’S k" Wer oll bend irten Bit 5668 5675 iet , Wen! flamtet! Uereffaut! ”^g i Oenkaßll stellend, taiffititaii [roßen ►trion 3® mchlung. > daß diese zwei Wech worden sind. ebenst ein 6665 WwMK Sie frühere ilW !i«W ieder benntzt Werder ees Lteiuwcg ö. rem demnächst in Vier u erosineirden Achs für IM# ch myW®* Äut nllherrn \t. Julius n. Friebr Valle, Hmburg, &tr tze 20. Nk -Pinie in ■vÄi ;Wil“rfa 01 h und bübg8t 5^"-* Ms> t-g ^AtoÜt Tfjßtl »»“gift ’*'■> i>‘ • «K 2^5 Nr. 185 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstfchen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gietzen. FcrnsprechanschlUßNr.51. Drittes Blatt. 152. Jahrgang Samstag ». August RSOS GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger " **' Amts- und Anzeigeblatt für den Krets Gietzen Bezugspreis: monatlich7bPs.,viertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für ,Stadt und Land'' und .Gerichtssaal"' Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Das Gesundbeten und der preußische Kultusminister. Gegen den Pastor Horst in M a n s b a ch (Hessen- Kassel) ist, wie wir in der „Dtsch. Ztg." lesen, ein Dis- zrpnnarverfahren im Gange, das jetzt von dem preußischen Kultusminister Stuüt in letzter Instanz zu erledigen ist. Die „Volksztg." berichtet darüber: Horst hat, wie wir aus den Mitteilungen seines orthodoxen Gesinnungsgenossen Stöcker ersehen, in seiner Gemeinde bei Vielen eine große „Erweckung" herbergeführt, die jetzt statt ins Wirtshaus in die Kirche gehen. Trotzdem i/st er zur Strafversetzung, sowie in alle Kosten verurteilt und, wenn er sortsahre, die Mcmsbacher Bahnen zu wandeln, mit Amtsentsetzung bedroht. Er soll sich durch die Art seiner Seelsorge zu dem Patron und anderen Gemeindemitgliedern in ein unerträgliches Verhältnis gesetzt, der Sektiererei Vorschub geleistet haben u. dgl. Aus der Apologie, die Herr Stöcker seinem orthodoxen Amtsbruder widmet, seien folgende Sätze mitgeteilt: „Die eine Stelle des Erkenntnisses ist sehr bezeichnend. Sie lautet also: „Es sei darauf hingewiesen, daß der Angeklagte bei einem Unglücksfall, bei welchem ärztliche Hilfe nach menschlicher Ansicht unbedingt geboten war, erklären konnte, ein Arzt sei nicht nötig gewesen: der Heiland heile heute noch Wunden aufs Gebet hin." Die Rekursschrift bemerkt dazu: „Dieser Mann, zu dem Pfarrer Horst nach der Heilung dies gesagt haben soll, ist ein armer Trinker. Pfarrer Horst weiß nicht mehr genau, in welchem Zusammenhänge er mit diesem armen, ungläubigen Manne von Gott als dem Erretter auch in Krankheitsnot gesprochen hat. Aber wenn Pfarrer Horst wirklich dies gesagt haben sollte, so hat er doch nur ganz biblisch geredet. Jedes Blich der Bibel redet von Gott als dem lebendigen Gott, der Gebete erhört. . . . Die Bibel redet doch in dieser Beziehung eine deutliche Sprache, z. B.: 2. Mose 15, 26: Ich bin der Herr dein Arzt (genauer: der dich heilt). Jak. 5, 14—15: Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten. Matth. 8, 16. Mark. 16, 17—18: Auf die Kranken werden sie die Hände legen, und sie werden gesund werden. Psalm 103, 3. Psalm 91, 15. Jer. 33, 6. Wenn die Herren im Kirchenregiment diesen Glauben an den Gott der Bibel, der aufs Gebet hin Kranke gesund macht, für überspannt halten, so ist das ihre Sache. Sie haben aber kein Recht, einen Pfarrer zu verurteilen, weil er glaubt und lehrt, was die Bibel klar bezeugt." Die Darstellung ist auffallend, da Stöcker s. Zt. gegen das Gesundbeten öffentlich aufgetreten ist. Kolonialpost. Zum deutschen Vorrücken an den Tschadsee wird geschrieben: In der deutschen Interessensphäre am Schari und Bogone, unweit vom Tschadsee, scheint doch nicht alles so