Nr. 285 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 7. Oktober 1903 tL-ttch außer Sonntags. Dem Siebener Anzeiger werden tat Wechsel mit dem Velfifche« Landwirt die Siegener LamiNen» Höfler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh loschen Hntvers^Buch-u.Stein- b ruderet (Pietsch Erben) Redaktion, Trpedttio« und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Sieben. Fenisprrchanschluß Öhr. 61. GletzenerAnzeiger General-Anzeiger ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ber«g»p»,t»r rnonalUch7b^viertel» iäbrltch Ml. 2.20; durch Abhole- xu Zweigstellen monatlich 6d Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel jährl. ausschl Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilen preis: lokal 12P1« auSwärt» 20 Psg. verantwortlich: für den polit. tu allgem, Leil: P. Wittko: für „Stadt und Land* und .Derichtssaal*: Lurt Plato; für den An- zeigsnteil: HanS Beck. Bekanntmachung. Betr.: Vorträge über Obstbau. Der für SamStag, den 11. d. Mts., angekündigte Vortrag deS Herrn Obstbautechnikers Wiesner, der in Langd abgehalten werden sollte, fällt auS. (Ließen, den 7. Oktober 1902. Der Vorsitzende deS Vereinsbezirks Gießen des Oberheff. Obstbauvereins. Dr. Heinrichs. KeKanntmachung. Bei einem Schweine deS Heinrich Roth IX. zu Längs- darf ist Schweinerotlauf festgestellt worden. Gehöftsperre ist angeordnet. Gießen, den 6. Oktober 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. Breidert. KeKanntmachung. Betr.: Die landwirtschaftlichen Winterschulen zu Alsfeld und Friedberg. Die beiden nachstehenden Bekanntmachungen bringe ich zur Kenntnis der Vereinsmitglieder mit der dringenden Empfehlung, von den hiernach gebotenen Einrichtungen so weit nur irgend thunlich Gebrauch zu machen. In dem lausenden Voranschlag des Vereins ist ein Betrag von insgesamt 150 Mk. vorgesehen zur Gewährung von Beihilfen zum Besuche von Ackerbauschulen. Die jungen Leute aus dem Vereinsbezirk, die einer Bewilligung hiernach teilhaft werden sollen, lade ich ein, ihre Absicht, den Kursus in AlSfeld oder in Friedberg mitzumachen, durch Vermittlung der Großh. Bürgermeisterei ihres Wohnortes mir im Laufe dieses Vtonats mitzuteilen. Gießen, d,en 3. Oktober 1902. Der Direktor des landwirtschastl. Bezirksvereins Gießen. I. V.: Schlenke. KeKanntmachung. Betr Die landwirtschaftliche Winterscbule zu Alsfeld. Die landw. Winterschule zu Lllsfeld beginnt ihren 30. Winterkursus DienStag den 4. November d. I., vormittags 11 llhr. Indem wir zum Besuche der Schule einladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirten diejenigen Fachkenntnisse, welche heute zur rationellen Bewirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig sind, in zwei fünfmonatlichen Winterkursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule drei Landwirtschaftslehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet. Ausgenommen werden junge Leute im Atter von 14 ete 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht haben; in den oberen Kursus nur solche, welche schon den unteren Kursus mit Erfolg besucht haben, ober welche nach weisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Kursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden. Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aussicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien, und können Wohnungen zu 30—40 Mk. pro Monat von dem Vorsteher der Schirle, Herrn Oeko- nomievat Leithiger nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für Ms Wintersemester 25 Mk. Anmeldungen sind an den Aufsichtsrat ober an Herrn OÄkonomierat Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speziellere Anfragen zu beantworten. Alsfeld, den 1. September 1902. Der Aufsichtsrat ber landw. Winterschule Alsfeld. Dr. Melior. Bekanntmachung. DaS Wintersemester der landw. Abteilung beginnt Montag, den 3. November. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an unterfertigte Direktion zu richten, von welcher auch Statuten, sowie Wohnungsausweise und Schülerfahrscheine zu erhalten sind. Großh. Direktion der Obstbau- und landw. Winterschule zu Friedberg. Dr. v. Peter. Nolitische Tagesschau. Zum Falle Endell. Als Erwiderung auf die erwähnte Bühring'sche Broschüre über den „Fall Endell" sendet der darin erwähnte Direktor des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften in Posen, HüneraSky, der „Dtsch. Tagesztg." folgende Erklärung: „In der Sache der Posener Genossenschaft erkläre ich, daß die Anführungen des aus dem Dienst entlassenen Verbands-Revisors Bührmg ui der von ihm in die Welt gesetzten Broschüre von Anfang bis zu Ende bewußte Unwahrheiten oder Verdrehungen einfacher Lhatsachen sind. Zur Charakterisierung der Behauptungen der Bühring'schen Broschüre bezüglich des Vertrages zwischen dem Verbände der Posener Genossenschaften und dem Bunde der Landwirte sei die Wirkung des Vertrages hier angeftihrt. Dem Posener- Verbände sind heute angeschlossen: 263 Spar- und Darlehnskassen, 88 Alolkerei-Genofsenschaften, 25 Ein- und Verkaufsaenossenfchaften, 40 verschiedene Genossenschaften, zusammen 366 Genossenschaften. Dagegen zählt der Verband des Bundes der Landwirte in der Provinz Posen nur: 1 Spar- und Darlehnskasse, 3 Ein- und Verkaufsgenossenschaften, 8 Brennerei-Genossenschen, 16 Pferdezucht- Genossenschaften, 4 verschiedene Genossensc^ -ften, zus. 32 Genossenschaften. Von unseren Genossenschaften Hal keine einzige heute die Bestimmung in chren Satzungen, daß Mitglieder der Genossenschaften gleichzellig auch Mllglieder deS Bundes sein müssen. Dagegen enthalten noch zwei oder drei die Bestimmung, daß die Mitgliedschaft in der Genossenschaft von der Mitgliedschaft beim Verein zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken abhängig gemacht wird. Werin auf ausdrückliches Verlangen der Mitglieder derartige Sonderbestimmungen, wie dies auch in vereinzelten Fällen erfolgt ist, in die Satzungen aufgenommen werden, so hat die Verbandsleitung durchaus keine Veranlassung, dies zu verhindern." Schließlich kündet Hünerasty an, daß sich der Rest der Angelegenheit vor Gericht abspielen wird. Auch der Major Endell selber sandte einem Berliner Blatt eine Zuschrift, in welcher er mitteilt, daß er Bühring wegen Verleumdung gerichtlich belangen werde. . .......■■■■■■ । . 