EE Wr. ass Erscheint täglich außer SonnlagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche be,gelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'ichen Unlvers.-Buch- u. Stein- bruderei (Pielich Erben) Siedaktion, Erveditwa und Druckerei: Schul st raße 7. kldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. ^rnsprkchontchliißNr.dl. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Montag li.Dczemier I»»S GS 9 f» ... △'Ö' . . 9 ___ GlchenerMzeiger x z General-Anzeiger ö ** .sszjisw v den poltt. u. allgem. Teil Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW V ” zeigenteil: HanS Beck. Die heutige Mummer umfaßt 12 Seiten. Traurrfeier für Krupp. In den verschiedenen Etablissements der Firma Krupp Mafien am gestrigen Sonntag gewaltige, erbebende Trauer- Zierlichkeiten für den so jäh aus dem Leben geschiedenen Chef des Hauses stattaefunden. Uns liegen darüber folgende Berichte des Wolftschen Bureaus vor: Essen, 7. Dez. Heute mittag wurde im Schmelzbau fer Krupp'schen Gußstahlfabrik, der ältesten der gesamten Anlage, von den Werkangehörtgen eine große Trauerfeier für Krupp veranstaltet. Auch an die hiesigen Behörden und Nvrvorationen waren Einladungen ergangen. Wohl 25 000 Personen füllten den gewaltigen, würdigen Trauerschmuck tragenden Raum. Nach dem Deethoven'schen Trauer- nnarsch, gespielt von der Kapelle des 159. Infanterieregiments in Mülheim, und eines Gesangsvortrages der bereinigten Krupp'schen Männergesangvereine ergriff v. Schütz, ein Angestellter der Firma, das Wort zu einer tief er» greifenden Gedächtnisrede, die ein Lebensbild des Verewigten gab und zeigte, wie dieser sein ganzes Leben lang fiets seinem und seines Vaters Wahlspruch getreu blieb: b-er Zweck der Arbeit soll daS Gemeinwohl sein. Redner berührte kurz die Verleumdungen, die in der letzten Zeit gegen Krupp erhoben waren und schloß Mit der Auftor- kierung an die Anwesenden. daS Andenken deS Verstör» bsenen rein zu erhalten. Mit weiteren Musik- itnb Ge- ingsvorträgen nahm die ernste Feierlichkeit ihren 916» ifssbau6alle ber Germaniawerft eine von ben Beamten dics'r SB er ft veranftalt^e Trauer- unb Gedächtnis- i'cker für ben verstorbenen Ehef F. A. Krupp statt, bei Äscher ber Marinwberpfarrer Rogge bte Gedächtnisrede $eTt. An den Kaiser unb an Frau Krupp wurden Telegramme aba^sandt._____ Velitilckk Taqrsschau. Tie preußische Fiuaustage. Wie fast alle deutschen Bundesstaaten, so hat attch Preußen unter der Ungunst ber wirtschaftlichen Verhältnisse stark zu leidw. D-r nächstjährige preuß'sche Haushaltsetat s 'll außerordentlich knapp gehalten werben und außerdem mach die Aufnahme einer neuen Anleihe erforderlich machen <-)n einer anscheinend offiziös inspirierten Korrespondenz trirb darüber ausgeführt: „Es kann natürlich nicht auS- Peib-’n daß die allgemeine Ungunst der wirtschaftlichen Sage auch diesem Etat den Stempel mtfbrütft. Diese Lage macht es zur Notwendigkeit, auf allen Gebieten Sparsamkeit M üben und mannigfache Wünsche der Ressorts zurückzustellen. Andererseits erheischt die regelmäßig eintretenbe unb unvermeidliche Steigerung ber laufenden WuSaaben Befriedigung. Jnsbesonbere war es im Interesse ber Eisen- Lahnverwaltuna wie einer rationellen Finanzwirtschast geboten, ben Aufwanb für die Eisenbahnen,namentlich für bie Beschaffung ber Betriebsmittel, in einer an- xemessenen Höhe zu erhalten, um nicht genötigt zu sein, bei Üeigntber Konjunktur und bemgemäß steigenden Preisen : teie Betriebsmittel unter größerer Belastung ber Staatskasse später zu beschaffen. Durch Erhaltung den: Aufträge Mf einem annähernd gleichmäßigen Niveau wirb zugleich Mch ber Industrie eine wertvolle Hilfe ge» mährt werden. Do.s charakteristische und zugleich Las ungünstige Resultat verursachende Moment des nächstjährigen Etats liegt aber darin, baß untre ber gedachten EJngunft ber Verhältnisse bie ihr in erster Linie ausgesetzten staatlichen Betriebsverwaltungen, namentlich bie Eiscnbahn- Vrwaltung und bie Bergverwaltung, erhebliche M in- bereinnahmen aufweisen. Diese Minbereinnahmen burch eine weitere Herabsetzung bes schon in diesem Jahre reduzierten Extraorbinariums voll zu becken, dürfte nicht möglich sein, und es wird daher wohl auch in Preußen mit einer erheblichen Anleihe zur Balancierung des Etats zu rechnen sein. Zur richtigen Würdigung dieser unerfreulichen Notwendigkeit wird man, abgesehen davon, baß auch in bent Etat für 1903 bie Tilgung von brei Fünftel Prozent bet Staatsschulb, sowie manche bas werbenbe Vermögen bes Staates mehrenben Ausgaben vorgesehen sinb, nicht unbeachtet lassen dürfen, daß in den reichen Jahren vor 1900 aus lausenden Einnahmen rund eine halbe Mil- iarde teils direkt zur Schuldentilgung, teils zur außerordentlichen Ausstattung der Eisenbahnen verwendet Werren tonnte." Erhebungen über die Fleischtheuerung. In einem längeren Artikel ber offiziösen „Südd. ReichSkorr." wirb über bie auf Anordnung bet badischen Regierung vor genommen en Erhebunaen über bie Ursachen >er Fleischteuerung berichtet. Der Artikel kommt zu folgen» >en Ergebnisse: Faßt man die Ergebnisse ber ganzen Untersuchung kurz zusammen, so zeigt sich, mb in ber That ein Rückgang >es Auftriebs an Schl a chtvieh auf bie Bichmärkte Badens, insbesondere an Rindern und Kühen, sowie an schlachtreifen «Schweinen, im laufenden Jahre gegenüber dem Vorjahre ftattgefunben hat, daß dagegen beim Kleinvieh, namentlich bei den Läufern und Ferkeln, eine ganz erhebliche Zunahme des Austriebs nachzuweisen ist, sodaß ber Abmangel an schlachtreifen Schweinen in kurzer Zeit behoben sein dürfte. Der verminderte Stuf trieb an Vieh hängt zum größten Teil vom Viehstand des Landes ab, bet seit 1899 unb zwar besonders erheblich bei ben «Schweinen zurückgegangen ist. Da bie Fuiterernten ber letzten Jahre in Baden recht günstig ausgefallen sind, so liefern sie keine Erklärung für den Rückgang des Biehstandes, sondern man muß nach eroberen Ursachen dafür suchen. Sie sind zweifellos darin zu finden, baß bie bedeut enden Preisabschläge für Großvieh unb Schweine, wie sie insbesondere in dem Jahre 1899 konstatiert wurden, den Landwirten die Viehzucht, soweit es sich um «Schlachttiere handelt, nicht mehr rentabel genug erscheinen ließen, sodaß fte trotz des verhältnismäßig reichlichen und billigen Futters ihren Vieh- stand nicht mehr entsprechend ergänzten, beziehungsweise erneuerten. Erst als im letzten Jahre bte Viehpreise be* beutenbet anzogen, zeigte sich sofort eine größere Kau stuft für junge Tiere, insbesondere für Ferkel, und augenscheinlich das Destteben, auch bie Kälber, junge Ochsen unb Rinder thunlichst zurückzuhalten, um möglichst noch höhere Preise zu erzielen. Daher der ausfallend starke Rückgang bes Auftriebs im letzten Iahte. Die Zahl der gewerblichen