Samstag «.Dezember 1TGS Viertes Blatt. ESS 152. Jahrgang Nr. 287 Erscheint täglich außer ScnmagL. 4tein Äie&entr Anzeiger werben un Wechsel mit dem Kesslschea Landwirt die eichener Kamillen- blätitr viermal in der Woche beigelegt. Rotaliousdruck u. Verlag der Brühl 'ichen llniveri.^Bufb- n.Slein- dructereUPietich livben) Siebafucn, ExvedUum und Druckerei: Schulftratze 7. Adresle für Depeschen: Anze gcr Gießen. Fkriiiprichanschlnß Nr. 51. Gietzener Anzeiger VJ# Eeneral-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezngSpretö: monallich7bPf., viertel« jährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigslelien monatlich 65 Pf.; durch diePosl D!k.2.— oiertel- jährl. ausfchl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnuinmer b,s vormittags 10 Uhr. ZeilenvreiS: lokal 12Pf^ ausivärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. u. a tigern. Teil i. V.: Fr. Hannemann; für,Stadt u. Land" und „Gerichtsfaal": Curt Plato; für den An» zeigenteil: Hans Beck. ZUe französische HhescheidungsstatisiiL /veist eit zwei Jahren wieder einen bedenklichen Zuwachs auf. Tazn kommt für den Beobachter noch der Umftanb, daß in zah reichen Fällen, die sich fast immer im höheren Bürger- stalid und in der Kunst- und Schriststellerwelt abspielen, Leichtsinn und Genußsucht der Scheidung zu Grunde liegen, weshalb derjenige der Gatten, der sie erzwingt, eher Strafe als bui Wiedergewinn seiner Freiheit verdienen würde. Tesseilingeachtet ist gegenwärtig von einer Erweiterung des noch yiuquet benannten Gesetzes zu Gunsten der Schei- dungslastigeil die Rebe. Die unmittelbare Anregung geht von dill Rornanschrislstellern Margueritte aus, die mit dem Gesetze dessen sie selbst in ihrem Privatleben bedurften, schlecht Erfahrungen gemacht haben und zum allgemeinen Wohle seine Lücken ausfüllen, seinen Mängeln abhelfen möchtin. Die Ehescheidung, die 1803 in Frankreich ein* gefühlt und von der Restauration, wie es einer katholi- scheil Monarchie ziemte, aus der französischen Gesetzgebung aetilg; wurde, drang unter der dritten Republik nach langen Bemühungen und Kümpfen, deren Hauptschauplatz der LuLenbourg-Palast war, wieder durch. Tie Senatoren harten die „uicompatibilitö b hnrnenr", die Unverträglichkeit, nelche ein Haus zur Hölle machen kann, als Scheidungsgrund nrcht zugelassen, ebensowenig Irrsinn und unheilbare öebrechen, *bie vor der Heirat verheimlicht worden waren. Dagegen hatten sie die Scheidung durch gewisse unumgängliche Formalitäten erschweren wollen, wie das Er- scheinei beider Gatten, die ein Richterspruch schon geschieden hatte, nach einer weiteren Bedenkzeit von zwei yjconaten aus dun StandesauUe, wo der Ervilstandsb^amte — der Maire oder einer seiner Adjunkten — die Auflösung der Ehe aussvrtchen mußte. Diese Eeremonie fiel in der Folge fort, nachoeu sich auf verschiedenen Standesämtern ärgerliche oder dramatische, aber immer ganz überflüssige und störende Auftritte zugetragen hatten. Tie Scheidungsbedingungen blieben dem Buchstaben des Gesetzes gemäß dieselben, allein die Scheidungslustigen, welche^an ihrer „Strenge" Anstoß nahmen, erfanden allerlei Tücken und Listen, um ihre herzenswüniche den Richtern zum Trotz ducchzusetzen. Tie Lieferanten der Palais-Zroyal-Bühne, so schreibt man aus Paris der „Nack-Ztg.", haben sich dieser Erfindungen schon bemächtigt, aber eine dürfte — denn sie ist funkelnagelneu — noch nicht auf den Brettern zur .Verwendung gelangt «sein. Mann und Frau haben beschlossen, ein neues Leben, -natürlich getrennt, zu beginnen. Der Mann ist zu galant, um bei Frau blaue Flecken