Nr. 184 Erscheint ISgttch außer Sonntags. Dem Gießen er Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamllien- blittter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Ctein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gietzeu. FrrnsprcchanschlußNr.51. Erstes Blatt. Freitag 8. August 1903 153. Jahrgang GjehenerAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugSprei-r monatlich 75 Ps.,oierte!« jährlich Mk. 2.20; durch Whole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährt. ausschl. Bestellg« Annahme von Anzeige« für dre Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. n. allgem. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Lcmd^ und „Gerichtssaal': Curl Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Auszug aus der von Grl. Ober-Rechnungskammer abgeschlossenen Rechnung der Kreiskaffe des Kreises Gießen pro 1899/1900. Einnahme Rubr. 1. Beiträge der Gemeinden und Gemarkungen 3. Gebühren für Duplikate von Aiilitärpapieren 4. Strafen 6. Kapitalzinsen 7. Ersatzposten 8. Prozeßkosten 9. Bezüge für das Baupersonal 10. Beiträge zu den Unterhaltungskosten der Kreisstraßen 11. Beiträge zu den Kosten des Neubaues von • Kreisstraßen 12. Aus Gras, Obst und anderen Naturalien, sowie Recognitionsgebühren 13. Beiträge der Kreisslraßenmeister zur Witmen- versorgung 14. Ersatz der den Familien von einberufenen Mannschaften gewährten Unterstützungen aus Reichsmirteln 14^. Ersatz der unterstützungsbedürftigen Veteranen gewährten Beihilfen 15. Staatsbcitrag zu den Kosten der Landarmen- pflege 15^.. Staatsbeitrag zu den Entschädigungen für an Milz- und Rauschdrand gefallene Tiere 16. Kreisanlehen zu Gunsten der bei der Nebenbahn Grünberg - Londorf beteiligten Gemeinden 17. Neu anfzunehmende Kapitalien 18. 3urü(fempfangene Kapitalien 19. Ausstände aus vorhergehenden Jahren 20. Kassevorrat aus vorhergehenden Jahren Gesamtsumme der Einnahme Ausgabe Rubr. 21. Kapitalzinsen 22. Besoldungen und Pensionen 23. Diäten und Gebühren 23L. Belohnungen des Polizeiaufsichtspersonals 24. Botenlohn und Verkündigungskosten 25. Für Blireaubedürfnisse und Gerätschaften 26. Kreisunterstützungen 26A.Unterftü§nng der Familien einberufener Mannschaften 26S.Beihilfen an unterstützungsbedürftige Veteranen 27. Unterhaltung von Kreisslraßen 28. Neubau von Kreisstraßcn 29. Für den Lesezirkel der Lehrerkonferenzen 30. Beitrag zur Provinzialkasse 31. Beitrag zu den nach der Verordnung vom 25. Juli 1888 von den Kreisen aufzrtbringen- den Entschädigungsbeträgen und Verwal- tungskosten der Versicherungsanstalt der Hessen-Nassauischen Baugewerks - üöernfsge- nossenschaft 32. Für gemeinnützige Zwecke 33. Feuerlöschwesen 34. Für Untersuchungen des Oberhessischen chemischen Untersuchungsamtes 35. Entschädigungen für an Milz- und Rauschbrand gefallene Tiere 36. Uneinbringliche Posten und Nachlässe 36.4. Kreisanlehen 311 Gunsten von Gemeinden 37. Ausgeliehene Kapitalien Gesamtsumme der Ausgabe Abschluß Gesamtsumme der Einnahme „ „ Ausgabe Verglichen, bleibt Rest welcher in barem Vorrat besteht. Davon gehören an: 1. Der Kreiskasse Gießen 2. Dem Fonds zur Gewährung von Beihilfen an Angehörige der Reserve und Landwehr Gleiche Summe wie oben Gießen, den 11. März 1901. Der Kreiskaffenrechner: (gez.) Kauß. Mk. Pf. 179 965 — 24 50 6 084 — 638 34 18 Oll 80 61 35 3 768 59 112 441 90 7112 98 4 782 49 — — 2 496 42 1840 — 6 007 — 3 702 — 21680 93 — —— — — _ — 38182 — 406 800 29 Mk. Pf. 2 831 50 32 060 79 6 970 95 6 364 — 491 84 3 278 02 45 831 29 2 491 94 2 254 — 163 642 53 175 02 325 80 78 313 10 38 13 250 — 922 25 327 50 7 404 _ 9 88 18 880 93 38 84 372 902 31 Mk. Pf. ' 406 800 29 372 902 31 33 897 98 Mk. Pf. 33 897 98 — — 33 897 98 Revidiert, ohne daß sich für den vorstehenden Abschluß eine Aenderung ergeben hat. Darmstadt, den 24. Mai 1902. Großherzogliche Oberrechnungskammer: (gez.) Lorbacher. In Gemäßheit des Art. 43 der Kreisordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 16. Juli 1902. Der Vorsitzende des Kreis-Ausschuffes des Kreises Gießen: I. 93.: Dr. Wagner. Rndolf v. Bennigsen f. Hannover, 8. August. Der frühere Oberpräsident Rudolf v. Bennigsen ist in Bennigsen gestorben. Kurz vor Redaktionsschluß erhielten wir heute dieses Telegramm, das Kunde giebt von dem Lebensende eines deutschen Mannes von nimmermüdem Pflichtgefühl, eines Mannes, der, ob er gleich bereits seit Beginn des Jahres 1898 aus dem politischen Leben geschieden ist, als hoher preußischer Staatsbeamter wie als Reichstagsabgeordneter, doch auch in den letzten Jahren noch zuweilen seine Stimme in die Wagschale des nationalen Gedankens legte, dem er treu geblieben ist bis an sein Lebensende und dem er mehr als vier Jahrzehnte hindurch in wackerer Arbeit gedient hat. Bennigsen's Leben — er war geboren am 10. Juli 1824 zu Lüneburg als Sohn eines Generalmajors — ist voller Mühe und Arbeit, also nach dem Bibelworte köstlich gewesen. Es ist reich gewesen an mancherlei Ehren, reich aber auch an Verdruß. Besonders in seiner amtlichen Stellung schuf ihm der nimmermüde Haß der Welsen Verdruß und persönliche Kränkung. Ein welsisch gesinnter Mann aus einer Familie, die in der Geschichte des Staates Hannover eine verhängnisvolle Nolle gespielt hat, erzählte es einmal als ein besonders gelungenes Stückchen, wie Bennigsens welsische Standesgenosscn ihn „geschnitten" hätten, als der Oberpräsidcnt von Hannover 1893 an der Beerdigung des Grafen von Bennig,en teilnahm. Keiner der zur Beerdigung herbeigeeilten Gesinnungsgenossen jenes Grafen habe von dem Oberpräsidenten Notiz genommen. In den Augen seiner Standesgenossen war eben der hannöversche Adel, der mit solchem Eifer den nationalen Gedanken verfocht, und der ein Amt von der preußischen Regierung aunahm, ein Verräter. Ein Verräter aber ist doch wohl nur der, der eine verlorene Sache verläßt, um sich dem Sieger zuzuwenden, und von ihm den Lohn des Verrates zu heischen. Bennigsen aber hat dem Welsentum nicht erst die Fehde angekündigt, als die Sache des hannoverschen Staates verloren war. Er hat von Anbeginn an den Standpunkt vertreten, daß Deutschland geeinigt werden müsse. Er hat dies zu einer Zeit gethan, da der welsische Staat noch stark und Preußen noch schwach war. Aber er hat auch keinen Lohn von dem Sieger verlangt. Er, der bereits in den fünfziger Jahren des vor. Jahrhunderts sein Amt aufgegeben hatte, um für die deutsche Sache wirken zu können, wäre gewiß berechtigt gewesen, ein hohes Amt zu beanspruchen, als das Deutsche Reich geeinigt war. Er hatte damals bereits anderthalb Jahrzehnte unermüdlich für diese Einigung gekämpft. Er war ein Mann von hoher Begabung, ein Ätann von Adel und stattlichem Grundbesitz, alt angesessen in der Provinz, die man gern versöhnen wollte, Führer der damals stärksten parlamentarischen Partei: wie hätte es da bei so vielen Vorzügen, wie sie sich selten in einer Person vereinigen, ihm schwer fallen können, eine hohe Stellung in dem neubegründeten Reiche zu