Erstes Blatt Mittwoch 5* Februar 1902 Das G die Borladung des früheren 15S. Jahrgang Nr. 30 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untoers.-Buch- u.Siein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Echulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Freunde vereinigten sich zu einem in der StoLttkirche zu Darmstadt veranstalteten Festgottesdienst und die gesamte Geistlichkeit des Landes, Freunde und Gönner, sowie verschiedene Kirchenfonds stifteten eine namhafte Summe, die, dem Sinne der Geber entsprechend, Prälat D. Habicht mit der bestehenden Prälat Dr. Köhler-Schmitt-Stiftung, deren Erträge bedürftigen Dfarrwaisen zugute kommen, vereinigte, und die nun den erweiterten Namen Prälat Dr. Köhler-Schmitt-HaLicht-Stiftnng führt. Sein 25jähr. Superintendenten-Jubiläum konnte D. Habicht gelegentlich der oberhessischcn Provinzialkonserenz, umgeben von vielen Freunden und Verehrern, im Jahre 1900 hier in Sterns Garten festlich begeben, worüber wir seiner Zeit ausführlich berichtet haben. In seinem 77. Lebensjahre folgte Prälat D. Habicht der auch an das hessische Kirchenregiment ergangenen Einladung des deutschen Kaisers zur Teilnahme an der Einweihung der Erlöserkirche, und wurde als ältester Vertreter einer deutschen Landeskirche den Majestäten in Jerusalem vorgestern. Deine Eindrücke, die er da empfangen, hat er durch mehrere Reden, dis er in verschiedenen Städten des Landes hielt, unter großem Beifall weiteren Kreisen mitgeteilt. Außer seinen kirchlichen Aemtern, die D. Habicht als Oberkonsistorialrat, Superintendent und Prälat zu versehen hat, widmet er sich trotz seines außerordentlich hohen Alters auch noch der freien Bereinsthätigkeit. Schon seit vielen Jahren ist er Vorsitzender des hessischen Pfarrwarsen- vereins, der unter seiner Leitung erst recht emporgeblüht ist und in dieser Zeit unter den bedürftigen Waisen des Pfarrstandes in reichstem Segen gewirkt hat. Ganz besonders aber ist es der Gustav-Adols-Verein, dem D. Habicht seine Liebe zugewandt . Er ist noch der einzige lebende; Mitbegründer des über 50 Jahre bestehenden hessischen Hauptvereins der Guftav-Adolf-Stiftung, dessen Führung er gleichfalls vor einer langen Reihe von Jahren übernahm. Es ist wohl kaum ein größeres Gustav-Adolf-Fest in Hessen oder in Deutschland gefeiert worden, an dem nicht Prälat Habicht als Vertreter teilgenommen hätte. Auch in litterarischer Beziehung ist D. Habicht thätig gewesen. Im Jahre 1878 erschien in Gießer: sein „Hilfsbuch zum Verständnis der Bibel", Oktavformat, 136 Seiten. Das von D. Linß erstmals herausgegebene „Handbuch für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen", das den Personalbestand und die wichtigsten GeseA und Verordnungen der Landeskirche enthält, ist, von Prälat Habicht weitergeführt und erweitert, im Jahre 1898 in Darmstadt in vierter Auflage erschienen. Das mit der Verlagsbuchf- handlung vereinbarte Honorar wurde jedesmal dem Psarr- waisenverein und der Prälat Dr. Köhler-Schmitt-Habicht- Stiftung überwiesen. Das Buch ist zum ünentbehelichen Ratgeber der Geistlichen des Landes geworden. An der inneren Entwickelung der hessischen Landeskirche während der letzten 25 Jahre und an ihrer Gesetzgebung hat Prälat D. Habicht vermöge seiner hohen Stellung den thätigsten Anteil genommen. Die evangelische Kirche Hessens ist die erste im Deutschen Reiche gewesen, die mit dem alten Pfründensystem gebrochen und durch Errichtung eines evangelischen Zentralkirchenfonds eine gleichmäßige Besoldung der Landesgeistlichen herbeigesührt hat. Auch in der ersten Ständekammer und der Landessynode hat Prälat Habicht stets die Interessen der Kirche in würdiger Weise zu wahren verstanden. Zu den Eisenacher Koufe- renzen der deutschen unb österreichischen evang. Kirchenregimenter wurde er stets als Vertreter der hessisck^en Kirchenregierung entsandt, und dein vor einigen Jahren von genannter Konferenz hcrausgegebenen Pcrikopenbuch hat er seine Miwirtkung nicht versagt. So steht denn Prälat T. Habicht am Wend seines Lebens und kann, gebührend ausgezeichnet und hoäigeehrt. auf eine segensreiche Laufbahn zurückblickcn. Seine körperliche Rüstigkeit gestattet ihm noch manches Jahr kirchlicher Arbeit. Hierauf wird der Geschäftsbericht für 1896/97 verlesen. Der Vorsitzende richtet darauf einige Fraam an den Angeklagten Hermann Sumpf. Bors.: Welche Erfahrungen haben Sie damals mit dem Bergmann-Patent gemacht? — Angekl.: Wir erhielten aus Schlesien sehr günstige Berichte. — Bors.: Wie lange war damals die dortige Fabrik in Betrieb? Angetl.: Einige Monate. Bors.: Ist es nicht eine sehr weitgehende Behauptung, zu sagen, daß die Ergebnisse der Fabriken die darauf gerichteten Hoffnungen rechtfertigten? Angell.: Ich hielt sie nicht dafür. Bors.: Waren die Patente gegen Barzahlung verkauft? Angekl.: Ich kann mich dessen nicht genau entsinnen. Es steht ja im Bericht, id) glaube in Aktien, Bors.: Aber es steht im Bericht, daß sie gegen bar verkauft wurden. Vielleicht waren damals schon schlesische Aktien verkäuflich? Angekl.: Es fanden fick) zahlreiche Interessenten für die Bergmann-Werte. Bors.: Hatte die Treber-Gesellschaft eine