mit der Arbeit seines Denkens und Forschens, dessen Resultate durch viele tausend Kanäle in das allgemeine Bewußtsein hindurchsickern und so mittelbar dem Bildungsstande der Nation zu Gute kommen — direkt durch die unmittelbare Gewalt und den erzieherischen Einfluß seiner ganzen Persönlichkeit. Da Kant ein vorbildlicher Geist unb Charakter gewesen ist, als welcher er auch Denen etwas sem kann, die den philosophischen Studien fern stehen, so wird man für jeden Versuch, den großen Königsberger als leuchtendes Vorbild einer wahrhaft, well innerlich freien und im höchsten Sinne des Wortes humanen Lebensführung vor die Augen unseres ganzen Volkes hinzuslellen, dankbar jein musten. .Und dann liegt der Wert der Hoffmann'fcheii Publttatwn. Gerichtssaal. Berlin, 5. Sept. Das Königliche ® aUet-Rorpi vor Gericht. Eine ganze Anzahl von Damen deS Kgl. BallftS gab sich gestern im Saale der 5. Ferienstrafkammer em Stelldichem. Tie Damen, unter denen sich die Solotänzerinnen Frl. Kirchner, Greiner und Weiser befanden, sind die Mttroirkenben bet einer kleinen Extravorstellung gewesen, die sich eines Abends hinter den Kouliffen des Neuen Königl. OpemtheaterS abspielte. Wenn sich die Damen in ihren Garderoben umgekleidet haben und auf der Bühne sich dem Dienste Terpsichores wechen, überlassen sie ihre Alltagsgarderobe der Obhrtt der amtierenden Garderobiören. vtun war es schon mehrfach einzelnen Damen so vorgekommen, alß ob te bei ihrer Rückkehr in die Garderoben den Inhalt chrer Portemonnaies, die sie in ihren Kleidertaschen hatten stecken lassen, etwas gelichtet vorfanden. Um der Sache auf den Grund zu gehen, wurde eines abends zu dem altbewährten Mittel gegriffen: die Geldstücke wurden heimlich gezeichnet Als dann eine ber San- lerinnen roieber einen Fehlbetrag in ihrem Portemonnaie feststelfte, ührte ber gegen bie Garderobenfrau Anna Mathes schon laut gewordene Verdacht dazu, eine Leibesvisitation bei ihr oorjunebinen und da fanden sich denn auch einige der gezeichneten Geldstücke vor. Das Schöffengericht hatte sie ]. Z. wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Berusungs- sttaskarnrner, an welche sich die Angeklagte wandte, konnte trotz der Unschuldsbeteuerungen der Angeklagten auf Grund der Beweisaufnahme zu einem anderen Ergebnis nicht kommen, verwarf viel- mehr die Berufung. - schreibt Herr Wer urctiei i ernt Wtz Ihrer so angenehmen „Obermeyer's Herbaseife" habe ich schon in kurzer Zeit bei unreinem Teint und Gesichtsausschlägen prächtige Erfolge erzielt. Z. h. in Apotheken, Drogerien und Fabrikant I. Gioth, Hanau. 6712 gestellt, die hoffentlich zur Befriedigung aller erledigt würden. Zu früh für die Kostenden aber ertönte das von dem kommandierenden Admiral gegebene Abfahrtsignal, jedoch die Dunkelheit wrrr inzwischen her ein gebrochen und es war Zeit, daß die Heimfahrt angetreten, wurde. Nachdem ein Mitglied 'des Festausschusses namens der Gäste mit dreifachem Hell dem Haufe Sturm den Dank ausgesprochen, ging eS tn geschlossenem Zug an den Rhein, wo die Fest- dampfer yaEen. Tie Fahrt zu Berg nach Biebrich gestattete sich noch zu einem kleinen Triumphzug für den Verein, denn wieder hatten es sich die meisten Uferbewohner nicht nehmen raffen, durch 'Feuerzeichen, bengalische 'Beleuchtung re. ihre Teilnahme Tunb zu geben. Die Villen der Herren von Lade, Burgess und Höhl in G e i s e n h e i m, die Vlllen des Grafen Eltz und der Familie Müller in Eltvill e, die Beschungen der Herren Oechelhäuser und Marcuse und des Bürgermeisters in Walluf und schließlich in Biebrich, die Villen am Rhein und das Schloß, machten einen glänzenden Eindruck aus die A l p i n i st e n, bie mit dem Gefühl das! „Festland" wieder betraten, soviel Schönes noch selten erlebt stundenrennen auf der Pariser Buffalo-Bahn, baS