Bezugspreis: monatiichvbP!, viertel- Nv. SS Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Seffischeo Landwirt die Siebener Familien, diktier viermal in der Woche beigelegt DtotaHon8brucf u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u. Steindruckerei (Pietsch Erben) -iedaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Ldrefle für Depeschen: «nzetger Gießen. Aernsprrchanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Freitag 7. Februar LSOS Gießener Anzeiger « w GenerchAnzeiger v *9 BT Amts- und Anzeige« für den Kreis Gietzen Hüt ■—wj L*?- l zeigenteil: Hans Beck. IourvaNstische Kochstapelei. Die in jedem anderen Berufe, so giebt es auch in der deutschen Journalistik Existenzen höchst bedenklicher Art- Wrr haben heute nicht die Absicht, von einem heute nock sehr unreifen Früchtchen zu reden, das in unserer nächsten Nähe zu einem üblen Giftgewächs sich zu entwickeln im Begriffe steht, sondern wir wollen diesmal in die Ferne schweifen. Eine frevelhaftere Hochstapelei hat selten jemand getrieben, als ein gewisser Kaulitz, der sich, um die Spur früherer Gaunerstreiche zu verwischen, Farlow nennt, denn er hat die Gedanken eines Fünfzig-Millionen- Volkes irregeleitet und zwischen zwei Kulturvölkern Un- srieden gesät. Kaulitz-Farlow isst nämlich der Ehrenmann, der bei Ausbruch des südafrikanischen Krieges in London die berüchtigte „Londoner Kabelkorrespondenz" begründete. ES ist längst Erwiesen, daß diese Kabelkorrespondenz, die mit ihren Nachrichten allen großen englischen Zeitungen vorauseilte, während des ganzen Krieges nicht ein einziges Kabeltelegramm vom Kriegsschauplätze erhalten hat, daß alle ihre Meldungen in London aus den Fingern gesogen sind; aber dieser Nachweis hat wenig gefruchtet- Mohl sagten sich einige deutsche Zeitungen von der Lügentorrespondenz los, aber der größere Teil der deutschen Presse blieb ihrem Herausgeber treu, auch als dieser nach Berlln übersiedelte und dort den „Kontinentalen Preßvecband" gründete. Erft da, als Kaulitz-Farlow die politische Brunnenvergiftung, die auf dem Gebiete der Kriegslügen nichts mehr einbrachte, unter den Augen der deutschen Presse mitten im eigenen Lande mit gött- Ucher Frechheit auf andere Gebiete zu übertragen wagte, erwachte der deutsche Michel und leuchtete dem frechen Gesellen ins Gesicht llnd da kamen denn erbauliche Dinge ans Tageslicht. Die „Königsb. Hart Ztg." stelll folgendes Sünden reg ist er des sauberen Patrons zusammen: Kaulitz, aus Braun sch iveig gebürtig, wurde in den siebziger Jahren zu Leipzig Sozialdemokrat, holte sich durch die erfolgreich Verhetzung der Arbeiter im Saarrevier, die er mit Hilfe der von ihm gegründeten „Freien Bolts- stimme" betrieb, wegen Aufreizung zum Klassenhaß (St- § HO und 130) 21/2 Jahre Gefängnis, während er bei den Sozialdemokraten selbst als Spitzel galt, wurde dann in London anarchistischer Genosse Johann Mosts und Mitglied des Anffichtsrats für dessen „Freiheit", bis ihn Most wegen „Unklarheiten" in der Kasse an die Luft Bte, gründete 1882 eine als Manuskript gedruckte Kor- wndenz, die bald verkrachte, entwich aus London, als bei einem Brande in seinem Hause herausftellte, daß er doppelt versichert hatte, kehrte nach einem halben Jahre als Farlow wieder zurück, gründete eine Schule für Journalisten und eine Darlehnsbank für Kavaliere, mußte wegen Prellereien abermals aus London verschwinden, wurde auf Grund des Sozialistengesetzes aus Berlin ausgewiesen, taufte dann in Magdeburg das „Neue Magdeb. Tagbl.", das er in sozialdemokratisches Fahrwasser lenkte und darin zum Scheitern brachte; flüchtete, wegen Majestätsbeleidigungen steckbrieflich verfolgt, nach Brüssel, that hier das berüchtigte internationale Kor- refpondenzbureau „Agence Beige" auf, mit dem er sich beim japanisch-chinesischen und beim spanisch>-amerikani- schen Kriege im Erfinden von Kriegsnachrichten übte, und machte endlich seinen größten Coup bei Beginn des süd- afritanischen Krieges mit der „Londoner Kadelkorrespon- denz". Unter schlauer Benutzung der edlen Gefühle des deutschen Volkes für den Erhaltungskampf des Burew- völkleins und der Abneigung gegen England und englische Weltpolitik log er das Blaue vom Himmel, und der deutsche Michel nahm seine gedruckten Lügen gläubig hin. Nun ist er entlarvt, dieser Ehrenmann, der mit den edelsten menschlichen Gefühlen schamlosen Schacher trieb. Er Hal gewiß eine lange „Berichtigung" dem genannten Blatte in Königsberg zugesandt, sowie ,auch der „Post" in Berlin, die diese Ausführungen des ost- preußischen Blattes zuerst abdruckte; jedoch die „Kgsb. Hard Ztg." begleitete die vortreffliche Auslassung des Herrn Farlow-Zwulitz, der eine Anzahl nebensächlicher Bemerkungen richtig stellte, die Hauptsache aber mit großer Vorsicht schlau und scheu umging, mit folgendem vielsagenden Zusatze: „Wir haben, bevor» »n-r unser Material der Oeffent- lichkeit Übergaben, uns genau'-uber die dort aufgestellten Behauptungen über Herrn'.Kaulitz unterrichtet, und sind eventuell bereit, auf Gründ» unserer Feststellungen den Beweis der Wah-rch^it anzutreten. Im übrigen sind ähnliche Vckrw'ürfe wie von uns gegen Herrn Kaulitz schon im Hähre 1899 vom „Berl. Tgbl." und von der „Frkf. Ztg»-" erhoben worden. Die umfangreiche „Berichtigung" des Herrn Kaulitz, soweit sie überhaupt eine solche ist,?wird daher nur sehr wenig Glauben finden." > w Tas dürfte fürs erste über diesen Herrn genügen, und wir wollen uns nun einem zweiten höchst bedenklich betriebsamen Zeitungsmanns- zuwenden. Sobald in dem politischen Verhältnis zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten irgendivelche Aend^r- ungen zum Besseren oder zum Schlechteren eintreten, sofort taucht Herr Poulteney Bigelow