beizubringen, bie sie dem Polizei- lommisär vorweis en könnte, und die Frau muß ihren Ruf Ivahreu, will al,o jede üble Nachrede vermeiden, welche den Mann zu einer Sck)eidungsklage berechtigen könnte. Auch wollen die Beiden ihre Dienstboten oder HanSgenosien nicht ins Vertrauen ziehen, sondern fein säuberlich auseinander gehen. Ter Mann begiebt sich daher „auf Reisen", vielleicht nur in ein anderes Stadtviertel, wo er seine Wohnung in einem Hotel auf schlägt. Wo der Mann wohnt, da ist nach dem Gesetze das „eheliche Domizil", und der Gatte darf verlangen, daß die Gattin zu ihm zieht. Weigert sie sich, so hat er Grund, nach einer bestimmten Frist und wiederholter notorischer Weigerung bie Scheibungsklage einzureichen, bie von ben gefälligen Anwälten beider Parteien kräftig unterstützt wird und von ben Gerichten nicht abgewiesen werden kann. Tie Tinge gestalten sich freilich etwas anbcrs, wenn nur der eine Teil auf bie Scheidung ausgeht, der anbere aber sich dagegen sträubt, aus alter Anhänglichkeit, aus Trotz, um eine neue Verbinbung zu verhinoern, ober auch, was nicht selten ist, aus Gehorsam gegen die Vorschriften der katholischen Kirche, welche wohl für hohe Summen die Rull und Nichtigkeit von Ehen eriiärt, aber nicht gestatten will, daß die Eivilgewalt sie scheide. Ta kommt es vor, daß die Frau, der nichts Dorgeivorfen werden kann, es sei denn ein hartnäckiges Beharren auf ihren Rechten und Pflichten, sich wegärt, die ihr von dem scheidungslustigen Galten nahegelegre Klage einzureichen, und lieber seiner schlechten Ausführung zusieht oder die Plackereien erduldet, durch die er sie in die Enge treiben möchte. Diesen armen „Einseitigen" möchten die Brüder Paul und Victor Margueritte Trost und wirt',ame Hilfe spenden. Tie „Unver- iräglichkeit" in das Gesetz einzuschalten, scheint ihnen ungenügend, und bie Gerichte in Anspruch zu nehmen, ein Luxus. In einer ersten Zuschrift an die Kammer, welche der Abgeorbnete Gustave Rivet unter seinen Schutz nahm, ,etzten sie auseinander, wie wohlthuend es für einen Teil der leibenben Ehellute wäre, wenn bie Scheibung auf bie zwei- oder dreimalige Forderung eines der beiden Gatten hin ausgesprochen werden müßte, und jetzt lassen sie den Senatoren und Abgeordneten ein Memorandum zustellen, das die Formalitäten zu vereinfachen empfiehlt. Tie Gerichte pflegen die ihnen vorgelegien Händel zu verschleppen — so entziehe man die ^cyrtbungsangelegenhelten! Ein Gesetz von 1792 übertrug Schiedsgeriuchen, die auf allen Mairien tagen sollten, die „rasche und stille" Schlichtung von Streitfragen. Warum sollte man niajt, sagen die Verfasser des Memoranbnms, dieses Gesetz für die Eheschei- dungssäcke wieder aussrischen? Tie Schiedsgerichte würden aus Eivilbeamlen bepehen, denen die Ehemäden ihre Beschwerden und Wünsche vorzuiragen hääen, und welche ermächtigt wären, bie Bande zu lö,en, die auf dem Scan besamt geknüpft wurden. Dann wurde bie Scheidung in bie Eivilstandsregister ohne viel Aufhebens eingetragen und gäbe es keine Gerichts, kandale mehr, vor denen bie Familien ost größeren Ab,scheu empfinden, als vor der Scheidung selbst. Tiefe .Vereinfachung der Formalitäten liefe, bei Lichte besehen, darauf hinaus, daß die Frauen, welche „zu gefallen ausgehört haben", wie man in den Modewarengeschäften sagt, ohne weiteres „verstoßen" werden könnten, uiiie andere Bezeichnung giebt es taum für die „einseitige" Scheidungsklage mit Umgehung der Gerichte, und es ist begreiflich, daß nicht jedermann in einer solchen Erweiterung des einschlägigen llksitzes einen Fortschritt erblicken würde. Nermischtes. 