Nv. 2Sß Erscheint,«glich außer SonnlagS. 4)em «SiebenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem kcssischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. -iotatlonsdruck u. Der- laq der Brüh l'schen Univerl.-Biich- u.Siein- druclerei (Pietsch Erben) Äebafnon. Srpedttwn und Drucker et : Gchulftrabe 7. Adresse für Develchen: Anzeiger Gieße«. Frrnlprrchanlckluß Ar.bl. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Freitag S.Dezember 1SOS a _X*X. O monatlich7bPf..viertel- V Äy V A jährlich Mk. 2.20: durch Glchener Anzeigers- Eeneral-Anzeiger v ää$s Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW Präsident Graf Dallestrem verhinderte geschickt die Ausdehnung dieser hygienische Diskussion, zu der Mg. 3>ie AsllLämpse im Keichstag. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm Kclranntmachung. Betr.: Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschaft in der Gemarkung Allendorf a. d. Lahn. Nachdem GroffherzoqlicheS Ministerium deS Innern dem Statut für die öffentliche Waffergenoffenschaft zur Ent- vöfferung von Grundstücken in ^lur I der Gemarkung klllendorf a. d. Lahn unterm 29. v. MtS. die Genehmigung erteilt bat, bringen wir nachstehenden AuSzng auS demselben gemäß Art. 39 des BachgesetzeS (in bet Faffnng der Bekanntmachung vom 11. November 1899) unter dem Aussigen zur öffentlichen Kenntnis, daß daS Statut mit seiner Verkündigung in Kraft tritt. L Namen der Genoffenschaft: Waffergenoffenschaft ,Jn der Siu". 2. Sitz derselben: Allendorf a. d. Lahn. 8. Gegenstand des Unternehmens: Entwäfferung von Flur 1 der Gemarkung Allendorf a. d. Lahn. 4. Die von der Genoffenschaft ausgehenden Bekanntmachungen werden unter der Bezeichnung .Wasser- genoffenschaft .In der Au" zu Allendorf a. d. Lahn* im Kreisblatt für den Kreis Gießen erlaffen und vom GenoffenschastSvorsteher unterzeichnet. Die Bekanntmachungen der Genoffenschaft sind ferner in den Gemeinden Allendorf a. d. Lahn und Lützel-Linden in ortsüblicher Weise zu veröffentlichen. Gleichzeitig wird Tagfahrt zur Wahl, Vereidigung und Einsetzung des GenoffenschaftSvorstandeS auf Montag den 22. Dezember l. IS., vormittags 10 Uhr, nn Gemeindehause zu Allendorf a. d. Lahn anberaumt und die Generalversammlung zum Zwecke der Vorstandswahl hierzu einberufen. Gießen, den 4. Dezember 1902. Großherzoglicye^ Kreisamt Gießen. Dr. 93rei bert Wortes Geschäftsordnung. Herr Singer inszenierte eine regelrechte Auflehnung gegen die Präsidialgewalt. Graf Stolbergs Ersuchen, die Treppe zu räumen, wurde mit Hvhn- gelächter beantwortet: den Abg. Singer trafen nicht weniger oüs drei Ordnungsrufe. Als auch daS wirkungslos blieb, schloß ihn Graf Stvll'erg von der Sitzung aus. Ungeheurer Lärm, durch den Singers fette? Lachen hindurch- "challt. Stürmisches Bravo der Mehrheit. Ter Gemaßregelte verließ den Sitzungssaal zwar nicht — die Geschäftsordnung bietet keine handhabe für zwangsweise Ent- ernung —, er lehnte sich in breiter Pose auf seinem Sitz zurück, aber er beobachtete Schweigen. Graf Stolberg erklärte nach Wiederbeginn der Sitzung. Abg. Singer dürfe an .tben heutigen Verhandlungen nicht mehr teilnehmeu. Als die allgemeine Aufregung sich einigermaßen gelegt hatte, unternahm es Abg. Tr. Spahn (Zentr.), den Sozialdemokraten ins Gewissen zu reden. Neuer Lärm. Abg. Bebel wies die Mahnung aufs entschiedenste zurück und besckiuldigte die Mehrheit. Spektakel.verursacht zu haben. Entrüstete Protestrufe: „Der polnische Reichstag !" Scharf und bell klang dieser Ruf durch den Wirrwarr: wer ihn ausstieß, war nicht zu ermitteln. Ter Abg. Goth ein (Fr. Vga> kannte endlich sein Referat /üb"r die Positionen 190 bis 218 beginnen. Er entlediare sich dieser Aufgabe mit der größten Gründlichkeit. Es war erstaunlich, was Derr Gothein aus einem Bericht über die Ballbehandlung von Kakao, Backwerk, Margarine, Restles Kindermehl usw. xu machen wußte! Eine absolut TücfenTiofe und, wie man zugeben muß, den Stoff beherrschende Darlegung. Tie Ruhe und Gleichmäßigkeit im Sprechen, die Eraktheit des Satzbaues konnten nicht größer sein, wenn Derr Gothein seinen fast freigehaltenen Vortrag abgelesm hätte. Bon der Mehrheit legten nur wenige Wert auf die Bereicherung ihres Wiffens. Abg. Müller-Fulda vom Zentrum trat in den Saal und schlug die Hände zusammen, verwundert über die Dauerhaftigkeit des Redners. Auf der Rechten bildeten sich Gruppen von Abaeord- neten, darunter Fürst Herbert Bismarck, die demonstrativ die Uhr zogen. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielmann kam aus dem Vorzimmer zurück imb verschwanb wieder, als er den unveränderten Stand der Dinge bemerkte. Im Zentrum schwoll das Geräusch der Unterhaltung. Durch alle diese Zeichen der Ungeduld ließ sich Abg. Gothein nicht im mindesten stören; er erhob bisweilen die Stimme und senkte sie mit weiser Maßhaltrmg wieder, sobald mehr Rübe im Saal einaetreten war. Ueber die Bedeutung eines zollfreien Kindermehls für das Heranwachsende Geschlecht sprach Herr Gothein mit liebevoller Ausführlichkeit, und als er zu Ende war, bat er um Entschuldigung, toemt er bei der Kürze der Zeit etwa das Eine imb Anbere übersehen habe. Inzwischen schien der Linken ein neuer Kriegsplan der Zollmehrheit bekannt geworden zu sein, nämlich eine Rachtsitzung abzuhalten, um badurch bie zu erwartenden „kilometeT-langen" sozialdemokratischen Kommissionsreferate zeitlich auszugleichen. So ergriff Abg. Brömel (fr. Der.) das Wort „zur Geschäftsordnung", um in einer imgefähr halbstündigen Rede für die Beschränkung der Dauer der Sitzungen im gesundheitlichen Interesse zu plaidieren. Verzweifeltes Lachen der Mehrheit. Mg. Brömel sicht um so ernsthafter fort, allerlei Klagen über geringe Temperatur im Hause, kalte Füße der Linken durch unzweckmäßige, vielleicht gar beabsichtigt unzweckmäßige Ventilation, Ueberanstrengung des Reichstags-Per- L Tezember: . Tie Herren vvm ,Lollkartell" haben sich geirrt. Sie glaubten, daß bei einem Sitzungsbeginn um 10 Uhr vormittags ein großer Teil der noch ausstehenden Kvmmissions- berichte heute erstattet werden könne. Es kam anders. Tie Herren hatten die verzweiselte Entschlossenheit und taktische Geschicklichkeit der Opposition unterschätzt. