A Alre kch 8 plmSgah, Mars, Satzteile, •Matur [8492 ahnhofatr, 30. Montag V.JuU L»«S ISS. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 156 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bi. Brüh l'sche- Uniüerl, Buch-u.Stei. btuderrt (Pietsch Erben) EKedafm. Expedition uw. Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Frrnsprkchanschluß Nr. 51. Bezugspreis: monatlich 7b Pf., viertel- iahrlid) Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den volii. u. allgem. Teil: P. Witiko; für „Stadt und Land' und „Gerichtssaal': Curt Plato; für ben Anzeigenteil: Hans Beck. Metzener Anzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Am 6. Juli verschied ««erwartet unser hochverehrter lkhef, Herr Provi^zialdirektor Geheimerat v. Bechtold. Seine unbegrenzte Herzensgüte, seine stets sich gleich bleibende wohlwollende Fürsorge für die ihm anvertrante« Interessen, seine wahrhaft väterliche Grsinnung gegen die ihm unterstellten Beamten sichern ihm ein dauerndes dankbares Andenken. Die Beamten der Grotzh. Proviuzial-Direktion Oberhesseu «ud des Grotzh. Kreisamts Gtetzen. lannheim. »mobilen Garantie ir beste Ausführung Dunst- buchsen Honiggläser billigen Preisen )1* feiaü t W^rdtare« Giessen Ls- Räder V* \^W und I Ifiltll* 61»* 0xffl en werde in Erkenntnis dessen, daß gegenseitige Be- Ueber das Heiraten der Militärpersonen halten hatte. Es ergab sich daraus die Notwendigkeit der Neuwahl des Präsidiums, das nunmehr aus zwei Zen- Kapkolonie zeitweilig die Verfassung aufzuheben, Stellung nimmt. Chamberlain bemerkt darin, daß Ivie SuspenÄerung Der Verfaisung einer verantwortlich verwalteten Kolonie ol)iie Beispiel sei und nur durch einen Akt des Reichsparlaments möglich gemacht loerden könne, lleberdies habe nur die Minderheit der Mitglieder des Kap- Parlaments die Petition unterzeichnet und seien alle Minister der Kolonie dagegen. Ein Jndemnitäts-gesetz sei erforderlich, um die während des Kriegszustandes getroffenen Anordnungen zu s ankiionieren und die Ausgaben nachträglich zu bewilligen, welche ohne Ermächtigung des Parla- — Die jüngsten kaiserlichen Kinder, Prinz Joachim und Prinzessin ViktoriaLuise, haben nunmehr Schloß Hausbaden bei Badenweiler verlassen und sich m Begleitung ihrer Lehrer und Erzieherin nach Cadinen begeben. — Ein amerikanisches Geschwader wird, dem „Lok.-Anz." zufolge demnächst einer Einladung des Prinzen Heinrich folgend, zum Besuch in Kiel eintreffen. — DerdeutscheBurenhilfsbundhat beschlossen, die noch vorhandenen Mittel in Höhe von etwa 250 000 Mark derart zu verwenden, daß zum Rücktransport und zur Versorgung der gefangenen mittellosen Deutschen öO 000, zur Unterstützung der invaliden, kranken und hilfsbedürftigen Burenkämpfer und ihrer Familien, fowie zur Rückbeförderung bedürftiger Familien 80 000 und zur Unterstützung von Witwen und Waisen bis zu 80 000 Mk. bewilligt werden. -4 Die polnischen Mitglieder des Posener Provinzial la ndtages hatten, wie wir am Freitag telegraphisch meldeten, eine Teilnahme beim Empfang des Kaisers abgelehnt. Jetzt bringt der Krakauer „Czas" eine Erklärung der genannten polnischen Mitglieder, die an den kaiserlichen Hofmarschall gerichtet ist und das Fernbleiben der Polen motiviert. Die Polen seien druck) die neuen Verordnungen und durch die vom Kaiser erhobenen Anschuldigungen tief gekränkt; jetzt würden die Polen mit ihrer Trauer alle Empsangsfreude stören. Sie fühlen sich nicht schuldig und wollen trotz aller feindseligen Verordnungen auch künftighin treue Unterthanen des Kaisers sein. .... — In der, wie wir am Samstag meldeten, polizeilich aufgelösten Versammlung, in der Graf Pückler sprach, hatte sich dieser edle Herr über sein letzten Prozeß ui scharfen Redewendungen ergangen. Nebenbei schimpfte er auch über die Juden. Das ihn verurteilende Erkenntnis des Glogauer Gerichts erklärte er für unhaltbar. Er sei Herr seines Grund und Bodens und könne auf diesem cüles nach Belieben kurz und klein schlagen. Falls er wirklich die ihm in erster Instanz zuerkannte Strafe verbüßen müsse, werde er nach seiner Freilassung weiter demolier e n. Eine Schande sei es, wie in Preußen Ed e ll eu t e behandelt würden. Unbedingt müsse ein Sohn aus adeligem Geschlecht von der Behörde anständiger behandelt werden als ein Proletarier. (Lärm.) Es sei notwendig, daß sich alle Söhne des Lichts zu einer festen Phalanx zusammenscharten, um alles niederzutreten, was sich chnen in den Weg stelle. Hier löste der Polizeileutnant die Versammlung auf. Es entstand großer Lärm. Die Antisemiten sangen: Deutschland, Deutschland über alled. W Graf Pückler eine Viertelstunde später in einer Droschke sortsuhr, wurde er lange Zeit von einer großen Menge verfolgt, mit dem Rufe: Haut den Dreschgrafen, er hat die Arbeiter beschimpft. . — Die „M Allg. Ztg." schreibt: „Nach einem ungarischen Blatte soll der polnische Maler A d a l b e r t K o s s a k erzählt haben, er müsse wegen der polnischen ^ache aus Berlin fort, und er habe darüber auch mit Kaiser Wilhelm gesprochen, der ihm gesagt l)abe: „Lieber Freund! Ich würdige Ihre Situation und bedauere aufrichtig Ihre Abreise. Seien Sie überzeugt, daß ich Sie allzeit gerne Wiedersehen werde!" Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß an dieser angeblichen Unterredung des Kaisers mit Herrn Kossak kein wahres Wort ist." Düsseldorf, 6. Juli. Zahlreiche Teilnehmer an dem internationalen Schiffahrtskongreß in Düsseldorf trafen in der vergangenen )cacht in Bremen ein, befich- tigten die Hasenanlagen und die Stadt und folgten enter Einladung des Senats zum Frühstück im Rathause. Bei demselben hich Bürgermeister Dr. Gröning die Gäste willkommen. Ministerialdirektor Schultz- Berlin brachte einen Trinkspruch aus den Bremer ^enat aus, Staatsrat Timoness-Petersburg einen solchen auf den zweiten Vorsitzenden des Kongresses, Oberbaudirektor Franzius-Bremen. Um iy2 Uhr fuhren die Gäste nach Bremerhaven weiter. Heiite werden die Herren, wie uns aus Bremerhaven gemeldet wird, eine Fahrt durch den Kaiser Wilhelm-Kanal unternehmen, an der sich auch Staatsininister v. Thielen und der Staatssekretär Gras Posadowsky beteiligen werden. Kiel, 6. Juli. Der gestern herrschende heftige böige. Wind richtete mehrfach Schaden an. Ein Torpedoboot wurde ab. Der Großherzog von Sachfen.Weimar ist gestern mittag abgercist. - Heute vorm^tag ,- ercift. Heute nachmittag trafen hier die an der Nord andsreise des Kaisers teilnehmenden Herren ein des preußischen Heeres ist eine neue kaiserliche Verordnung ergangen, aus der die wichtigsten Bestimmungen hervorgehoben sein mögen: . Die Erlaubnis zur Verheiratung eines Osfiziers oder Sanitätsoffiziers mit geringerem Gehalt nls demje^^g^ eines Hauptmanns (Rittmeisters) erster Gehaltsklasse darf nur dann nachgesucht werden, wenn Zuvor der Nachweis geführt ist, daß der Offizier oder Sanitätsoffizier cm außer- g b“Ä Wnn ÄÄÄ - ’SÄS'. on" «ster'duÄ aud) Disiriktsosfizier der Landgenbarmerte Mit einem Gehalt von Kaiserden, ^achmittag w r begaben. Abends 3300 Marl iäbrlicb 2100 Mark, bei einem Oberleutnant und die Kaiserin und auch die prinz ° Rreis- ^eutnant emswli^lich Oberjäger und Feldjäger des Reiten- sand im Kurhaus ein Festessen des MuW unb m SMS ÖÄSüb bei einem Stabsarzt zweiter Gchattsllalse, einem Ober- dte feiethdie tein to e i un g beä Sla tl e r 8rt eD ) und Assistenzarzt jährlich 750 Mk. Die Erlaubnis zur Ver- Denkm als. und des Parks dahier am 20. Ang heiratung ernes in einer etatsmäßigen Stelle des Heeres | nehmen. Iverwendeten Offiziers zur Disposition, dessen Pension yvllll|uj£ Q]/ngf5|u)(IlL weniger als 3000 Mark jährlich betragt, dars nur, dann nachgesucht werden, wenn zuvor so viel außerdienstliches Frhr. v. Buol-Berenberg f. Einkommen nachgewiesen wird, daß dieses und die Pension Die Nachricht von dem Hinscheiden des Frhrn. v.! zusammen jährlich mindestens den bezeichneten Betrag er- Buol-Berenbera ruft die Erinnerung wach an eineireichen. Der Antrag auf Erteilung der Heirats-Erlaubnis der traurigsten Episoden, oie der deutsche Reichstag auf den wird, sofern derselbe nicht unmittelbar dem Kaiser vor- Blättern seiner Geschichte zu verzeichnen hat. Der Reichs- zulegen ist, mit den monatlichen Gesuchslipen eingereicht, tagspräsident v. Levetzow hatte sich am 23. März 18951 ------ vom Reichstage die Ermächtigung ausgebeten, dem früheren Sluföebana der Verfassung in der Kapkolonie. Reichskanzler Fürsten Bismarck zu seinem 80. Ge-1 y mni-lnnil>nt pj» Meiü- burtstage die Glückwünsche des Reichstages ausdrücken zu Am Samstag Ebamberlains an dürfen. Diese Ermächtigung wurde vorzugsweise durch das buch ausgegeben, welches die ^^P . Verhalten des Zentrums mit 163 gegen 146 Stimmen ab° den Gouverneur der ftODtotonie gelehnt, worauf alsbald in sehr würdiger Weise Präsident Chamberlain zu.der Litte Gouverneur- i n d er v. Levetzow fein Amt als Präsident niederlegte Diesemdie Werkakiuua aui^u-- Beispiele folgte sofort der an einem schweren Grippe-Anfall erkrankte, in der Schweiz w,eilende zweite Vizepräsident Dr. Bürcklin, sobald er von dem Vorfall Kenntnis er- trumsmitgliedern und einem Fortschrttlsmann zusammengesetzt wurde. Zum Präsidenten wurde am 27. März der bisherige erste Vizepräsident Frhr. v. Buol-Beren- berg gewählt, und dieser hat denn sein Amt bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahre 18Ö8 bekleidet. Er gehörte I lich yx bewilligen, welche oyne ^umcyrigung dem Reichstage als Mitglied der Zentrumspartei seit dem ments gemacht feien, ^te ^eic^t9rcSlcrunS. 