Nr. 10« Gr f$ eint täglich außer Sonnlags. Drin B^tzener Anzelgrr werden im Wechsel mit dem KeMsche« landwtrl die Sieheuer Kamtlien- dlätter viermal in der Woche beigelegt. RolanonfbTucf u. Verlag der Brüh l'ichen Untverf.-Buch- u.Sleirr» drucke rei (Pletsch (trbea) kedaktton. Lrpedttton und Druckerei; Schulstraß« f. ttbrefle für Depeschen: Anzeiger Gießen. ^ernsprrchansidlnh Nr. bl. Mittwoch 7. Mai 1»OÄ 15». Jahrgang Erstes Blatt. vezngäpretSr monatlich 7b Pf., viertel- jährlich ML. L20. durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch kn e Post Mk.r.—viertel- ,ähri. audschl. Vestellg. Annahme von Anzeige« Iur die Tage»nummer »iS vorrmttagS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal ISPf^ auSwärtS 20 Pfg. verantwortlich: für den poltL u. allgem. keil: P. Wtttko: für „Stadt und Land^ und „ Derichtsfaal': R. D t t t- mann; für den Anzeigenteil: Han4 Beck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ** Himmelfahrt. Das HimmelfcchrtSfeft gehört frtoar nicht zu den großen Festen im Kirchenjahr, zu denen sich die Christenheit schon Wochen vorher vorbereitet; es ift vielmehr eins der bescheidenen Festesveilchen, die man aber trotzdem nicht weniger gern hat Und gerade die Feier des Himmelfahrtstages wird in manchen Gegenden überaus hoch, höher fast als die der großen Feste gehalten. Das Fest der Himmelfahrt ist gleichsam eine Vorbereitung, eine Generalprobe auf das Pfingstfest mit seiner gewaltigen, menschenumwandelnden Gabe, der Ausschüttung des Geistes Gottes. Am Charfreitag hatte man den Rabbi von Nazareth ins Grab gelegt. Ratlos und mutlos standen seine Schüler und Anhänger da. Sollte das das Ende sein? Und sie Südsee" seiner Freunde erscheint, da nimmt die Freude kein Ende. Vaneben So wandelt der Herland der Menschen noch 40 Tage unter Wachsen begriffene den Seinen, sie lehrend und beratend, sie hinweisend auf pitalkräftrger das große s" ' Aus tztadt und Land. Gießen, 7. Mai 1902. vom 1. Juni d. I. an in den Ruhestand versetzt. In den Ruhestand wurde ferner versetzt der Lokomotivführer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Lorenz zu Darmstadt, aus sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, mit Wirrung vom 1. Juni an. ♦♦ Ernennungen. Der Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Anitsgecicht Darmstadt I, Amtsgerichtsrat Wagner zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg mit Wirkung vom 7. Mai ernannt. Der Gerichtsasscssor Ber ndt in Gernsheim wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungcn eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Mainz beauftragt. — Der Großherzog hat den Buchhalter bei der Hauptstempelverwaltung Steinbrecher zum Buchhalter bei der Hauptstaatskasse und den Fiuanzaspiranten Dietz aus Billertshausen zum Buchhalter bei der Staatsschuldenkasse ernannt. **Produktions statt st ikfürdasGroßherzo. t u m H e s s e n. Nach den „Mitteilungen für Laiidesstatistik" betrug im Jahre 1900 im Großherzvgtum Hessen der Wert der Produktton aus Bergwerken Mk. 2205112, die mittlere tägliche Zahl der Arbeiter 1801. Der Wert der Salinenproduktion betrug in derselben Zeit Mk. 736 907 bei einer mittleren täglichen Zahl von 151 Arbeitern. Der Wert der H ü tt en w e r ksp r o d u kt i o n betrug Mark 2 576 488, die mittlere tägliche Zahl der Arbeiter 245. Der Produktionswert aus Berarb eitung von Roheisen betrug Mk. 4 462 317, die mittlere Zahl der Arbeiter 1470. Insgesamt oiebt das als Wert dieser Art Produktion Mk. 10 040824, bei einer mittleren täglichen Zahl von 3667 Arbeitern. Die Gesamtzahl der in M a i n z angekommenen Schiffe betrug im Jahre 1901 12052, das Gesamtgewicht )er angekommenen Güter 630166 Tonnen. Abgingen in derselben Zeit von Mainz 11052 Schiffe. Das Gesamtgewicht rer abgegangenen Güter betrug 49 407 Tonnen. ** Berufswahl. Zu einer Zeit, wo unsere Marine im Mittelpunkt des Interesses aller Schichten des deutschen Volkes steht, wird es jungen Leuten, die sich vor der Frage der Berufswahl befinden, sehr erwünscht sein, zu erfahren, daß sich gerade jetzt eine günstige Aussicht auf Annahme im Marinedienste bietet. Bei der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven können sofort junge Männer als Verwaltungs- Sekretariats-Applikanten eingestellt werden. Bewerber dürfen nicht älter als 26 Jahre sein. Sie müssen im Besitze des Reifezeugnisses für die Oberprima eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer gleichstehenden öffentlichen Schulanstalt fein, ihrer Militärpflicht im stehenden Heere