Montag 7. April 1002 ISS. Jahrgang Zweites Blatt 7Z2 Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten vertreten schwaders aus Anlaß der Krönung des Königs von England wird Deutschland aus Wunsch Englunds ebenso, wie die übrigen Möchte nur durch ein Linienschiff sein. Es wird also nur das .Flaggschiff des Ge, , des Prinzen Heinrich die deutsche Flagge bei der Flotten- GietzeimAnzeiger " General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis! monatlich 7b Pf., viertele fährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6ö Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- iährl. auSschl. Bestellg. Einnahme von Anzeigen für die Tageonununer biß vormittags 10 Uhr. ZeilenprelS: lokal 12$|w auSwärtö 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. atlgem. Teil: P. Wlttko: Mr .Stadt und Vanlr und „(Üerlchtsfaal":R.Dltt» mann; für den Anzeigenteil: Hanß Beck. Deutsches Reich. Berlin, 6. April. Der Kaiser hörte gestern im Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarine- amts und des Chefs des Marinekabinetts und nahm die Meldung des mit der Führung des 18. Armeekorps beauftragten Generalleutnants v. Braunschweig entgegen. — Tas Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub wurde dem General der Infanterie z. T. v. Amann, bisher Gouverneur von Thorn, verliehen. Der Direktor der Hauptverwaltung der Staatsschulden Präsident v. H o f f- m a n n wurde zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Excellenz ernannt. Der Flügeladjutant Kapitän zur See v. Usedom erhielt den Orden pour le merite für seine Beteiligung an der Belagerung von Tientsin und am Zuge des Admirals Seymour nach Peking. Der bish. Konsul in Galatz großh. Hess. Kammerherr 2r. jur. Joseph v. Löhr wurde zum Wirkt. Leg.-Rat und Vortragenden Rat im Auswärtigen Amt ernannt — Die Nachricht, daß der Vize-Admiral Bendemann zum Chef des Admiralstabes ausersehen sei, ist nach der „Nat.--Ztg." unbegründet — Bei der internationalen Flottenrevue Nr. 80 erscheint täglich auher Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien-, blätter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen Univerf.-Bnch'U.Stein- drnckerer (Pietsch Erbens RedakNon, Erpedttion und Druckerei: Schulst raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Metzen. Fernsprrchanfchluß Nr. bl. Ausland. Paris, 6. April. Präsident L o u b e t, der das Osterfest mit seiner Familie in Montslimar verlebt hat, ist heute früh 9 Uhr hier wieder eingetrosfen. Als er den Bahnhof verließ, um sich nach dem Elysöe zu begeben, trat ein Mann an seinen Wagen heran und sagte: „Ich verlange Gerechtigkeit". Ter Mann, welcher einen geladenen Revolver bei sich trug, wurde sofort verhaftet, es ist ein Buchhalter namens Sourne, welcher an Verfolgungswahn leidet. Mit dem Revolver wollte er, wie er erklärte, sich selbst erschießen. Madrid, 6. April. Eine vom Finanzminister ein«* gebrachte Gesetzesvorlage sieht vor, daß der Staatsschatz der Bank von Spanien in einem Zeitraum von zehn Jahren den Betrag dec bei derselben schwebenden Schuld zurückzahlt. Rom, 6. April. Der Papst empfing das Kollegium der Kardinäle, dessen Dekan Oreglia die Glückwünsche zum Pontifikaljubiläum darbrachte. Der Papst dankte in kurzen Worten und unterhielt sich sodann mit den einzelnen Kardinälen. — lieber eine Spionenaffaire wird berichtet: Vor dem Kriegsgericht Spezia beginnt demnächst der Prozeß gegen den Schifssleutnant Bonacorsi wegen Hochverrats. Bonacorsi wird beschuldigt, gegen Bezahlung einer sehr bedeutenden Summe die Pläne der Insel- f e st u n g M a d d a l e n a an den Agenten eines fremden Staates (Frankreich) ausgeliefert zu haben. Die Flottenstation Maddalena liegt im Norden von Sardinien, hart neben der kleinen Ziegeninsel G. (varibaldis; sie gilt als strategischer Punkt ersten Ranges; denn sie sperrt nicht nur hermetisch die Straße von St. Bonifazio und bedroht direkt ganz Korsika, sondern schützt als weit vorgeschobene Seesestung auch die ganze Westküste Italiens. Wien, 6. April. Gestern wurde der den deutschen Botschaften in Wien und Roin zugeteilte Marine-Attachä Korvetten-Kapitän Reinhard Koch vom Kaiser in Audienz empfangen; Korvetten-Kapitän Koch überreichte dem Kaiser ein Geschenk seines Monarchen; eine Separatausgabe der vergleichenden Schiffstypentabellen, die Kaiser Wilhelm eigenhändig angefertigt hat. — In Regierungskreisen spricht man viel von Körbers Amtsmüdigkeit und meint, der in der Frage des Ausgleichs mit Ungarn vorauszusehende Sieg ber Ungarn auf der ganzen Linie würde ihm Anlaß zum Rücktritt bieten. Belgrad, 5. April. Ter König nahm die Demission des Finanzministers Popow itsch an; Handelsminister Milowanowitsch übernahm das Portefeuille der Finanzen. Konstantinopel 6. April. Nach Ipek, wo, wie gemeldet, Unruhen ausgebrochen sind, wurden zwei Bataillone abgefanbt. Eingetrosfenen Nachrichten zufolge ist der Verkehr mit Mitrooitza und Novibazar seit dem 2. April gestört. In beiden Städten herrsche Panik, die Bazare seien gesperrt. In Novibazar flüchtete der Kai- makam in die Eirabelle. Der Konak und bas Telegraphenamt seien burch bie Aufständischen besetzt. General Schunsi Pascha sei mit einem Kavallerieregiment von Pristina abgegangen, um die Ruhe wiederherzustellen. N e w y o r k, 5. April. Es heißt, daß der P r i n z v o n Wales eingeladen werden wird, der Einweihungsfeier des neuen Handelskammergebäudes in Newvork beizuwohnen. Eine formelle Cintadung ist no ch nicht ergangen; dem Vernehmen nach wirb jedoch ber Prinz Hannover, 6. April. Ein Tiner der Stadt zu Ehren des 70. Geburtstags des Feldmarschalls Grafen Walder see findet am Montag statt. Arn Geburtstage (8. April) wird die Garnison dem Feldmarschall durch Konzert der Militärmusiken eine Ovation bereiten. Die Regimenter werden burch Deputationen gratulieren. Karlsruhe ,6. April. Prinz unb Prinzessin Heinrich sowie ber Groß Herzog von Hessen finb heute abenb 5.45 Uhr von hier roieber abgereift. Zur Verab- schiebung hatten sich auf dem Bahnhofe der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin, Prinz Max, sowie ber preußische Gesandte von Eisenbecher eingesunben. — Der Staatssekretär bes Reichsamtes des Innern Graf v. P o s a d o w s k y traf heute mittag hier ein unb weilte nachmittags beim Staatsminister v. Brauer. Heute abenb wirb er im Schlosse vom Großherzog empfangen. Es fand im Großh. Schlosse Tafel statt, an ber u. la. die Minister teilnahmen. Stuttgart, 6. April. Bei den Konferenzen zwischen dem Grafen Posadowsky unb den leitenden Stellen ist ein gleiches Einvernehmen erzielt worden wie in München. Man ist auch in Württemberg mit der Reichsregierung darüber völlig einig, daß ein Abweichen von dem in der Frage der Getreidezölle eingenommenen Standpunkt gänzlich ausgeschlossen ist. Die Interessen Württembergs und seiner Bevölkerung sind mit einer einseitigen Behandlung der Zollfrage im agrarischen Sinne durchaus unvereinbar. Das in der Presse verbreitete Gerücht, als hätte die Mission des! Grasen Posadowsty darin bestanden, die süddeutschen Sie* gierungeu in der Richtung eines Zugeständnisses an den Kompromißantrag