'Sofia, 4. Dez. Aus dem Gute Damitzow erfolgte eine Kessel-Explosion, wobei ein Arbeiter getötet, ein anderer schwer und ein dritter leicht verletzt wurde. Das Kesselhaus wurde zerstört. ' Petersburg, 4. Dez. Zwischen den Stationen der KurSk-Eharkower Eisenbahn Losowaja und Smelnikowo versagt die Wasserversorgung vollständig. Seck drei Tagen stockt der Verkehr der Güterzüge, alle Stationen sind durch Züge und Frachten versperrt. In Losotvaja häuften sich 2000 beladene und 400 zu beladende Wagen an. Die Bahn erleidet große Verluste. Man beabsichtigt, eine Wasserleitung vom Flusse Samarka nach Losowaja zu legen, deren Kosten auf eine halbe Million Rubel veranschlagt sind. Man ersehnt Schneefall, um die Lokomotiven mit Schneeweisser versorgen zu können. • Zwölf goldene Hochzeiten an einem Tage, Man berichtet aus Agram: In 9looi Vinodol gab es dieser Tage eine seltene Feier. Zwölf Ehepaare feierten an einem und demselben Tage ihre goldene Hochzeit. Am 52. Roo. 1852 wurden m der hiesigen Pfarrkirche 24 junge Paare getraut. Zwölf sind von ihnen noch heute am Leben und begingen ihre goldene Hochzeit gemeinsam in feierlicher Weise. • Die längste Telephonleitung Europas ist die vor Kurzem vollendete zwischen Rom und Paris. Zu ihr wurden über 1593 000 Meter Leitungsdraht verwendet. An zweiter Stelle kommt die Linie Berlin-Paris mit 1118 Kilometer Länge, ihr folgen Berlin - Budapest mit 979, Paris-Marseille mit 863 und London Parts mit 470 Kilometer. * Eine mutige Dame richtet im „Schwarzw. Volksfr." in einem „Eingesandt" an die Herren des dortigen Männergesangvereins bezüglich des Tanzens bei geselligen Unterhaltungen eine bescheidene Bitte, dahingehend, „diese Herren möchten es das nächstemal dem Herrn Vorstand ganz einfach ertiären, daß sie nichttanzen wollen. Letzterer wird dann gewiß Erbarmen haben, und die Tanzunteryaltung weglassen. Es wäre dies auch sehr im Interesse von uns armen Mädeln zu wünschen; denn um die Wände der Liederhalle zu dekorieren, machen wir gewiß nicht Toilette, und um die wenige male, die es eine zu tanzen trifft, auch nicht. Und diese paar Touren mck liebenswürdigen Vettern, Onkeln und gerührten alten Herren!!! in 2 c । nur direkt! — schwarz, Henneherg-Seide bes w Franko u. schon verzollt ins Haus geliefert. Reiche Musterauswahl umgehend, »eiden ittbrlK lienueberic, Züricu. 70 56 Aönison. Zum 70. Geburtstag des Dichters. 8. Tezember 1902. Von Paul Witt ko. Es ist eine heute längst anerkannte Tyatsache, daß bie Mnen Künste und Wissenschaften gleichwertige Einflüsse ■mf die Einzelschicksale der Nationen üben, tote die Knegs- inb die Staatskunst, die in ihren hervorragenderen Letst- »ngen bei den Kulturvölkern einander abzulösen pflegen. L-leichüvvhl rangieren allenthalben in der Geschichte der Kölker Feldherren und Staatsmänner vor den großen Seufern, Poeten und Tondichtern. Emem kommenden Ge- sshlechte wird es Vorbehalten fein, die Thaten unb Ziele unserer Zeit als ein Ganzes von einem höheren Gesichtspunkte aus zu würdigen, als von der niederen Warte der Zeitgenossen, unb es wirb bie Werte frei und gerecht wägen. Sann toirb mancher sein Leben lang im engen Tichtcr- — oder Gelchrtenstübchcn hockende weise Berater, Führer ynb Erzieher seines Volkes weck hinaussteigen auf der Stufenleiter des Weltruhmes über manchen heute scheinbar unoerLüjtbar Heck glänzenden Namen aus der Tagespolckck Oer Großmächte. Zu oen Poeten, die nach dem höchsten Kranze rangen und dem, was die Tiefst- und Wettest schauenden etne£ Volkes im Innersten bewegte, Ausoruct uito Leben verliehen, gehört