oder in der Marine genügt haben und gesund und ohne Gebrechen sein. Der Vorbereitungsdienst der Werftverwaltungs-Sekretariats-Applikanten dauert in der Regel insgesamt drei Jahre. Nach bestandener Prüfung können die Applikanten, falls Verwaltungsstellen frei sind, zu Werftverwaltungs-Sekretären ernannt werden. Der Gehalt derselben beginnt mit 1800 Mark jätycüti) nebst 432 Mark Wohnungsgeldzuschutz und steigt von drei zu drei Jahren um 400 bezw. 300 Mark auf 4200 Mart neben dem Woh-- nungsgeldzuschutz. Aus den Werftverwaltungs-Sekretären, ergänzen sich die Marine-Rendanten und Magazin-Direv- toten bei den Werften. Auch haben die Verwaltungssekretäre bei besonders hervorragenden Leistungen Aussicht auf Berücksichtigung bei Besetzung von Stellen in den Zentralbehörden der Marine. Nach einer mindestens drei^ monatlichen zufriedenstellenden Probezeit kann den Appli< kanten eine Beihilfe zu den Kosten des Unterhalts in Form einer Remuneration gewährt werden, die in der Regel 60 Mark monatlich nicht übersteigen soll. Gesuche um Annahme sind an das Verwaltungs-Ressort der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven zu richten, woselbst auch die näheren Bedingungen zu erhalten sind. > Dir Altenbeken« Sifenbahnkatastrvphr Volulsche Tagesschau. dürste tu nächster Zeit die Zivilaerichte noch vielfach be- schäftigen, da an die StaatSeisendahnverwattung Ersatz- yortfchritte auf Samo«. an spräche gestellt werden, welche sic zu bewilligen nicht « scheint. alS wenn die wirtschafflich- Entwick-llma g-n-igtistb-auspuucht der noch in Unserer jüngsten, aber aussichtsreichen Kolonie Samoa noch in Berlin befindliche, s- Z Lb - «»rwcrbsunsäbia bleiben HÄl'SSmSTMSSÄBÄS »!>•' barleit des Bodens und die Gesundheit des Klimas auf deS. mehrfach ober erten Pinten, .beson^rs rue^toten dürsten L^di^Zul^ An u7dI stro^^ durch den Schreck Grgebutfle der lebten Jahre aber Haden gezeigt, bafi mit inSchll^ten^Mw sch -ft - n^gLlldri NdikLs Samoa Pflm^ung-n »u I müssen, tan. vertritt, die zweite, die „Upolu Cacao Co." ein rem eng-! bereits °uie recht respektable Summe getobter.________ fisches Unternehmen ist, und die dritte mit deutschem Kapital kürzlich gegründet wurde .Das Kapital dieser Gesellschaft beträgt zur Zeit eine halbe Million, soll aber noch weiter erhöht werden. Den Vorsitz im Aufsichtsrat der „Deutschen Samoa-Gesellschaft" hat Admiral z. D. v. Werner übernommen, die Leitung ber Geschäfte auf Samoa Leutnant a D. R. D e e t e n, ber Verfasser des kürzlich erschienenen Buches Manuia Samoa. Ein Hemmnis in der flotten Entwickelung des Pflanzungsbetriebes hegt allerdings in dem Umstande, daß der S a m o a n e r zu einer dauernden intensiven Arbeit sich nicht gern bestimmen läßt. Die Käkaokultur aber verlangt eine sehr s orgsältige und ununterbrochene Arbeit. Diese Schwierigkeit kann nur durch Einführung fremder Vev- IragSarbeiter, die diesen Anforderungen entsprechen, gehoben werden. Eine Lösung der Arbeiterfrage in diesem Sinne steht unmittelbar bevor, sodaß man in Zukunft auf eine regelmäßige Zufuhr fremder Vertraasarbeiter rechnen hatten doch )o viel anderes gehofft von dem Herrn, dem kann deren selbstÄidiges Verbleiben im Lande jedoch nicht alle Naturkräfte des Himmel» und der Erde zu Gebote wünschenswert ist und deshalb vom Gouvernement verboten standen. Da aber kam ber Tag der Ostern und mit ihm wird Das Uebergewicht des deutschen Elements auf Samoa die frohe Botschaft „er ist auferstanden, er ift wahrhaftig namentlich auch auf dem wirtschaftlichen Gebiet, ist jedoch anferstanden"; und von Mund zu Munde pflanzt sich du völlig gestchert, da außer der bereits erwähnten „Deutschen Botschaft fort, überall begeisterten Widerhall findend. Und EamocÄesellschaft" eine große Hamburger Firma, die als nun der Äuferftanbene diesem seiner^Anhänger, 1EM Deutsche Handels-und Plantagen-Gesellschaft der Südsee" seiner Freunde erscheint, da nimmt die Freude kem Ende, mit se^ gutem Erfolge aus Samoa thättg ist. Daneben So wandett der Heiland der Menschen noch 40 Taae unter hübet von deutscher Sette eine stark im Wachsen begriffene ben Seinen, sie lehrend und beratend, sie hinweisend auf Zuwanderung selbständiger kapitalkräftiger das große Ziel, für das er he noch besten mußte, ehe er Ansiedler statt, wodurch ebenfalls eine erhebliche Ber- von chnen schied. Da will wieder ^uttosigkeit ftch in arö^eruna der Pflanzungsgebiete und eine weitere Zunahme ihr Herz schleichen, aber die Engelsbotschaft,®en ?er Ausfuhr zu erwarten steht. Vor einer Einwandeyung