Nr. 155 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Samstag 5.Juli LS«Ä Vrschetnt täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch° u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Lldresie für Depeschen: Anzeiger Gieße». Fernsprechanschluß Nr. 51. Eichener Anzeiger ** General-Anzeiger v " Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giehen BezngSpreiSr monatlich 75 Pf., viettel* jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch die Poft Mk.2.—vierlel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12 Pf- auswarts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wtttko: für .Stadt und ßctrtb' und »Gerichtssaal^: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. pie Heutige Wummer umfaßt 18 Seiten. Politische Tagesschau. Eine seltsame Erklärung. Aus Berlin., 4. Juli, wird uns beschrieben: Die Erklärungen des französischen Ministers des Aus- wSrtigeu D e l c a s s ö über die Mitteilungen der italienischen Regierung zum Dreibund vertrag hinterlassen eine etwas peinliche Empfindung. Die italienische Regierung sorgte selbst dafür, sagte Delcassß, die Lage aufzuklären und zu präzisieren. Also es liegt eine durchaus spontane, freiwillige Handlung der italienischen Regierung vor; von Frankreich her bedurfte es nicht einmal des Wunsches oder der Anregung, um Italien zu einer offenherzigen Aeußerung über die Tendenz des Dreibundes zu veranlassen. Sollte es wirklich nötig gewesen sein, Delcasss nach dieser Richtung hin „Aufklärung" zu geben? Nein, Minister Prinetti, der schon als Abgeordneter aus seinen fran- Asischen Sympathien kein Hehl machte, glaubte ein übriges zur Befestigung der glücklich angebahnten Freundschaft thun zu müssen und gab gleich eine ganze Reihe von ,Versicherungen ab zur vollkommenen Beruhigung Frankreichs. Lückenloser, wortteicher konnte die Beteuerung nicht er»- folgen, daß Italien keinenfalls und in keiner Form bei einem Angriffe gegen Frankreich mitwirken werde. Es ist ein „Garantieschein für Woblverhalten", wie er sonst nur von Änem Heineren Dem größeren Staate ausgestellt wird. Auch wenn man berücksichtigt, daß Del- casss als Franzose des Effektes halber die Farben kräftig aufgetragen hat, bleibt genug übrig, um aus den Ernährungen der ttalienischen Regierung den — sicherlich unbeabsichtigten — Einoruck eines gewissen Abhängigkeits- Verhältnisses zu gewinnen. Insbesondere enthalten die Worte: „Daß Italien in keinem Falle und in keiner Form das Werkzeug oder der Gehülfe eines Angriffs gegen Frankreich werden könne", falls diese Worte getreue Wieders gäbe der italienischen Erklärung sind, eine Bescheidenheit, ja beinahe Selbstherabsetzung, die Italiens Staatsmänner nicht in glänzende Beleuchtung rückt. Der Vergleich mit einem „Werkzeug", einem „Gehülfen" ist alles andere als schmeichelhaft. Eine Großmacht braucht nicht erst zu versichern, daß sie sich nicht zum „Werkzeug", zum „Gehülfen" für die Absichten anderer hergeben wird. Wir glauben kaum, daß man in Rom sehr angenehm berührt ist von der Veröffentlichung dieser intimen Ergebenheitsversicherungen, auch wenn sie den letzten Rest des Mißtrauens in Frankreich gegen die Aufrichtigkeit der italienischen Freundschaft beseitigen. Der Dreibund ist in völlig unveränderter Form erneuert worden. Es hätte genügt, daß die italienische Regierung diese Thatsache zur Kenntnis der französischen Regierung brachte. Frankreich empfing dadurch eine ausreichende Gewißheit, daß der friedliche und defensive Charakter des Bündnisses fortbesteht. Es heißt „offene Thüren einstoßen", wenn Herr Prinetti in den feierlichsten, bindendsten Ausdrücken noch speziell Italiens Friedensliebe betonte. Dadurch kann der Schein erweckt werden, als ob Deutschland und Oesterreichf-llngarn esminder e rnst meinen mit ihren auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen. „SBir unsererse its werden nicht mitthun bei einem Angriff gegen Frankreich', das ist aus dem Französisch-Italienischen übersetzt der hauptsächliche Sinn jener „Aufklärung" und „Präzisierung" der Lage. Eine hervorragende Rolle hat, nach den Andeutungen Delcassss, die „Damenpolitik" bei der Annäherung Italiens an Frankreich gespielt. Königin Elena von Italien, die einsttge montenegrinische Prinzessin, scheint die Fäden geknüpft zu haben — auf Anregung von russischer Seite. Der Vater des Zaren, Alexander III., nannte s. Zt. den Fürsten von Montenegro den „einzig wahren Freunde Rußlands". Nicht unbekannt ist, daß auch, die Gemahlin des Kaisers Nikolaus lebhaften und einflußreichen Anteil an der Politik nimmt Das erklärt manches in der russischen „Stimmungspolitik". Man wird also mit diesen hohen Frauen, mit ihren Sympathien und Antipathien, zu rechnen haben. Die Zolltarifkommiffiou setzte die gestern begonnene Beratung des Abschnittes 5H, Kleider, Putzwaren rc., fort und nahm die Positionen 517, 518 und 520 nach frier Vorlage an, Position 519, Kleider, Putzwaren aus Baumwolle, nach dem Anträge