Nr. 158 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hesfischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bt. Brü h l'sche- Univers. Buch-u. Ster, btuderct (Pietsch Erben) Ihe&afiiL. Grpebttlow un» Druckerei: Tchulstratze 7« Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 9. Juli 1008 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugSpreiS: monatlich 75Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Aik.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den oolit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. ES Der Würzburger Hlniversttäts-KonfliKt. Ter Kvnflikt zwischen der bayerischen Regierung und dem Senat der Universität Würzburg hat sich weiter verschärft. Wir meldeten bereits gestern, daß die Regierung die Einsetzung eines Disziplinarverfahrens veranlaßt hat, und zwar wegen angeblicher Beleidigung des Kultusministers Dr. v. Landmann. Diese soll in dem Wortlaut der Erklärung gefunden werden, in oer Rektor und Senat beim Ministerium ihre Amtsenthebung beantragten. Das Disziplinarverfahren soll sich auf die vorzeitige Veröffentlichung jener Erklärung erstrecken. Ver- aeblich fragt man sich worin eigentlich eine Beleidigung des Ministers gefunden werden könnte. Höchstens könnte iu der Erklärung der Würzburger Professoren die Behauptung als Beleidigung- angesehen werden, daß sich der Minister im Widerspruch mit den Akten befinde. Daraufhin kann aber doch kaum ein Disziplinarverfahren gegen Die beteiligten Mitglieder des Würzburger Senats eingeleitet werden. Ohne Kenntnis der Akten fallt es natürlich dem Fernerstehenden schwer, ein sicheres Urteil über die Angelegenheit zu gewinnen. Bekanntlich behauptet der Senat von Würzburg, daß in dem Streit der Professoren Chroust und Först e r der erstere die Schuld trage, während der Minister iu der Kammer erklärte, Chroust sei weder als der schuldige, noch als der mehrschuldige von beiden Seiten anzusehen. Ob der Senat oder der Minister in dieser Frage recht hat, ist für die Oeffentlichkeit von geringem Interesse. Das ist ein mehr häuslicher Streit, der allein schwerlich die Aufmerksamkeit auf die Würzburger Angelegenheit gelenkt hätte. Aber die Art, in welcher der Minister in der bayerischen Kammer gegen den Senat der Universität Würzburg ausgetreten ist,gÄ der Sache eine weitergehende Bedeutung. Er gefiel sich in schroffen Wendungen und warf der Unr- versitätsbehörde klipp und klar Befangenheit vor. Dies Auftreten entspringt nicht etwa einer augenblicklich>en Wallung des Ministers, sondern entspricht der Haltung, die Minister von Landmann allgemein gegenüber freieren Regungen an den Universitäten eingenommen hat. Wiederhol hat er in Univeriitätsairgelegenheiten ein bitteres Urteil oder eine unbegrünoete Zurechtweisung ausgesprochien. Jetzt hat der Würzburger Senat es für richtig gehalten, eine abermalige Provokation mit einer entschiedenen Protesterklärung zu beantworten Man kann dem Senat darin nur recht gÄen. Wenn auch den Ministern die Leitung des Universitätswesens unterstellt ist, so haben doch die UniversitätÄehörden die Aufgabe, die Selbstverwaltung mnd die Würde der Hochschulen gegenüber allen Angriffen und Eingriffen zu wahren, von welcher Stelle sie auch kommen mögen. Der Senat hat den Konflikt nicht gesucht und auch nichts gethan, um den Konflikt zu verschärfen. Es ehrt die zehn zurückgetretenen Professoren, daß sie einen ihnen von den Studenten angebotenen FackeU- zug abgelehnt haben. Sie vertrauen auf die Gerecht tigkeit ihrer Sache und haben dabei die öffentliche Meinung auf ihrer Seite. Als Dr. v. Landmann zum Kultusminister ernannt wurde, war vielfach die Meinung, daß er in kirchlichen und in Schulfragen liberalen Tendenzen geneigt sein würde. Diese Meinung hat sich als ein gründlicher Irrtum erwiesen. Schroffer als sein Vorgänger ist Herr v. Landmann liberalen Anschauungen als Kultusminister entgegengetreten. Wenn er sich in dem Würzburger Streit des Professors Chroust angenommen hat, so dürfte dabei der Umstand nicht ohne Einfluß gewesen sein, daß Professor Chroust als ein Gegner liberaler Anschauungen gilt, ßnmeut wird gemeldet, daß der Würzburger Konflikt zu einem Mini st cr.w e ch s e l führen wird. Letzthin hat in München ein mehr als zweistündiger Ministerrat stattgefnnden, der sich mit der durch den Würzburger Konflikt geschaffenen Lage beschäftigt hat. Man darf gespannt sein, wie sich die Angelegenhell entwickeln wird. Der Prinzregent hat die Akten des Streites eingesordert, um sie persönlich zu prüfen. Es kann allerdings nach Lage der Dinge schon jetzt mit Sicherheit als Ergebnis dieser Prüfung die Entlassung des Dr. v. Landmann vorausgesagt werden, der für das Regierungs^- präsidium von Oberbayern in Aussicht genommen ist. Da dieser Posten aber erst am 1. August durch den Rücktritt des Herrn v. Auer frei wird und Minister v. Landmann jedenfalls jden Kultusetat bis zum Schluß im Landtage vertreten wird, werden immerhin noch einige Wochen vergehen, bis die Entscheidung sällt. Politische Tagesschau. Die Bedeutung der ländlichen Bevölkerung für die Wehrkraft des Deutschen Reiches. Der Deutsche Landwirtschaftsrat hat in diesen Tagen den Verhandlungsbericht über die Bedeutung der landwirtschastlichen Bevölkerung für die Wehrkraft des Deutschen Reiches herausgegeben. Die Referenten bei der Plenarberatung im Februar waren Professor Dr. Sering von der Berliner Universität und Freiherr von Cetto aus München. Die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß die Mehrzahl der wissenschaftlichen Untersuchungen die überwiegende Militärtauglichkeit der ländlichen Bevölkerung gegenüber der städtisch-industriellen dargetban hat, daß aber ein sicheres Urteil über die Bedeutung der Abstammung, der Wohnweise und der verschiedenen Berufsthätigkeilen für die körperliche Entwickelung der Heranwachsenden Jugend aus dem bisher veröffentlichten Material der Ersatzbehörden nicht genommen werden kann. Hierzu sei die Feststellung des Berufes, des Wohnortes und der Herkunft der Eltern, ferner die Feststellung des Geburtsortes, des Aufenthaltsortes und des seit der Schulentlassung hauptsächlich betriebenen Berufes der Gestellungspflichtigen erforderlich. Der Deutsche Landwirtschaftsrat beschloß daher, den Reichskanzler zu bitten, das Material der Ersatzbehörden, das über alle diese Punkte Auskunst giebt, den statistischen Zentralstellen zur fortlaufenden Verarbeitung und Veröffentlichung zu überweisen. Der Bericht enthält mit seinen Anlagen ein so reichhaltiges Material über die Wehrfähigkeit der Bevölkerung, wie es bisher in der deutschen Litteratur nirgends vorhanden war. Das