Nr. 107 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Freitag 9. Mai 190» Erscheint tSgklch außer Sonntags. Dem löießener Anzeiger werden im Wechfel mit dem Btfflldft* Landwirt die Siebener Familien- blätter vierinal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lAschen Unioerl.-Buch-u. Stein- druckerei (Ptelich Erbend Redaktion. örpebition unb Druckerei: Dchnlstrabe 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger «letzen. Kerniprechanstblnß Nr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen VezngSpretS, monatlich 75^-, viertel- jährlich Ölt. 2.20; burch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post ölt 2.— viertel* lährl. ausfchl. Aestellg. Annahme von Anzeige» für die Tageonnmin« bis vormittag- 10 UhL ßeilenpretfi: lokal 11 DU auSwärl« 20 Pfg. verantwortlich« ffir den sollt. u. allgern. teil: P. Witiko: für .Stadt und ßanb' und ,GerichtSfaal*:R.Ditd> mann; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Z>ie heutige Kummer umfaßt IS Seiten. Bekanntmachung. Die Bleichstraße zwischen Südanlage und LubwigSstraße wird neu eingcdeckt und eingcwalzl und deshalb die Strecke zwischen Südanlage und Üöberstraße am 10., 11., 12. und 13. d. Mts. und die Strecke zwischen Löber- und Ludwig- straße am 14. und 15. d. Bits. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, den 9. Mai 1902. Äroßherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Deutsches Deich. Derlin, 8. Mai. Der Kaiser ist gestern nachmittag 3 Uhr 50 Min. in Straßburg eingetroffen. Zum Eni- vsange aus dem Bahnhöfe ivaren anwesend: der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Staatssekretär v. Koeller, der kommandierende General Herwnrth o. Bittenfeld, der Gouverneur v. Sick und der Bürgermeister Back. Nach Begrüßung der Erschienenen fuhr der Kaiser mit dem Statthalter im offenen Wagen in die Stadt, in deren reichgeschmückten Straßen die Truppen der Garnison Spalier bildeten. Um 4 Uhr nachmittags begann am Kaiserplcch der Vor- -eimarsch der Truppen vor dem Kaiser. Nach einer kurzen Kritik fuhr der Kaiser nach dem St-atthalterpalais, wo er von der Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg begrüßt wurde. Um 8 Uhr fand Adendtafel zu 20 Gedecken statt. Der Kaiser wohnte heute dem Gottesidienste in der evangelischen Garnisonskirche bei und besichtigte alsidann in der Landesbibliothek die Papyrussammlung und die elsässischen Münzen. Um 4 Uhr machte er mit dem Statthalter eine Ausfahrt nach den Forts bei Oberh ausb er g en und besichtigte dort unter Führung des Gouverneurs v. Sick die in der Nähe des Forts Kronprinz neu angelegte Kirschbaumhöhenbatterie. Um 5 Uhr kehrte der Kaiser zurück. Heute abend 8 Uhr sand Diner beim Staatssekretär v. Koeller statt. — Der Kaiser verlieh dem Unterstaatssekretär von Sch raut den Kconenordcn erster Klasse. ' — Der B u ud esrat erteilte der Vorlage, betr. die am 19. März 1901 in Paris vollzogene Uebereinkunft zum Schutze der für die Landwirtschaft n ü tz l i ch e n Vögel, ferner den Beschlüssen des Reichstags zum Entwurf eines Schaumweinsteuergesetzes, und den Äusschuß- anträgen zu dem Entwurf einer Verordnung zur Ausführung des Patentgesetzes vom 7. April 1902 seine Genehmigung. — Der „Bert. Akt." hört an hiesiger zuständiger Stelle fei von irgend welchen von sächsischer Seite getroffenen Vorbereitungen für einen etwaigen Anschlußdes säch- sifcheu Eisenbahnnetzes an das preußische auf der Grundlage einer Finanz- und Betriebsgemeinschaft nichts bekannt. — Die „Post" berichtet über das Verhältnis Deutschlands zu Venezuela: Die deutsche Forderung fei so bestimmt, daß auf einen Schiedsspruch nicht eingegangen werden könne. Sollte von Caracas aus ein solcher Vorschlag gemacht werden, so würde er sicher in Berlin auf Ablchn- ung stoßen. Anscheinend werde nichts anderes übrig bleiben, als daß die Negierung von Caracas durch einen äußeren Druck und Anertcnnuug unserer Ansprüche und zur Zahlung gebracht wird. Hamburg, 7. Mai. In der heutigen Vormittagssitzung beschäftigte sich der Kongreß für gewerblichen Rechtsschutz mit der Frage betr. den unlauteren Wettbewerb uni) .faßte eine Resolution, welche eine weitere Ausgestaltung des Gesetzes vom 27. Mai 1896 frodert. Ferner wurde eine Resolution gefaßt, in die Gewerbeordnung Bestimmungen aufzunehmen, nach welchen die Verleihung von Medaillen von der Genehmigung der Behörde abhängig gemacht wird und die Benutzung von nicht genehmigten Auszeichnungen verboten wird. Angenommen wurde ferner ein Antrag, bem Paragraphen 8 des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes strafrechtliche Sanktion zu geben. — In der letzten Sitzung beschloß der Kongreß den Reichskanzler zu ersuchen, beim Kammermusik. Zu einer erhebenden Feier hatten am 7. d. M. die Herren Trautmann, Redner und Hegar das Musik liebende Publikum unserer Stadt in die große Aula der Universität geladen. Galt es doch, am Geburtstag von Johatrnes Brahms, dem Gedenken des vervlichenen, unvergeßlichen Meisters einige Stunden in dankbarer Erinnerung zu weihen und durch die Aufführung einiger seiner herrlichsten Kammermusikwerke sein Bild vor dem geistigen Auge seiner Verehrer wieder aufzu frischen. Zwei weitere ausgezeichnete Künstler aus Frankfurt, der Klarinettist Herr Ludwig Mohler uni) der hier bereits vorteilhaft bekannte Herr August Leimer in doppelter Eigenschaft aid Bratschist und Konzertsänger, waren zur Mitwirkung erschienen, und so