Nr. 208 «-scheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Sesflfchen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh loschen Untvers.-Buch. u.(Sieht- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7, Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 61. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Freitag 5. September 1902 GichenerAnzelger General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Bezugspreis: monatlich 7b Ps., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal 12Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polil. u. allgem. Teil: P. Wittko; für »Stadt und Land* und .Gerichtssaal*: Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Aas Kaiserpaar in Aasen, in. Posen, 4. Sept- Der Kaiser nahm heute früh den Vortrag des Reichskanzlers entgegen, mit dem er auch gestern abend nach dem Zapfenstreich gearbeitet hatte. Zur Enthüllung des von Bildhauer Böse-Charlottenburg aeschaffenen Kaiser Friedrich-Denkmals trafen der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, die hier anwesenden Prinzen, der Reichskanzler, die drei Kabinettschefs und bas Gefolge vormittags 11 Uhr am Wilhelms- Platz ein. Die Herrschaften nahmen unter dem Kaiserzelt Aufstellung. Zur Feier fanden sich ferner ein: Finanz- mtnister v. Rheinbaben, Kriegsminister v. Goßler, Minister des Innern Frbr. v. Hammerstein, Kultusminister Studt, die Spitzen der Zivilbehörden, die Generalität, die Fürstlichkeiten, Darunter Fürst Ferdinand von Radziwill und die Geistlichkeit beider Konfessionen. Auf den Tribünen und den angrenzenden Straßenzüaen hatte sich das Publikum zahlreich angesammelt. Nach herzlicher Begrüßung der Anwesenden durch den Oberbürgermeister schritt der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie ab. Sanger intonierten Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." Hierauf hielt Witting die Festrede. Er dankte dem Kaiser für das Gnadengeschenk, das er der Stadt machte. Er erinnerte an die Beziehungen der Stadt zu Kaiser Friedrich, der in den Herzen der Posener schon lange ein Denkmal habe, betonte, daß die Errichtung des Standbildes dem neuen Provinzialmuseum gegenüber ein Symbol für die Pflege von Kunst und Wissenschaft in der Ostmari' im Sinne Kaiser Friedrichs sei und gedachte zuletzt in warmen Worten auch der Kaiserin Friedrich. Auf einen Wink des Kaisers fiel die Denkmalshülle. Der Vorsitzende des Denkmalkomitees, Oberprüsident von Bitter, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Er führte in seiner Ansprache aus, Liebe und Dankbarkeit hätten das Denkmal errichtet, sie würden es in treue Obhut nehmen bis in die fernsten Geschlechter. Er gelobe namens der Provinz Treue bis in den Tod. Viele Kränze, darunter von den Stadtbehörden und von Vereinen, wurden niedergelegt. Als erster legte der Kronprinz einen Kranz nieder. Der Kaiser besichtigte das Denkmal und zog den Künstler und viele Anwesende in ein Gespräch. Prinz Ludwig von Bayern wurde lebhaft begrüßt, als er nach der Denkmalsenthüllung das 97. Infanterie-Regiment beim Kaiser vorbeiführte. Nach der Enthüllung begaben sich Das kaiserliche Paar, der Kronprinz, die Prinzen, der Reichskanzler und die Minister nach dem Landeshause, wo die Provinzial- stände versammelt waren. Provinzial-Landtagsmarschall Frhr. v- Wilamowitz-Möllendorff hielt die Huldigungsansprache und bot dem Kaiser den Ehrentrunk. Der Kaiser antwortete: „Die patriotischen Worte, durch welche Sie mir und der Kaiserin die Gesinnungen der Provinz Posen entgegengebracht haben, erfüllen unsere Herzen mit Freude und Dank. Sie finden ihre Bestätigung durch den patriotischen Empfang feitenS der diesigen Bevölkerung. Wir befinden uns hier in einer treuen deutschen Stadt und treu ist die Arbeit, welche die Deutschen zur Hebung des Landes hier vorführen. Soll diese Arbeit, deren Endziel die Hebung von Land und Volk ist, zum Nutz und Frommen des Ganzen gelingen, so ist es notwendig, einmal, daß die Deutschen ihren Erbfehler des Parteihaders ablegen, daß der Einzelne das Opfer seiner ausgeprägten Individualität 8it bringen bereit ist, um in der Gesamtheit mit Allen vereint zu wirken, so roie einst die Ritter oes deutschen Ordens, auf perfönliche Ungebundenheit und Bequemlichkeit verzichtend, sich zu dem festen Gefüge des Ordens zusammenscharten, um in anhaltend harter Arbeit die deutsche Kultur zu verbreiten. Zum Anderen versteht es sich von selbst, daß meine Beamten unbedingt nach meinen Direktiven und gehorsam meinen Befehlen ohne Zaudern die Politik durchführen, welche ich für das Wohl der Provinz als richtig erkannt habe. Das ZusamnHn- wirken von Volk und Beamtenschaft unter der Leitung der Krone wird nicht ermangeln, im Laufe der Jahre die segensreiche Entwicklung der Provinz.zu fördern. — Ich beklage tief, daß ein Teil meiner Unterthanen nichtdeutschen Stammes sich nur schwer in unsere Verhältnisse zu finden scheint. Der Grund dazu durfte in z w e i Irrtümern zu suchen sein. Einmal wird in ihnen wachgehalten die Besorgnis vor Antastung ihrer Konfession. Wer behauptet, daß meinen Unlertbanen katholischer Konfession Schwierigkeiten in derAusübungihresGlaubens gemacht oder sie gezwungen werden sollen, von demselben zu lassen, macht sich einer schweren Lüge schuldig. Meine ganze Regierungszeit und meine Worte inAachen beweisen, wie hoch : ch die Religion d. h. das persönliche Verhältnis zu seinem Gott achte, und er beleidigt durch eine solche Verleumdung den Nachfolger des großen Königs, der erklärt hat, ein Jedersolleaufse:neFa?onseligwerden. Der »weite Irrtum ist der, daß die Beforgniß wacherhalten wird, daß die Stammeseigentümlich keilen und Ueberliefe- rungen ausgelöscht werden sollen. Dem ist nicht so. Das Königreich Preußen fetzt sich aus vielen Stämmen zusammen, welche stolz sind auf ihre frühere Geschichte und ihre Eigenart. Das hindert sie jedoch nicht, vor allen Dingen brave Preußen zu sein. So soll es auch hier sein. Ueberlieferungen und Erinnerungen können ruhig bestehen, allein sie sind Geschichte, dec Vergangenheit angehörig. Jetzt kenne ich hier nur fß reufeen, und ich bin es der Arbeit meiner Vorfahren schuldig, dafür zu sorgen, daß diese Provinz unauflöslich mit der preußischen Monarchie verknüpft ist, daß sie stets gut preußisch und gut deutsch bleibe. Diesen Becher, gefüllt mit dem Saft der Reben, die an den Ufern des schönen Rheines gewachsen sind, leere ich auf das Wohl der Provinz Posen und ihrer Hauptstadt an der Warthe!* Die Rede machte gewaltigen Eindruck. Als sie gegen! 