Riesenwerk der deutschen Arbeiter-Verficherung. Auf dem unlängst in Düsseldorf stattgehabten Inter» nationalen Arbeiter-Versicherungs-Kongreß referierte der frühere Präsident des NeichsoersicherungSamtes, der Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Dr. Boediker, über die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Deutschen Arbeiter-Versicherung. Von allgemeinem Interesse sind die Summen der Aufwendungen für die drei Teile derselben und geben wir dieselben hiermit bekannt: Versichert sind zur Zeit rund gegen Krankheit 10 Millionen Personen „ Unfall 17% , „ Invalidität und Alter 12% , , Geleistet wurde seit Bestehen (1900 und 1901 schätzungsweise) von der Kranken-Versicherung 1,840,000,000 Mark Unfall-Versicherung 705,000,000 , Jnval. u. Alters-Versicherung 598,000,000 „ zusammen 3,143,000,000 Mark" und zwar 2034 Mill, für Renten und Krankengeld, 1028 „ für Arzt, Heilmittel, Anstaltspflege, Wochenbett, 81 „ für Sterbegeld. Dazu kommen die riesigen Reservefonds und sonstigen Bestände der Krankenkassen mit 165,000,000 Mack der Unfallversicherung mit 185,000,000 , der Jnval.- u. Altersversicherung mtt 920,000,000 , der Knappschaftskassen mit 130,000,000 , zusammen 1,400,000,000 Mack Hochinteressant sind sicher auch die gewaltigen Zahlen der Beträge, welche seitens der Alters- und Invaliditäts- Versicherungsanstalten und der gesetzlich gleichstehenden Einrichtungen kraft gesetzlicher Befugnis zu billigen Zinsfuß flüssig gemacht worden sind für die Befriedigung des landwirtschaftlichen Kreditbedürfnisses, für Kleinbahnen, Land- und Wegeverbefserungen, Hebung der Viehzucht und Linde- Iu und um Auckir-gham-Mlace. London, 3. Juli. Auf weitem kiesbestreutem Platze erhebt sich zwei Stockwerke hoch in imposanter Länge die Fayade des Buckingham-Palastes. Fünf Thore, ein hochgewölbtes Mittel- portal, dessen schmiedeeiserne Thüren das goLene königliche Wappen schmückt, und je zwei kleinere seitliche durchbrechen das Erdgeschoß. Ihnen entsprechen fünf Ein- und Ausfahrten in dem stattlichen Eisengitter, das auf niedrigem, sandsteinernem Unterbau weit vorspringend die wimmelnde Menge der gewöhnlichen Sterblichen in geziemender Entfernung hält. Vom Dache weht unter blauem Sommerhimmel das bunte Königsbanner. Emile Zola hat in einer Reiseskizze über den Palast, auf dessen königliche Krankenstube gegenwärtig das teilnehmende Interesse der ganzen Welt sich vereinigt, sehr abfällig geurteilt, hat ihn die geschmackloseste, ungeschlachteste Behausung genannt, die je ein König gehabt habe. Aber er hat sich zu diesem Urteil nach französischer Art durch die Außenseite verleiten lassen. Diese ist, trotz der gewaltigen Dimensionen, unansehnlich genug, kahl, schmucklos, obendrein durch schmutzig grauen Anstrich verdüstert. Aber schon die Lage des Schlosses ist wunderschön, unvergleichlich viel schöner als die des Berliner Königlichen Schlosses oder des Louvre oder selbst die der Hofburg in Wien. Ein wogendes Meer von Grün trennt es von der steinernen Häuserwüste der Weltstadt. Greeu-Park mit seinen eichenumkränzten Wiesenteppichen, St. James' Park mit seinen blühenden Boskets, fernen lauschigen Hainen, der silbernen Fläche seines langgestreckten Teiches, seinen hübschen Durchblicken auf die Türme von Westminster schützen es vor dem Staub und dem Getöse des Londoner Straßenlabyrinthes. Die lebendige Schutzwehr gegen unbefugte Eindringlinge ist gegenwärtig besonders stark. Polizisten in dunkelblauen Joppen und Tropenhelmen, Gardegrenadiere inr scharlachroten Rock, die kolossale Bärenmütze auf dem Kopf, halten alle Zugänge besetzt. Selbst die sonst nie versagende Springwurzel unerschütterlich sicheren Auftretens würde uns hier keinen Einlaß verschaffen. Mit der ahnungslosen Menge nach den Fenstern der Haupt fahnde hinaufzustarren lohnt sich aber um so weniger, als nach dieser Seite nur die Staatszimmer und Festsäle liegen, während die Privatgemächer des Königs- paares nach dem Park hinausgehen. Dort liegen seitlich auch die königlichen Marställe und Remisen mit den 40 Hofkutschen ^schließlich der goldenen Staatskarosse, die Eipriani 1762 für Georg II. um 7665 Lst. 16 sh 5 Pence erbaute, und die, mit acht ifabeUeii frnbeneit Hengsten bespannt, das Herrscherpaar hätte zur Krönung fahren sollen. Kon da her wollen wir einen Versuch wagen. Durch Buckingham Gate gelangen wir an einem Seitenportal vorbei, über dessen mit dunkelgelbem Kies sorgfältig bestreuter Vorfahrrampe ein blau und weiß gestreiftes Zeltdach ausgespannt ist. Wagen auf Wagen rollt heran. Altfränkische wappengeschmückte Karossen, die aussehen wie Himmelbetten aus Rädern, und elegante Landauer modernster Montierung wechseln miteinander ab. In duftigen Spitzentoiletten, Pariser Dlumenhüte auf den blonden Köpfen, entsteigen ihnen die anbetungswürdigen Frauengestalten der englischen Aristokratie, um sich in die Kranken- besuchsliste, die in der Empfangshalle aufliegt, einzutragen. Hier wird die Bewachung schon weniger a la Cerberus gehandhabt, von vier gepuderten Lakaien in goldverbrämten Scharlachsracks und schwarzsamtenen Kniehosen aber immer noch gewissenhaft ausgeübt. Die hohe, epheuüber- wachsene Pari'mauer entlang schreitend, kommen wir an den verräucherten, niedrigen Gebäudekomplex der Marställe und, siehe da, Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden: ein breites Doppelthor steht, völlig unbewacht, offen. Tauben gurren und picken vor den Stallthüren. Keck schreiten wir hindurch, gelangen unbehelligt über den Hof und stehen eine Minute später in dem schattigen Park, der sich westlich dem Palast anschließt. Niemand kümmert sich um uns. Als ob wir hier zu Hause wären, können wir uns in dem paradisischen Garten ergehen. Er umsaßt beinahe 60 Morgen, von denen etwa der fünfte Teil von einem buchtenreichen See bedeckt ist. Im Goldlicht der Nachmittagssonne, das zitternd durch die herrlichen alten Baumgruppen fällt, spielen über dem Schilf des Ufers Falter und Libellen. Am Schiffshause schaukeln Gondeln und Nachen im leise plätschernden Wasser. Bootsleute in dunlelroten Uniformen, das königliche Wappen in Gold aus die Sammetwümser gestickt, mit jockey- mützenartigeu Kopfbedeckungen, halten im Schatten Siesta. Vorüber an dem zierlichen Rococotheehaus der Kontgut Viktoria nähern wir uns der Westfront des Palastes. Die stattliche, breite Terrasse davor mit der marmornen Freitreppe liegt leer im glühenden Sonnenbrände. Die Fenster des ersten Stockwerets, aus dessen Mitte das Bibltothek- zimmer halbkreisförmig vorspringt, sind von blau und weiß gestreiften Marquisen beschattet. Die des zweiten Stockwerks nicht. Äln der