Nr. 4 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eichener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unioers.-Buch-u.Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktton, Expeditton und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fcrnsprcchanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag 6. Januar 1902 sietzenerAilMger Seneral-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr« Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": R.Dittt mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Are Heutige Yunrrner umfaßt 10 Seite«. Deutsches Wich. Berlin, 5. Jan. Der Kaiser hörte gestern die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs-Marineamts und des Chefs des Marine-Kabinetts. — Nach einer Zuschrift aus Bonn wird der Kjaiser anläßlich der Immatrikulation des Prinzen Eitel Friedrich der Stadt Bonn einen Besuch abstatten. — Der bevorstehende Besuch des Prinzen von Wales wird in einem englischen Blatte auf eine dringende Einladung des Kaisers zurückgeführt. In Wirklichkeit hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." hervorhebt, der König von England durch seinen hiesigen Botschafter dem Kaiser die Absicht, zur Beglückwünschung desselben am 27. Januar den Prinzen von Wales zu entsenden, mitteilen lassen. Der Miser hat den Prinzen als Gast zu seinem Geburtstage gern willkommen geheißen. — Der Erb großh erzog von Baden stattete gestern abend dem Reichskanzler .Grafen Blülow einen; längeren Besuch ab. — Das preuß. Staatsministerium trat unter dem Vorsitze des Grafen Bülow heute zu einer Sitzung zusammen. (Wahrscheinlich Mr Feststellung der Thronrede, mit der der preuß. Landtag am 8. d. M. eröffnet werden wird. D. Red.) — Der Staatssekretär des ReichSschatzamts Freiherr v. Thielmann, der vor Weihnachten an Influenza erkrankt war und dem Reichstag deshalb hatte fernbleiben müssen, ist jetzt wiederhergestellt. Er hat bereits eine Einladung des Landwirtschafts-Ministers v. Podbielski zur Jagd angenommen. — Von gut unterrichteter Seite wird der „Natl. Korr." mitgeteilt, daß die in einem Teil der Presse auftauchende Annahme, die verbündeten Regierungen würden nicht alle ihnen M Gebote stehenden Mittel anwenden, um ihrerseits die Verabschiedung der Zolltarifvorlage in dem bevorstehenden Gesetzgebungsabschnitt zu betreiben, durchaus irrig ist. Immer mehr zeige sich, daß ebenso wie die Industrie und die Landwirtschaft auch der Handel keinen lebhafteren Wunsch hat, als bald zu wissen, wie sie sich in Zukunft einzurichten haben. — Die „Köln. Ztg." bespricht an leitender Stelle, offenbar inspiriert, die letzte Kundgebung der „Nordd. Allg. Ztg." in der Polenfrage, die formell sich an die galizischen Polen richte, in Wirklichkeit aber wohlerwogene Abwehrmaßregeln der preußischen Regierung ankündige, die sich gegen die Organisation wenden, welche die politischen An- gele/genheiten der gesamten Polen leite. Das lange gehütete Geheimnis der eigentlichen Ziele dieser internationalen Organisation, die ohne staatliche UmwälMng nicht erreichbar feiM, liege heute offen zu Tage, und deshalb sei Bülows Standpunkt unanfechtbar. Die Staatsgewalt verfüge noch über andere Strafmittel als die bisher angewendeten. Ferner werde mit aller Schärfe gegen die polnischen Umtriebe Vvr- gegangen werden, weil sie sich ausschließlich gegen den Bestand des preußischen Staates richte. — Unter der Spitzmarke ..Sozialdemokrat und Landesherr" schreibt die „Freis. Ztg.": „In Sachsen- Altenburg gab dieser Tage der Landtagspräsident Oß- wald den Mitgliedern des Landtages ein Souper, zu dem auch Herzog Ernst in Begleitung des Generals von der Lühe erschienen war. Der hohe Herr schien vortrefflich gelaunt zu sein und zeichnete — so fährt der Berichterstatter! im üblichen Hofftil fort — in der ihm eigenen leutseligen Art die verschiedenen Abgeordneten durch lebhafte Unterhaltung aus, darunter auch die beiden Sozialdemokraten Horn und Schüler." Hamburg, 4. Jan. Das neue Schlachtschiff „K a i s e r K a;r l d e r Groß e" ist auf der Werft von Blohm und Voß jetzt fertiggestellt und soll morgen den Hamburger Hafen verlassen, um nach Einnahme von Kohlen muh der Nordsee zu dampfen und dort seine auf etwa 14 Tage berechneten Probefahrten und Schießübungen auszuführen. Fallen sie zur Zufriedenheit der Vertreter des Reichsmarine- amts aus, so kehrt das Schiff nicht nach Hamburg zurück, sondern fährt direkt nach Wilhelmshaven. Siegburg, 4. Jan. Für die am 9. Jan. stattfindende Reichstagsersatzwahl im Siegkreise hat die Zentrumspartei an Stelle des Aba. Dr. Lingens den Landtags- abg. Bester in Honnef als Kandidaten aufgestellt. München, 5. Jan. Die Nachricht, die Prinzessin Klara von Bayern werde sich mit dem Freiherrn von Cramer-Klett verloben, wird vom Hofe aus als vollständig unbegründet energisch dementiert. Die Prinzessin Klara ist eine Nichte des Prinzregenten Luitpold, der junge Baron Cramer-Klett wohl der reichste bayrische Grundbesitzer, dessen auf 100 Millionen geschätztes Vermögen von den Eisenwerken seines verstorbenen Stiefvaters Klett in Nürnberg stammt. Er ist protestantisch, hat aber Klöstern in letzter Zeit mehrfach große Zuwendungen gemacht. — Der letzte Hofbericht besagt übrigens: Von dem Prinzregenten wurde am 3 .d. M. in Audienz empfangen Leutnant Frhr. v .Kramer vom 1. Schw. Reiter-Regt., kommandiert zur Eguitationsanstalt, kgl. Kammerjunker. — Der Finanzausschuß der Kammer der Reichsräte beschloß heute, über den Beschluß der Kammer der Abgeordneten betreffend die Zulassung von Israeliten als richterliche Beamte zur Tagesordnung überzugehen. Ferner beschloß der Ausschuß, über bie in der Kammer der Abgeordneten erfolgten Angriffe auf Reichsräte, welche Mitglied des Aufsichtsrats der Schuckert- Gefellscha-ftt sind, weder zu verhandeln noch Beschluß zu fassen. Ausland. London, 4. Jan. Aus Washington wird gemeldet: Im Weißen Hause wurde angekündigt, daß Miß Alice Roosevelt die durch den deuffchen Botschafter von Holleben üb ermittelte Einladung Kaiser Wilhelm s, seine auf Staaten Island im Bau befindliche Yacht zu taufen, angenommen habe- Die Einladung des Kaisers war in äußerst freundschaftlicher Fassung aus- gedrückt, und Roosevelt antwortete in gleicher Weise- Der Präsident wird jedenfalls seine Tochter bei der Schiffstaufe begleiten- Es verlautet auch gerüchtweise, der deutsche Kronprinz werde dazu nach Amerika kommen. Die ritterliche Aufmerksamkeit des Kaisers erregte in der Familie des Präsidenten lebhafte Genug- thuung; auch die amerikanische Presse spricht sich sehr sympathisch darüber aus- Die „New-York-Times" sagt, derartige Beweise von Takt und Liebenswürdigkeit gewönnen (in Wert, wenn sie von Königen kämen. Brüssel, 4. Jan. Unter dem Namen „Compagnie des chemins de fer du Kongo fuperior aux grande lacs africains", hat sich heute hier die neue Gesellschaft konstituiert, welche das 1400 Kilometer umfassende Eisenbahnnetz bauen und in Betrieb nehmen wird, dessen Ausführung der Unabhängige Congostaat beschlossen hat- Antwerpen, 4. Jan. Wie die letzten Meldungen aus dem Congostaat besagen, sind den aufftändischen Eingeborenen mehrere