Zweites Blatt Donnerstag 6. Februar 1008 jährlich 152. Jahrgang jährl. ausschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormülagS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Ps^ auLwärlS 20 Pfg. Verantwortlich: für den oolit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für .Stadt unb Land' unb ,Gerichlsfaal':R.Ditt- mann; für ben Anzeigenteil: HanS Beck. sietzenerAnzeiaer General-Anzeiger y Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eietzen Nr. 31 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- dlätler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Bei lag der Brü h l'fch. Unioers "Buch'u.Stein druckerei (Pietsch Erben PUbafiton, (Srpebitit.; unb Druckerei: Schulstraße 7 Adresse für Depeschen. Anzeiger Gießen. Krrnsprkchanfchluß.'^r.5l. Bezugspreis: monatlich 7bPf.,vietteb» > Lik. 2.20; burch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go Ps.; burch biePost Aik.2.—viertel- Aie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten Aie Aeier des 80- Kebu tsfages des Frälaten D. KabichL. Darmstadt, 5. Febr. Am heutigen Tage, cm dem Prälat D. Viktor Habicht die seltene Feier seines 80. Geburtstages begeht, wurde dem hochverdienten Jubilar eine Reihe der grössten Ehrungen zuteil. Glückwunschadressen, schriftliche und telegraphische Glückwünsche trafen aus ganz Deutschland gestern und beute zu Hunderten ein, und eine Fülle prächtiger Blumenspenden verwandelte seine Wohnung in einen Blütengarten. Es gratulierten u. a. Fürst zu Ysen- burg und Büdingen, Graf und Gräfin zu Erbach- Schonberg, Graf und Gräfin Görtz, der Erbprinz von Leiningen, Finanzminister Gnauth, Präsident Lor- b a ch e r, Ministerialrat Ewald, die Provinzialdirektoren Freiherr v. Gagern und Geheimrat v. Bechtold; der Evangelische Lberkirchenrat in Berlin, zahlreiche Mitglieder der deutschen Kirchenregierungen und der Eisenacher Kirchenkonferenz, viele hessische Städte und Kirchen gemeinden, die deutscheti Hauptvereine der Gustav Adolf-Stiftung, viele Professoren und Geistliche, ungezählte Privatpersonen rc- Auf Befehl der Kommandantur brachte um 9 Uhr die Kapelle des 1. Großh. Jnf.-(Leibg.-)Regsments Nr. 115 unter Leitung des Herrn Musikdirektors Hilge ein Ständchen. Von 9 Uhr an wurde die Wohnung des Jubilars nicht -leer von Gratulanten. Unter den ersten erschien Herr Geh. Kabinettsrat Röm Held, der folgendes Allerhöchste Kabinettsschreiben überreichte: Mein lieber Prälat Habicht! Sie haben heute in voller geistiger und körperlicher Frische Ihr 80. Jahr vollendet, und es war Ihnen vergönnt, den größten Teil dieser langen Lebenszeit dem Dienst der evangelischen Kirche Meines Landes in verschiedenen Remtern bis zur höchsten geistlichen Würde in steter Treue mit großem Eifer und bestem Erfolg zu widmen. Es ist Mir ein Bedürfnis. Ihnen am heutigen Tag zu sagen, wie Ich Mich, dieser Ihnen zu teil gewordenen göttlichen Gnade freue und daß Ich Ihnen von Herzen auch für Ihr ferneres Leben Glück und Segen wünsche. Ihr wohlgeneigter (gez.) Ernst Ludwig. Staatsminister Rothe gratulierte mit Ministerialrat Dr. Breidert persönlich und verlas nachstehendes Glückwunschschreiben: Hochwürdigster Herr Prälat! Zu dem heutigen Tage, an welchem Euer Hoch würden das 80. Lebenswahr vÄlenden, beehren wir uns Ihnen unsere aufrichtigsten und innigsten Glückwünsche auszusprechen und unserer warm empfundenen Freude darüber Ausdruck zu geben, daß Sie dieses seltene Fest, welches nur den Wenigsten zu feiern vergönnt ift, in so bewunderungswürdiger Frische und Gesundheit begehen können. Von der langen Reihe von Jahren, auf welche Sie heute zurückschauen, Haden Sie den größten Teil dem Dienste der Kirche, des Staates und Ihrer Mitmenschen in allezeit treuer und Hingaben der Weise gewidmet, und es ist nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn Ihrer langjährigen und ersprießlichen Thätigkeit am heutigen Tage rühmend gedacht wird. Gestatten Euer Hochwürden, daß wir dem Wunsche Ausdruck geben, es möge Ihnen vergönnt sein, noch viele Jahre in ungetrübtem Glück und in ungetrübter Gesundheit zu erleben. Großherzogliches M i n i st e r i u m d e s I n n e r n. (gez.) Rothe. Nun folgte Deputation auf Deputation. Die - Mitglieder und Beamten des Oberkonsiftoriums gra- tulierten chrem Senior in corpore; in ihrem Namen hielt Präsident D. Buchner eine warm empfundene Glückwunschansprache. Als Angebinde wurde ein Stich der Hol- beiuschen Madonna in prächtigem Rahmen überreicht- W schlos,en sich an: der Direktor und die Professoren des Friedberger Predigerseminars, die eine tabula gra- tiuatoriu überbrachten, Ihre E^. Exz. Staats Minister a. D. .tr. Finger, Justizminister Dr. Dittmar und Wirkl. Gehermerat D. Goldmann, Ministerialrat Dr. Eisenhuth, eine Abordnung der Dekane der Provinz Starkenburg, der Dekan der theologischen Fakultät der Landes- Unrv.ersität Gießen, Professor Dr. Krüger, die Darmstädter ^tadtgeistlichkeit, geführt von Herrn Stadt- psarrer Petersen, und viele andere. Um Vs 11 Uhr erschienen in corpore die evangelischen Dekane der Provinz Oberhessen unter Führung des Krrchenrats Meyer von Friedberg, um die nachstehende, der Karl Tamm in Friedberg kunstvoll hergestellte Mrresse zu überreichen: ^Hochwürdiger, hochzuverehrender Herr Prälat! Heute an Ihrem 80. Geburtstage gestatten sich die Dekane der Provinz L.berhessen Ihnen die ehrerbietigsten und herzlichsten Glückwünsche, darzubringen. Sie haben nahe an 57 Jahren in der hessischen Landeskirche als Pfarrer, als Mitglied der Kreisschul-Kommission, als Dekan, als W- geordneter in der Landessynode, als Oberkonsistorialrat, als Superintendent und als Prälat die mannigfaltigsten und ersprießlichsten Dienste geleistet. Wir Dekane haben an Ihnen zu jeder Zeit einen treuen und wohlmeinenden Berater gefunden, durch dessen Hilfe wir über gar manche Schwierigkeit leichter hinweggekommen sind; und in gleicher Weise waren sie einem jeden Pfarrer in unserer Provinz ein väterlicher Freund, der stets geneigt gewesen ist, zu ermuntern, in Stunden ernster Bedenken aufzurichten und auf die rechten Wege hinzuweisen, die bei besonders schwerer Pflichterfüllung einzufchlagen sind. Insbesondere haben Sie sich als Mitglied der hohen Kirchenbehörde eifrig bemüht, den Geistlichen unseres Landes eine würdige Stellung zu geben, damit sie sorgenfreier ihrer hohen Aufgabe, ernste religiöse Gesinnung in unserem Volke jju pflegen, mit Gewissenhaftigkeit nachkommen können. Doch nicht nur Ihr Hirtenamt bezüglich der Geistlichen haben Sie mit Treue und Hingebung verwaltet, sondern auch unserer teuren evangelischen Gesamtkirche die besten Dienste geleistet. Sie sind als Mitglied der hohen Kirchenbehörde und als Vertreter der evangelischen Kirche in der Ersten Kammer für deren Selbständigkeit und Unabhängigkeit eingetreten und haben bei jeder