Nr. 7» «rschetut täglich außer SonntagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischea Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelcgt. RotaNonsdrrick u. Verlag der Brühl'schen Univeri.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erbend Redaktton, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprrchanschlnßNr.51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Samstag 5. April 1008 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezngSpreiSr monaluch7bPs.,v»ettel-t jährlich ölt. 2.20; durchs Abhole- u. Zweigstellen monatlich Ko Pf.; durch! diePost Alk. 2.—viertel« jährl. Qußid)L Bcslellg.! Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr»! ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. angcm.i Teil: P. Wlttko: für „Stadt und Land* und , GcrtchtSs aal': R. D i t t« mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Die Heutige Kummer umfaßt 16 Seite». Politische Tagesschau. Graf Posadowsky ist am Freitag in Stuttgart eingetroffen. Er verbrachte den Abend beim Ministerpräsidenten v. Breitling. Heute, Samstag, wird Gras Posadowsky vom König empfangen. In der preußischen Gesandtschaft findet unter Teilnahme einiger Minister ein Frühstück statt. Die „Allg. Ztg." bezeichnet die Blättermeldung, daß auch die Frage des Jesuitengesetzes Gegenstand her Besprechungen zwischen dem Grafen Posadowsky und den leitenden bayerischen Staatsmännern gewesen sei, als unzutreffend. Im übrigen betont jetzt auch die bayrisch offiziöse Münchener „Allg. Ztg." als Ergebnis der in München gepflogenen Besprechungen, daß die verbündeten Regierungen unter keinen Umständen sich auf eine Erhöhung der Minimalsätze für Getreide einlassen und daß auch keine Ein füg ung weiterer M i n i m a t z ö l l e in den Tarifentwurf die Billigung der verbündeten Regierungen finden werde. Ties gelte insbesondere auch gegenüber der Forderung auf Minimalzölle für Biehe in fuhr. Ebensowenig würde für die Biebverzollung die Einführung der Verzollung nach Lebendgewicht statt des vorgeschlagenen Stückzolles die Zustimmung finden. Rach einer Meldung aus Koburg wird Staatssekretär Graf Posadowsky auch mit den thüringischen Mittel-Staaten über wirtschaftlicl-e und finanzielle Fragen und den Plan einer Reichs-Finanz-Reform konferieren. Anlecheprojekte. Aus Berlin, 4. April, wird uns geschrieben: Der Erfolg der russischen Anleihe hat selbst die weitestgehenden Erwartungen der hiesigen Finanzkreise übertroffen, und es kann nicht ausbleiben, daß die derart er- wiesene Ausuahmesähigt'eit des deutschen Geldmarktes die Beachtung der Regierungen anderer geldbedürftiger Staaten erregt. Unter dieesn Umständen erscheint es angezeigt, auf die seit längerem bestehende Absicht Spaniens, eine neue Rentenicfyulb zu kontrahieren, hinzuweisen. Man hatte Frankreich die Rolle des Geldgebers zngedacht, doch die Pariser Hochsiuauz verhielt sich allen „Anregungen" gegenüber ablehnend. Richt — wie von eingeweihter Seite versichert wird — aus prinzipiellen Gründen, sondern weil die französischen Emissionshäuser das Ergebnis der Petersburger Reise des Präsidenten Loubet abwarten wollen. Weniger im Hinblick aus etwaige neue Inanspruchnahme des französischen Kredits seitens Rußlands; es wird vielmehr mit der Möglichkeit gerechnet, daß die russische Regierung den Präsidenten der Republik für den Abschluß einer sranzö- sisch--b ulgarischen Anleihe zu gewinnen sucht. Da hierbei politische Momente mitspielen, würden die Pariser Finanziers dieser Transaktion den Vorzug geben vor dem spanischen Geschäft. Bei solcher Lage der Dinge kann die jüngste Haussebewegung der spanischen Fonds an der Pariser Börse, die sich alsbald aus die Berliner übertrug, nicht wunder nehmen. Es soll „gutes Wetter" gemacht werden für diese Papiere, und das ist insofern schon gelungen, als sich die Arbitrageure fortgesetzt in „Spanien" engagieren. Die Madrider Regierung mag's mit um so größerem Vergnügen sehen, als die Festtage der K ö n i g s kr ö u u n g näher und näher kommen, bei der D e u t s ch l a n d besonders glanzvoll vertreten sein wird. Die Gelegenheit, eine Finanzaktion am deutschen Geldmarkt anhängig zu machen, erscheint also unter jedem Gesichtspunkt ungewöhnlich günstig und verlockend. Gegen die Bonität spanischer Renten wird sich bei nüchterner Betrachtung freilich einiges einwenden lassen. Andererseits darf nicht unerwähnt bleiben, daß Spanien seinen Gläubigen niemals solche Enttäuschungen bereitet hat, wie der andere Pyrenäenstaat, Portugal. Deutsches Reich. Berlin, 4. April. Ter Kaiser hatte heute eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts. — Ter Kaiser und der Kronprinz werden am 16. d. M. mit großem Gefolge und einer Anzahl geladener Herren sich von Berlin nach Bremerhaven begeben, um auf Einladung des Norddeutschen Lloyds an einer Ausfahrt des Lloyddampfers „Kronprinz Wilhelm", die für den 17. und 18. d. 2)L anberaumt ist, und weit hinaus in den nordöstlichen Teil der Nordsee sich erftreaen soll teilzunehmen. — Der Schah von Persien, der auf feiner Europareise auch mehrere Tage Gast des Kaisers in Potsdam sein wird, dürste am 28. Mai eintreffen; es wird großer Empfang mit militärischen Ehren stattfinden. Am 30. und 31. Mai wird der Schah den Frühjahrsparaden in Berlin und Potsdam beiwohnen. — Tie verwitwete Prinzessin Anna zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda, geborene Prinzessin Reuß jüngerer Linie, ist in Rudolstadt verschieden. Prinzessin Anna von Reuß j. L. ist 1822 geboren, stand also im 80. Lebensjahre. Sie vermählte sich 1843 mit dem Prinzen Adolf zu Bentheim, der 1874 gestorben ist. Ter