Nr. 129 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 5. Inns 1ÖO® vrs-etnt ««glich außer 6onntag8. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Üesstschen Landwirt die Siegener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. Kotattonsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erbend Redaktton. Expedition und Druckerei: Gchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fkrnsprechanschluß Nr. bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen YezvgSpretsr monatlich 76 Pi., otetiel* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen' monatlich 6b Pf.; durch diePost Alk.2.— viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittag- 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12P^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den oolit. u. allgem. Teil: P. Wlttko: für „Stadt und tianb* und „Gerlchlsjaal'.R.Dttt- mann; tüt den Anzeigenteil: tzantz Beck. SM KekWntmachung. Am Fr eitag den 13. dieses Monats, nach- Lnittags 3 y, Uhr, wird eine Generalversammlung deS landwirtschaftlichen BezirksvereinS Gießen im Saale des Lass Ebel zu Gießen stattfinden mit folgender Tagesordnung: 1. Feststellung des Voranschlages für 1902/03; 2. Landwirtschaftliche Studienreise nach der Provinz Sachsen; 8. Die Bestellung von Vertrauensmännern für die land- und forstwirtschaftliche Berufsgenoffenschaft; 4. Ausführung von Düngungsversuchen; 5. Initiativantrag der Abgeordneten Haas u. Genossen wegen Errichtung einer Landwirtschastskammer. Es wird hierzu Jedermann, der sich für Gegenstände der Tagesordnung interessiert, freundlichst eingeladen. Gießen, den 4. Juni 1902» Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen, v- Bechtold. IM' ........ । ■ —— LaS neue Irland. . Nach einer Meldung aus Pretoria reisten die Buren- belegierten unter enthusiastischen Kundgebungen zu ihren Kommandos ab. Allenthalben an der Eisenbahn brannten Freudenfeuer und die Buren und die englischen Soldaten fraternisierten und sangen patriotische Lieder. Aus dieser Nachricht optimistische Schlüsse zu ziehen, wäre höchst übereilt und unklug. Schalk Burger und Louis Botha erließen zwar, wie heute aus Pretoria obendrein gemeldet wird, einen offenen Brief an die Buren, in dem sie den hohen Mut, den die Buren zeigten, und die tapferen Thaten im Felde würdigen, und die Buren auffordern, jetzt allgemein mitzuarbciten an der sozialen und geistigen Entwickelung des Landes und der neuen Regierung loyalen Gehorsam zu bezeigen. Trotzdem sind wir der Ansicht, daß die Buren, wenn dieser oder jener von ihnen in der ersten Friedensfreude auch mit den bisherigen Feinden fraternisierte", wenn ihre Führer sie auch ofsizwll und in kühler Knappheit zum „Gehorsam" gegen die Ueberwinder auffordcrn, wenn sie sich auch darein finden müssen, daß sie nun englische Unterthemen sind, doch nie und nimmer Angehörige des englischen Volkes werden. Sie werden sich stets, ebenso wie die Bewohner der „grünen Insel", die Iren, als eine besondere Nation betrachten, und der Krieg dürste zur Genüge gezeigt haben, daß das Bewußtsein der Stammeseigenari bei den Buren ebenso entwickelt ist als bei den Söhnen O'Patricks. Die von Lord Kitchcner in seiner Ansprache an die Burendelegierten geäußerte Hoffnung, Briten und Buren würden Freunde werden, wird sich schwerlich erfüllen. Nicht unzutreffend bemerkte eine deutsche Zeitung: „Die Geschichte des Burcnkrieges ist geschlossen, die Geschichte des Burenvolkes hat begonnen!" Traditionen lassen sich eben nicht Hinwegdekretieren, und bei der Zähigkeit, mit der die Buren an ihren Traditionen hängen, darf wohl erwartet werden, daß je länger, je mehr die Empfindung, unter Ausnahmegesetzen zu stehen, sie beherrscht und zu engem Zusammenschluß treibt. Eine gewisse Gefahr wird also dieses neue Irland für Großbritannien stets bilden und zwar in höherem Grade als die „grüne Insel", das alte Irland, zumal im Falle kriegerischer Verwickelungen. Gerade deshalb wird England sorglich bedacht sein müssen, von der Beteiligung an internationalen Händeln Abstand zu nehmen, mindestens solche Händel nicht selbst anzufangen. Das ist die andere Seite des Jmperialisinus; doch, wie gesagt, nur wenige von denen, die es angeht, werden sich gegenwärtig darüber klar. Nur imperialistischem Paroxismus kann beispielsweise die von einem Londoner Blatt — demselben, das jetzt wieder in geradezu wüster Weise auf den „Neidhammel" Deutschland schmäht — aufgestellte Behauptung entsprungen sein, König Eduard werde den ehemaligen Burenrepubliken, dem neuen Irland, demnächst einen Besuch abstatten. Noch hat König Eduard den Boden des alten Irland nicht betreten; der seit längerem geplante Besuch wurde im Hinblick auf die reichsfeindlichen Kundgebungen der Iren wiederholt hinausgeschoben. Aus ihrer Sympathie für die Buren haben die Söhne Ostafrikas ja nie ein Hehl gemacht; sie werden den der Unabhängigkeit verlustig gegangenen Freiheitskämpfern ohne Zweifel sich noch inniger verbunden fühlen und das auch im Unterhause zum Ausdruck bringen. Das alte und das neue Irland — zwei schwachen Stellen im Organismus des großbritannischen Reiches! Heute predigt man damit frellich tauben Ohren, aber das normale Unterscheidungsvermögen dürfte sich nach und nach allenthalben einstellen. Die Utrechter Buren-Konferenz beschloß, von einem offiziellen Protest gegen den Fricdensschluß abzu- sehen, obgleich sämtliche Delegierten denselben mißbilligen. Der Gemütszustand des Präsidenten Krüger soll zu ernsten Besorgnissen Anlaß geben. — Wie es heißt, werden die in Brüssel weilenden Burendelegierten vor dem dortigen englischen Gesandten den Unterthanen-Eid leisten und dann nach Südafrika zurückkehren. — Der Generalkonsul der Burenrepubliken in Amsterdam Dr. -Lnethlage behauptet, daß er aüü Südafrika die direkte "Nachricht erhalten habe, die Friedenskonferenz in Vereeniging habe den Bedingungen über d:e Bestrafung der Rebellen aus dem Kaplan de und Natal nur zugestimmt, well Kitchener ihr schriftlich die Versicherung gegeben habe, König Eduard werde bei seiner Krönung eine allgemeine Amnestie erlassen. Nach einer Londoner Depesche tritt das Kriegsministerium offiziell den Gerüchten entgegen, welche behaupteten, Kit- cheners Rückkehr nach England stehe unmittelbar bevor. Vor Ablauf einiger Wochen, und vielleicht Monate werde seine Anwesenheit in Südafrika nicht entbehrlich sein. Die englischen Truppen werden aus den einzelnen Bezirken nicht zurückgezogen, bis die formelle Kapitulation der einzelnen Burenkommandos und die Auslieferung von Waffen und Munition erfolgt ist. Englische Offiziere werden die Delegierten zu den Kommandos geleiten. Im Unterhause teilte am Mittwoch der Schatzkanzler mit, er habe die Absicht, die zwei in diesem Jahre eingeführten Abgaben aufrecht zu erhalten. Lord Balfour teilte eine Botschaft des Königs mit, in der empfohlen wird, Lord Kitchener in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste eine Dotation von 5 0000 Pfund Sterling zu bewilligen. Claude Lowther stellte die Frage, ob der Artikel 9 des mit den Buren geschlossenen Abkommens, das bestimmt, daß auf den Grundbesitz in Transvaal und der Oranjefluß- Kolonie zur Bestreitung der Kriegskosten keine speziellen Steuern gelegt werden sollen, auch eine spezielle Besteuerung von Bergwerkseigentum in den beiden Kolonien zum gleichen Zwecke verbiete? Minister Chamberlain erwiderte: Nein. Marienburger Aestrage. i. Die alte westpreußische Ordensstadt rüstet sich zum Feste. Am Mittwoch Vormittag war zunächst große Probe für die Ehrenkompagnie und die „Ordensritter", für den Domchor und den Bläserbund; alles klappte aufs beste. Die ganze Stadt, bis in die entlegensten Winkelchen prangt in vollem Festschmuck; überall Fahnenmasten, Guirlanden, Tannengrün, patriotische Dekorationen. 