sich darbietenden Veranlassung sich bemüht, feind- seligp, Angriffe tapfer und würdig zurückzuiveisen. Es ist Ihnen eine Herzenssache, unsere evangelisck)en Brüder in der Diaspora zu unterstützen, unb mit besonderer Freude heben wir es hervor, daß Sie als Mitglied der Eisenacher Konferenz die hohe Aufgabe erkannt und gefördert haben, die Bande, welche die verschiedenen evangelischen Landeskirchen verbinden, enger zu knüpfen, so daß wir hoffen dürfen, dem Ziele einer deutsch-nationalen Kirche näher zu kommen. Diese hohen Ideale, für welche Sie schon in Ihrer Jugend eingetreten sind und welche Sie nie ans dem Auge verloren haben, verknüpfen uns mit Ihnen auf das Festeste. Hochwürdiger Herr Prälat! Es ist eine hohe Gnade von Gott, daß Sie noch an Ihrem 80. Geburtstag in allen Ihren Aemtern stehen, und Ihre ganz außergewöhnliche Rüstigkeit erweckt in uns die Hoffnung, daß Sie uns mit Gottes Hilfe noch für weitere Jahre erhalten bleiben. Aber wie es auch kommen mag, das frohe Bewußtsein können Sie an jedem Tage in Ihrem Herzen tragen, daß Sie durch Ihr freundliches Wohlwollen, durch Ihre reiche Erfahrung, vielgewandte Sicherheit und eifrige Arbeit sich die Anhänglichkeit und Dankbarkeit sowohl der gegenwärtigen als der geschiedenen Dekane nicht nur in unserer Provinz, sondern auch im ganzen Lande erworben haben. Gott sei fernerhin mit Ihnen und segne reichlich Sie und Ihre hohen Bestrebungen bis zum letzten Augenblick!" (Folgen die Unterschriften.) Folgende Vereine hatten u. a. Deputationen entsandt: Der hessische .Hauptverein und der Darmstädter Zweigverein der Gustav Adolf-Stiftung (Professor Trürn- pert, Oberlandesgerichtsrat Rohde und Professor Keil), die ein herrliches Bild Gustav .Adolfs und ein Schreiben des Zentralvorstandes in Leipzig überreichten (das wir im Wortlaut noch mitteilen werden-, der Darmstädter Frauenverein der Gustav Adolf-Stiftung (Frau Oberkonsistorialrat Walz, der hessische Hauptverein und der Darmstadter Zweigverein des Evangelischen Bundes (Oberlehrer Lic. Waltz und Dr. med. Bennighof) und die Darmstädter Volksküche (Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhart). Es erschienen ferner dieHerren Oberbürgermeister Morne- weg, der namens der Stadt Darmstadt gratulierte, Staats- minister a. D. v. Starck Exz., Oberftallmeister Riedesel von Eiscnbach Exz., Generaladjutant Oberst von Wachter, Flügeln abjufant Major Röder von Diersburg, Brigadetommandeur Oberst von Schmidt, Geheimrat Dr. ZÄttler und Geh. Kommerzienrat Buderus, Mitglieder der Ersten Kammer, Hofbibliothekdirektor Dr. Nick, Divisionspfarrer Neudörfter, stud. Wolf als Vertreter des Gießener Korps „Hassia". Schriftliche und telegraphische Glückwünsche trafen ferner ein von Franz Josef Fürsten zu Jsenburg-Birstein, dem Erbprinzen und der Erbprinzesfin zu Isenburg-Büdingen, Kriegsminister von Goßler und Frau in Berlin, General v. Trotha in Berlin, Kammerpräsidenten Geh. Regierungsrat Haas, Freiherr Hey! zu Herrnsheim, den Oberpoftdirektoren Maier in Frankfurt am Main und Holfeld in Darmstadt, Kabinettsrat Menges (namens der Acathildenstiftung) u. v. a. (Darmst. Ztg.) Auch an zahlreichen poetischen Glückwünschen fehlte es nicht, von welchen wir nach den „N. Hess. Volksbl." ben bes Gerieralsuperintenbenten und Wirkt. Oberkonsistorial- rats D. N e b e in Münster folgen lassen: Hiob 39. 26. Sag' an: fliegt denn ber Habicht durch Raum und auch durch 3eit, Aus Menschenkunst und Wissen so lange und so weit? Nein, nein — das kommt vom Herrn; von Ihm kommt alle Kraft, Er ist es, der das Wollen und das Vollbringen schafft. So fliege, starker Habicht, stark in der Kraft des Herrn, Unb traue Seiner Gnade, und dank ihm, lob ihn gern. Wir aber loben mit Dir und preisen Seine Treu Unb beten, daß die Hülfe wird alle Tage neu, Daß in ber Kraft die Schwinge Dich bis zu Zions Thor Hinausträgt und das Danken erschallt im höhern Chor! Um 2 III) r vereinte zahlreiche Gratulanten ein Festessen im „Darmstädter Host'. Deutsches Keich. Berlin, 5. Febr. Ter Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. Heute abend fand beim Kaiserpaar ein Botschafterdiner statt. — Am 9. d. M., dem Tage, an dem Kaiser Wilhelm sein 25 jähriges Offizier-Dienst-Jubiläum begeht, werden in militärischen Kreisen verschiedene Beförderungen erwartet- Unter anderem dürfte der jetzige Kommandeur des 1. Garde-Regiments z. F., Oberst und Flügeladjutant von Plettenberg zum Inspekteur der Jäger und Schützen und zu seinem Nachfolger der Oberstleutnant und Flügeladjutant Frhr. v. Berg ernannt werden. Ter jetzige Inspekteur der Jäger unb Schützen, der jüngst zum Generalleutnant beförderte General von Arnim, soll für einen höheren Posten ausersehen fein. — Tie Einladung des Zaren an Kaiser Wilh elm zu einem Gegenbesuch im Juli erging bereits rvährend der letzten Entrevue in Danzig und lautete vor allem auch ytr Teilnahme an den Marineartillerie- Schießübungen bei Reval. Von dort würde sich der Kaiser in Begleitung des Zaren nach Kronstadt und Petersburg begeben. — Gegenüber Gerüchten, daß der Besuch des Prin- zen von Wales in Berlin mit Mißstimmung und vorzeitig geendet habe, wird offiziös scstgestellt, daß das; leere Erfindungen seien, und es wird offiziös hinzugefügt, daß der Befuch des Prinzen von Wales zu einer gegenseitigen loyalen und offenen Aussprache über oie Bülow-Cham berlain-Afsai re geführt hat, und daß diese Aussprache, weit entfernt, mit einem Miß- Hang zu enden, in ihrem ganzen Geiste und Inhalt wesentlich dazu beitrug, daß man in ben fnaßgebenden deutschen unb englischen Kreisen den Zwischenfall für definitiv abgethan hält- — Der Inspekteur ber Verlehrstruppen, Gen.-Lt. Rothe, ist, wie wir bereits mitteilten, auf sein Ab- schiebsgesuch mit dem Charakter als General der Artillerie zur Disposition gestellt worden- Bernhard Rothe ist 18-14 geboren, also 57 Jahre alt- Er trat 1862 bei der großh. hessischen Infanterie ein unb würbe 1864 zum Artillerie ko rps versetzt- Den Krieg von 1870/71 machte er als Adjutant der hessischen Division mit und wurde 1872 mit dem hessischen Offizierkorps in den Verband der preußstcyen Armee übernommen. 1888 wurde er Abteilungschef im Großen Generalstab und blieb in dieser Stellung bis 1891, um bann Kommanbant des 9. Feldart.-Regts. zu werden. Nach drei Jahren wurde er als Generalmajor abermals Abt.-Chef im Großen Generalstab unb 1896 Lberquartiermeister. 1898 würbe er Gen.