Nr. 157 «rscheint tSgNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siegener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. VU-rattonsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u. Steindruck 'rei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: ^chrrlstraße 7. filFMe für Depeschen: An «etger Gieße«. K^rnsprechanschluß Nr.bl. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 8. Juli 1903 Metzener Anzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Vezvg«pret»r monatlich 7bPs., vierteb» jährlich Mk 2.20; durch Abhole- u. ; weigstellen monatlich 6b Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZetlenpreiS: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. aügem. Steil: P. Wittko- für »Stadt und Staub' und -Gerichtssaal*: Eurt Plato^ für den Anzeigenteil: Hans Beck. $)te Heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten. Kein Zosskompromiß. Gin Berliner Blatt hatte berichtet, daß als „Zugeständnis an die Agrarier"' zur Herbeiführung eines Kompromisses für den Zolltarif die Erhöhung des für Gerste im Tarifentwurf vorgesehenen Zolles um 60 Pfg. beabsichtigt sei. Wie die „Nat.-Ztg." zuverlässig erfahrt, ist die Mitteilung unbegründet. Die Reichsregierung hat bisher überhaupt keine Veranlassung gehabt, sich mit der " < ge zu beschäftigen. Ai Das Dementi war zu erwarten, denn nichts könnte ' *it zur Verwunderung Anlaß geben, als wenn nach all . feierlichen und kategorischen Erklärungen, daß die Hze des Entgegenkommens erreicht sei, doch über die ize hinausgegangen würde. Zudem: Der Appetit iv mt beim Essen. Was bei der Gerste recht ist — bekanntlich plaidiert besonders eifrig das bayrische Zentrum für die Erhöhung des Gerstenzolls — erscheint den Agrariern des Ostens billig in Bezug auf den Roggen- und den Weizenzoll. Das gäbe nach dem berühmten Muster der preußischen Kanalpolitik ein ganzes Bündel „Kompensationen", auf daß keiner sich zurückgesetzt fühll. Die Versuche, eine „Verständigung" zu erzielen, d. h. leitende Staatsmänner für eine Erhöhung der Getreidezollsätze zu gewinnen, sind keineswegs aufgegeben; sie werden vielmehr mit einer Zähigkeit und einer Frische sortgesetzt, die man nur an eine Sache wendet, die schwierig rst, aber nach menschlicher Berechnung schließlich glücken muß In der Oeffentlichkeit macht sich die Agitation für diese Zollerhöhungen neuerdings weniger bemerkbar. Das hat zu der Annahme verleitet, die Landwirtschaft beginne, sich mit dem Erreichbaren abzufinden. Desto eifriger wird, tote gesagt, im Stillen gewirkt, werden Vorbereitungen getroffen, um die agrarfreundlichen Mitglieder des Reichstages zu einem unbedingten unverbrüchlichen Entweder — Oder zu sammeln. Entweder die Zustimmung der Regierung zu dem bekannten Getreidezoll- Kompromißanttag oder Ablehnung des gesamten Zolltarifentwurfs. Graf Posadowsky hat in der Zolltarifkommission geäußert, die Lage sei viel ernster, als man denke. Der Ernst der Lage wird unseres Erachtens weniger durch die Schwierigkeiten herbeige führt, die das Ausland einem zu hoch geschraubten Zolltarif machen könnte, als durch die geschilderte eigenartige Sammlungs-Politik. „Wenn es erst soweit ist, daß die Dinge zum Klappen kommen", so sagte uns ein Parlamentarier, „bann werden die dramatischen Svenen, die im preußischen Abgeordnetenhaus bei den Kanal- Projekten sich abspielten, sich munter und harmlos aus- nehmen gegen tue Ereignisse, die im Reichstag bevorstehen !" Die Empfindungen in unseren agrarischen Kreisen wegen der