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit — es wat nur ein einziger Referent, Abg. Tt. Dlankenh otn (nl.) zum Wort gekommen — brach man von dieser Seite eine Geschäfts- ordnun gsdebatte vom Zaune, die immer wieder frisch entfacht wurde und mit Aussetzung der Sitzung um eine halbe Stunde — zum zweiten Mal! — lange Zeit tn Anspruch nahm. Es spielten sich hierbei tumul- tuarische Szenen ab, die alles überboten, was man bisher erlebt hat. Tie sozialdemokratische Sturmkolonne, Vvm Abg. Singer geführt, drängte, der vom Präsidenten Graf Balle st rem getroffenen Anordnung zuwider, gegen die zur Bundesratsestrade führende Treppe Tie Vordersten verlangten unter tosendem Rufen vom Vieepräsidenten Graf Stolberg das Wort zur Ge-1 sonals vorzubringen, schäftsordnung, während die Nachhut die „Begleitung" /H“*C besorgte du^ch fortgesetztes rhytmisches Aussprechen des l Heine (Soz.) eine malitiöse Bemerkung gegen die Rechte heisteuette, indem er kühlen Tones Untersuchung der Beschwerden zusagte. Mer kaum, daß dieser Faden jabgerissen, knüpfte Mg. Stolle (Soz.) einen neuen an, eine längere Rede, von der bei der Unruhe im Saale nur die,Stenographen Genaueres verstanden. Die Pointe war die Forderung schriftlicher Berichterstattung über die Positron „Drotzoll". , . ,, Nunmehr vollführte die Mehrheit einen wirksamen Vorstoß, indem sie über sämtliche zu dieser Position eingegangenen sozialdemokratischen Anträge Uebergang zur Tagesordnuna vorschlug, und als Redner „für und gegen" die Mg. Dr. Spahn (Ztr.) und Dr. Stockmann (Rp.) stellte. Sie faßten sich selbstverständlich denkbar kurz, sodaß die Wänderungsanträge im Handumdrehen mit 227 gegen 79 Stimmen in den Orkus befördert" waren. DaS geschah um 5 Uhr, nach einer im Ganzen sieben- tündigen Debatte. Ein weiteres verhinderte Mg. Gras Hompesch, der greise Vorsitzende des Zentrums. Er war berufen, den bereits angedeuteten Streich gegen die äußerste Linke zu führen, nämlich Vertagung der Sitzung bis 7 Uhr abends votzuschlagen, und that dies mit der ironischen Bemerkung, er hoffe so den Wün» chen Herrn Brömels nach einer Abkürzung der Sitzungen zu entsprechen. Triumphierend erhob die Mehrheit die Vertagung zum Beschluß. In starker Erregung verließen die Mgeordneten der Linken den Saal. Das Maschinenpersonal des Hauses trat ein, mit Kohlenstiften für bie Auffrischung bet elektrischen Bogenlampen. Man richtete ich also auf eine Nachtsitzung ein, in Erwartung eines auftegenben Verlaufs derselben. Hatte doch Ma. Singer, wie erzählt wurde, durchblicken lassen, daß er in der Nacht- sihung des „Jochs der Klausur" sich entledigen werde, und es sei nicht unerwähnt, daß selbst mit der Möglichkeit des Erscheinens lärmender Elemente auf der Tribüne gerechnet wurde. In den Spätnachmittagssttmden klang durch die Straßen Berlins der allarmierende Ruf der Zeitungs- verkäufer: „Singer in der Verbannung!" womit man die durch den Vizepräsidenten Graf Stolberg heute verfügte moralische Exmission des Sozialistenführers aus dem Reichstagssaal zu kennzeichnen beliebte. Aus Stadt und Laut». Gießen, den 5. Dezember 1902. Gedenket der hungernden Vögel! •» Gedenktage. Am 6. Dezember 1860 starb zu Bonn der historisch-politische Schriftsteller Friedrich Christoph Dahlmann. Er war ausgezeichnet durch um- fastende Bildung, besonnenes Urteil und unerschütterliche Ruhe, Hauptwortführer in der schleswig-holsteinischen Sache. Seine Schrift »Politik auf den Grund und das Maß der gegebenen Zustände zurückgeführt" fand ihrer Zeit höchste Beachtung. Seine Geschichte von Dänemark, sowie der englischen und französischen Revolution sind vortrefflich« Lehrbücher. - Personalien. Stationsassistent Albach ist zum 1. Januar 1903 von Gießen nach Burg- und Nieder-Ge» münden, die StationSdiätare Schlosser von Burg- und Nieder - Gemünden und Klebe von Lollar nach Gießen versetzt. ** Provinzialausschuß. Samstag, den 13. Dez. L Js. vormittags 8y2 Uhr, findet im Sitzungssaal des Humor nnd Politik in Boyern gehen, spiels sagt: ,,Ter Franzmann, der au5 Engeland, Chinese, Grieche, Türk' und Ruß' Gelegentlich bc5 25jähr. Ministerjubiläums des bayrischen Finanzministers Frbm. v. Riedel kam auch der Humor in einem Festspiel von Benno Rauchenegger zur Geltung. Dortige Blätter berichten darüber: Es erschien die Goldfee, die wichtigste Fee für einen Finanzminister, und sprach: „Gar mancher Staatsmann klug bedacht, Hat eifrigft mir den Hoi gemacht; — Din ich ihm günstig irgendwie, Tann beißt man ihrf: Finanzgenie! Dor allem ist es ja der Staat, Der baares Geld recht nohg hat; Sind seine Kasten stark geleert, Hat sich die Steuer stets bewährt! Und kein Erfinden