9 Jahre 1884 an; er war damals Landgerichtsrat zu Mann- Hoffnung hin, daß Pas ^^rlament legliche Bitterk^ heim, seit 1881 Mitglied des badischen Landtages und ver- und jeglichen Raoenzwiit bei der Erörterung dieserö^ag fügte somit über ausreichende parlamentarische Kenntnisse vermeiden werde in Erkenntnis dessen, daß gegense 9 und Erfahrungen, dennoch konnte er als Präsident einen schuldigungen bezüglich des Vergangenen zu nichts Gutem Vergleich mit seinem ausgezeichneten Vorgänger nicht aus- dienen tönnten. Reichsregierung sei der ^iicht,dß d halten, zumal ein stetig zunehmendes Ohrenleiden ihn auch zeitweilige Aushebung der Verfassung ohne Befragung der körperlich für die Leitung der oft sehr aufgeregten Ver- gegenwärtigen Volk^ertretung nicht zur Beichwichtigung Handlungen ungeeignet machte. Unter seinem Vorsitz fand des Rassenhasses, sondern vielmehr zur Erzeugung von . ß- ant 21. März 1896 das große Festmahl von etwa 400 vergnügen und Erregung suhren werde. Die Annahme sei i früheren und damaligen Mitgliedern des Reichstages in nicht zu rechtfertigen, daß das Parlament der ^wonie die der großen Wandelhalle statt zur Erinnerung an den Tag, Genehmigung der zur Beruhigung dev Landes notigen Maß- an dem vor 25 Jahren der erste deutsche Reichstag zu-! nahmen verweigern werde, ^aher stimme die Reichs sammengetreten war. Frhr. v. Buol brachte damals in einer regierung den Ministern der Kolonie bahm bei, daß es sehr bemerkenswerten Rede das Hoch auf den deutschen angebracht sei, das Parlament der Kolonie sobald al;-mog- Kaiser, die deutschen Fürsten und die freien Städte aus, lich einzberuusen. Die Reichsregierung schließe sich dieser während der Reichskanzler Fürst zu H o he n loh e-Schil- Anschauung um so bereitwilliger an, als sw.versichert sei, lingsfürst in sehr geschickter und erfolgreicher Vermitte- daß der ernste Wunsch bestehe, weiteren Streit zu vermeiden lung zwischen ben Parteianschauungen aus der Rechten und und die durch den Krieg erregten Leidenschast-en zu be- auf der Linken mit sehr warmen Worten den Fürsten Bis- ruhigen. marck als den treuen Diener seines kaiserlichen Herrn eigentlichen Schöpfer des deutschen Reiches feierte. Bei Iftoutfrhoc ^ptfh den Neuwahlen im Jahre 1898 mußte Frhr. v. Buol wegen ylUljUjtiX gUlUJ, seines Gehörleidens aus jedes parlamentarische Mandat ver-1 < ■ g c>uli. Aus Travemünde wird ge- zichten. Er verfiel bald längerem Siechtum, dem er jetzt Ter^Kais er und die Kaiserin, die Prinzen in Baden-Baden erlegen ist. Er hat erst vor wenigen Mo- riebridi und Heinrich, der Reichskanzler naten sein 60. Lebensjahr vollendet. Seine Witwe ift eine Lu r a; Bülow und die Herren des Gefolges verweilten Tochter des bekannten früheren langsahrigen preußischen ' vormittaa an Bord des „Meteor". Der Kaiser Gesandten am Bundestage, v. Savigny; aus der Ehe ist I ber amerikanischen Yacht „dtahma" einen Besuch nur eine einzige Tochter hervorgegangen. I ... m »n « (*>rrrhf pti#9ßeimar ist bei Laboe durch die Brandung au eine Brücke geschleudert und zertrümmerte diese. Der Kreuzer „Freya" wurde von seiner Boje tosgerissen und wäre auf den Strand getrieben worden, wenn er nicht zufällig Dampf gehabt hatte. Ausland. Lon d o n, 6. Juli. Tie gestern und heute ausgegebenen Morgeubulletins lauten: „Der König hat wieder eine ausgezeichnete Nacht verbracht, ist in der besten Laune und fiihlt sich bedeutend kräftiger. Wir freuen uns^ erklären zu können, daß wir den König jetzt für außer Gefahr befindlich betrachten. Die Abend- BuNetins werden daher von morgen ab eingestellt." und: „Die Fortschritte im Befinden des Königs sind fortdauernd in jeder Hinsicht befriedigend." — Nach einer Berliner Meldung ist der Patient noch immer sehr schwach und ermüdet nach der geringsten Anstrengung. Dre Monotonie des Aufenthalts in dem Krankenzimmer wird in den nächsten Tagen ein wenig unterbrochen werden, indem der König auf einem Roll-Chaiselongue in ein anderes Zimmer gebracht werden soll. Weiter soll das Krankenzimmer durch Thecttrophone mit einigen Tl)eatern verbunden werden. Aus Anlaß der günstigen Berichte über das Befinden des Königs hatten gestern zahlreiche Gebäude illuminiert. Wie nach einer Depesche der „Franks. Ztg." aus London verlautet, konferierte der Ministerpräsident Lord Salis- dury mit den Aerzten des Königs über das Datum der Krönung. Die Aerzte erklärten, vorausgesetzt, daß alles gut gehe, könnte die Krönung frühestens am 2. Oktober stattsiuden. Dieses Datum werden die zuständigen Behörden einstweilen in Erwägung ziehen. — Inzwischen ist am Samstag die R i e s e n s p e i s u n g der Armen Londons in den verschiedenen Parks und Stadthäusern bei schönem Wetter und vorzüglicher Stim- nung der