hundert Maschinengewehre abgenommen worden. Die portugiesischen Eingeborenen sind von den Congotruppen in verschiedenen Gefechten geschlagen worden- Rom, 5- Jan. Gestern nacht wurden drei italienische Anarchisten in Neapel verhaftet, die von Portugal kommend, verdächtig sind, auf König Carlos ein Atten- tat zu planen- Rom, 4- Jan. Die „Agencia Stefani" meldet aus Washington: Staatssekretär Hay überreichte dem italienischen Botschafter eine offizielle Note betreffend die Lynch un g von Italienern zu Ervin und teilte dabei mit, eine Abschrift des Protestes der italienischen Regierung werde den Ausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses zugestellt werden behufs Unterstützung des Vorschlages des Präsidenten Roosevelt, die Gesetzgebung dahin abzuändern, daß den Bundesgerichten die Rechtsprechung über Vertragsverletzungen zum Schaden fremdländischer Staatsangehöriger übertragen werde- Zürich, 4. Jan. Hier starb, 85 Jahre alt, John Reit en b ach, ein alter ostpreußischer Kämpfer gegen Bismarck und Schwiegervater des Züricher Justiz-Direktors; Regierungsrats Dr- Stößel. Als der Kampf der prenßi- scheu Volksvertretung gegen Bismarck im Jahre 1865 seinen Höhepunkt erreichte, erklärte Reitenbach, der damals aus seinem Gute Plicken bei Gumbinnen lebte, öffentlich: er verweigere dem Regiment Bismarcks die Steuern- Reitenbachs Kamps mit dem Steuerexekutor, der sich zu jedem Steuertermin regelmäßig einstellte, und ihm einen wertvollen Siegelring, ein Familienerbstück, pfändete, das dann Reitenbach ebenso regelmäßig bei der öffentlichen Auktion wieder erstand, endete erst, als 1866 nach d^m preußisch- österreichischen Krieg das Abgeordnetenhaus der Bismarck- schen Regierung Indemnität erteilte, erst dann stellte Reitenbach seine Steuerverweigerung ein- Wien, 5. Jan. Das o s fiziö se,,F r e m d e n b l a t tt führt an leitender Stelle aus: Es wäre besser gewesen, wenn im galizischen Landtage Fürst C z a r - toryski die vor dem Eingang in die Tagesordnung von ihm abgegebene Erllärung unterlassen hätte, da dieselbe dem Wirkungskreise des Landtags nicht gemäß war- Wenn der Vertreter dec Regierung trotzdem keine Einsprache erhob, so entsprang sein Verhalten nur dem Wunsche, der Angelegenheit dadurch nicht zu einer größeren Ausdehnung zu verhelfen, und dieselbe möglichst einfach und klanglos zu Ende zu führen- Den beiden Regierungen haben wir es zu danken, wenn das Ueber- schäumen der W r e s ch e n e r A f f a i r e auf dem österreichischen Boden und das Anschlägen derselben sowohl im österreichischen Abgeordnetenhause wie im galizischen Landtage keinen Augenblick lang jene Beziehungen tangieren konnten, die zwischen unserer Monarchie und der deutschen verbündeten, sowie zwischen den beiderseitigen Regierungen bestehen- Man darf wohl sagen, daß die Wreschener Affaire noch rechtzeitig von jenem klaren Fahrwasser abgeleitet wurde, auf dem sich die Politik der beiden verbündeten Staaten mit voller Sicherheit bewegt- Ter Artikel schließt: „Es ist neuerlich der Beweis erbracht, daß es bei der Innigkeit der beiderseitigen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland keine Zwischenfälle geben kann, die eine Schwierigkeit bereiten können, ober deren plötzliches Auftauchen zu fürchten wäre. Die stärkste Wurzel-des Bundes- Gießener Stadltßeater. Ein gemachter Mann. Gesangsposse von Jacobson. Am gestrigen Sonntag kam unser Ensemble einmal nicht mit österreichisch-ungarischen Spezialitäten, an die unser Sonntagspublikum nach dem „Viehhändler von Oberösterreich", dem unglückseligen „Ihr Korporal" re. re. nachgerade wohl schon gewöhnt war. Die guten alten Berliner Possenfabrikanten sind aber doch den Wienern ganz erheblich über, und thatsächlich gilt heute eine Posse nicht für voll, wenn sie nicht in Berlin entstanden und in und um Berlin ifjren Spielplatz hat. Die auf dem Pflaster der deutschen Reichshauptstadt und in den Holzbeständen des Grünewald in der Posse „Ein gemachter Mann" auftauchenden Personen haben in fast allen Vertretern den althergebrachten Possencharakter gewahrt und verleugnen nicht ihre Abstammung aus den verschiedensten bekannten deutschen Schwänken und selbst einigen französischen Lustspielen. Aber diese Verwechslungsund Verkleidungsposse besitzt eine durchgehende Idee und unterscheidet sich darin sowie in der ausnahmsweise äußerst geschickten Zusammenstellung bekannter komischer Situationen und in dem verhältnismäßig ganz erheblich höheren Niveau ihrer wirklich sehr niedlichen Kouplets (ein besonders hübsches Kouplet ist das vom Großpapa im letzten Akt) mit kluger Benutzung alter beliebter Melodien höchst vorteilhaft von mancher noch älteren Berliner Schwester. Auch ist ihre Komik nicht gar so gewaltsam zurecht gemacht, wie man das von der neueren Possenfabrikation auf märkischem Sande leider bis zur Selbstverständlichkeit gewöhnt ist. Vielmehr sprudelt in ihr, und in ihrer Hauptrolle besonders, ein Quell fast natür- üchen Humors, dessen Heiterkeitswirkung belebte und erfrischte, sodaß wohl mancher Theaterbesucher mit dem Maler Randow am Schluß des Stückes ausrief: „Ich habe lange nicht so gelacht!" Herr Woisch, der Nüancenkundige, als der „gemachte Mann" mit „trichinöser Vergangenheit", an die man allerdings „nicht tippen" soll, hatte als Darsteller wieder einmal einen sehr glücklichen Tag und war, wenn auch hier und da nicht so ganz sattelfest, fo, doch durchweg, ohne aufdringlich zu werden — das gerade ist eine seiner besten Eigenschaften — höchst drollig. Indem er alle Minen seiner komischen Zündkraft springen ließ, errang und — wahrhaftig! — ersang er sich die volle Gunst des Publikums. Die zweite Hauptrolle, um die sich kaum weniger als um die des Rentiers und ehemaligen Wnrstfabrikanten Pasewalk — übrigens früher einer beliebten Büller'schen Figur — die ganze Posse schlingt, gab Fräulein Hohenfels, die am reichsten und vielseitigsten begabte unter unseren liebenswürdigen Künstlerinnen, die in der Heyermans'fchen „Hoffnung" als Jo, in Björnsons „Uebcr unsere Kraft" als Frau Pastor Sang 2c. fast ebenso vollendete und reichsten Beifalls würdige Kunstleistungen bot wie als die lockere „Dame von Maxim". Diese sonst so ernste und besonnene junge Künstlerin, deren schönes, volltönendes Organ für den, der Ohren hat zu hören, mit unangreifbarer Bestimmtheit sagt, daß es in nachdenklichem Herzen und spekulativem Kopfe entstand, hatte sich wieder einmal von einer Seite zu zeigen, die ihrem innersten Wesen offenbar ziemlich fremd liegt; doch ihre Gestaltungskraft ist so groß, daß sie auch für Empfindungen und Charaktereigentümlichkeiten mit vollendeter Sicherheit den zutreffendsten Ausdruck findet, die mit ihrer Eigenart direkt kontrastieren. Sie exerzierte gestern förmlich im Feuer, mit reizender Frische. Und dann zeigte dieses schneidig ftohlaunige Predigerkind andrerseits wieder einen hohen Ernst und feinen gefellschastlichen Takt trotz allen verschmitzt-witzigen und kecken Uebermuts. Die Gefahr in Drastik zu verfallen liegt bei ihrer Poffen- rolle ziemlich nahe. Frl. H. aber bot eine tadellose fein- komische Lustspielfigur, gleich