Nr. ISS Vrschetut tägttch außer Sonntags. Dem Gteßener Anzeiger werden int Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zawitten» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Untvers.-Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erbeni Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse sür Depeschen: Anzeiger Stetze«. Fernsprechanschluß Nr. 51. 153. Jahrgang Erstes Blatt. Montag N. Jnni 1903 VerugöPr-tSr a ’wsöT O monallich75Ps^viertel-, GlchenerMzelgerW W General-Anzeiger ” ML. Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen § 18. Die Or^vorstände find verpflichtet, den Gendarmen nicht nur auf ihr Verlangen alle erforderte Auskunft zu erteilen, slmdern auch unaufgefordert diese von allem, was die öffentliche Sicherheit betrifft, in Kenntnis zu setzen. Sie sind namentlich angewiesen, von denjenigen Verbrechen, welche von Amtswegen zu verfolgen und deren Urheber unbekannt sind, in allen Fällen, in welchen es nach ihrem Ermessen im Jn- tereffe der öffentlichen Sicherheit zu liegen scheint, diejenige Gendarmerie-Station, zu deren Patrouillenbezirk der betreffende Ort gehört, alsbald und gleichzeitig mit der Berichterstattung an das Gericht, beziehungsweise an das Kreisamt, kurz zu benachrichtigen, damit von der Gendarmerie ungesäumt alles vorgenommen wird, was sie zur Sammlung von Jndicien oder zur Verfolgung des Thäters beitragen kann. ihres Wirkungskreises und Amtes müßten den Beamten be- sondere Vergütungen gewährt werden, da sonst ihre w3)ten|td freudigkeit darunter leide". — Ein Fall von Züchtigung eines Schülers durch einen Lehrer gab zu einer Debatte Anlaß, in der von sozialdemokratischer Seite mit Recht betont wurde, daß durch das Prügeln seelische Störungen bei den Kindern hervorgerufcn werden, und daß die Jugend, je brutaler man sie behandle, um so brutaler werde. — Alle diese Fragen aber treten ganz zurück gegenüber den tief einschneidenden Verhandlungen über die Main-Neckar-Bahn. Zentrum und Sozialdemokratie in unserem Lande haben auf das lebhafteste gegen den Abschluß des Vertrages angekampft. Ihre mit größter Entschiedenheit vorgetragene Ansicht ist es, daß Hessen mit der Annahme dieses Vertrages ein für alle mal die Gelegenheit aus der Hand giebt, die eigenen Interessen zu schützen. Sic rechnen aus, daß der Vertrag eine Schädigung unseres Landes um jährlich 7‘/g Millionen bedeute, und dringen sie auf eine Revision des 1896er Vertrages. Ablehnung der Regierungsvorlage würde uns, so meinen sie, weder politisch noch finanziell schädigen. Ein Antrag, die Regierung zu ersuchen, zwecks einer Revision des Vertrags von 1896 und insbesondere einer Revision der hessischen Anteilziffcr mit der preußischen Regierung in Verhandlungen einzutreten, ist von 20 Mitgliedern der Ecntrums- partei, der Freien wirtschaftlichen Vereinigung und der Sozialdemokraten eingebracht worden und steht morgen (Dienstag), mittags 722 Uhr zur Abstimmung. Wir stehen also vor der Entscheidung. Die Regierung, unterstützt von den Nationalliberalen und Freisinnigen, erklärt, Hessen würde durch Ablehnung sich vertragsbrüchig machen. Preußen erhält von ihr das allerglänzendste Zeugnis; es habe nicht nur seine Pflichten gegenüber unserem Lande erfüllt, sondern sei vielfach darüber hinaus gegangen. Den Verzicht der Selbständigkeit leugnet die Regierung nicht ab und empfiehlt unserem Lande, sich als Meister in der Selbstbeschränkung zu zeigen. Sie stellt als Folge der Ablehnung die Einverleibung der hessischen und preußischen Anteile in die Eisenbahngemeinschaft in Aussicht, erklärt den 1896er Vertrag für unkündbar und für nicht revisionsfähig in Bezug auf die Verteilungsziffer und erkennt als emzig richtige Polttik ein Sonderabkommen ohne förmllche Auflösung der Main- Neckarbahnbahn an, um möglichst Vorteile zu erlangen. Einer Abänderung des 1896er Vertrages, so meint die Regierung, wird die preußische Regierung nicht zustimmen. Der Finanz- minister Dr. Gnauth hat sogar, obwohl die Vertreter aller Parteien ihr volles Vertrauen ihm erklärt haben, die Ka- binetsfrage gestellt, weil er meint, daß im Falle der Ablehnung des vorliegendem Vertrages ein neuer Vertrag von Preußen nicht mehr angeboten werden würde und die Auflösung der Main-Neckarbahn dann unvermeidlich wäre. Auch der Staatsminister Rothe warnt vor Ablehnung bezw. Vertagung, was er als gleichbedeutend ansieht, als dem „größten politischen Fehler", den unser Landtag begehen könnte. Inzwischen hat die Beratung der Wahlrechtsvorlage am Samstag begonnen und dürfte wohl acht bis zehn Tage in Anspruch nehmen. Man ist allseits gespannt, welches Schicksal der Gesetzentwurf in den beiden Häusern des Landtags finden wird. Sobald es entschieden sein wird, wird der W a h l k a m p f im Lande auf der ganzen Linie ausgenommen werden. Die Neuwahlen sollen im November stcttt- Gießen, den 7. Juni 1902. Seix.: Handhabung des § 18 II. Teil des Dienst-Reglements sür die Großh. Gendarmerie von Setten der Ortsvorstände. