Nr. 183 erfahrt tSgNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Umvers.-Buch- u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktton, Expedition und Druckerei r Gchulstratze 7. Adresse für Depeschm: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschlnß Nr. 5L Erstes Blatt. ISS. Jahrgang Donnerstag 7.August 1908 GiehenerAnzeiger IUF General-Anzeiger 99 ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis, monatlich7bPf.,viertes jährlich Mk. 2.20; burcg Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.—viertA jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormtttagS 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich, für den polst. u. allgem« Teil: P. Witiko: für .Stadt und Land* und „Gerichtssaal*: Lurt Plato; für den An« zeigenteil: HanS Beck. Greßerr, 5. August 1902. Betr.: Maßregeln zur Alnvehr und Unterdrückung von Viehseuchen. Das GrsMerpgliche Kreisamt Gießen rung in wirtschaftlichen Fragen hin und sagt, die Beilegung der den Zolltarifentwurf betrejsen- den Streitfragen sei in hohem Grade erwünscht. Der Artikel schließt mit den Worten: Durch seine Persönlichkeit und vielseitigen Talente erwarb sich Kaiser Wilhelm laugst die Sympathien der russischen Gesellschaft. Die ver- wandschaftlichen Bande, die das Haus Hohcnzollern mit dem russischen Kaiserhaus verknüpfen, vergrößern diese Sympathien naturgemäß noch mehr. Die „N o w o st i" hofft, daß man in Reval die Grundlage schaffen werde für ein Abkommen auf wirtschaftlichem Gebiete und für einen Ausgleich der entgegengesetzten Interessen der beiden Mächte auf diesem Gebiete und wünscht, Kaiser Wilhelm möge aus Reval die allerbesten Erinnerungen mitnehmen. Die anderen Preßstimmen — uns liegen deren noch vier andere vor — decken sich im 'ganzen mit diesen. Die Kuren nach dem Krieg. Dr. Karl Peters schreibt in der Londoner „Fincmz- d^ronir: Hochinteressante Nachrichten treffen aus Südafrika ein, die uns ermöglichen, über die Gestaltung der dortigen Verhältnisse in der nächsten Zeit eine deutlichere Anichauung zu gewinnen. In der Kaptolonie setzt sich die Bewegung g: Aufhebun g der Verfassung unter den Angern des verstorbenen Mr. Rhodes, trotz des negativen fcheides der brittschen Regierung, fort. Dies ist ein Zeichen dafür, wie wenig sicher sich die eigentlich englische Partei in Südafrika gegenüber den oppositionellen Elementen fühlt. Denn, wenn die Loyaliften es für nötig hatten, die kaptolonie von der Stellung eines sich selbst regierenden Gemeinwesens in die einer einfachen Krondependenz zur ückzus chr au den, so giebt dies kein gerade dösiges Bild von dem Selbstvertrauen dieser Partei in ihre eigene Vorherrschaft. Dazu kommt, daß über der Frage der Suspendierung der Verfassung eine Spaltung in ihren eigenen Rechen eingerissen ist. Sir Gordon Sprigg, der Premierminister, mit seiner Gefolg- fchaft ist bekanntlich ein Gegner der Verfassungsaufhebung und setzt sich damit in Gegensatz zur Mehrheit derierügen Partei, welche ihm die Führung der Geschäfte übertragen hat. Alles dies läßt darauf schließen, da ßd er Afrikander- Bond zum ausschlaggebenden Faktor in den Angelegenheiten der Kaptolonie für die nächste Zett werden wttd. Noch interessanter ist, was wir aus den neuen Kolonien hören. Dorthin strömen die Buren von St. Helena, Ceylon und Bermudas, wie aus Lissabon und anderen Teilen der Erde fetzt zurück, und überall wird mit dem Wiederaufbau . von Farmen und der Neubeackerung der Ländereien begonnen. Es wird gemeldet, daß diese Elemente einen Teil chres früheren Rafsenstolzes verloren haben, und nur begierig seien, Hans und Hof wieder zu beschaffen. Einzelne von ihnen haben in der Kriegsgefangenschaft ihre alten Farmen unter dem Eindruck falscher Vorspiegelungen durch gewissenlose Spekulanten für Spottpreise verkauft. Andere hypothekisieren ihren Besch um mit dem Bargeld an den Börsen von Johannesburg und Kimberley zu spekulieren. .Die große Mehrheit aber benutzt die gebotenen Erleichterungen zu Anleihen von der britischen Regierung, für Weib und tfinb ein neues Heim zu schaffen. Die erstere Kategorie blickt über den Atlantischen Ozean, um in Argentinien oder Nordamerika eüie neue Heimat zu gründen. Die Anderen haben zur Zeit viel zu viel mit den Sorgen des fTages zu thun, um sich mit den Fragen der großen Pvltttt kbefassen zu können. Wo Häuser gegen die Unbill des südafrikanischen Winters zu errichten oder Felder für den >Ban von Getreide und Gemüse zu beackern sind, hat der Geist nicht viel Muße, sich mtt der Politik zu befassen. Interessant im Zusammenhang dieser Arbeiten ist die 5tadytid)t, daß Lord Mchener, d. h. der Militärfiskus, seine sämtlichen Blockhäuser an Lord Milner, d. h. den Zivil- fiskus, für 10 Pfd. St. das Stück verkauft hat. Die Balken, das Wellblech- der Stacheldraht, so meint man mtt Recht, werden gute Dienste für die Neubebauung des Landes leisten. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir die interessante Thatsache, daß im ganzen etwa 6000 Blockhäuser errichtet waren. Wenn die deutschen Leser sich eine Vorstellung von dem sozialen Zustand in diesen Ländern machen wollen, darf tdji an die Schilderung des Ausrvauberungszuges in Goethes „Hermann und Dorothea" verweisen. Einmal wieder haben wtt das pittoreske Bild einer wandernden und sich 'häuslich einrichtenden Gemeinde vor unseren Augen. Nur müssen wtt nicht annehmen, daß in diesen Maßen die politischen Instinkte der niederderttschen Rasse erloschen seien. Die Burenführer fühlen sich nicht als endgiltig Besiegte. „Wtt haben unsere Waffen und unsere Flagge begraben", sagte Dewet in Kapstadt, „aber unsere Ueber- lieferungen haben mir nicht begraben." Louis Botha erklärte vor wenigen Sagen in Paarl: „Südafrika ist jetzt unter einer Flagge. Was sollen wir jetzt thun? Sollen wir sagen, wtt sind besiegt? Nein. Dunkelheit ist vor uns, aber Hoffnung und Vertrauen werden uns hindurch leiten." Solche Stimmungen und Ueberzeug ungen sind nur verständlich,; und wir dürfen ihnen rricht^ allzugroße polittsche Bedeutung beilegen. In gleichem Sinne äußerten sich, Gam- betta und fern Anhang nach dein Frankfurter Frieden. Aber ^Eincs tonnen wtt doch, daraus entnehmen, daß dieRassen - frage in Südafrika durch den dreijährigen Krieg keineswegs entschieden ist und daß cs eines staatsmännischen Aattes, ersten Ranges bedürfen wttd, um die Flamme nicht von neuem aus der Asche emporlohen zu lassen. Dor dem Kriege lohnten es die Buren ab, sich dem Afrikcmder-Bond der Kaptolonie anzuschließen. Heute ist es klar, daß sie sich ebenfalls auf dieser Grundlage organisieren werden. Damit ist die Einheit des holländischen Elementes in Südafrika herge- 'tellt; und er steht heute geschlossener da, als vor drei Jahren Die Forderung kurzsichtiger südafrikanischer Jingos, man solle das Englische in Südafrika obligatorisch machen, verweht vor dieser neuen Wendung der Dinge. Davon ist auch bei den Chauvinisten in London nicht mehr die Rede. Die höfliche Art, wie General Lucas Meyer durch einen Vertreter Lord Kttcheners und einen Vertreter Mr. Chamberlains bei seinem Eintreffen in Southampton begrüßt ward, läßt darauf schließen, daß in den leitenden englischen Köpfen die politischen Erfordernisse der Situation ziemlich klar erfaßt werden. Stber mit bloßen Höflichkeiten läßt sich keine Polttik tteiben England wird Südafrika in ganz eigener Art zu behandeln haben, wenn es nicht einen neuen südafrikanischen Krieg Hervorrufen will. In der Sprachenfrage steht der Dualismus ein für allemal fest; und das wird für eine friedliche Entwickelung in den neuen Gebieten, soweit die ideellen Interessen in Frage kommen, genügen. Mer wie steht es mit der Arbeiterfrage? Solange der Holländer im Transvaal und im Freistaate herrschte, bestand ein gesunder Arbeitszwang für die Schwarzen, und die Minen bezahlten. Jetzt kommen die Engländer, und damit Exeter Hall, und jeder Tag bringt uns neue Nachrichten über „the tabouc difficulty". „Zwang für die armen schwarzen Brüder?" Nein; das ist nicht britische Art. Schon geht es soweit ,daß die „schwarzen Brüder" an das englische Kolonralamt appelliert haben, um auch das Wahlrecht (sic!) in den neuen Kolonien zu erhalten. Sehr verständig von ihrem Standpunkt aus. Die Flaschen Schnaps, welche sie sich unter den Holländern Erarbeiten mußten, würden sie sich durch Ausnutzung ihres Wahlrechts erkaufen können. Die englische Regierung hat ablehnend geantwortet. Aber mit dem Arbeitszwang ist es vorläufig zu Ende im Transvaal, und wir wollen abwarten, wie die Randminen und die Farmer fahren werden unter dem neuen System. In dieser Frage liegt der Zündstoff für die zukünftige Auflehnung Südafrikas gegen Großbritannien, und diese Auflehnung wird sich nicht mehr auf die Holländer beschränken, sondern alle Nationalitäten im Süden des Zambesi werden sich daran beteiligen. Denn kein Mensch läßt sich den wirtschaftlichen Ruin durch eine kurzsichtige überseeische Kontrolle gefallen. In einem Lande, wo der Neger die große Mehrheit der Bevölkerung ausmacht, wo die Stellung des Weißen völlig von der Machtftage abhängt, von Gleichberechtigung der Rassen zu faseln, heißt einfach das Aufgeben der Herrschaftsstellung in absehbarer Zeit, und für jeden Einzelnen wirt- tchaftlicher Ruin. Bevor es sowett kommt, werden diese Beteiligten jedenfalls versuchen, sich solcher lebensgefährlichen Kontrolle zu entziehen. Hier liegt also die Kardinalfrage für die englische Staatsmannschaft. Hic Rhodus, hic falta! Wenn man dieses Problem in London nicht im Sinne der weißen Besiedelung lösen kann, dann wird es für Südafrika das werden, was die Zollfrage für Nordamerika gewesen ist. Wir sehen also, die südafrikanische Frage ist durch den Frieden von Pretoria nicht etwa beendigt, sondern nur in eine neue Phase geleitet worden. Es liegen dort so viele Zündstoffe neben einander gehäuft, daß das „Quid novi ex Afrika?" der Geschichte dieses Eroteiles voraussichtlich auch für unser Zeitalter eigentümlich bleiben wttd. Politische Tagesschau. Die Salpeterunternehmung des Bundes der Landwirte hat sich, gebildet. Unter dem Namen „Deutsche Salpeterwerke in Hamburg" wurde am 30. Juli eine Aktiengesellschaft gegründet von der Landwirtschaftlichen ReichsgelrossenschaftAbank G. m. b. H. zu Darmstadt, der Ein- und Verkanfsgenossenschast für Kunstdünger G .m. b. H. zu Berlin, der Westfälischen Zentralgenoss en schäft für den Ein- und Verkauf landwirtschaftlicher Bedarfsartikel und Wirtschaftserzeugnisse G. m. b. H. zu Münster i .W., der