Nordecke des Mittelbaues, unfern einer wundervollen Rotbuche, Die traumhaft ihren Rieseuwipsel wiegt, liegt dort schräg über der Bibliothek das Krankenzimmer König Eduards. Es hat drei Fenster. Deutlich sind an dem einen, das offen steht, die messingnen Flügel des davor stehenden elektrisch bewegten Ventilators, das weiße Häubchen und der Schürzenlatz der aus dem Fensterbrett hantierenden Wärterin erkennbar. Mer Hiebe ohne Erschütterung vor den Fenstern, hinter dessen blitzenden Scheiben einer der Mächtigsten dieser Erde schwer krank liegt! Welche eindringliche Mahnung liegt in dem Bilde dieses königlichen Kranken, der sich eben anschickte, die Krone eines Reiches, in dem die Sonne nicht untergeht, sich aufs Haupt zu setzen, und der jetzt auf das Schmerzenslager gebannt ist, schwach und hilflos wie ein Kind! Im selben Stockwerk desselben Palastes hat „Bertie", wie der König lange im Famllienkreise genannt worden ist, das Licht der Welt erblickt. Der greise Sieger von Waterloo war der erste, der seiner königlichen Mutter in der Frühe seines Geburtstages glückwünschend die Hand küßte. Heber sechzig Jahre sind vergangen seü jenem Novembermorgen. Was mag, so dachte ich, als ich auf dem Heimwege abermals die gaffende Menge am äußeren Parkgttter durchschritt, im Grunde die Herzen dieser Leute bewegen? Wie zur Lösung dieser Frage stürzte im selben Augenblick gegenüber ein Pferd so unglücklich, daß es sich nicht wieder zu erheben vermochte. Binnen drei Minuten war der ganze Menschenschwarm, der bisher das Schloßgitter umdrängte, hinübergeeilt und umringte das gefallene Tier. Es Hingt frivol, ist aber nichts als die Wahrbell: ein sichtbarlich verendender Gaul ist für den Vollblutengländer interessanter als ein hinter verschlossenen Thüren krank darnieder liegender König. Sein ganzes Empfinden wird beherrscht vom Sensattonellen, sein physischer und sein ästhetischer Geschmack sind darauf zuge- schnitten. Die englische Küche, die englische Kunst, die englische Litteratur, sie alle arbeiten bald mit süßlichen, bald mit brutalen Sensationen. Niemand kann aus seiner Haut heraus, und so verleugnet sich dieser englische Cyarak- terzug auch nicht, wo der König in Frage kommt. Was die Londoner während der letzten Tage in Scharen an das Gitter trieb, an das die Bulletins angeheftet werden, war im Grunde derselbe Drang nach Aufregung, der Tausende, nach Newgate führt jedesmal, wenn dort im Morgengrauen das Hissen der schwarzen Flagge verkünden soll, daß ein dem Tode Verfallener geendet har. Ich will den Engländern beileibe nicht die loyale Gesinnung absprechen. Aber sie ist bei ihnen mit einer stärkeren Dosis leerer Neugier versetzt, als in anderen Ländern, wo das Königtum mehr ist als ein Zierat an der Staatsmaschine. Nur ein ungewöhnlich hohes Maß von Popularllät, wie es etwa die verstorbene Königin gegen das Ende ihrer langen Regierungszeit besaß, ändert Daran etwas, und von einem solchen kann bei Eduard VII. keine Rede fein. Seine Volkstümlichkeit ist weder sehr alt, noch reicht sie besonders tief. _ v- Z, rung der Futternot, ferner für ben Bau von Kranken- und Genesungshäusern, Vollsheilstätten, Gemeindepflegestationen und Herbergen, Arbeiterkolonien, Volksbädern, Blindenheimen, Lungenheilanstalten, Kleinkinderschulen, Geschäftsräumen für Arbeiternachweis, für Kanalisations- und Straßenbauten und ähnlichen Wohtfahrtseinrichtungen mit zusammen 277,934,600 Mark. Die „zugelassene Kasseneinrichtung" für die Arbeiter der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft hat für den Bau von Arbeiterwohnungen allein über 3,500,000 Mark verwandt. Zu diesen vorgenannten gesetzlichen Aufwendungen kommen noch die freiwilligen Zuwendungen von Arbeitgebern für ihre Angestellten und Arbeiter, welche im Jahre 1901 über 80,000,000 Mark betrugen, abgesehen von der unausgesetzten Schöpfung und Förderung aller Arten von privaten Wohlfahrtseinrichtungen neben der obligatorischen Arbeiter-Versicherungs-Organisation. Rechnet man noch den nicht zu schätzenden ideellen Wert des Zusammenwirkens von Arbeitgebern und Arbeitnehmern neben einander in derselben Organisation auf rein arbeiterfreundlichem Gebiet, in der Verwaltung wie in den Schiedsgerichten, die Fürsorge für die Unfallverhütung insbesondere dazu, so darf man wohl hoffen, daß den „grundsätzlich Unzufriedenen" immer mehr der Boden entzogen werde und daß sie schließlich vor der Macht der That- sachen kapitulieren müssen. Die Zolttarifkommission Serie! am 8. d. M. den Abschnitt 6, Seber toharen, Kurschnerwaren Und Darmwaren und nahm zunächst nach längerer Debatte die Positionen 544 bis 554 Leder, nach der Vorlage unter Ablehnung mehrerer, aus Herabsetzung der Zollsätze gerichteter Anträge an. Einem Anträge Schrader auf Erhöhung der Zollsätze im Einklänge mit der beschlossenen Erhöhung der Gerbstosfzölle trat Staatssekretär Graf Posadowsky entgegen, indem er bemerkte, die Regierung war mit der Erhöhung der Gerbstosfzölle von vornherein nicht einverstanden. Nach gründlicher Prüfung könne er jetzt erklären, daß die Regierung nicht gewillt sei, diese erhöhten Zolle anzu- nehmen. Es sei dringend notwendig, diese Zölle in der zweiten Lesung herabzusetzen. Redner warnt dann vor der Erhöhung der Lederzölle über die Sätze der Vorlage hinaus. Die Regierung sehe in einer Erhöhung der Ledern zolle einen schweren Schlag für die Lederindustrie, namentlich für deren Stellung. In der weiteren Debatte behandelte die Zolltariftommission die Positionen 555, Lederschuhe mit Holzsohlen, und Pos. '556, mit anderen Sohlen. Die Vorlage verlangt in 555, 40 Mk. Zoll, in 556, falls das Paar Schuhe über 1100 Gr. wiegt, 85 Mk., bis zu 1100 Gr. 120 Mk. Zoll. Die Kommission nahm schließlich einen Antrag Paasche und Müller- Meiningen an, in Position 555 den Zollsatz auf 30 Mk. zu ermäßigen, nahm zu Position 556 die Vorlage an. Heer und Flotte. Hamburg, 8. Juli. In Sachen der Kollision zwischen dem englischen Dampfer „Firsby", Kap. Tyres, und dem Torpedoboot 42, Kommandant Kapi- täpleutnant Rosensto ck v. Rhön eck, über die heute vor dem Hamburger Seeamt verhandelt wurde, gab das Seeamt folgenden Spruch: Der am 24. Juni morgens in der Nähe von Cuxhaven stattgehabte Zusammenstoß zwischen dem Torpedoboot 42 und dem englischen Dampfer „Firsby", wodurch das Torpedoboot zum Sinken gebracht wurde und der Kommandant nebst drei Mann der Besatzung das Leben verloren haben, ist durch Führung des Dampfers „Firsby" verschuldet worden. Es ist als erwiesen anzusehen, daß der „Firsby" nach dem Absetzen, das Lvotsen bei der Alten Liebe ein wenig auf der westlichen Seite der Leitlinie war, und daß