war dieses vergrößerte Ensemble imstande, den Musikfreunden Gießens durch den Vortrag mehrerer kostbarer Perlen „Brahms- scher Kammermusik" einen Genuß zu bereiten, wie er schöner und edler kaum jemals geboten werden kann. Interessant wegen der hier wohl noch neuen Besetzung war vor allen Dingen das Trio op. 114 in A--moll für Klavier ,^.lnr' - tte und Cello, das recht wohl zeigte, was für herrliche .ic.augwirkungen durch die Vereinigung der drei genaunien Instrumente hervorgebrachr werden können, Herr Mohler ist aber auch ein hervorragend tüchtiger KlariAbschluß neuer Handelsverträge auf die Er Weiterung und Ausgestaltung des internationalen gewerblichen Rechtsschutzes Rücklicht zu nehmen und dabei speziell der Schweiz gegenüber die Interessen der chemischen Industrie in Bezug auf den Patentschutz zu beachten. Ferner wurde ein Antrag angenommen, in dem ersucht wird, darauf hinzuwirken, daß der Musterschutz eines Landes auch auf die übrigen Länder der internationalen Union ausgedehnt werde. Hieraus wurde der Kongreß geschlossen. — Dr. Fe i l l, Vorsitzender der hanseatischen Anwaltskammer, ist gestorben. — Im Monat April sind über Hamburg 13 865 Personen ausge w a ndert gegen 9175 im April des Vorjahres. Königsberg L Pr., 8. Mai. Wie die „Königsberger Hartungsche Ztg." meldet, ist das Urteil im Prozeß Marten-Hickel am Mittwochabend rechtskräftig geworden, da der kommandierende General des 1. Armeekorps v .d. Goltz auf das Rechtsmittel der Revision verzichtete. Ausland. Kopenhagen, 8. Mai. In den letzten Tagen wurde unter der Firma „Estasiatique-Francais" eine Dampf- schiffahrts-Gesellschast gegründet. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Paris und har Den Zweck, eine Dampf - schiffahrtslinie zwischen Europa unb Opasien zu errichten. Das Aktienkapital ist auf 10 Mill. Francs feilgesetzt, von bent bie Hälfte in Schweden unb in Dänemark gezeichnet ist. Die Mesiageries Maritimes hat zwei Vertreter in der Leitung der Gejcllschast, ebenso die dänisch-ostasiatische Kom- pagtlie. Die Schisse sollen in Frankreich gebaut werden- Berehaven, 8. Mai. Der Herzog von Connan g h i war gestern zur Abendtafel beim Prinzen He inrich an Bord des „Kaiser Friedrich III." geladen- Heute begaben sich der Prinz uiib der Herzog an Bord des Kreuzers „Furiosus" nach Bautrh, um in Corl bie Ausstellung zu besichtigen. Cork, 8. Mat Prinz Heinrich und der Herzog von Counaught sind heute nachmittag hier eingetroffen. Sie begaben sich zugleich nach der A u s st e l l u u g, loo dem Prinzen Heinrich von den überaus zahlreichen Besuchern ein enthusiastischer Empfang bereitet wurde. Die Musik spielte bie deutsche Nationalhymne. Nachdem der Prinz und der Herzog die Ausstellung mit regstem Interesse besichtigt hatten, weihte ersterer die Masserrutschbahn ein unb fetzte unter Hurrarufen ber Menge das erste Boot in Bewegung. Hierauf erfolgte ein Frühstück unter bem Vorsitze des Lordmayors, welcher aus die hohen Gäste toastete. Der Herzog sprach in seinem Toast die Hoffnung aus, daß die Ausstellung bie erwünschten Ergebnisse haben unb eine bessere Stimmung zwischen England und Irland herbeiführen werde. Unter erneuten Hochrufen der Menge begaben sich der Prinz und der Herzog ins Regicrungü- gebäube und reiften bann nach Dublin ab. Washington, 7. Mai. In Erwidermtg aus den vom Hause gefaßten Beschlußantrag bezüglich ber Operationen auf Batangas und Samar erklärte. KriegSsekretär Roth, er billige daS Vorgehen ber Generale Bell unb Smith und betonte, ihre Kriegführung sei bie denkbar menschlichste unb wirksamste. L o nbo n , 8. Mai- Dem „Stanoard" wird aus Tientsin telegraphiert, die aufrührerische Bewegung in der Provinz Tschili sei in ber Ausdehnung begriffen. Es seien wieder Angriffe auf christliche Kirchen und Mifsionare gemadji worden. Die Zahl der Aufständischen werde auf 40000 Mann geschätzt, die gut bewaffnet feiert. Bis jetzt sei es den Truppen des Vtzekönigs Iuanschitai durchaus mißlungen, die Erhebung niederzuschlagen- die Behörden seien nun bemüht, bie Aufständischen durch Geldgeschenke zur Ruhe zu bringen. — Nach einer Pekinger Depesche des Reuterschen Bureaus ist dem Bischof Favier bie Mitteilung zugegangen, baß an den Unruhen in Tschili 10 000 Bewaffnete mit einigen Geschützen teilnehmen. Die Kröffnung der österleichich-unggrischcu Inegatiou. Budapest, 7. Mai. Kaiser Franz Josef eröffnete die Delegationen mit folgender Thronrede: In bernZeit der letzten Session der Delegationen verflossenen Jahre hat die allgemeine politische Lage keinerlei wesentliche Aen- derung erfahren. Nack wie vor ist das unausgesetzte Bestreben meiner Regierung aus die Pflege des engen Verhältnisses zu unseren Verbündeten soivie vertrauensvoller Beziehungen zu allen anderen Mächten gerichtet und trägt hierdurch zur Erhaltung und Konsolidierung des europäischen Friedens bei. Auch ist speziell unser stets s r e u n d s ch a f t l i ch e s E t n v e r »t e h in e n mit bem russischem Reiche bezüglich der Vorgänge im näheren Orient dem Fortbestände der Ruhe und Ordnttng in jetten Gebieten förderlich. Die im vortgen Jahre durchgeführte Unterdrückung des A u s st a n d e s in E h t n a hat die Rückberusung des größten Teiles der von den'Mächten dorthin enlsendetett Land- uttd Scestreitkräfte ermöglicht unb gereicht mir zur Genugihunng, der Haltung und den Leistungen ber bei diesem An lasse verwendeten Abteilung meiner Seemacht meine volle