höher stand, Als wenn man neue Steuern fand. Doch stieß der Steuerbote nie Beim Volk auf rechte Sympathie! Was man direkt nicht holen kann, Das kommt in Form von Zöllen dran; Die machen alte Köpfe beiß. Wie man von unferm Reichstag weiß. «Sie weit aber die Steuergelüste des Staates darüber klagt eine Hundefreundin bewegt in Hexametern: ‘ÄÄW b°' m« “Wn Buhi, Der ihre Seele erfreut, mütterlich sorgt sie für ihn, £ei(t fte § das faffeebtfeucßtete Bradchc» mit,bm voll V-ranua-n, toebl ihm di- ÖÄlfte dcr SBurlt, manchmal Maar etwas mehr, Set ein Planchen ihm aerne in ihmn innairanltclicn Lager, Weil s>- nichts li-h-res kennt, als das ihr Io dankbare Der Nnn aber fomn.f wic ein hnngr-a-r L°we d'r mertae F>-l.S, „ L-at auf den Buhi die Rauft, «eh» und !an! Mark ifl ,u viel ■ Tas Fräulein ift der Meinung, baß selbst ein Nero so Grausames niemals ersonnen hätte. Harmloser ist die Steuer« anelle, die au« dem Hosbräuh-ws fließt, dieser international™ Stätte der Gemütlichkeit, von der der Verfastec des Fest- Sie wandeln friedlich Hand in Hand Hinein zum lockenden Genuß! Der Sachse der so lieblich spricht: „Hereiemersch, schmeckt das Bier so scheen!" sind die Berliner fäumen nicht, Mal in das „Hofbräu" rinzujehn! Der Schneidernieister, der Poet, Der Kaufmann, Mime und Jurist — Ta sitzt beim Kruge oder steht; Es trinken Heide, Iud' und Christ." Vom Biere geht der Dichter auf den Wein über, auf die Perlen deZ Frankenlandes, die in Würzburgs Gauen gedeihen: „Wenn dort die Zecher trinken, Erglühen Herz und Kopf, Und aus dem goldnen Raste Wächst hie und da ein Zopf. Doch feiner von den Zöpfen, Die Blödigkeit gebar — Mit solchem Zopfe steht man, Was richtig ist und wahr!" Mit diesem köstlichen Frankenwein wurde schließlich der Ehrenbecher gefüllt, der dem Jubilar überreicht wurde und ihm damit ein Vivat gebracht. Die Pfefferkuchen-Gedichte kommen zwar alljährlich zu Weihnachten wieder, aber ste werden anscheinend immer schlechter, früher gab es mitunter recht hübsche Leistungen auf diesem Gebiet; der befannte Berliner Witz erzwang stch Achtung und zündete. Heute steht es mit der „Pfefferkuchenvoesie" aber fast ebenso, wie mit vielen ^genannten Witzblättern: der Witz ist ausgegangen. Als neueste „Gedichte" liest man jetzt folgende: „Solange als vom Zolltarif Im Reichstag man wird sprechen, (Seht meine Treue niemals schief — Will ich den Schwur nicht brechen." — Und ^Weihnachtsgelder pumpt ich mir, Weil ich wollte Dich belohnen; Das ist feine Schande, denn — Unsere Stadt pumpt ia Millionen/ — Das nennt man „aktuelle" Arbeit und meint es besonder- gut gemacht zu haben. Von den sonstigen Erzeugnisten wollen wir ganz schweigen. Eine Wettfahrt zwischen Lnstschiff nnd Antvmobtt wurde neulich in London veranstaltet. Dieser Versuch bildet ein Glied in der Reihe von Proben, die hinstchtlich der Brauchbarkeit von Ballons zi, Kriegszeiten unter der Leitung des Londoner Aero- Klubs angestellt werden. Der Plan war, daß der Liiftschiffer Depeschen zu besorgen hätte, von Automobilen verfolgt würde und versuchen, während eines Fluges von 3 bis 4 Stunden seine Verfolger entweder weit genug hinter stch zurückzulasten oder ihre Aufmerksamkeit derart zu täuschen, daß er ungesehen einen Abstieg ausführen könnte. Falls ein verfolgendes Automobil dem Ballon so nahe bleiben würde, daß sein Führer den Abstieg bemerken, innerhalb einer halben Stunde nach erfolgtem Abstieg den Ballon erreichen könnte, hätte die Aufgabe seitens der Verfolger als gelöst und der Ballon nebst seinen Insasten als gefangen genommen zu nelten. Das Luftschiff stieg mit vier Personen m der Gondel auf. Die Verfolgung würde von neun Automobilen unternommen. Es gelang dem Führer des Ballons in der Thal, die Verfolger zu täufchen und nach Erreichung einer Höhe von etwa 600 Metern unbeachtet eine Landung zu vollziehen. Wallenstein als Gntöherr. Die .Reichenberger Zeittmg^ schreibt: Die Nenwiese, eine Waldidylle im Isergebiete, zählte zu ihren Besitzern auch einmal Wallenstein, der sich auch um Bewirtschaftung eifrig kümmerte. Als er z. B. fand, daß die Fasanen, die für seine Tafel abgeschickt wurden, viel magerer wären, als diejenigen von anderen Gütern, verlangte er," daß man den Fasanen fleißig Futter schütten und sie nicht in Kammern sperren solle, in denen ste nur abmagerten. Es sei aber auch aufzumerken, daß ihn die Wärter nicht bestehlen; es müßten einige Leute bestellt werden, bie deshalb bei den Fafanenhändlern in Prag Nachfrage hielten. Käme eine Schiild an den Tag, so fei der betreffende Wärter, Anderen zum Abscheu, unverweilt aufzuknüpfen, der Entdecker aber mit 300 Gulden zu belohnen. Er empfahl Fürsorge und Wachsamkeit für das Wild und ordnete den Aufbau von Schuppen in jedem Revier an, damit man im Winter den Tieren Heu Dorftreuen könne. Als ihm einmal berichtet wurde, es sei auf der Reichenberger Herrschaft ein Fünfundzwanziger gesehen worden, kam sogleich oon ihm der Befehl, wohl achtzugeben, daß. dem Hirsche nichts geschehe. Regtmmg^gftonM yn (Meßen, Vrcmbplatz Nr. S, ehte öffentliche Provinzialausschußsitzung statt. Die TageSorb* nima ist folgende: 1. Enteignung von Grundstücken des Karl Stern zu Homberg a. Ohm »ur Erbauung der Nebenbahn Nieder-Gemünden—Nieder-Osleiden. 2. Die Bürger- meisterwahl in Reinhardshain. 