Nr. 181 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kessischeu Landwirt die Gießener Familien blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühlstcl^a Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Dienstag S. August LNvL GiehenerAnzeiger General-Anzeiger 99 AmK- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezngSprei-r monatlich 75Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6d Pf.; durch diePostMk. 2.—Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polil. u. allgem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Are Heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten. Bekanntmachung. Wilhelm Weil scheidet aus dem Institut der Dienst- männer aus und hat die Aushändigung der von ihm hinterlegten Dienstkaution beantragt. Wir fordern deshalb diejenigen, welche Ansprüche an tiefe Kaution aus der Eigenschaft des rc. Weil als Dienst- mann erheben zu können glauben, auf, solche bei Meidung des Ausschlusses binnen 8 Tagen bei uns vorzubringen. Gießen, den b. August 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Der Besuch in Bußland. Wie wir gestern bereits meldeten, hat die „Hohen- ÄOÜeni" mit dem Kaiser an Bord am Montag morgen Die Reise nach Reval angetreten. Prinz Friedrich! Heinrich und der Reichskanzler waren bereits am Sonntag in Kiel eingetroffen und hatten sich sofort an Bord der „Hohen- ÄOUein" begeben. ' Nach, Meldungen aus Petersburg geht das offizielle Programm der Kaiser-Revue dahin: Am 6. August gegen 91/2 Uhr vormittags Ankunft der „Hohen- rollern", darauf gegenseitige Besuche der beiden Kaiser, denen sich mlltagS dre Besichtigungen der einzelnen Schiffe sowie Schießübungen cmschtießen. Am 7. finden vormittags große Seemanöver, nachmittags Landungs-Manöver statt. Am 8. nimmt Kaiser Wilhelm einige Schiffs-Besichtigungen vor. Nachmittags 3 Uhr erfolgt die Abreise. Diese Zusammenkunft hat die russische Presse veranlaßt, einmal einen anderen, freundlicheren Ton anzuschlagen, als man es sonsh gewohnt ist. Die offiziösen Depeschenbureaus pflegen freilich Don "Den gegen Deutschland gerichteten Ausfällen großer russischer Zeitungen keine Notiz zu nehmen, nnb das würde auch bei der Zahl der Angriffe zu weit führen. 9tttr, wenn die betreffenden Auslassungen vom Finanzminister v. Witte inspiriert sind, — wie eben jetzt eine herausfordernde Note an die Mächte über die Zuckerzölle und die russischen Vergeltungsmaßregeln — erachtet der offiziöse Draht die Verbreitung für erforderlich. Beiläuftg richtet sich die Spitze der neuesten Note ebenso gegen Frankreich (Weineinfuhr) wie gegen Deutschland (Zollzuschiläge auf Syndikatswaren, u. a. auf Eisen.) Sonderbar M «jedenfalls der gewählte Zeitpunkt, die „Absichten" des russischen Finanzministeriums zu veröffentlichen. Wenn, wie man annimmt, bei Gelegenheit der Kaiserzusammenkunft die Erneuerung der Handelsverträge von den leitenden Staatsmännern erörtert werden sollte, so ist es mindestens originell von dem mäch- tigen russischen Finanzminister, den Grafen Bülow mit einer scharfen Warnung zu empfangen, auf den russischen Zucker die Brüsseler Konvention anzuwenden, d. h. diesen Zucker im Hinblick auf die versteckten Zuckerprämien Rußlands entsprechend höheren Zoll zahlen zu lassen. Aber um Taktsragen hat sich Herr v. Witte bei seinen mehr oder minder brüsken Kundgebungen nie gekümmert; ihm kommt es auf die möglichst wuchtige Wirkung an. Graf Bülow erteilte einmal im Reichstag Herrn v. Witte in verbindlicher Form den Rat, Meinungsverschiedenheiten mit den Mächten nicht durch Zeitungsartikel, Interviews und Mitteilungen der russischen Telegraphen-Agentur, sondern auf dem üblichen diplomatischen Wege zum Austrag zu bringen. Herr v. Witte giebt gerade jetzt, wo Graf Bulow den Kaiser nach Reval begleitet, eine weitere Probe seines Systems der „Offenherzigkeit". Im Besitz dieser Kundgebung hat der Reichskanzler heute morgen die Reise angetreten. . . . Die „Nationalztg." hält die Verlautbarung „für so ungewöhnlich, daß es seltsam wäre, wenn ihr nicht ein Dementi folgte." Die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." giebt die Note wieder, ohne ein Wort hinzuzufügen. Wir glauben nicht an ein Dementi. Die Erklärung ist authentisch und gan$ und gar in dem deutlichen Stil, in dem kategorischen Befehlshaberton gehalten, der von dem offiziellen Rußland mehr und mehr zur Spezialität herausgebildet wird. Im Inneren des Riesenrerches wird mit einem Federstrich das Schicksal von Tausenden entschieden, werden die Ausstände der Bauern, die Studenten-Unruhen, durch so einfache Mittel wie das Kommando „Rücksichtslose Gewaltsanwendung!" niedergeworfen. Da ist es kaum zu verwundern, daß solche „Staatskunst" sich auch auf die Diplomatie überträgt. Rußland beansprucht die erste, die ausschlaggebende Macht der Welt zu sein. Wie glanzvoll immer der Verlaus des Schauspiels sein mag, das die russischen Flottenmanöver in Reval bieten, wie freundschaftlich der Verkehr zwischen den beiden Kaisern sich gestaltet — über die Empfindung kann nichts Hinwegtäuschen, daß in Rußland die Abneigung gegen Deutschland im Wachsen begriffen ist. Es spielt da, vielleicht unbewußt, der Neid eine gewisse Rolle. In seiner Kultur, auf fast allen wirtschaftlichen Gebieten, in der Industrie wie in der Landwirtschaft, geht Rußland zurück. Man bemerkt in Rußland die Fortschritte Deutschlands, sieht, wie es sich immer mehr zu einem gefährlichen Konkurrenten auf dem Weltmärkte entwickelt, einflußreiche Personen am russischen Hofe nähren die Antipathie gegen den begünstigteren Nebenbuhler, das Bündnis mit Frankreich thut auch das Seinige — so ist es eigentlich nur Kaiser Nikolaus, der aus Tradition, vor allem dem Weltfrieden zuliebe, auf die Pflege der Beziehungen Wert legt. Auch in der russischen Litteratur, die mit Recht wegen ihrer Bedeutung bei uns geschätzt wird, wird dem Deutschen keine angenehme Rolle zugewiesen. In den Werken der besten russischen Autoren, selbst bei To lsto i, den ja jeder Deutsche jetzt in der vorzüglichen Diederichs'schen Deutschen Ausgabe kennen lernen kann und sollte, liest man schiefe und ungerechte Urteile über die Deutschen. Es scheint ein weitverbreiteter Glaube zu fein, daß Die Deutschen mitschuldig seien an allen den Nöten, die Rußland bedrücken. Das ergötzlichste und charakteristische Beispiel dieses Verantwortlichmachens erzählt in einem Buch der geniale russische Schriftsteller Tsch en ho ff: Wie ein Gelehrter einmal ein Seebad genommen und, weil er sich über die Külte des Wassers ärgerte, losgeschimpst habe: „Diese Bande, diese „Deutschen!" Man muß an diese kleine Geschichte denken, wenn man beobachtet, was alles den Deutschen angehangen wird im heiligen Rußland, welcher schwarzen Pläne fast täglich die deutsche Politik verdächtigt wird von der russischen Presse, mit stillschwep- gender oder ausdrücklicher Billigung der in solchen Fällen ungewöhnlich nachsichtigen russischen Zensur. — Die Bedeutung der Kaiserbegegnung liegt auf dem Gebiete der hohen Politik; sie darf als ein neuer Beweis dafür