Teilnehmer überall ordnungs- und proguamm- mäßig vor sich gegangen. Es wird darüber telegraphisch gemeldet: Die Feststimmung wurde an den hauptsächlichsten Plätzen noch besonders durch den Besuch des Prinzen von Wales, der Prinzessin von Wales und der übrigen weiblichen Mitglieder der Königlichen Familie gehoben und erreichte ihren Höhepunkt bei der dabei durch einen begleitenden Kammerherrn jedesmal verlesenen Botschaft des Königs an den Lord-Mayor folgenden Inhalts: „Buckingham- Palast, Sonnabend, 11 Uhr 20 Min. Der König hat mir befohlen. Euer Lordschaft mitzuteilen, daß Seine Majestät und die Königin beabsichtigt hatten, heute einige ihrer Krönungsmahlzeiten zu besuchen, und daß der König tief bedauert, daß seine Krankheit sie daran verhindert. Der König hat jedoch Mitglieder seiner Familie beauftragt, ihn bei so vielen Festmahlen wie möglich zu vertreten. Mir ist ferner vom König befohlen, seiner Hoffnung Ausdruck zu geben, daß seine Gäste es sich wohl sein lassen und einen fröhlichen Tag verleben." Die Botschaft ist gezeichnet vom Privatsekretär des Königs, Sir Francis Knollys. — Die Amnestie der Militärsträflinge, die ursprünglich für die Krönung geplant war, wird jetzt doch durchgesührt werden. — Wie aus Colombo berichtet wird, hat am vergangenen Montag zwischen Bur en gefangen en und den eng- lichen Posten des Lagers von Drajatalama ein blutiger Zusammenstoß stattgesunden, wobei 2 0Persvnen verwundet wurden. Die Ursache des Zusammenstoßes ist noch! unbekannt. — In konservativen Kreisen wird versichert, daß Lord Balsour definitiv als Nachfolger Salisburys ausersehen sei, sobald dieser von seinem Amte zurücktrete. P a r i s, 5. Juli. Die Subskription für die O p f e r a u f M a r t i n i q u e hat bis jetzt die Summe von 3 681908 Frcs. ergeben. — Die gestrige Ab st immungder Kammer über die Tagesordnung der Radikalen ergiebt nach Ausscheidung der doppelt abgegebenen Stimmzettel eine Mehrheit von 308 gegen eine Minderheit von 205. Die republikanische ,^anterne" schreibt: „Wenn die Regierung will, kann sie die Kammer von jetzt an fortreißen, die strengsten und wirksamsten Maßregeln zu billigen. Die Kammer läßt sich dahin bringen, alle Autorisationsgesuch,e ter Orden abzulehnen, den Ordensunterricht auf den Tod zu treffen und endlich auch die Trennung von Staat und Kirche auszusprechLN." Die „Petite Republique" sagt: dem bezeichnenden Beifall, mit dem die Linke gestern die Rede des Ministerpräsidenten begleitete, gingen alle elenden Jntriguen gegen die Regierung unter." Die gemäßigten Blätter finden, daß die Regierung die antiklerrkale Stimmung der Mehrheit jedesmal anrufe, wenn man sie an die Ausführung der versprochenen Reformen erinnere. Der „Gaulois" ebenso wie Mölines „Republique" erkennen an, daß der Bruch zwischen der Anken und den Gemäßigten gestern unheilbar geworden ist. Die gesamte Opposrtions- rresse, im besonderen die klerikalen Blatter, sind auf einen erbitterten Kampf gefaßt. Die „Libre Parole" nennt C o m - bes, dessen Rede die republikanischen Blätter so sehr entzückte, den „Mann des Staatsstreiches" und die Mehrheit „eine Schar von Wahnsinnigen und Entarteten". — Der tür ki s ch - f r anz ö s i s che Z w is ch en f äll ist beigelegt, nachdem die türkische Regierung den betreffenden Polizeichef seines Amtes enthoben und den Flüchtling wieder an Bord des französischen Dampfers ,A)zeania" gebracht hat. Der Dampfer verließ sofort den Rom, 6. Juli. Neuerdings kursieren Gerüchte, daß anläßlich der Reise des Königs noch Montenegro eine Begegnung mit Kaiser Franz Josef in Cattaro ober aus hoher See stattsinden werde. Nach anderen Meldungen sind diese Gerüchte aus der Luft gegriffen. Wien, 5. Juli. Die H er b sts e s sivn d e s Reichs- rats soll bereits am 16. September beginnen. Stockholm, 6. Juli. „Stockholms Tagblad" erfährt aus guter Quelle, daß der Standpunkt der neuen Regier- rung hinsichtlich des Wahlrechts folgender sei: Der Census soll abgeschafft werden: das Wahlrecht soll jedem unbescholtenen schwedischen Bürger zustehen, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und der Wehrpflicht sowie der Steuerpflicht genügt hat. Stadt und Land sollen die gleichen Bedingungen bezüglich der Vertretung im Re i chs- t a g e haben. New York, 5. Juli. Entgegen verschiedenen Meldungen, daß China sich weigere, die Kriegsentschädigung zu zahlen, besagt ein Telegramm aus Shanghai, daß China die auf Deutschland entfallende Summe von 5 600 000 Mk. richtig in Gold bezahlt habe. — Aguinaldo, der ehemalige Führer der aufständischen Philippiner, ist nunmehr freigelassen worden. Ein Transportschiff wurde nach der Karolinen-Insel Guam beordert, um die dorthin deportierten Philippiner abzuholen. — Am vorgestrigen Natioual-Feiertage wurden in Newyork durch Feuerwerkskörper oder durch Schüsse 450 Personen verletzt, drei kamen ums Leben. In Brooklin ist die Zahl der Verunglückten noch nicht sestgestellt. In Chicago wurden drei Personen getötet und 140 verletzt. — Der Sohn desPr äsidenten Roosevelt, Theodore, zog sich auf dem Landsitze seines Vaters eine tiefe Schnittwunde dadurch zu, daß ein Stück einer Flasche, in der er einen Feuerwerks- srosch gethan hatte, ihm an den Kopf flog.