Mittwoch 5. März LNttS Zweites Blatt. 152. Jahrgang Schnlstratze 1. Mhtefie für Depeschen: Anzeiger Gießen. $mifpnd)anfrf)lnß Nr. 51 Nr.S4 Arschel»« 1«gNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessisch" Landwirt die Äehe»er ZamUittl. blätter viermal in der Woche beigelegl. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stene- druckerei (Pietsch Erben» Be»ugSprel-r monatlich 7b Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6b Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- lährl. ausschl. Bestellg. lnnahme von Anzeige« ir die Tagesnummer s vormittags 10 Uhr. „cilenpreis: lokal ILPs^ nusnrärtS 20 Psg. verantwortlich: ur den polit. u. allgem. ^eil: P. Wittkm für „Stadt und ßanb' und „Gerichtssaaf:R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Han8 Beck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen z»ie Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Politische Tagesschau. Die allgemeine wirtschaftliche Lage tot Jahre 1901 schildert der Jahresbericht der Mainzer Handelskammer folgendermaßen: „Die Voraussetzungen wirtschaftlicher Art, von deren Eintritt iw verflossenen Jahr eine Wiederherstellung gesunder Ver- hültnisse im deutschen Wirtschaftsleben erhofft wurde, sind zum größten Teil leider nicht eingetroffen, sodaß auch das abgelausene Jahr noch völlig unter dem Einflüsse des im Frühjahre 1900 plötzlich eingetretenen Rückschlages stand. Ihn die Ursachen des letzteren und seine unmittelbaren Folgeerscheinungen kurz zu wiederholen, so hatte eine fünfjährige Periode glänzenden Aufschwungs der Industrie in vielen -reisen übertriebene Erwartungen hervorgerufen, die, verschärft durch rein spekulative Momente, zu einer Ueber-Er- zeugung in zahlreichen Zweigen der Kewerbethätigkeit und zu einer mit dem wirklichen Bedarf schlechterdings nicht zu vereinigenden Vermehrung und Vergrößerung der Er- zeuaungsstätten führten. Als dies Mißverhältnis offenkundig wurde, trat plötzlich eine so tiefgehende und allgemeine Entmutigung ein, daß auf der ganzen Linie der gewerblichen Erzeugung kaum ein Gebiet von dem Rückgang der Werte verschont blieb. Dabei waren die Industrien in besonders schwieriger Lage, welche für ihre Roh- und Dilfs- stoffe, in erster Linie Kohlen und Eisen, langsichtige Liese- rungsverträge abgeschlossen oder große Vorräte an solchen auf Lager genommen hatten, aber für ihre eigenen Erzeugnisse die Preise nicht zu halten vermochten. Von diesem Punkte aus erwartete man daher auch vielerseits eine Erleichterung der Lage, die indes zunächst nicht ein trat, da die Syndikate der Rohstofferzeugung an den getroffenen Festsetzungen glaubten festhalten zu müssen. Die Lage verschlechterte sich infolgedessen noch weiter und fand ihren Ausdruck in der Einstellung von Betrieben, in der Einschränkung der Erzeugnisse und im Rückgang der Preise, namentlich bei den weiterarbeitenden Industrien, der zum großen Teil direkten Verlusten für die Produzenten gleich/ Graf Bülow. Man schreibt uns ferner aus Berl in, 4. März: Tie auch in neuester Zeit wieder aufgetauchten Behaupt tmtgeu, daß die Stellung des Grafen Bülow „erschüttert" sei, werden am besten beleuchtet durch die That- sache, daß der Kaiser fast Tag für Tag, in der Regel vormittags, dem Reichskanzler die Auszeichnung des Besuches zuteil werden läßt. Ein Herrscher, der in diesem Mähe den Wunsch der Aussprache mit seinem ersten Ratgeber hat, denkt sicherlich nicht daran, den Mann seines Vertrauens durch eine andere Persönlichkeit zu ersetzen. Auch in unseren parlamentarischen Kreisen wird die Position des Grafen Bülow als durchaus fest erachtet, selbst in dem Fall, daß der Zolltarifentwurf nicht zu retten ist. Graf Bülow, der während der parlamentarischen Debatten zu Anfang dieses Jahres von parlamentarischen Sorgen einigermaßen beeinflußt schien und eine sonst an ihm nicht gelohnte Reizbarkeit bekundete, hat inzwischen nach dem gegenwärtigen Eindruck zu schließen, seine beruhigend stimmende Gemütsruhe und Heiterkeit wie der gewann en. Deutsches Keich. Berlin, 4. März. Der Kaiser hat der Direktion des Rvrdd. Lloyd in Bremen durch die preußische Gesandtschaft bei den Hanse-Städten mitteilen lassen, daß Prinz H einr ich sich über die Offiziere, Mannschaften und Betrieb des Schnell- dampftrs „Kronprinz Wilhelm" sehr befriedigt ausgesprochen hat. — Die Bilanz des sozialdemokratischen Berliner Gewerk,chastshauses für das Jahr 1901 weist emen Verlust von nahezu 11000 Mark auf. Tuesell, 4. März. Eine hier an,gehobene polnische Schuleroerbindung zählt- 17 Mitglieder und gehörte zum Geheim Kunde der „Marianen". Es wurde nachqe- wr-sen, daß d.e Verbindung Beziehungen zu dem polnischen Natronalichatz m RapperSwpl habe. Auch mit den geheimen polnischen Studentenverbindungen soll sie Beziehungen unter- halten haben. a Ausland. Brüssel, 4. Mörz In der gestrigen Nachmittagzsitzung stimmten die deutschen Delegierten dem Wortlaute des Vertrages zwar grundsätzlich bei, sie haben aber über einzelne Punkte Bedenken geäußert und Abänderungen beantragt die, obgleich nicht qerade wesentlicher Natur, dennoch die Unterzeichnung des Vertrages und den Schluß der Konferenz verzögern Mmfftenaldrrektor von Körner ist nach Berlin abgereist um dort einige Punkte aufzuklären. Am Zustandekommen der Konvention wird nicht gezweifelt, doch sind die Delegierten ch $lebenen Staaten über die neue Verzögerung un- rtrt. r ^ö1n' 4' . 