Donnerstag 6. November LSOS 152. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 261 Brldjetttl täglich außei Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Siehener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegL IRotattonSbrud u. Verlag der vrühl'schen Untverj.-Buch- u. Stein- bruderet lPielsch Erben) Webcftion, Exvedrttoa und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse tüt Depeschenr Anzeiger Gießen. &«nsprrchanIchlußNr 61. mmv Ä BezagdpeetA» jCOMr monaluch7bPf^oiettel« GießenerAnzeigerW General-Anzeiger v _ _ für den poltt. u. aügem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen MWZ zeigenteil: Han» Beck. Krkanntmachimg. Auf Grund des § 42 der Verordnung vom 13. Januar 1900, die Anlegung des Grundbuchs und die Ausführung der Grundbuchordnung betreffend, hat das Großh. Ministerium der Justiz bestimmt, daß das Grundbuch und Berggrundbuch für die Gemarkung Annerod vom 15. Dezember 1902 ab als angelegt anzusehen ist. Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten noch bis zu dem gegebenen Zeitpunkte zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Großh. Ortsgerichtsvorstehers zu Annerod und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden. Gießen, den 3. November 1902. Großh. Amtsgericht. Bekanntmachung. ® e t r.: FeTdbereinigrmg in der Gemarkung Langsdorf, kreis Gießen. Nachdem sich in dem Abstimmungstermin vom 6. Aug. t I. 164 Grundeigentümer mit 334 Hektar 7143.8 Quadratmeter beteiligter Fläche gegen die rubr. Feldbereinigung erklärt haben, während im ganzen 409 Grundeigentümer mit 722 Hektar 4572 Quadratmeter Fläche an dem Unternehmen beteiligt sind ,hiernach als-o mehr als die nach Art. 6 des Feldbereinigungsgesetzes erforderliche Mehrheit für die rubr. Feldbereinigung vorhanden ist, uno nachdem dte innerhalb der gesetzlichen Frist erhobene Einwendung gegen die Zu- läifiQteii und Rechtsbeständigkeit dieses Ergebnisses als unbegründet abgewiesen worden ist, hat Großh.Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe den Beginn der Feldbereinigungsarbeiten angeordnet und den Unterzeichneten zum Bercinigungskommi^sär ernannt. Indem ick dies zur öffentlichen Kenntnis bringe, lade ich in Gcmäßyeit des Art. 16 des Feldbereinigungsgesetzes vom 28. September 1887 die sämtlichen beteiligten Grundbesitzer zu der Donnerstag den 20. November 1902, vormittags 91/, Uhr, tm Gemeindehause zu Langsdorf stattsindenden Versammlung ein. Diese Versammlung hat: i. zu bestimmen, wie die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächengehalt, oder den Abschätmngswert der Grundstücke, oder durch Bildung und Verkauf von Massegrundstücken, sowie ferner, ob die Beiträge nach Bedürfnis erhoben, oder ob die Kosten durch Kapitalaufnahme aufgebracht werden sollen; 2. die zur Vollzugsvomnniscon zu berufenden Sachverständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mitglied des Schiedsgerichts und dessen Stellvertreter zu wählen. Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der Beteiligten vorgebracht und beraten werden. In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende beteiligte Grundeigentümer eine Stimme; die Beschlüsse erfordern zu ihrer Giltigkeit eine Mehrheit von Zweidrrtteilen der Anwesenden, und sind unter dieser Voraussetzung auch für die nicht erschienenen Beteiligten verbindlich. Kommen gil- tige Beschlüsse nicht zu stände, so hat: zu 1. die Vollzugstvmmission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, zu 2. Großherzogliches Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe die Sachverständigen und die Schiedsrichter zu ernennen. Friedberg, den 31. Oktober 1902. Ter Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: S p a m e r, Zreisamtmann. Ileischnot. Schluß. Drittens: Eine Oeffnung der Grenzen hätte nicht nur keine Preisverbilligung im Gefolge, brächte vielmehr unserem Nationalvermögen und unserer wirtschaftlichen Existenz unermeßlichen Schaden. Es ist eine durch Wissenschaft und Erfahrung bewiesene Thatsache, daß die Schweinepest, unter der unsere Landwirtschaft vor Einführung der Sperre so schwer gelitten hat, aus dem Auslande eingeschleppt wurde. Tie „Berliner Tierärztliche Wochenschrift" sagt: „Unsere Schweinebestände werden noch heute von der Schweinepest verheert, die aus Dänemark eingeschleppt wurde und deren furchtbares Herrschen in Ungarn den Grund zu dem gegenwärtigen totalen Schweineeinsuhrverbot gegeben hat. Ja, freilich haben wir jetzt selber Schweinepest genug. Die Grenze ist aber nicht bloß deshalb gesperrt, um unsere reinen Bestände zu schützen, sondern besonders deshalb, damit wir unsere verseuchten Bestände isolieren und in ihnen schließlich der Seuche wieder Herr werden können, ohne zugleich durch den internationalen Handel immer neue Ausbrüche entstehen zu lassen." — Wie verhalten sich nun die landwirtschaftlichen Betriebe zur Schweinezucht? Nach dem Buche „Tie deutsche Viehwirtschaft im vorigen (19.) Jahrhundert" entfallen auf die Betriebe über 50 Hekt. 12119 000, auf die kleinsten Betriebe unter 1 Hekt. (Zwerg- und Nebenbetriebe) 2 347 000 Schweine. Also nicht, wie die Freihändler behaupten, „eine Handvoll Großgrundbesitzer" ist an der Rentabilität der ^-Schweinezucht interessiert, sondern in erster Linie ebenso wie an den Getreidepreisen der deutsche Bauer. Und auch der kleinste Betrieb z. B des auf dem Lande wohnenden Arbeiters hat wesentliche Interessen an guten Schweinepreisen. (Tenn der ländliche Arbeiter, Handwerker re. ist es, der sich oft zwei Schweine mästet und durch den Berkaus des einen sein zum Schlachten bestimmtes Schwein frei hat.) „Tas Schwein ist die Sparbüchse des armen Mannes", sagte einmal irgend ein Abgeordneter zwar nicht sehr geschmackvoll, aber sehr richtig. Und wie eine Unzahl von Kleinbauernfamilien durch die Schweinepest zu Grunde gegangen ist, so würde durch Oeffnung der Grenzen der Jammer von neuem losgehen. Verpestete Hofraiten, fußtief ausgegrabene Stallböden, tot« geschlagenes Vieh, verbrannte Geschirre bezeichnen den Weg der Pest, jenes Fluches des Bauernstandes. Der Landwirt wird bankerott, seine Kaufkraft geht der Industrie verloren uni) der Arbeiter erhofft vergebens billige Schweinepreise. Und wir fragen: Ist das gerecht? Hat die Landwirtschaft nicht schon Bitternis genug gekostet? Ist das der wahrhafteste Sozialismus, der jedem Arbeiter seinen Lohn gewährt? Will nicht auch jeder Arbeiter, jeder Geschästs- mann mehr verdienen? Würden sie es dulden, wenn man sie deshalb „Wucherer"" nennen wollte? Wie jämmerlich standen denn die Preise trotz der Sperre vor wenigen Jahren! Warum schreit man nun Zetermord io über Preise, die doch früher auch gezahlt wurden, Preise, die doch täglich mehr zurückgehen? Glaubt man denn, der Landwirt sei au ewig hoben Preisen interessiert? Ter „begehrliche Agrarier"" ist nicht halb so schlimm, wie ihn die Handelszeitungen dem fürchtigen Philister aus- malen! Tie Agrarier sind weit gerechter gegen die Industrie als umgekehrt. Ter Bauernstand hat ein Interesse an gleichmäßigen mittleren Preisen. So schrieb erst kürzlich ein Hauptorgan des ,Fundes der Landwirte"". Aus diesem Interesse stammt der von der Linken als „staatsgesäbr- lich'" betämpste Antrag Kanitz. Ter Jmporthandel aber hat ein Interesse an schwankenden Preisen; diese müssen bald hoch, bald niedrig sein, auf der