Weigerung der Regierung werden mit dem Wort „Erbitterung" noch schwach gekennzeichnet. Ein solcher Kampf „Aller gegen Alle", wie er im Spätherbst anhebt, wird noch nicht dagewesen sein sett Begründung des Reiches. Fallen die landwirtschaftlichen Zölle, weil sie der agrarischen Mehrheit nicht genügen, dann soll, so liegt es im Plan auf Seiten der Rechten, jeder Zoll auf industrielle Erzeugnisse, ohne Ausnahme, abgelehnt werden. Das wäre dann das Ende des „Marmorblocks", aus dem Graf Posadowsky im Geiste eine „wundervolle Bildsäule" erstehen sah: kurz und klein in Stücke geschlagen.... Die Urlaubsreisen der Staatssekretäre und preußischen Minister haben begonnen. Man hört diesmal nichts davon, daß einer der Ressortchess auf den Urlaub Verzicht leistet. Begreiflicherweise; jedes Mitglied der Regierung, das in der Front steht beim Kamps um den Zolltarif, wird seine Kraft soviel als möglich stärken müssen. Weder eine neue große, d. h. vollständige Kanalvorlage für Preußen, noch eine neue Steuer-Vorlage für das Reich kommen, wie wir zuverlässig erfahren, für den nächsten Parlamentsabschnitt m Betracht. Graf Bütow wünscht, daß sich die ganze Kraft und das ganze Interesse auf den Zolltarifentwurf konzen- trieren. Politische Tagesschau. Chamberlain in neuer Beleuchtung. Richt häufig hat sich Herr Chamberlain ät den letzten Jahren des Beifalls zu erfreuen gehabt. Jetzt aber wird er ihm fast uneingeschränkt gespendet zu seinem, fast überraschend maßvollen und vernünftigen Bescheid wegen der zeitweiligen Aufhebung der Verfassung in der Kapkolou ie. Chamberlain hat den Befürwortern der Verfassungs-Aufhebung, die damit einen Schlag zu thun gedachten gegen das holländische Element in der Kolonie, nicht nachgegeben, sondern zur Vermeidung weiteren Streites, zur Beruhigung der durch den Krieg erregten Leidenschaften geraten. Das ist ein lluger Entschluß den sicherlich das Käpparlarnent durch Mäßigung anerkennt, und der auch dazu beiträgt, den Engländern bei den Buren im allgemeinen Sympathien zu verschaffen. Fast könnte man glauben, Chamberlain habe „sich gehäutet", bessere, mildere Regungen, als bisher zu beobachten, hätten in ihm die Oberhand gewonnen. Aber ein Mann wie Chamberlain ist nicht „sentimental". Lord Miln er gehörte zu den Befürwor- tem der Verfassungs-Suspension. Wer weiß ob nicht Chamberlain Veranlassung hatte, Lord Milner ein Bein zu stellen und ihn durch die Ablehnung zur Einreichung des Entlassungsgesuches ju bringen? Ein solches durfte kaum aus- blerben. Chamberlain versteht es, Personen in hoher Stellung „wegzubeißen", wenn sie ihm irgendwie unbequem sind. Insbesondere soll der Kolonialsekretar em „guter Hasser" sein und eine ihm angethcme Kränkung nicht ve»-- gessen. Aber just als Mr. Chamberlain Herrn Milner ein Bein stellte, fiel er selber, wenn auch nicht besonders gefährlich, auf die Rase. Er hat nämlich am gestrigen Montag m London einen schweren Unfall erlitten. Als er sich gestern nachmittag in einem zweirädrigen Cab von Westminster nach dem Athenaeumllub begab, stürzte das Pferd. Chamberlain wurde heftig vorwärts geschleudert und erlitt eine schwere Stirnverletzung. Er wurde ins Krankenhaus verbracht, wo die Wunde verbunden wurde. Bei dem Unfall zerbrach Chamberlain mit dem Kopfe die vordere Fensterscheibe seines Wagens und wurde an der Stirn und Wange erheblich verletzt. Er stteg mit blutübersttömtem Gesicht aus und wurde von zwei Schutzleuten in einem Wagen zum nächsten Arzt und dann in das Ehering Croß Hospital