der Rechten zu beeinflussen, wird von bester Seite als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. — Dem Landtage ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der die Neuorganisation des V o l k s s ch u l w e s e n si bezweckt. Darnach sollen zu der B e z i r k s s ch u l a u f s i ch t, die bisher ausschließlich in den Händen der (Geistlichen lag, künftigyin in beschränktem Umfange auch Schulmänner zugelassen werden. diese auf, mit den Buren einen gerechten unb ehrenhaften Frieden zu schließen und im Falle eines Scheiterns der Friedensverhandlungen die Vorschläge der Mächte anzu- yören, die auf Grund der Haager Konvention ihre Vermittelung anbieten. Laffans Bureau meldet aus Newyork: Die Entdeckung eines britischen Spions, der unter der Maske eines Burensendlings Kapitäns Louis Devilliers reifte, erregt großes Aufsehen. Am schwersten täuschte er die irisch-nationale Vereinigung „Clan-Na-Gael", die den vermeintlichen Gegner Englands auf seiner Reise durch die Vereinigten Staaten ait vielen Orten als gefeierten Gast behandelte. Devilliers hielt auf seiner Reise verschiedene englandfeindliche Reden und deutete an, er sei beauftragt, britische Transporte zu zerstören. Er behauptete ferner, iiie britische Regierung habe auf seine Festnahme einen Preis von 15 000 Dollars ausgesetzt. Devilliers wußte Einblick in die Pläne des Burendelegierten Pearson zu gewinnen. Der gegenwärtige Aufenthalt des Devilliers ist unbekannt. Bei der ersten Vorstellung des deutschen Zirkus Schumann in Prag kam es am Samstag abend zu england- eindlichen Demonstrationen. Bei der Vorführung des Bildes des Königs Eduards mittelst des Kosmographen begann das ganze Haus zu zischen und die Aufregung legte sich erst, als das Bild Kaiser Wilhelms erschien. revue zeigen. — In der „Philharmonie" fand gestern abend unter zahlreicher Beteiligung ein Bismarck-Kommers statt. Tie Gedenkrede hielt Professor Heyk. — In den Verhandlungen Deutschlands mit Venezuela ist, der „Post" zufolge, eine Panse eingetreten. Tie Abreise der deutschen Schiffe von ber dortigen Küste erfolgte aus klimatischen Rücksichten. Tüfseldorf, 6. April. In der Ausschußsitzung des Vereins zur Wahrung ber gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen im Rheinlanb unb Westfalen würbe u. a. auf bie Wichtigkeit ber am 11. unb 12. April in Berlin stattfind enben Versammlung bes Zentralverbandes deutscher Industrieller in Sachen des Zolltarifes hingewiesen und vor allem betont, daß das Tirekwrium des Zentralver- bandes niemals den Beschluß gefaßt habe, sich für eine Erhöhung der Getreidezölle auf 6 M k. auszusprechen. Vom Burenkrieg. Tie letzten Verluste der Engländer auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze sind viel größer, als man bisher annahm. Wie ein Telegramm des „Reuterschen Bureaus" aus Pretoria meldet, betragen nach der amtlichen Liste der englischen Verluste in dem letzten Gefechte mit Telarey bei Dr ie kuil am 31. v. M. 3 Offiziere getötet, 16 verwundet, 24 Mann getötet, 131 verwundet. Tie Buren sollen 137 Tote unb Verwundete gehabt haben, das sind 37 Mann weniger als bei den Engländern. Ferner betragen die Verluste der Engländer bei Boschmanskop am 31. März 20 Tote und 56 Verwundete. Näheres von diesem Gefechte ist überhaupt noch nicht bekannt geworden. Endlich heißt es entgegen den Meldungen des Londoner Kriegsamtes in Brüsseler Burenkreisen, daß die Engländer bei dem Gefecht bei Hartriver wenigstens 250 Mann an Toten und Verwundeten gehabt haben. Von Gefangenen könne gar keine Rede sein, da dieselben von den Buren sofort wieder sreigelassen worden seien. Nach Meldungen aus Pretoria find die Bemühungen Schalk Burgers, die im Felde stehenden Burenführer zur Annahme der Autonomie anstatt der vollen Unabhängigkeit zu bewegen, resultatlos geblieben. Steijn, Dewet, De larey und Botha lehnen jedes Kompromiß ab und bestehen auf völliger Unabhängigkeit. Von Piet deWet, dem feigen und ängstlichen Bruder des bekannten Burensührers Christian de Wet, giebt ein deutscher Freiwilliger, der lange auf Seite der Buren gekämpft hat, eine drastische Schilderung. Piet deWet, der unter demPantoffel einer energischen, aber nur für ihr Besitztum besorgten Frau steht, galt eine Zeit lang, als dem verknöcherten alten Prinsloo langsam — seine Absetzung offen auszusprechen, wäre gegen alle burischen Traditionen gewesen — bie Haupt - kommanbantsckaft des Freistaates entwunben würbe, als Hauptkommanbant der Oranjer, unb diese Unklarheit im Oberkommando war für betbe ein trefflicher Vorwand, nichts zu thun, als um die Engländer herumzuliegen unb zu retirieren, sobald der Gegner den Vormarsch antrat. Schließlich würben betbe, hübsch burisch behutsam, aus der Oberkommanbantenstellung herausbugsiert unb Christian be Wet zum Hauptkommanbanten von Steijn nicht ernannt, aber als solcher behanbelt. Leider zu spät, benn inzwischen war man von Lindley hinter Bethlehem bis scharf an die Drakensberge retiriert, wo bie Engländer die ganze burische Streitmacht platt zu drücken drohten. 9cur durch eine Umgehung der englischen Flügel war noch ein Entkommen möglich. Christian be Wet gelang bas Wagnis vortrefflich: er umging ben rechten englischen Flügel so geschickt, baß die Engländer erst mehrere Tage später sein Verschwinden bemerkten. Sein Bruder Piet zog mit ihm; als er aber in bie Nähe seiner Farm kam, verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Bald darauf hat er sich bann ergeben; die Sache wurde ihm für sein Hab unb Gut zu „gevaarlijk". Bekanntlich kapitulierte Der alte „Hooftkommanbant" Prinsloo nach de Wels Ab- zug mit ber Hauptmacht ber Orcmjer, runb 5000 Mann. Tiefe feige That war birekler Landesverrat, denn daß eine Notwenbigkeit zur Uebergabe nicht vorlag, ergiebt bie Thatsache, baß nicht nur be Wet, sondern auch Olivier, dieser um den linken englischen Flügel herum, mit Frone mann entkam, unb baß Prinsloo alle Ueberredungskünste aufwenben mußte, um das Gros der Oranjer zu veranlassen, seinem Beispiel zu folgen. Der schlaue Piet be Met hat aus der Klemme den Weg gefunden, ber ihm persönlich am wenigsten schädlich ist. währenb Prinsloo in Gefangenschaft schmachtet, währenb sein Bruder Christian ein unstetes Guerillaleben fuhrt ohne Ruh und Rast, sitzt er ganz vergnügt mit Frau unb Kindern, mit Schafen unb Rindern, in Kd von stad, raucht die Friedenspfeife und „vergißt manchmal vollständig, daß sich das Land überhaupt noch im Kriegszustände befindet". Tie letzten Worte hat er selbst in einer Rede gebraucht, die er jüngst in Kroonstad gehalten hat, um bie englischen Soldaten gegen ben Vorwurf ber Roheit in Schutz zu nehmen. Aus Plymouth wird gemeldet, ein hervorragender Ofsi- xier, der mit dem Transportschiff „Dunera" aus Kapstadt dort anlam, habe gesagt, an Bord der „Tunera" seien alle der Ansicht gewesen, daß die Grausamkeiten der englischen Bushveld Karabiniere zahllos waren; 31 Anklagen unb bavon sieben Anklagen wegen Mordes seien gegen bie verurteilten sieben Offiziere vorgebracht; sie hätten nicht nur bewaffnete unb unbewaffnete Buren erschossen, sonbem auch Frauen unb