er beim Erblicken des grünen Lichtes des in die Leitlinie einsteuernden Torpedobootes sich zu spät entschloß, unter Backbordruder die rechte Seite seines Fahrwassers wieder zu gewinnen. Manöver des Torpedobootes sind nicht äts Ursache für den Vorfall anzusehen. Zu bemerken bleibt jedoch, daß die Situation weniger schwierig geworden wäre, wenn der Kommandant des Torpedobootes nicht in der Leitlinie aufgesteuert wäre, sondern die Leitfeuer hätte auseinander halten lassen. Das Einsteueru in die Leitlinie ist in dem Nordseehandbuche für Torpedoboote vorgeschrieben. Diese Vorschrift steht nicht im Einklang mit der Hamburgischen Verordnung betr. Rhede und Elbfährwasser bei Cuxhaven vom 15. Mai 1898. Die prompte Rettung eines Teiles der Besatzung des gesunkenen Torpedobootes durch den Dampfer „Firsby" verdient Anerkennung. Der Leipziger Bankprozetz. xv. Leipzig, 8. Juli. Es gelangt das Protokoll der Aussichtsrats-Sitzung vom 21. Februar 1901 zur Verlesung, das eine vertrauliche Erläuterung zu dem Geschäftsbericht und der Bilanz über 1900 enthält. Desgleichen kommt der Geschäftsbericht für 1900 zur Verlesung. Der Vorsitzende bemerkt, daß der Bericht eine irrige Vorstellung über den Gang der Geschäfte erwecke, man vermisse das schwere Engagement der Leipziger Bank mit der Trebergesell- schast. Es scheine, als ob die Leipziger Bank in der Haupt- sache nur zu Gunsten der sächsischen Industrie gearbeitet und hierbei Gewinn erzielt habe. Exner sagt aus, daß der Bericht seiner Feder entstamme. Es sei unrichtig, wenn die Anklage bel)aupte, daß die Ausdehnung des Geschäfts der Trebergesellschaft allein zuzuschreiben fet Wenn der Bericht die Verbindung mit der Trebergesellschaft nicht erwähne, so sei dies aus dem Grunde geschehen, weil man in der Regel nur dann die Verbindungen erwähne, wenn sie notleidend geworden. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, wie die Bank Dividende von 9 Prozent verteilen konnte, während doch das ganze Aktienkapital und die Reserve in der Trebergesellschaft investiert waren, erwidern Exner und Gentzsch, daß die Bank doch in der glücklichen Lage gewesen sei, diese Dividende zu zahlen. .Der Vorsitzende bemerkt, daß die Berechnung der Dividende auf einer vollständig falschen Grundlage erfolgt mar. Von 95 Millionen Debitoren seien 83 Millionen als gedeckt bezeichnet worden. Welchen Wert diese Deckung HEe, könne man an der Bonität Kassels wohl bemessen. Der Geschäftsbericht enthalte lauter Phrasen. Gentzsch sagt aus, daß er bis aus den letzten Tag auf die Fusion gebaut habe, und die Bank günstig beurteilt habe. Gentzsch sagt, er habe das vollste Vertrauen zu der Bank gehabt, auch fein ganzes Vermögen tu Aktien derselben flngetegt. Exuör wird befragt, tote hoch er Ende 1899 das Obligo der Trebergesellschaft geschätzt habe. Exner ’agt, ja taxieren kann ich es nicht. Eine sonderbare Auf- assung meint der Vorsitzende. Alsdann äußern sich die angeklagten Mitglieder des Aufsichtsrats, zunächst Meier, Schröder, Wölker und Dr. Fiebiger ausdrücklich über ihre Stellungnahme zu dem Geschäftsbericht. Aus dem lebhaften Verhör, mit dem der Vorsitzende die Angeklagten unterzieht, und aus der Verlesung ihrer in der Voruntersuchung gemachten Angaben ;eht hervor, daß sie sämtlich in dem Bericht keine Unwahrheiten erblickt und die Verteilung einer neunprozentigen Dividende für angemessen gehalten haben. Nach einer 'ürzen Pause äußert Sachverstänoiger Bankdirektor Herrmann seine Ansicht über den Bericht. Der Sachverständige vermißt auch hier wieder, wie in dem Bericht für 1899 irgend einen Hinweis auf Kassel. Aber mitzuteilen, daß die Kasseler Gesellschaft einen nennenswerten Betrag der Bank schulde, sei absolut ausgeschlossen gewesen., Die Leipziger Bank würde sich dadurch schwer geschädigt haben. Der Sachverständige vermißt in der Bilanz die vollständige Wiedergabe aller einzelnen Verhältnisse. Ein großer Fehler sei dadurch gemacht worden, daß man den Kasseler Angaben niemals nachgespürt, sondern sich nur mit den gegebenen Mitteilungen zufrieden gegeben habe. Kommerzienrat Sieskind sagt, der Bericht sei durchaus nicht ein richtiges Bild von der Lage der Bank. Wie die Sache stand, durfte keine Dividende verteilt werden, da man wußte, daß bei einem Aktienkapital von 48 Millionen eine Beteiligung von 83 Millionen an der Trebertrocknung bestand. Alan hätte damals aushören müssen, unbekümmert um die daraus entspringenden Folgen. Der Konkurs sei unausbleiblich gewesen. Fortsetzung der Verhandlung morgen.____________ Aus Stadt und Sand. Gießen, den 9. Juli 1902. -Die Beisetzung der Leiche des Provinzialdirektors Geheimen Rates v. Bechtold sand unter zahlreicher Beteiligung von Behörden aus allen Teilen des Landes, s owie Vertretern privater Korporationen und einer Menge dem Verstorbenen persönlich nahestehender Leidtragender gestern abend um 6 Uhr in Darmstadt statt. Uns wird darüber gemeldet : „Der Sarg war nach der Ueberführung von Gießen nach Darnistadt alsbald nach der Friedhofskapelle gebracht worden, von wo sich der Leichenkondukt in Bewegung setzte. Unter den vielen, den Sarg schmückenden, meist mit riesigen Schleifen versehenen Blumenspenden bemerkten wir u. a. einen von dem Großherzog gesandten Kranz mit rot-weißen Schleifen, deren Enden ein verschlungenes E L zierten. An dem vorderen Ende des Sarges hing ein Kranz mit grün-rot-goldenen Farben von dem Corps Teutonia in Gießen, dessen A. H. der Verstorbene gewesen ist. Zunächst hinter dem Sarge kam der Geistliche, der Superintendent für Oberhessen, Petersen, die nächsten Angehörigen und dann die übrigen Leidtragenden. In seiner Ansprache am Grabe hob der Geistliche die stete Pflichttreue, die weit bekannte humane Gesinnung des Verstorbenen sowohl seinen Untergebenen, wie auch Fernerstehenden gegenüber hervor, er wies darauf hin, daß er in seinem Beruse gesucht habe, Gott zu dienen als Gottes Pilgrim und Bürger des Herrn. Der Geistliche streifte dann mit einigen Worten den beruflichen Lebensgang des Verstorbenen, immer wieder die überall gezeigte Schlichtheit des Verstorbenen hervorhebend. Mitten aus der Lebensarbeit sei er herausgerissen worden, abberufen von seinem Gotte, aber ihm sei auch dadurch erspart geblieben die oft chwer zu ertragende Vorbereitung auf den kommenden Tod durch Alter und Krankheit zu erfahren. Wohl sei der Verstorbene ohne Abschied von den Seinen nehmen zu können geschieden, aber doch habe er noch das Glück gehabt, zu erleben, daß auch sein jüngstes Kind fertig hinaustrete ins Leben; so sei seine Lebensarbeit fertig und abgeschlossen gewesen, und er sei einaegangen zur Ewigkeit. Nachdem der