gebracht. Der Privatsekretär Chamberlains gab bekannt, der Minister werde voraussichtlich zwei Tage außer Stande sein, den Berufsgeschäften nachzugehen. Die Wunde läuft quer über die Stirn und wurde mit vier Nadeln genäht. Der Schädel ist unverletzt. Anschluß an den ostafiatischen Zweibund? Die Bedeutung des Besuchs König Viktor Emanuels am Zarenhose liegt vielleicht wesentlich nach, der Seite der außer europäisch en Politik hin. In Europa selbst haben Italien und Rußland politisch und wirtschaftlich zu wenig Berührungspunkte, als daß die Monarchenzusammenkunft hier Wirkungen herbeiführen könnte. Anders läßt sie sich an im Hinblick auf Ostasien. Italiens Stellung dort war bisher nicht gerade rühmlich; das schwwhliche Ausgeben des Besitzanspruchs auf die San-Mun-Bai ist noch in Erinnerung, ebenso ist unvergessen, wie wenig freundschaftlich sich England in dieser Sache Italien gegenüber verhielt. Es war die letzte große und vielleicht die ergreifendste Rede des greifen Cr ispi, als er in der italienischen Kammer darlegte, wie diese die Autorität Italiens schädigende diplomatische Niederlage wesentlich auf die Vertrauensseligkeit der italischen Regierung England gegenüber zurückzuführen sei. Möglicherweise will Italien in Zukunft, da der englische „Freund" in China versagte, dort sich auf d as starke Rußland stützen. Denn wenn Italien im wirtschaftlichen Wettbewerb um den ostasiatischen Markt mit den anderen Mächten auch nur annähernd Schritt halten will, kann es auf die Dauer eines territorialen Stützpunktes in China nicht entbehren, umsoweniger, als seine Schiffsverbindungen dorthin noch unzureichend sind und z. B. von denen des kleinen Holland überflügelt werden. Den territorialen Stützpunkt aber dürfte China der italienischen Regierung nur bewilligen, wenn Rußland und mit ihm Frankreich dieser Forderung Beistand leihen. So erscheint es nicht ausgeschlossen, daß sich Italien mit dem Gedanken an eine Annäherung, wenn nicht späterhin eines förmlichen Anschlusses an den ostasiatischen Zweibund Rußland-Frankreich trägt Deutsches Reich. Berlin, 7. Juli. Aus Travemünde wird gemeldet: Die kaiserliche Familie war heute vormittag auf der „Iduna" zusammengetroffen, nachdem der Kaiser vorher an Bord der „Hohenzollem" den Vortrag des Geh. Ober-Regierungsrats v. Balentini vom Zivilkabinett gehört hatte. — Der Kai fer hat heute dieNord - landreise angetreten. — Der Kaiser und die Kaiserin treffen von Wil- helmshöhe kommend am 15. August in Düsseldorf ein. Von dort tritt das Kaiserpaar die Reise per Schiss rhem- auswärts an. — Nach einer Meldung aus Passau liegt die greife Herzogin-Witwe Friederike von Anhalt im Sterben. — Das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen traf heute zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin Heinrich in Kiel ein. — Die Zolltarifkommission beriet heute die den Schluß des fünften Abschnittes (Experimentsstoffe) bildenden dreizehn allgemeinen Anmerkungen und nahm dieselben gemäß der Vorlage mit einer kleinen redaktionellen Aendernng bei Anmerkung 9 an. — Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei beschloß in einer gestern im Reichstagsgebäude abgehaltenen gut besuchten Sitzung, im Oktober d. I. einen allgemeinen nationalliberalen Delegiertentag nach Berlin einzuberufen. Kiel, 7. Juli. Etwa hundert Teilnehmer an dem internationalen Schiffahrtskongreß trafen von Rendsburg kommend um 4 Uhr nachmittags in Holtenau ein. Nach Besichtigung der Kanalanlagen fuhren die Teilnehmer in