betrachtet werden, daß die beiden Herrscher fest entschlossen sind, den Frieden zu bewahren. Eine handelspolitische Verständigung dagegen erscheint schwierig, schon aus dem Gruüde, weil der neue Deutsche Zolltarif noch nicht seststeht. Vollends wird man sich keiner Illusion darüber hingeben dürfen, daß die Tage von Reval dem Deutschtum zu einer gerechteren, leidenschaftsloseren Beurteilung verhelfen. Nur die Zeit kann eine bessere Einsicht schaffen.' Politische Tagesschau. Militärbeamte als Handlungsgehilfen. Man schreibt uns aus Berlin, 4. August: Wenn bisher an der Konkurrenz des Militärs im Erwerbsleben die Rede war, bezog sich dies in der Hauptsache auf den Wettbewerb der Militärmusiker, über den die Civilmusiker auch im Reichstag Klage führen ließen. Jetzt tritt der Zentralverband deutscher Handlungsgehilfen in ähnlichem Sinne beschwerdeführend ans. Er hat an das preußische Kriegs Ministerium eine Eingabe gerichtet des Inhalts, den aktiven Angehörigen des Militärstandes das au shilfs weise Arbeiten bei Banken zu untersagen. Gemeint sind wohl vor allem die Zahlmeisteraspiranten, die bei der Reichsbank, mehr uiid mehr aber auch bei Privatbanken^ für die Nach»- mittagsstunden diätarisch beschäftigt werden. Ta die hierfür gezahlte Entschädigung monatlich im Durchschnitt auf fünfzig Mark sich beläuft, erzielen die Banken auf Handlungs- unkosten-Konto nicht unerhebliche Ersparnisse. Andererseits aber sehen die branchenmäßig vorgebildeten Handlungs- gehilfen, denen das Fortkommen durch den Wettbewerb der weiblichen Kollegen ohnehin erschwert wird, sich dadurch in ihren Interessen beeinträchtigt. Auf die Entscheidung des Kriegsministeriums, die eine grundsätzliche Bedeutung haben wird, darf man gespannt sein. Vom französischen Kulturkampf. In der Bretagne befürchtet man Zwischenfälle wegen der Verfügungen betreffend die Ordensschulen. Tie Truppen in Brest haben scharfe Patronen erhalten, ferner sind Kolonialtruppen zum Beistand der Behörden herangezogen. Ein Blutvergießen dürfte schwerlich zu verhüten sein, falls die Regierung nicht noch in letzter Stunde Gegenbefehle erteilt. In mehreren anderen Provinzen haben wiederum Unruhen stattgefunden. In Montbonnot wurde ein Herr von Merl- bet! verhaftet, well er die gerichtlichen Siegel an der dortigen Ordensschule entfernt hatte. In Solaige hatten sich etwa 400 Personen vor dem Schulgebäude verhimmelt, die den Polizeikommissar und die ihn begleitenden fünf Pvli- Feuilleton. Der gescheiterte Versuch Baldwins, den Nordpol fru erreichen. Auch der Versuch des amerikanischen Meteorologen G. W. Baldwin, den Nordpol zu „erobern", ist, wie wir bereits kurz meldeten, gescheitert, und zwar recht kläglich; denn Der Reisende ist im Franz-Jises- lcmde nur bis zu einer Breite von 81 Grad 44 Min. gekommen, die dort von zweien seiner.Boxgänger, dem Oester- reicher Payer und dem Italiener Cagni, weit übertroffen worden war. Baldwin hatte eine nicht geringe arktische Erfahrung; denn er war 1893—94 Mitarbeiter Pearys im Smithsund und 1898—99 Mitglied der Expedition seines Landsmannes Wellmann nach dem Franz-Joseslande. Er mußte also mit den Verhältnissen vertraut sein, und tro&= dem hatte er dem Newyorker Millionär Ziegler, der die Kosten der Unternehmung bestritt, versprechen zu können geglaubt, er werde die „glorreichen Sterne und Streifen" zum Nordpol tragen. Nun ist er also zurückgekehrt, ohne mit Bezug auf diesen seinen vornehmsten Zweck auch nur das geringste erreicht zu haben. Aus den bisher vorliegenden Nachrichten geht hervor, daß die amerikanische Expedition mit den denkbar ungünstigsten Eisverhältnissen zu kämpfen gehabt hat. Der Plan war dahin gegangen, mit dem Schiff, der „Amerika", im Franz Josefarchipel soweit als möglich nach Norden vorzudringen, dort zu überwintern und dann mit den Schlitten nordwärts vorzustoßen. Bis zum 83. Breitengrad sollten Lebensmitteldepots angelegt werden, die Schlittenreise sollte womöglich schon im März beginnen und zwar mit einer größeren Zahl von Hmrden und Schlitten, die den Proviant mitführten; von Station zu Station sollte sich diese Begleitung verringern, bis endlich Baldwin selber mit nur gcmz leichter Ausrüstung den letzten, entscheidenden Anlauf nehmen wollte. Allein die Zufälligkeiten, die leider sehr oft alle Berechnungen der Polarfahrer zu schänden gemacht haben, haben so gut wie nichts von diesem Plan zur Ausführung kommen lassen. Der als Eingangspforte gewühlte Britische Kanal war im vergangenen Sommer durch Packeis vollständig gesperrt, so daß Baldwin schon unter 80 Grad 20 Min. nördlicher Breite ins Winterquartier gehen mußte. Ebenso waren ausgedehntere Schlittenreisen nach Norden im letzten Frühjahr nicht möglich, da Baldwin nicht die erhoffte glatte Bahn auf geschloffenem Eise vorsand, die es zwei Jahre vorher dem Kapitän Cagni von der Expedition des Herzogs der Abrufen antraf, waren abnorm günstige, wie sie vielleicht im Laufe von Jahren einmal Vorkommen können, auf denen man also nicht Pläne bauen darf. Das Glück spielt im Leben des Polarfahrers trotz einer nun schpn über 80 Jahre reichenden Erfahrung noch immer die Hauptrolle; es kann einem vielleicht einmal den ersehnten Erfolg in den Schoß werfen, aber es zu erzwingen, ist unmöglich Wir glauben daher auch nicht, daß Die iroch im Smithsund arbeitende Pearysche Expedition im letzten Frühjahr den Nordpol erreicht hat, wie man in Amerika hofft. Am ehesten entspricht noch die Nansensche Methode, zum Ziel zu führen, die ja der kanadische Kapitän Bernier wieder zur Anwendung bringen will, und die in einem jahrelangen Treiben in den Strömungen, die von Nordsibirien auS über den Pol zu gehen scheinen, besteht. Mit Der Nachricht, daß Baldwin die Winterhütte Nansens „entdeckt" habe, hat es nicht viel auf sich; denn die Hütte liegt an einer leiblich bekannten Stelle und ziemlich weit südlich, unter 81 Grad 15 Minuten tl Br. Die einzigen Ergebnisse der Baldwin- schen Expedition, die wohl kaum trotz der angeblichen Hoffnungsfreud igkeit ihres Führers wiederholt werden wird, dürften in wissenschaftlichen Beobachtungen während der Ueberwinterung uni) in einer Ergänzung der Karte des mittleren Franz Joseflandes bestehen, wenn Baldwin auf diese „nebensächlichen" Ausgaben überhaupt viel Zeit verwandt hat. Heute liegt aus Tromsö folgende Meldung vor: Bon der eingetroffenen Baldwin'schen Polarexpedition wird berichtet, daß auf der ganzen Reise weder irgenb etwas auf die von Sv erdr up geführte Expedition Bezügliches entdeckt, noch Spuren von der vermißten Expedition des Herzogs der Abrutzzen gefunden wurde. „Theater-Bund". In der Münchener Halbmonatsschrift „D i e G e s e l l s ch a f t" (Ed. Piersons Verlag in Dresden) schreibt der Herausgeber, Dr. Arthur Seidl: Wie doch wär's, wenn die Teilung der Arbeit und Spezialisierung Der Kräfte in unserem Zeitalter auch dahin fortschritte, daß sich ebenbürtige Theater-Kartelle bildeten und regelmäßige Opern-Wettspiele wie Schausviel-Austausche nach bestimmten Provinzen mit der Zeit einrichteten? Karlsruhe und Stuttgart