aus der Versenkung auf, um vom Katheder aus seine tiefgründige Weisheit zu verkünden. Leider ist dieser angenehme Herr irgendwie in den Ruf gekommen, ein Freund und Kenner Deutschlands zu sein, so daß seine Herzensergüsse auch in Deutschland eine gewisse Beachtung zu finden pflegen- So kann dieser Herr denn ungehindert sein trauriges Handwerk werter treiben, und die bestehenden Gegensätze noch mehr verschärfen. In herzerfrischender Weise wird er aber von der „Braunschw. Landeszkg." jetzt seines Talmiruhmes entkleidet- Das Blatt schreibt: Ein ganz gefährlicher politischer Hochstapler ist der Amerikaner Poulteney Bigelow- Er ist in Deutschland erzogen, und der Zufall hat ihn seinerzeit auf das Kasseler Gymnasium verschlagen, als der Kaiser dasselbe besuchte. Er freundete sich dem Prinzen an, näherte sich ihm bann wieder in Bonn und wußte sich in seine nähere Umgebung einzudrängen. Lange spielte er als „Freund des Kaisers" eine gewisse Rolle, bis er sich diese Beziehungen verschloß, indem er sie geschäftlich fruktif.zierte und taktlose Veröffentlichungen über den Kaiser machte, was den Kaiser natürlich bewog, Herrn Bigelow für alle Zukunft seine Thür zu verschließen. Von dem Momente an war der saubere Jndustrieritter zum gehässigsten Gegner Deutschlands geworden. । So hält er feit einiger Zeit in den Bereinigten Staaten Vorträge, in denen Deutschland die Hauptrolle spielt- Ta man in Amerika weiß, daß er lange Jahre in Deutschland zugebracht hat, so hält man ihn vielfach für einen guten Kenner Deutschlands, und er selbst ist bemüht, als ein in die Geheimnisse der deutschen Politik tief Eingeweihter zu erscheinen- In den Städten des Ostens hat die Presse von seinen Vorträgen, die er ausschließlich vor einer kleinen Zuhörerschaft aus den Kreisen der Uni- verslläten und Hochschulen hält, fast gar keine Notiz genommen- Auch im Westen, wo er sich jetzt befindet, würde das große Publikum wenig von ihm hören, wenn er nicht seit und wegen der Ankündigung des Besuches des Prinzen Heinrich angefangen hätte, in seinen Vorträgen einen sensationellen Ton anzuschlagen. Als den Zweck seiner Reden, bezeichnet er, den Amerikanern die Notwendigkeit dazulegen, sich zu einem wehrfähigeren Volke zu machen- Er hat zlvar an Deutschland vieles, meist alles, zu tadeln, doch für das deutsche Militärsystem findet er immer nur Worte der höchsten Bewun- rerung- Ja, er wünscht, daß die Vereinigten Staaten )as deutsche Mikitärwesen einführten, soweit dies mög- ich sei- In einem in Chicago gehaltenen Vortrage über die „politischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten" sagte er in der That nicht ein Wort über dieses Thema, sondern er stellte, ohne auch nur den geringsten Versuch eines Beweises dafür zu machen, die Behauptung auf, ein Krieg mit Deutschland sei nur eine Frage der allernächsten Zeit- Und darum, und das ist fein A und O, müßten die Amerikaner sich wehrhaft machen; sie müßten den Deutschen militärisch ebenbürtig werden, sonst dürfte es ihnen passieren, daß eine deutsche Armee von 100000 Mann sich über Nacht in Südamerika so festsetzen könnte (!), daß die Vereinigten Staaten mit ihrer ganzen gegenwärtigen Machr sie nicht wieder zu vertreiben im stände wären- Vor- ausjichtlich hat dieser traurige politische Jndustrieritter seine Rolle auch in Amerika bald auSgespielt, wie Herr Kaulitz-Farlow in Deutschland und Qmglanb und ein anderer Mensch — anderswo- Politische Tagesschau. Fürsten auf Reisen. Man schreibt uns aus Berlin: Wir leben in einer Zeit der Besuchsreisen hochgestellter Persönlichkeiten. Prinz Heinrich nimmt den Kurs über den Ozean; der österreichisch» ungarische Thronfolger ist, in Erwiderung deS vorjährigen Wiener Besuchs Großfürst Michaels, in Petersburg eingetroffen; ebendorthin sind für den Frühling und Sommer Reisen des Präsidenten Loubet und Kaiser Wilhelms verabredet oder m Aussicht gestellt. Auch der greife Herrscher Oesterreichs soll wieder einen Besuch am Berliner Hof planen, und daß Kaiser Wilhelm und König Eduard m nicht ferner Zeit erneut zusammentreffen werden, ist sehr wahrscheinlich. 9tur der Herrscher Italiens beobachtet inbezug auf Reisen außer Landes Zurückhaltung. Er hat seit seiner Thronbesteigung weder in Berlin noch in Wien Besuche abgestattet, und die zeitweilig auflauchenden Meldungen von einer projektierten Reise des italienischen Königspaares nach Petersburg werden stets prompt dementiert. Es ist auch nicht zu ersehen, was den König Biktor Emanuel zu einer Fahrt an den Zarenhof veranlassen sollte, wenigstens, solange Besuche bei seinen 93er- bündcten noch ausstehen. Den Grund für die Reiseunlust des italienischen Regenten auf politischem Gebiet zu suchen, wäre verfehlt. Eher dürften ökonomische Rücksichten inbetracht kommen. Solche Auslandsreisen erfordern bedeutende Summen, und der König ist, wie bekannt, sehr haushälterischer Natur. Der Fall Bredenbeck. In der Mittwochssitzung der Petitionskommisston deS Reichstags führten die Proteste mehrerer Schriftsteller-Vereine gegen die Fesselung deS sozialdemokratischen Redakteurs Bredenbeck in Dortmund zu lebhafter Debatte. Der Regierungskommissar Dr. v. Tischendorf erklärte, die Fesselung sei nicht vom Gericht, sondem von der Polizeibehörde in Dortmund angeordnet worden. Sie habe habet die Vorschriften über die Fesselung von Gefangenen, die 1894 erlassen worden sind, nicht beachtet und eS sei ihr deshalb von der Regierung die Mißbilligung ausgedrückt worden. Im übrigen sei Bredenbeck früher Bergmann gewesen, er habe nur vom April bis Dezember 1900 als Redakteur gezeichnet und sich während dieser Zeit neun Prozesse wegen Beleidigung zugezogen. — „Genosse" Ledebour hob hervor, daß es ganz gleich sei, ob cs sich um