Förster- Sachsen mit 350 statt 400 Mark der Vorlage. Im Laufe der Debatte bekämpfte Staatssekretär Graf Posadowsky die Haltung der Sozialdemottaten, welche durchweg Zollfrei- heit wollten, um Handelsverträge zu erlangen und betont, andere Staaten seien nicht solche Gemütsmenschen, daß sie dann überhaupt noch Handelsverträge abschlössen, vielmehr würde Deutschland ein Abladeplatz ihrer Waren werden. Die Handelspolittk sei ein Kampfplatz zweier Egoisten. Die autonome Einführung des Freihandels sei unmöglich Graf Posadowsky fuhr fort, der Zolltarif sei keineswegs zur Unterstützung einzelner Interessengruppen verfaßt, auch keineswegs das ausschließliche Werk des Reichsamts des Innern, er stelle vielmehr die Opinio publica sämtlicher deutscher Regierungen dar. Er warne ebenso vor Ueber- spannung des Protektionismus, wie vor dem Zuschlag eines Zollinstruments, das zur Wahrung unserer industtiellen Stellung nötig fei. Denen, die den Zolltarif hintertreiben wollen, bemerke er, daß die Lage viel ernster fei, als sie denken. Bezüglich der Abschaffung der Zollschranken gelte Miräbeaus Wort von der Abschaffung der Dodessttafe. Die Zolltarifkommission nahm unverändert die Positionen 521 bis irttl. 526 an. (Rest des Abschnittes Kleider, Pchzwaren, ferner künstliche Blumen, Regenschirme, Sonnenschirme, aus Tuchecken geflochtene Schuhe ohne angenahte Soblen). Die Kommission erhöhte in Position 527 den Zoll für Schuhe mit angenähten Sohlen ganz oder teilweise aus Seide von 250 Mark des Entwurfes auf 600 Mark' und genehmigte unverändert den Rest ber Position 527, ferner die Positionen 528 bis 532, Menschenhaare und Waren aus denselben, zugerichtete Schmuckfedern, Fächer, ebenso die Pos. 533 bis 542, Männerhüte, Frauenhüte aus Gespinnstwaren, Filz und Stroh, Pos. 543, Abfälle von Gespinnstwaren. Hiermit ist der Abschnitt Spinnstoffe erledigt. Weiterberatung Montag. Sechster Abschnitt (Leder). Ein Erfolg der deutschen Industrie. Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen mit der englischen Industrie ist gelegentlich des Wettbewerbs um die Lieferung von Lokomotiven für die Ost- indische Eifenbahngesellschaft klar zutage getreten. Der Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton, mußte auf eine Anfrage im Unterhause mitteilen, daß die betreffende Eisenbahngesellschaft die deutsche Offerte den englischen vorzog, weil deutscherseits ein um mehr als 25 Prozent billigeres Angebot bei wesentlich kürzerer Lieferungsfrist fixiert war. Die erforderlichen 32 Lokomotiven seien daraufhin endgiltig bei der deutschen Firma — A. B o r s i g -Berlin — in Aufttag gegeben worden. Ueberraschend schnell hat sich also der Wunsch erfüllt, den unlängst, bei der Feier der Fertigstellung der 5000. Borsigschen Lokomotive, Der frühere preußische Eisenbahnminister v. Thielen äußerte: daß die Erzeugnisse dieser Firma den Ruhm der deutschen Arbeit in ferne Länder tragen möchten. Die englischen Industtiellen werden es erklärlicherweise besonders schmerzlich empfinden, in ihrer eigenen Kolonie von den Deutschen geschlagen worden zu sein. Das eröffnet aber den Deutschen günstige Aussichten für den Wettbewerb erst recht in nichtenglischen Ländern. Die Vergebung von Kriegsschiffbauten, möglichst an Privatwerften wurde im Anschluß an das Flottengesetz von 1900 in einer Resolution des Zentrums gefordert, um auch die auf Privatwerften beschäftigten Arbeiter der vermehrten und andauernden Arbeitsgelegenheit teilhaftig werden zu lassen. Die Marineverwaltung ist diesem Ersuchen nachgekommen und hat den größeren deutschen Privatwerften Bauaufträge erteilt, die in durchaus zufriedenstellender Weise ausgeführt wurden. Es sollen nunmehr auch die kleineren Werftetablissements zum Kriegsschiffsbau herangezogen werden, was umsomehr zu begrüßen ist, als an den hierbei in Betracht kommenden Schisfstypen der kleinen Kreuzer und Kanonenboote in nicht ferner Zeit, bei Vermehrung der Auslandsschisfe, ein größerer Bedarf sich Herausstellen wird, also den kleinen Wersten lohnende Beschäftigung in Aussicht steht. Solche Werften befinden sich z. B. in Flensburg, Lübeck und Rostock. Aus diesen ist in neuerer Zett eine Anzahl leistungsfähiger Dampfer für hanseatische Rhedereien hervorgegangen, ihre Geeignetheit auch für den Kriegsschiss- bau kann danach wohl nicht in Zweifel gezogen werden. Seitens der Ostseerhederei haben diese Wersten umfangreiche Aufträge schwerlich zu gewärtigen, da die Lage der Ostseeschifsahrt nach wie vor zu wünschen läßt. lich zu feilt Nach den vorliegenden Nachrichten befinden sich in den Gefangenenlagern auf Ceylon 110, St. Helena 72, den Bermudasinseln 23, in der Umgegend Bombays, soweit bis jetzt ermittelt, etwa 40 Deutsche, außerhalb dieser Konsularbezirke befinden sich keine deutschen Gefangenen. — Die Versammlung, in der Graf Pückler über seine letzte Gerichtsversammlung sprach, und den Gerichtshof sowie die deutsche Presse kritisierte, wurde nach halbstündiger Dauer