haben damit erfolgreich bereits den mutigen Anfang gemacht, und in Schlesien hat man das „Städtebund- Theater" als Reise-Unternehmen unlängst begründet. Das könnte sich in systematischer Wechselseitigkeit zu einer sehr wohlthuenden und segensreichen Einrichtung gewiß noch einmal auswachsen. Jede Bühne brauchte mit einem spezifisch geschulten Perjonal pro Saison Die Einstudierung von nur wenigen Neuheiten mit charakteristischem, einheitlichem Stile sich stets zu leisten, und das würde im planvollen Turnus alsdann eben umgehen; und zwar würden so etwa die Schweizer Hauptbühnen unter sich, für Oesterreich : Budapest, Wien und Prag, sodann die Hoftheater München, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim re. wiederum die Stadt-Theater von Augsburg, 92ürnberg, Regensburg, Würzburg — die Hoftheater von Weimar, Attenburg, (Herr Dr. Seidl hat die Hoftheater von Coburg-Gotha und Gera übersehen, die im künstlerischen Range weit über dem zu Altenburg stehen. D. Red. des „Gieß. Anz.") Kassel und Wiesbaden, ine Theater von Straßburg, Mainz, Frankfurt am Main, Köln a. Rh., Elberfeld, (Essen fehlt! D. Red.); Die Theater von Breslau, Dresden, Leipzig, Halle, Magdeburg; die Bühnen von Berlin, Schwerin, Hamburg, Bremen, Hannover (Oldenburg! D. Red.) usw. — zu solchem engeren „Bund" wohl zusammen treten können und gehören. Usw. Usw. — die enDgUtige praktische Ausführung natürlich doch ganz den sachkundigen Theaterleuten überlassen, die mit Der Seherin Manto einmal von sich sagen: „Den lieb' ich. Der Unmögliches begehrt!^ Wär' Dieser Vorschlag etwa gar so übel? Liegt dergleichen nach dem glänzenden Vorgehen des Grafen zu Putlitz, dessen künstlerischer Tyat allseitiger Tank gebührt, nicht geradezu in der Luft, und heute noch so sehr weit ab vom Ziele, daß eine süddeutsche Revue sich nicht dafür begeistere dürfte?" (Diese Anregung tritt ja nicht zum ersten Male an die Öffentlichkeit. Die Theater zu Mannheim und Karlsruhe veranstalten jetzt schon Wechselgastspiele, Deren Vermehrung sich leicht herbeiführen läßt. Stuttgart ließe sich als Drittes im Bunde leicht dazu ziehen. Wir zweifeln nicht, daß in absehbarer Zeit in äyniaher Weise, wie jetzt die Vereinigung Der Städte Gießen, Marburg unD Bad-Nauheim zu einem hessischen Theater- bunb bevorsteht, eine Vereinigung der größeren deutschen Bühnen ungefähr in dem von Dr. Seidl angebeuteten Weise sich vollziehen wird. D. SteD. des „Gieß. Anz.") Berlin, 4. Aug. In der heutigen Sitzung des Gabelsberg er Stenographentages würben Dank- telegramme des Kaisers von Oesterreich und des Prinzregenten von Bayern verlesen. Sodann wurde auf Antrag Noske-Wien mit allen gegen eine Stimme beschlossen, die Vorlage betreffend ^fcemänDerung bis morgen zurückzustellen und heute noLyiitials in Der Kommission zu beraten. Der Vorfttzeiide Gasttr stellte fesr, baß in den Kommissions- beratungen vollkommene Einigkeit hervortrat. FWen mit StettttErfen empfingen. Der Kommissar mußte fick Furürtziehen. In Borderrux vercrnstcckteten die Kleri- tolen eine Stoibgetumg, worauf von feiten der Republikaner eine Gegeudemcmstration organisiert wurde. Es kam zu einem Zusammenstoß wobei mehrere Personen verletzt wurden. Die Polizei muhte einschreiten und mehrere Verhaftungen vornehmen- In Chamond fand ein Protest- Meeting statt, dem etwa 2000 Katholiken beiwohnten. Repu- bMaursu Lundgeber drangen in die Straße, in der fick das Versamm tungslokal befand, und es kam zu entern Handgemenge mit den Klerikalen, wobei 4 Personen verletzt und ebenfalls zakstreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. Ta ine Schulschiwestern von Hernothes Servvllex sich, weigerten, die Thür der Anstalt zu öffnen, ließ die Polizei die Umgebungsmauer Niederreißen, drang in die Schule und lieh die Schwestern aus der Schule entfernen. Aehnlichss Zwischenfalle ereigneten sich in Saint-Pierre und Albigny in Savoyen. Der Bürgermeister und beide Schöffen von Auan find ihrer Aemter entsetzt worden, weil sie einen Brief veröffentlichten, in dem sie gegen die ministerielle Verfügung betreffs des Vereinsgesetzes protestieren. Deutsches Reich. Berlin, 4. Aug. Ter Kaiser sandte nach ferner Abreise von Schwerin dem Groß her zog von Mecklenburg-Schwerin folgendes Telegramm: ,Zch kann mir nicht versagen. Dir nochmals meine Freude auszudrücken für den gestrigen Tag. Der warme patriotische Empfang, den Deine Residenz mir bereitet hat, und dem Du Leim Diner einen so schönen Ausdruck gabst, erfüllt mich nachhaltig mit aufrichtigem Tank. Ich habe aufs neue sehen können, was ich an Dir habe und daß ich auf Mecklenburg sicher rechnen tann, was auch die ZMinft bringen möge. Wilhelm." — Der ,/Klassiker der deutschen Schrift- s p r a ch e", den der Kais er in seiner SchwerinerRede erwähnte, indes nicht mit Namen genannt bat, ist Gegenstand einer interessanten Erörterung geworben. Wen hat der Kaiser gemeint? Wie der „Reichsbote" meint, spielte der kaiserliche Redner auf Johann Heinrich Voß an, der 1751 im Mecklenburgischen geboren wurde. Andere indessen glauben, daß mit jener Umschreibung auch nur wieder Fritz Reuter gemeint sei . Die Wendung ,Massiker der deutschen Schriftsprache wäre dann allerdings auffallend. — Wie der ,^ok.-Anz." hört, beabsichtigte die K ö n i g i n Helena von Italien ihren Gemahl auf der Reise nach Petersburg und Berlin zu begleiten. Doch konnte sie diese Absicht nicht ausführen, weil sie Ende November einem freudigen Ereignis entgegensieht. — Tie Polen Berlins werden in diesem Monat eine Protestkundgebung gegen die antipolnischen Maßnahmen der preußischen Regierung veranstalten. Es sollen .insbesondere die Mittel beraten werden, um die in Berlin Heranwachsende Jugend der polnischen Nationalität zu erhalten. — Tie von uns erwähnte sozialwissenschaftliche Studie „Zur sozialen Lage der Eisenbahnen von Waldemar Zimmermann veranlaßt die ministerielle „Berl. Korr." zu folgenden Ausführungen: In der Presse wird bei dieser Gelegenheit bemängelt, daß der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten im Jahre 1898 einen Antrag des „Vereins für Sozialpolitik", eingehende Erhebungen über die Verhältnisse der unteren Beamten und Arbeiter der preuß Staatseisenbahnverwaltung anzustellen, abgelehnt habe, und zwar ohne Angabe von Gründen. Tie letztere Behauptung ist insofern unzutreffend, als die Ablehnung damit begründet war ,daß durch die alljährlichen Berichte über die Ergebnisse des Betriebes der vereinigten preußischen und hessischen Eisenbahnen und durch die Etats ausführliches Material über diese Verhältnisse bekannt- gegeben wird. Daß derartigen Erhebungen, selbst wenn sie unter der Führung eines so angesehenen Vereins wie des „Vereins für Sozialpolitik", dem auch hohe Beamte des Arbeitsministeriums und der Staatseisenbahnverwal- tung an gehör en, vearn statt et werden, mancherlei naheliegende Bedenken entgegenstehen, wurde übrigens, wenn wir uns recht erinnern, auch^ damals schon von vielen Seiten anerkannt. Im übrigen ist der Minister stets darauf bedacht, die soziale,2age der zahlreichen Beamten und