Kinber kalten Blutes ermordet; weder Alter noch Geschlecht habe vor ihrer erbarmungslosen Gewalt geschützt. Leutnant Mo- rant soll kein Australier, sondern ber Sohn eines Eng- l ä n b e r s gewesen sein unb in ber englischen Marine gedient haben. Ter zurzeit in Monaco tagende Weltfriedenskongreß nahm einstimmig unter Assistenz sämtlicher englischer Delegierten zwei Resolutionen über ben Krieg an. Tie erste enthält einen Appell an bie Mächte, worin diese beschworen werden, den Artikel 4 der Haager Konvention, der die Rolle des Vermittler-, im Kriegsfälle definiert, in Betracht zu ziehen und anzuwenden; bie zweite Resolution brückt ber holländischen Regierung die Glückwünsche des Kongresses für ihr 'Xnerbieten der guten Dienste aus und lenkt bie Aufmerksamkeit ber öffentlichen Meinung auf die Unmöglich leck, internem onatc Schwierigkeiten auf gewaltsamem Wege •. L . . e ber Transvaalkrieg zur Genüge erweist. Ein Appell an die englische Regierung fordert Rulitijche Gagesschml. Ein neuer Mordanschlag ist gegen den Moskauer Oberpolizei meist er General Trepow verübt worden. Am Freitag abenb trat ein Mann in bas Empfangszimmer des Oberpolizeimeisters und wünschte ihn persönlich zu sprechen. Der dienstthuende Beamte Zaremda sagte dem Petenten, baß er während der Empsangsstunden wiederkommen möge. Der Bittsteller warf sich nunmehr mit g e zü ckt e m D o l ch auf Zaremba, wurde aber entwaffnet unb verhaftet. Ter Verhaftete heißt Michalewski. lieber ben ersten Mord an sch lag berichten die „Mosk. Mjed.": Ter Chef der Polizei betrat das Empfangszimmer um 1 Uhr 15 Min. mittags in Begleitung des Kan^lei- direktors Reimers, des Stabsoffiziers für besondere Aufträge Oberstleutnants Palschau und des Abteilungschefs N. A. Wassiljewski. Zum Empfang waren mehr als 100 Personen erschienen, von denen ein Teil, speziell die Bittstellerinnen, im Empfangszimmer und die übrigen im Korridor sich befanden. Während ber Oberpolizeimeister seinen gewöhnlichen Platz am Fenster einnahm, unb mit ber ersten Bittstellerin, einer Französin, sprach, trat aus ber Reihe ber Anwesenden eine mit einem schwarzen Rock unb einer schwarzen Jacke bekleidete Frau auf rhn zu, bie einen Revolver nicht großen Kalibers in ber Hand hielt unb aus nächster Nähe einen Schuß auf General Trepow abgeben wollte. Der Revolver versagte. Ohne bie Geistesgegenwart zu verlieren, ergriff General-Major Trepow bie tzanb der Frau, bie einen zweiten Schuß abfeuern wollte. So würbe biefer Mordanschlag vereitelt. Ter zweite hat sein Ziel gleichfalls verfehlt. Man muß gestehen, Herr Trepow hat viel Glück. Großherzog und Gendarm. Aus Darmstadt schlechtem Alan be- könnke. Darmstadt, 6. April. Der Finanz-Ausschuß der 2. Ständekammer wird am. 10 ds. seine Beratungen aufnehmen und eine Anzahl dringlicher Vorlagen, insbesondere den Hof- tbeat er umbau, Vergrößerung des Polytechnikums re. 2c., erledigen. Ende dieses Monats soll denn auch die Zweite Kammer kurze Zeit zusammentreten. — Die Stadt hat zu dem Goethe-Denkmalfonds, an dem noch ca. Mk. 5000 fehlen, Mk. 2000 (statt Mk. 200000) aufgebracht! Darmstadt, 6. April. Prinz Albert zu Schleswig-Holstein ist vorgestern abend zum Besuche am Großh. Hofe eingetroffen und wohnte mit den Allerhöchsten Herrschaften dem Feste im Offizierskasino des 1. Großh. Trag.-Regts. (Garde Dragoner-Regiments) Nr. 23 bei. Der Großherzog mit hohen Gästen begaben Sich heute zu einem Besuche des Großherzoglichen Hofes nach Karlsruhe und kehrten um 8 Uhr abends hierher zurück. In Begleitung befanden sich Kapitänleutnant v. l^idy, Hofdame Frln. v. Plänckler, Generaladjutant Oberst v. Wachter. -k- Mainz, 6. April. Die Beseitigung der hiesigen F e st u n g s w ä l l e ist im Kriegsministerium schon vor längerer Zeit beschlossen worden, nur bezüglich der Anlage der Außenforts war man in den Ressorts verschiedener Meinung. Zur Anlage dieser Außenforts haben im verflossenen Jahre in weitem Umkreise Vermessungen und Absteckungen stattgefunden. Eines dieser Außenforts soll aus dem Lerchenberg bei Gaubischofsheim erbaut worden. Der Kuriosität halber sei erwähnt, daß verschiedene Berliner Blätter sich von hier haben depeschieren lassen, der Militärfiskus habe der Stadt Mainz das ganze freiwerdende Festungsgelände zum Geschenk gemacht. Ein sehr schöner Gedanke, aber man hat hier hinlänglich Erfahrung, um zu wissen, daß es ganz anders kommt. — Aus Furcht vor einer Schulstrafe hat hier ein 13jähriger Junge einen Selbstmordversuch gemacht. Er hat sich mit einem Federmesser die Pulsader auszuschneiden versucht, wurde aber von seinen Eltern überrascht. Mainz, 6. April. Folgende amüsante Kindergeschichte spielte sich in einer Familie ab: Das 6jährige Karlchen liegt im Bette und spricht laut sein Nachtgebet. Da kommt sein kleines Schwesterchen und kitzelt ihn an den Fußsohlen. Karlchen, das sich nicht unterbrechen lassen will, zieht die Füße ein und verzerrt die Gesichtsmuskel, betet aber weiter. Das böse Schwesterchen jedoch giebt keine Ruhe. Da unterbricht Karlchen, das es nicht mehr auszuhalten vermag, plötzlich sein Gebet mit den Worten: „Sieber Gott, entschuldige einen Augenblick; ich will nur der Tilly eine runterhauen!" Hierauf verabreichte es in aller Ruhe seinem Schwesterchen eine kräftige Ohrfeige und spricht sein Gebet zu Ende. Frankfurt, 6. April. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde von Rangierern des Güterbahnhofes ein junger Mann, welcher mit einem Mädchen auf dem Heimwege sich befand, überfalle n und schwer mißhandelt, das Mädchen dagegen vergewaltigt. Zwei Rangierer, Wagner und Macherau, sitzen bereits hinter Schloß und Riegel. Beide find verheiratet. Frankfurt a. M., Gestern kam Prinz Heinrich von Preußen, der seit einiger Zeit in Darmstadt weilt, mit dem Rad hierher. Er nahm bei seinem Schwager, dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen, Wohnung und stattete gestern der Landgräfin einen Besuch ab. Heute abend kehrte er nach Darmstadt zurück. In der Brauerei Reutlinger wurde der 25 Jahre alte Maschinist Heinrich Karg, der einzige Sohn und Ernährer seiner Mutter, durch ausströmenoen Dampf derart verbrüht, daß er an den erlittenen Verletzungen starb. — In Bocken- heim wurde das aus der Straße spielende 4 Jahre alte Töchterchen der Familie Kamp von einem Flasch enbierwagen t o t g e f ah r en. — Einen frechen Raub an fall verübte gestern mittag gegen 12 Uhr in der Palmstraße der 20 Jahre alte Kommis Jean Kloß auf den Kaufmannslehrling Jofepf Krebs. Letzterer trug eine Ledermappe. Plötzlich trat der elegant gekleidete Wegelagerer auf ihn zu, setzte ihm einen Dolch auf die Brust und nahm ihm die Mappe ab, in der er Wertpapiere vermutete. Nachdem er sie durchsucht und nichts gefunden hatte, warf er die Mappe auf die Straße und gab Fersengeld, da der Neberfallene inzwischen um Hilfe gerufen hatte und Leute herbeieitten. Ter Räuber reterrerte in die Günthers ? Brotfabrik im Herme § weg und wurde dort Der Erfolg der russischen Anleihe wird nun in einer großen Anzahl von Fachartikeln einer Kritik unterzogen. So schreibt ein Berliner Blatt, daß es gegen das Interesse der russischen