Zweites Blatt. Freitag 6. Juni 1903 153. Jahrgang Ale heutige Wummer umfaßt 12 Seite«. Deutsches Reich daß es ber itte llandkänal Marienburger AeftLage. ii. Marienburg, 5. Juni. Um 8 «Uhr 30 Minuten traf der Sonderzug ein, dem das Kaiserpaar entstieg. Nach erfolgter Begrüßung fuhren Kaiser und Kaiserin im offenen Vierspänner nach dem restaurierten Schloß, dessen Weihe heute bevorsteht. Zur Feierlichkeit im Schlosse versammelten sich das Kaiserpaar, der Großmeister des Johanniterordens Prinz Albrecht von Preußen, die Prinzen aus den souveränen Häusern, in Meisters Sommerremter, die Kommendatorcn, Ehrenkommendatoren, und Rechtsritter des Ordens St. Der Apvetit ist rege, eine Zunahme der Kräfte macht firfji jedoch nicht bemerkbar. M ü n ch e n, 5. Juni. Im Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer verlangte das Zentrum die Berücksichtigung bayerischer Landeskinder bei Besetzung von Universitätsprofessuren. Besprochen wurde das ungünstige Ergebnis der juristischen Uni- versitätsprüfung. Es wurde vom Regierungstisch geltend gemacht, daß ungenügendes Material von den Gymnasien komme und die doppelte Besetzung gewisser Fächer mit von Einfluß aus die ungünstigen Examenresultate seien. Berlin, 5. Juni. Ter Vizepräsident des Norddeutschen Lloyd, Achelis, sagte bei Gelegenheit des Frühstücks, das die Stadt Dortmund den Mitgliedern des Kongresses der schifssbautechnischen Gesellschaft gab, Wunsch des Kaisers sei, den Mitte bald in Angriff genommen zu sehen und daß der Kaiser an denl Geoanken, den Kanal zu bauen, durchaus festhält. „Der Mittellandkanal kommt ganz be- st i m m t!" so soll der Kaiser kürzlich an Bord des Dampfers „Kronprinz Friedrich Wilhelm" zu dem Vizepräsidenten gesagt haben. Ausland. London, 5. Juni. Die Entscheidung des Kabinetts für die vorläufige Beibehaltung sowohl der neuen Er- höhungd erEinkommensteuer wie desGetreide- zolles unter gleichzeitiger Wiedereinrichtung des Tilg- ungsforrds der Nationalschuld wird als eine Ataßregel gedeutet, die Neuwahlen ins Auge fasse, die bei dem nach der Krönung in Sicht tretenden Rücktritte Salisburys und der Neubildung des Kabinetts wahrscheinlich werden würden, und die dahin ziele, der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn das die Absicht war, scheint sie einstweilen Erfolg zu haben. Paris, 5. Juni. (Ausführlichere Meldung.) Die Kammer prüfte in Ken Abteilungen die Wahlen, wobei in der 9. Abteilung über die Wahl des Nationalisten Cloutier ein heftiger Zwischenfall ausbrach. In dem Protest des radikalen Gegners befand sich eine Beschwerde überein Flugblatt, worin Cloutier die Republik ein Regime des Diebstahls und der Schande genannt hatte. Der Antisemit Millevoye ruft: „Ich habe das Nämliche drucken lassen, denn es ist die Wahrheit!" Ter Konservative Lagen- taye fügt hinzu: „Und der Präsident der Republik ist ein 211e6!" Sämtliche Anwesende springen auf. Man schreit sich Beleidigungen zu. Der radikale Bachimont nennt Millevoye eine Kanaille, worauf dieser über ihn hersällt. Es entsteht ein Handgemenge, nach dessen langem Verlauf jeder behauptete, den Anderen geschlagen zu haben, aber Thatsache ist, daß alle Prügel bekommen haben. Millevoye schickt seine Zeuge,: an Bachimont, welche dieser jedoch abweist. Nunmehr soll der Zwischenfall dem Präsidenten Bourgeois vorgelegt werden. — Außer dem Vorsitz im Ministerium will C o m b e s das Marineportefeuille übernehmen, und zwar will er in der Marine dieselben Reformen einführen, die General Andre in der Armee eingeführt hat. Delcasse drückte in einer Unterredung mit Loubet den Wunsch aus, dem für das Ministerium der Kolonien in Aussicht genommenen Senator Etienne dieses Portefeuille nicht anzubieten, da er besonders gegen England und Siam vorzugehen wünscht und wegen sriner Befürwortung der antienglischen Politik. Rom, 5. Juni. Der Papst empfing heute eine Abordnung aus den Vereinigten Staaten, die eine Adresse überreichte sowie ein Glückwunschschreiben des Präsidenten Roosevelt zum Papstjubiläum nebst den literarischen Arbeiten des Präsidenten. — Heute herrschte in der Kammer große Aufregung, weil die Abgg. Franchetti und Nosarelli, Mitglieder der Kommission zur Beratung des Gesetzes über die Regelung der Verhältnisse der Kolonie Erythrea, dem Minister Prin e t ti ihre Zeugen schickten, weil dieser in den Wandelgängen der Kammer frisch und frei beider Herren Thätig- keit glossiert hatte. Zürich, 5. Juni. Der internationale Textil-Arbeiter-Kongreß nahm einen von den englischen Delegierten gestellten Antrag auf Gründung eines internationalen Streikfonds an. Jede Gewerkschaft der einzelnen Länder hat per Jahr und Mitglied 5 Centimes einzuzahlen. Bis zum nächsten Kongreß darf der Fonds nicht angegriffen werden. Wien, 5. Juni. Der frühere Generalinspektor, General der Kavallerie in Pension, Freiherr v. Gagern ist heute früh gestorben, v. Gagern ist im Jahre 1830 zu Schwedt in Preußen geboren. Budapest, 5. Juni. Auf Antrag aller Direktoren wird im nächsten Schuljahr in den hiesigen Volksschulen in deutscher Sprache nicht mehr unterrichtet werden. K o n st a n t i n o p e l, 5. Juni. F u a d P a s ch a, welcher im Februar Leute ,/gegen die staatlichen Sicherheitsorgane bewaffnet und andere revolutionäre Handlungen begangen hatte", wurde vom Kriegsgericht zu lebenslänglicher Festungshaft, Degradation und Verlust aller Orden verurteilt. 11 Offiziere und 3 Mann sind der Mitschuld angeklagt. Ein kaiserliches Jrade bestätigt das Urteil bezüglich Fuads, verfügt dessen Internierung in Damaskus und begnadigt die Mitschuldigen. — Der verstorbene Fürst Wilhelm von Hanau war geboren am 19. Dezember 1836 in Kassel als ein Sohn Friedrich Wilhelms, des letzten Kurfürsten von Hessen, und feiner Gattin Gertrude Lehmann geb. Falkenstein, Fürstin von Stanau, Gräfin von Schaumburg. Er war zweimal vermählt, mit Prinzessin Elisabeth zu Schaumburg-Lippe, von der er 1868 geschienen wurde, und mit der 1868 geborenen Gräfin Elisabeth zu Lippe-Weißenfeld, beide Ehen blieben kinderlos. Nachfolger im Fürstentitel wird nunmehr der in Kassel lebende jüngere Bruder Prinz Karl von Hanau, geboren 1840 und in kinderloser Ehe vermählt mti Hermine geb. Gräfin Grote aus dem Haus Breese. Es leben noch zwei weitere Brüder, der unvermählte 59 jährige Prinz Friedrich Wilhelm Heinrich in Berlin, der zum Unterschied von der übrigen evangelischen Familie katholisch ist, und Prinz Friedrich Wilhelm Philipp, dessen Söhne aus der Ehe mit Albertine geb. Stäuber auch den Namen Grafen von Schaumburg führen. Somit scheint das Geschlecht der Fürsten von Hanau am Aussterben zu sein. — Im Reichstage hat heute eine Besprechung des Chefs der Reichskanzlei Geheimrat Conrad mit dem Staatssekretär Grafen Posadowsky und Vertretern öes Auswärtigen Amtes stattgefunden. