Nr. 834 tL-ttch außer Sonntags. De» Dtehener Anzeiger werde« tm Wechsel mit dem Lefßfchen Landwirt die Gießener Familien« büittrr viermal in der Woche beigelegt. Notationßdruck u. Btt- leg btt «rühNcken Uoloerß-Buch- u. St ein- druckerri (Pietsch Erben) Nedakttoa, Expedition und Druckerei: Gch«lftraße T. Adresie für Depeschenr Nn»eiger Gießen. ^ernsprechanschluß Nr. 5L Erstes Blatt. 152. Jahrgang Montag 6. Oktober 1902 Gietzener Anzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugSpret», monatlich7bPs., viertel« sährUch Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6ö Ps.; durch diePost Mk.2.— vterlel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« vormittags 10 Uhr. Zetlenprei«: lokal 12Pf. auSwärt« 20 Psg, Verantwortlich, für den polil. u. öligem. Steil: P. Wittko; für .Stadt und Land" und .Gerichtssaal" Eurt Plato; sür den Anzeigenteil: Han« Beck. Kie heutige Dummer umfaßt 8 Setten. 1-1 1 . -L.’L! — -1.....Bl. _!.■■■■ !— ' .... ----- Politische Tagesschau. Die Strömung «ach links tu der nationalliberalen Partei macht sich immer stärker bemerkbar. Eine Reche der hervorragendsten Parteiblätter geht mit dieser Strömung und giebt sich große Mühe, den in Eisenach bevorstehenden nationalliberalen Delegirtentag und damit die ganze Partei in die gleiche Richtung zu drängen. Man müsse sich, heißt es, wieder mehr auf den liberalen Charakter besinnen und diesen kräftiger betonen. Man müße schärfer die selbständige liberale Weltanschauung der nationalliberalen Partei bekennen. Daraus ergiebt sich dann von selbst die Forderung, von tyen Konservativen mehr abzurücken und sich den Linksliberalen zu nähern. Wie weit da? Drängen nach links in Eisenach Erfolg haben wird, ist abzuwarten. Einige Schwierigkeiten werden sedenfalls im Wege stehen. Das ist zunächst eine stark agrarische Strömung innerhalb der Partei. Will man die Graf Oriola, Frhr. Heyl zu Herrnsheim u. s. w. einfach aus der Partei hinauSwerfen? Dann dürste man sich um so und so viel Mandate bringen. Die weitere Schwierigkeit bietet die Frage: Wohin denn nun nach links? Das Beispiel der Mainzer Nationalliberalen, die für-die bevorstehenden hessischen Landtagswahlen den Freisinnigen, Demokraten und Sozialdemokraten ein Kartell angeboten haben, dürfte in Eisenach kaum zur Nachahmung empfohlen werden. Mit den Sozialdemokraten zu gehen, würden schon die vielen Großindustriellen nicht gestatten. Eine Anlehnung an die Freisinnige VolkLpartei oder die süddeutschen Demokraten würde nicht von Dauer sein, weil diese freisinnige Gruppe bei MUitär- und Marinevorlagen versagen würde. Es bliebe also nur die Freisinnige Vereinigung. Aber auch an sie könnte man sich doch nur enger anschließen, wenn man den Liberalismus auch auf wirtschaftlichem Gebiete gründlich bethätigen, also möglichst zum reinen Freihandel schwören wollte. DaS wird man aber nicht wollen. Das „Frankfurter Journal" pflanzt für den Parteitag die Fahne mit der Devise: „Kampf gegen den Ultramon- tanismus!" auf. ES müsse, sagt das Blatt, gegenwärtig ganz energisch Stellung genommen werden gegen die unter dem neuen Kurse eingeleitete Umschwenkung zur Ultra- montanisierung der inneren Reichs- und Einzelstaatenpolitik. Der Liberalismus habe sich in dieser Beziehung nicht als zuverlässig erwiesen, sodaß einer prinzipiellen Anlehnung an ihn nicht das Wort geredet werden könnte. Und die Korrespondenz der westfälischen Nationalliberalen erhebt gegen die Konservativen und Freikonservativen bittere Vorwürfe, daß sie dem Zentrum mehr und mehr zur ausschlaggebenden Stellung verhalfen hätten. Deutsches Reich. Berlin, 5. Okt. Der Kaiser richtete an den General ber Kavallerie a la suite des Leib-Garde-Husarenregiments v. Krosigk das nachstehende Telegramm: „Ich wünsche Ihnen zu dem fünfzigsten Jahrestage des Beginns Ihrer ehrenvollen, in Krieg und Frieden gleich bewährten militärischen Laufbahn von Herzen Glück und erinnere Mich, dabei gern und dankbar Ihrer hohen Verdienste um die deutsche Reiterei und um Meine kaval- leristische Ausbildung. Wilhelm." — Admiral Prinz Heinrich hat nach einer Privatmeldung aus Kiel einen 45tägigen Urlaub erhalten und wird nach der Uebersiedelung von Gut Hemmelmark nach Kiel zunächst mit seiner Familie die Reise nach Darmstadt antreten. — Heute mittag fand auf dem Kirchhofe der Luisen- Gemeinde zu Charlottenburg die Beisetzung der verstorbenen Stadlrats Kaufs mann statt. Pastor Fischer hielt die Trauerrede. Er schilderte den Verstorbenen als Mensch, dessen vornehmster Zug die Treue gewesen sei. Seine fortschrittliche Gesinnung entstrahlte den Idealen, die er sich selbst gebildet hatte und die ihn rastlos vorwärts streben ließen rund ihn befähigten, ein hervorragender Führer des Volkes zu werden, darum wollte er auch treu der Gesamtheit dienen, der Stadt und auch dem Staat und mit seinen hervorragenden Arbeiten im Schoß der Gemeinde sowie als Mitglied des Reichstages dem Volke seine Dienste weihen. Um so bitterer mußte er es empfinden, als es ihm versagt wurde, an die Spitze der Stadt zu treten, um ein weiteres Feld seiner Thärigkeit zu erhalten. Die.e Enttäuschung habe ihm auch das Herz gebrochen. Als er aber sah, daß seine Wahl der Stadt Schwierigketten bereitete, da habe er den Mut der Entsagung gehabt und sein Amt niedergelegt. r — Wie der Münchener Korrespondent des „Berl. Tagcbl." erfährt, ist die von der Wiener „Zeit" gebrachte Aeußerung des Prinzen Ludwig, wonach es dem Prinzregenten gelungen sei, zwischen den zahlreichen deutschen Staaten einen Ausgleich in der Zolltariffrage zu finden, richtig. Die Aeußerung fiel im vorigen Jahre, als die Zolltarisdebatten bereits tm Gange waren, gelegentlich einer Tischrede. Trotz dieses von Bayern bewirkten Ausgleiches hat Bayern doch nachträglich im Bunde mit miberen süddeutschen Negierungen Stellung gegen sehr viele Positionen im Bundesrate genommen und wird im Reichstage noch bedeutend schärfere Stellung gegen einzelne Positronen nehmen. Man ist über den Verlauf der Beratung, namentlich über die Annahme eines neuen § 10a, der die Beseitigung des kommunalen Oktrois auf Lebensmittel verlangt» sehr verstimmt. — Die Ministerpräsidenten der größeren Bundesstaaten weroen Mitte Oktober in Berlin eine Konferenz mit dem Reichskanzler Grafen Bülow über den Zolltarif haben. — Wie dem „Lok.