3 Uhr in der Stadt bekannt wurde, begrüßte man sie in der ganzen Stadt mit großer Freude, insbesondere in polnischen Kreisen erregte sie allgemeines Aussehen, umsomehr als der Kaiser entgegen seiner Marienburger Rede äußerte, er beklage etz tief, baß ein Teil seiner Unterthanen nichtdeutschen Stammes sich nur schwer in unsere Verhältnisse zu finden scheine. Mit sichtlicher Zufriedenheit nahm man zum größten Teil in deutschen Kreisen und auch in der polnischen Bevölkerung die Worte entgegen, jeder könne nach seiner Fa- gestrat, die Stadtverordnetenversammlung, mit Ausnahme der polnischen Mitglieder, anwesend waren. Tas Kaiserpaar besichtigte die neuen Stadt- erweiterungspläne, welche von Oberbürgermeister Witting erläutert wurden. Alsdann trug sich der Kaiser, die Kaiserin und der Kronprinz in das goldene Buch der Stadt ein, worauf sie nach erfolgter Verabschiedung namentlich von Oberbürgermeister Witting, das Ständehaus verließen. Die Kaiserin besuchte am Nachmittag die Krankenanstalt der Barmherzigen Schwestern, das Tiakonissenhaus und die Haushaltungsschule. Im ersteren war der Erzbischof v. Stablewski anwesend. Der Kronprinz unternahm heute nachmittag mit seinem Adjutanten eine Radfahrtour über Große Schleuse nach der Tombau-Insel. Mit Litewka und Mütze bekleidet, wurde er nicht gleich erkannt. Er begab sich in den Dom, bann in die Marienkirche und kehrte über die Wallischei zurück. Beim Heraustreten aus der Kirche wurde der Kronprinz erkannt und vom Publikum mit Hochrufen begrüßt. Heute abend 7 Uhr fand bet den Majestäten in den Räumen des Provinzial-Museums ein Diner für bie Provinz Posen statt. Bei dem Mahle saßen an der Haupttafel der Kaiser rechts von der Kaiserin, neben dem Kaiser zunächst Prinz Ludwig von Bayern, Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff, Prinz Friedrich Leopold, Hofdame Gräfin Stolberg, Prinz Heinrich XXVIII. Reuß, Generaloberst von Hahnke, Fürst zu Fürstenberg; neben der Kaiserin der Kronprinz, Hofdame Fräulein v. Gersdorff, Prinz Albrecht von Preußen, Herzog Emst Günther, Reichskanzler Graf Bülow, General Ofraf Schliessen, Wirkl. Geh. Rat v. Lucanus; den Majestäten gegenüber Oberpräsident 0. Bitter zwischen dem Fürsten Rabolin und dem Fürsten Ferdinand Radziwill. Nach rechts folgte zunächst Provinz-Landtagsmarschall von Wilamowitz-Möllendorff, Regierungspräsident Tr. Kruse, Präsident der Ansiedlungskommisswn Tr. v. Wittenburg, Oberlanbesgerichpspräsident Dr. Gryczewski, neben dem Fürsten Radziwill Generalsuperintenbent Tr. Hesekiel, Regiemngspräsident Krahmer, Vorsitzender des Landesaus- ausschusses v. Günther, Landeshauptmann v. Tziembowski. Gras Bülow empfing heute eine Abordnung her Stadt Bromberg, bestehend aus Oberbürgermeister Knobloch, Stadtvevorbneten-Vorsteher Prof. Bocksch und Rechtsanwalt Wolffen in der Angelegenheit der Errichtung eines landwirtschaftlichen Instituts in Brom- berg. Der Reichskanzler betonte sein Interesse für die Stadt Bromberg und teilte der Abordnung mit, daß bereits für den nächsten Etat die erforderliche namhafte Summe für Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation nebst agrikulturchemischem, physiologischem und bakteriologischem Institut und entsprechenden Lehrkräften in ' Bromberg angemeldet feien. Auch sprach ich Graf Bülow für die gewünschte Erweiterung des Holzhafens in Brah emünd e aus. Die Haltung der Bevölkerung ist musterhaft. Aus der ganzen Provinz sind die Deutschen hierher geströmt, um den Kaiser zu sehen. Auf her Straße bewegen sich auch viele Polen. Das Kaiserpaar, der Kronprinz und der Reichskanzler werden, wo sie sich zeigen, jubelnd begrüßt. Das Wetter ist herrlich. Bei Besprechung der Ansprache des Kaisers än die russischen Offiziere bei der Galapafel im Pro- Vinzial-Museum zu Posen sagt die „Post": Diese Ansprache lege vor aller Welt Zeugnis ab, welche herzliche Freund- chaft das deutsche und russische Kaiserhaus miteinander verbindet. Daß bie Erwähnung dieser Waffenbrüderschaft kein leerer Klang fein soll, gehe aus dem Entschluß des Kaisers hervor, das Rayongesetz für Posen aufzuheben. Auch die Unterstützung der „treuen persönlichen Freundschaft zwischen beiden Monarchen" werde ihren Eindruck auf alle jene Leute nicht verfehlen, die noch immer von unausgleichbaren Gegensätzen in den Charakteren des Kaisers und des Zaren zu reden belieben. Aber auch bas gehe aus der Ansprache des Kaisers hervor, daß beide Staaten gewillt seien, ihre Unterthanen polnischer Sprache gerecht und für- sorgend zu behandeln, daß sie aber allen polnischen Treibereien entschlossen entgegentreten würden. — Tie „Berl. Neuesten Nachr." sehen in der Waffenbrüderschaft zwischen den beiden Heeren und in der Freundschaft zwischen den beiden Monarchen die geschichtliche Grundlage bezeichnet, auf der sich lange Zeit hindurch die Freundschaft zwischen den beiden Nachbarstaaten zu einem festen Bande entfalten dürfte. — Tie „Dtsch. Tagesztg." hofft, daß bas Mort von ber Waffenbrüderschaft in Rußland richtig verstanden werden möge, so wie es sicher gemeint worden sei. Tas Ziel solchen Zusammengehens müsse immer die Erhaltung des Friedens sein. — Tic „Voss. Z t g." sagt, der Trintsprnch zeige, daß zwischen Rußland und Teutsch- land und zwischen ihren Herrschern zur Zeit ein herzliches Verhältnis besteht , herzlicheres, als jemals seit dem Regierungsantritt des heutigen Zaren, und daß Frankreich keinerlei Aussicht auf russische Unterstützung hätte, falls es Herrn Anbrs und seinen Freunden gelänge, den „Soldaten ber Zukunft" gegen bas Deutsche Reich mobil zu machen und einen abenteuerlichen Rachekrieg zu beginnen. Tieses Eindruckes werde man sich auch jenseits ber Vogesen nicht erwehren können. Ter wiederholt vorn Kaiser gebrauchte Ausdmck: „Waffenbrüberschaft" brängt uns bie Frage auf, ob die jüngste Begegnung ber Herrscher zu einer Militärkon- ö e n t i 0 n geführt habe. Der Ausdmck ist aber schon mehrmals in der Vergangenheit gefallen, z. B. in den^aiserlichen Depeschen an seine russischen Regimenter. Trotzdem ist natürlich die Accentuierung dieses nahen Verhältnisses in Verbindung mit dem auszeichnenden Empfang der russischen Offiziere, mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den General Tscherkow in hohem Grade bemerkenswert und ein politisches Ereignis. Eines bedarf allerdings der Aufklärung: Ein Londoner Blatt, bie „Daily Mail", läßt sich melden, die russischen Offiziere hätten mit den reichen polnischen Familien fraternisiert und sie versichert: „Wir sind Eure Brüder!" Man könnte diese Mitteilung ohne weiteres „zu dem Uebrigen legen", zu der bekannten englischen Liebenswürdigkeit, den „Wettern" die Freude zu verderben. Aber wir haben in der „Berl. Morgenpost" ganz ähnliches gelesen, von einer Zus ammen tunft russischer Offiziere mit Polen im „Bazar", unter Absingen polnischer Lieder usw. Wie gesagt, das bedarf der Auf- tlärung, eben weil es kaum glaublich ist, daß bie Gäste bes Kaisers, die Beauftragten eines nah befreundeten Herrschers, )icf) einer derartigen Taktlosigkeit, um kein schärferes! Wort zu gebrauchen, schuldig gemacht haben sollten. Und machen bie Polen Rußland selbst etwa nicht zu schaffen? Es liegt im Interesse ber russischen Regierung, Diesen von mehreren Seiten kommenden Berichten auf den Grund zu gehen und ein Verschulden alsbald und unnachsichtig zu ahnden. Es ist ganz undenkbar, daß deutsche Offiziere, nach Petersburg entsandt, dort auch nur vorübergehend Verkehr pflegen würden mit Persönlichkeiten, bie in so ausgesprochener Opposition stehen, wie es zur Zeit bei den Polen ber Fall ist.Tie zweite Ueberraschung ber Posener Kaiser tage ist bie Ernennung des Oberprchidenten der Provinz Posen, v. Bitter zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Blättermeldungen zufolge hat sich der Kaiser nach der iTenkmalsenthüllungsehr freundlich mit dem Oberpräsidenten unterhalten. Tas bedeutet, daß der „F a l l L ö h n i n g" Herrn v. Bitter keinen Schaden