Nr. LV» »-scheint täglich außer EonntagS. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die «tetzener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- bruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erpeditton und Druckerei: Gchulstratze 7. tldresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. AernsprechanschlußNr.bl. Erstes Blatt ISS. Jahrgang Samstag 6. September 1802 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen vezvaSprei», monatlich 7bPs^viertel« iäbrlich Mk. 8L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annabme von Anzeigen für die Tagesnummer biS vormittags 10 Uhr, Z eilenpreis-lokal 18 Pf. auSwärtS 80 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Steil: P. Witiko: für .Stadt und £anb* tmb .GerichtSsaal^: Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Berk. Kelraiiüimachung. Betr.: Die Köttermine. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Beteiligten, daß die diesjährige Hanptkörung in den Körbezirken Gießen und Hungen-Lich an den nachstehend genannten Tagen in den einzelnen genannten Gemeinden stattftnden wird. 16. September: Hungen, Steinheim, Rodheim, Rabertshausen, Langd; 17. u Lich, Birklar, Muschenheim, Dorf-Gill, Eberstadt, Ober-Hörgern; 19. „ Langsdorf, Bettenhausen, Bellersheim, Obbornhofen, Utphe, Trais - Horloff, Inheiden; 22. , Holzheim, Grüningen, Watzenborn, Steinberg, Hausen, Garbenteich; 24. „ Steinbach, Albach, Annerod, Oppenrod, Burkhardsfelden, Reiskirchen; 26. , Rödgen, Trohe, Großen - Buseck, Alten- Buseck, Wieseck; 29. r Gießen, Daubringen, Mainzlar, Staufenberg, Ruttershausen, Lollar; 1. Oktober: Heuchelheim , Klein - Linden, Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern. Gießen, den 5. September 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. B reib er t. KeKannImachung. Nachdem die in dem Gehöft Bahnhofstraße 81 in Gießen ausgebrochene Rotlauffeuche erloschen ist, wird die unterm 22. August 1902 angeordnete Gehöftsperre aufgehoben. Gießen, den 6. September 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Bekanntmachung« In der Zeit vom 31. August bis 6. September 1902 wurden in hiesiger Stadt gefunden: ein Geldstück und ein wollenes Halstuch; verloren: ein Portemonnaie mit Inhalt und ein goldenes Medaillon; entlaufen: ein schottischer Schäferhund, Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 6. September 1902. Größherzogliches Polizeiamt Gießen. J.V.: Roth. Aas Kaiserpaar in Kosen. IV. Posen, 5. Sept. Es erregt hier Aufsehen, daß sich unter den 34 Ernennungen keine einzige polnische befindet. Von den mit Orden Ausgezeichneten sind nur ein verschwindend kleiner Teil Polen. Bei dem gestrigen Besuch der Kaiserin in dem Krankenhause der Barmherzigen Schwestern hielt der Erzbischof Dr. v. Stab lews ki eine Ansprache an die Kaiserin, in der er betonte, daß es eine schsöne Eigenschaft des Weibes sei, Barmherzigkeit zu üben und sich der Kranken und Hilfsbedürftigen anzunehmen. Ein Vorbild dieser Frauentugend sei die Kaiserin. Der Erzbischof schloß mit einem Hoch auf diese. Die Führung durch das Krankenhaus übernahm der Weihbischof Dr. v. Likowski. Die Kaiserin hatte für jeden der Kranken tröstende Worte und verließ die Anstalt gegen 61/2 Uhr. Heute früh 9 Uhr erschien Prinz Albrecht von Preußen im Rathause und wurde von den städtischen Behörden durch alle sehenswerten Räume desselben geleitet. Heute nachmittag sprach Prinz Friedrich Leopold im Rathause vor. Um 10 Uhr fuhr die Kaiserin m Begleitung ihrer Hofdame von Gersdorff und eines Adjutanten nach den Arbeitshäusern an der Flurftraße und zeigte großes Interesse für die Wohlfahrtseinrichtungen. Ueber die Abreise des Kaisers und der Kaiserin wird gemeldet: Um HV2 Uhr fuhr der Kaiser vom Generalkommando nach der Kaiser Wilhelm-Bibliothek, wo er vom Oberpräsidenten und den Spitzen der Verwaltung empfangen wurde. Die Abfahrt des Kaisers und der Kaiserin zum Bahnhose erfolgte vom Generalkommando um 11.60 Uhr. Vorher begab sich der Kronprinz, begleitet von Hurras der spalterbildenden Bevölkerung, zur Bahn. Hierauf folgte das Kaiserpaar, überall von stürmischem Jubel der Bevölkerung begrüßt. Das Kaiserpaar dankte auf das Freundlichste, namentlich grüßte der Kaiser freundlich lächelnd nach allen Seiten. Am Bahnhofe waren anwesend der kommandierende General von Stülpnagel mit der gesamten Generalität, Oberpräsident von Bitter, Oberbürgermeister Witting und Polizeipräsident Hellmann. Der Kaiser zog den Oberpräsidenten ins Gespräch und unterhielt sich längere Zett mit dem Oberbürgermeister, wobei er diesem für den Empfang seitens der Bevölkerung dankte. Alsdann wandte sich der Kaiser an den Polizeipräsidenten, dem er seine Befriedigung über die getroffenen Anordnungen aus- sprach. Unter jubelnden Hurras der Anwesenden setzte sich der Zug Punkt 12 Uhr langsam in Bewegung. Dem kommandierenden General rief der Kaiser lächelnd zu: Wir werden uns Wiedersehen. Der Oberbürgermeister hat nachstehende Bekanntmachung erlassen: Se. Majestät der Kaiser haben mich in überaus gnädigen Worten zu beauftragen geruht, der Bürgerschaft von Posen nochmals seinen kaiserlichen Dank und bte huldvollste Anerkennung für den schönen Empfang und für die von echt vaterländischem Empfinden ^etrageneAufnahme ausZusprechen. Das erlauchte Kaiserpaar habe sich in unseren Mauern wohl gefühlt und scheide von uns mit dem Bewußtsein froh verlebter Tage voll Festesglanz und patriotischerErhebung. Des mir gewordenen allerhöchsten Auftrages erledige ich mich hiermit freudigen und bewegten Herzens. In einer Besprechung der Posener Feste und der bdm Bankett in Posen gehaltenen Toaste sagen die Petersburger „Nowosti", die Posener Reise des Kaisers habe den Charakter einer r ussensreundlichen Kundgebung erhalten und könne als Epilog zu der Revaler Zusammenkunft betrachtet werden. Die „Birshewija Wje- domosti", ein anderes russisches Blatt, meinen, die vom deutschen Kaiser auf den Kaiser von Rußland ausgebrachten Toaste, sowie der herzliche Empfang, den der deutsche Kaiser den Vertretern der russischen Armee bereitet hat, würben ohne Zweifel in allen Schichten der russischen Bevölkerung mit dem Gefühl tiefster Befriedigung ausgenommen. 