3. Beschwerde des Guts- pSchterS Bornemcrnn zu Obbornhofen wegen Sperrung eines Verbindungswegs zum Bahnhof Bellersheim. •* Kon zert des Akademischen Gesangvereins »m Mittwoch, den 10. Dezember in der Stadtkicche. In einem früheren Artikel haben wir darauf bingewieseß, wie die Aufführung eines Requiems in der AdoentSzeit als ein Nachklang deS kürzlich verstoffenen Totenfestes auf- zufaffen sei, gleichzeitig aber auch die Brahm'sche Komposition eine Uebersührung in die freudenreiche AdventSzeit bedeute, denn BrahmS hat, abweichend von manchem anderen Tondichter, tn seinem weihevollen Werke Trost und frohe Hoffnung verkündet. Schließt eS doch den 6. Teil mit den verheißenden Worten ,Jch will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet*. Kann es wohl eine herrlichere Zusicherung deS kommenden Trostes geben? Aber nicht allein das Werk selbst, sondern auch die Ausführung deffelben läßt auf eine Reihe weihevoller Stunden zählen. Unter Trautmann'S umsichtiger Leitung sind Chor und Orchester bestens geschult, vortreffliche Solisten, wie Fräulein Carola Hubert und Herr August Leimer gewonnen. Daneben wird Herr Adolph Hempel aus München, ein ausgezeichneter Orgel-VirtuoS, auf seinem gewaltigen, ausdrucksfähigstem Instrumente einige Solovorträge zu Gehör bringen. Es bedarf wohl keiner weiteren Worte, um jeden Freund ernsterer Genüffe zur Teilnahme an diesem Kirchenkonzerte zu veranlaffen, um so mehr, als auch den weniger bemittelten durch die Hauptprobe am Dienstag Gelegenheit dazu geboten ist. "Kunstverein. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet die diesjährige Verlosung unter den Ver- einsmitglcedern, Samstag, den 20. d. M., in der Kunsthalle zu Darmstadt statt. Die zu den Gewinnen gehörigen Oel- gemalde, Aquarelle usw. sind bis zum Verlosungstage in der Kunsthalle in Darmstadt ausgestellt. Neueintretende Mitglieder können gegen Zahlung des Jahresbeitrags von 10 Mark, noch an der diesjährlichen Verlosung teilnehmen. ** Der Thermometer sinkt noch immer. Heute morgen zeigte er —12 Grad Celsius. ** Ausbildungskurse für Sattlermeister. Die Großh. Centrale für die Gewerbe in Darmstadt schreibt und: .Wir beabsichtigen in den Monaten Januar bis März kommenden Jahres erstmals Meifterkurse für Sattler von 12tägiger Dauer zu veranstalten und zwar für die Teilnehmer aus der Provinz Oberhesseu unter Leitung deS Herrn LouiS Völzing in Großfelda sPost Ehringshausen). Zu diesen Kursen werden nur im Großherzogtmn ansäffige Sattlermeister, aber keine unselbständigen Gehilfen zugelaffen; eine Ausnahme kann nur bei einem älteren Meistersohn gemacht werden, der dem Vater voraussichtlich bald im Geschäft folgt, oder daffelbe bereits mit leitete. In diesen Kursen wird den Teilnehmern Gelegenheit geboten, ein Kummet und ein Unterkummet nach mitgebrachtem Maß unter Anleitung zu fertigen. DaS erforderliche Handwerks- zeug, wie Sattlerhammer, Beißzange, Scheere, Schärf- und Zuschneidmeffer, Einbindahle, Hastenleiher, sowie mehrere Riehmenahlen, Drahtahlen und Sattlerahlen sind von den Teilnehmern mitzubringen, dagegen werden die zu den Arbeiten benötigten Rohmaterialien rc. an diejenigen Teilnehmer, welche da8 von ihnen gefertigte Kummet am Schluffe des Kursus mitnehmen wollen, zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Dauer der einzelnen Kurse wird, wie schon angedcutet, auf zwei Wvchen bemeffen. Die Unterrichtsstunden find von 8—12 Uhr und von 2—6 Uhr nachmittags angesetzt. DaS Unterrichtsgeld von 5 Mk. ist zu Beginn deS Kursus von jedem Teilnehmer zu entrichten. Auswärtigen unbemittelten Teilnehmern kann auf Vorlage entsprechender Zeug- niffe das Unterrichtsgeld erlösten werden, oder eS kann einmalige Fahrt und Rückfahrt 3. Wagenklaste vergütet und eine Beihülse bis zu zwei Mk. täglich zur Bestteitting der Kosten deS Aufenthaltes bewilligt werden. Gesuche um Zu- lastung zu diesen Kursen sind an die oben genannte Behörde zu richten. Der erste KurS wird vom 5.—17. Januar k. I. abgehalten. 0 Allendorf a. d. Lda., 3. Dez. Nachdem Pfarrer E ck st e i n von hier im vorigen Jahre eine Lichtbilder-Dor- führung veranstaltet hatte, die unS mit Jerusalem bekannt machte, hatte er am Dienstag abend seine Gemeinde sowie die Umgegend eingeladen, sich gegen geringes Entgelt „Luthers Leben" in Lichtbildern anzusehen. Ter große Saal des Gastwirts Lüll war bis auf den letzten Platz gefüllt; die schönen, farbenprächtigen Gemälde, die auf einen großen, weißen Schirm gezaubert wurden, ernteten reichen Beifall. Zu den einzelnen Bildern deklamierten Knaben und Mädchen entsprechende Verse, auch sangen alle Anwesenden zu den Klängen eines Harmonium? einige unserer schönsten Kirchenlieder. So wurde durch diese Vorführung nicht ttut dem Auge etwas geboten, sondern auch da? religiöse Gefühl wachgerufen und jeder in andächttge Stimmung versetzt. Der eingegangene Geldbetrag kommt der hiesigen Kleinkinderschule zugute. §8 Ruppertenrod, 3. Dez. Heute zog nxxh eine ssroße Schar Kraniche vorüber. DaS ist eine seltene Erscheinung bei so später Zeit und so großem Zwischenräume zwischen den ersten Zügen im November und dem heutigen. Aber richtige Vorboten de? MnterS, als die doch die Kraniche bekanntlich gelten, finb die heutigen gewesen. Bei eisiger Luft wirbelt der Schnee ununterbrochen vom Himmel, so daß die Schneedecke bereits Diesen, Flur und Feld überzogen. Die wenigen Vögel, die noch zu erblicken sind, geraten jetzt in ernste Not; man vergesse ihrer nicht! 