liebenswürdig wie ergötzlich. Ihre Innere Veranlagung führt Frl. H. zweifellos zunächst zu ernsteren Aufgaben ä la Adelheid Runek in Freytags „Journalisten", sie wäre jedenfalls auch eine recht gute Minna v. Barnhelm, und gar gern sähen wir sie einmal im klassischen Drama, selbst als Iphigenie. Aber ihre Scharfblick macht sie so menschenkundig und zu einer Seelenmalerin mit so reicher Palette, daß sie den verschiedenartigsten darstellerischen Aufgaben gewachsen ist. Neu war es für uns auch, daß Frl. H. sehr Beachtenswertes im Kunstgesang leistet. Einen nichtsnutzigen Schlingel von Maler stellte Herr Gerl ach außerordentlich wirkungskräftig dar. Auf einem Künstlerfeste Erschien er als fesches Bauernmädel, und, was das Bemerkenswerte daran ist, das machte durchaus nicht den Eindruck eines dummen Zirkusspasses ä la Eharleys Tante. Kann man mehr von einem Darsteller verlangen? Einen köstlichen Prof. Randow gab Herr Namseyer, und als er vollends zu singen anhub, klang es markerschütternd schön. Als sttmmbegabter Sänger zeigte sich Herr Sandor, sicher und munter war Herr Zoder als „ungegipster" Lux, ein paar passable „Baröne" waren die Herren Leßmann und Schneider, eine wackere Gattin Frau Jenny. Und auch die Damen Brandau, Feige und Ungar waren bester Laune. Kurzum, dieser Possenabend war — so seltsam das auch, angesichts der guten Leistungen unseres wackeren Ensembles bei der Lösung von ernschaften litterarischen Aufgaben, klingen mag — einer der erfreulichsten der ganzen Spielzeit. Ohne alles steifleinene Gehabe wurde der ganze flüchtige Scherz so überaus flott heruntergespielt, daß man Kleinigkeiten, wie das ziemlich schwerfällig, namentlich in der ersten, der Gesangsszene nicht lebendig genug arrangierte Künstlerfest gern übersah. P, W. Aus Wiesbaden meldet man: Im hiesigen Residenztheater fand am 4- d. M. Otto Ernsts Drama „Die größte Sünde" freundliche Aufnahme. Berlin, 4. Jcm. Die vier Einakter von Arthur Gefühls in beiden Staaten ruht darin, daß jeder Teil iu seinem Hause Herr i st." Lemberg, 5- Jan. In hiesigen maßgebenden (?) Polenkreisen wird mit aller Bestimmtheit versichert, daß leine „fortgesetzte Brüskierung der Polen" seitens der preußischen Regierung die politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns aufs Schwerste schädigen und daß, falls die preußische Regierung nicht freiwillig cinlenke, die Polenfrage zu den folgenschwersten Komplikationen zwischen Deutschland und Oesterreich führen müsse- Peking, 5- Jan. Ein Edikt der Kaiserin-Witwe spricht den Wunsch aus, den Fremden versöhnlich entgegenzutreten und kündigt an, daß sofort nach der Rückkehr die freundschaftlichen Beziehungen mit den fremden Gesandten wieder ausgenommen werden sollen. — Ern zweites Edikt teilt mit, daß bei dem Massacre in Ningtsinsu in der Provinz Kansu zwei Missionare umgekommen seien- Der zweite Missionar, dessen chinesischer Name Tung gewesen sei, sei am 23- Dezember seinen Wunden erlegen- Buenos Ayres, 4- Jan. Die argentinisch-chilenische Streitfrage hat sich neuerdings verschärft infolge des Verhaltens der chilenischen Diplomatie während der schwebenden Verhandlungen, das man hier als illoyal betrachtet- Die argentinische Regierung, die alle Mittel erschöpft hat, um auf gütlichem Wege Befriedigung ihrer Ansprüche zu erlangen, beabsichtigt, die Verhandlung abzubrechen, sowie die diplomatischen Beziehungen mit Chile zu suspendieren, und hat, um für alle Eventualitäten vorzusorgen, angeordnet, daß die Flotte und das Landheer auf Kriegsfuß zu stellen sind. Die Bevölkerung billigt die Haltung der Regierung. Vom Bureukriege. Nach einem Telegramm aus London wird dem „Standard" aus Pretoria über eine erneuteThätigkeit der Buren im Zusammenhang mit dem System der Blockhäuser berichtet. D e w e t soll dem Kommandanten einae- schärft haben, den Bau weiterer Blockhäuser mit allen Mitteln zu verhindern. Man macht sich deshalb auf neue Kämpfe gefaßt. Das britische Kriegsamt veröffentlicht die monatliche Verlustliste der englischen Truppen. Sie umfaßt 96 Offiziere und 2233 Unteroffiziere und Mannschaften. Seit Beginn des Krieges sind im ganzen 24 2 9 9 Engländer kampfunfähig gemacht worden. — Natürlich liegt auch gleichzeitig eine tröstende Depesche des Generals Kitchener vor, der aus Johannesburg meldet: Bruce-Hamiltons Kolonnen machten seit dem 29. Dezember östlich von Ermelo 100 Gefangene, unter denen sich General Erasmus befindet, und erbeuteten eine beträchtliche Menge Vieh und Wagen. In Pretoria wurde eine Proklamation erlassen, die bezüglich der Zulassung von praktischen Aerzten in Transvaal Vorsorge trifft und einen Artikel enthält, der die Ausfolgung von Licenzen an Besitzer von Diplomen fremder Länder verbietet, falls die Gesetze des Landes, aus dem das betreffende Diplom stammt, den qualifizierten englischen Aerzten nicht ein gleichwertiges Vorrecht einräumen. Aus Stadt und Kand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 6. Januar 1902. ** Personaluachrichteu. Der Großherzog hat dem Hauptmann Blecken von Schmeling, Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Siegen, seither Batteriechef im 2. Großh. Feldartillerie-Regiment Nr. 61, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem seitherigen Vizewachtmeister Busch im 1. Feldartillerieregiment Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps) die Krone zum Silbernen Kreuz mit Schwertern des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Gro ßherzog hat den Vizefeldwebel Herpel zu Darmstadt und den Bezirksfeldwebel Zilch zu Darmstadt zu Kanzlisten bei dem Ministerium des Innern, und die Militäranwärter Ebel und Eirich zu Darmstadt zu Hauswärtern im südlichen Kollegiengebäude zu Darmstadt ernannt. — Der Großh erzog hat den Hauptsteueramtsassistenten in Offenbach Schröckert in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Bingen versetzt. Schnitzler, die heute im Deutschen Theater zur Aufführung gelangten, spiegeln das Verhältnis der Wirklichkeit, die der Künstler lebt, zur Welt seiner Kunst. Die beiden ersten Stücke „Lebendige Stunden" und „Die Frau mit dem Dolche" muteten etwas theoretisch an; die beiden anderen „D ie letzten Masken" und „Literatur" waren glücklich und lebensvoll gestaltet und voll überlegenen Humors- Sie sanden starken, verdienten Beifall. Unter den Darstellern zeichneten sich Frl. Triesch und Herr Basfermanri sehr vorteilhaft aus. Stuttgart, 4- Jan. Der frühere Direktor der hiesigen Kunstschule, Genremaler Claudius von Schrau- d o l p h, ist in Eppan bei Bozen gestorben- Das National-Theater in Kopenhagen hat Sudermanns Drama „Es lebe das Leben!" erworben und wird es noch in diesem Winter aufführen. Paris, 4. Jan. Santos Dumont gedenkt seine Ballon reise über das Mittelmeer zwischen dem 20- und 25. Januar anzutreten und zwar von der französischen Küste aus nach Corsica- Dumont, welcher einen Ingenieur mitnimmt, hofft mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde fahren zu können- — Die gestrige Aufführung von Wagners Siegfried gestaltete sich zu einem wahren Triumph- Die Gattin des Präsidenten Loubet, sowie zahlreiche Mitglieder der hohen Aristokratie wohnten der Vorstellung bei- — Die französische Regierun g ernannte aus Anlaß derWelt- ausstellung von 1900 den Bildhauer Reinhold Begas in Berlin zum Großosfizier der Ehrenlegion, zu Kommandeuren wurden u- a. ernannt: Ministerial-Direktor Thiel-Berlin, Professor von Le nb ach-München und Kupferstecher Professor K ö p p i n g - Berlin, zu Offizieren: Oberst Ku n tz e - Berlin, Professor Westphal- Berlin, Professor von Thiers ch-München, Geheimrat Dr- Witt- mack-Berlin, Wilhelm von Siemens-Berlin, Professor Emanuel Seidl-München, Professor Gabriel von Seidl- München, Professor von Uhde-München, Bildhauer Professor Diez-Dresden, der Generaldirektor der Hamburg- Amerikalinie Ball.n, zu Rittern u- a.: Fabrikant Vorsitz- Berlin, Professor Mie th e - Charlottenbura, der >Korrespondent ■- der „Köln- Ztg." " Dr. Schn eide r-Paris. 