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir find veranlaßt, den nachstehend abgedruckten § 18 beß 2. Teils des Dienstreglements für die Gendarmerie Ihnen znr pflichtmäßigen Nachachtung in Erinnerung zu bringen. v. Bechtold. finden. Die Buren haben den Vertrag, der sie zu „britischen Unterthanen" macht, unterzeichnet. Wie die neue Verwaltungssorm der ehemaligen Republiken gestaltet wird, läßt sich zur Zeit noch nicht genau bestimmen. Man kann sich im ganzen und großen den Worten anschließen, die John Morley am Samstag in Edinburg vor einer Versammlung schottischer Liberaler sprach. Er sagte, die Fragen, die der Krieg hervorgerufen habe, und die Fragen des Rechtes würden schlummern in der Stunde der Freude, die aller Männer Herzen erfüllte, als sie erfuhren, daß „der gemeine, haß- und fluchwürdige Krieg", der drei Jahre lang chr Leben verdüsterte, nun endlich seinen Abschluß gefunden habe. Tie Friedensbedingungen enthielten so annähernd wie möglich die Prinzipien, die einige der Liberalen während der letzten Monate befürwortet hätten. Aber es würde alles auf den Geist ankommen, in dem das Abkommen ausgeführt würde und auf die Wachsamkeit und Energie, womit Parlament, Kabinett und öffentliche Meinung die Ausführung überwachten. Wenn nicht mit vernünftiger und wirksamer Promptheit den Buren repräsentative Einrichtungen gegeben würden, dann würde, so wahr wie die Sonne am Himmel emporsteigt, man wieder dieselbe schlimme Lage herbeiführen, wie sie 1880 durch dieselbe Verzögerung hervorgerufen wurde. — Ter schottische Liberale hat ganz gewiß recht und England wird trotz seines augenblicklichen endlichen Erfolges mit dem Holländerstamm stets zu rechnen haben. Ohne Zweifel werden die Eltern von dem Rechte Gebrauch machen, ihre Kinder die holländische Sprache in den Schulen erlernen zu lassen. Und daß dies Volt niemals im englischen Reich aufgehen wird, dafür birgt uns feine beispiellose Zähigkeit, mit der es den Kampf geführt hat. Die spätere Geschichte wird volle Aufklärung über die dunklen Vorgänge vor Ladysmith geben; sie wird auch erklären, warum die Buren ihre großen Siege am Tugela- fluß und am Spionskop nicht ausgenutzt haben; eine Verfolgung des geschlagenen Feindes, nur ein energisches Nachdrücken auf die völlig erschütterte englische Position hätte vielleicht dem Kriege eine ganz andere Wendung Politische Wochenschau. Bon den Zinnen der Marienburg droben an der Weichsel wehen die Fahnen, und Fanfarenbläser auf den Türmen begrüßen einen reichen Zug prächtig gekleideter J-ohanniterrrtter! In die Trompetenklänge mischt sich das Geuiute der Glocken, und die Ritter, in roten Gewändern mit schwarzen wallenden Mänteln darüber, schreiten durch den, Spalier bildenden Troß, der mit Schwertern und Lanzen ausgerüstet ist. Ueber die Zugbrücke geht ihr Weg Surä) den Zwinger in den Kapttelsaal, von wo man sich nach kurzem Aufenthalt zum Gottesdienst begiebt. Vier rec^nhaften Gestalten, finIKostümen des, deutschen Ordens, das schwarze Kreuz auf den weißen Mänteln, gehen dem Kaiser und dem Prinzen Albrecht von Preußen voran. Der Kaiser als Ho fmeiste r trägt den schwarzen Mantel nriti Hermelin besetzt und einen schwarzen £ut auf dem Haupte, den weiße Federn schmücken. Vier Pagen tragen die Schleppe ,eines Mantels. So betritt, wie in den alten vergangenen Tagen der Blüte der deutschen Orden, der eigenartige Zug die Fliesen der hohen Kirche, und der Kaiser nimmt im Hochmeistersitz Platz. Und nach der feierlichen Handlung egeben sich die deutschen Ritter und chre Gäste, die aus remden Landen zur Marienburg aufgebrochen waren, in sie Gastkanrmern, tvo sie ihre Plätze an der Tafel angewiesen bekommen. Ter Bläserbund spielt heitere Weisen urd das Bankett nimmt feinen Anfang- Der Hochmeister Bekanntmachung. Betreffend: Die Verhaltungsmaßregeln für Dampfteffelheizer (Anlage 2 der Verordnung vom 26. März l. I. Regierungsblatt Nr. 17). Nach § öS der Verordnung vom 26. März l. I. sind die mit der Bedienung von Dampfkesseln betrauten Personen seitens der Kesselbefitzer mit den Verhaltungsmaßregeln für Dampfteffelheizer bekannt zu machen. Auch muffen bei feststehenden Dampfteffeln (§ 59 der gen. Verordg.) diese Verhaltungsmaßregel« im Kesselhaus zum Aushang gebracht sein, während bei beweglichen Dampfteffeln und solchen Kesseln, bei denen ein Kesselhaus nicht vorhanden, nach § 66 derselben Verordnung die Heizer stets im Besitze eines Abdruckes der betr. Verhaltungsmaßregeln sein müssen. Wir machen die Kesselbesitzer auf diese Vorschriften besonders aufmerksam. Die Verhaltungsmaßregeln sind in der G. Otto'schen Hofbuchdruckerei in Darmstadt sür 50 Pfg. pro Stück käuflich zu haben. Gießen, den 7. Juni 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. 93.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. Betreffend: Gesuch des Ludwig Binz II. von Mendorf a. d. Lahn um Genehmigung zur Errichtung einer Schlachthausanlage. Ludwig Binz II. beabsichtigt auf dem Grundstück Flur I Nr. lööVio der Gemarkung Mendorf a. d. Lahn ein Schlachthaus zu errichten. Plane und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses in der Darmstädter Zeitung bezw. im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung des Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn vorzubrmgen. Gießen, den 7. Juni 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Wagner. erhebt sich zu einer Ansprache an die Ritter, in der er des Ordens Leistungen lobt und seine Ritter ermahnt, werter - deutsche Sitte und Art zu wahren: „P olnischer lieber- । mut will dem Deutschtum zu nahe treten und ( ich bin gezwungen. Mein Volk aufzurufen zur Wahrung ] seiner nationalen Güter". ; Verschwunden ist mit diesen Worten das Bild, das ; kaiserlicher Wille zu neuem kurzen Scheinleben erweckte, ; vor der Wirklichkeit. Man sieht unter den Röcken der ■ Troßknechte Soldaten des so und so vielten Jnfanterie- regiments versteckt, und aus den Trachten der Ritter sehen 1 die Gesichter hervor, die kurz vorher im politischen Leben . der Gegenwart einen Kampf für ober gegen die Kornzolle, die Brennsteuervorlage oder die Brüsseler Zuckerkonvention ausfochten. Die breiten Schwerter an der Linken fahren nicht aus der Scheide: mit Worten und Gründen wird hier gekämpft. Und diesen Gegensatz zwischen Wirklichkeit und Romantik kann auch der Kaiser nicht besettigen. Der Kaiser hat gegen die Polen zum Kampfe ausgefordert; er hat gesprochen. Ob er es that, weil sein Vergleich mit früheren Zuständen im Osten Deutschlands so gut in den Rahmen des ganzen Festes zur Ordensfeier der wieder- hergestellten Marienburg paßte, ist dabei gleichgiltig. Er hat zur Polenfrage das Wort genommen und wir können uns zu