Nr. 7 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. yernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 9. Jannar 1003 SietzenerAnztiger General-Anzeiger w ■** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugHPretS: monatlich75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk. 2.— viertel- jährl. ausschl. BesteNg. Innahme von Anzeigen ir die Tagesnummer is vormittags 10 Uhr. ^eilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: ür den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für «Stadt und Land" und „Gerichtssaal":R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Die heutige Kummer umfaßt IS Seiten. Volttische Tagesschau. Die Eröffnung des preußischen Landtags. Das preußische Abgeordnetenhaus hat gestern nur eine ganz kurze Sitzung abgehalten, die im wesentlichen durch die Ansprache des Präsidenten v. Kröcher, zum Tode der Kaiserin Friedrich und der Prinzessin Luise von Preußen, ausgefüllt wurde. Der Eröffnung des Landtags im König!. Schloß wohnte ein kleinerer Teil von Mitgliedern des Abgeordneten- und des Herrenhauses bei, als es sonst der Fall zu sein pflegt. 9hir ungefähr 100 Herren mochten erschienen sein. Weil Graf Bülow, nicht der Kaiser, die Eröffnung vollzog, fehlte dem Mt das feierliche und glänzende Gepräge, wie es das Erscheinen des Monarchen mit dem Gefolge des Hofes usw. mit sich bringt. Selbst die Uniform war heute nur vereinzelt zu sehen. Graf Bülow, der kräftigen Tones die Thronrede verlas, wurde bei den mit erhobener Stimme gesprochenen Schlußsätzen — über die Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen im Osten — von wiederholtem Beifall aus der Versammlung unterbrochen. Der in der Thronrede ausgedrückte Entschluß der Regierung, „mit Festigkeit und Stetigkeü" in den östlichen Provinzen Preußens dem Deutschtum die politische mid wirtschaftliche Stellung zu erhalten, wurde allgemein dahin aufgefaßt, daß wesentlich verschärfte Maßregeln gegen polnische Uebergriffe beabsichtigt sind. Eine Ueberraschung enthält die Ankündigung der Thronrede, daß die neuere Entwicklung der Rechtswtssenschäft eine Vorlage über Verlängerung der juristischen Studiendauer erforderlich mache. Zu diesem Gegenstände werden sich die Fachkreise demnächst kritisch zu äußern haben. An und für sich erscheint die Verlängerung des juristischen Stu- diums wohl begründet, denn, selbst ganz abgesehen vom Bürgerlichen Gesetzbuch mit seinen vielfachen Neuerungen und Abänderungen alter landesgesetzlicher Bestimmungen, sind die Ansprüche an den Juristen, z. B. in technischer, kaufmännischer, psychologischer Hinsicht, so außerordentlich gewachsen, daß die bisherige Zeit zur Universitäts-Ausbildung nicht ausreichen kann. Es kommt allerdings darauf an, daß das Mehr auch ausgenützt wird von den Jüngern der Rechtswissenschaft. Dafür aber sorgen die Prüfungen mit ihren entsprechend erweiterten Anforderungen, daß die Unterlassung zu Tage kommt und — sich rächt. Die Verlängerung der juristischen Studiendauer als eine „Maßregel von zweifelhaftem Werte" zn bezeichnen", weil keine Gewähr für die angemessene Benutzung der Studieuzeit vorhanden sei, das ist doch wohl kein stichhaltiger Einwand. Bekanntlich sind in neuerer Zeit auch die Anforderungen im ärztlichen Studium beträchtlich erhöht worden, was sich durchaus bewährt hat. Im Herren hause eröffnete an Stelle des erkrankten Fürsten zu Wied Vizepräsident Frhr. v. Manteuffel die Sitzung; er gedachte der tiefen Trauer, die das ganze Königliche Haus durch den Tod der Kaiserin Friedrich betroffen habe; er wies auf die hohen Tugenden der Heimgegangenen hin, deren Andenken als der in Freud und Leid treuen Lebensgefährtin des Kaisers Friedrich unvergänglich sein werde. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und König, dem Vorbilde treuester Pflichterfüllung und unermüdlicher Arbeits- bethätigung. — Sodann wurde das bisherige Präsidiunt wiedergewählt. In ihren Kommentaren zur Thronrede stimmen die Blätter darin überein, daß dieselbe mit Ausnahme der Vorlage über die Abänderung der Bestimmungen betreffs Vorbereitung für den Justizdienst keine Ueberraschungen bietet, sondern das ankündigt, was man erwartet hat. Die „Deutsche Tagesztg." begrüßt den festen Entschluß der Regierung, das Deutschtum in den doppelsprachigen Landesteilen des Ostens kräftig zu schützen, und erklärt, eine solche Politik lasse sich nur dann durchführen, wenn dafür gesorgt werde, daß die Landwirtschaft wieder auf eine sichere Grundlage gestellt wird. Die „Gertnania" bedauert, daß die Thronrede sich in dem Passus über die Polenpölitik nur allgemeiner Redewendungen bedient. Die „Voss. Ztg." meins, die erste Eröffnungsrede des umgestalteten Ministeriums Bülow enthalte so herzlich wenig, daß vielleicht auch seine Freunde ein Gefühl gelinder Enttäuschung anwandeln wird. Mehrere Blätter vermissen in der Thronrede einen Hinweis auf den Ministerwechsel, speziell auf den Rücktritt und den Tod Miquels. Der Passus über die Kanalvorlage wird v.ott der liberalen Presse mit ironischen Bemerkungen begleitet.______________________________ DeuischesReich. Be rlrn, 8- Fan. Der Kaiser hörte heute den Dortrag des Chefs des Zivilkabinetts t>- Lucanus. — Das Kaiserpaar wird während der bevorstehenden Hoffesttage voraussichtlich nach Berlin übersiedeln, und bis zum 28. b. M. hier residieren. Prinz und Prinzessin Heinrich treffen zu den Hofsesten in Berlin ein, und nehmen im Königlichen Schlosse Wohnung. Am 9. Februar, an welchem Tage ein Vierteljahrhundert seit dem Eintritt des Kaisers in das, 1. Garderegiment z. F. verflosseit ist, soll eine größere Feier stattfinden, woran auch die Mannschaften des Regiments Anteil nehmen werden. Eine Parade ist bereits in Aussicht genommen. — Nach einer Meldung aus London lnill der Berliner Berichterftatrer des „Standard" aus guter Quelle erfahren haben, Kaiser Wilhelm beabsichtige, sich im Laufe der nächsten fünf Monate zweimal zum Besuch nach England zu begeben- Der erste Besuch werde wahrscheinlich Ende Januar oder Anfang Februar stattfinden zur Teilnahme an der Gedächtnisfeier anläßlich des Jahrestages des Todes der Königin Viktoria; der zweite Besuch soll zur Teilnahme an der Feier der Krönung König Eduards erfolgen- — Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, wird dem Vernehmen nach als Vertreter des Kaisers den für den 17. Mai anberaumten Feierlichkeiten anläßlich der Thronbesteigung des Königs Alfons XIII- von Spanien beiwohnen- — Dem „Reichsanz." zufolge ernannte der Kaiser den Direktor des Reichsjustizamts Gutbrod zum Wirkt Geh- Rat mit dem Prädikat Exzellenz. — Die preuß. Staatsregierung lehnte den Antrag der Transportgesellschaften und Interessenten auf Herabsetzung der Gebühren auf dem Dortmund-Ems- Kan al ab- — In einer gestern in Breslau abgehaltenen Versammlung des Bundes der Landwirte teilte Frhr- v. Lo en mit, er werde vom Kaiser nach Amerika entsandt, um die dortige Landwirtsch aft und ihre Nebenzweige zu studieren- — Die Zolltarif-Kommission des Reichstages wird in der morgigen ersten Sitzung nur über die geschäftliche Behandlung der Vorlage beraten- Es foll zunächst eine Entscheidung darüber herbeigeführt werden, ob zuerst das Zolltarif-Gesetz, welches di.e allgemeinen zoll-technischen Bestimmungen enthält, oder der Zolltarif selbst mit feinen annähernd tausend Positionen in Angriff genommen werden soll. Die Linke dürfte daraus bestehen, daß