Erstes Blatt. 152. Jahrgang Montag 6. Januar 1902 Nr. 4 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. J...UJ.I» ä ÄK Bezugspreis: MW Ig?'] TW monatlich75Ps.,viertel- GletzenerAnzelger« w General-Anzeiger " v sür den polit. u. uckgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen V _____ ** zeigenteil: Hans Beck. „Zeugen" wurden sofort vernommen, die anderen im Lanfe der nächsten Tage. Die Aussagen wurden protokolliert. Das Ergebnis war verblüffend. Nur ein einziger „Zeuge" (der aber nicht der Landgerichtsrat war) erstattete einen korrekten Bericht, die anderen waren sämtlich voll von Irrtümern, zum Teil gröbster Art. So hatten z. B. einige statt des Revolvers einen Stock „gesehen" und waren natürlich bereit, die Wahrheit ihrer Aussage zu beschwören. Man bedenke, daß hier juristisch Gebildete in Frage kommen, deren Berufspflicht es ist, genau zu beobachten, daß der Vorfall sich in einem hell erleuchteten, kleinen Raume abspielte; daß die Protokollierung der Wahrnehmungen unmittelbar oder doch bald nach dem Geschehnis vorgenommen würde; daß es sich endlich um eine sensationell wirkende nervenreizende, gespannte Aufmerksamkeit erregende Aktion handelte — und man wird ermessen, welche Zuverlässigkeit die üblichen Zeugenaussagen haben können, die bekunden, daß vor Wochen, Monaten, Jahren irgend ein an sich gleich- giltiger, flüchtiger Vorgang, nach der Minute genau, in allen Einzelheiten getreu so geschehen sei und nicht anders; daß irgend eine unbekannte Person in einem gewissen kleinsten Zeitpunkte in einer bestimmten Kleidung mit bestimmten äußeren Eigentümlichkeiten oder gar bestimmten seelischen Qualitäten an einem bestimmten Orte gesehen sei, diese Person und keine andere. Mit Recht führt Profeffor v. Liszt in der „Deutschen Juristenztg." in einer Abhandlung über Strafrecht und Psychologie aus, es sei, nach diesen Experimenten, „wohl manchem von unseren kriminialistischen Praktikern die bange Frage aufgetaucht: Was soll aus unserer ganzen Strafrechtspflege werden, wenn ihre sicherste Grundlage, die Aussage unverdächtiger Thatzeugen, durch exakte wissenschaftliche Forschung erschüttert, wenn der Glaube an die Zuverlässigkeit unseres wertvollsten Beweismaterials untergraben wird? .... Wiffenschaft reißt nicht nieder, sie baut auf. Sie zerstört den blinden Glauben, aber sie setzt ein Besseres an die Stelle. Unsere Strafrechtspflege kann nur gewinnen, nie verlieren, wenn die auf Thatsachen-Beobachtung gestützte Forschung die kriminalistischen Probleme unter die kritische Lupe nimmt. .... Es scheint mir heute schon zweifellos, daß durch solche planmäßig unternommene und fortgesetzte Untersuchungen eine Reihe von Erfahrungssätzen gewonnen werden wird, die es dem von Sachverständigen unterstützten Richter möglich machen werden, den Wert einer Aussage ungleich sicherer zu beurteilen, als das heute möglich ist. Die Psychologie wird sich auch in dieser Frage als der wertvollste und zuverlässigste Bundesgenosse der Strafrechtspflege erweisen." Freilich, eines müsse gerade auch in diesem Falle gefordert werden, solle unsere Strafrechtspflege ihrer immer schwieriger sich gestaltenden Aufgabe gerecht werden: die berufsmäßige Ausbildung der kriminalistischen Praktiker. „Es ist", so schließt der Verfasser, „schon eine ganze Reihe von Jahren her, daß die deutsche Landesgruppe der internationalen kriminalistischen Vereinigung die Veranstaltung von kriminalistischen Fortbildungskursen ins Auge gefaßt hat. Warum dieser Plan damals scheiterte, ist hier gleichgiltig. Vielleicht tragen die Stern'schen Untersuchungen dazu bei, daß die unerwarteten Hindernisse, die uns damals in den Weg traten, würdigen Unerbittlichkeit, daß mir der Gedanke kam, man sollte aus der staatlichen Steuererhebung auch einen Frauenberuf machen. In bunter Folge ließen sich danach noch Flötisten, Geiger, Bläser, Dudelsackpfeifer, Dreh-Organisten und weitere tzandharmoniker hören, bis dem gutmütigen Wirt, als einmal drei dieser Hofkapellen zu gleicher Zeit ihre Piecen zum Vortrag brachten, endlich der Geduldsfaden riß und er den weiteren Schröpfungen seiner Gäste Einhalt gebot. Die zwölfte Stunde brachte natürlich ein ganz fabelhaftes Halloü, und der sonst so kühle Berliner bekam plötzlich russische Anwandlungen: er fing an zu küssen — und nicht etwa mit Auswahl, wie Papa Wrangel, der die älteren Jahrgänge bekanntlich seinen Adjutanten überließ! Auch in die Füße fuhr ihm die Neujahrsfreude, und wo ein Fleckchen Raum war, so groß etwa wie eine Tortenschüssel, da drehten sich auch zwei, wenn nur ein paar Walzertakte gepfiffen wurden. Die Cafes hatten mit wenigen Ausnahmen zu sehr z-eitiger Stunde Feierabend bieten und schließen müssen. Erfahrungsgemäß sind gerade die Cafss Sammelpunkte radaulustiger Elemente gewesen, unb die Wirte haben manchmal an ruiniertem Geschirr und Möbel- bcstand Verluste gehabt, die den Verdienst weit überstiegen. Auch einzelne, solide Bierstuben, in denen es gleich anfangs etwas zu wild zuging, wurden späterhin polizeilich gesperrt, und ich vergesse den Bruder Studio nicht, der thränenden Auges einen Polizei-Leutnant beschwor, wenigstens ihn noch hineinzulassen, weil er das ganze, lange Jahr — es war 3 Uhr 1902 — noch keinen Tropfen Pilsener getrunken habe. Der hartherzige Gesetzeshüter ließ sich nicht erweichen. In dem Polizeibericht am anderen Tage ist freilich auch kein Fall von Verdurstung aufgeführt. Irgendwo wird der Aermste also jedenfalls seine Sehnsucht noch haben stillen können. Unter den Linden war, wie immer, der Andrang am größten. Der Cylinder galt wie früher als Zielscheibe dreister Witze und rüder Faustschläge. Es ließ such freilich auch kaum jemand darin erblicken. Dafür gab's umsomehr Pickelhauben, die ohne viel Aufsehen allzu renitenten Gesellen ein Freiquartier für die erste Nacht des Jahres verschafften. So kamen ernstliche bei Seite geräumt werden können. Dann wäre, wenn auch in bescheidendstem Umfang, die Möglichkeit gegeben, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung auf dem Gesamtgebiet der Psychologie, mit Einschluß der Psychiatrie, der Strafrechtspflege dienstbar zu machen und im Interesse der Rechtsordnung die heute noch fehlende Verbindung von Straftecht und Psychologie herzustellen." Politische Wochenschau. Der Uebergang in das neue Jahr ist an vielen Orten, so namentlich auch in der Residenz unseres Landes, in Darmstadt, wo, wie wir berichteten, der Oberbürgermeister eine recht trübselige Neujahrsrede hielt, minder vergnügt als sonst begangen worden. Der Rückblick in das Jahr 1901 war ebenso wenig wie es der Ausblick in das Jahr 1902 ist, geeignet, den herrschenden politischen Pessimismus in Optimismus zu verwandeln- Die wirtschaftliche Situation, in der wir