glatt Verläufen zu sein, wie es nach den ersten Berichten über das Borrücken der Schutztruppe vom Benutz aus nordwärts anzunehmen war. Der Kommandeur der Schutztruppe OberstleutnantPavelist mit seiner Abteilung Ende März von Garua nach Dikoa abgerückt. Damals berechnete er, daß der ganze Zug nach Norden und der Rückmarsch bis Garua zwei Monate dauern werde; darnach hätte erEndeMaiwiederamBenue Eintreffen müssen. Das ist aber nicht geschehen und von ihm hat nichts wieder verlautet. Nachrichten von dort hätten um so eher hierher gelangen können, als sie nicht aus dem schwierigen und langsamen Landwege nach Bu oder Duala zu verschicken wären, sondern den Wasserweg über den Benne und Niger einschlagen würden, wo die Engländer schon lange einen raschen Nachrichtendienst eingerichtet haben. Schon mehr als zwei Monate sind bereits über die anfangs festgesetzte Frist verstrichen. Dort müssen also besondere Um st an de eingetreten sein, die den K o m - mandeurPavel f e st halten. Darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht hat das Vorrücken einer englischen Truppe bis nach Kuka am Tschadsee darauf eingewirkt. Aus den britischen Berichten ging hervor, daß die E n g l ä n d e r in den Haussastaaten bei ihrem Bormarsche verschiedene Kämpfe zu bestehen hatten und gegen widerhaarige Häuptlinge einschreiten mußten. Möglichcrweise hat diese Bewegung ihre Wellen bis in u n s e r G e b i e t hinein fortgesetzt. Dann aber wurde in englischen Zeitungen angegeben, man wollte das zerstörte Kuka, das übrigens int Lande selbst nur Kikua oder Kikaua genannt wird, wieder ausbauen, und den Emir von Boruu wieber dort ein - setzen, während er sich nach dem Tode Rabehs in Dikoa auf deutschem Gebiete niedergelassen hat. Es könnte also wohl eine gewisse Unruhe und Unsicherheit in die Verhältnisse gekommen sein, die den Kommandeur nötigen, dort mit einer größeren Truppenmacht längere Zeit zu verweilen. Von besonderem Einflüsse wird es überhaupt sein, wenn wir uns den Völkern am Tschadsee mit einer achtunggebietenden Macht zeigen, nachdem die Franzosen dort mit einer starken Truppe ausgetreten sind und Frieden gestiftet haben, und nachdem die Engländer mit mehreren Bataillonen am Tschadsee erschienen sind. Aus Ktndt und Land. Gießen, 9. August 1902. ** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 21, ausgegeben am 6. August d. I., enthätt: 1. Öffentliche Anerkennung einer edlen That. 2. Ordensverleihungen. 3. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 4. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 15. Juli wurde der Gerichtsassessor Friedrich Karl Fischer aus Bensheim zur Rechtsanwaltschaft am Amtsgericht Gernsheim, mit Wirkung vom 10. August an zugelassen. 5. Dienstnachrichten. Dem Schulamtsasptranten Karl Krug aus Friesenheim, Kr. Oppenheim, wurde eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dudenhofen, Kr. Oppenheim, übertragen; dem Geometergehilfen Friedrich Kaiseraus Storndorf wurde das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Alsfeld und dem Geometergehilfen Jakob Lutz aus Ober-Klingen das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Dieburg; dem Geometergehilfen Adam Masch- mann aus Albig wurde das Patent als Geometer 2. Kl. für den tei§ Alzey — erteilt; dem Schulamtsaspiranten Richard Ulrich aus Nieder-Mockstadt, Kr. Büdingen, wurde die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Götzen, Kreis Schotten übertragen. ** Das Verordnungsblatt für die evange- lische Kirchedes Großherzogtums Hessen Nr. 7, ausgegeben den 31. Juli, enthält: 1. Ausschreiben des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Kirchenvorstände (Nr. 10) vom 