-Lt. unb 1899 Inspekteur der Verkehrstruppen. Seit 1896 war er im Nebenamt auch Mitglied bes Gerichtshofes zur Entscheidung ber Kompetenzkonslikt. — In der Zolltarifkommission (vgl. Parlamentsbeilage) bemerkte gestern Frhr. Heyl zu Herrnsheim, die Aufhebung der zinsfreien Zollkredite reiche hin, um eine Schädigun g der Land- wirtschaft durch die gemischten Transitlager zu verhüten. Tie Aufrechterhaltung der gemischten Transitlager am Rhein fei notwendig. Schwerin Löwitz (kons.) tritt für feinen Antrag ein. Gothein (frf. Vgg.) bekämpft die gegen die gemischten Tranfitlager gerichteten Anträge unb hebt die Interessen Breslaus hervor- Treesbach verwahrt bic Sozialdemokratie dagegen, baß sie eine Lanze für den Getreidegroßhanbel gebrochen hätte- Redner tritt für die Regierungsvorlage mit Streichung der Worte ein: „sofern hierfür ein dringendes Bedürfnis vorliegt". Die Aufhebung ber Zollkredite sei der Knochen, den man den bellenden Agrariern hingeworfen habe. Selbstverständlich meine er nur die Agrarier außerhalb des Hauses- — Zu der Erklärung Posadowskys ist ausdrücklich festzustellen, daß ber Staatssekretär nur erklärte, daß noch eine Anzahl Transitlager aufgehoben werden würde- Namen sind vom Staatssekretär überhaupt nicht genannt worden. — Im preuß. Abgeordnetenhause wurde heute die Vorlage betreffend die Heranziehung zu den Kreisabgaben an die Gemeinde-Kommission verwiesen- ' Es folgte die Fortsetzung der Spezialberatung des Handelsund Gewerbe-Etats beim Titel Ministergehalt unb bei den dazu vorliegenden Anträgen Fetisch (ton).) unb Hitze (Ztr.) betreffenb Lehrlings-Ausbildung durch geprüfte Meister sowie über ben Unter-Antrag Zedlitz. Im Laufe der Debatte erklärte der Handelsminister, daß die Warenbaussteuer im letzten Jahre nur 675000 Mk- einge- oracht habe. Sie scheine aber weiter entwickelungsfähig zu fein. Weiter bemerkt der Minister, daß der Börsengesetz-Entwurf bereits dem Bundesrat b erlieg e. Nach längerer Debatte wurde der Antrag Felisch mit bem Anträge Zedlitz angenommen. Weiter wurde angenommen, ber zweite Teil des Antrages Dr. Hitze auf Einführung bes Befähigungsnachweises für das Baugewerbe. Es folgte das Kapitel Handels- unb Gewerbe-Verwaltung. — Das preuß. Laubes-Oe konomie-Kollegium hat heute in seiner letzten Sitzung über ben Staub des Ackerbaus beraten, auch über die Beschädigung ber Kulturpflanzen burch Insekten, Pilze rc.; bann über die Lage ber Forstwirtschaft- Tab ei tarnen natürlich auch ber Zoll auf Ouebracho unb anberc Gerbmittel zur Sprache und Oberlandforstmeister Wesener erklärte ähnlich wie jüngst Podbielski, baß die Schalwälber unrentabel unb eine falsche Kultur seien unb baß man ihnen nicht helfen könne, unb bemerkenswerter Weise trat ein Agrarier, wie Frhr- v. Erfta, ihm barin bei. Ten Schluß üilbete ein Bericht über die Sage des Obst- und Weinbaus- — Eine mit einigen Tausend Unterschriften versehene Petition der P o st a ss i st e n te n ist bem Reichstag übersandt worden- In der Petition wird die „unangemessene bezw. ungenügende Besoldung" derjenigen Poft- assisteuten ausgeführt, welche fünf Jahre nach bestandenem Examen, also nach etwa 9 bis 9i/s Täenstjähren nur 4,50 Mark beträgt Außerdem beschäftigt sich die Petition mit den Anstellungsverhältnisfen. Von ber Verwaltung waren für die Asfistentenklasse 4000 Stellen in den nächsten Etat eiugeestllt, wovon der Bundesrat 1000 Stellen gestrichen hat- Tie Petenten bitten ben Reichstag um Wiedereinstellung der gestrichenen 1000 Stellen unb um Erhöhung ber Tagesgelbsätze auf 5 Mk. nach einer Wartezeit von fünf Jahren nach bestandenem Examen- — Ein nichtsozialdemokratisches Arbeiterkartell hat sich unlängst in Berlin unter bem Vorsitze des Arbeiterjekretärs Behrens gebildet- Dieser „Ausschuß für Arbeitervertreter-Wahlen und soziale Angelegen- heiten" schließt bereits 12 000 Mitglieder mit ihren Vereinen zusammen unb will bei allen 2lrbeiteroertreter- Wahlen (gegebenenfalls auch im Reiche^ vorgehen unb sich überhaupt mit den verschiedensten sozialen Angele- Offizier- - Offi- nicht den Mut besitze. Belgrad, o. Febr. Große Erregung ruft in C"' kreisen ein vertraulicher Erlaß hervor, wonach die ziere in Zukunft die Geschwister der Königin Draga zu grüßen haben. — Die SLupjchtina nahm die Vorlage, nach der den in dem Attentatsprozesse Verurteilten die Kosten des Strafverfahrens erlassen werden, einstimmig an. Dre ALgg. Ziwtowitsch, Pawischewitsch und Neschitsch brandmarkten in scharfen Sorten die Geschehnisse anläßlich dieses Prozesses, in welchem die hervorragendsten Söhne des Landes un- schuldig in den Kerker gew orfen wurden, weil einthörrchte rBube aus König Milangeschossen habe. Der Abg .Ziwkowitsch verlas Erklärungen einer Reche von 3 engen, hie heute bekennen, damals f a l s ch ausgesagt zu haben, weil sie dazu gezwungen worden seien. Helsingfors, 5. Febr. Im Bistum Borga ist das neue Wehrpflichtig es etz in 16 Gemeinden noch^ immer nicht von den Pastoren verlesen worden. Der Bischof richtete kürzliche an die betreffenden Pfarrer die Aufforderung, das Gesetz unverzüglich von den Kanzeln zu verlesen. Aus die Weigerung von 14 Land- und zwei Stadtpfarrern, das Gesetz in den Kirchen bekannt zu geben, hat der finländische Senat nunmehr die Angelegenheit dem Staatsan w al t übergeben. Der Pfarrer Spölstra, der früher in Pretoria amtierte, widerlegt in seiner soeben erschienenen Broschüre: „Sind die Lord Kitchener telegraphiert aus Pretoria vom 4. Febr.: Eine englische Abteilung' unter Byngs Kommando griff nach einem von Liebenbergvlei ausgehenden Nachtmarsch den Kommandanten Wessels an. Die Engländer erbeuteten zwei Geschütze, die dem Oberst Firmann vorher abgenommen worden waren, und das letzte Geschütz Dewets. Auf Seiten der Buren sielen 5 Mann, 6 wurden verwundet und 27 ge- angen genommen. Unter den Gefallenen befindet sich Feld- fomet Wessels, unter den Gefangenen Kapitän Muller von der Staatsartillerie. Die Verluste der Engländer sind leicht. Die Briten nahmen ferner drei Munitionswagen weg. Die National-Scouts aus Middelburg machten 13 Gefangene, Oberst Plumer bei Amersfoort 7 Gefangene. Gilbert Hamil- on nahm 32 Buren gefangen, zwei Buren sind im Kampfe gegen ihn gefallen. Buren Feinde der Mission?" (Berlin, M. Warneck. 