-Anz." von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, erhält sich in den Regierungskreisen, die den Zolltarif bisher zu vertreten hatten, die Hoffnung, daß doch etwas zu stände kommen werde. Man glaubt, daß sich schließlich aus allen tarifsreundlichen Parteien eine genügende Anzahl von Mitgliedern zusammen- inden werde,- um dem Regierungsentwurf zur Annahme zu verhelfen. Eine Nachgiebigkeitder verbündeten Regierungen bezüglich der Mindestzölle ;ilt nach wie vor als ausgeschlossen. Was die ge- chästliche BehaiMung anbetrifft, so glaubt mau durch ab- chnittweise Zusammenfassung der Diskussion die Vorlage in einigen Monaten erledigen zu können. Kauptversamrulung der Mitglieder des «Landes- gtwerbevereins. (Originalartikel des „Gieß. Anz.") sd. Darmstadt, 5. Oktober. Anwesend waren als Vertreter der Hess. Reigierung Ministerialrat Braun, ferner: Provinzialdirektor von ® r an ci), Beig. Baurat Jäger als Vertreter der Stadt Darmstadt, als Vertreter des Verbandes Pfälzischer Ge- werbeoereine Sekretär Jung-Kaiserslautern. In seiner Begrüßungsansprache wies der Vorsitzende daraus hin, daß die Thätigkeit des Vereins sich so vielgestaltig entfaltet habe, wie in keinem anderen deutschen Staate. Als wichtigste Aufgabe, welche dem Verein geworben, erwähnt Redner die Uebertragung des gewerblichen Unterrichtswesens seitens der Regierung. Reich an Ausgaben und Mitteln zu ihrer Erfüllung sehe man den Wirkungskreis des Vereins ausgestattet und zur Entfaltung seiner Thätigkeit dienen: „Gewerbe- und Fachschulen, Meisterkurse, Wandervorträge, Gesellenprüfungen, technische Vorbilder und Vorbildersammlungen, eine umfangreiche, dem ganzen Lande dienende gewerbliche Bibliothek, die Vereinszettschrist „Gewerbeblatt", die Chemische Prüsungsstation, Ausstellungen und Preisaufgaben. Das Band des Landesgewerbevereins umschließe über 10 000 Mitglieder, an 9600 Schüler und über 400 Lehrer, also mehr als 20 000 Personen. Das auf den Gewerbestand ausgebrachte Hoch wird mit großem Beifall ausgenommen. — Als Ort für die näajfte Hauptversammlung wird hierauf Mainz gewählt, da im nächsten Jabre daselbst die 21. Jahresversammlung des Verbandes der deutschen Gewerbevereine stattfindet, mit welcher eine große Ausstellung von Schülerarbeiten, sowie verschiedene Fest- lichleiten, Rheinfahrten re. stattfinden. In einem längeren, sehr interessanten und lehrreichen Vortrag spricht hieraus Seminarlehrer Buxb au m-Bensheim über die Berufsbildung ider Handwerker und erläutert dabei folgende Leitsätze: 1. das fortgeschrittene Kulturleben unserer Zeit, insbesondere die hochentwickelte Technik, der gewaltige Auf- chwung auf kunstgewerblichem Gebiete, die Erweiterungen der Berufsgrenzen im selbständigen Handwerk und die charfe Konkurrenz machen eine vorzügliche berufliche Bildung für den Handwerkerstand zur unabweisbaren Notwendigkeit. 2. dem Lehrlingsverhältnis liegt ein auf die Gewerbeordnung sich stützender Lehrvertrag zu Grunde, in dessen Erfüllung es der Lehrherr als Ausfluß seiner väterlichen Rechte ansieht, den Lehrling in seinem Gewerbe nicht bloß praktisch gründlich auszubilden, sondern ihm auch die geeignete und ausreichende Zeit zu gewähren, daß er sich in der Fortbildungs- und Fachschule diejenige elementaren Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen vermag, welche er zur zeitgemäßen Ausübung seines Berufes bedarf, aber in der Werkstatt oder auf dem Bauplatz nicht in ausreichendem Maße erwerben kann. 3. die Volksschule, welche als allgemeine Schule vorzugsweise das „W o r t" als Bildungs- mittel benutzt und mehr das Wissen wie das Können, die Kenntnisse mehr wie die technischen Fertigkeiten berücksichtigt, trägt somit den Charakter einer Wissensschule und wird durch Verwendung eines möglichst wertvollen und praktischen Lehrstoffes zur grundlegenden Anstalt für die gewerblichen Fachschulen. 4. die Handmerksmeister müssen es als eine Ehrensache betrachten, ihren Lehrlingen den Besuch der Sonntagszeichenschule zur Pflicht zu machen, und den Schulbesuch in der gehörigen Weise zu übernehmen. Pflicht der Ortsgewerbevereine und Schulvorstände wird es sein, diese Schulen den neuzeitlichen Anforderungen entsprechend zu leiten und zu heben. 5. die obligatorische Fortbildungsschule vermittelt keine Fach- und Berufsbildung, aber solchen Lehrstoff, der zu praktischem Denken führt und in das praktische Leben überleitet. 6. der hessische Landesgewerbeverein hat ein prinzipiell berechtigtes Interesse an den gewerblichen Fortbildungsschulen und wünscht deren Errichtung überall da in den Ortsgewerbevereinen, wo sich auch die nötigen technischen Lehrkräfte finden; er will diese Schulen im Rahmen der allgemeinen Fortbildung geleitet und den Kräften der Schüler entsprechend nach ber gewerblichen Seite hin erweitert sehen. 7. die Ortsgewerbevereine, welche zur Abhaltung von Gesellenprüfungen berechtigt sind, haben den Lehrlingen durch die gewerbliche Fortbildungsschule oder durch besondere Lehrkurse Gelegenheit zur theoretischen Vorbereitung zu geben und bei diesen Prüfungen besonders die technisch-wirtschaftliche Seite zu berücksichtigen. 8. der praktische Teil der Gesellenprüfung hat in erster Linie die handwerklrche Tüchtigkeit des Lehr- jungen zu zeigen; Schau- und Prunkstücke mit vvrgenchteten Teilstücken aus anderer Hand sind cckzuweisen: für gleiche Gewerbe ijt — wo überhaupt thunlich — eine Werkstatt iu wählen. 9. die Errichtung von Meisterkursen für die >er Meisterprüfung sich unterziehenden Gesellen ist an allen gewerblichen Schulen geboten, an denen sich berufene Lehr- räfte hierfür finden; in erster Linie sind aber die Gewerbe- chulen dazu berufen. 10. richtig geleitete Weiterbildungs- lurse für die Handwerksmeister bilden ein sehr wirksames Mittel für deren zeitgemäße Fort- und Ausbildung. Nach kurzer Entgegnung durch Hofmann-Beerfelden werden die Leitsätze angenommen und dem Referenten Dank für seine tüchtige Arbeit ausgesprochen. Genossenschaftsdirektor Paech berichtet hierauf über das Thema:Förberungdesgenossenfchaftlichen Zusammenschlusses in Hessen und schlägt zum Schlüsse folgende Leitsätze vor: Zur Förderung des genos en- chaftlichen Zusammenschlusses der Handwerker in Hessen wird iben Ortsgewerbevereinen und Bezirksausschüssen empfohlen: 1. durch Vorträge und Belehrungen das 23er- tändnis für das Genossen sch aftsw es e n im allgemeinen zu wecken und zu verbreiten. 2. durch besondere Versammlungen die Handwerker zur Errichtung von Genossenschaften direkt anzuregen. 3. die notwendige Errichtung der Zentralkasse, sei es durch finanzielle Beteiligung der Vereine selber, sei es durch Gewinnung von Privatpersonen hierfür, zu unterstützen. 