eine allgemeine Generaldebatte stattfindet- — Eine im preuß- Herrenhause eingebrachte Interpellation Gras Schlieben hat folgenden Wortlaut: Ist es der Kgl- Staatsregierung bekannt, daß ein nicht unerheblicher Teil der Arbei. tersamilien, die im letzten Dezennium aus den östlichen Provinzen der Monarchie nach dem Westen, verzogen sind, den dringenden Wunsch hegen, in ihre früheren Heimatkreise zurückzukehren, aus Mangel an Mitteln hierzu jedoch nicht im stände sind? Ist die Kgl- Staatsregierung bereit, solchen Fannlien zur Rückwanderung behllsllch zu sein? — Die freisinnige Volkspartei des preuß- Abgeordnetenhauses beschloß heute den Eisenbahnunfall beiAltenbeken zum Gegenstand einer Jnterpella- -tion zu machen- Die Nationalliberalen brachten im Anschluß an die Erklärungen der Thronrede bezüglich der energischen P o le np o l it ik fotgeiiDe Interpellation ein: „Welche Maßregeln beabsichtigt die kgl. Staatsregierung zu ergreifen, um den Worten der Thronrede gemäß in den östlichen Provinzen dem Deutschtum die politische und wirtschastllche Stellung zu erhalten, worauf es durch seine lange, unrer der wesien Führung der hohenzollern- jchen Fürsten geleistete Kulturarbeit gerechten Anspruch erworben hat, das Deutschtum zu pflegen und staatsseind- liche Bestrebungen abzuwehren, und das Zurückdrängen der deutschen Sprache und Sitte zu verhüten- — Dem Herren Hause sind zugegangen: der Ent- iourf eines Gesetzes betreffend die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M., der Gesetzentwurf betreffend Einführung einer Schonzeit für das schottische Moorhuhn, der Entwurf einer. Jagdordnung für die Hohenzollernschen Lande. Königsberg, 7. Jan. Anläßlich des Ablebens des früheren Landrats, Geh. Reg.-Rars Frhr. v. L y n ck e r in Heydekrug licsß der Kaiser der Witwe ein in herzlichen Worten gehaltenes Beileidstelegramm zugehen. Posen, 8. Jan. Nach dem „Pos. T." wird die Versetzung je eines Bataillons Infanterie nach Schrimm und Wreschen erfolgen. Diese Meldung wird von maßgebender Seite mit dem Hinzufügen bestätigt, daß sofort mit der Errichtung von Baracken begonnen wird, und daß nach der Fertigstellung derselben voraussichtlich die Verlegung erfolgen dürfe. Stuttgart, 8. Jan. Der Beirat der Verkehrsanstalten nahm in seiner heutigen Sitzung einstünmig einen Antrag an, welcher das E i n h e i t s in a r k e n - U e b e r e i n - kommen dankbar anerkennt als eine Maßregel, die geeignet ist, im geschäftlichen wie im postalischen Verkehr der gesamten Bevölkerung beider Postgebiete die lang entbehrte Vereinfachung und Erleichterung herbeizuführen. Ausland. London, 8. Jan. Reuters Bureau meldet aus Ngutu vom 6. Jan.: Die Buren ziehen sich auf die Grenze von Zululand zusammen. Eine Abteilung steht dicht am oberen Unvungana, eine zweite Abteilung passierte Nonwendi am Nachmittag und rückt gegen Jnkandhla vor. Die Buren ziehen Erkundigungen bezüglich der Besatzungen in Halp- makaad und Pomerog ein und sind, wie gemeldet wird, im Besitze von zwei Pomp ongeschützen. Brüssel, 8. Jan. Der „Soir" veröffentlicht den Wortlaut des Vertrages, den König Leopold als Herrscher des Kongostaates in Paris mit der französischen Regierung abgeschlossen hat. Es handelt sich darin um die Eiw- und Ausfuhr von Waren und Rohmaterial zwischen beiden Ländern, die sich gegenseitig die Meistbegünstigung darüber zugestanden haben. Der Vertrag ist besonders für den Kongostaat von Nutzen und dehnt sich gleichzeitig auf sämtliche französischen Kolonien aus. Paris, 8. Jan. Der „Agence diationale" zufolge werden die französischen Delegierten mif der Zuckerkon - f-ercnj folgende Vorschläge machen: 1) Vollständige Abschaffung der Ausfuhr-Prämien; 2) Festlegung derselben Einuhrrechte für alle Länder; 3) Verpflichtung seitens der verschiedenen Sauber, die innere Gesetzgebung betreffend, die Zuckerindustrie einheitlich zu gestalten. — Wie aus Petersburg gemetdei wird, soll der Zar auf Betreiben des französischen Generalstabs hier beschlossen haben, eine Eifenbahii von großer strategischer Bedeutung von Petersburg über Moskau bis an die deutsche Grenze zu bauen. (Unglaublicher Unsinn! Man sehe sich einmal die Karte an. D. Red.) Wien, 8. Jan. Das „Trautenauer Wochenbl." veröffentlichte eilt Memorandum in der A f f a i r e Wolf, das sich als ein von Professor Seidl geschriebener und von der Frau desselben mitunterzeichneter Bries an die Alldeutsche Vereinigung darstellt; dasselbe schildert die Beziehungen Wolfs zu Frau Professor Seidl und enthält auch den Vorwurf der Verleitung zu einem Verbrechen. Demgegenüber veröffentlicht die „Ostd. Rundschau" eine Erklärung Wolfs, welcher die Angaben des Memorandums als unwahr bezeichnet und jeden, der diese „Mischung psychopathischer Eifersucht uiid Hysterie" gegen ihn als Waffen gebrauchen wolle, für einen ehrlosen Schuften erklärt. Ware das wahr, was sein Gegner behaupte, so lebte er (Wolf) heute nicht mehr. Wolf kündigte an, daß er nunmehr in feinen ehemaligen Wahlbezirk reisen werde, um vor den Wählern selbst den Angriffen entgegenzutreten. K o n st a n t i n o p e l, 8. Jan. Als Folge der starken Opposition Englands gegen die Anwendung des Quaiabgaben-Tarifs in Saloniki hat die englische Botschaft heute der Pforte eine Npte übergeben, in welcher sie daran erinnert, daß sie schon früher die türkische Regierung, gewarnt habe, und in der sie auss neue gegen die Anwendung des Tarifs, ehe eine Verständigung mit den interessierten Handelsmächten erreicht ist, Widerspruch erhebt. England glaube umsomehr Recht zum Widerspruch zu haben/ heißt es in der Note weiter, als es allein 68 Prozent der Zollgebühren zu bezahlen habe. Washington, 8. Jan. Der deutsche Botschafter von Holl eben hatte eine Konferenz mit dem Staatssekretär tzay, wobei er ihm angeblich mitteilte, Deutschland beabsichtige fast unmittelbar einen neuen Schritt gegen Venezuela zu unternehmen- tzay soll sich damit vollkommen eiiiverstanden erklärt haben- Man glaubt, es. handle sich um das erwartete Ultimatum, wobei ein bestimmtes Datum festgesetzt wurde- (?) New-Bort, 8- Jan. Nach einer Meldung des „He-* rald" aus Venezuela gewinnt die Revolution an Stärke. 90 Prozent der Bevölkerung unterstütze dieselbe direkt oder indirekt. Santiago de Chile, 7. Jan. Die chilenische Regierung hat dem Ersuchen der argentinischen Regierung um Aufklärung bezüglich des von dem chilenischen Minister des Auswärtigen Hcmez und dem argentinischen Gesandten Portela aufgesetzten Protokolls zugestimmt und eingewilligt, daß dasselbe dem Vertrage von 1898 untergeordnet werde, und hat auf diese Weise alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt- Aortragskurs füc praktische Landwirte. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") II. N. Gießen, 8. Januar. Den ersten Vortrag am heutigen zweiten Tage hielt Prof. Dr. Hansen aus Poppelsdorf-Bonn über „Maßregeln zur Steigerung der Reinerträge in der einzelnen Wirtschaft". Allenthalben, führte der Redner aus, werden in der Landwirtschaft Klagen laut über die mangelnde Rentabilität der Wirtschaft. Daß diese Klagen berechtigt sind, läßt sich mittele- betriebstechnischen Materials leicht nad> weisen. In scheinbarem Gegensätze steht dazu die fortwährend wachsende Produktion von Rohstoffen, aber nur in scheinbarem, Denn Die Steigerung der Einnahmen steht nicht im richtigen Verhältnis zu Der enormen Steigerung der Ausgaben. Der Wert oes Getreides ist beträchtlich gesunken, und wenn die tierischen Produkte sich auch im Preise gehalten haben, so vermögen sie doch feinen Ausgleich zu bieten. Die gegenwärtige Gesetzesvorlage wird der Landwirtschaft vielleicht aufhelfen, indessen muß jeder einzelne darauf bedacht fein, den Ertrag feiner Wirtschaft nach Kräften zu steigern. Seit einer Reihe von Jahren genügt das einheimische Getreide nicht mehr dem Konsum, es muß vom Auslande Getreide eingeführt werden. Und doch kann unser heimischer Boden den augenblicklichen Bedarf und noch viel mehr liefern. Eine derartige Steigerung der Erträgnisse ist technisch sehr wohl möglich. Wohl ist es ans den. verschiedensten Gründen zu wünschen, daß wir alles Getreide, das wir brauchen, selbst produzieren. Aber das ist nur unter der einen Bedingung möglich, daß diese Steigerung der Produktion für die Landwirtschaft auch rentabel ist,- d. h., wenn der Landwirt bann auch eine annähernde Verzinsung seines Kapitals erhält. Nicht im extensiven, sondern im intensiven Betriebe liegt das Heil der Landwirtschaft. Der Landwirt mu«ß bestrebt fein, überall die günstigsten Bedingungen für seinen Getreidebau zu schaffen. Sorgfältig muß er dabei alle Umstande berücksichtigen. Wenn er Felder mit nassem Boden hat, wird er keine Steigerung des Ertrags erzielen können, wenn er nicht zuvor Drainage anwendet, ebenso wenig, wenn er falsche Fruchtfolge anwendet. Genügende Ernährung, gute Bearbeitung des Bodens, richtige Fruchtfolge, alle diese Faktoren müssen Zusammenwirken, wenn die Produktion des betr. Ackers gesteigert werden soll. Genauer ging der Redner bann auf die Vertilgung- eines lästigen Unkrauts ein, des sog. Hedderich. Nach seiner .Erfahrung ist das beste Mittel dagegen Bespritzung ■mit Eisenchlorid, und zwar empfiehlt er eine Lösnng von Io Proz. Eisenvitriol, 100 Liter pro Morgen. Wenn die Bespritzung frühzeitig genug ausgeführt wird, bevor die erste Blüte erscheint, bann genügt eine einmalige Bespritzung, in späteren Sradien muß bas Verfahren wiederholt werden. Bespritzungen mit Chilifalpeter haben keinen Erfolg. Was die Frage der Viehhaltung anbelangt, so kommt dafür, abgesehen von der Pferdehalmng, auf die Redner nicht weiter eingeht, nur die Rindvrehhalturia, Schweinehaltung, event. für kleine Wirtschaften noch bie Ziegenhaltung in Frage. Die Wollpreise sind derartig geschädigt, daß die Wolischafhaltung nicht inehr in Betracht kommt. Ein Haupimoment für die Leistungsfähigkeit der Haustiere ist die Ernährung. In vielen Wirtschaften werden die Tiere nicht genügeuD reichlich oder nicht genügend träftig ernährt. Richiiger ist es, eine kleine Anzahl Tiere gut §11 ernähren als eine größere Anzahl ungenügend. Ferner müssen die Tiere einen Stall haben, der in Beziehung auf Temperatur und Reinlichkeitsverhaltnisse allen Anforderungen entspricht. Ein zu warmer und ein zu kalter Stall sind in gleicher Weise unwirtschaftlich. Auch die Hautpflege muß in genügender Weise betrieben werden. Der Stall soll zweckmäßig sein. Dagegen soll man, wie überall in der Landwirtschaft, mit der Errichtung von Neubauten vorsichtig sein, weil alles Kapital, das in landwirtschaftliche Bauten gesteckt wird, totes Kapital ist oder wenigstens nur sehr geringe Zinsen trägt. Unter den Tieren herrscht nun große Verschiedenheit in Bezug auf die Leistungsfähigkeit, was für die Zuchtwahl berücksichtig! werden muß. Die eine Art eignet sich besser zur Fleischproduktion, die andere für Lieferung von Milch u. s. w. Eine schlechte Milchkuh kann durch noch so gute Ernährung nicht zu großer Milchproduktion gebracht werben. Auch hier gilt das Gesetz, daß Varietäten, die besondere Leistungen aufwersen, auch besonders reichliche Ernährung haben müssen. Auch innerhalb einer Rasse, ja einer Herde giebt es noch gewalrige Unterschiede. Jeder Züchter müßte eigentil.ch ganz genau über jedes einzelne Tier seiner Herde informiert sein. Leider ist das bis heute nur in sehr geringem Maße der Fall. Redner empfiehlt deshalb die V i e h z u ch t v e r e i n e, die noch zu wenig verbreitet sind. Diese haben sog. Herdbücher, in denen über die einzelnen Tiere, über ihre Leistungsfähigkeit genau Buch geführt wird. Jeder Züchter sollte die Leistungsfähigkeit seiner Tiere von Zeit zu Zeit feststellen, um auf diese Weise eine Statistik zu erhalten, aus der er ersehen könnte, welche Tiere sich zur Fortzucht eignen. Schweine z. B. sollten in regelmäßigen Zwischenräumen gewogen werden, ob sie eine gleichmäßige Zunahme zeigen, event. wird man Tiere, die sich zur Mast nicht eignen, ausscheiden, bevor man durch Aufwendung großer Futterkosten Schaden erlitten hat. Zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Rindviehs giebt es nun 3 Methoden: 1. Ermittlung der Milchmenge. 2. Ermittlung des Fettgehaltes der Milch. 3. Feststellung der Futtermenge für das betr. Tier. Redner führte nun verschiedene Beispiele an, um zu zeigen, wie groß der Unterschied zuweilen in der Leistungs- fähigteit von Tieren derselben Rasse ist, der im Jahre mehrere Tausend Kilogramm Milch ausmachen kann. Ebenso schwankt der Fettgehalt der Mllch, was für die Butterbereit- ung von größter Bedeutung ist. Durch fortgesetzte Zuchtwahl kann nun die Produktion einer Herde an Mllch, Fleisch u. s. w. sehr gesteigert werden. Erfahrungsgemäß kann man es dem Tiere manchmal schon anfehen, ob es sich mehr zur Arbeitsleistung oder zur Produktion von Mllch oder Fleisch eignet. Allein Sicherhell in der Beurteilung hat man nur, wenn man ein Tier eine ganze Zeit hindurch beobachtet. Wichtig für die Zucht guter Milchkühe ist es, daß diese Fähigkeit auch vom Vatertiere in hohem Maße übertragen werden kann, wie jetzt mit Sicherheit festgestelll ist. Man muh deshalb bei her Zucht viel Gewicht auf bie Abstammung der Bullen legen. Allgemein sollle nun eine der drei angeführten Methoden eingeführt werden. Einmal wöchentlich sollte eine jÄhebung der Milchmenge stattfinden, mindestens aber den Monat zweimal. Schneller und genauer als Messung der Milchmenge ist die Wägung. Bei der Wahl einer Wage hüte man sich vor Federwagen, well diese nach einiger Zell ungenaue Resultate liefern. Besser als diese Methode ist die zweite, wobei auch der Fettgehalt der Milch bestimmt wird. Obwohl diese Bestimmung mit dem Gerber'schen Apparat gar nicht schwer auszuführen ist, ist diese Methode bis jetzt noch viel weniger verbreitet als die erste. Am vollständigsten giebt die dritte Methode Aufschluß über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Kühe, weil bei ihr auch noch die Futterverwertung in Betracht gezogen ist. Wegen chres Fortschrittes auf diesem Gebiete verdienen die dänischen Kontrollvereine weitgehendes Interesse. Wie sehr sie sich in der Landwirtschaft bewährt haben, geht daraus am besten hervor, daß seit der Gründung des ersten im Jahre 1895 bis heute über 300 derartige Vereine entstanden sind. Auch in Deutschland sinden sie allmählich Nachahmung. Es wird ein Beamter angestellt, der monatlich einmal mindestens jeden Hof besuchen muß. Hier beaufsichtigt er die 3 Melkungen des Tags über, stellt die Milchmenge fest und abends analysiert er die Milch auf ihren Fettgehalt. Ferner stellt er das Gewicht fest und kontrolliert dll Filltermengen. Sämtliche Angaben werden dann in ein Buch eingetragen. Der Besitzer hat den Beamten nach Möglichkeit zu unterstützen, hat ihm alle Zwischenfälle in der Zucht mitzutellen oder hat sie selbst in das