Atterkenitung auszu- sprechen, meine K r i cg ö v e r w a l t u tt g must diesmal Mehrforderungen ctnbrmgcn, zum Zwecke der Beschaffung von Artilleriematerial, zu Reorganisationen in der Artilleriewaffe und zur Ausbesserung der Ataunschastslost, meine Kriegsmarine solche für unvermeidliche Perjonalvermehrungen und -Lchisssbauten. Diese Mehrsorderiinaen sowohl als die sonstigen Ausgabeposten in dem Kriegs- und Marlnebudget sind in den engsten Grenzen des Notwendigen gehalten. Im Bud getausschusse der österreichischen Delegation gab der Minister des Äußeren, Graf Golu- chowski, ein Expose, aus dem wir Folgendes hervoc- heben: Der Dreibund, dessen Giltigkeitsdauer im Mai 1903 ab- läuft, geht nunmehr der Erneuerung entgegen, nachdem die drei Kabinette formelle Zusicherungen hinsichtlich ihrer besten "Absichten auSgetauscht haben, den zwischen ihnen bestehenden Allianzvertrag in seinem vollen Werte aufrecht zu erhalten und ait die Unterzeichnung der einschlägigen Instrumente rechtzeitig zu schreiten. lLebhasler Beifall.) Auf der Grundlage sich gegenseina deckender Interessen aujgebaut und jeder aggresjiveit Tendenz nach was immer für enter Seite bar, wird somit der eminettt kon- ervatlve Bund der europäischeit Centralmächte auch weiter >te hehren Friedensziele, denen er fein Entstehen verdankt, mit um o größerer Zuversicht verfolgen, als er nach den von berufener Seue wiederholt abgegebenen Erkläruitgen über die nicht minder fried fertig eit Ziele des ihm gegenüber- stehenden Z w e l b ti ii d e s in dieser Gruppierung eine höchst wertvolle Ergänzung unb Förderung seiner eigenen Ausgaben wohl erblicken darf. Diese sozusagen parallel laufenden Aktionen trugen bereits ihre feg en »reichen Früchte in ausgiebigem Mage und diese werden sich gewiß auch in Zukunft gleich gut bewähren, zumgl ihr Wesen nicht allein für jeden Teilnehmer in der Siche» ung des eigenen Besitzstandes, sondern auch im Bestreben tulmtnirt, die schädlichen Rückwirkungen von den Ereignissen, die sich in den Qitbereit Gebieten abspielen würden, zu paralysiren, falls es überhaupt nicht gelänge, das Austauchen derselben zu verhindern. Es verdient hervorgehoben zu iverden, tute der Gedanke, welcher die Anregutig zu den fraglichen politischen Kombinationen gab, leicht Wurzel faßte, wie tvertvoll er sich in der lueitcrcu Ausführung erwies, wie rasch es ihm gelang, in der Gestaltung der iiilernatio- nalen Beziehungen sich das Bürgerrecht zu erwerben und sich einigermaßen zu einem System herauszubilden, welches heute selbst in den aiißereuropäischen Fragen Anwendung findet. Redner weist auf den englisch-sapanischeu Vertrag bezüglich Chinas und Koreas hin, dem bic rnsflsch-französische Vereinbarung auf dem Fuße gefolgt sei, die auch von konservativem Geiste beherrscht sei und betont, daß auch hier das Bestreben zum Ausdruck founne, den Gefahren vorzubeugen, dte sich aus den ostasiatischen Fragen für den allgemeinen Frieden ergeben könnten. Tie Vorteile dieser internationalen Konstellationen würden aber noch dadurch prägnanter, daß letztere nicht im mindesten spezielle Vereinbarungen zivischen den einzelnen Mächten und den uer‘|d)icbcncn Gruppen ausschlössen über ihre spezifischen Interessen. Tas beweise ebenso das vertrauensvolle Verhältnis, ivelchcs gegenwärtig zivischen Italien und Frankreich herrsche, als auch die überaus günstige Ausgestaltung der eigenen Beziehungen zu Rußland. Damit würden vielfach Gefahren e(n gedämmt, die zu dem ständigen Iilventar der Bemiruhigung auf bem europäischen Kontinent gehörten. Bon dem Augenblick an, wo ailtorltativ sestgeftellt werden tonnte, daß weder wir noch Rußland selbstsüchtige Zwecke im nächsten Cricnt verfolgen, mußte in logischer Weise das Alißtrauen, wodurch das Verhältnis beider Reiche jahrelang schwer belastet wurde, von der Bildfläche verschwinden unb einer freundlichen Meinung Platz ntacheil, die wir nunmehr zu verzeichnen haben. — Andererseits ist ober der Umstand nicht zu überseyeii, daß die Ziele der Politik beider Lailder im starken Gegensätze zu den Ajpiratiolien einer Reihe unlauterer Eie mellte stehen, die keine Mühe scheuen, um durch tendenziöse AuSstretiungen und Lerdächtigungen das Cinvernebmen zu untergraben. Desto gewichtiger drängt sich die Pflicht atst, dafür Sorge zu tragen, daß die Verständigung auch für die weitere Zukunft unversehrt erhalten bleibe. Es ist dazu aber vor allem notwendig, dast beiderseits mit gleicher äZeivisseuhaftigkeit sämt- nettist, der seiner A-Klarinette wundervolle Töne zu entlocken verstand mtnb durch geschmackvolle Durchführung feiner Partie sich als würdiger Partner der Herren Trautman n und Hegnr, die ihre Instrumente mit gewohnter Meisterschaft behandelteu, erwies. Herr Redner, der mit Herrn Trautntann die Sonate in T-nioll op. 108 für Violine und Klavier vortrug, erbrachte damit den Beweis, daß für ihn das Sprichwort „Stillstund ist Rückschritt" nicht gilt; was uns, abgesehen von der glänzenden Technik in diesem Konzert, an seinem Spiel besonders angenehin aufsiel, war die schöne, edle Tongebung, in der er unseres Erachtens namentlich im vergangenen Winter noch erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Freilich ist hierbei ein gutes Instrument, wie es Herr Rebner zweifellos besitzt, eine wesentliche Unterstützung. Einen herrlichen Schluß des Konzerts bildete das Quartett op. 23 in G-moll für Klavier, Violine, Viola und Celbo, eine