bestimmte Ausbeute-Ziffer garantiert? Angett.: Ja. Bors.: Ist das im Geschäftsbericht zum Ausdruck gekommen. Angekl.: Nein. Bors.: War eine Dividende garantiert? Angekl.: Nein. Bors.: Glauben Sie, daß das Effektcnkonto von 4 Millionen ein reines Aktivum war? Angekl.: Ja. Bors.: War bad' Guthaben bei den Banken thatsächlich vorhanden? Angekl.: Ich habe das wenigstens angenommen. Bors.: War damals der Wechfelvertehr zwischen der Gesellschaft und den Mitgliedern des Aufsichtsrats schon groß? Angekl.: Nein- Nach dem ebenfalls verlesenen Geschäftsbericht für 1897/98 macht Herm- Sumpf darauf aufmertsam, daß in diesem bereits erwähnt war, daß in den Fabriken Störungen vorkamen. Bors.:' Aber Sie erwähnten doch ausdrücklich, daß damals teilweise bereits gute Resultate erzielt wurden- Auf welche Fabriken bezog fick) das- Angekl.: Jedenfalls war Bosnien schon dabei, ferner Hamburg. Schmidt hat uns wenigstens die Belege für diese Behauptung beigebracht. Bors.: Sie haben damals schon Prälat D. Wktor Kaöicht. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") Am heutigen 5. Februar vollendet der oberste Geistliche der evang. Landeskirche des Großherzogtums Hessen, der Superintendent der Superintendantur Gießen, Prälat D. Viktor Habicht, in vollster Rüstigkeit und inmitten seines hohen Aintes stehend, sein 80. Lebensjahr. Zu diesem Tage haben sich die Dekane und Dekane Stellvertreter der drei Provinzen nach Darmstadt begeben, um dem Jubilar die Glückwünsche der gesamten Gerftlich- keit des Landes darzubringen. Der Kreis ist noch vergrößert durch die vielen Freunde und Verehrer, die D. Habicht durch seine Thätigkeit in den verschiedensten Aemtern der hessischen Landeskirche gefunden hat, in deren Geschichte es nun zum ersten Male zu verzeichnen ist, daß einem Manne in solcher Stellung ein so hohes Alter und eine so lange Reihe von Jahren ausgezeichneter Thätig- keit beschieden ist. Prälat Habicht wurde geboren am 5. Februar 1822 Ku Engelthal bei Höchst a .d. Nidder im Kreise Büdingen, einem früheren Nonnenkloster des Cysterzienferordens. Er besuchte das Gymnasium der Kreisstadt und vollendete seine theologischen Studien aus der Landes Universität zu Gießen und dem theologischen Predigerseminar zu F r i e d- berg. Seine Ordination und Einführung in das kirchliche Amt fand am 27. April 1845 zu Echzell in der Wetterau statt, wo er die Pfarrstelle als Vikar versah, bis ihm durch die Präsentation des Grafen v. Solms-Laubach am 1. Januar 1852 die evangelische Pfarrstelle zu Lardenbach, im Dekanate Grünberg, definitiv übertragen wurde, die er aber bereits im Jahre 1859 mit der ersten Pfarrei Grünberg vertauschte. Wenige Jahre danach wurde er zum Dekan des Dekanats Grünberg gewählt. Er war damals der jüngste Dekan des gänzen Landes. Im Jahre 1870 sehen wir D. .Habicht als Pfarrer in Rüsselsheim am Main und and) in diesem Dekanat ist er schon nach zwei Jahren Dekan, bis er im Jahre 1875 durch die Gnade des!Landesfürsten zum Oberkonsistorialrat und Superintendenten der durch die Pensionierung des Sup. Dr. Simon erledigten Superintendentur Gießen ernannt wurde. Seit dem 1. Juli 1885, an welchem Tage Prälat D. Schmitt in den Ruhestand trat, ist D. Habicht Prälat der Landeskirche und als solche lebenslängliches Mitglied der Ersten Kammer der Stände, wie auch stündiges Mitglied der evang. üandes- synode. Damit war ihm das höchste^kirchliche Amt übertragen. Hervorragende Auszeichnungen und Beweise tiefer Verehrung sind dem Jubilare aus den verschiedensten Anlässen zu teil geworden. Die theologische Fakultät der Landesuniversität ernannte chn wegen seiner besonderen Verdienste um die Landeskirche, hauptsächlich auf dem Gebiete der Verwaltung, zu ihrem Ehrendoktor, und am 27. April 1895, dem Tage der 50. Wiederkehr seines Amtsantritts, wurde ihm dur ch den Großherzog der höchste hessische Orden, das Co mtbur kreuz erster Klasse des Verdien st or dens Pyilipps des Großmütigen, verliehen. Bon feiten der Geistlichen Oberhessens wurde ihm ein prachtvolles Album, sämtliche Photographien der ober- hessischen Pfarrer enthaltend, überreicht. Die näheren beschließt auf Wunsch der Bertcidigung S früheren Leiters Der chemischen Fabrik Glückstadt, P a r r a n, und verzichtet auf die Vernehmung des Zeugen Dr. Zeddler. Angekl. Scl)legel erklärt, daß er bis-1896 in seiner Fabrik zu Cuxhaven gewöhnt habe und nur gelegentlich und vorübergehend nad) Kassel gekommen sei. r Kasseler Hreöerprozeß. IL Kassel, 4. Febr. O ä Bezugspreis: ▼ Y i w monatlich75^.,viertel- GletzenerAnzeiaer 8 w General-Anzeiger ° Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WZ ___ ____ ________ ____________________________ zeigenteil: HanS Beck. Gießener Stadtthealer. Alexandra. Drama in 4 Aufzügen von Rich. Voß. Ein an Sensationen überreicher Theaterabend ist uns durch das Benefiz des Frl. Helene Hohenfels bereitet worden. Für die Hauptprobe ihres Könnens hatte Frl. H. „Alexandra" gewählt, eine Rolle, die s. Z. Franziska Ellmen- reich trtirte und die später von Dieta Illing aus Berlin und Adele Sandrock aus Wien über eine Reihe deutscher Bühnen getragen wurde, denen sie heute freilich ganz und gar entfremdet