mehreren Dampfern zur Besichtigung der Howaldtwerke und der Germaniawerft nach Kiel. Heute abend findet in der Seebadeanstalt ein Festessen statt. Düsseldorf, 7. Juli. In der heute hier abgehaltenen Generalversammlung des Verbandes deutscher Müller wurde aus Antrag des Mühlenbesitzers Schüler-Lippstadt, nachdem er die Behandlung der Mühlengerechtigkeiten in Lippstadt seitens der königl. Generalkommission geschildert hatte, folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der Verband deutscher Müller, besorgt um die Rechte seiner Mitglieder im Königreich Preußen, bittet das preußische Staatsministerium, die Loslösung der Wasserbauangelegenheiten vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten nicht vorzunehmen, im Falle einer notwendigen Loslösung aber die lieber Weisung der Wasserbaucmgelegeriheiten an das Ministerium für Landwirtschaft zu unterlassen und statt dieser Ueberweifung ein Ministerin m für Mass erbauangelegen he iten einzurichten." Bayreuth, 7. Juli. AmtlichesWahlergebnis. Bei der am 3. Juli vorgenommenen Reichstagsersatzwahl im Wahlbezirk 2 Bayreuth entfielen von 13 874 abgegebenen! gütigen Stimmen auf den Schneidermeister Karl Hügel, in Bayreuth (Soz.) 4598 Sttmmen, auf den Oekonomierat August Hagen in Bayreuth (natL) 3911, auf den Landwirt Christian Feustel in Langenbruck (B. d. L.) 3286 und auf den Kaufmann und Stadtverordneten Oskar Günther in Plauen (fr. Vp.) 1164 Stimmen. Zwischen den ersten beiden findet also Stichwahl statt. Ausland. London, 7. Juli. Einem wo h Begründeten, im Um» lauf befindlichen Gerüchte zufolge wird mit Rücksicht auf dew bemerkenswerten Fortschritt in dem Befinden des Königs die Krönung zwischen dem 11. und 15. August statt- finben können. — Der Krankheitsbericht von heute vormittag besagt: Der König hatte 9 Stunden natürlicher Schlaf. Die Besserung schreitet ununterbrochen fort Dis Wunde scheidet ungehindert Eiter aus, bereitet aber weniger! Schmerz beim Verbinden. — Unterhaus. Balfour führt aus, es sei behauptet worden, da ß die internationale Stellung Englands die einer g e fäh rlich en Vereinsamung sei, und daß England begierig nach jeder ihr angebotenen Allianz unter jederlei. Bedingungen greifen müsse. Diese Auffassung sei nicht die der Regierung. In Beantwortung einer Anfrage erklärt der Erste Kommissar der öffentlichen Arbetten und Bauten Akers Douglas, er hoffe, daß die zur Krönung errichtetes Tribünen noch zu dem Zweck benutzt werden könnten, für den sie errichtet worden seien. Er sei nicht dafür, daß man sie entferne. — Die Demission Salisburys ist im Prinzip beschlossen, wird aber nicht vor der KiHnungsfeier statt-, finden. Als Nachfolger werden Balfour und der Minister des Auswärtigen Lansdowne genannt. — Aus Kapstadt wird gemeldet: Hier und in Durban sind Unruhen vorgekommen anläßlich der Rückkehr, der Kolonialtruppen. Diese begingen derartige Ausschl-, tungen, daß mehrere von ihnen verhaftet und abgeurteilt werden mußten. — Oberhaus. Der nnterftaatt-fefretär des Kolonial amtes Onslow er Härt, 400 kriegsgefangene Buren seien aus St. Helena am Kap eingetroffen, 400 von Ceylon dorthin abgegangen. Diese Gefangenen hätten sämllich den Treu-, eid geleistet. Das Kriegsamt werde Vorkehrungen für die Herbeischaffung der übrigen Kriegsgefangenen in solche Anzahl treffen, als dies mit den Lebensunterhaltungsverhältnissen in Südafrika vereinbar sei. Gefangene, die sich weigerten, Untertanen des Königs zu werden, würde die Rückkehr nach Südafrika nicht gestattet, jedoch