erlangen ? Wer nichts lag Bennigsen ferner als der Gedanke an seinen persönlichen Vorteil. Das bewies er auch, sieben Jahre später, als ihm Fürst Bismarck einen Platz im preußischen Ministerium anbot. Auch damals dachte er zuerst nicht: an sich sondern an einige parlamentarische Mitstreiter, die ihm ebenso des Ministersessels würdig erschienen wie er selbst. Und als ihm der Eintritt seiner Kampfgenossen ins Ministerium verweigert wurde, lehnte Bennigsen den Eintritt in das Ministerium ab. Erst zehn Jahre später nahm er die Stelle eines Oberpräsidenten an, zu einer Zeit, da es ihm geraten erscheinen mochte, daß Männer von hohem Ansehen ihre Opferwilligkeit bewiesen, damit in dem neuen Regiment auch die Männer der alten großen Zeit nicht unvertreten seien. Die Hoffnung Bennigsens, daß er und der letzte Rest der „alten Männer" noch einen Einfluß auf die „neue Zeit" würden ausüben können, erwies sich als trügerisch und er mag darunter mehr gelitten haben als unter mancher anderen Enttäuschung seines Lebens. Aber trotzdem hielt er nahezu zehn Jahre aus, und erst mit 75 Jahren vergönnte er es sich auszuruhen vom politischen Kampfe. Ter greise Staatsmann, den noch kurz vor seinem Lebensende der schwere Schicksatsschlag heimsuchte, daß sein ältester Sohn aus entsetzliche Weise im Zweikampf sein Leben verlor, hatte schon in den letzten Jahren seiner parlamentarischen Thätigkeit manchmal den Vorwurf hören müssen, daß er alt geworden sei, auch innerlich. Er stecke noch immer in den Idealen, die nun doch schon längst erreicht seien, und er sei nicht mehr im stände, neue Ideale zu erfassen und ihnen nachzustreben. Es bleibe ununtersuchjt, inwieweit in diesem Vorwürfe ein berechtigter Kern steckt. Nur das eine sei gesagt, im Interesse unseres Vaterlandes wünschen wir, daß recht viele von denen, die über den „alten Mann" zur Tagesordnung übergingen, das in ihrem Leben leisten möchten, was Rudolf v. Bennigsen geleistet hat. Stätte man ihn gefragt, ob er den Gedanken ertragen könnte, rasch in Vergessenheit zu geraten, um den Preis, daß in den nächsten Jahren hundert andere Männer auferstünden, die seinen Namen durch ihre Leistungen verdunkelten, so hätte er sicherlich ausgerufen: „vivant seauen- tes!" Dem Nachwuchs/ der das Reich weiter in seiner Größe zu erhalten von den Vätern als kostbare Erbpslicht übernimmt, wird er das Musterbild bleiben des selbstlosen, unentwegt den Idealen der Nation dienenden, ädern Materialismus abholden, auf schöpferische Mäßigung bedachten Parteiführers und echt deutsch fühlenden Staatsmannes. Die ZweikaiserzusammenLunst. Tie Schiffsmanöver nahmen gestern, wie aus Reval gemeldet wird, bei prächtigem Wetter ihren Fortgang. Zum Tiner waren Bürgermeister Hueck und Ritterschafts-Hauptmann Dellingshausen geladen. Reden wurden nicht ge- wechsell. Aus guter Quelle wird gemeldet, daß die Abreise des Kaisers um 6 Stunden verschoben, werden soll, weil der Kaiser beschlossen habe, die Stadt zu besichtigen. Der deutsche Kaiser und der Zar tauschten während der Entrevue als Zeichen ihrer persönlichen Freundschaft ihre Equitetten (Fangschnüre) aus. Beide Monarchen besuchten beit deutschen Kreuzer „Prinz Heinrich" und besichtigten ihn während dreiviertä Stunden. Kaiser Nikolaus ließ sich besonders das Lazarett und den Gesechtsverbandplatz zeigen. Gegen 3 jlhr nachMttags wohnten beide in Begleitung des Großfürsten Mexis und des Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen sowie der Gefolge einem Landunasmanöver bei, das das Lehrgeschwader gegen die Insel Carlee richtete. Vtann- schaften in Stärke von etwa zwei Bataillonen griffen die Insel in Barkassen und Ruderbooten an, während sie ein lebhaftes Feuer aus Bootskanvnen und Maschinengewehren eröffneten. Sanitätsboote folgten. Nach der Landung schwärmten die Mannschaften in Schützenlinien aus und richteten einen Angriff unter Vorgehen und starkem Gewehrfeuer gegen Jnsanteriefcheiben. Den Schluß der Uebung bildete ein Parademarsch des gesamten Landungskorps vor den Fürsten, die erst in einem Boot, dann zu Fuß in lebhafter Unterhaltung mit einander und mit den anwesenden Fürstlichkeiten und Würdenträgern den Ma- növern gefolgt waren. Aus Petersburg wird gemeldet, daß eine Deputation des 85. Wiborg'schen Infanterie-Regiments, dessen Chef der Kaiser ist, nach Reval zur Begrüßung des Kaisers abgereist ist. Ferner hat sich, der Wmiral Makanow nach Reval begeben, um dem Kaiser seinen Eisbrecher Iermak zu zeigen. Kaiser Wilhelm verlieb dem Minister des Auswärtigen Grafen L a m s d 0 r f f und dem Minister des kais. Hofes Baron Frederick den Schwarzen Adlerorden und überreichte ihnen die Insignien persönlich Am Mittwochabend versammelten sich im Revaler Klub die d e u t s ch e n R e i ch s a n g e h ö r i g e n und zahlreich andere Einwohner Revals, um die Anwesenheit der Kaiser zu feiern. Es wurde beschlossen, folgendes Huldigungstelegramm abzusenden: An K a i s e r W i l h e l m. In tteffter Ehrfurcht begrüßt freudbewegten Herzens die reichsdeutsch Kolonie Ew. Majestät als Freund und Gast ihres erhabenen Schutzherrn, Sr. Maj. des Kaisers Nikolaus, vor Reval. Ruhe Gottes reichster Segen auf diesen Tagen zum Glück und Heil beider Völker! Gott schütze und behüte Ew. Majestät, unseres deutschen Volkes festen Schirm und Hort! Tie Hand des Allerhöchsten, die Ew. Maj. sicher über die Meereswogen in dieses Land geführt, geleite auch Ew. Maj. glücklich heim in unser heißgeliebtes deutsches Vaterland! An Kaiser Nikolaus. In diesen denkwürdigen Tagen, an denen die Stadt Reval und mit ihr ganz Esth- land durch den Besuch Ew. Maj. so hoch beehrt und beglückt wird, sendet vereint mit den Bewohnern der Stadt und des Landes auch die deutsche Kolonie, getrieben von dem ttef empfundenen Gefühl unauslöschlicher Dankbarkeit gegen den erhabenen Friedensfürsten, unterdessen Szepter die deutsche Kolonie glücklich eine zweite Heimat gefunden, ihre heißen Gebete zu Gott empor, er wolle Ew. Maj. segnen und behüten! Er schütze und bewahre die Majestäten, die Kaiserinnen Maria Feodorowna und Alexandra Feodorowna, seine kaiserl. Hoheit den Grv^- sürsten-Thronfolger Michael Alexandrowitsch und das gesamte kaiserl. Haus. Beide Telegramme wurden von Dr. Belg, bem Bor> sitzenden des deutschen Wohlthätigkeitsverern in Reval unterzeichnet. Ter Petersburger „Swett" stimmt der Behauptung der „Nordd. Allg. Ztg." bei, daß feit der Danziger Zusammenkunft in der verflossenen Zeit keine Mi ßhelli gleiten zwischen Rußland und Deutschland vorgekommen sind. Die,^bir- f h e w i j a W j e d p m 0 st i" besprechen ebenfalls den Artikel der „Nordd. All. Ztg." und führen an, daß es außer den politischen Fragen im engeren Sinne des Wortes noch! wirtschaftliche Beziehungen gäbe. Zubehaupten, daß zwischen den beiden Nachbarstaaten aud), die letzteren gut seien, hieße, sich von altbekannten Thjatsachen ewußt ab wenden. Die persönlichen Berührungen der leitenden Staatsmänner in Reval jedoch