polizeilich ausgelöst. Dresden, 4. Juli. Nach einem dem außerordentlichen Landtage heute ^gegangenen kgl. Dekret, betreffend die Verabschiedung der Zivil liste und der Apanagen, sollen erhöht werden: die Zivllliste des Königs von 3 052 000 auf 3 550 000 Mk., ab 1. Juli 1902; die Apanage der Königin-Witwe von 123 333 aus 210 000, des Kron^ Prinzen von 185 000 auf 300 000, der Prinzessin Mathilde von 18 500 aus 20 000 Mk. — Die Königin-Witwe verzichtet indes auf die Erhöhung, vorbehaltlich der Bewilligung, einer einmaligen Abfindungssumme von 90 000 Mark für1 die Errichtung eines selbständigen Haushalts. Leipzig, 4. Juli. Der amerikanische Botschafter am Berliner Hofe Mr. White hielt heute aus Anlaß der amerikanischen Unabhängigkeitsfeier hier eine längere Rede über die Politik und die Ideen des Präsidenten Roosevelt. Von besonderem Interesse für Deutschland waren seine Bemerkungen über die Vorliebe des Präsidenten für deutsches Wesen und deutschen Geist. Mr. White erklärte, Präsident Roosevelt habe zu einem feiner nach Europa fahrenden Freunde gesagt: „Ich hatte von Jugend auf eine Liebe und Verehrung für Deutschland, und wenn ich das sage, so wissen Sie, daß ich das auch so meine. Und Sie kennen mich zur Genüge, um überzeugt zu fein, daß dem so ist". Der Botschafter fuhr dann fort: „Alle, die den Präsidenten Roosevelt kennen, wissen, daß kein anderer Präsident, Garfield vielleicht ausgenommen, so völlig ersaßt hatte, was Deutschland der Zivilisation gegeben hat und noch immer giebt." Düfseldors, 4. Juli. Heute fand die zweite Plenarsitzung des Internationalen Schiffahrts-Kongresses statt, der Unterstaatssettetär Zorn von Bulach-Straßburg und Oberpräsident v. d. Recke-Münster beiwohnten. Vor Einttitt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende, Ministerialdirektor Schulz-Berlin ein Danktelegramm des Kaisers aus das an ihn gerichtete Begrüßungstelegramm. Sodann wurden die Resolutionen, welche die Abteilungen des Kongresses gefaßt haben, ohne Widerspruch gebilligt. Hierauf folgten Ansprachen der Vertreter der ausländischen Regierungen, die ihren Dank für die herzliche und glänzende Aufnahme in Deutschland, insbesondere in Düsseldorf, in warme Worte kleideten. Daraus schloß Ministerialdirektor Schulz mit dem Wunsch auf ein frohes Wiedersehen den Kongreß, nachdem Oberbaudirektor Fran ziu s-Bremen ein Hoch auf den Kronprinzen als Protektor des Kongresses ausgebracht hatte. Heute nachmittag giebt die S t a d t zu Ehren der Teilnehmer des Kongresses ein Festmahl. Bayreuth, 4. Juli. Das Ergebnis derReichs- tagsersatzwahl ist folgendes: Hagen (nl.) 3911, Fenchel (B. d. L.) 3295, Günther (fr. B.) 1164 und Hügel (Sz.) 5498 Stimmen. Es ist also eine Stichwahl zwischen Hagen und Hügel notwendig. Deutsches Reich. Berlin, 4. Juli. Aus Kiel wird gemeldet: Die Wettfahrt des kaiserl. Nachtklubs des Norddeutschen Regattavereins Kiel-Travemünde begann heute vormittag 6 bezw. 8 Uhr in festgesetzter Weise. Der Kaiser nahm in Begleitung des Prinzen Heinrich, des Großherzogs von Sachsen, des Reichskanzlers Grafen Bülow und der Herren der kaiserlichen Umgebung an Bord des „Meteor" an der Wettfahrt teil. — Weiterhin wird aus Travemünde gemeldet: Die „Hohenzollern" mit der Kaiserin an Bord lief heute nachmittag 6 Uhr 30 Min., begleitet von dem kleinen Kreuzer „Nymphe" hier ein und machte auf der Rhede fest. Die großen Yachten werden nicht vor Mitternacht erwartet. Der Kaiser, welcher an Bord des „Meteor" ist und Prinz Eitel Friedrich, welcher auf der „Iduna" segelt, gedenken nach dem Einlaufen der Yachten sich an Bord der „Hohenzollern" zu begeben. — Die „Frkf.-Ztg." berichtet aus Newyork: Kaiser Wilhelm kabelte an die Zeichner seiner Y a cht „M e- teor III.": „Ich bin von den guten Eigenschaften der Yacht befriedigt, und beglückwünsche die Zeichner. Es ist ihr gelungen, eine Schnellig keit von 60 Seemeilen in der Stunde zu erreichen. — Reichskanzler Graf Bülow wird dem Vernehmen nach von Kiel aus sofort seinen Sommer-Urlaub antreten und sich wie im vorigen Jahre nach Norderney begeben. Auch der Staatssekretär Freiherr von Richthofen wird sich jetzt auf Urlaub begeben. Beide Herren werden erst nach Berlin zurücktehren, wenn der König von Italien im August zum Besuch des kaiserlichen Hofes hier eintrifft. c c m — In Den nächsten Tagen werden sich d r e r B e a m t e der Reichspost-Verwaltung in dienstlichem Auftrage nach den Vereinigten Staaten begeben, um die dortigen Post- und Telegraphen-Einrichtungen zu studieren. „ „. r , — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die englische Regierung wies die zuständigen Kolonialbehörden an, den kaiserlichen Konsuln in Colombo, St. Helena, Hamilton (Bermuda) und Bombatj diejenigen deutschen Gefangenen, welche auf eigene Kosten heimzukehren wünschen, zur Verfügung zu stellen. Die kaiserlichen Konsuln erhielten Den Auftrag, diesen Gefangenen thunlichst behilfAusland. London, 4. Juli. Heute vormittag 10,15 