jeder Zett daran erinnern. Die Polen Vorlage wurde im preußischen Landtage in dritter Lesung mit großer Mehrheit angenommen, nachdem bei den vorherigen Lesungen in stürmischen Debatten polnische Anmaßung in den Parlamenten und vor allem in ihrer Presse die Regierungsvertreter zu sehr scharfen Worten veranlaßt hatte. „Wir müssen den Schleier einmal vor b*em Lande lüften über die ganze polnische Agitation!" rief Frhr. v. Rheinbaben aus, indem er polnischer Artikel gegen die Deutschen gedachte, die schlossen: „Schlagt los auf die Hundekerle!" Die interpellierten Minister Schönstedt und v. Hammerftein wiesen gleichfalls die Polen in die gebührenden Schranken zurück, ersterer indem er auf seine Rede im Januar 1898 verwies. Nun, an deutlichen Reden zur Belehrung der Polen wie der Deutschen über die Polenfrage hat es seit der 1848 er großen Polenrede Wilhelm Jordans nicht gefehlt. Erreicht ist aber immer noch nicht viel. Nack der Annahme der neuesten Polenvorlage kommt es auf die Ausführung des Gesetzes an. Hoffentlich zerstört nicht preußischer Bu- reaukrcttismus den guten Kern der Sache, hoffentlich bringt nicht „Schneidigkeit" am falschen Platze Erbitterung statt Frieden, und hoffentlich gedenkt man der Kulturarbeit des deutschen Bauern bei Ueberweisungen des Ansiedelungsfonds. Ebenso an historische Perioden der Vergangenheit gemahnt ein anderer Vorgang im preuß. Abgeordnetenhause. Frhr. v. Wangenheim hat unter dem Beifall seiner Standesgenossen, der adeligen preußischen Groß- arundbesitzer, gesagt, da,ß bas vom Ho h en zolle rn- hause durch Jahrhunderte auf gehäufte Vertrauen in den letzten zehn Jahren vergeudet worden sei! Uns interessiert angesichts dieser Aeußerung hauptsächlich das wettere Verhalten der Regierung. Zwar hat Graf Bülow im preuß Landtage die Rechte stark „brüskiert", wie ihre Presse sich ausdrückte, und es ist nicht zu leugnen, daß auch sonst bei den Parteien allgemeines Erstaunen der unerwarteten That folgte. Aber- Gras Bülow hat schon am nächsten Tage im Reichstage an die Branntweinbrenner aus anderer Tonart gesprochen. So ist denn die Branntweinsteuernovelle vom Reichstag in dritter Lesung angenommen worden. Nebenbei sei daran erinnert, daß der Kaiser sich für die Einführung des Spiritus zum Heizen der Schisfskessel ausgesprochen hatte. Die Entscheidung über das Schicksal der Zuckersteuervorlage steht für die allernächsten Tage bevor- Die Kommission hat am Freitag die zweite Lesung beendet, gegen den Willen der Regierung und die (Stimmen der Freisinnigen und des Zentrums die Verbrauchs ab gäbe ab 1. September 1903 auf 12 Mk. und ab 1. September 1905 auf 10 Mark festgesetzt mit 19 gegen 9 Stimmen die Brüsser Konvention genehmigt. Unsere Zweite hessische Kammer steht unmittelbar vor den wichtigsten Entscheidungen. Nachdem sie zu Beginn der Berichtswoche den Gendarmen unseres Landes eine erfteuliche Besserung ihrer materiellen Verhältnisse beschert, dagegen ähnliche Wünsche der Hilfsgerichtsschreiber re. im wesentlichen abgewiesen hatte, kam die Bürgermeisterfrage zur Verhandlung. Staatsminister Rothe, der kurz zuvor den Erlaß eines besonderen Gemeindebeamtengesetzes in Aussicht gestellt hatte, erklätte, daß die Regierung an dem ehrenamtlichen Charakter der Bürgermeister festhält. So sehr sich der Abg. Weidner nebst einigen seiner Freunde von der freien wirtschaftlichen Vereinigung ereiferte, so sehr er darüber in ergreifenden Tönen klagte, daß mancher Bürgermeister schon „infolge seines Amtes an den Bettelstab gebracht" worden sei, um so entschiedener wurde ihm von anderer Seite entgegnet, daß der heiße Kampf um das Amt viel heftiger werden würde, wenn man es zur „fetten Pfründe" machte, — was allerdings ebenso unwahrscheinlich ist wie das Heranwachsen des schönsingenden Vogels Bülow zu bismarckischer Größe. Der Abg. Bähr machte übrigens in der Debatte die graziöse Bemerkung, man solle den „Darmstädter Theaterumbau lassen und von den Zinsen die Bürgermeister anständig bezahlen." Kunststück! Staatsminister Rothe gab dann eine Erklärung ab, wonach die Regierung bemüht sei, N e b en b e zü g e und Gebühren d er Sta ats- beamten in feste Vergütungen umzuwandeln, soweit dies möglich sei. Für dienstliche Verrichtungen außerhalb gegeben! Eines muß zugegeben werden: Tie wirisch a. ft liche Erschließung des Landes wird unter Englands Herrschaft bedeutender und rascher werden. Wer den Krieg und seinen Frieden nur vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, muß mit dem Ausgang zufrieden sein. Die Buren werden von ihren Besiegern das, was ihnen gerade hierin fehlte, lernen; und wahrlich, sie haben keinen schlechten Lehrmeister gesunden. Are tzhe des Jürsten von Monaco. Vor mehreren Tagen hat, wie wir mirteilten, das Zivilgericht von Monaco in geheimer Verhandlung die T r e n n - ung der Ehe und die Aufhebung der Gütergemeinschaft desFür st envon Monaco und seiner Gemahlin zweiter Ehe, der Fürstin Alice, verwitweten Herzogin von Richelieu, ausgesprochen. Tie Gründe, die das Zivilgericht erörterte, sind nicht nur den Bewohnern des Landes der Roulette, sondern auch denen anderer europäischer Landschaften, dank dem Interesse, das dieWelt Angelegenheiten enlgegenzub rin gen pflegt, die sic nichts angehen, längst kein Geheimnis mehr. Fürstin Alice von Monaco, war 31 Jahre alt, als sie, neun Jahre nach dem Tode ihres ersten Gatten, des Herzogs Armand von Richelieu, dem Fürsten Albert die Hand reichte. In New Orleans im Staate Lousiana als Angehörige der Familie Heinrich Heines geboren, wurde die Siebzehnjährige die Gemahlin eines Nachkommens des größten Staatsmannes des alten Frankreich. Der Herzog von Richelieu war so ungalant, seine junge Gattin in einem Alter als Witwe zurückzulassen, das man kaum als ein heiratsunfähiges bezeichnen kann. Mit ihrer amerikanischen Erziehung, ihrer