würden das gute Einvernehmen zwischen Rußland und Deutschland befestig en und förderm Sodann behandelt das Blatt noch den Zolltarif und einige Handelsvertragsfragen und schließt mit der Versicherung, daß die Revaler Beratungen von günstiger Bedeutung für die beiden NachbarreüHe wie überhaupt für das gesamte internationale Leben sein würden. In Bezug auf die Zusammenkunft sagt ein französisches Blatt, „Petit Parisi n": Es würde Frankreich schlecht anstehen, die Zusammenkunft zu kritisieren, die den europäischen Frieden festigt und daher seinen eigenen Absichten dient. Die Annäherung Rußlands und Deutschlands fällt mit der Wiederaussöhnung Frankreichs und Italiens zusammen. Diese Thatsachen beweisen den innigen Wunsch nach, Frieden, der fb ie Nationen bewegt. Wenn es auch kindlich wäre, zu glauben, daß jeder Konflikt unmöglich geworden ist, so ist unleugbar, daß die Aussichten für den Krieg sehr vermindert erscheinen." „Figaro" stellt fest, daß Rußland und Deutschland einig sind, das europäisch^ Gleichgewicht zu erhalten, aber es beständen zahlreiche Fragen, die sie tr e nn t en, namentlich die Handelsvertragsfrage, die nicht in Angriff genommen werden könnte, so lange .der Zolltarifentwurf nicht erledigt fei „Republique Francaise" glaubt, daß die Revaler Zusammenkunft für die allgenreine Polittk ohne Wichtigkeit sei, aber Gelegenheit zu Besprechungen über die Handelsverträge und die P 0 l e n f r a g c geben werde. Das Pariser „Journal" meint im Gegensatz dazu, daß Kaiser Wilhelm und Kaiser Nikolaus Zeit finden werden, um Ansichten über die internationale Politik auszutauschen, und daß der Besuch nicht eine einfach durch die Etikette gebotene Zusammenkunft sei. Tie Kaisertage in Reval verlaufen also programmgemäß. Aus den offiziösen Berichten ist nichts zu entnehmen, das auf eine politische Aktion großen Stiles, eine Vereinbarung, schließen läßt. Tie „Zeichendeuter" scheinen leer ausgehen zu sollen. Bon dem Prunkmahl an Bord der Dacht „Hohen-; zollern" meldete der Tracht keine Rede; es wurde imr bemerkt, daß beide Kaiser lange Zeit hindurch eine rege Unterhaltung gepflogen haben. Der Zar ist, wie man weiß, absolut nicht redemächtig; man behauptet, selbst die wenigen Sätze bei den Begrüßungen, die nun einmal unver- meidlich sind dem verbündeten Frankreich gegenüber, seien für Nikolaus nichts weniger als ein Vergnügen. Jedenfalls ist der „Ausdruck der Empfindungen" bei solchen Gelegenheiten stets in eine möglichst knappe Form gegossen. Auffällig spät äußert sich die Pariser Presse über die Kaiser- Lusammenkunft. Aus den Urteilen der führenden Blätter schimmert doch etwas wie Mißvergnügen und Beklommenheit. Man hilft sich damit, die politische Bedeutung der Begegnung anzuzweifeln, oder die trennenden Punkte, in der Handelsvertragspolitik, hervorzuhe'ben. Jede Annäherung Rußlands an Deutschland wird begreiflicherweise in Frankreich mit Mißtrauen betrachtet. Immer lauert der Argwohn im Hintergründe, daß es vielleicht der Geschicklichkeit unserer Diplomatie oder dem persönlichen Einfluß des Kaisers auf t#en Zaren gelingen könnte, Frankreich „auszustechen" bei dem mit so gewaltigen Opfern erkämpften Verbündeten. Und man zittert wohl am meisten vor der Möglichkeit, daß der Zar, um seine Friedensideen zü krönen, eines Tages Frankreich eine feierliche Versöhnung mit dem Sieger „zumuten" könnte. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Die schöne Illusion von der Herbeiführung einer langen Friedensabmachung unter den Großmächten beherrscht den Zaren wie die Erfindung den Erfinder. Alle Schwierigkeiten, alle Stimmen, daß der Traum sich nicht verwirklichen lasse, dienen nur dazu, die Ueberzeugung vom Gegenteil zu bestärken und zu immer kühneren Plänen anzuregen. Politische Tagesschau. Herr v. Podbielöki macht „gut Wetter". Aus Berlin, 7. August, wird uns geschrieben: Es kann wohl keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Reise des preußischen Landwirtschaftsministers in die östlichen Provinzen der Monarchie mehr noch als der Informierung über den Stand der dortigen Landwirtschaft der Bekehrung der dortigen Großgrundbesitzer zur „mittleren Zolllinie" gilt. Diese politische Kleinarbeit des Ministers vollzieht sich jetzt in aller Stille; solche Mission wickelt sich auch „unter vier Augen", beim Glase Wein, glatter ab, als bei offiziellen Akten und durch programmatische Erklärungen vor festlicher Tafelrunde. Für intime Aufgaben dieser Art ist Herr v. Podbietski ohne Frage der rechte Mann. Ihm dürfte es so am ehesten gelingen, die Verstimmung zu beseitigen, die in den Kreisen der preußischen Konservativen gegenüber dem Grafen Bülow besteht, seitdem dieser im preußischen Abgeordnetenhaus ein Eingehen auf den bekannten Getreidezoll-Erhöhungsantrag der Konservativen mit ziemlich schroffen Worten ablehnte. Vielleicht hat auch die Erkenntnis, daß Herr v. Podbielski die Mehrzahl der altpreußifchen Großgrundbesitzer „herumkriegen" werde, zur Parlaments- und Agitatronsmüdig- keit des Bündlerführers Frhrn. v. Wangenheim beigetragen. Von den leitenden Männern des „Bunds der Landwirte" ist ja der Landwirtschaftsminister schon vor geraumer Zeit merklich abgerückt. Ter Tag wird nicht mehr fern sein, da es in diesen Kreisen von ihm heißt wie s. Zt. von „Agrarliebling" v. Miquel: „Getraut haben wir ihm niemals!" Doch es dürfte Herrn v. Podbielski vermutlich wenig ansechten, daß Mißfallen der „einen" Agrarier in steigendem Maße zu erregen. Ihm ist es offenbar nur darum zu thun, unter der „oft bewährten" preußisch-konservativen Gefolgschaft der Regierung in Sachen der landwirtschaftlichen Zölle „gut Wetter" zu machen. Die Uebersee-Gründung der deutschen Landwirte. Die zwecks Erwerbung und Ausbeutung von Salpeter- -gruben in Chile erfolgte Gründung der „Deutschen Salpeterwerke in Hamburg" ist geeignet, das Verständnis der •an diesem Unternehmen beteiligten deutschen Landwirte und landwirtschaftlichen Genossenschaften für das Seewesen und die Seewirtschaft zu vertiefen. Denn eine Fahrt einiger der an der Spitze des Unternehmens stehenden Männer — u. a. sind dies die Reichstagsabgeordneten und Landbündler Dr. Roesicke und Lucke — nach Chile zur Besichtigung der in Betracht kommenden Gruben usw. wird sicy schließlich nicht umgehen lassen. Doch auch sonst bieten die Verhandlungen über die Seebeförderung des Salpeters, über die Höhe der Frachten und anderes mehr, den Vertretern der Interessen des platten Landes Gelegenheit, mit der „Welt da draußen", den nicht ganz leichten Bedingungen und Verhältnissen, mit denen die Ozeanrhederei heutigen Tages zu rechnen hat, vertraut zu werden. Vielleicht führt also die überseeische Gründung dazu, daß auch in jenen Kreisen die Notwendigkeit eines Ausgleichs zwischen den Interessen nationaler und internationaler Wirtschaftspolitik mehr und mehr erkannt wird. Wer wird anfangen? Kürzlich tourbe gemeldet, die französische Regierung habe sich bereit erklärt, ihre Truppen aus Shanghai zurückzuziehen, sobald die anderen Mächte dies ebenfalls thun. Jetzt erfährt die „Nat.