Uhr wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Der König hatte eine gute Nacht und hat merklich besser geschlafen als je seit der Operation. Die Wunde verursacht jetzt weniger Schmerzen, der König kann sich im Bett freier bewegen, der Appetit ist besser geworden. — Der Preß-Associcttion zufolge steht eine weitere Einschränkung der täglichen Bulletins über den Zustand des Königs bevor. — Nach der „Voss. Ztg." schreitet die Genesung des Königs ununterbrochen fort. Nach Palastberichten würden die Aerzte in wenigen Tagen im stände sein, den König als gänzlich außer Gefahr zu bezeichnen und die täglichen Krankheitsberichte auf einen einzigen zu beschränken. Nur noch ein Leibarzt bringe die Nacht im Palaste zu. Der König erreiche rasch das Stadium, wo nichts anderes als sorgfältige Pflege zur völligen Wieder- genesuna erforderlich sei. — Lord Kitchener wird Ende nächster Woche hier eintreffen und es soll ihm ein großartiger Emp fang bereitet werden. Der Prinz von Wales und der Herzog von Connaught werden Lord Kitchener im Namen König Eduards bewillkommnen. Tas endgiltige Programm für die Empfangsfeierlichkeiten wird erst in nächster Woche festgesetzt werden. — Das Oberhaus nahm die dritte Lesung der Fi- n an zbill an. — Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der Vorlage an, durch welche die Bestimmungen, betreffend den Verkauf von berauschenden Getränken verschärft werden, und nahm in feiner zweiten Lesung Die Patentgesetznovelle an, betreffend Patentgesuche und Verleihung obligatorischer Gewerbescheine in Fällen, wo der Inhaber eines Patents das Patent nicht gehörig benutzt. — Eine Depesche aus Loure nzo Marques meldet, daß 12000 Eingeborene unter Dem Häuptling Canga vom Barne-Stamm in Sambesien sich empört haben. 100(1 portugiesische Soldaten gingen an Bord eines Kreuzers nach Chinde an der Mündung des Sambesi, wenige Meilen nördlich von Beira, um gemeinsam mit 300 eingeborenen Soldaten den Aufstand zu unterdrücken. Paris, 4. Juli. Die Neuwahlen von ein Drittel Der Senats in itglieDer (76 Sitze) finden Die Taube war ganz ermattet und ließ sich ohne Mühe ein- fangen. Mainz, 4. Juli. In der Copalwäscherei und chemischen Fabrik von Traine u. Hauff brach heute nachmittag halb 2 Uhr Feuer aus, das reiche Nahrung fand und die Fabrik zum größten Teile einäs,cherte. Bingen, 3. Juli. In den letzten Nächten wurden wiederholt die Leitungsdrähte durchschnitten, welche den elektrischen Wasserstandszeiger des Hochwasserbehälters des Wasserwerks mit der Pumpstation verbinden. Abgesehen von dem materiellen Schaden, kann der Wasserbehälter nächtlicherwelle überlaufen und die Keller der angrenzenden Häuser unter Wasser setzen. Den eifrigen Bemühungen unserer Polizei dürfte es hoffentlich gelingen, den oder die Thäter zu ermitteln. Kassel, 4. Juli. Die „Kass. Allg. Ztg." meldet: Der 62jährige Bauer Bühl im Dorfe Hohenroth hat seine 66jährige Ehefrau in einem Anfall von Geistesstörung mit dem Bell erschlagen. Vermischtes. • Frankfurt a. M., 4. Juli. Das Dienstmädchen Albert, das sich beim Feueranmachen in der Küche der Wirtschaft zum Wolfseck in der Friedberger Landstraße des Petroleums bediente, welches explodierte, infolge dessen es starke Brandwunden erlitt, ist im Heiliggeisthospllal gestorben. Diez (Lahn), 4. Juli. Der Kaiser genehmigte die Errichtung eines Kaiser Friedrich- und Kriegerdenkmals dahier, dessen Einweihung Anfang September statt- sinden soll. Lohr a. M., 4. Juli. In der Nähe von Bischbrunn wurde in vergangener Nacht ein schweres Verbrechen verübt. Drei Handwerksburschcn kampierten die Nacht im Freien. Während der eine schlief, fielen die beiden anderen über diesen her, -brachten ihm 20 Messerstiche bei, nahmen ihm die Barschast von 16 Mk. ab, warfen den tödtlich Verletzten in ein Kornfeld und machten sich auf und davon. Die Thäter sind entstohen. Der Schwerverletzte, Tapezierer Metzler aus Speyer, wurde ins Spital gebracht. * Zittau, 3. Juli. Der Gemeindevorsteher des bedeutenden Jndustrieortes Großschönau, Max Weichelt, ist nach Unterschlagung von 60 000 Mk. Gemeindegeldern gestern geflüchtet. Er wurde indcß bereits in Breslau verhaftet. Neapel, 4. Zull. Heute beginnt der Prozeß gegen Guerri.ero, der am 25. Mai Steine gegen den Hofzug geworfen hat. Der Gerichtshof vertagte die Verhandlung auf _ ~ ' ständigen und überwies den Angeklagten Unioersltäts-Uuchrichtrn. Würzburg, 4. Juli. Von den Professoren der hiesigen Universität ist, wie ein Telegramm der „Frkf. Ztg." meldet, an den Rektor und Senat folgende Adresse gerichtet worden: Durch die Stellung, welche der bayerische Kultusminister Herr Dr. von Landmaun am 26. Juni im Landtag zum Fall Chroust eingenommen hat, ist das Ansehen der Universität Würzburg ernstlich gefährdet. Auf die schweren und unbegründeten Vorwürfe des Herrn Ministers konnten Rektor und Senat nur mit der Niederlegung des Amtes antworten. Wir unterzeichnete wahlberecktigte Professoren sprechen hierdurch dem Rektor und Der überwiegenden Mehrheit des Senates für die energische Wahrung des Ansehens unserer Universität unseren wärmsten Dank und unsere volle Zustimmung aus. Es haben unterschrieben 23 ordentliche und 6 außerordentliche Professoren, sodaß mit Einschluß der Senatoren 32 ordentliche Professoren, also drei Viertel Majorität der wahlberechtigten 43 Professoren, gegen das Verhalten des Ministers protestieren. Bon den nicht protestierenden 8 ordentlichen Professoren gehören fünf der theologischen und drei der philosophischen Fakultät an. Aus Stadt und Kund. Gießen, den 5. Juli 1902. * * DiePromenadenmusik findet morgen um 12 Uhr in der Ostanlage statt. Gespiell werden: 1) Krönungs- marsch von Meyerbeer. 