88 Flensungen, 3. Dez. Einen kurzen, rasch vorübergehenden Streik hat vorgestern die Vogelsberger Holzindustrie auf der benachbarten Mücke gehabt. Als am Morgen dieses Tages den Arbeitern eröffnet wurde, daß durch die schlechte Lage der Industrie überhaupt eine Verringerung der gewährten Löhne um 10 Prozent dufteten müsse, da legten die ca. 30 Arbeiter sofort die Arbeit nieder. Don dem richtigen Gedanken aber bald wieder erfaßt, daß Arbeit trotz geringem Lohnabzüge mehr einbringe als Nichtschun, nahmen gestern morgen die Arbeiter wieder ihre Bcschäfttgungen aus. Der Hcmeindewaisenrat. Manchem unserer hessisch-m Leser wird der An^druck unbekannt sein. Mit Recht! Denn der Gemeindewaisenrat ist ein erst durch daZ Bürgerliche Gesetzbuch auch in Hessen eingeführtes Rechtsinstitut oder, besser gesagt, der Name ist für Hessen neu. Tie Aufgaben, die d-r rHae Ge- meindewais"nrat hat, hatten zum großen Teil schon die hessischen Ortsgerichte seit 1852. Preußen übertrug erst durch die Vormundschaf^Sordnnng von 1Q75 die gleichen Aufgaben einem G-'me-'ndeorqan, da? es G'meindewailen- rat nannte, und von hier ist das Dort in da? Bürgerliche Gesetzbuch übernommen worden. Dieses hat die Aufgaben des Gemeindewaisen''ats nur weiter ausgedehnt; es behandelt sie in den 85 1675, 1849—1851. Die Organisation des Instituts ist jedoch dm Einzelstaaten überlassen. Da in Hessen, wie erwähnt, die Ortsgerichte zum Teil schon dieselben Verrichtungen hatten, betraute man sie auch mit der Durchführung der nnren Pflichten. Diese limen dem Gesamtortsgericht ob. Es besteht aus einem Vorsteher ^meist dem Bürgermeister) und aus mehreren Gericktts- märmern, nämlich ans zwei in Gern«ttnden mit wen-ger als 2000, aus 4 in Gemeinden mit 2000 und mehr Einwohnern, aus 6 in Darmstadt, Offenbach, Mainz, Dorm? und Gießen. Tie Mitglieder werden durch das Justizministerium widerruflich ernannt. Ta? Dmtsaericht hat daS Vorschlagsrecht nnd setzt firfi zu bpm Zweck mit dem Kreisamt in? Bmehmen. Die Dienstaufsicht und Disziplinargewalt steht dem Amtsgericht ru. Alle Geschäfte des Gemeindewaisenrats werden in der Regel von dem Gesamtortsgericht erledigt. S"ine Aufgaben als Gemeindewaisenrat sind kurz folgende: ES hat die Vormünder zu überwachen, insoweit ihnen die Eiu^hung und Beaufsichtigung der Mündel überlassen ist. Es hat dem Vormundschaftsgericht Anzeige zu machen, falls ihm Gefährdungen des Vermögens eines Mündels bekannt werden. Es hat diesem Gericht Auskunft zu erteilen über das persönliche Ergehen und Verhalten eines Mündels. Kommen ihm Fälle zur Kenntnis, tn denen ein Vorwund, Gegenvormund oder Pfleger zu bestellen ist, so hat es dies dem Gerichte mitzuteilen und gleichzeitig die zur Nebernahme dieser Aemter geeigneten Personen vor- znschlagen. Der Gemeindewaisenrat derjenigen Gemeinde, in di? ein Mündel seines Bezirks verzieht, ist von diesem Wegzug zu benachrichtigen. Grobe Mißbräuche der elterlichen Gewalt seitens de? Vaters oder der Mutter eines Kindes sind dem Vornnrnd- schaftsaericbt anznzeigen. Alle diese Verpflichtungen des OrtsgerichtS sind überaus klar nnd durch die mannigfachsten Beispiele eingehend erläutert in einer Gießener Dissertation: Der Ge- meindewai'smrctt im deutschen Recht von Gerichtsaeeessist Dr. jur. Eise, Verlag von Strupve und Winkler, Berlin 1902. Der Verfasser geht zunächst auf die geschichtlichen Grundlagen deS Gemeindewaisenrats etn, schildert sodann seine Organisation in den größeren deutschen Staaten, besonders ausführlich die in Hessen, behandelt im dritten Kapitel die Aufgaben des Gemeindewaisenrats nach Reichs- und Landesrecht (speziell auch seine Pflichten auf dem Gebiet der Zwangserziehung Minderjähriger) und bespricht zum Schluß die Mängel deS Instituts, wobei er gleichzeittg zu deren Abstellung beherzigenswerte Vorschläge macht. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß in dieser Monographie zum erstenmal eine für die öffentliche Wohlfahrtspflege außerordentlich wichttge Einrichtung eingehend gewürdigt wird, das Institut der sog. Waisenpflegerinnen. Sie haben die Aufgabe, unter Leitung des Ortsgerichts bei der Deauffichtigung der im Kind"salter stehenden Mündel und bei der Ueberwachung weiblicher Mündel mitzuwirken, sie sind berechtigt, von Vormündern, Eltern und Pflegeeltern die hierzu erforderliche Auskunft einzuziehen, die Mündel in den Wohmmgen anfzusuchen und die wahrgenommenen Mängel zur Anzeige zu bringen. In Hessen besteht dieses Institut zur Zett ttitt in Offenbach und WormZ (hier Armenpflegerinnen genannt); nach dem Gesetz ist die Einführung noch möglich in Darmstadt, Mainz und Gießen. Für Mainz ist eine entsprechende Anregung bereits erfolgt. Auch für Gießen dürfte es sich empfehlen, dieser Frage näher zu treten. Tie Schrift kann, wie dies auch von fachmännischer Seite in der hessischen Rechtsprechung vom 1. Oktober 1902 geschehen ist, den Gemeinden zur Anschaffung warm empfohlen werden; sie wird den OrtSgerichten in allen einschlägigen Fragen ein sicherer und zuverlässiger Wegweiser sein. —i— Vermischtes. * Limburg, 4. Dez. Im benachbarten Nieder-Erbach stürzten laut „Nassauer Boten" gestern nachmittag auf der Schiefergrube zwei jugendliche Arbeiter mit dem Förderwagen in einen 25 Meter tiefen Schacht und blieben sofort tot * Bochum, 4. De^. Vie amtlich mitgeteilt wird, sind bei dem Brandunglück in der Konditorei von Köster sieben Personen umgekommen. Zwei, die als tot bezeichnet wurden, sind gerettet. Ta? Befinden der im Krankenhause untergebrachten Verletzten ist befriedigend. Die die „Doch. Ztg." mitteilt, ist der Regierungspräsident RenverS au5 Arnsberg behufs ?Mtnerfung über daS genannte Drand- unglück hier eingetroffen. * Wien, 4. Tez. Auf einer Diese des Militär- SchießplatzeS war heute vornrittag eine Abteilung Soldaten 0,amit beschäftigt, einen Baum zu fällen, als'dieser plötzlich umstürzte und den Hauptmann, welcher die Soldaten-Abteilung befehligte, tötete. * S a n F r a n c i ö c o . 