gebracht hat und wohl ebensowenig dem Minister Frhr- v. Rheinbaben. Die neueste Kaiserrede wird besonders alle die er* freuen, die etwa ein scharfes Pronunciamento gegen den Polonismus befürchtet hatten. Em solches ist ausgeblieben, im Gegenteil ist die Tonatt des Kaisers so versöhnlich als würdig, ohne alle unnötige schroffe Heroorkehrung des Preußen- und Hohenzollerntums, konfessionell wie politisch konziliant. Die Anerkennung des schonen Wottes Friedrichs des Großen als Richtschnur für unsere Zeit wird in allen deutschen Gauen lebhafteste Befriedigung Hervorrufen, und e§ ist anzunehmen, daß die so klugen und guten Kaiserworte ganz besonders von denen wohl verstanden werden, an die sie in erster Linie gerichtet sind. Mögen ihre wünschenswetten Wirkungen nicht ausbleiben! Deutsches Keich. Berlin, 4. Sept. Einer Bukarester Meldung zufolge wirb Kaiser Wilhelm demnächst den Besuch des Königs? Karol von Rumänien erhalten. Es sei nicht bekannt, ob bie Zusammenkunft zwischen beiben Herrschern in Berlin ober in einem bayerischen Orte stattfinden werde. Es verlaute ferner, ber deutsche Kronprinz werde den mmänischen Armeemanövern beiwohnen. — Ter Kaiserin ist vom hiesigen japanischen Gesandten Jnouye im Auftrage der japanischen Kaiserin ber japanische Orden Hokansho (Orden der Krone) überreicht worden. — Tie konservative Fraktion des Reichstages wird am 20. September, bie deutsche Reichspartei eben- alls am 20. September, das Zentrum am 16. September zusammen treten, um sich über die zweite Lesung des Zolltarifs in der Kommission schlüssig zu machen Die anderen Frakttvnen haben ihre Sitzungen noch nicht angesagt. — Tas vorläufige Programm für den national- liberalen Parteitag in Eisenach vom 10. bis 1H Oktober ist wie folgt festgesetzt worden: Allgemeine Stellung der Partei (Abg. Tr. Bassernurnn und Geh. Jusftzrat Prof. Tr. Kahl,. Finanzielle Beziehung der Emzelstaaten zürn Reich (Abg. Dr. Sattler). Verkehrswesen im Reich und in den Einzelstaaten (Aba. v. Eynern). Wirtschafts- unü Handelspolitik (Abg. Prof. Tr. Paasche. Abg. Roll- fuß-Zittau-. Fragen der Mittelstanbsp olitik (Dr. Hugo Bottger. Abg. Dr. Eckels-, Kolonialpolitik (Abg. Prof. Dr. Hasse-. Sozialpolitik (Abg. Pros. Dr. Hieber. Abg. Hilbck). Organisation und Wahlvorbereitung (Generalsekretär Patzig. Rechtsanwalt Tr. H. Fischer-Köln). — Die Stadtverordnetenversammlung nahm den bereits gemeldeten Antrag der alten Linken, neuen Linken und der freien Fraktion, dem sich die Sozialdemokraten anschlossen, betreffend die Fleischteuerung, hervorgerufen durch Hemmung der Einfuhr, an. Krefeld, 4. Sept. Gegen den in Aachen am 31. August gefaßten Beschluß der Delegierten des Web er - verbandes und verwandter Berufsgenossen betr. die Verschmelzung mit dem deutschen Textilarbeiter- verbande, wurde vom Vorstand des Weberverbandes Einspruch erhoben, da nach dem Statut derartige Beschlüsse mit einer Stimmenmehrheit von sieben Achteln erfolgen müssen. Ter Aachener Beschluß wurde mit 29 gegen 25 Stimmen gefaßt Tie gestern abgehaltene Versammlung der hiesigen Filiale des Weberoerbandes, die gleichzeitig den Hauplvorsland stellt, erhob gleichfalls Ein- spruck) gegen den Verschmelzungsbeschluß. Mannheim, 4. Sept. Ter 4. Kongreß des deutschen Verbandes für kaufmännisches Unterrichtswesen wurde heute nachmittag durxh. den Vorsitzenden Regierungsral Tr. Stegemann-Braunschweig eröffnet. Tie Teilnehmer wurden begrüßt namens des Reichsamts des Innern durch Geh. Reg.-Rat van der Borght, im Auftrage der badischen Regierung durch den Geh. Oberregierungsrat Psisterer-Mannhetm, namens des Großherzoglichen Oberschulrates zu Karlsruhe durch Regierungsral Mair. Ansprachen hielten ferner Oberbürgermeister Beck-Mannheim namens der Stadt, Tirektor Hoftmann namens der Mannheimer Handelskammer, Realschuldirektor Loeßl-Ludwigs- hafen namens der Stadt Ludwigshafen. Tie geschäftlichen Verhandlungen nehmen morgen ihren Anfang. Stuttgart, 4. Sept. Ter Gemeinderar nahm mit allen gegen die Stimme eines Konservativen einen Antrag an, durch welchen das Ministerium ersucht wird, bei dem Bundesrat und dem Reichskanzler für die O e f fn un g d er Grenzen zur unbehinderten Einfuhtc von lebendem Schlachtvieh, insbesondere Schweinen, einzutreten. München, 4. Sept. Tas Gemeindekollegmm beschloß heute, das Staatsministerium zu ersuchen, alle Schritte beim Bundesrat und beim Reichskanzler zu thun, um die Einführung von Vieh möglichst zu erleichtern und die Einführung von Schweinen aus Rußland zu gestatten, sowie gegen jede Zollerhöhung aus Fleisch hinzuwirken. Heer und Flotte. Wiederholte Zulassung zur Prüfung für den einjährig-freiwilligen D i e n st. Der Reichskanzler hat vorbehaltlich der Abänderung der Wehrordnung genehmigt, daß bei Anträgen von Bewerbern auf wiederholte Zulassung zur Prüfung für den einjährig-frei- willigen Dienst vor den Prüfungs-Kommissionen schon jetzt nach folgenden Grundsätzen zu verfahren ist: „Besteht em Bewerber die Prüfung vor der Prüfungskommission nicht, so ist eine einmalige Wiederholung zulässig. Ist auch diese erfolglos, so darf der Bewerber von der Ersatzkommission 3. Instanz nur in ganz besonderen Aus- nahmesällen zum dritten Male zur Ablegung der Prüfung zugelassen werden. Tie Bestimmungen der Anlage 2, § 16 der Wehrordnung, wonach a) für die wiederholte Zulojsung Voraussetzung ist, daß bie Prüfung noch vor dem 1. April des Kalenderjahres erfolgen kann, in welchem die Bewerber das 20. Lebensjahr vollenden; b) die Prüfung sich in jedem Falle auf sämtliche Prüsungsgegen- tände dertzZ 1 uird 2 der Anlage 2 erstreckt, bleiben auch einer in Kraft. In dem Gesuch des Bewerbers zur Prü- ung ist anzugeben, ob, und wie ost und wo sich der Betreffende eine Prüfung vor einer Prüfungs-Kommission bereits unterzogen hat." Die Kgl. Generalkommandos haben in Gemeinschaft mit der in Betracht kommenden Zivilverwaltungsbehörde die ihrem Bezirke befindlichen Prüfungs-Kommissionen mit Weisung zu versehen. Ausland. London, 4. Sept. Lord Roberts, Kriegsminister Brodrick, sowie die Generale Kelly-Kenny, French und Jan Hamilton sind heute nach Deutschland abgereist, um den Kai s erm anö v e rn beizuwohnen. — Seit dem 7. Juli wurden, wie aus Kapstadt gemeldet wird, 480 Offiziere und 90000 Mann aus Südafrika nach England und den Kolonien zurückbesördert. — Aus k a p st a d t wird ferner berichtet, daß die h o l ländischen Farmer der Kolonie alle englischen Händlerboykottiert haben. Die Letzteren beschwerten sich deswegen bei dem Premierminister Sprigg, wurden aber von diesem mit der Begründung abgewiesen, daß er hieran nichts ändern könne. Budapest, 5. Sept. Tie serbische Bank in Agram wurde unter militärischen Sck-utz gestellt, da Drohbriefe vorliegen, diese in die Luft zu sprengen. Vrele Verhaftete erklären, daß sie von Agitatoren bezahlt wurden. In Semlin herrscht eine derartige Erregung, daß dorthin sowie nach Sis s ek, wo ernste Juden krawalle drohen, Militär entsendet wurde. Belgrad, 4. Sept. In Wranja (Südserbien) sand ein Anschlag auf den früheren Abt Sawa, Archiman- driten des Klosters Gabrowatz ^Diözese Risch), statt, angeblich weil er die Amlsthätigkeit des Bischofs Mkanor von Risch in Schriften kritisierte, wodurch eine Untersuchung gegen Nikanor