'aaa»i...n । Ans tzluöl und Land. Gießen, den 7. Oktober 1902. ** Theater-Verein. Auf die Bekanntmachung des Vorstandes im heutigen Anzeigentell, betr. die Aufführung des Schauspiels „Das große £idjt" im Stadttheater, weisen wir die Mitglieder des Theätervereins besonders hin. Ter Vorstand wünscht in dieser Vorstellung die Mitglieder mit dem größten Teil des neu engagierten Personals bekannt $u machen, deshalb ist ein zahlreiches Erscheinen der Mitglieder sehr erwünscht. Zudem handelt eS sich um eine Schauspielnovität, die überall mit dem größten Beifall gegeben wird und die es im Wnigl. Schauspielhaus in Berlin schon auf bald 100 Auffhrungen gebracht hat. ** Haushaltungsschule. Von den zahlreichen sozialen Bestrebungen und Forderungen unserer Zeit auf allen Gebieten des Gesellschaftslebens sind wohl als die wichtigsten und am ersten realisierbaren diejenigen, einer guten Volksernährung und rationellen Gesundheitspflege anzusehen. Vereine und Kommissionen haben es sich zur Pflicht gemacht, an ber Lösung ber mannigfachen Aufgaben im Interesse ber öffentlichen Wohlfahrt thatkräftig mitzuarbeiten. — Hat man zunächst die Beschaffung guter und billiger Nahrung für die Volksmassen, insbesondere für Arbeiterfamilien in größeren Städten durch Volksküchen und andere Einrichtungen zu ermöglichen gesucht, so ist man doch bald zur Ueberzeugung gekommen, daß auf diesem Weg das wichtige Problem nicht gelüst werden kann. Darum hat man die Familie als die Grundlage ber Gesellschaft für die körperliche Entwickelung des Einzelnen vev- antwortlich gemacht, und hier ist es die Hausfrau, die Verständnis und die nötigen Kenntnisse zur Herstellung guter und billiger Speisen haben muß. Allgemeine praktische Anleitung als auch theoretische Unterweisung in den wichtigsten Zweigen ber Haushaltungskunbe wollen die Fortbildungs- unb Haushaltungsschulen ben der Schule entwachsenen Mädchen für ihren künftigen Beruf als Hausfrauen vermitteln. Auch Gießen ist im Besitz einer solchen Haushaltungsschule, die am 13. Oktober eröffnet wird- Die Schule, die nach dem Urteil von berufenster Seite stets die besten Resultate erzielt hat, wird von einer dazu speziell vorgebildeten Lehrerin geleitet Es soll in ihr den Mädchen Gelegenheit geboten werden, sich! unter geringen Kosten oder kostenlos in weiblichen Handarbeiten, im Maschinennähen, Bügeln und ganz besonders im Kochen und in der Führung eines einfachen Haushaltes auszubilden. An der Haushaltungsschule soll gelehrt werden, wie man durch richtige Zubereitung mit bescheidenen Mitteln eine nahrhafte, wohlschmeckende Speise Herstellen kann; zugleich soll aber auch ber Sinn für Sparsamkeit, Ordnung unb Reinlichkeit in Küche und Haus geweckt und gepflegt werden. Wenn es keine Frage ist, daß von der einsichtsvollen Führung des Haushaltes das Wohl einer Familie abhängt, so kann man den Eltern nicht genug empfehlen, durch recht zahlreiche Anmeldung ihrer Töchter von der gebotenen Gelegenheit Gebrauch zu machen. ** Zu den Landtagswahlen. Ans Ber9roK wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben : Am Sonntage fand hier im Saale des Gastwirts Hofmann eine sozialdemokratische Wa hlver- fammlung statt. Der Einberufer, Redatteur Vetters von Gießen, verbreitete sich in längerer Rede über die Ziele feiner Partei, über die Zölle unb besonbers über die bevorstehende Landtagswahl, wobei er in scharfen Worten das indirekte Wahlrecht tadelte. Die Versammlung war nicht stark besucht, Erörterungen sanden nicht statt. )( Aepfel! Tie reiche Aepfelernte, die uns die Gunst des Wetters schenkte, und einigermaßen das gänzliche Fehlen der Quetschen" verschmerzen läßt, ist zum größten Teile geborgen. Bei den Versteigerungen der verflossenen Woche wurden von auswärtigen Händlern die Preise auf zur Rede Setzenden dann mit seinem Revolver nieder- schoß. Dieser Syndon ist ein Sump !" Mer dann wurde eine andere Lesart verbreitet: „Die Liebschaft mit einem halben Kinde ist eine Erfindung der Angehörigen des Börsenmaklers, die nicht eingestehen wollen, daß dessen Frau Syndons Geliebte war!" Und plötzlich fühlt man sich diesem seelenverwandt. Man findet jene Erfindung empörend, aber daß Syndon jahrelang die Wohlthaten und die Gastfreundschaft dessen annahm, den er betrog, das erscheint vielen ganz selbstverständlich: so abgeschwacht ist bei ihnen der moralische Sinn. Ja selbst die blutige Rache an dem, ber dem Verführer feiner pflichtvergessenen Gattin die Thür zu weisen sich unterfängt, dünkt ihnen verzeichhlich: Dieser Uebermensch liebte die Frau seines Wohlthäters ja so übermenschlich! Wie hat ben Aermsten die Eisersucht gemartert! ©in Freunb des Mörders glaubt ihn in der Thal durch folgende Charakteristik entschuldigen können: „Ein ungewöhnlich empfindsamer Mensch, ben bie besten Vernunftgründe nicht beeinflussen können, wenn seine Nerven erregt sind!", während er doch nur dessen Gern ein gesähr- lichleit kennzeichnet. So sind sie alle, jene selbstsüchtigen Entarteten, die nur an ihre eigenen Leiden unb nicht an die denken, welche sie anderen bereiten. Sklaven ihrer Leidenschaften und unfähig zu einer Willens'that, zu regelmäßiger Arbeit, verdammt zu dem ewigen Stromer- und Parasitenleben ber Künstlerbohöme! Tie meiste Nachsicht aber findet Synbon in den Pariser Salons, so scheint's, bei dem schönen Geschlecht. Schon bas Wort „passionelles Verbrechen" ist ein angenehmer Kitzel für Ibje tränten Nerven ber „monbaine", die sich, lüstern nach neuen Sensationen, um so lieber in alle feine Einzelheiten hineinträumt, als es ungewöhnlich ist. Und' das ist diesmal recht eigentlich der Fall, denn gemeiniglich endet das Ehebrnchsdrama ja nicht mit dem Tode des Störenfrieds, Gatte genannt, sondern mit dem des sympathischen Liebhabers. 1 Eugen v. Jagovh ßin passtoneLes Serörecheu i« ßttetat. Paris, 29. Sept. Vor etwa einem Jahre erschien in Paris aus der Feder eines ber hervorragendsten Kriminalisten der Gegenwart, des Gerichtspräsidenten Proal, ein Buch mit dem recht zeitgemäßen Stiel „Das passionelle Verbrechen und der passionelle Selbstmorb". Es wird darin ausgeführt, daß die Auswahl der Bucher für die Gesundheit des Geistes so wichtig sei, wie bie Auswahl ber Speisen für den Körper, unb baß nachlässige Eltern und unlautere Romanschrift- Beller einen großen Teil der Verantwortlichkeit für bie äufigleit der Selbstmorde unb ber aus Leidenschaft begangenen Verbrechen hätten. Proal hätte in feiner Anklage die Pariser Journalisten nicht vergessen sotten; chre Berichterstattung über derartige Verbrechen demoralisiert oft mehr, als der schlüpfrigste Roman, weil sie häufiger unb mehr gelesen wirb und wie ein noch schlüpfrigerer Auszug aus einer solchen wirkt. Die ganze Boulevardpresse füllt s eit mehr als einer Woche täglich ganze Spalten mit der Wiedergabe des im „Fränk. Kurier" schon mehrfach erwähnten „Dramas von Etretat", das um so „Pariserischer" anmutet, als es in einem von der Pariser Lebewelt viel besuchten Seebadeorte sich abspielt. Ich will versuchen, an diesem Beispiel das Vorhergesagte zu veranschaulichen. Kaum hat sich ein „drame monbain" zugetragen, von 2)ent also anzunehmen ist, daß es für einige Tage bas Hauptgespräch der Pariser Salons bilden wird, macht sich ein ganzes Heer von Reportern auf den Weg. Schon ist die Neugier