4. Dez. Auf dem Dampfer „Pro- gresso", welcher sich in einer hiesigen Werft befand, explodierte ein Oelbehälter. 11 Mann der Besatzung werden oermißt Die übrigen wurden tot aufgefunden. Ter Sebad-n b*h-nnt 200 000 Dollar. • Mit amtlichen Geldern durchqebrannt war der Posthalter Kernisch anS Lvderburg. AuS einem Briefe, den die HeimatSbebörde auffing, sah man, daß er nach Berlin gefahren war. Hier ermittelte ihn die Kriminalpolizei in einem Privatbotel, nahm ihn fest und führte ihn der Heimatsbehörde wieder zu. punll und Nlillrnschast. — Hieronp'nn» form *. Nach einem Leben voll reichen Schaffen« und schwerer Fämp’e ift, wie schon durch Tel^aramm flirt berichtet, tuercmnmu- Vorm <"r »• I. tvinr* Laude^-mann» zu Brünn im 82. Jahr« eroinen Rude emaefedrt. Bon klein I md schwach und leidend, seit dem 16. Jahre taub infolge Lälmiun« und saft blind, überwand er Dank der Mitbille seiner Familie und seiner ebenen Willenskrast alle vbnüschen Hindernisse, und wie er unablälüa an feiner allgemeinen philosophischen Bildung arbeitete, ko entkaltete er von der Fuaend bis zum späten Alter eine nufteri ordentlich schöpkenkche Thätiakeit. die firti auf Lyrik, Ermbluuaey und Philosophie erüreckte. Am 9. Auaust 1821 zu Nikolsburg in T/nliren als Sohn emeS Kaufmanns neboren, lenkte er schon nl< Ionalinq von 22 Fahren die Aufmertamkeit auf üch mit feiner mobamedanifchen Faustsage .Abdul* ; 1S47 kolgten .Wiens poetische Schwingen und Federns die wegen ihrer Angriffe au» die steukur den Dichter zur Flucht nach Berlin und zur Annahme "keines SrfiriftfteUemnnienfi veranlaßten. Fn Wien wirkte er dann als Publizist und Kritiker. Nach seiner Verheiratung (185«) lebte er erst in Baden bei Wien, von 1873 an in Dresden und endlich während des letzten, durch schwere Leiden aetnibfen Jahrzehnts in Brünn. Neben einer stattlichen Reihe von Novellen und Romanen ist an seine Werke philosophischen Charakters zu erinnern, an bie philosophisch-kritischen Streifmqe 1873), .Naturgemäß' (2. A. 1883) und an den »grundlosen OvtimiSmus' (]R94i. E,m rhflo- fophischer Hauch befreit auch viele seiner zartempsundenen Gedichte, denen er noch 1897 einen .Nachsommer' folgen ließ. (GfrirfitfifanL s fr»1* Illi StN» kt> vr i **. • •« £ < H * )| * • IM iS»«* Mainz, 4. Dez. Bor dem Schwurgericht Hatte üch vor» gestern der Gerichtsvollzieher Heinrich Dokel aus Bingeu wegen Verbrechens im Amte zu verantworten. In 45 Fällen hatte D. im Zwanasvollstreckungsversahren falsche Beurkundungen vorge- nommen, ebenft) im W.'ch'elproteswerfahren in einer großen x?[n- mhl von stallen das Protestorotokoll gar nicht in Gegenwart der Wechfellchuldner mlfgenommrn, bei Pfändungen soll er gar keine Pfandzeichen angebracht, bei Versteigerungen andere Erlösdeträge eingetragen und auf diese Weise etwa 500 Mk. unterschlagen, lein Dienstregister falsch geführt und üch auf Kosten der Schuldner bet Zuferaten von der ZeitungSerpedinon 10 bis 25 nCt Rabatt haben gewähren lassen. D. leidet an epileptischen Anfällen, er war, wie sich durch die Verbandlimq heranSstellte, für fernen verantwortungs- vollen Posten vollständig unfähig. Den Geschworenen wurden 123 Fragen vorgelegt, von denen sie nur vier bejahten. Eckt Nachts 12 ", Uhr konnte das Urteil gesprochen werden; es lautete auf drei Monate und eine Woche Gefängnis. Die Strafe wird mit der Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Dofel tft bereit» im Amte mit drei Monaten Gefängnis bestraft, auch vom Dienste fusspendien. Wiesbaden, 4. Dez. In dem bekannten Prozeß der (5 hnm« vagner-stabrik Moet vu Ebandon in Epernay gegen die 6hnm- vagner-Fabrik Söhnlein in Schierstein, in welchem die erstere von der letzteren 1 Million Entschädigung verlangt, weil üe behauptete, Mir Saufe der kaiserlichen Pacht .Meteor' in New Bork fei ihre Marke Rbe'ngold verwendet worden, hat das Landgericht hier heute einen Beweisbefchluß ertasten. Danach foll der deutfche Botschafter in dlmerika v. Holleben als Zenge darüber vernommen werben, ob die Marke der französischen Firma zur laufe verwendet worden ist tmb ob er mit Zustimmung des Präsidenten fRoofevelt Rheingold als Taufwein bestimmt habe, und endlich, ob er dem Agenten der Firmg Söhnlein telegraphisch mit geteilt habe, eS sei Rheingold verwendet worden. Berlin. 