nötig wird. Der Archimandrit Sawa war seit kurzem im Kloster Leptschinje cingesperrl, um Buße zu thun. Er wurde nach Wranja befördert, um vor Gericht gestellt zu werden. Er reizte ben ihn begleiteten Vorsteher be« Klosters Leptschinje auf der Reise durch beleidigende Sck)mähungen, worauf Letzterer ben Anschlag gegen Sawa aiK'übte. Petersburg, 4. Sept. Das offizielle, vom Leib- accoucheur Professor Ott und bem Leibchirurgen Dr. Hirsch ausgegebene Bulletin über eine Fehlgeburt ber Zarin wird in informierten Kreisen angezweifelt. Wie verlautet, soll es sich hier um einen seltenen Fall von eingebildeter Mutterschaft handeln Medizinische Fachmänner halten es für unmöglich, daß, nackdem her Zustand guter Hoffnung bereits neun Monate über dauertr also ein normales, aber totes Kind haue gcvoren werden müssen, eine Fehlgeburt so ungefährlich verlaufen könne, daß nicht einmal Erhöhungen der Temperatur und des Pulsschlages bei der Zarin ein getreten wären. Rach einer Version soll es sich um ein Myom handeln. (Myom ist eine gutartige, bis Kindskopf große, aus platten Muskelfasern bestehende Geschwulst, das nur operativ beseitigt werden kann. Red.) Dadurch könnte die Zarin wohl im Glauben bestärkt sein, daß sie sich in gesegneten Umständen befände. Die Zarin ließ sich zudem niemals untersuchen Erst gestern entschloß sie' sich, nach Professor Ott zt: chicken. Dieser Vertrauensmann habe nun konstatiert, das, 'eine Mutterschaft vorhanden sei. Tie damit verbundenen Erscheinungen kommen bisweilen vor. Allerdings könnte auch möglich sein, daß die Kaiserin nicht früher bemerkt haben möchte, daß sie eine Fehlgeburt schon vor einiger Zeit gemacht habe. — Wie aus Kopenhagen depeschiert wird, herrscht >ort eingelaufenen Privatmeldungen zufolge, am russi chen Kaiserhofe sehr gedrückte Stimmung vor. Tii Zarin bedarf absoluter Ruhe, ihr Befinden nimmt bisher normalen Verlauf. — Kaiser Nikolaus begiebt sich am 9. d. M. nach Kursk zu den Kaisermanövern und von dort mit einer Familie nach der Krim, wo dieselbe bis Dezember bleibt. Alsdann erfolgt der Gegenbesuch des Zaren beim König von Italien. Hongkong, 4. Sept. Tie Boxer in Canton erließen eine Bekanntmachung, in der sie das Volk aufreizen, i)ti Ausländer niederzumetzeln. Man glaubt, daß der gestern begonnene Bau der Canton-Hankau-Eisenbahn, owie die für die Bezahlung der Indemnität getroffenen Maßnahmen den Erlaß der Bekanntmachung veranlaßt haben. 43. Aenoffenschaftstag. n. Kreuznach, 3. Sept. In der gestern abend abgehaltenen Generalversammlung wurden Tirektor Rat Proebst (München) zum ersten, Justiz'- rat Dr. Alberti (Wiesbaden) zum zweiten und Lankdirektor Weinreis (Kreuznach) zum dritten Vorsitzenden gewählt. In der ersten Hauptversammlung teilte ber Vertreter bes preußischen Landwirtschaftlichen Ministeriums, Geh. Regierungsrat Brümmer, mit: Das Ministerium ür Landwirtschaft ist seit langer Zeit bestrebt, in den ihr unterstehenden landwirtschaftlichen Schulen das Genossenschastswe sen als Lehrgegenstand einzuführen. Der Anwalt Abg. Tr. C r ü g e r erftatete danach >en bereits gestern im Auszuge mitgeteilten Rechenschaftsbericht und bemerkt: Wir wollen weder Staatshilfe, noch daß in die Genossenschaften Parteipolitik getragen werde. Ich bin entfernt, ber sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einen Vorwurf zu machen, aber es ist doch nicht zu leugnen, >aß an ber Spitze einer großen Anzahl Konsumvereine notorische Sozialdemokraten stehen, die das Be- ’treben haben, mit Hilfe ber Konsumvereine die heutige Wirtschaftsordnung umzustürzen. (Rufe: Sehr richtig unb heftiger Widerspruch.) Unsere Genossenschaften dürfen den neutralen Boden niemals verlassen, wenn sie den von Schulze-Telitzsch ausgestellten Grundsätzen treu bleiben wollen. Leute, die in die Konsumvereine den Klassenkampf hineintragen, haben in unserem Verbände keinen Raum. (Stürmischer Beifall und heftiger Widerspruch.) Tie politische Parteistellung der Genossenschaftsmitglieder ist uns vollständig gleichgiltig. Wir können nicht mit Leuten weiter in gedeihlicher Weise Zusammenarbeiten, die, wie von den Konsumvereinen Hamburgs geschehen, in ihrem Wochenbericht einen Satz aus dem Buche des Tr. Riehn abdrucken, der da lautet: „Schulze-Telitzsch sucht mit bombastischen Redensarten die "Nacktheit der deutschen Genossenschaften zu verdecken". (Hört, hört!) Ich erkläre dies Buch für eine Schmähschrift ersten Ranges. (Stürmischer Beifall und heftiger Widerspruch.) Nur durch Festhalten an ben Grundsätzen von Schulze-Delitzsch werde es ben Genossenschaften möglich sein, bem Mittelstanbe und den Arbeitern zu helfen. (Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Tr. phil. Riehn-Bonn: Ich bebaute, baß Tr. Crüger mein Buch eine Schmähschrift genannt hat. Ich bin ein Verehrer von Schulze-Telitzsch. Ich habe nur sagen wollen: Schulze-Delitzsch nahm erst Anstand, aus dem von ihm Geschaffenen bie notroenbigen Konsequenzen zu ziehen. Die Schulze-Delitzschen Grundsätze sind nicht durchführbar, ohne rücksichtslose Ausschaltung der Konkurrenz. Ich stehe auf bem Standpunkt von Schulze-Telitzsch, Dr. Erüger hält aber an den vor 50 Jahren aufgestellten Grundsätzen fest, die längst der Lächerlichkeit verfallen sind. Dr. Crüger: Wie jemand, ber ben genannten Satz aufstellt, sich als Verehret von Schulze-Delitzsch aufspielen kann, ist mit unverständlich. Wir können es nicht dulden, daß unsere Genossenschaften zur Führung des Klassen- lampses benutzt werden. Abg. v. Elm-Hamburg: Indem wir an der Ausgestaltung der Konsumvereine mitarbeiten, stellen wir uno auf den Boden ber heutigen Wirtschastsorbnung. Die heutige Wirtschaftsordnung wird sich selbst umstürzen. Abg. Pöus-Dessau: Sollten Sie die Arbeiter aus Ihrem Verbände auöschließen, Sie haben ja noch vorläufig die Mehrheit, dann wird bas bet Entwickelungsfähigkeit ber Konsumvereine nicht ben geringsten Schaben thun (Beifall und Wib er sprach.) Arbeitersekretär Katzenstein-Mannheim: Ter ganze Kampf beschränkt sich lebigUd) auf die ston|umoereme. Die Ktebitvereine werden nach wie vor reaktionär bleiben. (Beifall und Lärm.) Mögen Sie uns ausschließen, Sie werden die Entwickelung der Konsumvereine nicht aufhalten. (Lebhafter Beifall und heftiger Widerspruch.) Frau Helene Steinbach-Hamburg: Tie große Entwickelung der Konsumvereine ist doch lediglich ben Arbeitern zu öerbanten. (Gelächter.) Wit haben niemals ui den Konsumvereinen Politik getrieben, wir haben nur ben Mut, bie Konsequenzen aus ben Grundsätzen bes Konsum- Vereins zu ziehen. ^Beifall unb Widerspruch.) Dr. Crüger: Ich will bemerken, baß bie Konsum- Vereine in ber Hauptsache durch bie Einführung ber beschränkt^ Haftung einen so großen Aufschwung genommen haben. Jedenfalls haben die Vorredner heute hervor- gehoben: sie haben das Bestreben, den Mittelstand zu vernichten. Nach diesen Erklärungen haben diese Leute in unserem Betoande leinen Platz. Unser Genossenschastsver- banb verfolgt den Zweck, dem Mittelstand zu helfen; eine Scheidung mit Leuten, die bas Betsteben Haden, den Mittelstand zu vernichten, ist daher je eher desto besser geboten. (Stürmischer Beifall unb heftiger Widerspruch.) Es tritt danach eine Längere Mittagspause ein. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung beantragt Anwalt Tr. Crüger, 99 namhaft gemachte Konsumverein und P r o d u k 11 v g e n o s s e n s ch a s t e n aus dem Berhasde auaiuj^lie&en. Etz ijanöelt sich hier nicht um Persönlichkeiten, sondern um $toei ent* gegenstehende wirtschaftliche Richtungen. Arbeitersekretär K atz en st ein- Mannheim: Mit bie fern Antrag wirb jeber juristische Grunbsatz mit Füße, getreten. (Beifall unb Lärm - Ich ersuche, ehe Sie eine< solch schwerwiegenden Antrag annehmen, erst ben Aus» schließenden Gelegenheit zu geben, sich zu verteidigen. (Be» «all unb Lärm.) Tirektor Werner- Berlin: Tie Herren scheinen jetz Incifen zu wollen. (Beifall und Lärm. Rufe: Un ve r schämtheit! Zur Ordnung!) Tie Herren haben sick logar nicht entblbbet, hier Vereine zu denunzieren. (Särm^ Der größte Schuft im ganzen Land ist der Denunziant Furchtbarer Lärm. Rufe: un v er s ch ä m t e r K e r l -Dani ein Zitat aus dem „Vorwärts" (Lärm-. Sie macher es ja auf Ihren Parteitagen noch bedeutend schlimmer. Be, Ihnen heißt es: „Wer nicht Ordre pariert, fliegt hinaus. ^Lärm.) Es wurde danach der Antrag gestellt, sämtliche Konsumvereine aus bem Verbände guS- zujch ließen. (Stürmischer Beifall ber Sozialdemokraten.) Lorenz-Zwickau: Fassen Sie nur diesen Beschluß, bann streichen Sie aber das Wort: „Allgemeiner Verband". Der Verband wird alsdann dem Marasmus oersallen unb Tr. Crüger wird der letzte Anwalt unb auch sein eigener genfer sein. (Stürmischer Beifall unb furchtbarer Lärm ) Auf Antrag bes Abg. Peus unb 30 Genossen fand namentliche A v st i m m u n g statt. Es stimmten 268 Vereine mit ja, 84 mit nein. Danach war ber Antrag Crüger angenommen. Bon Konsumvereinen stimmten 24 für, 55 bagegen. Es fanb alsbann noch eine Besprechung über eine Reihe von Anträgen statt, die darauf hinausgehen, bem Anwalt das Recht auf Aufnahme eines Vereins in den Verband zu beschränken. Die Anträge wurden schließlich mit großer Mehrheit abgelebt und danach bie heutige Verhandlung ge- chlossen. — । " i. ■■■■■■■ । ... » Aus Stadt and Land. Gießen, 5. September 1902. Mitteilungen aus bem Publikum werden gern entgegengenommen unb angemessen honoriert. LU. Von ber Lanbesunioersitätr Zum Nachfolger von Prof. Gundermann ist Dr. R. Wünsch, Privatbozent in Breslau, berufen worden; er wirb am 1. Oktober ein Amt antreten. '* 5. Hessische Landes lotterte. 6. Klasse. Aus Darmstadt erhalten wir telegraphisch folgende Gewinnliste: Es fielen Gewinne zu je 30 000 Mk. auf Nr. 35925 (nach Mainz); 10 000 Mk. auf Nr. 750 20930 26633; 5000 Mk. auf Nr. 7021 28746; 3000 Mk. auf Nr. 2223 7503 16290 19135 34030 38025 41385; 2000 Mk. auf Nr. 1874 2578 2934 3892 16101 22495 29867 44373 53574 53828; 1000 Mk. auf Nr. 5002 7556 8794 9992 12961 16402 25292 26073 31689 31840 39085 39732 41974 47924 48393 53881. (Ohne Gewähr.) ** Cirkus Maximilian. Auch die Vorstellung von. gestern abend war ziemlich ausverkauft, ein Beweis, welchen Anklang und Beifall das Unternehmen des Direktors Maximlliau B. gefunden hat. Das Programm war im wesentlichen dasielde wie das der ersten.Vorstellung. Außer ben großen Paradenummern des dressierten Stiers und der dressierten Elephanten rief besonders auch ber Sportart der Fr. Telbosque großen Beifall hervor. Die außerordentliche Eleganz, mit der bie Künstlerin ihre Aufgabe absolviert und das präck)tige Pferd in anmutigen Bogen durch die Manege treibt, entzückten das Auge des Kenners ebenso ehr, wie das größere Publikum durch das ruhige, jeder Effekthascherei ferne Wesen der Reiterin gefe^elt wurde. Wir haben schoii geftern unserer Meinung, daß nämlich die Pferdedressur bie Hauptsache des Cirkus sein müsse, Ausbruck gegeben, unb können dies heute nur nochmals wieberholeu. Tas Publikum, unb zwar nicht nur ber Dell, ber Kenner ber Feinheiten ber Pferdebressur ist, will durchaus Doriuiegenb Pferde in der Manege scheu, unb wird olche Vorführungen, wie sie uns Fr. Telbosque bot, immer nil größtem Beifall ausnehmen. Im Einklang steht damit auch, daß die eigentliche Hauptnummer des Programms bie exakte Vorführung der hohen Schule ist. Die gymnastische Ausbilbung des Pferdekörpers: das Piasfteren und Pasfagieren, die verschiedenen Galopparten, bie eie* vierten Gänge, bie Courbette usw. bieten lmmer einen Anblick von höchstem Reiz. Herr Manuel Herzog, ber gestern luieberum Gouette d'or bie Gangarten ber hohen Schule burchmachen ließ, ist ein typischer Vertreter bieses Fachs. Sitz ist tabellos, seine Haltung burchaus frei von jebem Zwang, unb sein Pserb folgte ben leisesten Intentionen. In ben Cirkus gehört ganz gewiß auch der Jongleur zu Pf erbe. Monsieur Ebmund Loyal ist ein Meister m dieser eigenartigen Kunst, bie im allgemeinen wohl leider nur wenig Vertreter hat. Tas Aufsangen ber Citronen Mittelst eines Florets ist übrigens eine reizende Abwechslung, besonders, wenn wie gestern eine kleine Tarne aus dem Publikum die Citronen so graziös zu werfen versteht. Wir müssen schließlich noch des Herrn tz. Herzog gedenken, der den arabischen Schimmelhengst „Emir" in Freiheit vorführte unb mit seiner wunderbaren Dressur ebenfalls großen Beifall erntete. — Tie technischen Einrichtungen des Cirkus sind musterhaft. Das große Zelt ist verhältnismäßig luxuriös ausgestattet und macht einen sehr behaglichen Eindruck. Wir bedauern bas frühzeitige Scheiben des Herrn Maximilian B. sehr. nn. Die Gründung einer Zentral-Genossen- schaftSkasse für Handwerker des Großherzogtums Hessen darf nunmehr als gesichert gelten, nachdem vor einigen Tagen in Darmstadt eine Versammlung von Handwerks- meistern stattgefunden hat, in welcher bereits ein Betrag von 20 000 Mk. als GründungSfondS gezeichnet wurde. Um auch dem Kleinhandwerker bie Beteiligung an diesem für ihn segensreichen Institut zu emiöglichen, ist die Ausgabe von Aktien, jedoch nicht unter 200 Mk., geplant, deren Verzinsung zu 4 Prozent erfolgt. Auf eine wesentliche Unterstützung dieses genossenschaftlichen Zusammenschlusses des Hand- iverks hofft man aus den Kreisen ber hessischen Großindustrie'; aber auch die größeren Gewerdeoereine des Landes durften sich demnächst zur Uebernahme von Anteilscheinen für die Zentrallasse bereit finden. Sobald der zum Gründungsfond Erforderliche Betrag vorhanden ist, wird wohl auch von 19135 34030 3892 16101 o lange gehe concreten Dors 15. 4‘/2% Oesterr. ßilberrente 102.20 mber 1902. gegengenommen Mit dem Bau unserer Quell- in diesem Herbste begonnen 9992 12961 39732 41974 . 27.25 . 92.50 . 92.40 . 107.75 . 218.20 . 188,80 . 188.50 . 145.00 . 157.70 . 156.00 . 20.30 . 177.00 . 201.90 . 185.00 . 167,80 . Klaffe. Aus genbe Gewinn» 92.15 100.45 99.50 103.80 3% Öberhessen . . 4% Oesterr. Goldrente . sind auf 4200 Mk. berechnet. K. Rödgen, 4. Sept. Wasserleitung soll noch werden. Braunfels, 4. Sept. Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen . 102.35 . 103.50 . 51.85 . 31.25 . 29.50 . 123.80 , 44.20 Zum Nach» R. Wünsch, > am 1. Oktober 8Vi% 3o/o 37,% 3% 372% 4% Ungar. Goldrente . , 4°/j Italien. Rente . . . 47,56 Portugiesen . . < 3°/u Portugiesen. . . . , 1% C. Türken . . . . Türkenlose...... 4% Griech. Monopol.-Anl. 47,96 äussere Argentiner . . 102.40 . . 92.65 . . 102.40 3% Mexikaner . . . 4%% Chinesen . . . Electric. Sohuckert . , Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien .... Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. Oester r. Staatsbahn . . Lombarden .... Gotthardbahn .... Laurahütte ..... Bochum ...... Harpener..... Tendenz: ruhig. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag nach Trinitatis, den 7. September. Kirchliche Feier des Sedanfestes. Gottesdienst. Seiten der Äroßh. Regierung eine Unterstützung dieses Instituts erfolgen. P. Gelände erwerb zur Erbauung der neuen Jrrenklinik. Als Baugelände ist bekanntlich die Flur zwischen hier und Klein-Linden, links von Frankfurterstraßc und Main-Weserbahn gewählt. Es ist nun dieser Tage den Besitzern mügeteilt worden, daß sie 35 Pfennig pro Quadratmeter erhalten sollen. Die meisten Landwirte scheinen hiermit nicht zufrieden zu sein, doch hofft man durch Verhandlungen eine beide Teile befriedigende Einigung zu erzielen. g. Vom Gleiberg, 4. Sept. Gegenwärtig ist man mit der Ausführung der zur Erhaltung unserer Burg notwendig gewordenen Arbeiten beschäftigt. In der diesjährigen Generalversammlung wies nämlich Herr Baurat Stahl darauf hin, daß das Dach des Nassauer Baues unbedingt gedeckt werden müsse, da 10/2O aller Schiefer total entzwei seien. Auch eine Dielung des Bodens ist vorgesehen, um die Decken der Säle zu schützen. Die Kosten dieser Arbeiten Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 5. Sept. Reichskanzler Graf Bülow ist aus Posen wieder hier eingetroffen. Berlin, 5. Sept. Tie Rede des Kaisers an die Atänd eder Provinz Posen ß$xb. W ta Berliner M»r> Prof. Franz Wüllner ist schon seit April, am Schluß der vorigen Konzertsaison, leidend; »rstellung voit weis, toeüfyox des Twttors mm toor ün tetlung. Außer ' Stiers imb der er Sportakt der je außerordent- igabe absolviert )gtn biutf die emrers ebenso llchige, jeder fesselt wurde. iB mrnlich die xs sein müsse, nur nochmck t nur der ist, roiUW hen, uiib vmd que bot, * inglW* (XW E ft WK % wachse Heiden ".'•yS *■%»* von | von s em »J* um nrt «Ä ih» -n b'£abi h«51 be«n» unter' f» 1 4 « - und mehr, geehrte Hausfrau, können Sie IWi im Laufe der Jahre für Neuanschaffung und XV V V MAttÄ Jßk Reparatur sparen, wenn Sie Ihre schöne Wasche nur mit unschädlichen, guten Waschmitteln und nicht mit für billiges Geld Ihnen verkauften scharfen und Chlor enthaltenden Waschpulvern behandeln. Gioth's gemahlene Kernseife mit Salmiak und Terpentin ist garantiert unschädlich für Wäsche und Hände, chlorsrei und kostet per Packet nur 15 Psg. Alleiniger FabrikmU: I. Gioch, Hanau. Telephonischer Kursbericht« Frankfurt ». Al., 5. September 19U2. Gerichtssaal. Glogau, 4. Sept. Heute hatte sich Graf Pückler-Klein- Tschirne wegen Herausforderung des gerichtlichen Sach- veritändigen Geheimrats Dr. Neumann zum Zweikainpf vor der Strafkammer zu verantworten. Angeklagt war ferner der Inspektor des Grafen, Hans Kirchner, wegen Kartelltragens. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Grasen Pückler zu zwei Monaten Festung. Der mitangeklagte Kartellträger erhiAt einen Monat Festung. Der Staatsanwalt hatte gegen den Grafen nur einen Monat und gegen Kirchner 14 Tage Festung beantragt. i Mitglieder. Den Jahresbericht erstattete Professor Bindel- Lamberg. Der Verein hat zwei Alpengärten angelegt, der eine aus dem „Schachen", den andern im „Gschnitzthal", ivährend ein weiterer auf der „Raxalpe" bei Wien in Vorbereitung ist. Ein Garten am Tegernsee wird von dem Lerein unterstützt werden. Vor allem erstrebt der Verein gesetzliche Bestimmungen zum Schutze gegen die Aus- r'aubung des Edelweiß. Im Anschluß an die Ausführungen des Berichterstatters machte Pfarrer Veesen- meyer Mitteilung über die Anpflanzung von amerikanischen Blautannen in der Nähe der Wiesbadener Hülle. Es folgten Beratungen über Statutenänderungen usw. Frankfurt a. M., 4. Sept. Die ReptUiensammlung ixg Zoologischen Gartens ist um ein außergewöhnlich großes lZxemplar der amerikanischen Klapperschlange vermehrt ivorden. Die „Rasselschneck", wie das Tier auf Pennsylvania- Deutsch heißt (nach dem englischen „Battlesnake“), ist fast 2 Meter lang. Anfangs war sie so aufgeregt, daß sie fast ohne Unterbrechung ihre Rassel ertönen ließ; jetzt ist sie ruhig geworden und klappert nur noch an Tagen mit ermäßigtem Eintrittspreis, weil dann die ununterbrochen sich dkängenden Zuschauermengen sie aus ihrem Gleichmut bringen. Ferner ist eine Sendung von Chamäleonen eingetroffen, deren Fähigkeit, jedes Auge für sich nach einer bestimmten hegend zu richten, sich durch das Glas ihres Terrariums gut beobachten läßt; ähnliche Augen haben bekanntlich nur noch L-visse Krebse. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Der Kurs der 4proz. Italienischen Rente ist andauernd hoch, entsprechend der günstigen finanziellen Lage des Königreichs, welche in der letzten Zeit durch das Verschwinden des Goldagios bedeutende Fortschritte gemacht hat. Der Rücklauf der Staatspapiere und selbst derjenigen der Prioatinstitute aus dem Auslande ist beendet und die Handelsbilanz ist befriedigend, trotzdem die Ernte in den letzten drei Jahren nicht geradezu glänzend gewesen ist. Es sind demnach alle Bedingungen vorhanden, um eine Konvertierung der 4proz. Rente in eine dreieinhalbprozcntige durchzuführen und die umlaufenden Gerückte, wonach der Finanz- minisler eine solche Operation plane, entbehren gewiß nicht der inneren Wahrscheinlichkeit. Eine authentische Bestätigung dieser Ankündigung wird aber, auch wenn sie der Wahrheit vollständig entspricht, nur schwer zu erlangen sein, da der Leiter der Italienischen Finanzen, wie der jetzige Staatsschatzminister di Broplio einmal sagte, an die Konversion immer denken, aber nie davon sprechen soll. Es handelt sich in der That um eine wichtige und heikle Operation, welche mit der größten Vorsicht behandelt und ' ?im gehalten werden muß, bis die Regierung mit ........... „.schlügen an das Parlament herantreten kann. ; littet8 fii .,cle Macher mminer. ^St hinaus yt’ecmä, öoMetno« len Beschluß ^fallen und l«n eigener 2«m) 1 1'nfMbna. 268 Ver» - der Antrag netl stimmten J über eine gehen, dem nes Ver- n. ;r Mehrheü münz ge. Landwirtschaft. arrr Landwirtschaftliche Reichsgeuossenschastsbauk. In dem Allgemeinen Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften hat sich in jüngster Zeit ein bemerkenswerter organisatorischer Vorgang vollzogen. Im Gegensatz zu anderen Genossenschaftsverbänden ist der Allgemeine Verband bekanntlich auf der Grundlage territorialer Decentralisa- tion aufgebaut, eine Basis, die unleugbar als eine wesentliche Ur- fache für die gewaltige Entwickelung des Verbandes zu betrachten lsü Mit dem fortschreitenden Ausbau der provinziellen und territorialen Organisationen wurde es indes als eine Lücke empfunden, daß es für große, gemeinsame, über den Rahmen und die Kräfte der territorialen Organisationen hinausaehende geschäftliche Ausgaben an einer Centrale fehle. Diese Lücke ist nunmehr ausgefüllt worden, indem in der Landwirtschaftlichen Reichsgenossenschafls- bant. E. G. m. b. H., eine gemeinschaftliche wirtschaftliche Central- stelle geschaffen worden ist. Die Reichsgenossenschaftsbank hat ihren Sitz in T a r m st a d t und eine Zweigniederlassung für den Bezug der landwirtschaftlichen Importartikel in