das Jahr 1902 begrüßt haben, ist unverkennbar ungünstig, und die politische Situation steht ebenfalls int Zeichen einer außerordentlich starken Spannung und Ungewißheit- Im Reichstage, der gleichzeitig mit der Eröffnung des preußischen Landtags, am 8- Januar, seine Beratungen wieder aufnimmt, stehen uns heftige Kämpfe bevor, welche die Entscheidung in dem Krieg um den Zolltarif bringen sollen- Die üblicherk politischen Kundgebungen, mit denen hie und da die Neujahrsfeier verbunden zu werden pflegt, haben diesmal keine eigentlichen Ueberraschungen gebracht- Ueber die AnspracheKaiser Wilhelms an die kommandierenden Generale ist, da diese Empfangsfeierlichkeit auch diesmal, wie stets, unter dem strengen Ausschluß der Öffentlichkeit erfolgt ist, nichts Genaueres bekannt geworden- Etwas, was fast wie ein Nachklang von dieser Kaiserrede zu fein scheint, publiziert neuerdings das Berliner freikonservative Blatt die „Post". Sie macht den JnsterburgerZweikampf noch einmal zum Gegenstände einer umfassenden Erörterung. An leitender Stelle unterwirft sie die gesetzlich festgelegten Beziehungen zwischen „Regimentskommandeur und Ehrenrat" einer gründlichen Beurteilung- Das Blatt kommt dabei zu der Schlußfolgerung, daß trotz aller durch die Kabinettsordres vom 2. Mai 1874 unb vom 1. Januar 1897 angeordneten Kontrollmaßregeln, benen zufolge ber Regimentskommandeur berichtigend in den Spruch des Ehrenrates ein greifen beziehungsweise die ehrenrätliche Entscheidung umstoßen kann, diese dennoch in dem beklagenswerten Jnsterburger Zweikampf versagt hätten- Die Ausführungen der „Post" gipfeln in folgenden Sätzen: „Der beklagenswerte Ausgang des Zweikampfes int Vereine mit den erschütternd tragischen Nebenumständen rief einen Sturm ber Aufregung in weiten Kreisen hervor- Auch Laien waren jetzt schnell fertig mit bem Urteile, daß Blaskowitz unmöglich die That im zurechnungsfähigen Zustande habe begehen können, Sachverständige wiesen in Zeitschriften nach, daß von einer Zurechnungsfähigkeit im Augenblicke der That keine Rede sein konnte, weil Blaskowitz, wenn nicht mehr völlig berauscht, so doch schlaftrunken gewesen sei, also in einem Zustande, der die klare und freie Willensbestimmung ausschloß. Welchen Thatsachen aber sahsn sich Ehrenrat und Regimentskommandeur gegenüber? Die Augenzeugen des beklagenswerten Vorganges sagten, wie die spätere Verhandlung vorm Kriegsgerichte ergab, durchweg aus, daß Blaskowitz im Augenblicke der That und gleich nachher keineswegs Störungen der Gemütlichkeit auch in diesem Neujahrsbeginn nicht mehr vor, ein Zeichen dafür, daß der Durchschnitt der Berliner mit seiner Stellung als Weltftädtler etwas mehr Würde angenommen zu haben scheint. Die Bäckermädchen, die die Frühstücksstmmeln austragen, gingen freilich ein paar Stunden später wie an anderen Tagen, um den letzten, angeheitertsten Gesellen der festlichen Nacht nicht mehr zu begegnen, da diese merkwürdiger Weise stets die Körbe aus- plünoern, ohne das Geld dafür hineinzuthun. Frühstück wird beim Bäcker ja immer erst am Wochen- ober Monatsschluß bezahlt! . . . Auf sozialem Gebiete steht eine erfreuliche Thatfache zu verzeichnen, die in ihrer Einzelheit nicht viel bedeuten kann, aber vielleicht als ein gutes Beispiel Nacheiferung erweckt. Schon Wolf in Magdeburg-Buckau, ber als Fabrikant von Lokomobilen einen Weltruf besitzt, hat für bie Verheirateten unter seinen Arbeitern, die er des industriellen Niederganges wegen hat entlassen müssen, eine ähnliche Einrichtung zu Beginn des verflossenen Herbstes getroffen; jetzt folgt ihm der Berliner Möbelfabrikant Pfaff, der allen den Arbeitern, die über ein Jahr bei ihm thätig waren und durch die Ungunst des wirtschaftlichen Marktes nun haben entlassen werden müssen, wöchentlich bis zum 1. April d. I. 10 Mark aus der Fabrikkasse auszahlen läßt, so lauge sie keine anderweitige Beschäftigung gefunden haben. Dergleichen hochherzige Opfer sind am besten geeignet, das notwendige gute Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu erhalten, und wo es not thut, zu bert- bessern. Vielleicht lassen sich von anderswo weitere Beispiele anreihen. — Das Neujahrsgeschenk für die Berliner ist übrigens zunächst noch ausgeblieben: die Hochbahn fährt noch nicht. Es wäre wohl auch bie erste aller Bahnen, die ihren Betrieb pünktlich am festgesetzten Termine angefangen hätte. Zeit lassen! sagen die Tyroler. Warum sollen es die Berliner nicht auch mal sagen, bie boch bekanntlich bie besten Salon- tyroler abgeben, noch bazu wenn es sich um eine Hoch bahn haubelt? A. R. Ueber den Wert von Zeugenaussagen vor Gericht. Wir werden morgen in unserem Stadttheater als Theatervereins-Vorstellung das interessante französische Drama „Die rsoteRobe" sehen. Wir haben schon neulich einmal in einem Leitartikel über das Thema, das dieses Tendenzdrama in der spannendsten Form behandelt, gesprochen. Der Verfasser, Eugöne Brieux, führt uns darin u. a. einen Untersuchungsrichter vor, der einem Manne das Geständnis eines Mordes herauszulocken versucht und die rafsiniertesien Ueber- redungskünste und Kniffe anwendet, um den Mann, der that- sächlich unschuldig ist, dazu zu bringen, sich verurteilen zu lassen, was ihm auch unfraglich gelänge, wenn der Staatsanwalt nicht ein schärferes Auge hätte und vor allem einen größeren Respekt vor der Verantwortlichkeit seines Amtes besäße. Das Drama istzwar ein treffendesBeispiel derjenigen französischenKunst, bei der die Unwahrscheinlichkeit eine zwingende Vorschrift ist, und doch erkennt man in dem Gewirr die bitter ernste Anklage gegen eine an schweren Mängeln leidende Justiz und ein reklamesüchtiges und streberhaftes Richtertum. Zudem wird der Wert der protokollierten Aussagen selbst zuverlässigster und einwandfreiester, ehrlichster Zeugen so kraß als ernsthaft beleuchtet. Vor einigen Wochen nun hat der Privatdozent der Philosophie in Breslau Dr. William Stern in der Berliner Psychologischen Gesellschaft einen Vortrag über die „Psychologie der Aussage" gehalten, in der diese Unsicherheit von Aussagen auch durchaus unverdächtiger Zeugen über Thatsachen wissenschaftlich erörtert wurde. Dadurch angeregt hat der frühere Gießener, jetzige Berliner Strafrechtslehrer v. Li s z t Experimente unternommen, die, nach Berliner Blättern, im Berliner kriminalistischen Seminar zu einem sehr bemerkenswerten „Zwischenfall" führten. Im Seminar, unter dessen Teilnehmern sich ir. a. auch ein Landgerichtsrat befand, war ein Vortrag soeben beendigt worben. Unmittelbar nach den letzten Worten des Referates griff Prof. v. Liszt nach dem Hut und entschuldigte sich, er müsse jetzt fort — infolge einer zwingenden Verabredung —, die Diskussion über den Vortrag müsse auf das nächste Mal verschoben werden. Da begehrt