Differenz beruhen händlerische Spekulation und Gewinne. Das Interesse der Konsumenten ist dem Großhandel in Wahrheit ganz gleichgültig. Turch die ungeheure Preßmacht, die ihm zu Gebote steht, weiß er aber Konsumenten" und „Produzenten" zu verfeinden, läßt er die Arbeiter ganz vergessen, daß auch sie Produzenten sind wie die Bauern und ihre Ware, d. i. ihre Arbeitskraft, nicht der des chinesischen Kulis gleich- geschätzt wissen wollen. So stehen heute Stadt und Land in wildem Kampfe gegenüber. Und nirgends ist eine größere Verständnislosigkeit für das Recht des Andern zu treffen, als in den Städten. Die deutschen Fleischer, denen einst die Bauern im Kampfe gegen die minderwertige amerikanische Fleischeinfuhr treue Bundesgenossen waren, stimmen mit ein in den Ruf nach Oeffnung der Grenzen. Und doch schreibt eines ihrer Organe, die „Intern. Fleischerztg." in Leipzig, in richtiger Erkenntnis der Sachlage, daß die Schweinepreise in Amerika um 2 2,4 Prozent gestiegen sind. Und sie mahnt die Metzger weiter: „Wollen wir bessere Verhältnisse, so dürfen wir nicht nach dem Auslande rufen, das, wie gezeigt, uns doch nicht auf die Tauer helfen kann. Mit unserem so oft erhobenen; Rufe nach Auslandszufuhren helfen wir nur dem Zwischenhandel die Taschen füllen;wirund die Konsumenten! gewinnen nichts, während die einheimische Produktion geschädigt wird." Viertens: Tie deutsche Viehproduktion ist stärker gewachsen als die Bevölkerung. Wenn in Hessen gerade; die Schweinezucht einen so ungeheueren Aufschwung genommen hat, so beweist das, daß unsere Landwirtschaft die ihr durch die Grenzsperre gebotenen Vorteile derartig ausgenutzt hat, daß sie den Fleischbedarf des arbeitenden Volkes reichlich und auf lange Zeit hinaus zu decken in der Lage ist. Wer ist es denn der Schweinefleisch und Wurst konsumiert? Es ist doch in der Hauptsache die Ar- beiterllasse. Will man diese volkswirtschaftlich und politisch überaus wichtige Thatsache mit einer zwecklosen Aufhebung der Grenzsperre zu Wasser werden lassen? Will man auch fernerhin mit kühner Stirn behaupten, die Landwirtschaft sei nicht imstande, das deutsche Volk zu ernähren und ihn mit frevelnder Hand die Möglichkeit rauben, zubeweisen^ daß sie es kann? Reden wir doch nicht von 1930 und 1950, warten wir, und die Bauern werden nichts schuldig bleiben. Doch davon später einmal mehr. Fünftens: Es bestehen verblüffende Preisdifferenzen zwischen den Preisen im Kleinhandel und den Lieferungenj jür staatliche, städtische und großkapitalistische Institute. Wie kommt es, daß der Konsument der Großstadt oft ncth^u doppelt hohe Preise für gleich gutes Fleisch hat zahlen müssen, als die großen Schiffahrtsgesellschaften? Auch das zu untersuchen, wäre keine zwecklose Arbeit der von der Regierung unternommenen Fleischnotenquete. Es ließe sich noch so mancherlei sagen und reden, noch so manches Beweismaterial herbeibringen und verwerten. Für heute genug davon. Eines aber ist, was Freude bringt trotz allen trüben Lichtes über unserm Volke. „Wir haben es erlebt, daß die deutschen Bauern alle einig sind in der Frage der Schutzzölle"", rief der Abg. Bebel auf dem letzten Parteitag der Sozialdemokratie in grimmem Zorne aus. Und wir fügen hinzu: Jawohl, sie sind einig geworden in der Not der Zeit, und wo noch kleinmütiges Verzagen und Kurzsichtigkeit herrschten, sie sind verschwunden in diesen Tagen. Wohl konnte man früher des Großgrundbesitzers Getreidezollnutzen wirksam ausrechnen und „Brotwucher" bekämpfen, wohl konnte man manchen Heinen Landwirt aufreizen, well er relativ weniger Getreide verkauft. Jetzt sind die Schleier gefallen, die Maske ist zerrissen. Heute weiß auch der kleinste Vieh-, bauer, daß man auch ihm nichts geben will. Heute steht er da mit fliegenden Fahnen, der gewaltige Heerbann des deutschen Bauernstandes. Ter Rütlibund ist neu- geschlossen, die Bauern sind erwacht und werden chre Augen nicht wieder blenden lassen. Ihr aber in den Städten, ihr habt nichts anderes gewollt. Und wenn bei einer Reichstagsauflösung auch fünfzig^ ja hundert Sozialdemokraten mehr in den Reichstag kämen, die übrigen 250 Abgeordneten wären da um der Bauern Ueber Kritik und Aeklame spricht sich Heinr. Welti in einer großen Berliner Tageszeitung u. a. folgendermaßen aus: „Von der Kritik erwartet die Mehrzahl der Leser Aufschluß nicht über das Sein, sondern über den Schein der künstlerischen Tinge und greift aus der ernstlichsten Darlegung nur etwa em flüchtig hingeworfenes Schlagwort auf, das zu mißverständlichem oder böswilligem Gebrauch sich eignet. Es ist leicht begreiflich, daß die Einsicht hierin die Berufsfreudigkeit der Kritik erheblich mindert..... Ter bekannteste, well am leichtesten erkennbare Typus ist der Reklame machende Künstler. Ta dies in der Regel nicht die bedeutenden Künstler sind, sondern die Schein- berühmten und Gernegroße, ist ein Teil des Publikums über den Wert der Rektamenachrichten ja völlig im Klaren, die Mehrzahl aber läßt sich doch durch beharrliche Klapperei täuschen. So kann man es erleben, daß ein blutiger Anfänger durch gradweise Belehnung mit den schmückenden Beiwörtern „bekannt"", „geschaht"", „beliebt"" im Handum- kehren zu einer Notcwilität wird — in ben Zellungsspalten natürlich, und daß eine Sängerin dritten Ranges durch Erfolgdepeschen aus allen möglichen Provinznestern ihr bescheidenes Berliner Ansehen verbessert. Weniger harmlos als diese .gemeine Walo- und Wic^enreklarne ist schon die Klapperei mit dem GeLsack des Impresarios. Gerade die Trugnachrichten dieser Art wirken weiter und tiefer, als man vermutet. Ich spreche nicht von den Vortelleu über Gebühr, die fte eaoa beut Marktschreier selbst verschallen. sondern denke vor allem au oen verlockenden Anreiz, den sie auf die Bielzuvielen ausüben, die sich nur aus materiellen, sozialen Gründen, nicht aus innerem Beruf zur Kunst drängen. Nicht nur künstlerische, sondern auch national-soziale Gefahren entwachsen diesen Täuschungen. Tas sind lauter Beispiele aus der Welt der ausübenden Künstler, doch ist bei den Schaffenden neuerdings die Re- flame nicht weniger gebräuchlich geworden. Wir haben schon mehr als eine Oper durchfallen sehen, auf deren Erscheinen bereits ein Jahr lang mit allen Mitteln der Marktschreierei hingewiesen wurde. Erscheint dann endlich das Werk auf der Bühne, so findet es eine wohl vorbereitete, geschickt abgestimmte Hörerschaft, die unter dem Einfluß jener langandauemden Suggestion völlig um die Unbefangenheit und Freiheit im Empfangen des Eindruckes wie im Urteil gekommen ist. Es handelt sich für den Besucher dann nicht mehr um Wesen und Wert des Neuen — denn dieses erscheint dem Publikum über allem Zweifel erhaben bei einer Sache, von der man schon so viel Mfhebenöi gemacht — sondern lediglich um den Erfolg des Autors. Entspricht dieser, was heute ziemlich häufig, nur dem künstlich genährten Glauben daran, so erleben wir die wohlbekannte Thatsache, daß eine neue Oper am ersten Wend mit wahrem Beifallsgetöse aufgenommen, anderen Tages aber von der berufenen Kvitik abgeleönt wird und nach wenigen Aufführungen im Orkus verschwindet. Und dann hebt das große Schimpfen auf die Kritik an. Hier nun liegt der ernstliche Grund für die Kritik, sich der geschäftigen unverantworllichen Nebenregierung zu erwehren. Mögen die Thorheiten und Unrichtig teilen, welche