Arbeiterseiner Verwaltung nach Möglichkeit zu verbessern. Er wird zweifellos Anlaß nehmen, die weiteren Anregungen aus diesem Gebiete, die die Zimmermannscke ebenso von ernstem Wohlwollen für die Eisenbahnbediensteten, als von aufrichtiger Anerkennung der Leistungen der Eisenbahnen gerade auch, aus sozialem Gebiete erfüllte Abhandlung schon bei flüchtiger Durchsicht bietet, auf das eingehendste zu prüfen. — Zu den Gerüchten über den RücktrtttdesFrei- Herrn v. Wangenheim aus dem öffentlichen Leben schreibt die „Ttsch Agrarkorr.": Frhr. v. Wangenheim habe schon bei Uebernahme seiner politischen Aemter ausdrücklich erklärt, daß seine wirtschaftlichen Verhältnisse ihm eine dauernde Ausübung seiner Funktion nicht gestatten. -Er wolle die damit vert'nüpfetn Opfer nur bis zur Entscheidung der schwebenden wirtschaftspolitischen Hauptfragen bringen. Don einer Gegensätzlichkeit der Tendenz zwischen Bund und Bundesführer könne nur derjenige sprechen, welcher die Verhältnisse des Bundes nicht kenne. Ausland. London, 5. Aug. Der König stieg gestern ohne Hilfe die Treppen an Bord seiner Nacht auf und ab. Haag, 4. Ang. Die ärztliche Untersuchung des Expräsidenten Steijn hat ergeben, daß hochgradige Nervenschtyäche die Ursache der Krankheits-Erscheinungen ist Er*kann wieder seinen Milchbecher allein zum Munde führen. Nur seine nächste Umgebung darf ihn sehen ober sprechen und er wird, wenn er auf der Veranda oder im Garten sich aufhält, stets so sitzen, daß weder er die Vorübergehenden noch diese ihn sehen. — Lucas Meyer, ein breitschultriger Riese mit mächtigem Kopf und ausgeprägten, aber gutmütigen Gesichtszügen, äußerte, er gehe streng privat nach Deutschland, um Frau und Kinder abzuholen. Letztere weilen in Dresden, weil es dort gesund und billig sei. Dann gehe er aus Gesundheitsrücksichten nach Karlsbad. Er werde" sich auch nicht mit Geldsammlungen für die Buren befassen, und etwa ihm zugehende Beträge direkt an Botha oder De Wet weitergeben. Alles in allem macht es den Eindruck, daß Meyer verhüten wollte, in England Anstoß zu erregen, damit er der Sache der Buren nicht schade. Später geht Meyer nach Südafrika zurück Wichtiger ist die Mitteilung Meyers, daß deu § 7 des Friedensvertrages thatsächlich die merkwürdige vage Form trägt, in der er von englischer Seite veröfsenttickst wurde, und daß England ganz nach seinem Gutdünken ebenso in einem nne m zwanzig Ähren die koloniale Selbstverwal- tnng der ehemaligen Republiken einführen kann. Hiermit würden die Vermutungen wegfallen, daß in dieser Hinsicht geheime Abmachungen bestehen. Oftenbe, 4. Aug. Der Kapitän des finnischen Dampfers „Trouville" hat sofort nach seiner Ankunft beim englischen Konsul eine Klage gegen das Tampsboot „$arm|unt" eingerercht, weil ein Matrose desselben aus das französische mehrere Gewehr sch üsse abgegeben hatte. Zum Glück wurde niemand verletzt. Wien, 4. Aug. Der Köni g v on Rumän ien weilt eit ein paar Tagen in Oesterreich. Er besuchte hier den Minister Grafen Goluchowsky und hält sich jetzt in Ischl auf als Gast des Kaisers Franz Josef. Belgrad, 4. Aug. Tie Anleihevorlage wurde angenommen. Shanghai, 1. Juli. Ter Großfürst Wladimir von Rußland wurde vor dem Kaiser von der Kai- erin-Witwe in kurzer Audienz empfangen. Hierauf ührte Prinz Tsching ihn in ein Neben gemach, das die Bezeichnung „Oestliches Winterzimmer" hat, und dort fand er den Kaiser, der also wieder einmal seiner Tante den Vorrang hatte lassen müssen. Schließlich brachte man den Großfürsten in die „kaiserliche Bücherei der Inschriften". Kaum hatte er sich, dort ein wenig umgesehen, als sich )ie Thür aufthat, und der Kaiser Kuangsü hereintrat, um n seinem eigenen Palaste seinem Besucher einen Gegenbesuch zu machen! Der „Herrscher" darf seinen goldenen Käfig nicht einmal für solche Zwecke verlassen! Der Grost ürst begab sich dann in das Ministerium der Auswär- :igen Angelegenheiten, wo er eine wichtige lieb erein- V.un ft wegen der Ber g w er ke und Eisenbahnen in >er Mandschurei unterzeichnet haben soll. Nach diesem Uebereinfoimnen erhält die Nussisch-Chinesische Bank das alleinige Recht, in der Mandschurei Bergwerke anzulegen und Eisenbahnen zu bauen. Die russische Regierung will dafür ihrerseits so freundlich sein, alle Maßregeln, die die chinesische Regierung für die Eisenbahn bon Peking nach Shanhaikwan am Ostende der Großen Mauer treffen wird, gut zu heißen und ihr nichts in den Weg zu legen, wenn ie für diese Linie Engländer oder Deutsche in Dienst zu nehmen wünscht. Aus Stadt und Land. Gießen, 5. August 1902. ** Sßei der g eftern beendigten theologischen Fakultätsprüfung bestanden 9 von 11 Kandidaten, nämlich: Deicke-Friedberg, Fresenius-Gießen, Gundermann- Lorbach, Jäger-Winnerod, Meyer-Friedberg, Reusch-Gießen, Schellmann-Mainz, Schlosser-Gießen, Joh. Feller-Eberstadt bei Gießen. ** 50jähriges Stiftungsfest des Gießener Wingolf. Das Fest, zu dem fast 300 Philister und Bundesbrüder erwartet werden, nimmt heute seinen Anfang. Im 6 Uhr findet Niederlegung von Kränzen an den Gräbern der auf dem Gießener Friedhof ruhenden Wingol- iten und an den Gedenktafeln am Rathaus statt. Um 8% Ihr beginnt die Begrüßungskneipe in Steins Garten. Akargens früh 7 Uhr: Aufbruch von der Lahnbrücke nach dem Gründungsort Burg Gleiberg; um 9 Uhr dort ernste Feier mit darauffolgendem Festkonvent. Nach einem kurzen Frühschoppen Rückkehr nach der Stadt, wo um 1 Uhr das Festessen in Steins Garten beginnt. Um 7 Uhr findet der Festzug statt. Derselbe nimmt seinen Weg von dem Wingolfshaus in der Wilhelmstraße durch die Ludwig- straße, Bismarckstraße, Südanlage, Seltersweg, Neuen Säue, Gartenstraße nach Steins Garten, wo um 8 Uhr der Festkommers seinen Anfang nehmen wird. I? Der Vorstand der Ortskrankenkasse beabsichtigt, der Herbst-Generalversammlung vorzuschlagen, das Statut an zwei Punkten abzuändern, um dadurch den Arbeitgebern bedeutende Erleichterungen zu schaffen. In erster Linie soll die An- und Abmeldefrist für versicherungspflichtige Arbeitnehmer, welche zur Zeit auf 3 Tage bemessen ist, auf die ganze Woche ausgedehnt werden. Alsdann soll die Berechnung des Beitrags nicht mehr nach Wochen, sondern nach Tagen erfolgen. Bei dem seitherigen Modus mußte für einen Arbeiter, der am Freitag seine neue Stelle antrat, der ganze Wochenbeitrag gezahlt roerben. Bei einem Tagesverdienst von 3,50 Mk. betrug dies z. B. 63 Pfg.; hier sollen später nur noch 21 Pfg. erhoben werden. Verläßt heute ein Arbeiter am Montag ferne Arbeit, so zahlt er 63 Pfg. Krankenkaffenbeitrag, nach Aenderung des Statuts würden in diesem Fall nur 11 Pfg. zu zahlen sein. Die Kassenleitung ist zweifellos bestrebt, jede nur mögliche Erleichterung zu gewähren, soweit solche nicht dazu dient, etwa die Mitglieder zu schädigem Es kann dies auch nur geschehen, wenn die Ortskrankenkaffe centralifiert bleibt, d. h. alle am Ort bestehenden Gewerbebetriebe bei ihr versicherungspflichtig bleiben. In der Praxis ist man sich längst darüber klar, daß in einem geordneten Krankenkassenwesen ein großer Segen für die Arbeiter wie