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß es sich bei dieser Besprechung um das Schicksal der Brüsseler Zucker- Konvention gehandelt habe. — In der heutigen Sitzung des Bun des rat s wurde der Entwurf einer Bestimmung über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Hechelräumen und dergl. sowie die Vorlage betreffend die Verleihung von Korporationsrechten an die mit dem Sitze in Berlin gegründete „Deutsche Samoa-Gesellschaft" den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Tie Zustimmung wurde erteilt den Beschlüssen des Reichstags zu dem Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des § 7 der Strafprozeßordnung, ferner den Ausschußanträgen über die Vorlage betr. den Aufruf und die Einziehung der Noten der Bank für Süddeutschland in Darmstadt sowie über den Gesetzentwurf wegen Aufhebung der außerordentlichen Gewalten des Statthalters in Elsaß- Lothringen. — Tie „Kreuzztg." beteuert, daß der agrarische Antrag im preuß. Abgeordnetenhause keinen Vorstoß gegen den Reichskanzler darstellen sollte, und sie bezeichnet als eine Hetzerei, zu behaupten, daß er ein Mißtrauensvotum gegen den Kanzler gewesen sei. — Nachdem vor kurzem die Badische Anilin - und Sodafabrik und die Farbfabriken von Friedrich Bayer u. Cie. aus dem Zentralverband deutscher Industrieller aus geschieden sind, hat sich diesen jetzt auch die Firma Färb w er ke Meist er, Lucius u. Brüning angeschlossen. Sie hat ihren Austritt aus dem Zentralverband erklärt, und das Aufsichtsratsmitglied dieser Gesellschaft, Herr vom Rath, hat sein Mandat als Mitglied des Ausschusses des Zentralverbandes niedergelegt. Der Grund liegt in den Beschlüssen, die der Ausschuß des Zentralverbandes zu den die technische Industrie betreffenden Positionen des Zolltarifs gefaßt hat. — Tie „Nordd. Allg. Ztg." weist darauf hin, daß das Reichsgericht hinsichtlich der Bestrafung des groben Un - ifugs den Standpunkt vertrat, daß nicht jede grobe und ungebührliche Handlung, die das Publikum belästigt oder gefährdet, die Strafbarkeit begründe, vielmehr weiter erforderlich sei, daß die Handlung sich zugleich als Störung oder Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung darstelle, ähnlich wie bei der von der gleichen Vorschrift (§ 360 Ziffer 11) betroffenen ungebührlichen Erregung ruhestörenden Lärms. Tie „Nordd. Allg. Ztg." fügt hinzu, auf Ersuchen des Reichsjustizamts haben die bundesstaatlichen Justizverwaltungen die Beamten der Staatsanwaltschaft angewiesen, sich bei der Erhebung der Anklage wegen groben Unfugs diese Grundsätze stets genau zu vergegenwärtigen. Dr e s d en, 5. Juni. (Zweite Kammer.) Unfeine Interpellation der Abgg. Bogel und Leupold, worin an- gefragt wird, ob die Staatsregierung den Toleranzantrag auch in der nach den bisherigen Beratungen des Reichstags in Frage kommenden Fassung abzulehnen ge- gedenke, erklärt der Kultusminister, die Regierung babsichtige, falls der Gesetzentwurf betreffend Freiheit der Religionsübung in der der zweiten Lesung entsprechenden Fassung vom Reichstage angenommen werde, im Bundesrat sich gegen diesen Antrag zu erllären. Tann wird die Aufnahme einer dreiprozentigen Anleihe von 100 Millionen beschlossen. Sybillenort, 5. Juni. Ter König von Sachsen verbrachte den gestrigen Tag zum Teil auf der Veranda des Schlosses und Mief nachts mehrere Stunden ruhig. Johann und vom Gebet zu Jerusalem und die Mitglieder der ausländischen Teputationen in Meisters Großem Remter. Dann ging der Zug vor sich, zuerst die Ritter des Johanniterordens, dann die Teputationen der Johanniter englischer Zunge und des deutschen Ordens aus Oesterreich. Es folgten die prinzlichen Mitglieder des Ordens und der Ordenshauptmann, das Ordensschwert tragend. Hieran schloß sich der Großmeister Prinz Albrecht und der Kaiser. Unter Glockengeläute ging der Zug zur Schloßkirche. Der Zug bot ein Bild unvergleichlicher Pracht und FarheuftUle. Tie alte Architektur der Kirche in der Hellen Sommer sonne, die mllitärischen Gestalten der Troßknechte, malerisch auf Lanzen und Schwerter gestützt, boten den Hintergrund. Tie Ritter trugen über der roten Uniform den Mantel von schwarzen Mären, die Oesterreichischen trugen lange rote Mäntel mit Schwarz. Reckenhaft nahmen sich die Gestalten der vier Offiziere aus, die in der Tracht oes deutschen Ordens das schwarze Kreuz auf weißem Mantel mit gewaltigem Schwert und Schild dein Kaiser und den Prinzen voram'chrikten. Der Herrenmeister trug über der Uniform den langen schwarzen Mantel, welchen Pagen hielten. Ter Kaiser als Hochmeister trug den gleichen Mantel, der ebenfalls von Pagen gehalten wurde, darüber einen Kragen von Hermelin, aus dem Haupte mit einem mit weißen Federn verbrämten schwarzen Hut. Am Eingang der Kirche empfing der Kaiser die Geiste lichkeit, die den Kaiser nach dem Hochmeistersitz geleitete. Nach dem Gemeindegesang und der Liturgie hielt D. Drtz- ander die Weiherede. An den Gesang der Geimeinde schloß sich der Weiheakt. Tarauf begab sich der Zug nach den Gastkammern. Es begann das Bankett. Tie Tafeln in den Gastkammern waren mit schweren alten Humpen besetzt. Bei dem Bankett saß der Kaiser rechts von der Kaiserin. Nach rechts folgten Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Frl. v. Gersdors, der Reichskanzler Graf Bülow, Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, Graf Görz- Schlitz, usw. Links von der Kaiserin saß Herzog Nikolaus von Württemberg, die Gräfin Stolberg, Oberkämmerer Graf Solms-Baruth usw. Gegenüber den Majestäten hatte Prinz Albrecht Platz genommen, zwischen dem österreichisch-ungarischen Botschafter rechts, dem großbritannischen Botschafter Lascelles, links. Bei dem Bankett hielt der Kaiser folgenden Trink- sprach: Durchlauchtigster Herrenmeister, verehrte Brüder vom Orden St. Johanns! Der heutige Tag hat im Einverständnis mit meinem Oheim auf mein Geheiß den Orden St. Johanns in der Marienburg versammelt, um mit mir gemeinsam als Wirte Gäste zu empfangen, die wir zu unserer Freude unter uns sehen. Seit meinem Regierungsantritt ist es das zweite Mal, daß wir uns gemeinschaftlich zu- sammensinden, und es liegt mir am Herzen, dem Orden vollste Anerkennung und Dankbarkeit auszusprechen für die treue, fleißige Arbeit, welche er auf dem ihm vorgeschriebenen Gebiete leistet und geleistet hat. Ich habe dem Zoll dieses Dankes Ausdruck gegeben dadurch, daß ich in einer Ordre an Seine Königliche Hoheit dem Orden mein Bildnis in seiner Tracht verliehen habe, damals in den Räumen Sonnenburgs, wo die Geschichte des Ordens webt und lebt, heute an denkwürdiger Stätte, an der Wiege des deutschen Ordens. Auf fremdem, heißem Boden zur Unterstützung notleidender deutscher Brüder gegründet an der Seite des Ordens St. Johanns und der Tempelherren, war sein Zweck, Jerusalem die Freiheit wieder zu erstreiten und die Grabeskirche ein für allemal dem Kreuz zu erhalten. Doch diese Hoffnung trat nicht in Erfüllung, denn schon bald nach Gründung des Deutschen Ordens mußte das heilige Land der abendländischen Christenheit als territorialer Besitz ein für allemal als verloren betrachtet werden. Gewiß wird damals mancher Ordensbruder schmerzlich auf geseufzt haben und mancher Deutscher süch gefragt haben, was wird nun aus uns werden, welche Aufgaben müssen wir uns stellen? Ich meine aber, daß gerade hier der Finger der Vorsehung zu erblicken ist. Nicht auf fremdem Boden, wo der Europäer nicht heimisch ist und wo der König noch nicht festen Fuß gefaßt hatte, sondern daheim, an des Reiches Grenze, da steckte die Vorsehung dem Orden seine Aufgabe. Und wie hat er sie erfüllt? Tas hat ein beredterer Mund als! der meine und in herrlichen Worten in der Kirche geschildert. Erhaben und groß in allen seinen Arbeiten, allen feinen