betr. Buch einzutragen. Die Leistungsfähigkeit einer Kuh wird am Schluß eines jeden Jahres nach Futter einhellen berechnet. Eine Fullereinhell ist gleich einem Pfunde Kraftfutter, gleich zehn Pfund Rüben, zwei bis vier Pfund Heu Ein Weidetag wird mll zehn bis fünfzehn Einheiten berechnet. Bei Jahresschluß wird nun bei jeder Kuh ausgerechnet, wieviel Futtereinheiten sie zur Erzeugung eines Pfundes Butter gebraucht hat Wenn auch die Rechnungsweise fehlerhaft ist, so ist doch das Prinzip der Methode jedenfalls richllg. Auch die Kosten dieser Einrichtung sind nicht sehr bedeutend, stehen jedenfalls in keinem Verhältnisse zu dem erzielten Erfolg. In Dänemark bekommt der Beamte nach unserem Gelde 450 ML, hat auf den Gutshöfen, die er besucht, frells Logis und freie Beköstigung. Die Unkosten werden aber noch verringert dadurch, daß der Staat einen Zuschuß leistet. Die Mitglieder dieser Vereine müssen sich auf fünf Jahre verpflichten. Wie gewaltig die Vorteile für die Zucht sind, wenn man derartig verläßliche Stallsllken zur Verfügung hat, geht aus mehreren Beispielen hervor, die der Redner anführt So kamen z. B. bei einem Verein im ersten Jahre 18,9 Futtereinheiten, im zweiten 13,5, im dritten 12,3 Futter- ernhellen auf eine Kuh im Durchschnitt. Es erklärt sich dies eben dadurch, daß man durch die Stallstiken in stand gesetzt war, die für die Produktion zu ungünstig arbeitenden Tiere herauszufinden und auszuscheiden. Zum Schlafe kam der Redner auf hie. Buch fü^xAmg in landwirtschaftlichen Betrieben zu sprechen. Ein richf- tiger lleberblick über die gesamten Verhältnisse eines Betriebes ist nur bei regelmäßiger Buchführung in genossenschaftlicher Weise durchgeführt. Es schlossen sich 20 Landwirte zu einer Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zusammen. Bis zum Schlüsse des Jahres bestaub die Genossenschaft schon aus 46 Mitgliedern, ein Beweis, wie schnell die Sache Anklang fand. Sie engagierten einen Geschäftsführer, der den Mitgliedern im Zweifelsfalle in der Buchhaltung den richtigen Weg zeigte. Besser ist es natürlich, wenn der Landwirt seine Bücher selbst führt. Den zweiten Vortrag hielt Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Paas ch e-Charlottenburg über: „Die Reform der Spi- ritusstcuer und ihre Bedeutung für bie deutsche Landwirtschaft" Die neue Branntweinsteuer hat den Zweck, die Spirllusproduktion zu Gunsten der Landwirtschaft zu regeln. Das Gesetz ist schon verschiedene Male reformiert worden. Jetzt ist es derartig kompliziert, daß es äußerst schwer ist, sich ein klares Bild von dem Ziel der Reform zu machen- Im Jahre 1887 war das Gesetz zum ersten Mal reformiert worden- Man wollte damals hauptsächlich den Verbrauch des Branntweins als Trinkbranntwein bekämpfen. Das Gesetz vermochte aber nicht die Produktion zu beschränken aus dem Grunde, weil bei den damaligen Exportverhältnissen gute Abnahmequellen für die Mehrproduktion gegeben waren- Die ganze Weinernte Frankreichs war von der Reblaus vernichtet worden, und von Spanien aus wurde der deutsche Spiritus in großen Mengen angekauft und ging von da denn nach Frankreich. Dies änderte sich aber bald dadurch, daß in Frankreich und in Spanien der eingeführte Spiritus hoch besteuert wurde. Der Export war dadurch verschlossen, trotzdem dauerte die Produktion fort. Da erschien 1895 eine Neugestaltung der Steuer. Diesmal wollte man den landwirtschaftlichen Brennereien zu Hilfe kommen gegen die Großbetriebe- Wohin das führt, wenn die Brennereien in die Hände der Großkapitalisten kommen, zeigt am besten England, wo die kleinen Brennereien vollständig verschwunden sind, während der ganze Brennereibetrieb in die Hände von drei großen Gesellschaften gekommen ist- Um nun den kleinen Betrieben zu helfen, verfuhr man so, daß man das Kontingent der Großen beschränkte. Es kam eine neue Brennsteuer auf, die in eine besondere Kasse gezahlt wurde. Je höher das Kontingent der Brennereien war, je mehr sie produzierten, um so höher war auch die Steuer. Sic. begann bei Betrieben von 300 Hektolitern. Brennereien, die weniger produzierten als 300 Hektoliter hatten überhaupt keine Steuern zu zahlen. Der sozialpolitische Gedanke dieser Reform, die kleinen Betriebe zu entlasten und die großen zu belasten, war richtig, sodaß die Steuer viel Nutzen stiftete- Der Ertrag der Brennsteuer wurde baiui zum Teil dazu verwendet, den Branntwein, der für technische Zwecke gebraucht wurde, zu verbilligen- Heute findet der Spiritus eine außerordentlich ausgedehnte Verwendung in chemischen und technischen Betrieben- Der Spiritus für technische Zwecke war steuerfrei, desgleichen der Exportspiritus, sodaß sich auch der l^port wieder hob- Annähernd 90 Mark Steuern ruhten auf dem Hektoliter- Diejenigen, die denaturierten Spiritus verbrauchten, erhielten pro Hektoliter 6 Mark Prämie- Der Ueberschuß wurde ferner noch verwandt zur Förderung des Verbrauchs von Spiritus im Haushalte. Da das Gesetz von 1895 nur bis 1901 Giltigkeit hatte, hat die Regierung nun ein neues Gesetz vorgelegt. Darin ist zunächst das Kontingent in maximo auf 500 Hektoliter für Neugründung von Fabriken festgesetzt- Die betriebsgenossenschaftlichen Brennereien werden beschränkt- Die staffelförmige Abgrenzung der Steuer bleibt auch für die Dauer- Ferner enthält die Steuer dadurch, daß 15 Mark weitere Brennsteuer auf neue Kontingente gelegt werden, was bei Produktion von „denaturiertem Spiritus wegfällt, einen Denaturierzwang. Das Prinzip, das der neuen Steuer zu Grunde liegt, ist, eine Scheidung zwischen Genußbranntwein und Branntwein zu technischen Zwecken herbeizuführen. Der zu technischen Zwecken dienende Spirllus soll möglichst verbilligt werden, infolgedessen muß, wenn die Brennereien trotzdem zu Durchschnittspreisen arbeiten sollen, die Steuer auf Genußbranntwein erhöht werden- Unser technischer Spiritus soll mit dem amerikanischen Petroleum konkurrieren- Bekanntlich liegt das Petroleum-Monopol in den Händen einer einzigen Gesellschaft, der Standard Oil-Company, die ziemlich alle Petroleumquellen der ganzen Welt in ihren Besitz gebracht hat, und infolgedessen auch ganz allein den Verkauf des Petroleums in Händen hat- An der Spitze der Gesellschaft steht der bekannte Milliardär Rockefeller- Diese Gesellschaft ist im stände, uns die Preise ganz nach Willkür zu diktieren- Auf diese Weise sind ihr ungezählte Millionen deutschen Geldes geflossen- An Stelle des Petroleums soll nun unser deutscher Spiritus gesetzt werden- Das ist natürlich nur möglich, wenn dieser zu demselben Preise oder noch billiger geliefert werden kann wie das amerikanische Petroleum- Um unseren Spiritus nun so billig liefern zu können, muß der Genußbranntwein höher besteuert werden- Gleichzeitig sind die Fabriken gezwungen, um eben der Steuer von 15 Mark zu entgehen, einen bestimmten Bruchteil (ca- 22 bis 25 Prozent) zu denaturieren- Das Bestreben, den Spiritus in den Haushalt einzuführen, scheiterte daran, daß Spiritus an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden viel kostete, während Petroleum überall den gleichen Preis hatte. Hier hat nun die deutsche Spiritus-Zentrale ein- gegriffen- Die Zentralleitung hat überall ein Netz von Verkaufsstellen errichtet, die zu gleichem Preise verkaufen. Außerdem hat der Spiritus überall gleiche Qualität, während es früher oft genug vorkam, daß der Spiritus von den Händlern verwässert wurde- 90prozentig ist der Spiritus, den die Zentrale in versiegelten ober plombierten Flaschen in ben Hanbel bringt Mit 30000 Klein- hänblern bis jetzt hat bie Zentrale Verträge- Nebenher hat dieser Umschwung bebeutenben Einfluß auf bie Lam- peninbustrie gehabt, bie dadurch mächtig gefördert wurde, zumal sie von der Zentrale große Geldunterstützung erhielt- Für die Beleuchtung ist Spiritus mindestens ebenso gut zu brauchen als Petroleum, desgl- für Heizzwecke und für Motoren- Im Motorbetrib bürgert er sich immer mehr ein- Die Zentrale hat sich verpflichtet, bis 1908 den Spiritus für Motoren zum Preise von 15 Pf. zu liefern. Die Zentrale hofft es noch so weit zu bringen, daß der Petroleum-Import gänzlich aufhört- Aus Stadt und Kund. Gießen, 9. Januar 1902. sä. Personalnachrichteu. S. K. H. der Großherzog hat, wie uns aus Darm^ta.d4 tetaphD^-iert wird, geruht, den a.