8. Ernennungen. (Tel. Meldungen des „Gieß. Anz.") Der Großh erzog hat den Kammerjunker und Kreisamtmann v. Bechtold in Friedberg zum Kammcrherrn ernannt und dem den Dienst eines Direktors des Landesgestüts versehenden Landstallmeister v. Willich, gen. v. König, den Charakter als Obcrlandstallmeister verliehen. ** Gerichtsafsessor Klarcnaar hat sich hier als Rechtsanwalt niedergelassen. Er wurde heute früh in Eid und Pflicht genommen. ** Beitritt zur staatlichen Betriebskrankenkaffe. Vom 1. Januar 1902 ab müssen nach einer Verfügung des Ministeriums der Justiz sämtliche Gehilfen der Landgerichte, Staatsanwaltschaften, Amtsgerichte, Amtsanwälte der staatlichen Betriebskrankenkasse beitreten. ** Kammermusik-Abende. Der für Freitag den 10. Januar in der Aula vorgesehene Kammermusik-Abend muß wegen schwerer Erkrankung des Herrn Adolf Redner verschoben werden. Sobald Herr Rcbner wieder hergestellt oder ein vollgiltiger Ersatz für ihn gefunden ist, wird im Inseratenteil der bez. Abend genannt werden. ** Gießen—Friedberg—Homburg—Wiesbaden. Der neue Bahnhof in Wiesbaden, der zurzeit im Bau begriffen ist, erhält, wie jetzt bekannt wird, Geleise für die Strecke Wiesbaden —Homburg. Es scheint also, daß die Eisenbahnverwaltung sich dem Bau dieser neuen Strecke gegenüber, die den Wünschen weitester Kreise entsprechen würde, durchaus nicht ablehnend verhält. Vielmehr ist danach anzunehmen, daß wir hier in Gießen in absehbarer Zeit Gelegenheit finden werden, nach Wiesbaden zu fahren, ohne den Umweg über Frankfurt und Kastel machen zu müssen. ** Ministerialdirektor Althoff und der Gießener Anzeiger? Eine wunderliche Postkarte ist uns in die Hände geraten. Sie trägt als Adresse einen winzig kleinen unleserlichen, wie es scheint, in deutschen, lateinischen und griechischen Lettern geschriebenen Briefausschnitt und als Ortsbestimmung „Gießen". Ihr Inhalt ist der folgende: Berlin w.'k ) [Stempel], 31712. 01. Bahrensh-aeso 6?. J Hochgeehrter Herr! Indem ich hoffe, daß die Post Ihre Unterschrift enträtseln wird, was mir trotz eingehender Bemühungen und erheblichen Zeitverlustes nicht gelungen ist, danke ich Ihnen bestens für Ihre Wünsche, die ich freundlichst erwidere. Hochachtungsvollst [eig.] Althoff. Wir nehmen an, daß der Absender dieser Karte der neuerdings aus Kreisen der akademischen Welt vielfach, zunächst aus Anlaß des Falles Spahn angegriffene preußische Ministerialdirektor Althoff ist. Das hiesige Postamt glaubte nun, offenbar, wie wir aus der späten Zustellung folgern, nach langen Entzifferungsversuchen, aus der Adresse den Namen „Wittko" lesen zu sollen, was nicht zutreffend ist. Vielleicht aber erhält durch diese unsere Mitteilung der Adressat die ihm zugedachte Althoff'sche Antwort. ** Die ungeheuere Zahl der Neujahrsbriefe, die unsere Reichspost zu bewältigenEhat, steigt von Jahr zu Jahr. Bei diesem Jahreswechsel, den wir jetzt hinter uns haben, sollen es, nach Berliner Blättern, allein in der Reichshauptstadt nicht weniger als zwölf Millionen gewesen fein. Unter diesen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, wenn über den Neujahrsbriefverkehr hier und da Beschwerden laut werden. So ist z. B. eine hier am Vormittage des Silvestertages in den Briefkasten an unserem Hauptpostamt gethane Postkarte nach Frankfurt nicht an seine Adresse gelangt, und ein am 28. d. M. bereits der hiesigen Post übergebener Brief nach einer ostpreußischen Stadt ist dort erst am 3. Januar angelangt, dagegen eine aus jener Stadt vom 2. Januar datierte Postkarte bereits am Abend des 3. Januar in den Händen des hiesigen Adressaten gewesen. Doch wie gesagt, bei diesem plötzlich so stark gesteigerten Verkehr hat das Publikum alle Veranlassung, mit seinen Vorwürfen gegen die Postverwaltung zurückzuhalten. ** Ein Frühlingsbote? Von einem unserer Leser wird uns mitgeteilt, daß er am Samstag gegen Abend in der Nähe der Bürgermeisterei eine weiße Fledermaus habe umherflattern sehen. Bekanntlich halten die Fledermäuse einen Winterschlaf; doch ist es schon möglich, daß das Tierchen durch das anhaltend milde Wetter aus seinem Schlaf geweckt wurde und annahm, der Frühling sei schon da. Oder sollte es wirklich schon ein Vorbote des Frühlings gewesen sein? ** Oeffcntliche Lesehalle. Im Dezember 1901 wurden 1838 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 789, Illustrierte Zeitschriften 585, Jugendschriften 263, Litteraturgeschichte 6, Verdichtungen 19, Länder- und Völkerkunde 42, Kulturgeschichte 20, Geschichte und Biographien 37, Naturwissenschaft, Technologie 43, Seewesen 10, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 6, Fremd-' sprachliches 10 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Handwerksmeister 278, akademisch Gebildete 37, Kaufleute 154, Beamte 22, Unterbeamte 102, Techniker, Schriftsetzer 107, Diener, Hausburschen 57, Arbeiter, Taglöhner 92, Lehrlinge, Gehilfen 252, Studenten 68, Rentner 7, Soldaten 11, zusammen 1187 Bände; an Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 209, Gewerbetreibende 84, Dienstmädchen, Lauffrauen 61, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 77, Beamtinnen 58, Pflegerinnen 20, junge Mädchen, Lehrmädchen 142, zusammen 651 Bände. Nach auswärts kamen 111 Bände. ** Vortragskurs für praktische Landwirte. Die Eröffnung des Vortragskurses ftndet am morgenden Dienstag, vormitt. 