einer der Teilnehmer zu wissen, in welchem Verhältnis Tarde zum Ehristentum -stünde. „Das fehlte uns noch gerade," bemerkte auf diese Aeuße- rung hin frech und laut em anderer Herr. „Sie haben gar nichts zu sagen," erwiderte der erste scharf. „Unverschämtheit!" ruft der zweite. Wütend springt der erste Herr auf, stürzt sich auf den anderen, packt ihn, ein Revolver wird sichtbar . . . Erschreckt erheben sich die Teilnehmer, es entsteht eine große Aufregung, die unerhörte Szene wird tumultuarisch — da ertönt mitten in dem Wirrwarr die Stimme des Prof, o. Liszt: „Meine Herren, Sie haben den Vorfall, der soeben sich abspielte, alle gesehen. Schreiten wir also — zur Vernehmung der Zeugen." Herr v. Liszt hatte die Szene mit Helfershelfern in allen Einzelheiten sorgfältig vorbereitet, die nun auf die anderen Uneingeweihten als sensationelle Ueberraschung wirkte. Einige Maudereien aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Beobachtungen aus der Sylvesteruacht. — Wartegrlder für Arbeiter. — Die Hochbahn fährt noch nicht. Der diesjährige Winter scheint ein närrischer Kauz M fein. Weihnachten bescherte er ein famoses Osterwetter, sodaß die Berliner in „den Zelten", den schönen Gartenlokalen am Nordrande des Tiergartens, ihren Nachmittags- kaffe im Freien trinken konnten — und am Sylvester hatte er dafür gesorgt, daß die Fußsteige und Fahrwege mit einem zähen, anhänglichen Erdbrei überzogen waren, jedenfalls, um die Standfestigkeit nimmermüder Zecher etwas harter als sonst auf die Probe zu stellen. Der Asphalt übte denn auch eine Anziehungskraft aus wie sonst nur bgi ausgebildetem Glatteis, ohne freilich den Strom fröhlich gestimmter Berliner, die sich Der Ankunft des neuen Jahres wegen zum Teil auf sehr kostspielige Weise illuminiert hatten, bis in die Morgenstunden merkbar zu verringern. In den großen Weinrestaurants der Hauptstraßen war schon vor 10 Uhr abends kein Plätzchen mehr zu haben; die Eingänge bei „Kempinski" wie im „Kaiserkeller", in der „Traube", wie in denz „Winzerstuben" Nsw. waren geschlossen, und Plakate verkündeten den Einlaß Begehrenden „vollständige Ueberfüllung" ber Räumlichkeiten. Auch bie „Bierpaläste" waren aus gestopft, unb ein seltsames Dunstgemisch von Punsch, Pfannkuchen, Bier (unb Tabak erfüllte bie Atmosphäre, bie zum Ersticken heiß war. Je näher bie Mitternacht kam, je lebhafter wurde die Stimmung. Alle Jünger ber heiligen Cäcilia, auch die ihre Kunst nur mit bem Hanbgelenk an der Drehkurbel vusüben, waren in Thätigkeit und zogen von Lokal zu Lokal. Den Drehorgelrnami löste ein Blas-Quartett ab, das die Mauern Jerichows entschieden auch ins Wanken gebrachst hätte, so furchtbar waren die Töne; dann erschien ein italienisches Trio mit einer sehr nett gespielten Land- harmonila, einer singenden Tanib our in-Sch läg er in und der weitaus wichtigeren Dritten, die nämlich die Gelder für den Kunstgenuß einfammelte und zwar mit einer so liebens- Pfet, Wnen, Glicht billigst 180 btotnw Hessen; iesserei. ährteiter onstraktion rem Nutzeffekt, ■ l Grösse billigst. 182 ihm üblen etc, gratis, m Cognac ] .50 M. M- -hen Cognac n 3 Mk. »n ifiehlt Lind, andlung. enpl*tz 101 .stehlt billigst I, Tichy, 48*__- nos 90 ktz. Malaga, leira, iwein 1.50 Mk. an. KdtaitielWO •* Dresden, len-BÄ äsÄ! >. Marke Mk-2.50-Mk.12 pfehlen 168 Adami, arg 12. den Eindruck eines sinnlos Betrunkenen gemacht habe- Daraufhin hat der Ehrenrat keinen Anlaß gesehen, den Weg eines friedlichen Ausgleiches zu empfehlen- Ter Spruch war gewiß nach bestem Wissen und Gewissen gefällt- Worauf sollte nun der Oberst ein abweichendes Urteil gründen? Hätte er nicht fürchten müssen, im Falle einer anderen Entscheidung ohne ausreichende Unterlage eines Mangels an Entschlossenheit, einer ängstlichen Scheu vor der Schwere seiner Verantwortung geziehen zu werden? Als Laie in psychiatrischen Dingen konnte er sich nur an die Bekundungen der Augenzeugen halten- Wesentlich anders hätte die Sache gelegen, wenn der Ehrenrat verpflichtet wäre, in Fällen, die ähnliche psychologische Unbegreiflichkeiten für den Laien bieten, wie der Jnsterburger, Sachverständige zu Rate zu ziehen. Dann wäre vielleicht die Entscheidung des Ehrenrates anders ausgefallen, und wenn nicht, dann ■ hätte der Regimentskommandeur jedenfalls eine sachgemäße Unterlage gehabt den ehrenrätlichen Entscheid anzufechtcn- Darum wäre es wohl angebracht, in dem angedeuteten Sinne den Erlaß vom 1- Januar 1897 zu ergänzen, um in ähnlichen Fällen wie dem in Insterburg verdiente Offiziere vor einer schwierigen Situation zu bewahren, in welcher ihre Entscheidung nach beiden Seiten hin für sie zum Nachteile ausschlagen könnte-" Sollte das genannte Berliner Organ mit diesen Ausführungen eine bevorstehende Aenderung jenes kaiserlichen Duell-Erlasses andeuten? Das neueste Duell, das in Jena, das in unserer letzten Nummer ein Telegramm mitteilte, hat wieder ein junges blühendes Menschenleben gefordert- Man darf nach den traurigen Vorgängen in Insterburg darauf gespannt sein, zu erfahren, wie in diesem Falle der Ehrenrat seine Aufgabe aufgefaßt hat- Ter erschossene Student heißt Held, Gegner war der Leutnant Thieme vom Jenaer Bataillon des großh- sächs. Jnf.-Re- grments Nr. 94. Die Beleidigungsszene spielte sich auf dem Jenaer Markte ab- Mit gewissen schmerzlichen Gefühlen werden die Herren Polen in Galizien von den zwischen den Herrschern Deutschlands und Oesterreich-Ungarns ausgewechsclten Glückwünschen vernommen haben, denn die Polen werden hierbei aufs neue daran erinnert worden sein, wie aussichtslos ihre Bemühungen sind, durch ihre antideutsche Agitation das diplomatische Verhältnis zwischen den beiden verbündeten Staaten zu trüben. Auch bei der neuerdings erfolgten Eröffnung des galizischen Landtags haben es die Polen sich nicht nehmen lassen, ihre Nase in die internen Verhältnisse Deutschlands hineinzustecken, indem sic in einer „Deklaration" ihrer „Entrüstung" über die Vorgänge in Wreschen Ausdruck zu geben sich bemüßigt fühlten. Diese Kundgebung ist mit erfreulicher Promptheit in einer offiziösen Erklärung der „Nordd. Allg. Ztg." als eine „unbefugte und ungehörige ausländische Einmischung in innerdeutsche Verhältnisse" zurückgewiesen worden, und diese energische Zurückweisung hat zur Folge gehabt, daß, wie jetzt aus Wien gemeldet wird, die österreichische Regierung eine öffentliche Mißbilligung der Erklärung vorbereitet, die Fürst Czartorysk: im galizischen Landtage abgegeben hat. Ver- rnutlich ist das Wiener Fremdenblatt berufen, das betreffende Eommunique in den nächsten Tagen zu veröffentlichen, nachdem die Politische Korrespondenz bereits den wahren Sachverhalt der Wreschener Vorfälle gegenüber den polnischen Entstellungen berichtigend mitgeteilt hat. — Die hetzerische