des Publikums durch den summarischen Bericht der Umstände, unter denen das Verbrechen stattfand, gereizt worden. Es weiß schon, daß ber noch jugendliche Maler Synbon ben Börsenmaller David in Gegenwart von dessen Frau nach einem heftigen Wortwechsel erschossen hat. Auch über die Natur ber Wunde, über die Haltung des Mörders, der nichts bereut und über ben L^w eg gründ feiner That asusschweigt, über die Uebersührung der Leiche nach Paris, über allerlei Nebenumstänbe hat es schon das Eine oder Andere erfahren. Aber das genügt ihm längst nicht, unb statt das Ergebnis ber gerichtlichen Untersuchung abzuwarten, macht nun ber Reporter selbst eine Enquete, deren Einzelheiten er, noch bevor er sie beendet hat, und auf die Gefahr hin, Unwahrheiten und Verleumdungen zu verbreiten, haarllein berichtet. Zuerst schildert er ben Stranb, auf dem ber Mord ftattfanb, das Haus, in dem ber Mörber wohnt oder der Ermordete aufgebahrt liegt, bann befragt er ben Pförtner, bessert Loge ber Mittelpunkt bes Lausklatsches ist, bie Dienstboten, bie dort vorsprechen, und schließlich auch die Familie, die natürlich auch Interesse daran hat, dem Gegner unb seiner Familie möglichst viel Schlechtes nachzusagen. Auf diese Weise werden alle beschmutzt, unb je mehr Skandalofa, von denen natürlich auch ein Zehntel wahr ist, die Zeitung bringt, um so eifriger wirb sie gelesen. Die Gestalten des .Verbrechers, seines Opfers unb ber ihnen nahestehenben Personen stehen vor dem geistigen Auge derer, bie sich mit chrer Psychologie wie mit einer Zwangsvorstellung unausgesetzt beschäftigen, so lebendig da, wie die Figuren eines Bühnenstückes, aber freilich nichts so, wie sie sinb, sondern so, wie sie sich bie überreizte Phantasie auf Grund völlig wertloser Reporter- schilberungen unb ihrer krankhaften Neigungen ausmalt, sich ganz in ben gefährlichen Dunstkreis des Verbrechens einlebenb. Noch weiß man nichts unbebingt Sicheres über ben Beweagrunb des Verbrechens, unb schon bilden sich in ber Gesellschaft wie in der Presse zwei Gruppen, von denen die eine für ben Mörder, die andere gegen ihn Partei ergreift. Unb man muß leider feststetten, daß bie Zahl berer, die ihn „sympathisch" finden, wächst. Anfangs hieß es: Syndon, ein talentvoller, aber arbeitsunlustiger armer Maler, hat die Gastfreundschaft seines Gönners dadurch belohnt, daß er sich dessen erst fünfzehnjährigen, noch dazu etwas verkrüppelten Tochter gegenüber in mehr als unpassender Weise benahm unb daß er ben ihn deswegen. ei» Mei ku Laude nicht aewohnte Höhr getrieben, und mancher Apfelbaumbesitzer streicht Dergnügt den Erlös ein; auch mancher Gemeinderechner verzeichnet m seinen Büchern ein Plus aus ,F)bst und anderen Naturalien", das er sich bei Aufstellung deS Voranschlags nicht träumen ließ. Gemeinden, die mehrere tausend Mark aus ihren Obstanlagen lösen, gehören nicht zu den Seltenheiten. Auch die Hohen Fleischpreise mögen eine erhöMe Nachfrage nach Obst veranlaßt haben; denn was an Wurst, Fleisch und der ewig teuren Butter gespart wird, wird in Objst angelegt. Eine in Äpfeln oder Birnen bestehende Zugabe zum Frühstück oder Vesper ist besonders den Kindern willkommen. — Zu den Begleiterscheinungen der Aepfelernte gehört auch der allen Buben angeborene Hang ^iun Aepfelstehlen- er stellt sich alljährlich so regelmäßig ein, wie das -Drachensteigen. Co lange es Aepfel giebt, wird es auch Aepfeldiebe geben. Gute Lchren und gute Ueberwachung, sowie die unausrottbare Furcht vor dem Stock oder was dem glücklichen Obst- baumbesitzer und Wächter gerade in die Hände fällt, halten die Liebhaber von Gratisäpfeln nur in wackelnden Schranken. Denn es kann nur derjenige die Tantalusqualen, die ein Bubenberz beim Anblick eines früchtestrotzenden Aepfel bäum es üoer kommen, mitempfinden, der einst selbst ein Bube war, ergo „Eppel strenzte". Verbotene Früchte schmecken bekanntlich am besten, besonders dann, wenn der jugendliche Dieb die Taschen voll hat und denjenigen Körperteil ungebläut in Sicherheit weiß, der von der Natur zur Erziehungsfläche bestimmt ist. Uebri- gens wird den Herren Buben das „Eppelstrenzen" gar nicht so schwer gemacht. Auch die Aepfelbäume wachsen nicht in den Himmel, und im kleinsten Dorfe ist der Turnunterricht obligatorisch genug, um mit Erfolg Aepfeldieb- Aspiranten züchten zu können. Und wo eine wohlweise Gemeinde- oder Kreisverwaltung Aepfelbäume pflanzt, legt sie auch in Abständen von 60 Mttern Lagerplätze für Wurfgeschosse, d. h. handlich geklopfte Steine an. Wem es aber ein fallen sollte, den ersten Stein nach einem apfellüsternen Jungen zu werfen, der denke an jene biedere Dachs en Häuser in, die einem von jungen Aepfeldieben heimgesuchten, mit dem Abstrafen eines solchen beschäftigten Gymnasiallehrer zurief: „Losse Se den doch laafe, Sie hawe gewiß auch, wie Se noch so e Läusbub Ware, auch Eppel gestrenzt"^ Dem Herrn Dr. Phil, leuchtete dies ekU, denn er ließ den Buben „laafe". (-) Fri ed b e r g, 5. Okd Auf das Ausschreiben unsere? Kriegerdenkmals hatten über 100 Bewerber Zeichnungen, bezw. Modelle eingesandt, von welchen zwei in engere Wahl kamen, nämlich Hammer st ein - Charlotten- burg und H a r t i g - Meiningen. Gestern sind die Modelle — y6 natürlicher Größe — eingetroffen und in aller Kürze wird die Entscheidung fallen. Ter eine Entwurf ist ein Obelisk, während der andere einen jungen Krieger darstellt, der das Grab eines gefallenen Kriegers schmückt. Noch in diesem Winter sollen die Arbeiten zur Aufstellung beginnen; den Grundstein gedenkt man an Kaisers Geburtstag zu legen und die Einweihung ist für Juli 1903 vorgesehen. Tas Denkmal wird in der Kaiserstraße gegenüber dem Amtsgericht seinen Platz finden. Die Kosten werden sich auf 15 bis 16 000 Mark belaufen; 12 000 Mark sind bereits gesammelt, darunter 2000 Mark, die die Stadt bewilligt hat. Die Werningschen Kriegs festspie le brachten allein einen Reingewinn von 4000 Mark, der in den Tenk- malsfonds floß. Auch der Athletenklub, der bei dem deutschen Athletenwettstreit am 16., 17. und 18. August einen namhaften Ueberschuß erzielte, beabsichtigt dem Denkmalfonds eine Summe zu überweisen. Künste Generalversammlung des Bundes Deutscher Irauenvereine in Wiesbaden vom 4. bis 7. Oktober. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") Nach dem unerquicklichen Treiben, das sich so oft auf den sozialdemokratischen Frauenttagen absvielt, ist es für jeden vorurteilslos Denkenden eine angenehme Pflicht, den Bildern und Verhandlungen näherzutreten, welche sich aus den Kongressen der bürgerlichen Fraupnbe- strebungen zeigen. Wer jemals Zuhörer und teilnehmender Zeuge dieser Frauentage gewesen, kommt, falls er wirklich den Wunsch nach Information mitbringt, von dem Wahne zurück, als wenn man es in der deutschen Frauenbewegung mit vorwiegend radikalen und extremen Elementen zu thun habe. 