in erster jA.eu.je der Norweger Bjornstjerne Bjornson, der am 8. Dezember seinen 70. Gevurrstag schier in der llnbeug,amkeck eines Vorzeitrecken zu feiern der Welt die Freuae macht. Björnsons yeuiuu ist der kleine Ort Konike in einem der Thaler des Tovrespäld. Tie Natur ist dort arm und öde, und kahlselsig. Sie tennt teme somtigen Winkel, in denen auf Land und Leuten der volle Zauberhauch der Poesie zu ruhen fujetnt. Ter Boden ist schlecht und das Wetter rauh; die Natur giebt mck kargen Händen dem Bauer in fünf Jahren nur ein Kornjahr. Dafür erzog ite sich ein kräftiges Geschlecht, dem eine zähe Willenstr ast und eine ernste Gründlichkeit innewohnt. Björnson Hot viel von dem schweren Bllck seiner Heimat. Nicht umiunft ringen die Bewoyiier jenes Landes mit der Ungunst der Natur; iljre Besten errangen sich dafür einen mächtigen, widerstandsfähigen Körper, ein hohes sittliches Bewußtsein, den durch nichts zu unterdrückenden Trieb nach idealen Gütern und eine Liebe zu Volk und Vaterland, wie sie die Bewohner vieler von der Natur glücklicher bedachter Länder nicht kennen. Björnsons Vater war Pfarrer, und dieser Beruf stand auch dem Knaben als Lebensziel vor Augen. Er las schon in seinen Jugendjahren viel, namentlich die alten nordisscheu Sagen und eine Volksliedersammlung, und er erhielt so seine Eindrücke früh aus dem Volke, sodaß er schon mit 20 Jahren Gesänge im Stile der Volkspoesie schrieb. In die Micke der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fallen auch seine ersten dramatischen Leistungen, so der er'te Entwurf zu den heute noch so bühnenerfolgreichrn „Neuvermählten". Als der geborene ErzaPer erwies sich Björnson schon in feinen ersten &Äuecne-ii$Ä|tungeit, in denen er „bie Dauern im Lichte der Sage uuL bis Sage im Lichte ber Bauern sah", uno die ihn zur LTneuernvg der nordischen SagenstckS führten, e*ter ^etewigmtg von Romantik unb Realismus, wie sie bie nordische Deanmerung gebiert In ihr wurzelt bte mystisch-phantastische Charakterart ber großen dtordlanbsmänneri sie mischt als Weckerin ber Einbildungskraft in bas Ltden selbst des kernigsten Mannas ein Eiwas von BrutalckLt unb Sentimentalität zugleich, bas in eben diesen BUuernnovecken weichstes Gcsnhl in härtester Form erscheinen läßt Um sein 30. Lebensjahr herum zeigte sich bann in feinem bichterischen Schassen ein Stcklstanb. Er war unter die Polckcker gegangen, uno diese schienen ihm die poetischen Gedanken zu rauben. Schon in seinen Jüngllngsjahren hatte sich in ihm die von seinen Vätern übernommene Luft zu predigen geregt Aber nicht von der Kanzel, sondern von dem Rednerpulte in der Voltsversammlung aus ward er Seelsorger der norwegischen Nation. Er widmete sich dem oppositionellen Journalismus, nachdem er einen schweren Kampf in sich burchgetampst unb von ber positiven Religion feiner Väter sich avgewandt hatte. Zunächft fand er, wie das gleichstreoenbe junge Teutschlaiid um die Mckte des vorigen Jahrhunberrs un sog en an ick en Junghegelianismus, seinen Frieden in ber lebensfreudigen Philosophie deD Dänen Grunbtoig, ber ihm bie Anschauung des Menschlichen in seiner höchsten Freiheck und Schönheit gab. Und er schrick Wecker zu den modernen Naturwissenschaften und gelangte zu einer Lebensauffassung von lichtester Friedens- Hoffnung und reinster Weltfreude. In der volkstümlichen Rhetorik brachte er es bald zum unerreichten Meister. Seck jenen Jaheen ist Diörnson der einflußreichste politsiche Redner Norwegens; als solcher noch heute ein Brausebops von nicht immer ganz flaren und praktisch durchführbaren Gedanken, aber stets