für die Arbeitgeber liegt; denn auch diese haben das größte Jntereffe daran, ihre Leute im Erkrankungsfall ausreichend geschützt zu wiffen. ** Ein Gesangskonzert findet zum Besten der Angehörigen der bei der „ Primus" -Katastrophe Ertrunkenen am Samstag den 9. August, abends halb 9 Uhr, in Steins Garten statt. Wir verweisen auf das betreffende Inserat in heutiger Nummer. ** Hessische Landeslotterie. Die Ziehung der 6. Klaffe findet vom 22. August bis 8. September statt. Im Ziehungsrade verblieben: 1 Prämie ä 300 000 Mk., 1 ä 200 000 Mk., 1 Gewinn ä 200 000 Mk., 1 ä 100 000 Mk., 1 ä 50 000 Mk., 1 ä 40 000 Mk., 1 ä 30 000 Mk., zwei Gewinne ä 20 000 Mk., 15 L 10 000 Mk., 25 K 5000 Nck, 100 ä 3000 Mk., 175 L 2000 Mk., 350 ä 1000 Mk., 1262 L 400 Mk. u. s. w. ** Sonderzug. Von hier geht am 12. August vormittags 6 Uhr 43 Mm. ein Sonderzug nach Düsseldorf über Betzdorf, Troisdorf, welcher um 11 Uhr 7 Min. vormittags dort ein trifft. Rückfahrkarten haben 10 Tage Giltigkeit. — Vermißt wird feit dem 23. Juli der Geschäftsreisende Siegsried Samson aus Erfurt. S. war zuletzt in einem Hotel in Limburg abgestiegen und hatte von dort seine Koffer nach Bezahlung seiner Hotelrechnung per Eilgut nach Alsfeld aufgegeben. Es hat bis jetzt nicht fest- gestellt werden können, ob S. von Limburg thatsächlich ab- gereift ist; jedenfalls ist er nach diesem Zeitpunkte weder in Limburg gesehen worden, noch ist er an fernem Bestimmungs- 1 orte eingetroffen. S^ der 25 Jcch^ alt rsy ist als ein ruhiger. nüchterner Mann bekannt, und es durfte ausgeschloffen fein, daß S. vielleicht Selbstmord begangen hat. Viel wahrscheinlicher ist es, daß ihm ein Unglücksfall zugestoßen ist, bezw. daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Angehörigen des Verschwundenen ersuchen diejenigen, denen etwas über seinen Verbleib bekannt ist, Mitteilung davon an folgende Adresse zu machen: Robert Samson, Essen a. d. Ruhr. — Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Totgeborenen, betrug in der Woche vom 20. bis 26. Juli in Mainz 52, Darmstadt 32, Offenbach 29, Worms 25 und in Gießen 15, zusammen 153, darunter 77 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 31,2, Darmstadt 22,1, Offenbach 27,9, Worms 30,4 und auf Gießen 29,5 (ohne 5 Ortsfremde 19,7). — Die Todesursache anbelangend, verstorben an Masern 1 (Mainz), an Rachenbräune (Diphtherie) 1 (Mainz), an Keuchhusten 3 (2 in Mainz, 1 in Gießen), an Diarrhöe und Brechdurchfall 43 (9 in Mainz, 10 in Darmstaht, 17 in Offenbach, 5 in Worms, 2 in Gießen), an Lungenschwind- ücht 15 (4 in Mainz, je 3 in Darmstadt, Worms und Gießen, 2 in Offenbach), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 6 (je 2 in Mainz, Worms und Gießens, an Gehirnapoplexie 4 (je 1 in Mainz, Darmstadt, Worms und Gießen), an allen übrigen Krankheiten 73 (25 in Mainz, 18 in Darmstadt, 10 in Offenbach, 14 in Worms, 6 in Gießen); gewaltsamen Tod erlitten 2 Personen (Mainz). Treis a. Lda., 3. August. Heute wurde unter äußerst stattlicher Beteiligung der Ortseinwohner und auswärtiger Gäste unser diesjähriges Jugendfest gefeiert. Nach Aufstellung des Zuges am neuen Schulhause bewegte ich derselbe unter Musikbegleitung durch das Dorf nach dem nahegelegenen Festplatze, woselbst nach Absingung eines drei- timmigen Liedes durch die Kinder der ersten Klaffe der Ortsgeistliche, Pfarrvikar Grauling, eine Ansprache hielt, die in ein Hoch auf Kaiser und Groß Herzog ausklang. Hierauf begann das Spielen der Kinder, worunter besonders der von. dem ersten Lehrer Gödtel eingeübte Reigen mit den Mädchen die Aufmerlsamkeit der Zuschauer auf sich lenkte. Dazwischen wechselten Musikvorträge, Lieder, gesungen von dem Treiser Kirchenchor, Gesangverein und Kinderchor. Erst gegen Abend bewegte sich der Zug in derselben Ordnung wieder nach dem neuen Schulhause, woselbst der Ortsgeistliche noch einige Schlußworte sprach. m. Worms, 4. August. 26. Mittelrheinisches Kreisturnfest. (4. Tag.) Heute morgen um 7 Uhr begann das Elite- ober Einzelwettturnen. Die Anmeldungen ind auch hier wesentlich überzeichnet worden, und das Re- ultat, das heute abend unter fortgesetzten Jubelrufen auf tark besuchtem Festplatze verkündet wurde, war, was die Höhe der erreichten Punkte anlangte, ganz vorzüglich. Es traten, in 12 Riegen 640 ausgesuchte Turner an, — eine Zahl, die chwerlich von einem anderen deutschen Kreise übertroffen werden kann. Bis in die Dunkelheit hinein hat diese Schar unter der Kritik der Preisrichter gestanden. Man sah be- onders am Reck staunenswerte Leistungen. Allerdings hat die Sanitätswache heute 35 Mal eingreifen müssen, doch sind ernste Fälle glücklicherweise nicht vorgekommen. — Beim Festbankett am Mittag wurden mehrere Reden gehalten, die ausnahmslos den bisher vorzüglichen Verlauf der Veranstaltung, rühmten. Stürmischen Beifall erregte die Ansprache des Wormser Regimentskommandeurs, der im Hinblick auf die urnerische Tüchtigkeit des Mittelrheinkreises u. a. ausrief: „Herr Gott, mit einer solchen Mannschaft holen wir den Teufel aus der Hölle!" Abends zum ^a^reigen strömten wieder Tausende auf den Festplatz, trotzdem das Wetter nicht günftig war. Man schätzt den heutigen Besuch auf 10,000 Köpfe. — Der Kaffer und der Großherzog haben auf die Huldigungstelegramme vom Samstag geantwortet. Ernst Ludwig von Hessen schickte eine persönliche Drahtantwort. „Gut Heil"- und Hochrufe hallten nach Verlesung dieser Telegramme über den ganzen Festplatz. Die Festpostkarten sind nahezu vergriffen. — Preise erhielten u. a. Ehr. Schmidt- Gießen und Michael Kethel-Friedberg. Wetzlar, 4. Aug. Um den Tag des 60. Geburtstages der Kreisschützengesellschaft fesllich zu begehen, sowie das alljährliche Fremdenschießen abzuhallen, versammelten sich gestern nachmittag auf dem Schützenplatze die Angehörigen der Wetzlarer Schützengesellschaft nebst Gästen. Beim Preisschießen nach Scheiben auf 100, 175 und 300 m Distanz erschoß Georg Guht die Königswürde. Das Fremdenschießen dauert bis heute Abend. Frankfurt, 4. Aug. Bei Kloppenheim wurde die Leiche eines gutgekleideten Mannes gefunden, der sich einen Schuß in die rechte Schlafe beigebracht hatte. Der Tote ist der 33 Jahre alle Karl Friedrich aus Frankfurt. Friedrich war Kassier im Bankgeschäft von A. Jaffö und C. Trier. Am Frellagabend wurden Unregelmäßigketten in seiner Kaffen- führung entdeckt. Man stellte ihn zur Rede; seitdem wurde er vermißt. Nähere Untersuchung hat ergeben, daß Friedrich im Laufe der Jahre etwa 30000 Mk. oeruntreut hat, im Anfang kleinere Beträge, die Hauptsumme erst vor kurzer Zett. Friedrich war eine in hiesigen Ruderkreisen sehr bekannte Persönlichkeit. Er soll wett über seine Verhältnisse gelebt haben. Hanau, 3. Aug. Die hiesige Freireligiöse Gemeinde feierte heute im Saal des Stadtschloffes das 25jährige Amtsjubiläum ihres Predigers, Karl Voigt aus Offenbach. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Hanauer Sttafkammer verurtellte den Rentmeister des Freiherrn v. Stumm in Ramholz, Max Ieschke, wegen Sittlichkeitsverbrechen zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr. — Am 3. August morgens fand man auf dem Bahnkörper in der Nähe des Dortelweiler Bahnhofs-Vorsignals die verstümmelte Leiche des zwischen Vilbel und Dortelweil stationierten 58 Jahre alten Bahnwärters Pfeifer. Pf. ist aller Wahrscheinlichkett nach beim Begehen der Strecke von einem Zuge überfahren worden. — Im Englischen Hof in Frankfurt sind mit Gefolge angekommen: der Regent von Sachsen-Koburg-Gotha, Erbprinz Ernst von Hohenlohe-Langenburg und die Erb- prinzeffin, ferner Großherzogin Melitta, Prinzessin Elisabeth von Heffen und Prmzeffin Wilhelm von Sachsen-Weimar. — Die 29. Generalversammlung des Deutschen und Oesterreichi- schen Alpenvererns wttd bekanntlich vom 4. bis 9. Sep- elrheinisches um 7 Uhr be* e Anmeldungen , und das Re- Jubelrufw auf ms die höhe ich. Es tratm - eine Zahl, die reise übertroffen hat diese Schar Man sah be- Allerdings hat uissen, doch smd — Seim Fest- alten, bie ai& VeranstaÜmg; hmdick aus bie i u. a. ausäeft holen wir den elreigen strömten das ®etter nicht such auf 10,000 j haben auf bie ltwortet. örnst ; Drahtantwort, mig dieser W !|tpofftarten smd Ehr. Schmidt- 2« rvr bl§ 26. 0 *m .? Anwohner Bubach 27 9 5 OrtfaJ "warben an n?*1 lDtainz), JJ Diarrhöe 17 m ^Zenschnind. ®°tm§ und ^Krankheiten 5 Gießens M. Worms i5 '"Mainz, Worms, 6 in 1 Mainz). wurde unter und aus- '/est gefeiert. Hause bewegte N nach dem ’9 eines drei- 11 Klasse der Sprache hielt, lang. Hieras oesondeiL der ^igen mit raus sich lenkte, gesungen von mderchor. Erst selben Ordnung 60. Geburts-» sestlich zu be- gen abzuhaüerd M Schützenplatze Last nebst Gästen. 175 unb $0 m chei« tmtrbe,1* ;a und G. 2 I m ferner* u; feitbem d-ß M-drch tuniri«1 Kj «ft vorünzer^ 7 r^c bekannte W» V ireli^ ®ba§ tgers, uh den i« ^L- * Sfefi « Buppenf 1O3J0 00.00 29.35 28.55 1154)0 872% 8% 3V.% 8% 103.10 93L0 102.85 92.95 100.00 99.50 103.80 87a% Hessen . . 3Va% Oberhessen . 4% Oesterr. Goldretne 2630, 92.001 92.001 106.90 216-50 184^0. I35L» -144.001 155^0 Guayra wird unmittelbar angegriffen und wahrschein Uch von den Regierungstruppen verlassen werden. Dies werden sich! einem Regierungsbefehl zuiolge nach Carrara fernher in Wiesbaden abgehaüen. Das Programm verzeichnet auch einen Festausflug in den östlichen Taunus unter Führung der Sektion Frankfurt a. M. Der Ausflug wird am 8, September unternommen und geht über Königstein, Feldberg, Grenzwall und Saalburg nach Homburg, wo Festessen im Kurhaus, Illumination, Feuerwerk und Tanz den Ausflug beschließen sollem — Dem „2Q. H. Volksbl." zufolge ist die Einwechung des auf dem Wilhelminenplatze zu Darmstadt für die Großherzogin 2lüce errichteten Denkmals auf den 12. September festgesetzt. Gersten-, Gemüsesuppe rc. Gustav Walter, MauLbuvg 13. Reichsanleihe do. Konsols . do. . . An den ^uum cujmuiu), 47,% Oesterr. Silberrente 102.20 4% Ungar. Goldrente . . 10235 4°/o Italien. Rente 47»% Portugiesen BO/j Portugiesen..♦ 1% C. Türken . Türkenlose . . . 3% Mexikaner , . . 41/2% Chinesen . . . Electric. Schuckert . . Nordd. Lloyd . , . Kreditaktien , . , , Diskonto-Kommandit, . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . , Berliner Handelsges. . Oesterr. Staats bahn . . Lombarden , , , , Gotthardbahn . . . . Laurahütte . . . . « Bochum ...... Harp euer . . . . . Tendenz: fest. DmverMs-Nachrichlen. Vertin, 5. Aua. Der berühmte Historiker Ernst Dümmler Sport — Der bekannte Luftschiffer Deutsch ist, einem Telegramm aus Paris zufolge, bei einer Automobilsahrt gesturzt und schwer verletzt worden. Ueuelte Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Frankfurt a. Ast, 5. Aug. Die hiesigen medizmrschen Anstalten und wiffeuschaftlichen Institute sollen nut den städtischen Krankenanstalten zu einer Alademie für praktische Medizin vereinigt werden. Bremen, 5. Aug. Beim 16. Schwimmfest des deutschen Schwimm-Verbandes erhielt der Meiste rschwimmer von Europa Jarvis-London den Kaiserpreis. München, 5. Aug. Zwischen den Freisinnigen iutb den Nationalliberalen in Bayern schweben Verhandlungen wegen eines gemeinsamen Vorgehens bei allen künftigen Wahlen. Kopenhagen, 5. Aug. Profesior Brrke-land, der Leiter der Expedition zur Untersuchung des Nordlichtes in Archangel, wurde von einem tollen Hunde gebissen und in das Pasteur'sche Institut übersi'chrt. Paris, 5. Aug. In Landerneau war seit 2 Uhr früh alles auf den Beinen. Adlige und Bauern hielten den Platz vor dem Stift von St. Julien besetzt. In Lesnereau sind 1200 Personen mit Heugabeln bewaffnet au- gerücLt. Die Stratze nach. 6t Menn ig tzer^rrrta^ Srieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) P. R. i. K. Sie fragen: „Welchen Wert hat ein Geldstück mit bem Bildnis Kaiser Asefs 1L aus dem Jahre 1787 ? Es ist ein Silberstück und trägt die Zahl 20. Es ist wohl 20 Groschen gemeint?" — Das können wir Ihnen nicht ohne werteres beantworten, da ein solches Geldstück Liebhaberwert hat. Wenden Sie sich mit einer Anfrage au das Mümengeschäft von ,Mdols Heß Nachfolger, Frankfurt a. DL, Mainzer Larrdstr. 49." haben will, verwende M AGGlVfD GEMÜSE-u.KWFT- Kandwirtschaft. Wie«, 4. Aug. Der Stand der Hopfenpflanzungen zu Beginn des Monats August läßt, dem amllichen Bericht zufolge, in einzelnen Gegenden Oberösterreichs eine mittelmäßige, in anderen eine befriedigende Ernte erwarten. In Steiermark entwickeln sich die Pflanzen vollkommen befriedigend. In einigen Distrikten haben tarke Hagelschläge bedeutenden Schaden verursacht. In Böhmen st der Stand der Hopfenpflanzungen infolge großer Temperatur- chwankungen wenig günstig. In den meisten Hopfeudistrikten steht um Teil eine erheblich geringere ErMe in Aussicht als mt Vor- icchre. In Mährenhat sich der Stand der Hopfenpflanzuugen infolge wärmeren Wetters gebessert, trotzdem dürfte die Ernte chwächer als im Vorjahre ausfallen. In Galizien sind die Ernte- aussichlen in vielen Distrikten infolge Rußthaues und Ungeziefer bedeutend verjchlechterL Im Durchschnitt steht eine kaum mittel- bis zum Abenb des 3. August fortgedauert habe. — 2tnS! La Guayara wird gemeldet: Die Soge hat sich bedeuteudi verschlimmert Jeden Tag ist eine neue Niederlage der Regierungstruppen zu verzeichnen. General Castro schreckt vor jedem Angriff zurück und will den Kampf, mit den Vermischtes. • Regensburg, 4. Aug. Hier starb gestern Frredr. Pustet, Chef und Mitinhaber der Verlagsbuchhandlung in Regensburg, Rom und New-Yock. * Zürich, 4. Aug. In Stans wurde der Kaplan Federer wegen Sittlichkeitsverbrechen an einem Knaben verhaftet "Paris, 4. Aug. Der Marineminister hat Befehl erteilt Nachforschungen anzustellen über den Verbleib der Yacht ,Scanne", die am 27. Juli von Dieppe nach Havre abgegangen ist. Es herrschte an jenem Tage ein starker Sturm und man befürchtet, daß die Yacht mit Mann und Maus untergegangen ist Der Besitzer Martin, ein Freund desselben, zwei Damen und zwei Matrosen befanden sich an Bord. • Zur Primus-Affaire. Nach einer Meldung aus Hamburg hat der Kaiser von der Allonaer Behörde einen genauen Bericht über die Primus-Katastrophe eingefordert, sowie die Einsendung