Plänen, sowohl in Bezug auf feine Politik, wie in Bezug auf feine Kriegszüge und seine Bauten, so stellt der Orden gewissermaßen die Blüte deutscher Leistungsfähigkeit dar, und durch die ganze Zeit des Mittelalters hindurch, als die kaiserliche und die Reichsherrlichkeit bald verblichen und dahinschwanden, hat das deutsche Volk sich an diesen Brüdern und Kindern seines Stammes gefreut und an den Leistungen des Ordens sich erbaut. Ich habe schon einmal Gelegenheit genommen, in dieser Burg an dieser Stelle zu betonen, wie die alte Marienburg, dieses einstige Bollwerk im Osten, der A u s g a n g s p u n k t der Kultur der Länder östlich der Weichsel, auch stets, ein Wahrzeichen für deutsche Ausgaben bleiben soll. Jetzt ist es wieder so weit. Polnischer Uebermut will dem Deutschtum zu nahe treten, und i ch bin gezwungen, mein Volk aufzurufen zur Wahrung seinernationalenGüter. Hier in der Marienburg sprech^ich die Erwartung aus, daß a l l e B r ü d e r d e s Ordens St. Johann immer zu Diensten stehen werden, wenn ich, sie rufe, deutsche Art und Sitte zu wahren, und in diesem Wunsche und dieser Hoffnung erhebe ich mein Glas auf das Wohl des durchlauchtigsten Herrenmeisters und des Ordens St. Johann. £urra! Hurra! Hurra! Tie Musik setzte mit Fanfaren ein. Prinz Albrecht erwiderte: Eure Majestät haben di« GletzenerAilzelgerW General-Anzeiger w ** .xa _ _ v w tot den poltl. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen s“ __________________________ __________________________________________ " zeigenteil: Hans Beck, Nr. 130 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'sche« Univers.-Buch- ruStein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktton, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprkchanschluß Nr. 51. geraten. In der Beweisaufnahme bekundet Zeuge Embach, daß ihm von seiner Ehefrau und Tochter im Oktober 1897 die Angabe gemacht worden sei, Bommersheim habe 84 Pfund Saatkorn geholt. Er habe dies damals sogleich in ein kleines Buch geschrieben, das Zeuge vorlegt, und später in ein besseres Buch übertragen. Auch dieses Buch wird vorgelegt. Es enthält ein Konto für den Angeklagten, in dem auch, aber ohne Datum, die 202 Pfund Saatgetreide, die Lehrer Becker an Bommersheim ausgchändigt hat, enthalten sind. Der Zeuge bekundet weiter, daß er nicht wisse, wer die vorliegende Anzeige, die ohne Namensunterschrift bei der Staatsanwalt- chaft eingegangen ist, erhoben habe. Richtig sei, daß er wohl hier und da erzählt habe, Bommersheim habe falsch geschworen. Er bestreitet, dem Bommersheim feindlich gesinnt zu sein. Die Ehefrau Embach bezeugt, sie habe in Gemein erklärt, bestimmt zu wissen, daß er Anfang Oktober 1897 dem Angeklagten 202 Pfund Saatkorn von dem Vorrat gegeben habe, den er vorher an Embach verkauft habe. Einige weitere Zeugen wollen Bommersheim gesehen haben, wie er mit einem leeren Sack zu Embach gegangen sei und diesen gefüllt wieder herausgebracht habe. Wann dies war, kann Niemand genau angeben. Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Den Ge- chworenen wird die Schuldfrage wegen Meineids vorgelegt. — Der Vertreter der Anklagebehörde, Gerichtsassessor Hoos, führt aus, daß das Belastungsmaterial nicht hinrcicht, um daraufhin den Angeklagten für schuldig zu erklären. Er bittet die Geschworenen, die Schuldfrage zu verneinen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Grünewald, unterzieht die Verhältnisse im Dorfe Dorn-Asienheim, die sich durch die Verpachtung der Kirchenäcker ergeben, einer Kritik. Schars geht der Verteidiger mit dem Bürgermeister Rack ins Gericht, dessen Handlungsweise mit der Stellung eines Bürgermeisters sich nicht vereinbaren lasse. Er schließt sich dem Anträge des Staatsanwalts an. Nach kurzer Beratung wird der Wahrspruch der Geschworenen verkündet, der auf nichtschuldig lautet, worauf der Gerichtshof den Angeklagten von Strafe und Kosten f r e i s p r i ch t. wohlthätigen Zwecken zur Verfügung gestellt. Butzbach, 5. Juni. Nach der Zusammenstellung der hiesigen Bürgermeisterei gingen pro 1901/02 für das Elektrizitätswerk ein: a) für Stromabgabe an Private inkl. Stromgebrauch für Motorenbetrieb 27 312,24 Mk., b) für Strom- _______________y , abgabe an Großh. Zellenstrafanstalt Butzbach 1. für Licht schäft mit ihrer Tochter im Oktober 1897 dem Angeklagten 3 458,70 Mk., 2. Motorenbetrieb 834,20 Mk., zusammen im Speicher ihrer Hofraithe Saatkorn eingemessen, das 84 4 292,90 Mk., c) für Zählermiete 1 991,50 Mk., Summa Pfund gewogen habe. Bommersheim hat mit dem Korn das 33 597,64 Mk. — Am Montag waren bie Ritter des I o- Haus verlassen. Die Embach'sche Tochter, jetzige Frau hanniterordens von Hessen und Hessen-Nassau unter Petri III. ist nur schwer zum Reden zu bringen. Sie be- dem Vorsitz des Grafen Görtz-Schlitz zu ihren alljährlichen stätigt die Angaben ihrer Mutter. Bürgermeister Rack von Beratungen in der Komthurkirche zu Nieder-Weises ver- Dorn-Asienheim stellt der Familie Embach inbezug auf ihre sammelt. Nach der geschäftlichen Sitzung fand ein Festessen Glaubwürdigkeit ein gutes Zeugnis aus und giebt dann ein im Hotel „Hessischer Hof" statt. Bild von den Zerwürfnissen in der Gemeinde. Er glaubt, x Herchenhain, 4. Juni. Die geplante Fern sprech- daß der Angeklagte eines Meineides fähig sei. Auf Befragen stelle von Hartmannshain nach Herchenhain ist fertig Herdes Verteidigers, womit er diese Ansicht begründe, erklärte gestellt. Rack, Bommersheim sei prozeßsüchtig, er dränge sich ans Darmstadt, 5. Juni. Der Großherzog wohnte heute Gericht, dem andere Leute gern aus dem Wege gehen. Auf- vormittag den Besichtigungen des 1. Großh. Jnfanterie- gefordert, näher anzugeben, womit er diese Ansicht über den (Leibgarde-) Regiments Nr. 115 und Batterien des 2. Großh. Charakter des Angeklagten begründen könne, bemerkt der Feldartillerie-Regiments Nr. 61 durch den Kommandierenden Zeuge, Bommersheim habe in einem Fall, den er angiebt, General auf dem Truppen-Uebungsplatz bei. sich selbst als Zeuge benannt. Auf die Frage des Vertei- Darmstadt, 5. Juni. In der heutigen Stadtverordneten» digers nach dem Verfasser der anonymen Anzeige bestreitet sitzung wurde über den Beitrag der Stadt zum Theater- Rack, daß sein 27 Jahre alter Sohn es sei. Er gesteht zu, umbau beraten. Oberbürgermeister Morneweg legte zudem Sohn das Material zu der Eingabe gegeben zu haben, nächst ausführlich die Sache dar und empfahl schließlich An- Angeklagte befragt, er habe ihn in der Verpachtungssache als nähme des Ausschußantrages der Majorität, die angeforderten einen rechtlich denkenden Mann kennen gelernt, dem er einen 365 000 Mk. zu bewilligen unter der Voraussetzung, daß Meineid nicht zutraue. Lehrer Beck von Dorn-Assenheim der Stadt seitens des Finanzministeriums eine billigere Er- tzÜMMMicht. P. Gießen, 5. Juni. Verhandelt wird gegen den am 6. Februar 1847 geborenen Landwirt und Schneider Heinrich Bommersheim von Dorn-Asienheim wegen Meineids. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Hoos. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünewald. Es sind 15 Zeugen zu vernehmen. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, daß er am 1. Februar 1899 vor dem Amtsgericht Friedberg in dem Zivilprozeß Embach einen ihm vom Kläger zugeschobenen und ooni Gericht auferlegten Eid wissentlich falsch geschworen habe. Der Thatbestand der Anklage ist folgender: Der Landwirt und Futterhändler Wilh. Adam Embach in Dorn- Assenheim hatte den Angeklagten Ende 1898 auf Zahlung eines Betrages von etwa 80 Mk. verklagt. Dieser Betrag setzte sich aus mehreren Posten zusammen, von denen einige vom Beklagten bestritten wurden. So wurde von Bommersheim die behauptete Lieferung von 84 Pfund Saatkorn vom 9. Oktober 1897 im Betrage von Mk. 6.51 nicht anerkannt. Im Termin vor dem Amtsgericht Friedberg am 1. Februar 1899 hat der damalige Beklagte Bommersheim beschworen, das Saatkorn nicht erhalten zu haben. Dieser Eid soll nach der Anklage wissentlich falsch geleistet sein. Der Angeklagte bestreitet entschieden, falsch geschworen zu haben. Er verweist darauf, daß er im Winter 1897, und zwar ebenfalls im Oktober, vom Lehrer Becker für Rechnung des Embach 202 Pfund Saatkorn erhalten hat. Dieses habe zur Bestellung eines 3000, Quadratmeter großen Ackers genügt, ja es sei sogar noch davon etwas übrig geblieben. Er will 1897 nicht mehr Bodenfläche mit Korn bestellt habe, wie er aus einem Buche den Geschworenen nachzuweisen sucht. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Schmidt, macht den Angeklagten darauf aufmerksam, daß Embach, dessen Frau und Tochter bereit seien, unter Eid zu behaupten, daß Bommersheim am 9. Oktober 1897 die 84 Pfund Saatkorn bekommen hat. Der Angeklagte bleibt bei seiner Aussage. Er sei ein Opfer der Streitigkeiten in der Gemeinde Dorn- Asienheim, die wegen der Verpachtung der Kirchenländereien ausgebrochen seien. Es wird dem Angeklagten vorgehalten, daß er sich den Vorwurf des Falscheidrs^ der einmal im Wirtshaus gegen ihn erhoben worden sei, ruhig habe gefallen lassen. — Der Angeklagte erklärt, er habe den Beleidiger Embach verklagen wollen, Rechtsanwalt Keller-Friedberg aber habe ihm ab- Gnode gehabt, zu gestatten, daß ich normens des ganzen Ordens nnterthanigsten Dank zu Fußen legen darf für die gnädigen Worte, welche Eure Majestät soeben in so erhebender Weise an un§ gerichtet haben, wie auch für die gnädigen schriftlichen Worte, die ich den Johannilerrittern schon habe bekannt geben dürfen, in denen eine Anerkennung des L)rdens statt-gesunden hak, die muh meinen und aller Anderen Gefühlen wir erst verdienen sollen, und zugleich den Tank für die außerordentliche Auszeichnung durch Ueber- sendung des Porträts, das für das OroenSschloß in sonnen» bürg bestimmt ist. Eure Majestät wollen gestatten, daß ich im Namen sämtlich,er curwesenden Ritter und aller, die nicht hier teilnehmen können, die lleberzougung ausspreche, daß, wenn Eure Majestät sich an die Ordensritter wenden, ihnen etwas befehlen, wir bereit sind, mit allem, was wir vermögen, Eurer Majestät zu Diensten zu stehen! Diese Versicherung bekräftigen wir mit dem Rus: L»e. Majestät, der Allerhöchste Patron unseres Ordens, der Allerhöchste Ritter unseres Ordens, Hurra, Hurra, Hura! Die Musik spielte die Nationalhymne. Unmittelbar hieran schloß der Kaiser einen zweiten Trink sprach, welcher lautete: Indem ich namens des hier versammelten Johanniter- Ordeus die Herren des Deutschherrn-Ordens aus Wien und von Balley-Utreckft begrüße, spreche ich zunächst meine tief empfundene Trauer aus, daß Erzherzog Eugen durch seinen Gesundheitszustand verhinvert ist, hier zu weilen. Von dem Augenblick an, wo ich Gelegenheit gehabt habe, das Interesse Sr .Hoheit aus Wiederherstellung der Bauten und auf die Geschichte und die Erneuerung der Marienburg hinzuweisen, hat der durchlauchtigste Herr mit größtem Interesse sich der Arbeiten angenommen und sie perfplgt. Ich bitte Sie, Si5. Hoheit unsern ehrerbietigsten und innigsten Gruß und den Wunsch für seine baldige HerstelluiiMver- rnitteln zu wollen. Von Herzen seien Sie uns willkommen, die Herren im weißen Rock mit dem schwarzen Kreuz. ^-ie großartige Geschichte dieses Ordens steht so markant in Wort und Bild, nicht zum mindesten in diesen Räumen hier vor uns unsds i stschon in so hervorragender Weise geschildert, daß ich mich enthalten darf, des Weiteren darauf einzugehen. J5h! möchte nur einen Punkt betonen, der mir von höchster Wichtigkeit scheint, und das ist der, daß die Tendenzen, unter denen die Orden begründet wurden, ein und dieselben gewesen sind. Tas große, herrliche Gesetz, welches unser Erlöser der Menschheit gegeben hat, das erhabene Gesetz der Bruderliebe, vereint die Orden,welcher Konsessionsieauch sein mögen, tn dem großen Ziel, der leidenden Menschheit beizustehen, wo sie Können, und damit das W e r k d e r E r l ö s u u g der Menschheit, dem Vorbilde unseres Heilandes folgend, weiter zu fördern. So wie wir heute in der alten Marienkirche unsere Knie gemeinsam gebeugt haben vor einem Allerhöchsten, dem wir allever- antw örtlich sind, und unter dessen Schutz wir stehen, so möge die gemeinsame Arbeit der Orden gefördert werden, sei es aus dem Schlachtfeld e, sei es im Krankenhaus e, sei es aus dem Gebiet der Erhaltung von S i 11 e u n ü A r t und zumSchutzeallesdessen,was aut deutsch ist hier und jenseits der Grenze. Ter Kaiser fuhrsodann in en glisch er Sprache fort begrüßte die Herren der englischen Deputatiorl und trug ihnen Grüße an den König von Großbritannien und Irland auf. Tann fuhr der Kaiser fort: Wir aber erheben unsere Gläser und trinken aus das .Wohl unserer Gäste, sie leben hoch, hoch, hoch! Tie Musik intonierte die österreichische Hymne. Hierauf erhob sich General der Kavallerie Frhc. von Bechtolsheim zu folgendem Toast: Euere Majestät gestatten Allergnädigst, daß ich für den Hoch? und ^eutfch- meister Erzherzog Eugen von Oesterreich, für die dem gesamten deutschen Ritterorden so huldvoll gewidmeten Worte unfern ehrerbietigsten, unterthänigsten Tank im Namen des Hoch- und Teutschmeisters und un Namen des gesamten deutschen Ordens ausspreche. Wir danken Eurer Majestät dafür, daß Allerhöchstdieselben geruhten m hoher, erhabener Förderung der deutschen Kunst die alte Marien- 'burg in so glänzender Weise wiedererstehen zu lasten, ein weithin leuchtendes Tenkmal der ritterlichen Hochherzigkeit Ew. Majestät. Der alte deutsche Ritterorden hatte mit der Niederkämpfung des Heidentums in diesen Landen seine Bestimmung erfüllt, und friedlich konnte er seiner ursprünglichen Ausgabe samaritanischer Barmherzigkeit sich . wieder zuwenden, welche er seit Anfang seines Bestehen^ im heiligen Lande ausgeübt hatte. Geruhen Euere Majestät für die höchst erhabene Fürsorge, durch die Ew. Majestät die Marienburg als Symbol, Hort und Bollwerk deutscher Treue kommenden Jahrhunderten und Geschlechtern in so strahlendem Glanze gesichert haben, unseren allerunterthänigsten Tank entgegenzunehmen, indem ich das Glas erhebe mit dem aus unser Atter Herzen Tiefe kommenden Rufe: Se. Majestät der Kaiser, die Küsterin und das gesamte Herrscherhaus: Hoch, hoch, hoch! Die Musik spielte die Nationalhymne. Ter Kaiser und die Kaiserin reiften um 4i/2 Uhr mit Sonderzug nach Cadinen ab. _________ gewesen, daß wir unsere Truppen durch Gründe der Vaterlandsliebe und Ehre heranziehen und haben diese Wahl niemals zu bereuen gehabt. In den Augen der Welt stehe England stärker da, als je. Man habe sehen können, daß, obgleich das Land von Truppen entblößt