durch den di-otizen- kram verbreitet werden, im einzelnen geringfügig sein, die Summe aller dieser Fehler ist beträchtlich genug, das Gesamtbild zu fälschen, und zeitigt Folgewirkungen, die nicht bloß für unsere Kunst, sondern auch für unser Kulturleben verderblich sinp< Ich meine daher, es wäre an der Zeit« dem Mißstand zu steuern. Man behandle die Kleine Theater- und Musikzeitung als Inseratenteil und drucke in fetten Lettern den Preis der Zeile über ihre Spalten. Tann weiß jeder, was die Nachrichten wert sind, und wieviel es kostet, sich vom gemeinen Saitenkratzer zum Paganini emporloben zu lassen." Darmstadt, 5.Nov. Großh. Hoftheater. Nach jahrzehnte- langer Paufe ging Moretos „Donna Diana" wieder in Szene, dessen starker Erfolg für die Berechtigung der Wiedereinstudirnng des Stückes einen oollgiUigen Bewels lieferte. Die Einlage eines Ballets im zweiten Akte erwies sich als kein glücklicher Gedanke. Tie Jnszenirung des Stückes bietet der Regie dankbare Aufgaben der sie sich mit vielem Geschmack unterzogen hatte. Die Hauptrollen sptelten Fräulein Eichelsheim und die Herren Hacker und Kreidcinann. — Engelbert Humperdincks neues Werk, dessen Erst- aufführung am 12. d. M. zu Frankfurt a. M. stattfindet, ist nicht eine Oper. Vielmehr ist das von E. B. Ebeling-Filhss textlich verfaßte, ein Vorspiel und drei Akte enthaltende Märchen „Torn- röschen- „ein Ausstattungsstück mit allerhand Musik." — Der Großherzog von Baden verlieh dem französischen Maler EaroluS Duran als Anerkennung für seine Verdienste um die Jubiläums-Kunstausstellung in Karlsruhe das Großkreuz des Zähringer ^öwenorden's. Tie Insignien sind dem Maler am 4. Nou. durch den deutschen Botschafter Fürslep Radolin überreicht wordem SHUctl Dann würde der Dauer das Neich reagier e n. Es liegt noch nngebvochene Germanenkraft in den Dörfern. Und es wird sich dann die deutsche Landwirtschaft ihr Recht selbst ertthnpfcn. Nicht aus Haß der Städte, wie Oberbürgermeister Gauß meinte, sondern -um Streire für eine gute Sache wird oer Massenschritt der Bauernbatail- lone ertönen. Und es soll drum nicht schlechter stehn im Lande.... Wolfhard Politische Tagesschau. Der Kaiser in der Schiffsbautechnischen Gesellschaft. Man schreibt uns aus Berlin, 5. November: Ta der Kaiser in der vorjährigen Hauptversammlung der Schiffsbautechnischen Gesellschaft zu längerem Vortrag das Wort ergriffen hatte, blickt man hier der Ende dieses Monats stattfindenden neuen Hauptversammlung der Gesellschaft, zu der der Kaiser wiederum seinen Besuch ansagen ließ, mit erklärlichem Interesse entgegen. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß bet Herrscher des weiteren Ausbaues der Kriegsflotte, zunächst also des Erscheinens der Kreuzervorlage, Erwähnung thut. Im Hinblick auf die aussichtsvollere Gestaltung der Zolltarifheratung ist es bemerkenswert, daß bereits der Gedanke auftaucht, die Neuwahlen zum Reichstag würden sich keineswegs ausschließlich unter der Parole „Wirtschafts- politik", sondern auch und vielleicht mehr noch unter der Parole „Wehrpvlitik" vollziehen. Tenn nicht nur über den Ausbau der Marine, sondern auch über die Verstärkung des Heeres wird der neue Reichstag bald nach seinem Zusammentritt zu entscheiden haben. Der ReichSkommiffar für die Weltausstellung in St. Louis, Geheimrat Lewald, ist, wie die Tepeschenbureaus melden, am Mittwoch dorthin abgereist, um die Vorbereitungs-Ar- beiten für die Beteiligung Deutschlands an der Ausstellung einzuleiten. Nach seiner Ende Dezember erfolgenden Rückkehr wird das Bureau für die Ausstellung in Berlin eingerichtet werden. Ueber den Umfang der Beteiligung läßt sich zurzeit nicht einmal eine Schätzung ermöglichen, geschweige denn, daß, wie das geschehen ist, von einer Beschränkung auf die drei Gruppen Bildende Künste, Kunstgewerbe, Unterrichtswesen gesprochen werden kann. Cs wird vielmehr mit einer Beschickung der Ausstellung gerechnet, die mindestens derjenigen in Chicago gleich kommen, wenn auch natürlich nicht die in Varis erreichen werde. Tie amerikanische Ausstellung findet jedenfalls die lebhafteste Unterstützung der Behörden, und man erwartet mit Zuversicht ein weitgehendes Entgegenkommen von drüben. Das deutsche Interesse dürste sich auch noch in anderer Form bethätigen, als durch die Einstellung der Kosten der Vertretung in den Reichshaushaltsetat. Der Kaiser ist dem Ausstellungsunternehmen besonders sympathisch gesinnt. Aeber die Ernteergebnisse. Man schreibt uns aus landwirtschaftlichen Kreisen: In D e u t s ch l a n d ist man mit der diesjährigen Ernte zufrieden. Die Ergebnisse sind nicht reichlich, aber es ist alles, was zu ernten war, gut unter Dach und Fach gekommen. Die Ernte in Rüben imb Kartoffeln war in 1901 sehr viel besser. Als Ausgleich diente aber die diesjährige Meizenernte, welche im vergangenen Jahre in verschiedenen Bezirken ganz ausfiel, in anderen durch Auswintern stark beschädigt wurde. Ta bei den starken Viehbeständen die Ernten von Futterpflanzen immer größere Bedeutung erlangen, so legt man deren Ernte und der Konservierung der Produkte immer größere Bedeutung bei. Do ist jetzt nicht nur viel vom Trocknen der Rübenschnitzel, sondern auch vom Trocknen der Rübenblätter die Rede. Diese geben jeden Herbst in Masse zu Grunde und dem Rindvieh werden dadurch Unmassen von Futter entzogen. Will die deutsche Landwirtschaft stets ausreichendes Schlachtvieh auf den Markt bringen können, so wird sie der Konservierung der geernteten Futtermassen immer mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Der Ueberfluß an Futterstoffen m dem einen Jahre muß dem Mangel in kommenden Jahren ab» helfen. Das Ziel ist zu erreichen. — In Frankreich waren die Ernteaussichten sehr gute, aber lange Regenperioden haben die Ernte der Halmftüchte verzögert und das Produkt in einer Weise geschädigt, daß es zum großen Teil nur noch Viehfutter ist. Da dies Unheil besonders in den nördlichen und nordöstlichen Te- vartemcnts eingetreten ist, die etwa ein Drittel der gesamten Kvrnercmte Frankreichs liefern, so rechnet man mit einer erheblichen Einfuhr von Getreide, da die Mühlen sehr gutes Getreide bedürfen, um das einheimische mehr oder weniger beschädigte Produkt mitvermahlen zu können. Noch mehr als die Brotfrüchte sollen Hafer und Gerste durch die Witterung in der Erntezeit gelitten haben. Auch die Kartoffelernte ist in Frankreich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. — Rußland macht noch keine bestimmten Angaben über seine diesjährige Ernte. Es ist nur bekannt geworden, daß sehr ausgedehnte fruchtbare Gebiete unter der Dürre im vergangenen Sommer gelitten haben. Die beste Ernte lieferte der Weizen, im Süden soll sie sogar ausgezeichnet gewesen sein, das Durchschnittsergebnis des Weizens in Rußland ist als im ganzen gut zu beurteilen. Die Roggenernte ist nur mittelmäßig ausgefallen, ebenso die Haserernte. Ein befriedigendes Ergebnis lieferte »nieder die Gerste. — $n Oesterreich-Ungarn scheint die Ernte in Brotfrüchten ähnlich ausgefallen zu fein, wie in Deutschland, man ist zufrieden, klagt wie bei uns über die verspätete Ernte, aber der Herbst lieft den Landwirten Zeit, das Versäumte nachzuholen. TaS Ernte- toetter für die Hackfrüchte war und ist heute noch prachtvoll. In Oesterreich-Ungarn hat die Gerste durch das Wetter gelitten. Helle Braugerste