43. Kenossenschaftstag. in. Kreuznach, 3. Sept- Die Delegierten der gestern ausgeschlossenen Konsumvereine und eine Anzahl mit diesen sympathisierenden Delegierten von Konsumvereinen und Verbünben versammelten sich heute vormittag im Kaisersaale, um zu den gestrigen Vorkommnissen Stellung zu nehmen. Der Direktor des Verbandes der Konsumvereine im Königreich Sachsen, Radestock (Dresden), der die Verhandlung leitete, bemerkte: Es sei notwendig, sofort einen allgemeinen Verband der Konsumvereine und Produktiv- genossenschaften Deutschlands zu gründen. Abg. v- Elm (Hamburg): Dr. Crüger sagte gestern: Die Genossenschaften haben den Zweck, den Mittelstand, d. h. auchvie Kleinkrämer, zu erhalten. Diesen Blödsinn kann kein Konsumverein mitmachen. Es ist gestern eine Vergewaltigung geschehen, wie sie wohl kaum jemals dagewesen ist. Ein Sturm der Entrüstung wird durch bte Konsumvereine Deutschlands gehen. Wir müssen eine nach- baltrge Agitation im ganzen Lande entfachen und den Konsumvereinen klar machen, daß es ihre Ehrenpflicht ist, aus dem alten Verbände auszuscheiden und dem von uns zu gründenden neuen Verbanoe beizutreten. Denkende Arbeiter können unmöglich den Blödsmn, den Mittelstand zu erhalten, rnitmachen. Ich beantrage glso sofort zu beschließen: einen'neuen Verband der Konsumvereine und Produktivgenossenschaften Deutschlands zu gründen und sogleich eine Kommission zu wählen, die sofort an die Arbeit zu gehen hat. Abg. Dr. David (Mainz): Ich bin der Meinung, die Entrüstung, die der gestrige schmachvolle Beschluß in allen Konsum verein en zweifellos hervorgerufen hat, läßt sich nicht auf Flaschen ziehen. Wir müssen diese Entrüstung sofort benützen und einen Aufruf an die Konsumvereine Deutschlands erlassen, in dem wir ihnen klar machen, daß Wudolf Wirchow f. Am Freitagnachmittag 2 Uhr ist in Berlin Rudolf Virchow, wie uns gestern nachmittag nach Fertigstellung unseres Blattes eine Reihe von Telegrammen meldete, aus dem Leben geschieden. Ließen auch die Nachrichten der letzten Wochen darauf schließen, daß der Einundachtzigjährige nie wieder seine volle Gesundheit erlangen werde, die Todeskunde kommt doch etwas überraschend. Tie Last der Jahre scheint es vornehmlich gewesen zu sein, die das reiche Arbeitsleben rascher als man glaubte, dem Ende zugeführt hat; der Sturz von der elektrischen Bahn, der die nun durch den Tod beendete Krankheitszeit des vorher noch fo rüstigen Forschers einleitete, ist wohl schon ein Symptom des Kräfteverfalls gewesen. Die gesamte wissenschaftliche Welt wird ihre Kränze an der Bahre des Gelehrten niederlegen, den der tobesmutige Nordpolfahrer Nansen vor einigen Jahren als „Koloß der Wissenschaft" feierte. Und das deutsche Volk kann mit Stolz auf die Geistesarbeit und die wissen- schafttichen Erfolge blicken, die der Name Rudolf .Virchow umschließt. Erhcwen sind die Verdienste, die sich der Begründer der Zellularpathologie um die medizinische Wissenschaft erworben hat, die er erst eigentlich aus dem Dunstkreis tappender Kombinationen herausgeführt und auf sichere, einheitliche, wirklich exakte Grundlagen gestellt hat. Neben der Pathologie und Anatomie wandte Virchow dor allem der Anthropologie sein Interesse zu. Tie Gründung der deutschen Anthropologischen Gesellschaft auf der Innsbrucker Natursorscher>Versammlung 1869 war hauptsächlich sein Verdienst. Er wurde dann auch schon int nächsten Jahre zu ihrem Vorsitzenden,gewählt. Sehr eingehend beschäftigte er sich mit der Erforschung der Pfahlbauten, der Hünengräber und anderer vorhistorischer Funde. Bekannt sind seine Schriften über die Resultate seiner zahlreichen Schädelmessungen. Auf seine Anregung hin wurde Mitte der siebziger Jahre in ganz Deutschland eine Untersuchung der Schulkinder vorgenommen, um die Verbreitung der blonden und der brünetten Rasse festzustellen .Auch in anderen Ländern nahm man dann ähnliche Erhebungen vor. Einige Jahre später begab sich Virchow nach Hissarlyk, wo er an den interessanten Ausgrabungen Schliemanns teilnahm. Tas Resultat waren seine Schriften über alttrojanische Gräber und Schädel, sowie über die Landes- künde der Troas. Im Jahre 1881 veranstaltete Virchow anthropologische Untersuchungen im Kaukasus und 1888 machte er gemeinsam mit Schliemann eine Reise durch Egypten und Nubien. Auch auf dem Gebiete des Sanitätswesens und der Hygiene war Virchow sehr thättg. Während der Kriege organisierte er die ersten preußischen Sanitätszüge und leitete die Errichtung des großen Baracken-Lazaretts auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin. Er war Vorstandsmitglied des Berliner Hilfsvereins für die Armee und gehörte der wissenschafllichen Deputation für das Medizinalwesen im preuß. Kultusministerium an. Aus die Durchführung der Berliner Kanalisation, wie auf die Einrichtung der dortigen Anstalten für die Gesundheitspflege hat er fortgesetzt einen maßgebenden Einfluß ausgeübt. Trotz dieses umfassenden wissenschaftlichen und praktischen Wirkens nahm Virchow auch regen Anteil am politischen Leben. Schon während der Bewegung der Jahre 1848 und 1849 trat er unerschrocken auf. Ten deutschen Einheitsbestrebungen war er mit Kopf und Herz zugethan; eifrig beteiligte er sich an der Agitation des Nationalvereins und später an der Gründung der deutschen Fortschrittspartei, Die ihn Zeit ihres Bestehens mit