erklärte sich die Regierung 6 er eit, seitens der (befangenen eine formeller Erklärung entgegenzunehmen, die gleichbedeutend mit der-, jenigen fei, welche die Duren, die sich in Südafrika ergaben, abgegeben hätten, in den Fällen, wo sie sich zu einem} förmlichen Eide nicht hätten verstehen wollen. Die aus- ländischen Kriegsgefangenen hätten keinen Anspruch nach Südafrika zurückbefördert zu werden. Paris, 7. Juli. Wie das Blatt ,Memorial diplo- matique" berichtet, tauchte bald nach der Proklamation des! Friedens in Südafrika die Idee auf, in Ka pftadt eine große Ausstellung englischer Kolonialpra- dukte zu veranstalten. Dieser Gedanke fand großen An-, klang, und es wurde unter dem Vorsitz Milners ein Komitee gekittet, das sich mit dieser Angelegenheit zu befassen hatte. Die Ausstellung soll vom November 1902 bis März 190)4 stattfinden. Petersburg, 7. Juli. Kaiser Nikolaus beabsichtigt^ 200 Privatpersonen aus allen Ständen der Bevölkerung Rußlands zu empfangen. Zu dieser überraschenden Med- düng wird noch berichtet: Der Zar habe feit einigen Monaten eifrig die soziale Frage studiert und sorgfältig äie darauf bezügliche Sitteratur verfolgt. Mit größter Auf-, merksamkeit habe er besonders ein unter dem Pseudonym „X" veröffentlichtes Buch, „Das neue Rußland", gelesen, das in ruhigem Tone die soziale Frage in Rußland' erschöpfend behandele. Der Zar sei dann zu der lieber^ zeugung gelangt, daß der Verfasser ihm bei Ausführung feiner Pläne zur Hebung Rußlands wertvolle Hilfe leisten könne, und habe Befehl gegeben, den wirllichen Namen des Autors zu ermitteln. Der Verleger des Buches habe ver«, sprochen, den Namen des Verfaffers zu nennen, wenn dieser feine Erlaubnis erteile . Krste Kammer. Es liegen heute Berichte verschiedener Ausschüsse des Hauses vor. In den meisten Fallen wird Beitritt zu den Beschlüssen der zweiten Kämmer beantragt. Dagegen beantragt der vierte Ausschuß bezüglich des von der zweiten Kammer angenommenen Antrags des Abg. Möllinger bett, die Erteilung von Wirtschaftserlaubnissen, bejjen Ablehnung, da der Ausschuß der Ansicht ist, daß, solange ein anderer, besserer Modus nicht gefüllten ist, um der großen Vermehrung von Wirtschaften zu begegnen, die Erteilung von Wirtschaftserlandnissen an die Bedürfnis^ frage geknüpft werden muß Bezüglich des Beschlusses ter zweiten Kammer bett, die Errichtung von Irrenanstalten in Gießen und Alzey beantragt der erste Ausschuß der ersten Kammer den Beitritt, jedoch mit der Maßgabe, daß in Frage 1 a Ziffer 3 die Worte: „mit der Maßgabe, daß zunächst die Anstalt in Gießen in Angriff genommen und fertiggestellt wird" gestrichen und vor die Zahl von 120 000 Mk. die Worte: „je 60 000 Mk. zusammertt eingeschoben werden. Lin Mitglied des Ausschusses (Frhr. Heyl zu Herrnsheim) hat gegen die Wahl von Alzey gestimmt, ist abex sonst völlig mit dem Antrag einverstanden.- :r dem von der zahl nicht wieder gewählt werden. Frankfurt a. M., 7. Juli. In einer Wirtschaft mit Damenbedienung in der Hafenstraße entstand zwischen einem Artilleri st en aus Darmstadt und einem J fielen Punkten dem preußischen Vorbilde entsprechen, man darf aber nicht verfchweigen, daß in anderen mindestens ebenso einschneidenden Bestimmungen eine große und unserer Ansicht nach meist zu Ungrmsten der hessischen Vorlage vorhandene Verschiedenheit zu Tage tritt." Unb zum Schluß äußert sich der Bericht: „Was das Befteuerungsrecht an sich betrifft, so wird eine Zwcmgsorga- nisation dasselbe nicht entbehren können. Ob die