soll sellen fein. — Eine schlechte Ernte machte England, die schlechteste seit 1860. Heftige Regengüsse während des Sommers urtb noch während der Ernte sollen eine förmliche Verwüstung angerichtet haben. Die Gctrcioelüger seien leer, dabei steigern sich die Fleischpreise in unerträglicher Weise, sodaß viele FleischerlÄen im Osten geschlossen haben. — Die Berichte aus den Vereinigten Staaten lauteten schon im September nicht günstig. Gegen das Vorjahr wird die Ernte niedriger geschätzte Neben der Neizenernte wird auch über ein ergeb' lichcs Minder ergebnis bei der Maisernte geklagt, dagegen scheint die diesjährige Haferernte die bet Vorjahre zu übersteigen. Bei uns können die (Mrcibcnreüc kaum niedriger werden alS sie heute sind. Es lägt ,ich vermuten, daß die Preise für Brotfrüchte im kommenden Frühjahr und Vorsommer wesentlich höhere sein werden. Wer MS dahin mit dem Berkaus warten farm und will, dem soll eS aber hierdurch nicht angeraten fein. Jeder sehe, wie er3 treibe! Vermischtes. ♦ Göttingen, 4 Nov. Gestern abenb bat sich Dr. vdil. Camilla Littelli im philologischen Seminar der Aus Stadt und Saud. Gießen, 6. November 1902. ♦* Feuerwehr-Uebung. Der Hebung der beiden fteiwilligen Feuerwehren am Mittwoch abend lag die Idee eines Brandes am Güterbahnhof zugrunde. Die um i/g9 Uhr alarmierten Wehren rückten sofort mit drei bespannten und fünf Handgeräten nach Der „Brandstätte" ab, wo die Gießener Feuerwehr den Güterboden, die Gallsche Feuerwehr den Zollschuppen angriff. Die Hebung ging unter Leitung des Branddirektor Traber glatt von statten. Ter Sachkundige konnte sich jedoch der Ansicht nicht verschließen, daß im Ernstfälle die Bekämpfung des Feuers auf Schwierigkeiten stoßen muß, »oeil die Hydranten zu nahe an den Gebäuden liegen. Mit leicht brennbaren Stoffen gefüllte Räume, wie Güter- unb Zollschuppen, verbreiten, wenn in Brand geraten, auf große Entfernung hin so starke Hitze, daß die Hydranten nicht zu erreichen sind. Uebrigens haben die Einrickstungen am Güterbahnhofe nicht das zu den Hydrantenständern der Gießener Feuerwehr passende Gewinde; die Bahnverwaltung wird nach Benehmen mit der Feuerwehr die nötigen Aenderungen treffen. — Nach der Hebung vereinigten sich die beiden Wehren zu einer kameradschaftlichen Versammlung im „Einhorn", wo die Kapelle der Gießener Freiwilligen Feuerwehr für musikalische Unterhaltung sorgte. ** Vom Verein inaktiver Offiziere der Armee und Marine, Hessische Gruppe, wird uns geschrieben: Wiederum ist der Reichstag zu seiner gesetzgeberischen Thätigkeit zusammengetreten. Ein Teil der letztem dürfte sich auf die Durchberatung des neuen Militär-Pensions-Gesetzes erstrecken. Tie Versorgung der verabschiedeten Offiziere bildet eine der brennendsten Fragen für die Heeresverwaltung, schon allein im Hinblick aus den nötigen Nachwuchs von jungen Offizieren. Ta aber gerade dieser Punkt von allgemeiner Be- deutung für die weitesten Kreise ist, und für die Berufswahl ein ausschlaggebendes Moment neben anderen bildet, so mögen hier einige bescheidene Auslassungen inaktiver Offiziere Platz finden. Nicht nur in dem Bestreben, das Los der bereits längst verabschiedeten Offiziere durch einen Hinweis auf das, was not thut, bessern helfen zu wollen, sondern vor allem in dem Gedanken, der jetzigen wie der kommenden Generation aktiver Kameraden eine sorgenlosere Verabschiedung, ein ferneres Fortkommen zu erleichtern, betrachten wir nachstehende Wünsche als erstrebenswertes Ziel. Es unterliegt keinem Zweifel, daß unter den ehrenvoll verabschiedeten Offizieren noch ein reiches und schätzenswertes Material von vorzüglichen Kräften gefunden werden kann, welches, am richtigen Platz verwendet, dem Staate ersprießliche Dienste zu leisten im stände wäre. Schon aus nationalötonamischen Gründen sollte der Staat sich diese Kräfte mehr nutzbar zu machen suchen, als dies bisher geschehen ist. Bislang war das „mit der Aussicht auf Anstellung im Civildienst" bei der Verabschiedung gemachte Zugeständnis für die Offiziere meist nur ein Danaer-Geschenk. Nicht die „Aussicht", sondern die „sichere Anwartschaft zur Anstellung im Reichs- und Staatsdienst sollte man billigerweise dem Berufs-Offizier gewähr- leisten, ihm, der mit ganzer Liebe und aufopferndster Hm- gabe an seinem Berufe gehangen hat und häufig in den besten Mannesjahren durch ein unglückliches Zusammentreffen unverschuldeter Verhältnisse vorzeitig seinem Wirkungskreis entzogen wird. Hand in Hand hiermit geht wohl auch der berechtigte Wunsch, daß man den Inhabern der wenigen, für verabschiedete Offiziere bis jetzt offen- gehaltenen Stellen im Staatsdienst oas Gehalt dieser neuen Stellung unverkürzt, d. h. ohne die erbiente Militär- Pension dagegen anzurechnen, gewährt. Ebenso selbstverständlich ist es dann auch, daß aus der neuen Stellung ein neues Recht auf Pensions-Gewährung herzuleiten erhofft werden darf. Bezüglich einer Aufbesserung der Pensionsbezüge selbst, namentlich der älteren Herren, sind wir der festen Ueberzeugung, daß unsere Wünsche in der Hand des Staates nicht ad calendas Graecas vertagt werden, daß im Gegenteil das Reich bei Schaffung des neuen Gesetzes alles aufbieten wird, um Jahrzehnte lang schwer empfundene Härtencu nd Lücken zu mildern und zu beseitigen. — Zu den letzteren gehört aber auch die häufig vorkommende Plötzlichkeit der Verabschiedung. Gerade diese verlangt pekuniäre Opfer, die der Verabschiedete in diesem Augenblick zu bringen nicht in der Lage ist. Hierfür einige Beispiele: Man denke an den berittenen Offizier, wozu bei den Fußtrupp en der Hauptmann zählt. Bei seiner Verabschiedung hat er ein Pferd, aber weder eine Verwendung dafür, noch die ihm im aktiven Dienst gestellte Ration, bezw. das Stallservice. — Oder: Ter aktive Offizier muß über eine standesgemäße Wohnung versüßen; nun wird er verabschiedet, das Einkommen verringert sich, aber der Mietvertrag muß, ohne daß der Staat Hilst, ausgehalten werden. Es kommt hinzu, daß z. B ein Offizier im aktiven Dienstverhältnis aus feiner Heimat hinausversetzt und in den Norden, Süden, Osten oder Westen unseres Deutschen Reiches verschlagen wird. Ta trifft ihn der Abschied; die Famllie ist gewachsen, er sehnt sich in seine Heimat zurück, wo die Lebensverhältnisse ihm eine billigere Existenz gewährleisten, aber diese Heimkehr bleibt ihm versagt. Warum? Well ihm der Staat keine Umzugskosten mehr gewährt und der Umzug mehr verlangt, als er infolge der knappen Pension zu leisten im stände ist. So sind es noch manche Fragen, die zu erörtern nicht unnütz wäre. Allein die angeführten sind diejenigen, die unsere Herzen am meisten bewegen und die einen lebhaften Widerhall bei u,nseren Mitgliedern gefunden haben. Wir glaubten sie der Leffentlichkell nicht oorentbalten zu sollen in einer Zeit, da wohl überall im Deutschen Reich gelegentlich Der Aussicht auf Vorlage eines neuen Milllar- Pensions-Gesetzes das ^ür" und „Wider" wird besprochen werden. §§ Unter-Seibertenrod, 5. Nvv. Unsere Dorfkirche hat i m Laufe dieses Jahres eine gründliche Renovierung im Inneren und Aeußeren erhalten, die jetzt vollendet ist. Bietet das Aeußere der Kirche ein schmuckü Bild, so überrascht die innere Neugestaltung noch mehr. Insbesondere ist es die neue Orgel, die seither unserer Kirche gefehlt. Man glaubt kaum, daß in der äußerlich nicht großen Orgel