nach amerikanischer Manier mit Ablösung gefahren würbe, sah Louvet- Bruni (228,800 Kilometer) siegreich gegen Bourott,e-Gougolh (eine Runbe zurück); Doumain-Dussot eine Länge hinter bem zweiten Paare Dritte, vor Jenkins-Fossier unb Brecy°Simar. Meralur. — Australien, Ozeanien und Polarläuder. Zweite Auslage. Von Prof. Tr. Wilhelm Sievers unb Professor Dr. Willy Kükenthal. Mit 198 Abbilbungen im Text, 14 Karlen unb vier° unbzwanzig Tafeln in Holzschnitt, Aetzung unb Farbenbruck. („Allgemeine Länderkunde", 2. Teil.) In Halbleber gebunben 17 Mark. Verlag bes Bldlwgraphischen Instituts in Leipzig unb Wien. Der am 1. Januar 1901 proklamierte Zusammenschluß ber Kolonien Australiens zum „Australischen Bunbesstaat" ließ eine Größe auf bie Bühne ber Weltgeschichte treten, mit ber nicht nur bas britische Reich, sondern alle Weltmächte werben rechnen müssen. Dieses neue Mitglieb im Konzert ber Mächte aufs genaueste kennen zu lehren, kommt bas uorliegenbe Werk gerade zur rechten Zeit. In Ozeanien hat sich mit Samoa unb Mikronesien eine für uns Deutsche besonbers wichtige Verschiebung bes Besitzslanbes vollzogen, unb bie Einverleibung von Hawaii in bie Vereinigten Staaten von Amerlla mußte biesen wichtigen Inseln bas Interesse in neuer, erhöhter Weise zuwenben. Wie in bem umgearbeiteten Banbe „Afrika" ber „Allgemeinen Länberkunbe", bewährt sich auch hier die neueAnord- nung bes Stoffes ganz vorzüglich. Nach ber „Ersorschungsgeschlchte", welche bie naturgemäße Einleitung bilbet, folgt eine „Allgemeine llebersicht", ber sich bie Behcmblung ber geographischen Einzelgebiete — und hierin liegt das Charakteristische ber 2. Auflage — nach Bobengestalt unb Gewässer, Klima, Pflanzenwelt, Tierwelt unb gegebenen Falles auch nach politischen oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten anschließt. Der Hauptteil des Buches, nämlich Australien unb Ozeanien, ist, wie in ber ersten Auflage von Prof. Dr. W. Sievers bearbeitet, die Darstellung ber Polarländer von bem rühmlichst bekannten Breslauer Zoologen Willy Kückenthal. Auch hier werben bie beiben gegebenen Hauptabschnitte, Arktis unb Antarktis, roieber in natürliche Gruppen gegliebert Ein Gesamtbild aller Polarlänber zu geben, muß als ein besonbers glücklicher Gebanke bezeichnet roerben, währenb bas Verweilen unserer Süd- polarexpebition in ben hohen antarktischen Bretten auch ben Zeitpunkt bes Erscheinens zu einem gut gewählten macht. Die äupere Ausstattung entspricht ben hoben Anforderungen, bie wir an bie Erzeugnisse bes Bibliographischen Instituts zu stellen gewohnt sinb. Tas Jllustrationsmaterial zeigt eine überraschenbe Fülle neuer Abbilbungen, unb bie Karten entsprechen burchweg bem heutigen Stande ber Forschungen. Sport. Paris, 8. Sept. Eine sensationelle Leistung vollbrachte gestern auf ber Pariser Prinzenparkbahn Jmmy Michael, ber kleine Englänber, ber jetzt nach seiner kurzen erfolglosen Jockey- laufbahn zum ersten Male roieber zu seiner alten Liebe, bem Cernent, zurückkehrte. Michael siegte un gestrigen Dauerrennen über eine Stunbe — bie Sttmbe ist bie beste Distanz bes „Kleinen" — inbem er in bieser Zett 75 Kilometer 273 Meter zurücklegte unb mit bieser Leistung einen neuen Weltrekorb über bie Sttmbe aufstellte, nachbem Tom Linton es im Juli au 73,350 Kilometer gebracht hatte. Hinter Michael enbete Bouhours als Zweiter. Er hielt sich mit 73,200 Kilometer, bte er zurücklegte, sehr tapfer zu dem Sieger. Dritter wurde Contenet (71,300 Kilometer) vor Lesna (69,150 Kilometer). Jacquelin, ber sich zur Abwechselung einmal in Dauerrennen versuchen wollte, gab auf. Das Rennen war von Anfang an kolossal schnell. Vom Dritten Kilometer würben alle Rekords gebrückt. Bis zum 31. Kilometer lag Contenet an ber Spitze bes Feldes. — Das internationale