Höhe von 2 Pgf- — in Preußen ist es y2 Psg. — die richtige Grenze, für die Steuerautonomie ist, braucht nicht untersucht zu werden. Unserer Meinung nach wäre die Regierung durchaus im Rechte, wenn sie die Steuerautonomie nicht conce- dierte, sie stellt eine Antastung der ssiegierungsrechte dar. Es ist auch weder billig noch begründet, die Landwirt- schastskammer darin besser zu stellen als zum Beispiel unsere Landeskirchen und die Handelskammer. Kurz zu- sammengefaßt würden es also folgende Punkte sein, die die Annahme des Antrages nach Ansicht des berichtenden Ausschusses verhindern: 1. die Errichtung der Landwirtschaftskammer durch Gesetz, 2. die Einbeziehung der Forstwirtschaft, 3. die Pflicht der Regiermig, das Gutachten der Laudwirtschaftskammer einzuholen, 4. die Einführung des gleichen Wahlrechts, 5. die ordentliche Mitgliedschaft von Nicht-Landwirten, 6. die unbedingte Steuerautonomie. Der Ausschuß glaubt aus diesen Gründen von einer weiteren Besprechung der einzelnen Artikel absehen zu nickt füh p^"ck^i fhä“ SÄS' I mit'del BetämpMg des Mädchenhandels, der vielfach von » Händlern mit Jüdinnen nach Amerika, Afrika und fteaenben Fassung abzu?e h n en." Asien betrieben werde. Er sprach seine Zustimmung zu den I ^ch auch schon bereits beteiligt. 1 - Bestrebungen der jüdischen Vereine m London und Hamburg ^er Diskussion wurde il a daran erinnert, daß Haas ntth aus und forderte die galizisd)en, russischen "Mbbiner auf, nD^ bor drei Jahren vor dem Chilisalpeter wegen dessen ^vU5i gtlUUl UnV 3tUllV* Lur Bekäinpfung des Mädchenhandels eine Versammlung Giftigkeit gewarnt habe. Nad) den dazu gegebenen Auf- Gießen, 8. Juli 1902. in Galizien abzuhalten . schlüssen ist es jetzt gelungen, durch bessere Fabrikation die , „ e Q «3rrt I * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den ich^idkichen Wirkungen von Nebenstosfen zu beseitigen. Haas Die Ueberfuhrung der ^eiche es P ' Nachbarstaaten. In Bensheim wurde am 6. Juli beiI jeföft bemerkt schließlich noch, daß man der Salpeter- vinzialdirektors Geheimen Rats v. Bechtold fanb gütiger Witterung das so lang erwartete Einweihungs- Konvention durd)aus nicht entgegenarbeiten, sondern heute Vormittag vom Trauerhause in der Gartenstraße nach I fest des von der Sektion Bensheim des Odenwaldklubs auf! ihr vielmehr beitreten wolle. Das eine in Betrieb be- dem Bahnhofe statt. Nach einer Trauerfeier im engsten! dem nahen Hemsberg errichteten Bismarckturmes Stiert.I ftndli^ Kreise der Famllie bildete sich der Zug in der Gartenstraße In Lampertheim einer stürz und nachher eine um so größere Steigerung zur Folge unter Teilnahme sämtlicher Behörden Gießens, des Offizier- ^i Herren und em greK^arterißeS Mädchen m ej})al)en. Mit dem Bankkapital stehe man bereits in Unter- umer ^eunagme imruuajt j p , u v Nachenpartie auf dem Altrhem. Erstere wollten die ^n Genossenschaften werde nächstens eine korps der hiesigen Garnison und zahlreicher Freunde des Plätze wechseln, machten das aber so ungeschickt, daß der ^nkschiäst zugehen. 'Verstorbenen. Die Mllitärkapelle, vom Offizierkorps gestellt, Nachen um kippte und die Insassen ins Wasser fielen. ~ — qeleitete den Zug, der gegen 9 Uhr auf dem Bahnhofe ein- Die Herren konnten sich durch Schwimmen retten, aber das ZttormflrMtHS traf. Pfarrer Dr. N-um-nn hielt hier eine ergreifende m der Blüte der Jahre stehende Mädchen ertrank und VerMylyleS. Trauerrede, in der er der edlen ^araktere.aensckaiten des!konnte b.s heute Margen nach nicht gelandet werden. . Berlin. 