4. im Falle der Bildung von Genossenschaften für die Vorstands- und Aiufsichtzsratsmitgliöder Unterrichtskurse in der genossenschaftlicyen Geschäfts, ührung einzurichten, bezw. denselben die Teilnahme an derartigen bereits anderswo eingerichteten Kursen zu ermöglichen. In der sich anschließenden Diskussion weisen M a r b u r g _- Michelstadt, Kais er-Grünberg und Petri-Gießen auf die Schwierigkeit der Bildung von Genossenschaften aus dem Lande hin, werden aber von T-r. Schröder-Darmstadt, Hofmann- Beerfelden, Jochem-Worms, Rockel-Darmstadt und dem Referenten besonders durch den Hinweis auf die großartigen Resultate der landwirtschaftlichen Genossenschaften widerlegt, woraus die Leitsäße Annahme finden. Ken tlin g er-Offenbach berichtet hierauf über den Antrag des Dezirksverbandes Offenbach, Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung mit Beitritte» zwang und schlägt nachstehende Leitsätze vor: „Die am 5. Oktober 1902 zu Darmstadt tagende Hauptversammlung der Mitglieder des Landesgewerbevereins erblickt in den erhöhten Versieherungsprämien und erschwerten Bedingungen für die Versicherung gewerblicher Betriebe, welche das Syndikat der im deutschen Reiche jugelaffenen Feuerversicherungsgesellschaften ausgestellt hat, eine ernste Gefahr für den Gewerbestand. — Seit Jahren vermehren sich im Großherzogtum die Klagen über die wachsenden Versicherungsprämien und die Thatsache liegt vor, daß eine Anzahl besonders feuergefährlicher gewerblicher Betriebsanlagen seitens der Versicherungsgesellschaften die Aufnahme verweigert, ober burch unerschwinglich hohe Prämie un- möglich gemacht wird; die Hauptversammlung richtet daher im Hinblick auf die in Hessen seit mehr als 100 Jahren bestehende Lanbesbrandversicherungsanstalt, an Großherzogliche Regierung bie Bitte: „Es möge im Großherzogtunr die Einrichtung einer staatlichen Mobiliarversicherung mit Beitrittszwang getroffen werben. Dr. Schröder beantragt Zurückverweisung des Antrags an den Ausschuß, zieht aber seinen Antrag zurück, nachdem er vom Vorsitzenden darüber aufgeklärt wird, daß die ftrage im Landtag eingehend behandelt und durch die Regierung hinreichende Er- hebungeii angestellt seien. Der 2£ntrag wird hieraus angenommen. Sekretär Jung, Vertreter des 23erbandes der Pfalz. Gewerbevereine beglückwünscht den Verein zu seinen guten Resultaten und werden wegen vorgeschrittener Zeit hierauf die Verhandlungen abgebrochen; bie noch vorgesehenen Referate über: ben Stand des gewerblichen Unterrichtswesens in Hessen; Ref.: Inspektor Meyer-Darmstadt und Umwandlung der Sterbekasse: Ref. Handwerkskammersekretär Engelbach-Darmstadt sollen im Gewerbeblatt veröffentlicht werden. Ein gemeinsames, animiert verlaufenes Mittagessen und Se- sichtigung der Stadt mit Umgebung schlossen sich den anregenden Verhandlungen an. Aus Stadt und Land. Gießen, den 6. Oktober 1902. — Gedenktage. Am 7. Oktober 1794 wurde bet Dichter Wilhelm Müller zu Dessau als Sohn eines Schuhmachers geboren. Nachdem er in Berlin studiert hatte, 1813 als Freiwilliger dem Aufrufe des Königs gefolgt war, wurde er 1819 Lehrer am Gymnasium seiner Vaterstadt und Bibliothekar. Seine trefflichen, frischen Naturlieder mit einer seltenen Innigkeit sind zu Volksliedern geworden. Am bekanntesten ist wohl sein Gedicht „Wanderschaft": DaS Wandern ist des Müllers Lust. Schubert war ein eifrige: Vertoner seiner Lieder. _______ ** Durch Allerhöchste Entschließung wurde dem Großh. Kammermusiker Eduard Mohr das Ehrenzeichen für 25 Jahre im Hofdienst zum 4. Oktober 1902 verliehen. — Der Großherzog hat den Vorstand der 23e» triebsinspektion Worms ber H e s s i sch-Preuß ischen Eisenbahngemeinschaft, Eisenbahn-Bau- uno Betriebsinspektor Wo l- perr zu Worms zum Mitglied einer Eisenbahnbirektion in dieser Gemeinschaft und ben Bau- unb Betriebsinspektor bei der Main-Neckar-Eisenbahn, Baurat Simon zu Darmstadt zum Vorstand einer Betriebsinspektivn in der Hessisch- Preußischen Eiseilbahngemeinschaft ernannt. " Stadttheater. Am DienStag gelangt Oskar Blumenthal's neues dreiaktiges Lustspiel ,D4e Fre Ca- price* hier zum ersten Male zur Ausführung. — Der Oberhessrsche Verein für innere Mission wird sein JahreSfest Montag den 10. und Dienstag den 11. November dahier halten. Neben allerlei praktischen und geschäftlichen Dingen wird er sich hauptsächlich mit der für unsere Zeit so brennenden Frage des „modernen Aberglaubens" befassen. Vor allem in unseren Großstädten, aber auch weit durch daS Land hin haben Erscheinungen, wie die sogenannte ,christliche Wissenschaft" mit ihrem geschäftsmäßig betriebenen „Gesundbeten", eine lebhafte Erregung hervorgerufen. Daneben üben Spiritismus und Occultismus auf dafür empfängliche Menschen einen unheimlichen Eindruck und sie werden von betörten Leuten geradezu als das einzige Rettungsmittel gegen den Materialismus gepriesen. Der Vorstand hat geglaubt, dafür einen Referenten berufen zu müssen, der dies Treiben aus eigener Anschauung in der Großstadt kennt, und es ist ihm gelungen, Herrn Hofprediger Stöcker dafür zu gewinnen. Es werden daher interessante Verhandlungen zu erwarten fein. ** Der „Evangelische Kirchengesangverein", dessen Proben am Dienstag Abend wieder ihren Anfang nehmen, bereitet, wie unS mitgeteilt wird, die Aufführung des Weih nachts oratoriums von Heinrich Schütz vor. Die Aufführung soll Mittwoch, den 17. Dezember stattfinden. Eine Verstärkung des Chores wird zu diesem Zweck sehr erwünscht sein. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die ini Anzeigenteil enthaltene Bekanntmachung. Auch solche musikalische Kräfte, die nicht imstande sind, dem Verein ganz als Mitglieder beizutreten, aber sich für diese Gelegenheit zur Verfügung zu stellen, sind willkommen. Besonders gilt dies von sen hochgeschätzten und vielumworbenen Tenören. - Männerturnverein. In der am SamStag statt- zehabten Hauptversammlung erstattete der 1. Sprecher Bericht über die Vereinsthätigkeit im Sommerhalbjahre 1902. ES ist daraus zu entnehmen, daß die Veranstaltungen des Vereins seitens der Mitglieder gut besucht waren und einen sehr hübschen Verlauf nahmen. Auch die turnerischen Leistungen waren befriedigend zu nennen. Aus dem Winterprogramm, das in der Hauptversammlung festgestellt wurde, sei heroorgehoben, daß u. a. das Winterfest am 29. Noo. 1902 in Steins Garten und ein Maskenball am 31. Januar 1903 im Cafä Leib abgehalten werden sollen. DaS Abturnen am Sonntag Nachmittag hatte viele Mtt- gliedcr in der Turnhalle des Realgymnasiums versammelt. Die zum Wettturnen angetretenen Turner zeigten in ihren Leistungen eine gute Schulung und fleißige Hebung. Besonders schön turnte die Zöglingsriege. Bei dem abends in Steins Garten abgehaltenen Familienabend, der von den Mttgliedem und ihren Angehörigen recht gut besucht war, fand die Preisverteilung statt. " Schlittschuhlauf. Der hiesige Eisverein hat heute bereits mit dem Ausschlagen der Geräte sowie Instandsetzung der Eisbahn und der elektrischen Beleuchtung beginnen lassen. ** StadttHeater. Das Adolf L'Arronge'sche Volksstück „Mein Leopold" hat sich auch gestern wieder als ein noch immer äußerst zugkräftiges Stück erwiesen. Der Saal war mit einem für die gute Darstellung sehr empfänglichen und dankbaren Publikum wohl biß auf den letzten Platz besetzt. So alt die Komödie auch Sft, so ist diese ihr innewohnende starke Zugkraft wohl der beste Beweis für ihre wackere Tüchtigkeit, und Herr Direktor Kruse hat deshalb ebenso sehr in seinem Interesse wie in dem seines gestrigen Publikums gehandelt, als er das Stück auf das Programm als Sonntagsvorstellung setzte. Die Aufführung klappte tadellos; die Künstler wurden den an sie gestellten Anforderungen durchaus gerecht, was ihnen durch die treffliche Regie des Herrn Ramseyer allerdings sehr leicht gemacht wurde. Die Musik war von der Kapelle unseres hiesigen Regiments gestellt, die sich ihrer Aufgabe ebenfalls in der anerkennenswertesten Weise erledigte. So war eß selbstverständlich, daß anhaltender Beifall jedem Akte folgte und die Künstler wiederholt vor die Lampen rief. Die gestrige Vorstellung hat auch erreicht, daß sich zwischen dem Theater und dem Publikum jene innigere Verbindung gebildet hat, die für daß künstlerische Empfinden des letzteren und für die Schaffensfreude des Künstlers gleich vorteilhaft und notwendig ist. ** Vandalismus. In der Nacht vom SamStag auf Sonntag wurden nicht weniger als 10 Gaßlaternen in hiesiger Stadt zertrümmert; an einer Absperrung in der oberen Bahnhofstraße wurde eine Sturmlaterne abgenommen und zertrümmert. An mehreren in der Frankfurterstraße befindlichen Lindenbäumen wurden die eisernen Schutzkörbe beschädigt, indem 16 Eisenspitzen abgebrochen und mit einer dieser Spitzen an einem Wohnhaus in der Frankfurterstraße eine Fensterscheibe eingeworfen. Die Thäter wurden ermittelt und znr Anzeige gebracht, es sind dies zwei junge Schlosser, zwei junge Installateure und ein Kommis. ** Zu den Landtagswahlen. Die Wormser Nativ nallibcralen. werden den Abg. Reinhart als Landtagskandidaten aufstellen. Oberbürgermeister Köhler hat bereits erklären lassen, er werde nicht gegen Reinhart kandidieren, falls dieser ein Mandat annehmeu werde. Ta der seitherige Abg. Reinhart nidjt daran denkt, zurückzutreten, so wird K ö h l e r, der in D a r m st a d t n i ch l m e h r aufgestellt wird, ein Mandat überhaupt nicht erhalten, wenn er nicht in einem ländlichen Wahlkreise ausgestellt. ward. Die Wahl des Abg. Reinhart ist absolut fiefjer, weil außer den Nationalliberalen das Zentrum, die Freisinnigen und auch die nationalliberalen Gegner des Frei- yerru v. Heyl für ihn eintreten werden. Die Enticyeidung fällt also in Worms zu Gunsten des direkten gleichen und geheinem Wahlrechts auö. ** Der gestrige erfte DFtoberfonntag verlief, Ä>ie nach der in voriger Woche eingetretenen kalten Witterung nicht anders zu erwarten, ohne irgend welche nennenswerte Veranstaltungen; die Vereine stehen vor den Winter- oergnügungen und benutzen die übrigens wohlthätige Pause zu den dazu notwendigen Vorbereitungen. — Wer einen frischen Luftzug nicht scheut und Freude an Wandern findet, kommt auch jetzt noch auf seine Rechnung; em Spaziergang durch unsere in herbstlichen Farben prangenden Waldungen und über staubfreie, nicht durch Sonnenstrahlen erhitzte Wege und Straßen nach einem benachbarten Orte bietet .nanche Annehnlicksteit und ist der Gesundheit zuträglich. — Die Freiwillige Gailsche Feuerwehr hiett am Nachmittag ihre Schlußübung. Nach dem Gerateexerzieren auf Oswalds Garten fand ein Brandangriff an einem Hause der KaplanS- gasse statt. Geräteübung wie Brandangriff zeigten die gute Schulung der Wehr; der Anerkennung hierfür gab nach Schluß der Hebung Kommerzienrat Gail in einer Ansprache Ausdruck. Die Wehr versammelte sich nach der Hebung in der Sauerschen Wirtschaft zu dem wohlverdienten, mit Musikoor- trägen gewürzten Trünke. — Die Regimentsmusik gab am Nachmittag im Saale des Philosophenwaldes ein gut besuchtes Konzert. — In Atzbach hat der Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Wetzlar eine Obstaussrellung veranstaltet, die am gestrigen Sonntag so stark besucht war, daß zeitweise starkes Gedränge entstand. Die Ausstellung ist gut und mit auserlesenen Erzeugnissen des Obst- und Gartenbaues beschickt, auch mit landwirtschaftlichen Geräten, Keltern, Obst- und Beerenwein. Daß mit Erfolg auch Wein gezogen wird, konnte man an einer stattlichen Anzahl traubengefüllter Schalen sehen; ja, wer noch keinen Weinberg gesehen, findet einen solchen am Südabhange der vor dem Ort befindlichen Anhöhe. Wertvolle Preise, gestiftet von Förderern des Obst- und Gemüsebaues, und Diplome wurden vielen Ausstellern zuerkannt. Die Veranstalter der Ausstellung können mit dem Erfolg derselben zufrieden sein. Gerade in kleinen Orten wirken derartige Ausstellungen anregend. Vermutlich finden in den kommenden Jahren ähnliche Ausstellungen statt. Es wird aber Aufgabe der Veranstalter sein, für geeignetere Räume zu sorgen. Die Atzbacher Ausstellung wenigstens hätte imposanter gewirkt, wenn sie nicht in vier kleinen, dunklen und schwer zugänglichen Räumen untergebracht gewesen wäre. § Kirch- Göns, 6. Okt. Hnser von dem Bahnkörper der Main-Weser-Bahn nur zehn Minuten entfernt liegendes Dorf, wird in Bälde dem lÄsenbahnoerkehr dadurch näher gebracht, daß kurz vor dem Wald eine Haltestelle errichtet wird, die nach dem Fortgänge der Arbeiten zu schließen, im November fertig gestellt ist. Es soll dann die Eröffnung der neuen Station alsbald erfolgen, wodurch auch für die preußischen Nachbarorte Niederkleen und Oberkleen eine 23er» kehrßerleichterung geschaffen wird. § Butzbach, 6. Okt. Tas Mathilden stift hier steht zwecks Errichtung eines eigenen Kasiengebäudes mit der Gemeinde in Hnterhandlung wegen käuflicher Heberlassung des städtischen Bauplatzes am Ende der Bismarckstraße