Geisttiche noch Gebet und Segen gesprochen hatte, legte Regierungsrat Dr. Wagner von Gießen namens der Beamten der Provinzialdirektion und des Kreises Gießen, sowie namens des Provlnzialausschusses Oberhessens unb des Kreisausschusses Gießens Kränze nieder, worauf Rentner Schwab eine Blumenspende im Namen des Kunstvereins des Großherzogtums Hessen niederlegte. Damit schloß die Trauerfeier. Unter den Leidtragenden bemerkten wir die Vertreter des Ministeriums: die drei Staatsminister Rothe, Dittmar und Gnauth, weiter Exz. v. West er well er, den Platzkommandanten Frhrn. v. Lyncker u. a. Allseitig hört mau anerkennende Worte über den Verstorbenen, dem icherlich jeder, der ihn gekannt und mit ihm zu chun gehabt hat, ein ehrendes Andenken bewahren wird." — Der ne-ue Provinzialdirektor non Ober* Hessen. Wie man uns aus Darrnstadt von einer Seite rnckteilt, die wir für gut unterrichtet zu halten allen Grund haben, verlautet dort gerüchtweise, daß als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats v. Bechthold Herr Ministerialra Dr. Andreas Breidert in Aussicht genommen worden sei. Wir geben indeß diese Meldung mit der nötigen Reserve wieder. — Von der Ersten Kamm er. Namens des Peillions- ausschuffes der Ersten Kammer hat der Fürst zu Solms- Hohensolms-Lich über die Vorstellung der die Entfestigung wünschenden Einwohner Kastels Bericht erstattet. Es wird beantragt, dem Beschlüsse der Zweiter Kammer beizutreten, die die Frage: „Will die Kammer, nach dem Anträge ihres Ausschusses, an die Großh. Regierung das Ersuchen richten, bei dem Abschluß der bezüglichen Verhandlungen mit der Militärbehörde für Wahrung der Interessen der Bewohner Kastels energisch einzutreten und die Vorstellung damit für erledigt erklären?" mit allen Stimmen bejaht hat. — Zur Wahlrechtsvorlage. Die an Überraschungen ohnehin schon so reiche Geschichte der neuen Wahlrechtsvorlage ist um ein neues überraschendes Kapite bereichert worden. Nach den vielerörterten Verhandlungen in der Zweiten Kammer war man allgemein gespannt, welche Stellung die am Donnerstag zusammentretende Erste Kammer zu der Vorlage nehmen werde, und nun ersieh man aus ihrer 70 Gegenstände umfassenden Tagesordnung, daß sich die Wahlrechtsvorlage auf derselben überhaupt nicht befindet. Die Erste Kammer scheint bedauerlicherweise anzunehmen, daß eine Einigung mit der Zweiten Kammer in dieser Angelegenheit vorerst doch nicht zu erzielen sei. - Der Verband der Schulze-Delitzschen Genossenschaften für Starkenburg und Oberhessen tagte am 6. d. M. in Dieburg. Unter Mitwirkung des Genossenschaftsanwalts Dr. Crüger wurden genossenschaftliche Dinge in reger Diskussion erörtert. An Stelle des verstorbenen Direktors Bernhardt wurde Volksbankdirektor Gemind er- Darmstadt zum Verbandsdirektor und Direktor Weitzel- Darmstadt zu deffen Stellvertreter gewählt. — Der Ver- bandstag findet 1903 m Reichelsheim i. Q. statt. — Schloß fr eiheitslotterie. Gegenüber der metjt- ach aufgetretenen Behauptung, daß eine Verschiebung der planmäßig am nächsten Dienstag den 15. d. M. statt findenden Ziehung der Schloßfreiheitslotterie beschlossen worden fei, erfahren wir auf eingezogene Erkundigung, daß ein solcher Beschluß keineswegs gefaßt worden sei. ** Brandschäden statt st ik. Nach einer von bet Großh. Brandversicherungsanstalt für Gebäude gefertigten Statistik tarnen im Großherzogtum in den Jahren 1887 bis 1901 nach Abzug der Blitzschäden 6176 Gebäude- chäden d u r ch Br an d vor, von welchen 371 erwiesenermaßen und 121 mutmaßlich durch Kinder verur- acht waren. Es sind dies nahezu 8 Prozent der raglichen Brände, unb berechnet sich der entstandene Gebäudeschaden auf 871097, bezw. 234 316, zusammen 1105413 Mark. Diese Summe erhöht sich noch durch den Schaden an Mobilien und die durch Kinder verursachten Brände von im freien Feld sitzenden Fruchthaufen. 8 Kinder büßten bei den Gebäudebränden das Leben ein. Das Einsperren von noch nicht schulpflichtigen Kindern ohne Aufsicht in >en Wohnungen, sowie Sorglosigkeit im Aufbewahren der Streichhölzer (meist Phosphorhölzer statt schwedischer) in Küchen, Stuben, Wirtszimmern und -Gärten oder Kegelbahnen, so daß die Kinder sie leicht erreichen konnten,, pflegten das Unglück heraufzubeschwören. Tas Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt in § 832: „Wer kraft Gesetzes zur Führung der Aufsicht übet eine Person verpflichtet ist, die wegen Minderjährigkeit ober wegen ihres geistigen ober körperlichen Zustandes ber Beaufsichtigung bebarf, ist zum Ersätze des Schadens verpflichtet, ben biese Person einem Dritten widerrechtlich zufügt. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn er feiner Aufsichtspflicht genügt hat, ober wenn ber Schaben auch bei gehöriger Aufsichtssührung entstauben sein würde. Die gleiche Verantwortlichkeit trifft denjenigen, welcher die Führung der Aufsicht durch Vertrag übernimmt" Hierin liegt eine eindringliche Warnung für Eltern, Vormünder und Pfleger zu einer sorgfältigen Ueberwachung ber Kinber, namentlich zur herannahenden Zeit der Erntemonate, wo Scheunen und Höfe mit Stroh unb Heu gefüllt zu sein pflegen. Werben bie Aufsichtspflichtigen bei einem burch Kinder verursachten Brande von einer Feuerversicherungsgesellschaft auf Schadensersatz belangt, so liegt ihnen der Beweis der geübten genügenden Aufsicht ob. Bad-Nauheim, 8. Juli. Das neue Inhalatorium, über dessen Eröffnung wir bereits berichteten, ist seit Montag in Benutzung und die alten Inhalatoriums- räume an der Trinkhalle von diesem Tage ab geschloffen. Das Inhalatorium ist geöffnet von 8—1 Uhr und 4 bis 6 Uhr. — Der gemeldete Selbstmord einer junger Russin, angeblich Frau von Sasnoska aus Petersburg, ist noch in Dunkel gehüllt; weder der Polizei, noch dem Generalkonsulat in Frankfurt a. M. ist es bis jetzt gelungen, etwas Näheres über die Persönlichkeit der Unglücklichen zu erfahren. — In der heutigen Gemeinderatssitzung wurde, wie wir dem „Wetterauer Anz." entnehmen, über das Projekt der Medizinalabtellung des Kriegsministeriums auf Errichtung eines befonberen Militärkurhauses in Bad - Nauheim beraten. (Wir hatten über dieses Projekt bereits vor einigen Tagen berichtet. D. Red.) Bei dem Sanlläts- amt soll nun angefragt werden: 1. Welche Gründe bestehen für die Medizinalabtellung, oon dem feiterigen Grundsätze auf Unterbringung der Militär-Kurgäste zu einem Pflegesatze von 3 Mark in guten Privatquartieren abzu- gehen? —.2. Würde das Sanllätsamt befürworten, den seit-! beugen Grundsatz für Bad-Nauheim aufrecht zu erhallen,! wenn bei Unterbringung der Militär-Kurgäste der Stadtoor-. stand hilfreich zur Seite stehen würde? — 