10 Uhr, in der Turnhalle statt. Den ersten Vortrag hält Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. P a a s ch e - Charlottenburg, Mitglied des Reichstags, über „Die Bedeutung und die Zukunft der ausländischen Getreidekonkurrenz"; ferner sprechen an diesem Tage Prof. Dr. Albert-Gießen über: „Neue Forschungen auf dem Gebiet des Molkereiwesens" und Oberlehrer Dr. Freyb e - Weitburg über die Frage: „Wie kann die neuzeitliche wissenschaftliche Wettervorhersage für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden?" — Am Nachmittag findet allgemeine Diskussion über die Vorträge statt. In den Diskussionsstunden ist Gelegenheit zur Fragestellung aus dem Gebiet der Vortragsthemata geboten. Dauerkarten L 5 Mk. und Tageskarten ä 3 Mk. können an der Kasse beim Eingang gelöst werden. Für gesellige Unterhaltung an den Abenden ist Sorge getragen. ** Für die Buren gingen bei her hiesigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes noch folgende freiwillige Gaben ein: Aus Alten-Buseck, abgegeben bei Lehrer Hübner, Bürgermeister Körber und Pfarrer Scriba, 65,20 Mk., da- runter 1 Mk. aus Trohe. — Weiter gingen zu gunsten der Buren-Frauen und Kinder ein 17,50 Mk. Weihnachtsgabe der Konfirmanden des Kirchspiels Kirchberg, von Frau Scrhl- feld hier 3 Mk. und Herrn Aug. Kretzschmar hier 1 Mk. ** Heilige drei Könige. Die Katholiken feiern heute heilige drei Könige oder das Epiphaniasfest, das Fest der Erscheinung Christi unter den Menschen. Ursprünglich im Morgenlande als Tauffest und, da im Herabkommen des heil. Geistes bei der Taufe auf Jesum dessen eigentliche Geburt zum Sohne Gottes erblickt wurde, als Geburtsfest Jesu gefeiert, brachte man es später im Abendlande mit der Ankunft der Weisen aus dem Morgenlande m Bethlehem in Verbindung und deutete nun den Namen auf die Offenbarung Christi als Erlösers der Heidenwelt. Daher rührt der Brauch, daß an diesem Tage in Rom zu Missionaren ausgebildete Männer aus allen Nationen jeder in seiner Sprache predigen. Später hielt man jene Weisen für Könige, und so wurde daraus das Fest der heiligen drei Könige. ** Hochwasser Meldungen. Nachdem erst vor wenigen Wochen West- und Mitteldeutschland von Ueber- schwemmungen heimgesucht worden sind, ist schon wieder in den damals hart betroffenen Gebieten ernste Gefahr im Anzuge. Der Rhein ist bei Köln innerhalb 24 Stunden um 92 Zentimeter gestiegen. Der Main und die Kinzig steigen fortgesetzt. — Der Pegel zeigte Samstag vormittags 10 Uhr 4.90 Meter. Der Oberrhein )teigt noch. — Aus Hanau meldet man: Der Wasserstand des Mains beträgt zurzeit 3.44, der der Kinzig 2 Meter. Von den Städten am Obermain wird weiteres Steigen des Maines gemeldet. Die Stadt Hanau wird in Kürze ihr Pumpwerk gegen Hochwassergefahr in Betrieb fetzen lassen. — Aus Kassel wird berichtet: Die Fulda ist teilweise übergetreten; der Fluß steigt noch. Ebenso führen Oberweser, Eder und Lahn Hochwasser. Die Niederungen sind teilweise überschwemmt. — Die Lahn führt seit einigen Tagen ein solches Hochwasser, wie cs seit langem nicht mehr zu verzeichnen war; dabei ist sie außerordentlich reißend. Die Flut steigt fortgesetzt. Sie beginnt immer mehr über die Ufer zu treten und die angrenzenden Ländereien zu überschwemmen. Die Wieseck führt ebenfalls viel Wasser. — Aus dem Kinzigthal wird geschrieben, daß die Straße zwischen Rückingen und Niederrodenbach überflutet ist und infolgedessen der Post- und Fuhrwerkverkehr nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Aus Kreuznach wird berichtet: Die in den letzten Tagen des alten und zu Anfang des neuem Jahres niedergegangenen Schnee- und Regensälle haben die Nahe zu Hochwasser gereizt. Der Fluß ist so rapid gewachsen, daß er stellenweise aus den Ufern trat. Der Hochwasserdienst ist in Thätigkeit, und die Uferanwohner wurden durch Plakate an den Säulen sofort in Kenntnis gesetzt. Bei Bretzenheim, Langenlonsheim und Laubenheim ist ein Teil der Aecker bereits unter Wasser gesetzt. Ein weiteres Steigen wird befürchtet. — Infolge des starken Zuflusses der hoch angeschwollenen Nebenbäche, die in den Main einmündeu, ist der Untermain zwischen den Orten Flörsheim-Hochheim an verschiedenen Stellen aus den Ufern getreten uud bedeckt das naheliegende Gelände. Die Nied ist oberhalb Höchst ausgetreten und dehnt sich aus dem Wiesengelände aus. — Auch die Nidda hat die Ufer überschritten, und die ganzen Wiesenflächen unterhalb Kleinkarben, Dortelweil, Vilbel gleichen einem See, weiter abwärts ist die Ausdehnung noch größer. Zwischen den Orten Berkersheim-Harheim ist der Fußverkehr durch Ueber- schwemmung gesperrt. Die Fahrgäste der Main-Weser-Bahn, die von der Haltestelle Berkersheim kommen, müssen die Station Bonames benutzen. ? Lang-Göns, 4. Jan. Bei Gastwirt K. I. Wenzel fand heute eine Versammlung des Gewerbevereins statt. Am Schluß traten dem Verein mehrere neue Mitglieder bei. § Ruppertenrod, 5. Jan. Nach dem Sylvestergottesdienste und auch nach dem Neujahrsgottesdienste wurde von Lehrer Strack eine Kollekte zum Besten der armen Burenfrauen und Burenkinder erhoben. Sie brachte die Summe von 22.85 Mk. ein, die an den „Gieß. Anz." gesandt wurden, und von diesem an das Hilfskomitee für die bedrängten Burenfamilien weitergegeben wurden. — In Ober-Ohmen wurde für denselben Zweck nach einem Vortrage des Lehrers Volp im Kriegervereine eine Sammlung veranstaltet, die 11 Mk. ergab. § Butzbach, 6. Jan. Der am nordöstlichen Ausgang der Amtsgasse gelegene ftüher Reul'sche, jetzt städtische Gebäudekomplex ist nun mit dem anhängenden Stadtmauerteile niedergerissen morden. Hiermit verschwindet wieder ein Stück Alt- Butzbach und zwar in der Nähe des Amtsgerichts und der neuen Bismarckstraße das ärmlichste. — Von der Unzulänglichkeit der Diensträume im hiesigen Gerichtsgebäude hat man sich nunmehr auch höheren Orts überzeugt, sodaß wohl eine baldige Abhilfe geschaffen werden dürste. Es fehlt sowohl ein Beratungs-, wie auch ein besonderes Amtsanwalts- und Zeugenzimmer. Darmstadt, 3. Jan. Der Großherzog empfing u. A. am 4. Januar v. Lehmann vom 1. Großh. Infanterie- (Leibgarde) Regiment Nr. 115, den Hauptmann v. Zangen, Mit- glied des Bekleidungsamts 15. Armeekorps, den Hauptmann Blecken v. Schmeling, Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Siegen, den Oberleutnant v. Rosenberg, den Professor Ko ob vom Realgymnasium in Gießen. — Um IO1/* Uhr empfing der Großßherzog den Königl. Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Johnstone in Audienz. S- Darmstadt, 5. Jan. Die 21jährige Wilhelmine Reich, die seit einigen Jahren, da sie elternlos ist, bei Verwandten in der Schloßgässe hier ihren Aufenthalt hatte, hat am vergangenen Freitag ohne Wissen ihrer Angehörigen ein Kind geboren und es entfernt- Der Hebamme erklärte sie, es sei in den Abort gefallen, worauf alsbald Nachforschungen angestellt wurden, die aber ohne Erfolg blieben, bis man den Leichnam heute nach längerem Sucheck in einer Hutschachtel versteckt fand- Die a'.bscheuliche Mutter, sonst ein hübsches und tüchtiges Mädchen, wurde alsbald verhaftet- — Ein in der Dönges- borngaffe wohnender Hausbesitzer und Handarbeiter, der früher schon einmal in einer Irrenanstalt untergebracht war, bekam gestern wieder einen Tobsuchtsanfall, schlug seine Frau, stieg als Leute kämen, auf das Dach und warf mit Ziegelsteinen, alsdann ergriff er ein großes Messer und v enrunbete drei Personen teilweise schwer- Er wurde durch die Polizei festgenommen und wieder in die Anstalt' gebracht., — Gestern ist der ftühexo^Landtagsabg. Mechnrmgsrat i- P. Peter Hermann, der einen Oden- Wülber Wahlkreis vertrat, hochbetagt gestorben. — der Nähe von Darmstadt, am sog. Bassin an der Chaussee nach Griesheim wurde gestern von Waldarbeitern unter einer Tanne eine vollständige Falschmünzerwerkstätte .aufgefunden. Man fand etwa 30 Formen für 5, 2 und 1 Markstücke, Tiegel usw Der Fund wurde an die Groß- >berzogliche Oberförsterei abgeliesert- — Gin 27 Jahre alter Landarbeiter in der Schulzengasse wurde wegen Verbrechen^ gegen die Sittlichkeit, begangen an seiner meun