2) „Maiblümchen", Gavotte von Krauße. 3) „lieber den Wellen". Walzer von Rosas. 4) Romanesta von Zikoff. * * Populäre Volksmusik findet morgen nachmittag tn Steins Garten statt. Es spielt die 50 Mann starke Kapelle des Badischen Leib-Grenadier-Regiments unter Leitung des König!. Musikdirektors Adolf Boettge. Abends wird dieselbe Kapelle m Steins Garten eine Nationalmusik aus allen Landen veranstalten. * * Die Gemälde-Aus st ellung im Turmhaus am Brand hat diese Woche wieder eine teilweise Erneuerung erfahren, da zu den, kaum sell acht Tagen ausgestellten, 22 Gemälde neu hinzugekommen sind. Die circa 90 ausgestellten Bilder bringen diesesmal nur wenig Mittelmäßiges oder Manieriertes, weshalb wir den Besuch der Ausstellung aufs angelegentlichste empfehlen. Ein Teil der neu ausgestellten Gemälde wird leider schon am Dienstag wieder zur Weitersendung gelangen. Gleichzeitig sei noch bemerkt, daß dies die letzte Aenderung der Ausstellung vor den alljährlich üblichen Ferien sein wird, da die Ausstellung am 21. Juli auf einige Wochen geschlossen wird. * * Die T.iroler-Gesellschaft, welche Sonntag den 6. Juli auf Textors Terraffe konzertiert, hatte die Ehre, sich in der Pariser Weltausstellung und in den feinsten Etablissements produzieren zu dürfen. ** Heber die Flora der Alp-en hielt in der Julisitzung des Alpenvereins, Sektion Gießen, Assistent Zang vom botanischen Institut der Hniversttät einen Vortrag. Die stattliche Zahl der Zuhörer, die sich im Hörsaal an der Senkenbergstraße ein gefunden hatte, bewies, wie dankbar es in den Kreisen der Alpenfreunde begrüßt wurde, über diesen Gegenstand von berufener Sette Belehrung und Anregung zu empfangen. Nach einlettender Besprechung der floristischen Lttteratur über Alpenpflanzen und über das Sammeln von solchen, schilderte der Redner die klimatischen und physitalischen Verhältnisse des Hoch-Gebirges unh deren eigentümliche Einwirkungen auf das Pflanzenleben. Niedriger, polstersörmiger Wuchs, dicke fleischige oder auch stark behaarte Blätter schützen die Pflanzen gegen die sengenden Strahlen der Sonne, wie auch gegen die austrocknende Wirkung des Windes. Dagegen find Wurzeln und Blüten im Verhältnis ungemein start entwickelt. Alsdann wandle sich der Vortragende der Schilderung der einzelnen Pslanzenvertreter aus der Vor- alpenregion, der .Mummholz- und Alpenregion zu. Erläutert wurden die Ausführungen durch Vorzeigen vieler Pflanzen und Abbildungen. Auf den Vortrag folgte eine Demonsttation der lebenden Alpenpflanzen am Alpinum des botanischen Gartens. Zum Schlüsse richtete Redner an die erschienenen Mitglieder und Gäste die Bitte, für den Schutz der hübschen Enzianen, Primeln, Alpenrosen und der anderen farbenprächtigen Alpenkinder mit allen Kräften eintreten zu wollen. — Bei dieser Gelegenhett möchten wir allen, welche den Besuch des Hochgebirges beabsichtigen, angelegentlich empfehlen, ihre Schritte vorher auch einmal nach unserem botanischen Garten mtt seinem reich- haltigen Alpinum lenken zu wollen, und es sei noch besonders daraus hingewiesen, daß infolge der Verschiedenheit in den klimatischen Verhältnissen die einzelnen Pflanzen hier bei uns drei bis vier Wochen fricher ihre Blüte erschließen, als in chrer Heimat, so daß man bei späterer Wanderung im Gebirge die hier geschauten Blumen gerade in voller Blüte antreffen wird. Aus dem oberen Ulfathal, 3. Juli. Hier haben sich die Händler, wie die „Darmst. Ztg." meldet, endlich auch bewegen laffen, die Heidelbeeren nach Gewicht einzukaufen, und wurden gestern abend 12 Pfg. pro Pfund bezahlt, ein Preis, wie er in hiesiger Gegend noch nie erreicht wurde. Leider wird aber die Ernte bald beendet sein, denn das Winterwetter im Mai hat im Hochwalde und freigelegenen Holzbeständen die Blüten vernichtet, weshalb es nur un geschützten Niederwalde Heidelbeeren giebl. Jmmerhm werden die armen Leute, und besonders die Kinder, 14 Tage Gerichtssaal. e Gießen, 4. Juli. (Strafkammer.) Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Reuß. — 2 Standesbeamte sind des Vergehens gegen das Personenstandsgesetz beschuldigt und werden deshalb zu Geldstrafen von je 3 Mark verurteilt. — Die Strafsache gegen den Landwirt Johannes Frank V. von Ulrichstein wegen Grenzverrückung wurde, da 2 Zeugen ausblieben, auf den 22. Juli 1902 vertagt. — Der Knecht Heinrich Laatz von Bad°Nauheim und der Taglöhner Karl Emmerich von Dorheim sind des versuchten bezw. vollendeten Diebstahls angeklagt und werden deshalb Laatz drei, Emmerich zu insgesamt sechs Monate Gefängnis verurteilt. — Der Dienstknecht Kaspar Ritter aus Wallenrod ist zahlreicher Mietgeldschwindeleien angeklagt. Er hat sich als Taglöyner zu verschiedenen Landwirten verdingt, in einigen Fällen schriftlich, in manchen unter falschen Namen, hat sich das Mietgeld aushändigen lassen, den Dienst jedoch in keinem Fall angetretcn. Wegen zehn vollendeter Betrugsfälle, wegen eines versuchten und wegen ideell konkurrierender Urkundenfälschung erhält er mit Rücksicht auf seine Vorstrafen wegen des gleichen Delikts eine Zucht- hausstrafe von drei Jahren. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm für die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Osnabrück, ö. Juli. Tas Schwurgericht verurteilte den Angeklagten Teßnow, der beschuldigt ist, drei Alorde begangen zu haben, zum Tode. Kirche und Schule. Berlin, 4.Juli. Die Blättermeldung^ daß der Bischof von Metz für den erzbischöflichen Stuhl von Köln ausersehen sei, wird dem „Lok.-Anz." von zuverlässiger Seite als unbegründet bezeichnet. L. Januaren.—I- statt. Mare hat bei Den letzten Wahlen die Ueberzeuguug gewonnen, bah die Linke 25 neue Sitze erobern wird. Rom, 4 Juli. Nach den neuesten Dispositionen erfolgt die Reise des Königs nach Petersburg über Den Brenner. Tirol wird nachts in strengstem Inkognito durchfahren. — Ans Petersburg wird dazu gemeldet: Die ,Mowoje Wremja" begrüßt den Besuch des Königs von Jatilen am russischen Hofe als erfreuliches Anzeichen dafür, daß der Dreibund bte guten, freundschaftlichen Beziehungen zwischen Petersburg und Rom nicht beeinträchtige, keine der drei Berttagsmächte hindere, fid)i den Mächten M nähern, die außerhalb des Dreibundes stehen Dies fei eine weitere Gewähr für den Weltfrieden Newyork, 4. Juli. Eine Depesche aus Port of Spain teilt mtt, daß Barquisimeto in Venezuela von den Aufständigen nach] viertägigem Kampfe eingenommen wurde. 4000 Ausständige marschieren auf Valencia. Washington, 4. Juli. In der Proklamation d-es Präsidenten Roosevelt an die Philipp i- ner wird die vollständige Verzeihung und Amnestie denjenigen Personen auf dem Archipel zugefagt, die am Aufstande teilgenommeu oder ihn unterstützt haben, ausgenommen diejenigen, welche nicytnttlitärischer Verbrechen überführt werden. Alle, die um Verzeihung uachsuchen, müssen Den Vereinigten Staaten den Treueid schwören. — Der Atter ney-g ener al hat seinen Gehilfen Ruffel beauftragt, nach Paris zu reisen, um dort sämtliche Dokumente über Panama zu studieren. Suez, 4 Juli. Aus der Provinz Hedschas traf in den letzten Tagen die alarmierende Stachricht ein, daß Admiral Ahameratib Pascha geflüchtet, fer Es wird eifrigst nach ihm geforscht. An seine Stelle wurde Biarschall Feisi Pascha, Kommandeur des sechsten Armeekorps in Bagdad berufen. — In Medina fth zum erstenmal das Heiligtum oes Propheten gesperrt, was unter den Mohame- danern große Erregung hervorrief. Auf Weisung ans Konstantinopel wurde das Heiligtum wieder eröffnet. Die Ursachen dieser Vorfälle sind noch unbekannt. lang recht lohnenden Verdienst haben. 0 Kaul stos. 3. Juli. Ein hiesiger Bürger fing heute in seiner Scheune eine Brieftaube, die an dem einen Nüg-l die B-zeichnANg K. F. (Güftrin) 98 und einem M wi Fuß einen Rmg mit den Zeichen 296 und 0 182 trug.! Antrag des Sachverst Kunst und Wissenschaft. Königsberg, 4. Juli. In der heutigen Sitzung des d e u t s ch e n Aerztetags wurden u. a. folgende Anträge einstimmig angenommen: L Mitglieder einer Krankenkassen sollen die Hilfe eines jeden Arztes anrufen können, der im Bezirk thatig ist und sich auf die vereinbarten Bedingungen verpflichtet hat. 2. Die gegenseitigen LeisMngen zwischen den Aerzten und Krankenkassen sollen vereinbart werden von Kommissionen, die zu gleichen Teilen von den Aerzten des Bezirks und Delegietten der Krankenkassen gebildet werben. London, 4. Juli. Die Meldung, daß von Kap Breton aus versucht worden fei, über den Ozean zu telegraphieren, wird, nach einem Telegramm der „Franks. Ztg.", von der hiesigen Mareoni- Gesellschaft für um mehrere Monate verfrüht erklärt. Tie neue Station in Poldhu (Cornwall) sei noch nicht fertig. Statt der 20—30 Maste, welche im Winter der öüirm umblies, habe man 4 hölzerne Türme errichtet, von denen man ausgezeichnete Resultate erwartet. Es dauere aber noch Wochen, bis sie zum Gebrauch fertig seien. Es sei ganz wahrscheinlich, daß man auf amerikanischer Seite die Apparate geprüft habe und daß so die Meldung entstand, es sei zu hoffen, daß innerhalb Jahresfrist Die drahtlose Verbindung mit Amerika für geschäftliche Zwecke her- gestellt fei. vierzig Tage dem Jrrenhause zur Beobachtung seines Geistes» zustanoes. Sport. Mainz, 4. Juli. Zur Mainzer Regatta am 20. Juli haben, sich 21 Vereine mit 63 Booten gemeldet, die stärkste Beteiligung, die je für Mainz da war. Gemeldet haben sich u. A.: Frankfurt a. M. (Germania, Ruderverein und Ruderklub), Offenbach, Oberrad, sämtliche Rudervereine Mannheims, Ludwigshafen, Speyer, Wetzlar, Hamburg. — Das Schiedsgericht der Automobilfahrti Paris — Wien hat den Protest gegen Renault als un- gerechtfertigt zurückgewiesen. Renault ist also Sieger. Er fuhr einen leichten Wagen aus seiner eigenen Fabrik und legte die 1430 Kilometer lange Strecke in ungefähr 26 Stunden zurück, was einem Durchnitt von 55 Kilometer pro Stunde entspricht.