Lemberger Meldung übrigens, daß am 26. Dezember nachts eme große Menschenmenge deutschfeindliche Rufe vor der deutschen Botschaft in Petersburg ausgestoßen habe, sodaß die Polizei einschreiten mußte, wird fetzt dementiert. Die österreichische Regierung hat aber noch ganz andere Sorgen, als den komischen Entrüstungsdeklamationen der sonderbaren galizischen Schwärmer allzu große Bedeutung beizulegen. Der ungarische Ministerpräsident v. Szell hat in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang .der liberalen Parteihäupter in offener und rückhaltsloser Weise ausgesprochen, wie die Dinge in Oesterreich stehen. Er wies darauf hin, wie durch die parlamentarischen Wirren rn Oesterreich das Verhältnis zwischen Oesterreich und Ungarn erschüttert werde, und er rief den hadernden Nationalitäten in Oesterreich das warnende Wort zu, daß die zwölfte Stunde geschlagen habe! Politisch bedeutsam ist auch der aus Anlaß des Jahreswechsels erfolgte Telegrammwechsel zwischen dem Zaren von Rußland und dem Präsidenten Loubet. Die Bedeutung liegt hier allerdings weniger auf internationalem als auf mnerpolitischem Gebiet. Daß der Zar Frankreich von neuem als das befreundete und verbündete Land bezeichnet hat, kann uns weiter nicht interessieren, denn es wird hiermit ja nur wiederholt, was oft genug betont worden ist. Aber für das mit mancherlei Schwierigkeiten kämpfende Kabinett Waldeck-Rousseau bedeutet diese Kundgebung immerhin eine gewisse Unterstützung, wenn auch die Flitterwochen der Bündnisbegeisterung in Frankreich schon längst dahin sind. Die Verbrüderung mit Rußland hindert auch die Franzosen nicht, liebevoll nach Italien hinüberzuschielen. Diesem Zweck dient auch die Neujahrsansprache, welche der französische Botschafter in Rom, Barre re, beim Empfang der französischen Kolonie gehalten hat. Aber die französischen Liebesversicherungen dürften bei den Italienern, wenn sie einigermaßen kritisch veranlagt sind, eine reservierte Aufnahme finden. Im übrigen ist anzuerkennew, daß alle diese Kundgebungen, ebenso wie auch die Ansprache des Präsidenten Loubet an das diplomatische Korps in Paris, eine ganz hervorragend friedliche Tendenz zum Ausdruck bringen, wenn es auch etwas optimistisch von Loubet ist, unsere Zeit als eine „Aera des Einvernehmens" zu bezeichnen. Ebenfalls als eine Art Friedensmission scheint man in England die soeben angekündigte Entsendung des Prinzen von Wales zur Geburtstagsfeier des deutschen Kaisers anzusehen, denn man fühlt in England begreiflicherweise ein starkes Bedürfnis, jbie durch die Chamberlain- schen Provokationen in Deutschland hervorgerufene Miß-, stimmung nach Möglichkeit wieder zu beseitigen. Unverändert dauert ebenso wie der Krieg in Südafrika auch die Mißstimmung der Engländer über die Mißerfolge in diesem Kriege fort. Aus der neuesten englischen Verlustliste ergiebt sich übrigens, daß die Zahl der bei Tweefontein Verwundeten 47) mehr beträgt, als bisher gemeldet wurde. In ein entscheidendes Stadium ist der deutsch-venezolanische Konflikt getreten. Die deutsche Regierung hat sich genötigt gesehen, gegen den Präsidenten Castro, dessen Hoffnung auf einen Konflikt zwischen Deutschland und der nordamerikanischen Republik sich als arge Täuschung erwiesen hat, schärfere Saiten aufzuziehen, und es wird nun wohl bald heißen: „Der Bien' muß!" Politische Tagesschau. Ein vernachläsfigtrr Posten. Man schreibt uns: Der aus Ostasien heimberufene bisherige Chef des Kreuzergeschwaders, Vizeadmiral Bendemann, will auf der Rückreise Französisch-Kambodja in Hinterindien besuchen. Es wird das erste Mal sein, daß ein deutscher Admiral in dieser französischen Kolonie erscheint. Der Vorgang gicbt Veranlassung, die Frage aufzuwerfen, warum deutsche Kriegsschiffe oder Vertreter der Marine so überaus eiten in den benachbarten siamesischen Gewässeru, bezw. dem Haupthafen Bangkok sich zeigen? Die deutsche Kriegsflagge ist, soweit erinnerlich, seit der Chinafahrt des Prinzen Heinrich im Jahre 1899 nicht mehr vor Bangkok erschienen. Es nimmt das um so mehr Wunder, als der Seehandel Deutschlands mit Siam sich fortgesetzt erweitert, und die Schiffsverbindung Bangkok-Singapore vor geraumer Zeit schon aus englischem in deutschen Besitz übergegangen ist. Zudem passieren deutsche Kriegsschiffe auf der Aus- und Rückreise so häufig die Straße von Malakka, daß ein „Abstecher" des einen oder anderen nach Bangkok im Programm der Schiffs- bcwegungen wohl vorgesehen werden könnte. Der Besuch Admiral Bendemanns in Kambodja gestattet gewiß einen erfreulichen Rückschluß in Bezug auf die deutsch-französischen Beziehungen im Auslande. Das Erscheinen eines deutschen Flaggoffiziers auf siamesischem Boden hätte indessen einen mehr praktischen Wert. Keneralversammlung des Höerhesstschen Höstöau- Iereins. D. Gießen, 4. Januar. Heute nachmittag fand im Lenz'fchen Felsenkeller eine ziemlich zahlreich besuchte außerordentliche Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins statt, die von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Grafen Oriola, eröffnet wurde. Nachdem er die Gäste, Landesölönomierat Müller-Darmstadt und Oekonomierat Sch lenke, begrüßt hatte, gedachte er in warmen Worten des Heimgegangenen Vorsitzenden, Geheimrats Dr. Braden, der wie kein anderer mitgewirkr habe, den oberhessischen Obstbau- Verein aus seinen bescheidenen Anfängen zu dem zu machen, was er jetzt sei, und forderte die Versammelten auf, zum ehrenden und unvergeßlichen Gedächtnis dieses Mannes sich zu erheben, was geschah. Sodann ergriff Forstmeister Müller-Büdingen das Wort zu einer Klarstellung. Er hat auf der letzten Ausstellung in Schotten nach einem gemeinsamen Mittagessen eine Ansprache gehalten, die das „Schott. Kreisbl-" etwa durch den Satz wiedergab, der Ka'eis Schotten habe den Kreis Büdingen überflügelt, und es würde ihm schwer oder unmöglich fein, diese Ueberflügelung einzuholen. Müller verwahrt sich dagegen, daß er etwa mit seiner Ansprache den Kreis Büdingen dem Kreise Schotten gegenüber habe herabsetzen wollen. Das habe ihm völlig fern gelegen. Ihn habe vielmehr nur der Wunsch beseelt, die vorzügliche Schottener Ausstellung durch Ausdrücke der Anerkennung zu loben und die Verdienste ihrer Veranstalter hervorzuheben. Darauf schritt man zur Neuwahl des Präsidiums. Direktor Dr .v. Peter schlug im Auftrage des Ausschusses vor, den bisherigen Vicepräsidenten, Grafen Oriola, der den Verein, wo er könnte, stets gefördert habe, zum Präsidenten zu wählen. Die Wahl, die durch Akklamation erfolgte, fiel mit Stimmeneinheit auf den Grafen Oriola. Dieser dankte in einer kurzen Ansprache, in der er ausführte: Er nehme die Wahl an, weil er ein aufrichtiges, warmes Interesse für die Entwicklung der Obst- baulultur habe und