ist. Und zwar mit Recht. Es läßt sich durch die beste Darstellung nicht der Eindruck abwehren, daß, wie so manches andere Drama des vortrefflichen Romanschriftstellers, der in seinem neuesten Buche „Südliches Blut" (Verlag von Karl Krabbe in Stuttgart) mit ein paar recht hübschen Novellen fein Lesepublckum beschenkte, auch diese Tragödie ein gequältes und gezwungenes Gebilde ist, das einem geläuterten Kunstgeschmack schroff widerspricht. Voß folgt hier dem viel- beliebteu Zuge unserer Zeil, vom Einzelnen die Verantwortlichkeit für strafbare Handlungen, die leidensvolle Schuld hinüber zu wälzen auf soziale Verhältnisse. Er beabsichtigt einen Beitrag zur Frauenfrage zu liefern, Mitleid zu wecken für die armen unglücklichen Wesen, die, als junge Dinger mißbraucht, am Wege liegen bleiben, mit einem Teile der Schuld von Fausts Gretchen in den Kerker gelangen, ewig Ausgestoßene bleiben und dem gewaltsamen Tode verfallen sind. Voß erhebt, wie Brieux in seiner „Roten Robe" und mehr noch wie Tolstoi in seinem Roman „Auferstehung", bittere Anklagen gegen Gesellschaft und Recht. Während aber der Franzose wenigstens mit unerbittlicher Logik sein unkünstlerisches Schaustück auf- und ausgebaut hat, während der russische Dichter ein im tiefsten erschütterndes Werk von gewaltiger poetischer Kraft, eine echte Menschheitstragödie geschaffen hat, arbeitete Richard Voß, 15 Jahre vor Brieux und Tolstoi mit allen Mitteln falscher Sentimentalität, mit einer grellen, auf das entschiedenste ab^u lehnend en spitzfindigen Kasuistik. Er wirbelt mehrere Probleme durcheinander und bringt keines zur Lösung. Alles ist unecht, unwahr, die gesamten Voraussetzungen mühsam erklügelt, alle Bühnenoorgänge geschraubt unnatürlich, und durch ein unleidliches Bruchdeutsch geradezu von abstoßender Wirkung. Manche Szene mutet uns fast so an, als stamme sie aus einem Spukdrama des 18. Jahrhunderts, von Möllner ober gar von Houwcild oder Jfftand. Alles ist so schaurig und grausig und dabei trotz aller scheinbaren echten Moral und Religiosität so herzenskalt, so rein oratorisch äußerlich. Blauen Himmel, der seine Sonne auch einmal in die düstersten Ecken leuchten läßt, verschmäht hier Voß gänzlich. Das kraß tendenziöse Stück wirkt wohl auf unsere Nerven, nicht aber auf unser Gemüt. Alexandra ist die schöne Tochter umherziehender armer Gaukler. Sechzehnjährig wird sie die Geliebte des Kavaliers Erwin v. Eberti, der sie aber bald verläßt. In einem Momente der Verzweiflung und des Unbewußten ftirbt unter ihren erdrückenden Liebkosungen das Kind an ihrer Brust; sie wird des Kindesmordes angeklagt und verurteilt. Sie fitzt 7 Jahre im Zuchthause, und während dieser Zeit wird Andrea, ihr Vetteidiger, der von ihrer Schuldlosigkeit an dem Tode ihres Kindes fest überzeugt ist, em treuer, wahrer Freund, ja er bietet ihr, als sie der Freiheit zurückgegeben wird, seine Hand. Hier setzt mm der erste Akt ein, der uns vor das Problem führt, ob und wie es möglich ist, einen Menschen, der, schuldig ober nicht, eine längere Freiheitsstrafe erlitten hat, in ben Augen ber Gesellschaft wieder zu rehabilitieren, eine Frage, die Voß auf das entschiedenste verneint. Die dem Kerker entronnene Alexandra ist jetzt nur von dem Gedanken beherrscht, sich an Erwin, dem Anstifter alles ihres Unglücks, zu rächen. Sie weist Andrea zurück. Erwin, der von ihrer Schönheit immer noch berückt ist und, obwohl er sich Jahre lang nicht um sie gekümmett hat, von Liebe für sie glüht (1), führt sie in das adelstolze Haus seiner ehrwürdigen Mutter ein. Die alle Dame sucht die Schuld ihres Sohnes an Alexandra, die in diesem Hause ihre lange Kerkerstrafe verschweigt, durch herzliche Mllde und Güte zu söhnen. Und Alexandra, die dieses Haus nur betrat, um sich Erwin aufs neue zu unterjochen und am Tage nach ber Hochzett ihn burch baS triumphierende Geständnis, baß sie im Zuchthause gesessen hat, zeitlebens unglücklich zu machen, vergißt über diesem ihrem Racheplan ihr fühlendes Herz. Ihre Liebe zu Erwin erwacht aufs neue, sie wird feine Braut und alles drängt einer glücklichen Lösung zu. Voß aber hat es anders im bösen Sinn. Ein anderer, verschmähter Liebhaber von ihr, der zufällig gerade der Förster des Herrn v. Eberti ist und zufällig Alexandras ganze Vergangenheit kennt — in seinem Hause erlag sie einst den Liebesbeteuerungen Erwins — verrät aus eifersüchtiger Rache ihr Geheimnis. Darüber kommen Mutter und Sohn, die beide sonst so groß denken, nicht hinweg! Zwar wird sie in einem gerichtlichen Wiederaufnahmeverfahren unschuldig befunden und nachträglich fteigesprochen, aber der Geliebte und dessen als so durchaus rechtlich denkende Frau geschilderte Mutter verstoßen sie jetzt! Ihr bleibt nur ber freiwillige Tob übrig.... Man hätte wohl erwartet, bie beiben einsamen Schloß- oewohner, Mutter und Sohn, würben ob ber schweren Strafe, bie Alexanbra erlitten, ihr mit um so größerer Herzlichkeit unb Reue begeßnenb sie um so fester in ihre Arme schließen. Nein, Voß meint, bieses Mädchen, bas wohl bie Absicht hatte, ihr Kinb zu töten, um es vor einem entsetzlichen, kummervollen Leben zu bewahren, diesen Gedanken abet gar nicht einmal ausgeführt