Fliegerrennen sah Gentel siegreich gegen Louvet, Mlllo, Heller unb Domain. Im Motorrennen kam Fourmer als Erster ein vor Marius TH6, Darioli unb Denesle. — Das Sechs- Kandwirtschoft. kz. Lauterbach, 4. Sept. Die Verbesserung der Hutweiden im Vogelsberg. Die seit bemJahre 1896von bem lanbwirtschaftlichen Verein für bie Provinz Oberhessen mit Staatsunterstützungen in Angriff genommene Melioration ber Deb- länbereien bes Vogelsberges, ber sog. Gemeinbe-Hutweiben in ben Kreisen Lauterbach unb Scho tten, würbe auch im Jahre 1901/02 fortgesetzt. In Verfolg ber Kommissionsbeschlüsse vom 5. Juli v. Js. würben Meliorationen ausgeführt für bie Gemeinden: A. Kreis Lauterbach: Bermuthshain, Eichenrob, Nösberts, Rab- mühl und Salz; B. Kreis Schotten: Hartmannshain, Helpershain, Niederseemen, Oberseemen, Schotten, Sichenhausen unb Volkartshain. Außerdem sind in den Gemarkungen Crainfeld und Hör- genau im Kreise Lauterbach die in oorausgeganaenen Jahren meliorierten Huttveidenflächen zu Gemeinbe-Jungvieh- ro e i b e n eingerichtet worben. Es waren ferner noch Flächen in ben Gemarkungen Herchenhain unb Felbkrüken zur Melioration vorgesehen; boch mußte in beiben Gemeinden hiervon Abstand genommen werden, da die erstere Fläche in dem in Ausarbeitung begriffenen Generalkulturplan zur Aufforstung vorgesehen ist unb in letzterer Gemeinbe Steigliebhaber nicht erschienen waren, bezw. für bie Erbarbeiten zu hohe Forderungen gestM wurden. In sämtlichen angeführten Gemeinden, mit Ausnahme von Sichenhausen, sind bereits in den letzten Jahren Hutroeibenmeliorationen vorgenommen worben unb sinb bie biesjährigen Ausführungen nur als Fortsetzungen zu betrachten. Die 5)leIiorationSarbeiten sinb im Herbste v. Js. begonnen unb im Juli b. Js. fertig gestellt worden. ___ Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben uuberückfichtigt.) Kolouialdieust. Beamte, welche die Absicht haben, sich dem Dienst in ben berttschen Schutzgebieten zu roibmen, haben sich, wie uns bas Auswärtige Amt mitteilt, unter Anschluß eines Lebenslaufes, ihrer Zeugniffe in Urschrift ober beglaubigter Abschrift, sowie ihrer Militärpapiere (Milttärpaffes und FührungszeugniffeS) bei ber Kolonialabteilung bes Auswärtigen Amtes schrifttich oder mündlich zu melben. Tas feinste Frühstück, besser als Kaffee, ist Meßmers Thee, er wirkt anregend auf Geist und Körper und wird selbst vom em- psinbllchsten Magen gut vertragen. Englische Mischuna stellt sich auf kaum mehr als l1/, Pfennig pro Taffe. Täglicher Genuß von M e ß m e r's Thee ist eine wesentliche Ersparnis im Haushalt. 6262 zu haben.--------------------------------------- Vermischtes. * Düstere Bilder au3 dem Gefängnisleben in Sibirien entrollen zwei russische Zeitschriften, der „Arnurskij Kraj" und die „Sibirstaja Schisnj", in ihren jüngsten Nummern. Für die Wahrheit der schier unglaublichen Mitteilungen spricht schon genügend die Thatsache, daß sie von in Rußland erscheinenden russischen Blättern publiziert wurden. Im Kettengesängnis zu Alexandrowsk, so genannt, weil alle Sträflinge in diesem Gefängnisse in Ketten gelegt werden, haben sämtliche Sträflinge, vier- hurrdert an der Zahl, infolge unmenschlicher Mißhandlungen und Verfolgungen von feiten der Aufseher beschlossen, jedwede Ausnahme von Nahrung zu verweigern. Sie verrichteten die ihnen zugewiesene schwere Arbeit, verhielten sich still, aßen aber nichts. Am dritten Fasttage verfielen viele Sttäflinge in Bewußtlosigkeit. Während des Gottesdienstes in der Kirche kniete ein Sträfling vor dem Geistlichen nieder und flehte ihn an, für die Unglücklichen im Alexandrowsk-Gefängnisse einzutreten und die dort herrschenden Zustände persönlich kennen zu lernen. Der Geistliche besuchte noch am selben Tage das Gefängnis: er war beim Anblick des dort herrschenden