2näri* Der deutsche Militärattache von Ehelms übermittelte heute dem Könige als Geschenk Kaiser Wilhelms vier chrnesischeKanonen aus der deutschen Kriegsbeute. Der König empfahl ihre Aufstellung m der Engelsburg. y 1 Wien, 4. März. (Abgeordnetenhaus.) In der Debatte über das Budget bespricht Abg. Wielowski die Wirkung der Veterinärgesetze und Veterinärkonven- tionen und gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß ‘bie preußische Grenze der nächstliegenden Regierungsbezirke Oppeln und BreSlau geöffnet sei. Redner beantragt eine Resolution, in der die Regierung aufgefordert wird, bei der deutschen Regierung die Wiedereröffnung der Grenze für den Schweine- export, wenigstens aus seuchenfreien Ländern Oesterreichs' anzuregen. Sofia, 4. März. Professor Zaimow, den der Fürst von Bulgarien nach Petersburg gesandt hatte, damit er wegen seines beabsichtigten Besuches am Zarenhofe Erkundigungen einziehe, brachte eine enttäuschende Antwort. Aus Rücksicht auf das serbische Königspaar, das sich die Zarin durchaus nicht entschließen könne zu empfangen, müsse der Zar auch auf den Besuch desFürstenFerdinand verzichten. Schwurgericht. P. Gießen, 4. März. Schon lange vor 9 llhr war der Zuhörevraum des Schwurgerichtssaales mit Menschen völlig besetzt. Der zur Verhandlung stehende Fall gegen den Schmiedemeister Heinrich Adam Linden st ruth von Gießen hat ja die Gemüter in unserer Stadt Monate lang erregt und besonders in den Kreisen der Handwerker und Kaufleute, mit denen Lindenstruth schon seit über 20 ^Jahren geschäftliche Beziehungen unterhält, sah man mit Spannung der Verhandlung und deren Ergebnis für den gut beleumundeten Angeklagten entgegen. Einige Minuten nach 9 Uhr betreten die Geschworenen oen Saal, mit ihnen der Gerichtshof, der sich zusammenseüt aus Landgerichtsrat Sandmann als Vorsitzendem und den Landgerichtsräten Dr. Schäfer und Hellwig als Beisitzern. Der Angeklagte, der sich gegen Kaution auf freiem Fuß befindet, nimmt auf der Anklagebank Platz. Als Verteidiger ist Rechtsanwalt Grünewald erschienen. Die Anklagebehörde tvird von Staatsanwalt R e u ß vertreten. Bei Bildung der Geschworenenbank werden vom Staatsanwalt die unter den Geschworenen befindlichen 3 Gießener Herren abgelehnt, während auch der Verteidiger von dem Ablehnungsrecht ausgiebigen Gebrauch macht. Es wird, da die Verhandlung für zwei Tage vorgesehen ist, außer den 12 Geschworenen ein dreizehnter als lÄsatz bestellt. Ueber 30 Zeugen sind geladen; acht von diesen hat die Anklage geladen. Unter den Zeugen, von denen die von der Verteidigung geladenen fast nur Leumundszeugen sind, sind fast alle Berufsklassen vertreten. Als Schreibsachverstän- oiger sind erschienen Lehrer Leib-Gießen und der vom Verteidiger geladene Schulrat a. D. Grabow-Berlin- Wilmersdorf. Bon den Zeugen werden über die Hälfte vorerst entlassen, um für nachmittags halb 4 Uhr wieder geladen zu werden. Nach dem vom Vorsitzenden, Landgerichtsrat Sandmann verlesenen Anklagebeschluß wird dem Angeklagten zur Last gelegt, daß er am 1. Mai vor dem Amtsgericht Gießen einen ihm zugeschobenen Eid wissentlich falsch geschworen hat. Der Präsident giebt den Geschworenen ein kurzes Expose über den Sachverhalt: Lindenstruth stand seit Jahren mit dem Fuhrmann Georg Stühler hier in Geschäftsverbindung. Hieraus ergab sich eine Forderung zu Gunsten des Angeklagten in Höhe von 93.37 Mk., worüber er eine Rechnung ausstellte, die er der Firma Pt st o r Nachf. übergab mit der Bitte, vom Schuldner für ihn den Betrag einzuziehen. Pistor Nachfolger vermochte das nicht. Lindenstruth klagte daher beim Amtsgericht Gießen auf Zahlung. In dem Termin behauptete Stühler, er habe auf die gesamte Rechnung, die 103,37 Mk. betrug, zweimal je 10 Mk. an Lindenstruth bezahlt und legte hierüber als Beweis eine Rechnung vor, auf der diese bei den Abschlagszahlungen angeblich von des Angeklagten eigener Hand quittiert sein sollten. Lindenstruth bestritt damals, die zweite Zahlung erhalten zu haben, und ebenso bestritt er die Aechtheit des Quittungsvermerkes, der sogar seine Namensunterschr'ift trägt; er nahm auch weiter den ihm vom damals Beklagten Stühler zugeschobenen Eid an und leistete ihn am 1. Mai 1901. Die Anklage behauptet, dieser Eid sei falsch und zwar wissentlich falsch geschworen. Der Angeklagte erklärt, er habe damals die Wahrheit beschworen, er behauptet, auf die fragliche Rechnung einmal 10 Mk. erhalten zu haben, und bleibt dabei, daß der zwette Quittungsvermerk sowie die Namensunterschrift nicht von ihm cherrührt. Nach einem Vortrag aus den Akten des Civilprozesses Lindenstruth-Stühler wird zur Zeugender^ nehmung geschritten. Der Zeuge Fuhrmann Stühler erklärt: An einem Sonntag im Sommer 1899 fei der Angeklagte in seine Wohnung gekommen und habe ihm eine Rechnung über 103.37 Mk., wovon eine Zahlung in Höhe von 10 Mk. ab- quittiert war, eingehändigt. Seine Frau habe damals L. 10 Mk., zwei Rollen in 20 Pfa.-Stücken aus Silber oder Nickel gegeben, und dieser habe dann sofort den Betrag von der Rechnung abquittiert und seinen Namen unter die Quittung gesetzt, sodaß das Nestguthaben noch 83.37 Mk. betragen habe. Die Zahlung wurde, wie Zeuge behauptet, in der Küche geleistet, seine Tochter habe Tinte und Feder zur Quittungsleistung herbeigeholt und auch den Stuhl geholt und an den Tisch gestellt, auf dem Lindenstruth die Qurttier- ung bewirkte. Dem Zeugen wird vorgehalten, daß der Angeklagte behauptet, er tmbe zwar einmal in der Stühlerschen Behausung 10 Mk. erhalten, dies sei aber nicht in der Küche, sondern in der Wohnstube gewesen, und diese 10 Mk. seien auch von ihm auf der Rechnung abquittiert, es sei dies die erste und einzige Zahlung, die jener geleistet habe. Landgerichtsrat Sandmann ermahnt den Zeugen Stühler, recht vorsichtig zu sein und es sich sehr zu überlegen, was er saae, denn er werde später vereidet toerben1 müssen, er giebt dem Zeugen zu bedenken, ob es denn nicht möglich sei, daß er sich vielleicht irre. Der Zeuge bleibt aber bei seiner Darstellung und behauptet, bte ersten 10 Mk.dZahlung habe er an den Angeklagten in dessen eigener Behausung gemacht. Stühler nimmt ebenso wie die darauf vernommenen Glieder der Stühlerschen Familie vorerst unvereidet im Saale Platz. Die Ehefrau Stühler macht als Zeugin in derselben Reihenfolge und mit denselben Einzelheiten wie ihr Ehemann ihre Aussagen. Auch sie wird vom Vorsitzenden eindringlich ermahnt, ja die Wahrheit zu sagen. Elisa- be tha Stühler, die Tochter der Vorzeugen, erzählt bat Vorfall vom Sonntag im Sommer 1899 ebenso wie ihre Eltern, und zwar ganz geläufig, selbst mit den kleinsten und unbedeutendsten Einzelheiten; sie erklärt, damals als Lindenstruth quittiert habe, die Rechnung an sich genommen und dem Vater erst ausgehändigt zu haben, als Pistor Nachf. das Geld hätte haben wollen. Der Präsident spricht seine Verwunderung darüber aus, daß die Zeugin und nicht der Vater die Lindenstruthsche Quittung in Aufbewahrung genommen habe. Elisavetha Stühler bleibt aber ei ihrer Aussage. Auf Befragen des Verteidigers, Rechtsanwalts Grünewald, bemerkt die Zeugin, daß, als sie dem Vater die Lindenstruthsche Rechnung zurückgegebeu habe, diese zwei Quittungen über je 10 Mk. und