Regierung wäre, wenn sie sich durch das Zeichnungsresultat zu einer Heberschätzung ihres Kredits verleiten ließe. Auch die Macht der Bankwelt soll man auf Grund solcher Riesenziffern nicht überschätzen. — Die enormen Zeichnungen haben mancherlei Nachtelle im Gefolge. Erstens wird dadurch das Zutellungsgeschäft aufs äußerste erschwert und dann ist es nicht zu umgehen, daß dabei auch ganz serieuse Subskribenten unberücksichtigt bleiben. Diese erzeugt Unzufriedenheit und ist nachteilig für künftige Subskriptionen. Die „F. Z." meint übrigens auch, daß sich Rußland keiner allzugroßen Heberhebung in Bezug auf seinen Staatskredit hingeben möge. Der starke Andrang zur Subskription sei in der Hauptsache der Thatsache zu danken, daß der Zeichmrngspreis gegenüber den Kursen der übrigen russischen Anleihen eine ansehnliche Marge bot; der einem höheren Emissionskurse würde das Interesse offenbar weit weniger stark gewesen sein. Auch regt das Blatt die Frage der Umgestaltung des Zeichnungsmodus wieder an, giebt aber keine Ratschläge, wie es anders als bisher gemacht werden vmnussichtlich die Einladung annehmen. Vertreter sämt-l sitzer wird in den günstig gelegenen, ausgedehnten Räumen barin betrieben- Geschäft in größerem Umfangt tzb". 6. April umringt v°n Angehörigen und b°- falls der Eröffnung der Ncwyorker Handelskammer bet- gluckwunscht von Freunden und guten Bekannten aus Nah zuwohnen, die im Oktober erfolgen soll. und Fern, vollendet heute Lehrer Loos hur sein acht- --1 ■ ■"—!■■■■ — zigstes Lebensjahr. Wie bei der Feier des sechzig- Aus Stadt und Land. jährigen Dienstjubiläums, so fühlt sich der Jubilar auch jetzt ßiipfipn 7 9rnt4r 1Qn9 noch körperlich rüstig und geistig frisch, beneidenswert wegen ** p,L ' a + t i I seines nie erlöschenden urwüchsigen Humors. Noch immer »mnn ^^°"°tnachnchtm. Der Großherzog hat dem Haupt- Schulzepter m sicherer Hand haltend, ääij(t ta I°'th-r Oberleut- würdig- Veteran, der älteste aktive Lehrer des engeren f°st di- gesamte Einwohnerschaft unseres nlLffnr in gxws Wirft Tft'rft ft Cft wurde ein hoher Pachtpreis erzielt, nämlich pro DiLeb^g^ 7OST% Konkurrenten r cvn - - waren erschienen, em Herr aus Frankfurt a. M. und em mit WchrnehnmnglW des Fürsten Jsonburg-Birstein. Pächter wurde beauitraat jeböct) wieder eme Jagdgesellschaft aus Freiensteinau. * ßhrtttAprüfft»* mltMk . . - . , Vom höheren Vogelsberg, 6. April. Die Preise der Jahresseft am Sonntag, den 15. und Montag, den 16. Ium Mark, früher dagegen 35 bis höchstens 40 Mark. Auch '** Marine-Verein. In der am ©amStagabenb Zp^ ?as Ptzmd abgehaltenen Generalversammlung, die sehr stark besucht Schlachtgewicht kostet 60 bis 62 Pfennige, Lebendgewicht war, wurden die Kameraden Koch zum ersten Vorsitzenden, 45 bt§ 47 Pfennige pro Pfund. .Ohr zweiten Vorsitzenden, Krauße, Schriftführer, Handloser^ soll. Darmstadt, 7. April. (Tel.-Meldung des Rechner, Braun und Schmidt II. zu Beisitzern in^den Vor- „Gieß. Anz.") Die Lehramtsassessoren Jakob Reuter stand gewählt. Das 10jährige Stiftungsfest soll bestimmt und Dr. Ehr. Waas in Alsfeld wurden zu Oberlehrern im kommenden Herbst gefeiert werden. Tag und Lokal an der dortigen Realschule, sowie der Revisionsgehilfe beider fbf?9efttzt werden. Es soll ein Patriot:- Oberrechnungskammer Heinr. Peppler aus Wies eck zum sche Fes größeren Stiles werden. Oberrechnungsreoisor bei der 2. Justisikatur der Oberrech- wird ber | nung§tämmer ernannt; ferner wurde der Forstmeister Otto Zur ungarischen Konversion. Hebet den Stand dieser An- gelegenhell teilen wir der Vollständigkeit halber mit, daß vielseitig geglaubt wird, die Konversionsvorlage werde im ungarischen Parlament auf Opposition stoßen. — Die Sache fängt nachgerade an herzlich langweilig zu werden. Hebrigens wird von anderer Seite mitgeteilt, daß zwischen dem 20. und 25. April der erste praktische Schritt zur Durchführung der Konversion gethan wird. Schaaffhauseuscher Bankverein. In der am Samstag tattgehabten ordentlichen Generalversammlung fanden alle Punkte der Tagesordnung die einstimmige Genehmigung. Die Errichtung einer Niederlassung in Düsseldorf steht in nächster Aussicht. Von der Interessengemeinschaft mit der Pfälzischen Bank scheint offiziell nicht die Rede gewesen zu sein. Getreide. Unsere Mühlen hatten sehr über schlechten Mehlabsatz zu klagen und beschränkten daher ihre Käufe auf das Notwendigste. Außerdem verstimmte auch die matte Haltung der amerikanischen Märkte. Nachdem aber von keiner Seite das Angebot dringend war, konnten sich sowohl die amerikanischen als auch die russischen Forderungen behaupten, während Argentinien heute sogar bei knappem Angebot 1 Mk. pr. Tonne höher ist als vor acht Tagen. Kraftfuttermehl. Die Stimmung im Futtermittelmarkt bleibt eine ruhige; für greifbare Ware zeigt sich noch fortdauernd Bedarf, während die Meinung für Abschlüsse auf spätere Lieferung etwas besser geworden ist. Tas Angebot für die nächste Saison ist allerdings noch immer recht spärlich; Frankreich zeigt sich mll Ver- t auf en von Erdnußkuchen sehr zurückhaltend, während vonAmerlla Offerten überhaupt fehlen. In guter Frage bleiben Cocoskuchen, auf der Bildfläche und donnert dem vorausfahrenden Großherzog em energisches „Halt! Absteigen!" entgegen. Der Großherzog stieg folgsam ab und gab auf die ebenso energische Frage des Hüters der öffentlichen Ordnung: „Wer sind Sie?" die Antwort: „Ich bin der Großherzog von Hessen. Damit Sie aber nicht auch noch die nachfolgenden Herrschaften abfteigen lassen, teile ich Ihnen mit: das sind der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen!" Der Gendarm salutierte: „Königliche Hoheit! Gesetz ist Gesetz!", zog die Brieftasche heraus und schrieb den Großherzog auf. Die Uebertretung der Fahrordnung kostet für gewöhnliche Sterbliche 7 Mark. —g. Woher der Name „Annerod" kommen soll. Vor vielen hundert Jahren, als drüben in Welschland der Krieg tobte, zog.es auch manchen deutschen Reitersmann dorthin, um Kriegsdienste zu nehmen, wobei er sich Ehre, Geld und Gut zu erwerben hoffte. Unterdessen saßen daheim Weib und Kind in Not und warteten vergebens auf Ihren Ernährer, der gar oft nie wieder zurückkehren sollte. Im engen Thale, begrenzt von der Höhe des Schiffenberges und der Höhe im damaligen „Wiesecker" Wald, die heute der hohe Wartturm ziert, wohnte ein Lehnsmann der Schiffen-^ berget Commende. Er nährte sich redlich mit Weib und Kind von den Erträgnissen, die ihnen der rauhe Boden abwarf j und von der Zucht der Herden, die das fruchtbare Wiesen-! thal nährte. Aber das Kriegshandwerk, das leichteren und größeren Verdienst versprach, führte unfern Kunz aus seinem friedlichen Thale davon. Vor seinem Wegzug hatte Kunz das mühsam ersparte Gut unter einer alten Buche vergraben, um es sicher zu bergen während seiner Abwesenheit. Jahre vergingen; aber Kunz kehrte nicht zurück. Sein armes Weib verzehrte sich in Gram über den verschollenen Mann, nur mit Mühe ihr Dasein fristend, im harten Kampfe, sich und ihre Kinder zu nähren und sich zu wehren gegen die Bedrängnisse feindlicher Nachbarn. Die Not der Armen wuchs von Tag zu Tag, und Hunger