sie eben in den Wolken dahinfah^n sahen, wiederkommQi m it telloser ober nur mit kleinen Kapitalien versehener werde ,stützt sie und hält sie ausrecht. Und er kommt wieder Ansiedler mutz jedoch gewarnt werden, da bis zum Beginn in Gestalt des heiligen Geistes am Ps"^stftste- d7r Tragfähigkeit des Kakaobaumes vier Jahre vergehen, So ist ber Himmelfahrtstag gewissermaßen ttne Zwisch«u- mäbrenb bereit der Ansiedler nicht nur keine Einnahmen, statton, die einersetts die Blicke auf dre großen Geschehnisse sondern nur Auslagen hat < der vergangenen Wochen, andererseits aber auf das b^or- 10 H_______ stehende große Ereignis, die Gründung der Christenheit, lenken will. Und mit diesem Charakter des Himmelfahrts- Der Verein deutscher Gerber festes harmoniert vollkommen die Jahreszeit. Nach ber rübtete an den Reichskanzler sowohl, wie an die Zolltarif- winterlichen Grabesstille ist die Natur seit geraumem wieder r bis eine Eingabe in der er zum Leben erwacht, überall grünt und blüht es; wenn nun daraus hinweist' daß ber Beschluß ber Kommission über bie der Sonnenschein an bitfem f o ö r r L au f die notwendigsten Hilfsprodukte seiner irdischen Schonhett und Mäue in die Erscheinung bet Lederindustrie den Ruin des ganzen Erwerbs- trttt ,wen hiette es dann in düsterw churnpfen Maueni »w^aes bedeuten würde, falls diese Zölle Gesetzeskraft er- der Stadt? Jeder nimmt dann 9^i biejen m die A^eits- h r Shtonbe wird des Näheren mlSgeführt, Woche fallenden Feiertag Mit und sucht Erholung in Gottes bT Merete IiatTÄe”w X ^-sch^ schöner N°tur ,fut W ber Jtaato« «ntaien toiLenbften «Tumfflte unbea^tet aebtieben finb, von b-r unser- Umgegend ju so rerchrst, der kruMrvtz^n Serien; vor^eaenden Petition sich keine größere Wirkung versprechen, uno etwas von dem Frieden ber Al-bi- Gerber D-ntschlands halten -S str ihr- Pflicht, in fein %er*. Es hegt itnS fern .hier bie Sonde der Archen. HnrRhpm bas Unalaudliche geschehen sei, wenigstens der geschichie ober gar der Astronom-- anKnlegeu, nach der - börMten Reaierungsstelle und bent Reichstage nochmals mit Weber ein oben noch ein unten rm Welterriaum greiu und allein^ Nachdrmck äwon Kenntnis zu g7ben" dast Sähe, wie die von -m-m leiblichen Enrporstergen Chrutr in dre Wollen Ke hie StomminUm am 10 .April beschlossen hat, einfach nichts wissen will «ovrel tsts.cher dast ^wenrge chr.ftl.che l ^.,l^»s»ti-ben Untergang d.eses ganzen, Lehren giebt, bu mri so elementarer Gewalt auf unser b*eVt e b lüh e n d en Er w e r b s»w e.aes der Rutschen E^pfind^ng-leden wirken wir g^ade die schlicht- Errählung N.llawirtl-baft bleuten würde. Die Lründe gegen di- von der Himmelfahri Ehrrsri Man mag flch^i ernzelnen ölte'fi^te sich die Regierung währenddes -ehn- unter dem tzimmel denken ,waS man wtll, dem fühlenden ä@nm6fe3 um das Ouehrachoholz zu eigen ge- Menschen wird er immer - und so rst es alle Z^en ge- unb bri öerr Staatssekretär des Reichsamts des wesen - als ein ersehntes und «strebenswmries Ruhezrel wäre wch^bei der Verhandlung in der Kommission vorschweben .So wollen tmr uns denn rüsten »ur fest, d-rärria aea nÄ- Zollsteigeimng auf Gerbstoffe und Gerb, lich-u Begehung des rnrug^m. hammelsahrtztages und berartig gegen em i y linken Seite mit Recht nächst nur eins wünschen, datz der Himmel in derselben SiSboben SS« Äebte richtige Schlustfolgermlg BlÄe unb .Aarheit strahlen möge, Ne« heute früh j«gt, «»Ihtbrunfira b-s Staatssekretärs wäre die Forde- damit bie vielen Ansflugl«, ine m den letzten Tagen ichon mno^von q°!l reihettfiir bie in Red- stehenden Materialien schier verzw-if-ll nach oben schaut«., WE sich die Regen- Bedeuteten schon bie von der Regieruna vorge- schleusen immer noch nicht schließen wollten. Nicht um ihre hhTnapneit ^Me eine schwere Schädigung der Ledcrfabri- ersehnten Partten kommen. Sn uti) fcer Ä verarbeitenden Industrien, so kann ** P e n s i o n ie run g en. Der Großberzog Bat am kanten und nq dieser Sätze nur ver- 1. Mai den ordenllichen Professor an der Tecknischen rLrlZ M eine Unlerbiudung der Erwerbs- Hochschule zu Daruisladt, Geheimen Hosrat Dr. Schäfer, tÄtett mf dM iraglichcu Lirffmastsgcbi-te gewünscht äus sein Rachsuchen unter Anerkennung >einer lang, tychigteit aus oem puyi jährigen, treuen und er,priehlichen Dienste und unter wrrü. __ ! Verleihung des Charakters als. Gcheimerat mit Wirkung *♦ Alldeutscher Verband. Am Montag fand ür Mainz unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Claß- Mainz die Vertretertagung des Rhein-Main-Gaues statt, die außerordentlich stark, aus