7. Juli. Ein schwerer Zusammenstoß Verstorbenen gedachte, und hervorhob, wie mel sowohl nähere $cr Verband der nassauischen landwirtschaftlichen d"°Tx^Elhofer°Chaussee°^statt. ^Sieben Personen erlitten wie entferntere Verwandte und Freunde an dem Dahm- Genossenschaften I Verletzungen. Gleichzeitig fuhr am Königsthor ein Straßengegangenen verloren hätten. Nach einem kurzem Gebet wurde tagt zurzeit in L i,m b u r g. Nach dem Jahresberidft umfaßt h^hnwagen gegen einen anderen Straßenbahnwagen. Letzterer der Sarg in den Eisenbahnwagen gehoben, womit die Trauer- er 183 Genossenschaften mit 15 688 Mitgliedern. Der aus den Schienen gehoben. Unter den Paffagieren feier ihr Ende erreichte. Heute.nachm-ttag um 6 Uhr wtrb »n^m entstand eine Pamt. Mehrere Frauen wurden ohnmächtig, die Beerdigung in Darmstadt stattfinden. Die Leiche wird ,Verbandsdirektor Sck>reiner betonte das gute Einvernehmen -Ittemand verieyi. „„mnnnenen sRnAt kam auf bem dori-gen Friedhöfe in der ^>^!^"8rust^ei^esetzt !der Pe7er7meisk Großseuer zum Ausbnrch^Das Kuer werden. Zahlreiche Kranze, darunter solche von der Stadt « ins Stocken geraten. Landwirtschafts-- griff sehr schnell um sich, und em großer Tell der zur Messe Gießen, der hiesigen Universität, der Handelskammer, her ^nfpeftDr Kaiser-Wiesibaden gab Anregungen zur „l a n d -1 aufgerichteten Buden samt den Waren wurde zerstört. 'hiesigen drei Korps, begleiten den Entschlafenen nach Darm- wirtschaftlich-technischen Ausnutzung" des . @ffen, 7. Juli. Der Knecht Stahl entwendete LI?. ™ IpktpT Liebesdienst seinem Andenken Genossenschaftswesens. Wrr haben noch tausende Landwirt Dieckmann in Weitmar em Sparkassenbuch und stabt, em letzter Liebesdienst ümem Andenlen. Hektar nasser Wiesen. Die Zersplitterung des Grun0be,ches , iere im Wert von 200000 Mk. und flüchtete. * * 2er Großherzog ist, wie wir bereits meldeten, I ^xhid er Drainierung und Konsolidierung vielfach, im Wege,I , f,eidelbera 6 Juli Em sogenanntes ameri- aus England zurückgekehrt und von Station Groß-Gerau, die Belehrung und Verständigung innerhalb der Genossen- .. , /r r hifh^ hPn Abicklusi einer ^iebickaft die wo Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel anwesend war, alsbald schäften könnte manches bessern und erleichtemi. Der ratio- tanisches Duell bildete den AbschMtz^^er Liechchaft, dw zu Wagen nach Jagdschloß Wolssgarten gefahren. >Vvr der Ab- stelle Wechsel mit dem Saatgut wird noch! nickst im wünschens- 6 hiesige Studenten mit ^ner Bieimymphe angeknupft reife hatte der Großherzog am Samstag in London eine, eüie lüerten Umfange geübt. Die genossenschaftliche Verwendung hatten. Nachdem zwei von den sechs ausgeioll waren, loflen ,Adresse überreichende Abordnung des deutschen Militäu- &on Maschinen zur Verbilligung des Betriebes steht nur diese beiden unter sich und die schwarze Kugel traf em blut- vereins in England, welcher zur ,Hassia" gehört, in Audienz ^s ^m Papiere, und hat, ganz abgesehen von den baren junges Füchslein aus Karlsruhe, dem die Weisung zuteil empfangen. Ausgaben, mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu wurde, sich zwischen 6 und 8 Uhr abends durch Oeffnen der * * Pfarrer Dr. Grein. Wie wir hören, hat Pfarrer Kmpfen. Me Elektrizität ist zum Teil schon in den Pulsadern ummbringen. Der erst 19 Jahre alte Jüngling Dr. Grem eine Wahl des evangelischen Kirchenvorstandes der Dienst der Landwirtschaft gestellt. In der Viehzucht! sich auf seinem Zimmer zur vorgeschriebenen Zeit auch Stadtkirche