eine solche Kraft des Tones wohnt. Aber auch das leiseste Spiel ist von wohlgefälligster Wirkung. Schulrat Tosch, der die Orgel prüfte, sprach sich sehr anerkennend über das Werk aus, das {einem Erbauer, Bernhard in Hambach, Ehre macht. Darmstadt, 5. Nov. Zu Ehren des Rektors Geh. Daurats Prof. Psarr und des Prorektors Geh. Hoftats Prof. Dr. odjering wird die hiesige Studentenschaft am Donnerstag, 6. November, einen F a cke l zu g»veranstalten. hiesigen Universität mittelst eines Revolvers erschossen. Das Motiv der That ist unbekannt. * Paris, 4. Nov. In der Nähe von Reims sand ein Eisenbahnunfall statt, bei dem zehn Personen v e r le tz t wurden, darunter zwei schwer. Unter den letzteren befindet sich der Bruder des ehemaligen Ministers des Auswärtigen Hanotaux. Er erlitt einen Bruch beider Deine. Eine Amputation dürfte notwendig sein; Der Zustand ist sehr ernst. — Ein Brasilianer namens Sllvq tötete gestern abend seine Ehefrau durch einen Revolverschuß. Tas Motiv der That ist unbekannt. — Die Gendarmerie in Brest hat Befehl erhalten, festzustellen, welche Personen ihre Depots aus der Sparkasse zurück ziehen und durch wen sie dazu veranlaßt worden sind. Gegen letztere soll bann sofort ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden. * Paris, 5. Nov. In der Angelegenheit des» Bankiers Boulaine wurde ein Mann Namens Philipv verhaftet, welcher zwischen den Angestellten Voulaines und Denjenigen Personen, welche die gestohlenen Dokumente interessierte, den Vermittler spielte. Tie Verhaftung erfolgte in dem Augenblick, als Philipp aus den Räumen eines Finanzblattes trat, bei welchem er die entwendeten To kirn eilte vor einer Woche deponiert rcsp. verfteckc hatte. — Ter Untersuchungsrichter Flory hat auf Grund einer anonymen Anzeige gegen den Dekan Rosenberg, welcher sich in Nevers versteckt halten soll, einen Haftbefehl erlassen. Seine Verhaftung dürfte heute erfolgen. * Agram, 5. Nov. In der vergangenen Nacht wurde um 11.29 Uhr wieder ein heftiges Erdbeben von acht Sekunden Tauer in nordwestlicher Richtung verspürt. Nach einem heftigen Stoße folgten wellenförmige Bewegungen, begleitet von unterirdischem Getose. Wesentlicher Schaden wurde nicht angerichtet. * Ueber zwei Begegnungen mit Kaiser Wilhelm erzählt der Pariser „Figaro" in einem Artikel über Monarchen auf Reisen: „In Venedig war eS; man konnte morgens den Kaiser in der Gondel an der Seite König Humberts Durch den Canal-Grande fahren und ihn zur „Hohenzollem" geleiten sehen, die vor San Marco vor Anker gegangen war. Der Kaiser sprach viel und lebhaft und alles an ihm lebte und schien in Bewegung. Als er eiligen und eleganten Schrittes die Landungstreppe an seiner Jacht hinaufstieg, konnte man sehen, daß der Kaiser ein sicherer und torperfester Tümer ist. Kaum aber halte er den Fuß auf das Verdeck der „Hohenzollem" gesetzt, schien er ein anderer Mensch zu sein. Es ist schwer, den majestätischen Ausdmck des etwas zurückgeworfenen Köpfet zu schildern, einen Ausdmck, in dem Vergnügen, Triumph und Stolz lagen und das schone Gesicht verklärten. Tas war nicht so sehr sein Echiff, das war der deutsche Boden, den er unter seinen Füßen fühlte. Wer von den hundert Amateurphotographen, die diesen Augenblick festhielten, nicht fühlte, daß Deutschland die Königin unter Den Nationen ist, der war eben unfähig, in diesen charakteristischen Zügen zu lesen. Man horte den Kaiser lachen, und alles, der Himmel, das Wasser, der Tom, der Dogenpalast schien sich zu freuen, daß der Dreibund durch den Willen dieses blondes Mannes mll dem befriedigten Herrscherblick lebte. — Das zweitemal sah ich den Kaster in Wilhelmshohe; er kam vom Manöver. Ein elegantes Publitum von etlva 100 Personen, Darunter viele Offiziere, bildeten vor der Einfahrt zum Schlosse ein Toppclspalier. Kein Polizeiagent war sichtbar. Die Fahrbahn für den kaiserlichen Sagen war so schmal, daß man mit auSgest reckt em Arm be# Wagenschlag hätte berühren können. Ter Wagen fuhr im Schritt. Die hundert Menschen riefen ihre Hochrufe, als wären es Tausende. Der Kaiser lächelte unb grüßte mit bem jufriebenen Blicke eines guten Familienvaters, der auf dem Heimwege sich seiner getreuen Vasallen freut. Alles an ihm war „freundlich" (Der Franzose gebraucht das deutsche Wort) ganz anders, als ber von Stolz gehobene Monarch, ben ich an ber Adria erblickt hatte." * Ein tüchtiger Mensch. Ter Magistrat von Hörde (in Westfalen) suchte kürzlich einen Bureau-Gehilfen für monatlich 30 (!) Mark. Unter ben Bewerbungen um biefe Anstellung befand sich u. a. folgendes Angebot: ,Höflichst bezugnehmend auf Ihr gefl. Inserat erlaube ich mir, Ihnen meine Dienste für den oafanüert Dureaugehilfenposten ergebenft anzubieten. Ich bin 28 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern, das fünfte wird etwa in vier Wochen das Licht der Welt erblicken. Zehn Semester studierte ich an ber Universität Bonn das juristische Fach, wo ich unter anderem auch den Vorträgen des Dr. Tille über „Menschenrechte und Menschenpflicht" zuhörte. Leider bin ich durch des Vaters Tod gänzlich mittellos geworden und mußte meine Studien abbrechen. Ich bin mit sämtlichen Paragraphen des Straf- und Handelsgesetzbuches gut bekanich habe gute Kenntnisse in der englischen, französischen, spanischen, italienischen und hebräischen Sprache, handhabe tne Remington-Schreibmaschine und bin perfekter Stenograph. Meine Körperkonstitution ist derart, daß ich 150 Pfund mit Leichtigkeit heben und wenn nötig, fünfMann auf einmal an die Luft setzen kann. Es wäre mir angenehm, wenn Sie mein Gesuch berücksichtigen würden. Damit ich dann in der Lage bin, meiner Famllie, die durch meine Unthätigkeit sehr gelitten hat, wieder ein menschenwürdiges Dasein verschaffen zu können. Ich bin selbst sehr anspruchslos und mit den Resten derMahlzeit des Magistrats schon zufrieden. Auch erkläre ich mich gern bereit, häusliche arbeiten zu verrichten, als Bette» machen, Kinder verwahren, auf wischen, Straße kehren usw., und nehme an, daß die Dienststunden die gewöhnlichen sind, nämlich von 5 Uhr morgen» bis 10 Uhr abends. Auf speziellen Wunsch stehe ich auch des Nachts gern zur Verfügung. Auf Wunsch bin ich gern bereit, zu Fuß zwecks persönlicher Vorstellung nach dort zu kommen. In Erwartung Ihrer geneigten Antwort empfehle ich mich Ihnen Hochachtungsvoll (folgt Unterschrift)." Ter Bewerber besitzt jedenfalls Humor! * Die Verhaftung eines Frauenmorde rv, der den besten Gesellschaftskreisen von Boston in Amerika angehörte, erregt großes Aufsehen. Während der letzten Monate wurden in den Vorstädten von Boston fünfzehn weibliche Personen von einem unbekannten Individuum angefallen und furchtbar mißhandelt. Zwei der Unglücklichen, Agnes Macphee und fclara Morton, erlagen den schrecklichen Verwundungen. Clara Morton, Wäscherin in einem Irrenhause, wurde am vergangenen Samstag im Garten der Anstalt ermordet. Diese letzte Alutthat führte endlich zu der Festnahme deS Verbrechers, welcher begreiflicherweise der edjreaen ber Einwohner von ganz Boston geworden war. Allgemein war iedoch das Erstaunen, alS man näheres über Die Persönlichkeit des FrauenmörderS erfuhr. Der Verhaftete ist Alan G. Mason, Doktor jjirr tteberfüfjntnci der beiden Angeklagten nicht cm3, st« wurden deshalb freigesprochen. am 4.-5. November den Arzt. 7678 Christian Wallenfels, Marktplatz 17 1. 