20 Pfg.) das Vorurteil, das auch in christlichen Kreisen noch vielfach herrscht, daß die Buren selbst Feinde der Mission seien. Er geht dabei systematisch zuwege, indem er an der Hand der Geschichte seinen Beweis führt. Er scheidet seine Darlegung in zwei Abschnitte: „Waren die Buren früher Feinde der Mission?" — „Die Mission im Gebiet der heutigen Burenbevölkerung." Aer Kasseler Hreöerprozeß. IV. Der frühere Direktor der Leipziger Bank, Exne r, führt weiter aus: Er habe den Eindruck gewonnen, daß Schmidt sehr nervös gewesen sei. Wenn man ihm Vorstellungen gemacht habe, so habe er wohl mit Niederlegung seines Amts gedroht. So habe er einmal an die Leipziger Bank geschrieben, er fei müde. Es wurde ihm geantwortet, es sei nicht Sache der Leipziger Bank, einen Direktor für die Kasseler Treber- trocknungsgesellschaft zu ernennen. Da aber Schmidt alle Fäden in der Hand hielt, hätten die Mitglieder der Treber- trocknungsgesellschaft das Schlimmste befürchten muffet}, wenn er sein Amt niedergelegt und ihnen den Stuhl vor die Thür gesetzt hätte. Exner äußert sich auch über die Wechselbeziehungen zwischen der Leipziger Bank, den Treberleuten und der Trebertrocknungsgesellschast und erklärt, Hermann Sumpf habe ihm gewissermaßen vorgeworfen, daß die Wechsel der Trebertrocknungsgesellschast in Kurs gekommen seien. Er habe darauf geantwortet, eine ganz bestimmte Zusicherung, die Wechsel der Treberttocknungsgesellschast und der Treber- leute etwa im Portefeuille zu behalten und sie nicht weiter zu geben, habe man nicht leisten können. Im wetteren Verlauf seiner Vernehmung teilt Exner mit, daß Schmidt gegen das ausdrückliche Verbot der Leipziger Bank eine Intervention zu gunsten der Trebergesellschast mit den Mitteln der Leipziger Bank vorgenommen habe. Zwischen Schmidt und Hermann Stumpf hätten Rivalitäten, veranlaßt durch deren Frauen, bestanden. Exner will in den Jahren 1896 und 1897 vergeblich den Versuch gemacht haben, in den Aufsichtsrat der'Trebergesellschast zu gelangen. Gegen 5 Uhr nachmittags wurde die heutige Verhandlung geschloffen. Exner blieb unvereidigt. ein längeres Studium dazu, sich mit diesem reichhaltigen und interessanten Material vertraut zu machen, und es wird sich noch manchmal verlohnen, auf einzelne Abschnitte dieser Tenkscbrift zurückzukommen. Für jetzt sei darauf hiugewiesen, daß der Leffentlichkeit zum ersten Mal ein ausführlicher Bericht über die Entwickelung der jüngsten deutschen Kolonie, Samoa, unterbreitet wird. Tie wirtschaftlichen Verhältnisse dort sind im allgemeinen nicht ungünstig, von Landesprodukten eröffnet sich namentlich für die Kakao-, Vanille- und Ananaskultur gute Aussicht- Auf der anderen Seite freilich ist die letzte .Kokvsernte infolge anhaltender Dürre schlecht ausgefallen, sodaß die Kaufkraft der Eingeborenen als gering bezeichnet wird- Als bedeutsamstes Moment des Berichtes aber stellt sich die Arbeiterftage dar, von deren Lösung die Zukunft der Plantagenwirtschaft Samoas abhängt- Die Eingeborenen lehnen es ab, als Arbeiter in die Dienste der Weißen zu treten, und die fremden Arbeiter (Melanesier) sind teuer. Hinweise, wie hier Abhilfe zu schaffen sei, sind in der Denkschrift nicht enthalten- Es wird also abzuwarten sein, ob der Vertreter der Kolonialverwaltung im Reichstag ergänzende Mitteilungen macht- Ferner erscheint ange^eigt, daß die Regierung sich über die Frage der regelmäßigen Schiffsverbindung mit Samoa äußert- Tas Unabhängigkeitsverhältnis der Kolonie von der amerikanischen Tampferlinie — die deutsche nach Apia bestimmte Post muß stets nach dem amerikanischen Hafen Pago-Pogo gebracht unö von dort abgehvlt werden! — Dieses Verhältnis kann unmöglich bestehen bleiben. Es ist oft über die Unzulänglichkeit des Hafens von -Apia geklagt worden, doch was den Amerikanern auf dem benachbarten Tutnila gelungen ist, das sollte den Deutschen auf Samoa nicht unmöglich sein: die Herstellung eines gebrauchsfähigen Hafens- Der Besitz eines solchen dürste für die Zukunft Samoas von nicht geringerer Bedeutung sein, als die Lösung der Arbeiterftage. Ausland. London, 5. Febr. Tas Unterhaus hat die Bill angenommen, nach der die Ehe mit der Schw e st er der verstorbenen Ehegattin für gesetzrnäßig erklärt wird. — Wie nach einer Meldung ans Carraeas dort verlautet, ist Frankreich entschlossen, wirtschaftliche Repressalien auszuüben, falls^die venezolanische Regierung sich weigere, den Franzosen Seeeesta landen zu lassen. — Wie berichtet wird, wurden die Regierungstruppen in Calapano g es ch lag en. Zahlreiche Personen wurden in Carraeas verhaftet, darunter mehrere frühere Minister, hwei Generale und bret ongesehene Industrielle. — Wie ferner mitgeteilt wird, ist der Jnsurgentengeneral Mastros bei Maraeaybo signalisiert. Derselbe trachtet, in venezolanisches Gebiet einzudringen und führt große Mengen Kriegsmunition mit sich. Manchester, 5. Febr. Auf der heutigen Jahresversammlung der hiesigen Hanbelskammer erklärte der Vorsitzende Thompson mit Bezug auf die deutsche Zolltarifvorlage, der Vorstand der Handelskammer verwerfe entschieden jedwede Wiedervergeltungsmaßnahmen, da er glaube, daß solche für England nur größere Nachteile bringen werden. Brüssel, 5. Febr. Der sozialistische Abgeordnete für Antwerpen Terwagne wird den Kriegs- unb den Justizminister wegen des Benehmens der Gendarmen gegen Dr. Linke bei dem Unfall des Ballons „Berson" in der Kammer interpellieren. Inzwischen hat der deutsche Militär-Attache dem Kriegsminister und dem Minister des Auswärtigen offiziell den Dank abgestattet für die außerordentliche Ehrung des Hauptmanns von Sigsfeld. Paris, 5. Febr. Bei der heute wiederaufgenommenen Beratung des Auftrages auf Beschränkung des Arbeitstages in den Bergwerken bekämpft Aynard die Festsetzung der Dauer der Arbeitszeit, da diese sich aus dem Uebereinkommen zwischen den Arbettern und den Arbeitgebern ergeben müsse. Der Redner wirft der Kommission vor, sie habe anscheinend der Furcht vor einem allgemeinen Aus staud der Grub enarb eiter nachgegeben. Dieser Ausstand scheine große Befürchtungen zu verursachen, aber er würde den Gang der Industrie nicht aufhalten, denn dazu fei die französische Kohlenproduktion zu geringfügig. Die Kammer nimmt den ersten Paragraphen des LUtikels 1 an, nach dem die tägliche Arbeitsbauer aus 9 Stunden festgesetzt wird. Nachdem auch Paragraph zwei angenommen ist, wonach die tägliche Arbeitsdauer auf Sy2 und nach, weiteren zwei Jahren auf acht Stunden herabgesetzt wird, wird der Artikel 1 auch im ganzen angenommen. Bern, 5. Febr. Informationen, die der Bundesrat über die bei Basel angeblich geplante deutsche Festung einzog, haben ergeben, daß keine Anhaltspunkte vorliegen, aus denen die Verwirklichung des Festungsprojekts beim Tüllingerberg angenommen werden kann. Wien, 5. Febr. Die alldeutsch« Vereinigung beschloß auf dem Standpunkte vom 18. Dezember zu beharren, wonach der Wiedereintritt des Abg. Wolf in die alldeutsche Vereinigung unter allen Umständen ausgeschlossen bleibt. Derselbe Standpunkt wurde auch! gegenüber den Parteigängern Wolss, den Abg. Tschau und Herzog, eingenommen. Wien, 5. Febr. In hiesigen wohlinformierten Kreisen wird versichert, daß Oesterreich-Ungarn und Deutschland das Verlangen Frankreichs, die Zucker- zölle zu binden, auf der Brüsseler Zuckerkonferenz unterstützen werden. B u d a p e st, 5. Febr. Seitens der Volkspartei wurde heute im Abgeordnetenhaus über die Ungarische Bank für Industrie und Handel interpelliert und die Regierung gefragt, ob über die Bank die nötige gesetzliche Kontrolle geübt werde und Vorsorge getroffen sei, derselben die staatlichen Benefizen zu entziehen, schließlich ob that- sächlich aus staatlichen Kassenbeständen 2 400 000 Kronen bei der Lank deponiert seien. — Abg. Nessy brachte heute den Unterricht