Zentralgenossenschaft zum Bezüge landwirtschaftlicher Bedarfsartikel G. m. b. H. zu Halle a S. und der Hauptbezugsund Wsatzgenossenschaft des Rheinischen Bauernvereins G. m. b. H. zu Köln. Das vorläufige Aktienkapital von 3 Mill. Mark wurde voll gezeichnet. Sofort wurde in der gründenden Hauptversammlung das Akttenkapital auf 10 Millionen Mark erhöht. Den Anftichtsrat bildenReichstagsabg. Ha as- Darmstadt, Vorsitzender, Tr. Rösicke, stellvertretender Vorsitzender, Tirettor Dir. Ascheübrandt-Straßburg, Ritterguts- besitzer Beelitz-Garden, Major Endell-Posen, Direktor Hildebrandt-Hannover, Oberamtmann Lindner-H>alle a. Saale, Reichstagsabg. Lucke-Patershanfen, Rittergutsbesitzer Freiherr v. Twickel-Stovern. Der Aufsichlsrat wählte zum vor- läusigen Vorstand Direktor Biernatzki-Kiel und Direktor Schlieper-Berlin. Es handelt sich hier um die bekannten Ankäufe von Salpeter grub en in Chile. Zenttalverbarro deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender. In der zweiten Sitzung der Generalversammlung zu Leipzig wurde beschlossen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, auf die gänzliche Aufhebung de,r Gerichtsferien hinzuwirken. Lebhafte Klagen wurden dann über die Wirkungen der neuen prenß. Gerichtsvollzieherordnung laut. Dann wurde dem Anträge stattgegeben: wegen Trennung des Betriebes der Produktiv ge- nossenschaften mit fre.iem Verkehr von den Geschäftsbetrieben der Konsum vereine, die nur an ihre Mitglieder verkaufen dürfen, zu petitionieren. — Ein Antrag des Vereins selbständiger Kaufteute zu Wiesbaden wegen Stellungnahme gegen die Heranziehung kaufmännischer Betriebe und kaufmännischer Geschäfte zu Betträgen für die Handwerkskammern mirb in der Form angenommen, daß der Zentralverband die Erwartung aus- jpricht, daß die Regelung der Frage in kürzester Zett vor sich geht, wie dies vom preußischen Handelsminister bereits in Aussicht gestellt ist. Mtt den Schritten, die der Vorstand des Zenttalverbandes zur Errichtung einer Alters-, Jn- validitäts- und Witwenversicherungskasse für die Mttglieder unternommen hat, erklärt sich die Generalversammlung einverstanden. Zu lebhaften Erörterungen giebt ein Antrag des Vereins Berliner Kolonial- warenhändlcr Veranlassung, der sich. gegen den Entwurf eines Flaschcnschutzgesetzes, wie er vom Lund der Industriellen gefordert wirv, ausspricht. Die Generalversammlung schließt sich dem Anttage an. Der nächste Punkt der Tagesordnung: „Stellungnahme gegen das Salz- syndikat" führt nach) längerer Debatte zu dem Beschluß: der Zeuttaioorstand möge bei dem Vorsitzenden des dikats dahin vorstellig w'erden, es möge ausgeschlossen ferch' daß nach ferner gelegenen Stationen Salz billiger geliefert wird, als nach vorherliegenden. Ter Antrag: „Der Zentral- verband deutscher Kaufleute und Gewerbetrerberrder spricht sein lebhaftes Bedauern ans, daß, nachdem der Minister wegen der vorjährigen Petttion bett. Einführung von Gewichtsstücken von 250 und 125 Gramm und einer Münze zwischen 50 und 10 Pfg. die Handelskammern zur Aeußerung ausgefordert hat, diese, entgegen den Wünschen der Detaillisten und ohne diese zu fragen, in der Mehrzadl sich ablehnend geäußert haben, und ersucht den Vorstanch falls der Minister die Petttion ablehnt, sofort durch eine neue die Regierung darauf hinzuweisen, daß in diesem Falle das Gutachten der 5^andelskammem nicht maßgebend sein darf, vielmehr der Zentralverband nochmals um volle Berücksichtigung der Petition bittet" angenommen. — Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder werden wiederaewähll und zum Versammlungsort für das nächste Jahr Witten gewählt. _______ Was aus einem Feldwebel werden kann, beschreibt im Anschluß an den Fall Löhning ein „früherer Feldwebel" in einer Zuschrift an die „Mt.-Ztg.": 1. der Vater und Begründer der Fabrik von l^zellenz zttupp in Essen war Obersenerwerker; 2. der Geh. Ober-Regierungsrctt und Direktor der Charite, Esse, war Oberfeuermerfer; 3. Polizei-Oberst Krause war Feldwebel beim 2. Garde- Regiment zu Fuß und ist später, weil er sich 1866 vor dem Feinde auszeichnete, Offizier geworden; 4. Geheimrat Happel, Bureaudirektor im preuß Abgeordnetenhause und später im Reichstage, ein allgemein beliebter und hochgeehrter Beamter, war Sergeant und Regimentsschreiber beim Gatt>e- Ulanen-Regiment. Einige andere preuß Geh. Regierungs». rate in der Stellung parlamentarischer Bureaudttektoreü sind auch aus dem Unteroffizierstande hervorgegangen. Sollten ihre Töchter, so fragt der frühere Feldwebel, darumj nicht einen Ofizfier oder Geh. Regierungsrat heiraten dürfen? Oder sollten ihre Söhne nicht Offiziere werden dürfen? Beispiele lehren das Gegentett. — Ein MMtär- Herr v. B., erklärt in einer Zuschrift an die „T. 3L", „daß man unter den Sübalternbeamten, die vielfach aus dem Untervfsizierstande hervorgehen, des öfteren Leute findet^ die sich in jedem gesellschaftlichen Kreise sehen lassen können." Er erinnert daran, daß „ein Chef des Generak- stabes der preußischen Armee, v. Reiber, Bataillvnsschreiber gewesen, und mehrere Generale aus dem Unteroffiziershande hervvrgegangen" seien. Die Zolltarifkommisfiou nahm am Mittwoch unverändert die Pos. 860 bis 868, Zinn, Nickel, nebst ihren Legierungen an und begann den Wschnitt