hat, ist, weil es im Zuchthaus gesessen, unb well es jene mörderische Absicht hatte, unbedingt, ohne jede Frage in den Augen ber Welt bem Tobe verfallen! Nun, das ist eine Banausenanschauung, um bie ich niemanden beneide. Tas Stück ist vollgepfropft von Unwahrscheinlichkeiten, und die ganze theatralische Mache ist äußerst ungeschickt. Ein ewig unmotiviertes Kommen und Gehen, langweilige, gräßlich unwahre Monologe machen das Stück zu einem bitterbösen Theaterschmarrn. Kerne einzige Person des Stückes ist aus bem Leben gegriffen, alle sinb sie konstruierte Figuren. Die Vielseittgkeit, ber Umfang ber Aufgabe, bie bie Titelrolle stellt, gestattet ttotzbem einen wetten Spielraum für bie Bethätigung künstlerischer Fertigkeiten. Frl. Hohenfels fanb an ihrem Ehrenabenb natürlich besonders reichen Beifall unb erntete eine stattliche Zahl schöner Blumen- unb Kranz- Ihre Accepte gegeben? AngeL. Ja, aber nur zur Bezahlung von Schulden. Ich möchte noch! bemerken, daß oie vorgelegte Bilanz überaus klar war, daß Schmidt sogar auf ganz neue Anschaffungen bereits Abschreibungen vornahm. Arnold Sumpf bemerkt, daß er 1897 in Italien und gemeinsam mit Schmidt und Schulze-Dellwig in Bosnien den günstigen Eindruck von der dortigen Anlage erhalten habe. Schulze-Dellwig bestätigt diese Angaben. Dors.: Finden Sie die Reservierung der Tantieme nicht bedenklich? Angekt.: Ich hegte keinen Zweifel, ich hörte die anderen Herren sich darüber unterhalten und sagte mir; die verstehen das besser. .Herrn. Sumpf: Ter Hauptgrund der Rückstellung der Tantieme war, daß noch keine Jahresabschlüsse der Tochtergesellschaften Vorlagen. Bors.: Damals lagen wohl überhaupt noch gar Leine Bilanzen vor? Herm. Sumpf: Ich glaube nicht. Angekl. Schlegel meint, unter guten Resultaten seien nicht die finanziellen Ergebnisse, sondern die Ausbeuteziffcrn verstanden worden. Bors, zu Arnold Sumpf: Wofür haben Sie damals Ihre Accepte über Mk. 600 000 gegeben? Arnold Sumpf: Ich glaube für gezogene Aktien. Bors.: .Haben Sic dafür die Aktien bekommen? Angekl.: Nein. Angekl. Schlegel beruft sich auf die Ausführungen des Direktors Liebault in Nantes über die Rentabilität des dortigen Werkes. Bors.: Sie gaben Ihre Accepte im Marz 1899. Angekl.: Nein erst im Juni. Bors.: Ist nicht kurz vor Aufstellung der Bilanz eine Aufforderung von Schmidt an Sie ergangen, Ihre Accepte herzugeben? Angell.: Das war erst 1900. Bors.: Nicht 1899? Angell.: Mir ist nichts davon bewußt. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß die Anklage nicht bezweifle, daß die Angeklagten von dritter Seite getäuscht worden sind, bezüglich der Ergebnisse auf einzelnen Werken, er bittet daher, von dem Antrag auf Verlesung des Lassar-Cohn Gutachten Abstand zu nehmen. Zu der Bemerkung in dem Geschäftsbericht für 1899 bis 1900, daß die Tochteraktien zum großen Teil veräußert seien, bemerkt Hermann Sumpf, daß die Treber- Ges. durch dieien Verkauf Baargeld zu erhalten wünschte. Von dem Geschäft mit der Caisse Commerciale in Brüssel im Jahre 1899 will Sumpf nichts wissen. Zu dem unter den Aktiven aufgefübrten Betrag von 2y2 Mill- Mark für Maschinen erklärr der Angeklagte, diese Summe betreffe bestellte und in Arbeit befindliche Treberapparate. Daß es sich hierbei um zurückgegebene Maschinen gehandelt haben soll, sei chm nicht bekannt- lieber das Beteiligungskonto von Mk- 2.98 Mlll. vermag Sumpf keine Auskunft zu geben. Angeklagter Schulze-Dellwig bemerkt, Schmidt habe sich in den Sitzungen des Aufsichtsrats niemals so eingehend geäußert wie dies jetzt in der Verhandlung geschehe. In der Nachmittaassitzung vernimmt das Gericht den Sachverständigen. Der Konkursverwalter Justizrat Dr- Frieß: Bei der Uebernahm-e der Masse zeigte sich eine große Unklarheit in den Büchern. Gewaltige Posten hießen einfach „Nachlieferungen". Wenn man die Angestellten nach der Entstehung dieser Konten fragte, hieß es regelmäßig: „Das hat Direktor Schmidt verfügt." Die Einträge geschahen einfach aus Schmidts Verfügung und lediglich aus Grund von dessen Buchungszetteln. Ebensowenig war über die hohen Summen für Lizenzen Klarheit zu schassen. Jede Abteilung glaubte, daß die andere Gewinn abwerfe. Bei der Uebernähme waren die Aktiven gleich Null. An Aktiven sind heute in ganz runden Ziffern Mk. 2 Mill, vorhanden. Die Summe kann sich vielleicht noch um Mk- Vr bis 1 Mlll. erhöhen. Die Forderungen betragen rund Mk. 168 Mill., davon sind aber bis jetzt erst Mk. 28 Mill, anerkannt, Mk. 72 Mlll. ausgesetzt und nicht weniger als Mk. 64 Mill, bestritten. Dre Forderung der Leipziger Bank bewegt sich zwischen Mk- 70 und 80 Mill. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt Dr. Frieß, daß den Tochtergesellschaften Dividenden garantiert waren, 7 pCt-, 7i/2 pCt., 10 pEt- usw. Nach seiner Ueberzeugung sei weder in Nantes noch in Glückstadt noch in Galizien mit irgendwelchem Gewinn gearbeitet worden- Auffallend hoch waren die Bestände an Aktien im Besitz der Treber-Ges. Dir Gründungen entpuppen sich in immer weiterem Umfang als reine Scheinmanöver. Bei Weißwasser z, B. schickte die Leipziger Bank das Geld, um es dem Notar bei der Gründung vorzuzeigen, und erhielt es danach sofort wieder zurück- Von Krappitz steht fest, daß drei Viertel nicht eingezahlt sind; seine persönliche Meinung gehe dahin, daß auch das letzte Viertel nur aus dem Papier steht- Das Ergebnis saft Justizrat Frieß dahin zusammen: „Ich kann nirgends finden, inwiefern stch die in den Berichten der Gesellschaft ausgewiesenen Winne begründen lassen- Ich kann nirgends einen Anhalt finden, wo sich irgend ein Gewinn ergeben haben sollte". Schmidt hat einfach Verträge auf Lieferung abgeschlossen und diese in den Büchern eskomptiert, als seien diese! Verträge bereits erfüllt- Ueber die verbuchten Nachlieferungen waren keinerlei Belege zu beschaffen- Wenn aber selbst diese Nachlieferungen bestellt gewesen wären, so wäre daraus der Treber-Ges. doch schwerlich ein Gewinn erwachsen, da es sich höchstens um Erfüllung früher gegebener Garantien handeln konnte. Wie bekannt, wurden Forderungen der Treber-Ges. an die Leipziger Bank zediert. Die Schuldner wurden von dieser Zession nicht benachri.chtigt- Auf Wunsch der Verteidigung stellt Dr. Frieß fest, daß über Schulze-Dellwig Konkurs nicht verhängt wurde, man sich vielmehr mit dessen Verwandten geeinigt habe. An Schlegel hat die Masse eine Forderung von Mk. 60 Mill- angemeldet. Vors.: §at die Treber-Ges. Galizien übernommen? Hermann Sumpf: Nein. Vors.: Aber Nantes? Hermann Sumpf: Ja, auf meine Veranlassung. Angekl. Schlegel erklärt, es seien zwar Berichte aus Nantes gekommen, aber weder er noch Schmidt hätten Französisch gekonnt. Bei der Gründung von Krappitz habe er erst gar keine Lust gehabt, wiederum Geld in Treberwerteu anzulegen. Schmidt habe aber seinen Vertrag schon aufgesetzt gehabt. Angekl. Otto weiß von seinem Anteil an der Gründung in Krappitz überhaupt nichts. Angell. Schulze-Dellwig versichert von neuem, daß er durchaus in gutem Glauben gehandelt habe. Daß auch an den Trebern nichts verdient worden sei, höre er zum ersten Mal. Auf Antrag der Verteidigung beschließt das Gericht die Vorladung der drei Herren, die s. Zt. nach Nantes gegangen waren, und den Bericht abgefaßt hatten, sowie )es Prof. Frentzen von der Aachener technischen Hoch- chule als Zeugen zum Freitag den 7. d. M. * * * Leipzig, 4. Febr. Der frühere Direktor der Leipziger Bank Exner wurde durch Beamte des Landgerichts von Leipzig nach Kassel überführt, um in der morgigen Verhandlung als Zeuge vernommen zu werden. Aus Stadt und Sand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet) Gießen, 5. Februar 1902. •* Religionsgeschichtliche Vorträge. Der letzte dieser zum Besten der deutschen Heilstätte in Davos stattfindenden Vorträge über „Das Evangelium und die Konfessionen" kann nicht, wie beabsichtigt war, nächsten Freitag, sondern erst Freitag in acht Tagen (14. Februar) gehalten werden. Die Verlegung erscheint wegen anderer Veranstaltungen an demselben Tage nötig. w. Friedberg, 4. Febr. Gestern wurde hier die Generalversammlung des Mathildenstifts Friedb erg-Butz - bach im Rathaussaale abgehalten. Der Präsident, Kreisrat Fey, eröffnete die Versammlung und gedachte der Verdienste seines Vorgängers, des verstorbenen Geh. Regierungsrats Dr. Braden, um die Entwickelung der Bezirkssparkasse. Zu seinem Andenken erhoben sich die Anwesenden. Es waren in der Versammlung sämtliche Orte des Sparkassenbezirks — mehr als fünfzig — vertreten. Zur Erwägung des Planes einer Trennung des großen Sparkassenbezirks in zwei Bezirke, einen für Friedberg, den anderen für Butzbach, wurde eine Kommission gewählt, die gemeinsam mit dem Aufsichtsrat beraten soll, in welcher Weise sich die Trennung am besten herbeiführen läßt. Nach der vorgelegten Rechnung hat sich das Gesamtoermögen um 240 976,70 Mk. vermehrt. Bei Friedberg wurden 307 644,33 Mk. und bei Butzbach 127 654,50 Mk. mehr angelegt. Der Einnahmeüberschuß beträgt bei Friedberg 137 455,73 Mk. und bei Butzbach 16 529,08 Mk. Die Schulden erhöhten sich um 291 182,26 Mk. Dem Reservefonds werden 307 479,10 Mk. zugeführt. Er ist seit dem vorigen Jahre um 23 537,41 Mk. angewachsen. Die Aktiva betragen 7 280 446,35 Mk., die Passiva beziffern sich auf 6 972 967,25 Mk. Von den lleberfchüssen werden Gewerbe-, Industrie- und Fortbildungsschulen subventioniert; außerdem erhalten eine ganze Anzahl wohllhätiger Institute in und außer dem Kreise jährliche Üntcrfiür,ungen. Im Jahre 1865 wurde aus Mitteln des Mathildenstiftes „Die Mathildcnsnflung zur Rettung verwahrloster Kinder im Kreiß' Friedberg"- gegründet, der jährlich namhafte Zuschüsse gewährt werden. Ter seitherige Direktor dieser Stiftung, Tckan Meyer, trat heute zurück. An seiner Stelle wurde Pfarrer Klecberger von hier gewählt. ? Volkartöhain, 3. Febr. Tie heute im hiesigen Gemeindewalde abgchaltenc Brenn- und Nutz Holz-Ver- fieig crung war sehr zahlreich besucht. Tas Fichtcn-Stamm- holz wurde im Tlirchschnitt mit 28 Alk. pro Feilmeter bezahlt, — einem PK.'ise, der bisher noch nicht erreicht wurde. X hcrchcnham, 4. Febr. Die hiesige Lehrerstelle, die seit dem 1. November v. I. von auswärttgen Lehrern mitversehen wurde, wurde dem Schulverwalter Schaaf aus Hörgenaü zur provisorischen Verwaltung übertragen. In dem benachbarten Sichenhausen erhielt die