Stolz zu ihren angesehensten Führern zählte. Seit 1861 gehörte er dem preußischen Landtag und der Berliner Stadtverordnetenversammlung an; in den Jahren 1880 bis 1893 war er zugleich Mitglied des deutschen Reichstags, und zog sich infolge seines politischen Wirtens mancherlei Anfeindung zu. Insbesondere sein Abrüstungsantrag vom Herbste 1869 wurde häufig gegen ihn ausgespielt. Es war ihm jedoch fern, auf eine Entwaffnung Preußens hinwirken zu wollen. Das wurde auch von einer sehr kompetenten Seite, nämlich von dem bekannten französischen Militär-Bevollmächtigten, Oberst Stoffel, in dessen amt» lichen Berichten ausdrücklich anerkannt. Virchows Anttag verlangte eine Beschränkung der Militär-Ausigaben, aber nur derjenigen für das Friedensheer, unbeschadet der Kriegstüchtigkeit und der Kriegsstärke der Armee. Außerdem forderte er aber, daß durLh diplomatische Verhandlungen eine allgemeine Abrüstung herbeigesührt werden solle. Tas blieb nun allerdings ein Traum. Tas Leben, das jetzt der Tod dahingerafft, es war überreich an Arbeit; doch auch überreich an Erfolgen. Unvergeßlich sind seine Verdienste. Mag man jetzt seine irdischen Ueberreste in die Gruft senken, seine Thaten werden sie überdauern. Denn auch von ihm gitt das T-ichterwort, daß die Spur von seinen Erdentagen nicht in Aeonen untergehen wird. In dem kleinen pommerschen Städtchen Schivelbein am 13. Oktober 182 Igeboren, bezog er im Alter von 18 Jahren als Zögling der mllitärärztlichen Bildungsanstalt die Berliner Universität. Bereits in jungen Jahren ,in einem Lebensalter, das Andere saft ausschließlich heiterem Lebensgenüsse zu widmen pflegen, hat 9hibolf Virchow der Wissenschaft in die ernsten Augen geblickt. Er hatte sich so umfassende medizinische Kenntnisse angeeignet, daß' er 1843, kaum 22 Jahre alt, als Unterarzt an der Berliner Charitee angestellt wurde. Drei Jahre später wurde er Prosektor, dann Dozent für pathologische Anatomie, und als 1848 in Oberschlesien der Hungertyphus ausbrach, sandte ihn die Regierung in die vom Elend so schwer heimgefuchte Gegend, um jene Epidemie und ihre Ursachen zu studieren. Im nächsten Jahre erhielt er einen Rus nach Würzburg wo er bald eine große Schar eifriger Schüler um sich sammelte. Seit 1856 wirkte er als ordentlicher Professor an der Berliner Universität, deren pathologisches Institut durch ihn zu einem Zentralpunkt erfolgreichster medizinischer Forschung wurde. Ueber Virchows letzte Stunden meldet man: Bereits seit Wochen schwankte die Familie zwischen Furcht und Hoffnung, und die Berichte von Virchows Krankenlager wechselten in ihrer Färbung schon in der Zeit des Harzburger Aufenthaltes mit einander ab. Die Reise von Harzburg nach Berlin hat nach Ansicht der Angehörigen keinen nachteiligen Einfluß ausgeübt. Der Zustand des Kranken wicy bei Nacht merklich von dem in seinen letzten Harzburger Tagen ab. Er schlief viel und zeigte wenig Anteilnahme für die Außenwelt. Bereits in der vorvergangenen Nacht trat Bewußtlosigkeit ein. Der greife Gelehrte erkannte seine Angehöriben nicht mehr wieder. Vormittags gegen 11 Uhr besuchte ihn noch sein langjähriger Freund, Sanitätsrat Dr. Rüge, und verweilte etwa eine Stunde am Lager. Gegen 1 Uhr merkte man das Herannahen des Todes. Der Sohn Virchows, Professor Dr. Hans Virchow, wurde telephonisch benachrichtigt. Er traf sofort am Sterbebette seines Vaters ein, bald darauf auch seine Schwiegertochter. Gegen 2 Uhr trat der Tod ein. Außer den Genannten umstanden: noch die Frau und die Tochter Johanna das Sterbelager. Ter Tod trat sanft und schmerzlos ein. Ueber den Tag der Beisetzung ist noch nichts bestimmtes bekannt. Tie Leiche Virchows ist im Arbeitszimmer aufgebahrt. Jedenfalls wird die Leiche noch im pathologischen Institut ausgebahrt. Es liefen bereits zahlreiche Kondolenztelegramme ein, darunter ein solches vom Reichskanzler. At§ erster Leidtragender traf Stadtverordnetenvorsteher Langer- hans ein. angesichts des gestrigen Vorkommnisses ihr Wrgefühl sie verpflichtet, aus dem Verbände auszufcheideu. Sdf bin auch der Meinung, daß wir keine Doppelstellung einnehmen können. Schon mit Rücksicht auf die doppelten Kosten können wir den xu uns gehörenden Konsumvereinen nicht raten, im alten Verbände zu bleiben. Arbeitersekretär Katzen st ein (Mannheim): Wir müssen alle Konsumvereine Deutschlands zu einem Protest auffordern. Frau Helene Steinba ch (Hamburgs: Ich schließe mich dem Vorredner an. Wir müssen gegen die uns gestern angethane Schmach den suror teutonicus entfachen und die Frauen zur kräftigen Mitarbeit auffordern. Frau Dr. David (Mainz): Ich erachte es für notwendig, da wir noch Delegierte sind, daß wir morgen in die allgemeine Versammlung der Konsumvereine gehen und dort einen Protest gegen den gestrigen Beschluß beantragen. Wir müssen aber entweder in corpore in diese Versammlung gehen oder in corpore der Versammlung fernbleiben. Beteiligen wir uns aber an dieser Versammlung, dann müssen wir unseren Standpunkt rücksichtslos geltend machen. (Lebhafter Beifall.) Es wurde schließlich beschlossen: die morgige allgemeine Konsumvereinsversammlung in corpore zu besuchen und dort einen Protest zu beantragen. Im weiteren wurde in namentlicher Abstimmung einstimmig die Begründung eines neuen Verbandes der Konsumvereine und Vroduktivgenossens chaften Deutschlands beschlossen und mit den sofort in Angriff zu nehmenden Vorarbeiten eine Kommission beauftragt. Es wurden in die Kommission gewählt: Radestock-Tresden, Schmidt chen-Harburg, Peus-Dessau, Aßmann-Braunschweig, Brinkmann-Elberfeld, Barth-München, und Katzenstein-Mann- heim. Abg. v- Elm: Wir haben sämtlich je 10 Mark für die Beteiligung an den Festlichkeiten gezahlt. Wir können aber unmöglich mit Leuten, die uns hinausgeworfen haben, noch