Kupferlegierungen. Zu Positttu 869, Rohkupfer, frei, beantragt Arendt einen Zoll von 6 Mk. im Interesse des Marisfelder Kupserschieferbaues. Kanitz beantragt 3 Mk. und erkennt die Schädlichkeit der Konkurrenz des amerikanischen Kupfersyndikates an. Bernstein (Soz.) beantragt Zollfreihett. Staatssekretär Graf Poscv- dowsty befürwortet die Vorlage in ausführlicher Darlegung. Die Kommission lehnt beide Anträge ab und nimmt unverändert Pos. 869, Rohkupfer frei, sowie 870 bis 873, Kupfersormstücke, Kupierdraht an. Inzwischen ging ein Antrag der Sozialdemo traten ein, der für die Pos. 907 bis 946 Zollfreiheit verlangt und zu Pos. 946 (Ki n d erspiel z e u g) die Anmerkung hinzusügt: Orden sind, auch wenn von Souveränen verliehen, nach der Beschaffenheit des Materials ohne Rücksicht auf Gewicht, keinesfalls unter 1000 Mk. pro Stück zu verzollen. Der Vorsitzende erklärt den Anttag für unzulässig und bemerkt, daß er ohne fein Wissen gedruckt worden fei. Nach längerer. Debatte lehnt es die Kommission ab, den Antrag überhaupt in Empfang zu nehmen. Danach nahm die Kommission die Pos. 874, Kupferwalzen und kupferne Druckplatten, an. In der Rede gegen die Anträge auf Roh-Kupfern zoll führte Staatssekretär Graf Posadowsky aus, das Bestehen des Roheisenzolles sei keineswegs entscheidend für die Frage des Rohkuvferzolles, da die Verhältnisse beider Produktionszweige' kolossal verschieden seien. Staatssettetär Posadowsky hob sodann den geringen Wert der Massenpeti- tionen hervor und bemerkte gegenüber Bernstein, daß eine möglichst billige Produktion keineswegs stets im Arbetter- interesse liege, was die schauderhaft niedrigen Löhne beweisen, welche die billigen Verkaufspreise der K o n s e k t i o n s w a r e n begleiten. Graf Posadowsky fügte hinzu, die Zolltarifverhandlungenvermehrten außerordentlich die Menschenkenntnis, wenn man Personen, die einen frei händlerischen Standpunkt bekunden, insgeheim Prohibitivzölle für ihre speziellen Produtte zu erlangen suchen sehe. (Hört!) Die einheimische Produttion beae nicht ein Drittel des Bedarfs. Ein Zoll würde immer die elektrotechnische Industrie, die erste der Welt, schwer schädigen. Die Kommission beschloß, den sozialdemottattschen Antrag ohne den Schlußpassus betreffend Orden neu drucken zu lassen, nachdem Mg. Stadthagen sich hiermit einverstanden erklärt und bemerft hatte, der Ordensantrag werde als Anmerkung zu Pos. 946 (Kinderzeug) zurückgezogen und als besondere Pos. 947 eingebracht werden. Im Laufe der Debatte hatte Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, die Regierungsvertteter nehmen nicht an der Beratung dieses das monarchische Gefühl beleidigenden Antrages teil. Die Kommission genehmigte sodann Pos. 875, Metalltuch für Gewerbezwecke, setzte in Pos. 876 kupferne Haus- und Küchengeräte die Zollsätze von 24 und 36 auf 18 und 30 Mk. herab und genehmigte sodann die Pos. 877 bis 880 (Schluß des Abschnittes Kupfer), 881 bis 888 (verschiedene Waren aus unedlen Metallen). Die Kommission beriet dann die zurückgestellte Pos. 848, Alummiumgespiunst, und setzte deren Zollsätze von 500 und 200 auf 250 und 150 herab. — ■" — Dreißig Jahre Zuchthaus. Rom, 6. Mgnst. Der Prozeß Palizzolo, der am 9. September vorigen Jahres begann, ist, wie wir bereits vor ein paar Tagen in Kürze mitteilten, nab 10V2 Monaten endlich beendigt worden, und zwar mit der Verurteilung des Exdittators und des Exabgeordneten von Palermo zu 30 Jahren Zuchthaus. Ueberblidt man den Verlauf des ganzen Rechtshandels und vergleicht die Zeiten, da Palizzolo nach der Weise der mittelalttrlichen „Signori" oder der antiken Tyrannen die Hauptstadt Sizlliens unumschräutt beherrschte, die Zeiten, wo er, obschon seine Schandthaten allgemein bekannt waren, stets unbehellrgt blieb, weil er sich der Geheimgesellschaft Mäsfra bediente, die wie ein Alp auf Sizilien lastet, mit der heuttgen Zett, so genügt das, um zu konstatieren, daß die Periode der Heroen der läu»: nn em geborene Adolf Wiegaubt^ der m Berlin Kunsfftuöieu oblag, er sch, o ß bei Paulsboru inr Grünewald eine junge Dame u n b f ich s e 1b st. — Der vor drei Monaten aus Moskau in Wien zugereiste Musiker Eduard Weber und die deutsch-russische Erzieherin Auguste Geisler sind seit mehreren Tagen verschwunden. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß beide wegen bitterer Not den Tod in der Donau gesucht und gefurchen haben. * Aus den Bergen. Am^Dioedi ist Redakteur 860 bis 868,- L unb begann i Position 869, Zoll von 6 M rbaues. Lmitz hkeit der Lon- an. Bernstein ar Gras Posa- her Darlegung, nd nimmt un> 870 bis 873, r ging em An- r für bie Pos. I46(^inbet> en finb, an# zollen. Der ,g und bemerkt, . Ach längerer ab, den An- ■State .Mem Kalle gebend fein volles ?ie ans- ltten & oh-Kupser^ osky aus, das mtscheidend für hältnisse beider Staatssekretär )er Masseupeti- Kein, daß em z im Abeiter- niedrigen kcmssprche ds Moivsky fügte vermehrten intnis, wwn .enLtaudML für ihre > Jrt') 2re em* Z des pi'Sj chnische «ln 916 & .LLx .50 27. August. 