nahe bei dem Amtsgericht; die Gemeinde verlangt 8 Mk. pro Quadratmeter Land, mit welchem Preis das Stift einverstanden sein dürfte. n. Butzbach, 5. Oktober. Die Einweihung des hiesigen Realschulgebäudes ist auf den 14. Oktober festgesetzt. An sämtliche ehemalige Schüler der Anstalt, soweit deren Adressen zu ermitteln waren, ergingen EiulcümnHen. Vormittags findet ein Festzug von dem alten Gebäude nach dem Neubau statt, hieraus Hebergabe des Schlüssels und Eröffnung des Hauses, sodann Feier in der neuen Turnhalle. Hieran schließt sich ein Festessen im „Hessischen Hof". H. Bad-Nauheim, 5. Oktober. Gestern fand man im Wald nach Altstadt zu ein blutgetränktes Hemd, Taschentuch und Strümpfe. Man vermutet ein Verbrechen. Hntersuchung ist eingeleitet. e. Schwalheim bei Bad-Nauheim, 4. Cft In der Scheune des Oekonomen Christian Fleischhauer entstand heute mittag auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise ein großer Brand, dem in kurzer Zeit die Scheune und 2 Stallungen zum Opfer fielen. Die Schwalheimer freiwillige Feuerwehr arbeitete sehr fleißig und auch das nahe Rödgen hatte feine Spritze gesandt. Das Wohnhaus, sowie sämlliches 23ieh wurden gerettet. Die abgebrannten Gebäulichkeiten und deren Ahalt find zum teil versichert. r. Friedberg, 5. Okt. Der Bezirkstag des Bezirks Oberhessen vom GabelSberger Stenographenverein fand am 5. Oktober von vormittags 11 Hhr ab in Friedberg im Hotel „Drei Schwerter" statt. Bickel- Gießen referierte über den Verlauf des Berliner Stenographentages. In kurzen Zügen schilderte er die Eindrücke dieser Versammlung, bedauert lebhaft die infolge der Systemvorlage enstandene Spaltung der Stenographie und spricht die Hoffnung aus, daß trotz des Zwistes nach Jahren wieder eine Einigung zustande kommen möge. Hiernach hält Professor Kramer-Friedberg einen Vortrag über „System- änberungen". Winkler-Darmstadt veranschaulicht an mehreren Beispielen, wie sich die neue Schreibweise geändert hat. Auf die Anfiage Rüppel-Friedderg, ob auch die ältere Schule die neue Schreibweise lesen könne, führt Komo- Offcnbach aus, daß dies gewiß der Fall sei. Der Verbandsvorsitzende, Gymnasiallehrer Zieprecht-Gießen, erstattete hierauf Bericht über die gegenwärtige Lage in der Steno- graphie. Er führt aus, daß infolge der Spaltung sich mehrere Vereine abgetrennt hätten, die Zahl fei jedoch in Nord- und Mitteldeutschland verschwindend — in unserem Verband nur einer — dagegen sei die Lage in Oesterreich und Bayern drohend. Trotzdem könne man hoffen, daß die Kluft sich wieder schließen würde. Es wird alsdann vom Vorsitzenden Schiffnie- Gießen mitgcteilt, daß auf der Versammlung in Griesheim ein Propaganda-Ausschuß gebildet worden sei, an dessen Spitze in Oberhessen Prof. Pitz- Alsfeld stehe. Als Versammlungsort des nächsten Bezirkstages im Frühjahr wird Butzbach bestimmt. — Der Central-Kirchenfonds unterhandelt zur Zeit wegen Ankauf eines Grundstückes, auf dem ein Doppelhaus mit zwei Pfarrwo hnun gen für die beiden evangelischen Professoren-Pfarrer erbaut werden soll. f. Kirchbracht, 4. Okt. Pfarrer Kranepuhl hat im hiesigen Kirchspiel, das acht Dörfer umfaßt, eine sterbe- kaffe errichtet, in die nur Mitglieder des Rai ff eise n- vereins ausgenommen werden. Der Jahresbeitrag beträgt öO Psg. uni> im Todesfälle erhält der üb erleb eni>e Mann 15 Mk., die überlebende Frau 30 Mk. — Diese Woche besichtigten Geh. Regierungsrat Schönfeld, Oekonomierat Müller u.ti, . die meliorierten Hut weid en des Vogelsberges. Tie meisten Gemeinden verlangen freilich die vom Staate oorgeschossenen Meliorationsbeiträge zurück. Ter Vogelsberger Bauer ist der Ansicht, daß ihm nur dann genützt sei, wenn eine Hurweide für [ein gesamtes Vieh errichtet wird, wodurch allein die den Müßiggang grvß- ziehende Einzelhut beseitigt würde. Darmstadt, 4. Okt. Ter Großherzog kehrte gestern abend vmi Holzhausen hierher zurück und übernachtete im Residenzschlosse. -- Gestern nachmittag wurden die sterblichen Hcberrefte deS droßh. Generalftaatsanwalts und Mi- uistenalrats L P., yeimeratS Paul Ä. Schlippe auf dem hiesigen Friedhof zur letzten'Ruhe bestattet. Ein überaus zahlreicher Leichenzug begleitete den Toten auf feine« letzten Weg. Unter den Leidtragenden bemerkte man StaatL- minister Rothe, Justizminister Dr. Tittmar, Finanzminister Gnauth, Staatsminister a. T. Finger, Ministerialräte und andere hohe Staatsbeamte, sowie zahlreiche Vertreter des hessischen Richter- und Anwaltstandes. Am Grabe segnete Kaplan Schneider die Leiche ein, worauf junärfift die Verwandten und danach die anderen Leidtragenden dem Dahin- geschiedenen den letzten Gruß ins Grab nachsandlen, toomit die einfach-würdige Trauerfeier ihr Ende erreichte. __ Wiesbaden, 4. Okt. In Sonnenberg wurde in bet vergangenen Nacht in der katholischen Kirche ein schwerer Einbrüchdi eb stahl verübt Die Diebe drangen nach Beseitigung einer Eisenstange durch das Oberlicht in der Kirchenthür in die Kirche ein. Sie erbrachen den Opferstock und drangen weiter in die Sakristei ein, entwendeten sowohl dort als auch vom Altar die verschiedenartigsten goldenen, silbernen und kupfernen Kirchengeräte. Den Tieben ist es jedoch nicht gelungen, das Tabernakel zu erbrechen. Wohl haben sie dessen äußere Holz-Hmkleidung zerttüm- mert, die innere eiserne Wand des Tabernakel leistete aber allen Anstrengungen der Kirchenräuber Widerstand. fy. Marburg, 5. Okt. An einem Gartengelände im Südvicrtel fand man heule früh, mit dem Kopfe zwischen den Stäben hängend, die Leiche eines etwa 50 Jahre alten Mannes Namens Fritz Stell von hier. Stell hatte weder Angehörige noch Obdach und war als fogen. Straßentype weit und breit bekannt. Infolge eines schweren Rausches war er jedenfalls gegen den Zaun ge- fallen und dann in dieser hilflosen Lage erstickt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und de» Nachbarstaaten. Die Nachricht der „Wiener Zett", du Darmstädter Dame, die in die Affaire Palriz Huber- Commichau verwickett ist, fei in eine Nervenheilanstalt gebracht worden, wird dahin richtig gestellt, daß sie sich auf ärztliches Anraten nach dem Sanatorium Schloß Hornegg am Neckar begeben habe. .....— .. .. 