einen sogenannten „Sitzredakteur" oder um einen wirklichen Redakteur handle; zudem sei Bredenbeck wirklicher Redakteur gewesen, der sich durch Begabung und Fleiß vom Bergmann zum Schriftsteller entwickelt habe. Mit deut Verweis, den die Polizei in Dortmund erhalten habe, sei es nicht gethan. Es müsse gesetzlich feftgelept werden, daß Personen, die wegen ihrer öffentlichen Thätigkeck angeflagt werden, nicht der entehrenden Behandlung unterworfen sein dürfen, die für den sogenannten „gemeinen" Verbrecher vorgeschrieben sind. Er beantrage deshalb Ueberweisung zur Berücksichtigung. Dr. Müller-Meiningen (frf.) hält den Fall Bredenbeck für geeignet, auf Erfüllung der seit 30 Jahren vom Reichstag wiederholt geltend gemachten Forderung auf reichsgesetzliche Regelung des Strafvollzugs zu bringen. Es gehe doch nicht an, die Fesselung mit dem Hinweis auf die Dichtheit der Bevölkerung und die Nähe der Landesgrenze zu begründen, wie es der Oberbürgermeister von Dortmund gethan habe. Lenzmann (freif.) bringt zum Ausdruck, daß die empörende Behandlung geradezu aufreizend gewirkt habe, daß Redakteur Bredenbeck sie wegen seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie habe erdulden müssen. Wie zuvorkommend seien dagegen die Herren vom Klub der Harmlosen, der Freiherr v. Hammer- tein ober der „Duellmörder" Falkenhagen behandelt Feuilleton. ** Das Ende der Darmstadter Künstlerkolonie. Das Ministerium des Innern teilt der Zweiten Kammer mit, daß die Regierung die Anforderung unter Kapitel 87 Titel 3, „Beitrag zur Darmstädter Künstlerkolonie 20,000 M., zurück- zieht. Dagegen rotrb unter Vorbehalt mündlicher Begründung im Ausschüsse und im Plenum der Kammer beantragt, die 'Anforderungen zu: a) Kapitel 84 Titel 2 Ziffer 8 (Anlage 23), Unterstützung der Werkstattlehre von Handwerkslehrlingen und zur Abhalllmg von Kursen für Meister und Gehilfen, kunstgewerbltcher Kursus an der Centralstelle", sowie b) Kapitel 86 Titel 4 (Anlage 25), „Sonstige Förderung von Handwerk und Kunstgewerbe, zur Veranstaltung von Fachkursen an gewerblichen Lehranstalten", um je 7500 Mk., also im Ganzen um 15,000 Mk. zu erhöhen, sodaß sich gegenüber der ursprünglichen Anforderung zum Kapitel 87 Titel 3 eine Ersparnis von 5000 Mk. ergiebt. — Diese Regierungsvorlage besagt nichts mehr und nichts weniger, als daß die Darmstädter Künstlerkolonie nach kurzem EinjahrZleben zu bestehen aufgehört hat. Sic transit gloria mundi! Wir bedauern es aufrichtig, daß die Bemühungen unseres kunstbegeisterten Landesherrn, die hessische Residenzstadt zu einer deutschen Kunststadt zu machen, vergeblich gewesen sind. Reiche Fruchte hat das Darmstädter „Dokument deutscher Kunst" trotzdem getragen und viel dazu gethan, in breiteren Kreisen die Grenzen des Geschmackes wesentlich zu erweitern, das Verständnis für die Moderne zu erwecken, zu entwickeln und zu vertiefen. • Die „Alexandralocke". Man berichtet aus London: Zu Ehren der Königin Alexandra haben Damen der englischen Gesellschaft jetzt die Mode angenommen, die sogen. „Alexandralocke" zu tragen. Wenn die Krönungszeit mit all ihrer Pracht kommt, wird die „Alexandralocke" zu ihren charakteristischen Merkmalen gehören. Diese Locke hat sogar schon eine Geschichte. Die Mode geht auf eine Laune der Königin zurück, als sie eine ganz junge Frau war. Als die schöne Frau vor fast 40 Jahren nach England kam, trug sie eine lose, über die linke Schulter hängende Locke, natürlich nur zu einem Gesellschaftskleid, denn die Frisur wäre bei einem hohen Kleide nicht wirkungsvoll gewesen. Aber die Mode wurde bemerkt und viele Silber der Prinzessin von Wales zeigen diese Locke. Vor einigen Jahren wurde diese Mode in der Newyorker Gesellschaft durch den überraschenden Erfolg des Romans „Janice Meredith" wiederbeledt, und nach seiner Dramatisierung kam die Locke auch auf die Bühne. Nun ist die Mode nach England gekommen, und Frauen, die fürchten, von ihrem eigenen Haar keine Locke bllden zu können, kaufen eifrig diese Ergänzung zu ihrer Frisur. Bei uns in Gießen könnte wohl eine andere Alexandralocke bei unserer Damenwelt beliebt werden. An ihrem Benefiz- abenb trug Frl. Hohenfels als „Alexandra" eine rotblonde Perrücke, von der sich hinten unterhalb des Haarknotens fortwährend ein Löckchen loSlösH, das trotz aller Bemühungen unserer vortrefflichen Künsllerin eine geradezu boshafte Konsequenz im Wiebererscheinen zeigte. Das Löckchen wollte und wollte nicht sich verbergen lassen, lugte immer aufs neue neugierig hervor unb baumelte munter unb daseinsfroh hin und her. Nehmen wir an, diese Locke hätte sich in dieser Beharrlichkeit bei einer Darstellung der Alexandra durch die große französische Bühnenbeherrscherin Sarah Bernhard gezeigt, am nächsten Tage schon hätten vielleicht die eleganten Pariserinnen diese „Modenneuerung" acceptiert und liefen nun immer mit einer zappelnden Alexandralocke umher. Die Abgg. Hegttmaier (k.) und Wallenborn (Z.) bestreiten, daß der Fall Bredenbeck zur Kompetenz des Reichs- tags gehöre, da es sich um eine Maßnahme der preußischen Regierung handle. Auch Abg. Marcour (Z.) ist der Meinung, Äaß der Fall Bredenbeck bei Behandlung der Frage ausscheide, da er durch die der Dortmunder Polizei seitens der Regierung ausgedrückte Mißbilligung erledigt sei. „Genosse" Thiele führt aus: Der Fall Bredenbeck stehe nicht vereinzelt da, und der Reichstag müsse nun zum Ausdruck bringen, daß er sich ein derartiges Vorgehen der Polizei streng verbitte. Das sei der Hauptzweck der Petition; die Erneuerung des Verlangens auf reichsgesetzliche Regelung des Strafvollzugs komme erst in zweiter Lsnie. Die Petition müsse dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen werden. Abg. Jacobskötter (k.) hält „die Sache noch nicht klar gestellt", so daß er nicht für Berücksichtigung, sondern nur für Ueber- weisung als Material stimmen könne. Der Antrag auf Berücksichtigung ohne weiteren Zusatz wird gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt und darauf der Antrag auf Berücksichtigung in dem Sinne, daß dem Reichstage baldigst eine Vorlage auf reichsgesetzliche Regelung des Strafvollzugs zugehen solle, mit allen gegen drei konservative Stimmen angenommen. ,Herr H. K. Tisten." Man schreibt aus Rom: Die Polenagitation in Italien will noch immer nicht zur Ruhe kommen. Die „Patria", das in letzter Zeit Deutschland sehr wenig freundlich gesinnte Organ der italienischen Megalomanen, bringt ein Interview mit einer „hochstehenden polnischen Persönlichkeit", die auf der Durchreise in Rom ist. Die Sachkunde dieses edlen Polen ist allerliebst. So erzählt der Artikel, der gefährlichste Gegner der Polen sei ein gewisier Herr H. K. Tisten, (Hakaüsten), der Millionen ausgebe. Natürlich sind die Polen die reinen Opferlämmer, die, wenn sie an den Postschalter kommen mit einem polnisch adressierten Brief, von den Beamten insultiert und gehauen werdens!!!). Kein Pole werde irgendwie angestellt, das Volk muffe nur ungeheure Steuern zahlen usw. Hierzu macht die „Patria" die üblichen Hetzbemcrkungen, die aber voll von Widersprüchen sind. So sagt sie, nur die Regierungen wollen irr der Welt das Nationalitätsprinzip nicht als das herrschende anerkennen, die Völker seien davon überzeugt. Kurz nachher heißt es aber, leider sei das ganze deutsche Volk einig gegen die armen Polen. Na also! Kolonialpost. Schlechte Nachrichten aus Südwestafrika. Aus Südwestafrika kommen Nachrichten, die einer näheren Betrachtung wert sind. Die gesamte Expedition der Otavi- Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft, die vor l*/2 Jahren in Stärke von beinahe 40 englischen Berg- und Eisenbahn- Ingenieuren dahin abging, hat das Schutzgebiet wieder verlassen ; sämtliche Arbeiten ruhen jetzt. Auch der Führer dieser, Expedition, Dr. G. Hartmann, ist schon vor einigen Wochen wieder in Berlin eingetroffen. Bereits vor einem Monat wurde bekannt, daß die Otavimiuen sich nicht übermäßig ergiebig erwiesen haben. Die Fachleute erklärten, daß sie in ifünf Jahren erschöpft sein würden. Diese Erkenntnis war recht betrübend, sie mußte auf die weiteren Entschließungen, namentlich auf den Bau der geplanten Eisenbahn, einwirken. Damals wurde auch angekündigt, daß die Untersuchungen nach Kupfer an anderen Stellen dieses Gebietes foägesetzt werden sollten, wo man vielleicht noch reichliche Kupferlager sinden könnte. Die Thatsache, daß das ganze Personal das Schutzgebiet verlassen hat, beweist, daß auch diese Untersuchungen beendet sind. Der aus dem Bericht der Direktion für 1901 veröffentlichte Auszug spricht eine beredte Sprache. Danach wurden bergmännische Arbeiten in Asis, Gunhab, Nagaib und Tsumeb gemacht, auch wegen der Eisenbahn- Untersuchungen von der Tigerbai bis zum Kunenefluß und an der deutschen Küste durch das Kaokofeld bis zur Khumib- rnündung und zum Kap Frio angestellt, aber von den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird nichts mitgeteilt. Der Bericht sagt: „Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden den Gegenstand eingehender Verhandlungen mit den verschiedenen Interessenten bilden." Die Erfahrungen können daher keine erfreulichen und aufmunternden sein. Danach -versteht man auch, daß schon im Kolonialrat mitgeteilt wurde, die Otavibahn solle an die Swakopmunder Bahn angeschloffen werden. Jetzt wird ergänzend dazu bemerkt, der Anschluß würde in Karibik erfolgen. Dadurch wäre es entschieden, daß die Otavibahn nur als eine Kleinbahn von 60 Ctm. Spurweite gebaut werden soll. Persönlichkeitem die mit den Verhältnissen vertraut sind, geben die Ansicht kund, daß dieser Bahnbau überhaupt nicht mehr sicher wäre. Was dann aus der großen Eisenbahn durch Südwestafrika nach Rhodesia werden würde, ist eine besondere Frage. Parlamentarisches aus Hessen. Die Stadt Alsfeld und sieben Gemeinden haben eine ■neue Vorstellung betreffend die Bahnverbindung Als- 'feld-Hersfeld an die Zweite Kammer gerichtet zur Widerlegung der kundgegebenen Ansicht Preußens, die Bahnstrecke habe für den Durchgangsverkehr keinen oder nur geringen Wert. Eisenbahndirektor Pleßner in Gotha hat über das Projekt im Jahre 1880 eine Denkschrift ausige- arbeitet, aus der folgendes hervorgehoben wird: „Die Linie Alsfeld-Hersfeld richtet ihr Ziel auf Gießen und auf die Lahnbahn mit dem Ausgangspunkt Coblenz und wurde in ihrer ganz unbestreitbaren verkehrsbezüglichen und strategischen Bedeutung stets erkannt, mannigfach studiert und insbesondere durch die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft bearbeitet, welche bekanntlich in Gießen endigte und viel Neigung zeigte, die fehlenden 6 Meilen zu bauen und sich den Endpunkt Bebra oder Hersfeld zu erobern." Für die Ausführung einer solchen Bahn sprechen sich auch die Handelskammer von Köln, die Stinigl. Regierung von Kassel sowie das preußische Kriegsministerium aus. Die Linre Hersfeld—Niederaula—Alsfeld würde für den Verkehr aus Sachsen eine Abkürzung von 22 Kilometer bewirken. Aber auch der täglich wachsende Verkehr und die starke Belastung der Linie Bebra—Frankfurt sollten für Preußen schon ein ausschlaggebender Erwägungsgrund sein, ein Zwischenglied einzuschreben, bestimmt, den Verkehr aus /Sachsen nach dem Mittelrhein aufzunehmen, umsomehr als Hessen seine Bereitwilligkeit zum Bau erklärt hat und für Preußen nur die kurze Strecke von 11 Kilometer in Betracht kommt. Die innerhalb Jahresfrist vorgekommenen beiden Zusammenstöße auf der Bebraer Sttecke legen doch ebenso wie der