nahezu sämtlichen Ortsgruppen des Gaues, besucht war. Nachdem Direktor Rist en g art-Fraiikfurt a. M. znm Schriftführer berufen und der Kassenbericht des Schatzmeisters Grün sch lag genehmigt worden war, erstatteten die Ortsgruppen-Ber- treter Bericht über bie Thättgkeit ihrer Ortsgruppen im vergangenen Geschäftsjahre. Es ergab sich, daß fast überall der Alldeutsche Veroand große äußere Fortschritts gemacht hat, indem die Mttgliederzahl sich bedeutend gehoben hat, und daß auch innerlich eine Festigung unb? ein stetiger Ausbau der Organisation feftgciteiit werden konnte. An die Berichte schloß sich eine allgemeine Besprechung über die Ergebnisse der bisherigen und die Ein- ttchtung der Aufünftigeu Werbearbeit; von allen Seiten wurde Die wettere Bearbeitung des flachen Landes- empfohlen und ins Auge gefaßt, daß gerade dort auch während des Sommers Vorträge und Versammlungen- veranstaltet werden sollten. Danach hielt Professor Dr- Liese gang-Wiesbaden einen Vortrag über die vlämi- sch e Frage, indem er an Hand ber Geschichte zeigte, wie diese Frage sich entwickelt hat und von welcher Bedeutung' sie für das deutsche Volk ift Er wies vor allem darauf», hin, daß heute nach den Ergebnissen der Stattstik 65 Prozent der Gesamtbevölkerung Belgiens Vlämen seien, Ablömm- linge der ripuarischen Franken, und damit als Angehörige des niederdeutschen Stammes deutschen Bluts seien. In der Besprechung wurde betont, daß der Alldeutsche Verband zwar die vlämische Frage in ihrer Entwickelung- aufmerksam verfolgen, daß er sich aber unbedingt jedes tbättgew Eingreifens enchallen müsse. Es wurde sodann beschlossen, in diesem Sommer von einer Kundgebung auf dem Niederwald Abstand zu nehmen, da hoffentlich im Herbst aur Grundsteinlegung für bie Bismarcksäule auf ber Walbeck geschritten werden könne, die mit einer würdigen Feien verbunden werden soll. Dr- Riftengart-FrankfiUch schloß die Versammlung mit der Aufforderung, dafür Sorge zu tragen, daß die zum Gau gehörigen Ortsgruppen auf dem Alldeutschen Verbandstag zahlreich vertreten seien, der vom 23. bis 26. Mai in Eisenach abgehalten wird. **Hauptversammlung des Verbandes hessisch er Fin an z b e a m t en. Am 3. und 4. fand in Darmstadt die vierte Hauptversammlung des Verbandes hessischer Finanzbeamten statt. Ein flott verlaufener Kommers vereinigte unter dem Vorsitz des Oberrechnungsrevisors Reitzel am Samstag abend die Festteilnehmer im städtischen Saal- bau zu fröhlichem Zusammensein, woran auch Abordnungen der württembergischen und badischen FL- nanzbeamtenvererne teilnahmen. Die eigentliche Hauptversammlung wurde am folgenden Tage unter Leitung des Ministerialrevisors Sch en k abgehalten. Hieran beteiligten sich gegen 200 Vereinsmitglieder. Aus der sehr reichhaltigen Tagesordnung: Geschäftsbericht des Vorstandes, Rechnungsablage, Gründung einer Sterbetasse, Wahl des Schriftleiters der Zeitschrift usw., seien als besonders wichtig die Verhandlungen über eine zu gründende Sterbekasse hervorgehoben. Nach sehr eingehenden Referaten der Oberrechnungsrevisoren Erb und Peppler wurde beschlossen, der Vereinsvorstand solle die erforderlichen Schritte zur Gründung einer allgemeinen, unter Selbftverwattung der Versicherten stehenden und alle mittlere und unmittelbare Staatsbeamten des Großherzogtums, eventuell auch alle in Hessen wohnenden Kommunal- und Reichsbeamten umfassende Sterbekasse, für welche durch Uebernahme der finanziellen Vertvattung seitens des Staats behördliche Unterstützung zu erstreben sei, in die Wege leiten. Als Schriftletter der Zeitschrift des Verbandes wurde Staats schuld buch- führer Henrich einsttmmig wiedergewählt. — Die nächst- fährige Hauptversammlung sott in Friedberg stattfinden. ** Hessischer Fechtv erern „W aisenschu tz". Die 10. Landesversammlung, verbunden mit zehnjähriger Gründungsfeier, des Hessischen Fechtvereins „Waisenschutz" findet am 8. Juni in Darmstadt statt. ** Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 8, enthält: 1. Bekanntmachung, den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber- uni) Gerichtsvollzieher-Aspiranten betreffend. — 2. Uebersicht der vom Grosther^ogl. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse in den zu den Steueriommissariatsbezirken Langen und Seligenstadt gehörenden Gemeinden des Kreises Offenbach. — 3. Uebersicht der für das Jahr 1902/03 von Grostherzogl. Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Kommunalbedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Dieburg. — 4. Uebersicht der für das Rechnungsjahr 1902/03 von Großh. Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Besttettung der Kommunalbedürfnisse der israelittschen Religionsg enternden des Kreises Schotten. — 5. Ordensverleihung em — 6. Ruhestandsversetzungen. ** Verun glückungen, Selbstmorde und Verbrechen im Großh. Hessen. In dem abgelausenen Jahre 1901 sind im Großherzoatum Hessen durch Abstürze, Ertrinken oder sonsttge Vorfälle 397 Personen verstorben, davon kamen 162 auf Rheinhessen, 147 auf Starkenburg und 88 auf Oberhessen. Ferner haben 276 Personen durch Selbstmord geendet und zwar 114 in Starkenburg, 100 in Rheinhessen und 62 in Oberhessen und endlich haben 29 Personen durch Mord oder tödliche Körperverletzung ein gewaltsames Ende gesunden, darunter befanden sich 11 aus Rheinhessen, 10 aus Starkenburg und 8 aus Oberhessen. Im vorhergegangenen Jahre 1900 betrug die Zahl der verunglückten Personen 366, die Zahl der Selbstmorde nur 266. — In Mainz allein sind im Jahre 1901 im ganzen 65 Personen durch Verunglückung gestorben, 41 Personen haben Selbstmord verübt und 4 haben durch tödliche Verletzungen ihr Leben lassen müssen. ** Jubiläums-Fünf- und Zweimark st ücke. Aus Anlaß des Jubiläums des GroHerzogs von Baden sind Jubiläums-Fünf- und Zweimarkstücke mit dem Bttdnis des Grohherzvgs geprägt worden, die die Inschrift „Grosherzog" (mir einem s) zeigen; das ist indessen keine Neuerung; vielmehr haben sämtliche Münzen von Baden, soweit sie das Bttdnis des Großherzogs und die entsprechende Umschrift tragen, von jeher diese ungewöhnliche Schreibweise, die mit der neuen Rechtschreibung nichts zu thun hat, sich auch von deren Standpunkt in keiner Weise rechtfertigen läßt. Auch die Münzen von Hessen haben stets die Inschrift „Grosherzog". Diese Schreibweise rührt aus der napoleonischen Zett her, in der die französische Sprache im Gebiete des Rheinbundes vorherrschte. Der Kurfürst von Baden und der Landgraf von Hessen nahmen im Juli 1806 die Würde eines Großherzogs an, ersterer in einem „Publikandum", das beginnt: „In Gefolge der Erklärungen, welche an dem bisherigen Reichstage zu Regensburg von den souveränen Häuptern des neuen rheinischen Bundes abgelegt worden ist, und mit der die Wirklichkeit des kurfürstl. Amts und die Angemessenhett des davon geführten Titels erloschen ist, hat unser durchl. Souverän gut befunden, statt des bisherigen Kurfürsten- tttels, jenen eines Großherzogs von Baden, Herzogs von Zähringen rc. anzunehmen". Diese Kundgebung, die in der „Voss. Ztg." vom 30. August 1806 ab gedruckt ist, schreibt das Wort Großherzogtum richtig mit ß, es scheint aber, als ob unter dem Einflüsse des Französischen, dem diese Buchstabenzusammensetzung unbekannt ist, das Wort auch in amtlichen Urkunden mit Gros (dick) verwechselt, und so eine Art von Ueberlieferung hergesdellt ist, die oie Schreibweise auf den Münzen veranlaßt hat. ** D i e Uniform der neuen Beamten kl as s en der Post. Die Aenderungen in den Beamtenverhältnissen und Titelbezeichnungen bei der Reichspost- uni) Telegraphenverwaltung, wie sie neuerdings getroffen worden sind, haben neue Bestimmungen über die Dienstkleidung der Beamten erforderlich gemacht. Diese find jetzt vom Reichs-Postamt erlassen worden. Die etatsmäßig angestettten Postpraktikanten tragen die Dienstkleidung der Poftsekretäre, die der Klasse 4 der Sübalternbeamten angehören. Der Uniformrock hat in der Ecke des Kragens einen Stern. Die Achselstücke bestehen aus goldenen Tressen mit blauen Längs-- streisen. Sie sind mit dem Adler, aber ohne Stern versehen. Die Ober-Postprakttkanten, sowie die Beamten, die in Kassirerstellen bei Verkehrsämtern etatsmäßig unbestellt sind und den Titel Posttnspektor «oder Telegrapheninspekwr führen, tragen die Dienstkleidung der Ober-Postdirektions- sekretäre, LBer-Posi>- und Telegraphensekretäre usw. Rock- und Achselstücke haben je einen Stern. Sie tragen den Dreimaster, aJber ohne Kordons. Die Ober-Posttnspektoren, sowie die zur Klasse 5 der höheren Provinzialbeamten gehörender Post- und Telegrapheninspektoren tragen die Dienstkleidung der Ober-Posttassenrendanten, der Post-Inspektoren, der Telegraph en-Jnspektor en, Postdirektoren usw. Die Achselstücke bestehen aus goldenem Schnurgeflecht mit einer dasselbe umgebenden goldenen Schnur. Der Dreimaster hat goldene Kordons, Treffen und Knöpfe, •* Jubiläum. Die chemische Musenstadt Bonn steh wiederum vor glanzvollen Tagen. Es gilt, das 50jäh- rige Garnisons-Jubiläum der Königshusaren und das 7 5 jährige Wiegenfest desKorps „Borussia" zu feiern. Während die studentische Feier, abgesehen von Straßenaufzügen und Festfahtten, mehr einen internen Charakter behält, wird sich das Jubiläum unsrer „Lehrnops" zu einem echten Bürgerfeste gestalten, dank dem guten Verhältnis und den innigen Wechselbeziehungen, die zwischen dem Regiment und der Bonner Bürgerschaft von jeher bestehen. Beide Feste sind, obgleich eigentlich der Zett nach auseinanderliegend, in die Mitte Juni zusammengelegt, will doch der Kaiser beiden den Glanz seiner Gegenwatt leihen, den „Preußen" als deren „Alter Herr", den Königshusaren als der Enkel ihres einstigen Regimentschefs, seines seligen Großvaters Wilhelm I. Anmeldungen zur Teilnahme am Jubelfeste sind seitens ehemaliger Regimentskameraden ehestens an den „Verein chemaliger Königshusaren" in Bonn zu richten. Lollar, 6. Mai. Nach der voraussichtlich am 1. Juni zur Eröffnung kommenden Bahn von Lollar nach Londorf, als Fortsetzung der Linie Grünberg-Londorf, verkehrten täglich vier Züge, die bis Gießen durchgeführt werden. Diese Bahn wird voraussichtlich stark befahren werden, wenn der Plan, auf dem Gelände der Gemarkungen Wermertshausen (Kreis Marburg) und Rüddingshausen einen Uebungsplatz für die Truppen des 11. und 18. Armeekorps zu errichten, ausgeführt wird. Von ytorden her, also für die Truppenteile des 11. Armeekorps, führt die Bahn Kirchhain-Burgund Nieder-Gemünden ziemlich dicht an den Uebungsplatz. )( Grünberg, 6. Mai. Die diesjährige Lokal- Geflügel- und Vogel-Ausstellung des Vogelsberger Geflügel- und Bogelzuchtvereins, an welcher sich diesmal auch der Geflügelzuchtverein Lich beteiligte, erfreute sich recht zahlretchen Besuches. Eröffnet wurde sie am Freitag nachmittag, und gestern vormittag fand durch den Geschäftsführer des Wetterauer Geflügelzucht- Vereins, Lehrer K n a u p zu Klein-Karben, die P r ä m i i e r - un g statt. Die Ausstellung ist von den bedeutendsten Züchtern hiesiger Gegend beschickt und weist prachtvolle Stämme der verschiedensten Rassen von Enten, Hühnern und Tauben auf. Auch Zietgeflügel ist reichlich vertreten- Großes Interesse erregen außerdem die verschiedenen Kollektionen Bruteier, sowie die von Max Arnold zu Gießen ausgestellten Geräte und die Kollektion Futtermittel von der westdeutschen Hunde- und Geflügelfutterfabrik Langen- feld-Köln. (Vertreter: Emil Willems-Grünberg.) Für die Prämiierung waren von der Stadt Grünberg, von dem Wetteraner Geflügelzuchtverein, dem landwirtschaftlichen Provinzialverein für Oberhessen, dem Geflügelzuchtverein Lich, dem Vogelsberger Geflügel- und Vogelzuchtverein und verschiedenen Privaten Ehrenpreise gestiftet worden, sodaß beträchtliche Mittel zur Verfügung standen. Das heute nachmittag in „Hamels Garten", dem Ausstellungslokale, von der Kapelle des Kaiser Wilhelm-Regiments ausgeführte Konzert hatte zahlreiche Besucher aus der Stadt und der Umgegend angelockt, sodaß alle Räume dicht besetzt waren. Eine Verlosung von Geflügel aller Art bildete den Schluß der Ausstellung, die in allen ihren Teilen wohlgelungen war und den Besuchern ein ansehnliches Bild von dem Stand der Geflügelzucht hiesiger Gegend und den Bestrebungen des seit etwa Mei Jahren bestehenden Vereins bot. Vermischtes. * Striegau, 5. Mai. Gestern Abend erschoß sich der Landrat des hiesigen Kreises, v. Klitzing. Der Beweggrund zu dieser That ist unbekannt. * Paris, 5. Mai. Die Polizei beschäftigt sich gegen- wättig mit einer Sittenaffäre, in welcher eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten kompromittiett sind. Mehrere Frauen wurden in einem Hotel im Zentrum der Stadt verhaftet; dieselben sind beschuldigt, ihre minderjährigen Töchter und Schwestern zu unsittlichen Handlungen hergegeben zu haben. * Ein charakteristischer Ausspruch des Kronprinzen wird aus Düsseldorf mitgeteilt. Als der Prinz während der Besichtigung der Maschinenhalle und der Paläste Krupps und des Bochumer Vereins vom Vorsitzenden der Ausstellung mehrmals erinnert wurde, daß die vorgesehene Zeit schon abgelaufen sei, entgegnete er: „Bitte, an der Zeit des Mittagessens zu kurzen. Was ich hier sehe, ist zu interessant, als daß ich mich davon trennen könnte!" * Eine eigenartige Inschrift hat die „Pos. Ztg." an der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek in Posen „entdeckt". Rechts vom Hauptpottal befinden sich zwei in Sandstein gemeißelte Amoretten, von denen die eine ein aufgeschlagenes Buch hält, auf dessen Blättern zu lesen ist: „Pttnz Tschun, den kleinen Chinamann, man in Berlin jetzt sehen