I-Win 6, Trautmaon. lische Kurkapelle. d: ees*t abend 6 Uhr, Nö* s> WZ- , c, Goldmark. , , C. Saint-SaSns. ’ , R, Schumann. D- van Goene. , Fr. Smetana, nitglieder zu Mk 2.50 ad in der Musikalien- Y für Studierende auch !en Preisen zu haben. orzugliche ’^Steem^L- [izösischer iterriclit .riser ertC,Ltr Nr CHO an ge^jr J Frau K«m 'e„3HPf: 11 Ohr. taten 50 Plg 811 33? $ Nr. 7 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt die Siebener Famillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. 93ei lag der B rüh l'sche. Univers.-Buch- u.Stern druckcrei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition imt) Druckerei: Dchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrnsprechanschlußNr.51. Erstes Matt. 153. Jahrgang Donnerstag 9. Jannar 1002 ’ Bezugspreis; » Cj monatlief)75^.,viertel» SlSB» V iö H ▼ . jährlich Mk. 8L0; durch GietzeilerAnzeiger z« W General-Anzeiger «L Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM Politische Tagesschau. Dr. v. Neidhardt. Wie die „K- Z." nachträglich erfährt, bat Ka i s e r W i l- Helm am Silvester-ALend dem hessischen Gesandten zu Berlin, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Neidhardt ein allerhöchstes Handschreiben zustellen lassen, worin er aus Anlaß der 25 jährigen Wirksamkeit des Gesandten am preußischen Hofe Herrn v- Neidhardt mit warmen Worten des Dankes herzlich beglückwünschte und ihm gleichzeitig eine kostbare Vase übermitteln ließ. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. v. Richthosen, war persönlich der Ueberbringer dieses allerhöchsten Glückwunschschreibens sowie der Vase gewesen uitb sprach auch im Namen des Reichskanzlers wie des Auswärtigen Amtes und in eigenem Namen die lebhaftesten Glückwünsche aus- Dr. v. Neidhardt ist unter den händig in Berlin lebenden Bundesratsbeoollmächtigten jetzt der Senior, ivährend von den auswärtigen Bundesratbevollmächtigten nur der bayerische Finanzminister, Frhr. v- Riedel, um einige Monate länger dem Lundesrat ange- hören dürfte. Exzellenz v. Neidhardt, der am 10. November vorigen Jahres sein 70. Lebensjahr vollendet hat, mb seit dem Frühjahr 1861 nach 'gründlicher juristischer Vorbereitung im hessischen Ministerium des großherzoglichen Hauses und des Aeußern beschäftigt worden war, wurde im Oktober 1872 zum Bundesratsbevollmächtigten ernannt, welche Stellung er seitdem ununterbrochen innegehabt hat- Vier Jahre darauf, im Sommer 1876, wurde er auch zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am preußischen Hofe ernannt, und sein 25 jähriges Jubiläum in dieser Stellung hat jetzt der Kaiser benutzt, um dem Gesandten ein Zeichen seines besonderen Wohlwollens zukommen zu lassen- Die Vase selbst ist ein Meisterwerk der königlichen Berliner Porzellanmanufaktur. Sie weist auf der Vorderseite das trefflich ausgeführte Bild des Kaisers und auf der Rückseite eine Darstellung des königlichen Schlosses in Berlin auf. Herr v. Neidhardt erfreut sich namentlich im Bundesrate eines besonderen Ansehens und des größten Vertrauens. Nicht nur, daß er infolge seiner langen fleißigen Mitarbeit an den Beratungen der Bundesratsausschüsse ganz hervorragend geschäftskundig ist, er gilt auch für ebenso zuverlässig wie thatkräftig. Dabei zeichnet er sich durch eine große persönliche Liebenswürdigkeit, ein bereitwilliges Entgegenkommen und feinen politischen Takt aus- Bei seiner großen Rüstigkeit und Frische ist zu erwarten, daß er noch lange Hessen sowohl im Bundesräte wie am preußischen Hofe mit gleichem Geschick wie bisher vertreten wird- Gegen den „Jugendstil" der alldeutschen Politik wandte sich mit auffallender Schärfe der neue Botschafter in London, Gras Wolfs-Metternich- Als bei dem von uns schon erwähnten Abschiedsessen, das ihm zu Ehren die Stadt Hamburg als dem bisherigen preußischen Gesandten in H a m bu r g veranstaltete, der Bürgermeister Mönkeberg der Hoffnung Ausdruck gab, daß es ihm auf seinem neuen Posten gelingen möge, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu festigen, fühlte sich Graf Wolff-Metternich zu folgenden Auslassungen veranlaßt: „Die Erfahrungen, welche ich hier gesammelt habe, dürsten mir auch in meiner neuen Stellung von besonderem Nutzen sein. Ew. Magnifizenz haben soeben hervorgehoben und den Wunsch ausgesprochen, daß es mir gestattet sein möge, die guten Beziehungen zwiscken Deutschland -umd Großbritannien zu pflegen- In den Hansestädten habe ich stets den Wunsch hervortreten sehen, daß ein freundnachbarliches Verhältnis zwischen Deutschland und England angestrebt werde. ... Es scheint zwar eine neue Schule sich aufzuthun — Schule möchte ich es nicht nennen — sondern einige exaltierte Geisder, welche glauben, daß die althergebrachten Beziehungen zwischen Deutschland und England nicht weiter fortge- führt zu werden