97r. 2S5 Erscheint täglich außer Sonnlag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wectilel mit dem kesstschen Landwirt die siebener Familien, blätter viermal in der Woche deigelegl. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'lchen Univers.-Buch- u. Stern- brudertt tPietlch Erbens Redaktion. Expedition und Druckerel: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fn-nipkechanlltiliiß-lkr 51. BBnmaKBaoaaa Zweites Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 4. Dezember 1908 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezugSpretl: monatild) 75Pi. viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Dik.2.— viertel- jährl. auZschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» tür die Tagesnummer bi- vormittag- 10 Uhr. Zeilenprei-: lokal I2Pf^ au-warl- 20 Psg. Verantwortlich für den polit. u. allgem. Tetk i.V.. Fr.Hannemann; für.Stadt u. Land* un& .Gerichtssaal*: 6utt Vlato; für den Anzeigenteil: Han- Beck. Ale heutige Plummer umfaßt 12 Selten. Ale ZollLämpfe im Arlchstag. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 3. Dezember: „Wie denkt beim eigentlich die Regierung über den Antrag Kardorsf? Ist sie nur dazu da, hinter den Kulissen mit den Mehrheitsparteien Verabredung zu treffen?" So apostrophierte heute Mg. Singer (Soz.) mit grober Stimme den am Dundesratstisch sitzenden Staatssekretär Graf Posadowsky. Letzterer erhob sich und — verließ gemessenen Schrittes den Sitzungssaal. Großer Lärm auf der äußersten Linken. Dieser Zwischenfall ereignete sich in einer Geschäftsordnungsdebatte, die wiederum an das Referat des Äbg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) über die Positionen 1 bis 22 deS Zolltarifs sich knüpfte. Man war nämlich, nachdem gestern der Minderheit die Waffen abgerungen worden sind, endlich in die Beratung des Zolltarifs eingetreten, und es sei gleich bemerkt, daß das Präsidium die Zügel sehr straff hielt, und Abschweifungen der Redner nicht zuließ. Es handelt sich bekanntlich weniger um einen Kampf um den Zolltarif, als um einen solchen um die Zeit, und Graf Schwerin besorgte die Geschäfte des „Zollkartells", indem er sein Referat kurz und bündig abstattete. Das verdroß aber die Linke, die um jeden Preis Zeit zu gewinnen trachtet, gar sehr und führte zu heftigen Ausfällen gegen den Berichterstatter — „Karikatur eines Berichts" — und gegen die Nehrheitsparteien. M>a. Dr. Barth (fr. Dg.) "beantragte die Rückverweisung der gesamten Positionen an die Kommission zur schriftlichen Berichterstattung. Es erhob sich hierüber ein erbitterter Redekampß in dem die wieder reparierte Glocke deS Präsidenten viel zu thun bekam. Mg. Tr. Paasche (nl.) fuhr der Linken scharf in die Parade, wurde aber mit einer kräftigen Entgegnung bedacht. Der Antrag Barth fiel mit 228 gegen 78 Stimmen. Unmittelbar darauf ergriff der in den Saal zurückgekehrte Graf Posadowsky das 'Dort zu folgender Erklärung: Es entspreche nicht den Gepflogenheiten der Regierung, sich in die inneren Angelegenheiten des Reichstags — Geschäftsordnungsdebatten »sw. — einzumischen. Zum Antrag Starborff werde die Regierung sich erst äußern, wenn man in die sachliche -Beratung des Antrags eingetreten sei. Sie könne für jetzt »ur wünschen, daß dies möglichst bald geschehe. An der iLustimmmig der Regieruna zum Antrag Kardorsf ist selbstverständlich nicht zu zweifeln. Bei den Positionen 23 bis 43 des Tarifs, über die Abg. töamp (Rp.) referierte, wiederholte sich das Schauspiel, mur mit dem Unterschiede, daß diesmal Mg. Stolle (Soz.) Sie Rückverweisung an die Kommission forderte. Mg. Tr. Mendt (Rp.) parierte den Streich, indem er Uebergang zur Tagesordnung beantragte. Als Geaenredner trat Mg. Webel (Soz.) in die Schranken, der bei dieser Gelegenheit «uch den Staatssekretär Graf Posadowsky scharf angriff unb seine Erklärung zum Antrag als „unpassend" bezeichnete. Tie Rüge des Präsidenten ließ nicht auf sich warten. Herr Arendt siegte über Herrn Stolle, des ersteren Antrag wurde mit 230 gegen 72 Stimmen angenommen. Die Präsenzziffer war also heute eine ziemlich hohe; man sfch Herren, die zu den seltenen Besuchern des Parlaments Ahlen. Besonders scheinen Mitglieder der Rechten die Mahnung des Mg. v. Kröcher, statt auf die Hasen- und Fasaneniagd, auf die „Obstruktionsjagd" zu gehen, be- Zerzigt zu haben. Auch das süddeutsche Element war heute zahlreich ver- ttreten, so sah man die Herren Gebrüder Haußmann (d. Wolksp.), auf denen ob ihrer frappanten Ähnlichkeit die Micke der Tribünenbesucher mit besonderem Interesse mhten. Mg. Konrad Haußmann widmete der Mehrheit eine Überraschung: er beantragte nach dem Referat des nat.