-Ztg." von unterrichteter Stelle, daß die deutsche Regierung auf demselben Standpunkt stehe, sodaß sie die Zurück ziehung der deutschen Truppen aus Shanghai davon abhängig machen würde, daß England, Frankreich und Japan das gleiche thun. Sehr schon! Indessen das wechselseitige Vertrauen der Kabinette ist so groß^ daß keines den Anfang machen will. Das „höfliche" England sähe am liebsten, wenn sich Deutschf- land zum Vortritt entschlösse. Nach den Darlegungen des Staatssekretärs Frhrn. v. Nichthofen in der Budgetkommission haben zwar die Engländer als die ersten, die Deutschen hingegen als die letzren in Shanghai Fuß gefaßt. Doch das geniert die „Vettern" nicht im mindesten, ebensowenig wie die Thatsache, daß Deutschland nur 700, England allrr nahezu 1000 Soldaten in Shanghai stehen hat. Tas Rkcht Deutschlands, in Shanghai eine Garnison zu halten, würde s. Zt. im Reichstag als das wesentlichste Ergebnis der ganzen China-Expedition bezeichnet, und Abg. Frese (Fr. Vereinig.), der in Sachen des HeberseeHandels erfahrene Kaufmann, wies nach, daß Deutschland aus handelspolitü- schen Gründen in Shanghai eine Garnison halten müsse, so lange irgend eine andere Macht dort Truppen habe. Die Mehrheit des Reichstages billigte deshalb die dauernde Fußfassung in dieser hervorragendsten Hafenstadt. Mittlerweile ist nun der wirtschaftliche Einfluß Deutschlands dort gestiegen, so zwar, daß Euglaird Grund zur Eifersucht haben könnte. Vielleicht ist großenteils aus diesem Gefühl heraus bei England der Wunsch entstanden, Deutfchlaiw möge seine Truppen zuerst zurückziehen, was dem Anselmen des deutschen Namens bei den Chinesen nichts weniger als förderlich sein würde. Der Streitfall ist, so betrackstet, von nicht unerheblicher Bedeutung. ________________________ Deutsches Reich. Berlin, 7. Ang. Der Kaiser wird am 12. d. M., von Stettin kommend, auf dem Truppenübungsplatz bei Ällten-Grabow eintreffen, um dort dem großen Kavallerie- Exerzieren beizuwohnen. Wie bestimmt verlautet, wird auch der Graf von Turin als Gast des Kaisers jenen Kavallerieübungen beiwohnen. Von Alten-Grabow aus tritt der Kaiser die Weiterreise nach Homburg v. d. H. und Mainz an. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt anläßlich des morgigen 70. Geburtstages desKönigsvonSachsen einen Glückwunsch-Artikel, in dem daran erinnert wird, daß der König, wie sein verstorbener Bruder, an dem Werke der Einigung Deutschlands geholfen habe, und seitdem ein eifriger Förderer der Interessen des deutschen Reiches geblieben sei. In allen deutschen Landen werde man des Geburtstages des Königs von Sachsen gedenken. Auch der „Reichs-An z." gedenkt in einem besonderen Artikel der Verdienste, die sich der König von Sachsen als erfolgreicher Feldherr um das deutsche Vaterland erworben hat. Tas „Dresd. Journal" veröffentlicht eine Verordnung betreffend die Amnestie für Personen, gegen die wegen Ueber- tretung auf Hast oder Geldstrafe durch Strafbefehl, polizeiliche Strafverfügung oder Gerichtsurteil erkannt wurde. Militärpersonen wurden Tisziplinarstrafen oder durch Strafverfügung oder Militärgerichte erkannte Haft- oder Geldstrafen erlassen. — Ter Verbandstag des Zentralverbandes der städtischen Haus - und Grundbesitzer-Vereine Deutschlands, der z. Zt. hier stattfindet, nahm u. a. Stellung zu der Wohnungs- und Baugenossen- s ch a f t s f c a g e. Es wurde konstatiert, daß im Lause des letzten Jahres die Behörden und die öffentliche Meinung zu einer ruhigeren und gerechteren Würdigung der Frage gekommen seien, daß man aber nach wie vor strengste Obacht geben müßte, um die Angriffe der Gegner, unter denen die Sozialdemokraten die weitaus heftigsten und gefährlichsten seien, abzuwehren. Verbandsdirektor .Hartwig erklärte die Wohnungsfrage geradezu als eine ErfindungderSozialdemokratie. Im Einzelnen verwahrte sich die Versammlung noch besonders gegen den auf dem internationalen Wohnungskongreß zu Düsseldorf erhobenen Vorwurf, daß bie Hausbesitzer die Erhöhung von Beamtengehältern oder Arbeitslöhnen kaum erwarten könnten, um die Erhöhung sofort auf die Mietpreise zu schlagen. Auch gegen alle Vergünstigungen der Baugenossenschaften — hinsichtlich der Hypothekenbeschaffung, Baur Ordnung usw. — beschloß der Verbandstag weiter energisch anzukämpfen. München, 7. Aug. Die hiesige Presse begnügt sich damit, die Entlobung des Herzogs Siegfried ohne jeden Kommentar nur mit dem Bemerken zu bringen, daß sie im „gegenseitigen Einverständnisse" erfolgt sei. Das ist allerdings richtig, ändert aber nichts an der Thatsache, daß die Erzherzogin es war, welche den ersten Schritt that, ihren Bräutigam um die Lösung ihres Bundes bat, und daß weder der Herzog noch sonst irgend ein Mitglied der beiderseitigen Familien hierauf vorbereitet waren. Die Stimmung in der hiesigen königlichen Familie und in den Gesellschaftskreisen ist daher auch dem Herzog durchaus günstig, der nicht den geringsten Anlaß zu dem Affront gegeben hat. Es ist erinnerlich, daß am Beginn des vorigen Winters das Ausscheiden des Herzogs aus dem aktiven Dienste im 1. schweren Reiterregiment, viel von sich reden machte, es erfolgte thatsächlich, weil der lebenslustige und sportfreudige junge Herr etwas über seine Verhältnisse gewirtschaftet hatte. Auch das ewig weibliche war hieran nicht ohne Schuld. Aber all diese Angelegenheiten sind damals gründlich geregelt worden. — Die Kammer der Reichsräte nahm heute in Uebereinstimmung mit dem Beschlüsse der Kammer der Abgeordneten die Vorlage an, nach der diejenigen Staatsangestellten, welche ein Gehalt bis 1020 Mark beziehen, einen Wohnungsgeldzuschuß von 45 Mark jährlich erhalten sollen. Ministerpräsident Graf Crailsheim und Finanzminister Frhr. v. Riedel traten aufs wärmste für die Annahme dieses Antrags ein. Heer und Flotte. Zu dem Thema „Stadt und Land im Heere" wird uns heute geschrieben: Es ist vielleicht nicht unmterressant, über den in den beiden letzten Nummern des „Gieß. Anz." besprochenen Gegensatz von „Stadt und Land im Heere" auch einmal einen ganz alten Gewährsmann zu hören. Der alte römische Taktiker Flavius Vegetius Renatus (um 400 nach Ehr.) schreibt in seinem „Leitfaden des Kriegswesens" T. 3.: „Ist es zweckentsprechender, die Rekruteu vom Land oder aus der Stadt auszuheben? Es ist wohl unzweifelhaft, daß der Mann vom Lande sich zum Waffenhandwerk viel mehr eignet. Er wächst in freier Lust, in steter Arbeit auf, kann Sonnenhitze ertragen, ohne gleich nach Schatten zu verlangen. Den Luxus kennt er nicht, sondern er führt eine einfache Lebenshaltung, ist mit wenigem zufrieden und hat einen Körper, der abgehärtet ist und jede Anstrengung aushallen kann. Mit Eisemve, lzeugen umzugehen, Gräben zu ziehen und schwere Lasten zu tragen ist er von seiner Beschäftigung auf dem Lande her gewohnt. Natürlich erfordert es die Notwendigkeit, auch die „Stadtleute" zum