brauchten. Diesem extravaganten Jugendstil in der Politik brauche ich mich aber glücklicherweise nicht an^uschließen- Ich halte es viel, mehr auch in unserem Interesse, wenn wir dem alter Kulturvolk germanischer Abkunft jenseits des Kanals wie in der Vergangenheit, so auch in Zukunft, mit der- jenigen Achtung begegnen, welche auch allein schon bü internationale Höflichkeit erforbert." Der Fall Feilitzsch. In bayerischen Blättern ist jetzt viel die Rede vor einem „Falle Feilitzsch". Ein bayerischer Hauptmann Frhr v- Feilitzsch hatte sich dem ostasiatischen Expeditionskorps angeschlossen und war in China wegen Vergehens gegen Untergebene bestraft worden- Jetzt ist er nach seiner Rück kehr in ein thüringisches Regiment mit1 dem gleichen Patent das er in der bayerischen Armee besaß, eingestellt worden Wir lesen nun in der öfter zu offiziösen Mittellungen de, bayerischen Regierung benutzten „Augsb- Abendztg.": „ . . . Jedenfalls aber kannte Herr v. Feilitzsch di, Stimmung, die in der bayerischen Armee geger ihn herrschte; denn darüber besteht nicht der geringst« Zweifel, daß chm der Rücktritt, wenn er darun nachgesucht hätte, verweigert worden wäre- Daß Frhr. v. Feilitzsch nun in einem preußischen Truppenteil angestellt wurde, hat auch in bayerischen militärischer Kreisen, wie sich ja leicht denken läßt, einiges A u s s e rj e n ja Befrem d en erregt, denn man glaubte doch an nehmen zu dürfen, daß, wenn ein Offizier in der Armee der er bisher angehörte, nach der RüÄehr aus Ostasier kern Unterkommen mehr findet — in Berlin war seh, wohl bekannt, wie man in München über die Verfehlungen des Barons Feilitzsch dachte — er auch in einem anderer deutschen Bundeskontingente nicht ausgenommen werden wird. Es bat deshalb wohl kaum viel bayerische Offizier, gegeben, die nach den Vorkommnissen in Ostcisien der Hauptmann v- Feilitzsch anders als pensioniert in de, Heimat wiederzusehen erwarteten- Daß das anders ge< Gießener Theaterverein. Die rote Robe. Schauspiel in 4 Akten von Eugene Brieux. Schluß. Dieses dramatische Pamphlet gegen die französische Justiz hat eine eigene Litteratur hervorgerufen, und zwar nicht nur in Frankreich. Dort hat Brieux Schule gemacht, und ein Theaterstück nach dem anderen mit ähnlichen scharf ausgesprochenen Tendenzen geht dort über die Bühne. Bei uns in Deutschland aber kam es nicht allein in Parodien, als „überrote Ueberrobe" (Verfasser dieser Albevei ist Carl Costa, der unglückselige Urheber unserer vorletzten Sonntagsposse „Ihr Korporal") auf das „Ueberbrettl"; umständliche Erörterungen über die Strafrechtspraxis machten sich nicht nur in den deutschen Tageszeitungen unter und über hem Strich, sondern auch in sonst ausschließlich! den Künsten gewidmeten Zeitschriften breit. Ein preußischer Richter z. B. ergriff in „Bühne und Welt" das Wort, um seftzustellen, daß alle Vergleiche zwischen dem französischen und dem deutschen Richtertum wie zwischen dem französischen und dem deutschen Strafprozeß durchaus von der Sxmi) zu weisen seien. Schon in Nr. 264, 3. Bl. des „Gieß Anz." vom vor. Jahr wurde über dem Strich ausgeführt, daß diese selbst für französische Verhältnisse unzweifelhaft übertriebene Anklage gegen die Justiz »ruf deutsche Verhältnisse rundweg zu übertragen eine Absurdität wäre. Doch in Einzelheiten scheint mir der preußische Richter doch nicht vollkommen richtig zu urteilen. Wenn er z. B. von unseren deutschen Reichsgerichtsräten behauptet, daß sie alle Namen haben, die auf wissenschaftlichem Gebiete etwas bedeuten, so ist dem dagegen zu halten, daß man gerade in preußischen, aber auch z. B. in schwäbischen Richterkreisen diesen Ausführungen nicht unbedingt zustimmen wird. Und wer behutsam einige wenige Sätze aus Der Brieuxschen Anklageschrift auf unsere deutschen Zustände überträgt, dem liegt es gewiß durchaus fern, der thatsächlich unantastbaren Ueberzeugungs- treue des deutschen Richtertums etwa zu nahe treten zu wollen. Daß unsere heutige Strafpraxis für Besserlingen immer noch Raum hat, kann memand leugnen. Zweifellos hat es z. B. etwas Bedenkliches, daß der Beamteneid vor dem gewöhnlichen Zeugeneid rangiert. Um einen möglichst harmlosen Fall zu nehmen: in einer ostweserischen Universitätsstadt gab es um die Mitte der 80er Jahre unter fünf kaum einen civis academiae, der nicht mindestens einmal von einem Nachtschutzmann zur Anzeige gebracht worden war wegen „ruhestörenden Lärms", wenn auch die Ruhestörung in nichts Anderem bestand als etwa einem herzhaften, keinesivegs überlauten Lachen. Je mehr Anzeigen jene braven Leute ihrem Vorgesetzten erstatteten, als desto pflichteifriger schätzte er sie, selber natürlich durchaus überzeugt von der unbedingten Zuverlässigkeit ihrer Angaben. Wurde gegen das polizeiliche Strafmandat Einspruch erhoben und kam