3. Steht zu erwarten, daß der Besuch des hiesigen Bades durch Mllllär- Kurgäste großer als jetzt wird, wenn ein eigenes Haus zur Unterbringung der Leute gekauft ober gemietet wird? — Von unserem Nauheimer Korrespondenten wird dazw noch gemeldet, daß die Errichtung eines besonderen Militär-^ Kurhauses in den Kreisen der Vermieter der oberen Stadt wenig Beifall gefunden hat; denn dort nimmt man die Militärpersonen sehr gerne für den Pensionspreis von drei Mark pro Mann auf. Es liegt nun allerdings ein schwerwiegender Grund vor, der die Milllärverwaltung leitet. Irr den Prioatpensionen sind die Soldaten naturgemäß ohne militärische Aufsicht. Diese ungewohnte Freiheit, ohne Appell und ohne Vorgesetzte, verführt manche Soldaten, die Kur leichtsinnig zu betreiben und die schönen Tage von Nauheim mehr zu Vergnügungen, zu Ausflügen rc. zu benützen. Mit der Errichtung eines Militär-Kurhauses, mit einem Auf-i sicht führenden Unteroffizier, dürste es mit solchen Freihellen zu Ende sein. Mainflingen, 8. Juli. Ein sell etwa 20 Jahren hier unbekannt gebliebenes Dokument, ein Kommunal- Steuerzettel, wird neuerdings unserer Bevöllerung prä* sentiert. Die Wiedereinführung der Gemeindesteuern roar; wegen größerer Gemeindeausgaben, Geländeerwerbung für, die nach Zellhausen führende Chauffee, Kanalbauten unbt Straßenpflasterungen nicht länger abzuwenden. In früheren Jahren pflegten alljährlich 5000 Mk. Kommunalsteuern erhoben zu werden; Heuer hat man diesen Betrag auf 2000 Mark reduziert. Der bisher übliche ortsbürgerliche Nutzen bleibt ungeschmälert fortbestehen. Er setzt sich zusammen aus 1 Raummeter Kiefernscheitholz, 25 Tannenwellen und der Grasnutzung von 2 Wiesen. Dazu gesellt sich ein Baarbetrag aus der Gemeindekasse, der sich im Vorjahre auf 15,95 Mk. belief. Die günstigen finanziellen Verhällniffe gestatteten schon feit einer langen Reche von Jahren die Bestreitung, eines Teiles der Lehrmittel für sämtliche Kinder unserer beiden Volksschulklassen aus Gemeindemllteln; sämtliche Rechenheftchen für die Schulkinder werden aus der Gemeindekaffe bezahlt 2c. — Glückliches Mainflingen! Frankfurt a. M., 8. Juli. Der „Deutsche Rab* biner-Verband" beschäftigte sich u. a. auch mit der Bekämpfung des Mädchenhandels. Darüber berichtete Rosenack-Bremen: „Dieses tiefernste Kapitel darf nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Vor zehn Jahren wurde im Reichstag zuerst davon gesprochen, daß es vornehmlich Juden seien, die diesen Handel treiben, und daß hauptsächlich jüdische Mädchen diesem Handel zum Opfer fallen. Leider ist vieles davon wahr. Dieser organisierte Handel erstreckt sich über die ganze Welt. Der Redner charakterisierte unter Anführung vieler Thatsachen das Treibe« der „verworfensten, und gew-isseulofesten aller Menschen", Diesen Seelenverkäufern ist nun fefit schwer beiznkonnneu. Sie haben ihren eigenen Geheinrkooex.'Manche von ihnen haben sich selbst dcHu. angeboten, bei der Bekämpfung des Mädchenhandels mitzuwirken! Polen und Rußland stellen das größte Kontingent, sowohl was Mädchen, als auch Besitzer der Freudenhäuser und Agenten anlongt Der Mädchenhandel erstreckt sich jetzt sogar bis China und Japan Zwei jüdische Vereinigungen haben in der Bekämpfung dieses Handels schon manchen Erfolg erzielt: in London und in Hamburg. Die Photographien der berüchtigsten jüdischen Mädchenhändler sind m Händen des Hamburger Komitees; hervorragende Verdienste hat sich der Vorsitzende Gustav Tuch erworben. Das jüdische Komitee wird aus dem Frankfurter Kongreß durch Tuch und Sanitätsrat Maretzky-Berlin vertreten sein. Man erließ einen Aufruf, warnend und mahnend, an die jüdischen Glaubensgenossen in Galizien, der von 500 galizischen Rabbinern und Gemeinden unterzeichnet ist. Man b^sMftigt sich in Hamburg auch mit der Frage, ob man nicht Sendbotinnen zur Aufklärung der Jugend nach Galizien schocken soll." Vermischtes. * Berlin, 8. Juli. Der Dampfer „Trier" des Nordd. Lloyd, von Bremen nach Kuba bestimmt, sollte Coruna anlaufen, um dort Auswanderer auszunehmen. An der Küste herrschte dichter Nebel. Der Dampfer nrußte infolgedessen äußerst langsam fahren. Die Strömung warf das Schiff gegen das Land und der Dumpfer strandete vier Meilen westlich von Coruna an klippenreicher Stelle. Die Ausladung des Dampfers hat begonnen. Zahlreiche spanische Fahrzeuge leisten Hilfe und man hofft, daß es gelingen wird, die „Trier" wieder slott zu machen. Die Beschädigung des Schiffes ist nicht bedeutend. Alfeld a d. Leine, 8. Juli. Auf der Gewerkschaft Hohenzollern in Freden kippte die Tribüne aus 600 bis 800 Metersohle um. Die darauf beschäftigten Arbeiter, sämtlich Italiener, stürzten in die Tiefe. Einer blieb an einem Balken hängen und wurde gerettet. Die beiden anderen sanden den Tod. * Madrid, 8. Juli. Gin furchtbarer Hagelschlag ist in Chantada (Provinz Lugo) und Umgebung niedergegangen. Der Hagel bedeckte den Boden in Höhe von einem Meter; zahlreiche Personen wurden v er letzt. Auch in den Provinzen Orense und Pontededra sind furchtbare Stürme niedergegangen, welche gewaltigen Schaden anrichteten. Hunderte von Familien sind in Not geraten. * Cholera Der „Rappell" berichtet aus Shanghai, bah an Bord des Dampfers „Friand" die Cholera ausgebrochen und bereits vier Matrosen gestorben feien.' 20 andere mußten an Land gesetzt werden. — Die russische Stadt Charbin wurde currtrich als durch Cholera verseucht erklärt. * .lieber Thronsolgerverhältnrsse. Bei einer näheren Betrachtung des Thronwechsels im Königreich Sachsen fällt auf, daß Kronprinz Friedrich August nach erheblichem zeitlichen Zwischenraum der erste deutsche Prinz ist, der neben dem Kronprinzen von Preußen wieder den Titel „Kronprinz" führt. W hat seit der Thronbesteigung des nun verstorbenen Königs Albert am 22. Oktober 1873 in den vier deutschen Königreichen nur in Preußen einen direkten Thronfolger gegeben. In Bayern wie in Württemberg hat seit 1864 niemand mehr den Titel Kronprinz geführt: die Ludwig II. und Karl I. waren kinderlos; ebenso ist es König Otto, und der jetzige Thronfolger in Württemberg ist das Haupt der herzoglichen Linie, da der König Wilhelm IL bekanntlich noch als Prinz seinen einzigen Sohn im zarten Alter verloren hat. Ueberhaupt rst es auffallend, in wie wenigen europäischen Kaiser- und Königreichen ein direkter Nachfolger des jetzt regierenden Herrschers als „Kronprinz" existiert. Es ist dies der Fall nur in Schweden-Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Portugal. In Rußland, Oesterreich, Rumänien, Serbien, Italien, Spanien, Belgien, Holland ist entweder ein Verwandter des Herrschers präsumtiver Thronfolger