18. Juli 1902: „Der Vorstand des Evangelischen Kirchengesangvereins für das Großherzogtum Hessen richtet auf Grund eines bei seiner diesjährigen Hauptversammlung zu Schwabsburg gefaßten Beschlusses an uns die Bitte, die Kirchenvorstände veranlassen zu wollen, daß die Kirchengesangvereine von den Kirchengemeinden unterstützt werden, soweit es die Mittel der Gemeinden zulassen, und daß schon bei Beratung der nächsten Voranschläge ein entsprechender Ansatz erfolge. Wir halten diese Bitte für berücksichtigenswert und empfehlen den Kirchenvorständen, soweit es die zur Verfügung stehenden Mittel erlauben, den in dieser Richtung an sie gebrachten, zu begründenden Wünschen der Kirchengesangvereine und Chorschulleiter ihrer Gemeinde Rechnung zu tragen und erforderlichen Falls schon int nächsten Voranschlag einen entsprechenden Betrag für diese Zwecke einzustellen." 2. Aus sch reib en des GroM. Oberkonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter. Be'- treffend: Die Vorbereitung der Konfirmation und die gottesdienstliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts. Vom 25. Juli 1902. 3. Ausschreiben des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Dekanate und Pfarrämter (Nr. 12) vom 28. Juli 1902. 4. Verzeichnis der im 2. Vierteljahr 1901 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch kirchliche Zwecke. 5. Dienft- nach richt en. Ernannt wurden: Psarrverwalter Schultheis zu Wolfskehlen zum Pfarrverwalter in Langenhain, Dekanat Friedberg; Pfarrverwalter Vogel zu Dieburg zum Pfarrverwalter in Horchheim, Dekanat Worms; Pfarrvikar Osfenbächer zu Albig, Dekanat Alzey, zum Psarrverwalter daselbst. 6. Aufforderung zur Bewerbung. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die zweite evangelische Pfarrstelle zu Erba ch, Dekanat Erbach; dem Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu; die evangelische'Pfarrstelle'zu Wölfersheim, Dekanat Hungen; dem Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsentationsrecht zu; die evangelische Pfarrstelle zu Maar, Dekanat Lauterbach; den sämtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach stelst das Präsentationsrecht zu; die evangelische Psarrstelle zu Gräfe n h a u s e n, Dekanat Darmstadt. ** Schlechtes Deutsch. „Die deutsche Sprak ist ein swere Sprak", sagt bekanntlich der samose Herr v. Riccaut in Lessings „Minna", und mit Recht wird immer auss neue Klage über schlechtes Schriftdeutsch geführt. Man spottet häufig über das „Zeitungsdeutsch", hat aber viel mehr Grund, das Kaufmannsdeutsch zu tadeln, das im Durchschnitt ganz unerhört schauerlich ist. Viele jungen Kaufleute sind außerordentlich fleißig in der Erlernung aller möglichen fremden Sprachen, die Muttersprache aber malträtieren sie in der abscheulichsten Weise, während sie die tadellosesten englischen, französischen, italienischen, spanischen, schwedischen rc. Briefe schreiben können, die bei keinem Sprachgelehrten Anstoß finden könnten. Celui oü wird niemand schreiben, aber „der, wo uns die Ware liefert", sagen von hundert Handlungsgehilfen mindestens 90 täglich an die dutzendmal. Heber „Amtsdeutsch" mokierte sich gestern die „Franks. Ztg." mit Recht, indem sie folgende geradezu grausamen Musterbeispiele von üblem Undeutsch aus dem Regierungsblatte anführte: Plaudereien aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Vorortschmerzen und fein Arzt. — Tie Hohe der Kommunal- steuern. — Cöpenick, der Waschfeste! Berlins. — Das Schloß zu Cöpenick und seine Schicksale. — Meister Tillemann und Nachfolger. Wer die rapide Entwickelung der Berliner Vororte; aus der Ferne verfolgt, wundert sich gewiß, daß diese Gemeinden, die in ihrer