zu Darmstadt angenommen und wird Gießen könnten wir einen gewaltigen Schritt weiter sein, wenn sich . an bic s^rbeit indem er sich mit einem Seziermeffer demnächst verlassen, um an die Stelle des zum die Geuofienfchafteii ihrer angeiiommen hatten. Wir haben . V f ( b^n linken Arm durchschnitt. Als der Superintendenten der Prvv.nz Oderheßen ernannten Pfarrers heute noch nrch^eene g« Uh7das Zmn77 des Studenten Petersen zu treten. & ^fceöauern mit öer ©e^ ^er Glicht immer richtig. Für Obst- und betrat, fand er ihn blutüberströmt, aber noch lebend am Bo- memde das Weggehen des allgemein beliebten und m stmem ^ierverwertung, sowie für die Geflügelzucht den liegen. Der Schwerverwundete wurde sofort in die Klinik Amte ausgehenden Predigers und £>eel)orgcr§. könnten die Genossenschaften noch sehr fördernd wirken, verbracht und soll heute außer Lebensgefahr sein. * * Der Kaiser in Mainz, xer „M. A bringt — Nach einem Vortrage des Haupt lass en-Rendanten Pettt- • London 7. Juli. Der Luftschiffer Spencev eine Nachricht, nach der der Kais er am 6., (. urck> 8^ jean-Wiesbaden, der die Gewährung von Reat kredit durch . , - Begleitung seiner 9jährigen Nichte einen August nach Mainz kommt und hier in Verbindung mtt ber 6 unb Darlehnskassen v er w ir s t, weil die Fe«tlegung "' 9 « 1 Luftballon. Der Truppenschau dem Ko n i g v o n I talien dessen Husaren- Barmittel kleiner Sparer in langfristigen Hypotheken Aufstieg mit feinem neuen lenioaren x-urtoanon. Regiment vorführt. König Viktor Emanuel beabsichtigtes^ ~yaIte einer Beunruhigung und Rückforderung zu Krisen Versuch gelang vollllandlg. . seinen Besuch in Berlin mit der jetzigen Reise nach Peters-L^ren tarnt, gelaugte eine Resolution zur Annahme. Sie * Wien, 7 Juli. Auf dem oemmermg hat sich em bürg zu verknüpfen; da aber im Berliner Schlosse jetzt bau- ft^M den Kreditgenossenschaften: Grundsätzliche Aus- imbekannter, wahrscheinlich aus Deutschland stammender, liche^ Aenderungen vorgenommen werden, ebenso die Linden- f ch i t u n g des Realkredits (der nur beim Vor- elegant gekleideter 50jähriger Mann erschossen. Auf dem straße verändert wird und auch sonst militärisch^ Rücksichten y^densein 'hierfür geeigneter Mittel als Ausnahme zulässig Hemdkragen ist die Firma Leopold Gallinger, Hoflieferant, .entgegenstehen, haben, sich die betdeu: Monarchenverstau- )on ,. ,ur Sicherung des P e r s o n a l ttedits sollen eingedruckt. ^ö.l/bbn Berliner Besuch bis August zu verschieben. Die Anutionshypotheken dienen. ' Budapest, 7. Juli. Der Eisenhändler Marton Besichttgung des Regiments», dessen Ehef der Kvnig ist, an Geheimrat H aas-Darmsllidt gab als Genossenschafts- । der Näbe von Szebszar ermordet und beraubt. der obengen-urnten Tage, rst also durchaus nrcht fi^^ znfammenhängcnde MUteilnngen über den Er-sturde m der siahe von gjutm tobt unwahrscheinlich, (Trotzdem geben w t r diese Nachricht wtt von S a l p e t e r f e l d e r n in Südamerika! .^ew-Iort, 7. fcywerer «rurm »o« ^ller Reserve wieder. Die Red. des Gieß. Anz.) burch deutsche landwirtschaftliche Genossenschaften und Kor- Westen des Staate- New-York. Infolge des Unwetters Zum Ausfall des Abg. Köhler-Langsdorf Portionen Er führte darüber aus: traten Flüsse aus den Usern, Brucken sind sottgeriffen und . Müller, Lollar, DWWiWW ©elbisse (fünft!.) oder Teile derselben kaufe ich, durchreisend, Dienstag und Atitttvoch den 8. mrd 9. Juli in Gießen, Hotel zum Rappen, Wall» chorstraße 35, (Sing. 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