-o. Prof, in der philos. Fakultät der Landesuniversität Dr. Wilhelm Wetz auf sein Ansuchen vom 1. April d. I. ab aus dem Staatsdienst zu entlassen. (Prof. Wetz hat bekanntlich den Ruf als ord. Prof, der engl. Philologie nach Freiburg i. B. angenommen), und den Vorstand des Salinen- und Bergamtes sowie der Badedirektion von Bad- Nauheim, Bergcat Dr. Chelius, zum zweiten technischen Beamten der Oberbergbehörde mit dem Titel Oberbergrat ernannt. ** Vortrag. Am Sonntag deni 2. Februar ds. Js., nachmittags 4 Uhr hält Herr Handwerkskammer-Sekretär Engelbach aus Darmstadt bei Gastwirt Jakob Stein zur Eisenbahn in Lich einen Vortrag über: „Die Bedeutung der Handwerkskammern für den Handwerker." Da dieser Vortrag von großem Interesse für den Handwerkerstand ist, sind auch die Handwerker der Umgegend hierzu eingeladen. ** Ackerbauuntcrricht in der ländlichen Fortbildungsschule. Von beteiligter Seite geht uns folgende sehr bemerkenswerte Nachricht zu: Unter Bezugnahme auf den Anllag des Abg. Köhler-Langsdorf hat das Gcoßh. Ministerium, Abt. für Schulangelegenheiten, es genehmigt, daß „in der Fortbildungs- schule zu Langsdorf ein praktischer Versuch mit der Durchführbarkeit des dem Anllag des Abg. Köhler-Langsdorf zu Grunde gelegten Entwurfs eines Lehrplans' für den Unterricht in der Fortbildungsschule veranstaltet werde. Dieser Genehmigung entsprechend, hat nunmehr Lehrer L e i d i ch zu Langsdorf mit Anfang des Schuljahrs den Versuch in der dortigen Fortbildungsschule begonnen und bereits so weit durchgeführt, daß er den am Sonntag den 5. Januar 1902 zum Zwecke der Inspektion herzugekommenen Herren Provinzialdirektor Geheimrat v. Bechtold, Kreisschulinspektor Pros. Dr. Lucius, Lehrer-Präparandenschul-Direktor Wagner, Landwirtschaftslehrer Direktor der landw. Winterschule zu Friedberg Dr. v. Peter und dem Präsidenten des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen, Oekonomierat Sch lenke ein Bild des bis jetzt Erreichten bieten konnte. Die Herren Sachverständigen waren von den erschauten Leistungen sehr befriedigt. Hiernach wird im Frühjahr — also nach Schluß der Fortbildungsschule — eine weitere Schlußprüfung stattfinden, der außer den vorgenannten Herren insbesondere Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth und wahrscheinlich auch der Ministerialrat für die Landwirtfchaftsabteilung im Großh. Ministerium Herr Braun, sowie Herr Seminardirektor Dr. Quentell von Friedberg anwohnen werden. Mll nächstem Jahre wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Ackerbautünde in allen ländlichen Fortbildungsschulen vorerst im Kreise Gießen obligatorisch erklärt werden. ):( Aus dem Theaterbureau. Am Sonntag, nachm. 4 Uhr, ist Kindervorstellung. Gegeben wird das Märchen „Rotkäppchen". Die Titelrolle spielt Fräulein von Aspernb'urg. — Grimberg, 8. Jan. Die hiesige Apotheke, die vor etwa vier Jahren von dem im verflossenen Sommer verstorbenen Apotheker Schütz für 135 000 Mk. erworben worden ist, wurde gestern an den Apotheker Schäfer aus Hannover verkauft. Der Kaufpreis beträgt 145 000 Mk. Innerhalb der letzten 6 Jahre geht das Anwesen nun schon zum dritten- male in andere Hände über. Vor 6 Jahren betrug die Kaufsumme 120 000 Mk. — Frau R. Prinz Ww. hat ihr Oekonomiegut nebst der am Marktplatz belegenen Hofraite für 99 500 Mk. an den Inhaber des Gasthofs „Zum Bahnhof", Monom Weber, verkauft. — Der Geburtstag des Kaisers wird diesmal am Vorabend von sämtlichen Vereinen der Stadt in der Turnhalle gemeinschaftlich gefeiert werden. — Wie in früheren Jahren so bewilligte auch die letzte Hauptversammlung der Spar- und Leiht ässe Grün berg die Mittel, die zum mehrwöchigen Kuraufenthalt skrophulöser Kinder unbemittelter Eltern des Kassebezirks im Elisabethen- haus zu Bad-Nauheim nötig sind. Auch werden wieder Dienstboten, welche 5 Jahre ununterbrochen und treu bei derselben Herrschaft in Dienst gestanden haben, mit Prämien im Betrage von je 10 Mk. bedacht. rt. Friedberg, 8. Jan. Unter großer Beteiligung der Bewohner unserer Stadt wurde die Leiche des am Freitag in der Nidder ertrunkenen Lehrers Weckerling am Dienstag Nachmittag zu Grabe getragen, nachdem die Schuljugend und fast sämtliche Bewohner von Altenstadt die mit dem hiesigen Totenwagen abgeholte Leiche bis an die Ortsgrenze begleitet hatten. Der so schnell dahingeraffte» Lehrer ist ein Sohn des hiesigen Schuhmachers Weckerling und wird als ein fleißiger, tüchtiger, hochbegabter, junger Mann geschildert. Die Gemeinde, in der er zuletzt wirkte, verliert in ihm einen tüchtigen bei Groß und Klein beliebten Erzieher ihrer Jugend. — Das Hotel „Trapp" soll ganz umgebaut und mit allen der Neuzeit entsprechenden Einrichtungen versehen werden.' Friedberg, 8. Jan. Die Stadt Friedberg beabsichttgt, mit dem am 12. Februar stattfindenden Frühjahrs - Pferdemarkt eine Verlosung von Pferden und Gebrauchsgegenständen zu verbinden. Die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung wurde vom Ministerium des Innern unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 12 000 Lose, zu 1 Mk. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 50pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogtum gestattet worden. — Selters b. Ortenberg, 8. Jan. Zum dritten Male wurde heute unser Mitbürger Philipp Spahn III zum Beigeordneten gewählt. Wie üblich, wurde dem Gewählten unter Gesang, Musik und Reden ein mächtiger Ehrenbaum gesetzt. Die Wahl erfolgte, ebenso wie die vor 4 Wochen stattgehabte dritte Wiederwahl des Bürgermeisters Rupp, einsttmmig. Darmstadt, 8. Jan. Der von dem Vorstande des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz in Verbindung mit dem Alice-Frauenverein für Krankenpflege veranstaltete, auf die Dauer von sechs Wochen berechnete Kursus zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen für den Kriegsfall wurde gestern nachmittag in Anwesenheit der Vizepräsidentin des Aliee-Frauenvereins für Krankenpflege, Frau Staatsminister Rothe Exzellenz, durch den Vorsitzenden des Hessischen Landesvereins, Herrn Oberkonsistorialpräsidenten Dr. Buchner, mll einer Ansprache eröffnet. Herr Leibarzt Dr. med. Happel, der Leller des Kursus, der von 30 Teil- nehmerirmen auZ verlckrsdeneu Krsüm unserer Bevolkeruno Telephonischer Kursbericht abgeschwächt hier ein inter- „Mathilde" eine Stadt-Anleihe im Betrag von 2l/2 Millionen Mark 20. 101.10 39.90 26.80 26.35 106.60 42.30 378% 3% 37.% 3% . 99.40 : 102’50 99.80 . 100.75 Kreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Beniner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütto . . . Bochum .... Harpener , . . 