4. Dez. In dem hente zu Ende gestlhrten Prozeß gegen den Grasen Pückler hat der Gerichtshof nach langer Zeugenvernehmung erkannt, daß sich der Angeklagte der Beleidigung der Strafkgmmer des LgndgerichtS schuldig gemacht, die ,h>i in einem früheren Verfahren verurteilte. Die ZeittmgSberichte über seine Rede, die durch Zeugen heute erschüttert werden sollten, wurden als zuverlästig anerkannt, aber Graf Pückler trotzdem nur zu einer Geldstrafe von 600 Mk. verurteilt. Ein bewegtes Leben. Das Gericht der 1. Marine-Inspektion zu Kiel hatte gegen den Matrosen Elev zu verhandeln und ver- urteUte den Angeklagten zu der geringsten gesetzlichen Strafe, 150 Mk. Geldbuße. Cleo hat seinen Fehltritt schon schwer gebüßt. Er wanderte hn Jahre 1899 vor seiner Aushebung nach Belgien aus. Als er dort keine Arbeit sand, lenkte et seine Schritte nach Patts; wo er auf dem Terrain der Ausstellung Arbeit zu finden hoffte Da auch hier seine Hoffnung zunichte wurde, ging er nach bourg. Nachdem er von dort aus einige kleine Seefahrten gemacht hatte, meldete er sich eine? Tages beim deutschen Konsul, um nach Deutschland geschafft zu werden. Ter Konsul bedeutete ihm, aus einem nach Deutschland fahrenben Schiffe gegen Arbeit Freisahtt nachzusuchen. Vielleicht wäre eS Elev gelungen. Zu seinem Unglück beteiligte er sich aber an einer Kneiperei, und im Zustand der Trunkenheit ließ er sich für die Fremdenlegion an werb en. Der Transport ging sogleich von Statten. Erst m Matteille kam Elev zur richttgen Besinnung. Schon nach kurzer Dienstzeit in Algier machte er einen Fluchtversuch, wurde aber eingefangen und wegen Desertion tu drei Jahren Gefängnis verurteilt, durch besondere« Gnadenakt jedoch schon nach acht Tagen begnadigt. Bi« zum September d. Js. hat er dann getreulich seinen schweren Dienst versehen, bis ihm als Posten an der marokkanischen Grenze die Gelegenheit geboten wurde, nach Marokko zu entkommen. Mit ihm flohen einige Kameraden. Durch die Hilfe des spanischen Ronlull in Marokko gelangte Elev nach Malaga und van hier durch Vermittlung deS deutschen Konsuls nach Deutschland, wo er seit seiner Rückkehr bei der 1. Matrosen-Division dient. Handel und Verkehr. Valkswirtschasl. — Der AufflchtSrat der Charlottenburger «»fferwerke hat beschlosten, der gegen Ende Januar nächsten Jahres einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 13V4 Proz. vorzuschlagen. — Der Stadt Northeim wurde die AuSgabe von Mart 10000 00 3'/, proz. Anleihe genehmigt. — In der in Stralsund abgehaltenen Generalvettamml'mq der Vereinigten Stralsunder Svielkarten-Fabnken-Aktiengesellschaft wurde die sofort zahlbare Dividende auf 6 Proz. festgesetzt. — Ter Aussichtsrat der Zuckerraffinerie Braunschweig Hal eine Dividende von 4 Proz. (L D. 6 Proz.) vorgeschlagen. Märkte. Gießen, 5. Dez. Sei dem am 26. und 26. November hier stattgesimdenen Markte waren aufgehrieben 1016 Rindvieh 869 Schweine. Der nächste Markt findet am 9. und 10. Dezember statt- am letzten Tage auch Krämermarkt. Meteorologisl^e Beobachtungen der Station Gießen. Dezember Barometer auf 0' reduziert der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windttchtung Windstärke Detter 9“ $ 754,6 —7,1 9” f, 757,1 1 - 9,3 r* \\ 757,8 —12,1 1 1 Höchste Temperatur Niedrigste , 2.0 1,8 1,6 am 70 68 k-k k—k NR. N. 5. Dezemt 4 4 4 »er + Sonnenschein Bed. Himmel Hell. Himmel 5,6« a ),7' C. DrW.Knechts Magenbitter ,Santis,erstklassiges Hilfsmittel leiüiaiigelhaftem Stoffwechsel,ärztlich inpt und empfohlen irntiS^lasdic M.250, Pi obeflaschu M.1, urlidItI >>t> 6 FH« -i"ä. 18JK 6 C*r 4 k 4 18". ' 1 M'l 1*80 IM 4 BMWin Ntl Unlfi um dem riet dauSwosi lenen. 5 mesier de! Iich des'el -■ des Kriäk aehallm a t Um ( nährend fefiubiiä ht VuH , 'öaflert t müeen 1 wirb. — ! DXldX bfi b ieutn, »1 burri tanr VA «bl kii Vehu Wm wie tldp tfcmun, f anderen dierüder fünft, ree "4 »dl Ifltungtn 8»hnn( rnnen (x Klofett, । IMftieit ‘w Unü) tm Cddx fltnÜQenb ** pchmü r Wuler# । merrn d "er »oh oderähnl Iich dj, t aller © fl Oaeebrfi v, Turct Mn En werd Ptitittn. rfn- ,T IMT, Bit oeranhcoTtOT.''. "kn rotirbtn |« ?n. tzksl •mitete oul ■ wird mit bemiß im "lie luslom^ Wl bft 6hPl Wen die 'die erstens tl Tie bffaupn w 9)orf iei i» "anbfleri*t der beniM iber oerw ■taufe wrz identen Sht» >lich, ob 5- till habe, - qefiihrtni fcr. Hof ntitb Infi e bttW/pj acht tot ifn in inriMilf iita n büirn, nutbw «n am rinn iamr^nsvrltie» mdeln unb et? i Straft, 160®. ■er aebiikt. fc di Aetzim mj ’tte noch Par finden boF er m-6) ilahtitn fiere: Mui, um xi Miete ibn « Arbeit Fnilck Zu smm u» unb im Zustarl onnxrbflL t# irftite fam 61" nfiytt in Aiqik! mqen and rvfflffl burdi hrfoubttti t. W |um ke? >M Timst M 1 ©renje btt w mmen. 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Dies geschieht dadurch, daß zuerst der vor dem Wassernder beflndliche Hauptabsperrhahn geschloffen und dann das seit- lifi desselben beflndliche Entlcerungshähnchen, nachdem em paffen- leS Gefäß unterqestellt, geöffnet wird und dies so lanae geöffnet ,'batten wird, öis das in der Hausleitung stehende Wasser voll- HS ndig abgelaufen ist, worauf bezeichnetes Hähnchen wieder ge- en gros Spielwaai*6" C>’T'ntt**nm»rhninck in reichhaltigem Sortiment D-ioße Auswahl in gekleideten Puppen von 5 Pfennig an, Puppenstuben- und Puppeukücheu-Artikel. 8.77 Jilligste Bezugsquelle fämtl. Spielware« für Wiederverkaufer NB : Gleichzeitig mache ich meine verehrte Kundschaft darauf artf- daß während bei Aufbruches der Wefisteinstraße der Weg Dieni die Kirchstraße am besten zu unferm Geschäft TUnrt Ptcise seit 10. Ami 1902: Für den Gentner ab Stück-CokeS.............. Nutz-CokeS, ausschließlich trocken gelagert, fn zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Of enf chäch te pgffend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas großer als durchschnittliche Korngröße deS AnthracU, gang- NntzcokeS Nr. 1.....1,15 , Nutzestes Nr. 2.....1,20 , Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Gentner. Für Anfuhr au daS HauS werden 5 Pfennig für den Centn er berechnet „ . ... , „ , NB. Sofern da? Verbringen der Cokes — btS zu 6 Gentnern — auf die bett. Lagerplätze (Keller, Stall ic.