________________ Aus Stadl und Kund. Gießen, den 7. Juli 1902. ** DerGroßherzog ist gestern nachmcktag von England auf Schloß Wolfsgarten wieder eingetroffen. Die Prinzessin Elisabeth reiste vorgestern nach Bad Schmalbach. ** Provinzialdirektor und Kreisrat Geh. Rat v. Bechtold Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr verschied infolge eines Schlaganfalls im Alter von 66 Jahren der Provinzialdirektor von Oberhessen und Kreisrat des Kreises Gießen, Geh .Rat Hermann v. Bechtold. Wer in den letzten Jahren die in der Provinzial- und Kreisverwaltung zu lösenden Aufgaben beobachtete, wird beurteilen können, daß an die Umsicht und Thatkrast des obersten Beamten große Anforderungen gestellt wurden,,und daß in Bem Augenblick, da weitere Neuerungen und Ausgaben der Verwaltung oblagen, der Tod eines Beamten tief betrauert werden muß, der es allezeit verstanden, die berechtigten Interessen der Provinzial- und Kreiseingesessenen in Einklang zu bringen mit denjenigen des gesamten engeren Vaterlandes und der übrigen Provinzen und Kreise. Geh. Rat v. Bechtold war allen, die amtlich und außeramt- lich mit ihm zu verkehren hatten, ein stets hilfsbereiter Ratgeber, den Beamten bei der Verwaltung, die sich gern in den aufopferungs- und verantwortungsvollen Dienst der Verwaltung stellten, ein gerechter und humaner Vorgesetzter^ Den Wünschen der verschiedenen Berussarten, besonders der, in der: Provinz Oberhessen stetig aufstrebenden Landwirtschaft brachte er stets Verständnis und soweit dies möglich, Wohlwollen entgegen; in allen Versammlungen, die in dem, sich nach und nach zum Kongreßort entwickelnden Gießen tagten, wohnte er bei und wies auf die Wege hin, die die in Betracht kommenden Interessengruppen zu wandeln hatten, ohne den Jnreressen anderer zu nahe zu treten. — Geb. Rat v. Bechtold war zum Beginn feiner Laufbahn als Verwaltungsbeamter langjähriger Ministerialsekretär in Darmstadt, von 1884—1886 Regierungsrat in Gießen, von 1886—1888 Kreisrat in Erbach, von 1888—1894 Kreisrat in Bensheim und von 1894-1898 Ministerialrat in Dann, stadt. Als der damalige Provinzialdirektor Geh. Rat v. Gaaern zum Provinzialdirektor von Rheinhessen ernannt wurde, wurde Herrn o. Bechtold die Stelle des Provin^.al- direktors der Provinz Oberhessen und des Kreisrates ubn> tragen, die er am 1. August 1898 an trat. Die -eiche des. Tahingeschiedenen wird am Dienstag in Darmstadt beigesetzt. * * Französische Vorträge und Rezitationen. Morgen Dienstag 6—7 Uhr, wird Lektor Goetschy folgende Stücke zur Rezitation bringen^ a) Viktor Hugo — Quatre-vingt treize (Extrait), b) Sully Prudhomme Poesiea diverses, c) A. Daudet — Le sous-prefet aux charaps, d) A. Theuriet — Le cur6 de Vireloup. Am 15. Juli findet der letzte Vortrag statt, dessen Thema .,L’humour d’Alphonse Daudet“ bereits angezeigt wurde. * * Zum Studium der Tier-Arzn ei künde werben nach dem Beschluß des Bundesrats fortan nur Abi-- turienten der Gymnasien, Real-GymnasieN und Ober-Realschulen (die letzteren ohne die für Mediziner vorgeschriebene Nachprüfung im Lateinischen) zum Studium der Tier-Arzneikunde zugelaffen werden. Die neue Bestimmung tritt vom 1. April 1903 ab in Kraft. * * Konzerte in Steins Garten. Der gute Ruf, dessen sick der kgl. Musikdirektor AdolfBoettge mit seiner 50 Musiker starken Kapelle des Badischen Leib-Grenadier- Regiments, Karlsruhe, erfreut, hatte zu seinen beiden gestern veranstalteten Konzerten eine zahlreiche und aufmerksame Zu- Hörerschaft herangezogen. Besonders stark besucht war das interessante Abendkonzert. In dem weitläufigen Stein'schen Garten-Etablissement war kein Platz mehr frei. Bad-Nauheim, 5. Juli. Auf das Begrüßimgs- telegramm, welches die Teilnehmer an der amerikanischen Nationalfeier am 4. d. an den Kaiser gesandt hatten, ist folgende telegraphische Antwort zu Händen des Veranslallers der Feier, Mr. Herbert Myrick, eingegangen: „Für die freundliche Begrüßung anläßlich der auf deutschem Boden begangenen amerikanischen Nationalfeier spreche ich meinen besten Dank aus. Wilhelm. I. R " i. Laub ach. Hinter der Dietzschen Villa wird eifrig gearbeitet, um unter der Ruppertsburger Chaussee die Bahn Laubach-Mücke durchzuführen. Dabei sind die Arbeiter auf viele menschliche Heb err efte gestoßen, da hier der alle Friedhof lag. Obwohl Fürsorge für Bergung der menschlichen Ueberrefte getroffen ist, so ist dabei doch so viel Unschönes zu sehen, daß mit Recht den Schülern des Gymnasiums das Betreten dieser Baustelle von der Direktion des Gymnasiums verboten worden ist. — Ferner ist es bei dem Bau nicht ohne Unfälle abgegangen; vor einigen Tagen wurde ein Italiener durch einen Rollwagen beim Abspringen so schwer verletzt, daß er ins Johann-Friedrichstift gebracht werden mußte. 