war gar oft bei ihnen Gast, denen es manchmal am täglichen Brot fehlte. Verzweifelnd durchschritt Frau Anna den nahen Wald, ihr herbes Geschick beklagend. Laut hallten ihre jammernden Worte im Thale wieder. Da ist's ihr plötzlich, als vernehme sie eine Stimme: „Anna, rode!" Sie eilt nach der Stelle hin und bleibt vor einer Buche stehen, wo sie die Worte zu vernehmen glaubte. Eine hehre, engelsgleiche Gestalt wähnt sie hinter der Buche zu sehen, die ihr mild zuspricht: „Hier unter dieser Buche, Anna, rode!" Das arme Weib, holt Hacke und Karst und macht sich an die Arbeit. Ihre Mühe ist reichlich belohnt; an der Wurzel der Buche findet sie einen Topf von Gold. Dankerfüllt sinkt sie auf ihre Kniee und gelobt, an der Stelle, wo sie des Himmels Botschaft vernommen, eine Kapelle zu bauen. Frau Annas Not und der Ihren hatte ein Ende durch den gefundenen Schatz. Durch Fleiß sieht sie bald ihren Besitz sich mehren. Ihr Gelübde hielt sie treulich. An der Stelle, wo sie des Engels Stimme vernommen, baute sie eine Kapelle und nannte sie „Annarode". Die wunderbare Mär verbreitete sich überallhin; sie zog andere Ansiedler heran, die gern bei dem heiligen Orte wohnen wollten. So entstand ein Dörfchen, das heute noch den Namen „Annerod" führt. Butzbach, 5. April. An der hiesigen Realschule ist eine neue Stelle für einen akademisch gebildeten Lehrer errichtet nnb dem Lehramtsaecessisten Dr. Strecker in Gießen übertragen worden. -h- Sichenhausen, 4. April. Diese Woche fand im hiesigen Gemeindewald die Nutz- und Brennholzversteige- rung statt. Die Preise waren gegen voriges Jahr gedrückt. Fichtenstammholz wurde im Durchschnitt mll 21—22 Mark per Festmeter, erstklassiges Scheitholz mit 4—5 Mark per Raummeter, Fichtenreisig mit 2,25 Mark, Buchenreisig mit 60 Pfennigen per Raummeter verkauft. — Das Tiefbauamt der Stadt Frankfurt hat abermals eine Bohrmaschine in die Nähe unseres Dorfes bringen lassen. Man ist der Ansicht,! daß der Bau einer Thalsperre verwirklicht wird. -i- Selters (bei Ortenberg), 4. April. Der Kaufmann Jost verkaufte heute seine Hofraithe mit angrenzenden Gärten und Bauplätzen für den sehr geringen Preis von 20000 Mk. an Kaufmann Stark aus Niederflorstadt. Der neue Be-s Ä @ef^tcn * »ar™ Am zwecken Ostertag fuhr Großherzog Ernst Ludwig H^bera verlebt mck einigen feiner Gäste per Rad bei ziemlich J y ‘ Wecker die Heidelbergerstraße gegen Eberstadt zu. nützte an einer bestimmten Stelle den Fußweg, der für R a d - Wahrer verboten ist. Plötzlich erscheint ein Gendarm Kunst und Wissenschaft. Newyork, 6. April. Mareoni traf mck dem Bankier Morse von der Financiersgruppe Morgans ein Abkommen, das die Abtretung aller Rechte für dte Funken.telegraphie in Amerika vorsieht. Das vorläufige Kapital der neuen Gesellschaft beträgt 6 Millionen Dollars. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berlin, 5. April. Die Generalversammlung der Elektrischen Hoch- und Hntergrundbahn beschloß die Erhöhung des Aktienkapitals um 10 Millionen Mark. Von diesen Aktien sollen 5 Mill, mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1902 ab zu 110 Proz. zuzüglich der laufenden Stuckzinsen und weitere 5 Millionen mck Dwidendenberechtigung vom 1. Januar 1903 ab zu 106 Proz. den alten Aktionären angeboten werden, daß auf je 4 alte Aktien zwei neue und zwar je eine von jeder Kategorie entfallen. Mannheim, 5. April. Wie die „N. B. Landesztg." meldet, ist die Lederfabrik Hartmeyer in Neckarsteinach mit nahezu 800000 Mark Verbindlichkecken Zahlungsunfähig geworden. Beteiligt seien hauptsächlich süddeutsche Firmen. Gnn Münchener Felllieferant, dessen Forderungen 200000 Mark betragen, hat sich aus Kummer über den drohenden Verlust ertränkt. Differenzen zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten. Das „B. T." will wißen, daß an der gedrückten Sckm- muiig, die nun schon seit einiger Zeit an den deutschen Börsen besteht. nicht zum geringsten Teil die Verstimmung, die zwischen der deutschen Regierung und der der Vereinigten Staaten herrscht, einen wesentlichen Anteil habe. Die Vereinigten Staaten drohen, Deutschland mit Repressalien, weck es den Import, der mit Borsäure behandelten Fleischwaren verhindert. Zur Börseugesetzreform. Heber den Stand dieser Angelegenheit hört man, daß der Bnndesrat sich für eine ziemlich unveränderte Annahme des preußischen Entwurfs entschieden haben soll und bann, daß Graf Posadowsky auf seiner Reise burch die Bundesstaaten eine Verständigung wegen des Entwurfs berbeige- führt hat. Nun bietet der preußische Entwurf den Börfenleuten nur sehr wenig und aus allem was man darüber hört, will man die Einbringung ber Vorlage so lange wie nur möglich hinaus- zögern, auch von dem Schicksal der Zollvorlage abhängig machen, so daß schließlich für die Börse so viel rote nichts herauskommt. Neue Auleiheu. Am 9. d. Mts. findet die Subskription auf 5 Millionen Mark 3V-proz. Bochumer Stadtanleihe zu 98.90 Prozent statt. — Der Stadt Bad-Nauheim ist die Genehmigung zur Ausgabe von 1 Mill. Mk. 3 /,proz. Anleihe erteilt morden. — Die Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa" hat die Erhöhung des Mtienkapitals um 3 Millionen auf 18 Millionen Mark beschlossen. — Die Zeichnung auf 14 Millionen Mark 3i/e= proz. Württembergische Staats anleihe findet am 10. d. Mts. an den süddeutschen Haupchlätzen zum Kurse von 100.15 Proz. statt. Die Anleihe ist selbstverständlich erster Gute, aber unseres Erachtens etwas teuer. schließlich im Speiseaufzug gefunden. Gefesselt wurde er der Polizei übergeben. fc. Hanau, 6. April. Durch die Blätter ging eine Mitteilung, wonach Landgraf Alexander von Hessen am Hofe zu Cettinje weile, um sich mit einer montenegrinischen Prinzessin zu verloben. Nach Erkundigungen, die man auf Schloß Philippsruhe eingezogen Hai, ist daran kein wahres Wort. Landgraf Alexandere wurde lediglich durch schlechtes Wetter einige Tage in Cettinje festgehalten und ist bereits nach Livadia ab* gereist, von wo er sich nach St. Petersburg begiebt. Landgraf Alexander ist ein treuer Anhänger der evangelischen: Kirche. ___________ Universitäts-Nachrichten. Berlin, 5. April. Durch Verfügung des Polizei- Präsidenten sind 2 8 Studenten aus Preußen aus- gewiesen worden. Es handelt sich um Hörer der technischen Hochschule, der Hniversität und der landwirtschaftlichen Hochschule. Zehn der Ausgewiesenen gehören dem polnischen Adel an. Außerdem sind noch zwei Studentinnen, aus Warschau stammend, ausgewiesen worden. — Dem Hnioersckätskurator in Halle, Geh. Ober- Regierungsrat D. Dr. Schrader, ist bei seinem Scheiden- aus dem Dienste der Charakter als Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat mit dem Range eines Rates erster Klaffe verliehen worben. Da Geh. Rat Schraber erkrankt ist, mußte bie ihm zu Ehren von den Beamten der Hniversität Halle geplante Abfchiebsfeier verschoben werben. In M ü u eh e u ist Professor Dr. Hans Buchner, Vorsteher des Hygienischen Instituts, gestorben. Buchner war am 16. Dezember 1850 zu München geboren und als Bakteriologe bekannt. bie für prompte Lieferung fonbauemb knapp sind. Uebrige Artikel 'Mverändert. Märkte. .mtücße Notierungen der heutigen Fruchtmarklpreise. lf. 17.25—17.50, Kurhessischer 2)lL 17.50—00.00, La Plata 100 Kg. ab hier. te. Frankfurt a. M.» 7. April. (Telegr. Orig.