'Einen imposanten Anblick gewährt der Empfangsplatz unmittelbar hinter der neuen Nogatbrücke. Hochragende, mit Grün umwundene und mit Wappenschildern geschmückte Masten zieren den riesigen gelbgeschütteten und sauber geebneten Platz. Ein prachtvolles Blumenparterre von hochstämmigen Palmen, Lorbeer- und Lebensbäumen und schönen Blattpflanzen zeigt die Stelle, wo der Kaiser zunächst die offizielle Begrüßung der Vertreter der Stadt und der sonstigen Behörden entgegennimmt, um bann die Front der Ehrenkompagnie abzuschrellen. Die eigentliche Feststraße wird durch einen Triumphbogen eröffnet und geht durch lauter Ordensfahnen geschmückt, am Denkmal des alten Fritz und der Zuschauertribüne vorbei, bis zum Schloß, an dessen Hauptthor zwei moderne Schilderhäuser eigentümlich anmuten. Auf der Brücke lehnen in historischen Trachten zahlreiche Ordensknappen, unter der Sturmhaube vergnügt hervorblickend. Auf dem Schloßhof selbst, der in seinen blühenden Fsiedersträuchen den besten Schmuck besitzt, sind besondere Dekorationen nicht angebracht, ebensowenig in den Hauptsälen. Den Boden des Kaiserzimmers bedecken kostbare indische und marokkanische Teppiche. Der Kaiser und die Kaiserin sind am Mittwochabend nach Marienburg abgereist. Eingetroffen sind hier bereits Oberhof-Marschall Graf zu Eulenburg, Hausmarschall Frhr. von Lyncker und Vize-Oberzeremonienmeister Graf v. Kanitz, ferner der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyeny- Marich, Oberpräsident von Goßler, Negierungspräsident von Holwede sowie der größte Teil der Johanniter-Ritter, unter letzteren der Kriegsminister von Goßler, der Minister des königl. Hauses v. Wedel und der Ordenskanzler Wirkt. Geh. Rat von Levetzow. Abordnungen aus Oesterreich und England sind hierher unterwegs. Deutsches Reich. Berlin, 4. Juni. Der Kaiser empfing heute den Chef des Zivilkabinetts, v. Lucanus, zum Vortrag. — Der Schah von Persien hat dem Potsdamer Magistrat 5000 Mark für d ie Arn:en der Stadt übergeben. — Der General der Infanterie, William vonVoigts- Rhetz, ist im Alter von 90 Jahren am Montag in Mon- treuse gestorb en. — Der Bundesrat soll, nach Meldung einer Parka- mentskorrespondenz, die Absicht hegen, erst dann sich über die vom Reichstage angenommenen 3)täten für die Mitglieder derZolltarifkom Mission schlüssig zu machen, sobald der Reichstag sich vertagt haben wird, lieber die Dauer der Bertagung des Reichstages sind seitens der verbündeten Regierungen noch nicht Entschlüße ins Ange gefaßt. Es wird eine Verständigung mit dem Präsidenten des Reichstages angebahnt werden. Mit Rücksicht auf die Verhandlungen der Zolltarifkommission wird vielleicht der Endtermin offen gelassen und den verbündeten Regierungen die BestiniNllmg des Tages für den Wiederzusammentritt an« heimgestellt. — Wie eine parlamentarische Korrespondenz, die mit konservativen Abgeordneten Fühlung hat, berichtet, ivird das "Auftreten des Grafen Bülow im preußischen Abgeordnetenhause von der Komproniißmehrheit der Zolltarif- kommission des Reichstages sehr ungünstig beurteilt. Man sei in gewaltiger Erregung darüber, daß der erste Beamte des Reichs und des preußischen Staates diese herbe Art gewählt und so der Mehrheit vor den Kopf ge» stoßen hat. Es herrscht Neigung, bei passender Gelegenheit mit einer Kritik der Haltung des Grafen Bülow in der Kom* Mission hervorzutreten. — Nach der amtlichen Uebersicht über die int Rechnungsjahr erfolgten Einnahmen an Zöllen und 93er* brauchs steuern haben sich bei der endgültigen Feststellung etwas höhere Beträge ergeben, als bei der vorläufigen Mitte April erfolgten Schätzung. Die Zolleinnahmen sind in der Anschreibung um 1,7 und in der Jsteinnahrne um 1,3 Mill. Mark höher, als im April angenommen worden war. Auch die Tabaksteiler, die Zuckersteuer, die Salzsteuer und die Brausteuer haben eine Mehreinnahme von einigen hunderttausend Mark gebracht. Hadersleben, 4. Juni. Vom hiesigen königl. Gymnasium wurden nach eiiistiniNiigen Beschluß des Lehrerkollegiums zwei Primaner wegen fortgesetzter Bekundung deutschfeindlicher Gesinnung von der Schule verwiesen. Die Verweisung ist im Einverständnis mit dem Provinzialschulkollegium erfolgt. Ausland. Madrid, 2. Juni. Heute versuchte eine Volksmenge, während die Prozession sich durch die Straßen bewegte, unter Schmährufen auf die Geistlichkeit sich der Monstranz zu bemächtigen, wurde aber durch eine Abteilung Militär daran gehindert. Wien, 4. Juni. (Abgeordnetenhaus.) Abgeordn. Breiter begründet den Antrag, den Statthalter von Galizien, Grafen Pininski, sowie alle mitschuldigen Polizei beamten und Militärpersonen wegen der Lemberger Vorfälle zur Verantwortung zu ziehen und die Familien der ($rmerbeten zu unterstützen. Er ergeht sich in Ausfällen gegen Pininski, der ein indolenter Faullenzer, ein nichtnutz iger unfähiger Mensch sei und angeblich Zeitungsdepeschen einer strengen Zensur unterworfen und gefälscht habe. Der Präsident ruft Breiter zur Ordnung. Pernerstorfer begründet einen zweiten Antrag in dieser Angelegenheit, alle roegen leichtfertiger Anwendung der Waffen Schuldtragenden ohne Ansehung der Person zur Verantwortung zu ziehen. Ministerpräsident v. Ko erber beruft sich auf seine gestrige Darstellung, nimmt den Statthalter in Schutz und sagt schließlich, er glaube, daß Oesterreich sich ungescheut vor allen anderen Staaten sehen lassen könne, nur sollte man sich nicht selbst herabsetzen. Im weiteren Verlaufe der Debatte, welche ruhig verlief, sprach v. Koerber nochmals, um auf Grund einer eingelangten Depesche mitzuteilen, daß die Verhandlungen mit den streikenden Maurern zu einer gütlichen Vereinbarung geführt haben. Die Dringlichkeit beider Anträge wurde abgelehnt. — Hm Polenklub beantragte Grek eine Resolution» wonach die Polen in der Delegation für die weitere Sicherung der Wehrkraft der Monarchie eintreten, jedoch mit der Einschränkung, daß die Stärkung der Wehrkraft dahin gerichtet sein sollte, daß die vollständige