'Diese bilden im Gegentell einen verschwindend kleinen Prozentsatz und haben weder bei den Generaldebatten, noch in den Kommissionssitzungen führende Stimme. Die Regierungen und Behörden fangen denn auch seit den letzten fünf Jahren an, die Gruppen zu unterscheiden. Die Aufnahme, deren sich der „Bund deutscher Frauenvereine" in Wiesbaden bereits am Vorabend zu erfreuen hatte, war eine sehr schmeichelhafte. Offiziell vom Stadtoberhaupt, Oberbürgermeister Dr. v. Jbell, in dem Festsaal des Kurhauses begrüßt, vom abwesenden Oberregierungsrat Bake durch ein Wlllkommstelegramm geehrt, konnte er sicher sein, daß man seinem reichen, weitverzweigten Arbeitsprogramm an leitender Stelle das nötige Verständnis entgegen trug. ©ine geradezu großartige splendide Gastfreundschaft haben am Begrüßungsabend der Wiesbadener Verein „Frauenbildung- Frauenstudium" und der Verein „Frauenklub" an den Delegierten und Gästen geübt. An der ganzen Inszenierung, den geschmackvoll ein- studierten Frauenchören, welche den Festakt ein- und aus- leiteten, den reichen Büffets, die jedem Geschmack Rechnung trugen und auch die Ylnwesenheit zahlreicher Damen der Abstinenzvereine nicht übergingen, sagten den vielen Teilnehmern, welche von Tilsit und Zweibrücken sowohl als von Flensburg und München herbeigeeilt waren, daß sie sie sich in einer großen, eleganten Stadt befänden, in der man Gäste aufzunehmen weiß. Aus der weihevollen Begrüßungsansprache deS Frl. Anna v. Dömming, der früheren Leiterin des großen, über ganz Deutschland verbreiteten Vereins,^Zrauenbildung-Frauenstudium", konnten die Delegierten die Gewißheit schöpfen, daß sie hochwillkommen seien, daß verständige propagandistische Thätigkeit ihrer Arbeit den Boden geebnet habe und die Gäste und Delegierten, die sich da am Begrüßungsabend zu gemütlichem geselligem Beisammensein in größeren und kleineren Gruppen vereinigten, repräsentierten so ziemlich alle Schattierungen und Altersstufen innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegung. Dem entsprach beim auch die Mannigfaltigkeit der Toiletten. Der Galaton, das Festkleid herrschte vor. Einige Damen versuchten auch mit mehr oder minder Glück jur die Reform- kl e i d u n g Reklame zu machen Da heißt es nun aber wirklich auch Eines scknctt nicht lür alle Kurze, untersetzte Figuren nehmen m die c lose flatternden, der Empirerobe bad) vi.iuiä) deutlich nach- gebildeten Aeformtrack)t nichts weniger als vorteilhaft am Auch etliche extravagante Kvstümversuche fehlten nicht. Tine Dame hielt eS gewiß für einen sehr genialen Einfall, an diesem Festabend als eine Svielart der „Porzia" herum- Aulaufen. Wir waren entschieden anderer Meinung und die meisten der Anwesenden. Aber bekanntlich kann man niemand daran hindern, wenn er sich lächerlich machen will und einen Frauentag mit einer Karnevalsbelustigung verwechselt. Wir möchten nur stark unterstreichen, daß derartige outsiderS, die dekorativ abschreckend wirken, mit der ernsten Frauenarbeit nichts zu thun haben, und auch kaum bei den Sitzungen auftauchen. Von führenden Frauen, den eigentlichen Trägerinnen der Bewegung, nahmen wir in erster Linie wahr die umsichtige, taktvolle Leiterin des Ganzen, Frau Marie Stritt (Dresden), deren schlagfertiger Geist sich gleich in den Dankesworten kund gab, welche sie auf die Begrüßung erwiderte und die bei der Eröffnung der geschäftlichen Beratungen am nächsten Morgen das Gedächtnis der unvergeßlichen, im Juni verstorbenen Ehrenpräsidentin Auguste Schmidt in Leidig mtt Worten ehrte, denen man tiefe innere Bewegung anmerkte. Unmöglich zu übersehen ist die vornebm-emste Erscheinung von Helene Lange (Berlin), deren erster öffentlicher Vortrag am Samstag Abend „Wissen und sittliche Kultur", die harmonisch durchgebildete und zur Höhe überschäumender philosophischer Weltanschauung herangereifte Persönlichkeit dokumentiert. Prächtige, würdige Erscheinungen sind ferner die alten Damen Henriette Goldschmidt (Leipzig), die rührige Propagandistin für das Fröbelsche Erziehungswerk, Lina Morgenstern, die den Diskussionen aus dem Schatz ihrer reichen praktischen Erfahrungen manchen guten Wegweiser gab, Frl. Ottilie Hoffmann (Bremen-, die überzeugte und erfolgreiche Vertreterin der Mäßigteitsbersteb- ungen, und Frau Math. Hecht (Tilsit), die auch auf den Lehrerinnentagen immer als sehr anregendes Element empfunden wird; die angenehmen Erscheinungen des Frl. Alice Salomon, Schriftführerin des Bundes, des Frl. Gertrud Bäumer, die mit Helene Lange das „Handbuch der Frauenbewegung" herausgegeben hat, Frau Elsbeth Krükenberg (Bonn), Herausgeberin der „Neuen Bahnen". Als Vertreterin der Sittlichkettsfragen ist die mutige Frau Hanna Bieber-Böhm erschienen. Von Doktorinnen sahen wir: Frl. Anita Augspurg, Dr. jur. Frl. Marie Raschle, Dr. jur. Frl. Käthe Windscheid, Tr. Phil. Frl. v. Richthofen, Dr. Phil. Frl. v. Lengefelo, Dr. Phil. Frl. Helene Stöcker, Dr. Phil. Frl. E Mensch, Dr. Phil. Frl. Kuhnow. Tie sächsischen Städte und das Badener Land hatten besonders viel Telegierte geschickt. Von Wiesbadener Damen fielen angenehm auf bie ladyliken Erscheinungen deS Frl. A. v. Do emming, des Frl. v. Massen b ach, der Baronesse Ottilie v. B i st a r m, der Frau Dr. Rosenthal, des Frl. Jenny Rochlitz, sämtlich eifrig thätig in der Frauenfrage. Tas Durchgehen der Präsenzliste nahm am nächsten Vormittag, nachdem Frau Statt die fünfte Generalversammlung als eröffnet erklärt hatte, ziemliche Zeit in Anspruch. Unmöglich können wir alle 15 7 Vereine, die jetzt der Bund umschließt, namhaft machen. In erster Linie erwähnen wir den „Ällgem. deutschen Frauenverein", den „Allgem. deuffchen Lehrerinnenverein", den Landesverband preuß. Volksschullehrerinnen, den Letteverein, den Verein „Frauen-' bildung - Frauenstudium", den „Verein für Fraueninter- essen", den Verein „Fvauenwohl", den deuffchen Abstinenten- Frauenbund, die Frauengrupven für Bodenreform, Soziäb- resorm, ethische Kultur, die Rechtsschutzvereine, evangelische Diakonievereine, der Deuffche Schwesterinnenverband in Hamburg, israelitische Frauenvereine, Berliner Hausfrauenvereine, Vereine zur Belohnung treuer Dienstboten. Daß die Darmstädter Alicevereine es versäumt hatten, den Tag zu beschicken erregte großes Erstaunen. Auf der Tagesordnung standen zunächst: Reform des Krankenpflegerinnenwesens. Erfreulicher Zuwachs kam den Diakonissen dieses Kapitels durch die Mitbeteiligung vieler Schwestern vom Roten Kreuz. Sehr sicher und klar sprachen zum Thema die würdige Frau Oberin v. Walmenich (München) als Gast, eLiterin des bayer. Landeshauses vom Roten Kreuz, ferner Frau Oberin Marie Sauer vom Kaiser Friedrich-Hospital in San Remo und die junge Schwester Helene Meyer (Hamburg), deren Antrag en