2. 3. II. Ladeneingang Schlossgassa» Kirchenplatz 11. 11 'igene Metalldreherei und Armaturenlabrikation. MAGGI Würze, Suppenwürfel u. Bouillon-Kapseln, Der praktischen, sparsamen Hausfrau empfehle a»r®lpf?entlichst 7739 Tagesordnung. Mitteilung des Ergebnisses der Oberrevision der Rechnung für 1900 durch Großh. Ober-Rechnungskammer. Desgleichen des Ergebnisses der Vorprüfung der Rechnung für 1901 durch den bestellten Revisor; Entlastung des Rechners. Mitteilung deZ Ergebnisses der stattgehabten Kassen- revisionen. Verteilung des Reingewinns und Bewilligung der Mittel: a. zur Prämiierung von Dienstboten, d. „ , „ Sparern, c. zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken. Bewilligung der Kosten für die Pfennigsparkasse. Beratung und Festsetzung des Voranschlags für 1903. Wahl von Verwaltungsratsmitgliedern. Wahl von vier fehlenden Sparkassevertretern in Gruppe c durch die Vertreter der Gruppe b (Bürgermeister der Einfach baff ist, wer dieWirkunq Dr.Knecht’s Magepbitter„Säntis,> bei M agen y.Darmbeschwe rden kennen geierntXÄosse Flasche M.2.50, beflasche M.1.00; überall erhältlich. Höchste Temperatur Niedrigste , Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 5. 6. 7. 8. Einladung. Die Vertreter der Vereinsgemeinden werden zur ordentlichen Hauptversammlung, welche Freitag, den 21. d. Mts., nachmittags 3% Uhr im Saale der höheren Mädchenschule dahier (Schillerstraße) stattsindet, ergebenst eingeladen. Gegen Schnupfen ist der Schnupfen- äther „Forman" anzuwendeu, der ärztlicherseits mehrfach als »geradezu ideales Schnupfennrittel* bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen Forman- Watte (Dose 30 Pf.,) bei starkem Schnupfen Forman-Pastillen (50 Pf.) zum Inhalieren mittels Riechgläschens. Wirkung frappant! In allen Apotheken. Man frage + 7,6 OC. — 2,7" 0. Wasserleitungsartikel, Closets Elektrische Klingeln, Telephone, Feuermelder. Komplette Anlagen unter Garantie. Reparaturen. 5881 Carl Graf, Giessen Landgemeinden). Gießen, den 3. November 1902. 7787 Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen. Wiener. >n jeder beliebigen Schriftart und Kanon* Ifiiü tiiiirTPn solle, sowie mit Zirkeln aller studentische« Vereinigungen, liefert zu mäßigen preise» örühl'sche Universität;-Druckerei, Schulstraße Z ateh- uni Bade-Apparate Lyras, Lustres, Ampeln, Kronen modernen Stils Schirme, Tulpen, Cyllnder, Biacker und Stifte. Glühstrümpfe haltbare und von höchster Leuchtkraft I. Qual. pr. St. 45 pr. Dtzd. 4.80 pr. 100 St. 36 JL Landwirtschaft. Nidda, 4. Nov. Oberförster Dr. Weber zu Konradsborf hielt am 1. November im landwirtsch. Bezirksverem des Kreises Büdingen hier einen Vortrag über ,Die Bedeutung des geschlossenen Hosguis für den Bauernstand", em Beitrag zur Organisation der Landwirtschaft, in dem er u. A. sagte, daß die, durch schmierige wirtschaftliche Verhältnisse herbeiaesührte Aufteilung größerer Güler im Osten Deurschlands auch im Westen die Frage der Parzellierung und Aufforstung geschlossener größerer Güler in den Vordergrund gerückt habe. Die planmäßige und grundsätzliche Beseitigung der größeren Güter im Gebiet des parzellierten Grundbesitzes müsse jedoch als eine im höchsten Grade bedenkliche und die Interessen der bäuerlichen Wirtjchasten schädigende Maßregel von der Hand gewiesen werden, da der seitherige günstige Einfluß des Hosgrits auf den landwirtschaftlichen Stlenibctrieb nach wie vor bei den steigenden Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft eine direkte Indienststellung der größeren Güter für diejenigen Aufgaben, welche der bäuerliche Einzelbetrieb noch nicht zu losen vermag und die deshalb von der organisierten Landwirtschaft zu lösen smd, für die Zukunft unvermeidlich erscheine. Zur Lösung solcher wirtschaftlichen Ausgaben sei der Landwirtschaftliche Pro- vlnziäloereiii m erster Linie berufen. Als eine geeignete Form dieses korporativen Zusammenschlusses werde die Herbeiführung einer gesetzlicheii Mitgliebfchaft und Haftbarkeit der Gemeinden empfohlen, wobei den Gemeinden das Recht des Rückgriffs auf den landwirtschaftlichen Grundbesitz der Gemarkung einzuräumen wäre. Die Stellung der seitherigen sreiwilligen nicht hastenden Mitglieder im Provinzialverem würde durch die Organisation nicht berührt. Zur Bestrellimg der Bedürfnisse des Provinzialvereins wären außer den Beiträgen der gesetzlichen unb freiwilligen Mitglieder die m heutiger Höhe aufrecht' zu erhaltenden Slaatszuschüsse tu erster Linie zu verwenden, sodaß eine regelmäßige Beitragsleistung der Grundbesitzer vermieden würde. Ag. Verein für Armen- und Krankenpflege. Außer ordentliche Heneralversümmlung Freitag den 7. November 1902, nachmittags 6 Uhr, im oberen Saale des Gemeindehauses, Kirchstraße 9. Lages-Ordnung: Verkauf des Hauses Äomblumengaffe 6. Die Mitglieder werden hiermit auf Grund der 4, 5 unb 7 ha Statuten ergebenst eingelaben. Bei ber Dringlichkeit der -Lache w irb um recht zahlreiches unb pünktliches Erscheinen gebeten, bamrt Hebt durch Beschluhunfähigkeit Verzögerung Eintritt. SS Der: «orftaud: Schisser. Gerichtssaal. o Gießen, 3. Nov. Schöffengericht. Als Schöffen fungierten Karl Velten aus Lang-Göns und Peter Damm aus Lechgestern. Eine baupolizeiliche Bestimmung schreibt vor. daß nach Aufführung des Sockels eines Gebäudes vor weiterer Ausführung dieses an die zuständige Behörde Anzeige erstattet werben muß, bamit diese sich von der Einhaltung der vorgezeichneten Fluchtlinie überzeugen kann. Wegen Uebertretung dieser Vorschrift war gegen die Architekten R. S. unb B. Strafbefehl ergangen. Der eingelegte Einspruch würbe heute zurückgenommen. — Nachbem sodann der Lumpensammler Justus N. von Gießen wegen rechtswidriger Zueignung eines Schrankes zu drei Tagen Gefängnis verurteilt war, trat das Gericht in die Verhandlung gegen Wilhelm B. aus Rödgen wegen Beleidigung des dortigen Kreisstraßenmeisters ein. Der Angeklagte hat den Beamten bet der Revision seines Schornsteins einen Lügner genannt. Das Gericht verurteilte ihn zu 10 Mark Geld strafe. — Der Dienstmann Friedrich N. von Gießen hat einen anderen Dienstmann, mit dem er aus Geschäftsneid auf gespanntem Fuße steht, fast ohne Veranlassung durch einen Schlag ins Gesicht körperlich verletzt, sodaß der Geschlagene sich in der Klinik verbinden lassen mußte. Diese Rohheit hat der Angeklagte nut zwei Wochen Gefängnis zu büßen.