Jahre alten Stieftochter, festgenommen. — Der wegen großer Betrügereien und Unterschlagungen, bedangen im August 1901 zum Nachteil verschiedener Ange- stellter der Süddeutschen Waggonfabrik in Kelsterbach, steckbrieflich verfolgte Schreiner Carl Horn von Mamz wurde am 3- Januar in Bremen festgenommen. Er wird auch >von den Staatsanwaltschaften in Frankfurt a- M. und ,Wiesbaden verfolgt- — Von der elektrischen Straßenbahn >murde gestern ein Mann überfahren und ziemlich schwer verletzt, sodaß er nach dem Krankenhause gebracht werden ^U^granffurt, 4. Jan. Der Vorsteher der Steuerzahlstelle II, Karl Gustav G orth, hat sich heute mittag in seinem Bureau erschossen. Er blieb zurück, nachdem die übrigen Beamten sich entfernt hatten, und hat die Zeit der Mittagspause dazu sbemcht, um seinen Entschluß auszuführen. Als die Beamten ,um 3 Uhr wiederkehrten, fanden sie Gorth todt vor. Gorth, i^er ein Alter von 55 Jahren erreichte, soll einen Brief ^hinterlassen haben, in dem er beteuert, daß er niemals fremde Gelder sich angeeignet habe. Die Leiche wurde um 5 Uhr nach dem Frankfurter Friedhof verbracht. Nach an amtlicher Stelle eingezogenen Erkundigungen steht die Affaire „mit dem -Dienst in keinerlei Zusammenhang." — Ferner hat sich der lin wetten Kreisen bekannte hiesige Rentier Heinrich Flesch !in einem Zustand schwerer Gemütserkrankung, verursacht »durch unglückliche Spekulationen, erschossen. fc. Fulda, 5. Jan. Der von hier gebürtige kathol. Priester -Volk, der vor ea. 30Jahren nach Amerika auswanderte, ist von Rebellen in David (Columbia) erschossen worden. Wolfhageu, 5. Jan. Ein seltenes Jagdglück hatte -nach der „Hess. Landesztg." Oberst v. Hennigs vom 83. Jnft- Regiment im hiesigen Jagdrevier, indem er unmittelbar hinter einander 5 Schwarzkittel, 2 Bachen und 3 Eber, erlegte. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wegen Schaffung einer Eisenbahn-Haltestelle bei Kirch- Göns ist unlängst eine Petition vieler Interessenten an das Eisenbahn-Ministerium zu Berlin abgesandt worden. Vermischtes. • Berlin, 5.Jan. Professor Rudolf Virchow wurde gestern Abend beim Verlassen eines elektrischen Straßenbahnwagens von einem bedauerlichen Unfall betroffen. Er kam zu Fall und zog sich eine Verrenkung der Hüfte zu, sodaß ter in seine Wohnung gebracht werden mußte. Dem „L.--A." zufolge liegt irgendwelche Gefahr nicht vor, jedoch bedarf der Patient auf eine längere Zett der sorgfälttgsten Schonung. * Berlin, 4. Jan. Im Grünewald hat der 23 Jahre müe Handlungsgehilfe Karl Müller von hier seine Geliebte, dieidjährige Johanna Moritz und dann sich selbst -erschossen. — Wie erst jetzt bekannt wird, ereignete sich tarn Neujahrstag auf der Havel ein Bootsunglück. . Vier Mitglieder des Charlottenburger Ruderklubs, die mittags eine Bootsfahrt nach Schildhorn unternahmen, siud an ihrem Ziel -nicht angekommen. Das Boot ist aufgefunden worden, die wier Ruderer sind anscheinend ertrunken. * Burg a. d. Wupper, 5. Jan. Auf Schloß Burg [mürbe heute früh zwischen 4 und 5 Uhr der westliche Teil !des Bergfrieds (Aussichtsthurm), welcher bis zu einer Höhe jvon 40 Mtr. aufgeführt, aber noch nicht vollendet ist, infolge Sturms heruntergerissen. Der Sturz erfolgte in Ab- ljchmtten. Niemand wurde verletzt. * Budapest, 5. Jan. Der ehemalige Kaffenbeamte lbe§ städtischen Steueramtes Viktor Kecskemeth, der im November v. I. uach Unterschlagung von Steuergeldern im Betrage von 590 000 Kronen flüchtig geworden war, hat sich in einem aus Newyork datierten Briefe an den „Pesti Hirlap" bereit erklärt, die entwendete Summe zurückz'ugeben, wenn der Bürgermeister und die zuständigen städtischen Organe sich mtt ihrem Ehrenworte verpflichten, ihn nicht weiter zu [verfolgen. Kecskemeth fügt hinzu, man werde seiner niemals 'habhaft werden, da er sich völlig unkenntlich gemacht habe. * Moskau, 5. Jan. Ein schrecklicher Mord ist fim Hause eines österreichischen Brauers namens Karr in Kamowniki verübt worden. Der 20 Jahre alte Sohn des- ^selben, Alexander, der gerade eine Handelsschule absolviert, [stahl aus einer Kommode 500 Rubel, um seiner Geliebten lein Geschenk zu machen. Am Abend merkte er, daß seine ! Mutter den Diebstahl entdeckt habe. Der Vater war noch [nicht aus der Brauerei zurückgekehrt und so beschloß der [junge Mann, seine Muter und seine Schwestern zu ermorden, damit der Vater nichts von dem Diebstahl erfahre. Er ergriff eine Axt und erschlug mit derselben feine ' Mutter, stürzte dann in das nächste Zimmer, wo seine 18 Jahre alte Schwester Martha Klavier spielte, und er ermordete auch diese ebenso wie die 7 Jahre alte Schwester iJadwiga, welche neben der ersteren saß. Nachdem der Mörder fein entsetzliches Werk vollführt hatte, stürzte er zum -Hause hinaus, sandte den Portier fort und rief dann auf der Straße: „Mörder!" „Helft!" Der herbeieilenden Polizei erzählte er, daß irgend Jemand seine Mutter und seine Schwestern ermordet habe. Man glaubte zuerst die Geschichte, aber der Vater gab eine so ungünstige Schilderung von dem Charakter seines Sohnes, daß der Verdacht sich gegen ihn richtete. Er wurde verhaftet und gestand den Mord ein. Jadwiga lebt noch, aber es ist wenig Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Saratow, 5. Jan. Nach amtlicher Mitteilung sind kn dem Dorfe Kotowaja im Kreise Kamyschin 12 Personen um sibirischer Pest erkrankt und neun davon gestorben. * Heber ben folgenschweren Zweikampf in Jena berichteten wir schon in der Samstags-Nummer (Abend-Ausgabe). Im Anschluß daran geben wir noch einige [Einzelheiten wieder, die den unseligen Vorgang näher beleuchten. Am Neujahrsmorgen um 6 Uhr hatten auf dem Marktplatz drei Offiziere und mehrere Studenten ein Ren- Etre. Nach einem Wortwechsel schlug der Stu dentt den Chemie Held aus Halle von der Burschenschaft „Germania" dem Leutnant Thieme vom 94. Inf.-Regiment ins Gesicht. Die Folge davon war ein Zweikampf, der früh 8 Uhr auf dem Stern im Jenaer Stadtforst zum Austrag kam. Die Bedingungen waren dem Vernehmen nach ömaligcr Kugel- wechsel. Im dritten Gang wurde der Student Held durch eine Kugel, die unterhalb der linken Achselhöhle in die Brufi eindrang, getötet. Leutnant Thieme hat einen Streifschuß am Hals erhalten und befindet sich in der Klinik zu Jena in Behandlung. * Schon wieder eine „Heber-Lokomotive", die sich mehr und besser dünkt als die anderen und in ihrer Wißbegier „über die Kraft" ihrer Kameradinnen geht! Aus Zittau wird uns heute vom „W. T. B." gemeldet: Ein am 5. d. M., vormittags 9 Uhr 45 Min. aus Görlitz in Zittau eingetroffener Personenzug fuhr infolge Versagens der Luftbremse in das Stationsgebäude hinein. Zwei Reisende sind leicht verletzt worden. Der Materialschaden ist beträchtlich. — Also der Ruhm der Frankfurter v-Zug- Lokomotive hat ein simples Lausitzer Personenzugs-Dampfroß nicht schlafen lassen. Was doch der Ehrgeiz für wunderbare Blüten treibt l * Heb er die Kat astrophe des Dampfers Vallavalla, der, wie gemeldet, von einer französischen Barke in den Grund gebohrt wurde, wird noch weiter berichtet: Die Geretteten sind an Bord des Dampfers „Des- patoch" nach Trinidad gebracht worden. Die Schiffbrüchigen