1875 in 21 Stunden und 45 Minuten hiudnrch- kcuu. * Ämterikanische H-umberts. Es giebt nichts Neues unter der Sonne. Selbst auf dem Gebiete des DÄ- lionenschwindels hat die Familie Humbert nichts Neues geleistet. James Addison Reavis, welcher schon Fuhrmann, Soldat, Geschäftsinhaber, Agent und Salovnbesitzer (Retzaw-, rateur) gewesen war, klagte beim obersten Gerichtshöfe den Bereinigten Staaten im Jahre 1870 auf Auszahlung einer Erbschaft, die auf 100 Millionen Dollars geschätzt wurde. Nachdem die ersten Advokaten die vorgelegten Urkunden^. die sämtlich gefälscht waren, geprüft und für einwandsfreL erklärt halten, stellten die größten, sonst so vorsichtigen Kapitalisten wie die Millionäre Mackay, Huntington und Croker dem Schwindlerpaare Reavis große Summen zur Verfügung. Der Millionär Bankier Davis Stockes richtete dem Ehepaar in seinem Hause am Broadway eine fashro- nable Wohnung ein und stellte 50 000 Mark zur Prozeß-- ührung zur Verfügung. Alle möglichen Geschäftsleute .Uferten den Zukunstsmillionären ihre Waren auf Kredits und so führten die Reavis 27 Jahre lang ein Krösus- dasein, bis der Schwindel endlich als solcher aufgedeckt wurde. Der gegen den Betrüger angestrengte Prozeß hat der Regierung der Vereinigten Staaten rund 50000 Dollar gekostet. Nachdem Reavis die ihm zuerkannten zwei Jahre Gefängnis in der Strafanstalt des Staates Arizona! 1899 verbüßt hat, lebt er als kranker, gebrochener Ntauu in Cincinnati, wo er sich mühselig als Abschreiber ernährt. Gegenteil die Buchchntraanngen den Rechnungen accorn- matrUrt MZ Beispiel für die Wirtschaft wird angeführt, daß der Bürgermeister aus Anlaß der Expropriation der Borstenvich-Mastkobonie sich selbst für drei Tage 390 K. anwies und diese Summe als Reis es pes en für eine angeblich nach Budapest entsendete Kommission figurieren ließ. Charakteristisch ist, daß der Bürgermeister Mamucsich solbst dann nicht die Untersnchpng gegen seinen Freurid Michael Prokeschi einleitete, als bUfer genötigt war, eine solche selbst zu verlangen. * Lebensmüd e Lialbespaftra. Der in. München Gerichtssaal — Ein Rededuell im Gerichtssaal. In den in Hermann» tobt erscheinenden .chandw. Blätter" erzählt em Freund derselbsr olgende heitere Begebenheit von einem Rededuell zwischen Staatsanwalt und Verteidiger vor einem ungarischen Provinzialgerichts- hof. Es geschah, daß ein Staatsanwaltsubstitut die Bemerkung machte, der Verteidiger des Angeklagten nähme sich mehr Rechte als chm gebührten, worauf der Verteidiger erklärt^ ec besitze genau so viel Rechte wie der öffentliche Ankläger. Damit war die Sache vorläusig erledigt. Als es aber zu den Schlußreden kam, begründete der Staatsanwall seine frühere Bemerkrmg mit olgenden Worten: „Der Herr Verteidiger ist im Irrtum, wenn, er glaubt, daß ihm eben so viele Rechte zuftehen wie mir, berat zwischen uns beiden besteht ein gewaltiger Unterschied: Der Verteidiger hat nänrllch seine Betrauuna von Herrn Salomon Koh»- Kövy echallen, ich habe aber mein Mandat von Sr.Majestät dem König erhalten." — Der Verteidiger blieb aber die Antwort nicht chuldig und erwiderte wie folgt: „Es fällt mir nicht einmal im Traum ein, eine Parallele zwischen unseren Auftraggebern zu ziehen. Wenn aber der sehr geehrte Herr Vertreter der öffentlichen Anklage das Mandatsverhältors nie Sprache gebracht hat, so möge er müh entschuldigen, wenn ich die bescheidene Bemerkung wage, daß Herr Salomon Kohn-Kövy deshalb zu nur gekommen ist, well er mich gekannt hat; ich glaube aber rächt, daß Se. Majestät den Herrn Staatsanwalt betraut haben roürbe, wenn — er ihn gekannt ganss" ch Dtf Wasser %u kommew?" Auf die ällgemeiuL Bplahung Hut kroch er zöger nb in das Boot .— Die Zahl der Schvimm- stöße Holbeins wirb auf 16 000 berechnetTrotz bre;er gewaltigen Anstrengung vermochte er such währeub der ganze; Zeit M wüt erhalten. Sein Puls war mir unbedeutend beschlinuttgt, als er aus dem Wasser kam. Er schien nicht einen Augenblick müde zu sein, und als er ins Bpot stieg, bemerkte er lächelnd, daß es jedenfalls kerne gute llebun gewesen sei. Erstaunlich war seine Fähigkeit, Nahrung auf- zuuehmen, die ihm alle halbe Stunden tn flüssiger Form gereicht wurde. " Neben rohen Eiern verzehrte er 3 Liter Milch, 1 Liter Kakao, 1 Liter Bovril und ein Drittel Liter Zhee Holbein wM in U Tagen feinen Versuch wieder- ZMdel und Wrkehr. NolkswMschast. Gegen die Standard Oil Co. Der Vorstand des ne« gegründeten kaufmännischen Prvinzi al verbau des in Stettin hat an den Eisenbcchnnünifter und den Handelsminister owie an den Eisenbahndirektor eine Eingabe gerichtet, die sich ;egen die Herstellung von Petroleumtanks aus )em Gelände der preußischen Staatsbahn durch die Deutsch-Ameri- nn, ' ^9; - L bet SÄJ ^seueriver^- Ttop2;®* vor bem ^mrat Happel, e und später hochgeehrter, beim Garbe. Negierung^., eaudirektormt vorgeganM. oebcl, bannte tat heiraten stm totrbat An MüLr^ X „daß W aus bem Leute puibet, e scheu lassen l.des General« tlllonsschxeiber ewffiziershmbe heit", die Epoche der pharttaMscheu Dornantik vorüber Hk, und daß Italien wenigstens in fernem: oberen und mittleren Teile anfängt, ein nüchternes, modernes Land zu werden. Es ist seinerzeit soviel über die Maffia und Palizzvlos Immunität als deren Chef geschrieben worden, daß man sich jetzt füglich auf die Rekapitulation einiger Daten beschränken kann. 1889 war tn Mortreale bei Palermo ein gewisser Miceli, ein Gntsverwalter, ermordet worden. Die öffentliche Meinung bezeichnete den ALg. Palizzolo als den Anstifter des Mordes, weil Miceli ihn gehindert hatte, ein Gut, das er zur Arrondierung seines Besitzes wünschte, durch List zu erwerben. 