älteste Sohn dieser Ehe ist beim Tode seines Oheims, des Fürsten Franz, Chef des Hauses Bentheim-Tecklenburg geworden. Er hat einen jüngeren Bruder und drei verheiratete Schwestern. — Tas „Militärwochenblatt" veröffentlicht die Dis - vositionsstellung de^ kommandierenden Generals des 17. Armeekorps von Lentze und seine gleichzeitige Ernennung zum Ches des Shumer Infanterie-Regiments Nr. 141. Ferner ist dem „Militärwochenblatt" zufolge der Generalleutnant und Kommandeur der 10. Division, von Braunschweig, mit der Führung des 17. Armeekorps beauftragt — Dem „B. T." zufolge wird der Vizeadmiral Bendern a n n als neuer Chef des Admiral st abes genannt. — Von der „Föderation revolutionärer Arbeiter Deutschlands" ist zum 1. und 2. Pfingst- feiertag ein Anarchistenkongreß einberufen worden. Ter Kongreßort, der noch geheim gehalten wird, soll von dem Leiter der Föderation .Textilarbeiter Fraulöse in Görlitz, den Anarchisten brieflich mrtgeteilt werden. Tie Tagesordnung für den Kongreß lautet: Bericht über Agitation, Organisation und Taktik, sowie Beschluß über Herausgabe des Anarchistenblattes „Tie Freiheit". Marienburg, 4. April. Amtliches Wahlresultat. Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im irreife Elbing-Marienburg wurde von Oldenburg (kons.) mit 9205 von 18398 abgegebenen Stimmen gewählt. König (Soz.) erhielt 4930, Professor Zagermann (Ztr.) 2588, Kindler (freif.) 1252, Wagner (ul.) 415 Stimmen; acht find zersplittert. Tresden, 4. April. Ter holländische Ministerpräsident, welcher heute nachmittag in der Villa Strehlen vom Könige in Audienz empfangen wurde, reiste um 7 Uhr abends nach Berlin. Stuttgart, 4. April. Tie Sleuerkommiffion des Abgeordnetenhauses lehnte heute mit allen gegen eine Stimme die von der Regierung im neuen Konnnunal- steuer-Gesetz vorgeschlagene Lustbarkeitssteuer ab. Ausland. Paris, 4. April. Dem „Rappel" zufolge werden in Turin Versuche mit einem neuen Gebirgsgeschütz gemacht. Das Geschütz ist aus Bronze und hat ein Kaliber von 70 Millimeter. — Gestern mürben hier nicht weniger als fünf Bo m- b en in den verschiedenen Stadtvierteln ausgcsunden. Dieselben wurden zur Untersuchung nach dem städtischen Laboratorium gebracht. — Eine Note der „Agence Havas" besagt: Einige italienische und französische Blätter hatten in den letzten Tagen gemeldet, das italienische Konsulat in Nizza habe em gegen den König von England gerichtetes anar^ chistisches Komplott entdeckt, welches für den Fall, daß der König nach Cannes käme, zur Ausführung gelangen sollte, und die itatienische Polizei habe eine entsprechende Mitteilung nach London gelangen lassen. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begründung. — Ein Blatt verzeichnet das seltsame Gerücht, das ganze Kabinett gedenke noch vor den Wahlen seine Entlassung zu verlangen, jedoch die Geschäfte bis zum Zusammentritt der neuen Kammer weiterzuführen. Der Zweck dieser Handlung wäre, zu zeigen, daß die Negierung sich jeder Wahtbeeinstussnng streng enchalten wolle. Konstantinopel, 4. April. Der Groß Herzog von Oldenburg ist hier nebst Gemahlin eingetroffen. Er hatte eine Audienz beim Sultan und erhielt den Jmtiaz- Orden in Brillanten, die Großherzogin das Großkreuz des Schefakat-Ordens. ^iinutni'n. An der Londoner Börse herrschte am Freitag nachmittag große Aufregung infolge oer Meldung, daß die Engländer bei einem Gefecht mit Delarey eine neue Schlappe erlitten hätten. Im jüriegsamt wurde über diese Angelegenheit jede ^luskunst verweigert, man begnügte sich anfangs zunächst mit der Erklärung, daß thatsächlich am 31. März ein Gefecht zwischen Buren unter Delarey und Kemp und einer englischen Kolonne bei Driekuil im westlichen Transvaal stattgefunden hat. Tie Engländer mußten sich verschanzen. Dann aber entschloß sich das Kriegsministerium doch zur Verossentlich- ung nachstehenden Telegramms Lord Kitcheners: General Malter Kitcyener Trieknil, er habe am 31. März eine Aufklärungstruppe nach dem Hartfluß gesandt. Tie Truppe fei bald auf Spuren feindlicher Geschütze gestoßen, und verfolgte die Buren während der Nacht acht Meilen weit durch den Busch. Als Erstere auf ebenem Terrain sich entwickeln wollte, stürmten Verstärkungen, welche die Buren inzwischen erhalten hatten, gegen die Flanken der Truppe. Letztere war genötigt, Verteidigungsstellung einzunehmen, uno verschanzte sich eiligst. Es entspann sich ein erbitterter Kampf. Schließlich rouroen die Buren nach allen Seiten zurückgeworfen. Telarey und Kemp bemühten sich vergeblich, die Buren, welche 1500 Mann stark waren, zu überreden, den Angriff zu erneuern. Die Buren haben stark gelitten und zogen sich nach Nordwesten und Süden zurück. Auch die Verluste der Briten feien sehr groß. Eine englische Abteilung leistete so lange Widerstand, bis alle Mann gefallen oder verwundet waren. Das sieht allerdings, wenn man die englischen Beschönigungen unbeachtet läßt, wie es sich gehört, stark nach einer neuen englischen Schlappe und einem neuen Erfolge Delareys aus, und es ist anzunehmen, daß diese neuesten Ereignisse nicht ohne Einfluß auf den Stand der Friedensverhandlungen bleiben werden, worüber sonst die Nachrichten widerspruchsvoll lauten. Die Transvaal- gesandtschaft in Brüssel soll recht zuversichtlicher Stimmung fein; nach der „Wiener Pol. Korresp." hält man in Paris die Aussichten für baldige Herstellung des Friedens für sehr günstig. Daß, wie das „Bert. Tagebl." erfährt, in den Unterredungen zwischen dem holländischen Ministerpräsidenten Knyper und Berliner politischen Persönlichkeiten die Frage der Friedensverhandlungen nicht einmal andeutungsweise berührt worden ist, glauben