ebenso die Unterschrift des Angeklagten aufgewiesen habe. Auch Marie Stühle r erinnert sich aller Vorkommnisse jenes Sonntags 1899, an dem die Zahlung an den Angeklagten geschah. Während die anderen Glieder der Stühlerschen Familie genau angeben können, was und wie Lindenstruth damals quittiert hat, sagt sie nur aus, daß L. geschrieben hat. Auf Befragen des Vorsitzenden, wer denn die Quittung damals an sich genommen und wer sie aufgehoben hat, erklärt Marie Stühler zögernd und flockend, die Mutter. Landgerichtsrat Sandmann bemerkt der Zeugm, es komme ihm darauf an, zu erfahren, ob hier fein Irrtum vorliegt. Die Zeugin wendet darauf auffällig den Blick zu den Eltern im Zeugenraum. Der Vorsitzende bemerkt der Zeugin, daß sie sich nicht etwa durch die Anwesenheit der Eltern und der Schwester beeinflussen lassen dürfe und veranlaßt, daß die drei Zeugen Stühler den Saal verlassen. Wieder wird dieselbe Frage gestellt, wer die Rechnung an jenem Sonntag an sich genommen und ein Jahr lang aufbewahrt habe. Glatt erklärt Marie Stühler, die Mutter'. Hierauf hält der Präsident der Zeugin die Aussage ihrer! Schwester Elisabetha vor. Es falle dieser Widerspruch der beiden Schwestern über einen so wichtigen Punkt umsomehr auf, als deren Aussagen über ganz unwichtige Dinge, die sich an dem fraglichen Sonntag ereignet haben, sich genau decken. Die als Zeugen vernommenen beiden Schmrcdeges eilen Häuser und Kuhl schildern übereinstimmend einen Vorgang aus dem Jahre 1900. Beide waren damit beschäftigt, im Tiefenweg vor dem Hause des Angeklagten Kohlen zu schippen und in das Hans zu bringen. Ihr damaliger Meister "stand daneben auf der Straße. Da kam Fuhrmann Stühler von der Bahnhofstraße her. Er wurde von Meister Lindenstruth angerufen, der ihn fragte: „Wer hat die Quittung geschrieben?" Stühler gab auf diese Frage keine Antwort, sondern sagte, er habe 10 Mk. ober das Geld an Frau Lindenstruth bezahlt, woraus er weiter ging. Zeuge Sattlermeister Brühl har früher für Fuhrmann Stühler gearbeitet, er erklärt denselben für einen] schlechten Bezahler. Der Angeklagte Lindenstruth ist nach, der Ansicht Brühls ein Ehrenmann, dem er ben ihm zur Last gelegten Meineid nicht zutraue. Der Mitinhaber der Firma Pistor Nachf., Louis Schußler deponiert, daß ihn Lindenstruth seiner Zeit gebeten hat, die Rechnung bet Stühler einzuzieheu. Stühler habe nur 83 Mark 37 Pf. schuldig sein wollen, und seinem jungen Mann, der d ie Angelegenheit zu ordnen tjatte, die Rechnung, mit den Quittungen über zweimal je 10 Mark ausgehändigt. Lindenstruth hätte sofort erklärt, die zweite Quittung sei gefälscht, die Zahlung sei nicht erfolgt. Der Zeuge hat früher vor dem Untersuchungsrichter erklärt, daß Stühler ihm gegenüber zugegeben habe, die angeblich gezahlten 10 Mk. habe er der Frau Lindenstruth gezahlt. Der Bäckermeister Heinrich Faß hat ebenfalls den Stühler als schlechten Zahler kennen gelernt. — Schreinermeister Sack stellt Lindenstruth ein sehr gutes Leumundszeugnis aus. L. sei in der ganzen Stadt als ehrlicher und redlicher Mensch bekannt. Niemand traue ihm zu, daß er um eine solche Lappalie einen falschen Eid schwören werde. Auf Befragen des Verteidigers bemerkt er, daß der Angeklagte bei der Gailschen Feuerwehr, bereu, Kommandant er sei, hochangesehen fei, ebenso in den Der-, einen, deren Mitglied er sei. Ter Verteidiger erklärt hierauf, daß er, wenn der Vertreter der Staatsbehörde und sein Klient damit einverstanden seien, auf die weitere Vernehmung der Leumundszeugen, verzichten würde. Aus allen Kreisen der Gießener Bevölkerung hätten sich freiwillig bei ihm Leute gemeldet, die bereit seien, dem Angeklagten dasselbe Zeugnis zu geben, wie der Zeuge Sack. Es wird hierauf auf alle werteren' Zeugen von allen Seiten verzichtet. Lehrer Leib giebt hieraus sein Gutachten ab über die, Echtheit der infriniinierten Quittung. Er zeigt an echten^ Schriften des Angeklagten die Aehnlichkeit der Schriftzeichen' mit denen der infriminierten Schrift und erklärt, daß nach' seiner Ueberzeugung Lindenstruth die zweite Quittung getrieben hat. Der Verteidiger fragt Herrn Leib, wieso er dazu komme, vor Gericht als Sachverständiger zu fungieren. Lerb erklärt, er habe als Schreibiehrer für Schriftvergleich. ung großes Interesse gehabt, eine besondere wissenschaftliche Borbrldung habe er nicht genossen. Hierauf giebt der Sachverständige Schulrat a. D. Grabow sein Gutachten ab. Er erklärt, daß er den Schriftvergleich physiologisch behandle und seine Methode s. Zt. in einem Kolleg des Professors Dubois-Reymond vorgeführt habe. Man habe sie auch als streng wissenschaftlich anerkannt. Man könne nicht aus zufälligen Ähnlichkeiten einzelner Schriftzeichen, die man mühsam aus einer Summe von als echt anerkannten Schriften heraussucht, auf die Echtheit oder Unechtheit der inkriminierten Schrift Schlüsse ziehen. Der Sachverständige zeigt nun in anschaulicher Weise, welche Gewohnheiten der Angeklagte beim Schreiben habe, an der echten Schrift, und beweist ferner, daß diese Merkmale der Lindenrstuthschen Schrift an der inkriminierten Quittung im wesentlichen nicht vorhanden sind. Er wendet dann seine Methode der Gradmessung beider echten Schrift Lindenstruths an und zeigt, daß bei der in Frage kommenden Quittung die Schriststellung mit der Lage der echten Linden- struthschen Buchstaben nicht übereinstimmt. Es ergebe sich mit Sicherheit, daß man es mit einer plumpen Fälschung zu thun habe. Hieraus wird Stühler vorgcrufen. Der Vorsitzende dringt in ihn, seine Aussage jetzt, wo es noch Zeit sei, abzuändern. Es sei innerlich ganz unwahrscheinlich, was er und seine Familie ausgesagt hätten. An sich sei die übereinstimmende Art der Aussagen überaus verdächtig und auffallend. Stühler erklärt, er habe die Quittung nicht geschrieben. Landgerichtsrat Sandmann und Dr. Schäfer machen Stühler klar, daß es sich nicht darum handle, vielmehr darum, ob er unter Eid ausrecht erhalten wolle, daß er gesehen habe, wie Lindenstruth die Quittung und seinen Namen geschrieben habe. Stühler erklärt, seine Aussagen aufrecht erhalten zu wollen. Ter Gerichtshof zieht sich nun zur Beratung zurück und erläßt Beschluß, daß;eir nicht umhin könne, die vier Zeugen Stühler zu vereidigen, was geschieht. Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Den Geschworenen wird die Schuldfrage wegen Meineids vorgelegt. Staatsanwalt Reuß nimmt hierauf das Wort. Er stellt den Antrag an die Geschworenen, die Schuldfrage zu verneinen. Die Ausführungen des Schulrats Grabow hätten ihn von der Unschuld des Angeklagten überzeugt. Nach dem Ergebnis der Voruntersuchung habe für die Anklagebehörde die Schuld des Angeklagten sestgestandcn. Nach der Art, wie die vier Zeugen heute in der Hauptverhandlung deponiert hätten, könne er auf schuldig nicht plädieren, um so mehr, als ja thatsächlich diese Zeugen bei der Sache nicht ganz uninteressiert seien. Rechtsanwalt Grünewald weist daraus hin, daß es sich für seinen Klienten nicht darum handeln könne, wegen Mangels eines Beweises freigesprochen zu werden, sondern darum, daß mit dem Spruch der Geschworenen und des Gerichtshofes der Makel von ihm genommen werde, als habe er wegen einer so geringfügigen Sache falsch geschworen. Er weist auf eine Reihe von Momenten hin, die sich in der Hauptverhandlung ergeben hätten, und in Verbindung mit dem klaren Gutachten des Schulrats Grabow zu dem zwingenden Schluß führten, daß Lindenrstuth unschuldig sei. In diesem Sinne bitte er die Geschworenen ihven Wahrspruch zu sällen, der nur aus nichtschuldig lauten könne. Nach erfolgter Nechtsbelehrung ziehen sich die Geschworenen in das Beratungszimmer zurück, in dem sie kaum fünf Minuten verweilen. Dann verkündet der Obmann, Rentner Groß-Friedberg, den Wahrspruch, der auf nicht schuldig lautet. Ter Gerichtshof spricht den Angeklagten von Strafe und- Ko st en frei; selbst die durch die Verteidigung, die geladenen und vernommenen Zeugen und den Schreibsachverßändigen Grabow-Berlin verursachten Kosten werden der Staatskasse auferlegt und der gegen den Angeklagten ergangene Haftbefehl wird aufgehoben. Aus Wadt und Kund. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 5. März 1902. ** Stiftungsfest. Ueber das 60jährige Stiftungsfest, das das Korps „Hassia" am 1. und 2. März feierte, geht uns folgender Bericht zu: Wenn auch — mit Rücksicht auf die 300jährige Jubelfeier unserer Universität im Jahre 1907, mit der eine umso glänzendere Feier des 65. Stiftungsfestes des Korps verbunden werden soll — die diesjährige Feier nur im engeren Kreise begangen wurde, so hatte sich doch bereits zu dem Samstag in der „Stadt Mainz" stattfindenden Musikfrühschoppen eine stattliche Anzahl Alter Herren, zum Teil aus weiter Ferne, eingefunden, Den Glanzpunkt der Feier bildete der große Kommers am Abend in den Räumen des Korpshauses, der gegen 70 Teilnehmer zählte. Zahlreiche Depeschen und Glückwünsche, worunter auch solche aus dem Auslande, bewiesen, daß auch viele nicht anwesende Alte Herren des Gründungstages der schwarz-weiß-roten Farben gedachten und ihn im Geiste mitfeierten. Obwohl die meisten Teilnehmer sich erst früh trennten, waren doch alle zu dec photographischen Aufnahme um 11 Uhr bereits auf dem Korpshause wieder versammelt. Hieran schloß sich ein solennes Frühstück, das die meisten Teilnehmer bis gegen Abend vereinigte. Ein großer Teil besonders der auswärtigen Korpsmitglieder ließ es sich jedoch nicht nehmen, nach einer Wagenfahrt durch die Stadt unserem Gleiberg einen Besuch abzustatten, der die Gäste mit aufgezogener Fahne und donnernden Böllerschüssen zu fröhlichem Gelage empfing. Unter Fackelbeleuchtung wurde die Heimfahrt angetceten und der offizielle Teil des Stiftungsfestes im „Perkeo" zu allseitiger Befriedigung und mit dem Wunsche „Auf Wiedersehen in fünf Jahren" beschlossen. ** Nationalsozialer Verein- Ueber „Politik und Kunst" sprach am Diontag Dr. Strecker im nationalsozialen Verein vor etwa 30 bis 40 Zuhörern, unter denen sich ziemlich viele Damen befanden. Der Referent suchte das Wesen der Kunst, deren Aufgabe Erziehung zum Leben ist und die Gefühlen Ausdruck zu geben hat, sowie das der Politik, die die Thätig- keit des Menschen im Staat umfaßt und Ausfluß des menschlichen Willens ist, genauer zu bestimmen, und erörterte die ethischen Gesichtspunkte bei der Beurteilung beider. Ihr Verhältnis dürfe nicht das einer Unterordnung sein, bei gegenseitiger Beeinflussung müsse doch ihre Selbständigkeit erhalten bleiben. Konflikte zwischen Staat und Kunst könnten freilich so wenig endgiltig aus der Welt geschafft werden, wie die zwischen Staat und Religion oder Wissenschaft. An einer Fülle von Beispielen, in denen zt bte Hörer von den Kunstleistungen unter den Pharaonen bis zu dem warm gepriesenen Darmstädter Maecenatenturn führte, roieS er nach, m rote mannigfacher Weise die politischen Verhältniffe einwirkten auf Gegenstand und Form, Blüte und Verfall der einzelnen Kunstgattungen, und wie die Kunst den größten Fragen, die die Menschheit beschäftigen, als Echo nachhalle, aber auch Volksstimmung und -Meinung und damit oft genug auch den Gang der politischen Ereignisse zu beeinflussen verntochte. In der Diskussion, die sich an den Vortrag anschloß, gab insbesondere Prof. Sauer einige wertvolle Ergänzungen. ** Nationalliberaler Verein. In einer am Montag Abend abgehaltenen Sitzung des nationalliberalen Vercinsvor- stand es trat der langjährige Leiter des Vereins, Herr Prof. Dr. Wirnrnenauer, von seinem Amte als Vorsitzender zurück. Die Leitung eines fachwissenschaftlichen Blattes, die nach dem Ableben des Herrn Prof. Lorey auf ihn übergegangen ist, macht es ihm leider unmöglich, fernerhin auch noch die Vereinsleitung beizubehalten. Dem lebhaften Bedauern des Vorstandes gab Herr Kirch gebührenden Ausdruck, dem scheidenden, verdienstvollen Vorsitzenden warme Worte des Dankes und der Anerkennung widmend. Die Neuwahl des engeren Vorstandes ergab die Herren Em melius, Kirch, Heyligenstaedt, Jann, Erb und Rackö, die mit der Leitung der Vereinsgeschäfte betraut wurden, * * Eisenbahn-Personalnachricht. Lokomotivführer Krauße wurde von Gießen nach Hungen versetzt. * * Verhafteter Fahnenflüchtiger. Ein Musketier unseres Infanterie-Regiments Nr. 116, der sich am Sonntag von seinem Truppenteil ohne Urlaub entfernte, ist Montag mittag durch einen Schutzmann in Darm stadt festgenommen und an die Infanterie-Kasernenwache abgeliefert morden. * * Ein frecher Bubenstreich ist in der vergangenen Nacht an unseren Aushängekästen am Seltersweg, in der Bahnhofstraße und an der Ecke der Neustadt und Bahnhofstraße verübt worden. An den beiden