Einwohnerzahl manche große Provinzialhauptstadt überflügelt haben, so lange Dörfer bleiben. Ach, es geschieht nicht etwa, um das Gehalt für einen Bürgermeister zu sparen, wie viele kluge Leute denken. Der Haken sitzt ganz wo anders. Sie gleichen den armen Kerlen, die heiraten möchten, und die alte Geliebte nicht loswerden können. Diese alte Geliebte aber ist der Kteis, und ihr Anwalt der Larrdvat. Sie hängt sich mit tausend Ketten und Banden an den Ungetreuen. Bald zärtlich und bald rücksichtslos macht sie ihm klar, daß sie ohne ihn nicht existieren könne, und mit schlauen Rechenkünsten weist sie ihm sogar nach- daß sie für ihn keine Ersparnis bedeute. Aber wenn so ein veränderungssüchitiger Liebhaber losl- kommen will, so hat er sluchs andere Exempel mit ganz anderen Resultaten bei der Hand, wie z. B. Neu-Weißensee, das nun schpn drei Jahre veraeblich um die Stadtrechte kämpft, und neuerdings dem Landrat bewiesen hat, daß es im ungünstigsten Falle immer noch um 100 000 Mk. jährlich besser abschneide als jetzt im Kreisverband. Ob's Helsen wird, bleibt abzuwarten. Der Minister scheint keine Neigung zu haben, die gewünschten Rezepte zu schreiben, und so werden die armen Patienten, zu denen außer Neu- Weißensee auch Rummelsburg, Lichtenberg, und vor allem Wilmersdorf zählen, wohl nach eine Weile weiter laborieren müssen, bis einmal ein anderer Mediziner kommt, der weniger homöopathisch in solchen Dingen ist. Bei den ziemlich hohen Kommunalsteuersätzen vieler unserer Vororte ist der Zusatz, den die Kreissteuer veranlaßt, von nicht unerheblicher Bedeutung. Denn nicht alle Gemeinden stehen so unglaublich günstig wie der VilleNvorort Grünewald, Der bekanntlich nur 15 pCt. Ortssteuer erhebt. Da ist z. B. Weißensee, das mit 170 auswarten sann; da ist Reinickendorf mit 165, Rummelsburg mit 160, Rixdorf und Schmargendorf mit 150 pCt. Am wenigsten auf Rosen gebettet ist man in Britz, dem berühmten Rosenneste, das 2331/s Prozent Orts- und Kreissteuern einziehen muß, um seinen Etat zu bestreiten. Wo viel Rosen sind, sind auch viel Dornen! Im Interesse einer einheitlichen Entwickelung liegt es selbstverständlich, wenn alle diese Vororte mit Berlin selbst vereinigt würden; aber dieses Ziel liegt rroch in weiter, weiter Ferne. Tie verzwickten postalischien, kommunalen und Verkehrsverhältnisse müssen noch verzwickter werden, ehe an ein gründliches Aufräumen zu denken ist! Wo dann freilich die Grenze gezogen werden wird, ist kaum abzuseheu. Tie Riesenarme der unheimlich wachsenden Großstadt dehnen sich und greifen nach allen Seiten aus; und wo noch vor fünfzig Jahren kaum zu durchdringende Jagdgründe und Jahrhunderte alte Föhren waren, wachsen heute Ansiedelungen über Ansiedelungen, wie über Nacht, heraus, sodaß das bischen Wald dazwischen immer mehr zusammenschrumpft. So geht es nach Potsdam und Teltow zu, nach Spandau und Cöpenick desgleichen. Dieses Cöpenick, das eigentlich erst so recht bekannt durch die chemischen Wäschereien, Spindlers geworden ist, hat für Berlin eine große Bedeutung. Es ist der Waschf- kessel der Metropole, in der man das in kleinen Städten auch nicht gerade sehr beliebte Familienfest der „großen Wäsche" nur noch in kleineren Haushaltungen kennt. Tie ganze Anlage der großen Berliner Miethäuser rechnet schon damit, daß wenigstens die Hälfte der Bewohner „auswärts" waschen läßt. Und das „auswärts" ist neben Plötzensee, Steglitz rc. vor allen anderen Cöpenick. Hunderte von Wäschewagen durchrollen tagtäglich den Weg von der alten, grauen Stadt her, die sich rühmt, mindestens ebenso alt zu sein, wie Berlin; und viele Familien gewinnen ihren Unterhalt aus dieser Beschäftigung mit dem