eines Situationsplanes der bei Nienstedten gelegenen Unfallstelle. • Rubinstein jun f. Aus Petersburg wird gemeldet, daß der einzige Sohn Anton Rubinsteins in einer Nervenheilanstalt zu Paris gestorben ist. • Lustmorde. In der Nähe von Ibbenbüren (Provinz Westfalen) wurde an einem 17jährigen Mädchen ein Lustmord verübt Der Mörder ist geflüchtet — Ermordet und völlig nackt in eine Kiste gepackt wurde ferner in Leipzig in einem Hofe das 8 Jahre alle Schulmädchen Anna Klein aufgefunden Anscheinend liegt auch hier ein Lustmord vor. Der Thäter ist bisher nicht bekannt. * Das Opfer eineß amerikanischen Duells war thatsächstch, wie nunmehr feststeht, der aus Mehlsack in Ostpreußen gebürtige Ingenieur Reinhold, der sich, wie wir kürzliche meldeten, auf der Fahrt nach Landsberg an der Warthe in einem Abtett L Klasse des Berliner D- Zuges erschossen hat Dem Duell liegt angeblich eine Lieb es af faire zu Grunde; ein Freund bewarb sich um die Gunst von Reircholüs Herzensdame, was schließlich die Herausforderung zu einem amerikanischen Duell zur Folge hatte. Das Todeslos traf Reinhold, der den Freund gefordert hatte. Diese Angaben werden zum Teil durch, einen Brief bestätigt den Reinhold unmittelbar vor Ausführung der That an seine in Ostpreußen lebende Mutter gerichtet hat. In diesem Schreiben bittet er die Mutter, sie möge ihm nrcht fluchen, wenn er freiwillig aus dem Leben scheide; er sei sich vollständig llar über seine Handlung. Die Herausforderung zum Duell nach amerikanischer Art habe er selbst veranlaßt. Das Loos, zu sterben, sei ihm zuge- fallen. . . . Der unglückliche junge Mann war, wie jetzt bekannt wird, vom 15. Januar bis Ende Juni d. I. als Ingenieur bei dem Deichbauamt in Kaukehrnen angeftelll und hatte sein gutes Auskommen. Seit 15. Juli war er in gleicher Stellung bei einer Berliner Deichbaufirma beschäftigt und wohnte in Charlottenburg. Seine Vorgesetzten stellen ihm das Zeugnis eines braven Mannes aus, der durchs seinen Fleiß und seine Begabung noch; viel hätte erreichen können Inzwischen hat in aller Stille und nur in Gegenwart eines Bruders die Beerdigung des Unglücklichen auf dem Friedhose zu Landsberg a. W. stattgefunden " Ein Luftschiffer vom Prinzen Heinrich ge- gerettet. Der Wiener Lustschiffer Strohschneider unternahm mit seinem Begleiter einen Aufstieg. Aus bedeutender Höhe stürzte plötzlich der Ballon in den Kriegshafen hinab, unweit des Panzers Kaffer Friedrich HL Der Geschwaderchef Prinz Heinrich ließ sofort Pinaffen klarmachen, bestieg davon eine zur Beteiligung am Rettungswerk und rettete den Luftschiffer, dessen Begleiter schwimmärd ein Linienschiff erdicht hatte. * Aus den Bergen. Der Münchener Schriftsteller Otto Müller, der sich auf die Zugspitze begeben hatte, wird vermißt. — Der seit Montag voriger Woche von Zermatt aus vermißte HerrLudw. Maas, Gerichtsaffeffor aus Berlin, der seiner Aeußerung zufolge Edelweiß suchen gegangen war, ist nach langem vergeblichen Suchen beim Durchsuchen der Zmuttflühe als zerschmetterte Leiche, von der der Kopf abgerissen war, an einer senkrechten Felswand unter dem Hohlicht hängend entdeckt und unter großen Schwierigkeiten geborgen worden Er war mehrere hundert Meter vom Hohlicht abgestürzt • Eine Gesundbeterkirche wird binnen kurzem die Stadt Hannover aufweisen Die dortige sehr stacke Sekte der Gesundbeter läßt gegenwärtig eine für ihre Andachtsund Gesundbetungs-Uebungen bestimmte, Kapelle erckchten, die bei einer Höhe von 9 Mtr., einer Brette von 16 Mir. und einer Länge von 7 Mtr. 400 Sitzplätze erhält und in gothischem Sttl aufgefühck wird. Die Kapelle erhalt einen besonderen Chorraum und eine oorgelagecke Einickttshalle und soll bereits im Oktober eingeweiht werden Es ist dies das ■«rj'te diesackige Gotteshaus in Deutschland. • Wie der „Voss. Ztg." aus Venedig depeschieck wird, mehren sich die Anzeichen, daß der Palazzo Reale durch den Einsturz des Campanile in bedrohlicher Weise in Mttlerden- schast gezogen wurde. Schon in den letzten Tagen wurde eine Erweiterung der Mauerrisse bemerkt und eiserne Träger, welche die Maueckeile Zusammenhalten sollten, brachen Gestern Morgen fand man auch an der zweiten Säule, vorn Campanile aus gerechnet, Sprünge; im dritten Bogen fand man Marmorschild und Gesimse gebrochen Der Sprung reicht bis zum Dach. Lautes Krachen hatte nachts die Aufsichtsorgane aufmerksam gemacht, daß sich neue Riffe bilden. . und zwei Kompagnien Kolonial-Truppen zur Abfahrt in die Dörfer bereit Paris, 5. Aug. Zeitungsmeldungen aus Tunis zufolge wurden in Kairuan zwei Individuen verhaftet, die- eine Verschwörung gegen die Regierung anzetteln wollten. Sie veckündeten, der Sultan werde bald kommen und sie be» reien Mit diesen Verhaftungen ist den Agitationen der Lebensnerv unterbunden Sorrent, 5. Aug. Eine Ortschaft im BezlrVe dvG Plouay ist durch Feuersbrunst völlig zerstört worden Sämtliche Farmen mit Ernte und Viehbeständen sind ent Raub der Flammen geworden Der Materialschaden ist! bedeutend. Castelnaudary^ 5. Aug. Als gestern ein Polizei- kommissar die Schule der Schwestern in St Vincent-de-Pcmt schloß, legte Marquis Castetet Einspruch ein und zerbrach die Siegel. Lissabon, 5. Aug. Tie Königin ist nach Mx tegl Bains ab gereist Leiria (Pockugal), 4. Aug. Ein starker Erdstoß wurde hier gestern Abend und gegen Mitternacht wahrgenommen Der Erdstoß wiederholte sich heute früh 6 Uhr 45 Minuten. Wien, 5. Aug. Wie die Blätter melden, fand bie; Beerdigung desHofschauspielers Christ statt. Nachdem^ was bis jetzt bekannt geworden, scheint Chrfft einen sorg^ fällig vorbereiteten Selbstmord begangen zu haben Lemberg, 5. Aug. Aus dem Bezirke Tarnopol wick^ gemeldet, daß nunmehr auch die deutschen Salo«* nisten sich upr der Streikbewegung zu betelllgen^ beginnen. Diese galten bisher als die ruhigsten und ge^ duldigsten Feldarbeiter. Dagegen wurde der (ätretfl in Buzacz durch Vermittelung des Sozialisten fützrerq Dr. Atosler beigelegt. Budapest, 5. Aug. Der vom Minister des Juueru z»H Revision der Wirtschaftticheu Gebahruug nach Theresiopek euffandte Revisor hat unerhörte Zustände gefunden. Zwei Millionen städtische Gelder sind spurl-og verschwunden, dreimal soviel ohne jede Vollmacht verausgabt worden. Das Geld ist zum größten TeU unterschlagen worden Sämttiche Beamte wurden h astet Washington, 5. Aug. Ein Regierungs-TelegrarmH aus Panama an die kolumbische Gescsrdtschiaft berichtet^ daß ein Groß-Gefecht zwischen Regierungstruppen un« löte; OLies“, Mehl- mäßige Ernte zu ermatten. “ ' - • Aua. Nach dem amtllchen Saaten st ands° _____ _____ „j. Juli wird der Ertrag des Weizens aus 43,35 Mill. Mtr.