Kriegsdienst heranzuziehen. Wenn diese eingetreten sind, müssen sie zuerst lernen Strapazen auszuhalten, lange Märsche zu machen, schweres Gepäck zu schleppen, Hitze und Staub zu ertragen, nut geringer bäuerlicher LI ost fich zu begnügen, bald unter freiem Himmel, bald in Zelten fich aufzuhalten. Tann erst sind sie im eigentlichen Dienst mit der Waffe auszubilden, und wenn eine besoiiders lange Expedition bevorsteht, viel auf Feldposten zu halten, fern von den Lockungen der Großstadt, damit sie auf diese Weise körperlich und geistig kräftig werden. Es ist allerdings nicht zu leugnen, daß nach Gründung der Stadt die Dünner immer von der Stadt aus zum Kriege auszogen. Ader damals wareii sie nicht im Luxus erschlafft. Kriegsrnann und Landmann in einer Person, verwechselte der Römer nur die Art der Waffe. Und dies, blieb solange Thatsache, daß, wie bekannt, noch dem Quinetius Eineinnatus beim Pfluge die Diktatur übertragen wurde. Born Lande her also ist hauptsächlich die Kratt des Heeres zu ergänzen. Tenn je weniger einer den Luxus im Leben kennen gelernt hat, desto weniger fürchtet er den 'tob.' So ber alte Römer Vegetius. Ausland. Lond on.,8. Aug. Ter K öuig erließ eine Botschaft an sein.Volk, in der er am Vorabend der Krönung, des wichtigsten Ereignisses seines Lebens, »einem Volk, den Kolonien und Indien herzliche Genugchuung über ihre Teilnahme während der Lebensgefahr, in der er geschwebt halle, ausdrückt, und die bewunderungswürdige Geduld her- vorhebt, mit der dieselben die Widerwärtigkeiten und Täuschung ertrugen, welche durch die Verschiebung der Krönung hervorgerufen wurden. Ter König spricht seinen Dank gegen die Vorsehung aus, welche sein Leben verlängert und ihm die Kraft gegeben habe, seine wichtigsten Pflichten als Monarch des großen englischen Reiches zu erfüllen. — Heute wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Ter König ertrug die gestrige Reise nach London ohne die geringste Ermüdung. Er hatte eine gute Nacht und ist bei ausgezeichneter Gesundheit. Die Wunde ist so gut wie vernarbt. Tas nächste Bulletin wird am Sonntag ausgegellen. Bisherigen Arrangements zufolge wird der König während feines Aufenthalts in London an öffentlichen Funktionen außer der Krönung nur die Revue über die kolonialen Truppen am kommenden Tienstag Nachmittag und über die indischen Truppen am Mittwoch Nachmittag im Hof des Buckingham-Palastes abhalten. Morgen gedenkt er der jetzt täglich stattfindenden Krönungsprobe in der Westminster-Abtei beizuwohnen. Ter Tag der Rückkehr König Eduards nach Cowes ist noch nicht desinitiv bestimmt. Scheveningen, 7. Aug. Präsident Krüger wurde in der Proburenausstellung von de Rillder begrüßt, nachdem junge Mädchen Blumen vor seinem Sessel gestreut: hatten. Krüger antwortele stehend mit starker Stimme. Er sagte, nicht Gewinnsucht, sondern nur Gerechtigkeitsgefühl sei die Triebfeder des Krieges gewesen, und die großen Sammlungen in Deutschland, Holland, Frankreich und anderen Ländern bewiesen, daß man dieses Gerechtigkeitsgefühl in Europa verstanden habe. Tie Ausstellung sei ein neuer Beweis hierfür. Tarauf sprach er von den Burenhelden und rühmte das ehrliche und starke Wirken des Staatsprokureurs. Krüger, der eine halbe Stunde in der Ausstellung blieb, ließ sich namentlich die amerikanischen Karrikaturen eingehend erklären und lachte herzlich- als er sich selbst farrifiert sah. — Zu dem gestrigen Besuche Krügers bei Steijn in der Villa „Norma" wird noch gemeldet: Krüger trat mit ausgestreckter Hand an das Lager Steijns. Letzterer erhob sich mühsam und legte seine zitternde Rechte in die Hand Krügers. Dieser spendete bent Kranken unter Thränen Worte des Trostes und der Ermutigung. ZOjähr. Stiftungsfest des tSietzener Wingolf Was bringt doch ein solches Fest für eine Summe von schönen, herrlichen Stunden, was bedeutet es eine Masse von gemeinsamer Erhebung, von echter, frischer, ftöhlicher Begeisterung, von wohlthueuder Erinnerung und hoffnungsvoller Zuversicht für die Zukunft. Wer das gefühlt hat, der kann nicht einstimmen in die Unkenrufe ängstlicher Gemüter, die in dem Feiern solcher Feste einen Rückgang erblicken zu müssen glauben oder den Aufwand für absolut unberechtigt halten. Ein herrliches Fest war es. Der Stadt Gießen sah mans auch äußerlich an mit den zahlreichen Fahnen. Schon am Montag trafen Festgäste ein, aber am Dienstag war kaum durchzukommen. Tas Festbureau im Hotel Viktoria war ständig überfüllt. Um 81/2 Uhr begann in Steins Garten die Begrüßungskneipe. War das ein farbenprächtiges Bild, weit über 300 Wingolfiten in der Pracht der Farben. War das ein Begrüßen, ein Wiedersehen! Alte Männer fielen sich um den Hals vor Freude, und eine Stimmung, wie man sich sie schöner nicht wünschen kann, gab bald, dem Ganzen den Grundakkord. Zunächst begrüßte der erste Chargierte der Gießener Verbindung, Stud. theol. Grein, die Erschienenen mit Worten des Dankes und der Hoffnung Ausdruck gebend, daß das Fest dazu beitragen werde, die Begeisterung für die gemeinsamen Wingolfsideale hoch entflammen zu lassen. Im Namen der Philister der Verbindung sprach Professor Dr. Stamm-Gießen. Nachdem das dritte Lied durch den schön geschmückten Saal gebraust war, öffnete sich der Vorhang der Bühne und es zog in Gestalt eines von Philister Wahl-Langen gedichteten Fe st s Piels die Geschichte des Gießener Wingolf im Bilde an den Festteilnehmer vorüber. Tiefer Ernst verbunden mit oft übermütigem Humor, ein Schöpfen aus dem tiefsten Wesen des Wingolf wehte durch dieses Spiel und jubelnder Beifall lohnte Darsteller und den Verfasser, dem Phllister Pfarrer Vogt-Mainz in begeisterten Worten den Dank aller aussprach. Im Namen des Wingolfsbundes brachte Stud. Meyer-Bonn die herzlichsten Glückwünsche der feiernden Verbindung, die z. Zt. der Vorort des Bundes ist. Dann trat bald die Fidulität in ihre Rechte, die manchen ihrer Ritter noch lange an der Tafelrunde festhielt. Am anderen Morgen um 7 Uhr brach man zur Gleibergfeier auf. Zwar machte der Himmel ein trübes Gesicht und sandte Regen in Menge. Das vermochte aber all den Feiernden, die zu Wagen, zu Pferd und zu Fuß dem altehrwürdigen Gründungsort Gleiberg zustrebten, nicht die Feststimmung zu zerstören. Von der Burg grüßten die Fahnen ins Thal und die Böller entboten den Nahenden unausgesetzt ihr donnerndes Willkommen. Um 9 Uhr nahm in der Burgruine die er n st e Fe ier ihren Anfang. Wieder wie seit 50 Jahren an diesem Tag brausten die Klänge des Lutherliedes durch die altehrwürdigen Mauern. Ernste Worte richtete bann Philister Schlosser- Gießen an alte und junge Wingolfiten. Dank war es gegen den treuen Gott, unter dessen Schutz der Wingolf 50 Jahre seinen Weg gegangen ist in schönen, aber auch in schweren Zeiten, er warnte vor Ueberhebung und mahnte zu innerer Einkehr, aber auch zu freudigem hoffnungsvollem Ausblick in die Zukunft. Es waren ergreifende Augenblicke in dieser Morgenstunde. Auch die Sonne schien das