weil er erkannt habe, daß ein fester Zusammenschluß nötig sei. Es sei nicht zu bestreiten, daß die Einrichtungen in Friedberg, besonders die dortige Obstbauschule, für die Existenz und das Wirken des Oberhessischen Vereins von außerordentlicher Bedeutung seien; habe doch der Kreis Friedberg auch den ersten Anstoß zu einer gedeihlichen Entwicklung gegeben; dabei aber dürfe man nicht verkennen, daß der Verein ein Provinzialverein sei, in dem alle Kreise zu ihrem Recht kommen müßten. Und das'sei sein Wunsch, daß seine Thätigkeit dazu beitragen möge, zu bewirken, daß in den verschiedensten Kreisen zur Hebung des Obstbaues möglichste Einigkeit und gemeinsames Streben herrschen. Es sei ftir ihn nicht leicht, zu seinen vielen anderen Arbeiten noch diese neue zu übernehmen; wenn er sie aber annehme, dann werde er sie auch nach Kräften leisten, rechne dabei freilich auf die Unterstützung und den Rat der Vereins-, Mitglieder und ein ehrliches deutsches Wort da, wo er etwas falsch mache. Da aber gerade in den nächsten Jahren schwere Fragen an einen Landwirt herantreten würden, der im Reichstag und Landtag thätig sei, so bitte er, zum Vicepräsidenten einen Mann zu nehmen, der warm für die Interessen der Landwirtschaft eintrete und außerdem am Ort der Obstbauschule in Friedberg wohne. Er schlage deshalb im Einverständnis mit dem Ausschuß den Kreisrat Fey vor. Der Vorschlag fand allseitig Beifall, worauf Kreisrat Fey durch Akklamation einstimmig zum stellvertreten- denVor sitzenden gewählt wurde. Dieser dankte für das ihm durch die Wahl entgegengebrachte Vertrauen und erklärte, daß er in derselben Weise, wie sein Vorredner es ausgeführt habe, seines neuen Amtes walten wolle. Nunmehr referierte Direktor Dr. v. Peter über das „B a u m w ä r t e r w e s e n". Seit einer Reihe von Jahren, so führte er aus, wird dieser Punkt immer wieder erörtert. Bereits zwei Resolutionen sind zu der Angelegenheit gefaßt worden; zu einer wirklichen Beschlußfassung aber ist es bis heute nicht gekommen. Die erste Resolution, die Dr. v. Peter verlas, wurde auf einer Baumwärterversammlung in Gießen im Jahre 1898 gefaßt. Sic ging an den oberhessischen landw. Provinzialverein ab, der den Gegenstand auf die Tagesordnung einer Ausschußsitzung setzte und eine entsprechende Resolution an das Ministerium sandte. So lange daS Baumwärterwesen nicht durch die Regierung geregelt, wird, bleibt nichts weiter übrig, als daß es zunächst durch den Verein geregelt wird, obwohl eine staatliche Anerkennung erstrebenswerter und den Baumwärtern auch lieber wäre. Deshalb hat eine Ausschußsitzung, die am Vormittag siattfand, Wege beraten, die dahin führen sollen, daß die Regierung das Baümwärterwesen in die Hand nimmt, event. allgemeine Bestimmungen trifft, besonders die Kreisämter auffordert, dafür zu sorgen, daß in den Gemeinden nur solche Leute angestellt werden, die sich einer staatlichen Prüfung unterzogen haben. Der Ausschuß hat eine Kommission gewählt, zu deren Vorsitzenden Kreisrat Fey gewählt wurde. Diese soll Vorschläge machen, die den entsprechenden Instanzenweg gehen werden. Die end- giltige Regelung kann sich aber lange hinausziehen. D'eshalb ist es angebracht, daß inzwischen der Verein die Angelegen-, heit ordnet. Wenn den Baumwärtern Berechtigungen gegeben werden, müssen chnen auch Verpflichtungen auserlegt werden. Es kann ihnen auch selbst nur angenehm sein, wenn ihre Thätigkeit von dem Verein, der ihre Ausbildung unterstützt hat, kontrolliert wird. Demgemäß hat der Ausschuß den Beschluß gefaßt, daß Arbeitsbücher ein- ggeführt werden, die a.uf Kosten des Vereins den ge- prüften und diplomierten Vereinsbaumwärtern zugehcn. In diese Bücher, die mit entsprechendem Vordruck versehen sind, trägt der Baumwärter seine Arbeitstage, Auftraggeber, die Anzahl, das Alter der gepflanzten Bäume usw. ein und läßt sich dies von dem Auftraggeber durch Unterschrift bescheinigen. Dieses Buch schließt der Baumwärter am Ende des Jahres durch eine dem eben gesagten entsprechende Kunst und Wissenschaft. Franksurter Oper. Einen bedeutenden Verlust erleidet die Frankfurter Oper durch das Ausscheiden des Fräulein B o ssenb er ger , welche das Koloraturfach und jugendlich-dramatffche, kolorierte Partien in hervorragend künstlerischer Weise und mit schönen stimmlichen Mftteln absolvierte. Frl. Bossenberger ist zwar kein hinreißendes Temperament, man macht ihr im Gegenteil oft den Mangel stimmlicher Wärme zum Vorwurf; dagegen ist sie eine Sängerin von hoher technischer Vollendung, welche die schwierigsten Aufgaben erfolgreich durchführt und deren Künstlerschaft eine oft erprobte ist. Als Ersatz für sie präsentierte man dem Publikum ein Fräulein Relda aus Paris — ein winziges Stimnrchen, das halb ungehört in den großen Räumen der Oper verhallte. Lucia von Lamermoor wurde gegeben, selbst die berühmte Wahnsinnsszene verunglückte. Die Vorstellung scheint ohne Proben stattgefunden zu haben, andernfalls wäre es wohl nicht zu einem Auftreten der Französin gekommen, deren deutsche Laufbahn durch das Frankfurter Debüt aufs Ungünstigste beeinfluß wurde- Das Auftreten der Fräulein Relda in Frankfurt -wirft zugleich auch ein eigenartiges Licht auf die Kapellmeisterverhältnisse; wir hallen es nämlich für ausgeschlossen, daß die Kapellmeister einer besseren Bühne die Verantwortung für das Auftreten unreifer und unentwickeller Sänger oder Sängerinnen übernehmen- Noch mehr als der Intendant sind die Kapellmeister für die Wahrung künstlerischer Interessen haftbar- „Flachsmann als Erzieher" in Nishnij- Nowgorod- „Flachsmann als Erzieher", das bekannte Lusffpiel von Otto Ernst, dem Dichter der „größten Sünde", ist ins Russische übersetzt worden unter dem Tllel „Pädagogen" und hat jüngst in Nishnij-Nowgorod zweimal große Lacherfolge erzielt- Tas Stück sollte noch zum dritten Mal zu einem wohlthätigen Zweck aufgeführt werden, zum Besten der Gesellschaft zur Unterstützung von Schülern. Plötzlich brachten die Zeitungen folgende Notiz: „„Die „Pädagogen" sind verboten worden, und es wird ein anderes, von Anspielungen freies Stück aufgeführt werden, da es auch in Nishnij-Nowgorod die Spezies „Flachsmann" giebt." Wie eine Korrespondenz der Pet- Wjedomosti mitteilt, hatten sich in Nishnij-Nowgorod einige „Flachsmänner" gefunden, die für ihr Ansehen fürchteten und deshalb einen Feldzug gegen das Lustspiel unternahmen. Als Hauptgeschütz wurde die Erwägung ausgesahren, daß auch Schüler ins Theater gehen und erfahren könnten, daß — es in Deutschland auch schlechte Pädagogen giebt. „Denn seht", sagt der Korrespondent, „die Schüler müssen wissen, daß in der ganzen Well die Lehrer vorwurfsfreie Leute sind. Das ist sehr wichtig, da sie aus dem Kowaiski (Lehrbuch für Geschichte) lernen, daß es in