°Bencht des fflien. aini/). Amtliche Sicherungen der heutigen Viehmarkt- nreiie ?uin Verkaufe standen 497 Ochsen, darunter 162 ans Oesterreich, 58 Bullen, darunter 11 aus Oesterreich, 721 Kühe, Fersen, (stiere und Rinder, 225 Kälber, 179 Schafe und Hammel, 1308 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 00 Schaflämmer. Bezahlt wurde iür 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 64—66 Mk., » nuaL 57—60 Mk., 3. Qual. 52—54 SJlt.; Bullen 1. Qual. 53 bis sfi Mk 2. Qual. 48—51 Alk.; Kühe 1. Qual. 58—80 SDIL, 2. Qual. S-67'OJlf., 3. Qual. 43—45 Alt, 4. Qual. 32-34 Alk., 5. Qual. 80—31 All. Kälber: 1. Qualität80—82 Pfg., Lebendgewicht 48—50 Ps., 2. Oual. 73—76 Pfg., Lebendgewicht 44—47 Pfg., Schlachtgewicht 65—68 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 63—64 Pfg., 2. Qual. 59—60 P,g., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweme 1. Qual. 66 Pfg., Lebendgewicht 52-00 Pfg., 2. Qual. 65 Pfg., Lebendgewicht 61 Pfg., 3. Qual. 56 bis 58 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornoieh gedrückt, bei Kleineieh gut. Markt: geräumt. UebIsland mittelmäßig. , 3 . ko. Frankfurt a. M., 7. April. (Ong^-Telegr. des „(Steven. Awu"> Anttliche Notierungen der heutigen Fruchtmarklpreise. Weizen Alk. 17.25—17.50, Kurhessischer Alk. 17.50—00.00, La Plata Mk. 17.00—17.75, Kansas Alk. 14.05—14.10, Roggen (hiesiger) «Ulf. 15.75—16.25, Gerste (Wetterauer) Alk. 16.50—17.00, Hafer Alk. 16.50—17.00, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 24.00—25.00, 2. Qualität Alk. 22.50 dis Alk. 23.00, 3. Qualität Mk. 20.50—21.00, Roagenmehl 0 SJlf. 22.50—23.00, 1. Qualität Alk. 21.25—21.50, Weizenkleie Alk. 8.7o bis Alk. 9.00, Sioggenfleie Mk. 9.25—9.50, Maiskeime Alk. 9.50 bis Alk. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 00.00—00.00. Alles per Landwirtschaft. m. Muscheuhcim, 6. April. Bei der Generaloersammlung 6er Schwetneversicherungskasse kam auch die schon seit vorigem Jahre hier geübte Impfung gegen Rotlaufseuche zur Sprache. Tie Mehrzahl der Versicherten weigert sich, eine fernere Impfung vornehmen zu lassen. Da beim Fallen eines Schweines an Rotlaufseuche weder von der Kreiskasse, noch auch von der Orts- kasie eine Vergütung beansprucht werden kann, so wurde mit großer Alajorität beschlossen, eine fernere Impfung zu unterlassen und somit aus eine Vergütung von Seiten der Kreiskasse bei Rotlausseuche, sowie auch bei MUz- und Rauschbrand zu verzichten. Tie Ortskasse soll wieder, wie dies früher der Fall gewesen, alle Schäden decken. Obwohl der Vorsitzende auf die emtretenbe Erhöhung der Beiträge aufmerksam machte, beharrte bie Versammlung auf ihrem Beschluß. Veranlaßt wurde derselbe durch eine im Vorjahre kurz nach der Impfung auftretende Erkrankung der Schweine, die man hier für Rotlauf hielt, während der untersuchende Tierarzt auf Lebererkrankung erkannt hatte, sodaß die Ortskasse eintreten mußte. Harburg, 6. April. Unter denselben Erscheinungen, wie erst vor kurzer Zeit unter dem Viehbestände eines Milchhändlers in Lauenbrück), sind seit einigen Tagen das gesamte Rindvieh und die Schweine (zusammen etwa 17 Stück) des Landwirts Peter Brandt in Moorburg erkrankt, und daran bereits zwei Stücr Jungvieh eingegangen. Es ist festgeftellt, daß auch hier der Fall von Vergiftung durch Verfütterung ausländischer Cocos- kuchen vorliegt, da die mit einem Kaninchen als Versuchsobjekt vorgenommene Fütterung mit demselben Kuchen das Eingehen des Tierchens zur Folge gehabt hat. Man hofft, daß es dem Tierarzt gelingen wird, ein weiteres Eingehen zu verhüten. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, das Vieh mit ausländischem Coeoskuchen zu füttern, um so mehr, als hier am Orte nur gute Kuchen fabriziert werden. Obligatorische l ändliche Fortbildungsschulen. Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden hat folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden ist der Ueberzeugung, daß ländliche FortbiU)ungsschulen für unsere Bevölkerung dringend notwendig sind, daß sie ihren Zweck aber nur erfüllen können, wenn den Gemeinden das Recht beigelegt wird, durch Ortsstatut den Besuch obligatorisch zu machen. Tie Landwirtschaftskammer ersucht deshalb den Provinzial- Landtag, durch die Hand des Herrn Oberpräsidenten, der Provinz Hessen-Nassau, um Herbeiführung eines Gesetzes, wodurch in der Provinz Hessen-Nassau den Gemeinden eine solche Berechtigung erteilt wird." Gerichtssaal. L. Gießen, 5. April. Schö s f e n g er i ch t. Gegen einen Landwirt aus Rödgen, der einer Wirtin seines Heimatsortes mit seinem Notizbuch ins Auge schlug und ihr durch diesen Schlag ziemlich schwere Verletzungen beibrachte, wird aus eine Geldstrafe von 80 Mk. erkannt. Ter Amtsanwalt wollte diesen rohen Gewaltakt schwer gesühnt wissen und hatte deshalb zwei Wochen Gefängnis beantragt. sä. Darmstadt, 6. Aprll. Kriegsgericht. In Anwesenheit des Direktors im Kriegsministerium Generalmajor v.Tippels- kirch sowie des Chefs der Justizabteilung im Kriegsministerium Wirkl. Geh.-Kriegsrat Wolf, bie z. Z. auf einer Revisionsreife begriffen sind, wurden gestern zwei Fälle verbandelt. Der Unteroffizier A. Karl Vomhoff von der 8. Kompagnie des Jnf.- Regiments Nr. 168 in Offenbach, geboren zu Ordruff, dem von seinen Vorgesetzten das Zeugnis „sehr guter Führung" ausgestellt wird und der bisher unbestraft ist, hatte am 23. März als „Unteroffizier vom Dienst" am Abend die Mannschaftsstuben abzufragen und zu revidieren. Er hatte sich aber in der Kantine einen gehörigen Rausch geholt unb kam um 7*10 Uhr, als bie Leute schliefen, auf em Zimmer, jagte sie ohne Veranlassung aus den Betten auf den Flur, ließ sie im Marsch antreten, wiederholt auf dem Flu^ Herumlaufen, schlug nach einigen mit dem blank gezogenen Seitengewehr, daß sie Verletzungen baoontrugen, stach in das Bett des Emen, der nicht rasch genug aufgestanden war, warf einen anderen gegen einen Schrank, einen weiteren gegen die Wand und würgte ihn am Hals, kurz er geberdete sich wie ein Wilder, bis endlich ein Kujonierter den Feldwebel herbeiholle, der ihm Einhalt gebot. Der Angeklagte wirb wegen Trunkenhett im Dienst, vorschriftswidriger Behandlung und Mißhandlung von Untergebenen in 7 Fällen zu 5 Monat Gefängnis unb zur Degradation verurteilt. Straferschwerend zog der Gerichtshof die außerordentliche Rohhett unb die schwere Schädigung der Disziplin in Betracht; es erscheine berechtigt, derartige chckanöfen, nur in der Absicht, zu quälen, veranlaßter Mißhandlungen outch Konstatierung abschreckender Beispiele zu vermindern. — Ter zweite Fall betraf den Musketier Wilhelm Gutmann von der 5. Kompagnie des ^chf.