die Sache vor Gericht, dann gab es fast immer Verurteilungen, da die Aussage des Beamten einmal für glaubwürdiger gilt als die jeder Privatperson, macht diese auch einen zehnmal besseren Eindruck auf den psychologisch geschulten Richter. Der Fall ferner, daß Personen oft dadurch schwere Nachteile erwachsen sind, wenn sie vor Gericht über ftühere Bestrafungen Angaben machen mußten, ist schon über dem Strich des „Gieß. Anz." wiederholt zur Sprache gekommen und hat neuerdings zu einer Bittschrift an den Reichstags Anlaß gegeben und dessen Kommission beschäftigt. Das Reichsjustizamt betonte, daß Vorbestrafungen unter Umständen zum Gegenstand der Verhandlung gemacht werden müßten, die Mehrheit der Kommission beschloß aber Ueber- weisung der Petition an den Reichskanzler als Material für eine Reform der betreffenden Gesetzes-Vorschriften, und so ist vielleicht für den deutschen Strafprozeß eine Aenderung des diese Frage behandelnden Paragraphen zu erwarten. Doch meine Aufgabe ist heute nicht das leidige Politisieren, sondern Theaterberichterstaüung. Schreiten wir also von der sozialpolitischen zur litterarischen Beurtheilung. Wie ich etwas an Björnson's „Ueber unsere Kraft" bedauere, so erscheint wir etwas erfreulich an dem Schauspiel Brieux'. Es ist jammerschade, daß „Ueber unsere Kraft" nicht von einem Deutschen geschrieben wurde, und wir wollen uns gratulieren, daß „Die Rote Robe" von einem Deutschen nicht geschrieben werden konnte. Das ist der einzige künstlerische Vorzug des Stückes, das uns im übrigen schindet, wie nur einst Marsias von Apollo geschunden wurde, wobei aber Marsias doch wenigstens den Trost hatte, daß es Apollo war, der ihn quälte. Rein litterarisch betrachtet ist das zweifellos geistes- und gesinnungsstarke Stück — und diese Eigenschaften rechtfertigen seine Aufnahme in das Repertoire des Theatervereins, dem es doch auch darum zu thun ist, ferne Mitglieder mit solchen dramatischen Erscheinungen bekannt zu machen, von denen heute die Welt redet — nur dazu geeignet, daß der deutsche Geschmack verdorben und von Unberufenen die deutschen Sitten in em falsches Licht gestellt werden, zumal wenn man die Anpassungsfähigkeit der Deutschen in Rücksicht zieht, die ja mitunter leider der Vaterlandslosigkeit nicht gar so fern kommt. Zugegeben sei, daß das Drama in mächtiger Steigerung raffiniert aufgebaut ist. Wenn Brieux, der Sohn eines armen Pariser Kleinhandwerkers, nach diesem offenbar von hohem sittlichen Ernst diktierten Drama ein Stück geschrieben hat unter dem Titel „L’Avarie“, „Der Schadhafte", von dem die französische und deutsche Sensationspresse ausführlich berichtete, in dem er ein Thema behandelt, das eine Zeitung, deren Stolz es ist, daß sie auf dem Familientische gebildeter Bürger liegen bleiben kann, nicht einmal andeuten darf, dann ist das nur, trotz seiner jedenfalls wieder allerbesten Absichten, bedauerlich. „Die rote Robe" behauptet im Berliner Theater neben der gradezu beispiellosen Zugkraft des Lustspieles „Alt-Heidelberg", das wir ja demnächst auch kennen lernen sollen, ihre Anziehung. Sie ist selbst als robustes Theaterstück nicht fehlerfrei; diese Robe schlottert um ein Gerippe von Handlung, das an individueller Schwäche leidet. Aber an ihrer Oberfläche, in den Falten liegen allerhand Fragen des öffentlichen Lebens, die, ins Publikum herabgeglitten, Erregung heroorufen müssen. Das ist einer jener merkwürdigen Zusammenhänge von Bühne und Welt, die für die Kunst wenig Belang, aber kulturgeschichtlich ihre ernste Bedeutimg haben. Auch bei uns errang „Die rote Robe" einen bedeutenden politisch-sozialen Erfolg von ethischem Charakter — keinen ästhetischen Nach Berlin war zur Erst - Aufführung Herr Brieux selber von seiner herrlichen Villa „Blanchette", so benannt nach einem seiner erfolgreichsten Stücke, in St. Raffael am Mittelländischen Meere geeilt, um der ersten deutschen Panette, der Frau Hedwig Niemann-Rabe, galant die Hand zu küssen. Bei uns war zum Theateroereinsabend eines der hervorragendsten Mitglieder des Frankfurter Schauspielhauses, Herr Edgar Bolz, erschienen, um den ehrenwerten Untersuchungsrichter Mouzon auf die Beine zu stellen Herr Bolz gab diese Zierde her französischen Justiz mit geradezu erschrecklicher Glaubwürdigkeit. Die Verhorszener waren unantastbare Meisterstücke darstellerischer Kunst. Man weiß nicht, was man mehr zu rühmen hat, die verblüffend« Naturechtheit seines ganzen Gehabes, seine fabelhafte dialektische Sicherheit oder seine tadellose Gewandtheit. Füi einen deutschen Untersuchungsrichter wäre er ja zweifellos zv lebhaft, zu heftig und hitzig gewesen; dem Südfranzosen aber stand dieses mitreißende Temperament sehr wohl an. Wei dem Autor wohl die Möglichkeit abstritte, daß es irgendwc in der Welt einen solchen Richter