gemeinsame Feste feiern. Ich schlage vor, das Lokalkomitee auszufordern, uns entweder für das morgen abend stattsindende Festessen einen besonderen Raum zur Ver- süguny zu stellen oder uns unsere 10 Mark zurückzugeben. Dreiem Vorschlag wurde zugestimmt und danach die Versammlung geschlossen. Die Kommission trat sofort zu einer Beratung zusammen. Eine allgemeine Versammlun g des Genossenschaftstages fand heute nicht statt. Heute vormittag hatten nur die Verbandsrevisoren und der Verband der Baugenossenschaften Deutschlands Sitzungen, in denen lediglich geschäftliche und Dinge von sachlichem Interesse zur Erledigung kamen. Am Nachmittag fand die Hauptversammlung des Verbandes der Baugenossenschaften Deutschlands unter Leitung des Verbandsvorsitzenden, Land- rats Berthold (Blumenthal) statt. Dieser sprach über die Entwickelung des deutschen Baugenossen- schaftswesens im letzten Jahrzehnt. Er führte aus: Man beginnt immer mehr einzusehen, daß die Woh- nungssrage einen Hauptbestandteil der sozialen Frage bildet uni) daß man aus dem Gebiete der Gesundheit, der Sittlichkeit und der Erziehung bessere Verhältnisse schassen will, in erster Reihe gesunde, geräumige und billige Wohnungen gebaut werden müssen. Eine genaue Statistik ist leider nicht vorhanden. Rian darf aber die Werte der Baugenossenschaften Ende 1901 aus etwa 60 Millionen Mark schätzen. Von 1888 bis 1901 war die Zahl der Baugenossenschaften um das lösache gewachsen, ihre Werte hatten sich aber um das ZOfache gehoben. Zwei Fünftel der deutschen Baugenossenschaften stehen außerhalb jedes Verbandes. Es fehlt der organische Zusammenhang. Dieser Mangel einer festen Organisation ist der Entwickelung des Baugenossenschastswesens sehr nachteilig. Bereits beginnt das Reich und die Einzelstaaten die Bau- genossenschasten durch Gewährung von Darlehen zu unter» 1 ruhen, da diese es vorziehen, sich der Genossenschaften zur Beschaffung geeigneter Wohnungen für ihre Beamten und Arbeiter zu bedienen, als, wie es bisher geschehen, selbst Beamten- uni) Arbeiter-Wohnungen zu bauen. Dasselbe thun viele Gemeinden und Arbeitgeber. Tie Baugenossen- schasten bilden den neutralen Boden, aus dem Arbeitgeber und Arbesiter gemeinsam für die Arbeiterwohlsahrt thätig sein können. Einerseits wird eine staatliche Organisation der Wohnungsfürsorge im Anschluß an die bestehenden Selbstverwclltungs- törper geplant. Die sogenannten Bodenresormer betrachten die Baugenossenschasten als Mittel, um das Jndi- vwualeigentum cur städtischem Bauland in Kollektiveigentum überzuführen. Die städtischen Haus- und Grnnd- besitzervereiire dagegen sehen in den Baugenossenschaften ihre ärgsten Feinde. Allerdings ist auch in dieser Feindseligkeit ein berechtigter Kern enthalten, denn bis- toeilen wird die Gründung von Baugenossenschaften ganz planlos und überstürzt betrieben und andererseits ist nicht zu leugnen, daß Baugenossenschaften auch eigennützigen Privatinteressen als Deckmantel dienen. Die Feindseligkeit der Haus- und Grundbefitzervereine hat zur Folge, daß viele Gemeindebehörden derr Baugenossenschaften jede Unterstützung versagen. Jedenfalls sollten Baugenossenschaften nur dort errichtet werden, wo die Notwendigkeit vorliegt, das Wohnungselend zu beseitigen und wo hochgelohnte und intelligente Arbeiter vorhanden sind. Diese Elite der Arbeiterschaft hat sich bereits vielfach auf dem Boden der Genossenschaften mit dem kleinen Beamtentum, den Kleingewerbetreibenden uni) verwandten Elementen zu einer Art Heiner Mittelstand verschmolzen. So büdet das Bange- nossenschaftswesen das wirksamste Mittel für das Enrpor- fteigcn der besseren Lebenshaltung der Arbeiter. Von Jahr ;u Jalsr wird von den Baugenossenschaften besser gebaut. In dem raschen Steigen der Ansprüche, die bessere Arbeiterfamilien an die Wohnungen stellen, prägt sich der soziale Fortschritt mit aus, den tue oberen Schichten der deutschen Arbeiterschaft im letzten Jahrzehnt gemacht haben. (Lebhafter Beifall.) In der Besprechung wurden von dem Anwalt Dr. Crüger Bedenken gegen die Staats- und Gemeindeunterstützung, sowie gegen Gewährung von Privilegien an die Baugenossenschaften geltend gemacht und die Notwendigkeit betont, die Wohlthaten der Baugenossenschaften möglichst allen Arbeitern zugänglich zu machen. Dr. v. Manegold: Die Aeußerung des Landrats Berthold, daß d«s den Hausbesitzern zustehende Privilegium des kommunalen passiven Wahlrechts berechtigt fei könne er nicht unwidersprochen lassen. (Beifall.) ' Abg. Peus (Dessau): Er sei der Meinung, daß, so lange die Baugenossenschasten im gemeinnützigen Interesse arbeiten, sie auch Staats- und Gemellideulitersrützung erhalten müssen. Er sei allerdings der Ansicht, daß die Gemeindebehörden nicht die geeigneten Organe seien, Arbeuer- Wohnungen zu schaffen, da dabei die Gefahr vorliege, daß die Wohnungen ein polizeiliches Gepräge erhalten. Landrat Berthold: So lange die Privatbauspekulation sich mit dem Bau von gesunden und geräumigen Attretterwohnungen nicht befasse, weil dies ihr vielleicht nicht einträglich genug erscheine, müssen die Baugenossenschaften durch Privilegien usw. unterstützt werden. In anderer Weise kommt man nicht zur Beschaffung von Arbetterwohnungen. Jedenfalls freue er sich, daß die Debatte sich sehr vorteilhaft von der gestern geführten abgehoben habe. Obwohl alle politischen Parteren an der Besprechung teilgenommen haben, so habe doch im Grundgedanken volle Ueberein* sttmmung geherrscht. (Lebhafter Beifall.) Es wurden alsdann noch Vorträge über Teilung des Verbandes der Baugenossenschaften in Bezirksver bän de,über Buchführung und Bilanz der Baugenossenschaften usw. gehalten, die aber nur ein sachliches Interesse boten. Aus Stadt und Land. Gießen, 6. September 1902. Mitteilungen aus dem Publikum