1892 wurde der Direktor der Bank von Sizilien Notarbartolo int Eisenbahnwagen ermordet, und wieder bezeichnete die öffentliche Meinung Palizzolo als den Anstifter der That, weil Notar- bartolo Jahre lang gegen die Bankkorruption gearbeitet und hauptsächlich durchgesetzt hatte, daß Palizzolo jeden Einfluß aus die Kreditgewährung, den er int Interesse seines Claus ausübte, verlor. Offen wagte niemand gegen Palizzolo vorzugehen; beim er war Abgeorbneter, unb zwar ministerieller Abgeordneter, der mächtigste Mann der Stadt, und die Maffia, deren Haupttric hinterlistige Schüsse Dr. Knendig aus Zürich abgestürzt. Er ist schwer- in den Rücken zur verschwiegenen Nachtz eit verletzt. — Im Jungfraubahntunnel wurde der Elektrobilden, gehorchten ihm auf den leisesten Wink. Nach der I techniker Senner infolge Berichrung der elektrischen Stark- Ermordung Micelis wurde Palizzolo, obgleich es den Be- stromleitung getötet. — lieber den auf der Pfandlscharte Hörden bekannt sein mußte, baß er im Verdacht staub, weder tot aufgefundeneu Dresdener Maler Franz Müller verlautet als Angeklagter noch als Zeuge in Voruntersuchung ge- jetzt, er sei bas Opfer eines Raubmorbes geworden, nommen, nur brei andere Verbuchtige, Trapani, Bruno unb Tie Leiche trägt im Genick Spuren von schwerenStockschlägen. Vitali, wurden eingezogen, aber freigesprochen. Nach der Tas Geldtäschchen war aus ber Hosentasche herausgeschnitten. Ermordung Mtarbartolos wurde ebenfalls Palizzolo nicht Ter That verdächtig ist ein Burschie aus ber Schweiz der s. Zt belästigt unb nur zwei Eisenbcchnschaffner, Garufft unb Ca- kurz vor Mller von Ferleiten aufbrach rollo, verhaftet, aber später fteigelassen. 1895 würben diese * * Das Alte stürzt, lieber ben Einsturz eines Beiden wieoer verhaftet unb abermals aus Mangel au Teiles ber Kirche von San Giovanni e Paulo in Beweisen freigesprochen. Es kamen spater neue Verdachts- Venedig wird berichtet: Während man Messe las, wurde gründe auf, und Carollo und Garuffi wurden 1897 von plötzlich ein lautes Krachen vernehmbar. Alles drängte ins neuem verhaftet, zugleich mit einem gewissen Fontana, der Freie, llnnrittelbar darauf stürzte ein großes Seiten finster ber Mörder Notarbartolo gewesen sein sollte, während die und mehrere Säulen ein. Um bie Kirche würben sofort beiden anderen nur Helfershelfer waren. Diesmal buchte Planken gezogen, ber Eintritt ist verboten. Von ben Kirchen- mcm schon ernstlicher baran, die Anklage auch auf Palizzolo! besuchern war niemand verletzt worden. Am glücklichsten auszudehnen, ber, wohlbemerkt, immer noch Abgeordneter I kam eine Fran davon, die eben ihre Finger in ben Kessel war. Das Gericht nahm aber an, daß der Verdacht, der mit Wechwasser tauchte, als ein großer Marmorblock zu auf chm lastete, ans Parteihaß entstanden sei, und so ging chren Füßen niederstürzte. In Venedig herrscht zudem er nochmals frei aus. Die drei Angeklagten aber wurden große Aufr egun g auch aus einem neuen Anlaß vor die Geschworenen verwiesen, und als Verhandlungsort Infolge Sturmes zeigt jetzt der Turm von San Ste- Palermo bestimmt. sano, von bem schon gestern bedenkliche Nachrichten^vor- Doch nach einiger Zeit tauchten ber Justizbehörde, unb lagen, bereits große Sprünge. Die umliegenden Hauser mit Recht, begründete Zweifel auf, daß das palermitonische mußten von den Bewohnern geräumt Werdern Man will Milieu keine Gewähr für die Unparteilichkeit und llnbe- sofort mit der Abtragung bes oberen Teiles beginnen. — fangenheit der Geschworenen biete, unb so würbe ber Prozeß Eine merkwürdige Duplizität ber Ereignisse lenkt bie Auf- nach Mailand verwiesen, wodurch sehr viel Zeit verloren merksamkeit auch nach anderen Städten. Wan meldet aus ging. Der Monstreprozeß, der sich'Wochen und Monate Paris: Die ber Seine zugewenbete Seite ber Notre- Emg hinzog, namentlich, weil Fontana einen klüglich er- d ame-Kir che wurde auf Grund alarmierender Ncach- sonnen en Alibibeweis vorzubringen pflegte, ber minutiöseste richten über eine Senkung ber Funb amen te fach- Prüfungen erforberlich machte, enbete plötzlich sehr brama- männisch untersucht. Thatsächlich bestaub eine große Ge- tisch Leutnant Notarbartolo, ber Sohn des Emnordeten, fahr für einen Teil ber Kirche, da die von der Seme der, vom Geist ber Venbetta getrieben, sich zur Lebensauf- umspülten Funbamente arg gelitten hatten. Die Repara- gabe gesetzt hatte, ben wahren zur Strafe zu turen würben sorglich, geheim gehallen. Das Publikum zichen, war aus einem Zeugen ein Ankläger geworben unb glaubte an belanglose Steinmetzarbeiten hinter dem hohen brachte mit großer Unerschrockenheit derartig eindrucksvolle Bretterzaun In Wahrheit aber wurde eine komplizierte Anklagen gegen bie Maffia unb ihren 5päuptling Palizzolo Materialauswechselung vor genommen. Erst heute wirb frei vor, baß ber Prozeß abgebrochen werben mußte, weil das unb offen mit geteilt, baß bie Gefahr bestanden hat, aber Mailänder Gericht sich von ber Berechtigung bes Verdachts jetzt behoben sei. — Eine andere alarmierende Melbung gegen Palizzolo überzeugte. Ehe die Unterbrechung