- li'beralen Mg. Blankenhorn über die Position 46 (Obstzölle^ schriftliche Berichterstattung. Beteiligt sich jetzt auch die ülolksvartei an der Obstruktion? so fragte man sich. Mer ms der Begründung, welche mit wuchtiger, zur Aufmerksamkeit zwingender Stimme Mg. Haußmann gab, ging Urvor, daß hier kein Verschleppungsmanöver geplant war. Liiußmann wies auf die Bedeutung des Mostobstes für Württemberg hin; bei der Wichtigkeit dieses Gegenstandes, d'ie durch die Beschlüsse der Zollkommission keineswegs mreichend gewürdigt ist, empfehle sich ein klares Bild durch schriftlichen Bericht zu liefern. Redner beklagte die Wirrnis, bii? durch die Unmöglichkeit, in die Einzelberatung des Zolltarifs einzutreten, geschaffen sei. Man habe sich aus die Einzclberatung verlassen; nun fehle die Gelegenheit, di e Interessen der engeren Heimat zur Geltung zu bringen. ISfrig folgte der württembergische Gesandte Freiherr von Tarnbüler den Ausführungen seines Landsmannes. Daß esi dem Mg. Haußmann aber um die Sache zu thun war, rcht um ein bloßes Zeittotschlagen, ging daraus hervor, d-:ß er nach dem Appell an die Zollmebrheit den Antrag ar.f schriftliches Referat zurückzog, wodurch der Gegen- Ülitrag Bassermann (nl.) auf Uebergang zur Tagesordnung sich erledigte. Eigenartig berührt übrigens bei der Plötz- üch erwachten Schwärmerei der äußersten Linken für vMglichst „gründliche", d. h. möglichst zeitraubende Kom- imssions-Derichterstattung, daß während der Referate die mßerste Linke ein sehr bescheidenes Maß von Teilnahme bs;eigt, und ein großer Teil'der Obstruktionsmänner es varzieht, außerhalb des Saales „Kriegsrat" zu halten. Präsident Graf Ballestrem machte heute keineswegs Eindruck der „Amtsmüdigkeit" und Erschöpfung; er kcch ganz wohl aus und unterhielt sich vergnügt mit biisuchern am Präsidium, gab aber gleichzeitig auf den V.mg der Debatte Acht. Auch Staatssekretär Frhr. von Ausland. Wien, 3. Dez. Wie verlautet, hat die Pforte den Vorschlägen, die Oesterreich und Rußland in der Reformfrage gemacht haben, sich nicht akkomodiert. Die Ratschläge gipfelten darin, daß die Pforte zu den Gouverneuren in den hauptsächlich von Christen bewohnten Gouvernements nur solche Persönlichkeiten ernennen sollen, die keine onSa-sprochclle christenftindliche Gesinnung hegen. Thielmann schien einmal die Stätte der jüngsten tur- bnlanten Szenen in Augenschein nehmen zu wollen, ebenso der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld. Mer die Herren von der Regierung bekamen längere Zeit nichts Außergewöhnliches zu sehen und zu hören. Ueber mangelnde Gründlichkeit des vom Mg. Tr. Müller-Meiningen (fr. Volksp.) zu den Positionen: Kolonialwaren erstatteten Referats konnte sich die Linke nicht beklagen. In sanft dahingleitendem Tonfall gab der Herr Amtsrichter aus Bayern einen erschöpfenden, aber streng sachlichen Rückblick aus die Kommissionsverhandlungen. Mit jedem Referat, das im weiteren Verlauf der Sitzung erstattet wurde, gewann die Mehrheit an Terrain; doch die Linke ließ sich nur Schritt für Schritt zurückdrängen. Sie machte immer wieder den Versuch, die nochmalige Verweisung einzelner Positionen, z. B. den bedeutend erhöhten Quebrachozoll, an die Kommission durchzusetzen. Doch ohne Erfolg. Dagegen gelang es dem Abg. Wurm (Soz.) die Mehrheit au Überlisten. Die Herren waren auf das furiöse Läuten der Schriftführer in hellen Scharen in den Saal hereingeströmt, um den Antrag Wurm auf schriftlichen Bericht über den Quebrachozoll kurzer Hand durch Abstimmung zu beseitigen. Doch Mg. Wurm erbat sich nochmals das Wort „zu einigen Bemerkungen", und hielt eine fast ein- stündige Rede aus dem Stegreif, am Schlüsse bedauernd, daß er sich so kurz habe fassen müssen. Gn grimmiges Murren der Mehrheit war die Antwort auf diesen schneidenden Hohn. Die „Revanche vollzog Abg. Tr. Arendt iRp.), indem er für eine ganze Serie von Anträgen der Linken einfache Tagesordnung beantragte. Bei dem Zähen Widerstand der Opposition werden Sitzungen bis in die späten Mendstunden hinein wohl zur ständigen Erscheinung werden. zialitische Tagesschau. Die Aufrechterhaltung des Antrags Kardorsf. Man schreibt uns aus Berlin, 3. Dezember: Roch immer wird die Möglichkeit erörtert, durch Zurückziehung des Antrag? Kardorsf auf en dloe-Annahme des Zolltarifs die parlamentarische Krisis zu lösen. Auch die .Rat.