der Welt schlechte Päpste, Generale, Bischöfe und Regenten immer gegeben hat und noch giebt- Nur eins dürfen sie nicht wissen: daß es irgendwo in der Welt auch keine guten Pädagogen giebt. Zwar verordnet das Schulstatut, daß die Schüler nur mit jedesmaliger Erlaubnis der Lchrobrigkeit das Theater besuchen dürfen, so daß den Flachsmännern die Möglichkeit gegeben war, der Jugend den Besuch des erwähnten Stüaes au verbieten. Dann könnten aber Verwandte und Bekannte der Schüler ins Theater gehen und erzählen, was sie gesehen haben. Daher hielt man es für richtiger, auch den Erwachsenen das vorzuenthalten, was den Jünglingen „schädlich" ist, und die Erwachsenen auf Mannagrütze zu setzen. Nachdem die „Flachsmänner" mit solchen Strohhalmen ihr Ansehen gestützt haben, kommen sie sich jetzt vor wie Uschinski, ttne Pestalozzi und Comenius...... Ein moderner Erzieher hat einmal bemerkt: „Wer von Grund aus Lehrer ffk, nimmt alles nur in Beziehung aus seine Schüler ernst, —.sogar auf sich selbst!" Der Verein der deutschen Musikalienhändler in Leipzig bittet unS,'im Hinblick aus das. am 1. Januar in Kraft getretene neue Urheberrecht und die von ihm gebrachten wichtigen Veränderungen an die Gesangvereine, Musikvereine und Kapellen eine Warnung und das Ersuchen zu richten, alles etwa widerrechtlich vervielfältigte Notenmaterial zur Vernichtung an die Geschäftsstelle des Vereins der deutschen Musikalienhändler (Geschäftsführer Karl Hesse) zu Leipzig, Buchgewerbehaus, abzuliesern und sich jeder weiteren Vervielfältigung solcher zu enthalten. In diesem Falle wird von einem Strafantrag abgesehen. Jeder weitere zur Kenntnis des Vereins gelangende Fall widerrechtlicher Vervielfältigung wird gerichtlich verfolgt, womit die Einziehung der widerrechtlich vervielfältigten Exemplare verbunden ist. Ueber den römischen Index von 1900 giebt Heinrich Stümcke interessante Mitteilungen: Die Hauptmasse der verbotenen Bücher bilden noch immer die aus der Feder sogenannter Apostaten, Häretiker und Schismatiker stammenden und diejenigen von Nichtkatholiken, die sich in irgend welcher kritischen Form mit dem katholischen Glauben beschäftigen. So finden wir Montesquieu, Locke, Spinoza, Giordano Bruno, Pascal, Voltaire, Rousseau, Friedrich den Großen unbedingt, Descartes mit Einschränkungen verboten. Von neueren religiös-philosophischen Autoren sind natürlich D- F. Strauß und Renan verpönt, von Kant nur die „Kritik der reinen Vernunft", Rankes Päpste und Gregorovius' Monumentalwerk über das mittelalterliche Rom. Das bekannte Erbauungsbuch des Thomas a Kempis ist in einer nicht approbierten Ausgabe ebensowenig gestattet wie Zschokkes „Stunden der Andacht". Von Balzac, George Sand, Eugen Sue, Murger, Dumas Vater und Sohn, Zola sind sämtliche Schriften verboten. Victor Hugo figuriert mit „Miserables" und „Notre-Dame" auf der Proskriptionsliste, Heine mit den Reisebildcrn und Neuen Gedichten, Lenau mit den Albigensern. Dagegen stehen Nietzsche, Feuerbach, Schopenhauer, Darwin, Häckel, Marx, Engels und Bebel nicht auf dem Index. mit Veranlassung gewesen, daß fei rf5 - -2 L-- ~ E 3 E ' s Oft O 3 O (u) Sr eQ X 3 g K B B M - 3 s £ ’S & ® <•< öS-® ißj'a) 2 2 3 0.0 >e C ©- c C 02 -E5 G> 00 e o c: § «K an E O E E >e *-* ssZLeK N § Cb> e 3 O S 2 CD *3 ZS E & SS> D 8? Ml Cf LS Z 57 03 E E (M cv -r © © £ -g N X E c >3 3 -£J o B „ & E5«« -2 c W L 3 ■S & 00 CD b^ ®« 3 s E D « L ZZ p «=- “ 2 S o *Ö> o p o S C 2 tiol? EN -2 « g *§ Q ise-5 v st Ä « o cn<^ :■ p -E «n 3 3 KNZ B BZ ‘CQ i—< O S o c B s= QSS«; 3 . O n» an -y -~ «K q CD W § r^K § ’S B o •** mt =§ o 60 rf r. « c jQ w ", § g2-s’Ä«yj a> «n Eon er N-L) 3^0 3 Ä- E ;gö 8 _ ° 2N- 3 (S Q. °ö M° Seidenstoffe !?ä F^ML van Elten & Keessen, &£ Krefeld. 5? ^_«Z . 3 'S a" «3 Anzahl von Herren f ü r die DeLarifiernng gewesen- Er ' " " " ' dieser "Antrag des -» B 3 -b <5 3 % 5 ■p'S "2 3 -*S <3 c-> »£.• ^-E 3^2 8 E B &.-E r? p G 3 -K>b os er ummarische Uebersicht ab' und schickt es an die Geschäfts- telle des Oberhess. Obstbauvereins, die es prüft und daraus ieht, ob in der Gemeinde Interesse für die Obstbaukultur herrscht. Dieser Verpflichtung stehen auf der anderen Seite Prämien gegenüber, die den tüchtigsten Obstbaumwärtern gewährt werden, wobei natürlich alle Umstünde in Rechnung gezogen werden und nicht etwa die von allerlei Zu- älligkeiten abhängige größere Anzahl der Arbeitsstunden den Ausschlag giebt. Des weiteren soll dem Baumwärter, der beide Prüflingen bestanden hat, außer dem Diplom in Zukunft ein Zeichen gegeben werden, das ihn als im Dienst befindlich dokumentiert, und zwar in Gestalt eines geschmackvollen Metallplättchens mit der Aufschrift „geprüfter Baumwart" und einem Wappen mit den hessischen Landesfarben." Wo der Paumwart es tragen will, bleibt ihm überlassen. Zu dieser Neuerung veranlaßte den Ausschuß die Erwägung, daß jemandem, der sich auszeichnen kann, dadurch ein gewisser Vorzug gegeben werde. Die Generalversammlung erklärte sich mit der Einführung von Arbeitsbüchern sowie mit der Gewährung dieser Auszeichnung einverstanden. Weiter teilte Dr. v. Peter mit, daß der Ausschuß die Einrichtung eines Bezi r ks baum w ar ts für die Kreise Gießen und Friedberg beschlossen habe. Für die Kreise Schotten, Alsfeld und Lauterbach ist ein solcher bereits ernannt worden. Dieser Bezirksbaumwart soll den Baum- -varten nicht Konkurrenz machen, sondern sie unterstützen, d. h. dorthin geschickt werden, wo er dringend gebraucht wirb cesp. wo der Baumwart mit der Arbeit nicht fertig wird. Und da sein Tageslohn auf 4 Mk. festgesetzt ist, kann er auch dadurch den Baumwärtern bezüglich der Wertschätzung ihrer Arbeit nur von Nutzen sein. Nun erörterte Professor Reich elt-Friedberg das Thema „Ob st zolle". Er trat für einen mäßigen Schutzzoll auf frisches Obst ein und wies von vornherein den etwaigen Vorwurf einer agrarischen Agitation ab, da bei uns nicht die Großgrundbesitzer, sondern hauptsächlich die kleinen Landwirte die Obstbautreibenden flnd, ebenso den Vorwurf, daß das Obst bei uns immer noch hohe. Preise habe. Denn der Obstbau sei bei uns aus dem extensiven Betriebe jetzt in den intensiven übergegangen. Früher habe man nichts für den Obstbau gethan und darum auch keine Kosten gehabt. Je intensiver aber die Arbeit werde, desto höhere Kosten würden auch verursacht. Wir pflanzten jetzt wegen der guten Obstpreise Tausende von jungen Bäumen für unsere Nachkommen, müßten dann aber auch Vorkehrungen treffen, daß ihnen für unsere aufgewendete Mühe entsprechender Lohn werde. Das sei nicht möglich, wenn das Ausland uns mit Obst überschwemme. Die Einfuhr in Deutschland habe in den letzten Jahrzehnten rapid zugenommen. 