ersten Kästen ist je eine der Verschlußscheiben, an dem letztgenannten sogar beide zerschlagen worden. Auch an dem Aushängekasten der „Franks. Ztg." in der Bahnhofstraße ist der Verschlußdraht umgebogen worden. st. Butzbach, 4. März. Mit Ausnahme von Weilburg waren sämtliche Vereine des Lahnthal-Sängerbundes auf dem Sängertag, der am Sonntag hier stattfand, vertreten. Hatiptlehrer Schneider (Marburg) wurde zum Bundesvorfitzenden wiedergewählt. Ferner wurde bestimmt, daß bei Uebernahnte eines Festes ein Ort, wenn er auch mehrere Gesangvereine besitzt, nur eine Stimme haben darf. Endlich wurde festgesetzt, daß auf einem besonderen, vom Vorsitzenden einzubcrufenden Delegiertcntage die Lieder für das .Bundesfest ausgewählt werden sollen. An die Verhandlungen schloß sich ein Mahl, das durch treffliche Toaste gewürzt war. Nachmittags trug der hiesige Männergesangverein mehrere hübsche Lieder vor. Nieder-Gemünden, 1. März. In der vorigen Woche sandte eine kleine Anzahl evangelischer Pfarrer folgendes Telegranim an den deutschen Kaiser ab: „Eure Majestät werden gebeten, sich für das Leben des tapferen Kruitzinger zu verwenden." ko Darmstadt, 5. März. (Telegr. des „ Gieß. Anz.".) Im Großherzogtum Hessen besteht ein Privilegium der Schorn stetnfegermeister, das einem jeden einen festen, abgegrenzten Bezirk in Stadt und Land überweist. Den Meistern sind dadurch ganz bedeutende Einnahmen gesichert. Die Regierung beabsichtigt nun eine Umgestaltung dahin, daß die Meister von den Kreisen angestellt und mit einem Fixum bezahlt werden und daß die Einnahmen den Kreiskassen zufließen. Wetzlar, 4. März. Gestern Abend brannte der den Gebr. Wald schmidt gehörige große Lagerschuppen, in dem ich Oekonomie-Maschinen sowie reichliche Vorräte an Stroh, Heu 2c. befanden ab. Das Feuer griff so rasch um sich, daß der große Komplex in ganz kurzer Zeit in hellen Flammen land. Auch von den Maschinen war nichts zu retten. * * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der früher in Freiens een wohnende Eisenbahnarbeiter Manarin aus Italien, der, wegenMajestätsbeleidigung einer Zeit verhaftet, später von der Strafkammer in Gießen jedoch freigesprochen wurde, ist aus Deutschland ausgewiesen worden. ■ Urinz KeU-rich in Amerika. Chicago, 4. März. Auf der Fahrt nach der eine Meile entfernten Waffen- halle des Ersten Regiments, wo die Gesangvereine ein Musikfest veranstalteten, wurde Prinz Heinrich mit ungeheurem Jubel begrüßt. Sobald der Prinz die Waffenhalle erreicht hatte, wurden die Thüren geschlossen, um die Anstürmenden zurückzuhalten. Konsul Weber war der rechte Logennachbar des Prinzen, links saßen deutsche Lehrer. Der gemischte Chor unter Gustav Ehrhorn, das Orchester unter Carl Bunge waren brillant. Nach dem Vorfrage des Liedes: „Ich kenn' einen Hellen Edelstein" hielt Thies Losens eine Ansprache. Der Prinz erwiderte: „Ich danke Ihnen herzlich für die freundlichen Worte, die Sie soeben gesprochen; aber die schönsten sind diejenigen über unser Vaterland und unser Volk. Sie sollten hier die besten Bürger sein, aber niemals vergessen, daß Sie alle Deutsche oder deutscher Abstammung sind, und sollten gute, loyale amerikanische Bürger sein, wie Sie im alten Vaterlande gute Bürger gewesen sind. Sie haben das alte Vaterland verlassen, aber wenn Sie noch Liebe sür dasselbe hegen, dann fordere ich Sie aus, ein dreifaches Hoch auszubringen auf den, der mich hierher gesandt hat, Ihnen diese Grüße zu überbringen, aus Seine Majestät den Deutschen Kaiser und König von Preußen." Kurz nach 10 Uhr erhob sich der Priinz, um zu dem Balle im Auditorium-Hotel zu fahren. Der Ball war das tzauptereignis und die glänzendste gesellschaftliche Veranstaltung, die Chicago je gesehen hat. Um halb 11 Uhr traf der Prinz in dem Hotel ein. Der Prinz betrat mit )em Bürgermeister den Ballsaal, wo bereits ca. 2000 Per- onen der Ankunft des Prinzen harrten und ihn mit enthusiastischen Zurufen begrüßten. Sobald die Vorstellung vorüber war, bot der Prinz der Gemahlin des Bürgermeisters den Arm, eröffnete die Promenade und geleitete die Dame zu ihrem Ehrensitz in der Loge, nahm dann selbst Platz, unterhielt sich und schaute den Hunderten von walzenden Paaren zu. Um Mitternacht verließ der Prinz den Ballsaal, um in dem anstoßenden Gebäude der schönen Künste das Souper einzunehmen. Bei dem Festmahle brachte der Bürgermeister einen Trinkspruch aus, in welcheut er u. a. sagte: Das heutige Chicago verdankt sein Dasein in großem Maße der Thatsache, daß seine Bevölkerung eine halbe Million Deutsche einschließt, welche allen ihnen innewohnenden Fleiß, sowie Intelligenz und Pflichtgefühl mitbrachten. 2Hir freuen uns mit Ihnen, Sir, der freundschaftlichen Beziehungen sü>: alle Zeiten. Wir bewillkommnen Sie nicht allein wegen der Hochachtung und Bewunderung, welche wir für den deutschen Kaiser empfinden (Beifall), als dessen persönlicher Vertreter Sie die Botschaft der Freundschaft von Ihrer großen Nation bringen, sondern auch weil wir Ihr demokratisches Auftreten liebe n." Hieraus erwiderte Prinz Heinrich: „Herr Mayor, meine Herren! Bitte empfangen Sie den herzlichsten Dank für den mir gewordenen Empfang in Chicago; die Stadt, welche fast zwei Millionen Menschen beherbergt und vor weniger als 100 Jahren nur ein Grenz? Handelsposten und von allen Seiten von feindlichen Jn- dianerbanden umringt war, hat sich seitdem zu einer Stätte der Pracht und Schönheit entwickelt, obwohl sie vor 30 Jahren durch eine entsetzliche Feuersbriunst beinahe dem Erdboden gleichaemacht wurde, bei welcher Gelegenheit die Sympathie der ganzen Welt wachgerufen wurde und gleichzeitig den Bewohnern Gelegenheit geboten wurde, zu zeigen, aus welchem Holze sie geschnitzt sind. (Beifall.) Die heutige Stadt ist wahrlich ein Denkmal unentwegten Mutes, Unternehmungsgeistes und Ausdauer. Während ich heute einige der reichsten Teile der Vereinigten Staaten durcheilte, beHagte ich, daß die Umstände mich verhindern^ der letzten Ruhestätte eines der größten Bürger der Vereinigten Staaten, des Bürgers von Illinois, Abraham Lincoln, den Tribut der Achtung zu zollen. (Beifall.) Im Jahre 1893 stand, ^Chicago im Mittelpunkt der Anziehung durch seine berühmte Weltausstellung, obwohl meiner Ansicht nach Chicago selbst eine permanente Ausstellung von amerikanischer