Zusammenstoß bei Wilhelmshöhe und das jüngste Eisenbahnunglück bei Altenbeken ein beredtes Zeugnis für die Notwendigkeit der Entlastung gewisser Linien ab. — Es wird gebeten, die Verhandlungen mit Preußen wiederholt aufzunehmen. — Nach allen Erfahrungen versprechen wir uns leider keinen nennenswerten Erfolg von diesen Verhandlungen. Der neueStraßenfluchtplanderStadtBad- Nanheim sieht eine Hauptverkehrsader in dem Vik- toria-Melita-Ring vor, dessen Zug das alte Salinenterrain von Westen nach Osten durchfchneidet. Da die Stadt neben dem alten Salinentcrrain bereits eine in den oben genannten Straßenzug fallende monumentale Brücke, die Viktoria-Melita-Brücke, über die Ufa erbaut hat, besteht die Absicht, den gedachten Sttaßen-Ring von der Karl- straße bis auf das linke Usa-Ufer durchzuführen. Hierdurch würde der Anfang gemacht, um das wertvolle Gelände, auf dem jetzt die alten Salinengebäude in sehr weitläufigem Verbände stehen, für den Bau von Villen und Häusern zu erschließen. Da dieses Gelände nahe den Trinkquellen und den Parkanlagen liegt, ist zu erwarten, daß allmählich aus diesem Terrain ein neuer, schöner Stadtteil sich entwickeln wird. Es bietet sich zugleich Gelegenheit, den an der Ecke von Viktoria-Melita-Ring und verlängerter Kurstraße liegenden Bauplatz an die Postdirektion zum Preise von 15 Mark pro Quadratmeter zu verkaufen. Die Postbehörde beabsichtigt in Nauheim ein neues schönes Postge - bäude zu errichten und mit dem Bau bereits am 1. April zu beginnen. Das Siedehaus Nr. I soll dann in Fortfall kommen. Das im südlichen Teile des Siedehauses I stehende Meßbassin könnte an einen andern Ort versetzt werden. Auch wäre an das Siede haus VI ein Schuppen als Salzmagazin auszubauen. Bei Durchführung des Viktoria-Me- lita-Ringes müssen außerdem abgebrochen werden: 1. der nördliche Teil des Holzmagazins; 2. der alte Spielsaal; 3. ein Mutterlaugenbehälter. 1 und 2 sind entbehrlich; 3 müßte an einen anderen Ort versetzt werden. Die Kosten für den Abbruch der sämtlichen, vorerwähnten Baulichkeiten und für die Ersatzbauten betragen — nach Abzug des Erlöses für den Verkauf der beim Abbruch gewonnenen Baumaterialien — rund 6000 Mk. Durch den Verkauf des Geländes für den Post-Neubau würden rund 31000 Mk. gelände würde dieser Summe noch zugehen. Die nach Vorstehendem erwachsenden Kosten von rund 6000 Mk. wären an dem Erlös für den Postbauplatz und für das Straßengelände in Ausrechnung zu bringen, der verbleibende Rein- eingeno.nmen . Der Erlös für das abzutretende Straßengewinn der Vermögensrubrik „Erlös aus veräußerten Staatsdomänen" zu überweisen. Das Finanzministerium wünscht zu allem diesem die Genehmigung des Landtages Kus Stadt und Land. (Ter Abdruck der unter dieser Rubrck befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 7. Februar 1902. ** Postverkehr. Nach einer Mitteilung der Oberpostdirektion Darmstadt ist die s. Z. von der Handelskammer Worms beantragte Aufhebung der Beschränkung des Postdienstes am Allerheiligentag und Mariä Himmelfahttstag nach vorgängiger Verständigung mit der Staatsregierung nunmehr genehmigt worden. ** Heranbildung weiblicher Dienstboten. Um einem wirklichen Bedürfnis unserer Zett abzuhelfen, beabsichtigt man in Mannheim einen Verein zu gründen, der die Heranbildung volksschulentlassener ^Rädchen zu tüchtigen Dienstboten bezweckt. In erster Linie will man dadurch, daß man die jungen Mädchen in sorgsam geprüfte Lehrverhältnisfe bringt, dafür sorgen, daß sie für ihre künftige Stellung in Familien gründlich vorbereitet werden und nicht gezwungen snrd, zu jung, unerfahren und körperlich zu schwach in Dienst zu gehen. Die Erziehung in der Familie ist für ein dereinstiges Wirken im eigenen Haushalt für die Mädchen von großem Werte und ihnen zum aussichtsvollen Erwerb, wie für ihre Zukunft gleich förderlich. In zweiter Linie werden die so geschulten, unter steter Aufsicht des Vereins herangebildeten Mädchen vieler Not und Klage der Hausfrauen abhelfen. — Wir meinen, ein solcher Verein thäte auch für uns in Gießen not, und wir stellen diese Frage zur öffentlichen Diskussion. Jede wohlgesinnte Hausfrau und Mutter leiste Beihilfe mit Rat und That zur Verwirllichung eines solchen Gießener Unternehmens. Ern solcher Verein braucht nickt allein Geldmittel, sondern auch tüchtige, wohlmeinenoe Hausfrauen, die ein junges Mädchen zu deren Erziehung bei sich aufnehmen und es in Rücksicht auf dessen Unerfahrenheit, Jugend und Kraft mit Verständnis in dem Nötigen unterweisen. Die Frauen, die ein solches Lehramt übernehmen, erwerben sich besonderen Dank und zeigen damtt, daß sie für die in jungen Jahren schon auf Erwerb angewiesenen Mädchen ein warmes Herz ljaben und von ihrer sozialen Pflicht zum Wohle chrer Mitmenschen beizutragen durchdrungen sind. Möchten sich recht viele solcher wackeren Frauen finden. Sie werden in ihren Erfolgen die schönste Genugthuung sinden! ** Ein ^Industrie- und Gewerbe aus st ell- ung soll bekanntlich in diesem Jahre in Düsseldorf statt- finden. Eine hiesige Firma, die sich an dieser Ausstellung beteiligen wollte, erhielt die überraschende Nachricht aus Düsseldorf, daß zu dieser Ausstellung „nur solche Firmen zugelassen werden, welche in den Provinzen Rheinland, Westfalen, dem Regierungsbezirk Wiesbaden und den Städten Offenbach und Hanau wohnhaft sind." Also aus dem ganzen Großherzogttrm Hessen wird nur die Industrie einer einzigen Stadt zugelassen! Wie kommt, so fragt man sich dcumufhin erstaunt, gerade Offenbach zu dieser besonderen auffallenden Berücksichtigung, und warum schließt man andere hessische Städte, wie Mainz, Bingen, Gießen 2c. aus, ohne sich auch nur die Mühe einer Motivierung dieses seltsamen Vorgehens zu nehmen? Nun, die