gewesen fei, Englands Suprematie zur Dee und seine Stellung in der Welt genügt hätten, das Land zu schützen. England seinie stärker gewesen, als in der Zeit grö ßter Gefahr! . Wie von London gemeldet wird, wird die Waffen- streckung ins Transvaal und dem Orcknjestaat nach einer Schätzung des Standard-Korrespondenten in Pretoria etwa 10 Tage in Anspruch, nehmen. Tie Kapitulation der in der Kapkolonie stehenden Kommandos dürfte aber erheblich, länger dauern. Innerhalb der früheren Republiken wird der akute Nahrungsmangel die Wassenstreck- ung der Kommaiidos beschleunigen. Drei Kommandos aus der Gegend von Heidelberg haben bereits durch, Telegierte um schnelle Uebersendung von Lebensrnitteln und Kleidung gebeten, da sie von allem entblößt seien. Bevor nicht die Lebensmittelzufuhr zuverlässig geregelt ist, könne auch, der dringende Wunsch der Burenfrauen und Kinder, aus den Konzeiitrationslagern erlöst zu werden, nicht erfüllt werden. Zunächst sind Massen von hölzernen Hütten bestellt worden, die den in den äußeren Bezirken ansässig gewesenen als Obdach bis zum Wiederaufbau ihrer Häuser mitgegeben werden. Entgegen der Nachricht, Krüger sei in Utrecht ernstlich erkrankt, erfährt das Reutersche Bureau von wohlunterrichteter Seite, daß der Präsident sich guter Ge- sundh eit erfreue. Aus Stadt und Sand. Gießen, 6. Juni 1902. L.TL Von der Universität. Als Fakultätsoertreter für das S. S. 1902 wurden gewählt: Herr stud. theol. Karl Hoffmann aus Klein-Eichen, Herr stud. jur. Johann Feick aus Friedberg, Herr stud. med. Wilhelm Kolb aus Düdelsheim, Herr stud. phil. cl. Wilhelm Schmidt aus Darmstadt. ** Die zweite juristische Prüfung, die im Frühjahr in Darmstadt stattfand, ist nicht besonders gut ausgefallen. Von etwas über 20 Prüflingen sind 5 durchgefallen, wenige erhielten die Note 3; der Rest bestand mit „genügend" 4. ** Auszeichnung. Der Großherzog hat der Hebamme Barbara Samesreuter Witwe in Westhofen die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens verliehen. Dieustnachricht. Der Regierungsassessor Dr. Diehl zu Erbach i. O. wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem Kreisamt Alzey und der Regierungsassessor D r a u d t zu Lauterbach mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem Kreisamt Lauterbach beauftragt. ** Hohe Gäste. Mit dem Schnellzuge 8.25 von Ems kommend, traf gestern abend der König von Schweden nebst Gefolge und Dienerschaften, in Salonwagen reisend, hier ein. Nachdeni sie im Fürstenzimmer des Bahnhofs das Souper eingenommen hatten, fuhren sie mit dem O-Zuge 9.52 nach Kassel weiter. ** Das erste Abonnement-Konzert, das gestern Abend in Steins Garten stattfand, erfreute sich eines so zahlreichen Besuches, daß der große Konzertplatz sich fast als zu klein erwies, um die Erschienenen aufzunehmen. Das reichhaltige Programm brachte uns als Hauptpiecen: Lachners Jubelfeier- Marsch; Lortzings Undine; Leoncavallos Prolog a.d.Bajazzo; Rossinis Quverture „Die diebische Elster". Unter der bewährten Leitung des Musikdirektors Krauße wurde es in vollendeter Weise ausgeführt. Herr Neudack, unser geschätzter und beliebter Piston-Virtuose, erfreute uns durch den Vortrag von Hochs „Nachklänge a. d. Zillerthale". Rauschender Beifall belohnte den jungen strebsamen Künstler, der dafür das reizende Walzerlied „Du mein Girl" als Zugabe spendete. Oscar Strauß, der berühmte Ueberbrettl-Komponist, ivar mit dem geschickt komponierten Intermezzo „Die Musik t'omnit" vertreten. Wenn auch der Inhalt dieses Stückes nicht neu ist, so übt es doch immer einen eigentümlichen Reiz auf die Zuhörer. In ein anderes Gebiet der Musik führte uns der Vortrag von Rubinsteins „Chevaliers et Cbätelaines“ aus Bal Codtume“. „Eine lustige Fahrt durch die musika- lische Welt", neuestes Potpourri von Laukien, das die beliebtesten Melodien der Neuzeit bringt, bildete den Schluß des in allen Teilen wohlgelungenen Konzertes. ** Turnerisches. Die durch den Tod des Gauturnwartes V. Schneider frei gewordene Stelle des l.Turnwartes des Gaues Hessen wird bis zur erfolgten Neuwahl durch den Stellvertreter Wilhelm Will in Wetzlar verwaltet. Zu dem am nächsten Sonntag in Lauterbach stattfindenden Wettturnen in volkstümlichen Hebungen ist eine große Anzahl Anmeldungen eingegangen. ** Der Ueberbrettl-Abend, der vor kurzem in Steins Saalbau stattsand, hat auch in pekuniärer Hinsicht einen schönen Erfolg aufzuweisen. Es wurde ein Reinertrag von 85 Mk. erzielt. Die Summe wurde der Bürgermeifterei zu Duftendes Eigenlob. Im englischen Unterhause setzte am Donnerstag her vortreffliche Herr Chamberlain auseinander, daß die Regierung nicht allen Buren, welche durch den Krieg Verluste erlitten, Ersatz und Hilfe versprochen habe, sondern die Regierung habe versprochen, daß Denjenigen Unterstützung gewährt werden sötte, die nicht im stände seien, das zur Wiederaufnahme ihres Handwerks nötige Werkzeug anzuschaffen. Balfour beantragte hierauf die Bewilligung einer Dotation von fünfzig- t au send Pfund für Kitchener. William Redmond bekämpft den Antrag und sagt, Mchener werde in der Geschichte als Mann dastehen, der gegen Frauen unb Kinder Krieg führte. Als Redmond roeiter sprechen will, wird der L ä r m so groß, daß Redner sich nicht mehr verständlich machen kann. Nachdem der Lärm ungefähr zwanzig Minuten angedauert Ijat, wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Die Dotation wird dann mit 380 gegen 24 Stimmen bewilligt. Dagegen stimmen die "Nationalisten und einige Radikale. Als Balfour hieraus beantragt, den Offizieren und Mannschaften den Tank oeS Hauses auszusprechen, erheben die ^Nationalisten lauten Lärm. Tas Dantesvotum wird hierauf mit 382 gegen 42 Stimmen bewilligt. Auch das Oberhaus bewilligte die Dotation für Kitchener und naljm das Dankesvotum für das Heer au. Lord Salisbury zollt den Leistiuigen des Heeres Anerkennung und fügt hinzu, Mancher behauptete, es würde besser sein, die Mannschaften für das Heer durch Aushebung zu gewinnen Wir sind aber stetH damit zufrieden qeroorben jein, Seit 4 b i s aus der Vormittags Nachmittags um thanen betrachtet werden. W Telephonischer Kursbericht stattfinden. Märkte. von um 40/ Italien. Rente 4*/3% Portugiesen .0/ Portugiesen, . 1% C. Türken . Türkenlose . . . 4°/o Urieeh. Monopol 3u/o Mexikaner 4,/g /u Chinesen . Electric, öclackert Nordd Lloyd . , Kreditaktien , . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Ber.iner Handelsges. Oesterr. Staatobahn Lombarden , , Üutthar.ibahn . . Laura.lütte , . , Bochum ...» Harpener . . . 426 Oesterr. Goidretne . 4',,26 Oesterr. öiiberrente 4% Ungar, boldrtnte . 3V8% 3°/o aV/o 3°/0 3 */a°/o 3'/, 26 . 102.05 . 93.00 . 101.85 . 92.55 . 99.90 . 99.25 . 103.00 101.70 . 101.60 . 102.70 . 46.45 . 29.70 . 217.10 . 187.40 . 140.70 . 146.20 . 157.50 . 150.75 . 19.20 . 168.50 . 205.30 . 198.60 . 178.6P Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen Oberbessen In der Johanueskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten Johannesgemeinde. Vormittags 9>/, Uhr: Pfarrer Euler. DriesKallen öer Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Hess. Laudesztg. Alan mertt's, daß bei Ihnen noch keine Veterinär-Mediziner existieren. 1902. . 25.80 . 90.40 . 