zu fühlen, siegreich brach sie durch die Wolken, und ermöglichte dadurch die photographische Ausnahme im Burghof. Im großen Saale begann dann der Festkonvent. Der erste Chargierte gedaa)te zunächst der Toten und gab bann be- tannt, daß die Verbindung dem Pfarrer S e r i b a - Wetterfeld, Präceptor Lu eins-Echzell, Pfarrer H o 11-Nieder- Roßbach und Rentamtmann Balser-Neustadt ihr Band verliehen habe. Nach einer kurzen Begrüßung sprach bann ber einzige anwesende Stifter der Verbindung Probst P a 1 m e r - Neu-Erkerrode. Jubelnd brach sich die Begeisterung Bahn, als ber Philister im Silberhaar dem Wingolf von ; einer Gründung erzählte, ihn auf seine Geschichte hinwies und der Treue gegen den Wingolf und feine Ideale Ausdruck gab. An die anderen drei noch lebenden Stifter sandte man Telegramme. Es flieg dann nach mancherei Reden ein kurzer Frühschoppen. Um zwölf Uhr machte man sich auf den Heimweg. Wieder donnerten die Böller ins Thal. In Steins Garten erholte man sich dann bei dem Festessen von den Anstrengungen des Morgens. Herr Stein, | unterstützt von der Frankfurter Kellnergev^ü^schast leistet- Kunst und Wissenschaft. Telephonischer Kursbericht 30/0 Mexikaner Tendenz: schwach. Nachmittags: 4 Uhr. Schrifterklärung. Sabathausgang: 8^° Uhr. 4°/o Italien. Rente . . 41/, % Portagieaen * . . 3°/,. Portugieaen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenloae..... 4% Griech. Monopol,-Anl. 41/,% äussere Arpentiner 4‘AVo Chinesen . . Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diakonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsgea. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum . . . . . Harpener . . . . Heusenstamm, 5. August. Heute nachmittag gegen 5 Uhr kam die Gräfl. v. Schönborn'sche Familie aus Wiesentheid hier an und stieg in dem Schlosse ab. Nachdem das Schloß besichtigt, fand eine Besichtigung der abgebrannten Kirche statt, deren Patronatsherr Graf v. Schonern ist. _ Das neue Geläute, das der Firma Hamm in Frankenthal zur Anfertigung übertragen wurde, wird dadurch eine Aenderung erhalten, daß die größte Glocke schwerer wird, als die seitherige, wodurch das Geläute einen volleren Klang erhält. Zur Zeit ist man mit der Ausarbeitung der 102.90 47.20 29.30 28.45 113.65 43.20 . 26.40 . 91.95 . 91.00 . 106.10 . 216.70 . 183.70 . 135.25 . 143.80 . 154/40 . 153.80 . 18.10 . 170.00 . 191.50 . 179.60 . 16L10 102.80 93.00 102.80 92.75 100.70 99.70 102.75 378% Reichsanleihe 30/0 do. . . 3V,0/a Konsola . . . 3% do..... 372% Hessen . . . 37,-6 Oberheaaen . . 4% Oesterr. Goldretne . Freiherr Renatus Karl von Senckenberg geboren 1751, gestorben 1800 Gelehrter, Schriftsteller, warmherziger Menschensteund nnd Patriot. ** Arbeitsvermittlung für die ostasiatischen ; Besatzungs-Mannschaften. Die schlechten Erfahrungen, die im vergangenen Jahre bezüglich der Vermittelung von Arbeit für die zur Entlastung kommenden ostasiatischen Besatzungsmannschaften gemacht wurden, haben den preußischen Kriegsminister veranlaßt, an den Ausschiffungs- und Auflösungsorten Vermittelungsstellen zu errichten, denen durch die öffentlichen Arbeitsnachweisstellen Verzeichnisse der offenen Stellen zugestellt werden, um auf diese Weise für die Mannschaften schon bei ihrem Eintreffen eine Zahl freier Stellen zur Verfügung zu haben. Wenn man berücksichtigt, mit welchen Schwierigkeiten und mit welchem Zeitverlust die schriftliche Umschau nach Arbeit von den Garnisonplätzen in China aus verbunden ist, so ist im Interesse der Mannschaften, die zum größten Teil aus Handwerkern und anderen tüchtigen Arbeitskräften sich zusammensetzen, diese Einrichtung mit Freuden zu begrüßen. Auch der hiesige städtische Arbeitsnachweis nimmt Gesuche um Zuweisung solcher Arbeiter entgegen und wäre es sehr wünschenswert, daß die Arbeitgeber Gießens und Umgebung recht viel Gebrauch von dieser Einrichtung machen würden. (Siehe Bekanntmachung des städtischen Arbeitsnachweises.) ** Das Gartenfest des Gießener Wingolf gestern abend in Steins Garten verlief zu aller Zufriedenheit. U. a. wurde ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt. Die Lieferung war der Firma W. Kilbinger, Löwen-Drogerie Gießen, übertragen und wurde von der Firma W. Weiffenbach, Pyrotechn. Fabrik Stuttgart, hergestellt und abgebrannt. — Heute vormittag fand im Hotel Einhorn ein Frühschoppen statt; für den Nachmittag ist ein Ausflug mit Damen nach dem Schiffenberg vorgesehen. •* Das Gewitter, das in der vorgestrigen Nacht unsere Stadt heimsuchte, hat in ganz Westdeutschland großen Schaden angerichtet. In der Frankfurter und Mainzer Gegend hat das Unwetter erheblich stärker als hier gehaust. In München wurde ein Teil der Unterstadt überschwemmt; eine Straße stand 2 Fuß unter Wasser, das in die dort stehenden Häuser mit solcher Macht eindrang, daß die Möbeln in den Zimmern umherschwammen. Allerorts wurden Dächer von den Häusern gerissen, Bäume entwurzelt und die Felder verwüstet. ** Die Gießener Familienblätter des Gieß. Anz. enthalten in ihrer heutigen, Nummer einen Aufsatz unseres e-Mitarbeiters über Hessen-Darmstädtische Auswandsgesetze, und ferner einen Artikel über das Leben des amerikanischen Silber- und Bonanzak - Königs “n'eSN nickt! M ?Wen: & f1 und is! bei ÄX Deuber die or -^gedenkt ^be in der i der 3tiuf^L S” »utbe begrüß gejttsut Ifet Stimme, ^»chtig,eitz. I£ M die ny- Frankreich ff es Gerecht^! lc Ausstellung ad? er von den ' starke Wirken Wo -tunde in ameriürnl/chen - NM a ls lugen Besuchst lvird noch ^e- an dns änger d legte seine r spendete dein - und der Er- Paris, 7. Aug. Dr. Gernault erklärte mehreren Journalisten, er werde sich, sobald die Richtigkeit seiner Voraussetzungen und die Unwahrheit der Prosessor Koch'schen Theorien unwiderlegbar dargethan, von einem Chirurgen sämtliche FlerschteUe seines Armes, welche von der Tuberkulose ergriffen sind, herausschneiden lassen. Aus Stadt und Zand. Gießen, 8. August 1902. " Der Großherzog hat der Schlüsteldame Freiin Wilhelmine von Senarclens-Grancy in dankbarer Anerkennung chrer langjährigen treuen Dienste das Prädikat .Excellenz" verliehen. ** Der Großherzog ist am 6. August abends 10Uhr mittelst Souderzuges über Mainz nach London zur Teilnahme an der Krönung abgereist. ** Personalien. Ernannt sind: der Oberlehrer an dem Wolfgang Ernst-Gymnasium zu Büdingen Dr. Jakob Lurschmann zum Oberlehrer an dem Herbstgymnasium zu Mainz mit Wirkung vom 15. September L Is. an, der Oberlehrer an dem Gymnasium Friedericanum zu Laubach Dr. Friedrich Roth zum Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms mit Wirkung vom 1. Oktober d. Is. an, und der Amtsgerichtsdiener Konrad Sti eler zu Herbstein zum Kreisdiener bei dem Kreisamt Alsfeld mit Wirkung vom 16. d. M. an. -Am Kreishause auf dem Brandplatze ist eine schwarze Marmortafel angebracht, die in Goldbuchstaben folgende Inschrift zeigt: Hier wohnte ■tfS 7 7,AS ■nÄe Mge n den tt ^n S(g W; ' „ Zeiten, schrv^5 Kn- e A llein Änsbliö in diff^ im E es- nvenk- ^nhx, und ^ Setter- Zcrida MP icr M dann sS-r Hk-: V Gießener Bich- und Krämermärtte für 1903. Dienstags: '6. Januar, 20. Januar, 10. Februar 24. Februar^ - Dienstags und Mittwochs: 1C und 11. Ma^ 2L und 2o. MaZ, 21. und 22. April, 5. und 6. Mar, 19. unb 20. Mm, 16 und 17. Juni, 30. Juni und 1. Juli, 21. und 22. Jutt, 4 und 5. August, 18. und 19. August, 1. und 2. September, 15. unb 16. September, 20. und 2L Oktober, 10. und 11. November, und 2o. November, 8. und 9. Dezember. Die zweitägigen Markte sind am zweiten Tage jedesmal mit einem Krämermarkt vellrunden. Os werden also im kommenden Jahre im Ganzen 20 Markte mit 36 Mark- tagen in unserer Stadl abgehalten, p-ur unsere Pzerdemackte. ist der Termm, an dem solche gehalten werden zollen, vorbehalten. el. Schotten. Am 4., 5. mid 6. Auguzt wurde der dies,ahr. Sommermarkt abgehallen. 