bloc, unterstützt von Professor Zimmermann (Zehlendorf), angenommen wurde. Rege Debatten knüpften sich an das Thema „Jugendschutz". Als gewandte Rednerinnen erwiesen sich vor allem Frau Fürth (Frankfurt a. M.), Frau v. Fo r ster (Nürnberg), Frl. Lischnewska (Spandau), Frau Sara P r o e l ß (Berlin), Frau Marie Hecht (Tilstt) u. a. Von Herren griffen in die Diskussion ein: Oberst Galli (Berlin), Schuldirektor Harry Schmidt (Char- lottenburg). Letzterer zählt wohl nur zu den ,Halben" Freunden der Frauenbewegung. Wenigstens kann man sich dieses Eindruckes bei der Lektüre seines Buches „Frauenfrage und Mädchenschulreform" nicht erwehren. Auch bei der abendlichen Diskussion, welche sich an die beiden öffentlichen Vorttäge knüpfte, trat das hervor. Infolge des Referates, welches Frl. Mathilde Planck (Stuttgart) über die „Reform der höheren Mädchenschule" gab, wäre es, auf Grund einer rein sachlichen Anmerkung Frh Langes, die von einem Herrn in kaum zu begreifender Weise mißverstanden wurde, fast ku einer leichten Gereiztheit des Tons gekommen, wenn bie Ruhe und Überlegenheit Frl. Langes nicht sofort ausgleichend und beschwichtigend gewirkt hätten. Am Vorsdandstisch fehlten leider, im letzten Augenblick am Erscheinen verhindert: Frau Anna Simson (Breslau), die stellvertretende Vorsitzende, und Frau Elisabeth Kase- lowsky (Berlin), Schatzmeisterin. Ganz besonders schmerzlich vermißten wir bei den Debatten die anregende und konziliawrische Art der verdienstvollen Leiterin des Münchener „Vereins für Fraueninteressen", Frl. Ika Freudenberg, die leider auch nicht anwesend sein konnte. Dr. E. Mensch. Ten ausführlichen Berichten des „Rh. Cour." entnehmen wir noch folgendes: Die Frage über die geschlechtlichen Verhältnisse in Schule und Haus behandelte Frau Henriette Fürth (Frankfurt a. M.). Sie kam zu folgenden Schlußsätzen: 1. Die Frage der Aufklärung in geschlechtlichen Dingen ist von höchster Wichtigkeit für die körperliche, geistige und sittliche Erziehung. Durch ein Verschweigen oder Bemänteln der hierher gehörigen Dinge wird die dringende Gefahr einer leiblichen und seelischen Schädigung der Heranwachsenden Jugend hervorgerufen. 2. Es wäre vor allem die Aufgabe der Mütter, ihren Kindern den schweren und äußerst wertvollen Dienst der Äusllärung zu erweisen. Tic meisten Mütter sind nicht imstande, entweder weil es ihnen an der Geistes- und Herzensbildung gebricht, die die unerläßliche Vorbedingung dieses Teile- ber Erziehungsarbeit ist, oder weil sie aus anerzogener Prüderie und geleitet von falschen Vorstellungen über das Verhältnis von Kind und Eltern es für unthunlich hatten, mit ihren Kindern natürliche Tinge in natürlicher Weise zu besprechen, oder endlich, weil der Kämpf um das täg- liche Brot sie abgefrumpft und zur Erfüllung einer so subtilen Aufgabe untauglich gemacht hat. Dazu kommt, daß die Schüler der Volksschulen infolge unserer üblen Woh- nungszustände häufig schon früh und auf schlimme Weise Einblick in Dinge bekommen, bie ihnen nach allgemeiner Anschauung, ganz gewiß aber in dieser Form, besser unbekannt geblieben wären. 3. Darum ist es Aufgabe ber Schule, zur gegebenen Zeit und in angemessener Weise die Jugend über das Wirken der Natur und bie Mittel, deren sie sich bedient, aufzuklären. 4. Am leichtesten ließe sich diese Unterweisung im naturwissenschaftlichen Unterricht vermitteln, doch ist auch gegen eine Verbindung mit dem Moralunterricht nichts einzuwenden. 5. Unerläßliche Voraussetzung hierzu ist der fittlid)€ Ernst des Erziehers und seine besondere Befähigung, d. h. sein besonderes Feingefühl in Behandlung dieser schwierigen Fragen. In der Debatte führte die Spandauer Lehrerin Frl. Lischnewska folgendes aus: Die Damen irren, die da meinen, daß die höheren Schulen und die oberen Klassen der höheren Mädchenschulen Unschuldsgärten seien (Heiterkeit). Der Konitzer Fall zeigt, daß ein Schüler mit vielen Mädchen geschlechtlich verkehrt hat. Kürzlich hat ein Ober- sekundaner entlassen werden müssen, weil er 53ater geworden war. (Rufe: Solche Geschichten kommen natürlich überall vor!) Glauben Sie nicht, daß es in den höheren Mädchenschulen anders ist, als in den Volksschulen! Vielleicht etwas weniger derb, aber desto raffinierter! Und in ber Raffiniertheit in geschlechtlichen Dingen liegt das Gemeine. Unterrichtet sind da Schüler und Schülerinnen in den Volksschulen und in den höheren Schulen in der gemeinsten Weise. Die Knaben haben schon in ber Obertertia eine Liste der saftigsten Stellen aus der Bibel und reichen sie den jüngeren weiter. Bei den Mädchen ist es ebenso. Stimmt man an noch ganz harmlose Stellen in der Bibel, bann kann man schon sehen, wie es eine Anzahl Mädchen giebt, die lachen. Das Kind ist also schon unterrichtet. Es kommt also nur darauf an, wie es unterrichtet wird. So wie es heute geschieht, kommt dem Kinde niemals der Gedanke nahe, daß die Quellen des Lebens etwas heiliges sind. Die älteren Kinder unterrichten bie jüngeren in der abscheulichsten Weise. Im naturwissenschaftlichen Unterricht müssen wie von allen anderen Organen auch Abbildungen der Geschlechtsorgane gegeben werden, sonst werden wtt niemals zum wissenschaftlichen Emst kommen. (Lebhafter Beifall.) Der Unterricht muß einsetzen im Augenblick bet Reife, weil da die geschlechtlichen Triebe am stärksten sind und etwas zum Schutze des Kindes gethan werden muß. (Beifall.) Sie beantrage, den Vorstand zu beauftragen, bei den Kultusministerien der Bundesstaaten für die Einführung der geschlechtlichen Belehrung in den oderenK lassen ber höheren Schulen und der Fortbildungsschulen zu petitionieren. Frau Bieber-Bohm (Berlin) berichtete über die Thätigkeit ber Sittlichkeitskommission bes Bundes. Ta die Bemühungen auf Anstellung von Polizeimatronen ergebnislos geblieben, hcttien wir den Weg der persönlichen Anknüpfung mtt den Behörden beschritten und große Erfolge erzielt. Trotz aller Anfeindungen haben wir den Mut nicht sinken lassen, und auf ber ganzen Linie ber Sittlichkeitsreform Fortschritte zur Lösung ber uns gestellten Aufgaben gemacht. Wenn wir zurückblicken auf bie Schwierigkeiten, auf bie wir zu Beginn unserer Thätigkeit stießen, und toenn wir sehen, wie das Interesse wettester Kreise für bie Stttlichkeitsfragen gewachsen sind, so können wir mit unserer Arbett zufrieden sein. Tie Versammlung billigt das Vorgehen ber Sitt- lichkeitskommission. Es gelangte bann ein Antrag bes Frauenfürforgever- eins Tüsselborf zur Verhandlung, welcher verlangt, an die deutschen Regierungen eine Petition zu senden, welche verlangt:' 1. Landwirtschaftlich e Frau en schule auf dem Lande zu errichten und die beretts bestehenden zu unterstützen; 2. bie Ausbildung ber Volksschullehrer und Lehrerinnen im Gartenbau mehr als bisher zu fördern und überall an den ländlichen Volksschulen Schulgärten einzurichten. Der Antrag wurde von M arie Wegner (Tüsselborf) begründet. Sie führt ausi „Tie Mehrzahl der erwerbsthätigen Frauen in T^utsch- lanb ist allerdings schon heute in landwirffchattlichen Betrieben thatia. 