vakante Stelle Schul- vcrwaltcr Roth aus Langsdorf. Q Rainrod bei Schotten, 4. Febr. Ein hiesiger Bürger beschloß die Errichtung einer Wollspinnerei am hiesigen Platze. -ö- Oberau bei Altenstadt, 3. Febr. Gestern nachmittag hielt Landwirtschaftslehrer Linz von Büdingen hier einen Vortrag über die Behandlung der Wiesen. Der Referent hob hervor, daß in erster Linie auf Besserung der physikalischen Verhältnisse der Wiesen durch Entwässerung und intensivere Bearbeitung mit der Wiesenegge Bedacht zu nehmen sei; erst in zweiter Linie komme die rationelle Düngung in Betracht. Hierbei sei stickstoffhaltiger Dünger und somit auch die vielbenutzte Jauche ganz zu meiden, da diese zum Mörder des Klees, des eiweißhaltigen Futters auf den Wiesen würden. Unter den künstlichen Dungmitteln stünden Kali- und Phosphordünger in erster Linie. Namentlich solle ersterer in nicht zu geringer Menge in Anwendung kommen. Da indessen durch diese Mittel die physikalischen Verhältnisse des Bodens verschlechtert würden, so müsse außerdem noch genügend Kalk zugegeben werden. — Die gut besuchte Versammlung folgte den Ausführungen mit großem Interesse. th. Höchst a.^>. Nidder, 3. Febr. Hiesige Aebeiter fanden am verflossenen Samstag auf ihrem Heimwege von Ostheim im Windecker Walde einen wohl plötzlich erkrankten Mann namens Musch aus dem Nachbarorte.Eichen völlig erstarrt im Graben liegen. Da sie ihn nicht zu transportieren vermochten , benachrichtigten sie die Angehörigen des Verunglückten. ob. Altenstadt, 3. Febr. Der infolge der Bürgermeisterwahl in unserer sonst in schönstem Frieden lebenden Gemeinde entstandene Zwiespalt zwischen den beiden Parteien hat bereits manche bittere Frucht gezeitigt. Gestern abend ereignete sich wieder ein Fall, der ein recht böses Nachspiel haben dürfte. Auf dem Heimwege von Lindheim wurde ein Anhänger der „Schwarzen", ein Viehhändler, von einem Anhänger der „Roten", einem Küfer, dermaßen mit einem Stock traktiert, daß er sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die gerichtliche Untersuchung über die Sache ist bereits im Gange. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Februar 4. 2’5 4. 926 5. 7“ 749,3 + 0,0 749,9 — 3,7 750,0 — 6,2 3,1 3,1 2,7 78 NE. 91 NE. 95 NW. Wetter Bew. Himmel Sternh. Himm Ved. Himmel Höchste Temperatur am 3. Febr. bis 4. Febr. — Niedrigste „ „ 3. „ „ 4. „ — 3,8» C. in jeder beliebigen Schriftart und Karton^ llIllTianCn sorte, sowie mit Zirkeln aller studentische« v Vereinigungen, liefert zu mäßigen Preisen örühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulftrahe Z spenden. Zwischen den beiden einander widerstrebenden Leidenschaften, dem finsteren, starren Haß und der liebenden Hingabe, hat die Darstellerin zu vermitteln, und dieses schwierige Stück gelang Fräulein Hohenfels bis zur Wahrscheinlichkeit. Ihre ersten Szenen haben viel Herbes und Bitteres, Starkes und Energievolles, der Fortgang bringt dann viel Weichheit und Schwäche, lieber diesen Zwiespalt kam Frl. H. besser hinweg als der Autor, sie gab Uebergänge, wo der Verfasser jede Vermittelung vermiffen läßt. Sie durchlebte das ganze Stück, ihre Augen sprachen und ihre Mienen; sie war mit ihrer Seele bei der Sache. Am besten gelang chr die erste große Unterredung mit Erwins Mutter. Hier riß sie uns fort, hier pochte sie an unser Herz und brachte eS zu Wege, daß diese Szene fast wie aus einer echten Dichtung herausgeriffen schien. Frl. H. bemüht sich eifrig um unauffällige Einfachheit, ihre eigene Individualität hinter dem nachzuschaffenden Charakter jjurücftreten zu lassen. Das kostet ihr heute noch Mühe und gelingt ihr nicht immer, trotz besten Willens spielt sie, wie die meisten anderen, nicht mit diesen, sondern neben diesen; jeder giebt sich auf feine Art und so fügt sich nicht das Ganze 'au einem einheitlichen Ensemble. Sich einfügen und unterordnen dem Ganzen, das muß noch weiter ihr Bemühen bleiben. Den kleinen Zungenfehler, der ihr eigen ist, ab* zulegen, dürfte ihr bei gutem Willen auch wohl gelingen, ebenso ihren leichten Dialektanklang abzuschleifen und in ihrer Sprechen! einzelnen Endvokalen gleichmäßige Tonwerte zu geben. Es unterliegt im übrigen keiner Frage, daß Frl. H. chrer reichen Veranlagung nach dazu berufen ist, auf den 'Brettern Carriöre zu machen. Herr Schneider war gestern zu einem recht langweiligen und steifen Liebhaber verurteilt. Der junge Herr Erwin aber muß doch schließlich etwa? besessen haben, woran ftch das Feuer Alexandras entzündet. Der Rechtsanwalt Dr. Andrea des Herrn Leßmann mar auch ziemlich hilflos und unbeholfen. Daß beide Herren sich Mühe gaben, nach heften Kräften MoK zu hatten, fei anerkannt. Frl, v. Heilbronn ist heute noch keine würdige Greisin und darum nicht besonders geeignet für die Präsidentin, der sie sich trotzdem in dankenswerter Weise angenommen hatte. Herr Hertzog hatte den wie ein böser Spukgeist herurnschleichenden Waldmenschen nicht ohne Verständnis aufgefaßt. Die kleineren Rollen waren, mit Ausnahme der Hotelwirtin, angemessen besetzt. P. W. ** In unserer Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand befindet sich zur Zeit bekanntlich ein Porträt S. K. H. unseres Großherzogs, gemalt von Emst Kr et schm ar in Gera. Unser M. H.