erzählen über ihre Erlebnisse Haarsträubendes. Ihr Boot kenterte infolge des heftigen Wellenschlages mehreremale, wobei jedesmal einige Insassen im Meere zurückblieben. Die „Vallavalla" hatte 142 Gefangene an Bord. Augenblicklich suchen verschiedene Dampfer die Küste nach Schiffbrüchigen ab. Von zwei Booten und einem Floß fehlt bisher jede Spur. Man befürchtet, daß deren Insassen ebenfalls verschwunden sind. Eine spätere Liste führt 26 Passagiere und 33 von der Mannschaft der „Vallavalla" als vermißt auf. Meratur. Wir machen unsere werten Leserinnen auf den dieser Nummer unseres Blattes beiliegenden Prospekt des fett 15 Jahren bestehenden, weitverbveiteten und in allen Kreisen beliebten Frauenblattes „Häuslicher Ratgeber" aufmerksam- Dieses beliebte Frauenblatt, das soeben seinen 16. Jahrgang beginnt, ist stets bemüht, seinen Leserinnen nicht nur in allen hauswirtschaftlichen Dingen, sondern auch in allen wichtigen Angelegenheiten mit Rat und That beizustehen. Ein reichhaltiger Modeteil gestattet durch seine genauen Abbildungen, klaren Beschreibungen und exakten Schnttte die Anfertigung aller Garderobenstücke auch den Ungeübteren, leichte und nützliche Handarbeiten laden fleißige Hände zum Nacharbeiten ein. Dem Unterhaltungsbedürfnis wird durch abwechselungsreiche Lektüre genügt. Die einzelne Wochennummer kostet nur 10 Pfg., mit dem alle vier Wochen erscheinenden Schnittmusterbogen 15 Pfg.. 'der Bezugspreis pro Quartal ist 1.40 Mark. Bestellungen auf den „Häuslichen Ratgeber" nimmt die Buchhandlung von Karl Krebs, Gießen, Schul- straße 10, entgegen- Gerichtssaal. Flensburg, 5. Jan. Das Kriegsgericht der 18. Division verurteilte den Leutnant Erich von Holtmann vom Füsilierregiment Nr. 86 (Königin) wegen Hausfriedensbruchs, verbunden mit ruhestörendem Lärm, Bedrohung, rechtswidrigen Waffengebrauchs und Mißbrauchs der Dienstgewalt.zu zwei Monaten und drei Tagen Gefängnis und sechs Mocyen und einen Tag Festungshaft. Landwirtschaft. ** Die landw. Provinzialvereine haben in allen Provinzen des Großherzogtums Sachverständige ernannt, mit dem Auftrage, allmonatlich Preisnotierungen über die Preise der Ferkel und Läu ferschweine aufzustellen. Die Preise sollen in dem „Organ der Vereinigung deutscher Schweine- züchter" veröffentlicht werden._________________________________ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berlin, 4. Jan. In der heutigen ordentlichen Generalversammlung der „Siemens u. Halske Aktiengesellschaft" wurde der Geschäftsbericht für das Jahr 1900/01 nebst der Bilanz und dem Gewinn-- und Verlustkonto einstimmig genehmigt, und die Verteilung einer Dividende von 8 Prozent auf das diesmal dividendcnberechtigte volle Aktienkapital von 54% Millionen beschlossen. Zu der neuen Kohlenringbildung, die von den KohlenhändlernamRheinundMain geplant ist, erfahren wir, daß am 7 .d. Mts. in Köln die letzte Versammlung im Hotel „Disch" ftattfinben soll und daß man hofft, den Abschluß zu stände zu bringen. Es liegt offenbar im Interesse der Großhändler, daß die Vereinigung zur That- sache wird; denn man ist in den betreffenden Greifen in einer gewissen Aufregung, daß nicht noch im letzten Augenblick eine Spaltung eintritt, durch die die Abmachung scheitern konnte. Es waren einige große Firmen, namentlich Rhederfirmen sehr gegen das neue Syndikat uach unten, wogegen die Kohlengroshändler sich fast einstimmig für die Vereinigung ausgesprochen haben, woraus deutlich hervorgeht, daß es sich bei der ganzen Abmachung um die Erleichterung des Geschäftes für diese dreht, deren Nutzen auf Kosten der Konsumenten noch eine bedeutende Erhöhung erfahren würde. Es wurde von verschiedenen Seiten behauptet, die neue Vereinigung richte sich gegen das Syndikat, dies ist jedoch durchaus nicht der Fall, vielmehr wird das Syndikat die neue Verbindung überwachen und sogar protegieren. Ein Beweis dafür, daß es sich nur um eine weitere Ausbeutung der Kohlenkonsumenten handeln kann. fc. Frankfurt a. M., 6. Januar. (Telegr. Oria.-Bericht des „Gieß. Am."). Amtliche Notierungen der heutigen Vieh Marktpreise. Zum Verkaufe standen 361 Ochsen, darunter 138 aus Oesterreich, 30 Bullen, darunter 0 aus Oesterreich, 785 Kühe, Fersen, Stiere uno Rinder, 347 Kälber, 287 Schafe und Hämmel, 1164 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 67—69 Mk., 2. Qual. 60—65 Mk., 3. Qual. 56—58Mk.; Butten l.Qual. 55 bis 57 Mk., 2. Qual. 51-53 Mk.; Kühe 1. Qual. 60-62 Alk., 2. Qual. 57—59 Mk., 3. Qual. 43—45 Mk, 4. Qual. 32—34 Mk., 5. Quoll 30—31 Mk. Kälber: 1. Qualität78—80Pfg.,Lebendgewicht 46-48 Pf., 2. Qual. 71—73 jßfav Lebendgewicht 42—44 Pfg., 3. Qual. Schlachtgewicht 60—66 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 56—58 Pfg., 2. Qual. 46—48 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 54—00 Pfg., 2. Qual. 67 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Qual. 58 dis 60 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, bei Kleinvieh gut. Markt geträumt. Heberstand unbedeutend. fc. Frankfurt a. M., 6. Jan. (Orig.-Telear. de? „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 16.50—00.00, Kurhessischer Mk. 16.75—00.00, La Plata Mk. 17.50—17.75, Kansas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 14.25—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.50—16.25, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 15.00—15.25, Mais Mk. 00.00 bis Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.00—25.50, 2. Qualität Mk. 23.00 bis Mk. 23.50, 3. Qualität Mk. 21.00—21.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—22.50, 1. Qualität Mk. 20.75—21.00, Weizenkleie Mk. 850 bis Mk. 00.00, Roggenkleie Mk. 9.50—0.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 00.00—00.00. Alles per, 100 Kg. ab hier. Familien Nachrichten. — Frida Katz, Isidor Sulzbach, Verlobte. Hungen im Ja- nuar 1902. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Montag den 6. Januar, abends 8 Uhr, Bibel stunde im Konfirmandensaale der Johanneskirche. Text: Psalm 91. Dienstag den 7. Januar, nachmittags 572 Uhr: Vereinigung der neukonfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde im Schwesteru-- haus. Pfarrer Euler. -Muckte Mewungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. r. Frankfurt cu M., 6. Jan. Als Landtagsabgeord- neter wurde von der nationalliberalen Partei Walter vorn Rath ausgestellt. Berlin, 6. Jan. Die Verletzung, die sich Virchow bei dem Straßenbahnunfall zuzog, besteht in einem unkomplizierten Bruch des Schenkelhalses. Das Befinden ist heute sehr gut. London, 6. Jan. Die Blätter melden aus Pretoria? Eine Abteilung der Scots Greys wurden auf dem Marsche trott Burgspruit nach Bronkhorstspruit von den Buren überfallen. Die Abteilung verlor 6 Tote und 13 Verwundete. Rach zweistündigem Kampfe zog sich der Feind, der ebenfalls einige Verluste erlttteu hatte, zurück. London, 6. Jan. Die „Times" melden Ms Kapstadt: 1903 soll hier eine Ausstellung stattfinden, mit der hauptsächlich die Förderung des Handels bezweckt wird. Die Organisation erfolgt vom Mutterlande aus. Die Mittel der Kolonie sollen nicht beansprucht werden. Tanger, 5. Fan. Man