Selbständigkeit der Monarchie und eine größere Unabhängigkeit derselben von dem vom preußischen Einflüsse beherrschten Deutschen Reiche gesichert bleibe. Jaworski beantragte die Abänderung der Resolution Grek dahin: „Um die Gleichwertigkeit der Monarchie und ihre vollständige Freiheit zur Wahrung ihrer Großmachtstellung zu sichern." Petersburg, 4.Juni. Der Zustand des erkrankten Groß« fürsten Constantin Constantino witsch flößt große Besorgnis ein. Allem Anschein nach ist ein Gehirnleiben ernstester Natur vorhanden. Die ersten Anzeichen des Leidens traten vor kurzen: an der Newa nach einem Zusammensein mit dem Zaren zu tage, wobei seitens des Kaisers die Bemerkung gefallen war, daß in den Militär-Lehranstalten nicht die nötige Disziplin vorhanden fei. Großfürst Constantin, der Chef genannter Anstalten fiel, als er nach Hause zurückgetehrt war, plötzlich in Ohnmacht und hatte darauf einen furchtbaren Nervenanfall durchzumachen. — Der Finanzminister hat eine Verfügung an die Grenz- fammern erlassen, wonach von jetzt ab zum Ueberschreiten der Grenze der preuß. Staalsangehörien im dreimeiligen Grenzbezirk dort, wo sich eine Zollkammer befindet, keine Grenz- legitim ationssch eine mehr erforderlich sind. Die im dreimeiligen Grenz bezirk wohnenden Preußen dürfen ohne jeden Ausweis die russische Grenze überschreiten, eine Berechtigung, die für die Grenzbewohner von großer Be- beutung ist. Simin, 4. Juni. Das Mitglied des gesetzgebenden Rates, Turner, wird am Freitag einen Antrag zum Zuckergesetz einbringen, wodurch die Regierung ermächtigt wird, den vor- geschlagenen Zoll für eingeführten Zucker zu verdoppeln. DchwiNMicht. Gießen, -1. Juni. Vor dem Schwurgericht hatten sich gestern und heute die Philipp Henrich Eheleute von Altenstadt wegen Meineids zu verantworten. Der Gerichtshof bestand ans dem Landgerichtsrat Schmidt al§ Vorsitzenden und den Landgerichtsräten Schmeckenbecher und S a n d m a n n als Beisitzern. Tie Anklage vertrat Gerichtsassessor Hoos, die Verteidigung führte Rechtsanwalt En gisch. Tie Anklagebehörde hatte 35 Zeugen geladen. Die Angeklagte leugnete beharrlich. Eine von der Angeklagten erhobene Anzeige wegen groben Unfugs hat das Verfahren veranlaßt, in dem von der Angeklagten der ihr zur Last gelegte Meineid geschworen worden ist. Tie Anzeige hatte ihren Grund in Den Parteigegensätzen, die im vorigen Jahre zu Altenstadt die Bürgermeisterwahl zeitigte. Tie Einwohnerschaft war zur Zeit der Wahlkämpfe in die sog. schwarze Partei und die sog. rote Partei gespalten. Die letztere siegte in der am 14. Oktober stattgehabten Stichwahl. Aus diesem Anlaß wurde der Tag von der siegreichen Partei gefeiert. Zwei Tage nach der Wahl erschien der Angeklagte bei dem Altbürgermeister mit einem Päckchen, in welchem sich zwei Heringsköpfe, Schwanz und Sck-uppen eines Herings, eine halbe Kartoffel und verschiedene Kartosselschalen befanden. Aus dem Päckchen steckte ein gelber Zettel, auf dem stand: „Guten Appetit zum Beffstück, denn dein Schnabel war dir lang und ha^st, nichts bekommen." Die Angeklagte aab an, das Paketchen sei ihr am Abend zuvor von öeinrittj. Tauernheim, einem zu den Roten gehörenden Geflügelhändler, in ihr Wohnzimmer geworfen worden. Sie verlangte Anzeige, indem sie den Tauernheim bestimmt als Thäter bezeichnete, wobei sie erklärte, daß sie als der schwarzen Partei an gehörig, in der letzten Zeit öfter von Roten, insbesondere von Nachbarsleuten, chikaniert worden sei. Es erfolgte Anzeige wegen groben Unfugs, gleichzeitig aber auch wegen Beleidigung gegen Tauernheim, nachdem zuvor der Ehemann der Angeklagten «Ärafantrag gegen diesen gestellt hatte. Schon bei seiner im ,Vorverfahren erfolgten Vernehmung stellte Tauernheim die ihm zur Last gelegte Handlung mit aller Entschiedenheit in Abrede. Er wisse von der ganzen Sache nichts. Vor dem Schöffengericht Altenstadt als Zeugin vernommen, wiederholte die Angeklagte unter Eid ihre früheren Angaben und b^eichnete den Tauernheim auf das bestimmteste als Thäter. Tauernheim wurde zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. Nach der Verhandlung vor dem Schöffengericht kam Tauernheim an der Wohnung des Wilhelm Schmidt vorbei, dessen Ehefrau feine Schwester ist. Diese erkundigte sich nach dem Ausfall des Termins und hierbei erfuhr Dauernheim, .daß seine Schwester diejenige gewesen war, die — um der Angeklagten einen Schabernack zu spielen —, das Päckchen iit de n Ho s geworfen hatte. Die Ehefrau R e i ch h o l d sah das Päckchen am andern Morgen in dem Hof der Angeklagten liegen und teilte dies der Angeklagten mit, worauf diese nach dem Hof ging und das Päckchen aufhob. Dauernheim meldete nun die Berufung an, denunzierte aber die Henrich, Ehefrau wegen Meineids. — Tie Angeklagte beteuerte im Lause der ganzen Verhandlung ihre Unschuld. Es wurde ihr vorgehalten, daß der Zettel, den sie als denjenigen bezeichnet hatte, welcher an dem Päckchen befestigt gewesen fei, das man ihr durchs Fenster geworfen, thatsächtich an jenem Päckchen mit Heringsresten befestigt gewesen sei, welches die Ehefrau Wilhelm Schmidt am Tage nach der Wahl abends in den Henrichschen Hof geworfen hat. Tie Angeklagte erklärt, man habe zwei Päckchen geworfen, eins auf den Hof, das sie am andern Morgen gesunden, und eines von Dauernheim; sie müsse denn gerade die Pakete verwechselt haben. Sie stellt das ganze Belastungsmaterial als eine von der roten Partei inscenierte Jntrigue hin, um sie hineinzulegen. Der stellvertretende Amtsrichter des Schöffengerichts Altenstadt, Gerichftsassessor Dölp erklärt als Zeuge, er habe die Angeklagte Henrich in der Verhandlung am 20. Februar ganz besonders eingehend vor einem Meineid gewarnt. Ueber die Parteiverhältnisse in Altenstadt befragt, erklärt Tölp, durch die Bürgermeisterwahl seien die Verhältnisse in dem ewa 1100 Seelen zählenden Orte aus Jahrzehnte vergiftet. Nachbarn mit Nüchbarn hätten sich toegeii der Wahl verfeindet, ja selbst Familienbande hätten sich durch den Parteihader gelöst. Zu dem bei den Akten befind- lichen gelben Zettel bemerkt der Zeuge, daß die Henrich, diesen als denjenigen Zettel bezeichnet hat, der ihr mit dem Heringspaket in die Wohnung geworfen sei. Dieselbe Bekundung machte >der Gerichtsschreibergehilfe Krebs von Altenstadt, der das Protokoll während der Schöffengerichts- Verhandlung geführt hat. Gendarm Lang von Altenstadt bekundet, der bei den Akten liegende Zettel sei mtt zwei Stecknadeln am ^evingspaket befestigt gewesen, das ihm ausgehändigt worden sei, um weitere Schritte einzuleiten. Die Henrich habe damals und auch später behauptet, dieser Zettel sei ihr in die Wohnung geworfen worden. Als nun die Anzeige wegen Falsche-ides gegen sie erhoben worden sei und er sestgestellt habe, daß die Ehefrau Schmidt das Paket mit Dem Zettel in den Henrichschen Hof geworfen habe, sei ihm der Gedanke gekommen, es könnten vielleicht