-Mit- arbeiter urteilte jüngst an dieser Stelle sehr scharf über den Wert dieses Bildes- Wie außerordentlich! verschieden die Auffassungen über künstlerische Produktionen sind, zeigt eine Besprechung des nämlichen Porträts, die im „Darmst. Tagebl." vor einiger Zeit erschien. Wir geben yier den ganzen Artikel wieder: „Ein neues Porträt Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, das am Dienstag in der Gemäldehalle der Mnstlerkolonie ausgestellt war und eine schätzenswerte Bereicherung der dortigen Gemälde-Ausstellung bildete, ist von gestern ab der Ausstellung des Kunstvereins einverleibt worden. Das Porträt, das soeben erst das Atelier des Mnstlers verlassen hat, ist von Herrn Ernst Kretschmar, Porträt- und Genremaler in Weimar-Gera, gemalt worden und zeugt von einem hervorragenden Können und gereiften, vornehmen Geschmack des Mnstlers, der aus der Weimarschen Schule hervorgegcmgen ist und gegentoärtia eine von ihm ins Leben gerufene Kunstschule in &era leitet- Er ist in weiteren Streifen durch seine in Pastell ausgeführten schönen Frauenporträts und zarten Kindervorträts aufs vorteilhafteste bekannt geworden- Dem Maler ist eine besondere Auszeichnung dadurch zu teil geworden, daß Se. Königliche Hoheit der Großherzog ihm in Wolfsgarten viermal zu dem Bilde gesessen hat- Das Oel- gemäldc zeigt Sc- Königliche Hoheit in Infanterie-Uniform mit beiH übecgeworsenen Militärmantel. Bei der Ausführung des Bildes ist das Hauptgewicht auf die rein malerische Wirkung verlegt worden und entsprechend diesem künstlerischen Prinzip der im Profil gehaltene Kopf mit besonderer Sorgfalt und Liebe behandelt worden, während die Details in gedämpftem Tone gehalten sind, ohne indessen irgend welche Vernachlässigung in der Behandlung und Ausführung erkennen zu lafsen- Der beabsichtigte künstlerische Zweck ist dadurch vollständig erreicht worden. Die harten Konturen sind auf dem Bilde durch Abdämpfung des Farbentons grundsätzlich vermieden worden. Der Fleischfarbenton ist sehr glücklich getroffen und der Gesichtsausdruck sprechend, wie sich überhaupt auf dem ganzen Bilde neben einer flotten und sicheren Technik eine natürliche und liebenswürdige Auffassung und eine echte und gediegene, von allem Gesuchten und Manierierten sich fern haltende Kunst behmbet Bemerkt sei übrigens noch, daß Seine Königliche Hoheit auf diesem Biloe zum erstenmale in einer neuen ungescheitelten Haartracht erscheint- Der Farbenton des Rahmens ist dem des Bildes angepaßt worden." Unser M. H.-Mitarbeiter hatte so ziemlich das direkte Gegenteil davon gesagt! Möge ein unbefangenes kunstverständiges Publikum nun seinerseits endgiltig urteilen. Köln, 4. Febr. Irene T r i e s ch vom Deutschen Theater in Berlin errang bei ihrem gestrigen ersten Gastspiel als Martha in Sudermanns „Heimat" einen Erfolg, wie ihn das Kölner Theater seit langem nicht mehr erlebt hat. Die Künstlerin riß das Auditorium des ausver- tauften Hauses zu einem Beifallssturm hin, der mit jedem Alte sich steigerte. Am Schluß des Stückes mußte die gefeierte Künstlerm immer und immer wieder vor den Rampen erscheinen. — Die Orientalistische Lttteratur-Zeitung schreibt: Wie von Konstantinopel gemeldet wird, wurde angeblich südlich von Membig bei Aleppo eine unterirdische Stadt entdeckt. Ein mit Skulpturen geschmücktes Thor führe zu Straßen, die von Steingebäuden eingefaßt seien; auch Brücken feien zu beobachten. u A c* r— o ö> o c E CD s — CD G 8 o g £ z G* e E ex 2 M i— & § Z e ,3 "cd N -o- Q) B o E> s 8 w = CD <$ l— '— «) 3 a • .Ü 0- c c :C A 2 3i ® ^2* *8" *C = o c o L Ui C s -O . C c ct ZrD s Z — -: c -sL ■e of> — -c . C ** c E-J? Q 1 ä- = t tiP ao '®* ~ o e» _ jd o O 55 Eev K 3 >b i-> 3 jO sS. ss-g c U> J-. c-y 7, -b — yD - ■? E*c ..«d - w g 3 _ a 5 B c — © ,5 L 2 § ß *° 5 = Cg e'hs Z -C o C - o A ES S t Q -— - s sr ^7 K 'S- cd d •■=^.0 5 £ 5$ = 3 3 . .— «2 o •S©5 = £ » .Z ■g- SSS = 3 .© =l§ „ JD -. = Q o hj. 1 ^°|^Sq>o 3 *0,3 • *-> .3 .. 3-1— tä o o — 3/J CS *— X o 3 "* “* :q N- "c~9 s ä “ L — 33 O ^ • — G 4? C 1-^3^ “• *— 5 Sw OB? - 2 er m Z c= 500- Q ^jQ« -=2-5'-S>— . ->gaz 5«O§S«g = £A « e S 32 S CT E Ü e- JO * — C " ö c ’S 7 §8 ?g^ *2 £ « s S o 3 -3 W5 V Ä g e 'E « -3r ua o S >8'Jq c .e oj -r O S äs cd !-( «$» ü E T E 3> 2 -» O -*-* Q 3O«^N-L.>bL na c £ « 3 5 • A S5— K JO 3 3 3 -~ V)L .H.srä c 3 «fr s 5? e 3 ®* o N X> M « s: en 33 *° tT »b>b 3 _o 3 oi a §2 x> Ö E oO — 3 *—, 3 L % .2 cn 3 ,, «r- — 3 Z-Z = @ §d£ CD C yg EB G# CT V c_, J2 3$ 03 3^3 - *-• o .~t~* c AS -K • ZT g g -C <-. g J0 VD E 3 CD " 3 an CD = ZE - .2 :5 60 KZ g. _ CD A-g C " ECE en ® C-* E an S.E s; an cd ^*2 & L K) !_, 73 'o 2 !3 o JO A 2 +■ CD o e'*3 s5$ S S 3 Z CD © ö A y Ä O p Jg ®» M F S8 im 5& lich versteigert: 1056 Pb 1072 wer- meist 38 Kluß- und Lcefijch 9 5 Mm<’he u. tiefloge^ tätlich frische Zufuhren. 