1 ' 1 ■ i Der Könitz er Mord vor Gericht. Berlin, den 4. Oktober 1902. In der heutigen Sitzung im Prozeß gegen die,2taatSb. Ztg.' wurde der Erste Staatsanwalt Schweigger aus Komtz vev nommen. Derselbe gab ein Bild von den Zuständen, die er vor gesunden, als er nach Könitz kam, und von den Ansichten, die e auf Grund feines sorgfältigen Studiums der Akten gerooimen habe Was die Maßlossschen Beschuldigungen des Lewy betreffen, so er klärt Zeuge, daß er nach vollständigem Studiuni der Akten oo, der vollständigem Unglaubwürdigkeit des Maßloff überzeugt sei Des iveiteren bekundet Zeuge, daß er auch der schwierigen Frag des Ritualmordes naher getreten sei. Erhöbe sich gesagt wenn ein Ritualmord vorliegen sollte, so könne er nur von Jude» des allergrößten Aberglaubens und größter Rückständigkeit ba gangen fein. Wenn solche Juden koscheres Blut brauchen, würde, |ie natürlich nur Blut von lebenden Wesen, welche koscher ge schlachtet sind, erstreben, d. h. bei denen eine Erstickung nicht mt vorliegt. Aus der andern Seite mußte ein so kräftig gebauter Mensch wie Winter von vornherein als ein ganz ungeeig netes Objekt für ein solches R i t u a l-B e r b r e ch e» erscheinen. Er habe aus Allem die feste Heberzeugung gewonnen daß dem Maßloff kein Wort zu glauben sei und damit fall« j ed er B erd a ch t, der gegen hie Juden überhaup voraebracht werden konnte. Sachverständiger Gerichts' arzt Dr. Stürmer bekundet, auch nach seiner Heberzeugung sei Winter durch eine Kombination von Erstickung und Verblutung gestorben. Ein Schächtschnit liege nicht vor. ES folgt die Verlesung deS Obergutachtens bd Danziger Medizinal-KolleginmS. Es gipfelt in folgenden Sätzen 1. Der Tod des Ernst Winter ist durch Erstickung erfolgt 2. Die Annahme, daß der an der zerstückelten Leiche Winters vor gefundene Halsschnttt bei Lebzeiten WinterS ausgesuhrt wurde, entbehrt der wissenschaftlichen Begründung. 3. T>er Nachweis von Spermaflecken an der Außenseite von Hose und Weste macht ei wahrscheinlich, daß Winter kurz vor dem Tode den Beischlaf au9 führte oder anszuführen versuchte. In Uebereinftimmuna mit dem Gutachten des Gerichtsarztes sind nach Ansicht deS Medizinal- Kollegrums die an den Leichenteilen nachgewiesenen Zeichen deS Erstickungstodes als die allein werwollen und sicheren zu bezeichnen, während die Zeichen der Verblutung in vorliegendem Falle unsicher und zweideutig sind. Dies Gutachten wird von Medizinal- rat Professor Dr. Barth vertreten, der ebenso wie Dr. Mttienzweio uiid Dr. Stoermer bei seiner Ansicht verharrt. Es folgt hierauf die Verlesung des Lbergutachtens der wiffenschastlichen £eputatioi für das Medizinalwesen. Tas Gutachten, bet dem die Geh. Rätl Virchow und v. Bergmann als Referenten fungierten, geht etwi dahin: 1. An dem Emst Winter ist Erstickung verübt, die den Toi notwendig zur Folge haben mußte. 2. Der HalSschnin ist mil größter Wahrscheinlichkeit nicht bei Lebzeiten, sondern unmiltelba' nach dem Tode »ugefügt worden. 3. Den Ausführungen deS Medizinalkollegiums über die an den Kleidern deS Winter Vorgefundenen Blut- und Spermaflecke tritt die wissenschaftliche Deputation bei. Auch diesem Gutachten gegenüber verteidigen Dr. Stoermer und Medizinalrat Dr. Müller nochmals ihren Standpunkt. Hieraus wird die Verhandlung auf Montag vertagt. Gerichtssaal. Der Heilbronner Gewerbcbankkrach vor dem Schwur gcricht. Revisor Schöpfer schildert die Art seiner Revisionsthätig- teit, die sich im Wesentlichen nur auf die Nachprüfung der Bücher in buchhalterischer Hinsicht beschränkt. Ter Zeuge giebt zu, daß dabei Schiebungen ihm verborgen bleiben konnten^ Auch die Zeugen Sihler und Bauer, die der Prüfungstommiffion angehörten, lagen aus, eine eingehende Revision ser nicht zugelassen worden. Ter Sachverständige, Bücherrevisor Sachs, trägt die einzelnen Fälschungen rn der Reihensolge der Jahre von 1865 an auswärts vor. Tie Buchführung habe einen Heberblick über den Status der Gesellschaft unmöglich gestattet. Auch der Sachverständige Lorch bezeichnet eine Reihe von Büchern und Konten als miserabel gcsührt. Die beiden früheren Direktoren Fuchs und Reefer sind beschuldigt, sich dadurch verfehlt zu haben, daß sie Aktien der Gewerbebank, die notorisch angesichts der großen Speku- lationsverluste fast wertlos waren, an solche Kunden, die nach Aktieii der Bank fragten, als verfügliche Kapitalanlage empfahlen da sie die wertlosen Aktien vorher ausgekauft hatten. Die Angeklagten haben ferner der Presse über den Vermögensstand der Go- sellschaft wahrheitswidrig als günstig angegeben und Zirkular« verbreitet, in denen sie die Aktien der Bank als sichere Kapitalsanlage zu hohem Kurse anboten unter Angabe eines ReservesondS von Mk. 385 000. Die Käufer bestehen zumeist auS lauter kleinen Leuten, Angestellten und Arbeitern, die größtenteils durch diese bis kurz vor Zusammenbinch der Bank gemachten Anlagen ihre ganzen Ansprüche verloren. Es wird eine Reihe dieser Hnglücklichen vernommen, die ihren guten Glauben an die Bank und das Hnglück, daS ihnen die Verluste brachten, recht drastisch schilderten. Leipzig, 4. Okt. Heute vormittag fand vor dem Strafienax des Reichsgerichts die RevisionS-Verhandlung gegen den früheren Direktor der Leipziger Bank, Exner, und den früheren Vorsitzenden des Aufstchtsrates Dodel statt. Der Reichsanwalt beantragte im Falle Exner wegen formellen 23er- stoßes die Aufhebung des Urteils und Zurückverweisung an das Schwurgericht. Ter formelle ^Verstoß wird vom Reichsanwalt erblickt in einer Korrektur des Stimmenverhältnisses bei Abgabe des HLahrspruches der Geschworenen. Im Falle Todei, dessen Revi- swn sich gegen ein Versehen des Schwurgerichts-Vorsitzenden richtet, welcher oertäumt hatte, Dodel von der Anklage der U»treue frei ivrechen, obgleich dieser Anklagepunkt von den Geschworenen zeichnete Vorsitzende entgegen. Direktion 6969 6971 Das IDEAL einer nur amerikanisches Petroleum 'inzureichen. 6974 führen. 6973 *) liflannitiiiinljniitii'ii 121.40 43.9b 371% 3"/o 37,°/° 3°/o 372% 326 Oberhessen . . < 426 Oesterr. Goldrente . . 47,26 Oesterr. bilberrente 426 Ungar. Goldrente . , 4°/. Italien. Rente . . . 47,26 Portugiesen . . , o0/ Portugiesen. . . . 126 C. Türken . . . Türkenlose..... 4% U riech. Monopol.-Anl. 47,26 äussere Argentiner Der Zuschlag erfolgt bis MM 30. Oktober 1902. Gießen, den 3. Oktbr. 1902. Großh. Direktion der psychiatrischen Klinik. Reiohsanloihe do. Konsole . do. . . Hessen . 101.60 . 91.95 . 101.80 . 91.90 . 100.20 . 99.70 . 102.80 101.10 . 101.50 . 103.— . 51.— . 