zwei Päckchen gewesen sein. Er habe der Henrich gegenüber diesen Gedanken erwähnt, woraus sie nach einigem Zögern dies bestätigte. Einige Tage daraus wurde dem Zeugen vom Ehemann Henrich ein Paketadressenabschnitt übergeben mit dem Bemerken, man habe denselben im Bett gefunden; es fei der Zettel, der nach Angabe seiner Eheftau dem am 16. Oktober auf dem Hose gefundenen Pakete beigefügt gewesen sei. Dieser Abschnitt, der inhaltlich dasselbe mitteilt wie der andere Zettel, befindet sich bei den Akten. Eine Anzahl Frauen aus Altenstadt erklärt: „ich gehöre der roten oder ich gehöre der schwarzen Partei an". Gewiß ein Beweis, wie tief der Parteihaß die Gemüter dort verwirrt hat. Frau Reichold hat am 16. Oktober früh im Hvft der Henrichs ein Päckchen liegen sehen. Sie teilte der Angeklagten mit, was sie gesehen, worauf diese sich das Päckchen holen ließ. Frau Reichold hat dann anderen Frauen Mitteilung gemacht, die, neugierig, sich ebenfalls von der Henrich das Päckchen zeigen ließen. Die Zeuginnen bekunden einhellig, daß das bei den Akten besindliche Zettelchen nnd nicht der gelbe Paketadressenabschnitt dem Päckchen, das auf dem Hofe lag, angesteckt gewesen sei. Ter Schwagser Schmidt und dessen Eheftau erzählen, daß sie die zur anderen Partei gehörigen Henrich Eheleute durch das Päckchen ärgern wollten. Mit ihrem Ehemann will die Zeugin nachdem beide noch in der Eckelschen Wirtschaft gewesen, am Henrichschen Hause vorbei- aegangen sein und das Päckchen mit Htzringstöpfen re. über das niedere Hosthor geworfen haben. Als man erfahren habe, daß Dauernheim wegen des Päckchenwerfens in Anklage gesetzt sei, hätten sie und ihr Mann sowie die Braus Stillschweigen über den Vorfall beobachtet, da sie nicht onnaymen, daß die Henrich falsch schwören würde. Der Zeuge Dauernheim deponiert, er habe keine Ahnung gehabt, wer das in Frage stehende Päckchen geworfen hÄe. In dem Bewußtsein, daß er nicht der Thäter sei, sei ihm das ganze Verfahren vckr den Schöffen „zum Lachen" gewesen. Er habe sich nicht denken können, daß Frau Henrich etwas beschwören werde, was sie gar nicht gesehen haben könne. Als er zu seinem Schwager Schmidt gekommen sei, habe dieser nicht gesagt, daß ferne Frau das Päckchen geworfen habe; er sei nur in ihn gedrungen, Vie Sache weiter zu verfolgen und ihn und seine Frau sowie die Eheleute Brauns als Zeugen anzugeben. Er sei immer der Meinung gewesen, das Päckchen sei der Henrich am Abend des Wahltages geworfen worden; er habe aber sich nicht darauf besinnen können, wo er an diesem Abend gewesen sei. Durch die Unterredung mit seinem Schwager sei es ihm klar geworden, daß es sich um den Wend darauf handle. An diesem habe er schon um 7 Uhr im Bett gelegen. Tie Eheftau Dauernheim bestätigt die Darstellung ihres Mannes. Tie Frau Leineweber, die Schwester der Angeklagten, wird vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß es bei ihr stehe, das Zeugnis zu verweigern. Tie Zeugin erklärt, sie wolle sagen, was sie wisse. Auf Befragen grebt die Zeugin zu, wegen der Bürgermeisterwahl mit ihrer Schwester verfeindet zu sein. Die Zeugin wie ihr Ehemann bestätigen sodann die Aussagen Tauernheims. Ebenso die Eckelschen Eheleute, daß Tauernheim am Abend nach der Wahl um 6 Uhr ihre Wirtschaft verlassen habe. Die übrigen Zeugen unterstützen nur, was die Hauptbelastungszeugen bekundet haben. Am Schluß der Beweisführung beschließt der Gerichtshof noch, die Schwester und den Schwager der Angeklagten, die Leinewebers Eheleute zu vereiden. Ter Vorsitzende Landgerichtsrat Schmidt macht diese darauf aufmerksam, daß sie die Eidesleistung ablehnen könnten. Tie Leinewebers Eheleute erklären, ihre Aussage beschwören zu wollen, worauf ihnen der Eid abgenommen wird. Tie den Geschworenen vorgelegte Schuldfrage lautet auf wissentlich falschen Eid. Eine Nebenfrage geht dahin, ob die Angeklagte bei Angabe der Wahrheit sich eine Verfolgung wegen des Vergehens der falschen Anschuldigung zuziehen konnte. Gerichtsassesor Hoos begründet in längerer Rede die Anklage. Er schildert den Fanatismus, den das Parteigetriebe in Altenstadt gezeitigt habe. Hierin sei der Beweggrund zur Thal der Angellaten zu finden. Es sei unwahr, daß, wie die Angeklagte angab, zwei Päckchen mit Heringsresten geworfen seien. Die Angeklagte habe vielleicht glauben können, chr Nachbar Dauernheim sei der Werfer des Pakets, aber das was sie beschworen, sei völlig aus der Lust gegriffen, deshalb müsse die Schuldftage wegen Meineids bejaht werden; aber auch die Neben- ftage sei von den Geschworenen zu bejahen; denn nachdem die Henrich die Anzeige gegen Dauernheim erstattet, würde sie sich des Vergehens einer fälschet! Anzeige ausgesetzt haben, wenn sie vor dem Schöffengericht in der Hauptverhandlung erklärt hätte, sie könne nicht beschwören, was sie in der Anzeige angegeben habe. Der Verteidiger Rechtsanwalt Hoos erklärt, daß er nach der Beweisaufnahme nicht in der Lage sei, für die Freisprechung seiner Klientin zu plädieren. Der Verdacht, der zu Anfang der Verhandlung bestanden habe, daß der Angeklagten von der Gegenpartei eine Falle gestellt sei, ei durch die Beweisaufnahme widerlegt. Die Parteileiden- chast habe die Angeklagte verblendet. Man müsse die ganze Art, wie man der Bevölkerung auf dem Lande das Recht der Bürgermeisterwahl überlasse, verantwortlich machen für all das Unglück, das diese Wahlen zeitigen, bei denen keine Gemeinheit, keine Niedertracht unversucht gelassen werde, um dem Gegner eins auszuwischen. Er bitte den Gerichtshof, dies bei Ausmessung der Strafe zu berücksichtigen. Die Angeklagte Henrich erklärt, sie sei unschuldig, es werde, wenn auch erst spät, ihre Unschuld an den Tag kommen, es müßte denn keinen Gott im Himmel und keine Gerechtigkeit auf Erden mehr geben. Nach erfolgter Rechtsbelehrung ziehen sich die Geschworenen zu einer kurzen Beratung zurück. Der Landwirt Keil von Melbach verkündet als Obmann den Wahrspruch. Das Urteil lautet auf 1 Jahr Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte 2 Jahre Zuchthaus beantragt. 16. Wanderversammlung der deutschen Land- mirtschafts-Keseüschast zu Mannheim. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") L n. Mannheim, 5. Juni Die Sonne brennt schon in der Morgenfrühe unbarmherzig wie im Juli. Ich löse in Gießen eine Fahrkarte und frage vorsichtig an, ob ich eine einfache, die für die Rückfahrt gültig sei, erhalten könne. Denn der Hessische Landwirtschaftsrat hatte noch in den letzten Tagen wiederholt die Eisenbahndirektion Frankfurt bestürmt, um diese Erleichterung, die die übrigen Bahnen zur Reise nach Mannheim bewilligt hatten. Vergebene Lebensmühe. Tie Direktion beruft sich auf die Erleichterung, die sie durch die 45 tägige Gültigkeit der Rückfahrkarten gewähre. Wer also für zwei oder drei Tage zur fünftägigen Ausstellung nach Mannheim fährt, kann Gott danken, daß er eine 45 Tage geltende Rückfahrkarte in der Tasche hat, das ist Erleichterung genug! Während meines kurzen Aufenthaltes in Darmstadt höre ich, daß in den ländlichen Kreisen Oberhelssens und Rhein Hessens eine gewisse Erbitterung über die Hartnäckigkeit unserer Eisenbahnverwaltung herrscht. Kleine Ursachen, große Wirkungen: diese Hartnäckigkeit, sagt man, könne dahin führen, daß die so nicht rosige Stimmung für einen weiteren Eisenbahnvertrag mit Preußen in der 2. Kammer der hessischen Stände sich in eine gegnerische verwandelt. Wir kommen nach einer nichts weniger als angenehmen Eisenbahnsahrt endlich nach Mannheim. Ich sehe die Stadt zum zweiten Male in meinem Leben. Zum ersten Male sah ich sie vor 32 Jahren, am 7. August 1870. Tags zuvor war ich in der Schlacht bei Wörth verwundet worden und 24 Stunden etwa nach der Verwundung kam ich in Mannheim an. So liebenswürdig und gastlich wie damals bin ich diesmal nicht empfangen worden. Damals riß man sich förmlich um den jungen Offizier, der als Mitkämpfer von der Schlacht bei Wörth berichten konnte und einer der ersten derselben war, der die Stadt betrat. Ich wurde in einem Prioatlazarett gut gebettet, und als ich am anderen Morgen im Sommer lichte, das mein Zimmer erhellte, erwachte, klopfte es leise an meine Thür und herein trat, das Zimmer noch viel Heller machend, eine wunderschöne junge Dame. Sie trug Waschschüssel, Schwamm und Handtuch und erklärte, mich waschen zu wollen. — Tas Waschen wäre ja nun allerdings nötig gewesen, in den letzten füns Tagen und Nächten hatte uns nur der Gewitterregen gelegentlich gewaschen, mir klebte der Staub und der Pulverdampf und das Blut vom Schlachtfelde von Wörth noch im Gesicht. Aber der Gedanke, mich wie ein Kind waschen lassen zu sollen von dieser jungen Dame, war mir so ungeheuerlich, daß ich mich — meine Arme waren gesund, aller Angriffe mit Erfolg erwehrte. Die junge Dame verschwand und kehrte mit einer älteren und sehr energischen zurück. Im Augenblick hatte ich den nassen Schwamm im Gesicht, und ich mußte mir das Waschen gefallen lassen. Tas war für mich Mannheim im Jahre 1870. Wenn der abgewiesenen Wäscherin von damals ein Zusall dies Blatt in die Hände wehen sollte, dann möge sie noch einmal so herzlich lachen, wie damals. Hoffentlich kann sie es noch und gedenkt auch wehmütig wie ich der goldenen Jugendtage. Und nun das Mannheim von heute. Der Bahnhof ist beflaggt, das gelb-rot-gelb herrscht vor, grell hebt es ich heraus aus Guirlanden und dem Grün der Anlagen. Ich habe noch keine Wohnung. Ter Wohnungsausschuß am Bahnhof beruhigt mich: Privatzimmer genug. Ich erhalte ein solches weit im Inneren der Stadt, aber nahe am Ausstellungsplatz, was man in einer Stadt von 160 000 Einwohnern nahe nennt, angewiesen. Ich wende mich auf dem Bahnsteig an einen Bahnbeamten, um ungefähr zu er- ahren, wo meine gewonnene Wohnung liegt. Terselbe belehrt mich: Mannheim is e Quadrot re. Ich steige in die „Elektrische" und fahre im Bogen in dem Quadrot rum und lande fast vor meiner Hausthür. Meine Wirtin ist froh, daß sie einen Gast erwischt hat, der Hotelpreise bezahlt. Das Angebot ist groß, Die Nachfrage gering, aber Die Preise fest. — Ich lege mein Gepäck nieder, erfrische mich und suche wieder mit der Elektrischen die Ausstellung auf. Auch das ist nicht schwer, sie liegt dem Schlacht- und Viehhof gegenüber, längs der Seckenheimer Straße, tiefer als diese, da diese einen Tamm bildet. Das. Baugelände, welches die Ausstellungsräume bedeckt, muß zum Bauen bedeutend aufgefüllt werden. Tas Gesamtbild der Ausstellung ist das bekannte: Zelte, Pavillons, mit Segeltuch überspannte Stallgebäude, Flaggen und Wimpel in allen Farben. Wer auch bei der Mannheimer Ausstellung, bei der Anordnung der „Lagergassen", so möchte man es nennen, bewährt sich das „Quavrot". Auch die Ausstellung ist im Sinne meines Auskunftgebers ein Quadrot. Rechtwinklig durchschneiden Wege das Feld, das Ausstellungs- seld ist überaus übersichtlich. Hat man sich das Bild ecu- mal genau angesehen, so braucht man feinen Führer mehr. Von der Seckenheimerstraße ziehen die Gassen quer über das Ausstellungsfeld, da folgt aus die Maerckerstraße, die Koppe-, Thaer-, Liebig-, Nctthuftus, Schultz-Lupitz-, Schwerz-Straße. Am Ostende sind die Pferde, Schafe, das Geflügel, Fische und Bienen untergebracht, die Rinder dicht daneben im Wrd- osten; die Schweine, Ziegen und die Molkereien im äußerster: Westen; mitten zwischen diesen Unterkunftsräumen, am Wrd- ende des Ausstellungsfeldes befindet sich die Tribüne, der große Vorführungsring, der Musikpavillon, das Gabenzelt. Tas Zentrum des Ausstellungsfeldes wird von den Ma- sch inen, Geräten und Erzeugnissen eingenommen. Sinnig dazwischen verteilt erheben sich die Zelte Der Kosthallen für allerlei Weine deutscher Herkunft, Der Cafes, Der ungezählten Bierniederlagen. Und alle Diese Trinrgelegenhellen waren heute schon, vor Dem Eröffnungstage, Dringend nötig, Die Sonne brennt furchtbar. — Ich Durchwandere flüchtig Die PserDeställe, bewundere Die Reit- und Wagenpferde Der deutschen Edelzucht, Die feinen Köpfe, Die klugen An gen unD zierlichen GlieDer. Aus Schleswig, aus Holstein, aus Mecklenburg, aus Dem Elsaß, Lothringen, aus Donaueschingen, PsullersDorf, Miereuvorf fmb jie hier zum Konkurrenzkampf zufammengebracht. Wie nervös )inD Diese hochgezüchteten Tiere, be|täuDig sind sie in einer gewissen Erregung, sie beschästigen sich fortgesetzt irgendwie. Die reinen UeberbrettlpferDe. — Auch die Armeeverwattung hat wieder Remonlen ausgestellt, um Den Züchtern za zeigen, was für Pferde Die Armee verlangt. Ta stehen Artillerie-, remonten aus dem Remonte-Tepots Hunnesrück bei Eimdeck, aus ArenDsee in ID er Altmark, kräftige gedrungene Tiere, Die gut eingefahren, Die Geschütze im feinDUajien Feuer rasch und sicher auf Den geeigneten Platz bringen sollen. Man hört in Diesen Ställen alle 'Dialekte von Den Pferde-, Wärtern, Da sticht Der Hannoveraner, Die Mealenbarger vank und schlanke Kirls lvie Reuter sagt, reDen ihr Platt, Der Altmärker sprächt sein scharfes Preußisch, Dir Thüringer singt unD die Süddeutschen schwäbeln. Ta höre ich auch französisch sprechen, OberelsäFer unterhalten sich. Em Unteroffizier von Der Artillerie richtet eine Frage an Den sranzöfifch RedenDen; dieser antwortet freundlich: „Tas sind die Hengschte, wo von der Regierung sind verlaust wurde." . Wir kommen zu Den belgischen, rheinisch-belgifchen^und Den belgischen Arbeitspferden des theinhessischen Stut- bucheD. Tie ausgezeichnetsten sind die schwerften, siork- knochigsten mit doch gutem Gangwerk. Rian könnte sie auch Elephanten nennen im Gegenfatz zu Den Gazellen, Den vorhin gesehenen PserDen Der Deutschen Edelzucht. Hier begegnen wir auch Bekannten, hessischen Züchtern: Earl H o s f m a n n von Hosgüll, Albert Tett weiter- Wintersheim, Karl Fritsch-Dilshofen, Otto Dettwimler- Wintersheim, Friedrich, Koch-Hasselhecke, Karl