werden gern enlgegengenommen und augemeffcu honoriert. ** T i e Schnakenplage in den letzten Tagen ist dermaßen arg gewesen, daß man kaum rm stände war, einen ruhigen Spaziergang zu machen. Ganz besonders schlimm war es auf dem Wiesenwege nach dem Philosophenwalde sowie in diesem selber, und ebenso auch in den Wäldern um Lollar herum. Wie wir nun Horen, hat im vergangenen Winter auf Veranlassung des Kreisrates v. Hahn-Oppenheim der Reallehrer Dr. Weimar, damals in Oppenheim, jetzt in Gießen, einen Vortrag über „Entstehung und Vertilgung der Schnaken" in rheinhessischen Orten gehalten. Diesem Vonrage zufolge wurden Kommissionen gebildet, die man mit der Vertilgung der Schnaken betraute. Im Monat Februar und April wurden z. B. in Guntersblum wiederholt alle Kellerräume, wo sich im Winter am liebsten diese Insekten aufhatten, ausgebrannt, und in die Pfuhlgruben goß man ePtroleum. Dieses Verfahren hat so gut gewirkt, daß man dort jetzt fast vollständig Ruhe'vor den Plagegeistern hat. Es dürfte sich ein gleiches Vorgehen auch anderer Orte dringend empfehlen. fr. Beuern, ö. Sept. Die Eheleute Wilhelm Otto II. hier selbst feierten heute ihre goldene Hochzeit. Der Großherzog hatte sein Bild mit eigenhändiger Namensunterschrift gesandt. Im Namen des Kirchenvorstandes gratulierte Pfarrer Schulte, der in seiner Ansprache hervorhob, daß hier nicht nur ein seltenes Fest gefeiert, sondern auch dies Fest von dem Jubelpaare m seltener Rüstigkeit begangen werde. Er überreichte dabei als Geschenk des Kirchenvorstandes die schöne Pfeilstückersche Bilderbibel. Die Glückwünsche des Gememderates überbrachte Bürgermeister Otto. Er betonte, daß Wilh. Otto II. schon über 30Jahre dem Gemeinderate angehöre und daß alle Glieder desselben ihm in Freundschaft zugethan wären. Tie Gabe des Ge- meinderates war eine hübsche Fellvorlage. Für den Schulvorstand sprach Lehrer Musch Hierselbst.. B. Grünberg, 4. Sept. Tie Geistlichen des evangelischen Dekanais Grünberg versammelten sich heute nachmittag mit ihren Familien un Garten der Restauration „Taunus" zur fugen. Familienkonferenz. Zunächst wurde ein y o *2 H r-, CO •-< t> CO GM GM GM -C Märkte. a. Marburg, 4. Sept Auf dem heutigen Schweine- markte, der mit 970 Stück befahren war, waren die Preise trotz ziemlich lebhafter Nachfrage durchweg gedrückt. 5—6 Wochen alte Ferkel, für die anfangs pro Paar 36 Mark gefordert und bezahl! wurden, gingen bis auf 32 und 30 Mark zurück und wurden schließlich mit 24 und vereinzelt sogar 22 Mark gehandelt. 5—6Momä« alte Lauser kosteten durchschnittlich 45—55 Mk. pro Stück, Ältere Schweine entsprechend mehr. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Leipzig, 5. Sept. Die heutige Garnbörse war zahlreich besucht. Tas Geschäft war recht lebhaft. Es wurde eine größere Anzahl von Käufen abgeschlossen. Bedarf auf kurze Lieferung war vorhanden, jedoch wurden viele Käufer infolge der vorgestrigen Steigerung und des gestrigen Rückschlags stutzig und zurückhaltend. Die Preise für Spinner sind nach wie vor ungünstige. Für die nächste Garnbörse ist vorläufig der 17. April n. I. in Aussicht genommen. Karlsruhe, 4. Sept. Der Mitinhaber der Bankfirma Beit L. Homburger, Leopold Willstätter, ist heute früh in der Schweiz am Herzschlag gestorben. Brüssels 4. Sept. Es ist nunmehr der Versuch gemacht worden, bayerisches Bier auf dem W ass e r w e g e zu beziehen, um die Transportkosten zu vermindern. Eine volle Schiffsladung ist als erster Transport bereits gestern hier eingetroffen. Das Bier wird von München bis Mannheim per Bahn und von dort per Schiff weiterbefördert. Bern, 5. Sept. Die Darmstädter Bank hat beim Bundesgertcht durch den Rechtsanwalt Dr. Rys (Zürich) erne Klage eingereicht gegen die Beschlüße der Aktionärversammlung der Jura-Simplon-Bahn, betreffend die Verteilung des Reingewinns pro 1901. Im analogen Prozeß betr. die Verteilung des Reingewinns pro 1900 ist der Schriftenwechsel beendiat, und dieser Fall kann entschieden werden nach der Rückkehr der Bundesrichter aus den Ferien. Dieses Urteil entscheidet präjudiziell auch den nveiten Prozeß, weshalb die Jura-Simplon-Bahn das Gesuch Dr. Ryfs, den zweiten Prozeß mit dem ersten zu vereinigen, ablehnte. Wie verlautet, gestaltet sich die Verständigung der Jura-Simplon- Bahn über den Rückkauf der Bahn mit den italienischen Städten und Provtnzeu, die Subventionen an den Simplon-Durchstich zahlten, weniger leicht, als man meinte. Rew-Aork, 5. Sept. Die Direktoren der Mexikan Trust Company und der Bank and Corporation Trust Compagnie unterzeichneten ein Abkommen über die Vereinigung der beiden Gesellschaften. Die Combinarion führt den Namen International Bank and Trust Company. Das Kapital beträgt zehn Millionen Dollars. Die Gesellschaft will hauptsächlich mit denjenigen Ländern Amerikas arbeiten, wo romanische Sprachen gesprochen werden. — Verlegenheiten von Kamerun-Gesellschaften. In einer Generalversammlung "der Aktionäre der drei Kamerungesellschaften, der Kamerun-Hinterlandgesellschaft, der Deutschen Handelsgesellschaft Kamerun und der Handels- und Plantaaengesellschast Sudwest-Kamerun, wurde deren Liquidation beschlossen und zugleich oerwaltungseitig mitgeteilt, daß, wenn nicht sofort Schrille zur Rekonstruktion unternommen würden, der Konkurs der drei Gesellschaften unvermeidlich sei. Die gesamten Passiven der drei Gesellschaften betragen co. 300 000 Mk. Die in Afrira vorhandenen Aktiven dürften bei zwangsweisem Verkauf einen Verlust von über 200 000 Mk. ergeben. Hauptgläubiger der beiden erstgenannten Gesellschaften, welche gegenseitige Garantien für ihre Schulden geleistet haben, sino die Herren Weber und Schaer in Hamburg. Die letzteren hätten sich unter der Voraussetzung genügender Beteiligung seitens der Gesellschafter