Energie, amerikanischem Mut und amerikanischer Unternehmungslust ist. Mir ist auch gesagt worden, es bestehe eine gewisse Beziehung zwischen der Stadt und einem gewissen nützlichen Tiere (Heitere leit), welches in der kunstvollsten Weise mit Blitzesscknelle in allerhand Formen und Gestalten verwandelt wird, um die Menschheit zu erfreuen und ihr zu dienen. (Heiterkeit und Applaus.) Mir war es unbekannt, daß die Stadt morgen Geburtstag hat. Jcy wünsche, dazu herzlichst zu gratulieren! Ehe ich schließe, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, daß Ihre Flotte durch ein Geschwader von vier Schiffen vertreten war, dessen Flaggschiff „Illinois" hieß. (Beifall.) Ich möchte den Namen des Mannes, dessen Flagge auf der „Illinois" weht, und der, ich glaube, einer ihrer populärsten Männer ist, mit meinem Toast verknüpsen, des Mannes, der allgemein Bob Evans genannt wird. Nach dieser Abschweifung danke ich nochmals für die liebenswürdige Gastfreundschaft und trinke aus das Wohlergehen und das Gedeihen Chicagos." (Beifall.) Prinz Heinrich gönnte sich heute früh Ruhe. Um 10 Uhr vormittags empfing er den Gouverneur von Minnesota^ van Saut, sowie» tiine Abordnung des deutschen Zentralbundes von St. Paul, welche eine Adresse überreichte. Hierauf .trat der Prinz die Fahrt nach dem Lincolnpark an, um einen Kranz am Grab Abraham Lincolns niederzulegen. Darauf folgte eine Fahrt nach dem Germania- Klub zum Lunch. Gleichzeitig fand hier ein Empfang in wundervoll dekorierten Räumen statt, in denen die besten Musikkapellen, die im ganzen Westen zu erlangen sind, konzertierten. Der Prinz schritt im Klubhause durch Reihar weißgekleideter Kinder. Beim Imbiß waren nur wenige Gäste. Die Trinksprüche waren dem Präsidenten, dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich gewidmet. Der Prinz erklärte in seiner Ansprache, die Deutschen in Amerika hätten sehr zur Förderung von Wissenschaft und Litteratur beigetragen, und er hoffe, sie würden in diesem Werke fortfahren. Nach seiner Rede brachten die Anwesenden begeisterte Hochs aus und ein Männerchor sang mehrere deutsche Lieder, sowie „My old Kentucky Home". Letzteres gefiel dem Prinzen besonders und wurde da capo gegeben. Um 1 Uhr mittags trat Prinz Heinrich die Weiter- reise nach Milwaukee an. Dort langte er um vier Uhr an, wurde mit unbeschreiblichem Jubel empfangen und alsbald zu Wagen durch die hauptsächlichen Geschaftsdistrikte geführt. An beiden Seiten der Straßen standen ungeheure Menschenmassen. Die Stadt ist sehr schön dekoriert; namentlich sah man viele deutsche Fahnen, und zum erstenmale in Amerika sah der Prinz eine solche von einem öffentlichen Gebäude wehen, nämlich vom Rathause. New York, 4. März. Die Musikkapelle der „Hohenzollern" spielte gestern in einem Wohl- thätigkeitskonzert in der Camegiehall. Die Einnahme belief sich auf 2500 Dollars. Tie heutigen letzten Telegramme lauten: Milwaukee, 5. Vtärz. Hier versammelten sich gegen 2 Uhr mittags die deutschen Gesangvereine im Ausstellungs-Gebäude. Eine halbe Stunde später begann der Massen-Andrang des Publikums. Tas Konzert dauerte bis um 5 Uhr. Darnach wohnte der Prinz einer großen Hebung der Feuerwehr bei. Eine große Anzahl Polen hielt am Montag in Chicago eine Protest-Versammlung gegen die Bewillkommnung des Prinzen ab. In allen polnischen Kirchen wurden Trauer-Gottesdienste mit patriotischen Predigten abgehalten. Vermischtes. Wien, 4. März. Der ehemalige Marine-Offizier und derzeitige Redakteur der Reichswehr, Paul Hubatka, hat heute rüh seine Frau und dann sich selbst erschossen, angeblich wegen finanzieller Calamitäten. Die Frau ist die Tochter eines reichen Hamburger Rheders.__________________ Kunst und Wissenschaft Paris, 4. März. Im hiesigen Telephonamte wurden beute Nacht aus der Paris - Lyoner Linie Versuche mit einem Apparat vorgenommen, welcher die Schrift genau wiedergibt. Die Versuche ergaben ein sehr günstiges Resultat. Gerichtssaal. v Gießen, 4. März. (Strafkammer.) Die Staatsanwall- chaft vertritt Ober-Staats-Änwalt von Hessert. Rob. Husberg aus Neuenrode ist angeklagt. Er hat em Bartwuchsmittel „Korn- mclin" m den Handel gebracht und durch Annoncen zum Kaufe desselben das Publikum zu verlocken gesucht. Durch Urteil des Schöffengerichts Gießen vom 10. Januar war er von der Anklage der Uebertretung des § 342 des hessischen Polizerstrafgesetzes und der kaiserl. Verordnung von 1890 sreigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte hiergegegen Berufung verfolgt. DreStrafkammer erkannte aus Aufhebung des schossengenchtluhen Urteils und verurteilte den Angeklagten wegen Uebertretung des § 342 des MWcbert P.-Str.-G. zu einer Geldstrafe von oO Mark ev. 10 Tage fiaft und m die Kosten, da der Angeklagte ein Geheimmittel — die chemische Zusammensetzung ift nicht bekannt gegeben und kaum zu Smittdn — zum Verkaufe gebracht hat. — Philipp August Dto r- kel aus Affenheim bat gegen em verurteilendes Erkenntnis Schöffenqenchts Friedberg vom 21. Januar, da er zu einer Pstlcht- feuerwehrübung nicht erschienen war, Berufung eingelegt. Die Strafkammer gab der Berufiing statt und sprach den Angeklagten von Strafe und Kosten frei, da er, der noch nicht lange m Affen- beim eingeseffen war, zwar zum Eintritt m die Pfllchtfeuerwehr Herpflichtet war, aber infolge Nichtbefolgung der durch Verordnung voraefchriebenen zum Eintritt erforderlichen Formen von fetten der Gemeinde noch nicht Mitglied der Pflichtseuerwebr war und somit nickt die Pflicht hatte, an den Uebungen teilzunehmen. —.Die von dem Privatkläaer Wilhelm Bindewald aus Grimberg in Ieiner Privatklagesache gegen den Metzger und Gastivirt Karl Siegfried von da, wegen Beleidigung, gegen das freisprechende Erkenntnis deS Schöffengerichts Grünberg eingelegte Berufung wird kosteiisaUrg verworfen, da der Prioatkläger in dem Termine zur Hauptverhand-- luna vor dem Berufungsgerichte nicht erschienen ist. — Tie Verhandlung in der Berufungssache gegen den Landwirt ~ubimg Wagner II aus Nidda, der in der Dunkelheit ohne brennende Laterne gefahren und ein anderes Fuhrwerk angerannt haben soll, wird zwecks Vernehmung weiterer Zeugen auf den 5. April 1902 vertagt — Der Bürgermeister Wagner zu Altenstadt hatte gegen den Friedrich Karl Sckneider und den Metzger Johannes Eck ert daselost Privatklage erhoben. Gegen das verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichts Altenstadt hatten die Angeklagten Berufung eingelegt. Der Angeklagte Eckert insoweit, als auf Veröffentlichung des gegen ihn ergangenen Urteils erkannt worden war. Die Berufung beider Angeklagten wurde mit der Maßgabe verworfen, daß der in dem angefochtenen Urteil enthaltene Ausspruch der Publi- kationsbefugnis bezüglich der Verurteilung des Angeklagten Schneider in Wegfall zu kommen hat. Die Kosten fallen den Angeklagten iur Last. Hervorzuheben aus der Urteilsbegründung ist, daß ausdrücklich betont wurde, daß der Wahrheitsbeweis, den die Angeklagten antraten, in jeder Weise verfehlt war, und daß der Prioättläger vollständig makellos aus. der Verhandlung heroor- gtgangen ist. och. Gießen, l.März. Schiedsgericht für Arbeiter- ve r s i ch e r u n g. Unter Vorsitz des Großh. Kreisamtmannes Dr. Heinrichs wurde verhandelt: 1) Die Sektion 5 der Steinbruchsberufsgenoffenschaft hatte gemäß §§ 88, 90 des Gewerbeunfalloersicherungsgesetzes Einstellung der Ibprozentiaen Rente des Heinrich 9lppel zu Michelau beantragt. Das Gericht wies jedoch 1 auf Grund des von Kreisarzt Dr. Koeniger festgestellten objektiven Befundes den Antrag zurück. 2) Gegen den die Rente von 80 Prozent auf 40 Prozent herabsetzenden Bescheid der Hess.-Nass. Baugewerksberufsgenoffenschaft hatte Hch. Konrad Stelz von Groß- Karben Berufung verfolgt und Zuerkennung der früheren Rente beantragt Die Berufung wurde nach Anhörung des ärztlichen Sachverständigen, Privatoozenten Dr. Bötticher für teilweife begründet erachtet und die Beklagte zur Zahlung einer bOprozentigen Rente verurtellt 3) Mit Bescheid voin 16. Oktober 1901 hatte die Heff.-Naff. Baugewerksberufsgenossenschaft, Sektion 1, Die dem Zimmermann Adam Schäfer zu Rohrbach bewilligte Rente auf 20 Prozent herabgesetzt Die hiergegen eingelegte Berufung hatte teilweisen Srfolg. 4) Heinrich Friedrich Ders zu Nieder-Florstaöt war mit dem wegen eines Bruchschadens geltend gemachten Entschädigungsanspruch von der Tiefbauberufsgenossenschast zu Berlin abgewiesen worden, womit er sich nicht zufrieden gab und Berufung verfolgte. Das Gericht beschloß, die Entscheidung auszusetzen, um noch weitere Erhebungen anzustellen und ein Ober- gutackten durch einen Gerichtsarzt einzuholen. — In der Unfallversicherungssache Johs. Gräb VII. zu Pford gegen die Süddeutsche Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft fiifjrte Großh. Regierungsrat Boeckmann, z. Zt in Büdingen, den Vorsitz. Die Sache hatte das Gericht bereits am 28. September 1901 beschäftigt. Dem Kläger wurde heute eine Rente von 10 Prozent zugesprochen. Wiesbaden, 4. März. Wie der „B. T." mitgeteilt wird, ist gegen den freireligiösen Prediger Welcker eine Klage wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet worden. Diese wird gefunden in einer Stelle der Ansprache Weickers bei der Schiersteiner Dewct-Feier, wo die Verantwortlichkeit für die Kriege denen zugewiesen wird, von denen die Kriegserklärung ausgehe. Die Broschüre mit dem Wortlaut der Rede sei unlängst in Frankfurt beschlagnahmt worden. Die Ansprache war bekanntlich ein scharfer Protest gegen Chauvinismus und eine Verurteilung jeglicher Kriegsgreuel. Handel und Uerkchr. Volkswirtschaft. ö Mücke, 4. März. In der gestern im Saale des Herrn Aug. Baist hier stattgehabten Generalversammlung der Ober- hessischen Holzindustrie, G. m. b. H., Mücke, wurde beschlossen, für das am 31. Dezember abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 10 % 3"r Verteilung zu bringen. Die Aussichten für das laufende Jahr wurden seitens der Verwaltung als günstig bezeichnet, da Aufträge genügend vorhanden sind und die Holzeinkäufe sich heute wesentlich billiger stellen als im vorigen Jahr. Das von oer Gesellschaft in Str ft ein betriebene Unternehmen entwickelt sich gut. Essener Kreditanstalt. Dies Institut, das in näheren Beziehungen zur Deutschen Bank steht, hat int abgelaufenen Jahre gut gearbeitet Die Dividende beträgt 8 °/0 gegen 81 /a °/0 i. V. Der Reingewinn stellt sich einschließlich des Vortrags auf Mk. 3 200112 gegen Mk. 3 503 906 im Vorjahr. Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft. Seitens des Marinedepartements der Vereinigten Staaten sind bei der genannten Gesellschaft zwei komplette Doppelstationen des sunkentelegraphtschen Systems Slabv-Argo in Auftrng gegeben worden. Dieses System ist also gegen das Mareoni-System tn Wettbewerb getreten. Diskontogesellschaft. Der Jahresabschluß wird erst nächsten Samstag veröffentlicht. Trotzdem hat man es an der heutigen Börse wieder hören können, daß das Jahresergebnis keinesfalls den Erwartungen entsprechen wird, obwohl für eine derartige Behauptung jeder positive Beweis fehlt. Es läßt sich absolut nicht sagen, ob und wie weit die Vermutungen auf Thatsachen beruhen. Da nun aber die Börse seit einigen Tagen — warum weiß kein Mensch — in eine ganz lustlose Haltung geraten ist — so haben die Pessimisten wieder Oberwasser, es wird ihnen geglaubt und Diskontokommanditanteile haben abermals 1 > % verloren. Der Rückgang seit Ende Februar beträgt etwas über 2 %• Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfrage« bleiben unberücksichtigt. Dr. K. irr H. Unter Den vielen Firmen nennen wir Ihnen als die beste und eingeführteste „Fuhrmann u. Haus" in Franken th al. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. 