Lettweiler haben Pferde des schweren Schlages ausgestellt. Ta die kandwirtschastlichen Vereine des Großherzogtumsi Hessen sich wegen Mangels an Mitteln überhaupt nicht an der Ausstellung beteiligt Haven, so haben jene Herren auf eigene Faust ihre Pferde ausgestellt. Das sind aber auch die einzigen Vierfüßler, welche aus dem Großherzogtum Hessen ausgestellt sind. — Ich bemühe mich noch, die Rinderabteilung zu überschauen. Unmöglich, ich komme nicht durch, es sind 360 Pferde, 605 Rinder, 210 Schafe, 343 Schweine, 202 Ziegen ausgestellt und in wieviel Rassen unD Abarten! Morgen weiter, ^ben rollt den Donner über Die weite Rheinebene, schwere -rropfen fallen, wenn's nur in der Nacht tüchtig regnen wollte! Aus Sludl und Kund. Gießen, 5. Juni 1902. ** Die zweite juristische Staatsprüfung haben bei der diesjährigen Prüfung in Tarmstodt von hiesigen Kandidaten die Gerichchsaeeessisten Tr. Möbius, Heß, Willenbücher unD Schlosser bestanden. Tire Prüfung Der mehr als 30 Examinanden fand im Monat März statt und war am Donnerstag vor Ostern beendet worden. Tie Bekanntgabe des Ergebnisses verzögerte sich diesmal länger als sonst, weil einer der Examinatoren erkrankt war. Tas Gesamtergebnis der Prüftng, das erst mit der Ernennung Der betr. Herren zu Gerichts- resp. Regierungsassessoren bekannt werben Dürfte, soll verhältnismäßig nicht sehr günstig sein. . ** Tas ersehnte Gewitter rsti gestern abend Wetter Juni Höchste Temperatur am 3. bis 4. Juni 29,0° C. 9liebrigfte „ „ 3. „ 4. „ 14,5° C. .Frankfurt ». L., 5. Juni 4% Oesterr. Goldretne . schwach. Tendenz: 2,s 9’5 1^86 746,2 746,5 7484 102.60 46.30 29.90 114*00 44.10 2 1 2 9,7 14,5 11,3 'S ’S .5 Z 28,2 19,7 16,4 34 85 81 . 101.90 . 93.05 . 101.80 . 92.60 . 100.00 . 99.25 . 103.05 3d/o Mexikaner . . 4Vs /j Chinesen . e Electric. 8ct uckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelßges. Oesterr. Staatabahn . Lombarden . . , Gottharabahn . . . Lauraiiütte . . . . Bochum , , , 4 . Harpener . . . , 4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien. Rente . . 4‘/a% Portugiesen . . ,0/ Portugiesen. . . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose ..... 4% Grieoh. Monopol -Anl. 4*/2% äussere Argentiner Reichsanleihe do. Konsols . do. . . Hessen Oberhessen £ w L- -Q Sonnenschein Regen Bed. Himmel 3Va% 3% 3‘/,% 3°/o 51/2% 31/3% gl e» Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 8. WNW. WNW. Wrof-essor Wedewer aNein komme in Betracht, sondern außer des letzteren Antwortbriefes noch eine ganze Reihe von Aussagen anderer. Feststellen müsse er auch, daß sein Sohn von seinen angeblichen Wünschen ihm niemals Mitteilung gemacht habe. Er wisse nur, daß man den evangelischen Sohn eines vor langen Jahren evangelisch gewordenen Katholiken schon von klein an versucht habe, zur römischen Kirche hinüberzuziehen. 4. 4. 5. großen Versicherungsgesellschaften unternahm Schritte, um den Reservefonds zu vervollständigen, die aber erfolglos geblieben sein sollen. Der Direktor der Allgemeinen Familienkasse und sein Sohn sind seit gestern flüchtig. Paris, 5. Juni. Wie vorauszusehen war, haben bi« Präsidenten des Senats und der Kammer Loubet die Mitteilung gemacht, daß von der Mehrheit der republikanischen Parteien des Senats und der Kammer ein Kabinet Brisson gut ausgenommen werden würde. Brisson wird heute nach dem Elysee berufen. Eine „Havas"-Note besagt, Deschanel. werde für das Kammerpräsidium nicht mehr kandidieren. Bourgeois werde unter diesen Umständen voraussichtüch gewählt werden. Paris, 5. Juni. Die Subskription für die Opfer aus Martinique ergab bis jetzt 2 050000 Frs. Es wurde wiederum ein Schwindler verhaftet, der sich bei angesehenen Personen vorstellte und Gelder für die Opfer sammelte, aber zu eigenen Zwecken verwendete. Paris, 5. Juni. Aus Algier kommen wieder schlimme Nachrichten über die Heuschreckenplage. In den Provinzen Oran und Konstantine haben die Heuschrecken sett mehreren Tagen den größten Teil der Weinberge z erstört. Barcelona, 5. Juni. Auch die Fuhrleute sind in den Aus stand getreten. Artillerie sichert den notwendigen Verkehr. Mehrere Fabriken stellten wegen Mangels an Kohlen den Betrieb em. In Cordova traten die Landarbeiter in den Ausstand. Aum südafrikanische» Iricde». London, 5. Juni. Die „Times" melden aus Pre* toria vom 2. Juni: Die Buren in Wereeniging sprachen die Anerkennung ihrer Niederlagie in einer Resolution aus, die der Vollmacht der Delegierten, das Uebergabedokument zu unterzeichnen, vorausgeschickt ist. Tarin wird erklärt, daß sie nur eurgewilligt hätten, ihre Unabhängigkeit aufzugeben, weil die- englische Regierung darauf bestanden habe, nicht mehr weiter zu verhandeln,, sondern die Bedingungen zu sistieren, ferner in Anbettacht der Verluste, die sowohl die Buren wie die Engländer litten hätten, und der Unmöglichkeit, die in Kriegsgesangen- schast Geratenen je zurückzuerlangen, wie endlich zu dem. Zweck, den Wetterbestand ihrer Rasse zu sichern. L 0 n d 0 n, 5. Juni. Hier gitt es als ausgemachte Sache, daß Kitchener das Oberkommando in Indien bekommt. Grrichtssaal. Leipzig, 3. Juni. Das Reichsgericht hat gestern die Revision der „Nationalzeitung" und des Rechtsanwalts Horn in Sachen der Veröffentlichung der Schrtststucke über die zweite Untersuchungshaft Hickels v e r w 0 r f e n und sonnt die Verurteilung zu 50 bezw. 100 Alk. Strase bestätigt. Q 5 <5 a 5? _ —-b £ 5 Familien Nachrichten. Gestorben: Auguste Freisrau Röder v. Diersburg in Darmstadt. London, 5. Juni. Das Unterhaus nahm mtt 216 gegen 49 Stimmen in dritter Lesung das Gesetz betreffend die Kriegsanleihe an. Während der! Beratung erklärte der Schatzkanzler Hicks Beach, eine der ^ersten Maßregeln, welche man treffen müsse, sei die Kriegs «st euer festzusetzen, welche die Goldgruben in Zukunft zu enttichten haben werden. — Tie Thatsache, daß Kitchener nur 50 000 Pfund Sterling erhalten hat und nicht wie Lord Roberts 100000, erklärt sich aus dem Unterschied des militärischen Ranges und weil Kitchener. bereits 30 000 Pfund bei seiner Rückkehr aus dem Sudan- Feldzug erhalten hat. — „Daily Attttl" veröffentlicht mehrere Briese, welche Vorschlägen, eine Subskription! zu eröffnen zu dem Zweck, Dewet einen Ehrendegen, anzubieten. Desgleichen wird vorgeschlagen, eine Subskription zum Wiederaufbau der Farm DewetH einzuleiten. — Aus Pretoria wttd gemeldet: Die hie-- sigen Blätter berichten, daß das Zugeständnis Englands, die holländische Sprache als Unterrichtssprache in Südafrika beizubehalten, zahlreiche Protestkundgebungen hervorgerufen hat. Dieselben weisen auf das Beispiel Kanadas htti, das zur Genüge darthue, daß die englische Sprache vernachlässigt würde, wenn neben ihr eine andere gestattet wäre. Auch sind die Blätter der Ansicht, daß drei Millionen Pfund Sterling zum Wiederaufbau der Farmen nicht genügen. Sie stellen außerdem fest, daß die