befürchtet, daß nicht weniger als 100 Menschen bei der letzten Nebers chwemmung in Saffi umgekommen find. Einzelue Stadtteile sind völlig zerstört. In ganz Marokko gingen heftige Regengüße nieder.' Jetzt hat sich das Wetter gebcffert. Für das kommende Jahr wird eine vorzügliche Ernte erwartet, obgleich das Gerücht von einer Heuschreckenplage umgeht- Berlin, 5. Jan. Gestenr fanb im Hause des Professors Schntoller ein Festessen für den Ministerial-Di^ rektor A l t h o f f statt. U. a. waren zugegen die Professoren Bezold, Delbrück, Diels, Diltheg, Fischer, Hamack, Reküll», Schmidt, Sernig, Stumpf, Waldeyer, Warburg, Weiß, Wü lamowitz und Wölfflen. Professor Schmoller feierte Alt- Hoss in längerer Rede und führte aus, die, welche ihn genau kennten, wüßten feine Verdienste um die Wissenschaft und die preußischen Universitäten zu würdigen. Er Ijube ohne jedes Vorurteil mit, innerem Verständnis und mit großem, weitem Blick den Fortschritten des wirtschaftlichen Lebens den Weg bereitet —. Nachdem Althoff gedankt, wies Prof. Diels die verletzenden Angriffe Michaelis' auf die Akademie zurück, welche Allhoff einstimmig zum Mitgliede wählte, und erklärte, daß ohne die Initiative Althosfs die 23erbinbung der Akademien Europas nicht zu stände gekommen wäre. Prof. Bezold feierte sodann Althofs als Förderer der großen naturwissen- schaftlichen Anstalten Potsdams und Berlins- Berlin, 6. Jan. Der Gewährsmann der „Potsd. Ztg.", der dem Verleger die sensationelle Mttteilung von einer Ansprache machte, die der Kaiser am 1. Dezember im Regimentshause des 1- Garde-Regiments zu Fuß an die anwesenden Offiziere und speziell an zwei junge Leutnants gerichtet haben soll, ist nicht etwa eine fingierte Persönlichkeit. Es soll ein höherer Beamter sein, dessen Sohn Reserveleutnant beim 1- Garde-Regiment zu Fuß ist. Man ist übrigens in Potsdam fest davon überzeug, daß der Kaiser wenigstens eine ähnlich lautende Ansprache über die Duellfrage gehalten hat. (?) — Die Nacht von Samstag aus Sonntag war für Professor Virchow (der sich am Samstag infolge Hinfallens beim Absteigen von einem elektrischen Straßenbahnwagen eine Hüsten-VerNnk- ung zuzog) ziemlich gut verlaufen und ebenso war im Lauft des gestrigen Sonntags das Befinden des greifen Gelehrten ein verhältnismäßig gutes. Doch ist ein längeres Krankenlager zu erwarten. Liverpool, 6. Jan. Der burenfreundliche Pastor Pembrocke wurde gestern von einer feindlichen Menge umringt und bekämpft, als er sich zur Kirche begab. Es gelang ihm nur durch seine außerordentliche Stärke, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, utbem er fünf seiner Angreifer niederschlug. Prag, 6. Jan. Der „Politiken" zufolge bildet die Erklärung des Fürsten Czartoryski im galizischen Landtage seit mehreren Tagen den Gegenstand ernster Erörterungen zwischen Gulochowski und dem Grafen Bülow. Die deutsche Re g ier un g betrachtet die Angelegenheit als noch nicht erledigt und besteht daraus, daß die österreichische Regierung offiziell zu jener Erklärung Stellung nimmt, was inzwischen offiziös geschehen ist. Lissabon, 6. Jan. Die Pest ist in Maganda bei Lorenzo Marques ausgetreten. Die Behörden haben um- sassende Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Buenos Ayres, 6. Jan. Die Mobilisation der Reserve hat nunmehr in den nordwestlichen Provinzen begonnen. Telephonischer Kursbericht. Frankiert a. 01.. 6. Januar. 3V2o/o Reioheanleihe . . 101.15 3% do. . . . 90.55 3V,% Konsols .... 101.20 3% do.....90.65 3l * 3 4/2% Hessen .... 99.70 3% Hessen .... —.— 4% Oesterr. Goldrento . 102.00 4‘/5% Oesterr. Silberrento 99.75 4% Ungar. Goldrente , . 100.40 4°/j Italien. Rente . . . 100.80 41/» % Portugiesen . . . 39.60 8°/(, Portugiesen .... 26.20 1% C. Türken .... 27.70 Türkenlose ..... 107.80 4% Gricch. Monopo.l-Anl. 42.50 \4V äussere Arsentiuer —.— 3*7o Mexikaner .... 26.75 4Va7Q Chinesen . , . . 87.95 Electric. Sctuckert , . , 107.50 Nordd. Lloyd .... 107.50 Kreditaktien 202.40 Diskonto-Kommandit . . 183.50 Darmstädter Bank . . . 128.40 Dresdi nor Bank .... 131.00 Berliner Handelsges. . . 141.90 Oesterr. Staatsbahn . . . 141.20 Lombarden .... 20.70 Gotthardbahn .... 165.20 Laurahütto..... 190.00 Bochum . . ... . 180.00 Harpener ..... 103.00 ©utel, den 3. Januar 1902. 261 Gießen, den 6. Januar 1902. 269 Großh. Eentralstelle für die Gewerbe. 1265 Todes-Anzeige. Gestern nachmittag 1/g4 Uhr verschied unser liebes Söhnchen Beranntmachnng. Die seit dem 1. Juli 1877 erscheinenden Patentschriften Mer die vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin in den Patent- Dassen 1—89 erteilten Patente, beginnend mit Nummer 1, können in den Räumen der Großh. Centralstelle für die Gewerbe, Darmstadt, Neckarstraße 3, an jedem Werktage in der Zeit von 10—12*/z und 3—b1^ Uhr (Samstagmittag aus- igenommen) von jedermann unentgeltlich eingesehen werden. D arm st a dl, den 3. Januar 1902. Hermann im Mer von l’/z Jahren nach langem, schwerem Leiden. Aarnilie Kemrich Weimer. G-i-eßen (Licherstraße 64), den 6. Januar 1902. 085 Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste unseres geliebten, unvergeßlichen Gatten und Vaters Philipp Haun als auch sür die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Dr. Grein sagen wir allen unseren tiefgefühltesten Dank. Die tieftrauernde Gattin nebst Kindern. Heute abend lO'/r Uhr entschlief sanft und gottergeben nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, gestärkt durch den andächtigen Empfang der heil. Sterbesakramente der römisch-katholischen Kirche, im Alter von 36 Jahren mein irmigstgelieoter, unvergeßlicher Gatte, Vater, Sohn, Schwiegersokpr, unser treuer Bruder und Schwager, der Arzt Dr. med. Carl Meies Oberarzt der Reserve Knappschaftsarzt und leitender Arzt des St. Joseph-Hospitals zu Eickel. Um stille Teilnahme bittet Namens der trauernden Hinterbliebenen: Frau Bertha Mues, geb. Kilbin-ger. Todes-Anzeige. Heute mittag 12 Uhr verschied nach längerer Krankhett I meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester, B Schwägerin und Tante Kathmre Belker, geb. Stolt, I im Mter von 43 Jahren, was wir Verwandten, Freunden W und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. Im Namen der tteftrauernden Hinterbliebenen: W Johs. Becker, Sttaßenwart. Gießen, den 6. Januar 1902. 087 M Die Beerdigung findet Mitttvoch den 8. Jarmar, nachmitt. W 1 Uhr, vom Sterbehause, Schiffenbergerweg 120, aus statt. ES Ilch habe mich hier als 11 niedergelassen. 272 || Mein Bureau, befindet sich Seltersweg 87, IL 6Clai*esiaar, Rechtsanwalt. Kaclarrf. Es drängt uns, unserem Lehrer Herrn Wagner, dem es leider nur kurze Zeit vergönnt war, in Liebe und Pflichttreue der Jugend unserer Gemeinde vorzustehen, ein herzliches Lebewohl Nachzurufen. Möge ihm sein neuer Wirkunaskreis zur Freude, seinen Schülern zum Segen gereichen. Sein Andenken wwd bei ^Schülern und Eltern, sowie bei der ganzen Gemeinde ein dau- Prrrdes sein. 072 Viele AnlÄdeglickl iion ÄrkhMsseliiell. E» Kq 0® Va Nächste Probe erst Dienstag, 14. Jamrar. Holzverkauf. MObers-rstem Krofdorf. Mittwoch de» 15. 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