8 Darmstadt, 5. März. Die 2. Kammer stimmte gegen 3 Stimmen der Einführung des Instituts der Kreis- geometer zu. Koblenz, ü. März. Für die Manöver des 18. Armee, korps in diesem Jahre, kommt das Gelände in Betracht, das zwischen der Saarmüudung und Bingen gelegen ist. Das nördlich der Mosel gelegene Gelände ist für die Uebungen der 11. Division (Köln), das südlich der Mosel gelegene für die der 16. (Trier) auserscheu. Das Korpsmanöver findet in dem Ge- lände statt, das zwischen Mayen und dem Rhein gelegen ist. Ein großer Brückenschlag wird durch das 8. Pionierbataillon bei Hatzenport ausgesührt werden. Loudon, 5. März. Nach einer Meldung aus Peking wurde die französische Gesandtschaft benachrichtigt, daß ein französischer Leutnant an der Grenze von Tongking von chinesischen Rebellen ermordet worden sei. Paris, 5. März. Der „Figaro" meldet: Präsident Loubet hat gestern abend die offizielle Einladung des Kaisers von Rußland zum Besuch in Petersburg erhalten. Ter Zar bittet den Präsidenten, den Zeitpunit der Reise, die ihm ganz besonders angenehm fern werde, zu bestimmen. Mailand, 5. März. Zwischen dem Chefredakteur des „(Sortiere della Sera", Dr. Albertini und dem Chefredakteur der „Jtalie del Popolo", Micolli fand wegen einer Zeitungs- Polemik ein Säbelduell statt, bei welchem beide Gegner an der Stirn verletzt wurden. Budapest, 5. März. In der Gemeinde Bresztovarz herrscht wegen der Greuelthaten eines Wahnsinnigen große Aufregung. Der Landwirt Martin Greschl fesselte seine Frau und steckte dann zwei seinerKinder in denBack. ofcn. Das dritte Kind, einen achtjährigen Kn ab en erschlug er mit einer Hacke, zerstückelte den Leichnam und warf den» selben den Schweinen vor. Inzwischen gelang es der Frau, sich frei zu machen. Sie holte Hilfe, sodaß es gelang, die in den Backofen gesteckten Kinder noch zu retten. Greschl ertränkte sich im Gemeindebrunnen. Washington, 5. März. Der Senat hat das Gesetz zur Bekämpsungder Anarchisten angenommen, das Straf- maaß für erfolglose Attentate jedoch von 10 auf 25 Jahre erhöht. Telephonäscher Kursbericht. 372% Reicheanleihe . . 102.10 3% do. ... 93.05 3‘/,% Koneols .... 101.95 3% do 92.75 37s0/n Hessen .... 100.30 3% Hessen .... —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 102.90 4l/2% Oesterr. Silberrente 101.90 4% Ungar. Goldrente . . 101.15 4°/ Italien. Rente . . . 101.00 47,% Portugiesen . . . 42.50 o°/ Portugiesen 28.20 1% C. Türken .... 28.10 Türkenlose ..... 114.00 4% Griech. Monopol -Anl. 45.50 47,% äussere Argentiner 8J/o Mexikaner .... 26.65 472 /o Chinesen . , . . 91.10 Electric. Bei uckert . . . 120.20 Nordd. Lloyd .... —.— Kreditaktien , . . . . 221.50 Diskonto-Kommandit, * . 194.60 Darmstädter Bank . . . 139.50 Dresdener Bank .... 187JL0 Bor iner Handelsges. . . 153.40 Oesterr. Staatabahn . ♦ . 145.70 Lombarden .... 19.50 Gotthardbahn .... 169.30 Laurahütte ..... 200.50 Bochum . ..... 198.50 Harpener ..... 164.60 s; fest. Das Beste für die Zähne! 'V, FL Odol - Mk. Lta % Sch lffsmmu lüsten. Norddeut scher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 3. März. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdarnpfer „Köln", Kapttän H. Langreuteer vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 1. März 6 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 3. März. (Per transatlantischen Telegraph^ Der Doppelschraubendampfer .Kassel", Kapttän B. Pctermann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr uach- mittags wohlbehalten in Galveston angekommen. Submission. Für die Großh. chirurgische und ophthalm. Universitäts- Klinik sollen für das Rechnungsjahr 1902/03 auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden: 1. Die Lieferung von: Backwaren, Spezereiwaren, Mineralwasser, Milch, Butter, Eier, Bier, Eis, Schreibmaterialien, Bürstenwaren, Putzmaterialien u. Porzellan- und Glaswaren. 2. Das Reinigen der Wäsche für das Personal. 3. Das Reinigen der Wäsche für die Kranken. 4. Das Reinigen der Oefen und Herde. 5. Das Reinigen der Senkgruben und das Fortschaffen des Kehrichts. 6. Die Abgabe von Knochen, leeren Flaschen und Gespül. 7. Die Unterhaltung des Gartens. Die Bedingungen und der Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 liegen auf dem Verwaltungsbureau an denWochen- tagen nachmittags von 3 bis 5 Uhr offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 21. März d. Js., vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Der Zuschlag erfolgt bis zum 24. März d. Js. Gießen, den 5. März 1902. Großh. Verwaltungs-Direktion der chirurg. und ophthalm. Univ.-Klinik. 1869 Poppert. Vossius. Vergebung von Kauarbeiten. Die für den Umbau von Ortsstraßen mit Kanal- anlageu in Ruttershausen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis Dienstag de« 11. März l.J. vormittags 9 Uhr, auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, portofrei einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt zu Mark Erdarbeiten 1581.— Maurerarbeiten 501.83 Chauffierarbeiten 414.50 Pflasterarbeiten 1285.50 Grundbausteinlieferung 425.50 Steinsetzen 37, Decksteinlieferung 474.70 Kieslieferung 108.— Eisenlieferung 60.— Cementrohrlieferung 373.40 Gießen, den 4. März 1902. Der Großh. Kreisbauinspektor: St ahl. 1860 ' II c rft e-tgr rmigcir Versteigerung. Donnerstag den 6. März, nachmittag^ 2 Uhr, versteigere ich Bahnhofstraße 34 dahier 150 Ctr Pretzklötz u. 150 Ctr.Anthracit- kohlen zwangsweise gegen Bar- gablung. Versteigerung bestimmt. Gießen, den 5. März 1902. 0907 Seipel, Gerichtsvollzieher. Versteigerung^ Donnerstag den 6. März, nachmittags 3 Uhr, versteigere ich Neuenweg 28 dahier: 1. eine Ladeneinrichtung, 2. Haus- und Küchengeräte aller Art u. v. a. zwangsweise gegen bar. 0906 Gießen, den 5. März 1902. Seipel, Gerichtsvollzieher. Holz-Versteigerung. In den Mitgebrauchswaldungen der Gemeinde Treis an der Lumda werden versteigert: !♦ Montag den 10. März 1902, von vormittags 10 Uhr an, im Distrikt Aspenstrauch: 10 Nadelstämme mit 2,61 fm Inhalt. 3 Nadel-Derbstangen mit 0,33 fm Inhalt. 209,4 rm Buchen-, 7 rm Eichen-, 4 rm Aspen-Scheiter. 60 rm Buchen-, 4 rm Eichen-, 16 rm Aspen-, 1 rm Nadel-Knüppel. 550 rm Buchen-, 65 rm Aspen-, 32 rm Nadel-Zopfreis. 2. Dienstag den 11. März 1902, von vorm. 10 Uhr an, in den Distrikten Dodenberg, Zipfenwald, Alte- Unner, Himberg, Buchwald und Hainbuch. 47 Eichenstämme mit 23,76 fm Inhalt. 21 Nadelstämme mit 3,89 fm Inhalt. 4 Kiefernstämme mit 1,64 fm Inhalt. 2 Eichen-Derbstangen mit 0,04 fm Inhalt. 2 Buchen-Derbstangen mit 0,05 fm Inhalt. 3 Nadel-Derbstangen mit 0,33 fm Inhalt. 217 Fichten-Derbstangen mit 9,03 fm Inhalt. 3 rm Buchen-, 39 rm Eichen-, 8 rm Kiefern-, 1 rm Aspen-, 3 rm Nadel-Scheiter. 2 rm Buchen-, 31 rm Eichen-, 41 rm Kiefern-, 2 rm Aspen-, 44 rm Nadel-Knüppel. 11 rm Buchen-, 170 rm Eichen-, 110 rm Kiefern-, 1 rm Aspen-, 75 rm Nadel-Zopfreis. 90 rm Fichten-Stammreis, 40 rm Nadel-Stöcke. Zusammenkunft ist am ersten Tage im Distrikt Aspen- strauch bei Nr. 2, am zweiten Tage im Distrikt Buchwald an der Straße von Treis nach Mainzlar. Treis an der Lumda, den 4. März 1902. Großh. Bürgermeisterei Treis a. Lda. Benner. 1863 Mittwoch, Donnerstag, Arcitag lebendfrisch eintreffend: !a. 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