giebt, vor Herrn Bolz müßt» er die Waffen strecken; denn dieser Monzon war das Leber selbst. Aber auch unsere heimischen Künstler leisteten rech: Gutes, vor allem Herr Gerlach als der angebliche Mörder, der durch sein vortreffliches Spiel tief ergriffen hätte, wenn dazu nicht zu viel Unnatur in der Zuspitzung der Konflikt» steckte. Indem er weises Maß übte, ward er um so eindrucksvoller. Die Rolle der Panette hat drei dankbar» Register: Trotz, Demut und Leidenschaft. Jede Künstlerin, die über diese drei Register verfügt, wird die baskische Bäuerin dem Publikum zu Dank spielen. Im übrigen ist diese Figur vom Verfasser allzu deutlich auf das bereitliegende Dolchmesser zugespitzt, um lebensecht zu sein. Frl. Hohenfels hatte das elementare Naturweib mit Verständnis durchgear- beitet. Aus einer tief aufgewühlten Seele, aus einem leidenschaftlich bewegten Gemüte gestaltete sie ihre Panette. Das war eine echte, durch eine kurze und bewegte Pariser Zeit vielleicht gar zu wenig polierte Bäuerin, eine von dunklem Drange geleitete Rächerin und Richterin, von mehr schwerflüssigem, als leicht bewegtem südländischem Blute. Einen Moment, als ihr Gatte nach dem Verhör abgeführt wird, verlor sie den Faden, aber gleich darauf das verzweifelte Ringen mit den Gendarmen, dann der Kampf um die Kinder, die Steigerung der Gemütsauflehnung bis zur Mordthat, das waren lauter Momente von starker Wirkung. Die große französische Bühnenkünstlerin Röjane soll übrigens für diese Partie drei Monate lang auf dem Markte von Bilbao Studien gemacht haben. Frau Jenny vervollständigte in rührender Weise die von ausgesuchtem Unglück verfolgte Baskenfamilie. Herr Ramsener gab den Staatsanwall nicht, wie das sehr nahe lag, als Pathetiker, sondern als einen vergrämten Mann, der sich eine letzte innere Genugthuung bereitet, aber doch mehr als seiner Eckigkeit wegen zurückgesetzter deutscher Beamter als ein Südfranzose, der mit dem Feuer seiner Beredsamkeit fortreißt. Mit dem übrigen Richterpersonal konnte man sich ziemlich einverstanden erklären, bis auf Herrn Sandor, der als Generalprokurator Würde und Haltung und leider auch Sicherheit in Bewegungen und Reden vermissen ließ, und Herrn Woisch, der, ganz gegen seine sonstige Art, völlig aus dem Häuschen zu sein schien und ganz krauses Zeug zusammenredete. Was einst ein preußischer Richter seinem Sohne ins Album schrieb, das darf sich auch mancher andere hinter die Ohren schreiben: „Was Du immer kannst, au werden, Arbeit scheue nicht und Wachen; Aber hüte Deine Seele Vor dem Carriöre-Machen". Der preußische Richter war — Theodor Storm. P. Witiko. kommen ist, ist lediglich Sache des preußischen Kriegs- Ministeriums, das aber hier aller Wahrscheinlichkeit nach nur einem von höherer Stelle geäußerter: Wunsche nach- gekommcn ist. Wie nun auch die Sache liegen mag: so viel dürfte sicher sein, daß der „Fall Feilitzsch" amch den deutschen Reichstag beschäftigen, und daß die Stellung des preußischen Kriegsministers in dieser Sache keine ganz leichte sein wird." — r Der Bedarf an Zigarrenkisten giebt einen ungefähren Anhalt für die Beurteilung der Marktlage in Zigarren. Nun giebt es zwar über die Herstellung der Kistchen ebensowenig eine fortlaufende Statistik, wie über die Zigarren selbst. Da aber das Zedernholz für Zigarrenholz durchweg über die Zollgrenze eingeführt werden muß, so hat man daran einen sicherern Maßstab, als an der Tabakeinfuhr, die sich nur auf die edleren Arten bezieht. Die; Einfuhr an Zedernholz für Zigarrenkisten ist im Jahre 1901 gewaltig zurückgegangen. Sie betrug nur 380 SOO1/^ cbm gegen 681384 cbm im Vorjahre. Bei sehr ruhigem Absatz war trotz vielfacher Bemühungen der Preisstand vor großem Ruckgange nicht zu schützen und der Markt verstaute mit zunehmenden Lagerbestand, Im Herbst traten sogar binnen wenigen Wochen ansehnliche Preisrückgänge ein, die große Verluste brachten. Der Bedarf an Zigarrenkisten muß ganz erheblich gesunken sein, wenn der Umsatz in Zigarrenkistenholz auf fast ein Drittel des Vorjahres gesunken ist. Dies ist das deutlichste Anzeichen für einen starken Ausfall in der Fabrikation von Zigarren an den deutschen Herstellungsstätten. Die Lage vor Kueit stt durch das Erscheinen russischer Kriegsschiffe im Persischen Golfe sowie durch den angeblich demnächst zu erwartenden Angriff, den der Sultan von Naschd gegen den Scheich Ma- baruk unternehmen will, in ein neues Stadium getreten. Sollte Letzterer thatsächlich angegriffen werden, so ist em Eingreifen seitens der Engländer wohl vorauszusehen, und ein Wachsen des englischen Einflusses wird zum mindesten dort die Folge sein. Welche Kompensationen dann Rußland beansprucht, wird sich zeigen. Der Sultan von Muskat ist bereits durch den Besuch eines russischen Schiffskommandanten ausgezeichnet