getragen von ber ehrlichen Ueberzeugung, baß bie TurchführunH seiner Ideen feinem Dolle nockhue, meist weitschauend unS zielbewußt Seine politischen Reben und Tagesuussätze zeigen stets einen warmen nationalen Don, der noch er- csuicklicher wirb burch rücksichtslose Aufrichtigkeit. Natürlich bleiben ihm baburch Anfeiiibungen nicht erspart, aber er ist im glücklichen Besitze sowohl ber unempsinbllchen Doppel- Haut als ber waghalsig kämpf mutigen Tatzen bes in seinem Namen zweimal vertretenen Raubtieres (Djöm-Bär), mck denen er gar fröhlich um sich zu hauen versieht. Unb beides ist ihm sehr oomtirren, beitn sowohl als Tichter wie als Polckiker mutzte er namentlich in früheren Jahren oft Dinge hören int» Äränl»mgex erfahren, bte wahrlich nicht jeder s» mannhaft «LMuehren verstanden hätte, wie biefer nervenstarke Zr»rdbLndLst»hn, ber niemals von feinem Volke rick^ailtlos aneztßKKt msrben- ist, toul seine Form so per- unb feilte bank* s» selbständig fii^. Daß sich in der Lyrik dieses Mannes, die uns am unmittelbarsten seckte ganze geniale Elgeiiart zeigt, kein Dort ftndst vvn sch^särmertschLr LiebeSseynfucht ober wclp- sckynerzlicher Klage, versteht sich von selbst. Nichts Schwäch« leches Hai srine wbtterhaLte Kernnalln. Mit gewaltiger 2,ider.schaft aber durchHlliht er feute Stssse, unb staunenswert bleibt seine GeftackungSkraft, auch wenn es ihm euunal Innen Dekoration kn ye- Tuchhandlung gegr. 1827. ♦ 8372 ♦ CO Sonnenstrasse 25. Sonnenstrasse 25. E 7W6 A. Fangmann K bS <5 Hannover 1902 Goldene Medaille. 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Ter große Evangelist einer besseren Zukunft liegt bisweilen otlerdings fast stets siegreickxn Kampfe mit der rr -ft1 9"orTnen- Weit größer aber und bedeutungsvoller ist sein Kampf mit allen weltfeindlicb-en Anschauungen Don welcher Seite man auch ihn betrachtet, immer blickt man auf eine rastlos kämpfende Seele. Ihn freut cs, wenn man ihm ein Schwimmen gegen den Strom Vorhalt. Und ln der That, derselbe, der so ganz in her neuen Zeit ffUßugeg€n scheint, der auf bieein Gebieten ein Neuerer ' — derselbe treibt mit besonderer Vorliebe sein Schi ff lein zurück in das Meer der Vergangenheit, um in seinen Tiefen sich reinzuwaschen von dem Staube des Lebensweges. Gern greift er in seinen Poesien auf den altnordischen Stil zurück, hüllt er die Gestalten unt» Ge- banken unserer Zeit in die hinterwälblerischen Gewänber seiner Altvordcren oder des mittelalterlichen Schottland So begegnen wir denn bei ihm vielen Gegensätzen Zst er mehr Politiker, Pädagog und Prediger, oder mehr Dichter mehr Künstler? Ist er der prophetische Volk? Er- zieher, der dem Dichter in ihm bisweilen die Schwungkraft der Flügel lähmt, oder läßt der Dichter das staatsmännische Talent nicht voll sich auswachsen? Käme eS hier vor allem auf eine kritische Betrachtung an, so Ware eS vielleicht am besten, wenn man ihn in jenen verschiedenen Gestalten gesondert aufzufassen suchte, den sozialen Streiter von dem Künstler schiede. Wer sich in s-ne großen Romane versenkt, wird sich von der Fülle der Gedanken, der Größe der Weltanschauung, von der weitreichenden Bildung bezaubert und hingerissen fühlen, aber da? Dichterische erscheint ihm mitunter klein und geradem verkr'lv-eft durch den gelehrten Ballast, trotz der g-waltigen Schilderung? kraft, die sich, wie überall bei Djörnson auch hi"r zeigt So machen z. B. in seinem Roman „Aus Gotte? Degen". E mitten in da? Treiben der Gegenwart fuhren soll die Menschen einen durchaus konstruierten E'ndruck. Fast l. W pin Gedanke, eine Tend-mz. Unter der Zdand