Schlachtungen ist beim Großvieh 1900 sehr erheblich, 1901 etwa in gleichem Umfange wie die Bevölkerung gestiegen; bei den «Schweinen hat sie stark abgenommen, besonders in den größeren Städten. Diese Verminderung des Schweinesteischronsums dürfte ebenso wie der geringere Auftrieb eine Folge der erheblichen Preiserhöhung für «Schweine sein. Es steht deshalb zu hoffen, daß der Verbrauch wieder steigt, sobald der Auftrieb von «Schweinen entsprechend anwächst und demgemäß die Schweinepreise sinken. Da der Preisrückgang schon eingetreten ist, so darf angenommen werden, baß bie Zahl der Schlachtungen bald wieder auf dem normalen Stand angelangt fein wird. Auch die Ladenpreise haben bereits wieder nachgelassen, wenngleich nicht zu verkennen ist, baß bereu Ansteigen unb Sinken nicht nur von ber Zahl ber Schlachtungen unb ben Viehpreisen, son- bem auch noch von anberen lokalen Einflüssen abhängig ist. Zar Situation im Reichstag. Die Geschästsorbnungskommission tritt Mittwoch zusammen zur Beratung ber Frage, ob ber tlebergang zur Tagesordnung auf Schluß- ober Vertagungsanträge ange- roanbt werben kann. Eine anbere im Verlaufe ber Obstruk- tionskämpfe ihr überwiesene Frage hat bie Kommission bereits entschieben, nämlich, baß ber Reichstag einen einmal gefaßten Beschluß über bie geschäftliche Verhanblung einer Vorlage ober eines Teiles derselben nicht abandern kann. Der Vorsitzende der Geschästsordnungskommistion ist bekanntlich «Singer. Nunmehr wird gemeldet, daß Vizepräsident Büsing aus ber Kommission ausgeschie- ben sei. Von bem Vorstanb des Reichstags gehört ihr nur noch ber freisinnige Schriftführer Hermes an; bie anberen Mitglieder sind Dr. Hiebet von ben Nationalliberalen, Dr. v. Levetzow und Dr. Rettich von ben Konservativen, Gamp von ber ReichS'partei, Kirsch, Dr. Pichler, Nembold unb Roer en vom Zentrum, Träger von bet freisinnigen Volkspattei unb Werner von ben Antisemiten; der stellvertretenbe Vorsitzende ist Roeren. Zur britteu Lesuna oes Zolltarifgesetzes liegt ein Antrag Herolb, Dassermann, Surber ff, Limoura-Stirum vor, welcher bereits 200 Unterschriften trägt, bahingehenb, bie Minbestzölle ber Regierungsvorlage wiederherzustellen, aber ben Mindestzoll für Braugerste auf 4 Mk. statt 3 Mk. festzusetzen. Die Gefährdung deS Aerztestandrs. Tie eigentümliche Rolle, welche die Sozialdemokratie als Arbeitgeberin ber Aerzte spielt, bilbet ben Gegenstand einer längeren Artikelserie aus ber Feber des Tr. Marttn Ebeling, bie in ber „Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" erscheint unb bereits zu mehrfachen B?sprechungen in ber Presse Dnleß gegeben hat. Ter Verfasser schließt jetzt seine Ausführungen mit einem Hinweis auf die Gefahren, bie ber Allaemrinheit erwachsen müssen, wenn der Aerzte- stanb ber sozialdemokratischen Partei mehr unb mehr zw gebrängt wirb. Diesem Zustanb aber, meint Dr. Ebeling, nähern wir uns mit erschreckender Schnelligkeit. Es heißt in bem vorliegenden Artikel: „Was nützt ben Aerzten alle Ueberzeuaungstreue, was ihr Widerwille gegen bie sozialdemokratische Weltanschauung, wenn sie in ihrer Thätig- keit, ihrem Verdienst, in der «Sorge um Weib und Kind ganz abhängig sind! Wahrlich, es gehört der ganze «Schatz^ von idealem «Sinn, ben bie deutsche Aerzteschaft in sich' birgt, bazu, baß sie nicht schon weit mehr bet Sozialdemokratie entgegengereift ist, als es zurzeit noch, der Fall ist. Tie Zeichen der Zeit sprechen eine beredte, warnende «Sprache. Ist bie Organisation ber sozialistischen Arbeitgeber in ben Kassen gan^ ausgebaut. sinb in den Vorständen derselben bie letzten Widerstände besiegt, bann wirb ber beutsche Aerztestanb seinen Nacken unter baS sozialistische Joch beugen, vielleicht nicht aus Ueberzeugung, aber au9 — Hunger, aus Schutzlosigkeit gegen seine Arbeitgeber, bie i hn nur bann beschäftigen, wenn er zu ben ihrigen gehört. Unbegreiflich iffa es, wie wenig VerstänbniS auch in ben Kreisen ber Arbeitgeber bieles Ringen deS Aerzte- stanbes finbet, unb doch, welche lsefahr liegt in seinem Untergang! Eine Riesen-Finanzaktion. In der ganzen Geschichte des hohen Finanz- und HanbelswesenS steht vielleicht bie Transaktion in ihrer Größe einzig da, welche am 1. Dezember in ben Londoner Bureau? des Herrn Pierpont Morgan (22, Old Broab Street) stattfand, unb in beten Verlaufe über 10 Millionen Pfund Sterling bie Hände wechselten, indem in ber Dollenbung des großen Atlantischen Trustes dieser Riesenbetrag in Kassa resp. Ehecks an die bisherigen englischen Aktionäre auS- gezahlt wurde. Tie ganze Operation deckte, wie der „Germania" geschrieben wird, nur die Zahlung von 25 Proz. n Kassa von bem erhöhten Werte ber präsentierten Checks sowie 5 Proz. Zinsen auf ben vollen Betrag derselben seit dem 1. Januar 1901, welche Datum als ber Ausgangspunkt in ben Morganschen Verträgen mit ben englischen Dampferlinien fixiert wurde. Während der ganzen (Geschäftszeit/ d. h. von 10 bis 4 Uhr, strömten bie glücklichen Aktionäre Männlein unb Weiblein, in ben Offices bes Herrn Morgan aus und ein, und man sah nur zufriedene, sehr zufriedene Gesichter an ben Ausgangspforten. In ber City wirb biefer großartigen Transaktion wie sie noch nie bagewesen ist, um so mehr Bedeutung beigelegt, als es Herrn Morgan thatsächlich ohne «Schwierigkeiten gelang, diese umfangreichen Kassazahlungen einen ganzen Monat früher zu machen, als er verpflichtet war, nbem diese vertragsmäßig erst am 31. Dezember 1902 stattzufinben brauchten. Es kamen hierher die Mtionäre der in ben Morgantrust übergegangenen englischen Dampferlinien in Betracht unb zwar der White «Star Sine, ber Dominion Line, ber Atlantic Transport, ber American Steamship Co. und ber Leylanb Line. Das neue spanische Regiernngsprogramm. Das Programm bes neuen Ministeriums ist folgenbes. Die CorteS werden unverzüglich vertagt und später aufgelöst. Die Neuwahlen finden im April statt. Tie Regierung wird bie Gesetze betreffenb das BersarnmlungS- unb Vereinsrecht achten, mit unerbitterlicher «Strenge aber gegen jebe Ruhestörung einschreiten. Die Gemeinde- unb Generalräte werben im «Sinne ber Dezentralisation reformiert. Bezüglich ber Finanzen ist Mllaverbes Ziel, bas Gleichgewicht im Bubget herzu stellen. Die Marine soll reorganisiert und das «Schiffsmaterial wieder her gestellt werden. Serbinis zukünftige Politik. Das soeben veröftentlichte Programm bet neuen Re^ gierung besagt: Tie äußere Dolittk ber Regierung wird ernsthaft bestrebt fein, im wohlverstandenen Interesse Serbiens mit allen Großmächten und den übrigen Staaten gute und korrekte Beziehungen zu unterhalten. Besondere Sorgfalt werde bie Regierung der Erhaltung unb Fortentwicklung des bisherigen aufrichttgen Verhältnilles zu dem brüberlichen, Serbien zugeneigten russischen Reiche zu- toenben, ebenso