worden, und zwei Benderabbas gegenüberliegende Orte wurden von den russischen Sachverständigen hinsichtlich ihrer Gesundheitsverhältnisse untersucht. Deutschlands Interesse an Kue'it beruht lediglich auf dem Projekte, daß dieser Ort als Endpunkt der Bagdadbahn in Aussicht genommen ist. Warm diese wirklich gebaut wird, ist bis jetzt noch nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Auf alle Fälle wird man wohl zu dem Zeitpunkte des Bahnbaues damit rechnen nnlffen, daß Kue'it unter dem Einflüsse eurer fremden Macht — voraussichtlich Englands, das dort seit Jahren seine Hand im Spiele hat — steht. Unter diesen Umständen würde alsdann in Frage kommen, ob nicht eventl. ein anderer Endpunkt der Bagdadbahn zu wählen sei. Falls eine Verlegung des Bahnmündungspunktes aus kommerziellen oder anderen Rücksichten swh nicht empfiehlt, so würden jedenfalls die Handelsprinzipien Großbritanniens einem Aufschwünge der dortigen Verkehrsverhättniffe am wenigsten im Wege stehen. Mk. ii 64 869 ver- ii 292 588 19 010 23 165 6 830 11 310 n n 46 350 10 608 18 400 8 600 16 000 36 100 35 050 33 450 53 130 18 800 6 500 9 600 417 772 Mk. 164 175 „ Professoren, Lehrer usw. Beamte Dienstpersonal . . . Anteil der Professoren an den eingehenden Studiengeldern . . . . Centrale für Kraft, Licht und Wärme . . . . Dispositionsfonds usw. . Sachliche Ausgaben . . . Die Ausgaben wegen der Professoren, Lehrer usw. teilen sich auf die einzelnen Disziplinen wie folgt: Mk. ii Mathematische Wissenschaften . . . . Naturivissenschaften ...... Reine Chemie Chemische Technologie und Elektrochemie Physik Elektrotechnik . . . Baukunst und Bauwissenschaften . . . Jngenieurwissenschasten ..... Maschinenwissenschaften ..... Allgemein bildende Fächer . . . . . Darstellende Künste ...... Bibliothek usw. ........ Es ist vorgesehen, die jetzige außerordentliche Professur für Baukunst usw. in eine ordentliche (Städtebau und Elemente des inneren Ausbaues) zu verwandeln, dafür soll die zur Zeit erledigte ordentliche Professur für Zeichnen und Malen in eine außerordentliche umgcwandelt werden. Im Vermögensbudget ist angekündigt, daß demnächst den Ständen eine besondere Vorlage wegen der südlich der Hochschulstraße projektierten Neubauten zugehen soll. Aus dem Staatsbudget 1902/03. ui. Die Einnahmen der Technischen Hochschulen sind eingestellt mit 345 657 Mk., die Ausgaben mit 581 947 Mk., die Anstalt verlangt also einen Zuschuß von 236 290 Mk. oder 19 623 Mk. weniger als für 1901/02 vorgesehen. Aus den Einnahmen sind hervorzuheben: Eintrittsgelder 6500 Mk. (2000 Mk. mehr), Einschreibgebühr von ausländischen Hospitanten 300 Mk. (neu), Unterrichtsgelder 327 000 Mk. (28 000 Mk. mehr). Die Ausgaben gliedern sich in Persönliche Ausgaben, und zwar: Ans Stadt und Aand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten tst nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 9. Januar 1902. ** Parlamentarisches. Ein vor Jahresfrist den Landständen zugegangener Gesetzentwurf, betreffend das Eigentumsrecht an Kirchen u. s. w., der die gerade in Hessen besonders komplizierte Frage endgiltig zu regeln berufen ist, ruht, wie wir in einer Korrespondenz der „K. V.-Ztg." lesen, mach immer unerledigt un GesstzgebungSauSschuffe der Zwecken Kammer, da eine Einigung bis fetzt noch nicht zu stände gekommen ist. Die Aussichten auf ein Zustandekommen des Gesetzes sollen sehr gering sein, was bei der Geistlichkeit beider Konfessionen und bei den Zivilgemeinden mit Unmut empfunden wird. — In der denmächst beginnenden Tagung der Zwecken Kammer wird auch die Reform des Hess. Wahlrechts zur Verhandlung kommen. Das Zentrum verlangt neben dem allgemeinen direkten Wahlrecht auch die Einführung der Proportionalwahl, der Wahlpflicht, sowie insbesondere die Abänderung der Wahlkreisgeometrie, die in den 70er Jahren dem damals noch unumschränkt herrschenden Nationalliberalismus auf den Leib zugeschnitten wurde. In der Regierungsvorlage ist bekanntlich die Einführung des direkten Wahlrechts, sowie der Schutz des Wahlgeheimnisses durch Ausgabe amtlicher Wahlcouverts und Errichtung eines gesonderten Wahlraumes vorgesehen, während die Neueinteilung der Wahlkreise dem diskretionären Ermessen der Negierung auf dem Wege der Verordnung überlassen bleiben soll. ** Justizdienst Nachrichten- Durch Verfügung des Ministeriums der Justiz wurden beauftragt: Die Gerichtsassessoren Conradi aus Ma.nz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters in Zwingenberg, Dr. Werner in Zwingenberg mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Reinheim, Lanz in Auerbach mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Zwmgenberg, Scotti in Gießen mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Vilbel, Dr. Gärtner in Lorsch mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts in Zwingenberg. ** Gerichtliches. Der Landgerichtsrat Dr. Schäfer hier wurde zum Vorsitzenden und Landgerichtsrat Wehner hier zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen in Gießen für die übliche Dauer der Geschäftsperiode 1901—1903 bestellt. ** Benefiz Ramseyer. Herr Ramseyer, das beliebte Mitglied unseres Stadttheaters, hat sich für feine morgen statt- sindende Benesizvorstellung den Wurzelsepp in dem unverwüstlichen, außerordentlich beliebten Volksschauspiel „Der Pfarrer von Kirchfeld", bem berühmten Erstlingswerke Anzengrubers, erwählt, das seck Jahren leider zu den obdachlosen Meisterwerken der dramatischen Litteratur gehört. Man darf eine tüchtige künstlerische Schöpfung des Benefizianten erwarten, der ja gerade in der Verkörperung urwüchsig ver- hwrrter Kerngestalten fein Bestes leistet. Jedenfalls macht eine von einfacher Größe und Leidenschaft getragene Darstellung des Wurzelsepp die Zuschauer bis in die Seele erbeben. Den Pfarrer wird, wie man uns mitteilt, Herr Ger- l a ch, die Anna Frl. Hohenfels spielen. Wir wollen hoffen, daß sich am Freitagabend das Haus stattlich füllen wird. Herr Ramseyer hätte es redlich verdient. ** Die Gefährlichkeit des Schmutzes an den Stiefelsohlen. Wer mit schmutzigen Stieselsohlen em Zimmer betritt, denkt nicht daran, wie viel ansteckende Keime er mit hineinschleppt. Gar manche Krankheit mag ihren Ursprung hiervon haben, namentlich auch bei kleinen Kindern, die auf der Erde umherkriechen und den Schmutz ahnungslos mck ihren Händchen in den Mund bringen. Deshalb sollte jedermann seine Stiefelsohlen vor dem Eintritt ins Zimmer gehörig abkratzeu. k» Abendstern, 8. Jan. In erfreultdjer Weise hat die Eisenbahnverwaltung die im vorigen Sommer mehr ein gelegten Personenzüge nach Wetzlar und Lollar auch für das Winterhalbjahr bestehen lassen. Diese Einrichtung w-ird von den Bewohnern der ganzen Umgegend mit Freuden begrüßt, da es ja gerade jetzt bei der nassen Witterung schwierig ist, zu einer anderen Haltestelle zu gelangen- Auch haben durch die Kleinbahn die Bewohner des Bieberthals hier am Wendstern direkten Anschluß mit der Hauptstrecke. X Burkhards, 8. Jan. In dem benachbarten K. siel gestern eine bejahrte Frau so unglücklich die Haustreppe herab, daß sie nach Aussage des Arztes einen Schädelbruch und Gehirnerschütterung davontrug. el. Schotten, 7. Jan. Eine kleine Aktiengesellschaft, die ich hier im Stillen gründete, kaufte die Kromm'sche Molkerei hier mit sämtlichem dazu gehörigen Mobiliar. Nähere Betriebseinrichtungen sind noch nicht getroffen. 1. Fauerbach (bei Nidda), 8. Jan. Ein 14jähriger Junge chnitt sich hier an der Häckselmaschine drei Finger der linken Hand glatt ab. 1. Geiß-Nidda, 8. Jan. Zwei Mädchen von hier wurden gestern abend gegen 6 Uhr in der Nähe unseres Dorfes von einem Unbekannten angefallen. Die Mädchen, die von Nidda kamen, ergriffen die Flucht. Der Unhold verfolgte sie bis vor das Dorf, mit Koth und Steinen nach ihnen werfend. Sofort angestellte Nachforschungen nach dem Thäter verliefen resultatlos. Ein inzwischen verhafteter junger Mensch mußte wieder auf freien Fuß gesetzt werden. z. Hörnsheim b. Großenlinden, 8. Jan. Der in diesen Tagen durch Kreis-Obstbaulehrer Kilb aus Wetzlar beendigte Wander-Obstbaukursus hat sich als eine egensreiche Einrichtung bewährt. Die Zahl der Teilnehmer und das Interesse an den Ausführungen und praktischen Unterweisungen des Obstbaulehrers mehrte sich von Tag zu Tag. — Unser Lehrer, Müller, der auf eine 25- jährige Amtsthätigkett am hiesigen Orte zurückblicken kann, wird erst mit Ostern seine Stelle an der m-ehrklassigen Schule $u Wißmar antreten. Wißmar gehört zu denjenigen Orten Der Bürgermeisterei Krofdorf, die mit zuerst das Grundgehalt ihrer Lehrer auf 1200 Mk- festgesetzt haben. (?) Ilsdorf b. Mücke, 8. Jan. Am Sonntag wurde hier eine Hochzett gefeiert, die leicht einen traurigen Ausgang hätte nehmen können- Der Vater des Bräutigams begab sich abends nach seiner im jenseitigen Solms-Ilsdorf beleg en en Wohnung. Auf dem Wege dorthin kam er unterhalb der Jlsbrücke von der Straße ab und siel in den hochangeschwollenen Ilsbach. Auf seine Hilferufe erschienen Bewohner beider Ilsdorf und zogen den an einen Busch ich Anklammernden aus dem Wasser. Der Verunglückte tarn mit dem Schrecken davon- )!