de? Epiker? Vjörnson wand'lt sich nicht immer alle? in sondern das Poetische ist bisweilen mehr ein tu- ’nTlnCL^anbl in da? der Autor s'ine Ideen einkl idet mehr - ^ttel als Zweck. So tragen denn einzelne seiner größeren Prosa-Dichtungen ein allru l'-hrhafte? G^vräge und lind auf jenem Grenzgebiet didaktischer Kunst geboren' um das oft der ästhetische Streit entbrannt ist, und das viele aus dem Reiche der eigentlichen Kunst au So-schieden wissen wollen Der V^rnson der jüngeren Jahre hat viele« gemeinsam mit den Männern de? „jungen Deutschland"' deren charartenstische? Emeugni? die politische, soziale und religiö.e Tendenzdichtung war Bei Björnson ist do» Menschliche mitunter noch gröst-r als da? Künstlerische" Dann ober wieder, in seinen modernen Dramen, wie namentlich in seinen neueren Novellen weite B-bre-'tnng gcfurheri haben, reckt er sich empor zu stattlichster künstl -ischer Größe verdlüftt er durch die überaus lebendige und natnrwabre Darstellung grundmenschlicher Verbältn'sse und ^refte und läßt wohl kaum ein soziale» Problem außer acht da? er Gruße Aiiswali! angelilriiirtkl Üuiinrn von den billigste« bis zu den fciufteu. 7907 ini Gelenkpuppen in allen Größen rf“ s°wi- alle Puppenteile, PuppenwSsche, -Kleider, -Schuhe imb -Strümpfe Puppcn-Heilanstelt. Puppen-Heilanstalt. Echte Haar-Perrückeu und andere in allen Preislagen. c n^’rörnI?n rine echt germanische Gestalt, in der das faustische Element, der nie gestillte Drang nach Unbegrenz- tem, der kecke K'ampfmut deS Starken gepaart ist mit einer ,[e”' tm Grunde religiöftn Scheu vor dem Unerforschten, mit kindlich unbewußter Unterwerfung unter das Göttliche, e TL l^/rklärlich, daß in einem Lande, in dem die Nebel so oft die äußeren Umrisse verschwinden lassen, die Ge- dankcn in die wertesten Fernen schweifen, daß sie Bilder frühester Vergangenheit in voller Gegenwart zeigen, vor grauen Jahren Heimgegangene Helden lebendig werden in”' ftc schützend die Lebenden umschweben. So mh-» k Trama „Sigurd Iorsalfar", diese dramatische Bolkshumne Norwegens, getragen von der erhabenen Melodie nationalen Stolze?. Oder die Gc- danken erheben sich in? Unermeßliche, empören sich gegen dle VestrenMng unftrer Wirklichkeit, strebm hinaus über da? Menschliche, aus religiösem wie sozialem Gebiet. So entstand BiörnswiS wundervolle Verherrlichung de? Wunderglaubens wider Willen, die Dichtung „lieber unsere "tafr' die,er zcnten durchdauernde doppelte Tom zweier ft^n?eL^nt9C9(*nnr^^r Weltanschauungen. In dieser tm- erhöri ffifineti Geist und G-mi'rt aus? äußerste erregenden Gedankens-m^h-nre mm ru^w poet'schw S^ö-H it spricht der Dichter a"? wa? die Besten und Aufgeklärtesten unter uns am lebhaftesten bewegt und im Innersten erfüllt Wir sehen gar wohl, der Dichter selber ist voll durchdrungen davon, daß da? Streben übw unsere Shraft himru?. nach 7;m ^-renzenlo.en U^berirdisch-n und U-bermenschl'chen da? ich-on die aftm G»n-chan b-ck'mvft-n erSolal"? bleib-n muß .In ecner f^st n^ch üb?rimgen^e-en > Novell- Mutt-^^ ^ande", fier«-1 D'Brrs'n gon» schlicht die schassende Gr- z'ehung zirr sorialen Pflicht im L-bm den üb-rw-ftsichm' ^dealen gea-nüb-r. die dem mm-fchllchm F-Üblen und senken vwbängniSvoll w--t>en nchften Das ist die bekannte GluckStheorie, die Erg-birng in da? unabänderliche Naturgesetz. Mehr abw al? erne individuell' B fri-dwima wird tn dm b heiß G-ist-L^mv^ CVren- ?nrLJn. N'^mand sindj? wirrer und vna-klärter dre Memunam sich gea-nüberst-hm. desto wenmer r-b-r. ^eiiat der ei^e den andern. Auch uns-re .