sich bestreben, bie guten Beziehrmgen zu ber österreichisch-ungarischen Monarchie, mit der Serbien durch so viele wesentliche nachbarliche Interessen verbunben Ist, zu psleaen unb immer mehr zu befestigen. In ber inneren Politik werbe bie Regierung auf bem Boden der BerfassmigSmähigkeit und Gesetzlichkeit stehen und ihr Hauptaugenmeri auf bie Erhaltung strenger Ordnung im Laube richten. «Die werde Borkehrungen treffen, damit die erfahrungsgemäß notwendige Revis'vn der Verfassung auf regelmäßigem Wege durchgeführt werbe. Ter Ordnung der Staatsfinanzen werbe die Regierung bie größte Aufmerksamkeit schenken, burch rationelle «Sparsamkeit bie Staatö- auSgeben zu verringern suchen unb ernstlich dafür sorgen, baß Serbien auch künftig seinen Berbinblichkeiten pünktlich nachkomme. Deutsches Deich. Berlin, 7. Tez. Ter Kaiser hörte gestern vormittag im Reuen Palais von 10 Uhr ab bie Vorträge des Staatssekretärs des ReichSmarineamts und des Chef? des Marineamts. Kaiser Wilhelm hat dem österreichisch-ungarischen Minister des Auswärtigen Grafen Goluchowski fein photographisches Bildnis in reichem Rahmen mit der eigenhändigen Widmung zur Erinnerung an die Erneuerung des Treibrmbes übersandt. Diese lleberfenbung wird von ber „N. Fr. Pr." als ein Beweis dafür anxesehen, daß Entscheidung über die Handelsverträge, in Anbetracht ihrer hohen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung auf ein freundschaftliches Entgegenkommen Deutsch- lands gerechnet werden könne. — Der deutsche Kreuzer „Vineta" und das britische Kriegsschiff ,Lndefatigablc" ankern vor Guayra, um mit der Exekutive gegen Venezuela zu beginnen. — Ter preußische Eisenbahnmini st er beabsichtigt, die Hauptschnellzuglinien mit Beschleunigung zum Ausbau mit verstärktem Oberbaumaterial zu bringen. Schwerin, 6. Dez. Die Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich der Niederlande sind heute vormittag 9 Uhr nach herzlicher Verabschiedung von der Herzogin Maria mittels Sonderzuges nach Schloß Loo abgereist. Dresden,?. Dez. Zur Verminderung der A r b e i t s - not haben Nat und Stadtverordnete beschlossen, Nvtstands- arbeiten vornehmen zu lassen, unb hierfür einen Betrag von 100000 Mark ausgesetzt. München, 6. Dez. Wie die „M. N. N." melden, hat sich Staatssekretär Nieberding gestern in der von Professor Dr. Cversbusch geleiteten Universitätsaugenklinik einer Staroperation unterzogen, die einen glücklichen Verlauf hatte. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „In mehreren Müttern werden irreführende Angaben über die Stellung der verbündeten Regierungen zur Frage der Handelsverträge, über bereits schwebende HandelSvertragSver- Handlungen mit anderen Staaten und endlich über eine „neue Militärvorlage" als „Wahlparole verbreitet. Alle diese Behauptungen, deren Absicht leicht zu durchschauen 'ist, sind auS der Luft gegriffen." Heer und Flotte. Aufsätze über Seewesen für unsere Volks- Lchu lle s e bü che-r hat das Präsidium deS Deutschen »FlottenvereinS in einem kleinen Heft zusammengestellt, daS von der Geschäftsstelle deS Vereins, Berlin NW. 7, Dvro- 'theenstraßc 4211, an die Herausgeber und Verleger von Dolksschullefebüchern, vor allem aber auch an Lehrer, auf »Verlangen unentgeltlich abgegeben wird, solange der Vorrat reicht. Dieser ist allerdings nur noch ein beschrankter, da die infolge der neuen Rechtschreibung notwendig 'gewordene Umarbeitung der Volksschullesebücher bereits einen beträchtlichen Teil der Auflage diese« Diichleins beansprucht hat. Tic Themata der Aufsätze sind: Deutscher Heldenmut zur See lDer Untergang des KaivonenbooteSi ,^JltiS", „Die letzte Fahrt des Leutnants z. S. Herzogs Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg, Deutsche Helden vor den Taku-Forts), Ein deutscher Seedampfcr, Ein deutsches ^Kriegsschiff, Eine Schiffswerft, Ter Stapellauf eines Kriegs- schiffes, DaS RetffrngSwescn an den deutschen Küsten, Der Deutsche KricgShafen Kiel, Der deutsche .KriegShafen Wil- HelmShaven, Tic Bedeutung des Kaiser Wilhelm-Kanals, Unser Kaiser und die Flotte, Warum bedarf Teuffchland einer Seemacht? Ausland. Wien, 7. Dezember. Die Neuwahlen zur Kammer werden im April stattfinden. Die Regierung wird daS Vereins- und VcrsammlungSrecht nicht beschränken, aber gegen jeden Versuch, die Ruhe zu stören, energisch auf- treten. Rom, 7. Dez. In der Kammer fand gestern eine Debatte über das bevorstehende Duell der französischen und italienischen Fechtmeister statt. Ein Abgeordneter verlangte ein gerichtliches Verfahren gegen die Duellanten und deren Zeugen. Der Justizministcr erklärte, das Gesetz werde streng gehandhabt werden. Es wurde die Frage aufgeworfen, den Staatsanwalt sofort eingreifen zu lassen. Unter diesen Umständen ist es zweifelhaft, ob das Duell auf italienischem Boden stattfinden wird. Brüssel, 6. Dez. General Delarep erklärte vor seiner Abreise, er habe, bisher seitens der englischen Regierung kein Wort deS Dankes für die Freilassung deö Generals Methuen vernommen, die seinerzeit so .große Befriedigung hervorgerufen habe. Ter General erklärte ferner, daß die Durenflagge nur mehr weiß und schwär zsei, weiß wegen des Krieges und schwarz wegen der Trauer, worauf ein Anwesender sagte, man werde auch eine dritte Farbe hinzufügcn können, nämlich die Grüne der Hoffnung. Delarep antwortete hierauf nicht?. Parlamentarisches. An die Zweite Kammer der Stände ist em Antrag deS Abg. Haas (Darmstadt) und 44 Genoßen gelangt, in dem gefordert wird, die Kammer wolle eine Re- viston der land ständischen Geschäftsordnung vom 17. Juli 1874 beschließen und zu diesem Zwecke einen Sonderausschuß wählen. — Abg. Dr. Frenap und Gc- nosien beantragen, die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, mit aller möglichen Energie dahin zu wirken, daß endlich den durch die übermäßigen, stets wiederkehrenden Einquartierung S la st en geschädigten Gemeinden in der Umgegend von Mainz eine Entschädigung gewährt wird oder durch Errichtung von Baracken die EinquarticrungSlasten genommen werden. — Ein Antrag der Abqq. Molthan und Genoffen lautet: Hohe Kammer wolle Großherzogliche Regierung ersuchen, angesichts der fortwährenden Zunahme trügerischer Ausverkäufe die Beamten der Staatsanwaltschaft und die Polizeibehörden dahin zu verständigen, daß die Veranstaltungen solcher trügerischcrAuSverkäuse nicht nur den einzelnen Mitbewerber, sondern große Gruppen von Gewerbetreibenden und vielfach auch daS Publikum schädigen und deshalb im öffentlichen Interestc von AmtSwegen zu verfolgen und zur Anzeige zu bringen sind. Aus Stadt und Land. Gießen, den 8. Dezember 1902. •* Hofnachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog emvsingen am 6. Dezember u. a. den Landgerichtspräsidenten Kullmann von Gießen, den Lehrer Rückert von Großen -Vuseck und den Vorsteher der Präparanden - anstatt in Lich Wagner. - Auszeichnungen. Se. Kgl. H. der Großherzog haben Allergnädiqst geruht, am 19. November dS. Zs. dem UebergangSstelleverwalter Johann Peter Hörr I. zu Heb- stahl auS Anlaß seines Ausscheidens au« dem Dienst da? Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift .Für treue Dienste^ zu verleihen. — Der Bauer'sche Gesangverein beging am arteigen Sonntage seinen L ieder-Abend in SteinS Saalbau und zwar, rote rotr gleich hinzufügen wollen, mtt besten Ge- fingen. Das Programm war ein sehr reichhaltiges, gut gewählt, enthielt zwar nicht viel Neues, dafür aber prächtige, erprobte Chöre aus dem Gebiete des Volks- und Kunstliedes. Gesungen wurde, wie wir dieses bei dem geschätzten Verein gewohnt sind, ausgezeichnet. Tadellose Einsätze, gehauchtes Piano, ausgeglichenes Crescendo und Decrescendo sind geradezu als Spezialitäten dieser Sänger unter Pol sterS energischer Leitung, zu bezeichnen. Ehrlich war deshalb auch der Beifall des zahlreich erschienenen Publikums, hin und wieder so stürmisch, daß mir eine Zugabe auswendig gesungen wurde, die Wellen glätten konnte. •* Kirchen-Konzert am Mittwoch den 10. Dezember mit Hauptprobe am 9. Dezember. Wir machen hiermit unsere Leser noch einmal auf das Konzert in der Stadtkirche aufmerksam. Die Hauptprobe am Dienstag wird zu dem bescheidenen Preise von 1 Mk. geboten, aber auch der Eintrittspreis für Mittwoch ist im Hinblick auf die Bedeutung des Werkes, seiner Mitwirkenden und vor allen Dingen der großen Kosten halber als überaus mäßig zu bezeichnen. Im Anschluß hieran müßen wir des wunderlichen, uns nicht vereinzelt gemachten Einwurfes erwähnen — „Ich habe das Werk schon gehört*. — Als ob man das BrahmS'sche Requiem nicht wiederholt hören könnte, hören müßte, um auch nur einen Teil der unvergleichlichen Schönheiten, die das grandiose Werk bei jeder Wiederholung uns von neuem offenbart, zu verstehen und zu genießen. Kretz sch mar sagt in seiner ausgezeichneten Besprechung (im Konzertführer) ganz zutreffend, daß BrahmS feinem Werk, gegenüber geschichtlich strengem Urteil, zu Unrecht den Tttel Requiem giebt, DaS Requiem ist eine Totenmesse, BrahmS bricht aber vollständig mit der Form und dem Inhalt der Meffe, nichts erinnert mehr an ihre Zeremonien und Dogmen. DaS katholische Totenamt ist eine Fürbitte für die Ruhe der Toten, das Requiem, wie es Brahms gestaltet hat, gleicht einer Predigt. — Der gestrige Sonntag, den man in der Welt der Weihnachtsgeschenk-Verkäufer als den kupfernen bezeichnet, ließ noch viel von dem üblichen Zustrom Kauflustiger auS der Nachbarschaft vermißen. Die strenge Kälte hielt viele auswärtige Käufer noch fern und die Einheimischen beschränkten sich vorläufig anf das Beschauen der Auslagen. Besonders am Abend, als die Ladeninhaber „ihr Licht leuchten ließen", war die Ansammlung mehr oder minder wählerisch Veranlagter vor den Schaufenstern groß; sie gab auch zu Betrachtungen darüber Anlaß, ob das von den Ladeninhabern begehrte Offenhalten der Schaufenster an den Sonntagen überhaupt zu gestatten sei. In vielen größeren Städten Preußens dürfen von jeher die Auslagen an den Sonntagen sogar bis in die Nacht hinein offen gehalten werden.. Das Straßenbild ist infolgedeffen ein entschieden freundlicheres und veranlaßt viele Fremde, ihren Aufenthalt in der Stadt um mehrere Stunden zu verlängern, sicherlich nicht zum Schaden der Geschäftsleute, besonders der Gastwirte. Trotzdem die Polizei gestattet hatte, die Verkaufszeit bis abends 10 Uhr auszudehnen, traten punkt 7 Uhr die Rollläden nach unten in Thätigkeit. Sogar die auf möglichst lange Verkaufszeit bedachten Cigarrenhändler schloffen ihre Zelte. Andere Ladeninhaber, besonders viele Metzger, machten schon um 3 Uhr Ladenschluß. — An Unterhaltung und Vergnügen bot der gestrige Sonntag wenig, wenn man von der Tanzmusik auf der Liebigshöhe und der von der Gesellschaft Germania in der Stadt Lich veranstalteten absieht. — Der Bauer sche Gesangverein gab ein gut besuchtes Konzert in Steins Garten; über dasselbe berichten wir an anderer Stelle. — Die Eisbahn war verhältnismäßig schwach besucht, der eisige Nordost psiff auch zu scharf über die Fläche und um die Nasen und Ohren der Schlittschuhläufer. Wenn die Kälte noch anhält, wird auch die Lahn in ihrer ganzen Breite erstarren; Versuche auf ihre Tragfähigkeit wurden schon von waghalsigen Buben gemacht. Die W i e s e ck ist oberhalb der Stadt ganz zugefroren, zur Freude der sich in Scharen darauf tummelnden Wiesccker Jugend. — Ein Menschenauflauf. Am SamStag Abend kam eS auf dem SelterSweg zu einer kleinen Rauferei. Ein anscheinend betrunkener Arbeiter entwand dem dortigen Kastanien- oerfäufer einige Kastanien. Letzterer erzürnt darüber, bearbeitete den Dieb mit feinen Händen derart, daß die Paffanten stehen blieben unb dem Vorfall zusahen, bis der Uebelthäter arg zugerichtet sich zurückzog. ** Ein Todes stürz. In der Nacht von Freitag auf SamStag stürzte sich in der medizinischen Klinik ein Mann, anscheinend in einem Anfall von Geistesstörung, aus dem zweiten Stock zum Fenster hinaus, wobei er sich einen Schädelbruch zuzog. Den durch den Sturz verursachten Verletzungen ist er bereits erlegen. ** Statstik über da? VolkSfchulwef en im Kreise Gießen im Schuljahre 1902. Die Schülerzahl des Kreises beträgt 11614, davon entfallen auf die Stadt 2130, aufs Land 9484 Schüler; nach dem Geschlecht sind 5870 Mädchen unb 5744 Knaben; nach ber Religion gehören runb 11 200 ber evangelischen, 200 ber katholischen, 180 ber israelitischen unb etwa 30 einer anberen Konfession an. Im Ganzen sind im Kreis 196 Schulsiellen vorhanben, bauen 44 in Gießen unb 152 auf bem Laub. Auf einen Lehrer kommen in der Stadt Gießen runb 50, in ben Landorten 63 Schüler. Von den Schulen sind 39 einklassig, 22 zweiklassig, 7 dreiklassig, 7 vierklassig, die übrigen mehr als vierklassig. lieber 100 Schüler hat nur eine Klaffe, über 90 — 7 Klaffen, über 80 — 16 Klaffen. Im Vergleich mit 1901 hat die Zahl der Schüler um 205 zugenommen, die Zahl der Schulstellen unb Lehrkräfte um fünf. 1901 gab eS noch 4 Schulen mit Über 100 unb 3 mit über 90 Schüler. Als Kuriosum muß erwähnt werben, daß eine Schulstelle an einer zweiklassigen Schule infolge steter Abnahme der Schülerzahl einging, sodaß die Schule wieder einklassig wurde. Die Schülerzahl hat in der Stadt Gießen bedeutend zugenommen, ist aber auf dem Land zurückgegangen. Die Zahl der Fortbildungsschule,: betrug im vorigen Wmter 1712, davon waren 1682 evangelischer, 13 katholischer und 17 israelitischer Religion. Ein Jahr vorher waren eS runb 1750 Fortbildungsschüler. ** DaS Ende deS schwarzen Mantels. Der Kaiser hat bestimmt, daß vom 1. April 1903 ab schwarze Paletots von Offizieren und