wir ohne weiteres und können nicht annehmen, daß dieser Herr nach feinen üblen Erfahrungen, die er in London gemacht, noch einmal feine Hand in jenen lodernden Kriegsbrand stecken wird, was ja schließlich auch gar nicht seine Sache ist. Der Kämpf von Trieknil läßt wiederum erkennen, daß die Sache der Briten am Kap durchaus nicht glänzend steht. Aber auch davon kann man noch nicht unbedingt eine Beschleunigung der FriedensverhcmdUiugen erwarten. Wann hätte ble Sache der Briten am Kap gut gestanden? An schlimmen Situationen ist man nachgerade im englischen Kriegsamt gewöhnt. Zu der Ermordung von Buren durch a u st r a - l ische Offiziere erklärt eine Mitteilung des englischen Kriegsministeriums unter Darlegung der bekannten That- sachen, daß infolge der eingeleiteten Untersuchung fünf Offiziere im Januar in Pietersburg kriegsge richt- lich a bgeurtei ft wurden, die als Urheber resp. Teilnehmer an 12 Morden für schuldig befunden wurden. Die Leutnants Handcok und Moraut wurden des Mordes schuldig befunden, zum Tode verurteilt. Tie Urteile lvurden bestätigt und vollstreckt. Dieselben Offiziere werden auch der Ermordung des (deutschen!, Geistlichen Hesse beschuldigt. Obgleich ein starker Verdacht vorlag, daß Hank- eock, von Muorant aufgereizt, die That begangen habe, wurden die Beweise nicht für hinreichend erachtet, um die Ver- urteitung zu rechtfertigen. Aus Stadt und Land. Gießen, 5. 2lpril 1902 ** Konzert. Morgen Mittag finbet in der Südanlage wieder Promenadenmusik statt. Tas Programm dafür ist folgendes: 1. Ouvertüre Norma von Bellini. 2. Krö- nungSmarsch a. d. Op. „Der Prophet", von Meyerbeer. 3. Luna-Walzer, von Lincke. 4. Finale a. d. Op. „Aida", von Verdi. ** Die Generalversammlung des Vereins akademisch ge- b'ldcter Lehrer Hessens nahm gestern in Mainz ihren Anfang. Der gestrige Tag war der Besichtigung von Mainz und geselliger Zusammenkunft gewidmet, während die Hauptver- sammlung erst heute Vormittag stattsindet. Zn der Hauptversammlung sind der Staatsininister, der Vorsitzende und die Mitglieder der Schulabteilung, der Provinzialdirektor von Rheinhessen sowie der Oberbürgermeister von Mainz eingc- laden worden. '* In die chirurgische Klinik mußte vor kurzem der schwer verletzte Schreinergeselle Ardt aus Rodheim b. Vilbel gebracht werden. Der erst kurze Zeit m Rodheim in Arbeit stehende Geselle hatte eines Abends eine Wirtschaft besucht und diese in angetrunkenem Zustand verlassen. Auf dem Heimweg geriet er irriger Weise statt in die Hofraite feines Meisters m die nebenan liegende, der ersteren sehr ähnelnde Hofraite eines Metzgers. Letzterer, der auf Arndt inzwischen aufmerksam geworden war und ihn wohl für einen Einbrecher gehalten haben mochte, kam auf ihn zugesprungen und schlug mit einem Hackmesser blindlings auf ihn ein. Arndt, der sich des Ueberfalls nicht zu erwehren vermochte, hatte schwere Verletzungen baoongetragen, besonders hat die linke Hand stark gelitten. Beispielsweise war der sogen. Ningsinger fast durchgehauen und hing nur noch an einem Fetzen Haut. ** Ein hessischer Prinz. In Warmbrunn (Schles.) starb am Dienstag Friedrich Wilhelm Prinz von Ard eck, Rittmeister ä la suite der Armee. Er war ein Sohn des 1890 verstorbenen Prinzen Wilhelm von Hessen-Philippsthal- Barchfeld und der Prinzessin Marie von Hanau, einer Tochter des letzten Kurfürsten von Hessen. Als diese sich 1857 mit dem Prinzen aus der Seitenlinie des kurfürstlichen Hauses vermählte, nahm Niemand daran Anstoß, daß sie, einer morganatischen Ehe entstammend, ihrem Gemahl nicht ebenbürtig war; sie und ihre Kinder führten denn auch unangefochten den Namen ihres Gatten und Vaters, auch der jetzt Verstorbene nannte sich Prinz von Hessen-Philipps- thal-Barchfeld. Im Jahre 1872 wurde die Ehe der Eltern geschieden, und 1876 wurde der Prinzessin und ihren vier Kindern vom König vom Preußen der von einer Burgruine an der Lahn entlehnte Name von Ardeck mit besonderem Wappen und unter Belassung des Titels als Prinzessin und Prinz verliehen. Damit war ihnen die Ebenbürtigkeit und die Thronfolgeberechtigung in Hessen genommen. Der jetzt verstorbene Prinz von Ardeck trat darauf in die Armee ein und vermählte sich 1890 mit einer Engländerin, Anna Hollingsworth Price. Da der Ehe feine Kinder entsprossen sind, ist der jüngere Bruder des Verstorbenen, Prinz Karl, geboren 1861 und unvermählt, der einzige männliche Träger des Namens. Die Mutter lebt noch in Bonn. b Udenhausen b. Grebenau, 4. April. Die hiesige Gern e i n d e j a g d, die wie wir s. Z. gemeldet, an die hiesige Jagdgesellschaft für 305 Mark verpachtet worden war, ist kürzlich unter Zustimmung des Gemeinderates durch freiwillige Verzichtleistung seitens der Jagdgesellschaft, die infolge der Bürgermeisterwahl nicht mehr einig ist, an Kreisrat Dr. Wallau und Baron Riedesel-Lauterbach zu dem gleichen Preis übergegangen. — Mit den Arbeiten zu unserer sehr nötigen 93 r ü cf c über die Josse will es nicht vorwärts gehen; woran das liegt, weiß man nicht. Darmstadt, 4. 