formell kommt aus Schweben. Der Gothenburger Dom, der verkündet wurde, hatte bas Ministerium am gleichen Herbst- kaum hundert Jahre all ist zeigt große Nisse und nachmillage 1899 von ber Kammer die Auslieferung ihres droht'einzustürzen. Maßregeln werden getrogen, um Mitglieds Palizzolo bnrchgesetzt unb biefen, der ganz über- einer Katastrophe vorzubeugen. rascht wurde — weil der gesamte telegraphische Dienst *SchwimmtourburchdenAermelkamal. Der zwischen Italien und Sizilien suspendiert worben war —, Versuch bes Herrn Montagne Holbein, über ben Kanal verhaften lassen. Ein Jahr saß Palizzolo schon im Ge- zwischen England unb Frankreich zu schwimmen, ist zum sänmris, ehe bie allerneueste Untersuchung soviel Verdachts- zwellen Male mißglückt Holbein ging um halb 6 Uhr grünbe gesammelt hatte, um ihn vor bie Assisen weisen zu nachmittags bei Kap Grisnez ins Wasser und würbe eine können; aber am 23. Oktober 1900 wurde er wegen An- Minute nach 6 am andern Morgen herausgeh oll Wenn ftiftimg der Ermordung Micelis und bar auf am 18. Nov. auch sein Versuch, ben Kanal zu durchschwimmen, durch desselben Jahres auch in ber Mord fache Notarbartolo vor die Strömung vereitell würbe, so hat er doch gezeigt, was die Geschworenen verwiesen. Wiederum wählte man nicht er zu leisten vermag. Tie Begleiter auf dem Schlepper Palermo zum Verhandlungsort, sondern eine Stadt Ober- machten bald bie Entdeckung, daß dieser und der Schwimmer Italiens, Bologna 'Das Bologneser Gericht brauchte acht in der Richtung auf Calais getrieben wurden. Auch Mr. Monate zum Aktenstubium, am 9. September 1901 begann Holbein bemerkte es und rief seinen Begleitern zu, baß ber der Prozeß, die Verlesung ber Anklageakte bauerte Wochen, Kurs nicht so gut sei wie im vergangenen Jahre. Er kam bie Zeugenvernehmung fünf Wlimate, bie Plädoyers eben- nur schwierig vorwärts, trotzbem er auf bem Rücken liegend falls brei Monate, zuletzt aber ging der Prozeß mit Dampf mll maschmenartiger Gleichmäßigkell seine Schwimmstöße seinem Ende entgegen, da ber Präsibertt bie Belehrungsrebe machte. Von Zeit zu Zeit näherte er sich erneut der Boote an die Geschworenen kurz machte — sie dauerte nur einen und gab seine Kinder flasche ab, aus der er Milch gesogen Tag —, und icqrn 31. Juli, kurz nach Mitternacht, konnte hatte. Tann schwamm er wieder von neuem, so monoton enblich, das Urteil gesprochen werben. Im Prozeß Miceli wurde nnd entschlossen wie vorher. Von Zell zu Zell stellte er Palizzolo als der Ansttftung, Trapani als der That schuldig einige Frgaeu über den Kurs. Gegen 10 Uhr abends war erkannt und bie beibeu Brüber Vitale fr ei gesprochen. Im er so well nach Osten getrieben, daß er sich genau zwischen Prozeß Notarbartolo wurde Palizzolo ebenfalls der An- den Lichtern von Calais und South Foreland befand. Als stiftung für schulbig erklärt, Fontana als ber Mörber ver- die Flut etwas nachließ, machte Holbein gute Fortschritte; urteilt und Garuffi fteigesprochen. (Der andere Angeklagte als aber gegen 11 Uhr 30 Minuten eine Strömung nach Carollo war unterbeffen gestorben.) Das Strafmaß lautete Westen eintrat, würbe er sehr stark abgetrieben. Nach wei- für bie brei Verurteilten Palizzolo, Trapani unb Fontana ter em sechsstünbigen Schwimmen fragte er nach ber Varne- auf je breißig Jahre Zuchthaus. Alle Drei erflärten sich boje. Liese hätte jetzt in ber Nähe sein müssen. Man nach bem Verbikt für unschuldig. I schützte ihre Entfernung aber auf zwei Mellen. Holbein ----- befand sich direkt vor Dvver, wurde jetzt aber wieder nach rdtfac Osten getrieben. Seine Freunde berieten darauf und stellten fest daß Holbein in II1/2 Stunden etwa 28 Mellen burefc Berlin, 6. Aug. Anläßlich ber „Primus"-Kata-1schwömmen, resp. von ber Flut getrieben zurückgelegt hatte, ür ovb e ist eine Versammlung von Delegierten aller Ber- dabei aber nur 8 Mellen seinem Ziele näher geronnueu liner Gesangvereine einberufen worden. Es handell sich war. Man berechnete, daß er bei ber Stärke der Sllo- nm die Beschlußfassung über ein großes S än g e r ie st z n! ntungen noch weitere 24 Stunden brauchen wewe. wie Gun st en der Hinterbliebenen der Mitglreoer des Fremwe beschloss en deshalb, chn zmn telafien des Wassers Hamburger Gesangvereins Treue. aufzufordern. Anfangs verstand er gar nicht, was num * Leipzig E Ang Der Mörder des Schulmädchens von chm wollte. Als er s«tz darüber llar wurde, setzte Anna Klein ist heute von der Kriminalpolizei in der er sich im Wasser hin und sagte: „Ihr woL doch mcht be* Person des Optikers Wilhelm Grabich, geboren haupten, daß ich nicht nach Dover konrnren konnte?" Als 1882 in Leipzig, ermittelt und verhaftet worden Er hat man dies doch behauptete, fragte^ er: „Wenn rch nun lange ein umfasswdes Geständnis- abgelegt. genug schwimme?" „Dann natürlich", war bie Antwort. * Bub av est 5. Aug. Wie bereits mllgeteill wurde,!