großen Jugend, zwei kleinen Kindern im Alter von fünf und einem Jahre und dem doppelten Reichtum, den ihr und ihres verstorbenen Gatten Vermögen ihr bot, blieb sie nach seinem Tode in Paris zurück. Sie entdeckte nicht ihr Herz in den neun Jahren ihrer Witwenschaft, und so entschloß sie sich, ihre Krone mit der einer absoluten Monarchin zu vertauschen. Zwar war ihr Fürstentum keine halbe Quadratmeile groß, und Ihre Hoheit mußte auf der Hut sein, um nicht anläßlich eines Allerhöchsten Spaziergangs von monegaskischem Boden unversehens nach Frankreich hineinzustolpern, aber es war immerhin ein märchenhaft schönes Fürstentum in dem, umflutet vom zauberischen Licht der südländischen Sonne, die Abenteurer zweier Welten sich auf der Jagd nach dem Glück begegnen. Ter Fürst dieses Ländchens, Albert Honorius Karl, war zudem ein liebenswürdiger grandseianeur, mild und weich, den weder Regierungssorgen noch Kanal- und Zoll- fragen irgend welcher Art bedrückten und der nur einer Leidenschaft frönte, der, sich wie ein Privatgelehrter bürgerlichster Provenienz bis an den Hals in ozeanographische Forschungen zu stürzen. Er interessierte sich für das Leben der Tiere in der Meerestiefe, er widmete der Sicherheit der Seefahrer in der Umgebung Spitzbergens eine Reihe von Arbeiten hydrographischer Natur, er unterzog die geologische Beschaffenheit des Meeresgrundes eingehenden Studien, er unternahm wissenschaftliche Reisen nach den arktischen Gegenden, kurzum, er benahm sich so unfürstlich und ungalant, wie man das von einem Monarchen, in dessen Spielsälen keine Cocotte untergeht, nicht voraus- zusetzen berechtigt wäre. Fürstin Alice wurde die Zeit etwas lang. Nachdem sie ihr Land im Laufe der ersten EhHahre einige tausend Mal durchfahren hatte — keine große Zerstreuung allerdings, wenn man bedenkt, daß der fürstliche Wagen im mäßigen Trab dazu einer Viertelstunde bedurfte sann sie auf Zerstreuungen anderer Art. Und da sie eine Tarne von Geist, Geschmack und Phantasie war, der die Mittel zur Seite standen, geschmackvolle Phantasien auch in Thaten umsetzen zu können, wurde sie eine eifrige Protektorin der Kunst, insbesondere der Bühne. Ihrer Initiative verdankt Monte-Earlo ein Theater, das in seiner äußeren unt> inneren Ausstattung und ganz besonders durch die Mtwirkung weltbekannter Künstler nächst den Spielsälen zu einer der größten Attraktionen des Fürstentums wurde. Wer auch ihre Rolle als Hülsen Monte- Carlos vermochte die lebensfrohe Frau, der die Sicherheit der Seefahrer in der Umgebung Spitzbergens und das Seelenleben der Tiere in der Meeres tiefe keine Migräne verursachten, auf die Tauer nicht zu befriedigen. Während der Fürst mit mehreren Gelehrten an Bord seiner Jacht sich von Tromsö aus nach der Nordküste seines geliebten Spitzbergen begab, um von dort durch mächtige Eismassen -einen Weg nach der Straße von Hinlopen zu suchen, auf der er nichts verloren hatte, fand ein anderer das Herz der Fürstin unter dem 51. nördlichen Breitengrad ohne alle ozeanographischen Instrumente. Es war in London. Vielleicht an einem nebligen Tag, an dem die Fürstin mehr als je daran dachte, daß es nicht gut sein soll, daß Frauen allein seien, als ihr ein Künstler vorgestellt wurde: Senor de Lara. Er hieß zwar Isidor, aber cs war ein Portugiese mit abgrundtiefen Augen, iu die sie ab stürzte. Er war Komponist, fürs erste noch ein unverstandener, da kein Tirektor sich entschließen konnte, seine Opern aufzuführen. Er machte sie zur >Ver- trauten seiner seelischen Leiden; er schüttete sein verwundetes Künst'lerherz in sv barytonalen hörten vor ihr aus, daß sie der Versuchung nicht widerstehen konnte, der vor mehreren Jahren gleich ihr eine andere, Prinzessin Ehimay, erlag. De Lara ist eine Art verfeinerter Riga, nicht ganz so unbedeutend wie der Erkorene Clara Wards, aber feinen» falls ein Mann, dem eine Frau von der geistigen Bedeutung der Fürstin von Monaco ihre Stellung, ihren Ruf und sich selbst zum Opfer bringen könnte. iMais — li coeur a 868 ] aifeODa que la raison ne connait pas .... Mährend der Fürst damit beschäftigt war, bei einer Temperatur unter Null, 2400 Lothringen und 4200 Messungen vorzunehmen, hatte die Neigung der Fürstin zu dem Künstler mit der Löwenmähne 37 Grad, die Maximaltemperatur der sieberlosen Freundschaft längst überschritten. Sie trat in seiner Begleitung die Rückreise nach ihrem Fürstentum an, sie bot ihm auf Sch,laß Monaco die weitgehende Gastfreundschaft, seinen unverstandenen Opern in ihrem Theater eine fürstliche Ausstattung und eine glänzende Wiedergabe und schuf schließlich für ihn selbst einen Jnten- dantenpostcn, der ihm 25 000 Francs Monatsgehalt ein» trug. Seine Opern blieben dessenungeachtet andauernd uxv verstanden, und selbst die aus Paris unter großen Kosten eingeladcnen Kritiker trugen die Schöpfungen des fürstlichen Schützlings zu Grabe, wenn auch mit Kranzspenden, die ihre Galanterie der fürstlichen Frau und liebenswürdigen Hausherrin schuldete. Te Lara wird, da nunmehr die Trennung des Fürsten- paares ausgesprochen ist, seine Werke nicht mehr in dem IHeater zu Mvnte-Carko dirigieren können; er wird fortan nicht mehr von d er monegaskischen Armee, deren beträchtlicher Teil vor dem Eigangsthor zum Schloß Wache stand, mit fürstlichen Ehren begrüßt werden. Mit der kürzlich ausgesprochenen Scheidung ist dw> Schlußtapitel der zweiten Ehe des Fürsten gesprochen, dessen erste Ehe bereits, und zwar nach elfjährigem Bestand, getrennt wurde. Hessischer Landtag. Zweite Hessische StändeLammer. 109. Sitzung. Darmstadt, 7. Juni. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9i/2 Uhr. Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe, Geh.Staats- rat v. Krug. Aus der Tagesordnung steht: die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf, die L a n d st ä n d e betr., owie die Bo rstellung der Gemeindevertretung von Bad-Nauheim in gleichem Betreff; in Verbindung hiermit die Anträge der Abgeordneten Dr. Schmitt und Genossen, die Wahlvorschrrften und die Einführung direkter Wahflen zum Landtage betr. sowie der Antrag des Abgeord^ neten Ulrich in Betreff der Waylvoxschriften. Ter Ausschuß beantragt, der Regierungsvorlage zuzustimmen, die Vorstellung der Gemeinde Bad-Nauheim für erledigt zu erklären, sowie eine zweite Lesung über den Gesetzentwurf vorzunehmen, was nach kurzer Debatte zur Geschäftsordnung einstimmig beschlossen wird. Auf Vorschlag des Präsidenten wird mit der Generaldebatte diejenige über den Artikel 4, der an Stelle der indirekten Wahl die direkte setzt, verbunden. Staatsminister Rothe: Mit der Vorlage habe die Re- gierung eine Zusage erfüllt, die auf das Ersuchen des Hauses um eine eingehende Revision des Wahlgesetzes gegeben worden sei. Ter vorliegende Gesetzesentwurf berücksich- tige alle früher ausgeworfenen Fragen und Anträge und er enthalte alles davon geeignete. Mehr als eine Revision des Wahlgesetzes bedeute indes der Entwurf nicht. Ohne jede Uebereilung sei hierin jedes Wort wohl erwogen worden und man habe alles ausreckft erhalten, was aufrecht habe erhalten werden können. Wer den Entwurf genau studiert habe, der müsse sagen, daß alles darin wohl überlegt sei. Ta der Gesetzesentwurf im Ausschluß ruhig und sachlich behandelt worden und auch die Begründung durch die Regierung sachlich und objektiv gehallen sei, so könne man auch eine ruhige, objektive Debatte erwarten. Ueber die vorliegende Frage müsse man sich imr nach reiflicher Ueberlegung entscheiden. Der Schwerpuntt der Vorlage liege im Ersatz des indirekten Wahlrechts zur Zweiten Kammer durch das direlle. Wenn sich auch die Erste Kammer für das indirekte Wahlrecht ausgesprochen habe und anfangs in der Zwecken Kammer selbst eine Mehrheit für ein an die Regierung zu richtendes Ersuchen um dessen Einführung nicht vorhanden gewesen sei, so habe die Regierung die Vorlage trotzdem eingebracht, weil kein Grund vorliege, a priori das direkte Wahlrecht zurückzuweisen. Das seitherige System von Wahlmännern, die mehr und mehr zu parteilich abhängigen Personen geworden seien, habe sich im allgemeinen nicht sehr bewätzrt, sodaß im Lause der Jahrzehnte das Interesse an der indirekten Wahl verloren habe. Ferner sei es als Mißstand zu betrachten, daß in den großen Städten die Zahl der Wahlmänner so groß sei, daß man dieselben unmöglich genau kennen könne. Bei der indirellen Wahl sei die Agitation nicht so sehr hervorgetreten und habe mehr hinter den Kulissen gespielt, besonders auf dem Lande. Dies werde jetzt wohl anders werden, namentlich in Bezug auf i>ie extremen Parteien. Anstelle der indirekten Wahl, durch die das Interesse an den Wahlen zweifellos verloren habe, solle die direlle treten, die volkstümlicher sei. Eine Einführung desselben sei jedoch nur unter gewissen Cautelen möglich Ein unbeschränktes, allgemeines Wahlrecht zu gebenseidieRegierungnichtgewillt. Ter Ausschuß habe die Wahlpflicht sowie das proportionale Wahlsystem in Erwägung gezogen. Was nun die Wahlpflicht an- lange, so sei das Wahlrecht eben immer nur ein Recht; aus dem Wahlrecht folge noch nicht eo ipso die Wahlpflicht. Hiergegen sprechen gewichtige Bedenken. Bei einer allgemeinen Wahlpflicht würden die extremen Parteien bei der Lauheit der anderen im Vorteil sein. Die bisherige Beteiligung der einzelnen Parteien an der Wahl sei leider nicht festzustellen. Der Stimmzwang bei größeren Wahlen sei in Deutschland noch nirgends eingefuhrt. Die Wahlpflicht würde Verdruß und Aergernis erregen und eine Menge lästiger Strafverfolgungen im Gefolge haben. Wenn man wählen müsse, so werde mancher aus Mißmut seine Stimme anders abgeben als er es sonst gethan hätte. Die träge Masse aufzurütteln sei nicht von Vorteil für den Staat; deshalb könne sich die Regierung mit der allgemeinen Wahlpflicht nicht befreunden, vielmehr sei die Regierung überzeugt, daß das.direkte Wahlrecht allein schon anspornend wirken werde. Die in Belgien und einzelnen Kantonen der Schweiz eingeführte Wahlpflicht, die an und für sich theoretisch sehr schön fei, habe sich nicht bewährt. Das proportionale Wahlsystem, das in Dänemark, der Schweiz rc. eingeführt sei, bedürfe erst noch der amtlichen Erhebungen; bei unseren kleinen Wahlbezirken sei es nicht einfüljrbor, und die Regierung könne sich in dieser Hinsicht auf Experimente nicht einlasscn. Abgesehen davon, daß dieses System die Selbständigkeit des einzelnen Wählers nicht genügend wahre, mute man auch der Wahlkommission zu viel zu und auch die dazu benötigte Berechnung bleibe der großen Masse unverständlich Außerdem würde durch das Proportionalwahlrecht die hinlängliche Vertretung lokaler Interessen im Landtage gefährdet, da nur von Parteien oder größeren Interessengruppen gewählt werde. Im Besitze des Stimmrechts solle nach dem Entwurf derjenige sein, der 25 Jahre all sei, seit 3 Jahren in Hessen wohne, seit 3 Jahren die Staatsangehörigkeit besitze, seit Anfang des Rechnungsjahres zu den diretten Staatssteuern bezw. zu der Kommunalsteuer herangezogen und mit deren Bezahlung nicht länger als zwei Ackmate im Rückstände sei. Alles dies sei durchaus gerechtfertigt, denn wer wählen wolle, von dem könne man auch verlangen, daß er seinen öffentlichen Verpflichtungen Nachkomme. Er bitte den Entwurf, bei bem cs sich nicht um ein neues Gesetz, sondern nur um eine Revision des alten Wahlgesetzes handele, in einer solchen Form anzunehmen, die die Regierung vertreten zu können in der Lage sei. Abg. Freu al) (Ztr.): Ter vorliegende Gesetzentwurf erfülle frühere vom Hause geäußerte Wünsche. Ten ipringen- ben Punkt der Vorlage erblicke er in der Einführung des direkten Wahlsystems. Die Vorteile und Nachteile des in- diretten Wahlrechts seien bereit