Beamten der Militärverwaltung nicht «ehr getragen werden dürfen. Bisher war eS den Offizieren gestattet, die älteren schwarzen Mäntel neben ben neuen grauen cmfzutragen; das bürste nun in ben meisten Fällen geschehen fein. ]r. Grün berg, 7. Dezember. Gestern abenb brach in der Wohnung deS Sattlers und MöbelhänblerS Louis Breiter, Lonborierstraße, Feuer aus. Die alSbalb auf ber Brandstelle erschienenen Feuerwehr fand den Brand schoy soweit gelöscht vor, daß sie die Svritzen nicht mehr in Thätigkeit setzte. Der mehrere hundert Mark betraijenbe Schaben ist durch Versicherung gebeckt. . + Grünberg, 7. Dez. Gegen die Wahl deS Sinti, semitcn Hirichel-Offenbach als LandtagSabgeordneter für ben Wahlkreis Grünbcrg-Lonbors-Allendorf haben die Rasional. liberalen Berufung eingelegt, da durch Reuther nnb anbete Agitatoren in den Orten Atzenhain, Merlau, Groß-Eichen unb WcikartShain unerlaubte Agitationsmittel, wie Freigetränk urb andere verwerfliche Machinationen angewandt worben sein sollen. In einzelnen Orten soll die Wahlbeeinfluffung sehr stark gewesen fein. Man hofft deshalb auf sicheren Er. folg der Reklamation. Die Niederlage hatten damals blc Nationalliberalen nur durch daS Zögern bei Aufstellung ihres Kandidaten selbst verschuldet. Da Moll gegen Hirschel nur mit einer Stimme unterlag, so dürfte der cvent. neue Wahlkampf ein sehr scharfer werden. Offenbach, 7. Dez. Aus der Lokalbahn trug sich gestern nachmittag ein bedauerliches Unglück zu. Der in Offenbach stationierte Schaffner Burkhardt hatte in Ober- rab kurz vor Abgang des Zuges die Koupierzange verloren, wollte sich schnell danach bücken unb glitt dabei auS, sodaß ihm der Zug, der sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, über die rechte Hand ging. Mainz, 7. Dez. St. Nikolaustag ist heute, der gttxr in unserer Gegend nicht solche Bedeutung hat, wie in Süd- deutschland, aber doch iu den Familien immerhin viel dazu benutzt wird, die Kinder am Vorabend zu erschrecken. Daß das am Nikolaustage ebenso verwerflich ist, wie sonst, liegt auf ber Hand. Es sei, so schreibt der „TL Anz.", aber bet dieser Gelegenheit an daS traurige Unglück erinnert, baS sich im Vorjahre in Ludwigshafen ereignete. Dort huldigte eine Bäckersfrau (Fenchel) ebenfalls der verwerflichen ErziehunqS- methode, ihr vierjähriges Söhnchen durch den Knecht Ruo- precht, den sie selbst darstellte, einzuschüchtern. DaS mi- glückliche Kind wurde dermaßen von Schrecken ergriffen, daß es augenblicklich an Herzschlag verschied. Da; Drohen mit dem „Volizcimann", dem „SBauroau* oder auch dem „schwarzen Mann" und dergleichen Schauergestalten ist überhaupt eine der rohesten Erziehungsfünden, die der Un- verstand deS Bangemachens reifen konnte. Diese Methode stellt den Eltern daS elendeste Zeugnis auS; beim mit derartigen Drohungen gestehen gedankenlose Mütter unb Kinber- mäbchen :c. selber ein, baß bic Autorität deS angerufenen SchreckensgcfpensteS ihre eigene überragt. Gespenstererfchet- nungen sinb unb bleiben die allererbärmlichsten unb dabei auch allergefährlichsten Mahnungen an Kinder zu besonders artigem Betragen. Frankfurt a. M., 7. Dez. Der Bund deutscher NahrungSmittel-Fabrikantcn und -Händler faßte auf seiner heute hier abgehaltenen JahreS-Dersamm/My folgende Beschlüffe: ES soll in einer mit Gründen versehenen Eingabe beim Reichskanzler beantragt werden, daß die technischen Materialien zur Begründung gesetzgeberischer Maßnahmen auf dem Gebiete der NahrungS- unb Genußmittel, bevor sie als Grunblage ber Gesetzgebung verwanbt werden, veröffentlicht unb ben berufenen Vertretern ber beteiligten Kreise zur Begutachtung vorgelegt werben. — Es sollen neben den Gerichtschemikern, auf deren Gutachten eine Anklage erhoben wird, auch andere Sachverständige zugezogen werden. Der Bund beauftragt einen Ausschuß mit der Ausarbeitung eines NahrungSmittelbucheS und wünscht Beseitigung bei fliegenden Gerichtsstandes. DaS Reichsamt deS Innern soll ersucht werden, dahin zu wirken, daß ber NahrungSmittel- Fabrikant nur am Orte seiner gewerblichen Nieberlaffung vor Gericht gestellt wirb. Frankfurt, 6. Dez. Heute Vormittag wurde m einem Garten Hause in Sachsenhausen ber 70jahrige Tag- löhner Martin Nehr auS Stockstadt erfroren aufgefunben. Landwirtschaft. Gießen, 6. Ttfr. Uns wird geschrieben: Genossenschaftlicher Verkauf des geernteten Getreides bürgert sich in Süddeutschland, auch in Baden immer mehr ein. Man muß sich aber entschließen, Getreidelagerhäuser Ui bauen, da, wie die Erfahrung gelcbtt hat, die Ablieferung nicht immer so sorgfältig erfolgt und in einem Orte eine gleiche, kaufmannsgute Ware selten vorhanden ist, und weiter, weil die Landwirte int Herbst oder sofort nach ber Ernte verkaufen muffen, während der Konsument, Bierbrauer, Mälzer, Müller, nur auf Lieferung kauft, die sich auf rin halb'-? Zohr und mehr erstrecken kann. Der GenosscnschaftSverband muß daher die Ware abnehmen und einlagern. Zu diesem Zwnft in allen Gegenden Lagerhäuser zu bauen, wird nicht mösi- lich sein, da der Anbau des Getreides nicht überall Hauptrolle im landwirtschaftlichen Betriebe spielt. In bfl IRljeinebene z. B. kommt nach dem Bericht deS babi'ÄW GenossenschastSverbandeS nur Gerste und etwas Roggen in Betracht, die meist gut gereinigt sind. Für diese Fälle werden durch den Verband rn Mannheim, Karlsruhe, Kehl. Freiburg, Basel, vorhandene Getreidespeicher gepachtet werden. — Baden braucht keine Lagerhäuser zu erbauen wie Norddeutschkand. die einige hunderttausend Mark kosten. Er baut vielmehr Lagerhäus-r mit Gleisanschluß die sich mit 20—35 000 Mark herst-llen kaffen. Tas C*e* treidelagerhauS in Schefllenz. im Betriebe befindlich ist 25 Meter lang und 12 Meter breit, wurde gant auS 5wlz aufgeführt und best-ht aus einem unteren Stock für Ein- und Ausladen, vorübergehende Lagerung in Säcken, Lagerung für Düngemittel imh Futtermittel: einem weiten Stock, der als Schüttboden benutzt wird, sowie einem Tachaufbau wr Unterbringung der Reinigungsanlage. — Die Ma'chinen bestehen ait? der Reinigungsanlage, über die sämtliches Getreide geben muß, Trieure rur Herstellung von Saatgetreide, einer Schrotmühle auf welcher aller Abfall geschroten und so von den Mitgliedern ;urückgenommen werden muß, damit auck sicher olle Unkrautsamen vertilgt lind. Es können 30—40 Baggon gleich sechs bi? achttausend Zentner in einem Getreidelagerhaus untergebrachl werd«. !?. "itnb ,6t,Wnb!,ts^ ", «'M ,, tn .*»!>!< 'n Nicht ^'4 Sm?" *»" mb öS fr. m' ro"s"* V“' E'n M ; lt,*k .»« HW. ■ ^ent. neue ’fjMn tm "tzck zu. rbt hatte in y;w Note ltt habe, au;, fe,? ,c9un9 gcsckit lsk heute, bei $ z hat, wie in $ immerhin rid ig Zu erschrecken, i ist, wie sonst, Ip ,M- Anz/, *f erinnert, te- Dort huldiD erblichen Erzitt.- den Knch i Züchtern. Te- hrecken ergrisso . verschied.