________ Arbeiterbewegung. ’ Falkenau (Böhmen). 4. Juli. Die bet der Firma Starck in Nntereichenau beschäftigten Bergarbeiter, sowie die Arbeiter der „Glück- und Segenszeche" in Wudingruen, zusammen 700 bis 800 Mann, stellten die Arbeit ein. Sie verlangen einst ü n d i g e Mittagspause. Aus dem gleichen Anlaß stellten in Zwodau 460 Mann und auf den Schächten der Montan- und Jndustrialwerke 720 die Arbeit ein. Ruhestörungen sind nicht oorgekommen. Eine Einigung wurde bisher nicht erzielt. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse. Obwohl New-Pork und Wien feste An- sangskurse sandten, war die Tendenz des hiesigen Marktes nicht einheitlich. Der Begehr nach Bankaktien, welcher in den letzten Tagen hervortrat, übertrug sich auch auf die heutige Börse. Nur für Montanaktien konnte sich die günstige Stimmung nicht erhallen — politische und wirtschaftliche Einflüsse machten sich nicht bemerkbar und dürfte die Zurückhaltung auf diesem Gebiete auf den Düsseldorfer Marktbericht sowie Auslassungen eines rheinischen Blattes in Bezug des Ruhrkohlenmarktes zurückzuführen sein. — Deutsche Bank und Diskonto etwas höher. Staatsbahn schwächer. Lombarden '/, pEt. beffer. Deutsche Fonds fest, ausgenommen 3'/- pEt. Preußische und Reichsanleihe, die unter stärkeren Abgaben zu leiden hatten. Industrie-Aktien durchschnilllich ein Prozent niederer. Portugiesen etwas höher, Serben standen im Vordergründe des Interesses. Berlin, 4. Juli. Die Rekonstruktion der „Rhede re i, vereinigter Schiffer", Aktiengesellschaft, Breslau, ist durch die heute formell vollzogenen Verträge perfekt geworden. Ein unter Führung des Schaaffhaufen'schen Bankvereins stehendes Bankenkonsortium gründet im Verein mit dem Konkursverwalter eine neue Aktiengesellschaft unter der Firma „Breslauer Schifffahrts- Aktiengesellschaftt' mit einem Aktienkapital von 1 900 000 All. In diese Gesellschaft inferiert der Konkursverwalter die gesamten Aktiva der Konkursmasse, welche mit 1 Mill. Mk. angerechnet werden. Das Bankenkonsortium übernahm die Verpflichtung, spätestens zwei Wochen nach der Eintragung der neuen Gesellschaft in das Handelsregister dem anerkannten Konkursgläubiger eine Offerte zu machen, inhaltlich deren sie statt der in der Masse liegenden geringeren Quote 21 pEt. in Baar und 14 pEt. in Aktien der neuen Gesellschaft erhallen. Zwischen den bisherigen Mttgliedern des Aufsichtsrats der Rhederei vereinigter Schiffer, dem vom Gläubigeraus- fchuß hierzu bevollmächtigten Konkursverwalter und dem Bankenkonsortium ist ein kombinierter Vertrag abgeschlossen, auf Grund dessen die Aufsichtsratsmitglieder den Bettag von 1 Million Mark ä fonds perdu zahlen und sich ferner verpflichten, 785 000 Mark Nominal-Aktien Der neuen Gesellschaft zu übernehmen. Auf diese Aktien soll den Aktionären der allen Rhedereigesellschast das Bezugsrecht in der Weise angeboten werden, daß der Inhaber von 7 alten Aktien 2 neue Aktien der Breslauer Schifffahrts-Aktienge- sellschaft über zusammen 2000 Mk. zum Kurse von 50 pCt. beziehen kann. Soweit Der Aktionär weniger als 7 Aktten oDer eine nicht durch 7 teilbare Anzahl hat, kann er unter Einzahlung des entsprechenden Teiles von 1000 Mk. von den Vergünstigungen der Offerte Gebrauch machen. Die Gründung der neuen Gesellschaft wird bereits in nächster Woche erfolgen. Als leitendes Vorstandsmitglied ist Handelsrichter Mugdan-Breslau ausersehen. Die Besitzer von Dortmunder llniou-Attieu werden jetzt aufgeforDert, Die Stücke von 5 zu 3 zusammenzulegen, Davon wer- Den 2 vernichtet und 3 abgestempell zurückgegeben. — Einfuhr nach den Bereiuigteu Staaten von Nordamerika. In Dem Quartale April-Juli hat in Dem Konsulatsbezirk Mainz (Provinz Rheinhessen) Die Einfuhr nach Den Vereinigten Staaten gegen Das Vorjahr wesentlich zugenommen. Der Schätzungswert Der eingesührten Waren betrug 668 016 Dollars (604 524 D. i. V.). Im Konsulatsbezirk Mannheim nahm Die Einfuhr um 75 799 Mk. ab. — Zur Erleichterung der Deckuna des inländischen Kohlenbedarss wurden bekanntlich mit Gültigkeit vom 12. September 1900 ab für Die Dauer von zwei Jahren Die billigeren Satze Des Rohstofflariss auch auf die über Deutsche See- und Binnenhäfen umgeschlagenen Kohlen- und Kokes-Sendungen aus- aeDehnt. Wie uns amtlich mügeieiit wird, liegt es nicht in der Absicht, diese Maßnahme über den 