Bewohner unseres Großherzogtums werden wohl diese niederrheinische Liebenswürdigkeit mit einem ostentativen Fernbleiben von der Ausstellung quittieren. Besonders lohnend dürfte ja wohl auch ein Besuch der Düsseldorfer Ausstellung nicht werden. Wir lesen heute darüber in einem Feuilleton der „Voss. Ztg.": Aller Dinge Vater ist oekanntlich heute das Plakat. So erließ man denn ein Preisausschreiben, aus dem auch vier gekrönte Entwürfe hervorgingen. Zwei Preise erhielt der Münchener Martin Wiegand. Das erste Plakat wurde ausgeführt ; es stellt das Brustbild eines Arbeiters mittleren Alters dar, der seinen langstieligen Hammer über die Schulter geworfen hat und dem Beschauer gerade entgegenblickt; seine rechte Hand umfaßt noch das Ende des Hammerstieles, als ob er für einen Augenblick von tüchtiger, ihn mit Selbstbewußtsein füllender Arbeit aus- ruhte. Vor ihm schaut Über eine glatte, die Jnschirift tragende Ballustrade ein lächelndes Kind, das in der Rechten wie ein Spielzeug die Statue der Germania balanziert. Ich finde absolut nichts Geniales darin. Aber interessant ist weniger, was der Künstler bot, als das, was die Düsseldorfer dazu sagten. Es wurde eine gründliche Korrektur vorgenommen; vor allem die hammerhaltende Hand gefiel den rheinischen Professoren gar nicht, und so wurde sie denn kunstgerecht über den Hammerstiel geworfen, daß dessen Ende noch seitwärts hervorsieht. Jetzt liegt sie da halb geöffnet, legere, den feingezeichneten Rücken zeigend, dem nur noch der — Handschuh fehlt! In dieser Pose läßt sich ein Kommerzienrat photographieren! Aber hierin liegt es: die Düsseldorfer Maler und ihre meiste Kunst — sie tragen alle zu viel Handschuhe, und der Kommerzienrat schaut ihnen über die Schulter; man gehe nur einmal in den altberühmten „Malkasten" — man muß die Maler mit der Laterne suchen, die Industrie hat ihn völlig: erobert. § Butzbach, 6. Febr. In der hiesigen Volksschule begannen heute die Prüfungen in Gegenwatt von Vertretern der Kreisschulkommission. — Mit dem am 13. März in Butzbach stattfindenden Faselmarkt wttd eine Prämiierung sowie Verlosung von Vieh, landwittschafllichen nnd sonstigen Geräthen verbunden. t- Rommelhausen (Kr. Büdingen), 5. Febr. Ein Knabe im Alter von 8'/» Jahren, der schon einmal im Herbst vorigen Jahres in einer Sandgrube verschüttet und nur mit Mühe gerettet worden war, siel vor einigen Tagen beim Soldatenspiel so ungünstig, daß er infolge innerer Verletzungen gestern gestorben ist. Maiuz, 5. Febr. In seinem soeben erschienenen Jahresbericht bringt der Verein Mainzer Kaufleute wieder eine Reihe von Klagen vor. Der Bericht beschäftigt sich eingehend mit der Frage der Aufhebung des Brückengeldes. Es wird dann hingewiefen auf die Verschiebung der Handelsbeziehungen des Rh ei ng au es und des Blauen Ländchens, die sich zu gunsien Wiesbadens und zum Schaden von Mainz vollzogen hätte und welche infolge der Aufrechterhaltung der lästigen Verkehrsschranke, des Brückengeldes, sich nur noch weiter zu ungunften der Stadt Mainz vollziehe. Weiter beklagt sich der Verein in dem Bettcht über die bedeutenden Schwierigkeiten, die von feiten Wiesbadens mit Erfolg gegen die Erbauung der Blauen Ländchesbahn gemacht würden. Die hessische Regierung soll deshalb ersucht werden, die Mainzer Interessen nach dieser Richtung hin mehr zu vertreten, als dies seither der Fall gewesen sei. m. Main;, 5. Febr. Hoch gehen die Wogen des Karnevals in Mainz, und Vas heutige Tagesgespräch bildet die Fastnacht, welche in diesem Jahre wieder glanzvoll durchge- führt werden wttd. Das Komttee des Mainzer Karnevalvereins hat für diese drei Fastnachtstage ein überaus großes Programm festgelegt. Samstag 3 Uhr mittags, Empfang des närrischen Ministeriums; 31/, Uhr Einzug der Rekruten der Prinzen- und Ranzengarde. Sonntag früh Tagesreveille der Garden in der Stadt. Mittags von 4—7 Uhr und abends von 8—11 Uhr großes karnevalistisches Konzert mtt Tanz und Absingen von Chottiedern. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 50 Pfg., an der Kaffe 80 Pfg. Fastnachtmontag 11 Uhr 11 Min. großer Fastnachtsmontagzug durch die Hauptstraßen der Stadt bestehend aus 60 Gruppen mit Prunkwagen. Abends findet der traditionelle Halleball statt, der in diesem Jahre besonders glanzvoll zu werden verspricht. Einttittspreis im Vorverkauf Mk. 3, an der Kaffe Mk. 5. Fastnachtdienstag, vormittags, Parade der Garden und mittags von 3—5 Uhr Promenadekonzert auf dem Schillerplatz. Abends endlich der große Schlußball in der Stadthalle. Voroerkaufspreis Mk. 2, an der Kasse Mk. 3. Vermischtes. • In der Konitzer Affäre ist das Gutachten der höchsten Medizinal-Behörde in Preußen, der wissenschaftlichen Deputation für Medizinalwesen in Berlin, über die Ermordung Winters an die Staatsanwaltschaft in Könitz gelangt. Das Gutachten ftimmt im wesentlichen mit dem Danziger überein. In einzelnen Stellen soll es sogar die in jenem Gutachten ausgesprochene Ansicht über die geschlechtliche Ausschweifung Winters kurz vor seiner Ermordung an Schärfe bedeutend übertreffen. * Die polizeilichen Mißgriffe scheinen neuerdings eine stehende Rubrik in den Tagesblättern werden zu sollen. So meldet der „Westfale" unter dem 3. d. aus Münster: Einen bedauerlichen Mißgriff beging ein Polizeibeamter, indem er nachts 1 Uhr in einem besseren Restaurant zur Verhaftung von drei jungen Damen schritt, die ihm aus irgend einem Grunde verdächtig vorgekommen waren. Weder der lebhafte Protest ihres Begleiters, der sich als junger Gerichtsbeamter vorstellte, noch das Flehen und Weinen der jungen Mädchen halfen etwas; sie mußten, da sie sich, auf der Stelle natürlich, nicht legitimieren konnten, ins Münster- sche „Höffken" spazieren und bis zum