2lpril. Von Berlin aus wurde auch an die Stadt Darmstadt eine Einladung gesandt zu der Städter. Versammlung, die sich mit der Zolltarifoorlage beschäftige^ rischen Überforderungen zu wahren. Der Oberbürgermeister erklärte in der gestrigen Stadtoerordnetensitzung, daß, wenn er dieser Einladung Folge leiste, ihn weniger die Zolltariffrage als die Oktroi frage interessieren würde. Wegen Aufhebung des Oktrois würden demnächst hessische Städte in Worms protestieren — In geheimer Sitzung bewilligten die Stadtverordneten Mk. 200,000 für die Errichtung des hiesigen Goethe-Denkmals. Das Komitee hatte um Mk. 500,000 gebeten. Darmstadt, 4. April. Dem ,,N. Hess. Vollsbl." wird mit Bezug auf die auch uns von einem Darmstädter Berichterstatter zugegangene Mitteilung von zuständiger Seite geschrieben: Hinsichtlich des Defizits der Künstlerkolonie- Ausstellung ist Ihnen falsches berichtet worden. Der genaue Fehlbetrag hängt von dem Ausgang mehrerer schwebenden Prozesse und sonstiger Verhandlungen ab, wird aber aller Voraussicht nach den Betrag des Garantiefonds nicht ganz erreichen, geschweige denn ihn um 31 000 Mk. überschreiten. Es ist deshalb auch unwahr, daß versucht werde, die Garanticzeichner zur Deckung dieser weiteren Summe heranzuziehen. Bensheim, 4. April. Der frühere am Georg Ludwigs- Gymnasium in Darmstadt aus der Affaire Dettweiler bekannte Gymnasiallehrer Dr. Ahlheim, hielt sich während der Osterfeiertage in seinem Heimatsort, dem benachbarten Lang- woden, auf und spielte am Nachmittag des 1. April mit dem 7jährigen Töchterchen des Peter W. von Elmshausen, Las bei seiner Großmutter Witwe A. war. Das Kind lag im Bett und A. saß auf dem Bettrand, indem er mit einem Gewehr hantierte. Hierbei entlud sich durch einen Zufall der Schuß, und die Ladung drang dem Kinde in den Kopf. Nach einer Stunde trat der Tod des Kindes ein. Der Thäter stellte sich selbst der Behörde, die Ermittelungen wurden alsbald eingeleitet. b. Mainz, 4. April. Nach einer Mitteilung hiesiger Blätter hat das Kriegsministerium in Berlin das ganze freiwerdende Festungsgelände in dem nahen Kastel dem Reichsschatzamt verkauft. Mainz, 4. April. Die Handelskamm er hat in Ueber- einstimmung mit den Interessenten den von der Eisenbahndirektion Mainz geplanten Annahmeschluß für Frachtgüter anstatt wie bisher um 7 Uhr abends um 6 Uhr abgelehnt. fc. Frankfurt a. M., 4. April. Der Lokomotivendurchbruch im hiesigen Hauptbahnhof wird demnächst ein interessantes Nachspiel vor der Zivilkammer des hiesigen Landgerichts haben. Im Wartesaale saß nämlich ein Herr, gerade im Begriff, eine Tasse Kaffee zu trinken, als das schwarze Ungetüm hereinbrauste. Obwohl der Passagier nun zwar äußerlich nicht beschädigt wurde, erlitt doch sein Nervensystem einen solchen Stoß, daß er jetzt an heftigen Nervenanfällen leidet, die ihm das Arbeiten unmöglich machen. Er hat deshalb den Eisenbahnsiskus auf eine lebenslängliche Rente verklagt, da er sie gutwillig nicht hergeben wollte. Weilburg, 4. April. Der russische Oberst v. Eich Holz traf heute in Begleitung des Flügeladjutanten des Großherzogs von Luxemburg, Major van Dyk, hier ein und legte int Auftrage des Zaren am Sarge des Herzogs Wilhelm, des Vaters des Großherzogs, in der Gruft der evangelischen Kirche einen Kranz nieder. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Pfeddersheim hat aus bis jetzt noch unbekannter Ursache sich der Bürgermeister Willenbücher einen Schuß in die Schläfe beigebracht. Der Verwundete wurde in das Krankenhaus nach Worms gebracht, wo er eine Stunde später verstorben ist. Vermischtes. *Berlin,4. April. Ein bei seinen Eltern wohnender Gürtler, der in der letzten Nacht plötzlich tobsüchtig wurde, suchte seinen Vater zu erwürgen und verletzte seinen Bruder, der dem Vater zur Hilfe eilte durch einen Messerstich an der Hand. Ter Kranke wurde nach der Charitee gebracht. *Swinemünde,4. April. Neun mit Mauersteinen beladene Hass kühne sind nachmittags im Haff gesunken. Ter Schleppdampfer „Lothar Bucher" rettete von 16 Mann der Besatzung zwei. Tus Schicksal der übrigen ist ungewiß. * Lüttich, 4. April. Eine Frau warf ihre beiden Kinder in einen Teick und stürzte sich alsdann nach. Die Frau und eines der Kinder ertranken, wahrend das zweite Kind durch die herbeigeeilten Nachbarn gerettet wurde. * Marseille, 4. April. In einer hiesigen Gastwirtschaft erschoß gestern ein junger Mann den Wirt, weil dieser sich weigerte, dem bereits angetrunkenen Manne weitere Getränke zu verabfolgen. Der SohndesWirtes bemächtigte sich der Waffe des Mörders und tötete denselben. * Lawinenstürze. Wie aus Bern gemeldet wird, werden aus dem Kanton Wallis gewaltige Lawinenstürze gemeldet, welche großen Schaden anrichteten. Tie Simplonstraße ist bei Ganterbrücke auf eine Strecke von 73 Meter Lange weggerissen. Turch ungeheuren Schneefall ist der Simplonverkehr auch auf der Südseite zwischen Jselle und der Schweizer Grenze, ebenso wie die Pa,sage zwischen Fiesch und Oberwald gestört. * Frauenmord. Wie aus Gl atz gemeldet wird, wurde die Botenfrau Moser auf der Landstraße ermordet und beraubt aufgefunden. Ter Mörder hatte der Frau den Kopf abgeschnitten und denselben in ein in der Nähe befindliches Wasser geworfen. Ein Portemonnaie mit 35 Psg. Inhalt wurde ein Stück von der Leiche aufgefunden, während eine große Summe, welche die Frau bei sich getragen, geraubt war. ®mdjt5|aaL M. Gießen, 4. April. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Oberstaatsanwalt von Hestert. — Der Spediteur Kaspar Schott aus Gießen ist des Hausfriedensbruchs, des strafbaren Eigcn- nufces und der Bedrohung angeklagt. Von dem Bleichermeister Schmall in Gießen war dem Beschuldigten eine Stallung vermietet, die ihm jedoch, da er mit den^Zahlungen in Rückstand geblieben, gekündigt worden war. Die Stallung wurde geräumt und von Schott aus einige Pscrdegeschirre und verschiedene andere Gegenstände zurückselafsen, an denen jedoch, wie er mußte, Schmall sein Zurückbehaltungsrecht wegen der Mietzinsrückstände geltend machte. Später kam Schott in die Hofraithe des Schmall, um die Sachen zu Idolen; der mehrfachen Aufforderung, dieselbe zu verlassen, kam schott nicht nach, bedrohte vielmehr den Schmall noch damit, daß ev ihm den Schädel einschlagen werde. Die von Schmall zurückbehaltenen Gegenstäirde nahm er wider dessen Willen weg. Er wird wegen der oben erivähnten Delikte zu eurer Gesamtgefängnisstrafe von 4 Wochen verurteilt. — Der Schausteller Max Walldorf war mit mehreren anderen begangenen gemeinschaftlichen Körperverletzung zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Seine Berufung wird kostenfällig als unbegründet verworfen, da feststebt, daß der Angeklagte in Gemeinschaft mit andern mehrere Studenten, die abends nach Hause gingen, ohne Veranlassung angerempelt und einen derselben mit einem Stock geschlagen hat. — Gegen den Schuhmacherlchrling Ludwig Fießler aus Grünberg wird unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Verbrechens im Sinne der §§ 77, 43 des Strafgesetzbuchs verhandelt und auf eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe erkannt. — Der Tienstknecht Konrad Oppermann aus Mahr hat in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember v. Js. mit einem anderen Dienstknecht in einem Friedberger Gasthaus zusammen logiert und, als er früh morgens abreiste, einen Hundertmarkschein aus der Brieftasche seines Kameraden mitgenommen. Trotz seines Leugnens wird er des Diebstahls überführt, da einmal fest- gestellt werden konnte, daß er wußte, daß und wo der Bestohlene einen größeren ersparten Geldbetrag in Fornt von Hundertmarkscheinen bei sich trug, zum anderir aber das Vorhandensein des Geldes im Laufe des 20. noch konstatiert worden war, der Diebstahl mithin, da der Bestohlene das Geld stets in seinem Rock mit sich führte, diesen aber erst vor dem Schlafengehen abgelegt hatte, nur während der Nachtzeit konnte ausgeführt worden sein. Da das Zimmer während der fragt Nacht verschlossen war, so konnte kein anderer als der Angeklagte der Dhäter gewesen sein — eine Annahme, die dadurch zur Gewißheit wurde, daß derselbe, vorher nur im Besitz von wenigen Geldmitteln, noch im Laufe des 21. verschiedenen Personen einen Hundertmarkschein vorzeigte, über dessen Erwerbung er sich nicht ausweisen konnte. Trotz seiner Unbestraft- heit erhält der Angeklagte eine sechsmonatige Gefängnisstrafe — mit Rücksicht auf das erhebliche Diebstahlsobjekt, den groben Vertrauensmißbrauch und die Wegnahme gerade von Ersparnissen. Da wegen der Höbe der Strafe Fluchtverdacht begründet erschien, wurde gegen den Verurteilten Haftbefehl erlassen. — Der Schuhmacher Andreas Seipp von Heuchelheim wird wegen Verbrechens im Sinne des § 176, 3 des Str.-G.-B. unter Zubilligung mildernder Umstände zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. — Die Verhandlung gegen den Markscheider Ludwig Henrich aus Gießen wegen Körperverletzung wird, da eine Hauptzeugin nicht erschienen ist, auf den 18. April vertagt. Bochum, 4. April. Die Strafkammer verurteilte den Stadto. Ludwig Böß er aus Herne wegen schwerer Beleidigung des Landrats Gerstein, des Bürgermeisters Schäfer, sowie des Magistrats zu 9 Monaten Gefängnis. Bößer wurde wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Leipzig, 4. April. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision Goncz und Genossen gegen das vom Thorner Gericht am 12. September v. I. im Prozesse gegen 60 polnische Gymnasiasten wegen Geheimbündelei gefällte Urteil. Nürnberg, 4. April. Die Strafkammer verurteilte wegen Vergehen gegen § 249 a Abs. 3 H.-G.-B. älterer Gattung, begangen am 3. Oktober 1899 durch unrichtige Anmeldung des erhöhten Aktienkapitals der Aktiengesellschaft Süddeutsche Wasserwerke in München, nach zweitägiger Verhandlung die damaligen Aufsichtsräte der genannten Gesellschaft, Kaufmann Karl Distler-München zu 7000 Alk. und Rechtsanwalt Justizrat Merzbacher-Nürnberg zu 12000 Mk. Geldstrafe, eventuell zu 1 Jahr Gefängnis sowie zur Tragung der Kosten. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- uud Hütterr- Aktieugesellschast. Die Darmstädter Bank hat an der Berliner Börse den Prospekt über Mk. 7 075 000 Stammaktien, Alk. 17100 000 Vorzugsaktien, Mk. 8 Millionen 41 eproz. und Mk. 8 Millionen bproz. Hypothekaranleihe genannter Gesellschaft eingereicht. Neue russische Anleihe. Tas Gesamtresultat der Subskription ergab eine mehr als hundertfache Zeichnung. Ter Hauptanteil der Zeichnungen enffällt auf Deutschland, wo auch speziell Anmeldungen, bei denen die Zeichner behufs Dokumentierung einer dauernden festen Kapitalanlage sich der Verpflichtung unterzogen, die ihnen zugeteilten Stlicke während einer längeren Zeit nicht an den Markt zu bringen, in außerordentlichem Maße eingingen. Elektrizitätsgesellschaft Schultert. In einem offenbar in- fpiriten Artikel des „B. T." wird gesagt, daß die beiden Direktoren der Schuckert-Gesellschaft, Natalis u. Petri, zwar tüchtige Kräfte sind, aber es fehle immer noch an einem eigentlichen obersten Leiter, der unter den gegebenen Verhältnissen eine sehr schwere verantwortungsreiche Ausgabe zu übernehmen hätte. Erst wenn diese Persönlichkeit gefunden wäre, würden die Verhandlungen mit der Allg. Elektrizitätsgefellschaft in ein aktuelles Stadium treten können. Zellstofffabrik Waldhof Mannheim. Einer direkten Mitteilung zu Folge ergiebt der Abschluß für 1901 einen Ueberschuß auf Warenkonto von Mk. 2544478; i. V. betrug derselbe Mk. 3199785. Zu Abschreibungen sollen 193703 Mk. (383 061 Mark ordentliche und 135 000 Alark Extraabschreibungen) verwendet werden. Für außerordentliche Abschreibungen sind diesesmal Mk. 500000 bereitgestellt und für Abschreibungen auf Maschinen Mk. 250000 vorgesehen. Die Spezialreserve soll 65000 Mark (V. Mk. 200000 erhalten und somit auf Alk. 1800000 gebracht werden. Der Pensionsfonds ist mit Mk. 14658.89 bedacht und stellt sich bann auf Alk. 300000. Die Dividente ist mit 15 Proz. wie im Vorjahr auf 9 Mill. Mk. Aktienkapstal vorgesehen. — Aktiengesellschaft für Etektrizitätsautageu in Köln. In der außerordentlichen Generalversammlung der Aktiengesellschaft ür Elcktrizitätsanlagen legte die Verwaltung Den neuen Sanirungs- plan vor mit der Abänderung, daß die Barzahlung auf die Vorzugsaktien von Mk. 1250 auf 1050 ermäßigt und die in Zahlung gegebenen zusammengelegten Aktien statt zu Alk. 800 zu Alk. 1000 in Anrechnung gebracht werden sollen. Dieser Sanirungsplan, der die durchaus notiüenbtgen Alk. 2 500 000 neues Geld bringe, sei das Aeußerste, wenn man überhaupt eine ernste Sanirung wolle. Rechtsanwalt Hirfchel-Berlin, der etwa l’/s Millionen Alk. Aktien vertritt, beantragte die Einsetzung einer Revisionskommission. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt. Gegen das Resultat wurde von Rechtsanwalt Hirschei Protest eingelegt. — Tie Süddeutschen Wasserwerke, Akt.-Ges., verteilen ür 1901 teilte Dividende, weil Die Frankfurter Filiale ungünstig gearbeitet hat. Tabak. Wir sind nicht in der Lage, über nennenswerte Ab- chlüffe im Tabakgeschäft während der abgelaufenen Woche berichten zu können. Das Geschäft liegt sehr ruhig. Tie Händler sind jetzt eifrig bemüht, vor der zweiten Fermentation das Putzen der Tabake zu vollenden. Es zeigt sich täglich mehr, daß die Tabake aller Gegenden mehr faule Ware enthalten, als man sich beim Einkauf vor stellte, was natürlich auch auf die Preisgestaltung nicht ohne Einfluß bleibt. In losen Pfälzer Rippen geschäftslös, lose feine 9—9,50 Alk., gebündelte 11—11,50 Alk. Biehmarkt. Tie Erwartungen, daß an den einzelnen Märkten nach den Feiertagen das Geschäft sich etwas besser gestaltet, haben sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil lag etwas Flaue in demselben, und der Handel kann im allgemeinen nur als mittelmäßig bezeichnet werden. Prima Qualitäten Großvieh standen wie immer im Vordergrund des Handels, und hauptsächlich die größeren Märkte hatten hierin sehr flotten Absatz, während bei Den mittleren und kleineren Märkten Sie Umsätze bebeutenS geringer waren, teilweise sogar ziemlich Lleberftanb blieb. Mittlere Qualitäten würben nur an ben heroorragenberen Märkten etwas lebhafter gehanbelt, während an einigen kleineren Orten fast gar keine Nachfrage betäub. Kälber im allgemeinen flott gehanbelt, an einigen Plätzen konnte sogar der Bedarf gar nicht gedeckt werben, währenb einige kleinere Märkte großen Ucberftanb hatten. Fette Schweine im allgemeinen ziemlich gehandelt, jedoch erstreckte sich der Hauptumsatz wiederum nur auf den Bedarf größerer Plätze, während an kleineren Märkten hierin ziemlich Ueberftand blieb. Gießen, 5. April. Al arktbe richt. Auf dem heutigen Wocheimiarkt kosteten: Butter pr.Psd. 1,10—1,20 Alk., Hühnereier i Stck. 6 Pfg., Guiisccicr 11—12 Psg., Enteneier 7 Pf., Käse pr. Stuck 5—8 Pf., Kasematte 2 Stet. 0—OPfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0P0—1,00 Mk., Hühner pr. Stuck 1,00—1,70 AN., Hahnen pr. Stück 1,20—1,70 Mk., Enten pr. Stück 2,40—2,70 AN., Gänse pr. Pfb. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60-66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—3,80 AN., We i ßkraut pe Stuck 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,50—8,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 9—15 Pfg., in Körben 12—15 Psg. Trauben 35—50 Pfg. Neueste Weisungen." Originaldrahtmeldungeit des Gießener Anzeigers. Berlin, 5. April. Dem Grafen Pückler-Kleiu» Tschirne ist der Abschied als Leutnant der Landwehr bewilligt worden. Berlin, 5. April. Nachdem bei dem Abbruch des Hauses Roßstraße 6 bereits dieser Tage unter dem ge* ma uerten F.u ß b o d e n eines Kellergewölbes einzelne menschliche Knochen gesunden wurden, fand man heute vormittag an derselben Stelle die Knochenreste einer Frau und eines Kindes, zwei Hundeschädel, die Sohle eines Frauenstiesels und den Beschlag einer Säbelscheide. Ter Fußboden über dem Keller war von ungeübter Hand zugemauert. Möglicherweise liegt ein früher begangenes Verbrechen vor. Tilsit, 5. April. Der Intendant Graf Tyskie- wicz zu Polangen (Rußland) wurde nachts durch einen durchs Fenster abgegebenen Flintenschuß getötet und die Frau des Ermordeten verletzt. Jedenfalls sind zwei Personen an dem Morde beteiligt. Frankfurt a. M., 5. April. Beim Reinigen des Oberlichtes im alten Wintergarten des Frankfurter Hofs stürzte der 29jährige Glasergehilfe Wilhelm Scherer durch eine Scheibe auf den Fußboden herab und war sofort tso t. London, 5. April. Cecil Rhodes hat in seinem Testament bedeutende Summen für Erziehungszwecke bestimmt und besonders die Un iv ersitä t Ox f o r d reich bedacht. Außer Freistellen für Studierende aus den englischen Kolonieen und den Vereinigten Staaten von Amerika werden in einem besonderen Eodtzill 15 permanente Stipendien von je 250 Pfund Sterling für deutsche Studierende gestiftet. Tie Auswahl von Studierenden zur Besetzung dieser Stellen ist dem deutschen Kaiser überlassen. London, 5. April. Cecil Rhodes bezeichnet u. a. in seinem Testament ein gutes Einvernehmen zwischen Deutschland, England und Nordamerika als eine sichere Gewähr des Weltfriedens. —, Tie Morgendlätter kommentieren das Testament sehr eingehend und finden darin den Beweis, daß Cecil Rhodes von höchsten Patriotismus beseelt war. Plymouth, 5. April. Die an Bord des Dampfers „Dunra" aus Südafrika eingetroffenen Offiziere erklärten, im ganzen seien 31 Anklagen gegen australische Offiziere eingereicht worden, darunter nicht weniger als 7 wegen Er- mordnng von Frauen und