— Der Schreiner Friedrich W. aus Gießen war beschuldigt, dem Martin Will vorsätzlich und ohne jede Veranlassung mit dem Griffe seines Spazierslockes eine blutende Wunde auf dem Kopfe beigebracht zu haben. Die Beweisaufnahme ergab die volle Schuld des Angeklagten. In Anbetracht feiner vielen und schweren Vorstrafen wurde er zu zwei Monaten Gefängnis oerurteilt — Hierauf wurde gegen den Schreiner Konrad P. von hier wegen Betrugs, Wider- ftands gegen die Staatsgewalt, Beleidigung unb groben Unfugs verhandelt. Er hatte in einer hiesigen Wirtschaft Verschiedenes genossen, ohne zu zahlen. Hierzu aufgeforbert, weigerte er sich beharrlich, ein herbeigerusener Schutzmann vermochte ihn nicht zu bewältigen. Als ein zweiter hinzukam, warf sich ber Angeklagte xu Boben, schrie unb widersetzte sich den Schutzleuten, indem er u. A. einen derselben an ber Kehle packte. Obwohl ber Angeklagte heute in ber Hauptversammlung behauptet, ,er wisse boch ganz genau, baß man bie Staatsanwaltschaft nicht am Kragen packen bürse", verkündete ber Vorsitzenbe bas Urteil, lautenb auf 10 Wochen G e f an gnis und Zuerkennung der Publikationsbefugnis. — Die wegen Körperverletzung, begangen an Heinrich Huhn von Gießen, angeklägten Kutscher Heinrich F. und Wilhelm R. wurden von Strafe und Kosten freigesprochen, weil ihnen Notwehr zur Seite stand. — Ten Schluß ber Sitzung bilbete die Strafsache gegen bie beiden Studenten August K. unb Abam S. wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeuge. In ber Nacht vom 19. zum 20. September entstaub zwischen verschiedenen Studenten, welche einen Kommers abgehalten hatten und Kaufleuten, Angehörigen des Vereins ,^Laoana," die ebenfalls dort ihr Vereins- zimmer haben, eine Schlägerei, wobei einige Kaufleute durch Spazierstöcke leicht verletzt wurden. Das Beweismaterial reichte Id« Larvard-Umvepsität und Mitinhaber der Harnwnimn- • 2brt! Mason und Hamlin. Mason ist sehr reich und Mitfl led eines vornehmen Klubs. Als wahrscheinlich gilt, daß ir die Ueberfälle auf wehrlose Frauen in unzurechnungs- ä higem Zustarrde begangen hat, da er schon wegen Geistes- Ir mkheit in dem Jrrenhause zu Waverley interniert ge- v'vsen ist; von dort hatte man ihn vor einem Jahre gegen )öt Willen des Arztes auf Wunsch seiner Familie entlassen. * Ein neues Vineta. Die Stadt Ocos, früher in er der bedeutendsten mexikanischen Häfen an der Pacific- .üifte, ist fast vollständig in die See versunken. Diese Kiturerscheinung ist die Folge einer im April d. I. auf» PszeÄretenen Erderschütterung, die ein Sinken des Hafen- fmrndes bewirkte. * Von Großmütterchens Großmutter wird »errichtet: Ter außergewöhnliche Fall, daß eine Frau ihre , lüichkommen bis zum vierten Gliede um sich versammelt - elfen id'urfte, traf in Hammerdal (Schweden) ein. Es ist I In .1 Gutsbcsitzersgattin Lisbeth Elias dotier in Gjörvik, - icilcher dieses seltene Geschick &u Teil wird. Ihre Tochter >fßt Lisbeth Jsraelsdotter daselbst. Tas Enkelkind heißt Msabeth Nord, die Urenkelin Karolina Persson in Sikas irrb deren Töchterchen, die Ururenkelin, heißt Alma Elisabeth nvd ist sechs Wochen alt. Litteratur. — In den nächsten Lagen wirb (bei Vierfon in Dresben) ber neue Roman von Bertha v. Suttner .Marthas Sinber" erscheinen, ber eine Fortsetzung ihres weltberühmten Anti- Kriegs-Romans „Die Waffen n i e b e rl" ist. Man barf auf biese Fortsetzung nach ben verschiebenen Kriegen ber letzten Jahre gespannt fein'. — Im gleichen Verlage erscheint auch ein neues Buch von Emmy v. Egiby unter beut Titel .Erschwiegen", sowie bereits bie 4. Auflage bes Reich'scken Buches »Ibsens Dramen", bas als das beste Werk über oen nordischen Dichter und Denker anerkannt worden ist. lehbig seM betzy -s-E W HSMhk ob eben Don ch Nach lornifge Senjegunae? ^sentlicher 6$ 9ejl, mit Kaiser }10" in einem Artikel »ig mar es; man E an der Kite Wz fahren und ihn J vor San Marco rach viel unb lebhaft m Megung, Uz a . Lrmbungslreppe q sehen, daß ber Äaiji: ifl- Kaum aber haiü hohenzollern" gelt;; n- ist schwer, bei aidgeroorfenen Lopsc Vergnügen, Lckch esicht verklarten. L u bei deutsche Wer von ben M lenblid sesthieüqrcht i unter ben tonen harakteiiMM achen, uni M ber TogenMi schien sich rch den Villen dieses en herrsMick lebte. c in Wilhelrnshöhe; er PublikM von etiDi ere, bilbeten vor btt er. ftein MiMgm ■ taife:lid)en Wager ejirecktem Am bet Lei W; i ihre hoehruse, i leite unb grüßte t Familienvaters, k i Vasallen freut Mu canjoje gebraucht bei it von Stolz gehoben M hatte." Ter WagistratM einmSireau* Ud. “ttbmw Mi » 8* Ä ubieren. öch &n X vier ümbem-^ S Licht ber Welt er, 7te lch an bet Av »ach, w ich rmts AD 1 150 Mnd in. *.» 6eru^b« einer ren, ,a J, $>tcnf ,t an/ DOn 5 W W .. I , St. AM? e E roelchel Ml-- ce^Ln oü m ytd0*' 35 „ 3.60 JL, „ 28 Jt Eisenbahn Zeitung. München, 4. November. Die »Allg. Ztg." schreibt: Die vom Staatsministerium eingesetzte Kommission zum Studium der Verhältnisse ber Pfälzischen Eisenbahnen beendete gestern nach 14tägiaem Aufenthalt in ber Pfalz ihre Thätigkeit. lieber bas Ergebnis wirb mit möglichster Beschleunigung ein Bericht ausgearbeitet unb bem Staatsministerium in Vorlage gebracht, auf Grunb besten bie Verstaatlichungsfrage erwogen und Verhanblungcn zwischen bem Ministerium unb ber Verwaltung ber Pfälzischen Bahnen geführt werben können. Die Kommission konnte sich über alle Verhältnisse unterrichten. Abgesehen von einzelnen Berechnungen, welche bie Leistungsfähigkeit ber Pensions- tafle unb anbere Personalverhältniste betreffen, genügt bas gesammelte Material vollauf unb ist bas Ergebnis der Thätigkeit bet Kommission burchaus geeignet, eine zuverlässige Grundlage für die ypeitere Behandlung ber Verstaatlichungssrage zu bilden. Bekanntmachung, Aufstellung der Wählerlisten für die Handelskammerwahlen. Auf Grund des Gesetzes vom 6. August 1902, die Handelskammern betreffend, haben an Stelle der seitherigen Mitglieder der imterAeichneten Handelskammer Neuwahlen stattzuftnben. Da nach Art. 3 Abj. 2 Nr. 4 dieses Gesetzes auch Bergwerks- is 'rllschasten ber im Art. 5 des Einführungsgejetzes zum Hanbels- ritibud) bezeichneten Art wahlberechtigt sind, sofern sie zu einer ber Indien Klaßen der Gewerbesteuer veranlagt sinb, so richten roir an bi.! bett. Bergwerksgesellschaften unseres Bezirks bas Ersuchen, sich Io-ort unter Beibringung einer ortsgerichtlichen Beschermgung über bm Sitz, Namen unb" bie Vertreter bes Unternehmens bei der unterzeichneten Handelskammer zur Aufstellung der Wählerlisten arnumeiben. Gießen, den 5. November 1902. 7779 Die Grobherzogliche Handelskammer. Der Vorsitzende. Koch. UniverMs-Ulichrichten. Wien, 4. Nov. Aus Anlaß des b0jährigen Doktor- mb i l ä u m s ersd)ienen heule beim Präsidenten bes Reichsgerichtes tliger, ber Rektor ber Wiener Universität, mehrere Professoren ::en luristischen Fakultät sowie eine Anzahl Aborbnimgen, um ben jurbilar zu beglückwünschen. Ministerpräsibent von Körber gra= . ;.il:erte persönlich. Auch von zahlreichen inländischen und auS- 4i bischen Universitäten sind Glückwünsche eingelaufen. — Der Wiener Professor Dr. Lorenz war bekannt- dH nach Chicago berufen worben, um der verkrüppelten Tochter nieeS dortigen Millionärs durch eine von ihm erfundene unblutige ! [peration zu Helsen. Nack) bem Bericht dortiger Blätter hat es : “ iu:n dort stürmische Austritte gegeben, als Professor Lorenz bekannt iernacht hatte, er wolle unentgeltlich Operationen an linnen vornehmen. Es war der besondere Wunsch des Pro- | Assars Lorenz, daß eine möglichst große Anzahl von Studenten u lernen Demonstrationen zugelassen werben solle. Nahezu 1000 bi ubenten stellten sich bei bem Spitalthore ein, um aus ben Einst!' laS zu warten. Außerbem erschieiien viele Hunberte von ver° In ppelten Stmbern in Begleitung ihrer Angehörigen, in ber Hoff- r.u 4ig, ber berühmte frembe Gelehrte werbe auch ste von ihrem öcSrechen heilen. Tie Stubenlen riefen : „Hurrah tor the Auetruml1* ijj’ öa das Thor nicht geöffnet wurde, begannen bie Angesammelten ihren regelrechten Angriff. Der Hausverwalter suchte bie Menge J. nm bem Hinweise auf bie Gefahr, in ber sich bie kranken Kmber ietinben, zu beruhigen; aber erst einer Polizeiabs'ilung gelang es, ib !ie Ruhe herzustellen. Als enblich das ^hor^gebünet wurde, . „bnnte nur ein Teil ber Stubenten Einlaß sinbel^ Niehr