Berliner Leinen, Shirting und Dowlas. Derrn hier werden „Männer zu Waschfrauen", und hantieren mit Seife, Bürste und Chlor, obgleich die beiden letzteren Hülssmittel natürlich abge- ftritten werden. Tie armen Weber wollen eben auch leben. Aber was sie Cöpenick alles zu danken haben, wissen sie sicher nicht! Cöpenick ist wendischen Ursprungs und bedeutet etwa „bie Insel" (ähnlich wie Werder) oder ,chas Dorf an den Gräben". Es war der Sitz wendischer Fürsten, was durch Münzen eines Jakza von Copnic noch bewiesen werden kann. Im Laufe der Zeiten erfuhr die ursprüngliche alte „Burg" natürlich manche Umwandlung, wenngleich das Grundgemäuer in einzelnen Teilen immer wieder Verwendung gefunden haben mag. Wenn Steine reden könnten! Sie würden erzählen von den Anhaltinern, vom falschen Waldemar, der hier Hof hielt; von den verschwenderischen Luxemburgern, und den energischen Hohenzollern! Im alten Schlosse noch schrieben märkische Raubritter Joachim dem Ersten ihr drohendes: „Joachimken, hüte dy!" mit Kreide an die Schlafzimmerthür, was ihnen allerdings nicht gerade gut bekommen ist; in dem von Joachim II. erbauten Jagdschloß, das an die Stelle der alten Burg trat, weilte dereinst Gustav Adolf, der gewaltige Schwedenkönig; unter dem Großen Kurfürsten wurde es zur Werkstatt eines Adepten, der hier Gold machen sollte. Ter erste Preußenkönig führte einen dritten Bau auf und residierte hier eine Zeit lang. Friedrich Wilhelm I. berref nach hier das! berühmte Kriegsgericht zur Aburteilung seines desertierten Sohnes; in der Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Schloß sogar einmal Gefängnis, vis es seit nunmehr fünfzig Jahren zur Herberge und Lchrstatt künftiger Volksbildner geworden ist. Die Eöpenicker selber sind — natürlich mit Ausnahmen — nicht gerade eine feine Sorte, und die Berliner Kriminalpolizei fängt hier manchen Vogel, der sich im Bereiche der Lberspree und in der Hauptstadt selbst unnütz gemacht hat. Ein bischen gewaltthätig und kratzbürstig scheinen die Eöpenicker übrigens immer gewesen ju sein; wenigstens existiert in Rostocker Privatbesitz ein Tezelscher Ablaßbrief, der einen Eöpenicker Handwerksmeister, Namens Trllemann, vom Totschlage seines Lehrlings absolviert, nachdem er „Gebühren nach seinem Vermögen zum Bau der Peterskirche in Rom gezahlt" hat. Leider hat der industrielle Tezel keine ^kachfolger gefunden, die „aus Barmherzigkeit" ,-aufs Vollkommenste" abfolnier» ten, sobald das Geld im Kasten klang. Ab und zu hätten ihnen die Eöpenicker wohl auch heute noch etwas zu verdienen gegeben! .... A. R. „Seine Kgl. Hoheit der Großberzoa haben dem Landwirt Otto Narr und Karl Erb ... in Anerkennung der von denselben gemeinsam am 5. März lf. Jahres mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigner Lebensgefahr bewirkten Rettung des ... . eine Geldprämie zu verleihen geruht. In Gemäßheit Allerhöchster Entschließm^g wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht." „Nachdem Seine Kgl. Hoheit der Großherzog mittels Allerhöchster Entschließung vom 30. d. M. Allerg nadigst geruht haben, auf den Antrag des Ortsvorstandes zu Bensheim und nach guiächtlicher Anhörung des Kreistags des Kreises Bensheim für die Kreisstadt Bensheim die Slädteordnung m i t Wi.rkung vom Zeitpunkt des erstmaligen Zusammentritts der neu zu wählenden Stadtverordncienversammlung für anwendbar zu erklären — so wird dieses hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht." Wahrlich, hier ist ärgster Spott angebracht, und die wW- Ztg." kleidet ihn in folgende boshaften Worte: Demjenigen Herrn, der wo das geschrieben hat, gehört in Gemäßheit seiner Verdienste in Bezug auf die Sprache