32.20 unser bestes unvermischtes Die Proben nehmen Dienstag den 7. Oktober, abends 8 Uhr, im Probelokal (Realgymnasium) wieder ihren Anfang. Da eine Verstärkung des Chors, besonders in den Männerstimmen dringend erwünscht ist, so wird zum Eintritt in den Verein hiermit eingeladen. Meldungen nehmen die Herren Universitätsmusikdirektor Trautmann und der unter» »entehrt worden war, beantragte der Reichsanwalt Freisprechung, vaö Urteil gegen Exner wurde aufgehoben und an >aS Schwurgericht Leipzig zurück)erwiesen. Dodel wurde dem Anträge des Reichsanwalts entsprechend wegen Untreue sreige- > p r o ch e n. ' Schönheits- und Kinder-Seife ist * BACHEBERLE’s Deutsch-Amerikanische Petroleum- Gesellschaft MmWrchmlW Mittwoch den 8. Oktober 1902, abends 1/29 Uhr, im Bereinslokal (Feidel). 6981 Schlosser- ; Dr.W.Knechts M agenbitter SÄNTIS ist der beste der Welt. Giessen: Pelikan-Apotheke. . 304S Victoria-Drogerie, Marktstrasse 6, Adolf Bieler. P. Jos. Mobs, Seifenfabrik. Wer kennt nicht Pfeiffer & Diilers Kaffees-Essenz in Dosen als den besten Zusatz zum Kaffee? In den meisten Geschäften zu haben. 6961 Nebenstehendes Plakat kennzeichnet diejenigen Geschäfte, welche .lild — zart — erfrischend — ohne jede Schärfe EineToiletten-Seife von bedeutendem hygienisch, Werth1. 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Schriftliche Angebote sind bis spätestens Montag, den 20. Oktober 1902, nachmittags 4 Uhr bei uns einzureichen. Zuschlag: 24. Oktober 1902. Die Bedingungen sind bei uns einzusehen oder gegen Einsendung von 1 Mark erhältlich. Darinstadt, d. 4. Oktober 1902. 8^/q Mexikaner . . 4‘/2 /u Chinesen . , Electric, bchuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsges. Oesterr. Staats bahn . Lombarden . . . Uotthardbahn . . . Laurahütte .... Bochum ..... ilarpener .... Tendenz: "es Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren iber das Vermögen des Kaufmanns K. F. Niekau in Aietzen ist zur Abnahme der Schlußrechnung, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke der Schluß- lermin auf Donnerstag, den >3. Oktober 1902, vormittags 10 Uhr vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt. Gießen, den 3. Oktbr. 1902. Der Gerichtsschreiber 6970 des Großh. Amtsgerichts. Uebermorgen Ziehung; Darmstädter Pferdelotterie s _ A MU 1 11 Stück Mk. JO.—, Porto d IiIEL li , und Liste 30 Pfg mehr, empfiehlt AHgX Richard Buchacker, Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute uns morgen: WjkllknIH ö4 jlfg. ZtmfikilH 54 pfg. Kchweillkfieistz. Während der Marktzeit findet der Verkauf des Fleisches in der Großschlachwiehhalle statt. Ofenlack wohlriechend, Flasche 30 u. 60 Pfg. Victoria-Drogerie Marktstraße 5. [6751 ÄK &lfc5 btt von ben Ueb^LLer- Auch chern und ^abenJtn ,ls der großen^ che Kun^mpsahlen lilalanlo^ L «e- t E.^ der M LS» ist aus lau» groE- KsS« Hl" ‘k KZ OK LrK =«4 11 * Ä U S«“ »cbte^tn SÄ* ^teugelchche etwa 5Q Stell von hier ? Wb war als 1 Zufolge eines Ä * j!en und de» Blew Seit', dii lte P°triz Huber, "enheilanstalt ge, A sie sich *Mcggom zu entsagen. Er warte mit der Ausführung seine- Planes nur noch bis zur Beendigung gewisser öffentlicher Arbeiten und werde dann die Regierung dein Prinzen Albert übertragen. Haag, 6. Okt. Die Bur en g en er äl e haben gestern chre Vorträge in Holland beendet. Sie haben 30 000 Pfund Sterling gesammelt. Außerdem beträgt die Subskription der Zeitungen ebenfalls 30 000 Pfund. Paris, 6. Ott. Es sieht ein Duell zwischen General Per ein und Redakteur Pollonais bevor, veranlaßt durch die falsche Zeitungsmeldung, daß General Percm dem Exkapitän D r e y f u s im Hause Zolas dieHandgedrückl habe. Paris, 6. Okt. Die Grubenarbeiter von B-rcar- nerier nahmen eine Tagesordnung an, worin das Bezirks- Komitee ersucht wird, ocn General-Ausstand für Mittwoch zu organisieren. N e w y o r t, 6. Olt. Zu dem verfassungswidrigen Ver- langen der Grubenbesitzer, Bundestruppen zu schicken, entarte das Mitglied des Kabinetts, Postmeister Payne, die Bundestruppen würoen wahrscheinlich bald notiger in Newyorl und Boston seien, wo Ko hl en-Krawalle zu befürchten seien. Mitchel erklärte die Behauptung, die Ausständigen hätten 20 Morde begangen, für unwahr. Es seien nur sieben Morde begangen worden, darunter orei von der Grubcnpvlizei, die aus notorischen Verbrechern bestehe. — Die Presse hofft, daß eine Abrechnung mit den Grubenbesitzern später erfolgen werde. Newyork, 6. Okt. Die Newarter Polizei entdeckte ein ungeheures Dynamitlager im Stadtbezirke, das angeblich für die Propaganda der That bestimmt sein soll. 5 Italiener wurden verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Die Verhafteten erklären, das Dynamit sollte nur technischen Zwecken dienen. Submission. Für die psychiatrische Klinik, «oll die Lieferung von 5 Ctr. guten Tafeläpfeln 300 , Kartoffeln 10 „ Weißkraut au| dem öffentlichen Sub- nissionswege vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen liegen an den Wochentagen auf dem Verwaltungsbureau nachmittags von 3 bis 5 Uhr affen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungs- lermin Donnerstag, den 23. Oktober, vormittags 12 Uhr, mf dem erwähnten Bureau Kirchliche Nachrichten. Der Konsirmandenunterrlcht für die Mar kusgemeinde beginnt MoMag, den 20. Oktober. Nähere Mitteilungen über die Anmeldungen werden noch erfolgen. Die Vorbereitung für die Kinderkirche der Markusgemeinde wird Donnerstag, den 9. Oktober, nach- miltags 4 Uhr, im Konfirmandensaal gehalten werden. "Neueste Melviuigen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Offenbach, 6. Oke. Um 10 Uhr wurde heute vormittag auf dem hiesigen Friedhöfe das znm Andenken an die bei der Eisenbahn-Katastrophe vom 8. November 1900 getöteten Passagiere gestiftete Denkmal feierlich enthüllt. Präsident Thome übergab das Denkmal der Stadt, namens derer Bürgermeister Brink das Denkmal übernahm. Eine große Anzahl von Kränzen wurden niedergelegt. — Die Kosten des Denkmals belaufen sich auf 20 000 Mk. Posen, 6. Oktober. Als Nachfolger des verstorbenen Oberpräsidenten v. Goßler soll in erster Linie Oberpräsp- dent v. Bitter in Posen in Betracht kommen. Als Nachfolger des Letzteren wird Gras Posadowsky genannt. Stuttgart, 6. Okt. Der 96 Vereine umfassende Verband süddeutscher Konsumvereine beschloß in einer Versammlung, die sich mit den Vorgängen auf dem allgemeinen Genossenschaftsverbandstage in Kreuznach befaßte, mit 50 gegen 7 Stimmen den Austritt aus dem allgemeinenVerbande und die Gründung eines selbständigen Verbandes. London, 6. Okt. „.Standard" meldet aus Durban: 41 Buren, die gestern aus den Gefangenenlagern von Ceylon hier eintrafen, wurden wegen Hochverrats verhaftet. London, 6. Oktober. In der City geht das Gerücht, der Herzog von Teck, der älteste Bruder der Prinzessin von Wales, also der Schwager des künftigen Königs von England, werde in eine Fondsmakler-Firma eintreten. London, 6. Okt. Tie „Daily Mail" bringt aus angeblich vorzüglicher Quelle wiederum die Nachricht, daß der König der Belgier die Absicht habe, dem Throne 1004 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen- 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für lOOPfund Schlachtgewicht: Ochsen l.Qualttat71—73TIIL, 2. 