1880—84 sei die Einfuhr 1,3 mal so groß gewesen wie die Ausfuhr, 1895—98 3,7 mal so groß, 1898 bis 1900 bereits 9 mal so groß. Was! solle da aus dem Obstbau werden, wenn bei einem wirtschaftlichen Niedergang weniger Obst konsumiert werde? Dabei sei nicht zu verkennen, daß die gesteigerte Einfuhr auch zurückzuführen sei auf die Bevölkerungszunahme, den steigenden Wohlstand, die größere Erkenntnis dieses gesunden Nahrungsmittels, im Zusammenhang damit auf die Vermehrung der Keltereien und Konservenfabriken, ferner darauf, daß durch die Industrie und den Bau von Landstraßen viele Ländereien, die früher mit Obstbäumen bepflanzt gewesen, wegg.nommen seien. Aber auch das Ausland habe jein Möglichste^ gethan, um den Obstexport zu erleichtern, durch Tarifermäßigungen nach der Grenze usw- Wenn der Obstbau in vielen Teilen Deutschlands nicht vorwärts komme, so sei das darauf zurückzuführen, daß die Nachbarstaaten ihre Grenzen durch hohe Sa-utzzölle geschlossen hätten- Wenn die infolge der Thätigkeit "staatlicher Vereine errichteten Anstalten ertragreich würden, könnte Deutschland seinen Obstbedarf selbst decken'- Ja, das könnte es heute schon, wenn ein mäßiger Schutzzoll auf frisches Obst gelegt und die vielfach angeregten Tarifermäßigungen durchgeführt würden- Durch den Schutzzoll würde ferner auch gewisfen Machenschaften vorgebeugt, die darauf hinzielten, die Obstpreise zu stürzen- Den Zoll würde nicht der deutsche Konsument, sondern der ausländische Produzent tragen, der nicht aufhören würde, sein überschüssiges Obst zu importieren. Der Redner beantragte am Schluß seiner Ausführungen die Annahme folgender Resolution: „Die Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins erachtet es im Interesse der Hebung und Erhaltung des deutschen Obstbaues vor allem für nötig, daß auch ein Zollschutz für unverpacktes Obst Wirtschafts- und Mostobst eingeführt werde, und erklärt im übrigen folgende Zollsätze für zweckmäßig: 1) Aepfel, Birnen, Quitten unverpackt oder in Säcken 3 Mk., 2) Aepfel, Birnen, Quitten in anderer Verpackung 10 Mark, 3) Aprikosen, Pfirsiche 12 Mark, 4) Pflaumen aller Art, Kirschen, Weichsel, Mispeln 3 Mk., 5) Hagebutten, Schlehen, sowie anderes nicht vorstehend genanntes Kern -und Steinobst 3 Mk., 6) Erdbeeren 15 Mk., 7) Himbeeren 5 Mk., anderes Beerenobst 3 Mk., Obstwein 24 Mk." Ein Frankfurter Obsthändler erklärte sich gegen die Notwendigkeit eines Zollschutzes auf Obst- Durch einen Aepfelzoll von 3 Mk- würden die Aepfelweinkeltereien erheblich geschädigt, die kleinen sogar vernichtet werden- — Dr- v. Peter bestritt dies. Die kleinen Keltereien brauchten nur Obst aus der Umgegend- In schlechten Jahren kelterten sie gar nicht, in guten dagegen soviel, daß sie für 2—3 Jahre Vorrat hätten- Es thue vor allem not, den Landwirten zum Bewußtsein zu bringen, daß nach oben Verständnis für die Frage des Obstbaues herrsche, damit sie Neuanpflanzungen wagten- Sodann ergriff nochmals Graf Oriola das Wort- Er sei in keiner Weise geneigt, sich auf einen bestimmten Zoll festzulegen, und wolle nur noch einige Punkte zur Sprache bringen- Er sei Mitglied der deutschen Eisenbahntarifkommission resp- des Verkehrsausschusses. Dort seien bei der Frage der D e t a r i f i e r u n g des Obstes eine große Obsthandels gefallen sei. Er habe gegen eine Detarifter- ung dann nichts mehr einzuwenden, wenn ein entsprechender Schutz unseres inländischen Obstes gegen das Zollausland durch Einführung entsprechender Zolltarife einträte. Solange ein derartiger Schutz nicht eintrcic. könne er im Interesse de« obstproduzierenden Kreise nicht ür eine Ermäßigung der Eisenbahnfracht auf Obst sein- (L et auch angeführt worden, daß speziell im Osten sehr häufi das Obst zu einem Spott-^ preise weggegeben werden müsse, weil die Eisenbahntarifs zu hoch seien, um das Obst aus dem Osten nach dem Westen zu bringen, daß hieran, aber auch an der Unregelmäßigkeit der Ernten die mangelhafte Rentabilität der Obß- pflanzungen im Osten liege. Er halte es für viel besser, daß wir das Obst aus den östlichen Provinzen bekämen, als daß aus dem Ausland frisches Obst eingeführt und dem deutschen Landwirt im Osten der Import unmöglich gemacht werde- Schon aus diesem Grunde sei er für einen mäßigen Zoll auf Mostobst- Er lege einen speziellen Wert darauf, daß von vornherein erklärt werde, sie hielten auch einen Zollschutz für unverpacktes Obst für durchaus geboten- Zum Schluß bemerkte Oekonomierat Schlenke, daß es mit dem Obst wie mit dem Getreide sei- Es sei durchaus zweifelhaft, ob selbst bei einem verhältnismäßig hohen Schutzzoll die Preise wesentlich erhöht werden würden- Das Ausland aber werde seinen Ueberfluß an Obst auch trotz der Schutzzölle hereinbringen und ihn nicht ins Wasser werfen. Durch den Schutzzoll wolle man nur erreichen, daß die Preise nicht derartig sänken, daß die Produkte geradezu unverkäuflich würden- — Daraus schloß Graf Oriola die Versammlung- lerrecht imd ungen an die eine Warnung ^rechtlich ver- an di- sikalienhandler hgewerbehaus, lligung solcher di Zlrafantrag 5 Vereins ge- ünq wird ge- lviderrechtbch n 1900 gi-bt Ti! S* M-r di- -"/ 2e»» itSt ö,° von in DCrr Ms e jonjenifl c WÄioiis- "L Ä 3,f E CSÄ' LZ as9 bet Obfl Ö,i em fester 'WtenS A n9' ** ’ Me doch der >L?u° „ . 1ei ein ’S tu be. r Hebung ta- ÄreL * anderen aber Aen, rechne der Vereins-, er etwas ^ren schwere 'den, der un r' M Viee- u snr die Jn- rbem am hlage deshalb ^rat gey vor. rauf Kreisrat ^erireten- bankre für das Men und er- Äorredner es a wolle, -er über das von Jahren, icber erörtert. Senheit gefaßt g aber \\t es nion, die Tr. rversammlung an den ober» en Gegenstand setzte und eine m sandte. Lo Regierung ge- )aß es zunächst ic staatliche Saumwärtern uffipmg, die öafyin jiifjren wesen in die x rcxffl, i)efon- vrgen, daß in )erden, die sich Ter Lusschuß sitzenden Meis- ge machen, die oen. Tie end- ehen. Teshalb ine Ängelegem htigungen ge- ngen aujcrlegt ngenehm sein, ire LusbildMg B Hal der Lus- bucher ein- ceins den ge- :n zugehen. In l versehen sind, slraggeber, die usw. ein und Inlerschrift be- irier am Ende entsprechende S 3 — gpielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 7. Januar*): „Bajazzo"; hierauf: „Cavalleria rnstieana“. Mittwoch den 8. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: „Aschenbrödel" Abends geschlossen. Donnerstag den 9. Januar: „Der polnische Jude"; hierauf: „Loppelia". Freitag den 10. Jan. geschlossen. Samstag den 11. Januar, abends halb 7 Uhr: „Die Walküre". Sonntag den 12. Januar, nachmiUags halb 4 Uhr: „Aschenbrödel"; abends 7 Uhr: „Die verkaufte Braut". Montag den 13. Januar geschlossen. Schauspielhaus. Dienstag den 7. Januar: „Lumpaei Vagabundus". Mittwoch den 8. Januar: Einmaliges Gastspiel des Fräulein Irene Trisch vom Deutschen Theater in Berlin: „Johannisseuer^'. Donnerstag den 9. Janunr: „Lumpaci Vagabundus". Freitag den 10. Januar: „Mamsell Tourbillon". Samstag den 11. Januar: Zum Gedächtnis Bauernfelds: Neu eiustudiert: „Bürgerlich und romantisch". Sonntag den 12. Januar, nachmittags 3 Uhr: „Kabale und Liebe". Abends 7 Uhr: „Lumpaci Vagabundus". Montag den 13. Januar: „Bürgerlich und romantisch . *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. E g Q 3 p 3 Q4 , -, & g g 3 .E s-* g gs öä’gä® S® - 2 tl.i St-O O 3 ö 3--K O — „ v v • «SD. »gäö© -ZGz S •>“ H O lO Z 3 0=2* E; arr e» ost CD OD «St <5 6? £ S §2- Ban des Provinzial-Siechenhauses z« Kicßen. Die an den Gebäuden auszuführenden Schreiner- Äkbeiten sollen im Wege des schriftlichen Angebots ver- jgeben werden. Die Arbeit ist in drei Lose geteilt, sodaß ;eS den Anbietern freisteht, Angebote auf einzelne oder alle Lose einzulegen. Im Baubüreau, Licherstraße 59 (Gasthaus zur Stadt Lich) sind die Zeichnungen einzusehen und die Bedingungen wie die Verdingungsanschläge gegen Zahlung oder portofreie -Einsendung der folgenden Beträge zu erhalten: 90 Pfg. für die Bedingungen, 1 Mk. 35 , „ Los I, 60 „ , , n, 60 „ hu HI. Die Angebote sind bis Freitag den 24. Januar d. I., Vormittags 10 y2 Uhr, an das Baubüreau einzureichen, woselbst um diese Zeit die Eröffnung derselben erfolgen wird. Zuschlagsfrist bis zum 8. Februar d. I. Gießen, den 3. Januar 1902. 249 Namens des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen. (gez.) von Bechtold. 249 Bekanntmachung, betreffend: Die Heichelheim'sche Stiftung. Aus obiger Stiftung sind am 27. April d. I. die halbjährigen Zinsen mit 525 Mk. an eine in Gießen wohnhafte würdige, bedürftige, christliche Familie oder Person zu verüben. Anmeldungen werden von heute an bis 8. Februar d. I. auf dem Büreau des Armenamtes — Zimmer Nr. 4 — entgegen genommen. Gießen, am 2. Januar 1902. 198 Großherzogttche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Odenhausen für das Rechnungsjahr 1902/03 liegt vom 8. L Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Jntereffenten auf hiesigem Bürger- mersterei-Büreau offen. Oden Hausen, am 4. Januar 1902. Großh. Bürgermeisterei Odenhausen. Lang. 256 Cokespreise des Städtischen Gas- und Wasserwerkes Gießen. Für den Centner ab Verkaufsstelle: Stück-CokeS . . . ...........1,20 Mk. Nutz-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung imb für weite und eng-e Ofenschächte passend zerkleinert: Größe Rr. 1, etwas größer als durchschnitt-- lrche Korngröße des Anthracit, g ang- barsteSorte . . . . . . . . . 1,30 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnitlliche Korngröße des Anchracit ...... 1,35 Mk. In Wagenladungen von mindestens 36 Centn em: Stückcores ...... 1,15 Mk. Nußcokes Nr. 1.....1,25 „ Nutzcokes Rr. 2.....1,30 „ Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Centnem: Stückcokes....... 1,10 Mk. Nutzcokes Nr. 1 .... , 1,20 „ Nutzcokes Nr. 2 .... . 1,25 „ Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Centner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Centnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall :c.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Kleimrkmf der ElimKes von 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Cd. Klinket. Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise der Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern. HMMtsschnle »> Frl.kmimmi Hießen, Südanlage 7. Wiederbeginn des Unterrichts in allen weiblichen Handarbeiten, sowie Kunstarbeiten 9 Wonlag den 6. Januar 1902. Entleerung Ser Abertgrnba Zur schnellen und rationellen Entleerung größerer Abortgruben stehen mir seit Januar d. I. zwei Maschinen, darunter eine solche neuesten Systems, zur Verfügung. Infolge dessen bin ich in der Lage, allen an nnch gestellten Anforderungen, betreffend die schnelle und pünkttiche Entleerung der Abortgruben, zu ent- sprechen. Ich übernehme diese Arbeit ganz nach Wunsch auf Akkord oder auch faßweise und bitte ich die Interessenten, sich mit mir ins Benehmen zu setzen. 267 Hochachtungsvoll SCsaH Mrburgttstrch 24. Konkurs-erfahren. Neber, das Vermögen des Bäckermeisters HermanuBogt in Gießen wird heute am 4. Januar 1902, nachmittags 5 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Jean Boeck in Gießen wird zum Konkurs- verwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 24. Januar 1902 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Montag den 3. Februar 1902, vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedig- ung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 24. Januar 1902 Anzeige zu machen. 257 Großherzogliches Amtsgericht zu Gießen. Arüeitsvergebung Freitag den 10. d. M., nachmittags 2 Uhr, sollen auf unterzeichneter Bürgermeisterei nachstehende Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden: veranschlagt zu 1. Planierarbeiten 140.— Jl. 2. Steinfahren 120.— „ 3. Decksteinlieferung 175.— „ 4. Steineauffetzen 28.75 „ 5. Chaussierarbeiten 140.— „ 6. Uebergründung 17.50 „ 7. Pflasterarbeiten 559.— „ Daubringen, 4. Jan. 1902. GroßherzoglicheBürgermeisterei Daubringen. Walter. 264 K. 53/00. Freitag den 24. Iauuar, nachmittags 2y3 Uhr, sollen auf hiesigem .Ortsgericht die vor dem Namen des Wilh. Steinbach stehenden Grundstücke öffentlich meistbietend versteigert werden. Es wird bemerkt, daß, wenn sonstige Hindernisse nicht ent- aegenstehen, der Zuschlag vom Amtsgericht auch dann erteilt würde, wenn ein der Schätzung entsprechender Preis nicht erzielt wird. 253 Gießen, 4. Januar 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. ___________Gros.________ Versteigerung. Dienstag den 7.Jauuard.J. versteigere ich gegen Barzahlung in Neustadt 55 dahier: 1. vormittags 11 Uhr: 38 leere Oelkarmen, 1 Faß Kreide, 1 do. Fußboden-Oker, 1 Kanne Asphalt - Theerlack, ca. 20 Meter Draht und einen Handwagen; 2. nachmittags 2 Uhr: verschiedene Damemleider: als Regenmäntel, Jaketts, Capes uno Unterröcke; ferner: zwei Schreibtische, 1Sopha,1 Sessel, Postamenten, Bauerntischchen, Serviertische, Waschgestelle, Etaaere, Panelbretter, Küchen- bretter, Rohrstühle, Kleiderständer, Nachttische, 1 Ausziehtisch, 1 großen Zimmerteppich, ca. 40 Meter Läuferstoff, Tisch- u. Kommodedecken, wollene Betttücher, grüne Herren-Joppen und Knaben- Anzüge; 3. 1 Faß Cognac, 2 Ladentheken, 2 Regale, 1 Schnapswaage, mehrere Flaschen Essenze und ätherische Oele, Oelgemälde, Spiegel und diverse gebrauche Möbel. Die Versteigerungen unter 1 nnd 2 finden bestimmt statt. Die Gegenstände zu 2 find sämmtlich neu. 238 Born, Gerichtsvollzieher. Täglich 10 Mk. verd. jebermann durch d. Verkauf eines zugkräftigen Artikels. 259 A. Duroldt, Plauen i. B. ** VICTORIA n BERLIN. Lebens- nnd Volks-Versich. ult. 1900 Pol. über 852127498 Mk. 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