in der deutschen Sprache in den hauptstädtischen. Volksschulen zur Sprache und fragte den Unterrichtsminister, ob er bis zum Beginn des nächsten Schuljahres Vorsorge für die Ab s ch afsun g deS d eutschen Sp rachunter - richts treffen wolle, wozu der Akagistrat der Hauptstadt Komische Tagesschau. Samoa. Tie dem Reichstag jetzt vorliegende Denkschrift über -ine Entwickelung der deutschen Schutzgebiete im Berichts- 1990/01 H rmgLw-öhuttch urnsimgrÄch. SS gehört Aus Stadl und Iand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik desindlichenOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestaltet.) Gießen, 6. Februar 1902. LU. Eheupromotion. Die philosophische Fakultät der Universität hat Herrn-Ka rl Salzmann in St. Petersburg, Wirkt. Staatsrat, Mitglied der Kaiserl. Akademie der Wissen- schasten, Sekretär des Asiatischen Museums in St. Petersburg zum Dr. phil. honoris causa promoviert. ** Der Finanzausschuß der Zwecken Kammer hat an dem diesjährigen Hauptvoranfchlage dem „Mainz. Journ." zufolge infolge Abänderung undStreichung die Summe von 496,716Mk. gekürzt. Da der nicht gedeckte Fehlbetrag nach der Regierungsvorlage 809,091 Mk. beträgt, so beantragt der Finanzausschuß, den Restbetrag von 312,374 Mk. ebenfalls aus den Ueberschüssen früherer Finanzpenoden zu decken. Der Ausschuß beantragt weiter, somit eine Erhöhung der Vermögenssteuer in einer Zeit, in der das gesamte Erwerbsleben dar- niederliegt, nicht eintreten zu lassen. ** Aus dem Theaterbureau. Freitag wird als 7. Volksvorstellung Grillparzers fünfaktiges Trama „Die Ahnfrau" auf geführt- Eintrittspreise: Loge Mk- 1.—, Saal 40 Pf., Gallerie 20 Pf. Die nächstfolgende Vorstellung findet Mittwoch, den 12. Februar a. c. statt. ** Eiskonzert. Bei anhaltendem Frostwetter beabsichtigt der Vorstand des Eisvereins, am Sonntag auf der Eisbahn konzertieren zu lassen. Die Eisbahn ersttahlt nunmehr jeden Abend von 7—9 Uhr in elektrischem Licht. Der Vorstand hat in Anbetracht des für den Schlittschulauf bisher ungünstigen Wetters beschlossen, von der Erhebung eines besonderen Eintrittsgeldes für die elektrische Beleuchtung seitens der Mitglieder abzusehen. Die Mitglieder des Eisvereins haben also auch des abends freien Zutritt zur Eisbahn. ** Kciegerkameradschast Hasfia. Nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten sind in den Landesverband der Kriegerkameradschaft „Hassia" aus Oberheffen wetter auf» genommen worden: Kriegerverein Stammheim mit 20 Mitgliedern, Bezirk Altenstadt; Kriegermilitäroerein Ober-Wöllstadt mit 12 Mitgliedern, Bezirk Friedberg; Kriegerverein Unter-Seibertenrod mit 21 Mitgliedern, Bezirk Ulrichstein; Kriegerverein Schadenbach mit 17 Mitgliedern, Bezirk Homberg a. d. O. ** Der Beautten-Verein begeht am Samstag im Gießener Festsaal einen Maskenball. Der Abend dürfte für die Mitglieder und Gäste ebenso unterhaltend wie gemütlich werden. Gäste haben nur Zutritt gegen Vorzeigung einer Einladungskarte ; maskierten Damen und Herrn ist der Besuch nur gestattet, wenn sie im Besitze einer Geheimkarte sind, die bei jedesmaligem Eintritt den kontrollierenden Vorstands-Mtt- gliedem vorgezeigt werden muß. ** Jagdverpachtungen. Die dieser Tage in Grebenau bei Alsfeld erfolgte Verpachtung der Gemeindejagd hatte für die Gemeindekasse em weniger gutes Ergebnis. Dadurch, daß das Hofjagdamt auf die Gemeindejagden in dieser Gegend wenig resiektiert, blieb das Angebot der seitherigen Jagdgesellschaft mit 120 Mk., dem Schätzungswert der Jagd, das Höchstgebot (gegen 180 Mk. in der abgelaufenen Periode), das denn auch den Zuschlag erhielt. — In Wallersdorf blieb Dr. med. Schneider von hier Höchstbietender mit 180 Mk. jährlich. — Die Gemeindejagd zu Udenhausen hatte verschiedene Liebhaber, die einander überboten, bis die dortige Jagdgesellschaft mit einem Pachtpreis von 305 Mk. (gegen 250 seither) Sieger blieb. — Die Gemeindejagd zu Eulersdorf ist, wie wir hören, von dem Gemeinderat dem Hofjagdamt für den seitherigen Preis von 120 Mk. aus der Hand vergeben worden. Wenn in einigen Jahren die Bahn Alsfeld-Niederaula gebaut ist, wird wohl auch der leichteren Erreichbarkeit des Jagdgebiets halber, der Preis der wild- reichen Jagden in dieser Gegend steigen. 6. Londorf, 5. Febr. Bei der heutigen Wahl für den Kreistag wurde Apotheker Welker-Allendorf a. d. Lda. mit 16 von 19 Stimmen wiedergewählt. An die Wahl schloß sich eine kleine Nachfeier. gepLeiten der Arbeiterschaft beschäftigten. Zu seinen Mitgliedern zählen der Verband Christlicher Maurer, der Bauarbeiter, der Zimmerer, der Dachdecker, der Christlichen Metallarbeiter, der Christlichen Holzarbeiter, der Verein Berliner Hausdiener, der Berliner deutschnatiouale Handlungsgehilfen-Verband, der Bund der Fleischer, der Katholische Arbeiter-Verein, der Evangelische Arbeiter-Ver- ein und andere. Man hat sich an den Oberbürgermeister Kirschner gewandt mit einer Eingabe um Einführung des Proportion alwahlsystems für Gewerbegerichte; beigegeben war eine ausführliche Begründung und ein Entwurf. Dresden, 5. Febr. Infolge einer Indemnitäts-Erklärung, zu der sich das sächs. Finanzministerium ge- Mungen sah, ist es zu einer Krisis hinsichtlich des Finanzministers von Watzdorf gekommen. Die englische Ablehnurrgsnote. In Berliner politischen Kreisen nimmt man, dem „Berl. Tgbl." zufolge, an, daß die Note Englands für Holland eine strikte Abweisung bedeute, die es der holländischen Regierung unmöglich mache, den Faden einer Vermittelungs-Aktion wieder aufzunehmen. England habe sich nur insofern eine Thür offen gelassen, als es selbst in einem geeigneten Moment auf den Vorschlag Kuypers zurückgreifen könnte. Daß es dies thun werde, erscheine jedoch nicht wahrscheinlich. Vielmehr fei anzunehmen, daß der Krieg in Südafrika bis zum letzten Ende durchgeführt werden wird. Wir sind anderer Meinung. England ist es glänzend gelungen, den holländischen Ministerpräsidenten zu übertölpeln und, indem es nach wie vor vom hohen Rosse herab den ganzen Krieg als eine Lappalie zu behandeln vorgiebt, hat es sich schlau Gelegenhett zu einem Anknüpfungspunkte gelassen. Leider nur hat es dabei nicht seine Rechnung mit der Burenmission im Haag gemacht, die in ihrer Gegenerklärung (vgl. die Depesche aus dem Haag in unserem heuigen Parlamentsblatte) auf ihrem alten Standpunkte mit heldenmütiger Standhaftigkeit beharrt. Ein Berichterstatter der Südafrikan. Korrespondenz im Haag hatte am Sonntag eine Unterredung mit einem erst seit drei Wochen vom Kriegschauplatze herübergekommenen Freistaater. Derselbe gab auf die Frage: „Glauben Sie, daß die Note den Frieden herbei- ühren wird?" die Antwort: „Das hängt vornehmlich von der militärischen Lage ab. Und ich glaube, daß England noch nicht genug erschöpft ist, um unsere Forderungen anzunehmen!" „Sie glauben also noch nicht an