Tondichtung, reich cm musiralischen Schönheiten, aber auch geladen mit großen Schwierigkeiten in allen vier Sätzen, zu deren eimvandfreier Wiedergabe nur gunz vorzügliche Künstler gehören, die mit größter Aufmerksamleit und £>i- zebung sich an die Lösung ihrer Aufgaben machen. $4catm Jiit, Rebncr, Leimer und Hegar in bicjce Beziehung vorgestern auch dem verwöhntesten Geschmack gerecht geworden sind, wird ' 3-er Konzertvesuchev gern zugeben, unb die Kritik rann nach einer so vollendeten Wiedergabe, die die Aufmerlsamieit des Publikums bis zum Schluß zu steigern vermochte, nichts Besseres thun als schweigen. Tie Liedkompositionen von Brahms sind fast alle als schwierig bekannt, und werden mit geringen Ausnahmen nur von Berufssängern vorgetragcn. Aber auch hier ae- gewannen wir oorgestern den Eindruck, baß nur Künstler ersten Ranges sich an derartige Sachen wagen sollten, und konstatieren mit Freuden, daß wir Herrn Leimer als Sänger gern zu diesen Beborzugten rechnen. Mit seinem herrlichen voll tonenden Baryton verbindet Herr Leimer troy eines organischen Fehlers, der ihm aber schwerlich schaden wird, eine beuiiia . Textaussprache, und seine Auffasstmg der Lieder beweist, daß'er nut richtigem Verständnis in den Geist der Dichtungen und der Kompo- tionen einzudringen versteht. Wenn ein Sänger nur mit Liedern von Brahms ein Publikum so begeistern kann, daß es ihn ohne Zugabe nicht riehen läßt, so muß er nur Vorzügliches leisten tonnen: freilich gehört auch ein kunstberständiges Publikum dazu das solche DarLietungen richtig zu würdigen versteht. Daß letzteres der Fall war. werden bic geehrten Künstler an-, genehm empfunden haben. 1 Pr liche Bedingungen eingehalten werden, die an dieselbe geknüpft sind. _ „ Der Minister weist sodann auf die ständigen Storungen auf dem Balkan hin und erklärte, die Gestaltung der Dinge tn diesem Punkte des Weltteiles habe ein sehr unerfreuliches Aussehen uni) erheische eine konsequente und übereinstimmende Behandlung seitens der beiden an den dortigen Vorgängen zunächst interessierten Kabinete in Wien und Petersburg. Alle Bemühungen setzten indeß eine entsprechende Sanierungsmaßregel seitens der Türkei unbedingt voraus. Ich kann nicht umhin, fährt der Minister fort, auf die großen Aufgaben Hinzuwelsen, die in allernächster Zeit unserer harren. Die anderthalb Jahren, die noch vor dem Erlöschen der gegenwärtigen Handelsverträge liegen, werden vollauf untere Thätigkeit in Anspruch nehmen. Wenn ich auch mich der Erkenntnis nicht ver- schlreße, daß die Verhandlungen zu deren Erneuerung auf manche Schwierigkeiten stoßen dürften, so glaube ich doch, daß dieselben bei einigem guten Willen nicht so unüberwindlich sein werden, um nicht endlich zu einem allseitig annehmbaren Vergleich zu führen. Dies setzt allerdings zwei Bedingungen voraus, einerseits einen gewissen Grad von Einsicht und Mäßigung in den wirtschaftlichen Kreisen der verschiedenen in Betracht kommenden Staaten, andererseits, ,vas uns speziell betrifft, eine vollständige lieber ein st immuNg zwischen den beiden Teilen der Monarchie, um dem Auslände gegenüber als geschlossenes und somit kräftiges Ganzes auftreten ßu können. Daß von jeder Seite einige Opfer gebracht werden muffen, um zu einer billigen Verständigung zu gelangen, scheiiit mir ziemlich einleuchtend, aber ebenso naheliegend ist, daß wir, roemi wir nicht Gefahr laufen wollen, in eine höchst ungünstige Lage zu geraten, unbedingt dafür sorgen müssen, eine gemeinsame Operationsbasis zu schaffen. Eine Vereinbarung über den autonomen Zolltarif, sowie die Perfektionierung des wirtschaftlichen Ausgleichs zwischen Oesterreich und Ungarn sind unausbleibliche Voraussetzungen der Aktion. , , In der sich anschließenden Debatte erklärte Golu- chowskr auf Aeußerungen des Dr. Kramarcz: „Ich bin zwar nicht berufen, die Gedanken des Grafen Bülow zu erörtern und zu interpretieren, glaube aber, daß es unmöglich in feiner Absicht gelegen sein konnte, den Dreibund so zu bagatelifieren, wie es ihm Kramarcz zugemutet hat. Graf Bülow hat meiner Ansicht nach dasjenige gesagt, was jeder Staatsmann, der etwas . Selbstvertrauen besitzt und eine zielbewußte Politik führen nrill, sagen konnte und sagen mußte. Es wäre traurig bestellt, wenn ein Staat nur auf eine einzige Kombination angewiesen wäre. Wir sind wie Deutschland zu dem Schlüsse gelangt, daß die bewährte Grundlage, die seit 30 Jahren den Frieden Europas zu erhalten imstande war, aufrecht erhalten werden muß, und daß es im Interesse der einzelnen Kompariszenten gelegen ist, an dieser Grundlage nichts zu ändern. Dem Wunsch des Delegierten Pergelt nach einer ausführlichen Auslassung über die Frage der Handelsverträge hält der Minister entgegen, daß sich über dieses Thema gegenwärtig nichts sagen lasse. So lange der österreichisch-ungarische Zolltarif nicht festgestellt sei, könne nicht einmal eine Aussprache mit fremden Staaten stattfinden. Dazu komme gerade bezüglich des wichtigsten Vertrages, nämlich desjenigen mit Deutschland die Schwierigkeit, daß auch dort der Zolltarif noch nicht perfekt sei. Was den deutschen Tarifentwurf anlange, dürfe man nicht vergessen, daß derselbe ein Kampstarif sei, und es sei mit aller Bestimmtheit zu erwarten, daß man zu einem billigen Vergleich kommen werde. Auf Ausführungen des Grafen Sylvester erwiderte Graf Goluchowski, er glaube nicht, daß irgend ein Staat im südafrikanischen Krieg sich zur