Kindern. Brüssel, 5. April. In Bezug auf die Nachricht von dem letzten Gefechte Delareys beim Hartfluß erklärte Dr. Leyds: Besondere Bedeutung gewinne dieser Erfolg durch die Anwesenheit Stejns und der Friedensboten bei Delareys Kolonne. Von strategischem Standpunkt sei der Erfolg um so größer, da Botha Natal bedroht und jetzt in seinen Bewegungen freier wird, da die Engländer ihre Hauptmacht gegen Delorey konzentrieren müssen. Leyds bestätigte, daß die Buren im Westen der Kapkolonie starke Positionen einnehmen, und über eine große Anzahl gut bewaffneter Anhänger verfügen. Indessen vermied es Leyds, die Forderung der Unabhängigkeit näher zu bestimmen. New York, 5. April. Präsident Roosevelt hat eine Untersuchung eingeleitet über die von dem Gouverneur des Staates Louisiana gemachte Mitteilung, wonach sich in diesem Staate ein englisches Lager befinde, zwecks Sendung von Pferden und Mauleseln nach Südafrika. Der letzte Ministerrat beschäftigte sich säst ausschließlich mit dieser Angelegenheit.____________________ T efiephomsche Jt'ranl S’/gO/o Reicheanleihe . . 101.80 3% do. ... 92.55 3Vt% Konsole .... 101.90 3% do.....92.30 3*/2% Hessen .....100.30 3% Hessen ..... —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 102.90 4*/.,% Oesterr. äilberrento 101.40 4% Ungar. Goldrente . . 101.15 4°/ Italien. Rente . . . 101.00 4x!3 % Portugiesen . , . 43.70 °/ Portugiesen. .... 28.45 1% C. Türken .... 27.80 Türkenloso......111.80 4% Griecli. Monopol -Anl. 44.10 4*/2% äussere Argentiner —.— Tendenz: s r Kursbericht. .fort u. Hl.. 5. April 1902. 8u/q Mexikaner .... 26.65 4Vs /o Chinesen . , . . 90.00 Electric. Schlickert , . . 111.50 Nordd. Lloyd ..... —.— Kreditaktien , . . . . 211.80 Diskonto-Kommandit. . . 194.20 Darmstädter Bank . . . 139.00 Dresdener Bank .... 138.00 Beniner Handelsges. . . 154.00 Oesterr. Staatsbahn . ♦ . 142.70 Lombarden ..... 17.50 Gotthard bahn.....167.50 Laurahütte...... 202.00 Bochum . ...... 198.00 Harpener......167.10 iwacb. nfiÄ cha,zo das Gebäude greifen A - - fc*»® OssscfW *"* nach'a bewährte schmiegsame aephalt-lBOllrplattcn. Muster u. Prospekt alt zahlri'cbeu Anerkennungsschreiben 8 O postfroi und umsonst. A. ' '.,?Ch In Beuel nm Rhein. “ Zu haben in Gießen auf dem Fabriklagcr bei Herrn Emil Hor»t. Riegelpsad. 175 Passendes Geschenk für Schüler! Karte von Hessen und den angrenzenden Gebietsteilen zum Preise von WM. i.00 für unsere Abonnenten. — Preis für Nichtabonnenten Mk. 5.90. . — Gewerbliches Schutzwesen. Aiislandspatenle. Aufklärung vorn Patentanwalt Sack, Leipzig. Auslaudspateute sind bei guten Erfindungen zwar wertvoll, jedoch mit nicht unerheblichen Geld- kostcn verknüpft. Um nun unnütze Ausgaben zu sparen, ist es ratsam, zunächst den Entscheid des deutschen Patentaintes bezügl. der Pateiusähigkeit abzuwarten und während dieser Prüsezeit Versuche über den Wert der Erfindung anzujtellen. Erweist sich die Erfindung als patentfähig, so kann die patentamtliche Veröffentlichung noch um einige Monat zurückgchatten und während dieser Zeit die Auslandspatente nachgefucht werden. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garteuitrasie 2. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Taglohner, 1 Arbeiter, 2 ßousburjd)en. . Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Schreiner, 2 Hausburschen, l Dienstmädchen, 2 Lauffrauen, 1 Lausmädchen. Lehrlinge: 1 Schlosser, 1 Friseur. Bekanntmachung. In der Zeit vom 29. März bis 5. Aprll 1902 wurden in hiesiger Stadt Gefunden: 1 Rosenkranz, 1 Damen - Regenschirm und 1 blaues Säckchen mit Wäsche. Verloren: 1 silberne Cylinderuhr. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 5. April 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung, -etr.: Aufnahme in das Großherzogl. Gymnasium. Künftigen Montag, den 7. April, um 8 Uhr, werden die Meldungen für das Gymnasium, von 9 Uhr an die für die Vorschule entgegengenommen, möglichst in alphabetischer Namenfolge. Erforderlich: Impfschein, Geburtsschein und Abgangszeugnis. Gießen, 3. April 1902. Der Großherzogl. Direktor: Geh. Schulrat Dr. Schaedel. 2706 Arb eitsv ergelmng. Die Herstellung eines Einsteigschachtes für den Wasser- leitungsstollen im Waldesdistrikt Erlenbrunnen soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Die Bedingungen, Zeichnungen usw. liegen während der Dienststunden auf unserem technischen Büreau zur Einsichtnahme auf, auch sind wir bereit, den Interessenten am Orte der Arbeitsausführung am 15. April, vormittags von 9 bis 10 Uhr, weitere Auskunft zu erteilen. Angebote sind bis zum 18. April, vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Auffchrift versehen, bei uns einzureichen. Gießen, am 4. Aprll 1902. 2701 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. KmsmmW FMile, Eich«. (Staatlich anerkannte Unterrichts-Anstalt.) Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Unterricht an unserer Anstalt nicht mehr wie seith. in Sommerund Winter-Semester mit Abendstunden, sondern das ganze Jahr in 3 Klaffen statt findet; im obligatorischen Unterrichte werden bei einer Jahresschuldauer von 40 Wochen mindestens 6 Stunden Tagesunterricht pro Woche in jeder Klasse erteilt. Das neue Schuljahr beginnt Donnerstag, de« 10. April nachmittags l1/, Uhr. Die Eröffnungsfeier, wobei Lehr- und Stundenplan, Haus- und Schulordnung, sowie andere Mitteilungen bekannt gegeben werden, soll Mittwoch, den 9. April abends präcis 9 Uhr stattfinden. Anmeldungen, wobei das letzte Schulzeugnis vorzulegen ist, können vom 1. April ab täglich mittags von 12 bis 1 Uhr bei unserer Schulleitung, Schillerstr. 5/11. erfolgen. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß nach Beginn des Schuljahres keine Schüler mehr aufgenommen werden, außer denjenigen, welche erst nach dem 10. April, sei es von auswärts oder aus Gießen selbst, in kaufmännische Geschäfte eintreten. Das Schulgeld beträgt: I. Für die obligatorischen Lehrfächer: einfache und doppelte Buchführung, Korrespondenz, Rechnen, Schönschreiben, Grammatik, Orthographie, Wechsellehre und Handelsgeographie mit Warenkunde zus. 25 Mk. II. Für die fakultativen Unterrichtsgegenstände, in welchen die Stunden abends stattsinden: 1. Für Französisch. .......... 20 Mk. 2. , Englisch .♦♦♦♦♦♦♦♦.. 20 a 3. „ Stenographie-Anfänger ...... 6 , 4. , „ -Vorgeschrittene ..... 6 , 5. , Doppelte und amerikanische Buchftihrung . 10 , 6. u Maschinenschreiben ........ 10 t Schüler, deren Prinzipäle oder Väter nicht Mitglieder des kaufm. Vereins sind, zahlen das doppelte Schulgeld. Au: Nachsuchen können durch die Schulkommission ganze oder halbe Freistellen bewilligt werden. Der Besuch der Anstalt befreit vom Besuche der obligatorischen Fortbildungsschule, die alle aus der Volksschule emlassenen Schüler, sowie diejenigen höherer Lehranstalten, welche nicht ein Jahr der Obertertia angehört haben, besuchen müssen. Gleichzeitig machen wir bekannt, daß während des Som- mer-Semcslers auch wieder ein Tamenkursus in Vereinigung mit der Alice-Schule, woselbst auch die Unterrichtsstunden stattsinden, abgehalten wird. 2562 DaS Schulgeld beträgt für alle Lehrfächer, einfache Buchführung, Korrespondenz, Wechsellehre, Rechnen, Schönschreiben, zusammen ..........20 Mk. Außerdem ist auch Gelegenheit geboten, Maschinenschreiben zu erlernen, wofür pro Kursus 10 Mk. erhoben werden. Tie Schulkommission der kaufm. Fachschule. Bügel-Kursus. Ter Unterricht zur gründlichen Erlernung des Bügelns aller Fein- und Glauzwäsche beginnt Dienst»'i den 8. April. Krau Hofmann, Neustadt 75. Anmeldungen erberen. 2546 Konkursverfahren. Heber das Vermögen des ; Kaufmanns Ferdinand Riekau in Gießen, alleiniger Inhaber der Firma K. F. Riekau da- elbst, wird heute am 5. April 1902, vormittags 11,50 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsanwalt Arnold in Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 25. April 1902 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfaffung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines! anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschuffes und ein- retenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Samstag den 3. Mai 1902, vormittags 10Uhr, vordem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. speziell für Gemeinden aasgeführt X 2782 Waschmangeln u. s. w. I Kassen ank Einrichtungen Kassetten Hopierpressen Feuer-, fall- und diebesfeste Ifassenschränke fcVpRElsX'$ gWEDAILLEl^ BUTZBACH f#. 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Üniversitätskanzlei Bismarcksttaße 22 soll für das Rechnungsjahr 1902/03 auf dem Wege öffentlicher Submission die Entleerung der Senkgruben vergeben werden. Die Bedingungen liegen auf unserem Bureau Bismarcksttaße 16 offen und sind Offerten verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 12. April l. I. daselbst abzugeben. Der Zuschlag erfolgt bis zum 19. April L I. Gießen, den 3. April 1902. Großherzogliche akademische Administrations - Kommission. In Vertretung des Kanzlers; Hansen. 2745 Mobiliar- Versteigerung. Dienstag den 8. April, uachmittgs 2 Uhr, werden aus dem Nachlaß des Herrn E. Loos in dessen Hause Sonnenstratze Nr. 30 dahier nachverzeichnete Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: Sophas, Kleiderfchränke, Kommoden, 1 vollständ. Bett, Tische und Stühle, 1 Küchen-Einrichtung, verschiedene Hausgeräte, ein großer, zu verschiedenen Ge- schäftszwecken sich eignender guter Ladenschrank mit Glasaufsatz, Gold- und Silbcrwaren, 1 Goldwalze, 1 Ziehbank mit Eisen, 1 Schleifstein, 1 Arbeitstisch und diverse Werkzeuge. 2725 J.A.: Schneider. Versteigerung. Dienstag den 8. April d.J., Nachm. 2 Uhr, versteigere ich gegen Baarzahlung: 2 Pferde, mehrere Roll- und andere Wagen, bTransporlnachen, 250 Meter Schienengeleise, 11 Kippwagen, Vorräte an Zement, Asphalt, Epurs, Zementplatten, Ton-Röhren re., Gold-undLilber- sachen, 1 Nähmaschine und Möbel aller Art, sowie 1 Fahrrad. 2760] Born, Gerichtsvollzieher. c>n Lteuersachcu fertigt Ve- rufuugen, Vcrmögens- unb Einkommen-Steuererklärungen, auch erteilt Auskunft 2633 Ed. Rotte, Kaplansgasse 2. Tapeten alle Neuheiten der Saison von den allerbilligsten bis zu den hochfeinsten Qualitäten empsiehll 1560 Ernst Bloedner Seltersweg. 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Das Darmstädter Pädagogium Darmstadt, Nieder-Ramstädterstratze 28, bereitet in Real- und Gymnasialabteilungen zum Elnjährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen, sowie zum Eintritt in mittlere und obere Klassen höherer Lehranstalten vor. Beginn deS Sommersemesters: 7. April. [2133] M. Äaia». O Q q Die glückliche Geburt eines Jungen beehren o sich ergebenst anzuzeigen 2733 Q q Amtsrichter 8. AenenchM uni) Fran g O Elwine geb. Carl. Q O Gießen, den 4. Aprll 1902. o OQQOO^OOOOOOOOO^OOOO Vor: Samstag den 12. April ab J&'is^lle ich auf dem Irankfurter Merdemarkt (Stall 21) russische Wagen-Uferde, Arbeitspferde nnd Ponnies ttt großer Auswahl zum Verlauf. 2749 S. Neuberg, Berlin NW. Die schönste Plattwäsche erhält man durch Anwendung der B weltberühmten amerikanischen I Briht-Gbzstirke von 1622 Fritz Schulz jun., Iktien-Gesellsehah, Goldene Medaille Leipzig Weltausstellung Paris 1900. leicht und sicher mit jedem Plätteisen. 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