172o Rinder, 197 Pserde, OUv Schweine waren aufgetrieben. Der Handel ging flott und die Preise waren für alle Tiergattungen recht hoch, ^ver Pferdemarkt hatte d?m Voffahr gegenüber eene kleine Differenz durch den vorangegangenen Markt in Alsfeld auszuweyen. . DerSonmrermarckt ist von wellgehender Bedeurung für emert groyen des -3ogeH berqes. Durch das Resultat des dlesiährigen Markte^ ist der! Voaelsberaer Bauer zufriedengestellt, da die Hoffnungen, die er auf9 feinerr Haupterwerbszweig, die Viehzucht, gesetzt hat, stch voll UUb ^ButzbÄ/^Lllig. Unser heutiger Schweinemarkt war sehr stark mit Jungvieh befahren, aber mcht so gut von Rmit- lusngen besucht. Die Preise sanken zwar etwns, ;edoch blieben infolge der geringeren Nachfrage ziemlich viel Schweine unvev- kauft. Mchrwöchige Ferkel kosteten je nafy' ^at bis 4o J . das Paar, Einleger durchschnittlich 25 Mk. das Stück. Vorzügliches, die Tafelmusik tchat rhr Bestes. Philister Kal- lenbusch-Gietzen eröffnete die Reche der Redn^c und »rächte dem Wingolf ein Hoch Philister Zrnßer-Sealch begrüßte den Redakteur Engel vom „RetchSboteM, der Herrin seiner Wingolfsbegeifterung freien Lauf lie^. Schnell verflogen die Stunden, und nach kurzer Ruche eilte mau zum Festzug. Eröffnet wurde er von vier Vorreitern. Der Musik folgte dann die aktive Verbindung, der als der Jubilarin )er Vortritt gewahrt war. Dann kamen, von Chargierten mit der alten Fahne geführt, die Philister der Gießener lKerbindung in endloser Reche, die ältesten m festlich geschmückten Wagen. Dann wieder em Musikkorps und hinter •ihm die Deputationen der übrigen 19 Bruderverbindungen -im Vollwichs mit ihren Fahnen und hmter ihnen die große der übrigen Bundesbrüder, ein schon.es Bild von der Einigkeit und Zusammengehörigkeit ttn Wingolf. Wer all riefe fröhlichen Gesichter, das stramme frische Auftreten frei Alten und Jungen gesehen hat, sollte bei bem noch ein allzngroßer Zweifel über dreBerechftgung des Wrngolf ober das BerecKgte an dem Wingolf bestehen geblieben jein? Oft unter einem wahren Btumenregen ging der Zug )iuxh die Stadt, und überall kam es zum Ausdruck, wie fest bie Schpmrzkappen mit der Bürgerschaft unseres lieben Wehen verwachsen Schluß folgt. icr Wingolf ne Summe von es eine Masse ischer, fröhlicher und hoffnungs- as gefühlt hat, : ängstlicher Geeilten totgang ianb für absolut labt Gießen sah . Fahnen. Schon 1 Dienstag tvar l im Hotel Vik- egann in Steins weit über 300 ar bas ein Leen sich um den e man sichre m. Geizes den . Lhargrerie ^rein, die 6t» c Hoffnung Aus- 1 werde, die Be» »ideale hoch ent» c der Verbindung ichdem das dntte :au|t war, öffnete 3e|tatt eines von spiels die Ge- an den Festteil» mtt ost über- tiefsten Wesen ubclnher Bessall ßhtlifter Pfarrer Dank aller aus- , brachte Stud. de bet fei ernte" mde- ifr ‘lt w mdem UnivLisltäts-Nachrlliiten. Hamburg, 7. Aug. Die Besserung im Befinden Vircbows häll an. Der Zustand des Patienten ist nach Aussage der Aerzte 0 vorzüglich, daß die völlige Wiedergenesung unb die Uebersiedel- ung nach Berlin bereits für den nächsten Monat zu erwarten ist. Prosessor Virchow gedenkt, schon im Oktober seine Lehrthatigkcit wieder auszunehmen. Die Gerüchte, daß er beabsichtige, in den Ruhestand zu treten, haben sich nicht bestätigt. — Der Strafrechtslehrer der Universllat Breslau, Prosessor Dr. Gretener, erhielt einen Ruf an die neue Univerfllät zu Münster. Prof. Gretener ist ein hervorrageliüer Kenner der Militärrechtslehre. — Der Universitätsprofessor Dr. Kümmel, Direktor der Breslauer Klinll für Ohren-, Nasen- und Hals- krankhellen, soll an eines der größten Berliner Krankenhäuser berufen werden. I. M. M a k a y. •* Koschat-Konzert. Am Sonntag den 17. August tritt das Koschat-Quintett unter Leitung des berühmten Komponisten Kärnthner Lieder, Thomas Koschat, in Stein's Saal auf. t m Len Wohnhäuser. Der Bandenführer ließ, sich mit seinen Leuten von den Hauseigentümern verpflegen Reval, 7. Aug. Gestern abend fand an Bord des „Standart" ein Prunlmahl statt, an dem beide Monarchen, die anwesenden FürMchkeiten und Würdenträger teilnahmen. Sämtliche Kriegsschiffe hatten wiederum illuminiert. Nach! der Tafel hörten die Majestäten ein Gesangskonzert der Revaler Liedertafel" und des „Mnner- ge'angvereins", welche auf dem mit Lampions erleuchteten Dampfer längsseit des „Standart" Aufstellung genommen hatten. Hieraus besuchten die Majestäten die Ossiziersmeffe des „Standart", sür welche der deutsche Kaiser eine grvtze silberne Bowle gestiftet hat, während der Kaiser von Rußland eine gleiche der Osfiziersmesse der „Hohenzoüern^ verehrte. In der Messe sprach der Kommandant des „Standart" in deutscher Sprache den Dank der Offiziere und der SRannschasten für die kaiserlichen Geschenke und den hohen Besuch aus und brachte ein Hurrah auf den Kaiser und König aus. Der deutsche Kaiser erwidert, er empfinde herzliche Freude, im Kreise russischer Offiziere | zu weilen, und brachte ein Hoch aus den Kaiser von Rußland aus. Die Majestäten wohnten sodann mit Ge-^ folge einer nächlichen Schießübung eines Teiles des Geschwaders bei, welches ein Passiergefecht mit Einsatzrohren gegen Scheiben im Schlepp von Torpedobooten, sowie Schießübungen gegen aus der Insel Carloe errichtete Erdwälle aus kürzeren Entfernungen aussührte. Der Kaffer von Rußland verlieh dem Reichskanzler Grasen Bülow, dem Oberhofmarschall' Grafen zu Eulenburg und General v. Plessen sein Porträt. Der deutsche Kaiser verlreh ba§- Großkreuz des Roten Adlerordens dem Aiarineminister Tyr- tow, dem Generaladjutanten Admiral Krämer und dem Chef des Hauptquartiers, Generaladjutanten v. Hesse, den Roten Mlerorden erster Klasse, dem Admiral v. Avellan und Admiral Werchowski, die Brlllanten zum Roten Adlerorden erster Klasse dem Hosmarschall Grasen Beukendorf und Admiral Makarow. z Reval, 8. Aug. Zwischen dem Reichskanzler Grafen Bülow und dem Minister Lambsdorff fanden toiebei» holte und eiuqeheude Besprechungen statt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeirrdc. 