früher eingehend erörtert worden. Diese Vorzüge seien iiides mehr theoretisch« Natur. Heutzutage könne man jedem Bürger soviel polü» tische Reife zutrauen, daß man ihm das direkte Wahlrecht geben könne. Alle Erwartungen erfülle indes die Vorlage nicht. Prinzipiell müsse er daran festhalten, daß das Pro* portionalwahlrecht das Richttge sei; dieses lasse allein die Minderheit ihre richtige Vertretung finden. Seine Zu* timmung zur Vorlage mache er indes angesichts der ablehnenden Haltung der Regierung nicht abhängig von dessen Einführung. Der Einführung der allgemeinen Wahlpflicht tehe er zwar sympathisch gegenüber, halte sie aber nicht ür durchführbar, die sie zur Voraussetzung die Einführung »er Verhältniswahl habe. Auch dies sei indes kein Grund ür ihn, der Vorlage seine Zustimmung zu versagen. Die Begrenzung der Wahlbezirke werde seines Erachtens großen Schwierigkeiten begegnen. Den Städten Alsfeld, Friedberg und Bingen solle nmn ihr Wahlrecht lassen und in den großen Städten die Zahl der Abgeordneten vermehren. Seine lolitischen Freunde stünden der Vorlage, die eine eminente Bedeutung für unsere Wähler habe, sympathisch gegenüber^ Abg. Heidenreich (natl.j: Seine politischen Freunde dien, obwohl der Staatsminister heute die Vorlage in ob* ektiver Weise vertreten habe, mit ihm darüber enttäuscht, )aß bei der Einfiihrung einer so hochbedeutsamen Vei> assungsfrage die Regierung ihren Standpunkt nicht in eingehenderer Weise motiviert habe. Tie badische Regierung )abe Denkschriften veröffentlicht, um das Publikum über )ie Bedeutung der Vorlage aufzullären. Ob das bestehende Wahlsystem zu so großen Mißständen geführt habe, müsse er bezweifeln. Der Landtag müsse in seiner Zusammensetzung ein Spiegelbild der sozialen und wirtschaftlichen Interessen des Landes fein. Aus dem Munde des Staatsministers Finger hätten sie im Jahre 1896 die Erklärung gehört, daß die Regierung mit dem Ergebnis des indirekten Wahlrechts wohl zufrieden sein könne. Grundfalsch sei, daß der Landtag ein Spiegelbild der politischen Parteien sein muffet Ter Wunsch Iper Bevölkerung nach Einführung des direkten Wahlrechts sei 'nicht in dem Maße verbreitet, wie man dies hinzustellen versucht habe. Nur gewisse Parteien hätten Interesse an dessen Einführung. Taß die Wahl- männer dem Einflüsse der Kreisräte zugänglich seien, treffe im allgemeinen nicht zu und im Odenwald werde man durch einen solchen Versuch die Wahlmänner veranlassen, erst recht das Gegenteil davon zu thun. Die Korruption nach unten sei heute viel größer, als die nach oben. Wir hätten in Hessen ein allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht, das nicht so beschränkt sei wie das neue. Die mangelhafte Beteiligung an den Wahlen lasse den Rückschluß auf eine gewisse Wahlmüdigkeit zu, namenllich auf dem Laude, wo die exttemen Parteien nicht in dem Maße agitatorisch wirken könnten kvie bei dem direkten Wahlrecht. .Mit der Reichstagswahl sei diese Wahl nicht vergleichbar. Habe man einmal die direlle Wahl zum Lcmt>- tage eingeführt, so werde auch dieselbe zum Kreistag absl eine einfache Konsequenz kommen. Auf den weiteren Jn^ halt des Gesetzentwurfs wolle er nicht eingehen, sondern er habe nur seine den Entwurf ablehnende Stellung be^ gründen wollen. Durch die direlle Wahl werde an die Stelle des legitimen Einflusses des Mittelstandes und des Besitzes die Macht derejnigen treten, die die große Masse der Bevölkerung durch Agckatton und Presse beherrschten. Aus Wunsch der Abgeordneten wird hieraus die Sitzung abgebrochen. Die nächste Sitzung wird auf Dienstag 10 Uhr anberaumt Zunächst soll die Debatte über die Main- Neckarbahn-iBorlage beendet werden; die Abstimmung wird auf geäußerten Wunsch um 12i/2 llhr erfolgen. Es steht $u hoffen, daß die Vorlage mit geringer Majorität angenomi men werden wird. Des weiteren steht auf der Tagesordnung die Fortsetzung der Debatte über das Wahlgesetz. Schluß liy2 Uhr. Aus Stadl und Saud. Gießen, den 9. Juni 1902. * * Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 7. Juni den Gerichtsassessor Fritz Hoos aus Lauterbach zum Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberhefsen, den Amtsrichter in VilbelDr. Karl Langsdorf zum Amtsrichter in Langen, den Gerichtsafseffor Hermann Müller aus Schaafheim zum Amtsrichter in Vilbel, beide mit Wirkung vom 12. Juni ernannt — Der Kaiser hat dem Fürstlich Solms-Braunfels'schen Oberkammerrat Stephan zu Braunfels die Erlaubnis zur Anlegung des demselben verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt. — Oberleutnant Kortegarn im Jns.- Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, ist unter Belassung in seiner Etatsstelle als Adjutant des Transpott- führers der gegen Mitte Juni auf dem Truppenübungsplatz Senne zusammentretenden Ablösungsmannschaften für die Ost- asiatische Besatzungs-Brigade kommandiett. * * Eine neue Regierungsvorlage. Die Regierung fordert von der 2. Kammer die Genehmigung dazu, daß sie mck dem Reichs-Postamt eine Vereinbarung wegen Zahlung einer Bauschsumme für Porto- und Gebührenbeträge bezüglich der portopflichtigen, von Staatsbehörden und Beamten fcanfiert abzusendenden, nach Orten innerhalb des deutschen Reichs gerichteten Sendungen tnfft, welcher Vereinbarung die auf Grund der stattgehabten Probeermittelungen rechnungsmäßig noch definitiv festzustellende Jahressumme und späterhin diejenige Jahressumme zu Grunde zu legen rst, welche bei vereinbarungsgemäß neu vorzunehmenden Probeermittelungen festgestellt werden wird. * # Französische Vorträge und Rezitationen. Morgen Dienstag wird Lector Goetschy das Thema besprechen: „Victor Hugo et la legende napoleonienne.“ Am 17. wird er eines der berühmtesten Lustspiele A. de Musset’a zur Rezitation bringen; es ist betitelt: eün c aprice.