( Ulrichstein, 8- Jan. Heber den dieser Tage flüchtig gewordenen Hochstapler, der sich als Doktor med. Haag ausgab, werden noch allerlei Stückchen bekannt, die seinen Charakter illustrieren- Wenn der Durchgebrannte auch kein wirklicher Arzt war, so hat er doch das Rezept- chreiben verstanden- Dem hiesigen Apotheker schuldet er über 1000 Mk., auch sonst hat der Schwindler sich namhafte Geldbeträge zu verschaffen gewußt- Das Merkwürdige bei der Sache ist, daß Haag oder Haug nach seinem ersten Ver- chwinden wieder auf einen Tag hier auftauchte, ebenso rasch aber wieder verduftete- Fast könnte es scheinen, als habe « Lunte gerochen; denn schon einen Tag nach seinem Berschwinden erschien ein Kriminalbeamter, um ihn zu besuchen- In Ruppertenrod lieh er sich auf der Post fünf Mark un% das Fahrgeld mit der Begründung, er habe vergessen, seinen Geldbeutel einzustecken. Diesen Betrag hat der Ausreißer aber wieder emgeschickt; also doch noch Ehrlichkeit im Kleinen! Darmstadt, 8. Jan. Der Großherzog begab sich (einer Einladung des Frhrn. Heyl zu Herrnsheim folgend) gestern zur Jagd nach Schmittshausen und kehrte um 5 Uhr nachmittags hierher zurück. — Der Großfürst und die Großfürstin Sergius reiften gestern vormittag zu einem Besuche der Großfürstin Konstantin nach Wiesbaden. Die Herrschaften besuchten den Weihnachtsgottesdienst in der russischen Kapelle und nahmen später das Frühstück bet der Großfürstin Konstantin; die Rückkehr hierher erfolgte nach 5 Uhr. Mainz, 8. Jan. Die Eröffnung der Kochkunstausstellung sand heute vormittag in Gegenwart der Vertreter der städtischen, staatlichen und milttärischen Ver- waltungsbehörden in den Räumen des Liedertafelgebäudes statt- Der große Saal dieses Gebäudes ist fast ausschließlich der Kochkunst selbst gewidmet- Das Arrangement in diesem Saale ist ganz vorzüglich. Die Nebenräume des Ausstellungsgebäudes stehen den der Kochkunst verwandte Gewerbe vollständig zur Verfügung- Außer den hiesigen Firmen haben sich etwa 200 auswärtige Firmen an der Ausstellung beteiligt- Frankfurt a. M., 7. Jan. Bei den sozialdemokratischen Protestversammlungen gegen die Zolltarifvorlage am 10. Sept. v. Js. wurden Tellersammlungen zur Deckimg der Tageskosten vorgenommen. Die Polizei sah darin eine verbotene Sammlung, nahm die Gelder in Beschlag und zitierte die betreffenden Genossen zu einer polizeilichen Vernehmung. Nun hat die Polizei einem der Betreffenden den Bescheid zugehen lasten, daß der beschlagnahmte Geldbettag zur Verfügung stehe und die Sache niedergeschlagen sei. Vermischtes. * Ein überaus mysteriöses Vorkommnis spielte sich am Montag in einem bekannten Künstler-Restaurant Hamburgs ab. Als der erste Heldentenor Birrenkoven mit einem Kölner Freunde das Restaurant besuchte, wurden ihm ein Referendar H. sowie zwei Brüder T. vorgestellt, die beide Bekannte des Referendars waren. Plötzlich geriet der Referendar in einen schlafartigen Zustand, in dem er von dem Brüderpaar in ein Zimmer gebracht wurde. Beide Brüder sind in Hamburg ansässig, der eine ist Arzt, der andere Ingenieur. Als die drei nicht zurückkamen, wollte sich Birrenkoven ins Nebenzimmer begeben, das jedoch verschlossen ivar. Der Künstler sah nun durchs Fenster und bemerkte, wie die Brüder den Kopf des anscheinend durch ein Mittel in schlafartigen Zustand versetzten Referendar gewaltsam auf den Boden schlugen. Die Thür wurde schließlich geöffnet und der Arzt erklärte, daß er feinen Freund durch Aufschlagen des Kopfes zur Besinnung bringen wollte, und daß dem Trunkenen im Restaurant Uhr und Brieftasche gestohlen worden sei. Die sofort recherchierte Kriminalpolizei unterzog alle Anwesenden einer Untersuchung und entdeckte die Uhr und Brieftasche bei dem Ingenieur, dem Bruder des Arztes. Beide Brüder wurden sofort in Hast genommen. Der Referendar soll, was die Brüder gewußt haben sollen, einen Tausendmarkschein eingewechselt und das Geld in seine Brieftasche gesteckt haben. Das Vorkommnis erscheint durch die soziale Stellung der Brüder T. um so mysteriöser. " Ein Knabenduell in Reuß j. L. Im Untern» haus bei Gera stiegen zwei Knaben im Alter von 10 bezw. 12 Jahren auf Mensur, und zwar war der eine Knabe mit einem Säbel, der andere mit einer Pistole bewaffnet. Der erstere wurde durch einen Schuß in den Arm kampfunfähig gemacht. Ein Arzt mußte die Kugel entfernen. * Von Stufe zu Stufe. Am Alsterufer in Ham» bürg wurde vor einigen Tage die unbekannte Leiche eines erhängten Mannes aufgefunden. Der Tote ist jetzt als der Dr. phil. Schulz rekognosziert worden. Dr. Schulz aus Greifswald war früher Lehrer bis er sich dem Trunk ergab und entlassen wurde. Lange Zett gab er dann Privatstunden, bis er auch diese infolge seines Lasters verlor und sich nun durch gelegentliche Arbeiten ernährte. Bald fiel er aber seinen Verwandten zur Last, von denen er sich stets unter dem Versprechen, sich zu bessern, Geldbettäge geben ließ. Dr. Schulz sank immer tiefer und tiefer. Vor einiger Zeit kam er nach Hamburg und bald war er ein ständiger Gast in den verrufensten Lokalen und Kaschemmen der Niedernstraße. Einige Tage vor Sylvester wurde er verhaftet, weil er sich des Sittenverbrechens schuldig gemacht haben sollte. Die Untersuchung ergab, daß nur tatsächliche Beleidigung vorlag. Da kein Strafantrag gestellt wurde, wurde Dr. Schulz am Sylvestertag entlassen. Er ging dann an das Alsterufer und machte dort seinem verfehlten Leben durch Erhängen ein Ende. „Hemberg-Seide“ ZU ,. r„ , schwarz, weiß u. farbig für Blusen und Roben von 95 Psg. bis Mk. 18.65 p. Mir. 