Frieden?" „Nein, leider noch nicht. Wir wünschten ihn wohl, wie wir ihn ja immer gewünscht haben. Aber, wir wollen ihn heute nur um einen Preis: das ist unsere völlige Unabhängigkeit!" Der „Figaro" veröffentlicht eine Unterredung mit einer der beftinformierteften Persönlichkeiten Englands, aus der hervorgeht, daß die Verhandlungen zwischen Holland und England der eigensten Initiative des Königs Eduard zu verdanken sind, der fest entschlossen sei, die Krönungsfeier nur dann stattsinden zu lassen, wenn der Friede mit den Buren abgeschlossen ist. König Eduard sei bestrebt, ein volkstümlicher Mann zu werden. Seine Freundschaft mit Lord Rosebery sei allgemein bekannt und es unterliege : einem Zweifel, daß dieser später an Stelle Salisburys zum Premierminister ernannt werde. Mit Chamberlain sei »er König keineswegs zufrieden und es fei ein öffent- iches Geheimnis, daß er ihm nur geringe Sympathie entgegenbringt Man erwartet allgemein, daß die nun einmal begonnenen Friedensoerhandlungen zu einem guten Ende geführt werden. Das klingt durchaus nicht so unwahrscheinlich und be- ätigt durchaus unsere Vermutung, daß England das kleine Holland am Narrenseile herumgeführt hat und daß es ihm mit seinem offengelaffenen Hinterpförtchen sehr ernst gemeint ist. Der Anerkennung des Präsidenten Steijn als Vertreter der Oranjeburen und Schalk Burger's als Vertreter der Transvaalburen kann man sehr wohl die Deutung geben, daß England sich dem Zugeständnis nähert, daß die Republiken noch eine Regierungsgewalt besitzen und thatsächlich eine kriegführende Macht darstellen. Besonderes Gewicht ist auch auf die That- ache zu legen, daß England diesmal keinerlei Vorbedingung ür die Friedensverhandlung stellte, daß es vor allem darauf verzichtete, die vorherige bedingungslose Anerkennung der eng- lichen Oberhoheit durch die Buren zu verlangen. -e- Bad-Nauheim, 5. Febr. Das Hessische Feuerwehr fest, das in den Tagen vom 19.—21. Juli in Bad- Nauheim gefeiert wird, dürste großartig werden. Die Nauheimer freiwillige Feuerwehr arbeitet unter der Leitung ihres tüchtigen Kommandeurs, Gemeinderats Fritz, bereits an den Vorbereitungen zu der Feier. Die hiesigen Vereine werden offiziell zu dem Feste eingeladen und auch ersucht, Vertreter in das Festkomitee zu entsenden. Die ausgedehnte Geschäftsführung wird von diesem Komitee besorgt werden, und da man in Nauheim, wo alljährlich ein internationales Badepublikum von über 20,000 Personen verkehrt, es recht gut versteht, Feste zu feiern, so werden die braven Wehrmänner Hessens, die in den Julitagen Nauheim besuchen, sich sicher dort nicht langweilen. Man schätzt die Zahl der ftemben Feuerwehrmänner schon jetzt auf etwa 2000, denn viele kommen, um bei dieser Gelegenheit auch das in den letzten 15 Jahren so mächtig aufgeblüte Bad-Nauheim mit seinem interessanten Badeleben kennen zu lernen. — Infolge des milden Winters wurde hier an den vielen staatlichen und privaten Neubauten noch keinen Tag gefeiert, und so dürften die Arbeiten an den Badehäusern, der Usabrücke und am jjeuen Inhalatorium Ende April zu Ende gehen. -o- Hartmannshaiu, 5. Febr. Heute weilte der Untersuchungsrichter hier wegen des jüngst gemeldeten Einbruchsdiebstahls. Die Untersuchung verlief jedoch ergebnislos. BiS jetzt fehlt trotz des dringenden Verdachtes jede greifbare Unterlage. d. Sichenhausen, 5. Febr. Schuloerwalter Schaaf von hier wurde in gleicher Eigenschaft an die seit Oktober v. I. unbesetzte Lehrerstelle noch Herchenhain versetzt. Innerhalb drei Jahren ist dies bereits der fünfte Lehrer in dieser Stelle. Außerdem wurde in dieser Zeit der Unterricht 7 Monate lang von den Lehrern der umliegenden Dörfern versehen. Birstein, 5. Febr. Ein gefährliches Zusammentreffen mit Wilddieben hatten zwei Fürstlich Psenburg-Birstein- sche For st beamte. Gelegentlich einer Gängeljagd auf Fuchs wurde dem Oberförster gemeldet, daß zwei Wilderer mit Gewehren im Forstort Abtstein ständen. Als der Oberförster und ein junger Förster dorthin eilten, erhielten sie von den gut gedeckten Wllderern auf etwa 50 Schritte Feuer, das nicht sofort erwidert werden konnte, da wegen des starken Puloerdampfes der Standort nicht zu erfahren war. Die Forstbeamten ruckten deshalb sprungweise vor, doch gelang es den Wllddieben, durch eine Terrainfalte gedeckt, in die nächstliegende Dickung zu entnommen. Die Thäter, die gefährlichsten Wilddiebe der Umgegend, waren jedoch erkannt worden, und noch in derselben Nacht wurden sie inKerbers- dorf aus ihren Betten heraus von den beiden Forstbeamten unter Hinzuziehung des Gendarmen verhaftet und hinter Schloß und Riegel gebracht. Bei dem einen Wilderer wurde, im Bettsttoh versteckt, ein frisch abgeschossenes, zerlegbares Gewehr gefunden. Darmstadt, 5. Febr. Der Großherzog hat das Protektorat über den Verkehrs-Verein übernommen. — Der Evangel. Arbeiter- und Handwerkerverein sandte gelegentlich der Kaiserfeier folgende Depesche an den Präsidenten Krüger: »Zur Feier von Kaisers Geburtstag versammelt, gedenken Hunderte von Mitgliedern des Evangelischen Arbeiter- und Handwerker-Vereins Darmstadt bei der Aufführung des erhebenden Schauspiels »Die Heldin von Transvaal" in teilnehmender Begeisterung des heldenmüttgen Vetteidigungskampfes der tapferen Buren, in trauerndem Mitgefühl des noch bewundernswerteren Heldentums der leidenden Burenftauen und -Kinder. Möge Gottes Hand, die die Gerechtigkeit noch immer zum Siege geführt, Eure Exzellenz und deren ttauerndes Volk durch Kampf zum Siege führen." — Darauf erhielt der Vorsitzende des Vereins, Stadtpfarrer Kleberger, folgende aus Utrecht vom 29. Januar datierte, jedenfalls auch weitere Kreise interessierende Antwort: »Ew. Ehrwürden beehre ich mich im Auftrage des Staatspräsidenten der südafrikanischen Republik ganz ergebenst mitzutellen, daß die ihm bei verschiedentlichen Gelegenheiten zu Teil werdenden Beweise der Begeisterung für fein Volk, des Mitgefühls für die notbedrängten Frauen und Kinder, sowie der herzlichen Wünsche für den enbgiltigen Sieg unserer Sache ihm Balsam dünken für die Wunden, welche seinem Herzen geschlagen worden durch das grausame Geschick, unter welchem sein Volk leidet. Tief empfindet er auch jetzt wieder die in Ihrer Depesche vom 27. ds. Mts. ausgesprochenen Gesinnungen von Hunderten von Mitgliedern des Evangelischen Arbeitervereins Darmstadts, und ich habe den Teilnehmern namens Seiner HochEdlen den wärmsten und verbindlichsten Dank von Herzen auszusprechm. Hochachtungsvollft Der Kabinetschef: Alpscheten." 