“ * * Der Laudesausschuß der hessischen Zentrumspattei beschloß. wie wir bereits kurz meldeten, dem demnächst zu einer Beratung über die bevorstehenden Landtagswahlen zufammen- tretenden Landeskomitee der Pattei die Abhaltung eines allgemeinen hessischen Katholikentages für die Monate September oder Oktober in Vorschlag zu bringen. Die Hess. Katholikentage und besonders die in Mainz abgehaltenen zeichneten sich stets durch starke Teilnahme der latholifchen Bevölkerung aus. Der zuletzt in Mainz abgehaltene Katholikentag war von 10 000 Personen besucht. Das große Interesse, das die hessischen Katholiken an dem Ausfall der diesjährigen Landtagswahlen nehmen, wird zweifellos auch dem I)curigen Katholikentag eine starke Teilnahme der katho- Irschen Bevölkerung sichern. 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Aestesausgang: 935 Uhr. nach Abzug von Lungen-Tuberkulose 1 Phleemone 1 Tuberkulosedes Unter- leches 1 (1) Lungenentzündung 2 Brustfellentzündug 1 (1) Nierenentzündung 1 Summa: 15 (4) 9 (2) 4 (1) 2 (1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Eine Frau altert frühzeitig, wenn sie sich mehr Arbeit macht, als dies ohnedies nötig ist. Dies geschieht unbedingt, wenn sie sich bei der Wäsche mit einem billigen schlechten Waschpulver plagt, das nicht reinigt und ihr noch nebenbei die Wäsche ruiniert, anstatt bequem zu arbeiten mit Gioth's gemahlener Kernseife mit Salmiak und Terpentin, die höchste Waschkraft besitzt, und infolgedessen kolossale Arbeitsersparnis bringt Enthält kein Ehlor oder oen Händen oder der Wäsche schädliche Substanzen. Täglich steigender Absatz beweist allgemeine Beliebtheit nnd vorzügliche Qualität Per Packet 15 Pfg. Fabrikant I. Gioth, Hanau a. M. 1996 Gehirnhautentzündung! Darmentzündung Getaufte. M ar k u s g e m e i n d e. Den 1. Ium. Dem Bahnarbeiter Philipp Balser eine Tochter, Marte, geboren ben 20. März. Dem Schwimmlehrer Andreas Rödel em Sohn, Emil Karl Theodor, geb. den 6. April. Iohannesge mein d e. Den 1. Juni. Dem Former August Müller ein Sohn, Wilhelm Philipp, geboren den 12. Mat Dem Bahnarbetter Karl Weder eine Tochter, Dorothea Karoline, geb. den 28. April. Den 5. Juni. Dem Schreiner Friedrich Drahn ein Sohn, Wilhelm Hartwig Albert, geb. den 19. Mai. Getraute. M ar k us g em e t nd e. Den 31. Mm. Hemrich Martin Gerdes, Schneider zu Gießen und Hermine Susanne Busch, Tochter des Ofenputzers Karl Busch zu Gießen. Den 4. Juni. Friedrich Schäfer, Spengler zu Gießen und Anna Schmitt, geb. Hohl, Witwe des Fischhändlers und Wirts Bernhard Schmitt. Lukas Gemeinde. Den 31. Mai. Friedrich Adam Paust, Oberpostassistent zu Gießen und Ernestine Hebstreit, Tochter des Bierverlegers Georg Andreas Hebstreit zu Gießen. Beerdigte. Markusgemeinde. Den 4. Juni. Karl Klingelmover, Dachdecker, Sohn des verstorbenen Flurschützen Karl Klinqelmover, 28 Jahre alt, starb den 2. Ium zu Butzbach. Johan-aesgemeinde. Den 31. Mat Babetta Noll, geb. Göß, Winve des Kommerzienrats Adolf Noll, 64 Jahre all, starb den 28. Mai zu Wiesbaden. Friedrich.Georgi, Rentner, lediger Sohn de« verstorbenen Pfarrer Friedrich Georgi zu Rodhenn a. d. Bieber, V9 Jahre alt, starb den 29. Mat Ludwig Schneider, sation zu vollziehen, sie wird demnächst zur Konstituierung der Zentralstelle und zur Beratung der nunmehr zu ergreifenden -’-'nttel zur Besserung der Lage zusammentreten. Diese 15gbedinge Kommission wurde sofort gewählt. , ~ - — Der Lchifffahrts-Trnst und die Cuuard-Lrnie. Nach rote vor wird behauptet, daß die Eunard-Lnne eine dem Trust feindliche Stellung einnehmen wird; andererseits aber wird bestimmt versichert, daß Morgan auch diese Linie gewonnen hat, od« doch wenigstens nahe daran ist, sic zu gewinnen Das Gespenst eines Geqcntrusts schwebt jedoch noch immer über den Wassern. Die Eunard-, Union-Eastle-, Allan tmd Elder-empster-LiNie roiro- den danach zusammen die Kontrolle über 203 Schiffe nut 1014490 Tonnen haben, während der Trust ohne die deut, chen Gefells chasten 118 Schiffe mit einer Tonnage von 881561 Tonnen umfaßt. — Vom Leipziger Bankprozeß. Der Strafprozeß geaett bte Direktion und Aufsichtsratsmitglieder der Leipziger Bank beginnt am Montag, den 16. Juni, vor bent Schwurgericht und ist auf mindestens 14 Tage berechnet. — Verein zur Wahrung der Interessen der chemische» Industrie. Die Generalversammlung findet vorn 15.—20. September in Frankfurt a. M. statt. — Transvaalbahn. Londoner Meldungen zufolge soll den Besitzern von Obligationen der Transvaalbahn die Wahl gelassen werden zwischen Einlösung der Obligationen zu 108 Prozent ober dem Bezug einer neuen Kolonialanleihe. Aussig aus ötii KircheabW» der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Arbeiterbewegung. " w - >7 {•**-- wtäu« sswmxtfSÄ Zum Postagenten ist der Landwirt und Untererheber Schultheiß roenigen Tagen zu einem Generalstreik der Tobakarbelter Fränkin Lumda angenommen worden. Ireichs ausgewachsen. Gegenwärtig ruht die Arbeit in 15 Tabak- und Zigarrenfabriken, die in allen Ecken des Landes zerstreut sind. Das rasche Umsichgreifen der Bewegung erklärt sich aus der llerimrdllES« statutenmäßig festgelegten Verpflichtung der einzelnen Sektionen Tabakarbeiter-Landesoerbandes, jeden lokalen Konflikt durch • Berlin 7. Juni. Die Vermählung des Prinzen die gleichzeitige Streikerklärung zu unterstützen. Und die Arbeiter Ä + .nifir;„P mit ber Gräfin Henriette der staatlich monopolisierten Tabakfabrikatlon sind stark orgam- Stanislaus Radgiwilt "nroer u rat in peijrteiie Der Konflikt in der genannten Pariser Fabrik entspann sich CHottek ist aufgegeben und die Verl ooung des Vraut- der Forderung der Zigarrenarbeiterinnen, die Beförderung paares qel ost worden. fortan nur nach dem Dienstalter zu regeln und nicht nach der Ge- Breslau 8. Juni. Sechs Gymnasiasten-Ver- schicklichkcit. Der ^inanzminister antwortete den Gewerkschaft^ -öresiau, ö. ’ befinhen sick delegierten ablehnend unter dem Hmzufugen, die Beförderung nach bindungen find hier entdeckt worden. Ss befinden sich dem Dienstalter würde die Fabrikation der seinen Warensorten unter ihnen einige, die schon Jahrzehnte lang bestehen. Die schädigen. Angesichts der Ausdehnung der Bewegung hat das umfangreichste ist die „Germania'l, die neunzig aktive Mit- Jnterföderale Komitee des Tabakarbeiter-Verbandes folgende Horalieber zählt. Die andern nennen sich „Rhenama", Saxonia', berungen ausgestellt: 1. Abschaffutig der „Vetternwirtschaft^ 2. Ent- a l r /Z nnS tfhpnJtfin" Letrterp bpst.'ltt lasiung des Direktors der Fabrik von Neuilly. 