Vermittlerrolle hergeben werde, wenn er von vornherein wisse, daß die Vermittelung von dem einen der kriegführenden Teile nicht angenommen würde. Die englische Regierung habe aber wiederholt erklärt, daß sie eine Intervention nicht zulassen könne. Eine anfgezwungene Intervention hätte leicht zu weitgehenden Verwickelungen selbst zwischen europäischen Mächten führen können. Das Budget des Ministeriums des Aenßeren wurde schließlich unverändert angenommen. Iom Krankenlager der Königin WilHelmina liegen heute einige Meldungen vor, die erfreulicherweise besagen, daß die Besserung im Befinden der erlauchten Kranken anhält. Man begrüßt ja jedes Symptom, daZ günstig zu deuten ist, mit frohem Anteil; doch darf man sich nicht darüber täuschen, daß die Gefahr für das Leben der Patientin noch nicht völlig beseitigt ist. Eine entsprechende Bemerkung vermißt man, so erfreulich die letzten Krankheitsberichte der behandelnden Aerzte auch sind, immer noch darin. Die letzten Nachrichten lauten: SchloßLoo,7. Mai. Der Krankheitsbericht von heute nachmittag 2 Uhr lautet: Bisher giebt der Zustand der Königin am heutigen Tage Grund zur Zufriedenheit. Schloß Loo, 7. Mai. (Reuter.) Die heutigen Nachrichten, die andauernd eine Besserung in dem Befinden der Königin erkennen lassen, haben große Freude hervorgerufen. Die Besorgnis, die seit Sonntag herrschte, ist zum großen Teil beseitigt. Prinz Heinrich hat heute zum ersten Mal seit Sonntag das Palais auf kurze Zeit verlassen. Schloß Loo, 8. Mai. Das heute früh ausgegebene Bulletin besagt: Gestern abend keine Temperaturerhöhung. Nacht ruhig. Augenblicklich giebt die Lage Anlaß zur Zufriedenheit. Roessingh. Pot. Schloß Loo, 8. Mai. Das Nachmittag-Bulletin besagt: Seit heute vormittag ist der Zu st and der Königin an b au er n d zufri ed enste l l en d.____________ Aus Stadl und Land. Gießen, 9. Mai 1902. ** Himmelfahrt. Am Mittwoch nachmittag werden Wohl die meisten derer, die für den Himmelfahrtstag einen Ausflug geplant hatten, angesichts des Wetters resigniert die Köpfe haben hängen lassen mit den Worten „es wird nichts draus." Und in der That, nach den schönen, aber kalten Morgenstunden trat ein Wetter ein, das nichts weniger als schön war. Bald regnete es, bald schneite es; dabei war die Temperatur so kalt, daß man am liebsten die Mintersachen wieder Hervorgeholt hätte. Um so angenehmer war die Ueberraschung, als am Donnerstag Morgen Sonnenschein zur Wanderung ins Freie einlud. Die Temperatur war freilich ebenso niedrig wie in den letzten Wochen. Nichtsdestoweniger belebten sich die Straßen und Chausseen bereits früh mit Ausflüglern. Und wenn der Tag auch nicht hielt, was er am Morgen versprach, so war er immerhin doch um vieles schöner als seine Vorgänger. Die beliebten Ausflugsorte in der Umgegend waren denn auch am Nachmittag zumteil bis auf das letzte Plätzchen besetzt. — Namentlich ist für viele das Ziel für Himmelfahrtsausflüge der Dünsberg und die „dicke Eiche". Der erstere hatte sich denn auch gestern wieder eines regen Besuches zu «rfreuem Die ersten, die ihm in aller Frühe einen Besuch ab statteten, waren die Gießener Burschenschaften. Gegen Mittag langten zahlreiche Ausflügler aus Wetzlar und Gießen an, und am Nachmittag stellte sich auch die Landbevölkerung aus der Umgebung ein. Zahlreiche Besucher des Dünsverges kehrten auf dem Heimwege im „Abendstern" ein, wo nach hergebrachter Weise lustig zum Tanz aufgespielt wurde, der im Freien stattfand. — Bei der „dicken Eiche" wurde auch gestern, wie seit einer Reihe von Jahren schon, wieder eine kirchliche Ver- ammlung ab geh alten. Diesmal wurde die Feier noch dadurch verschönert, daß der neu gebildete Po saun euch or aus Rodheim mitwirkte. — So sind wir denn immerhin besser >aran gewesen, als die meisten anderen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes. Fast aus allen Teilen Deutschlands kommen Meldungen über Schneefälle. So werden aus dem Odenwald, dem Taunus, dem Westerwald, dem Knüll heftige Schneefälle gemeldet. Das Wachstum der Vegetation stockt, die Obstbäume haben sehr gelitten. — In Darmstadt, Heppenheim a. d. B., Erbach i. O., Worms, Ems schneite es, zum Teil heftig. — Im Hunsrück hat es anhaltend ge- chneit. — Aus verschiedenen Teilen des Unterelsaß, res Weilerthales, Leberthales, aus Markirch, Wangenburg und Umgebung, aus Metz, Freiburg i. Br. wird Schneefall gemeldet, In der Nähe von Markirch und Mangenburg sind die Vogesen bis zur Thalsohle dicht mit Schnee bedeckt. — Im Ausland ist es nicht anders. So wird aus Bern gemeldet, daß in verschiedenen Landesteilen durch den starken Frost die glänzenden Obstaussichten zerstört worden sind. Die gleiche Meldung kommt aus Zürich. * * Der Himmelsahrtsmarkt, einer unserer besten Krämermärkte, hatte infolge des schlechten Wetters einen geringeren Besuch aufzuweisen, als erwartet worden war. Zwar brachten den Marktleuten und besonders den Geschäften, welche Nationaltrachten verkaufen, die Mittagszüge aus Kuriesfen und aus der Wetzlarer Gegend etwas Kundschaft, auch rasen am Nachmittag aus den Dörfern unserer nächsten Umgegend zahlreiche Marktbesucher ein, so daß sich gegen 3 bis 4 Uhr auf Oswaldsgarten ein lebhafter Verkehr entwickelte. Im Großen und Ganzen aber war das Geschäft nicht gerade befriedigend. * * Turnverein. Der gestrige Turngang des Gießener Turnvereins erfreute sich einer sehr guten Beteiligung, was allerdings in Anbetracht des