(Itnft" tnirb ntcmanb überz-ugen, aber die Dichftmg lehrt un« E neiie daß da? prom-fthe-fche Ankämvsen gea-n die irdi.che Endlichkeit die icne^dliche Menfchhe''t?traaödie ist ein ewig-? lln^erftegen Doch m;e in 3«'i*rn Aefchvl-'« imb Sophokles lockt e? auch die B-sten 'unserer Zeit in den Kampf. Biö^son? gno^e Traa^die im? in Da ter imb S-^bn zwei K'mpler nm M" Enneitericna der Gr--n;ei der Mensckwkraft. die b-ide d-n-ch die Nrnfttz^rna ihrer emander entgeamaes'»'»ei W fstan schai mn gen m*» der Theorie in die Pnaw? iß- vernichten T»t Wirndw- ' Müht Sana, der durch d-- Kraft snn-? w-6ete? v^n sein-m i ^tte^peberu^türlicch-? ob—'n am zu kö-nnen glmibt mir , jetn Elia?, der bei höchster Verehrung leine? Vater? I' ' Al scharf erfaßt, und in seiner Art von Idealismus zum Anarchisten ^der That wird, sie beide finden einen sah.'n 1 4°^ in Ausübung ihres bestg meinten Lebensprinzips. In ' *9rem entgegengesetzten Streben nach dem nämlichen Ziel, der Befreiung und Nutzbarmachung nicht etwa mir bet tiepten innerlichsten, noch unerforschten Kräfte im Menschen, sondern übermenschlicher Kräfte, liefern sie durch Björnson? Dichtermund im Grunde nichts anderes, als einen neuen, schlagenden Beweises für den uralten, schon durch die alt- testamentarische Poelie un? überlieferten Grundsatz von bet Kongruenz her aufbauenden und der zerstörenden fftaft, unb so ward „Ueber unsere Kraft" in unseren Tagen bie geistesgrößte und geistesstarkste Parallele zu Wilhelm Ier- dans gründlicherem „Demiurgo?"-Dewe'se und zu Nietzsä>eS umgekehrten ^Jenseits von Gut und Döse". r TleseZ Drama von so feierlicher Größe wie wunber- »amer Zartheit zeugt in gewissem Sinne von der beginnenden Rcs.gnafion de? den sprudelnden Iugendwellen Entronnenen. der sich rein gebadet hat zur strotzenden Geisteskraft. Hier ist er nicht mehr ganz der unerschütterliche Optimist ohne jede Einschränkung, der seksenfest überzeugt ist von der dem Gewaltigsten trotzenden Kraft de? Menschengeschlechtes: sein Glaube aber an ba? schließliche Durchdringen de? guten Prinzip? im Universum gerät immer mehr in? Wanken. Nir ein über die gewöhnlichen Kräfte f „G emporringender Prophet der Deltfreude kann mit so 'äher Zuversichtlichkeit für eine Verwirklicknmg de? schönen Traume? von einem Panqermonie Propaganda machen, zu dem die ersten Schritte Skandinavien thun soll mit einer permanenten Neutralitätserklärung Norwegen?. Schweden? und Dänemark? die, obm-,hl die kleinsten, den Weg zu wc'sm bätt'n für die endliche E uignng b*? großen, germanischen Stamme?, b. h. Deutschlands. Amerika?, Großbritannien? ie. Der v*rwi-klichte PangermoniSmus wäre freilich nt der That der Weltfriedc.... ^Doch der Polit'ker Djörns-»n hat b'Sh'r begreiflicher' we-se weniger Anhänger pefnnben, al? der mchmrciche Dichter von verschwenderis-'Vm Reicht'rm der in d-m ftohm Bewußtsein üb'rwölt'genben lftberslnss'? erst unlängst eine neue dramot sche betit'lt . Auf Storbove", der Welt darreichen konnte. Ein-? seiner letzten Dramen nannte er bekanntlich Laborenri'^". Die Arbeit so fobrte er un? da mit dem Psalmisten. ist noch immer der sicherste Weg zur Neberwindung d-s L-b-n?. Und so konnte denn dm al? Grei? noch raüW Schaffende, den s'in- L^benSa^b-it zum vermögenden Mann- gemacht bat die s^'öne Be^'immunq treften. daß die ihm rn f*;nem diesjährigen Ehrentage von s- nom bargebrachte Sv-n^e zur UnfrTÜfl*’ung einer *""l'->b'dürftigen B"vö^k'nmgsklafse verwmdet werd«, nämlich der sehr mäßig b^laldewn nvrwea'schen L hrrr und Lebrerinnm Ter Erzieher s'ine? Volke? webt das. w^? da? T-'fT ihm "iebt den E'zichern. 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