bereit erklärt, die Rekonstruktion der Geschäften in die Hand zu nehmen. Zu diesem Zweck soll eine neue Gesellschaft gegründet werden, welche die vorhandenen Aktiven der drei in Liquidation getretenen Gesellschaften übernehmen soll. Die Firrna Weber u. Schaer sei bereit, die Oberleitung zu übernehmen. Nach längerer Deballe wurde beschlossen, die Neugründung einer Gesellschaft unter der Firma »Deutsche Kamerun- Gesellschaft" mit einem Kapital von 500 000 Mk. vorzunehmen. Die neue Gesellschaft übernimmt Akttva und Passiva der aufgelösten drei Gesellschaften, und zwar sind hiervon 300 000 Mk. zur Befriedigung der Gläubiger, weitere 200 000 Mk. als Betriebskapital in Aussicht genommen. Die zu Protokoll gegebenen Beteiligungen betrugen in der Versammlung ca. 290 000 Mk. Auszug MS den Sjavdtssmtsregifiery der Stadt Sießes. Aufgebote. Am 28. Aug. Karl Eugen Sontheimer, Kaufmann dahier mit Caroline Louise Speth in Frankfurt a. M. Am 30. Aug. Wilhelm Carl Heinrich Jöckel, Gerichtsasseffor in Lauterbach mit Louise Kätchen Karoline Margarethe Paula Adami dahier. Gustav Adolph Jung, Gärtner in Niederrad mit Anna Marie Wilhelmine Amend dahier. Am 1. Sept. Johannes Laucht, Dienstknecht auf Hof Capelle mit Margarethe Fegmeier dahier. Wilhelm Heinrich Schmitt, Dachdecker dahier mit Anna Dorothea Katharine Tietz hierselbstz Heinrich Max Halte, Ingenieur in Köln mit Elise Wilhelmine Lehr dahier. Am 3. Sept. Georg Wilhelm Christian Kinkel, Konditoreibesitzer in Bensheim mit Franziska Gernand dahier. Eheschließungen. Am 30. Sept. Waldemar Bruno Franch Schloffer dahier mit Katharine Rohrbach Hierselbst. Philipp Seitz, Weinhändler und Weingutsbesitzer in Heidesheim mit Marie Bischoff dahier. Heinrich Koch, Fuhrknecht dahier mit Karoline Beata Schultheiß hierselbst. Am 4. Sept. Wilhelm Budde, SergeaM in Darmstadl mit Wilhelmine Emilie Nebl dahier. Geborene. Am 25. Aug. Dem Werksührer Philipp Schreiner ein Sohn. Dem Postassistent Hermann Philipp Justus Lang eine Tochter, Julie. Am 28. Aug. Dem Heizer Ludwig Biedenkopf eine Tochter. Am 29. Aug. Dem Tapezier Johann Paul Hennig eine Tochter, Eitle Karolina. Dem Taglöhner Balthasar Erb eine Tochter. Am 80. Aug. Dem Bremser Heinrich Linkmann ein Sohn. Dem Speng- lermetster Rudolf Rüdiger ein Sohn, Wilhelm. Dem Taglöhner Wilhelm Brück eine Tochter, Maria Auguste. Dem Lokomotivheizer Peter Schaub eine Tochter, Lina Augusta Wichelmine. Am 2. Sept. Dem Fabrikarbeiter Jakob Stecker ein Sohn, Hans Ferdinand Theodor. Dem Postboten Wilhelm Stein eine Tochter, Karolina Elisabeths. Am 5. Sept. Dem Gerber Ludwig Mühlhause ein Sohn, Ferdinand Karl. Gestorbene. Am 1. Sept. Karl Zinßer, 34 Jahre all, Kaufmann dahier. Am 2. Sept. Agathe Lauer, aeb. Fischbach, 56 Jahre all, 2Öittroei des Rechtsanwalts Ludwig Lauer dahier. Am 8. Sept. Emilie Voinend, 1 Jahr alt, Tochter des Stationsafpiranten Heinrich Vomend dahier. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfrage» bleiben unberücksichtigt.) Anonymus mit dem „Reichsboten". Besten Dank für freundliche Uebersendung des Blattes. Es dürste interessieren, daß uns yim „Falle Thesrng" aus Tilsit, der Stadt, in der bekanntlich dieser Herr als Oberbürgermeister amtierte, und aus einem anderen ostpreußischen Orte, wo man jene Vorgänge genau kennt, Zustimmungen zu Teil geworden sind. Unsere Darstellung wird im wesentlichen „gut und richtig" genannt. »Nicht ganz zutreffend" von uns angegebene „Einzelheiten" werden ausdmckllch als »unwesentlich" bezeichnet. Die „Kgsb. Hart. Ztg." hat die Angelegenheit in gleichem Sinne beleuchtet. Wir haben zu der Sache authentisches Material erhallen, wollen aber jene »ollen Kamellen" nicht mehr aufrühren. Tie Oeffentlichkett hat heute kein Interesse daran. Unziemliche Redensarten dieses Herrn Obev- bürgermeistcrs a. D. laffen uns gänzlich falt Wir begnügen uns mit der Thatsache. daß sein Rechtfertigungsversuch tn der »Vofs. Zig." von der überwiegenden Mehrzahl der m Betracht kommenden deutschen Zeitungen als verfehlt angesehen wird. M 1 e tt ha. nft 9> , L 20 Lgarre,, (2 Ä* Kti 4^ INat üin. *'« »w Wn. AM tann ich tzm Pl9 WinöthoZ “ beiden 8 r.rmeLeoZ n tzunmel", jn -ue Starke als inriickeHvaldr 'm6 ’ Mmer mit ft dem Augen. wollte, tauchte 'e.tmummtf < die heftig ^regung legte iil dem o b e 7 die weiße •i tote dort die Sn Wirtlich, endes Weits. bei sich ham 'scheu Eheleuten es regnete, daß das weihe lltariskom-c Wg. Stadt- -rden beantragt iswesen im all- aran wurde in >ijche Orden bell Geld möglich nstandlicher und haben, sein, in i Ordenszeichen Mk. kannst Du, ne werden, und r einen Obolus tel gekauft hast, leut/'chen Mter- verden. Preis- )er Orden der Was man sich ht sreüich Mö wende sich da Lnsorten. Sehr jedes Knopfloch an Marino, der Ische Medftdjie- l Acht zu ver- vars von Kene- r unb [ih 4000 ie auch nur als venezolanischen Sachen in sehr sind schlMch Dmmandeur- i Ordens > xt, kann durch Tausech) Mark x MMerzien- MnsionmM- Kn hinter W MA dritte -b« »Sb In»- ’ia 3«' upl1®’ Selin« uni> « S t oft, den te;£t&nei1 merkte »sys i«108 uvrzsch i wH I §iq -1598 asgn 'ai8 92 OT rsgn •316 01 §19 9 asqy ^18 9 Sitz I asgfl '-IS I m Zig seiner Art wohl das Beste und Treffendste sagt, rvaS Über 6W Veranstaltung gesagt werden kann, trefflich durch 53, zum Teil ganzseitige, wohlgelungene Wiedergaben unterstützt. Diesem schließt sich der Schluß des für die Böcklinforschung wichtigen Aufsatzes Graf Schack und Böcklin an. Der dekorative Teil des Heftes beschäftigt sich mit der Turiner Ausstellung: die Sektionen Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Frankreich, Italien und Skandinavien werden von W. Fred einer Kritik unterzogen. Außerordentlich reichhaltig und vortrefflich ist hier wieder der bildnerische Schmuck (54, darunter 15 