0 93om Hoherod skopf, 6. Juli. Vom herrlichsten, Sommerwetter begünftigt, fand heilte das Jahresfest be§ „Vogelsberger Höhenclubs" statt. Während mehrerer Jahre der Besuch infolge der ungünstigen Witterung zu wünschen übrig ließ, war die diesjährige Beteiligung eine überaus große. Um 12 Uhr nahm das Fest seinen Anfang. Bald entwickelte sich in und vor der prächttg geschmückten Festhalle ein buntes Treiben. Heber 100 Pferde und Wagen konnte man im angrenzenden Hochwalde zählen. Um 3 Uhr hielt der Präsident des V. H.-C., Oberförster Diefenbach- Schotten, die Festrede. Anknüpfend an die Feste unserer Vor-- fahren führte der Redner die Fortschritte des Vereins vor und gedachte dann auch des greisen Sängers des Vogels- berges, Elard Briegleb, der zu dem Feste ein Gedicht gesandt, das verlesen wurde. Ein Dankestelegramm ging an den „allen Dichter" ab. Redner schloß mit einem Hoch auf; den Kaiser und den Großherzog. Mainz, 7. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Zur engeren Wahl für den Posten eines Theaterdirektors in Mainz stehen Steinert-Elberfeld und Liebig Eisenburg. Bemerkenswert ist, daß der jetzige Direktor Simons nicht in Betracht kommt. Mombach bei Mainz, 7. Juli. (Eigener Draht- bericht.) Eine gemütskranke Frau sprang gestern in den Rhein und ertrank. Schloß Balduinstein, 5. Juli. Die Königin Wil- helmina der Niederlande hat heute von Schloß Balduinstein aus einen Ausflug nach Koblenz unternommen, von dem sie abends zurückkehrte. Feuilleton. — Das Juttheft der „Kunst" (München, Bruckmarm, Preis vierteljährlich 6 Mack) beweist aufs neue, daß sie, was Reich- halttgteil und Gediegenheit anbelangt, unter den deutschen Zell- schriften dieser Art wohl einzig dasteht. Aus dem reichen Inhalt möchten wir nur nachstehendes kervorheben: Tie 5. Ausstellung der Berliner Sezession (37 Abbildungen mit Text von Hans Rosenhagen); Zum Thema Kombinationsdrucke, 3 Entgegnungen von I. Stroeser und Ernst Neumann (auf die in Heft 8 abgedruckten Ausführungen von A. L. Plehn, die in den weitesten Kreisen der Künstler Aussehen erregten); Die Karlsruher Jub ilämsausstellung, die kein Kunstfreund zu besuchen versäumen sollte, denn sie bietet der künstlerischen Anregung nach jeder Richtung überraschend vieles (14 Abbildungen); Moderne Inneneinrichtungen (mit 16 wohlqelungenen Ansichten); Konkurrenz für ein Brunnendenkmal in Kempten (Bericht über die interessante Ausstellung der Entwürfe aus der Feder von Erich Haenel mit 9 bildlichen Wiedergaben der charakteristischsten Bildwerke); Unterricht im Kunstgewerbe (ein höchst beachtenswerter Beitrag Karl Schefflers zur Reform der Kunstgewerbeschulen); Zu unseren Bildern (Erläuterung der bildlichen Vorführungen von Bucheinbänden Kerstens u. A., des Goldschmucks von F e r d. M o r a w e, dem früheren Mitarbeiter des „Gieß. Anz.", der Arbeiten von Klimt, Stokvis, der Architekturen und Interieurs von Paul Hoppe, Max H. Kühne :c.). Eingeleitet wird das Heft durch eine reizvolle mehrfarbige Zeichnung Angelo Janks „Aus Rothenburg", die in wohlgelungener Chromotypie tütebergegeben wird. — lieber Frankfurter Deutsch plauderte neulich recht amüsant H. Büchel m der „Kl. Presse". Alls Vollständigkeit machte ja die Plauderei offenbar nicht Anspruch, aber sie brachte eine Anzahl der uns wohl befamUen Frankfurter sprachlichen Eigentümlichkeiten in ansprechender Form. Ter Frankfurter sagt Perd, Parrer, Abbel, Zobb, er ersetzt das bezügliche Fürwort durch „wo" (der Manu, wo), läßt das n bei der Verkleiueruugssilbe -chen fort, für die hinter einem S-laut i eiiuritt (Mäusi, Fäsi). Er bildet Eigenschaftswörter aus Präpositioilen: der zuene Wagen, der Mann mit dem eibene Bein. Seine Mehrzahlbildung auf r (die Brödcher oder die Brödercher) ist ja auch bei uns in Heften sehr beliebt, weniger der frankfurterische Umlaut in Wägen und Däg (— Tage), auch in sägt für sagt. Schließlich sei erwähnt, daß der Frankfurter Ausdruck Quadutterche zur Bezeichnung eines dicken, kurzen Menschen auf einen Beamten des Fürsten Primas zur Zeit des Großherzogtums Frankfurt, den coadjuteur, zurückgehen soll. Im Verlage von S ch a f ft e in u. Co. in Köln, der sich bisher nur durch seine wundervoll künsllerisch ausgestatteten Kinder- bilderbücher bekannt gemacht hat, erschien