3. Abschaffung des ^Guestpyalia , „Silesia unb ’ Legtete besteht Perstelgerungssystems bei der Lieferung von Tabak an die Staats- größtentells aus Tertianern. Die Verbindungen unterhielten fabrtfen, da dasselbe schlechte Tabaksorten begünstigt. 4. Wieder- eiaene Vereinslokale, hatten Fahnen, Mützen und Bierzipfel, einstellung des Wettführers Wagner, der gemaßregelt wurde, weil „Germania" feierte nach dem „B. T.", am Sonntag vor, er die Stelle eines Streikenden nicht halte besetzen wollen. 8 Tagen ihr letztes Stiftungsfest mit Damen (I), das —---------- 300 Mk. Kosten verursacht hat. , Handel und Uerkehr. Volkswittschasl • Paris, 8. Juni. In den nächsten Tagen findet die Ver- Frankfurt a. M., 7. Juni. Heute sand hier im Frankfurter steigerung der Gemälde gallerre der Familie Humbert!^ eine Versamm lung deutscher Baumwo11 - In - ftati Dieselbe umfaßt 380 Gemälde und dürfte wahrschein- dustrieller statt. Im Ganzen waren gegen 160 Betriebe mit lieh *bie Summe von 1 Mill. Frs. ergeben. In den ver- 12fi, Millionen Spindeln und 30 000 Webstühlen durch über 100 lieh die tounime v c>o hpr mrnn;m ;rt Herren vertteten, amzcrüem bte meisten Fachverbande der Baum- schiedenen Liegenschaften der Familie m der -provmz ist ve ^llindustrie. Eine Reihe von Zustimmungs-Erklärungen zu den retts mit dem Verkauf der Ernten, Vlehheerden und der behandelten Bestrebungen lagen vor. Nach eingehender Debatte Weinvorräte begonnen worden. Desgleichen werden die Luxus- wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung deut- maaen in den nächsten Tagen unter den Hammer kommen, scher Baumwoll-Industrieller anerkennt die gemeinschaftlichen Jn- roa^en in den naeyfie v . milla her ^>umhett^ tereffen der einzelnen Branchen (Spinnerei, Weberei, Veredelung) Es wird versichert, datz die Raume der Villa der Humberts deutschen Baumwollindustrie und beschließt die Schaffung einer untereinander telephonisch verbunden waren und daß außer- Zentralstelle, die sich möglichst aus den Einzel-Verbänden beiu m verschiedenen für Lssucher eingerichteten Zimmern jzusammenzusetzen hat Eine Kommission hat die weitere Organi- JOSEF Bitterwasser ist das beste natürliche Abführmittel. 8998 —---------- Erhältlich überall. ------------ Schisssnachrichten. „Red Star Linie* Antwerpen. Der Postdampfer „Switzerland" der „Red Star Linie* in Antwerpen ist laut Telegramm am 4. Juni wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 6. Juni. (Per transatlantischen Telegraph^ Der Postdampser „5köln", Kapitän A. Langreuter, vom Norddeub- chen Lloyd in Bremen, nach Galveston besttmmt, ist gestern 8 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Wöchkatlilhe llcdrrsichtder Todesfälle mderStadtSieße«. 21. Woche. Vom 18. bis 24. Mai 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militärst Sterblichkettsziffer: 30ch2, Fleischertag. Der „BezirkSvereru beider HesseniPhonographen ausgestellt waren, wodurch die Humberts alle nnb Nassau" des Deutschen Fleischerverbandes hielt seinen Unterhaltungen zwischen den Besuchern erfuhren. Bezirkstag am 3. Juni in Kasse l ab. Aus der Provinz * Fort de France, 8. Juni. Gestern erfolgte em Hessen-Nassau, dem Großherzogtum Hessen, dem Fürsten- neuer furchtbarer Ausbruch des Mont Pel6e. Fort tum Waldeck, sowie aus den Regierungsbezirken Koblenz | blieb 4 Stunden in Dunkelbett gehüllt. Das Ge- und Trier waren 120 Delegierte erschienen. Nach Erörter- Iänbe DQn 9JZorne rouqe ist mit heißem Schlamm bedeckt, ung der Fach s ch ulen frag e beschloß der Bezirkstag Unzahl Fischer mit ihren Booten werden vermißt, eine Resolution, worrn er es als eine der vornehmsten 3 ) Romann wurden zwei gefüllte Aufgabe des Deutschen Fleischerverbandes erachtet, eme /JBatu, 8 Ium In ^omany wtttoen zwei gcsu Verbands-Fachschule zu errichten, und der Verbands-Vor- Naphthareservoirs und 24 Bohrtürme durch Feuer stand ersucht wird, die hierzu erforderlichen Mittel zu nichtet. .. bewilligen. — Ferner wurde beschlossen, den Verbands-1 * Peking, 8. Juni. In der japanischen Kaserne ist Vorstand zu ersuchen, der Gründung eines neuen Choleratodesfall vorgekommen. Der Verstorbene Fachorgans näher zu treten, welches sämtlichen Mit- von Tientsin, wohin die Krankheit kürzlich aus Shangai gliedern unentgeltlich zu gestellt werden könnte. Ter Ver- verschleppt wurde. bandsvorstand wird gebeten, weitere Erhebungen darüber «. Rcw-Vork 8. Junt Der Dampfer „Thomas anzustellen, ob und in welcher Weise dies bewerkstel igt , infolge Zusammenstoßes mit einem anderen werden kann. — Der Obermeister der Wiesbadener Fiet cher- ^tton gt msvige -o i ? rinnen sind Jmnmg Weidmann erstattete ein Referat über das Ge- Dampfer bei Yuluth gesunken. Neun Personen find nossenschaftswesen, insbesondere über die in den ums Leben gekommen. ,, ~ rheinischen Gebieten von den Fleischer-Innungen emge- * Inf olge einer Eruption des Vulkans Ta- richteten genossenschaftlichen Häutelager und Häute- kana in Guatemala wurden 1200 Personen ge- auktionen, Talgschmelzen usw. Ter Referent betonte, bafe- tötet. durch dieses Unternehmen das Einkommen der Innungen > > u . i-—- ganz wesentlich vermehrt werde, und schloß mit dem rtTU-rtrMcrrtrtl Wunsche, daß seine Worte Anregung geben mochten, auch