Feindseligkeiten; in der Kajp-Kolonie fortdauern. — Die letzte Verlustilifte berichtet von zwei Toten und vier Verwundeten. Pretoria, 5. Juni. Nach den aus der Kapkolontt, eingehenden Berichten gestaltet sich die Lage dort sehr befriedigend. Kommandant Fo chö ergab sich. Täglich finden sich viele Kämpfer zur Uebergabe ein* London, 5. Juni. Nach einem Telegramm aus Pretoria haben die Burenkommandanten Botha und De- larey sowie eine Anzahl andere Führer die Absicht, sich demnächst nach Europa zu begeben, um die nötigen Gelder für die Unterstützung der notleidenden Burgherr auszubringen. H a a g, 5. Juni. Dr. L e y d s wird ebenso wie Krüger vorläufig nicht nach Südafrika zurückkehren. Auf eine Anfrage des holländischen Burenvereins antwortete Krüger: „MeineTraueri st unsagbar. Jchhabe nichts weiter zu sagen." nehmen. e. Bad-Nauheim, 4. Juni. Im Grand £otel „Kaiserhost" veranstalteten die hier zur Kur wettenden Eng- ' länder eine Feier aus Anlaß des Friedensschlusses in Südafrika und zur Geburtstagsfeier des Königs von ( England. Tie Kapelle der Bockenheimer Husaren konzer- < tierte im Garten. Herr Seethäler, der Besitzer des Kaiser- , Hoss, hatte alles aufgeboten, um durch prächtige Blumen- । detorcttionen und ein vorzügliches Souper das Fest den 1 feiernden Engländern angenehm zu machen. Bad-Nauheim, 4. Juni. Aus sehr zuverlässiger Quelle erfährt der „B. N. A.", daß der Großh erzog! Mitte August in Friedberg für einige Zett Aufenthatt nehmen wird. Vorigen Freitag war Oberhofmarschall von Westerweller deshalb zur Besichttgung des Schlosses in Friedberg anwesend und verweitte kurze Zeit auch in Bad- Nauheim. 0. Friedberg, 4. Juni. Dem hiesigen Veteranen- und Milttärverein ist es nun endlich gelungen, den Plan zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in unserer Stadt seiner Verwirklichung entgegenzuführen. Aus den Ueberschüssen der Werning'schen Kriegsfestspiele und infolge der Opferwilligkeit unserer Einwohnerschaft ist ein Kapital von über 10 000 Alk. zusammengebracht worden, so daß nunmehr ein Ausschreiben zur Anfertigung von Entwürfen erlassen werden wird. Dem Anfettiger des besten Entwurfs soll die Ausführung des Denkmals übertragen werden, für dessen Aufstellung man den Platz in der großen Allee, gegenüber dem Amtsgericht, gewählt hat. Friedberg, 4. Juni. Was die Hitze nicht alles verschuldet! Die Homburg —Friedberger Bahn hatte gestern bei dem 5.12 Uhr fälligen Zug eine fast einstündige Verspätung. Zwischen Roßbach und Rodheim hatten sich die Schienen durch die Hitze derart ausgedehnt, daß neues Material eingefügt werden mußte. Sollten die Erbauer der Bahn wirklich nichts davon gewußt haben, daß Eisen sich durch die Wärme streckt? Bei anderen Bahnen wird auf die Veränderung der Schienen durch die Temperatur sofort beim Legen Rücksicht genommen. rs Als selb, 4. Juni. Am Sonntag sand hier un Hotel „Deutsches Haus" eine Bezirsksv er s ammlun g des Bundes jve>r Landwirte statt, der eine Versammlung der Vertrauensmänner vorangegangen war. In dieser wurden der Bezirks-Vorsitzende, Gursbesitzer E. Lutz- Elpenrod und dessen Stellvertreter Gutsbesitzer Ott- Liederbach einstimmig wiedergewählt. Ferner wurde beschlossen, dem Reichstagsabgeordneten des Wahlkreises, Kunstmaler Bindewsild, die bestimmt gefaßte Frage vorzulegen, wie er zu den Forderungen des Bundes in Bezug aus den Zolltaris stehe. Fritz Bley berichtete sodann über den Zolltarif und die polittsche Lage. Die Versammlung nahm nach eingehender Erörterung, an der sich namentlich Landtagsabgeordneter Korell, Pfarrer Schick, Gutsbesitzer Schach-Altenburg, Lotz-Elpenrod, Gutspächter Oelsen und Neureuther-Frankfurt beteiligten, einstimmig folgende Resolution an: Tie heute in Alsfeld, Provinz Oberüessen tagende Bezirksversammlung des Bundes der Landwirte erwartet von den aus landwirtschaftlichen Kreisen gewählten Abgeordneten, daß sie unter feinen Umständen der Regierungsvorlage oder einem schädigenden Kompromisse zustimmen werden Sollte die von uns sachlich begründete Forderung eines lückenlosen Zollschutzes nicht zu verwirklichen sein, so müssen die industriellen Zollsätze be- chnittien werden, um eine gerechte Parität von Landwirtschaft und Industrie herbeizuführen. Dem engeren Vorstände spricht die Versammlung für seine bingebende und im Gegensätze zu so vieler Kompromißsucht unbeirrte Thätigtett ihren wärmsten Dank aus. Wiesbaden, 3. Juni. Professor Wedewer teilt mit daß die Nachricht, gegen ihn sei in Zusammenhang mtt dem Selbstmorde des früheren Gymnasiasten Bresaen eine Tis z ip li n ar u n t e r s u ch un g ein- aeleitet worden, unzutreffend ist. Das „Wiesb. Vollsblatt" giebt folgende Darstellung des Falles: Wohl bat der Vater des unglücklichen jungen Mannes, dessen Schmerz und Aufregung ja begreiflich aenug ist, geglaubt, daß Vrofessor Tr. Wedewer seinen Sohn heimlich getauft und in die katholische Kirche ausgenommen habe und deshalb Beim werde erhoben beim Provinzial-Schulkollegiurn In Kassel, welches diese Beschwerde - mag sie auch noch so grundlos Pin — selbstredend ordnungsgemäß prüfen muß und sie deshalb an Pros. W. zur „Aeußerung" über- janbte. Tas ist alles. - Dr. Br es gen erttart in einer Zuschrift an den „Rhein. Kurier", er habe beim Direktor des hiesigen Königl. Gymnasiums woyl Anzeige gegen Prof. Wedewer erhoben, nicht aber behauptet, baß Prof. We- bewer seinen Sohn „heimlich in die katholische Kirche Liufgenommen habe. Nicht ein Brief [eine» Sagues an 4%% Oesterr. öiiberrente 101.70 " - ” 101.60 gegen 7 Uhr endlich niedergegangen, und mtt ihm ist auch die ersehnte Abkühlung der tropischen Glut, die seit mehr als einer Woche herrschte, eingetreten. Nach dem amtlichen Bericht zeigte das Thermometer heute morgen um 71/2 Uhr 16,4 Grad Celsius gegen 2,0 um dieselbe Zeit am gesttigen Tage. * • Omnibusverkehr nach dem Schiffenbergerwald. Der Vorstand der Omnibusgesellschaft teilt uns mit, daß er infolge schwacher Beteiligung gezwungen ist, die Linie nach dem Schiffenbergerwald an Wochentagen einzustellen. Er ist jedoch bereit, bei Beteiligung von mindestens 10 Personen und bei vorheriger Bestellung Extrawagen ohne Preiserhöhung fahren zu lassen. An Sonntagen bleibt der Verkehr wie seither bestehen. ♦* Tötlich'ör Unfall. Der Weg, welcher von Hohensolms nach Altenkirchen führt, hat an einer abschüssigen Stelle eine starke Kurve. Ein Flaschenbierwagen erlitt dort vor mehreren Jahren einen bedeutenden Unfall. Und schon wieder verunglückte am Samstag abend dort em Fuhrmann aus Altenkirchen, der von Gießen heimkehrte. Man fand ihn am Sonntag morgen mit eingedrückter Hirnschale tot neben seinem Wagen. Der Wagen war umgeworfen, die beiden -Scherbäume waren abgebrochen und hatten sich in den Erdboden gewühlt. Nur das Pferd kam mit heiler Haut davon, das sich das Waldgras schmecken ließ. . * * Der 1. Preis, den der Gießener Radklub „Germania' auf der