2 13 3 8 1 2 35 1 2 43 Eichenstämme bis 14 m Länge und 63 cm Durchmesser ----- 92 fm, davon sind 55 fm Bauholz, auf welches auch Angebote im Zusammenkunft 10 Uhr vormittags am Hehwäldchen bei Ober-Weimar (Station Nieder- Weimar). von Heydwolffsche Forstverwaltung. « 2 3 **6 Ergänzen angenommen den, fm Schreinerholz, L Klasse, fm Buchenstämme, rm Küferholz. Ntzhoh-Verlaus. Samstag, 8. Febr. d. I., wird in dem vonHeydwolffschen Wald folgendes Nutzholz öffent- Holz-Versteigerung in der Jürstlichen Hbersörsterei cLich. Holz - Versteigerung. Mittwoch den 12. d. Mts. werden aus den Distrikten Breiteloh, Güntersgraben, Hainheege, Großer Seng, Kälber- stall, Neuhofsheege, Saaser Heegwald versteigert: Stämme: 19 Eichen — 7,58 cbm, 214 Fichten = 107,02 cbm (Schnitt- und Bauholz), 130 Kiefern — 61,92 obm, 1 Buche — 1,43 cbm; Derbstangeu: 66 Fichten — 5,84 cbm; sodann 65^ rm Krefern-Scheiter, 85 rm Kiefern-Knüppel, 14 rm Buchen- und 234 rm Nadel-Reisig, 53 rm Nadel-Stöcke. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr aus der Kreisstraße Beltershain—Göbelnrod, in der Nähe von Beltershain. Nur daS Holz in Distrikt Breiteloh wird bei der Versteigerung vorgezeigt. — Die Kiefern - Stämme Nr. 100 bis 339 in Brrken-Knüppelholz, Ulmen-Knüppelholz, Erlen-Knüppetholz, Nadel-Knüppelholz, Buchen-Slockholz, Eichen-Stockholz, Naöel-Swctholz, ZigdttrpaPmg. Dienstag, LL Febr. d. 3», nachmittags 1 Uhr, soll in dem Rathause dahier die der Gemeinde zustehende Jagd bestehend in ca. 2100 Normal-Morgen Feld- und ca. 300 Normal - Morgen Waldjagd öffenllich an den Meistbietenden auf 6 Jahre verpachtet werden. 940 Das Jagdgebiet ist von den Bahnstationen Hungen und Trais-Horloff in 15 Minuten zu erreichen. Gr. Bürgermeisterei Langd. Meyer. Geschäftslokal: Kaplansgasse 18 «e 6*b <€ Distrikt Breiteloh werden nicht versteigert. Gießen, den 4. Februar 1902. Großherzoglrche Oberförsterei Wieseck. Weigand. § Koneierven(Moitrier) 5; zu Original-Fabrikpreisen. Aersaudt «ach auswärts sehr orompt, da nur 4 Minute« von den Aahahösea u. ^raaptpogaaU. J. M. Schulhof Telephon 119. 314 Prompter Versandt nach ousro. en 2- ?lß Hol^verstrigerung im 6it|fntr Stabtwalb. Montag, 10. Februar, vormittags 97. Uhr beginnend, sollen im Gießener Staütwald in den Distr. Neuheege, Philosophenwald und Heeghol» versteigert werden: 1053 1 Kiefern-Stannn von 5 m Spar-und Aihkasse Keßen Die bewilligten Prämien an Dienstboten können bei unserer Kaffe an den feststehenden Zahllagen in Empfang genommen werden. Gießen, den 24. Januar 1902. 1043 Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen. Wiener. Ftchteu-Sparreuholz — 0,24 fm. Die Zusammenkunft ist am Bahnübergang im Fuchsstrauch, zwischen Goppelts und Herzbergers Bahnwärterhaus. .Dienstag den 4. Februar, vormittags 9*/i Uhr, in den Distrikten Langeberg, Erlesberg und Wehrholz, und zwar: a) im Distrikt Langeberg: Buchen: 2 rm Scheller, 1 rm Knüppel, 3 rm Stöcke, 250 Wellen; Weichholz: 1300 Wellen; Nadelholz: 10 rm Knüppel, 29 rm Stöcke, 800 Wellen. 1 Stück Cicheu-Lchuittholz — 0,55 fm; 134 Fichten-Derb- ftaugeu — 7,86 fm. b) im Distrikt Erlesberg: 90 rm Kiefern-Knüppel, 1200 Kiesern- Wellen. 237 Fichten-Derbstaugcu und -Sparreuholz — 3,50 fm; 192 Fichlcu-ReiSstaugeu — 1,71 fm. 0) im Distrikt Wehrholz: 0,7 rm Fichten-Knüppel, 8 m Fichten-Stöcke. 37 Stück Fichteu-Bauholz — 8,65 fm (10 bis 21 cm Millen- durchmesser, meistens unten etwas rotfaul). Die Zusammenkunft ist im Langeberg, im sog. Riedchen. Die Versteigerung geht um 12 Uhr im Erlesberg weiter. Das Holz aus dem Wehrholz wird im Erlesberg blind versteigert. Lich, den 2L Januar 1902. 750 Fürstliche Oberförsterei. Länge und 45 cm Durchm, (Schnittholz), rm Birken-Lcheitholz, 950 Wellen Buchen-Reisig, 2220 Wellen Eichen-Reisig, 8650 Wellen Nadel-Reisig, (teilweise Durchforstung). Die Zusammenkunft ist auf der Grünbergerstr. an der 4. Schneise. Gießen, 3. Februar 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Kleine Mojlen vorzüglicher derdbrand zu Mk. 1.20 per (Str. ranko Keller offeriert (5>0f, Kohlenhandla. (Bestellungen Bahnhofstr. 33. im Laden links). 974 Möbel-Fabriklager und Ausstattung» Schreinerei, Polsterwerkstätte, Lagerräume ■ wir Seltersweg 6, Hinterhaus empfiehlt sein 1H aller Art. Spezialität: Schlafzimmer-, Hotel- und vollständ. Wohnungs-Einrichtungen Eigene grosse Schreinerei und Polsterwerkstätte. 227 ES sollen versteigert werden: Montag den 3. Februar, vormittags 9*/t Uhr, Distrikt Fuchsslrauch: Buchen: 300 rm Scheller, 180 rm Knüppel, 254 rm Stöcke, 5700 Wellen; Eichen: 4 rm Scheiter, 100 rm Knüppel, 32 rm Stöcke, 1300 Wellen; etwas Birken- und Obstbarun°5lnüppel- holz und einige Hundert Weichholz-Wellen. 4 Stück Eichen-Schnittholz — 5,62 fm; 6 Stück Buchen- Schnittholz = 7,51 fm; 2 Eichcv-Abschnitte — 0,41 fm; 3 Stück A 19 3 MI Kalbfleisch Georg Adami Bildhauerei und Grabsteingeschäil Grünbergerstrasse 16. Infolge Aufgabe meine* Geschäft* verkaufe mein grosses Lager in 386 99? Mein befindet sich jetzt L. Kalkhof 994 3 ■ in cü CO in Zu haben in .'IpoFhekenu Drogerien. Rüster Tokayer ff 0 M Für Reinheit sämtlicher Weine wird garantiert. roh und gebrannt in vorzüglicher Qualität in allen Cognac, » ff ff » IW Preis-Listen gratis und franco. “W Bei Abnahme von mehreren Flaschen Preisermässigung. und Tabak in reicher Auswahl bei S Frankfurterstraße 9 empfiehlt Georg Adami 9 Frankfurterstratze v. 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