kann." — Wie bei der bekannten „Kamel-Jnschttft" in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, handelt es sich auch hier um einen Architektenscherz, der allen, die ihn lesen, viel Spaß macht. * Die Steuern der Milliardäre. Die Steuerkommission in Rewy ork veröffentlicht eine Liste der direkten Steuern, die von etwa hundert der reichsten Leute der Vereinigten Staaten bezahlt werden. Die Famttie Vanderbilt steht an der Spitze und schlägt den Rekord der Steuerpflichtigen. G. W. Vanderbttt bezahlt 8 000 000 Mk., W. K. Vanderbilt 4 000 000 Mk., Alice Vanderbilt 4 000 000 Mk., A. G. Vanderbilt 2 000 000 Mk., B. C. Vanderbilt 1 000 000 Mk. und der arme C. Vanderbilt nur 400 000 Mk. Carnegie und Rockefeller bezahlen jeder 4 000 000 Mk. * Neue Transvaaler Briefmarken. Transvaal hat nunmehr neue Briefmarken. Die alten Marken der Re- publck mit dem Neberdruck E. R. sind endlich aufgebraucht und neue Briefmarken, ähnlich den englischen mit dem Bttdnis König Eduards, der englischen Krone im oberen Rand und der Jnschttft „Transvaal" am unteren Rande zur Ausgabe gelangt. Links in Querschttft Postage, rechts Revenue Die Farbe der Marken ist blaugrün, ld. scharlachrot, 2d. purpurrot, 21/2d. ultramarin, 5d. orangegelb, 1s. olivengrün, 2s. braun, 2s. 6d. schwarz, 5s. kastanienbraun, 10s. purpurrot. * Eine glückliche Verdeutschung eines Fremd- wottes hat die Regierung (Amtsblatt der königl. Regierung zu Wiesbaden vom 3. Apttl) vorgenommen, indem sie dem „Kellerkonttolleur" Weiß zu Eberbach den künftig zu führenden Titel Kellervogt beigelegt hat. Auch die Aenderung des Titels „Weinbergsaufseher" in »Weinbergsvogt" und „Obervogt" ist um so mehr zu billigen, als man mit diesen Bezeichnungen auf die echt deutschen Titel des Mittelalters zurückgekommeu ist. Der Vogt (von advocatus) hat die Schutz- und Vertretungsgewalt über die ihm Unterstellten und insofern ist die Neuerung bei den vorgenannten Titeln auch innerlich durchaus gerechtfettigt. Genchlssaal. e. Gießen, 5. Mai. Gewerbegericht. Den Vorsitz führtt Stadtverordneter Keller. Es stehen 4 Klagen zur Verhandlung. Die v. Münchow'sche Universitätsdruckerei (Otto Kindt) dahier klagt gegen den Maschinenmeister H. Seubert, jetzt in Würzburg, auf Zahlung einer Entschädigung von 150 Mk., weil Seubert das Arbeitsoerhältnis ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist gelöst habe und weil infolge des unbefugten Weggangs des Maschinenmeisters eine Maschine nicht in Betrieb hätte gehalten werden können. Da der Beklagte im heutigen Termin nicht erschienen ist, erläßt das Gericht nach dem Antrag des Klägers Versäumnisurteil gegen den Beklagten. — In der zweiten Klagsache verlangt der Gerber Wilhelm Remong von dem Lederfabrikanten Louis Lotz hier die Ausstellung einer Arbeitsbescheinigung. Ter Beklagte ist nicht erschienen. Der Kläger erklärt, daß er inzwischen von demÄeklagten eine Bescheinigung über die Dauer seiner Beschäftigung erhalten habe, sie lasse aber vermissen, als was er gearbeitet habe, und er beantrage deshalb, den Beklagten zur Ausstellung einer ordnungsmäßigen Arbeitsbescheinigung zu verurteilen. Tas Gericht erließ Versäumnisurteil gegen den Beklagten. — Der Kutscher Karl August Pasbach hier klagt gegen den Hotelier Heinttch Kühne hier auf Zahlung von 13,20 Mk. Entschädigung wegen unbefugter kündigungsloser Entlassung. Ter Vertreter des Beklagten beantragt Klageabweisung, weil Kläger nut der Entlassung einverstanden gewesen sei. Das Gericht erläßt Beweisbeschluß, in dessen Erledlgung Zeugen vernommen werden sollen. — In der weiteren Klagesache find die Parteien ausgeblieben. M. Gießen, 6. Mai. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngettch, die Staatsanwaltschaft vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel. Der Heizer Heinttch Henze auä Gießen wird beschuldigt, im März 3 Waschpfähle im Werl von 6 Mk. mittels Einsteigens entwendet zu haben. Der Angeklage gesteht die Wegnahme der Pfähle zu, will aber beabsichtigt haben, sie im Interesse des Geschädigten beim Bau einer Gartenhütte zu verwenden. Diese BehaupMng findet durch die Beweisaufnahme Unterstützung. Mangels Vorlegens der notwenigen Zueignungsabsicht erfolgte — entsprechend dem Anträge der Staatsanwaltschaft — Freisprechung von Strafe und Kosten. — Der Hausbursche Johann Philipp Schnitzer sowie dessen Ehefrau und Schwiegermutter sind der ohne obrigkeitliche Erlaubnis bethätigten öffentlichen Veranstaltung einer Ausspielung beschuldigt und werden zu Geldsttafen von 15,10,5 Mk. verurteilt. — Die