3*/2% Hessen ... 3% Hessen .... 4% Oesterr. Goldrente 41/g% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . 40/j Italien. Rente . . 4*/2 % Portugiesen . . b°/. Portugiesen . . . 1% C. Türken . . . Frankfurt a. 11., 9. . 101.30 L"/g Mexikaner . . . 90.40 41/2 /□ Chinesen . , . 101.65 Electric. Sohuckert . . 90.401 Nordd. Lloyd . . . 4l/g % äussere Argentiner — Tendenz Januar. . . 26.70 . . 88.20 . . 110.10 * ' 203*40 . . 184.50 . . 129.20 . . 131.40 . . 143.70 . . 140.50 . . 20.10 . . 165.00 . . 191.00 . . 179.00 . . 163.00 — Um den Rückgang in der Frequenz ausländischer Studen- Univcrsrtät zusteuern,sollen fortan die Pro- Altenberg, 9. Jan. Ostern d. I. wird nationaler Freimaurer-Kongreß tagen. Flensburg, 9. Jan. Der Schooner ten an der Pariser Univcrsrtät zu steuern, tollen fortan die Pro- granmie der Vorlesungen mehrere Monate vor Semesterbeginn in ausländischen Organen angekündigt werden. .. — Dem Direktor des königlichen Museums in Gaffel, Tr. pbil. Oskar Eis en mann ist der Charakter als Geh. Regierungs- lichen Bericht über die durch den Hamburger Dampfer „Hebe" der Besatzung des französischen Dampfers „France" geleisteten außerordentlichen Rettungsdienste und' spricht den Wunsch aus, den deutschen Mannschaften mögen für ihre heldenmütigen Thaten entsprechende Belohnungen zu Teil werden. Nizza, 9. Jan. Der Mörder bet, Deutschen Hilda Hilsburger, Vidal, gestand, vor 7 Jahren ein Mädchen in Marseille ermordet und den Leichnam ins Meer geworfen, sowie zwei weitere M'ädchenmordversuche verübt zu haben. B c r l i n, 9. Jan. Die gestrige Rede des Reichskanzlers Grafen Bülow über die auswärtige Politik wird von den Blättern aller Parteirichtungen mit Befriedigung ausgenommen. Die „D t j ch. Tag e s z t g." hätte gewünscht, daß der Reichskanzler die Volksbewegung ein wenig warnt er wiedergegeben und die Jmponderabilität, deren Bedeutung Bismarck bekanntlich nie verkannte, etwas mehr beachtet hätte. — Die „Nat.-Ztg." meint, mit der gestrigen Rede Bülows könne Chamberlains Exkurs in die europäische Kriegsgeschichte wohl als erledig: angesehen werden. — Tie „Voss. Ztg." ist der Ansicht, daß die Aeußerungen des Reichskanzlers über Chamberlain Aufsehen machen werden, weil man aus ihnen schließen wird, daß unsere Beziehungen zum Jnselreich trotz der Ankündigung des Berliner Besuches des Prinzen von Wales zu wünschen übrig lassen. Die Auslassungen des deutschen Staatsmannes über den Dreibund wirkten wie eine beliebige Kündigung. — Das „Berl. Tagebl." schreibt: Ter Kanzler las seinem Kollegen jenseits des Kanals ein Privatissimum über ministeriellen Takt und ministerielle Taktik, das Chamberlain mit recht gemischten Gefühlen entgegennehmen wird. Bezüglich des Dreibundes sei nun die Frage, wie die beiden anderen Mächte die deutsche Auffassung hinnehmen werden. — Der „Vorwärts" vermißt m den Worten Bülows gegen Chamberlain jene seichte Jovialität, die seine höchste politische Eigenschast ist. Ter Dreibund habe eine so niedere Bewertung bisher noch nie im amtlichen Deutschland gefunden. Berlin, 9. Jan. Der Kaiser erschien gestern abend in der Kriegs-Akademie zu dem Vortrage, den Generalmajor Frhr- v. Gayl über die deutsche China-Expe- s d i t i 0 n hielt- Kirchliche Kachrichlen. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 11. Januar 1902. Freitag abend 420. Samstag vormittag 830. Nachmittag 330. Sabbathausgang 586. Wochengottesdienst: morgens 7°» Uhr, abends 48° Uhr. Türkenlose ...... 4% Griech. Monopo.l-Anl. Reicheanleihe do. Konsole do. . . zum Ankauf von Ländereien in Wärterbude an. London, 9. Jan. Die „Times" melden aus Greenwich, daß die internationale Zuckerkonferenz ihre Sitzungen am Vermischtes. • Elbing, 8. Jan. Sittlichkeitsverbrechen an -Schulkindern sind hier in großem Umfange begangen worden. Nachdem bereits unter dem Verdacht, derartige Verbrechen verübt zu haben, der Hundeschlänger Theodor Schrock und der Handlungsgehilfe Pagenings in Haft gekommen sind, wird jetzt auch ein Rentier mit der Angelegenheit in Zusammenhang gebracht, der dieserhalb behördliche 'Vernehmungen über sich ergehen lassen mußte. Das Ergebnis steht noch aus. Die Mißstände sind dadurch zu Tage getreten, daß der Hundeschlänger Schrock am 11. Dezember von dem Rektor B. dabei betroffen wurde, als er an einem Schul- kinde ein Sittlichkeitsattentat begehen wollte., Als die Behörde dann zur Feststellung des Umfanges der Schrock'schen Verbrechen eine Umfrage in den Mädchenschulen halten ließ, .wurden auch die Namen des P. und des erwähnten Rentiers genannt. Man spricht davon, daß nicht weniger als 7 0 Schulmädchen in die Angelegenheit verwickelt sein sollen. Einer unserer Mädchenschulrektoren soll sich sehr ungünstig über das sittliche Verhalten mancher weiblichen Volksschulkreise ausgesprochen und es besonders scharf gerügt haben, !daß sich die Kinder unbeaufsichtigt bis in den späten Abend hinein auf der Straße umhertreiben. (Es scheint uns im Allgemeinen nicht angebracht, von solchen Dingen in der .Zeitung offen zu sprechen. D. Red.) • Gera, 8. Jan. Gestern nachmittag, um 5 Uhr entgleiste ein Motorwagen der Straßenbahn und fuhr in die abschüssige Bachgasse hinein, wobei ein an der Ecke dieser Straße stehender Dienstmann überfahren und tätlich verletzt wurde. Mehrere Personen, die nicht rechtzeitig zur Seite springen konnten, wurden mehr ober minder schwer verletzt. Die Fahrgäste des Wagens, dessen Bremse versagte, konnten sich durch Abspringen in Sicherheit bringen. • Mannheim, 8. Jan. Der Metzgerbursche Heinrich Zöller versuchte heute früh, die Ehefrau König, die er mit seiner Geliebten verwechselte, durch einen Stich in die Brust zu töten. Da die Frau zum Schutz die Hand vorhielt, wurde ihr der Zeigestnger von der Hand getrennt. Zöller entfloh nach seiner Wohnung, wo er sich mit demselben Metzgermesser einen großen Schnitt in den Hals bei- ' brachte. Er wurde schwer verletzt nach dem Krankenhause überführt. • Feod osia (Krim), 8. Jan. Heute nachmittag wurde hier ein Erdstoß verspürt, welcher in mehreren Wohnhäusern Schaden anrichtete. d. M. wieder ausnehmen werde. Paris, 9. Jan. „Figaro" veröffentlicht einen ausführ- Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 9. Jan. Die Zolltarif-Kommission nahm einen Antrag an zur Veranstaltung einer parlamentarischen Enquete in den einzelnen Provinzen über die Wirkung der Getre idezölle aus die Landwirtschaft. Kiel, 9. Jan. Der neue große Kreuzer „Prinz Heinrich" wird mit 750 Mann Besatzung nach Ostasien abgehen zur Ablösung des Kreuzers „Fürst Bismarck". -0- Friedberg, 9. Jan. (Tel.