seitens der demselben vorgesetzten Behörde unter Wirkung vom Zeitpunkt der Veröffentlichung seines diesfallsigen Erlaßes das Schreiben verboten und dieses zur öffentlichen KennNuß gebracht. Rohrbach bei Ober-Ramstadt, 6. Aug. In den letzten Tagen wurde am Hause des Forstwarts Schulz ein Akt großer Rohheit verübt. Derselbe hatte an seinem Hause mehrere junge Reb stücke, wovon einer über hundert Henkel auf einer Quadratfläche von 1,25 Meter hatte. Der schönste Stock wurde etwa 1 Meter über der Erde a b g e - s chnitten. Mainz, 7. Aug. Aus Kastel berichtet man über die Schäden des letzten Orkans, daß ein Festungsweg wegen der zahlreich gebrochenen Aeste unpassierbar ist. Zahllose Vögel, selbst Krähen, haben dem Wetter nicht Stand gehalten. Auf der Chaussee nach Kostheim wurde ein starker Baum gebrochen. Aus Bodenheim wird gemeldet, daß der Obstbehang arg gelitten habe. Von besonderer Stärke muß der Orkan in Flörsheim gewesen sein. Dort wurden fünf Güterwagen vom Sturm alws dem Geleise gehoben. Mainz,?.fAug. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß die vor kurzem verstorbene Frau Dieterich der Stadt eine wertvolle Gemäldesammlung testamentarisch hinterlassen habe. Stadtv. Rühl erstattete nunmehr einen eingehenden Bericht über die Erbauung eines neuen Reinigungsamtes vor dem Rheinthore. Das Gebiet des jetzigen Reinigungsamtes wird zur Erbauung eines neuen Oberrealschulgebäudes verwendet werden. Die Versammlung bewilligte Mk. 134 300. Zu der Debatte wurde von dem Berichterstatter mitgeteilt, daß die Einleitung der Fäkalien in den Rhein voraussichtlich nicht mehr lange auf sich warten lassen dürste. — 'Das gestrige Unwetter hat in der Vogelwelt viele Opfer gefordert. Heute morgen waren die Anlagen vor den Thoren mit Hunderten von Vogelleichen bedeckt. Kirche und Schule. Darmstadt, 5. Aug. Das im Mai eröffnete Seminar für Volksschullehrerinnen ist bereits von 52 Aspirantinnen besucht, worunter 12 katholisch sind. Vermischtes. * Einer der abgefeimtesten Gauner und Bettler, der sein Gewerbe mit solchem Erfolge betrieb, daß seine wöchentlichen Einnahmen sich auf 300 bis 400 Mark, sehr oft auch auf das Doppelte beliefen, ist in Newyork in der Person des sich Dr. A. Baron v. Manteuffel nennenden Wilhelm Trübner verhaftet worden. Seit mehreren Jahren hat Trübner in fast allen größeren Städten der Ver. Staaten von dem Ertrage der professionellen Bettelei in solchem Luxus gelebt, daß seine Genossen ihm den Namen „König der Schnorrer" gaben. Er gerierte sich als ein Sohn des ehemaligen Statthalters von Elsaß-Lothringen, des Generals v. Manteuffel, und wußte durch rührende Geschichten durch unverschuldetes Elend seine Opfer stets zu bewegen, ihn mit reichlichen Geldmitteln zu unterstützen. Sein wirklicher Name ist Trübner, und wie seine näheren Bekannten erzählen, ist er aus Hannover gebürtig. Als ein „Kollege" Trübners wurde Otto Wittels festgenommen, und die im Besitz des Letztgenannten vorgefundenen Papiere lassen ersehen, daß er Der Sohn des angesehenen Wiener Bankiers Rudolph Wittels ist. Ein zweiter Sohn des Bankiers, Max Wittels, soll hier als Kellner beschäftigt sein. Im Besitz des „Barons v. Manteuffel" fand man Schriftstücke, welche den Umfang der Bettelei sowie auch die Leichtgläubigkeit und zugleich Mildthätigkeit des Publikums ersehen ließen. Die „N.