109.00 Aum südafrikanischen Iricde». Rotterdam, 6. Juni. Das „Neue Journal" berichtet aus dem Haag: -Die letzten Meldungen aus Südafrika lgssen voraussehen, daß verschiedene Kommandanten, die augenblicklich in der Kapkolonie operieren, den Frieden nicht anerkenn en und den Krieg sort-i se tzen werden. Auch unter den TranLvaalern und Oranjeburen giebt es zahlreich>e Unzufriedene. Alle, die kein Eigentum besitzen, wollen den Krieg fortsetzen. Man könne auf eine kommunistische Bewegung, ähnlich derjenigen von 1870 in Paris, sich gefaßt machen. Lissabon, 6. Juni. Der Kriegchninister forderte die Gouverneure der Städte, in welchen Buren-Emigranten einquartiert sind, auf, eiligst eine Liste derselben mit Angabe des Alters und des Geschlechts und des gewünschten Bestimmungsortes einzureichen. Ein Transportdampfer führt diejenigen nach Südafrika zurück, welche die Rückkehr wünschen. Die Emigranten sollen als englische Unterwerbung, indem der Fiskus auf jeden Spekulationsgewinn verzichte, des Geländes im Heerdwegvierkel, das unter Verwaltung des Finanzministeriums steht, zugestanden werde. Die Minorität des Ausschusses beantragt, nur 300000 Mk. zu bewilligen. Stadto. Kramer will die ganze Summe bewilligen, möchte aber, daß die Stadt oder das Land nun auch irgend einen Einfluß auf das Theater erhalte, damit e§ nicht mehr ganz und gar nur in den Händen des Generaldirektors Werner liege, denn diese Direktion habe in gar mancher Beziehung Zustände geschaffen, „die zum Himmel schrieen." Schließlich werden die 365 000 Mk., für die als Gegenleistung durch das Ministerium ein Gelände von 9431 Quadratmeter der Stadt überlassen wird, mit 23 gegen 15 St. bewilligt, nachdem dem Majoritätsantrag eine noch etwas mildere Form gegeben worden war. — Heute vormittag fand in dem Hause Hermannstraße 47 die feierliche Eröffnung des ersten Seminars für Volksschullehrerinnen im Großherzogtum statt. Damit wird, wie Ministerialrat Dr. E i s e n h u t h in seiner Festrede erwähnte, ein Versprechen, welches die Regierung bei Ausgabe des neuen Schulgesetzes 1874 gegeben hat, eingelöst und einem dringenden Bedürfnis der Neuzeit abgeholfen. b Mainz, 5. Juni. Die hiesige städtische Sparkasse hat den Zinsfus für bei ihr aufgenommenen Gelder von 4V2 und 4'/4 Prozent auf 4 Prozent herabgesetzt. Diese Maßregel hängt mit der allgemeinen Besserung des Geld- marktes zusammen.____________________ Gottesdienst in der Synagoge Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 7. Juni 1902. Vorabend: 7" Uhr. Morgens: 8"° Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Schrifterklärung. Sabbathausgang: 930 Uhr. -Frankfurt a. JA., 6. Ium Man verlange Überall: oell’s vorzügliche Kronen-Papier-W äs ehe md achte beim Einkauf auf die nebenstehende Schutzmarke. 8 Bukbach, 6. Juni. Der gestrige V r e y m a r k t brachte, Lurch die Wltterung günstig beeinflußt, unserem Städtchen wieder lebhaften Verkehr. Sowohl von Händlern rote von Landwirten waren Schweine, namentlich jüngere Ferkel, in großer Anzahl auf- getrieben; obwohl die Preise gegen früher infolge der m letzter Zeit reduzierten Nachfrage etwas gedrückt waren, blieben nur wenige Schweine unverkauft. , , X. Lichenrotl), 4. Juni. Der heutige V i e h m a r k t, der sog. Sommerinarkt, war gut befahren, allerdtngs nur nut Schweinen. Aufgetrieben waren etwa 200 Stück. Ferkel kosteten das Paar, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. 9l/s Uhr: Hochamt mit Predigt und Ministration. (Fest des hell. Bonifatius, des Patrones unserer Pfarrkirche.) 2l/i Uhr: Festandacht mit Segen. Sonntag den 8. Juni. 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. 7 Uhr: Die erste heil. Meße, Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 2. Sonntag nach Trinitatis, den 8. Juni. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Mathäus- gememde. Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Vormtttags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 21/, Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrassistent Vogt. Nacbstkünstigen Sonntag, den 15. Juni, nachmittags 3 Uhr: Festgottesoienst aus Anlaß der Jahresversammlung des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes. Pfarrer Dingeldey aus Darmstadt. 8 bis 10 Wochen alt, 55 bis 60 Mk., 10 bis 15 Wochen alt, 65 bis 80 Mk. Es wurde hierin fast Alles verkauft. Dagegen war der Handel in Einlege°(Herbst)Schweinen mfolye des Futtermangels nicht besonders günstig, obwohl die Preise mcht hoch waren. Las Paar kostete 90 bis 100 Mk., bessere Qualität 105 bis 12o Alk. Viele blieben unverkauft. Besonders gesucht waren Zuchtschweine zur Aufzucht von Sommerferkeln, die sämtlich verkamt wurden, das Stück für 70 bis 80 Mk. Auch einige fette Schweine waren aufgetrieben, die von den Metzgern der hiesigen Gegend bald angekauft waren. Der Preis für das Pfund Lebendgewicht betrug 46 bis 47 Pfg., für das Pfund Schlachtgewicht 57 bis 60 Pfg: allgemeinen sind die Preise etwas zuruckgegangen. Der Handel war ziemlich gut. Ter Umstand, daß die Ernteaussichten nicht besonders günstig sind und die Futtervorräte zur Neige gehen, hielt manchen vom Kaufen ab. Gerichtssaal. Berlin, 5. Juni. Prozeß Sanden und Genossen. In der heutigen Verhandlung wird die Erörterung der Bilanzen fortgesetzt. Angeklagter Heinrich Schmidt betont, daß er eine dieser Bilanzen, obgleich sie seine Unterschrift mtt- gettagen und obgleich sie dechargiert worden sei, nicht kenne. Sachverständiger Geh. Rat Hecht kann es kaum annehmen, daß ein Direktor eine Bilanz mit seiner Unterschrift passieren und sich dafür Decharge erteilen lasse, ohne sie angesehen und geprüft zu haben. Bei der Bilanz pro 1899 werden vom Sachverständigen Kommerzienrat Lucas ziemlich dieselben Bemängelungen gemacht, wie bei den Bilanzen der Vorjahre. Otto Sanden bemerkt, wenn sich sein Bruder über manche Verhältnisse offener ihm gegen- i'iber ausgesprochen hätte, dann würde vieles besser geworden sein, und erwürbe nicht schon Jahre hier sitzen. Seit 4 bis 5 Jahren sei er außerdern so leidend gewesen, daß er an keiner Aufsichtsratssitzung mehr t e i l n a h m. Kommerzienrat Lucas setzt auseinander, daß hier mit fiktiven Konten gearbeitet worden sei und der Angeklagte sich mit kühnem Sprunge über alle Schwierigkeiten hinweggesetzt habe, um durch Buchungen und künstliche Rechnungskonstruttionen die fiktiven Konten verschwinden und als reelle Forderungen erscheinen zu lassen. Die Angeklagten suchen auch hier die Berechtigung der bemängelnden Buchungen nachzuweisen. Heinrich Schmidt wird zum Vorwurfe gemacht, daß er nicht für Abschreibung auf die der Preußischen Hypothekenaktten- bank gegen Anhalt u. Wagner Nachf. zustehenden Forderungen gesorgt habe. Schniidt bestreitet, daß er dazu verpflichtet gewesen sei, Abschreibungen oorzunehnien. Eduard Sanden erklärt, daß er die Forderurlgen von Anhalt u. Wagner voll bewerten zu dürfen vermeiMe, weil er volles Vertrauen zu dieser Firma gehabt und nie daran gedacht habe, daß diese zusammenbrechen könitte. Staatsanwalt Beeck wirft dem Angeklagten Eduard Schmidt vor, daß er als Revisor bestellt war uiid 2 Jahre überhaupt nicht vevl- diert habe. Eduard Schniidt entgegnet, er habe wegen seines schwerleidenden Zustandes sich nicht aller Pflichten entledigen können. Alsdann werden auch die Geschäftsberichte der Preußi|chen Hypothekenatttenbank beanstandet. Eduard Sanden behauptet, er habe nie bewußt Fälschungen begangen oder zum Nachteil der ®e= fellschaft gehandelt. Auf Befragen der Rechtsanwälte Bollert und Bernstein erklärt Lucas, daß mit den Bilanzverschleierungen wahrscheinlich die Absicht verfolgt wurde, die schlechte Situation der Bank nach mißen hin zu verdecken und den Zusammenbruch auf- zuhalten. — Morgen wird die Verhandlung forlgesetzt. mittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für dieLukasgemeinde. Pfarrer Euler. Katholische Gemeinde. Samstag den 7. Juni. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. . . 113.60 -Anl. 44.30 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Das in Nr. 124 Ihres geschätzten Blattes vorn 30. Mai enthaltene „Eingesandt" veranlaßt uns zu folgender Erwiderung: Es ist uns wohl bekannt, daß auch die Versicherungsgesellschaften volle Versicherungen übernehmen, und es ist von uns niemals etwas Gegenteiliges behauptet worden. Wie selten jedoch solche Vollversicherungen in der Praxis erfolgen, gebt am besten daraus hervor, daß nach unseren Wahrriehmungen 6/10 aller bei Versicherungsgesellschaften versicherten Gastwirte unvollständig versichert iiid. Wir können den Beweis hierfür jederzeit erbringen umsomehr, als wir bereits Hunderte von Polizen der verschiedensten Ge- ellschaften in Händen hatten und uns nicht entsinnen können, daß auch nut eine dieser Urkunden einen vollständigen Ver- icherungsschutz gewährte. Dabei bezahlen die Kollegen fast immer wett höhere Prämien für ihre unvollständigen Versicherungen, als ie bei uns für eine volle Versicherung zu zahlen hätten, und dies bildet den besten Beweis für die Billigkeit der Haftpflichtkasse Deutscher Gastwirte. Es dürfte auch jedem denkenden Leser einleuchten, daß unsere auf Selbsthilfe beruhende Kasse, welche im Nebenamt kostenfrei geleitet wird und nur ganz mäßige Unkosten hat, mit weit geringeren Beiträgen auskommen kann, als die Versicherungsanstalten mit ihrem großen Beamten-Apparat und ihren Millionen von Mark betragenden Unkosten für Verwaltung, Aktionäre usw. Schließlich wollen wir noch daraus aufmerksam machen, daß der größte Teil der ersten Jahresprämie den Herren Versicherungsvertretern zufließen soll, und es ist daher auch erklärlich, weshalb der Einsender des Artikels in Nr. 124, der sich als Vertreter einer Prioat-Versicherungsanstalt bezeichnet, unsere Haft- pflichckasse 51t schädigen sucht. Die Haftpflicbttasse Deutscher Gastwirte, welche nach Jahresfrist bereits ein Vermögen von 17 000 Mark besitzt und außerdem noch über einen Garantiefond von ca. 60 000 Mark verfügt, braucht zedoch solche Anfeindungen nicht zu fürchten, und wir glauben, daß das Eingesandt unserer Haftpflicht- taffe, wie schon in anderen ähnlichen Fallen, nur von Nutzen sein dürfte. Haftpflichtkaffe Deutscher Gastwirte. 47,26 äussere Argentiner —.— Tendenz: schwächer. große Schmerzen verursachte, sodaß sein Befinden Besorgnis er- regt. — Das heute Morgen ausgegebeue Bulletin besagt, daß insofern eine geringe Befferung eingetreten sei, als sich das Herz wieder etwas gekräftigt habe. Dem plötzlichen Anfall von gestern Abend folgte ein tiefer Schlaf, der mit kurzer Unterbrechung noch jetzt andauert. DaS allgemeine Schwäche gefühl ist sehr bedeutend. Sibyllenort, 6. Juni. Prinz Georg von Sachsen ist heute vormittag hier erngetrosfen. L 0 nd 0 n, 6. Juni. Tie letzten Meldungen aus Peking berichten über eine gro ße Ausdehnung des Anstandes in der Provinz Kwangsi. Der amerikanische Konsul in Kanton berichtet, daß General Su die Stadt Lungchu verlassen hat, nachdem er längere Zeit die Rebellen in Schach gehalten hat. Die Aufständisch^ mar- chieren in westlicher und nördlicher Richtung. London, 6. Juni. Miß Alice Roosevelt, die Tochter des Präsidenten der Bereinigten Staaten, ist hwate eingetroffen. London, 6. Juni. Die „Westminster Gazette" teilt mit, daß die seit kurzem umlaufenden, einander wider- prechenden Gerüchte, wonach eine große englische Dampfschiff svereinigung von der Regierung subventioniert werden, soll, um mit dem amerikani- chen Trust konkurrieren zu tonnen, eine sehr reelle Grundlage haben. Zwischen den Regierungen von England und Kanada, sowie anderer Kokonien und einem mächtigen Syndikate von Kapitalisten seien Verhandlungen im Gange zum Zwecke, eine Tampferlinie zu errichten, deren Schiffe größer, schneller und besser ausgerüstet sein sollen, al§ diejenigen, über die der amerikanische Trust verfügt. Paris, 6. Juni. In politischen Kreisen glaubt man, daß die Bemühungen des Senators Co mb es, das Ministerium zu konstituieren, bald zum Ziele führen werden. Tie Hauptschwierigkeit bildet noch die Frage des Finanzportefeuilles. Rouvier soll sich bereit erklärt haben, es zu übernehmen, jedoch wenig dazu geeignet sein, das von den Radikalen geplante Projekt der Ausführung der progressiven Einkommensteuer zu unterstützen. — Der neugewählte sozialistische Deputierte de Pressenssö erklärt in der „Aurore", er und seine Freunde seien fest entschlossen, alles auszubieten, um trotz der Amnestie und unbekümmert um die nationalistischen Drohungen die Dreyfus-Af- faire in der Kammer zur Sprache zu bringen und Treyfus zu seinem Recht zu verhelfen. Madrid, 6. Juni. Der König unterzeichnete ein kret bezüglich der Emission einer ö o/o Hmortisablen inländischen Anleihe von nominal 338400000 Pesetas. Der Emissionspreis beträgt 90,50, die Subskription erfolgt am 20. Juni. Wien, 6. Juni. Bei Besprechung des Toastes Kaiser Wilhelms in Marienburg schreibt die „Neue Freie Presse": Diese Rede sei zweifellos eine Ankündigung daß die die antipolnische Politik in Preußen sich noch mehr verschärfen, aber auch eine politische Rückwirkung auf Oesterreich ausüben werde. Mit größter Wahrscheinlichkeit sei zu erwarten, daß die polnischen Mitglieder der Delegationen in der Debatte über das Kriegs-Budget das Wort ergreifen und auf die Angriffe Kaiser Wilhelms erwidern werden. Sofia, 6. Juni. Hier tritt neuerdings das Gerücht auf, daß Fürst Ferdinand nach seiner Rückkehr aus Petersburg Bulgarien zum Königreich proklamieren werde. Ein Veto der Großmächte sei nicht zu erwarten. Chicago, 8. Zum. Em Fleisch-Krawall veranlaßte die Polizei, von ihren Revolvern Gebrauch zu machen. Verwundet wurden 150 Personen, darunter viele tötlich. Tie Mlliz mußte aufgeboten werden. Obgleich die New-Yorker und Chicagoer Gerichte Einhalts-Befehle gegen den Fleischtrust erlasieu, halten die exorbitanten Preise an. Die Fleischnot in Chicago wird durch deu Streck der Eis« und Fleisch-Fahrer verstärkt. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. 