Hamburg. Der Gegenstand des Unternehmens ist: a) der Betrieb eines Großhandels- Geschäftes zum Zweck 1. des gemeinschaftlichen Einkaufs von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirtschaftlichen Betriebs, 2. des gernenschaftlichen Verkaufs landwirtschaftlicher Erzeugnisse; b) der Betrieb eines Speditionsgeschäftes zu diesem Behufe; c) der Betrieb eines Kredit- und Bankgeschäftes. Den Vorstand der Reichsgenossenschaftsbank bilden: Geh. Regierungsrat Haas-Darmstadt, Vorsitzender, Direktor Biernatzki-Kiel, Direktor Dr. Heidenreich-Darmsladt, Direktor Jhrig-Darmstadt, Direktor Dr. Rabe-Halle a. S. Dem Aufsichtsrat gehören u. A. Verbandsdirektor Landesökonomierat Dr. Havenstein-Bonn, Ver- bandsdirektor Schreiner Biebrich an. genblüllern fast durchweg günstig besprochen. Die „Neuest. Nachrichten" sagen: 'Die für jeden Vaterlandsfreund wcchr- haft erhebenden Worte des Kaisers dürften nicht verfehlen, in ungezählten für den nationalen Gedanken schlagenden deutschen Herzen lebhaftesten Widerhall zu wecken. Gerade durch die Mäßigung, die sich nach jeder Richtung von aller Uebertreibung fernf)alte, werde sie auf Deutsche und Polen eine bleibende Wirkung üben. Die „Tägl. Rundsch." bezeichnet die Rede als eine der erfreulichsten Kund* gedungen der letzten Zell. Wohlthuend berühre vor allem, daß sie sich bei aller Entschiedenhell jeder Gereizthell und kränkenden Schärse enthalte. Am bemerketswertesten sei die schroffe Zurückweisung der Versuche, der Regierungs- Politik gegen die Polen konfessionelle Tendenzen zuzu- schreiden. Auch die „Voss. Ztg." und das „Bert. Tagbl." heben den versöhnttcyen Ton Der gestrigen Kaiserrede besonders hervor. Das letztgenannte Blatt meint, das deutsche Volk werde gern bereit sein, den polnisch redenden Mitbürgern die Hand zur Versöhnung und zu gemeinsamer Arbeit zu bieten. Weniger befriedigt ist die „Volksztg.", die in der neuesten Kaiserrede, sowell sie sich an die Polen wendet, eine werbende Kraft nicht erblickt. Der'„Vorwärts" glaubt, die Polen tonnten die Rede mit Recht dahin deuten, daß die Anerkennung nationaler Frecheit innerhalb des deutschen Staatenverbandes ihr eigentlicher Sinn sei. Eine Aenderung des Kurses, der in Posen gesteuert wird, werde die Rede, die so vieldeutend sei, daß jede Partei sic zu ihren Gunsten auslegen könne, gewiß nicht in die Wege leiten. Berlin, 5. Sept. In der gestrigen General-Versammlung des Vereins ehemaliger Burenkampfer wurde ein Brief Bothas verlesen, in dem dieser sich bereit erklärt, bei seiner Ankunft in Berlin den Verein zu empfangen. Das Patronat über den Verein wird den Buren-Generalen Botha, Dewet und Delarey übertragen werden. Augsburg, 5. Sept. Heute morgen 5 Uhr 50 Min. stieß bei der Einfahrt in den Bahnhof ein Vorortzug mit der Rangierlokomotive eines Güterzuges zusammen. 15 Personen wurden leicht, em Zugführer schwer verletzt. Der Materialschaden ist unbedeutend. Die Untersuchung ist eingeleitet. London, 5. Sept. Laut endgiltiger Feststellung sind bei der Explosion der Kohlengrube bei Tredegsa 14 Personen umgekommen und 21 verletzt. Madrid, 5. Sept. In Blanca Fort in der Provinz Saragona brach gestern ein Aufruhr aus, veranlaßt durch den Oktroi-Zwang. Die Bevölkerung versuchte, das Rathaus und das Oktroi-Gebäude zu stürmen und leistete dem Vordringen der Gendarmerie Widerstand. Schließlich gelang es der verstärkten Gendarmerie, die Ruhe wieder herzustellen. Eine Anzahl Personen wurde verletzt. Rom, 5. Sept. Wie hiesige Blätter von diplomatischer Seite erfahren haben wollen, schweben zwischen dem Qui- rinal und dem Vatllan Verhaiidlungen, um die FormjO- litäten für einen wahrscheinlichen Besuch des österrei- ch i s ch e n Kais ersin Rom festzusetzen. Der Kaiser habe den Wunsch geäußert, zuerst als Gast de s Pap st e s ' in Rom zu weilen und dann dem Qurrinal seinen Besuch zu machen. Lemberg, 5. Sept. Die Rede des deutschen Kaisers wird zwar seitens der polnischen Blätter nicht sonderlich freundlich kommentiert, dieselben gestehen öfter zu, daß die Rede gegenüber der Marienburger berachigend wirken dürfte. Der Erzbischof v. Stablewski toirb dagegen heftig angegriffen, weil er an dem Empfange beim Kaiser teilgenommen hat. Das Verhalten des, Erzbischofs müsse im gesamten Polentum einen traurigen Eindruck machen. Klausenburg, 5. Sept. Der Heldentenor BattoS wurde in Schainos-Ujvar in dem Augenblick, als er die Bühne betrat, von der Primadonna, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, durch einen Revolverschuß getötet. Sodann öffnete sich die Primadonna die Pulsadern und verletzte sich schwer. Agram, 5. Septbr. Trotzdem hier andauernd Ruhe herrscht, wurde der Ausnahmezustand auf den ganzen Bezirk ausgedehnt. Die Berichte aus der Provinz lauten wieder bedrohlicher. Der Sicherhellsdienst zum Schutze der Bahnlinie wurde verschärft, weil die Polizei in Erfahrung gebracht hat, daß die^Landbeoölkerung die Bahn zu zerstören beabsichtige. Kapstadt, 5. Sept. Der Premierminffter legte der gesetzgebenden Versammlung vier neue Gesetzentwürfe vor. Der erste verlangt einen Anleihekredit von 2 795 400 Pfund zur Verbesserung der Häfen der Tafelbai von Port Elizabeth, East London und der Mosselbai, der zwelle betrifft den Bau von Bewässerungsanlagen, der drille den Bau, die Einrichtungen und den Betrieb gewisser Eisenbahnen, der vierte fordert eine Anleihe im Betrage von 1 616 277 Pfund für den weiteren Ausbau des Eisenbahnwesens. New-Pork, 5. Sept. Nach einem Telegramm aus Port Castries auf St. Lucia ist dort der Dampfer »Gare" von Martinique eingetroffen. Er berichtet über einen heftigen Ausbruch des Vulkans in der Nacht. Es heißt, daß 2 000 Menschen umgekommen sind. Die Bevol- kerung verlasse in Massen die Insel. W. Kassel, 5. Sept. (Eigener Drahtbericht.) heute früh brach in Bischhausen Großfeuer aus. Bis -«jetzt sind drei Häuser eingeäschert, das Feuer dauert noch ort. Eine große Menge von Frucht, Heu, Slloh, Schweinen, hänfen und Hühnern ist dem Brande zum Opfer gefallen, lieber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Vogt. Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Dr. Grein, Abschieds predigt. Die Pfarrgeschäfte für die M a r k u s gemeinde besorgt vom 8. September bis auf Weiteres Pfarrassisient Vogt, Bismarckstr. Nr. 10. In der Johanuesttrche. Kirchliche Feier des Sedanfestes. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Dr. N au m ann. An diesem Tage nach allen Gottesdiensten Sammlung zum Besten der Kaiser Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden. Katholische Gemeinde* Samstag den 6. September. Nachmittags um 47, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur hell. Beicht. Sonntag den 7. September. 16. Sonntag nach Pfingsten. S ch u tz e n g e l f e ft. Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. u um 7 Uhr: Tie erste heil. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. Vormittags um 8 Uhr: Tie zweite heil. Meße. „ „ 97, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27« Uhr: Andacht mit Segen. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 6. September 1902. Vorabend: 6" Uhr. Morgens: 8" Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Sabathausgang: 760 Uhr. Gottesdienst ter israelitischen Aeligionsgesellschast. Sabbathfeier am 6. September 1902. Freitagabend 680. Samstag vormittag 800. Nachmittag 4°°. Sabbathausgang 7t0. Wochengottesdienst: Morgens 630 Uhr, abends 630 Uhr. • Brüffel, 4, Sept. Morgen findet dier eine Versammlung der Vorsteher sämtlicher belgischer Tierschutzvereine stall, in welcher über Mittel und Wege beraten werden soll, um gegen die Veranstalter des Pferderennens Brüssel- Ostende wegen Thierquälerei gerichtlich vorgehen zu können. HlniverstttttsNachrichlea. a. Marburg, 5. Sept. Aus Anlaß des heutigen hundert- jährig en Geburtstages des berühmten norwegischen Mathematikers Niels Henrik Abel haben Rektor und Senat unserer Universität an die Friedrichs-Unwersität in Christiania, der Abel als Dozent angehört hat, eine Glückwunschtafel geschickt. er liegt augenblicklich an schwerer Lungen - und Brustfellentzündung darnieder. Wiedererstarkung ist beinahe ausgeschlossen. ßd. Darmstadt, 5. Septbr. (Eigener - Drahtbericht.) Die städtische Verwaltung Darmstadts hat den Stadtverordneten den Antrag zugehen lassen, der Bundesrat möge ersucht werden, barauf hinzuwirken, daß die Grenzen für dieEinfuhr lebend en Viehes geöffnet werden. Mainz, 4. Sept- Gestern abend fand eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung der hiesigen Schweinemetzger statt, in der beschlossen wuroe, an der vor kurzem eingetretenen kleinen Preiserhöhung der Wurst unentwegt festzuhalten und die besseren Wurstsorten nicht mehr unter ein achtel Pfund für 12 Pfennig abzugeben. Bei den außerordentlich hohen Einkaufspreisen für Schweine im ganzen Deutschen Reiche sei es ohne eine Preiserhöhung nicht mehr möglich, die gleiche Qualität Wurst herzustellen, wie sie das hiesige Publikum seit Jahren gewöhnt ist. Mit Genugthuung wurde der letzten Volksversammlung in der Stadthalle gedacht, in welcher selbst von dieser Seite zugegeben wurde/ daß für die herrschende Fleischteuerung die Metzger nicht verantwortlich ^u machen seien, sondern daß dieselbe die Metzger selbst schwer treffe. Darin waren alle einer Meinung, daß eine Herabsetzung des Preises nur auf Kosten der Qualität fiattfinben könnte und beschloß man einstimmig, das Ansehen der Mainzer Wurst hochzuhallen, gleich- giltig ob das eine oder andere Jnnüngsmitglied sich an den Jnnungsbeschluß halte oder nicht. Diejenigen Meister, die den Preis bereits herabgesetzt hatten und in der Versammlung zugegen waren, erklärten sich dann auch sofort bereit, an der beschlossenen Preiserhöhung wieder festzuhalten, um so ihr Geschäftsrenommee zu wahren und um nicht mit den Meistern, die eine geringere Qualität Wurst Herstellen, auf eine Stufe gestellt zu werden. Mtt Entrüstung wurden die in einigen Blättern erschienenen keineswegs sachlichen Lokalnotizen zurückgewiesen, die geeignet sind, das Ansehen der Innung zu schädigen und Zwiespalt unter ihren Mttgliedern zu säen. — Wieder das Petroleum! Das 11jährige Mädchen Elisabetha D. hatte gestern zum Bügeln einen Stahl glühend machen wollen. Es schüttete Petroleum auf die Glut, eine Explosion' erfolgte, und im Nu standen die Kleider des Mädchens in Hellen Flammen. Auf das entsetzliche Geschrei des Kindes eilten die Mutter und mehrere Hausbewohner herbei und diesen gelang es, die schon halb verkohlten Kleider der Brennenden herabzureißen. Das schwerverletzte Kind wurde mit dem Krankenwagen des 6. Polizeibezirks nach dem Rochushospitale verbracht. Auch die zmr Hilfe herbeieilenden Personen und die Mutter haben Mandwunden an den Händen davongetragen. Wiesbaden, 5. Sept- Gestern trafen unausgesetzt Mitglieder des Alpen-Vereins aus fremden Gauen ein. Gestern vormittag tagte die Führer-Kommission und am Nachmittag der Hütten- und Wegebau-^Msschuß. Um 12 Uhr fand im weißen Saale des Kurhauses die Zwette General-Versammlung des unter der Aegide des Alpenvereins stehenden Vereins zum Schutze und zur Pflege von Alp en p f l a n z en statt. Der Verein wurde 1900 in Meran gegründet und besitzt in 61 Sektionen 271 Bekanntmachung. Der bie Stadtarmen behandelnde Arzt, Herr Dr. Volhard, {ft auf 4 Wochen beurlaubt. Bestellungen für Stadtbesuche Armer sind während dieser Zeit an die Verwaltung der neuen Kliniken zu richten. Gießen, am 5. September 1902. 6183 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. I. 93.: Georgi. Außer den von mir seither gelieferten Bieren bringe von jetzt an auch das überall mit Recht sehr beliebte Mainzer Kktienöier zum Verkauf und empfehle dasselbe die Vi Flasche zu 18 Pfennig 7. , »8 . Wied er verkauf er erhalten Rabatt. Gotthilf Rohrle Bier-Großhandlung 697T Telephon Nr. 844. — Marburgerstraße 7. Henkel's Bleich-Soda, bestes und billigstes Waschpulver 6189 macht die Wäsche blendend weiß. Nur echt, wenn in Paketen mit dem Namen Henkel". Schutzmarke „Löwe". Erhältlich in Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften. Mache hierdurch bekannt, daß mit dem heutigen Tage folgende Gemüse täglich frisch zu haben sind: Rot-u.WeisskohUirsing,B!umenkohl Prima Waare. Billigste Preise. An den Markttagen findet der Verkauf am Brandplatz statt. Achtungsvoll 6122 M. Schollemeier Braudgafsc 8. Restaurant zum TaunuS. Brandgasfe 8. ^.ager gegenüber. .Zager gegenüber. Zirkus Maximilian Heute, Kreitag den 5. September, abends 8l 4 Uhr: Abschieds - Gala - Vorstellung mit vollständigem, unverkürztem und neuem Programm. August Kcheever» mit seinem einstudierten Akt: Ein KelUier In höchster Verzweiflung! Neuheit! Znm ersten Male! Neuheit! Erstes Amateur-Konkurrenzreiten mit einer Prämie von 50 Mark welche derjenige erhält, der dreimal stehend zu Pferde die Manege umrettet, ohne herunter zu fallen. Reflektanten, welche sich die Prämie erringen wollen, haben sich an der Zirkuskasse zu melden. Außerdem Auftreten sämtlicher Künstler u. Künstlerinnen in ihren Glanznummern. ___ Auftreten der 5 Wunder "Stephanien. Avis I Den hochverehrten Bewohnern von Gießen und Um- gebung gefl. zur Mitteilung, daß ich nicht die Gewohnheit habe, rote andere Institute in diesem Genre die Abschieds-Vorstellung abzukürzen, im Gegenteil! Ich bin bestrebt, dieselbe noch glanzvoller und reichhalttger zu gestalten, roie sämtliche vorangegangenen Vorstellungen, um auch hier wie überall in autem Angedenken zu bleiben. Gleici)zettig statte ich den hochgeehrten Bewohnern von Gießen und Umgebung für den mir gespendeten reichen Erfolg, sowie den hochwohllöblichen Behörden und der verehrlichen Presse für daS gütige Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank ab. 6177 Hochachtungsvoll Maximilian, Direktor und Besitzer des Eirkus Maximilian. GchnMkin Heiterkeit. Km Samstag dem 6. September, abeudb 8w ! , B Kgl. zc. Hofl., Bonn, Berlin, Hamburg, verabreicht werden. & Mk. 1.20, 1.40, 1.60, 1.60, Verkaufsstellen in Gießen bei: Chr. Bieker, Neustadt 65. Emil Bender, Wallthorstraße. L. Kalkhof, Westanlage. C. G. Kleinhenn, Bahnhofftraße. Li» rl O "ster Ge- a U C ll schästslage zu vermieten. Offenen unter 6188 an die Expedition d. Bl. In Küche und Haush. gut erfahr. Mädchen | auf sofort oder später gesucht. Goethestraße 35, pari. lim junges löidfidicn sucht. Nordaulage 12, IV. Sonntag 6 en 7. nnö HRontag Öen 8. September: Kirchweihfest Zur Stadt Marburg Sonntag den 7. 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