-Regiments Nr. 117 in Alainz, der schon wiederhott, auch wegen Meuterei, vorbestraft ist. Er fing in einer Mainzer Wirtschaft im Februar ds. Js. mit einer Kellnerin, die nichts von ihm wissen wollte, Händel an, wurde durch Kameraden vor die Thür gedrängt, zog blank und schlug zwei andere Kameraden, bie ihm zured en wollten, auf den Kopf, sodaß der eine eine schwere Stirnwunde erhielt, die vernäht werden mußte. Slur durch die „eigene" Mutze wurde der zweite Hieb gemildert. G. behauptet, sinnlos betrunken gewesen zu sein, niemand hat aber davon etwas gemerkt. Er wird wegen rechtswidrigen Waffengebrauchs und Körperverletzung zu 2'/,^Monat Gefängnis verurteilt. Ter Gerichtshof ging hier 14 Tage über den Antrag des Anklägers hinaus, da er bie außer- otdentliche Rohhett erfchwerenb in Betracht zog. — Wie man hört, stehl der Besuch der oben genannten Kommisswn mit einer Bet- Arbeiterbewegung. Kiel, 5, April. Die Baugewerkmeister haben beschloßen, die Gesellen auszufordern, sich bis nächsten Mittwoch zu erklären, ob sie sich durch einen sünsjähriöen Kontrakt, der bei 9l/zstündiger Arbeitszeit einen Stundenlohn von 60 Pfennig festsetzt, binden wollen. — Schulamith, die Tochter Jerusalems. Wir lesen in ber Frankfurter „Kl. Pr.": Im Karlshaus, wo sonst bie katholische Gesellenschaft ihre Zusammenkünfte hält, hatte am Sonntag eine jüdische Schauspielertruppe ihre Bühne aufgefchlagen, unb ein zahlreiches Publikum, das teils mit religiös-landsmannschaftlicher Teilnahme, teils aus Kuriositäten-Liebhaberei erschienen war, folgte den Schicksalen der schönen Schulamith. Schulamith begleitet ihren Vater eine Strecke auf ber Osterwanderung nach Jerusalem, verirrt sich auf ber Heimkehr in ber Wüste, verschmachtet fast „fer Dorscht unter ber gläuhenen Sünn" und fällt in den „Brünnen", dessen „Quall" sie erquicken soll. Awschulom, ein reicher Hirt, mit seinem schwanen Diener Zingelang, dem Hanswurst des Stückes, kommt des Weges, rastet am „Brünnen" unb weil, „wenn wer gegessen satt, bas Wasser zu trinken auch nit schad't", so entbeett er Schulamith im Brunnen und zieht sie heraus. Sie singt ein frommes Tanklieb des Inhalts: „Ich bin gerettet oun ainen Menschen, Gott füll ihn benschen." Er wirbt um sie, mit Erfolg, zieht von bannen und — heiratet im 2. Akt glatt eine Ändere, bie Awigael. Tie verlassene Schulamich verwünscht im 3. Akt ihn unb seine Kinber; richtig wirb bas ältere ber „ün- schüldigen Mallochim" von einer wilden Katze zerrißen unb bas jüngste fälltwieder einmal in einen„Brünnen".JmTraum erscheintSchulamith dem Treulosen. Er gesteht seiner Frau — im vierten Akt — seine Schuld, sie giebt ihn frei, als er sich bas Leben nehmen will, unb nun zieht er zu Schulamith, finbet sie in der Wüste auf einem Kanapee unb heiratet sie vom Fleck mit benfelben Zeremonien im fünften Akt wie Awigael im zweiten. Mit einem großen Hallelu- jahe schließt bie Sache. Ta bie Darsteller im Jargon reden, jenem seltsamen verdorbenen Deutsch, das ber polnische Jude spricht, unb bas in Rußland wie in Holland, England unb Amerika von ber untren israelitischen Volksschicht verstanden wird, so Hingen bie naiven Reden doppelt grotesk an unser Ohr. Auch bie Art ber Darstellung hat viele fonberbare Züge. Ter Negersklave z. B. erregt durch Grimassen unb Sprünge, bei benen er sich „aus Stanb", wie ein Turner sagen würde, heftig auf den Boden setzt, bie Heiterkeit nicht nur ber Zuschauer, sondern auch der Spieler. Ein Nachtgesang der Pilger, bei dem der Refrain ^Schloß nit!" bie Strophen des Vorsängers begleitet, scheint nach Melobie unb Text ins Alt- testamentarische zurückzureichen. Der Chor tritt nicht "sehr imposant auf, in Filzpantinen statt ber Sandalen, unb manche Strumpf- ferfe obendrein scheinbar mit fleischfarbener Wolle gestopft. Aber auch diese Dürftigkeit gehört im Grunde zum Ganzen, genau so wie bie brennenden Zigaretten vieler Zuschauer und wie die koscheren Salami-Brödchen, bie in ben Zwischenakten herumgereicht werden, so daß ber Musenaltar von einem leichten Knodlauchbust umhaucht wird. Familien-Nachrichten. Gestorbene: Frau Rektor Tr. Schüz, geb. Wendel, in Langen. herbeigeführt j wegen Vor- zu 30 Kronen, Thorn, 5. April. urteilten 45 Gymnasiasten daß er, wie das ,F. I." berichtet, alle höfischen Förmlichkeiten beiseite lassend, mit einem überaus kräftig gen Druck die Hand des Kaisers ergriff unü sie kräftig schüttelte, indem er sagte: „Es freut mich, die Bekanntschaft eines so unternehm wenden jungen Mannes zu machen. Gerade das bewundern wir Amerikaner." Entfprechendt schränkt erwiesen haben. (_ ---„ . , -. Hier ist der Sitzungssaal des Kriegsgerichts derartig eng, daß eine Öffentlichkeit des V er f ährens nahezu aus- friebißimg kann konstatiert werden, daß hier, in gleicher Weise wie in München und Stuttgart (in Tresden doch auch! D. Red.), in den Beratungen mit den Ministern in Bezug auf den Zolltarif volle Uebereinstimmung zwischen der Reichs- und der badischen Regierung konstatiert worden ist. London, 7. Aprll. Bei dem Tribünen-Emsturz in Glasgow sind un Ganzen, wie sich nunmehr herausgestellt, 250 Personen verletzt worden. London, 7. April. „Daily Telegraph" meldet cm3 Petersburg: Der Dichter Maxim Gorki sei an einer Lungen- Entzündung erkrankt. Sein Zustand sei höchst besorgniserregend. Loudon, 7. April. „Daily Expreß" meldet aus Peters-« bürg: In Rußland herrscht seit einigen Tagen eine wahre Schreckensherrschaft infolge der zahlreichen Attentate gegen höhere Beamte. In amtlichen Kreisen verschweigt man diese Attentate vollständig. Die Zeitungen dürfen nichts darüber bringen. Es finden jedoch täglich zahlreiche Verhaftungen statt. Gegen den Gouverneur von Finnland, General Bobrikow, wurden in einer Woche drei Attentate verübt, wobei er einmal leicht verletzt worden. London, 7. April. Das Parlament wird heute hiebet eröffnet. Auch findet heute wieder ein Ministerrat statt. Paris, 7. April. Da die Regierung eine Versammlung von spanischen Republikanern verboten hatte, hielten diese in der Freimaurerloge eine gesellige Abendunterhaltung ab, in der der französische Abg. Sembat sowie spanische Deputierte antiklerikale Reden hielten. Madrid, 7. Aprll. Die Arbeiterinnen der Zigarrenfabriken haben sich in einer Versammlung für den Aus- stand ausgesprochen. In Gijon kam es in einer Versammlung von Fuhrleuten zu Thätlichkeiten. Rom, 7. April. Zu der Nachricht über ein Attentat auf Giolitti wird amtlich mllgeteilt, daß es sich um bie' That eines Irrsinnigen handelt. Derselbe warf sich in Cavour auf Giolitti, der aber den Angreifer entwaffnete, ohne daß er verletzt wurde. Der Irrsinnige wurde in eine Anstalt gebracht. Krooustad, 6. Aprll. Die Verhandlungen zwischen Schalk Burger, Steyn unb Delarey haben infolge der großem Entfernung beiber Telle keinen großen Fortschritt ge», macht. Die verhanbelnben Parteien kamen überein, bie Transvaalbelegierten sollen sich bald von Kroonstad nach einem anberen Punkt begeben, um bie Verhanblungen zu erleichtern. Es scheint zweifelhaft, ob sich Dewet bei Steyn befindet. Washington, 4. April. Der deutsche Vor>i schlag, bie Funken-Telegraphie international zu regeln, wurde dem General Greely, dem Chef des Signaldienstes, zur Begutachtung übergeben. Es verlautet, Greelch sei entschieden für den Vorschlag, da es sehr gefährlich für alle Regierungen und Interessen wäre, den Vorschlag abzulehnen. Greely, so heißt es, empfiehlt eine Gesetz-, gebung durch den