30. September d. Js. hinaus in Geltung zu belassen. Der vom Bezirkseisenbahnrat Frankfurt a. M. in ferner letzten Sitzung behandelte, aus Jn° teresseittenkreisen gestellte Antrag au[ Aushebung des Rohstoff- tarifs für ausländische Brennmaterialien findet hierdurch feine Erledigung. Tabak. Die Geschäftslage hat sich während Der abgelaufenen Berichtswoche in keiner Weise gebessert, im allgememen herrscht überall große Ruhe. Die sell einigen Jahren eingeriffene Unfitte, Waren, Die erste gepflanzt wird, jetzt schon durch Die Makler auf Dem Lande abfaufen zu lassen, wirb auch in Diesem Jahre wieder zum größten BeDauern fortgesetzt. Im DberlanD wurden Die Sandblätter auf Preis gekauft und Da beklagt man sich in Den Kreisen Der HänDler Darüber, Daß Die ProDuzenten mtt so wenig Sorgfalt Die Ware behcmDeln. In Seckenheim wurDe eine Partie 1901er Tabak von Produzenten an Händler zu 25 Mk. verkauft. In losen pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 9—9,50 Mk., gebündelte 11-11,50 Mk. Getreide. Tie Tendenz war anfangs der Woche recht fest, Da Regengüsse in Amerika Die Ernte in mehreren Staaten beeinträchtigten. Gegen Schluß Der Woche wurDe die Stimmung aber ruhiger, und Die Preise, welche ca. AU. 2 per Tonne hatten gewinnen können, gingen roieDer auf Das vorwöchige Niveau zurück. Unsere Mühlen beteiligten sich nur schwach am Einkauf. Roggen ruhig. G erfte preishallenD. Hafer behauptet. Mais unoer- änDert. Tie heutigen Notierungen sinD: Redwinter II, Juli, August, Abladung Mk. 131 /,—132'/r. Kansas II schwimmend Mk. 13472. Kansas Juli, August, Abladung Mk. 1317,-132. Südrust Weizen Mk. 126—142. Russ. Roggen AU. 109. Ruff. Futtergerste Mk. 107-108. Russ. Hafer Mk. 133—143. Donau Mais AU. 97. Laplata Mais r. t. Mk. 96. cif. Rotterdam. Petroleum. Seit dem letzten Bericht kam New-Pork zwei Pmüie höher, ohne auf Die allgemeine Markt- und Preislage belebend einzuwirken. Kohlen. Es notieren : Ruhr-Fettnuß Körnung I u. II190 bis 200 Mk.; Nußschmiedekohlen 165—175 Mk.; Deutsche Anthraeit- Nußkohlen 290—300 Mk.; Englische Anthracit-Nußkohlen 360 bis 370 Mk.; Ruhrflammnuß Körnung I u. H 180—190 Mk.' Ruhr- tlammnußkohlen 111 160—170 Mk.; Fettschrot 135—140 Mk.; Ruhr- Bruchkoks 235—245 DU.; Aussiebgries 110—120 DU. Alles per 10 Tonnen ab Mannheim. — Tie Nachfrage ist zufriedenstellend und dürfen für Hausbrandkohlen wohl bald Preiserhöhungen ins Auge zu fassen fein. Märkte. Gießen, 28. Juni. Marktbericht. Auf demheuttgenWochenmarkt kosteten: Butter pr.Psd. 0,80—1,00 DU., Hühnereier pr. St 6—7 Pfg., 2fStcf. 00—00 Pfg., Gänseeier 10—12 Pfg., ©nieneier 6—7Psq^ Käse pr.Stck. 5—7 Pf., Käsematte2Stck. 0—0 Pfg., Erbsen pr.Ltter 19Psg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,80—1,00 DU., Hühner pr. St. 1,00—1,50 DU., Hahnen pr. Stück 0,90—1,60 DU., Enten pr. Stück 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Psd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- unD Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg^ Schweine- Mersch pr. Pfund 70—80 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund ®4 Pfg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 68—70 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund üO—70 Psg^ Kartoffeln pr. 100 Kgr. 4,00—5,00 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 14,00—15,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepsel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Lrauben 00—00 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags Uhr, während der ersten drer Stunden der Marktzeit darf nur Rehe Lieh, den 5. Juli 1902. Die trauernden Kinder Die Beerdigung findet Montag den 7. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, statt 4914 - ,A Heute nacht entschlief sanft im Alter von 88 Jahren nach vierwöchigem » Krankenlager unser lieber Vater t ■ V - Todes-Anzeige Elisabetha Wilhelmine Um stille Teilnahme bitten: 4930 Kesselbach, den 5. Juli 1902. t ■*- 'S S:: ‘ O H. ch. •I P Statt jeder besonderen Anzeige machen wir hiermit tiefbetrübt Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung von dem gestern nachmittag 4*/z Uhr nach nahezu vierwöchentlichem, schwerem Krankenlager im 12. Lebensjahre erfolgten Hinscheiden unserer unvergesslichen, lieben, guten Tochter und Schwester Die trauernden Hinterbliebenen Louis Weber nebst Frau und Kindern. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Teilnehmenden die schmerzliche Mtteilung, daß gestern nachmittag 5 Uhr unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Katharina Koch im 42. Lebensjahr nach schwerem Leiden in dem Herrn entschlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen: S. Niebergall, Aurg Hkrikerg. Die Beerdigung findet morgen, Sonntag, mittag 1 Uhr statt. 4934 ÜFiir Schreiner!! Durch Anlegung eines neuen Sägegatters am Schiffenbergerweg können dort Stämme bis zu 70 Centimeter Durchmesser geschnitten werden. 3993 J. G. Pfaff. 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