-Y. Staatsztg." hatte schon im März 1901 eine Warnung gegen den „Baron" erlassen. Er verschwand hierauf von der Bildfläche und hat sich im Westen, in Chicago, Cleveland, Indianapolis, Washington und anderen Städten, Herumgetrieben, bis ihm auch dort das Pflaster zu heiß wurde, und er vor einigen Wochen zu den Fleischtöpfen Newhorts zurückkehrte. Ein Paß der deutschen Regierung, ausgestellt unter dem Datum des 16. Mai 1899 auf den Namen des Dr. A. Baron v. Manteuffel aus Weißenburg, gefälschte Empfehlungsschreiben des deutschen Konsular- Agenten G. Dittmar zu Washington, an Professor Elist gerichtet und den Ueberbringer Baron o. Manteuffel als einen Sprachengelehrten und ehemaligen Mitarbeiter des verstorbenen Oxforder Professors Max Müller empfehlend, Briefe des Lord und der Lady Algernon Gordon-Lennox und vieler anderer hochgestellter Persönlichkeiten, befinden sich unter den Schriftstücken, die man dem Gefangenen abnahm. Das Interessanteste ist jedoch eine Liste der reichen Leute, bei welchen er entweder schon gebettelt hatte oder denen er noch einen Besuch abstatten wollte. Tie Namen tragen Randbemerkungen, wie hoch die Beträge seien, welche er erhielt, oder zu erwarten habe, ferner Angaben über die Eigenart der Leute, deren Sprechstunden und sehr oft deren Familiengeschichten und Konnexionen, welche er vielleicht als Empfehlung nennen oder deren Namen er als Annäherung benutzen konnte. So befindet sich z. B. hinter dem Namen des Kongreßmitgliedes Astor Chandler folgende Eintragung: „Astor Chandler ist Kongreßmitglied und mit einem österreichischen Edelmann Baron Hoene, in Wien wohnhaft, auf der Tigerjagd in Afrika im Jahre 1898 gewesen. Dieser Hoene kennt einen Leutnant zur See im österreichischen Marinedienst mit dem Namen Rodakowsky. Dieser Rodakowsky hat einen Bruder,' der eine Mesalliance mit einem Mädchen, das bei Ronacher in Wien Büifetdame war, eingegangen. Nachdem er fein mütterliches Erbe von 200 000 Gulden verputzt, und Schulden gemackt, ist er 1899 nach Amerika gegangen." Auch Mayor Seth Low, Dr. Richard Gottheil von der Columbia- Universität, sowie fast jeder wohlhabende Deutsch-Amerikaner sind von dem „Baron" angebettelt worden, wie die Papiere ersehen lassen. Gewöhnlich erzählte er, seine Frau sei schwer krank oder gestorben, manchmal sagte er auch, sein Kind sei gestorben, und er habe kein Geld, um es beerdigen zu lassen. Jüdischen Familien erzählte er, seine Eltern hätten ihn verstoßen, weil er gegen deren Willen eine Jüdin geheiratet habe. In den Kaffeehäusern an der zweiten Avenue spielte der „Baron" den großen Herrn, spazierte mit Cylinder und Frack herum, spielte Karten um hohen Einsatz und führte ein üppiges, sorgenfreies Dasein. * Ter erste Tabak in Bayern. Die Rauchet wird es vielleicht interessieren, das genaue Datum zu erfahren, wann der Tabak nach Bayern gekommen ist. Am 28. Oktober 1578 fragt Prospero Visconti, wie Henry Simonsseld in dem von ihm herausgegebenen Briefwechsel von Herzog Wilhelm V. mit seinem Mailänder Agenten und politischen Korrespondenten mitteilt, bei Herzog Wilhelm V, an, ob er die aus Westindien gekommene Tabakpslanze in seinem Garten habe, die eine unendliche Menge heilkräftiger Eigenschaften habe und besonders gegen Wundschaden gut sei; Prospero sei erbötig, ihm allenfalls (Santen, von ihr zu verschaffen. Ter Herzog, der stets für exotische- Pflanzen ein gen omni en war, hat dann seinen Agenten um solchen Samen gebeten, und wir lesen unter dem 28. Januar 1579, daß Prospero ihm diesen Wunsch erfüllt. Diese Nachricht gehört zu den ältesten fest kotierten über die Einführung des Tabaks in einem deutschen Lande. Auch die Sonnenblume wurde damals durch Prosperos Vermittelung aus Spanien für des Herzogs Garten importiert (11. März 1573). Es giebt übrigens Zeugnisse antiker Schriftsteller, aus denen hervorgeht, daß man im Altertum bereits als Genuß- wie als Heilmittel Pslanzendämpfe eingesogen hat, so üon Herodot, Pomponius Mela und Plutarch Hof-Möbelfabrik und Kunstachrelnerei von Ludwig Alter in Darmstadt Hochfeine, stilvolle Einrichtungen | 758 Etablissement allerersten Ranges. Grossh. Hessischer und Kaiserlich Russischer Hoflieferant. Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtungen Auf Wunsch kostenlose Unterbreitung meiner Haupt-Kollektion. M- Seidenstoffe».» von Eiten & Keussen, Krefeld. Anerkannt bestes Mittel gegen 5637 Mecum. 5394 Loose ö Mk. Wer baut? verlange Kostenanschläge über 02946 la. Referenzen von dem la. Referenden 96( Spezialität: Billige Ausgaben. 12, 184 Beton-, Monier-, Gement-, Asphalt- und Gyps-Arbeiten acker dahier übertragen. Gießen, Juli 1902. Tie Pferdemarktkommission zu Gießen. Jean Kirch, Stadtverordneter. Spezialgeschäft für Aeton- und Woniervau Hans Baer, Bahnhofstraße 8. Richard Buchacker, General-Vertrieb, Hießen, 11 Rcuenbänc 11. — Taselbsl 11 Loose 10 Mark. Wanderer, Adler, Mars, JZ-c/belxör- VLaxd. ZEZisa/tztelle, apqg- fachgemäße Reparatur “W preiawürdig. [3492 Fr. Krogmann, Bahnhofstr. 30. Verkaufsstelle meiner Waren bei U. Reiss, Giessen, Mänsbnrg Frankfurter Schuhlager. A A der altbewährten, vielfach preisgekrönten TnOlilrtO Maggi-Würze II l wK JL WF H I W genügen, um schwache Suppen und Speisen im Geschmack augenblicklich ▼ H ▼ ▼ । üb errafchend gutun^räfti^^uachen^^^^^^^ Bekanntmachung, betr.: Einrichtung eines Arbeitsnachweises für die m diesem Jahr zur Entlassung kommenden Mannschaften der Ostasiatischen Besatzungs-Brigade. In der Zeit vom 5. August bis 7. Oktober d. I. komme,: m Bremerhafcn und auf dem Truppenübungsplatz Munster m Hannover die Mannschaften der Ostastatlschen Besatzungs-Brigade iur Entlassung, die sich zum großen Teil aus Handwerkern und Arbeitern zusammensetzen. „ . Um diesen Leuten möglichst schnell Arbeit zu verschaffen, hat der Königlich Preußische Kriegsminister das Großh. Mnusterium des Innern ersucht, die Arbeitsnachweisstellen anzuweisen, dem Ausschiffungskommando in Bremerhaven und dem Auflösungskommando auf dem Truppenübungsplatz Munster Listen über angemeldete offene Stellen einzusenden. Wir fordern deshalb alle Arbeitgeber Gießens und der Umgegend, die ihren Bedarf an Arbeitskräften aus obigen Mann- schaften zu decken beabsichtigen, auf, desfallsige Gesilche an den unterzeichneten Arbeitsnachweis bis spätestens 1. Oktober d. I. zu richten und recht ausgiebigen Gebrauch von obiger Einrichtung zu machen. Gießen, am 2. August 1902. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Ernst Challier (Rudolphs Nacht.) Giessen. Speclal-Geschätt für Misikwaaren aller Art Grosse Auswahl, solide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko. Musikalien-Handlung und -Leihanstalt Gjchm Wlkimlil-Wmk Ziehung am 11. September d. I. HnnnlxYnwT Ein elegantes, viersitziges Halbverdeck, mit naUpigvW. Pferd und silberplattiertem Geschirr, 9 Pferde und Fohlen, landwirtschaftliche Maschinen und für Jedermann nützliche Gebrauchs-Gegenstände. I sind in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften und aui dem Lande bei den Polizeidienern zu haben. 5598 Pferdemarkt zu Gießen. Am Mittwoch den 10. September findet auf denstädtischen Marktanlagen nächst der giodbeimerstraße Pferdemarkt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen; wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Marktangelegenheiten erteilt Herr Weinhändler August Schwan dahier. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1565 Mk. zur Verfügung stehen. Der Prämiierungsplan ist von Herrn Oetonomierat Schlcüte, Hardthof bei Gießen, zu erbitten. Tie Preisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12l/a Uhr. 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