-Melduug des „Gieß. Anz.") Gestern Abend wurde von dem 8 Uhr 45 Miu. von Frankfurt einführenden Zug ein unbekannter Mann an dem Uebcrgang nach Fauerbach über fahren und sofort getötet. Universitäts-Nachrichten. Wien, 8. Jan. Wegen der Studenten-Temonstratlonen justierte Prof. Exner seine Vorlesungen so lange, bis er von den Studenten die Garantie erhalten habe, daß die Vorlesungen nicht mehr ge» stört werden. rat verliehen worden. — Ten Privatdozenten an der Tecknstchen Hochichute zu Berlin Tr. Wolffenstein und Dr. Kühling ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. . — Man berichtet aus Tübingen: Proseffor Dr. Haisert von der Philosophischen Fakultät, der hier Geographie des Weltverkehrs und des Welthandels lieft, hat einen Ruf an die Handelshochschule in Köln erhalten. ~ — Die Bodleyana, die von Sw Thomas Bodleu begründete Oxforder Universitätsbibliothek, feiert am 9. November ihr 300- jähriges Stiftungsfest. Sie zählt gegenwärtig über 500 000 Bände und etwa 30 000 Handschriften, ferner 50 000 Münzen. Tie wertvollste Bereicherung in letzter Zeit bestand in einer Menge griechischer Papyri aus Fayum und Oxyrynchos. — An der Universität Helsingfors wird em entomologisches Laboratorium errichtet. besucht ist, trat hierauf nach kurzen einleitenden Worten, unterstützt von Wandtafeln und Modellen, in den Gegenstand der Vorträge ein. Die 11 Fortsetzungen des Kursus werden regelmäßig am Freitag und Dienstag jede Woche nachmittags 5 Uhr in dem Festsaale der Obcrrealschule abgehalten. sä. Darmstadt, 8. Jan. Das heute , abend im Großh. Palais stattgehabte H of-K onzert war von zirka 150 Damen und Herren besucht. Auch der Großherzog und seine hohen russischen Gäste waren erschienen. Die Hofopernsängerin Frau Felicia Kaschowska sang fünf Lieder teils mit Klavier-, teils mit Orchester-Begleitung, Fräulein Frieda Hodapp- Frankfurt spielte das 6-rvoII-Konzert mit Orchesterbegleitung von Samt-Satzns, sowie einige Stücke von A. Hcnselt und LiSzt. Kammersänger Gg. Weber (Bariton) sang „Nacht- ltück" und „Ungeduld" von Schubert, Hofopernsänger Otto Wolff „Tie Lotosblume" von Schumann und Frühlingslied von F. Mendelssohn. An das Konzert schloß sich ein Souper, Las bis gegen 11 Uhr dauerte. — Wie jetzt bekannt wird, wird die auf Schloß Fabron weilende Prinzeß Elisabeth zu Ostern hier erwartet. •• ft (fine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Kassel geriet auf dem Obcrstadtbahnhof der Rangierer Siebert beim Losschrauben des Gasschlauches zwischen die Puffer zweier Wagen; ihm wurde der Brustkasten eingedrückt, sodaß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. In einer Gastwirtschaft erschoß sich ein junger Mann von einigen 20 Jahren, i>er mit dem neuen Jahre em neues Geschäft anfangen wollte und dessen Pläne fehlgeschlagen waren. — Der Student Hans Keppel aus Dinklage wurde, wie man aus Manu- heim meldet, auf den Geleisen der preußisch-hessischen Bahn tot aufgefunden. Anscheinend ist er aus dem fahrenden Zuge gesprungen. Mteratur, Wissenschaft und Kunst. — Im Schauspielhause zu Frankfurt ging am Sonntag Kraatz und Stobitzers „M a m \ e 11 T 0 urbil 1 0 n" erstmalig m Szene und wurde viel belacht. Tas Stück enthalt alle möglichen und unmöglichen Situationen und eben deshalb gings durch. Verwechslungen der tollsten Art feiern hier ihre Orgien. . — Wie verlautet, soll der G r 11 l p a r z e r p r e i s Otto Erich H a r t l e b e n für sein Stück „Rosenmontag" zugesprochen werden. _________________________ von hier, der von Stolpmünde nach Bornholm ging, ist überfällig. Man nimmt an, daß er unter gegangen ist. Hamburg, 9. Jan. Das Bürgerschafts-Kollegium nahm Berlin, 9. Jan. Dem „Kl. I." zufolge ist ein Gastspiel von Sara h Bernhard im hiesigen königlichen Schauspielhause für den nächsten Monat in Aussicht ge- nmmen. Tie Verhandlungen zwischen der General-Jnten- dantur und der Künstlerin seien dem Abschluß nahe. Hamburg, 9. Jan. T ie Regierung von Nicaragua betreibt umfassende Rüstungen. Außer dem Ankauf des „Armin ius" steht sie mit dem Hause August Loh Söhne von Berlin wegen des Ankaufs von zwei weiteren Kriegsschiffen in Unterhandlungen- Außerdem sind Kanonen, Gewehre und Munition im Betrage von anderthalb Mill. Mart von dem n.caraguanischen Gesandten Rocha in Berlin aufgckauft worden- Die zu diesen Rüstungen nötigen Geldmittel hat ein Hamburger Bankhaus infolge eines- Darlehens geliefert- Der Zweck dieser Rüstungen ist, nachdem bereits eine Einigung der Präsidenten von Nicaragua, Honduras und Salvador erzielt ist, Guatemala und Costarica anzugreifen und dieselben zum Beitritt in die nächstens wieder zu proklamierende mittel- amerikan ische Union zu zwingen- Auch das Kviegs- min ifterium in Berlin soll der Gesandte Rocha angeblich zur Lieferung von Waffen haben veranlassen wollen- Dasselbe habe aber sein Ansinnen abgelehnt. London, 9- Jan. Sämtliche Blätter kommentieren die gestrige Rede Bülows und besonders den Teil, welcher Chamberlain betrifft. Die meisten stellen fest, daß der Reichskanzler eine neue Inkorrektheit derjenigen hinzugefügt hat, welche Chamberlain bereits begangen habe- „Daily Mail" sagt: Wir sind bereit zuzugestehen, daß Chamberlain nicht korrekt verfahren hat, aber wir haben nicht die geringste Absicht, Lehren von einem fremden Minister anzunehmen, besonders wenn dieser weiß, daß seine eigene Nation die meisten Berichte über unsere Haltung gefälscht hat- „Daily Expreß" sagt, der Reichskanzler weiß ganz genau, daß die Rede Chamberlains gefälscht wurde, um den Plänen der deutschen England-Feinde zu dienen- Es wäre seinerseits mutiger gewesen, die Rolle einer gewissen Presse seiner Mitbürger zu brandmarken, als den Prahler zu spielen, um die Hochrufe der Reichstagsmitglieder zu ernten- „Daily Telegraph" weist besonders darauf hin, daß die Rede Chamberlains mißverstanden worden und daß ihre Form und chr Inhalt für Deutschland sehr höflich gewesen sei- „Morning Leader" sagt, man könne sich freuen, daß Bülow genau wisse, daß Chamberlain die diplomatischen Regeln wie auch die Manieren eines Weltmannes, nicht kennt- Bülow hat die Entschuldigung des Kolonial-- ministers angenommen, da er verstanden hat, daß die ungenügende Erziehung ChamberlalliS für diesen ein Unglück und nicht ein Fehler sei- Wir müssen hoffen, daß die Lehre ihre Früchte tragen wird- Seinen "Nachbarn beleidigen, ist unklug, ihn aber ohne Grund beleidigen, ein Verbrechen- Madrid, 9- Jan. In Pontevedra fand em Eisenbahn-Zusammenstoß statt- Ein Passagier wurde getötet, 5 verwundet- Lissabon, 9. Jan. lieber den Selbstmord des früheren Kommissars von Mozambique, Obersten Monsinto Albuquerque wird weiter gemeldet: Albuquerque, mit dem Amte des Erziehers des Kronprinzen betraut, verließ nachmittags 5 Uhr den Tursklub, um eine Spazierfahrt zu unternehmen und scho ßi sich int Wagen ins Ohr. Der Kutscher transportierte ihn nasch dem Militärhospital, wo der Tod konstatiert wurde. Die Nachricht wurde in das Palais und die Behörden telephoniert und rief große Bewegung hervor. Der Grund des Selbstmords wird darin gesehen, daß Albuquerque, früher in hohen Kreisen sehr angesehen, jetzt dort in Ungnade fiel. Wien, 9. Jan. Im Kr a kau er Theater wurde die Aufführung des Stückes „Di e Kreuzritterhand", worin Frau Piasecka, deren Kinder, der Katechet Laskowski, die Lehrerin Omankowska und andere Personen des Gn e°i sener Prozesses wegen der Wreschener Schulangelegenheit vorkommen, von der Polizei verboten. Der gedruckte Text des Stückes ist im Buchhandel konfisziert worden. — In hiesigen Bankkreisen will man erfahren haben, daß in Belgrad demnächst eine entscheidende Wendung bevorsteht und ein gewaltiger Ausbruch der Unzufriedenheit des Volkes zu befürchten sei. Den Anlaß dazu soll der Zustand des Königs Alexander geben, der infolge der Aufregungen durch die Ereignisse des letzten Jahres geistig und körperlich schwer mitgenommen sei. Er befinde sich im Zustande völligerApathieundsei nicht mehr in der Lage, sich den Regierungsgeschäften zu widmen. Im Falle des Ausbruches einer Revolution sei das Erscheinen der Karagiorgiewisten in Belgrad zu gewärtigen. Wien, 9- Jan. Die gesamte hiesige Presse bespracht an leitender Stelle die gestrige RedeBülows