-. Wauwau' obni i TchauergesioK ünben, die ba ü ntc. W Mit quS; bm mit btt« ! MW mb flinbet« tat bri unqeniientn |f. 8espenste«D:> mlichftn imb to Binder zu deM $unb beuifi b -Ländler V sres'De^E Mieden ner o*i werden, L zeschyeberisch:l^ s- und ®enur ng verwandt uß eiern der belttf i. - ES M« )ten eine Anklffk ;e zugezogen M mit der MW scht Beseitigung • Samt des 3nr,! g derBahninM- hen Niederlassung* gormittog roar-; der 70jäW 3 toten ausgesund^ «Z rs% .«SÄ »?«s es md» " ftfl «*■ d-5'E^> -d-n „ all' l' B ",id- ?'7 nommen werden soll. 122 00 44.05 . 102 00 . 91 15 . 101.80 . 91.05 Reicb*anlefhe do. Konsole ♦ do . . Hoesen 3,/n SToxOrnnor 41/9 / Chinesen Electric. Rev uckort Nordd Lloyd . . KrodlHk+ion Drskonto-Kommandii DarmRt8dfnr Rank Dresdener Ba^k . Rer in er Handeletres, Ooeten- Staat* bahn Lombarden . . Haftbar 'bahn . . Lanra1 Otte . . . Raehnm .... Harpener . . . TendwTt f*« 9Vto/o »Vi 3V.®/o 3°/n 1. 5 Tage Gefängnis und Zuer- an den Beleidigten. — Beim . 99 80 . 102.90 101.60 . 101.50 . 108.10 . 49.60 . 31.10 Vermischtes. * Thorn. 6. Dez. Seit vier Tagen herrscht hier nr strenge Kälte. In der letzten Nacht ist das Baro- r -ter im Freien ans 22 Grad C. gesunken. Alle Eisenbahn- uZqe erleiden erhebliche Verspätungen. Da im südlichen I eite von Weltpreußen die Schneedecke nur schwach ist. wird dLl'ürchtet, daß die Wintersaat unter dem starken Frost zu < den hat. Auf der Weichsel ist jetzt im ganzen preußischen s % Oh»rhe88on . . . 4% Ooeferr. Goldrerte 4V\% Ooeferr. Rilborrente 4% Unrat. Holdronte . . 40/ TtaVen Rente . . . 4Vt % Partnerles-n . . . 0/ PorfnflHesen, . . . 1 % C. Türken . . . Tflrkenl ose..... 4% Griech. Monopo1 - Anl. 41'. % fitiweero Ar»onfmer . 24 40 . 90 50 . 7R30 . 95 00 . 210 50 . ]RR 90 . 136.00 . 142.00 . 156 20 . 146 20 . 17 05 179.60 . 203 00 . 168 80 . 16&00 Forderungen an den Nachlaß der verstorbenen Frau Johanna Petri dahier bitte ich zwecks Berücksichtigung bei der demnächstigen Regelung des Nachlasses binnen 8 Tagen bei mir anzumelden. 8564 Grünewald, Rechtsanwalt. Dittoria-Drogerie, Marttür. 5. Fleckwasser § rum Entfernen von Fett-, Harr-, Cc(- und Schweißflecken, sowie rum Reiniaen empfindlicher Stoffe, kein« Ringe hinterlassend, in Flaschen A 40 und 75 Pf., bei Adolf Bieler. luitungen zerstört. „ * Konstantinopel, 6. Dez. Die Seeräuberei im Roten Meere dauert fort. Kürzlich ist em Segelschiff unter englischer Flagge angegriffen und ein Mann der Be- s.!tzung getötet worden. Der Botschafter reklamierte 20 000 Francs Entschädigung. In den Kreisen der Pforte argwöhnt trän, die Sache sei lediglich arrangiert worden, um einen weiteren Vorwand für eine englische Aktion m Venezuela zu haben. (Rrnrhttilrtfll. M. Gießen. 5. Dez. 1902. Strafkamme r. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklaaevehorde oer* frtat Staatsanwalt Hoos. - Der Konditor August Fran, von Wetzlar ist wegen Körperverletzung, gemeinschastlmi mit einem nn- ter en begangen, vorn Schöffengericht Gießen zu einer (SclöitrnTe mn 25 Mk. verurteilt worden. In der Nacht vom 24. out den 25. Snaitft d. I. lief ein Betrunkener am Bahnhof Dießen angeblich mit einem Messer in der Hand herum. Ter Angeklagte behauptet, ter Betreffende sei auch auf ihn zugelaufen, er habe sich deshalb sm: bedroht gehalten und mit seinem Stock auf ihn emgeschlagen. saill gemeldet. '"Mailand, 6. Dez. Gestern Abend 6 Uhr fand n« Earrara ein heftiges Erdbeben mit unterirdischem Ge- Geschäft: bei Hornviey gut, Ueberstand keiner, bei Kleinvieh gut. Alles verkauft. . _ , . , m. , fo. Frankfurt a. M., 8. Dez. (Orig.-Telegr. des „Dießen. Am.'O Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 15.75,-00.00 Kurhefsifcher Äk. 15.50—15.76, La Plata Mk. 17.00—17.60, Kansas Mk. 14.60—00.00, Roggen Ihiesiger) Mark 14.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.50—16^0, Frankenfelder Mk. 00,00— 00,00, Haler Mk. 14.75—15.00, MaisMk. 14.00—14.25, Weizenmehl 0 Mk. 25.50—25.75, 2. Qualität Mk. 23.60 bis Mk. 23.75, 3. Qualität Mk. 21.60-21.75, Rogqenmehl 0 Mk. 23.00—23.75, 1. Qualität Mk. 21.75—22.76, Weizenkleie Mk. 8.50 bis Mk. 8.75, Roggenkleie Mk. 9.50—10.00, Mcusleime Mk. 10.00 bis Mk. 10.25, Franken, Pfälzer, Ried 9)It 00.00-00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. __________________ Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Derltn, 6. Tez. Rach dem „Deru Tagebk." wird der Kaiser diesmal nicht an den Letzlinger Hofjaaden teck- iiehmen. Dagegen wird auf das Erscheinen oeS Krow Die Deweisaufnahnw ergiebt, daß der Angeklagte den Betrunkenen, auch nachdem derselbe längst wehrlos am Boden lag, noch mit Stockhieben mißhandelt hat. Tas Gericht läßt es dahingestellt, ob sich der Angeklagte anfänglich in Notwehr befunden habe, war aber der Ansicht, daß die Mißhandlung des am Boden Liegenden rechtswidrig erfolgt sei und bestätigte daher das erstinstanzliche Erkenntnis. — Ter veizer Friedrich Rühl von Schierstein wird unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Perbrechens im Sinne des §176 Kiffer 3. St.-G.-B., bei Annahme mildernder Umstände zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. — Die Louise Laaber von Grüningen ist vom Schöffengericht Lich wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt, von der Anschuldigung der Körperverletzung und Beleidigimg jedoch freige- sprachen worden. Die Angeklagte begab sich eines Tages in das Schulzimmer zu Grüningen und stellte dort den Lehrer wegen der Behandlung eines ihrer schulpflichtigen Kinder zur Rede. Dieser ließ sich mit der Angeklagten in kein Gespräch ein, forderte sie vielmehr sofort auf, das Schulzimmer zu verlaßen. Ta die Angeklagte nicht freiwillig ging, mußte fte der Lehrer gewaltsam entfernen. Hierbei trat sie nach dem Lehrer und drohte ihm die Augen auszukratzen. Fn diesem letzteren Verhalten erblickte die Strafkammer eine thätliche und wörtliche Beleidigung des Lehrers und verurteilte aiis diesem Gesichtspunkt die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 10Mk. Auch das Delikt des Hausfriedensbruchs erklärte das Berufungsgericht für begangen, mangels Vor- liegens eines Strafantrags seitens des Lehrers jedoch für nicht strafbar. — Der Arbeiter Otto Böhm von Grünberg ist des Vergehens i. S. der §§ 180, 181 Str.-Ges.-Bs. angeklagt, die Marie Herzberqer der Uebertretuug aus § 361 Nr. 6 Str.-Gef.