11. Sonntag nach Trinitatis, den 10. August Gottesdienst Ju der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre, für die Neukonftrmierten der Markus- gemeinde. Vormtttags 97? Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11'Uhr: Dlilitärgottesdienst. ______ Pfarrer Dr. Grein. Pläne beschäftigt. I m 3« der Johanneskirche. Frankfurt a. M., 7. Aug. Daß in Frankfurt viele Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Müsch- Arbeiten hoppelt gemacht werden müssen, weil Christenlehre sur die N-nk°nftrml-rten aus der sie beim ersten Male nichts nutz seien, das ist ein Sprüchlein, I Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. das man hier von vielen Leuten hören kann. In der That Beichte und heil'. Abendmahl für die Lukas- und die Johannes- kommt es zuweilen vor, und feit heute weiß man auch, daß gemeinde. Amnelbimgen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde es beim neuen Schauspielhause nicht anders gcht. Es " Vormittags 117. Uhr: Kindergottesdienst tfür die Johannes- hat sich nämlich gezeigt, daß die neue Anfahrtsrampe, die I gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. schon fix und fertig war, viel zu klein und eng ist, als daß -—— . ein Wagen durchfahren könnte. Sie mißt kaum 1,8 Meter Gemeinde. in der Breite und muß deshalb soeben ^ebei: ^1^ ^ u£95 ll^r unb9ä)e.ib§ um 8 Uhr: Gelegenheit zur umgeändert werden. Interessant ift, daß beim Opernhaus I heil. Beicht. seinerzeit dieselbe Geschichte passierte. Auch dort mußte die S 0 n n t a g ben 10. August. einer Anzahl hiesiger Geschäftsleute Erkundigungen eingezogen, I vor und in berjelben Austeilung der hell. .Korn- wie hoch sich die Kosten für die Ausschmückung der munion. Straßen belaufen würden, welche der Kaiser bei seinem Vormittags um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Eintreffen ,n Mainz paffreren »ivb 3luf Srunt. ber W; Zahlen wird alsdann em entfprechender Kredit von der L>tadt- ' ------- verordneten-Versammlung gefordert werden. Wenn der Kaiser Gottesdienst M der Synagoge^ SÜdaulage. die Kasernen-Neubauten besichtigt, werden auch bedeutende Israelitische Retigionsgemeinde. Straßenstrecken in der Neustadt geschmückü I Samstag, ben 9. August 1902. ——————————— Vorabend: 7^ Uhr. Morgens: 8^ Uhr. 5600 Dos Comit6. 5637 Rcuenbäue 17. Telephon 346. 5636 Für den Centner ab Wohnung zu vennieten. 5505 Walllhorstraße 13. Stück-Cokes I 9 trocknend, 5439 /Linsach möbl. Zimmer sofort zu verm. Bahnhofskr. 64, III. Hafer-Mehl. 03393 Fr. Cost. 3086- Städtischeö Gas- und Wasserwerk Gießen. *g»ä*es’' t o Prof. Haupt. 5368 Si 4629 8740 4766 Ludwtgsplatz 14. 4000 Mark Spezialität: Billige Ausgaben. 960 Muer mieten Mi cf siel niste (Offene Stellen Iterfdiiebenefi 1,25 Mk. 1,30 M. 60 „ 7 „ 8 „ 6 „ 30 „ 6 „ 5638 Emil Fischbach, l’li. Herrmann. 11. F. Nas*auer. Carl Sehwaab. ö. 9 ei Max Elbs 8§W 8 Q. 8' u. CL d A. & C. Wallenfels. Wilhelm Haas. Di di ti Parkett wachs Stahtspäime owie alle sonstigen Ingredienzien zum Anstreichen und Wichsen der Fußböden empfiehlt Etns8 Fischbach. 01 uf 1. September 3 Zimmer, Küche und etwas Lagerraum gesucht. Gefl. Offerten unter Nr. 03393 an die Expedition. 4298] Fein möbl. Wohn- u. Schlafz. sof. zu o. 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Im Interesse des guten Zweckes werden Freunde des Gesanges und der Menschenliebe recht herzlich um rege Beteiligung gebeten. . . 1,05 Alk. . . 1,20 „ . . 1,25 , Centner»: . . 1,— Mk. .....1,15 „ Nnßcokes Nr. 2.....1,20 „ Für Cokes ab nehmer, welche zwei und mehr Doppclwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Centner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Gentnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall re.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner ^okes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Nuß-Cotcs, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofenschächte passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, gangbar st e S o r t e......... Größe 9!r. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit ..... An Wagenladungen von mindestens 36 Gentnern: GroMrWlWmMisbiblichkk Alle Benutzer, mit Ausnahme der Studenten, haben die von ihnen entliehenen Bücher spätestens am 9. August zur Musterung einzuliefern. Vorn 15. August bis 18. Oktober ist die Bibliothek täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Gießen, den 25. Juli 1902. Der Großherzogl. Oberbibliothekar: Tafelobst. Frische Tafcltraubeu Pfd. 50 „ Reineclauden „ 35 „ „ Pfirsiche Stück 15 „ Branget „ 10 „ Tafel gemüse Frische Tomate» Pfd. 35 „ Prinzeßböhucheu Neue Zwiebeln AMiiihßläser 8cke-u.Holligglästt in allen Größen, 5244 EiMchglsser mit Verschluß, Patent Schisser, Md-KochröesMer mit Verschluß, empfehlen Lang & Wiederstein 4 Marktstraße 4. Liederkranz Sonntag den 10. August, von nachm. 5 Uhr an: SommerfestiaAkiiisGliltk« 1 liier erteilt einem Obertertianer <4^3 Nachhilfe in Latein gegen reie Wohnung? Offerten unter 03426 an die Erped. d. Bl. Bekanntmachung, ^etr.: Einrichtung eines Arbei^nachweises für die in diesem Jahr zur Entlassung kommenden Mannschaften der Ost- asiatischen Besatzungs-Brigade. In der Zeit vom 5. August bis 7. Oktober d. I. kommen in Vremerhasen und auf dem Truppenübungsplatz Munster in Hannover die Mannschaften der Ostasiatischen Besatzungs-Brigade zur Entlastung, die sich zum großen Teil aus Handwerkern und Arbeitern zusammensetzen. Um diesen Leuten möglichst schnell Arbeit zu verschaffen, hat der Königlich Preußische Kriegsminister das Großh. Ministerium des Innern ersucht, die Arbeitsnachweisstellen anzuweisen, dem Ausschiffungskommando in Bremeryaven und dem Auflösungs- rommando auf dem Truppenübungsplatz Munster Ästen über an» gemeldete offene Stellen einzusenden. Wir fordern deshalb alle Arbeitgeber Gießens und der Umgegend, die ihren Bedarf an Arbeitskräften aus obigen Mannschaften zu decken beabsichtigen, auf, desfallfige Gesuche an den unterzeichneten Arbeitsnachweis bis spätestens 1. Oktober d. I. zu richten und recht ausgiebigen Gebrauch von obiger Einrichtung zu machen. 03415] Aeltere, alleinstehende zur Führung eines kleinen Haushaltes per 1. Sept, oder früher gejucht Näheres in der Exped. d. Bl. sUraves Mädchen w. für kleinen Haushall gegen guten Lohn sofort oder später gesucht. Näheres Seltersweg 5. Gascokes. Infolge Stadtverordneten-Beschluffes vom 10. April d. I. tritt eine Kcis«»HiWg imftttr ßaStote ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt wie folgt: J 5630] 2-Zimmerwohnung nebst Küche und allem Zubehör sofort oder später im Hause Lleoig- straße 37 zu verm. Näheres bei H. Earls, Bleichstraße 11. 5631] 7-Zimmerwohnung mkl. Badezimmer, der Neuzeit entspr., großer Garten, Bleichplatz am vause, Liebigstraße 37 zu verm. Näh, bei H. Carls, Bleichstr. 11. Täglich frische jttidelbe«« von morgens 9 Uhr ab, sowie Ia.S?d|"e= u.eaiütfadoüein empfiehlt 5639 J» Schloßgaste 6. empfiehlt ____ Mw. Steinhäuser ^-Zimmer-Wohnung mit Küche per 15. 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