2i/i Millionen im Hauptberuf, iy« im Nebenberuf, Darunter ungefähr 18000 Wirtschaftsbeamtinnen und 352 200 Selbständige. Infolge der mangelhaften AuSbildungsmoglichkeiten sind aber Inder die Aussichten für den Frauenerwerb auf dem Lande zur Zeit noch recht ungünstig. Tie Arbeiterin z. B verdient durchschnittlich die Hälfte des, dem besser ausgebildeten Manne gezahlten Lohnes. Letzterer beträgt für den Mann 1,18 Mark als niedrigster, 1,44 Mk. als höchster Durchschnittslohn, für die Frau 0,43 Mk. als niedrigster, 0,73 Mk. als höchster Turchschnittslohn. Eine Schonung vor und nach dem Wochenbett ist unbekannt, worauf es vielfach zurückzuführen ist, daß Unterleibserkrankungen und Wochenbette mit tödlichem Ausgang auf dem Lande verhältnismäßig häufig Vorkommen. Tie zunehmende Landflucht der Arbeiter ist zunächst durch den landwirtschaftlich-gärtnerischen Unterricht in den ländlichen Volksschulen zu bekämpfen. Tie Nachkommenschaft des kleinen Bauern und des Tagelöhners muß auch durch den Unterricht im Schulgarten auf die Vorteile der gärtnerischen Ausnutzung des Bodens bingewiefen werden. Für die gebildete Frau auf dem Lande find irgend welche Aussichten für einen auskömmlichen Verdienst ohne Vorbildung erst recht nicht vorhanden. Tie beteiligten Kreise muß man darauf Hinweisen, daß die Einkünfte der Landwirtschaft überall dort zufriedenstellend sind, wo Wert auf den Kleinbetrieb, Gartenbau, Geflügelzucht und Bienenzucht gelegt wird. Tie gründliche Ausbildung in diesen Zweigen, die Erlernung ber Buchführung und die 'Anleitung zur Ver- Wertung der Produkte ist für die gebildete Frau auf dem Lande bei den heutigen Verhältnifsen unentbehrlich. Es erscheint wünschenswert, daß ber Staat, welcher burch bie Erhöhung ber Lebensmittelzölle bie Landwirtschaft kräftigen will, auch für die verbesserte Kultur und bie ergiebigere Produktion eines Teils der notwendigsten Nahrungsmittel ein tritt. Zu einer längeren lebhaften Debatte führte ein Antrag des Zweigvereins Tresden ber Internationalen Föderation: „Ter Bund wolle beschließen, den Kampf gegen bie staatlich reglementierte Prostitution als Programmpunkt nach- brücklicher als bisher zu betonen, unb sowohl der Ocffent- lichkeit als den gesetzgebenden und ausführenden Gewaltei gegenüber Stellung zu dieser Frone zu nehmen." Es wurde ,estiE .icreo, M bitten dad bitten mü > i’ DO» W stimmt« BcstreLun eines bau §eichSstr° ütretne o weiblE deutsche» beschoß y» van-ep deutschen -h Aealgy" schulen flal!11? Lerinon J and an d Frauen vchulde stimmt ‘ ves Frl. ! fflichwng Sin r »tau 8 ifl ge ro- lehnt « getreu tefiuctau Am ßirtbabei Hilda v. von ein unb zur! L traft gi wurde fu wieder er Das sich an z solgendr- tfyiljmani etwa SOI entlang sehr w ttroai ü fuchrr bt |u folget Für bie •kaufen u Gerung ichamgöge Amtlichen vergeben w 20 io 6°0 , gr « . 9« ka 10 , ui 2 . o' 10 , 2 2 , J 2 , 3 10 , (i 86 , z 1ö0Ztck.§ 400 , 32u°5I(U auf °ureou der 7 Wochen M 3 tttttn. Irrten u •'Wei _4. ^ttiptei . »itta ^bemnu, ">rureuh7 15^ .. ^tn, : der ne 9.S 5 d«- L et i» iL J°M daß LZ t feinet «’ft °° gti -4s "9 mit dem ^Kliche 5 Mas 4 ■5 vcmgefüU ^rerin Frl. ltC£n, biebi !?“ Klassen ^(heiter. « mit vielen em Ober, ter geworden Ulch überall en Mädchen, 'lleicht etwas n Niiniett. ieme. Unter, 1 den Volks« r gemeinsten tttwtär eine * fieben nl°- Kommt Bibel, bm iM)üi ßiebl -- W komm rd. So wie der Gedanke heiliges sind, n in der ab- en Unterricht Abbildungen werden wir n. (Lebhaftei lugenblick der stärksten sind werden muh. beauftragen, i für die Ein« oberenKkssen julen zu peti* 'S enfichrgeoer» verlangt, an enden, welche auenschnle öutbe vm it bS ms St&s «7t stÄE W rnchl ^,Aes aus- del" Frau am entbehr bi£ elcher Vkras. 'lvirEergie- >;Ä reu0? $ ii>llrd< tete über die )n des Bun- 9 von Po« ben wir den ehörben be« ller änfein* 3i, unb auf chritte M Mm XBVt m zu Beginn Herr, wie das Abfragen ge- beit zufrieden hen der W- ohne Debatte gegen wenige Dttumren folgender Resolution Äugeftünmt: ,^Ju Anbetracht der sich Mrfenden polizeilichen Mißgriffe auf Grundlage deS 8 361 Ziffer 6 deS NetchSstrasgesetzbuchS erklärt der Bund deutscher Frauen- Vereine diesen Paragraph, der ein Ausnahmegesetz für daS Deidliche Geschlecht enthält, für eine Schmach der gesamten Leut sch en Frauenwelt. Die zahlreichen Verhaftungen unbescholtener Frauen beweisen, daß jede Frau einer untoür- Ligen Polizeiwillkür preisgegeben ist und die Polizei, welche )em Schutze und der Sicherheit der Bürgerschaft dienen toll, wird durch diesen Paragraph zu einer Gefahr für )ie weibliche Hälfte deS Volkes. Der Bund deutscher Frauen- oereine hält eS daher für eine unabweisbare Pflicht jedes deutschen Ehrenmannes, solidarisch mit den deutschen grauen von den gesetzgebenden Körperschaften die Beseitigung dieses Paragraphen zu verlangen." Beschlossen wurde weiter, durch Petitionen und Agita- non für die Zulassung der Mädche n in Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen und Realschulen für Knaben einzutreten. Frau Rechtsanwalt Julie daff ermann (Mannheim) empfahl die Absendung einer ßetitwn des Bundes an das preußische Abgeordnetenhaus and an die übrigen Einzelstaaten betr. Zuziehung von kauen zu den Schulaufsichtsbehörden und schuldeputationen. Dem Vorschlag wurde zuge- timmt Tann kam zur Verhandlung eine Interpellation des Frl. Maria Lisch»ewska (Spandau): Welche Verpflichtungen erwachsen den Bundesvereinen nach § 2 der Satzungen gegenüber der Frage des Frauenstimmrechts^ Ein Antrag von Frl. Helene Lange (Berlin) und Arau Bonfort (Hamburg) auf liebergang zur -Ta ge sordnung wird mit großer Mehrheit ab gedehnt und in die Besprechung der Interpellation ein- getreten. Frl. Papprip (Berlin): Auch die gemäßigten Frauenrechtlerinnen sind jetzt schon Anhängerin des Frauenstimm- recytS. So ist Frl. Sange bet der Begründung der kirchlich- ßozialen Frauengruppe für das Frauenstimmrecht ein getreten, sodaß Hofprediger Stöcker nachher erkläre: ihm hätten Dabei die Kniee gezittert. (Stürmische Heiterleit.) Schließlich wurde mit großer Mehrheit folgende Resolution angenommen: „ES ist dringend zu wünschen, daß die Bundesvereine tas Verständnis für den Gedanken des Frauen- ßiimmrechtes nach Kräften fördern, weil alle Bestrebungen deS Bundes erst durch das Frauenstimmrecht «tneS dauernden Erfolges sicher sind. • * ♦ Sin Intermezzo zum Frauentage. Am Montag, so meldet die ,Frkf. Ztg.