als 500 ilmsuchen um Vornahme von unblutigen Operatrsren nach seiner N«lhode wurden an Prosessor Lorenz gestellt. Professor Lorenz ist M nrbt imstande, allen Anforderungen nachzukommen, hofft jebock), B lali bie Aerzte, bie seinen Demonstrationen mit gespanntester Auf- .1. nerffamfeit folgen, nach feiner Abreise befähigt fein werben, seine N«thode erfolgreich anzuwenben. — Das Frauenstudium iu der Praxis. Nachdem die haurretische Seite des Frauenstudiums bis zur Ermüdung oft von ?j| iit tunb unb Femb erörtert worben ist, bürsen bie Bekunbungen ber | Uraftifer ein erhöhtes Interesse in Anspruch nehmen. So hat sich Dm längst ber bekannte Wiener Litterarhistoriker Jakob Aiinor, tee in biesem Punkte begreiflicherweise besonbers viel Erfahrung I« flrnmeln konnte, ba bie schönen Künste bei ben studierenben Frauen cm meisten Zuspruch sind en, über die weibliche Studentin aus- (j^rlid) geäußert. Er klagt über einen oft übertriebenen unb un- ta ren Bildungsbrang, bem vielsack) die nötige wissenschaftliche Unterlage fehle unb zitiert als besonderes Kuriosum, daß v lehrermnen, bie auch nicht einen einigen Tag an ber Universität t Uflebracht unb nicht eine einzige Vorlesung gehört haben, sich.yur :• ly ceallehramtsprüsung melben, bie in Oesterreich an ein breijäh- :Ws Universitätsstubium geknüpft ist. Hingegen weiß er über seine ;i legulär oorgebilbeten Sd)ülermnen, insbesonbere seine Semina- ; nfnnmen, nur Günstiges zu berichten. »Ihre Arbeiten sind in ber 1 Hegel fleißig, in Form unb Inhalt sauber, nie geschleubert, wie es lei ben Herren ab unb zu vorkommt; sie erheben sich auch ei ch t s o hoch über den Durchschnitt w i e die besten iHbeiten ber Herren. Ter hervorstechenbsle Nachteil ihrer ildieiten ist eine gewisse Unselbstänbigkeit: sie halten s i ch :ütn an ein vorhanbenes Nl uster, bas sie peinlich -cachsticken, unb sie zitieren kritiklos gute unb flechte Bücher und Schriftsteller durcheinander/ Während Herren vorzugsweife der philologischen Fachwissenschaft zuge- i)(ai sind unb barüber oft genug die naive Liebe zur Litteratur iccgeflen, fei bei ben Damen als befonberer Vorzuä die Begeiste- Eg für bie ber Wissenschaft zu Grunbe liegenbe Dichtung her- iv'izuheben. Dieses Urteil, bas ben Frauen Enthusiasmus unb Mangel an Kritik zuspricht, stimmt in bemerkenswerter Weise mit sicheren Aeußeruiigen anbercr Professoren überein. — Unter den 2792 Dozenten der Universitäten befinden sich iach den jetzt vollzählig vorliegenden Vorlesungsverzeichnisse für :qJ begonnene Wintersemester 141 Adelige — 5 Prozent; davon md 3 Grasen unb 12 Freiherren. Von ben 695 Dozenten ber rrschnischeii Hochschulen bebienen sich 38 — 5.4 Prozent ber Abels- laictiteL Ten höchsten Prozentsatz an adeligen ober geabelten ßmojefloren weist Tübingen mit 18 Prozent auf. Nächst Tübingen cinrnt Nlünchen mit 15.12 unb sobann Würzburg nut 7.8 Proz. Urr. ben norbbeutschen Universitäten ist der Adel viel spärlicher jetrtreten. Der Prozentsatz an Abeiigen ist beispielsweise für Mioct 0, Leipzig 0.9, Gießen 1.0, Königsberg 1.7, Bonn 2.0, Greifswald 2JL, Berlin 5.0. Derselbe Unterschied im nummerischen Verhältnisse von Abel zu Bürgertum macht sich an ben Technischen Hochschulen im Norben unb Süden von der Mainllnie bemerkbar. Währenb in München ber Prozentsatz bes AbelS mit 16.8, in Karlsruhe mit 6.6, in Stuttgart mit 7.6 Prozent bemessen ist, beträgt er für Berlin 1.3, Aachen 2.7, Braunschweig 2L, Hannover 3.2. Tie kulturhistorische Bebeutung biefer Zahlen wirb freilich burch bie Thatfache abgeschwächt, baß in Subbeutschlanb bie Führung des Adelstitels häufig ben Inhabern gewisser Orben znkommt, Männern, bie rem bürgerlichen Kreisen entstammen. Es läßt sich also nicht mit Sicherheit behaupten, baß in Sübbeutschlanb der Abel einen viel regeren Anteil am geistigen Leben ber Nation nimmt, als in Nordbeutschland. Immerhin sind Andeutungen hierfür vorhanden. Kunst uni» Wissenschaft^ Berlin, 4. Nov. Gestern hat hier unter bem Vorsitze bes Dr. Kaiser- Nürnberg auf Veranlassung bes Bunbes beutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler eine Versammlung von Interessenten für Konservierungsmittel stattgefunden, in welcher eine Reihe hervorragenber Sachverstan- biger, wie Geheimrat Liebreich, Dr. Lebbin-Berlm, Dr. meb. ti. Gerlach-Wiesbaben, Dr. meb. Schmibt-Nürnberg, sowie ber Reichs- tags-Abg. Dr. Niüller-Meiningen teilgenommen haben. Es würbe beschloss en: 1. In einer mit Grünben versehenen Eingabe an ben Reichskanzler zu beantragen, daß das technische Material zur Begründung von gesetzgeberischen Maßnahmen auf dem Gebiete der Nahrungs- unb Genuß - Mittel, bevor sie als Grunblage ber Gesetzgebung verwenbet werben, ben offiziellen Vertretungen ber Interessentenkreise zur Begutachtung vorgelegt werbe, 2) die physiologische Wirkung ber Konservlrungs- mittel m umsassenber Weise burch exakte Forschung sachgemäß sest- zustellen, 3) burch geeignete Maßnahmen Aufklärung über bie Wibersprüche unb Unrichtigkeiten bei ber Beurteilung gefärbter Nahrungsmittel zu schaffen insbesondere mit Bezugnahme auf bie Reichs-Vereinbarungen. In ben Verhanblungen würbe bie technische Begrünbung bes Reichsgesunbheitsamtes, welche zu dem bekannten Verbot bes Bunbesrats geführt haben, als vollständig unzureichend und teilweise sogar fehlerhaft nachgewiesen. November Barometer auf 0° reduziert 1 a 1 ber Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit -C 't ! r Windstärke --- Wetter 5. 226 748,4 + 7,4 5,9 77 8 1 Sonnenschein 5. 926 748,7 + 2,7 5,1 91 SSE. 1 stemh. Himmel 6. 7“ 747,9 + 2,6 5,2 94 ÖE. 1 Heller Hmunel giebt den Schuhen wunderbaren Glanz. R Schumann. J. Brahma, Chr. W. Gluck. A. Grüneöaum’8 Möbelmagazin Giessen Bahnhofstrasse 35 Bahnhofstrasse 35 Carl Nowack Kolonialwaren und Konserve». Gegründet 1836. 7626 Reichs-Post-Bitter {trage 48. (6611 Erste Gießener Sihneiibesohlnnstnll Wolkengaffe 20. Schlobgaffe ö. Kesoylt schnell, gut und billig Wodervareuy ms. Spezial - Seidenhau» Fr. Lisst. Hogo Wolf. A. Mendelssohn. A. Reisenaaer. J. Brahma. seit einem halben Jahrhundert allerorts ärztlich empfohlen gegen Magenleiden und Appetitlosigkeit. Nachweislicher Versandt ca. öUUUCH) Liter. Zu haben in den meinen holomal- ronrcn-, Sdjubroaren- u. 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I k» B-dur, op. vv . . . 1. Lieder: aj Dein blaue* Auge, op. 69, Nr. 8 . b) Ach wende diesen Blick, op 67 Nr. 4 o) Wie bist du, meine Königin, op. 82, Nr. 9 d) Sandmännchen .... 8. „Reigen seliger Gehler*- aas „Orpheus“ (für Orchester frei bearbeitet von t-ellx MottL) 4. Lieder: a> Ueber allen Gipfeln ist Ruh . b) Heimweh ..... 6) Au» dem Nachtlled Zarathustras d) Eii kehr . . . . < 5. Akademische Fest Ouvertüre, op. 80 ähmaschinen kauft man am besten und billigsten beim Fach manne, der auch ein reichhaltiges Lager unterhält in Fahr katen von: H. Koch * Co., AkU-Geselkch., Bielefeld. G. Winselmann, Altenburg. Titte) A Mess, Saalfeld. Eine erstklassige, hocbarmlge Tretmaschlne (Präzisionsarbeit) mit gebogenem V« rschlusikasten mit bjähr. Garantie, das Feinste am Markte Mark 75.- Alice-Schule. Donnerstag de» 6. November beginnt bei- Weihnachts-Kurs. Unterricht in sämtlichen Stickereien, Schnitzen, Brandmalerei, Leberschnitt u. s. w. 7724 Anmeldungen von 8—12 Uhr im Schullokal. L. 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