Kongreß über die Privilegierung privater; Funken-Telegraphie und die Ermächtigung des Präsidenten, den Gegenstand auf internationalem Wege zu behandeln. — Ter Präsident hat den Generalanwalt angewiesen, Hebungen über die Ursachen der Fleischverteuerung anzustellen. hat. — « B euth en (Oberschl.), 7. April. Eine große Feuersbrunst wütete in der Ortschaft Millam o witz 20 Gebäude, davon 1L Wohnhäuser wurden ein Raub der Flammen. Eine alte Frau und ein vierjähriges Kind öer*j aroßerunq und Erweiterung des Gerichtsqebäudes in Verbindung, „Augusta Diktorra" euren Besuch Ter Kapitän brachte' da sich die Räumlichkeiten schon einige Zeit als zu be- dem Kaiser den Wunsch eines Mr. Wannamaker, Chey t -7'-». —:-r— jTas ist in Gießen auch der^Fall. des bedeutendsten Manufakturwarenhauses Llmerikas, bor, —e vorgestellt zu werden. Ter Kaiser gewahrte die Ditte ...........w.v* - v -r v l----- sofort. Air. Wannamaker quittierte die Vorstellung damit, geschlossen ist, das dem Ge>etz aber geradezu widerspricht. ! L - ~— <*"— D. Red.) . , Berlin, 6. April. Gegen den ehemaligen Direktor der Preußischen Hypothekenbank, Eduard Sanden, ist dem Vernehmen nach neben dem Hauptverfaßren nun auch noch ein Vorverfahren wegen b etr ügerischen Bankers 11 s eingeleitet worden. Der Termin zur Hauptverhand- ÄX »V“« 'm ^meritaner W fort, -alls werden die Vorbereitungen dahin getroffen, daß die Ter ^^^r schien sich i^es nicht ^el zu unt^hEer^. V°rh°ndlun4 bis zum Bcgi-M ber Gerichtsserien beendet denn^-m^Schltche:des Geichs M urteNten 45' X i-Ne n” b^wTmie ™u befche'm tafi ®?af meldet, vom Reichsgericht zurtukgewiesen worden'ist, be-b- Puckler^ sich in ber verstossenen KtnfeiLe? e 3 n - b i g n n g s g e s u ch e b e i m tt - i s e r g-h-lten unb^J^bez Chemnitz, 5. April. Vor ber zweiten Strafkammer schafts-Angelegenheiten gewesen sein. MsüE. soll bas des hiesigen Landgerichts stand heute vormittag die Ver- Gesuchte sofort wieder nach dem Süden crbgereist sem, hanbfuna aeaen den fiebicbnjähriaen Kaufmannslehrlina ba die Staatsanwaltschaft aus diplomanschem Wcg^. den S chn ei^d e^r^an, ber beffibigt^i\t am 4bei Hast- unb Auslieferungs-Antrag an dre Schweiz gerichtet seinem Lehrherrn einen schweren Einbruchsdiebstahl und am 10. November einen Mordversuch auf die Direktrice Ertel verübt zu haben. Der geständige Angeklagte wurde zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt. Studcutcumcusurcn in Wien. Vor dem Strafrichter des brannten, rksaerichtes Fünfhaus, stand die Mechanikergattin Karoline Bezicksgerichtes FünsHaus, stand die Mechanikergattin Karoline Zlarlsruhe, 7. Aprll. Staatssekretär Graf Posa» Pietsch gemeinfam mit drei Studenten als Angeklagte. Frau dowsky ist heute Morgen nach Berlin abgereist. Mit Be- Pietsch stellt feit Jahren ihre Wohnung zur Austragung studen- ~ ~ tischer Mensuren zur Verfügimg. Es finb deshalb zahlreiche Anzeigen gegen sie eingelaufen, sie wurde auch schon einige Male wegen Mitschuld am Verbrechen des Zweikampfes bestraft, u. a. mit 3 Monaten schweren Kerkers. Im Januar meldete ein Wachmann dem Polizellommisfariat Rudolphsheim, daß eine große Anzahl von Studenten sich in die Wohnung der Pietsch begeben habe. Ein Polizeikommissär begab sich sofort mit einigen Polizeiagenten dorthin. Als sie sich der Thür der Wohnung näherten, orang ihnen Lärm und Säbelllirren entgegen. Der Polizeikommisfär pochte an die verschlossene Thür und da ihm nicht geöffnet wurde, ließ er sie gewaltsam öffnen. Im Zimmer standen ungefähr v0 Personen um 2 Studenten herum, die, durch Stierköpfe (Fechtmasken mit Gitternetz) und Fechthandschuhe geschützt, mit Schlägern auf einander losdroschen. Die Situation ließ vermuten, daß es sich hier um einen Zweikampf gehandelt hatte. Die Polizei nahm eine genaue Haussuchung vor. Der Jurist Sudeny wurde in einem Bette liegend, der Techniker Fleischer in einem Kasten versteckt aufgefunden. Zwischen Studeny und Zenker hatte ein Säbelduell stattgefunden. Anlaß dazu gab ein Auftritt, den die beiden Studenten im Ratskeller hatten. Außer der Alenfur Zenker-Studeny hatte gleichzeitig in einem anderen Zimmer der Pietfch-Bude eine Mensur zwischen dem Techniker Fleischer unb einem Studenten stattgefunden, dessen Namen jetzt weder Fleischer noch die anderen Anwesenden nennen wollten. Fleischer hatte in dieser Mensur eine Verletzung am Kinn erlitten, allerdings nicht durch Schuld seines Gegners, sondern, indem nämlich die Klinge eines Säbels abfprang. Die Voruntersuchung wegen Verbrechens des Zwellampfcs wurde schließlich eingestellt, weil die Gerichtsärzte erklärten, daß mit ben oerroenbeten Säbeln keine gefährliche Verletzung werden konnte. Der Richter verurteilte Frau Pietsch schubleistung zu einem Monat Arrest, Zenker j, Studenv zu 12 Kronen Geldstrafe. Fleischer wurde freigesprochen. Telephonischer Kursbericht. .Frankfurt a. JH.. 7. April 1902. 37e% Reicheanleihe . . 101.85 S»/o do. ... 92.50 3V,°/c Koneolfl . . . . 101.80 3% do.....92.15 3'/z0/g Hessen .... 100.20 356 Hessen ..... —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 102.80 4‘ 256 Oesterr. bilberrento 101.40 456 Ungar. Goldrente . . 101.10 40/1 Italien. Rente , . . 100.90 4% 56 Portugiesen . . . 43.60 .50/ Portugiesen. .... 28.55 1% C. Türken .... —.— Türkenloso ...... 110.60 4% üriech. Monopol.-Anl. 43.75 4,/256 äussere Argentiner —.— Tendenz: t 3-Vq Mexikaner .... 26.50 4*/2 '/j Chinesen .... 90.30 Electric, bewuchert . . . 110.20 Nordd. Lloyd.....—.— Kreditaktien , . . . . 211.50 Diskonto-Kommandit. . . 194.00 Darmstädter Bank . . . 138.50 Dresdener Bank .... 137.40 Berliner Handelsges. . . 153.60 Oesterr. Staatabahn . * . 143.10 Lombarden.....17.60 Gotthardbahn.....167.60 Laurahütte ...... 200.50 Bochum . 196.00 Harpener ...... 166.50 Krirskasten der Redaktion. (Anouynie Anfragen bleiben unberücksichtigt. cand. med. E. Ihr Anerbieten ist schr frewidlich, wir müffen aber zunächst wissen, welcher Art Ihre Artllel sind, die wir von Ihnen zu erwarten haben. Neueile Wewrnigen. Origiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 7. April. Vor drei Jahren machte der Kaiser aus seiner Nordlanbreise oem Lloyddampser jwanzig Pfennige S ** ö Resultat des billigen Einkaufs Eea eines Waschpulvers, für welches der betreffende Fabrikant nicht einmal feinen Namen hergiebt, weil es meist Soda, wenn nicht noch schärfere Stoffe wie Eylor ujro. enttjält Tie werwollere Sparsamkeit liegt im Erhalten der Wäsche, und dies kann nur durch Anwendung eines wirklich guten Seifenpulvers geschehen, wie Giotb's gemahlene Kernseife mit Salmiak unb Terpentin, für welches ber Fabrikant, I. Gioth, Hanau, bittet) ferne Firma auf jebem Packet garantiert. Preis per Packet 15 Pfg. Mlanz am 31. vermieten. 1572 Laden IC Zu haben bei 2707 zu vermieten. 1017 iLine 6-Zimmer-Wohnuug so- fort zu vermieten. 2639 Seltersweg 62. 2651 Otto Schaaf. Dienstmädchen per sofort ge= sucht. Stephanstr. 36, part. Neue Kliuikeo w öjleineä Mansardentogis zu ver- vT- mieten. Ebelstraße 2. (03164 Gießen, am 7. April 1902. 2809 Tei in der 2775 ^utmacherlehrliug gesucht. 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