-Bs. Böhm erhalt 4 Monate Gefängnis, die Angeklagte Herzberger wird zu SWochen Haft und Ueberweisunq an die Landespolizeibehörde verurteilt. — Die Beriifung des Ludwig Fmmel gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, das gegen ihn wegen Bettelns neben einer Haftstrase auch auf Ueberweisung an die Landespolizeibehörde erkannt hatte, wird als unbegründet verworfen. fr. Gieße«, 5. Dez. Schöffengericht. Es wird zunächst gegen die Kellnerin Theodora A. aus Frankfurt wegen Betrugs verhandelt. Dieselbe hatte eine Heiratsannonce in eine Zeitung entnehmen lassen, auf Grund welcher ein früherer Eisenbahnsekretär aus Darmstadt mit der Angeklagten ein Verhältnis anknüpfte, das zum öffentlichen Verlöbnis führte. Der Herr glaubte besonders glücklich gewählt zu haben, denn seine Braut spielte sich als reiches und vornehmes Mädchen auf; sie habe 16 000 Mk. geerbt, die Nach- laßregulierung sei im Gange, ihre Großmutter besitze in Gießen ein hübsches Haus mit Garten und habe ihr, da sie Waise sei, 3000 Mk. zur Hochzeitsreise und eine angemessene Ausstattung versprochen ; sie selbst sei Gesellschafterin in Gießen, ihr Bruder Arzt. Ter liebenswürdige Bräuttgam sand sich wiederholt bereit, seiner Braut, der zufällig die Zinsen ihres Vermögens nicht rechtzeitig ' zugegangen feien, Geldbeträge in schließlicher Höhe von 300 Mk. so- ' rote Geschenke aller Art einzuhändigen. Sehr bald aber stellte sich 1 heraus, daß die verlockenden Angaben der Angeklagten völlig erdichtet roaren, daß sie eine mittellose Kellnerin fei und daß ihre , Großmutter von der Stadt unterstützt werde. Der betrogene , Bräutigam zögerte, den zur Verfolgung des Betrugs unter Verlobten erforderlichen Strafantrag zu stellen, da er neben dem Schaden nicht auch den Spott tragen wollte. Als er aber auf feine Weise zu seinem Gelde kam, übergab er die Sache doch dem Gericht. Es war jedoch zu spat, denn die von Kenntnis der strafbaren Handlung an lausende Antragsfrist von drei Monaten war bereits abgelaufen. So mußte denn heute durch Urteil das Verfahren eingestellt werden. — Der Kellner Wilhelm Kr. zu Gießen war angeklagt, den Straßenwart Heinrich Hahn öffentlich beleidigt zu haben, indem er denselben, der ihn bei einem Feldfrevel ertappte, einen „frechen Kerl* nannte. Da? Großh. Kreisamt hatte als vor- gesetzte Behörde des Beamten Strafantrag gestellt. Tas Urteil lautete auf 16 Mk. Geldstrafe cd. c ”’*** •—k kennung der Publikationsbefuqnis an den Beleidigten, Tanze gelegentlich eines Kirchweihfestes zu Burkhardsfelden gerieten die Cteinbruchbesitzer H. und G. daselbst mit den Eheleuten Christian M. aus Reiskirchen in einen Streit, der von feiten der ersteren in Thätlichkeiten ausartete. G. versetzte demM. einen Schlag mit einem Bierglas unter das linke Auge, während H. ihm mit einem barten Gegenstände auf den Kopf schlug. Beide warfen dann die Eheleute M. unter einen Tisch, gaben ihnen Faustschläge und Tritte, sodaß der Mann erhebliche Verletzungen erlitt, die Frau mehrfach in Ohnmacht fiel. Wegen ihrer überaus rohen 2bat erhielten die Angeklagten eine Gefängnisstrafe von je zwei Monaten. F. Gießen, 5. Dez. Gewerbegericht. Der Kneckit Andreas P. hier verlangt von dem Fuhrunternehmer H. wegen kündigungsloser und unberechtigter Entlaffung 36 Mk. Schadenersatz Ter Beklagte wendete ein, daß Kündigung in seinem Geschäftsbetrieb ausgeschlossen sei, auch habe ihm der Kläger ein Pferd derart mißhandelt, daß das Publikum einen Schutzmann herbei geholt habe. Kläger entgegnet, daß ihm nicht gesagt worden sei, daß Kündigungsfrist nicht, bestehe; auch habe er das Pferd nicht mißhandelt. H. erbot sich, den Kläger noch 14 Tage beschäftigen zu wollen, jedoch nicht als Pferdeknecht, sondern als Arbeiter in seiner Sandkaute. Der Kläger geht darauf nicht ein. Das Gericht erließ Urteil dahin, daß der Beklagte den vereinbarten Lohn bis zum 16. d. M. an den Klager zu zahlen habe, wenn dieser alsbald die ihm an- gebotene Arbeit annebme und verrichte. — Der Knecht Wilhelm E. hier hat den Kaufmann H. hier auf Entschädigung verklagt, weil ihn dieser ohne Kündigung entlaßen habe. Da die Kündigungsfrist 1 Monat betrage, berechnet er den Schaden auf 73 Mk. (44 Mk. Lohn und 29 Mk. für entgangene Kost). Der Beklagte wendet ein, daß Klager 44 Mk. Monatslohn neben freier Kost zu beanspruchen habe und er gebe zu, den Kläger ohne Einhaltung der Kündigungsfrist entlaßen zu haben, nachdem derselbe schon seit ca. 3 Wochen seine Kost verschmäht d. h. zum Esten nicht erschienen sei und mm die Kost in Geld habe umgewandelt sehen wollen. Er sei bereit, dem Kläger, sofern er bis zum 31. Dezember Arbeit nicht angenommen und zum Äsen bei ihm erscheine, den Lohn mit 44 Mk. auszuzahlen und das übliche Weihnachtsgeschenk zu geben. Klager ist damit nicht einverstanden. Es wurde weiterer Termin anberaumt und dem Kläger aufgeqeben, die Höhe seines Schadens nachzuweisen. — Als letzte Sache kommt die Klage des Gerbergesellen R. von Bobenhansen gegen Gerbereibesitzer L. hier, über welche wir bereits berichteten, zur Verhandlung. Drei Zeugen wurden zur Sache vernommen. Entscheidung konnte jedoch nicht erlassen werden, weil noch ein weiterer Zeuge, welcher erkrankt ist, ver- Siromgebiet Eisstand eingetreten. Die Eisbrecharbeiten an b«r Mündung sind einstweilen eingestellt worden. * Großfeuer in Marienburg. Die alte deutsche -htfhnrftabt im Osten des Reiches, Marienburg, ist am ^2mstag früh wiederum von einer schweren Feuersbrunst l;omgesucht worden. Es liegt darüber folgender Bericht r>«m dort vor: Heute morgen um 3 Uhr ist hier rn der L-lraße, Hohe Lauben, in dem Teil, der von der F^uers- bmmst im Jahre 1899 verschont geblieben ist, ent Brand ansgebrochen, der rasch große Dimensionen annahm. Das ^-mer entstand in der Zuckerwarenfabrik von Dewitz, sprang umächst auf die benachbarten Geschäftshäuser von Oskar Trendt, Fereth und Ziegler über, verbreitete sich dann weiter, irib schon um 9 Uhr hatten die Flammen sechs Häuser zer- fojrt und drei weitere ergriffen. Die Feuerwehr, dte von dskr Garnison, welche die Brandstätte absperrt, unterstützt wvird, erhielt auf telegraphisches Ersuchen Hilfe von der l'anziger Feuerwehr; mit der Eisenbahn trafen eine Dampfsflritze'und zwei Druckspritzen ein. Anfangs waren die Löschmannschaften machtlos, da infolge der strengen Kalte das Wasser in den Schläuchen zu Eis wurde. Am Spätnach- miittag wurde weiter gemeldet: Elf Häuser sind niederge- b"annt, sechs mit der Front nach den Hohen Lauben, fünf mit der Front nach der Speichergasse. Das Feuer dauert fort, doch ist Gefahr nicht mehr vorhanden. Oberpräsident Delbrück straf gegen ein Uhr hier ein und besichtigte tu Wegleitung des Landrats und des Bürgermeisters von Ma- ri enburg die Brandstätte. , ' Paris, 7. Dez. Die Kälte halt noch immer an. Gestern sind nicht weniger als acht Personen erfroren aiifgefunden worden. Aus der Provinz wird starker Schnee- - Soweit die Großh. Generaldirektion in Baden freies gahngelände hatte, wurde dasselbe nebst Gleisanschluß oflenlos abgetreten. An den Stationen, wo das nicht Fall war, wurde von dem Genossenschaftsverbande die Zarbedingung gestellt, daß die betreffende Gemeinde das )«ugelände, sowie