anderen Morgen darin zubringen. (!) Am anderen Morgen stellte sich dann die Grundlosigkeit des Verdachtes heraus. Die Aermsten stammten aus einer Kreisstadt des Regierungsbezirks und hatten in Münster Einkäufe gemacht; sie waren in der That durchaus unbescholten! Ein unglücklicher Zufall hatte die kleine Gesellschaft den letzten in die Heimat führenden Abendzug verpassen lassen, und nun hatten die vier jungen Leutchen aus der Not eine Tugend machend, durch die besseren Bierhäuser des gastlichen Münster eine kleine fidele Bierreise angetreten, die dann einen so tragischen Abschluß finden sollte. — Ein neuer Fall Kulenkampff scheint auch in Bremen vorgekommen zu sein. Man schreibt darüber: Der Kommis St. der Firma C. U. kassiett am Freitag, den 31. Januar er., einen Check über 20,200 Mk. hier bei der Reichsbank ein und glaubt beim Nachzählen 21,200 Mk. erhallen zu haben. Er eilt zum Kontor, um sich Gewißheit zu verschaffen, ob der Check vielleicht über 21,200 Mk. gelautet, doch erfähtt er hier, daß er 1000 Mk. zu viel bekommen. Sofott zur Reichsbank zurück, sagt der Kassierer, daß kein Versehen vorgekommen. Darauf teilt der junge Mann dem Kassierer mit, daß er 1000 Mk. zu viel erhallen und vor einiger Zeit 20 Mk. zu wenig, zahlt 980 M. auf den Tisch und geht in fein Geschäft zurück. 21m Sonnabend früh wird St. im Kontor von einem Schutzmann verhaftet. Unten erwarten ihn noch weitere zwei Schutz- leute, und St. wird zum Stadthaus gebracht. Hier eröffnet ihm ein Kommissiar,' daß er hinreichend verdächtig, noch wettere 1000 M. erhalten zu haben, die dem Kassierer abends beim Kassensturz noch gefehlt. Trotz Beteuerung seiner Unschuld und Angebot von Kaution in jeder Höhe seitens des Prinzipals wird St. gefesselt über die Straße ins Gefängnis geführt. Vom Sonnabendmorgen bis Montag vormittags ist St. eingesperrt gewesen. — Die Firma C. U. bat dem jungen Manne vor der Oeffenllichkeit ein Vertrauensvotum erteilt, indem sie deffeu Ernennung zum Prokuristen veröffentlichte. ' Unir^rMs Nachrichten. Eine neue Geschichts-Professur ist im Etat für die Berliner Universität vorgemerkl und zwar eine für osteuropäische Geschichte und Kultur. Die schon vor einiger Zeü geäußerte Vermutung des „Berl. Tagebl.", daß es sich dabei um die Ueberleitung der außerordentlichen Professur Schiemanns in eine ordentliche handeln dürste, hat sich sehr bald bewahrheitet. Der genamUe Ge- sichrte gilt bereits als der neue ordentliche Professor der Geschichte, dem auch die Leitung eines Seminars für osteuropäische Geschichte übertragen werden wird. Vielleicht hat die Politik bei der Schaffung dieses neuen Lehrstuhles auch ein wenig ihre Hand im Spiele gehabt. Es ist ja noch in lebendigster Erinnerung, bis zu welch ungeheuerlicher Anmaßung sich eine Anzahl polnischer Studenten in dem Kolleg des Herrn wchiemann vor einiaen Wochen verstiegen hat, als er in seiner Vorlesung auf die polnischen Aufstandsversuche zu sprechen kam. Schiemann ist ein Historiker mit stark konservativen Anschauungen. ~ Theater, Kunst und Wissenschaft. — Die Frankfurter Künstlerschaft, der Künstlerbund und die Eronberger Künsllervereiniauna beschloffen, sich rege an der Düsseldorfer Kunstausstellung zu beledigen, bie tm Anschlüsse an die Gewerbeausstelluna stattfindet. Elberfeld, 4. Februar. 17 liberale Stadtverordnete gegen 18 konservative und ultramontane, die die Anbringung eines Feigenblattes beantragten, beschloffen, daß der bekannte Brunnen vor dem Rathaus in seiner Verstümmelung unverändert bleiben solle. Für die Wiederherstellung trat auch Oberbürgermeister Funk ein. Arbeiterbewegung. Triest, 5. Febr. Der Streik der Heizer des österreichischen Lloyd dauert unverändert fort. In einer von den Streikenden ab- I gehaltenen Versammlung wurde gegen die Ersetzung der streikenden I Heizer durch Angehörige der Kriegsmarine scharfer Protest erhoben und dem Reichratsabg. Hortis der 91 uftrag erteilt, sich telegraphisch an den Ministerpräsidenten zu wenden, damit die Regierung rasch und energisch Legen die Direktion des Lloyd vorgehe. Ter Streik verursacht ernfmdliche Störungen im Schiffsverkehr. Grrichtssaal. S. Darmstadt, 5. Febr. Wegen Körperverletzung war im Jahre 1899 der Fuhrmann Jac. Schwöbel von Siedelsbrunn r. O. zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hat davon auch etwa iy* Jahr verbüßt, und zwar, wie sich dann herausstellte „unschuldig". Heute wurde der eigentliche Thater, Steinhau-r Joh. Knapp aus Unterabtsteinach, abgeurteilt. Schwöbel hatte seinerzeit energisch geleugnet, wurde aber auf Angabe des Verletzten und seines Bruders verurteilt- K-, wegen anderer Geschichten angeklagt, ging seinerzeit nach der Schweiz flüchtig, wurde aber im Herbst bei einem Besuch feiner Mutter festgenommen und gestand auch die That vor dem Untersuchungsrichter ein. Heute will er von der ganzen Sache nichts mehr wissen, und widerruft sein Geständnis. Er tvird aber für überführt erachtet und zu 2 Jahren 2 Monaten Gefängnis verurteilt- Die wegen fahrlässigen Falscheides angeklagten Gebr- Heiß wurden freigesprochen. — Die von der Marie Gehrhardt, geb. Ruppert in Mainz, eingelegte Revision gegen das Urteil der Strafkammer II- vom 18. Oktober v. I., die sie wegen Betrugs zu 6 Monaten Gefängnis sowie zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, weil sie bei dem Verkauf ihrer Buchdruckerei und des Verlags der „Main- spitze" in Rüsselsheim wissentlich falsche Angaben über deren Rentabilität gemacht hatte, wurde durch Urteil des Reichsgerichts in Leipzig vom 16. Januar kostenpflichtig verworfen. Elberfeld, 6. Febr. (Militärbefreiungs- Prozeß.) Die Strafkammer verurteilte Baumann zu zweiJahren und zweiMonatenGefängnis sowie 5 Jahre Ehrverlust, unter Anrechnung von 1 Jahr 6 Monaten Untersuchungshaft. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die Verurteilung Baumanns erfolgte wegen der im ersten Prozeß bewiesenen beiden Freimachungen. In beiden Fällen wurden die Freigemachten damals verurteilt, nämlich Garschagen, der vorgab, einen Unterleibsbruch zu haben, und Hufschmidt, der nach Einnahme von Pillen einen Herzfehler vorspiegelte. In dem Urteil wird ausgeführt, daß weder ein Vergehen gegen Paragraph 143 des Strafgesetzbuches, noch ein Betrug vorliegt. Gegenüber der Annahme, heißt es in dem Urteil weiter, daß es sich um einen wenig pflichttreuen, untüöjttaar und wissenschaftlich unbefähigten Arzt handle, sei nach der heutigen Beweisaufnahme nicht mehr zweifelhaft, daß Oberstabsarzt Schimmel als Sanitätsoffizier so befähigt ist, daß seine Tüchtigkeit weder in wissenschaftlicher, noch in körper- licher, noch in dienstlicher Hinsicht in Frage gestellt werden kann. Möchklltlilhk Ikbrrfidjt brr ([obrsfällt in brr Stabt tzirßrn. 5. Woche. Dom 26. Jgnuar bis 1. Februar 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 sinkt. 1600 Mann Militär). SterblichkeUsziffer: 12,Oö, nach Abzug von 2 Ortsfremden 8,03°/«. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—16. Jahr Altersschwäche 1 1 — — Tuberkulose der Gehirnhaut 1 1 — — Herzleiden 1 1 — — Eingekl. Bruch 1 (1) 1 (1) — — Bronchitis 1 — — 1 im Wochenbett 1 (1) 1 (1) — — Summa: 6 (2) 5 (2) — 1 Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von ausroärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. $-* o -*-• *-* o r-» o o c*~ "5% „gi P CD Februar | 5jS c — o uZ) — t: S-b 85 5 8 CD to 6. 2" 786,4 + 0,4 + M 4,2 93 6. 9" 734,9 4,9 98 7. 7“ 731,1 + 3,8 5,9 98 Höchste Temperatur am 6. Febr. Niedrigste „ „ 5. „ CD 5 V 4 ■G s uQ C Z Wetter 8. 1 Bed.s ).,Schnee 8. 1 Beü.) Regen 8. 1 bi§ 6. Febr. + 1,7° 0. „ 6. , — 7,1° C. Couverts mit Firma liefert billigst I Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 1181 BOUILLON - KAPSELN für 8 Pfg. oder gute Fleischbrühe für 6 Psg. Käuflich in Delikateß- und Kolonialwaren-Geschäften. Man verlange ausdrücklich MAGGI’» Bouillon - Kapseln. L 16 und 12 Psg. für je 2 Portionen sind gebrauchsfertig. Man entferne nur die paraffinierte Ueberkapsel, übergieße eines der darin befindlichen Röhrchen mit kochendem Wasser und man erhätt augenblicklich eine Taffe extrastacke Kraftbrühe w Ä w 03 o CD Oft c *• 5 ° c a E US' - «ft tz LZ c, C >o ZZ 3 .g «s er * g 5-8 5g -. — VD E «— 3 S "Cd "° o © o •• S Sr «55« c ’t. «X Cl> _E LZ Z.g 22 cl» o ö Ä’-ß Äs 'S st V e vo ri s c y o CD o UD a -U JO er s o> CD c o o o 1O CO CO g 8 £ c Jz .5 s >8 c g bO & aa ♦ S 5*03 o eo czw w Ls B i 5 O jö c t: =c p H . C 03 = $> o «fi- <35 W —. rH « £ Q CO CD 03 CG w O g § -b a. § -O Q 03 03 o <55 cs» -d- aa 50 w cd c m e -C tu »e s CD V isa s c L Wo fit 95 rr o O 05 O Isas? c Z. ä ® “ 08 CVS C ca "o g; C CD® H L. rr sc» -Z s 3 a» c y "5 'S c 3^7 3 e 2 - - -gCQ I vrühl'sche UniversttätS'vrulkerei, Zchulstrahe Z ? was ist Zt. Benno ? 1154 $oi=, N= 1. BmchWerßngeniio!! in den Dl,trikLen Schweinahl und Klafterschlag ! ......J/L. /Al r» <1 . _ 6 Fichten-Stämme, 10—17 50 FHtz Mowack, Betten-Geschält. m lang, 10—16 cm Durch. rm 17 Buchen-Reisig, D Eichen-Reisig. ff 1133 5 Fürstliche Oberförsterei. Hohversteigerung Sotzversteigerung i^ Lich'rFtadtwald. Dounerstag, 13. Febr., steigert: Stämme: Eichen24 Stück Normitt. 10 Uhr begmnend, von 18—63 cm mcktl. Durchm. vormitt. 10 Uhr beginnend, mit reichhaltigem humoristischem Programm Eintritt ä Person 20 Pfg. Der Vorstand 1050 &SST Nur Mitglieder haben Zutritt. Eichen- Eichen. Bahnhofstrasse 6. Bahnhofstrasse 6. ff ff echte Kauks. 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Durchm., mit UM fm, Derbstaugeu: Fichten 288 Stück mck 15,43 fm, ReiSstaugeu: Fichten 75 Stück mck 1,01 im, Scheiter r rm Buchen 281 L Klasse, 10 2. Kl., Eichen 9, (worunter 6 rm Rundscheck 2% m lang)Aspel,Ku üppelrrrn Buchen 140, Eichen 42 (worunter 4 rm 21/» m lang), Nadeln 7 L Klaffe, 4 2, Klasse, Reiser: rm Buchen 436, Eichen 44, Aspen 2, Nadel 2, Stöcke: rm Buchen 90, Eichen 11, Nadel 7. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr auf der Chaussee Rüddings- Hausen—Deckenbach an: Wald» emgana. 1138 Nähere Auskunft erteilt Forst- wart Wißner, Londorf. Londorf, 4. Februar 1902. Frech. Oberförsterei Rabenau. Nicolaus. re. re. empfiehlt 15.- „ 1141 15. 0 31 . 45 . 42 . 1.35 jl Georg Emil Seng Schulstraße 5 Gießen Schulstraße empfiehlt seine prima Flaschenbiere I Kammeimusik-Abende- in der grossen Aula der Universität zu Giessen. Zweiter Abende 1088 Freitag den 7. Februar, abends 8 Uhr. Mitvyirkende: Fräulein Clara Bellwidt (Alt) aus Barmen. Herr Adolf Rebnet (Violine), Herr Johannes Hegar (Cello) aus Frankfurt a. M. Herr G. Trautmann, Grossh. Universitäts-Musikdirektor (Klavier). „ Eierbandnudel „ Gemüsenudel ferner Miechobet in diversen Qualitäten Aprikosen Apfelringe Birnen Pflaumen Brüneilen Zwetschen in neuer hochfeiner Ware empfiehlt L. Kalkhof. Hochfeines § Rüböl Einfache Zcklsttlmmer-Mel Kleiderschränke von Mk. 25.- an. -erMrstlich Iolms-Sraunftls'schlu OberfSrstttkj Husgev Es sollen versteigert werden: Freitag den 14. Februar, von vormittags 10 Uhr an Eichen - Stämme, 4—8 m lang, 39—44 cm Durchmesser = 5,08 fm, Eichen-Schncktholz, „ Schwellenholz, , Bauholz, Linden-Stämme, Hainbuchen-Stämme, Fichten-Stangen, Buchen-Scheitholz, Eichen- „ Buchen-Knüppel, Eichen- „ Buchen-Stöcke, Eichen- „ Buchen- und Eichen- Reisig. Eichen: 67 rm Scheit, 84 rm Knüppel, 342 rm Reiser 3. Kl., 92 rm Stockholz. Buchen: 135 rm Scheit, 34 rm Knüppel. Kiefern: 33 rm Resser 3. Kl., 6 rm Stockholz. 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