soeben das erste Heft einer neuen Halbmonatschrift, „Die Kultur" betitelt, herausgegebeu von Dr. S. Simchowitz. Die „Kullur" ist nach dem einleitenden Aufsatz des Herausgebers als eine Revue tm vornehmsten Stile gedacht, die alle Fragen und Probleme des öffentlichen und geistigen Lebens in unabhängiger, objektiver imb wisfenschaflicher Weise erörtern will. Ihre ausgesprochene Tendenz ist eine weltbürgerliche Betrachtungsweise der Dinge. Im Allgemeinen will sie wahrhaft humane Bildllng und Gesütung fördern. Sie will eine Zeitschrift für „allgemeine Bildung" im besten und edelsten Sinne des Wortes fein. Ein Aufsatz über Weltpolitik von Dr. Paul Emst, dem bekannten Berliner Schriftsteller, der soeben im Leipziger Jnselverlage zwei elegante Bände „altitaliänischer Novellen" herausgegeben hat, kommt bei Betrachtung der vier größten Weltreiche, der Vereinigter Staaten von Nordamerika, England, Rußland und China, zu dem Resultat, daß doch noch Möglichkeiten auch für ein größeres Deutschland vorhanden seien. Dr. Benno Rüttenauer spricht mit Verständnis und Geschmack von der„s ü dde ut sch en Ku nst in K a r l s r u h e"; mit vollem Recht meint er, daß die Leibl-Kollektion für Viele allein schon eine Reise nach Karlsruhe lohnt. Sehr interessant ist die Auseinandersetzung zwischen RichardT e h- m e I und dem Herausgeber; Simchowitz druckt einen von ihm gehaltenen Dehmel-Vorlrag ab und der oielumftrittene Poet antwortet unmittelbar darauf, der ungewöhnlichen Einladung dazu folgend, rndem er seinen Kritiker ganz arg zerzaust. Tehmel kündigt sich übrigens gleichzestig als werdender Dramatiker an. Eugen Kuhlewetter beginnt eine phantastische Geschichte „Mandragorus", die m dem „idyllisch gelegenen Universitätsitädt- d) c n G." spielt (mit diesem G. scheint aber nicht unser Gießen, sondern Göttingen gemeint zu fein), lieber die russische Schulreform spricht Archur Luther, über „die Pariser Schauspielsaijon" Felix Vogt. Wir sehen den nächsten Heften mit Interesse entgegen. Jedes Heft kostet 75 Psg. Das neueste Heft der ^Zukunft" (Nr. 40), Herausgeber Maxim. Harden, verdient besondere Beachtung. Professor Max Klinger in Leipzig, der berühmte Radierer, Maler und Bildhauer und Schöpfer des vielumstrittenen Beethoven-Monuments,, das Subskripenten in seiner Heimatstadt für 250 000 Mk. anzukaufen beabsichtigen — er hatte von den Wienern vergeblich 400 000 Mk. verlangt und will sich jetzt mit dem Leipziger Angebot zufrieden geben — widmet einen wehmutsvollen Freundesnachruf dem kürzlich verstorbenen Leipziger Kunstschriftsteller Hans Merian, dem er „ein fröhliches Lachen für Gutes und Schlechtes und innigen Haß alles Trivialen" nachrühmt unter berechtigten Ausfällen auf den Durchschnitt der heutigen Kunstkritik. — Peter Rosegger erzählt ein amüsantes Geschichtchen von einem „weisen Richter", der einen Spaß mit Amtspersonen als Amtsperson versteht. Der Herausgeber plaudert in seiner unnachahmlichen Pasquillantenart über Eduard VII. Prof. Dr. Kurt B r e y s i g spricht über „Maßstäbe der Wissenschaft", der Jenenser Philosophieprofessor Dr. R u d. Surfen über „Siebeck's Goethe". Plutus bchandelt den „Kapitalismus in China", und schließlich finden wir im „Notizbuch" u. a. ein mit offenen Augen geschautes ungleißnerisches und daher um so glaubwürdigeres Portrait des bayerischen Thronfolgers Prinzen Ludwig, von dem Redakteur des ^Pfälz. Kurier", der von unserem hessischen Groß Herzog erzählt, er widme „die freie Zeit der Pflege seiner englischen und russischen Verwandtschaft und künstlerischen Liebhabereien, namentlich dem Gesang, wobei er sich freut, in intimem Kreis seinen angenehm klingenden lyrischen Tenor hören lassen zu können." — Jede Einzelnummer der „Zukunft" kostet 50 Pfg. und ist in den Buchhandlungen erhältlich. — ti—. — Der Berciu Lruameut tu Berlin leitet eine sehr berechtigte Bewegung gegen d i e öffentlichen Preisausschreiben für bildende Kunst und Kunstgewerbe ein. Das -Ziel dieser Bewegung soll sein, die Oeffentlichkeit und die Regierungen unb Parlamente von der G e m e i n s ch ä d l i ch- k e 11 der öffentlichen Preisausschreiben auf dem Gebiete der bildenden Kunst und des Kunftgewerbes herbei zu führen. Tie Vereinsbestrebungen werden von einer stattlichen Schar unserer besten Künstler unterstützt, so Peter Behrens, H. Christiansen und Ludwig Habich in Darmstadt, den Professoren Fritz Hausmawi und Luthmer in Frankfurt, Pros. Karl B. F. Kübel, großherz. Direktor der Kunstgewerbeschule in Mainz, und last not least vom allen von Menzel. Kunst und Wissenschaft. Gießen, 7. Juli. Stadttheater. Aus die beiden, morgen maritzburg eingetroffen. Sie beabsichtigen, sich mit Christian Dewet nach Engttutt) zu begeben und dann eine Reise durch Europa