Zieles, der Saalburg, vorauszusehen war. Die Tour wurde wie folgt ausgesührt: Von Bad-Nauheim ging es über den Johannesberg nach dem Forsthaus Winterstein. Nachdem hier das Frühstück eingenommen war, ging es den steilen und steinigen Weg hinaus nach dem Wink er st ein, von wo man eine großartige Fernsicht hat. Vom Winterstein marschierte man bergab nach der im vorigen Jahre freigelegten Capers - bürg, von der nur noch die Grundmauern vorhanden sind, alsdann den Pfahlgraben entlang nach der Lochmühle unterhalb der Sa al bürg, wo schnell zu Mittag gegessen wurde. Nun wurde zur Saalburg emporgestiegen. Die Ankunft war fteilich nicht sehr angenehm; denn es ging ein etwa 20 Minuten anhaltendes Hagelwetter nieder. Doch war das nicht imstande, die ftöhliche Stimmung der Turner zu trüben. Nach Besichtigung der Saalburg, insbesondere der noch gut erhaltenen Grundmauern der früheren Römernieder- lasiungen wanderte ein Teil der Turner nach Homburg v. d. H. Der andere zog es vor, die elektrische Bahn dorthin zu benutzen. Nachdem hier die Lebensgeister durch einen guten Trunk wieder ausgefrischt waren, wurden noch die Kuranlagen besichtigt, woraus mit der Bahn die Heimreise angetreten wurde. 1/210 Uhr langten die Turner wieder an. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß 2 Turner es unternahmen, den Weg bis zur Saalburg von Gießen aus zu Fuß zu machen. * * Der Gesangverein „Heiterkeit" machte seinen Himmelfahrtsausflug nach Lich, wo er im holländischen Hof" rastete. Von da ging es in den großen Heilanoschen Saal. Der Licher Gesangverein „Cäcilia/' ließ es sich nicht nehmen, vollzählig dem Bruderverein zu Ehren am Platz zu sein. Unter Liedervorträgen und sonstiger Kurzweil verflossen die Stunden nur allzu rasch. Präsident Schmitt von Lich begrüßte den Gesangverein „Heiterkeit". Er betonte die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen den beiden Vereinen beständen, und brachte ein Hoch auf den Gesangverein „Heiterkeit" aus. Seidewand-Gießen dankte mit herzlichen Worten und schloß mit einem Hoch auf den Lahnthal-Sängerbund. * * Deutscher Flottenverein. Wir machen hierdurch nochmals auf die Hauptversammlung des Flottenvereins der Provinz Ob er Hessen aufmerksam, die am Samstag abend im Cafe Ebel stattfindet. Auf der Tagesordnung steht: 1.. Rechenschaftsbericht; 2. Entlastung für die Jahresrechnung 1901; 3. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern; 4. Mitteilung eines Rundschreibens der Zentrale des Flottenvereins. Am Sonntag darauf findet die Landesversammlung der im Großherzogtum Hessen wohnenden Mitglieder des Deutschen Flottenvereins uachmmittags 4 Uhr im Kaisersaale zu Darmstadt statt. Auf der Tagesordnung steht außer dem Jahresbericht des Vorsitzenden und der Rechnungsablage des Schatzmeisters die Neuwahl des Landesausschusses für die Jahre 1902/05, sowie Beratung und Beschlußfassung über die gemäß den Beschlüssen der Berliner Hauptversammlung vom 20' .Februar ab geänderte neue Satzung, wobei eine Reihe wichtiger Organisationsfragen des Vereins ihre definitive Regelung finden soll. ON. Kirchgöns, 7. Mai. Eine höchst erfreuliche Nachricht ist dieser Tage unserer Gemeinde und den benachbarten Orten dadurch geworden, daß die Bahnbehörde zu der schon seit mehreren Jahren für hiesige Gemarkung erbetenen Haltestelle der Main-Weser-Bahn ihre Genehmigung erteilt f)at. Die Opfer, die hierdurch unserer Gemeinde auferlegt werden, sind allerdings beträchtlich, immerhin aber fühlt sich unsere Einwohnerschaft den Mitgliedern unseres Ortsvorstandes zu Dank verpflichtet, daß sie, die hohe Bedeutung einer Haltestelle für uns erkennend, die bezüglichen Mittel sofort bereit gestellt haben. Das Verlangen nach einer derartigen Verkehrsanlage machte sich hierorts und auch in den umliegenden Gemeinden schon seit Jahren immer mehr geltend, sodaß die Bahnbehörde durch die Berücksichtigung unserer Bitte einem dringlichen Bedürfnisse abhilft. Großen Dank verdient ferner unser bewährter Reichstagsabgeordneter Graf Oriola, indem er unsere Bitte, die Angelegenheit bei dem Eisenbahnminister in Berlin befürwortend zu vertreten, in bereitwilligster Meise nachgekommen ist. Auch das wohlwollende Entgegenkommen der Bahnbehörden in Frankfurt und Gießen bei her Berücksichtigung unserer Wünsche verdient hervorgehoben zu werden. — Hoffen wir, daß die Haltestelle, welche am 1. Oktober dem Verkehr übergeben werden Kl, unserer Gemeinde und den interessierten benachbarte» ten zum Segen gereichen möge. • • Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die amtliche „Darmst. Ztg." enthält ein Ausschreiben des Landgerichtsprästdenten Lippold von Mainz, nach dem durch Beschluß der Disziplinarkammer für Notare der Großh. Notar Willenbücher in Pfeddersheim vorläufig eines Amtes enthoben ist. _ „ Vermischtes. * Breslau, 8. Mai. Wie der „Brest. Gen.