oder es fehlt überhaupt an einem solchen. Bemerkenswert erscheint, tmh die kinderreichen Familien von Griechenland und Großbritannien von einer Seite her von dem ebenfalls in gerader Linie forterbenden dänischen Königshause abstammen, das seinerseits zum Hause Holstein gehört; und diesem wiederum gehört unsere Kaiserin mit ihrer Kinderschar an. Es scheint dies also ein besonders gesunder Stamm zu sein. Aber auch abgesehen von den Kaiser- und Königreichen Europas ist die Thronfolge in vielen anderen Staaten keine direkte. Nur in Anhalt (der Enkel ist Erbprinz), Baden (der Erbgroßherzog ist noch kinderlos), Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Reuß, Sachsen-Meiningen, Schaumburg-Lippe und Waldeck, ist im Deutschen Reich die Thronfolge direkt. In Hessen, Lippe-Detmold, Mecklen- burg^Sck)werin, Sachsen-Weimar-Eisenach, Altenburg, Sach- en-Koburg-Gotha und den beiden Schwarzburg geht sre entweder aus einen anderen Verwandten über, oder es fehlt überhaupt an einem Nachfolger. Ebenso in dem Für- 'tentnm Liechtenstein, wo der Bruder des Fürsten Thronanwärter ist. Luxemburg, Bulgarien, Monaco und Montenegro dagegen besitzen direkte Thronfolger. In mehreren deutschen Ländern können sich übrigens die Verhältnisse noch durch Heirat ändern; so in H e s s e n, Schwerin, Sachsen-Weimar-Eisen ach und Sachsen-Koburg-Gotha * Ein übermütiger Studenten st reich. Als ein Professor in Heidelberg kürzlich des Morgens erwachte und daran dachte, zu seiner Univerfitätsvorlesung zu gehen, da zeigte es sich, daß die Hausthür vermauert war. Eine Gesellschaft übermütiger Studenten hatte in nächtlicher Stunde eine hohe Backsteinmauer errichtet. Das Material lieferte ein Neubau in der Nähe. Universitäts-Nachrichten. — Es ist bekanntlich beschlosfen, daß in baldiger Zukunft zum Studium der Tierheilkunde nur derjenige zugelassen wird, der die Uuiverfitätsreifeprüsuug bestanden hat — ein Beschluß, den man namentlich auch bei uns in Gießen mit besonderer Genug- thuung ausgenommen haben wird. Auf den Antrag Preußens hat der Bundesrat bestimmt, daß die neue Anordnung am 1. April 1903 in Kraft treten soll. Nur ist zu gunsten der Militärroßarztschule eine Einschränkung festgelegt worden. Den Eleven der Militär- roßarztschule soll eine Uebergangsfrist bis zum 1. Oktober 1905 gewährt werden. Diese Ausnahme ist wohl vorbesehen, weil befürchtet wird, daß ohne diese vorerst ein mllitärärztlicher Nachwuchs in der erforderlichen Zahl nicht zu erlangen wäre. Voraussichtlich wird die Hebung des tierärztlich en Studiums, die mit der Steigerung der Mindestvorbildung der Tierheilkunde- Studierenden verbunden ist, dazu führen, daß die Stellung der Eleven der Militärroßarztschule verbessert wird. — In der „Deutschen tierärztl. Wochenschrift" schildert Prof. Dr. Dammann- Hannooer die Geschichte der Bewegung für die Einführung der Universitälsreifeprüsung für die Studierenden der Tierheilkunde. An dem Erfolg hat danach Prinz Ludwig von Bayern hervorragenden Anteil. Seit Jahr und Tag hatten Sachkundige gefordert, daß die unerläßliche Vorbildung für Studierende der Tierheilkunde erhöht werden solle; aber vergeblich. „In dieser Schwierigkeit erschien, saat Dammann, ein Retter in der Not in der Person des Prinzen Ludwig von Bayern, welcher sich in der Plenarsitzung des Bayerischen Landwirtschaftsrats am 21. Dez. 1899 dahin aussprach, daß die Ausgaben der Tierärzte in der gegenwärtigen Zeit sowohl in der Erkennung und Heilung von Krankheiten wie auch auf dem Gebiet der Seuchenpolizei, der Volksernahrung. der bakteriellen Forschung usw. so hochwichtig und einschneidend seien, daß deren Vor- und Fachbildung derjenigen der ersten wissenschaftlichen Berufszweige gleichwertig und ebenbürtig werden müsse, und daß er sich dieserhalb mtt der Forderung des Gymnasialabsolutoriums durchaus einverstanden erklärte. Ich glaube nicht fehlzugehen in der Annahme, daß diese Stellungnahme des Prinzen Ludwig den wesentlichsten Anstoß zu der Einbringung des bayerischen Antrags im Bundesrat gegeben hat." Weiter zollt Dr. Dammann dem Dezernenten für Veterinärwesen im preußischen Landwirtschastsministerium, Geh.-Rat Küster, Dank. Die Ausgaben, die den Pflegern der Tierheilkunde aus den geänderten Verhältnissen erwachsen, kennzeichnet Prof. Dammann, einer der Führer der Disziplin, wie folgt: „Ausgabe der Mitglieder des Standes wird es jetzt sein, des hohen Vertrauens, das, die Staatsregierungen ihnen geschenkt haben, durch die That sich würdig zu erweisen. Den Hochschullehrern bietet die umfassendere und gründlichere Vorbildung der ihnen anvertrauten Jugend die Möglichkeit, besser vorbereitete, von sittlichem Ernst getragene Männer dem Staat und der Gesellschaft zuzusühren; die Studierenden müssen bestrebt sein, das ganze Maß allgemeiner wissenschaftlicher und ethischer Bildung und die volle Kenntnis der Fachwissenschaft sich anzueignen, um den staatsbürgerlichen und beruflichen Pflichten, welche vor ihnen sich auf- thun, besser gerecht werden zu tonnen. Geschieht beides, so muß es in absehbarer Zeit dazu kommen, daß die viel ersehnte bessere gesellschaftliche Stellung des tierärztlichen Standes sich von selbst verwirklicht und daß seine Mitglieder den Angehörigen der anderen höheren Berufszweige in vollem Umfang gleichberechtigt erachtet werden. Mit der Einführung der Maturität allein ist es nicht gethan; dasSchicksal desStandesliegt in den Händen seiner Vertreter." Deutscher Aerztetag. Aus Königsberg i. Pr. wird gemeldet: Der Aerztetag beschloß einstimmig, durch den Geschästs- ausschuß beim Bundesrate dahin vorstellig zu werden, daß 1. die Ausübung der Heilkunde durch nicht approbierte Personen untersagt werde, wenn Thatsachen vorliegen, die die Unzuverlässigkeit der Gewerbetreibenden bezüglich dieses Gewerbetriebes darthun; 2. daß mit Geltung für das Reich eine Verordnung erlassen werde, welche sich an die vom Staate Hamburg unter dem 1. Juni 1900 erlassene Verordnung anschließt und vor allem die prahlerischen Ankündigungen von Geheim Mitteln und Geheimmethoden unter Strafe stellt; 3. daß gegen die Schs-invelmittel der Kurpfuscher öffentliche Warnungen von den Behörden erlassen werden; 4. daß Rezepte von Kurpfuschern in denApotheken nicht angenommen werden dürfen. — Im Anschlüsse an die Berathungerr zur Aenderung des Krankenkassengesetzes beantragt Medizinal- r a t Dr. Krug (M a i n z), daß der Aerttevereinsbund Schritte thue, damit die amtliche Statistik der Krankenversicherung verbessert werde. Sein Antrag geht dabin: „Der Aerztetag wolle beschließen, eine Eingabe an den Bundesrath zu richten, dahin gehend, daß das Formular, welches