8. Darmstadt, 5. Febr. Die heute Vormittag erfolgte Ankunft der Prinzessin Elisabeth von Hessen, die feit ber am 15. Oktober erfolgten Abreise der Großherzogin nach Koburg und nach Italien bei ihrer Mutter wellte, gestaltete sich zu einer spontanen Huldigung und Kundgebung für ba§ jetzt 7jährige hessische Fürstenkind. Kammerherr Ober- stallmeister v^n Riedesel hatte die Prinzessin bei der Großherzogin in schloß Fabron abgeholt. Das Hochrufen und ^ücherschwenken nahm kein Ende, sodaß der Wagen, in dem bie Prinzessin zur Rechten ihres Vaters Platz genommen hatte, nur sehr langsam burch die Menge durchfahren konnte. Die Veilchenbouquets, die der Prinzessin überreicht wurden, zähtten nach Hunderten. ^cjne Mitteilungen aus Hetzen und den Nachbarstaaten. Eine Jnhaftterung mll besonderen Umständen ist in Ober- Abtsteinach erfolgt. Kürzlich brannte hier zu nächtlicher Stunde die Bäckerei von L. Becker vollständig nieder. Nun hat die Ehefrau Becker bet den gerichtlichen Aufnahmen den Verdacht der Brandstiftung auf sich gelenkt, sodaß sie nach Wald-Michelbach in Untersuchungshaft gebracht wurde. Da die Frau erst vor 6 Wochen niedergekommen ilt, so mußte ihr Kmd auch mit in die Haft genommen werden. Vermischtes. Königsberg i. Pr., 4. Febr. Leutnant Wolf o. Spieß vom Grenadier-Regiment „Kronprinz" hat sich hier erschossen. Nach der „Königsb. Hart. Ztg." haben in den letzten Jahren zwei Brüder — beide ebenfalls Offiziere, der eine sogar in demselben Regiment — gleiche Weise geendet. e Paris, 5. Febr. Der wegen verschiedener in Deutschland verübter Betrügereien verfolgte, aus Rußland ge- bürtigte Prinz Sa bin, alias Graf Toulouse-Lautre, wurde gestern verhaftet. Nach Erledigung der notwendigen Formalitäten wird derselbe nach Deutschland ausgeliefert. • Wien, 6. Febr. Gestern Abend 10 Uhr fuhr auf dem Getreidemarkt ein elektrischer Sttaßendahnwagen in den Fiaker des Herrenhausmitgliedes Herzogs Beaufort. Der Fiaker wurde zertrümmert und der Herzog und die Herzogin aus deni Wagen hinausgeschleudert. Herzog Beaufort erlitt eine schwere Kopfwunde, die Herzogin blieb bewußtlos liegen. Schneestürme in Oesterreich. In Triest herrscht wieder heftige Bora und fürchterliches Schneetreiben. Wegen starker Schneeverwehungen mußte der Verkehr von vielen Lokal-Bahnen Galiziens eingestellt werden. Kandel und ynkrljr. Volkswirtschaft. Berlin, 5. Febr. Tie neue 3'/,proz. Anleihe der Stadt Frankfurt a. M. gelangte heute zum erstenmale zur Notiz und stellte sich der Kurs auf 98.70 Proz. — 3>/,Proz. bayerische Anleihen. Die Emission von 66 Mill. Mk. 3* > proz. Bayerische Eisenbahn-Anleihe und 20 Mill. 3'/, proz. Bayr. allgemeiner Anleihe findet am 14. Februar d. Js. statt. Ter Emissionspreis wurde aus 99.85 Proz. festgesetzt. — Die würitembcrgischc Hypothekenbank beantragt die Verteilung von 7'/, Prozent Tividende wie im Vorjahre. Deutsche Rcichsbauk. Entgegen früheren Verlautbarungen wird nun, anscheinend offiziös, mitgeteilt, daß eine weitere Umsetzung des Diskonts der deutschen Reichsbank fürs neue nicht beabsichtigt ist. Neue Karlsruher Stadtaulcihe. Auf 4*/i Millionen Mark 3'/2°/o Stadtanleihe hat das Höchstgebot von 98.19 /0 die Dresdener Bank und E. Wertheimber in Frankfurt a. M. abgegeben. Galizische Karl-Ludwigs-Bahu. Die österreichische Regierung hat im Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf eingebracht, durch den sie ermächtigt werden soll, die im Umlauf befindlichen rückzahlbaren Kronen 92 Millionen 5 Prozent Aktien der genannten Gesellschaft auf niedriger verzinsliche, nicht rückzahlbare Staatsschuldoerschreib- nugen abzustenweln oder sie einzulösen. Das ungarische Couversionsgeschäst ist näher gerückt als bis jetzt allgemein angenommen wurde. Der Leiter der Oesterr. Bodenkreditanstalt hat sich nach Berlin begeben, um mit den dortigen Mitgliedern der Rothschild-Gruppe über die Transaktion zu verhandeln. Märkte. Limburg a. d. L., 5. Febr. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Matter. Roter Weizen 14.19 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.26 Mk., Gerste 9.10 AU., Hafer 7.80 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Gerichtssaal. Wetzlar, 5. Febr. Die Strafkammer verhandelte tl a. gegen den Schafhirten Konrad Hoß von H e i n ch e n bei Altenstadt (Oberhessen) wegen Urkundenfälschung, sowie Betrugs im wiederholten Rückfalle. Kaum wegen Betrugs in Altenstadt zu 4 Monaten Gefängnisi verurteilt, verübte er auch in b-er hiesigen Gegend Schwindeleien. So stellte er sich selbst Bescheinigungen aus, auf Grund deren er förmliche Kollekten für sich erhob. Die Urkunden hatte er mit dem Namen des Bürgermeisters von Krofdorf twnd eines Dr. Schneider von Gießen unterzeichnet- Auf Grund dieser Bettelbriefe glückte es chm, in Atzbach und Dorlar etwa 30 Mark zu erschwindeln. Meaen der Gemein gefährlich kett des Angeklagten erkennt das" Gericht auf 1 Jahr 7 Monate Zuchthaus, 150 Mark Geldstrafe eventl- 10 Tage Zuchthaus. Kirchliche Nachrichten. Hottesdrrull der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 8. Februar 1902. Freitag abend 500. Samstag vormittag 880. Predigt. Nachmittag 330. Sabbathausgang 620. Wochengottesdienst: morgens 700 Uhr, abends 500 Uhr. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 6. Febr. Zn gut unterrichteten Kreisen wird versichert, der Bundesrat sei entschloffeu, über die borge- s chla ge u en Mind estzölle sürGetreide unter keiueu Umständen hinaus zu gehen. Wo noch Zweifel an dieser Thatsache bestehen sollten, durfte durch weitere autorisierte Kund- gedungen für völlige Klarheit gesorgt werden. In Reichstags- kreisen war, der „Rat. Korr." zufolge, gestern die Annahme verbreitet, es stehe eine dahingehende bündige Erklärung namens der verbündeten Regierungen in Aussicht. Kassel, 6. Febr. Direktor Schmidt von der Treber- ttocknungs-Gesellschaft wird vorläufig aus Paris nicht aus- geliefert werden. Ob er als Zeuge kommt, ist auch noch ungewiß. Keinesfalls wird bie Auslieferung noch in dieser Woche erfolgen. Elberfeld, 6. Febr. (Militärbefreinngsprozeß.) Die Strafkammer verurteilte Baumann zn zwei Zähren zwei Monaten Gefängnis und fünf Zähren Ehrverlust unter Anrechnung von einem Zahr sechs Monaten Untersuchungshaft. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprocheu. London, 6. Febr. Auf einem Diner des „Zuuior Cou- stitutional Club" hielt gestern abend Lord Salisbury eine Rede, in der er sagte, er wolle gern die fteuudliche Gesinnung der holländischen Regierung in jeder Weise anerkennen. Die britische Regierung könne jedoch nicht darüber klar werden, aus welchem Grunde und in welcher Absicht sie den seltsamen Schritt unternommen habe. Sie könne nur annehmen, daß englische Burenfreunde die Beranlafiung gegeben hätten. Man fei jetzt überdies in eine Periode gelangt, wo viele solche Vorschläge gemacht würden. Ter einzige Grund, weshalb er über diese Tiage spreche, die an sich nicht von sehr großer Wichtigkeit seien, liege darin, daß diese Vorschläge zu einer Zeit erfolgten, wo man mehr Gewicht auf die Eingebungen des Verstandes und weniger ~ auf die des Gemütes legen muffe. Viele liebenswürdige und vortreffliche Leute wünschten vielleicht, England solle alles opfern, nm einen Frieden zusammenzustümpern, der doch nicht andauern würde. Sie müßten aber bedenken, daß von Gefühlen und Empfindungen keine Rede sei. England habe eine Arbeit augefaogeu, die es d u r ch f üh r eu muffe. England suche Sicherheit. Es würde nicht nur gern, sondern mit Freuden jede Wiederherstellung des Friedens aeeeptieren, bei der die Rechte des Königs anerkannt und die Sicherheit des Reiches verbürgt würde. Diese Sicherhett sei der einzige Entgelt, den England für alle Verluste und Opfer erstrebe. Ter Redner fügte hinzu, es gebe noch andere zu erwägende Fragen, wenn der Krieg vorüber sei. Die Erhaltung der eng. tischen Position in Zrlaod sei die vitalste Aufgabe, die jetzt dkm Reiche obliege. Versagten die darauf gerichteten Bestrebungen einmal, so würde das Reich in die größte Gefahr gebracht werden, die man je gekannt habe. TaS seien viel wich, tigere Fragen als der südaftikanische Krieg. London, 5. Febr. Sechs Interpellationen find im Unter. Hanse eingebracht, betreffend den Skandal wegen der Pferde-Ankäufe der Armee. Ter General-Direktor der Rcmonte-Abteilung und andere Beamte weigern fich, ihre Demission zu geben. — Zn einem Interview sagte der ehemalige Unterstaatssekletäc Dilke, die englische Note enthalte durchaus nicht eine schroffe Abweisung. Er hoffe deshalb, daß die holländischen Bemühungen noch gute Früchte tragen werden. Haag, 6 Febr- Zn hiesigen maßgebenden Burenkreisen ist man der Ansicht, daß die Aussichten auf Friedensverhandlungen nicht ungünstig feien. Schalk Burger, Präsident Stein und die int Felde stehenden Generale dürften» falls England nicht unerfüllbare Foederungen stellt, geneigt sein, in Friedensunterhandlungea eiozntreten. Madrid, 6. Febr. Zn der Kammer brachte der Kriegs» Minister eine Vorlage ein, nach welcher das Rekrutengesetz dahin abgeändert werden soll, daß die Militärpflicht auf Seminaristen und solche Geistliche ausgedehnt werden darf, die noch kein Gelübde abgelegt haben. Hannover, G. Febr. Es steht noch nicht fest, ob der Prozeß Falkenhagen am Montag oder Dienstag nächster Woche verhandelt werden wirb- Wie verlautet, soll Frau Landrat von Bennigsen als Zeugin geladen toer» den und es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß der Termin unter Ausschluß der Oefsentlichkett verhandett wird- London, 6. Febr. Die „Times" meldet aus ShawA» Hai: Seit dem Tode Li-Hung-Tschangs entwickeln such in bemerkenswerter Weife freundliche Beziehungen zwischen China und Japan. Die Annäherung zeigt sich besonders in der Haltung dsr Bicekönige von Pekschtti und des Aantse-Gebiets, die sich in hohem Grade auf den Rat der Japaner in Reorganifations- und Reformfragen verlassen. — Der Korrespoitdenk der „Daily Mail" meu>et aus Calcutta, daß die britische Regierung entschlossen sei, sowohl die Absicht, Waiheiwai zu befestigen, als auch es zu einem Platz mit Garnison zu machen, aufzugeben^ Die Garnison werde gegenwärttg beretts zurückgezogen. London, 6. Febr. Lord Kitchener telegraphiert aus Pretoria: Oberst Kekcwich berichte: Die englische Truppe unter Major Leader tötete 7 Mann von Delareyh Kommando und machte 131 Gefangene, darunter einen Kommandanten, den Landdrost von Potgieter und Jan Du Plessis. Die Verlustliste der Engländer ist gering; niemand ist gefallen. Paris, 6. Febr. Die durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten bekannte Schriftstellerin Clemence Roher, eine hervorragende Mitarbeiterin der „Fronde", ist im Alter von 72 Jahren gestorben. — Heute nacht starb die Schriftstellerin Ratazzi de Rute, verw. Gräfin Solms, eine Enkelin Luzien Bonapartes. Riom, 6. Febr. Abg. Toscara veröffentlicht in der „Tribuna" einen Artikel, in dem er die Parlaments-Mitglieder auffordert, den Antrag des Königs, seine Zivil- liste herabzujeden, abzulehnen. — Wie die Blätter berichten, wird der Battkan zunächst eine Aufforderung an alle Priester erlassen, in der jede Beteiligung an irgend einer politischen Bewegung oder Direktion bei irgend einer Partei wie auch jede Mitarbeiterschaft an politischen Blättern auf das strengste untersagt wird. New-Iork, 6. Febr. Zur Reise des Prinzen Hleinrich wird gemeldet: Der Pier, auf dem die „Hohenzollern" während ihres Aufenthaltes in New-Nork liegen wird, soll in eine riesenhafte, glänzend beleuchtete Empfangshalle umgewandelt werden, wo^u die Arbeiten bereits im Gange sind. Prinz Heinrich wird, wie verlautet, während seines Aufenthalts in New-Iork an Bord der ,,Hohen zollern" wohnen und wahrscheinlich den Pier beständig in Anspruch nehmen. Die Kosten der Umgestaltung des Piers trägt der Nordd. Lloyd. Auch eine Einladung zu einem Festmahl im Chinesen-Viertel ist für den Prinzen Heinrich ergangen. — Die Stadtverordneten Baltimores verweigern die Annahme des Einladungs-Beschlusses, wett nur 20 Minuten Aufenthalt für den Prinzen vorgesehen werden konnten, nach einer anderen Version wett P r i n - zeu-Besuche das repub titanische Gleich beits- Prinzip verletzen. Am 9. Vlärz soll ein Rendezvous der großen amerikanischen Kegler-Klubs im New-Vorker Nachtklub statt find en. Der Schulrat erbat den Besuch des Prinzen für die Schulen. > St. Thomas, 6. Febr. Die deutsche Kaiser Yacht ,Hohenzollern" ist hier eingetroffen. Telephonischer Kursbericht« Frankfurt a. 11.. 6. Februar. 3*/g% Reiche anleihe . . 102.10 30/j do. ... 91 äO 31/,% Konsole .... 101.95 3°o do.....91.40 3*/2°/o Hessen .... 100.10 3% Hessen ..... —.— 456 Oesterr. Goldrente . 103.15 4* Oesterr. Silberrente 101.40 4% Ungar. Goldrente . . 101.45 4°/j Italien. Rente , . . 100.80 4*/3 % Portugiesen ... 42.60 30/ Portugiesen .... 28.00 C. Türken .... 28.15 Türkenlose ...... 114.20 4% Griech. Monopo 1-Anl. 44.65 3u/ü Mexikaner 4*/z /(, Chinesen Electric, beb ackert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandi Darmstädter Bank Dresdener Bank . Beniner Handelsges Oesterr. Staatabahn Lom barden . . Gottharibahn , . Laurahütte . . . Bochum .... Harpener . . . 4*/$ % äussere Argentiner —.— Tendenz: fest. . 26.85 . 89.50 . 124.00 * 218.10 . 192.60 . 135.30 . 137.20 . 181.50 . 146 00 . 20.30 . 168.90 . 202.00 . 187.00 . 164.60 Leicht löslich \ leicht verdaulich! an Houiei jCacao Bekanntmachung, . ri ' ’ ----- ---ö u““»» «mva-hvw euuieneno; I r—gg ’=»»M»Äe«fi#t"t-Ä“ Bier-Konzert ner ISfunb ja ’ 'M Ausschnitt 5« _ wozu ergebenst einladet Eintritt frei! Pntsr Eintritt frei! Peter Herr. per Pfund 40 Pfg. un ™'^nut „ per Pfd. 36, 30, 25 Pfg. Möbliertes Zimmer zu verm. JJ* 0473] Neustadt 14, I. Red StarTine L Ä Rothe AJ Stern kl Linie Bahnhofstrasse 6. Bahnhofstrasse 6. [Antwerpen 6R nach Ungeschmälerter Tabaks-Genuss. I /Samstag, 8. Febrru h/ abends von 8‘,, Uhr Maskenball im Cai« Leib Samstag, 8. 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