°Ztr gegen 42,51 am 20. Juli geschätzt, der des Roggens aus 13,68 gegen 13,48, der Gerste auf 12,56 gegen 12,43, des Hasers auf 11,46 gegen 11,37 am 20. Juli d. I. — „Die deutsche Ziege." In der vor kurzem erfchienenert Beschreibung der Ziegenzucht Deutschlands, welche die Deutsche Landwirtschasts-Gesellschast berausgegeben hat, giebt der Versasser, Zuchttnspekwr Dettweiler, ein Bild über den Stand der deutschen Ziegenzucht, deren Bedeutung und Erzeugnisse, sowie der Mittel zur Hebung dieser Zucht Die Bedeutung der Ziegenzucht ergiebt die Feststellung, daß der Wert der Ziegenmttcherzeugung in Deutschland auf 150 Mll. r* 1 c ' c ’' £mi" """ __, ...... Mk^ der der Fleischerzeugung auf 14 Mill. Mt geschätzt'wird. In Ostelbien spielt die Ztegenhaltung eine untergeordnete Rolle. Nicht ganz so verwahrlost wie im Osten ist die Ziegenzucht im Westen und Süden; namenttich hat man aber hier, da es säst überall an ordnungsmäßig gezüchteten Schlägen sehlle, die Saanenziege eingeführt und ist damtt zu einer ordnungsmäßigen Zucht übergegangen. An der Spitze dieser Bestrebungen marschiert das Großherzogtum Hessen. Diese Bestrebungen finden ihren Ausdruck auch darur, daß eine größere 2lli- zahl von Ziegenzucht-Vereinigungen entstanden ist Es gibt im ganzen wohl mehrere hundert Bockhaltungs-Genosienschasten; ferner auch 36 Ziegerizucht-Genossenschaften mit einem vollständigen Zucht- betrieb, d. h. Rötung aller Tiere und Führung von Zuchtbüchern. Diese vertetten sich wie folgt: Ostelbien 4, Westelbien 12, Württeni- berg 3, Baden 4, Großherzogtum Hessen 13. Anerkannt bestes Mittel gegen Ns4Veiß,SchVielell,LohlenbrMeilrr. smd Ir. Mes hygien. Asbest-Mg-Mn (patentiert in der ganzen Welt). 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Diese überaus popttoren Straßenfiguren haben nunmehr in Lastans Danoptikunr Ausstellmig gesirnden; einen Ehrenplatz nimmt in dem Franyrrtter Saal der Frankfurter Dichter und Schriflsteller Friedrichs S t o l tz e ein, dem zu begegnen allen Frankfurter Besuchern des! Panoptikums eine ganz besondere Freude sein wird. Neu ein- getroffen sind außerdem die Figuren der in der lechtenZett so schwer, heimgesuchten Königin von Holland, I. Maj. die Kaiseckus Augusta Vttlocka, sowie Kafferin Fckedrich; jede Figur zeigt eine? überraschende Achnlichkeit Ziegenzucht verein, Heneratversammtung Samstag deu 9. August, abends 8V3 Uhr, tu der Stadt Eaffet»' Tagesordnung: Ankauf von Schweizer Ziegen und Lämmern durch den landw. herein der Provinz Oberheffen. — Verschiedenes. zurückziehen. Wetter wird gemeldet, daß die Effeubahrr-- züge von den Aufständffchen angegriffen und geplündert werden. Die Regierung hat fümtllHes Geld in ben Banken von Venezuela mit Befchllag belegt. Gold ist nm 3 pLtt gesttegen. In einem vorgestern stattgehabteu Karnfffe verloren^ die RegiernngMruppen über 100 Wann an Toten und Verwundeten. Arbeiterbewegung. Lemberg, 5. Aug. Die Lage im Ausstandsgabiete ist ziemlich unverändeck, doch läßt sich in einigen Bezirken ein beruhigender Eindruck der Bckanntmachung des Statthallers feststellen. In einer Gemeinde ist die Arbeit wieder ausgenommen, in mel)teren anderen Gemeinden dagegen niedergelegt worden. Nach Letzteren wurde militäcksche Hllfe entsandt, ebenso nach zwei anderen Gemeinden, wo die Bauern drohten, fremde Arbeiter nicht zr^ulaffen. In einer Gemeinde wurden allen arbeitenden Bauern die Fensterscheiben eingeschlagen. In Bt^ezany wurde der Sohn eines gcke- chischen Pfarrers wegen Aufwiegelung verhaftet. Zundel und Verkehr. Vslkswittschust. Wiesbaden, 4. Slug. Johann Faber, der Mitinhaber der bekannten Rheinrhederei, ist hier heute Nacht gestorben. Washington, 4. Aug. Der Bericht des Ackerbaubureaus schätzt den Durchschnittsstand der Baumwolle am 25. Juli auf 81,9. — Die Generalversammlung der Rheinischen Schuckert- Gefellschaft für elektrische Industrie, AtL-Ges., Mannheim, genehmigte die Anträge der Verwaltung, insbesondere die Verteilung von 4pCt. (i. V. 7pCt.) Dividende und wählte die auS- scheidenden Mitglieder des Aussichtsrats wieder. — Fabrik feuerfester und säurefester Produkte. In Sachen, betreffend die Löschung der Eintragung der eckolgten Erhöhung des Grundkapitals um die fünfte und sechste Million bei dieser, jetzt bekannttich an die Siemens - Glasgesellschaft übergegangenen Gesellschaft hat das Kammergericht durch Beschluß vom 26. Juli ds. Js. bie für 83 Aktionäre mit einem Besitze von etwa 400 000 Mk. eingelegte weitere Beschwerde zurückgewiesen. Der Jnstanzenzug ist damtt erschöpft. — Zum Falliment Rocksch Rächst Zu gleicher Zeit mtt der Meldung, daß dieses mtt 2 Millionen Defizit veckrachte Bankhaus fettens der Verwandten der Inhaber neue Verhandlungen zu einer (Sanierung eingeleitet hat, brachte der ^Reichsanz." eine Bekanntmachung, wonach der eine der Inhaber, Geh. Kommerzienrat Vtttor Hahn, der dem Aufsichtsrat von nicht weniger als 23 Aktiengesellschaften als Vorsitzender und 5 Gesellschaften als Mitglied des Aussichtsrats angehorl mit zum Liquidator der Dresdener Aktten-Zichorien- und Kaffee-Surrogatsabckk, norm. Teichel u. Claus, ernannt worden war. — Ein neuer Krach wird aus Dresden telegraphisch gemeldet. lieber die Aktien-Ges. für E l ek t r iz i t a ts- Centralen, eine Tochter-Gesellschaft der Elektrizitätswerke, ist am Montag das Konkursverfahren eröffnet worden. Die Gesellschaft wurde t I. 1899 von dem jetzt fallierten Bankhause Rocksch Nacht, gegründet. Die Passiven werden auf 2 Mill. Mk. geschätzt. — Die Getreidefirma Theodor Schneider in Schweidnitz hat Konkurs angemelbet Der Inhaber Georg Schneider wurde verhaftet. Die Firma war Besitzerin der großen Lehnsmühle in Nieder-Weisttitz, stand auch intt dem hiesigen Platz in geschäftlicher Verbindung. im 69. Lebensjahre. Die Beerdigung findet in aller Stille in Giessen statt. — Blumenspenden sind nicht im Sinne des Verstorbenen. Die trauernden Hinterbliebenen: Louisa Weichei, geb. Kopp. Julius Weichei, Kaufmann in Buffalo. Dr. Hermann Weichei, Stabsarzt in Heidelberg. Alexander Weichei, Hauptmann und Batterie-Chef im 1. Lothr. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 33 in Metz. Emilie Kienzler, geb. Weichei. Theodor Weichei, Apotheker in Weimar. Mathilde Wörner, geb. Weichei. Alfred Weichei, Leutnant im 2. Bad. Feld-Artillerie- Regiment Nr. 30 in Rastatt. Marie Weichei, geb. Hess. Ernst Kienzler, Pfarrer in Neuengronau. Dr. Paul Wörner, Kreisamtmann in Gross-Gerau. Neustadt (Odenwald), den 4. August 1902. 03364 Statt jeder besonderen Anzeige. Heute früh verschied nach längerem, schweren Leiden mein lieber Mann, unser unvergesslicher, treuer Vater der Grossherzoglich Hessische Generalarzt a. D. Br. Emil Weichei Aufruf Am 23. Juli gab der Geschäftsreisende Siegfried Samson aus Erfurt auf der Station Limburg sein Gepäck nach Alsfeld auf. Seit dieser Zeit wird er vermißt. Jedermann, der irgend welche Auskunft über den Verbleib geben kann, wird dringend ersucht, Nachricht an Robert Samson in Essen a. d. Ruhr gelangen zu lassen, da ein Unglücksfall vermutet wird. — Personalbeschreibung: 25 Jahre alt, 1,63 m groß, schlank, dunkles, hochgekämmtes Haar, etwas gebogene Nase, kleine Narbe über dem linken Auge.03379 EWWWDl Stöbt. Schlachthaus. Freibank. Heute uud morgen: S-«ei«rfltisld 50 Kfg. Während der Marktzeit findet 'bei Verkauf des Fleisches in der Grobschlachtviehhalle statt.______ ZM Hchki jungt Tuben lebend uud geschlachtet, sowie alles 5587 LaiM-Wzel n. 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