und konstatiert mit Genugthuung, daß durch dieselbe alle in letzter Zeit zirkulierenden Gerüchte über das bevorstehende Ende des Dreibundes ein kategorisches Dementi entgegengesetzt wird- Weiter sind die Blätter darüber erfreut, daß Bülow so geschickt und energisch dem englischen Kolonialminister Chamberlain eine Zurechtweisung zu teil werden ließ- Wien, 9. Jan. Unter dem Verdachte der Spionage im Dienste Rußlands wurde in Steinau ein junger Mann verhaftet, der sich Joses Zaleski nennt- Unter feiner: Korrespondenz fand man Briefe mehrerer ausländischer diplomatischer Vertretungen- Teplitz, 9-Jan. Der sozialistische Redakteur Liens- wald hat sich in Oberleutendorf erschossen- Washington, 8. Jan. Im Lause der Beratung über' den Bau des Jsthmuskanals befürworteten im Repräsentantenhause verschiedene Redner die Beachtung des Angebots der Panama-dkanal-Gesellschaft. Der Generalsekretär der Panama-Kanal-Gesellschaft wurde heute dem , Präsidenten Roosevelt vorgestellt. Peking, 8- Jan. Mehrere hohe Beamte hatten heute . im kaiserlichen Palast Audienz Ter Kaiser figurierte nur als Dekorationsperson, während die Kais errn- Witwe die Unterhaltung führte, und den Kaiser, be- - melancholisch und teilnahmslos dasaß, völlig unbeachtet ließ. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß ; bei dem Empfang fremde Truppenabteilungen anwesend waren- Die Kaiserin schien von der Notwendigkeit einer versöhnlichen Politik überzeugt, und erließ ein Edikt, in . dem besohlen wird, daß Tungfuhsiang hmgerichtet ; werden soll- Der Tartarengeneral in Kan en soll das ; Urteil vollstrecken. Juanschikai, Liukunji und Tschangtschi- - tung richteten eine gemeinsame Denkschrift an die Kaiserin, in der sie Tungfuhsiang für die Ermordung der bel- , gischen Missionare verantwortlich machen, und dessen Hin- - richtung empfehlen, bevor er einen Aufstand hervorgerufen und die Regierung in Schwierigkeiten mit den Fremden verwickelt hat- Gerichtssaal. Hanau, 8. Jan. Die Frau des Bauern Koch von Wachen- buchen bei Hanau wurde vorn Schöffengericht wegen Milchfälschung zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagte hatte an Frankfurter Händler Milch mit 13 pCt. Wasserzusatz, sowie abgerahmte Milch für Vollmilch verkauft. Stettin, 8. Jan. Der Pastor Steinbrück aus Eggesin wurde beute von der hiesigen Strafkammer wegen Urkundenfälschung zu 3*2 Jahren Gefängnis verurteilt. Wien, 8. Jan. In der heutigen Sitzung des Spionage- prozesses gegen den ehemaligen österreichischen Ulanenrittmeister v. Carina konstatierte der Präsident vorerst aus den ihm zur Versügung gestellten Akten, daß der von dem Angeklagten genannte, in Leipzig s. Z. wegen Spionage verurteilte ehemalige bayerische Sergeant Schmidkunz bei seiner Vernehmung im Streif- haus angegeben habe, daß er einen Mann namens Carina nicht kenne. Dagegen arbeitete er mit einem ebenfalls von dem Angeklagten Genannten, mit dem auch Carina in Verbindung trat. Auch der im vorigen Jahre vom hiesigen Landesgericht wegen Spionage zu 4 Jahren schweren Kerkers verurteilte Bahnbeamte Saria wurde in der Strafanstalt vernommen und gab eine Personalbeschreibung jenes Mannes, der mit ihm verkehrt habe und auch Carina engagiert haben soll. Den Namen Carina habe er jedoch nie gehört. Ter Bauzeichner Anton Fuchs erklärte, daß Carina ihn zum Kopieren von Landkarten verwendet habe, in denen verschiedene Zeichen angebracht waren, welchen er später Namen beigefügt hätte. Carina habe ihm gesagt, daß diese Karten für den Generalstab bestimmt seien, worauf der Präsident bemerkt: Ja, es war eine Arbeit für den Generalstab, aber nicht für den österreichischen. Rittmeister Alexander v. Carina wurde wegen Verbrechens der Spionage zu gunsten Frankreichs zu 4 x/s Jahren schweren Kerke r s, verschärft durch Fasten und hartes Lager, und zur Landesverweisung, da er nach Zengg in Kroatien zuständig ist, verurteilt. Carina weilte auch mehrere Monate hinourch in Frankfurt a. M., wo er ebenfalls für Frankreich deutsche Militärgeheimnisse ausspähte, was natürlich nicht Gegenstand der hiesigen Anklage sein konnte. Todes-Anzeige Nachricht, daß meine liebe Iran, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Fvmt Käthchen Gutsmuth geK Löwenfteiu nach langem, schwerem, mit Geduld getragenem Leiden im Atter von 51 Jahren heute sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: E. Gutsmuth. Wreseck, den 8. Januar 1902. E A D M dm vielen S bei 1902. Holz-Versteiger^ III Es werden versteigert: 1. Montag bat 18. Januar d. I. ans den Distrikten Buch- Waldskopf, Dingerwald, Tränkkopf, Helligenberg und Hammersloch der-Forstwartei Lumda. Stämme: 31 (Lichen — 27 km, 9 Buchen e= 16 km, 557 Fichten — 190 km, Z Kiefern — 3 km. Aerbstangeu: 119 Fichten — 11 km. Zusammenkunft vormittags 10 Ute im Distrikt Buchwaldskopf, Äbt. 1, bei Lumda, bei Stamm Nr. 347. Nur das Holz im Dfttrikt Buchwaldskoph Abt. 1, wird bei der Versteigerung vorgezeigt. 2. Dienstag den 14. Januar d. I. bei Herrn Wirt War ZSecker, Beltershain, von vormittags VslO Uhr an, aus den Distrikten Hain, Beltershainer Wald, Steinkaute, Junge Buchen, Wirbemer Waldlache, Sohlwald, Ochsenstall, Hoherod, Alter Haag, Laubachskops, Kaulhain und Esp der Forstwartei ReinhardShain: Scheiter rm: 85 Buche, 2 Birke, 57 Eiche, 261 Nadelholz; Knüppel rm: 126 Buche, 148 Eiche, 246 Nadelholz, 21 Aspe; Iteistg rm: 641 Buche, 863 Eiche, 150 Nadelholz; Stöcke rm: 8Buche, 80 Nadelholz. Grünberg, den 8. Januar 1902. Großherzogliche Oberförsterei Grünberg. Schober. 358 UmNW Höhere SauöelslehrauW z« Gera. Gegründet 1849. 3 Abteilungen. Die Reifezeugnisse berechtigen für den einjährig-freiwilligen Militärdienst. — Schülp enswnat. 360 Näheres durch die Prospekte. Das Direktorium. Donnerstag denl3.Febr.19V2, nachmittags 2ft, Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die Liegenschaste,r des Wllhelm Steinbach offenllich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 7. Jaüuar 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. ___________Gros.________370 Ke Kolzverßeigemg vom 30. Dezember 1901 ist genehmigt. Mgabe der Abfuhrscheine bei den betr. Bezirkskassen bezw. Untererhebeftellen vom 10. Januar 1902 ttb. Absuhrtermin vom 10.Januar 1902. ’ Schotten, den 8. Jan. 1902. Großh. Oberförstern Schotten. Seidel. 357 Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute uud morgen: Ztierüeisch 54 pfg. 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Frau Adolf Rörig, Krosdorferstraße 5a.______________ Lehrling mit guter Schulbildung 51t Ostern gesucht. 274 Joseph Herz, Bankgeschäft. ^uuae, gebrld. Dame, d. im Hcttls- halt u. Krankenpflege bewand«, sucht Stelle in feinem Haus als Stütze, Gesellschafterin, Pflegerin od. zu Kindern, hier od. austv. Off, unt. M Q132 an d. Exp. WWjWUs ISuterhuitenes Futzrrub zu kaufen gesucht. Geometer Philippi,^ Ober-Ohmen. 343 SNT Kaufmann (kapitalkräftig) sucht nachweisbar rentables Gefchäst zu kaufen od. sich an einem solchen thätig 311 beteiligen. Ausführliche Angebote, denen auf Wunsch strengste Verschwiegenheit zugesichert wird, unter Nr. 197 an d. Exped. erb. 094] Büglerin emps. sich in n. außer dem Hause. Brandpl. 12. Auch werd, das. Kleider gereinigt. Frl., im Weißzeugnäh. u. Flicken bewandert, nimmt iwch Kunden an. Grabenstraße ^9, ll. Französischer Unterricht wird von einem jungen gebildeten Pariser erteilt. Gefl. 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