durch das Ausschreiben des Bundeskanzleramtes vom 16. November 1892 für die Uebersichten und Rechnungsabschlüsse der Krankenkassen vorgeschrie- ben wurde, so abgeändert werde, daß aus diesen Uebersichten erkenntlich sei, wieviel Krankheitstage auf die erwerbsunfähigen Kranken im Ganzen kommen, und für wieviel dieser Krankheitstage Krankenrente bezahlt wurde; ferner wieviel erwerbsfähige Kranke in ärztliche Behandlung kamen; ferner ob ärztliche Behand- lung der Familienangehörigen stattfand, und wieviel Krankheitsfälle bei diesen vorkamen; ferner welcher Betrag an den Ausgaben für ärztliche Behandlung auf die Behandlung der Familienangehörigen entfällt." Auf eine Anregung aus der Versammlung wird sestgelegt, daß die vom Bundesrat erbetene Erweiterung des Formulars sich auch auf die Art der ärztlichen Versorgung (freie Arztwahl, fixierte Kassenärzte) und die Art der Honorierung (festes Gehalt, Einzelleistung rc.) beziehen. — Evangelische Philosophie an der Universität Münster. Um die Parität an der neuen Universität zu Münster zum Ausdruck zu bringen, sind im diesjährigen Staatshaushaltsetat die erforderlichen Mittel bewilligt worden, damit künftig neben dem katholischen auch ein evangelischer Vertreter für Philosophie wie für mittlere und neuere Geschichte angestellt werden kann. Als ordentlicher Professor für Philosophie ist der bisherige außerordentliche Professor Dr. Erich A d i ck e s von der Universität Kiek nach Münster berufen worden. Er ist ein Bruder des Oberbürgermeisters von Frankfurt a. M. und hat sich durch mehrere Schriften über Kant, sowie durch seine Mitarbeit an der von der Berliner Akademie der Wissenschaften veranstalteten Ausgabe von Kants Werken einen sehr geachteten Namen erworben. Prof. Adickes wird das erste evangelische Mitglied der philosophischen Fakultät zu Münster sein. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Darmstädter Möbelfabrik (160 Zimm.-Einricht.), Preist, grat. 3831 Juli Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 8. 226 750,0 25,8 123 50 WNW. 4 Sonnenschein 8. 936 749,0 22,1 133 68 NW. 1 Bed. Himmel 9. 7 25 747,3 18,6 13J 83 NW. 0 ■ r> Hi chste T empera tur ai n 8. t 9. £ uli 26, y>c. Ni edrigste 8. 9. „ 15,8" C. wrwani AMTLICH GLXXZEND BEGUTACHTET: SM—Wg SSALUTARIS® TOILETTE-FETT-SEIFE Unübertroffen für fiaut- a teintpfieae. Hein. ntiKL epamti. C. Naumann, Seifen- u.ParfGmenefabrik, Offenbach aJVL Darmstädter Schlotzfreiheitslotterie Im Verhältnis-zur Größe des Spielkapttals bietet, wie schon, mehrseitig dargethan und festgestellt worden ist, keine andere Ge- Kitslotterie auch nur annähernd ähnliche Gewinnaussichten., ose bekommt man das Zehntel zu 3 Mk., das Fünftel ju 6? 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An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Bäckergeselle, 1 Spengler, 1 Schlosser, 1 Hausdiener oder Büreaudrener, 1 Fahrbursche, 1 Kindeftrau, 1 Dienstmädchen, 1 Büreaudiener oder Kassebote. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Schlosser, 1 Bäckergeselle, 1 Schreiner, 6 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen. Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser, 2 Schuhmacher. Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Friedrich Textor Eheleute sollen am 23. September 1902 240 Mark an sog. verschämte Arme ohne Unterschied der Religion in Gaben von nicht unter 50 Mark vergeben werden. Anmeldungen hierzu haben bis zum 1. August bei dem Armeuamt zu erfolgen. Gießen, 3. Juli 1902. . . 4963 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister wurde heute eingetragen: Die Firma „Hessische Verlagsanstalt und Druckerei Dr. Rehm u. Co. norm. Wilh. Keller" zu Gießen ist erloschen. Die Firma Ludwig Steinhäuser" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann Ludwig Steinhäuser daselbst. Angegebener Geschäftszweig: Kolonialwaren- und Delikatessengeschäft. Die Firma „W. Louis Schäfer zu Gießen; Inhaber: Apfelweinfabrikant Wilhelm Louis Schäfer daselbst. Angegebener Geschäftszweig: Apfelweinfabrikation. Gießen, am 7. Juli 1902. 5015 Gpoßtzerzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister Abt. B wurde heute bezüglich der Zweigniederlassung „Gießener Depositenkasie und Wechselstube der Bank für Handel und Industrie" eingetragen: Die Firma ist geändert in „Bank für Handel und Industrie Depositenkasse Gießen". Theodor Winkler zu Berlin ist zum Direktor, Paul Hartog, Felix Bamberger, beide zu Berlin, und Karl Emmerling zu Darmstadt sind zu stellvertretenden Direktoren bestellt. Die Generalversammlung vom 21. April 1902 hat die Erhöhung des Grundkapitals um 13 060000 Mark beschlossen. Die Erhöhung des Grundkapitals um diese 13 060 000 Mark, sowie um roeitere 11940000 Mark in Gemäßheit des Beschlusses vom 21. April 1902 auf Erhöhung um weitere höchstens 16 667 000 Mark ist erfolgt. Die Erhöhung ist durch Ausgabe von Inhaberaktien zum Betrag von je 1000 Mark erfolgt. Gießen, am 7. Juli 1902. 5016 ______________Großherzoglicyes Amtsgericht.______________. Arbeitseinstellung der AillM- iniii Mllum-Kesellen in Kiel. Arbeitswillige, nur tüchtige Gesellen, insbesondere Zimmerer, finden dauernde Beschäftigung bei 55 Pfg. Stundcnlohn. 10 Mark Reisekosten werde» nach Aufnahme der Arbeit in Raten vergütet. Da der Zuzug sehr stark (es arbeiten bereits über 1100 hiesige und fremde Gesellen in Kiel) ist vorher anzusragen im Bureau der Bauhütte iu K'.el, Faulstraße 7. 4696 Rkll!- Mil Handelsschule (Privatschule mit Pensionat) in Marktbreit a. Main. Die Reifezeugnisse berechtigen zum einjährig-freiwillige« Dienste. — Aufnahme-Alter 10—16 Jahre. 1525. Prospekte durch J. Damm, Rektor. Geschäfts-Verlegung. Mtt Heutigem verlege ich mein Uhren" und optisches Geschäft nach 2 Seitersweg 2 in das Haus des Herrn Kaufmann Adolf Geisse. Da ich jetzt über größere Lokalttäten verfüge, habe ich mein Geschäft bedeutend vergrößert und bin im Stande, allen Anforderungen gerecht zu werden. 02945 Earl Bamstock Uhrwacher nnd Optiker, Seltersweg 2. nterzeuqe für dio warme Jahreszeit empfehlen in bestbewährten Qualitäten 8998 Ang. Montanas Nacht, Markt 0-10 Damen- and Herren-Modewaren. und 5018 lolterhoff Söhne Gemeinsamer Einkauf mit ca. 200 Geschäften 20 Seltersweg 20. Mitglied des Weimarer Verbandes. Zur Reisezeit empfehlen wir in reicher Auswahl für Damen: Blusen, Costümröcke, Plaids, Joupons, Wäsche, Unterkleider, Korsetten, Filet- ™d Spitzenhandschuhe, Strümpfe WWft s« Erd- m6 AlkeckiSe Kießen. Sommerausflug mit Damen Sonntag den 13. Juli 1908. Abfahrt Gießen 8.12 Uhr nach Kloster Arnstein, Obernhof und Nassau. 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