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V SS ’W 70 C p (tfi CD e 01 •K O S -C tSD SS Ö c CO OD C :£ o K :i cd o 70 I S-Z' SS?« o — CD^- 1O K o -4-, co 5 S 55 ±Z S DZS O ä c 2 SA 2 70 70 = 2^ .2 A £ 0 «t: Ä- c o TS — sXO-^- CJ JO x: o LJ 2 5/2 *5" 2 'bL Z 2 ss? « " 5 o (£) SS^qA ä =3>C LZ g.e 'Rxd ‘£-70 §Z 5"2sS"2 -vM“ L £ o A ZS :Q « §»5 70 "* 2 0. _ _ - o-rÄ §2^ LL 2_ ,2.2a 5$ .5 kJ ©•s <0 . to CD C 1 A z ® fei Z « Q B "O = 5 « % L *e .ES 5 rr rr e u B LJ =2 § ^2A -Q § Z 2^ «>.£ c ff V© CD v e» w 2 ¥ 2 ? _ rlO _ C — 20 cj‘2ä o 70 SS CO SS r Q o A ,£~, ^A'Ö qj ZS 'H 4) W r- XJ*> M ~ Z c G tz-L 2 o o cd 2.2 Ä '3'Cz? A £äe; e-sS.2 ■w *C A .2 CD CJ <0 ±i 2 5-* "2 ZL e o 2 LJ 4ZO __— ., „ CD^ jQ p C A .-ZS § 2 §« E'S toS^Q Z «2 — -:L o S'S'S’- ti:2 .N 5" §s eEb5a®.? 2 - 5 cd . ZS r- c i-< cd i2-Ü cj 2 2 SS *o 3. S5 2 2ZZZO 2 8»« o« 2 2 " ÖD 2 CJ Oj ti A c £2- CJ O o CD 1-3 c X £ £ 03 c CD SS CD C :C 03 o er 2 CJ -SSI S = CD CJ 2 , , A CD - O SS 2 c CD A ödScq. ff £ ». 2 A ö A CJ 2 «o tr c o o A' O- v^äi.2 2° ZS 2 2 2. 0 -S o 'S -2 ^54-2 cÄ* V P © ö Z r-> .-rj C-* rsr^ f« C 03 'S'X • ~ ’J CD C T7'C = our « 0 c:=2 LS. C o LS. O CO 'S £ c- a K; Jff CJ . dC* e == ff W CD 2 A A CJ^T 'ö c o ff o2cee§ cj— *-•- c 'S - © 2 2. Ä g £ 5 . -2 £a ff-LZ^^ZLgFL - S 5 2A V 28? A ff S CJ LJ , ■ a cj jAAß® > L d cj «- rr A4 2 <4 cj Manufaktur-, Mode- u. Seidenwaren Hermann üatz zeigt hierdurch ergebenat die Eröffnung seines M Inventur-Ais sverkaufes Bitte meine Schaufenster zu zu aussergewöhnlich billigen Preisen an. beachten! W Bitte meine Schaufenster zu beachten! TepP1®^® 364 und. 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Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen in § 25 der Wehr- ordnung werden alle im Jahre 1882 geborenen Militärpflichtigen, sowie diejenigen, welche dieses Alter bereits überschritten, aber sich zur Musterung noch nicht gestellt haben, oder der der Musterung in 1901 zurückgestellt worden sind, und entweder in Gießen ihren gesetzlichen Wohnort haben, oder als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirtschafts- veamte, Handlungsgeyilfen, Lchrlinge, Hairdwerksgesellen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich dahier aushalten, hiermit ausgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Rainen in die Rekrutierungsstammrolle in der Zeit vom 15. Januar bis L Februar d. I. bei der Bürgermeisterei dahier im Zimnier Nr. 13 zu melden, und dabei, wenn sie dahier nicht geboren sind, ihre« Geburtsschein, welcher von dem betreffenden Standesamt zu erwirken ist, und, wenn sie bereits bei einer früheren Musterung konkurriert haben, ihren Lofungsschein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, sich zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Hast bis au drei Tagen belegt, von der TeiMahme an der Losung ausgeschloffen, und ihrer etwaigen Ansprüche aus Zurückstellung usw. für verlustig erklärt werden. Bezüglich der zur Zeit der Pteldefrist abwesenden Militärpflichtigen sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherren zu diesen Anmeldungen verpflichtet, ferner wird bemerkt, daß Gesuche um Zurückstellung von Militärpflichtigen auf Grund des § 32, pos. 2, Lit. a, b, o, d, e, f und g der Wehrordnung rechtzeitig bei der Bürgermeisterei dahier vorzubringen sind; verspätete Gesuche können keine Berücksichtigung finden. Gießen, den 3. Januar 1902. 364 GrohherKogliche Bürgermeisterei Gießen. Pa.8peisekartchck und Salatkartoffeln (gelbe Mäuschen) 41 empfiehlt zu billigsten Preisen I. Hankel, WWch 6. Schweyers Kitt, prämiiert mit der gold. Medaille Z»arls, anerkannt seit 10 Jahr, als dasvesse IStnde- u. Klebemittelfür zerbrach.Gegenstände, ist zu haben m Flacons ä 30 und 50 Psg. bei Gustav Walter, Mäusburg. zum Konzert für Nichtmitglieder zu Mk 2.50 (Sperrsitz Mk. 3.50), sina in der Musikalien- händhm^ou Ernst Ohallier (RudolphsNchfl.), für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork zu ermässigten Preisen zu haben, Hauptprobe: Vormittags 11 Uhr. Eintrittskarten Mk. 1.—. — Schülerkarten 50 Pfg 316 G Kaufmännische Drucksachen. cschäftsiücber weg von Hattenrod nach Albach am Waldeingang. Ferner sollen Nttttwoch den 15. Januar 1902, vormittags 10 Uhr anfangend, in der Struth versteigert werden: 6 rm Kiefern-Rundscheit. 89 „ Eichen- und Kiefern-Knüppel. 2000 Wellen Eichen- und Nadel-Reisig. 65 rm Eichen- und Nadel-Stöcke. Hattenrod, den 7. Januar 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. Rock. 349 Pu nlop- zum Würzen