^, wurde in -Wiesbaden eine der Delegierten des Bundestages, Frau Hilda v. D. aus Berlin, auf dem Wege zum Sitzungssaale von einem Polizisten auf offener Straße arretirt unb zur Wache gebracht, „da sie so langsam über die Straße gegangen sei*. Nach Feststellung chrer Persönlichkeit »ourde sie ohne Entschuldigung wegen des Mißgriffs nieder entlasten. DaS klingt sehr grausam, aber der „Rh. Courier* hat sich an zuständiger Stelle über diese Affaire erkundigt und foIgenbeS ermittelt: Am Montag Nachmittag bemerkte ein Schutzmann in der Friedrichstraße einen Mann, der von etwa 300 Personen umgeben, langsam die Straße entlang schritt. Der Schutzmann hegte die Befürchtung, es sei etwas Ungebührliches vorgefallen, eilte hinzu und ersuchte den Herrn, ihm auf die Polizeidirektion zu folgen. Hier bat der Vertreter der heiligen Hermandad etreibe gewaschen und so um den Namen beS Betreffenden, und erfuhr zu feinem größten Erstaunen, daß er eS mit einer Dame zu thun habe, die sich ihm als eine Berliner Delegierte zum Frauentage legitimierte. Der Schutzmann sorgte zuerst dafür, daß die schaulustige Menge von bannen zog, unb entließ bann bie sehr entrüstete Dame, inbem er ihr, immer noch zweifelnd, bis nach dem Zivilkasino folgte. Die Er- kennungSszene verlief für die Unbeteiligten sehr humoristisch. Der Fernstehende nimmt die Lehre daraus, daß die Wiesbadener für die Kleiber-Reformen der Frauenrechtlerinnen noch nicht genügend vorbereitet sind; man hat dort die allerdings noch vorsintflutliche Ansicht, eine Frau müsse rote eine Frau aussehen, und man könne nichts Verkehrteresthun, als Frauenrechte in Männerkleider verfechten zu wollen. Gingesandt. (Für Form und Inhalt alle. unter dieser Rubrik stehenden Artikel Übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenübet keinerlei Verantwortung.) WaS ist Kleie - Der Sachverständige antwortet: Kleie ist ein Nebenprodukt der Mehlbereitung, bestehend aus den harten, zum Teil verholzten Samenschalen und den elastischen und schwer zu vermahlenden äußeren Kleberschichten des Getreidekornes. Bei den gewöhnlichen Stühlen beträgt die abfallende Kleienmenge 20—25 Prozent vom Gewicht des Kornes. Die Kleie enthält neben vielen Eiweißstoffen eine nicht unbeträchtliche Menge von Stärkemehl. In der Nr. 282 des Gieß. Anz. finde ich den Protokollauszug, bett, die 6. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, worin u. a. gesagt wird in Bezug aus den Verkehr mit Kleie: Die Handelskammer zu Graudenz hatte es als einen Mißstand bezeichnet, daß in neuerer Zeit der Begriff „Kleie" vielfach zum Nachteil des Handels und der Müllerei verschoben werde, und daher vorgeschlagen, unter Kleie allgemein ein Produkt zu verstehen, „welches die Rückstände eines marktgängig gereinigten Getreides enthält". Der deutsche Handelstag suchte durch eine Rundfrage festzustellen, ob auch bei den übrigen Handelskammern das Bedürfnis nach dieser Festlegung des Begriffes Kleie bestehe. Die Großh. Handelskammer hat sich nach Erkundigung bei Interessenten des Bezirks zu dem Vorschlag der Handelskammer in Graudenz zustimmend geäußert. Unsere Handelskammer hat sich bei dieser Beschlußfassung und bei der Protokollirung des Beschlusses anscheinend kein Kopfzerbrechen gemacht, denn der Satz: „unter Kleie ist allgemein ein Produkt zu verstehen, welches die Rückstände eines marktgängig gereinigten Getreides enthält", hat keinen Sinn. Denn die Rückstände eines marktgängig geremigten Getreides bestehen nicht aus Kleie, sondern aus Unrat aller Art: Unkrautsämereien, Schmutz re. Dian hat offenbar sagen wollen: unter Kleie ist allgemein ein Produkt zu verstehen, welches die Rückstände eines marktgängig gereinigten Getreides bei der Mehlbereitung enthält. In dieser Fassung hätte die Aeußerung der Handelskammer bei Unbeteiligten als harmlos passieren können, nicht aber bei den Landwirten, die die Kleie den Müllern und Händlern abkaufen, um sie an ihre landwirtschaftlichen Nutztiere zu verfuttern, um Fleisch und Milch zu produziren. Besteht die Kleie aus den Abfällen des Getteidekornes bei der Mehlbereitung, so ist das reine, unverfälschte Kleie, die unseren Nutztieren gut bekommt und gutes Fleisch und gute und zuträgliche Milch liefert. Versteht man aber unter Kleie das, was nach dem Beschluß der Handelskammer in Zukunft Kleie im Handelsverkehr heißen soll, so haben wir es mit einem gefälschten, minderwertigen Produkt zu thun, das oft gesundheitsschädlich bei der 93er- fütterung wirkt, und mit dem wir dann eine Milch produziren, die Säuglingen und älteren Kindern verderblich wäre. Die Handelskammer Graudenz bat es als einen Mißstand bezeichnet, daß in neuerer Zeit der Begriff „Kleie" vielfach zum Nachteil des Handels und der Müllerei verschoben werde, und hat vorgeschlagen, unter Kleie allgemein ein Produkt zu verstehen, welches die Rückstände eines marktgängig gereinigten Getreides (bei der Mehlbereitung, füge ich hinzu) enthält. Dem hat sich unsere Handelskammer — die große Mehrzahl der Mitglieder, wie ich annehme — ganz unbefangen angeschlossen. Daß sich diesem Beschluß die Landwirte und die Konsumenten von Milch auH äußerste widersetzen mußten, sei begründet durch die nachstehenden Ausführungen: Marktgängiges Brotgetreide enthält je nach dem guten oder geringeren stände der Felder von denen das Getteide geerntet wurde, einen kleinen oder größeren Prozentsatz oon Unkraut- sämereien und Schmutz. Auch die besten Getteidereinigungs- maschinen, die in der Landwirtschaft benutzt werden, reinigen das Brotgetreide nicht so vollständig, daß unsere beffere Dlühlen das von den Landwirten oder Händlern angelieserten Getreide ohne weiteres zur Bereitung eines tadellosen Brotmehles gebrauchen können. In den besseren Dlühlen passiert das Getreide ehe es »um Vermahlen gelangt, nochmals eine Reinigungsmaschine bester Art, die nahezu alle Unfrautfämereien, auch allen Schmutz aus dem marktgängigen Getreide entfernt Aber auch das genügt unseren besten Dlühlen neuerdings nicht mehr. Nach dieser Reinigung durch Siebe und Gebläse wird das G« „ ’' ” aller Unrat und Staub, der den Körnern etwa noch anhaftet, entfernt. Getrocknet gelangt nun erst das Getreide zur Mehlbereitung. — Die Müller sind nun leider vielfach der Ansicht, daß sie das Recht hätten, den aus dem Getreide entfernten Unrat zu vermahlen und unter die Kleie zu mischen, d. h. sie wollen zii ihrem Vorteil nicht reine Kleine, sondern Kleie unb aus dein marktgängigen Getreide entfernten Unrat, nachdem dieser hübsch fein gewaschen und damit unkenntlich gemacht ist, an die Landwirte verkaufen. Und dies unsaubere Geschäft will die Handelskammer guthetßen, das giebt sie durch ihren Beschluß zu erkennen. — Die Landwirts wehren sich seit Jahren gegen diese Handlungsweise der Müller, sie schicken Proben der angetaufte» und garantiert reinen Kleie an die Versuchsstationen. Stellen diese die Verunreinigung der Kleie fest, so giebts für die Händler ober Müller