8. Tarmstadt, 6. Juni. Zweite Kammer. Fortsetzung der Beratung der Main-Neckar-B ahn-Vorlage. Abg. Morneweg führt aus, die Vorlage biete gegenüber dem älteren Vertrage außerordentliche Vorteile. Dies scheine für die Gegner des Vertrages der Grund zu sein, an dem 1896er Vertrage zu rütteln. Abg. Cramer fordert von der Regierung Aufklärung über die Stellung der Arbeiter bei der Uebernahme in die preußische Versicherungskasse. Oberfinanzrat Rothe erklärt, die Regierung habe den Arbeitern alle Vorteile gesichert und gewähre ihnen durch Stundung der zu zahlenden Beiträge jede Erleichterung. Abg. Leun giebt zu, daß in Hessen manche Verbesserung im Eisenbahnwesen eingetreten sei; schildert aber eine Reihe von Fällen, in denen Beamte benachteiligt worden seien. Ein Regicrungsoertreter stellt demgegenüber fest, daß in solchen Fällen jerdezeit eine Gnadenkaution zugebilligt worden sei. Finanzminister G n a u t h hofft, daß durch Annahme des Vertrages die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Preußen, Baden und Hessen noch gebessert werden würden. Nach weiteren Erörterungen einer Reihe von Abgeordneten über die von Gnauth gestellte Kabinetsfrage und einer Erwiderung desselben wird die Abstimmung über die Vorlage auf nächsten Dienstag vertagt. Dresden, 6. Juni. Das Befinden des Königs hat sich seit gestern verschlimmert. Zn der vergangenen Nacht it Oberhosmarschall Graf Vitzthum von Eckstaedt nach Sibyücnort abgereist. Gestern hatte der König einen neuen Anfall, der Arbeiterbewegung. Lemberg, 5. Juni. Die Bauarbeiter und Maurer nahmen heute früh die Arbeit wieder überall auf. Stuttgart, 5. Juni. In Sachen des Straßenbahn- ftr eit 5 ist das Ministerium des Innern eifrig bemüht, eine Verständigung herbeizuführen. Ein heute gefaßter Gemeinderatsbeschluß geht dahin, beim Amtsgericht den Antrag zu stellen, eine rechtliche Entscheidung darüber zu schaffen, ob wegen der Nichteinhaltung des zwischen der Stadt und den Straßenbahnen geschlossenen Vertrages der betr. Paragraph des genannten Vertrags in Geltung trete, nach dem die Stadt befugt fei, die Straßenbahn in eigene Regie zu übernehmen. Ter Ausstand dauert zu- nächst noch fort. Kandel and Verkehr. Volkswirtschaft. — Gegen das Jobbertum. Diesmal hat die Presse ihre Schuldigkeit gethan. Als die Anzeichen sich mehrten, daß der Friedensschluß zwischen England und Transvaal nur eine Frage von Tagen sei, unternahmen es die Jobber, die Kurse der Mmen- attien und einiger Spekulationspapiere rapide hinauf zu schrauben. Dies gelang auch. Da nun aber die meisten großen Blätter in ihrem Handelsteil vor einer Ueberspekulation warnten und auf die noch nicht weit zurückliegenden schlimmen Erfahrungen hinwiesen, so ist die erwartete Mitwirkung des Privatkapitals ausgeblieben und statt des erhofften „großen Boom" macht sich allenthalben Realisationslust geltend. Blau will mit gutem Recht erst abwarten, wie sich die Verhältnisse auf den verschiedensten Gebieten weiter entwickeln. D-e Haussiers, die die Papiere in die Höhe getrieben haben, finden nun keine Käufer zu den gestiegenen Kursen. — Harpener Bergbau-Akt.-Ges. Berliner Blättern zufolge trägt sich die Gesellschaft mit einer Kapitalerhöbmig. Ob dabei die Ausgabe neuer Aktien ober von Obligationen in Frage kommt, soll in einer demnächst stattfindenden Beratung innerhalb der Verwaltung beschlossen werden. Es soll sich jedoch nur um einen verhältnißmäßig geringen Betrag neu zu beschaffenden Kapitals handeln. Tas Geld soll zum Ankauf von Grubenseldern verwendet werden. — Vorläufig wird nun die ganze Geschichte vom Verwaltungsrate dementiert. — Fahrzeugfabrik Eisenach. Die Bilanz schließt mit einem Betriebsverlust von Mk. 385,710 ab. Dazu kommen die Unkosten, Zinsen, Provisionen, Abschreibungen, Zuweisungen auf Delkrederekonto Mk. 50,000, so daß insgesamt ein Verlufl von Mk. 1,313,854 entstanden ist. Für das Vorjahr wurden 4 Proz. Dividende verteilt. Tas ungünstige Ergebnis wird von der Verwaltung auf die schlechte Lage der Fahrrad- und Motorwagenindustrie und auf den zu späten Eingang der längst erwarteten größeren Aufträge in Kriegsmaterial zurückgeführt. Die am 1 Februar vorliegenden Aufträge beziffern sich auf Alk. 2,046,533. Infolge der Unterbilanz, wird die Gesellschaft einer Rekonstruktion zu unterziehen sein, doch solle,i hierüber erst eingehende gründliche Vorberatungen Todes-Anzerge. Carl Köhler und Fran. 4207 Gießen, BiSmarckstraße 17. Gießen, den 6. Juni 1002. 4216 Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei dem unS betroffenen schweren Verlust unseres innigstgeliebten Töchterchens sowie für die vielen Blumenspenden sagen wir herzlichen Dank. Die Beerdigung findet Ureitag den 6. Juni in BoNtt H* Rh. von der Fried hofskapelle aus statt. AkueilMlermtm für Gießen v. Dg. Versammlung Sonntag den 8. Juni, nachmittags 3 Uhr, bei Baner. Tages-Ordnung: 4214 L Rückständiges Referat. 2. Verschiedene wichtige Mitteilungen, Zahlreicher Besuch erwünscht. Der Vorstand. Montag den 9. d. W., nachmittags von 8 Uhr au, versteigere ich dahier Großer Stetuweg 18, I: 1. freiwillig: 1 Klavier, 1 Schrank (antik), 1 Rokokospiegel, 1 Schreibtisch mit Erker, eine Polster- garnitur, 1 Tisch, 1 Lichtkrone, eine Dekoration für 2 Fenster, 1 antite Bildermappe, 1 Smhrnateppich, 1 Kupferstich mit Rahmen, eine Garuttnr kupferne Gefäße u. v. a. re. zwangsweise: 1 Sofa, 1 Wasch- und einen Nachttisch mtt Marmorplatte, 1 Schreibpult, IKleiderschrauk, 1 Wanduhr, mehrere Tische, Stühle, Bilder, Pauelbretter, IGasherd, Vorhänge, Lampeu, silberne und kupferne Gefäße Nippsachen u. b. a. gegen Barzahlung. Versteigerung bestimmt. Die Sachen tönen eine Stunde vor der Versteigerung besichtigt werben. Gießen, 6. Juni 1902. 4212 Seipel, Gerichtsvollzieher. Gestern abend 10 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden unsere innigstgeliebte, gute, treue Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Ira« Omina Seuking geb. Reffling. Die tieftrarrerudeu KLnterölieöenen. Gießen, Elberfeld, den 5. Juni 1902. 4195 Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: Hchsuflkisch 50 xfg. SchmkinkSkis» 50 Kfg. Altes Heu hat zu verkaufen 4206 Karl Sack 1L, Wallthorktr. 1. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verlust unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Karl Kliugelmeier sagen innigsten Dank Familie Klingelmeier. FamUie Klotz. Heschästs-Kröffnung und -Empfehlung Hierdurch die ergebene Mitteilung, daß ich am hiesigen Platze 8a PiockstB-asse Sa eine Papin- «16 Schmbmatniqlicn-Handlung verbunden mit Buchbinderei eröffnet habe und halte mich zur Anfertigung und Lieferung aller in diese Branche einschlagenden Artikel bestens empfohlen. Indem ich höflichst bitte, mein Unternehmen gütigst unterstützen zu rooCen, empfehle ich mich 4208 Hochachtungsvoll ©icßett, Plockstrabc 8a. Christian Franz. Einnahmen von Bildern in eigener Werkstätte. Unter ständiger Kontrolle von F. E. Bilz, Sanatorium ersten Ranges in Radebeul b. Dresden. Von ersten Autoritäten f. Nerven-, Magen-, Rheumatismus-, Lungenleidende u. s. w. als gesundes und bekömmliches Getränk empfohlen. _ ,, ist ein vorzügliches, alkoholfreies Erfrischungsgetränk, TJltll welches beim Genuß wie Limonade: 1 Teil Limetta mit 9 Tellen M ö* Bruuncnwaffer, SelterS oder Weißbier vermischt wird. * < t ist ein unentbehrliches Getränk für jeden Haushalt, Rcstau» m rantS, Gartenwirtschaften, Tanzlokale, in Gesellschaften, W bei Festlichkeiten und sonstigen Gelegenheiten. A . hat sich in vielen Gegenden durch den angenehmen Geschmack schnell eingesührt und ist nächst Bier das größte Umfa^- 2 Teile Limetta mit 8 Teilen siedendem Wasser und 3 St. Zucker vermischt, flieht ein vorzügliches Wintergetränk u. wirkendes Linderungsmittel bei Erkältungen etc. Jedes Etikett trägt das Bildnis mit Namenszug von F. E. Bilz, Radebeul. 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