66—68 ML, 3. C-uaL 62—64 ML; Bullen 1. Qual. 60 bis 62 All. 2. Qual. 56—58 9JtL; Kühe L Qual. 66—68 Mk., 2. Qual. 62—64 ML, 8. Qual. 54—56 Mk, 4. Qual. 45—48 Ack, 5. Qual. 00—00 ML Kälber: L Qualität80—82 Pfg^ Lebendgewicht 50—00 Pf., 2- Qual. 73—76 Pfa., Lebendgewicht 44—46 Pfg., Schlachtgewicht 62—65 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 63—65 Pfg., 2. Qual. 59—61 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 69—00 Pfa., Lebendgewicht 54 Psg^ 2. Qual. 67—68 Pfg., Lebendgewicht 537, Pfg-, 8. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh guL Alles verkauft. ko. Frankfurt a. M., 6. Ott (Ortg.-Teleor. des „Meßen. Anz.") Ärmliche Notterungen der heutigen Fruchtmarktpretse. Weizen Alk. 15.50—15.75, Kurhessischer Mk. 15.75—16.00, La Plata Alk. 17.50—00.00, Kansas Mk. 17.50—00.Q0, Roggen (hiestger) Mark 14.00—14.50, Gerste (Wetterauer) Alk. 15.25—16.25, Frankenfelder Alk. 00,00—00,00, Hafer ÜDIL 14.50—15.00, Mais Alk. 13.25—00.00, Weizenmehl 0 Alk. 25.25—25.75, 2. Qualität Mk. 23.25 bis Alk. 23.75, 3. Qualität M. 21.25—21.75, Roggenmehl 0 Alk. 22.50—23.50, 1. Qualität Alk. 21.50—23.00, Weizcnklete Mk. 8.75 bis AlL 9.00, Roaqenkleie Mk. 9.50—10.00, Maiskeime ML 10.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. Von heute ab: Frischer Aepfelmost Aestauration zum Krokodil. 6980 Wilhelm Mayer. Grünbergerstratze. ächt. Dttoba: 1902. die »Liaatsb.Ztg. t aus ftonitj vei :anben/ die er vor n Ansichten, die e ten gewonnen habe wy betreffen, so er um der Akten voi »bloss überzeugt sei !r schwierigen Frag rr habe sich oesagl e er nur von hudei Rückständigkeit be tl brauchen, würde, weiche koscher ge Erstickung nicht ini jo kräftig gebaute gant ungeeig tal'verbreche, qeugung gewonnen und bamu salb )en überhaup ständiger Gerichts ii Uedeizeugung st von 6rftidun( öchichtschniti 5betgulad)len§ bd folgenden Sägen tiaunt üchr Wllell vor iMrc wurde, end Ler Aachwec- m nd Weste macht ei e den Jeischlas auS inftimmung mit dew sicht des Medizinal« oieienen Zeichen des sicheren zu bezeichnen, liegendem fMe utt« vird von Medizmal- wieDr.Menzn>ei§ t Es W W f)flÄtt stt JJ Ss der Hessisch-Thüringischen (Mitteldeutschen) Staatslotterie. Versteigerung. Dienstag, den 7. Oktover, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfanülokal Seltersweg 11 gegen Barzahlung: 1 Wagen, 1 Spiegelschrank, Kleiderschränke, Sofas, Kommoden, Tische, Uhren, Spregel u. a. m. 6843 Johann, Pfandmeister. I Dienstag, den 7. Oktober d. I. nachmrttags 2 Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: mehrere Wagen, 4 Pferde, ein1 Fahrrad, 5 Eichenstämme, eine' Nähmaschine^ 1 Sopha. ein Vertikow, 1 Kleiderschrank, eine Waschkommode u. a. S. , 6979 Born, Gerichtsvollzieher. Vermischtes. ♦ Tübingen, 4. Okt- Gestern abend gegen 10 Uhr wurden hier und im Steinachthai zwei Erdstöße wahrgenommen, welche in der Richtung von Süden nach Norden gingen. * London, 6. DEL General John Morris, bekannt durch sein tapferes Verhalten im sudanesischen Feldzüge, hat sich aus Furcht, wahnsinnig zu werden, erschossen. ' * Budap est, 4. Okt. Der pensionierte Hauptmann Horvath, ein Mann von 76 Jahren, der in der benach? barten Gemeinde Jr-a ein kleines allein stehendes Häuschen bewohnte, wurde ermordet und beraubt aufgesunden. Seine Wirtschafterin ist verschwunden und scheint des Mordes dringend verdächtig. Petersburg, 4. Okt. Heute früh 2 Uhr 30 Min. wurden in Tiflis drei heftige Erdstöße verspürt. • Eine böse Nachricht verbreitete sich dieser Tage mit Blitzesschnelle in Venedig: Als man die großen Bücherregale der Biblioteca Marciana im Dogenpalast, die jetzt endlich verlegt werden soll, aus dem sogenannten Saale des Cardinals Bessarione entfernte, soll man an den Wänden zahlreiche Risse entdeckt haben. Schon vor fünf Jahren war das Gerücht verbreitet, daß der Dogenpalast in Gefahr sei. Es wurden damals sofort Stützungsund Ausbefferungsarbeiten vorgenommen, aber man glaubt, )aß sie allzu oberflächlich gewesen seien. Dazu kam noch, )aß damals die Denkmalsüberwachungs-Kommission von Üenedig (ganz wie es später bei dem Campanile der Fall var) dte schlimmen Gerüchte für stark übertrieben erklärte, so daß man ihnen nur relatw geringe Beachtung schenkte. Die wst jetzt entfernte Biblioteca Marciana hätte schon längst entfernt fein müssen, da die vielen schweren Bücher für den Jahrhunderte alten Palast eine zu große Last waren. — Nach aus Venedig eingetroffenen Privatmeldungen droht jemer der Glockenturm von San Stefano einzu- itürzen. * Der Kronprinz von Griechenland wurde bei einem Automobil-Unfall an Lippen und Ohren »erletzt, wogegen der ihn begleitende Arzt und der Führer des Automobils schwer verwundet wurden. Tie Kronprinzessin, welche dem Automobil in einer Equipage folgte, geriet ebenfalls in Lebensgefahr, well die Pferde infolge des Geräusches des Automobilsturzes scheu wurden unb durchgingen. Dem Kutscher gelang es nur mit großer Mühe, die Pferde zum Stehen zu bringen. Handel und Versiehe. Votsi->wütschast. Die Reichsbank hat den Wechsel-Diskont auf 4 Prozent, den Lombard-Zinsfuß auf 5 Prozent rrhöhl. Mannheim, 4. Oft Die gestrige Gläubiger-Ansschußsitzung der Aktien-Gesellschaft für chemische Industrie in Rheinau-Mannheim beschloß die Fortführung des Betriebs unter Aufgabe der unrentablen Teile und Aufarbeitung der betreffenden Vorräte. Der Gläubiger-Ausschuß beauftragte die Kon- lursvermaltung, sich um den baldigen Verkauf oder die baldige Verpachtung der Fabrik zu bemühen. — Ter Konkurs über das Lrivatvermögen des Direktors Böhm wurde vorläufig ausgesetzt, cis der Status volliegt, jedoch wurde das Vermögen Böhms unter Kontrolle genommen. Märkte. fo. Frankfurt a. M., 6. Oft (Telegr. Orig.-Bericht des ,Gieß. Anz."). Amttiche Ltotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 466 Ochsen, 116 aus Oester- L D^utsch:Amenlk2nlsthen Z^Fetpoleum:Gesellsehatt verkauft! Verband Weimar. 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