und Amerika anzutreten, um Gelder für die Buren zu sammeln. Botha erklärte, er sei im Begriff, eine amtliche Geschichte des Krieges unter Mitwirkung der Burenführer zu verfassen. Paris, 6. Juli. Die Blätter melden, im letzten Ministerrate drückte der Minister des Aeußeru sein Befremden darüber aus, daß die Polizei bei einem hochgestellten Beamten des Ministeriums des Aeußern, dem bevollmächtigten Minister G a v a r r y, eine Haussuchung abhielt auf eine anonyme Anzeige hin, daß Gavarry ein Mitglied der Familie Humbert beherberge. Die Denunziation fei durchaus unbegründet. Rom, 6. Juli. Anläßlich des Regierungsjubi- läums des Papstes wurden heute im Vatikan 1500 Arme gespeist. Der Speisung wohnten Kardinal Respighi und andere Würdenträger des päpstlichen Stuhles bei. Kapstadt, 7. Juli. Das Parlament wird in den nächsten Tagen zusammentreten. Chicago, 6. Juli. Das Gebäude des Fleischt) ersarck»- hauses von Swift u. Co., in dem sich das Engrosgeschäft und die Bureaus befanden, ist nieder geb rannt. Der Schaden beläuft sich auf eine Million Dollars. Chicago, 6. Juli. Der „Jnterocean" meldet: Der Zusammenschluß der großen Gesellschaften, welche den Fleischversand der Vereinigten Staaten beherrschM, sei ins Werksgesetzt, mit John Rockefeller als Finanz-' mann an der Spitze. Es seien Verhandlungen im Gange über ein endgiltiges Arrangement, betreffend die Vereint-- gung der Firma Swift und A r m o u r, die in der letzten Zeit einen beherrschenden Einfluß auf andere Fleischversandtgesellschaften in allen Landesteilen gewonnen haben. Beamte der Swift--Company wissen nichts über eine angebliche Beteiligung Rockefellers am Fleischversandtgeschäft. Utica, 6. Juli. Wie jetzt feststehl, sind bei dem Bahnunglück auf der Atoutain- und Lake-Gifenbahn 12 Personen getötet und 36 verwundet worden Melbourne, 6. Juli. Die australische BuTtdesregie- rung beschloß, sich derBrüsselerZuckerkonventiow nicht anzuschließen, und setzte Chamberlain von diesem Entschluß in Kenntnis.' Telephonischer Kursbericht» -Frankfurt a. Hl., 7. Juli 1902. SVoO/n Reiohsanleihe . . 102.15 3% Mexikaner .... 26.60 30/o do. ... 92.80 3V,% Konsole .... 102.00 30/0 do......92.30 372% Hessen .... 100.15 Oberhessen . . . 99.35 4% Oesterr. Goldretne . . 103.05 4‘/2% Oesterr. Silberrente 102.00 4% Ungar. Goldrente . . 102.20 4«/c Italien. Rente . . . 103.25 4V2% Portugiesen . . . 47.30 3°/l> Portugiesen. .... 29.25 1% C. Türken .... —.— Türkenlose......111.60 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.80 47a % äussere Argentiner 41/29/o Chinesen . o . . 9LIO Electric. Bohuckert . . . 103.50- Nordd. Lloyd . . . . —.— Kreditaktien.....211-10« Diskonto-Kommandit. . . 185.40 Darmstädter Bank . » . 137.20 Dresdener Bank . . . ._ 145.00 Berliner Handelsges. . . 156.70 Oesterr. Staatsbahn . . . 150.60 Lombarden . , . . . 17,40 Gotthardbahn ..... 167.70 Laurahütte ...... 199.50 Bochum . ...... 191.00 Harpener......170.75 Tendenz: still. Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß in der !Zeit vom 8. August bis 20. September d. I. voraussichtlich keine Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung abgehalten roerben. Dringliche, die Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher spätestens bis 25. dss. Mts. bei uns vorzubringen. Gießen, den 5. Juli 1902. 4943 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Friedrich Textor Eheleute sollen am 23. September 1902 240 Mark an sog. verschämte Arme ohne ^Unterschied der Religion in Gaben von nicht unter 50 Mark vergeben werden. Anmeldungen hierzu haben bis zum 1. August bei dem Xnueuamt zu erfolgen. Gießen, 3. Juli 1902. 4963 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Mecum. Verdingung Von Gärtuerarbeit. Die zur Anlage und Unterhaltung des Schmuckhofes im neuen Friedhof erforderlichen gärtnerischen Arbeiten sollen auf Gruyd Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung öffentlich verdungen werden, wozu Termin auf Montag den 14. Juli d. I., vorm. lV/2 Uhr, anberaumt wird. Plan und Bedingungen liegen zur Einsicht der Interessenten bei uns auf Zimmer Nr. 2 (in den Neuen Säuen 43) während • der Dienststunden offen und sind Angebotsformulare daselbst erhältlich. Die Angebote sind bis zum genannten Termine schriftlich und verschlossen bei uns einzureichen. Zufchlagsfrist 14 Tage. Gießen, 5. Juli 1902. Das Stadtbauamt. Schmandt. 4965 Foxterrier, 2jahng, in gute Hände umsonst abzugeben. Näh. in ber Exped. d. Bl. I Statt jeder besonderen Anzeige! | Die glückliche Geburt eines gesunden, präch- tigen Jungen beehren sich hocherfreut anzuzeigen Wilhelm Horn und Frau S Mathilde geb. Herbert, gl Giessen, den 6. Juli 1902. 4957 bgj Erklärung. 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