ganzseitige, Illustrationen). Erwähnt man noch die alles Wichtige bringenden Rubriken: Von Ausstellungen und Sammlungen, Personalnotizen u. s. w., so wäre wohl der Haupt- inhall deS Heftes angeführt. Jeden, den die modernen Bestrebungen in freier und angewandter Kunst interessieren, können wir immer nur aufs neue auf Bruckmanns »Kunst" aufmerksam machen. »Für junge Mütter" ist ein im Verlage von Wilhelm Möller in Berlin erschienenes Buch, das Belehrungen über Wochenbett, Kindespflege rc. bietet und in dessen Anhang einige brauchbare Ratschläge tn Bezug auf die Erleichterung der Entbindung erteilt werden. Ter Verfasser, Dr. R. Fischer giebt in dem Merkchen gute Ratschläge, durch deren Befolgung junge Frmren und Mütter sich und ihrem Kinde nützen, manchen verhängnisvollen Fehler vermeiden werden. Auch die Andeutungen, die über Vorbeugung von Kraukheiteu gegeben werden, sind beherzigenswert, liebet die Ernährung der Kinder entroidelt Dr. Fischer verständige Ansichten, deren Befolgung nicht angelegentlich genug empfohlen werden kann. Mübchsen aüsV'enlkaraLVifchseu Fufekn. Frr der „NewYorker Tribüne" schildert jemand die Kreo- Itnnen und Mulattinnen der Karaibischen Inseln als die anmutigsten, graKiösesten Frauen der Welt. Dabei ahmen diese Frauen dem stärkeren Geschlecht jener Zonen keineswegs in der von diesen Herren der Schiöpfung eifrig kultivierten Faulheit nach, sondern sie verrichten die schwerste Arbeit, tragen Lasten, besorgen die Feldarbeit, arbeiten in den Zuckermühlen, sowie im Hause, widmen sich ihren meist sebr zahlreichen Familien und sind dabei doch ebenso zufrieden und guter Dinge, wie ihre Schwestern in anderen Ländern, die bei allem Luxus und aller Bequemlichkeit des Lebens doch nicht zur Zufriedenheit gelangen. Zu ihren Pflichten gehört es unter anderem, die Militärstraßen und die Straßen in den Städten in Ordnung zu halten und auszubessern. Man bann sie an der 22 Meilen langen Regierungsstraße von Kingstown nach Georgetown überall beschäftigt sehen, Vertiefungen ausKusüllen, die Straße zu ebnen und von Fluten beschädigte Brücken auszubessern. Gewöhnliche arbeiten sie gemeinsam mit Männern, das heißt, Die Männer spielen sich als die Ausseher auf, statt bei der Arbeit mit Hand anzulegen. Auf den Feldern besorgen die Männer das Pflügen, die Frauen das Säen und Hacken. Bei der Ernte des KukerrohrS verdienen die Frauen für ununterbrochene Arbeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang 30 bis 60 Pfg., mehr nur in Ausnahmefällen. Am Samstag, dem Markttage, ziehen diese Frauen zu Fuß von St. Vincent aus in ihrem besten Staat nach, Kingstown oder Georgetown. Ihre Gatten begleiten sie, aber die Lasten werden von den Frauen getragen, während der Herr Gemahl vergnügt sein Bambusrohr schwingt. Tie Frauen in ihren tadellos weißen Gewändern, die aufgeschürzt bis jum Knie reichen, während lästiges Schuhwerk die Füße nicht einzwängt, erfreuen, wie sie so schnell — ohne doch scheinbar in Eite zu sein — dahinwandern, durch ihre natürliche Grazie jedes künstlerische Auge. Mit dem Maultier hält die Frau Schritt, ohne zu ermüden und vergnügt plaudert sie mit den anderen zum Markte Ziehenden. Die alten Frauen sind meist eifrige Händlerinnen. Ihre kleinen Kramläden aus den Straßen sind für westindisches Jnsel- leben charakteristisch. Sie belagern in ihren Booten die Schiffe und die Reisenden sogar in den Hotels, indem sie meist tropische Früchte und Kuriositäten feilbieten. Fast alle Mädchen besitzen eine gute, wenn auch knabenhafte, so doch zarte und wohllautende Stimme, die sich besonders zum Vortrag von Chorälen vortrefflich eignet * Seif e aus Kloake st off. Bei dem heutigen Stande der chemischen Wissenschaft darf man sich Über nichts mehr wundern, auch nicht darüber, daß Kloakestoffe' in Seife verwandelt werden können. Dieses soll in der That demnächst in Königsberg versucht werden, nachdem damit bereits in Amerika Erfolge erzielt sind. Wie in der letzten Sitzung des Vorortvereins Mittelhufen mitgeteilt wurde, besteht die Absicht, eine Gesellschaft zu gründen, die den Schlamm der bei Metgethen gelegenen Klärbassins der Kanalleitung verwerten will Wie festgestelll ist, enthüll jener Schlamm noch 17 Prozent Fette, deren Ausnutzung durchaus lohnend erscheint und die zur Seifenfabrikation Verwendung finden sollen. * Ter Mond und das kluge Fritzch^n. Fritz- chen ist ein sehr kleines dickes Kerlchen, das sich gerne auf dem Arm tragen läßt, weil fein großes Körpergewicht die Keinen Füßchen gar schnell ermüdet. Da er nun auch ein frisches, schönes Bübchen ist, wird er von seiner Wärterin sehr verwöhnt; liebkosend patscht sie öfter auf seine Kehrseite und sagt dabei lachend: „Tu mit Deinem Mond!" 9hm ist ober Fritzchen sehr gescheidt, und als jüngst die Frau Öberamtsxichter zu Besuch anwesend war, durfte er zeigen, was er schon alles kann. Er trippelt zu seinem Tischchen im Kinderzimmer, holl fein Bilderbuch und legt itS der Frau Oberamtsrichter auf ben Schoß. Diese schlägt das Buch auf und beginnt, ihn zu examinieren: „Nun, Fritzchen, da sieh' einmal, was ist denn das?" Und prompt antwortet das putzige Männchen: „Tie Sonn' I" „Schön!" gelohnt ihn der Besuch. Und toeiter fragt die Dame: ,Uiü) was ist «denn &a£?" Und wieder antwortet Fritzchen rasch: „Die Stern' l" ,/Ja, das ist aber nett von Dir", lobt die Dame, „aber nun sage mir auch, wo ist denn der Mond?" Da dreht sich Fritzchen schnell umA legt sich zu Boden und .indem er sich mit dem Händchen auf die Kehrselle patscht, ruft er freudestrahlend: ,/Da.U" * Ein jüdischer einjährig-freiwilliger Studiosus bittet den Feldwebel um Urlaub. Feldwebel: Wat haben Se denn schon wieder vor? Freiwilliger: Möchte zur Jrnrnattikulatiom ' Feldwebel: Ihr mit eure verfl .... Mische Feiertage wollt wol' jar teeneu Dienst mehr dhunl Kunst und Wissenschaft — Das Projekt eines neuen Theaters in Berlin. Ein famfortüim, an dessen Spitze Direktor Dr. Br ahm, der bisherige -Direktor des Deutschen Theaters, steht, wird das neue Theater -nach Bayreuther Mu st er auf dem Platze der Hochschule für Musck in der Potsdamer Straße errichten. Hamburg, 4. Sept. Der 13. internationale Orienta- listen-Konareß begann heute abend seine offiziellen Veranstaltungen rnck einem Begrüßungsabend irn Konzerthause. Namens Les vorbereitenden Ausschusses sprach Geh.