-Anz." meldet, stieß heute Nacht auf dem Bahnhofe Düdersbach ein rangierender Güterzug auf einen anderen Güterzug, wobei ein Rangierer ums Leben tarn. Zwei Wagen wurden zertrümmert und eine Maschine beschädigt. Der Verkehr ist nicht gestört. * Geestemünde, 7. Mai. Auf Tecklenborgs Schiffswerft lief heute Mittag das für die Rhederei von Laeisz in Hamburg erbaute 8000 Registertons große Fünfmastoollschiff „Preußen", das größte Segelschiff der Welt,, vom Stapel. * Paris, 8. Mai. In dem nahen Pouteaur wurden die Weichen der Dampfstraßenbahn frevelhafterweise zerkört. Eine Reihe Wagen, welche in das Depot einlaufen ofiten, rannten infolgedessen auf andere Wagen und zer- ummieden diese. Hierbei wurden 13 Personen verletzt. * Petersburg, 7. Mai. In der Stadt Bobruisk im Gouvernement Minsk wurden durch eine Feuersbrunst 972 Wohnhäuser und 650 Kaufläden eingeäschert. Mehrere Personen werden vermißt und dürften in den Flammen um- gekommen sein. Gerichtssaat. L: Gießen, 7. Mai. Schöffengericht. Ein hiestg-t Schreibgehilfe, der einen Geldbetrag von etwa 60 Mk. nicht ab- geliefert hat, erhält wegen Unterschlagung eine Gesängnis- trafe von 2 Wochen. — Je 10 Tage Gefängnis erhalten em Landwirt und ein Zimmermann aus Staufenberg, welche sich des Ver- gehens der Pfand Veräußerung schuldig gemacht haben. Handel unOüdreljr. Volkswirtschaft. Neue Wiener Stadtauleihe. Der Wiener Bürgermeister hat in der letzten Gemeinderatssitzung Mitteilung von dem Sub- kriptionsresultate gemacht. In Oesterreich, Deutschland, Belgien und Holland und der Schweiz sind auf die aufgelegten 100 Mill. Kronen 7391 Mill., also mehr als 7 Milliarden gezeichnet worden. 6.2 Milliarden yitfafien auf Oesterreich und der Rest auf die übrigen Länder. Bichmarktbericht. Der Ochsenmarkt am Mittwoch war wohl tark von Käufern besucht, die Fahrvieh zu kaufen beabsichtigten, aber Waare, um einen regelrechten Handel vornehmen zu können, war nicht aufgefahren. Im Ganzen standen 5 Paar Gangochsen zum Verkauf, die sehr schnell Abnehmer fanden. — Ein anderes Bild zeigte aber der Schweinemarkt, hatte dieser doch einen Auftrieb, wie er der Zahl der vorhandenen Tiere nach lange nicht dagewesen ist. Heber 2000 Schweine aller Sorten standen zum Verkauf, um die sich sehr bald ein recht lebhafter Handel eMwickelte. Die Verkäufer ließen auch gestern im Gegensatz zu sonst wegen des Preises der Waare mit sich reden, sodaß die einzelnen Verkäufe sich schneller abwickelten. Die Tendenz des gestrigen Marktes ließ em langsames Weichen der immer noch sehr hohen Preise für Zuchtschweine erkennen, dies gab auch wohl dem Markt das flotte Gepräge, welches er offensichtig zeigte. Es wurden gehandelt pro Paar Ferkel 8—10 Wochen alt 36—45 All., 12—14 Wochen all 50 bis 70 Mk., 18—20 Wochen alte Läufer 80—100 Mk. Einlegschweinü gingen pro Stück je nach Qualität mit 80—120 Mk. fort. Schlachttiere waren nur vereinzelt am Markt. Der Markt wurde geräumt Nächste Markttage am 3 und 4. Juni. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag Exaudi, den 11. Mai. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vountttags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgememde. Vormittags 9’/2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 2*/3 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. Am 1. Pfingstfeiertag findet im Hauptgottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für Mätthaus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johauneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten au§ der Lukas^ gemeinde. Vormittags 9l/2 Uhr: Professor D. Drews. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinbe. Pfarrer Dr. Ngumann. Am 1. Pfingstfeiertag findet Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und die Johannesgemeinde im Hauptgottesdienst statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Am 1. Pfingstfeiertag nach allen Gottesdiensten Sammlung für die Hessische Luther- Stiftung. Am 2. Pfingstfeiertag besondere Sammlung für die A r m e n. Katholische Gemeinde. Samstag den 10. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 11. Mai 6. Sonntag nach Ostern. Vormittags von 6Vs Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ „8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ „ 9'/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2*/2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Dienstag und Freitag abend um 61/, Uhr ist Mai-Andacht. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 10. Mai 1902. Freitag abend 780. Samstag vormittag 800. Nachmittag 400. Sabbathausgang 860. Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 8 Uhr. Gottesdienst in der Synagoge Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 10. Mai 1902. Vorabend: 7°° Uhr. Morgens: 8'° Uhr. Mchmtttags: 4 Uhr. Sabbathausgang: 8" Uhr. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. M ainz, 9. Mai. (Privattelegramm des „Gieß. Anz.") Bei einer Nachenfahrt auf dem Rheine f enterte heute ein Nachen und die Insassen, zwei junge Leute, verschwanden in Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute uud morgen: ZaWerflkisch 50 pfg. ZwkPlkigeS Wohnhaus mit Stallung, Remise, großem Hof und Garren in schöner Lage aus freier Hand zu verkaufen. Näh. in der Exp. d. Bl. 3104 . 25.86 8J/o Mexikaner . 101.60 3*/i% Reiohsanleihe AMTLICH GLXNZXND BEGUTACHTET: AMTLICH GLÄNZEND BBGLTACUTBi« » fiäSALUTÄRISß) B tollette-fett-seife I Unübertrotte« für Baut-1 Ctintpfltati 8t»". «'»«. M’aneel- I C. Naumann, Seifen-u. 