Jammers erschüttert. Es stellte sich heraus, daß die Sträflinge in ihnen beständig eingesperrt gehalten werden, ohne daß man ihnen gestattet, im Hofe eine &iunbe zuzubringen, um frische Luft zu schöpfen. Die sanitätswidrigen Zustände im Gefängnisse vermehrten die Zahl der Krankheitsfälle unter den Sttäslingen. Doch bekundeten die Gefängnisbeamten auch den Kranken gegenüber eine beispiellose Engherzigkett. Wiewohl die gesunden Zellengenossen den Beamten von der Erkrankung vieler Unglücklichen Mitteilung machten, wurden diese dennoch nicht in das Spital gebracht. Noch mehr, die Anzeiger wurden auch geprügett, weil sie es gewagt hatten, ihren menschlichen Gefühlen freien Lauf zu geben. Die kranken Sttäfllnge wurden erst am Tage ihres Todes ins Spital gebracht. Die Sträflinge Tschibnikont und Lewidze wurden ins Spital bereits in Agonie gebracht. Der erschütterte Geistliche beeilte sich, dem Staatsanwalt die Anzeige zu erstatten, aber sogar die Verordnung der Prokuratur hals nichts. Am ersten Tage nach der Verordnung wurden die Sträflinge in den Hof geführt, am folgenden Tage aber wurde alles beim alten gelassen. Noch schlechter ergeht es den Sträflingen in Kottschetawsk. Dort erhalten die Arrestanten überhaupt keine Nahrung, sie müssen für ihren Unterhalt selbst sorgen. Und so kann man dort in den anderen Ort chasten des Bezirks das merkwürdige Schauspiel sehen, wie die Sträflinge unter Eskorte von Haus zu Haus gehen, um Brot zu erbetteln. . . . Das Bemerkenswerte dabei ist, daß sogar die Inspizierung der Gefängnisse Sibiriens, >elche im Auftrage des Zaren vorgenommen wurde, eine Aenderung der Lage der Deportierten in Sibirien herbeizuführen nicht vermochte. In den „Odeßkija Nowosti" bat unlängst ein Augenzeuge Einzelheiten über das Leben ber Sträflinge aus der Insel Sachalin veröffentlicht, welche erschütternd sind. Die Kessel, in denen die Speisen für die Arrestanten gekocht werden, sind rostig, die Speisen selbst mit Schwaben gemischt. &3 ist deshalb begreiflich, daß die Fälle von Arrestanten-Revotten in Sibirien sich immer mehr hausen. Neulich erst sand eine ernste Revolte in einem TTßb61l121OlBßtßIlB Hauptgewinne i Gl kltWtkl SilWlff, 9 Milk Md Ahlkl, '' ■■ B W H 313 S H 8iS ^özäSSajSa sowie für jedermann nützlichere Gebrauchsgegenstände. 6243 Wti9 । rtfip A I gyflj>aiLy flnd in allen durch Plakate kennt- der Giessener Pferdemarkt - Lotterie. Richard Buchacker, öfnetiLSterttirf, Neuen-Aue 11. Jergebung von Aauaröeiten. Die für die Herstellung einer Hochdruck-Quellwasserleitung in Rödgen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis TamStag -en 13. September l. I., vormittags 9 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Rödgen, bei welcher Voranschlag, Pläne und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Erdarbeiten zu 4478.01 Mk. BetonierungS- und Maurerarbeiten . . „ Rohrlegnngsarbeiten Lieferung der gußeisernen Röhren, Schieber unb Hydranten . . „ Thourohrlieferung Kleinschlag und Sandlieferung . . . „ Pflastersteinlieferung Gießen, den 80. August 1902. Der Großh. Kreisbauinspektor: 6505.80 6913.70 9288.— 339.50 355.— 300.— V u N M M I. V.: Müller. 6139 ähwdiine« kauft man am besten und billigsten beim Fach- manne, der auch ein reichhaltiges Lager unterhält in Fabrikaten von: H. Eoch & Co., Akt.-Gesellsch., Bielefeld. G. üViuselmann, Altenburg. Tittel & Niese, Saalfeld. Eine erstklassige, hocharmige Tretmaschiw (Präzisionsarbeit) mit gebogenem Verschlusskastej mit ßjähr. Garantie, das Feinste am Markte Mark ^5.- Mark 5G Eine hocharmige Familleu-Tretmaschine n gebogenem Verscblusskasten (keine Berliner) Ring- und Schwingschlü’maschinen für Famlliengobrauch und alle Gewerbe. Sattler- und Schuhmachermaschinen. 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