einen Zufuhrweg stellt. Tie Mitglieder ö-inen nun das eingelieferte Getreide sofort zu festen Mrktpreisen der Genossenschaft verkaufen oder auf ihre ^ichnung einlagern und Vorschüsse darauf erhalten, falls ta bessere Preise abwarten wollen. Alle Mitglieder müssen br cietreibe nur durch die Genossenschaft verkaufen. Wenn ibk Genossenschaft das Getreide fest übernimmt, so kann ittc Preis sofort oder doch nach einigen Tagen voll aus- »erzählt werden. Tie Genossenschaft zahlt nach Qualität, 1 h. es weiden zwei bis drei Qualttatsklas^en gebildet, luanit derjenige Landwirt, der sich Mühe giebt, und beste Zinucht anfährt, auch entsprechend mehr erhielt, wodurch ib! Genossenschaft erzieherisch auf die Mitglieder etnwtrkt. -In Vaden sind zehn Getreidelagerhäuser im vollen g,!trieb, vier sind im vergangenen Sommer erbaut, an- jeece zu erbauen in Aussicht genommen. Solchen Verlauf nimmt der genossenschaftliche Verkauf von Getreide, und )ar Einkauf von Dünge- und Kraftfuttermitteln in Baden. Me stehen wir in dieser Beziehung in Oberhessen, — jgerhaupt in Hessen? In unserer Nachbarschaft im ehe- miligeu Kurhessen sind eine Anzahl Getreidelagerhauier nn Betrieb, sie sind nur wesentlich großer als die badi- schen. Vielleicht passen die badischen Einrichtungen besser füir uns, als in Kurhessen. Außerdem wären wir nut derartigen Einrichtungen schon einen Schritt vorwärts ge- 'c-mmen, wenn wir uns von vornherein nicht das Ziel ;ui hoch gesteckt hätten. Bei den badischen Lagerhäusern Mint eine Einrichtung zu fehlen, die unseren Getrerde- 0 zerhäusern der Zukunft nicht fehlen dürfte: der moderne Trockenapparat, der feucht geerntetes Getreide sofort •Mcfnet und mahl- und lagerungsfähig macht. Niemals ke mmt der Landwirt in größere Verlegenheit, als wenn a feuchtes Getreide, das unverkäuflich ist, in seinen un- nireichenden Räumen Wochen hindurch, bearbeiten muß, «umt es marktfähig zu machen. Dabei leidet die Barkfahig- sL.higkeit, das Gewicbt, die Qualität, ganz abgesehen von Sc-m Aufwand an Arbeitslöhnen, durch den der magere 7^ldbeutel des Landwirtes noch mehr angegriffen wird. I er genossenschaftliche Verkauf deS Getreides, der genossen- jcAaftliche Einkauf der Düngemittel sind Aufgaben, die wir im den nächsten Jahren zu losen haben. Tie Provinz ist' und wird durch Nebenbahnen genügend aufgeschlossen. -tzt wird es auch die Aufgabe der Landwirte, die Ver- ü-irswege angemessen und fördernd für ihr darnieder- gendes Gewerbe austzunntzen. Prinzen gerechnet. , Berlin, 8. Dez. D-er Matro se Kohler ist gestern auf dem Schlulschiffe ^Steiu" in Neapel angekommen. Der Mörder wird auf dem Llovddamvfer „Sachsen" nach Deutschland weiter transportiert werden. Drei Ober^Na- trafen aus Wilhelmshaven sind bereits nach Genua abge-^ reist, um Kohler auf dem Rücktransport zu überwachen. Posen, 8. Dez. In der am SamStag stattaehabten außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung, die den bisherigen Oberbürgermeister Geheimrat Witting zum Ehrenbürger der Stadt Posen ernannte, wurde seitens der polnischen Abgeordneten ein geharnischter Protest verlesen, der sich gegen die Verleihung des Ehrenbürgerrechts wendete, da' der Oberbüraermeister es nicht verstanden habe, sich die Anerkennuna der Mebr- heit der DÄölkerung Posens zu erringen. Auch der Stadtverordnete Kaufmann Jäckel von der freisinnigen VolkS- partei protestierte namens ferner Freunde gegen die Verleihung. In der Mstimmung wurde die Verleihung trotzdem von der Mehrheit ausgesprochen. Als darauf Geheimrat Witting zur Entgegennahme der Ernennung erschien, verließen die polnischen Stadtverordneten und Stadtverordneter Jäckel ostentativ den Sitzungssaal. Am Schluß der Sitzung verabschiedete sich Geiheimrat Mtting von den beiden städtischen Körperschaften, wobei er erwähnte, daß der Kaisrer ihm gegenüber die Absicht kund-' gegeben habe, ihn für einen der wichtigsten Posten der Provinz ausersehen zu haben. Er habe jedoch den Kaiser gebeten, von diesem Beweis seiner Gnade Mstcrud zu nehmen, da infolge des Zwiespaltes in der Posener Bevölkerung sein Bleiben unmöglich fei. L0 nd 0n, 8. Dez, Die Kälte hat bereits m ehrere Opfer gefordert. Auch in der Provinz herrscht große Not unterj lden Arbeitslosen. Mehrers Lktzindert Reservisten aus Südafrika, die ohne Arbeit sind, durc^oaen die Straßen und hielten dabei Kollekten für sich und ihre Familien ab. London, 8. Dez. Die Morgenblätter berichten, daß heute die Beratungen betreffend das Nnterrichtsgesetz fortgesetzt werden. Es sind bereits von «verschiedenen Seiten Resolutionen eingebracht worden, welche gegen das Gesetz protestieren. Paris, 8. Daz. Der „Gaulois" beklagt sich über etn Vorkommnis, das sich in der militärisschen polytechnischen Schule abspielte. Der Kommandeur nahm den Sonntags-Appell ab, ohne den Kadetten zu gestatten, ihre Winterkleidung anzulegen, obgleich 7 Grad Kälte waren. Die Folge war, daß mehrere Kadetten erkrankten und ms! Hospital gebracht werden mußten. Halifax, 8. Dez. Bei einem Eisenbahn-Unglück auf der Strecke Halifax-Montreal wurden 7 Personen getötet und 12 verletzt. Tie Lokomotive entgleiste auf noch nicht aufgeklärte Weise und die nachfolgenden Wagen liefen auf dieselbe auf. Ter Lokomotivführer wurde getötet und der Heizer verwundet. Barcelona, 8. Dez. Die Polizei verhaftete gestern drei Anarchisten, welche Pamphlete verteilten. Ferner wurden eine Anzahl Maueranschläge entfernt, rn denen zum Anfinchr aufgefordert wurde. W i e n , 8. Dez. Eine offiziöse Note der MontaE-Revue bestätigt, daß der gestern abend hier eingetrvffene Ministerpräsident SM mit dem österreichsischen Kabinettschef Körber und dem Grafen Goluchowskh in Angelegenheit der Hande l s v e r t r ä g e und des ungarischen Ausgleiche - ftm- ferieren werde. — Wie die Montags-Revue weiter meldet, wird jOesterrekch-Ungarn den Handelsvertrag mit Italien am 31. Dezember d. I. kündigen, den Handelsvertrag mit Teutschland nicht kündigen, weil aus den Neuesten Derlmer Nachrichten zu entnehmen sei, daß, um Zeit und Rrihe zu den neuen Verhandlungen zu gewinnen, wahrscheinlich eine Verlängerung des jetzt bestehenden Vertrages auf ein Jahr eintreten toerbe. Newyork, 8. Dez. Die Stabt ist von einet: neuen Ko hlennot bedroht. In der letzten Woche sind bic Kohlen um IA/2 Dollar prft Tonne im Preise gestiegen und losten heute 14 Dollar. Im Kleinhandel werden die Koblen mit 25 Dollar pro Tonne bezahlt. Es sind nur geringe Borräte vorhanden und die Gesellschaften versichern, daß das Maximum der Produktion erreicht sei. Mar, Sefürchtet Preisaufschläge ähnli loreu. Abzugeben gegen ?<• lohnung in der Grped. b. Bl. SftanliMiliMg Empfehle mich den geebnen Herrschaften zur Vcforgovg von tüchtigem Dienstperloea! mi5 allen Gegenden TeutfdilnnM als: Pferdeknechte,