Landwirte Karl Jung, Louis Jung, Adolf Hofmann von Freienseen sind der Körperverletzung angeklagt und werden der Angeklagte Hofinann zu einer Gesängnisstrafevon4Wochen, die Angeklagten Karl und Louis Jung, die dre Körperverletzung gemeinschaftlich und mittels Messer begingen, zu einer solchen von 9 resp. 6 Monaten verurteilt. — Der Arbeiter Hugo Kraßlen von Gießen hat einem Anderen eine Joppe im Wett von 5 Mk. aus einem ihm anverttauten Koffer entwendet und wird wegen dieser Unterschlagung mit 1 Woche Gefängnis bestrast. — Der Bürgermeister Johannes Kircher von Angersbach hat in seiner Eigenschafr als Standesbeamter eine Ehe geschlossen, bevor das nach § 1314 B.G.B. erforderliche Zeugnis des Vormundschaflsgettchts oorlag, daß der eine Nuptuttent, ein Witwer, die in § 1669 B.G^ö. bezeichneten Verpflichtungen erfüllt hat. Da der Angeklagte aus Unkenntnis des Gesetzes gehandelt hat, wird er zu der geringstzulässigen Geldstrafe von 3 Mk. verurteilt. — Der Taglöhner Peter Trexler von Ober- Bessingen hat aus einem Bazargeschäft, in dem er als Hausbursche bedienstet war, nach und nach eine große Anzahl von allerlei Gegenständen entwendet und wird, da er wegen ähnlicher Dieb- tähle vorbestraft ist, zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. — In der Strafsache gegen die Frau Dr. Tille aus Bad-Nauheim wegen Urkundenfälschung wurde, nachdem die Beweisaufnahme größtenteils stattgefunden batte, neuer Termin mm Abschluß der Beweisaufnahme und zur Entscheidung auf nächsten Freitag anberaumt. Frankfurt, 6. Mai. Die Strafkammer verhandelte längere Zeit gegen den Gärtner Georg Spahn, die Wirtin Wtt- helmine Pracht und ihr Dienstmädchen Anna Remsperger. Dem Gärtner wird eine Reihe von Diebstählen und Ern- b r ü ch e n zur Last gelegt, die beiden Frauenzimmer sind wegen Hehlerei angeklagt. 28 Zeugen sind geladen, ferner ein Psychiater. Dieser erklärt den Spahn, der sich als geistesgestött hinstellt und konfuse Antwotten giebt, für zurechnungsfähig. In der Wohnung der Pracht, die mit Spahn zusammenlebte, fanb man ein ganzes Lager wertvoller Gegenstände: Kleider, Wäsche, Pelze, Anzüge, Gold- und Silberivaren, im Gesamtwett von mehreren tausend Mark. Ein Mitschuldiger, namens Raab, ist noch nicht gefunden. Die Verhandlung endet mit der Verurteilung des Spahn zu acht Jahren Zuchthaus; die Wirtin erhält IV« Jahr Zuchthaus, das Dienstmädchen 4 Monate Gefängnis. — Im Struwwelpeter-Pro zeß, den die Frankfurter Lrttera- rische Anstalt von Rütten u. Lö ning gegen die Firma Gustav Kühn in N e u-Ru ppin unter der Klage des unlauteren Wettbewerbs eingeleitet batte, weil Kühn für ein in seinem Verlag erschienenes Bilderbuch den Titel „Struwwelpeter" gewählt hatte, wurde am Montag vor dem Landgericht das Urteil verkündet. Der Neu-Ruppiner Fi^rna Gustav Kühn wurde bei Meidung einer Strafe von 100 Mark für jeden Einzelfall untersagt, das in ihrem Verlage erschienene Bilderbuch unter dem Titel „Struwwelpeter" herzustellen, feilzuhalten und zu verbreiten. Tas Urtttl wurde gegen Leistung einer Sicherheit von 11000 Matt für vorläufig vollstreckbar erklärt. Leipzig, 6. Mai. Der Prozeß gegen die Direktoren und Aufsichtsräte der Leipziger Bank wird vor dem Schwurgettcht in der bevorstehenden Sitzungspettode, die Mitte Juni beginnt, zur Verhandlung kommen, und zwar an deren Schluß, etwa am 20. Juni. Die Verhandlungen werden 3 Wochen in Anspruch nehmen. Die Direktoren Exner und Dr. Gentzsch ind der Verschleierung im Sinne des § 314 des Handelsgesetzbuches, des bttrügerischen Bankerotts, des Betrugs und der Untreue angeklagt. Wegen Verschleierung haben sich weiterhin zu verantworten die Mitglieoer des Aussichtsrats Kaufmann D o d el, Kaufmann Schröder, Bankier Mayer, Kaufmann Wölk er, Buchhändler Alfred Vörster, sämtlich in Leipzg, sowie der Kaufmann Vie big er aus Dresden. Dodel, der zuletzt Voftitzender des Auf- 'ichtsrats roar, ist außerdem noch der untreue beschuldigt. Die Anklageschrift ist heute früh oen Angeschuldigten zugestellt worden. Falls die Geschworenen die Anklage wegen betrügerischen Bankerotts bei den beiden Direktoren bejahen und mildernde Um- tände nicht zubilligen, müßte auf Zuchthaus erkannt werden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Mai 6. 2" 6. 9M 7. 725 '■C “8' s £ CD i e rr 748,2 7,4 749,6 4,1 749,6 5,1 5,1 5,1 5,0 67 NW. 84 NW. 77 WNW. Wetter >Bew. Himmel Klarer „ Sonnenschein Höchste Temperatur am 5./6. Mai 8,7° C. Niedrigste „ „ 5./6. „ 3,8° 0. Für die Redaktion veranttvorttich i. ,V.: R. Dittmauu^