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Bcreinsabende jeden Samstag, Monatsverfammlungcu jeden ersten _ Samstag im Monat, Familienzufammcn- fünfte jeden Sonntagabend. Die Eröffnung der Bcreinskueipe findet morgen, Sainstag den 10. Mai er., statt und ladet hierzu freundlichst ein 13608] Der Vorstand. empfiehlt August Noll Aas Ueste in Aruchbandagen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß Brucheinklemmungen oft einen tätlichen Ausaang nehmen. Um derartige volle zu verhüten^ empfiehlt es sich, em Bruchband zu tragen, das Genau angepayt ist. Mein Bruchband ist ohne Keder, kann Bequem Tag und Nacht getragen werden. Empfehle jedem Leidenden, einen Versuch damit zu machen; selbst die schwersten Bruche halte zurück. Gleichzeitig empfehle meine Leibbinden, Nabcl-Borfall-Bandagcn. Hochachtend J. A. Saenger, Bruchsal (Baden). Ich nehme Bestellungen entgegen am 11. Mai in Wetzlar im Hotel Kaltwasfcr, am 12. Mai m Gießen tm Hotel Ricgel- manu. ^610 Ein Posten Kinder- und Nlädchenstiefel zu staunend billigen Preisen. 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Trotz des offrzwfen Dementis gut es in hiefiaen diplomatischen Kreisen als feststehend daß zwischen Wien und Rom betreffs des Einflüsse» in Al b a n ien ern Einverständnis bestehe und dabei Oester- reich-llngarn der östliche Teil Maniens unt'Italien der westliche an der adriatischen Küste gelegene Tett als Eu> slun Sphäre zugeteilt wurde. ^Lemberg, g. Mai. Eine vor, zrrka 1000 Stu. deuten besuchte Versammlung beschloß, gegen den Erlast des Untcrrichtsministers, durch welchen die Ver s amm- l u n a s f r e i h e i t der Studenten auf den Raum mnerhalb der Mauern des Polytechnikums beschränkt nnrd, energisch zu protestieren und die Ausführung des Erlasses evetituell durch einen Studenten streik zu ver- ar sch au, 9. Maft Hier zirkuliert das Gerücht, der Mörder des Ministers Ssipjägin sei ein naher Verwandter des zurückgetretenen Ministers Wannowsku New-York, 9. Mai. Der Dampfer „Rotterdams der am Mittwoch von St. Lucia nach Martinique abgegangen war, kehrte heute Nachmittag mit der Meldung zurück, daß St. Pierre durch vnlkanische Ausbrüche vollständig zerstört worden sei. Die meisten Einwohner seien nm 8 Leben gekommen, alle Schisse im Hafen sollen zerstört worden sein. Der Dampfer „Roraima" soll alle Mann an Bord verloren haben. Der „Roddam" ist fast ganz wrack. Der Kapitän hat schwere Brandwunden erlitten. 17 Mann der Bc» fahung find ums Leben gekommen. »en Wellen. Der eine, Karl Broemer von hier, ertrank, »er andere, namens Emmerich, konnte vom Kostheimer Trajektboote aus gerettet werden. — Der bekannte Rechtsanwalt Justizrat Lambinet ist gestorben. — In fast allen Weinbaudistrikten Rheinhessens und am Main sind in der Mittwoch-Nacht die jungen Reben erfroren. Das Räuchern roor erfolglos, da der Frost stellenweise 3° 9L erreichte. Regensburg, 8. Mai. In Gegenwart des Prinz - eegenten, des Prinzen Ludwig und anderer bayerischer Prinzen und Herzöge fand heute die Enthüllung des Denkmals König Ludwig I. statt. Die Festrede hielt Bürgermeister Stobäus. London, 9. Mai. „Daily Matt" meldet aus Pretoria: Präsident Steijn mache augenblicklich energische Anstrengungen, um für den Oranjefreistaat ein ©e* paratabkommen au erzielen, durch das dem Lunde eine gewisse Unabhängigkeit erhalten bleibt. Er stutzt sich dabei auf die Thatsache, daß der Oranjesreistaat der englischen Regierung vor dem Kriege keinen Anlaß zu Klagen gegeben hat. London, 9. Mai. Mr. Carnegie ist in Liverpool eingetroffen. Er äußerte sich in einem Interview mit einem Vertreter der „Westminster Gazette" über den Ozean- Trust dahin, derselbe sei nur eine einfache Finanz- ope ration und habe mit dem Patriotismus nichts gemein. Die Kombination sei dazu angethan, gleich zu Aw- sang großen Gewinn abzuwerfen. Was in Zukunst geschehen werde, darüber wolle er sich jetzt nicht in Prophezeiungen ergehen. Dublin, 8. Mai. Prinz Heinrich von Preußen und der Herzog von Connaught trafen heute Abend Extra billiges Angebot. Schuhwaren. Durch große Maffeu-Eiukäufe in den größten und renommiertesten Fabriken Deutschlands bin ich in der Lage, eine wirklich gute und solide Ware zu denkbar billigen Preisen verkaufen zu können. So lange der Vorrat reicht offeriere ich: Lieder u. Dichtungen von Osc. Strauss, Liliencron, Wulzogen u«M Unter gütiger Mitwirkung der beiden Schauspielerinnen Frl. Barny und Hohenfels. Parodie. Anfang 87, Uhr. Ende clrea 11 Uhr. Karten sind im Vorverkauf bei Herrn E. Challier (Rudolphe NJf hi“ Neuenweg, z« haben; I. Platz 80 Pfg., II. Platz 40 Pfg. An der Abendkasse: I. Platz 1 Mk., II. Platz 50 Pfg. Der Reinertrag wird Grossh. Bürgermeisterei hier zu einem woblth&tigen Zweck überwiesen. ___________________ Kein Seijenpnlver. DAUM rei5 ‘2115 Bteichpla! mieten. 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Verwandten und Bekannten die schmerzliche Mitteilung. daß am Mittwoch unsere liebe Tochter und Schwester Katharina Körber im Alter von 25 Jahren nach langen, schweren Leiden gestorben ist. 8606 Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Körber. Wies eck, den 9. Mai 1902. Die Beerdigung findet Samstag, den 10. Mai, nachmittags 2 Uhr, in Wieseck statt. Achr-rmli Etwaige Forderungen an den Nachlaß bezw. die Erben der Frau Carl Hensel Witwe sind bei Meidung vorläufiger Nichtberücksichtigung binnen acht Tagen bei mir geltend zu machen. 3605 Rechtsanwalt Rosenberg. straße 25, vom 1. Juli ab zu verm. 2595 Sauffmau» & Cie. Nordanlage 83. Durch Wegzug des Herrn Beigeordneten Wolfs ist die Beletage meines Hauses: 7 elegante Zimmer, inkl. Gas- u. Badeein- richtuna, Balkon, Gartenanteil zc., Kinder-Strohhüte für Mädchen und Knaben. können in Arbeit treten als Accordpartie oder im Taglohn bei Birkenstock & Schneider. welche mit Holzfarbe-Anfertigung gut umgehen können, gesucht. I. G. 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