„Nun berat los", erwiderte er unb sing von neuem an zu hat man tn ber Verwaltung von Mar ia-Dh er esiopol schwimmen Seine Frau suchte ihn zu überreden, aus dem arge Mißbräuche entdeckt. Der Minister des Innern Wasser zu kommen. „Schon gut", scrgte er und ähp>Em hat ein Reskrcht erlchsen, wonach gegen sämtliche weiter. Endlich forderte man chn ratf, zu hallen Md schll stäbtischen Beamten bie Untersuchung cingelellet ihm die Lage auseinander. Zurrst fagte er: Emm werde. Man gab1 Remunerationen solchen Leuten, bie solche nicht herauskommen, man wirb mtcht ia auslachen. Dann absolut nicht verdienten und der Gemeinde eine Menge Geld nach einer Weile: ,Ahue ich wirklich Recht dEn, aus tum sch^lbeten. In dm Büchern fanden sich unrichtige Tllel'—----------- ^afirarn hm unb falsche Jourmalposteu. Die Schlußrechrmng würbe ans Daten zusammengestellt, die ben Erntragungerr rm Hauptbuch nicht erllsprecheu. Die riesigen Einnahmeuber Stabt flössen nicht in bie Hauptmasse, sonbern gingen ohne Kontrolle in bie Hänbe einzelner Kassenbeamten. 16 000 K. für Mllitärbeguartterung tourbeu z. B. nach! bem Tobe des Kassenbeamten S. Vukovics nicht verrechnet, und ber Magistrat behalf sich iu ber Werse, daß er die Posten einfach stteichen lassen wollte. Dies würbe jedoch durchs ben Ministerialdelegierten verhindert, ^n den Hauptbüchern kommen Kvrr-ekturau, radierte Ziffern uud. falsche Kirrtraguugeu vor. Die Rechnung^: konische Petroleumaesellschast wenbet. Es wirb barm Bezrrg genommen auf die Erklärungen ber ersten Beamten der genormten Gesellschaft, wonach sie mittels ihrer Tankwagen nicht nur die Städte, sonbern auch bas flache Land (Krüge, Guts- und Bauernhöfe) versorgen wollen, und wlld ausgeführt, wie wenig es zu bedeuten habe, wenn hinterher bie Versicherung abgegeben worben sei, es solle nur an Händler verkauft werden. Ihre Pläne voll zu erreichen werde der Gesellschaft aber nur möglich sein, werur es ihr, wie sie anstrebe, gelinge, überall auf den Bahnhöfen eigene Tankanlagen zu errichten. „Die pommerschen Kolonialwaaren- händler, heißt es in der Eingabe worllich, mit ihren Kollegen im Reiche, denen z. Z. gar keine Mittel zrrr Verfügung stehen, bi*1 neuen Angriff auf ein bisher von ihnen unbestritten beackertes satzgebiet zn begegnen, sehen in dem Vorgehen der genannten Pe- troleumgesellschast den ersten Schritt, die noch vorhanoewn wenigen Petroleumgesellschafteu von den deutsck)en Märkten zu verdrängen, um nad) erzieltem Erfolge und mit der gleichzettigen Vernichtung des Zwischenhandels den Konsumenten um so sicherer den Petroleumpreis vorschreiben zu können." Die Eingabe schließt mit der Bitte, „dafür zu Jorgen, daß der genannten Gesellschaft die Möglichkeit, aus dm Bahnhösrn Petroleumtmcks zu errichten, genommen wird, und wo solche bestehen, dieselben wieder aufzuheben, bannt ihr wenigstens in dieser Hinsicht der Vernichtungskampf gegen uns erschwert werde." Wie koche nnd brate ich am Vorteilhaftesten? Wie ost wird geklagt über die Beschaffenhett der 5kohlercherde und welche Unannehmlichkeiten entstehen, wenn zur Bereitung der Mahlzeiten diese versagen und nicht zur gewohMen Zett die Qpetfen fettigzustellen sind. Allerdings fällt, wenn Gas zum Kochen verwandt wird, das lästige, stets mit Schmutz und Vergeudung von Zeit uni) Brennmaterial verbundene tägliche Anmachen sott, denn nur das Oeffnen der Hähne der Gasleitung, die Tag und Nacht genau dem Bedarf entsprechend ihre stets gleich bleibende Heizkrcht zur Verfügung stellt, ist hierbei erforderlich. 2lber nötig ist es, nur gute Gaskocher und Bratösen zu verwenden, unb hüte man sich stets, die hn Ankauf billigsten Kocher anzuschaffen. Demr diese, welche auch ost leihweise abgegeben werden, sind bann bie aller- teuersten, wenn nicht sparsamster Gasverbrauch für sie garantiert werden kann. „ , Die erste anscheinende Ersparnis bedeutet also für alle Zeiten tatsächlich die größte Verschwendung. Gaskocher, die in Ersparnis- des Gasverbrauchs wohl unerreicht sein dürften, sinddie-Germanra- Kocher der durch ihre Dauerbrandöfen „Germanen" (über 200 000 Stück im Gebrauch) bekannte Firma Oscar W istter, H a nnauer, gegründet 1796, und versäume man nicht, auch wenn ältere Gaskocher bereits im festen oder leihweisen Besitz sind, sich durch eras der belferen Geschäfte für Gaskocher vollständige Preislisten ber Fabrikate zur Orientierung kommen zu laßen. In den meisten Fällen werden die Anschaffungskosten eines solchen Germania- Kochers ober Bratofens schon in kmzer Zett wieder erfrort werden können. 5609 Am mrrechten Platze gespart kostet in der Regel doppelt und verursacht außerdem Aerger und Verdruß. Wenn es sich um die Pflege und Gesunderhaltung des Körpers handelt, dann sollten kleinllche Pfennig-Rücksichten überhaupt nicht Gehör finden. Mmr lasse sich deshalb niemals derteilen, minderwertige Toiletteseifen einzrikausen, welche keinen andern Vor zug haben, als den der Billigkeit, dafiir aber den Teint an greifen und die Haut ruinieren. Wer das wohlige Gefühl erst einmal durchgekostet hat, welches sich nad) dem Gebrauch von Bachebettcks Hygrenischer Pttskalin-Seise einstellt, der wird memals wieder eineandere Seife verwenden. Die Hygienische Priskalin-Seise in allen Apotheken, Drogerien, Parsümerieir und besseren Jriseur- aeschäften erhältlich und kosttt, trotzdem sie alle anderen belferen Seifen wett überragt, auch nur 50 Pfg. per Stück.___________50tSi SeidenstoSeHÄ von Elten & Keussen, Krefeld. X * % Blusenbiber Pfg. Piquebarchente Bettbavchente gut gerauhte Qual., Meter 32, 39, 48, 62, 75, 85. Meter 65, 85, 116, 150, 185. 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