-Rat Windisch-Leipzig. Hr wünschte dem Kongreß ferneres Gelingen ferner Arbeit und legte die Leitung in die Hände des Hamburger Komitees. Vehr- inann-Hamdurg hielt die Begrüßungsrede. Er gab einen Rückblick Äber die bisherigen Erfolge der orientalischen Wiffenschast und wies «uf die zahlreichen Beziehungen Hamburgs zu den Orientalisten lin. Lebhafter Beifall folgte der Rede. Geselliges Zusammensein anb ein Konzert schlossen den Abend. Heute Vormütaq wurde der Kongreß eröffnet. Das Ehrenpräsidium wurde Bürgermeister Mönckeberg übertragen. Jn seiner Begrüßungsansprache wies der Vertreter der deutschen Reichsregierung^ Wirkt. Geh. Legationsrat Dr. Rosen, darauf hin, daß der kaufmännische Geist der Orientalistik die Wege geebnet habe. Er begrüßte Hamburg als Stadt tiefes Geistes. U. A. sprachen auch Abgesandte der italienischen, Iranzö fisch en und nordamerikanischen Regierungen, die stürmisch begrüßt wurden. Der Kongreß sandte ein Huldigungstelegramm tn den Kaiser, König Oskar von Schweden iind Erzherzog Rainer aon Oesterreich ab. Ein von letzterem eingegangenes Begrußungs- Lelegramm wurde unter stürmischem Beifall in der Versammlung Ler ungarischen Delegierten verlesen. — Aus Gießen ist Prof. Dr. Stade anwesend. Der Kongreß tagt in zehn Seknonen, von Lenen sich sieben einzelnen nationalen Gebieten widmen ; ferner ist eine allgemein indogermanische und eine allgemein semitische Sektion vorhanden, eine zehnte endlich behandelt die Wechselwirkungen zivischen Orient und Oceident. Am 10. September wird der Kongreß geschlossen. Kitteratur. - Mit dem Septemberheft der „Kunst" (München, Verlags- cmstalt F. Bruckmann, Preis vierteljährlich 6 Mk.) beschließt diese von uns immer mit besonderer Freude gewürdigte Kunstzeilschrlsl iJjren dritten Jahrgang. Aus dem reichen Jiihalt des September- hsftes möchten rotr hervorheben einen Aufsatz von Paul Clemen über die Deutsch-Nationale Kunstausstellung in Düsseldorf, der in Flächensteuer 3 Schuld 1 8 I I Z r4 »H r-H r-( 1O Gewichtssteuer Schuld 1 •aiß 1 11 1 GM Z ZZZZs I 8ZZZZ Mk. 8 *O I I 5 8 SVZZZ L cooOcoh Z SctSSS' V veooo Mittl. Preis (einschließlich Tabaksteuer) voii 100 Kg. Tabak Mk. 31 1 8 3 88888 $ S c8 D-* CO_8 Menge des geernteten Tabaks in dachreifem trockenem Zustande durchschnittlich auf 1 H. i Jütf____1 1942 CT T? CD E- <3 überhaupt ___1 Zs, s 1 ' •o eo GM <—< CQ TO C- O lO U? H t»

OO CT CD CT CO r-1 < CD 1O CM CO r-4 Provinzen 1. Provinz Starkenburg 2. „ Oberhessen 8. „ Nheinheffen Großherzogtum Hessen Im Jahre 1899/1900 . . » „ 1898/99 . . , „ 1897/98 . . , » 1896/97 . . . , 1895-96 . . Il- GM 1 1 i-H GO « CO t> CO GM iH GM CO O CO 1^3 IS 13$ 2 I I CD CT CM CT CQ iQ —i CT C» O CO OO lO lO -qi 1O CT CT GO ” 12 1 § 1 gg Ä 1 1 lO CM ® C- CM rH® CCiOD 1O iO CO co CT CO 1 ISlOT8 99 CD t* O 1O iO CO CO CCrtTt’t’ - 1 1 1— 1- 0T o t> r> co »h co rl ( CM CM C'l 1 1 1 1 1^ 01 1 I 'M 05 CQ i-j r- O- CD 1O CO CM OO : - CM r-H CO CT CD GM r-< CO CO § 11 --I H-fONO r-t r-t CM GM GM Bekanntmachung. Das Polizeireglement vom 84. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesitzer die ihren GrundbeH an öffentliche« Kahr« oder Kußwegen etnfriedtgeudeu Hecke« in jeocm FiÄh- sahr bis »um 1. März aus 1.25 Meter Höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschueiden und im Lause des Dionats September die neuen Schößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurück zu binden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 81 des Jeld- strafgesetzes mit Geldstrafe von 1—10 Mark bestraft werden. Gießen, am 4. September 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________________I. V.: Georgi._____________' 6198 Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister wurde heute eingetragen: 1. Die Löschung der Firma „Sußmann Edelmuth* zu Beuern. 2. Die Löschung der Firma „Balthasar Wagner IV.' zu Allendorf an der Lumda. 3. Die Firma „Bote für das Ohm- und Feldathal, Oberhessischer Bote und Oberhessischer Beobachter, Besitzer Albin flle in* zu Gießen; Inhaber Buchdruckereibesitzer Albin Klein daselbst. Gießen, am 3. September 1902. 6199 Großherzogliches Amtsgericht. Zur Stadt Marburg. _____ Sonntag den 7. September: Tanzmusik wozu ergebenst einladet Fritz Kremer. Wissmar. Sonntag -en 7. September niiö Montag -en 8. September findet daS hiesige Kirchweihfest statt. Zur Feier dieses Festes wird an beiden Tagen in meinem mit großem, schattigen Garte« verbundenen Lokale Konzert und Tanz abgehalten, wozu ich hiermit freundlichst einlade. Gastwirt W. Schneider. Für gute Bedienung mit uur vorzüglichen Speise« und Getränken ist in bekannter Weise bestens gesorgt. Außerdem befindet sich im Hofe meiner Wirtschaft ein der Neuzeit entsprechende- 08851 nichanW KarussellmU e,eteÄ ®etrUb Kraftmesser. Zugverbinduug: Hinfahrt ab Gießen 2.08 Uhr nachmittags. Rückfahrt ab Wißmar 7.54 Uhr abends. Kinzenbach. Sonntag -en L nn- Montag -en 8. September: l 1 irchweihfest wozu freundlichst einladet 03850 I.uävigPeiisch, Gaßlvilt. (Menhausen. Äi«. Sonntag den 7. und Montag den 8. September: Itirchweihfeft .>« »oju -rgcbcnst einlabet Kastwirt Klinkei. Kür gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 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