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet mir ein Verkauf von über 5 Centn er Lokes statt: dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der KltMttkllilf der Eascukes von 1 bis 5 Gentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Bacheuheimer <6 Schaumberger, Marburgerstraße 22, Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 34, Gebr. Kahl, Frankfurterstratze 151, Ed. Kltukel, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Ptstor Nachfolger, Marktstraße 1(^ Georg Schäfer, Licherstraße 2, August Struck, Bismarckstratze 6, Georg Unverzagt, KaplanSqasie 5. Diese Firmen berechnen obensteheirde Preise unserer Gaseokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Gentnern. __ Die Preise unserer GascokeS für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung «ietzcu ermätzignr sich um den Betrag der Vctroirückvergütuug von 4 Pfg. für den Gentner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches Gas- nnd Wasserwerk Gießen. Th. EM Schloßgaffe 16. Rohrsessel und Blumentische billigste und feinste zromdvowöbkt Theetlsche Hocker Sessel Triumph-Klappsessel jeder Lage ohne Aufstehen verstellbar. Telephon 27. 8361 Cognac X Ich habe vor dem WeihnaehtufeRte Hne prfisRere A"iahl Herren- und Knaben-Paletots Herren- und Knaben-Pelerinen-Mäntel i«noh eine Amahl 8445 Knaben - Anzüge ansranziert, xrelche ioh be-ieatend ant^r dem HerstellanzgprpiR einrein nnd in Partien abgebe. Dieeelben bestehen aaBnehmslne a»8 guten Qaalitä en, die dadurch inrnckgeeetet Rind, weil eie eineeteile der neuesten Mode nicht mehr entsprechen, andernteile in den Schaufenstern etwas gelitten haben. Carl Frensdorf Stossen wird. Um eine vollständige Entleerung zu erwirken, ist es geboten, mährend derselben daS in dem obersten Stockwerk des HauscS le§udliche Zapfventil der Hausleitung offen zu halten, damit lie Luft ZutrM in die Leitung erhalte. — Ein größerer Teil des Koffers kann auch schon durch das Zapfventil der untersten Küche pitieert werden, wodurch die Entleerung tm Keller vereinfacht pitb, _ Nach stattgehabter Entleeruiw sind die beiden Zapfvenlile,, welche dem Eintritt der Lust und der Entleerung des Wassers hauen, wteder zu schließen. ! Das Schlietzen deS HanPtabsperrhahneS erfolgt durch Auffetzen des beiaegebenen Schlüffe iS auf den vier- kantigen Hahnzapfen und Drehung im Sinne eines Uhrzeigers, bis Widerstand erfolgt. — Das Oeffueu des Hanpt- absperrhahncs geschieht durch Drehung in entgegengesetztem Sinne, bis Widerstand erfolgt. Behufs Wafferenmahme muß deS Morgens der Hauptabsperr- (aljn wieder vollständig geöffnet werden. Abzweigleitungen nach Waschküchen, Badezimmern, Hos- iinrnert, Gärten usw. sind während des Winters mittelst ihrer be- or iberen Vorrichtungen aus ähnliche Weise zu entleeren und erteilt herüber im Besonderen am besten derjenige Installateur Aus- luerft welcher die betreffende Leitung gefertigt hat. Bei auhalteu- »t r antzerordeutlicher Kälte empfiehlt es sich, die Wasserentnahme während des TageS auf kürzere festgesetzte ^eit zu be- slwräukeu und während der übrigen Tageszeit die Hauswaffer- ■ letiunflcn gleichfalls in oben angegebener Weise abzustellen. Dem I Li-«frieren solcher Wafferleltungen, welche durch Küchen unbenutzter B shuungeu geführt sind, kann man durch Unterhaltung eines Urmen Herdseuers vorbeugen. Auch empfiehlt es sich, m kaUcu SU»sett° oder sonstigen ungeheizte« Räumen, durch welche die L.Verleitung führt, sofern daselbst die Leitung nicht schon durch time Umhüllung gegen Kalte geschützt ist, die Tempnatur durch iin Oeichen oder geeigneten Falls etwa durch eme Gasflamme auf jttnünenber Höhe zu erhalten. Sehr kalt stehende, insbesondere auch abgestellte und voruber- idtcnb nicht in Gebrauch befindliche Klosetts (rote in Bereins- iaiulem ufro.) werden durch Einstreuen von etwas Salz (Viehsalz) m das Schlußwaffer des Syphons (Wafferabschluffes) gegen Aui- titren der Schüffeln geschützt. Die Waffermeffer nebst dem nachstanschlietzenden Teil »er Rohrleitung sind während des Winters mit Stroh, Säcken Ata ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte zu untkleiden, auch nameirt- iiä) die betr. Kellersenster geschloffen zu halten. — Die Herstellung Mer Waffermeffer, die in Folge ungenügenden Schutzes iegett Stillte Schaden erleiden, erfolgt anf Rechnung der ^Durch^die empfohlenen Vorkehrungen wird dem Wafferabnehmer )ie Lieferung des Wassers möglichst gewährleistet, dem Hausbesitzer iter werden Beschädigungen an Leitung und Gebäude fern it halten. Wir empfehlen daher vorstehende DorfichtSmatz- mein alle« Beteiligten zur ganz besonderen Beachtung. Reparaturen und Anschauung von Hauswafferlettungen werden ne schnellsten von denjenigen Hnstallationsgeschaflen besorgt, welche )ig betr. Hauswafferleitungen s. Zt. ausgefuhrt haben. Gießen, den 11. November 1902. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gieheu. Ctto Bergen._________________7897 Seb litt schuhe m su»2 Emil Pis’or Nachfe1 Warktdr. 10. Couverts mit Zlrma billigst vrühl'sche llnioerstläts-vruäerei. I f Spezialität Kaffees 0° in Course vom 27'11.1 4.12. 11 Eourse vom 27. 11.1 4. 12. 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National-Bk Schaffblr Bkv.. Oest. Cred.-Akt. 155.- 87.60 155.50 136- 210.90 187.- 141.90 115.- 112.90 209.75 154.25 88- 156.10 136 - 211.10 189.-- 143 - 115 40 118 80 211.10 4 SV, 4 3