Entschädigungsklagen: Tie ostelbische Handelstammer Graudenz bezeichnet es deshalb als einen Mißstand, daß sich in neuerer Zett der Begriff „Kleie" vielfach zum Nachteil des Handels und der Müllerei verschoben habe und unsere Handelskammer schließt sich dem an. Oben hatte ich gesagt, in unseren Handelsmühlen werde das marktgängige Getreide vor der Verwendung zur Mehlberettung nochmals und sehr sorgfältig gereinigt. Durch diesen Reinigungsprozeß werden Unkrautsämereien, verkümmerte unb zerschlagene Getreidekörner unb Schmutz entfernt, bas sind neben der Kleie, bie sich beim Vermahle» bes gereinigten Getreibes ergiebt, bie Rückstände des marktgängigen Getreides, bie als Kleie in Zukunft unangefochten in ben Verkehr kommen sollen. Taß burch eiue solch« Herstellung von Kleien bie ßanbroirte empftnblich geschädigt werben würben, liegt auf ber Hanb. Enthält marktgängiges Brobgetreib« viel Unkrautsämereien, selbst bis. zu 10 pEt. unb mehr, so wirb es immerhin noch gekauft, fein Hänbler unb kein Müller bezahlt aber für solche Waare ben gleichen Preis, als für Waare, bie nur wenige Prozent Unkrautsämereien enthält. Anscheinend tadellos ge- gereinigtes Getreide, wie es ber Lanbwirt, wenn es möglich ist, liefert, enthält immer noch 1—4 pEt. Rückstänbe irgenbwelcher Art. Ter Müller, ber nicht einwandfreie Waare für einen niedrigeren Preis kauft, rechnet, da er in dieser Richtung Erfahrungen hat, damit, baß er aus biefer Waare so unb so viel Prozent heraus- putzt unb bezahlt von vornherein bie Waare niebriger. Er kommt somit garnicht in Schaben, wenn er ben sogenannten Ausputz als solchen irgenbroie verwertet, er handelt aber unehrlich, wenn er diesen Ausputz vermahlt unb unter bie Kleie mischt. Er soll nun aber in biefem Verfahren burch bie Hanbelskammern unterstützt werben, benn alle Rückstänbe bes marktgängig gereinigten Getreides, die sich bei ber Mehlbereitung ergeben, sollen in Zukunft cm- stanbslos Kleie heißen. — Ergiebt alfo ein Zentner burch die Diühle gereinigten unb vermahlenen Getreibes 20 Pfb. Kleie unb 10 Pfb. Unrat (Unkrautsamen, verkrüppelte Oetreibefömer unb Schmutz), so enthielte ein Zentner sogenannte Kleie 50 pEt. Stoffe, bie nicht Kleie sinb, unb doch soll bie Mischung als Kleie in ben Hcmbel kommen unb bezahlt werben. Schon oben sagte ich, baß daß es auch im Interesse berMilchkonsumenten liege, baß ein derartiger Handelsbrauch nicht unbeanstandet bleibe. Die Unkrautsämereien haben zum Teil giftige Eigenschaften. Zum größten Teil bestehen dieselben aus dem Samen des Ackersenfs unb ber Kornrade. Diese enthält ein besonders gefährliches Gift. Tiere, die in ber Kleie erhebliche Mengen zermahlener Kornrabe ober Ackersenf aufnehmen, erkranken ober gehen ein. Taß auch burch solche Kleien gewonnene Kuhmilch für Kinder in hohem Maße gesundheitsschädlich wirkt, leuchtet ohne Weiteres em. Jedenfalls werden die landwirüchaftlichen Körperschaften das chrige dazu beitragen, daß diesen Beschlüssen der Handelskammer entgegengetreten wirb- Submission. Für die Großherzogl. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung nachbenannter 93er- A-Hrungsgegenstände auf dem öffentlichen Submissionswege □ergeben roerben: 6693 20 Ltr. Aepfel 600 „ gute Speisekartoffeln 15 , gelbe Mäuschenkartoffeln 10 „ untererbige Kohlrabi 2 , obererbige Kohlrabi 10 , Zwiebel 2 , Roterüben 2 „ Meerrettig 10 „ Gelberüben 35 , Weißkraut 150 Stck. Rottraut MO , Wirsing 200 Stck. Lauch 350 „ Sellerie Die Lieferungsbedingungen k önnen auf dem Verroaltungs- bareau der neuen Kliniken an ben Wochentagen nachmittags oon 3 bis 6 Uhr eingesehen □erben. Offerten unter Beischluß von Musterproben sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift riersehen bis zum Samstag, 11. Oktbr. 1902 mittags 12 Uhr auf dem oben erwähnten Bureau ernzuretchen. Zuschlagsfrist biß pm 15. Oktober 1902. Gießen, 25. Septbr. 1902. Kroßh. Verwaltungs-Direktion der neuen Kliniken. Uerdmgung ber Herstellung unb Lieferung oon 100 000 bis 125 000 Losen für bie Hessisch-Thüringische (Mittel- beutsche) Staatslotterre in Voll- unb Klassenlosen. Der Druck muß in Darmstadt stattfinden. Schriftliche Angebote sinb bis spätestens Montag, den 20. vttober 1902, nachmittags 4 Uhr bei uns einzureichen. Zuschlag: 24. Oktober 1902. Die Bedingungen sind bei uns einzu- sehen ober gegen Einsendung von 1 Mark erhältlich. Darmstadt, d. 4. Oktober 1902. 6969 Direktion der Hessisch-Thüringischen (Mitteldeutschen) Staatslotterie. ff. berliner Rollmöpse ff. Mler Mliuge ff. Marin. Härmge ff Limburg,Schwerzer Camembert und Frühstücks-Käse empfiehlt 6937 J. M. Schulhof. radikal und sicher wirkend, bei Adolf Bieler, Drogerie, Marktstrasae 5. 6754 Wasche mit Lutins ___ - Kohlensäure p-m Augusta-Bictoria-Werk, Selters a. d. Lahn empfiehlt zu billigsten Preisen Dr. Mettenheüner’s Mineral -Wasser - Fabrik K. Weidig. c943 Haushaltungsschule. Montag den 13. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, beginnt im Schulhause in der Neustadt ein achtwöchentlicher Kursus der Haushaltungsschule. 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Oktober im ßtadttheater atatt- Ondenden Erstaufführung der Novität Das grosse Licht Schauspiel von Felix Philippi haben wir von der Direktion eine grosse Zahl von Tage« kart en erworben und stellen diese unseren Mitgliedern «um Einheitspreise vop 1 Marit das Btüok in beliebiger Zahl und auf beliebigen Plätzen (Proeoeniumüloge, Mittelloge, Öperreitx) von Donnerstag an bei Herrn Oh silier inr Verfügung. Wir bitten, von dieser Vergünstigung einen ' recht starken Gebrauch zu machen. Die ersten beiden Theatervereins-Vorstellungen sind am Oktober: Gastspiel Charlotte Wiche mit ihrer fran- sösischen Gesellschaft (,Noend de Cravate“ — wLa Main* — „Le Soup ar d’Adieu* — „L’Homme aus Ponp^es*), und am 15. November: Gastspiel Agnes Sorma („Nora“). Anmeldungen neuer Mitglieder, sowie Aenderungen in der Zahl der von den Mitgliedern bisher abonnierten Plätze werden bis Donnerstag bei Herrn Cballier erbeten, da am Samstag die Verlosung der Sperrsitze stattenden soll. 6992 Der Vorstand des Theater-Vereins. Theater in Steins Garten. Donnerstag, den V. Oktober 1902 yder ' wbAmenllanlsiten eujmGetellschaft Nebenstehendes Plakat kennzeichnet diejenigen Geschäfte, welche nur unser bestes ^vermischtes amerikanibches Petroleum führen. 6973 Äug. Förster JLich (LberHeffeu) Aitiale: Giessen, Aahnhofstrahe 61 empfiehll tn reichster Auswahl 6997 piano?, fliigel, jkarmouium; auS den renommiertesten Fabriken. Neue PtanoS von 380 Mk. an. Harmoniums von 80 Mk. an. Ltäudigeo Lager vou 150 Justrumeuteu. Reiche Auswahl tn wenig gebrauchten Instrumenten in den Preislagen von Mk. 160, 180, 200, 260, 280, 800, 360, 400 u. höher. Günstige Statcuzahlung. 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