Dauerfahrt über 100 Kilometer nach Butzbach bei dem Stiftungsfest des Butzbacher Radfahrer-Klubs errungen hat, ist bei dem Mitgliede des Klubs „Germania" Karl Muhl, Bahnhofstraße 43, ausgestellt. * # Wirtschaftsübcrnahme. Der bisherige Buffetier der hiesigen Bahnhofswirtschaft Kohler wird im Laufe ds. Mts. die Leitung der Museumswirtschaft in Marburg über- Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. S. Darmstadt, 5. Juni. (Zweite Kammer.) Fortsetzung der Beratung des Main-Neckar-BahimBertrages. Abg. v. Brentano stellt festz daß die Freisinnigen, an ihrer Spitze Dr. Gutfleis ch, im Falle der Annahme des Vertrages das zweifelhafte Verdienst hätten, ihn durch- aeführt zu haben. Die Ausführungen Gutfleisch's und die vielen Klagen über den Gemeinschaftsvertrag sollten sie zur Vertagung der Vorlage bewegen. Es sei die Pflicht jedes hessischen Abgeordneten, für die Vertagung zu stimmen. Ministerialrat Ewald erklärt, das Mißtrauen einer Anzahl von Main-Neckar-Bahnbeamten gegen den Berttag für ungerechtfertigt. Abg. Jöckel (kons.) wendet sich gegen die Ausführungen der Abgeordneten Schmidt und Brentano. Infolge des Verttages von 1898 der große Vorteile gebracht habe, müsse man auch diesen aiinehmem Abg. M 0 l t h a n bedauert die von Dr. G n a u t h gestellte Kabinettssiage. Im Interesse des Landes liege das nicht. Finanzminister Gnauth weist nochmals aus die zwingenden Gründe hin, die sich aus Art. 18 des 1896er Vertrages ergeben, und wiederholt bezügl. der Kabinettssiage man könne keinen Minister wieder nach Berlin schicken, dessen erste Verhandlungen keinen besseren Erfolg erzielt hätten. Staatsminister Rothe weist nochmals auf den Ernst der Lage hin und erklärt, er teile die Stellungnahme des Finanzministers. — Der Vertrag dürfte mit vier Stimmen Mehrheit angenommen werden. Berlin, 5. Juni. In einer Zuschrift an die „Deutsche Tagesztg." bezeichnet ein parlamentarischer Berichterstatter die Nachricht, daß die deutsch-konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses den Justizminister ersuchen wolle, den Gesetzentwurf über das juristische Studium und den juristischen Vorbereitungsdienst zurückzuziehen, als unzutreffend. Es treffe nur so viel zu, daß aus dem Schoße des Abgeordnetenhauses mit der Staatsregierung beziehungsweise dem Justizminister in besagter Richtung verhandelt wird. München, 5. Juni. Im Nachbarort Forstkirchen wurden gestern infolge Einsturzes eines Brunnenschachtes zwei Arbeiter verschüttet. Obwohl die Rettungsarbeiten von Pionieren die ganze Nacht fortgesetzt wurden, ist es bis heute früh 8 Uhr nicht gelungen, die Verschütteten zu bergen. Paris, 5. Juni. In der Umgegend von Reims und Troyes richteten Hagelschläge und Gewitter in den Obst- und Weinbergen großen Schaden an. Paris, 5. Ium. Wie der „Matin" meldet, wurde enb^ gütig festgestellt, daß der gesetzmäßige Reservefonds der Versicherungsgesellschaft „Allgemeine Familienkasse" ein Defizit von 2 4 Millionen aufweist. Das Syndikat der Vermischtes. • Berlin, 4. Juni. Wie die „Staatsb.-Ztg." mitteilt, befindet sich Graf Pückler-Klein-Tschirne, der sich bekanntlich längere Zeit im Auslande aufgehalten hat, wieder m Berlin, und beabsichtigt, am Freitag Abend m einer öffentlichen Versammlung des deutschen Antisemitenbundes zu prechen. Graf Pückler habe eine Kaution hinterlegt, wodurch der seinerzeit erlassene Steckbrief außer Wirkung gesetzt worden sei. * Erdbeben in Südamerika. Der Korrefpondent des „New-York Herald" in Valparaiso meldet, daß nach einer Depesche aus La Paz im Choico-Gebiet eine vulkanische Eruption erfolgt ist, durchweiche zwei Dörfer zerstört und 75 Menschen getötet wurden. Die Eruption dauert fort. Bekanntmachung. Tas Hebregister über die Umlagen der Stadt Gießen pro 1902 03" liegt acht Tage lang aus umcrem Bureau — Zimmer Nr. 15 — mr Einsicht eines jeden Beteiligten offen. Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Beschwerden gegen die im Register enthaltenen Ansätze binnen der ersten vier Wochen nach Ablaus der Offenlegungssrist entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll bei Großh. Kreisamt Gießen vorgebracht werden müssen und daß spater vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichtigung finden tonnen. Gießen, den 3. Juni 1902. 4190 Grvbytwzogcicht.' Dürgermeisterei Gießen. Mecum. Arbeiterbewegung. Lemberg, 4. Juni. An dem Leichenbegängnis der vier bei den gestrigen Unruhen Getöteten beteiligten sich mehrere tausend Personen, meist Arbeiter. Es wurden mehrere Reden gehalten. Nach dem Begräbnis versammelten sich tue Teilnehmer aus einem Platz in der Nähe des Friedhoss, wo ein Führer der Arbeiter mitteilte, daß die heutigen Verhandlungen mit den Bauunternehmern ein günstiges Ergebnis gehabt hatten, und die Arbeiter aufforderte, morgen die Arbeit wieder auszunehmen. Die Arbeiter kehrten sodann ruhig nach der Stadt zurück. HoUe-dieak der i-r-elitischcn Keligion-gesrUsch-fi. Sabbathseier am 7. Juni 1902. Freitag abend 800. Samstag vormittag 8°° Predigt. Nach- mittag 4°°. Sabbathausgang 9ro. Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 9 Uhr. 1902. . 25.65 . 90.40 . 109.50 216*00 . 187.40 . 140.90 . 147.50 . 158.60 . 150.60 . 18.10 . 168.50 . 206.10 . 200.30 . 179.50 ' ■ — 1---------------\ Telephonischer Kursbericht Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen beehren sich anzuzeigen Landgerichtsrat Schmidt und Frau Elee, geb. Rabenau. i'af Saison-Hröffnung für feinen Cablian, Schellfbch, Seebecht. BormtteU, daß Fische im Sonuner nicht so gut sein sollen, wie im Winter, ist vollständig veraltet. Jeder weiß, daß im Sommer an der Table d’hbte in den Dmdsrs-BLderu fast nur Seefische Ivie: Kchessstsche, Havkisil^ -"hecht, Kalössles, Kotes etc. etc. |M finden find. Auch weih Jeder, daß bei dem heute eingerichteten Schnellverkehr für Fische der Transport ein ganz kurzer ist. Die Hauptsache ist großer Umsatz, deshalb immer Riesenspargei 5—6 Stück == 1 Pfund schwer empfiehlt täglich frisch «s. Hankel, 6 Schloßgafse 6. 4136 Putter Von 10 Pfd. an 80 u. 85 Pfg. per Pfund bei 4159 h.E.Zughardt Butter-Abschlag. gtii|te LhtthDtefklblltttt per Pfd. 1,20 Mk. 588®* frische und g^te Fische- (88 ist Hhatsache, daß Lavlian und Schellfische jetzt im Sommer wett seiner, fetter und besser sind, als im Winter. Da diese Woche riesiger Fang, offeriere: Fst IsL Cabliau ganzer Fisch, per Pfund 18 Psg. toF* Fst. Kordsee-Schelltfische empfiehlt C. Roth n. Nachf., Wallthorstraße 5. Prima ohne Loos, per Psund 18 Psg. Q @ Fst- Speck-Cabliau G © im AuSschnut per Pfund 30 Psg. ganzer Fisch , , 28 , 4185 MW* Fst. See-Hecht TES® im Ausschnitt per Pfund 40 Pfg. ganzer Fisch „ , »8 , S«F Fernste Haifische HI 1- bis 2-psündig, per Pfund SO Pfg. Fst« Holländische Schellfische per Pfund 36, 88 und 18 Pfg. Tafel-Zander, Lahnhecht, Soles, HalbsoleS re. re. 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