-Ztg." tritt heute abend nochmals für diesen, zuerst von ihr gemachten Vorschlag ein. Wir vernehmen jedoch, daß eS der feste und unabänderliche Beschluß der Zollmehrheit ist, den Antrag Rarborff zur Durchführung zu bringen. Es sind, wie verlautet, Sondirungsversuche erfolgt, ob die äußerste Linke für den Fall der Zurückziehung des Antrages die Verbindlichkeit zur »ordnungsmäßigen* Erledigung der Zollvorlage übernehmen und jeder auf Obstruktion gerichteten Handlung entsagen wolle. Ein solches Arrangement ist, wie zu erraten war, rundweg zurückgewiesen worden. Die Zollopposition will sich auf keinen Kompromiß irgend welcher Att mit der Mehrheit einlasien. Daß die Regierung den Antrag Kardorsf für das geeignete Mittel halt, auf kürzestem Wege den Tarifentwurf zur Verabschiedung zu bringen, war aus der heutigen Erklärung des Staatssekretärs Grasen Posadowsky im Reichstage deutlich zu entnehmen. Denn sonst hätte Graf Posadowsky ja nicht wünschen können, daß im Interesse des Landes .möglichst bald* in die sachliche Beratung dieses Antrages eingetreten werde. — Für die zu Donnerstag Abend vorbereiteten 27 sozialdemokratischen Volksversammlungen in Berlin ist, wie man erzählt, eine verstärkte polizeiliche lieber- wachung vorgesehen. Bei dem heiklen Thema .Der Umsturz im Reichstags ist mit erregten Kundgebungen und Versammlungs-Auflösungen zu rechnen. Deutsches Deich. Berlin, 3. Dez. Aus Slawentzitz (Schlesien) wird berichtet: Ter Kaiser traf heute nachmittag von Groß- Strelitz auf dem hiesiaen Bahnhofe ein. Ter Kaiser fuhr mit dem Fürsten Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen nach dem Schloß. — Wie aus Petersburg gemeldet wird, drücken die russischen Zeitungen in wärmsten und begeisterten Worten ihre Sympathie mit der Rede des Kaisers in Görlitz aus. Tie „Deutsche St. Petersb. Ztg." bezeichnet sie als menschlich schöne Handlung und als eine wahrhaft befreiende That. — Rach dem jüngsten Krankheitsbericht verbrachte der Herzog von Sachsen-Altenburg die weniger durch Husten gestörte Nacht ziemlich gut. Das Befinden und der Appetit sind befriedigend. — Wie von gut informierter Seite verlautet, soll der Rücktritt der kommandierenden Generale des 3. und 4. Armeekorps, von Liegnitz und Herward von Bittenfeld, bevorsteheu. An ihre Stelle sollen treten der dienstthuende General-Mjutant des Kaisers und Kommandant des kaiserlichen Hofguartiers General von Plessen und der Kommandeur der 3. Division in Stettin, Generalleutnant Ritter von Hentschel von Gilbenheimb. Baden-Baden, 3. Dez. General der Infanterie z. D. Arndt, letzter Enkel Emst Moritz, Amdts, zuletzt Gouverneur von Metz, ist heute früh gestorben. Die Ernennung dieser Gouverneure sollte im Einvernehmen mit Oesterreich und Rußland erfolgen. Wien, 3. Dez. Sämtliche deutsch-böhmische Wge- ordnete, ausgenommen die alldeutschen, hielten heute nachmittag eine vierstündige Beratung über das vom Siebenerkomitee vorgelegte Verständigungselaborat, daS einhellige Zustimmung fand. — Ter ehemalige Staatsminister und Präsident des Verwalttmgsgerichtshofes Richard Graf B e l c r e d i ist in Gmunden 80 Jahre alt an einem Gehirnschlage gestorben. Der Verstorbene war ehedem Statthalter von Böhmen und wurde aus dieser Stellung im Juli 1865 zum Staatsminister und Ministerpräsidenten ernannt. 1895 trat er in Ruhestand. Er war lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. Brüssel, 3. Dez. „Petit Bleu" veröffentlicht ein Telegramm aus Rewyork, welches besagt, man versichere, der Präsident von Venezuela habe sich bereit erklärt, die Entschädigung für Deutschland und England zu regeln. Tie hierfür notwendigen Summen seien von einem Syndikate, an dessen Spitze der Bankier Seligmann steht, geliefert worden. Kopenhagen, 3. Dez. Die Kaiserin-Witwe von Rußland ist heute nach Rußland zurückgekehrt. Tie gesamte königliche Familie uni die Mitglieder der russi- schen Gesandtschaft gaben ihr das Geleite zum Bahnhof. Athen, 3. Tez. Nachdem der Präsident des Kassationshofes, Simanttra, die Kabinettsbildung abgelehnt hat, ließ der König Delyannis ersuchen, ihm eine Liste seiner Parteifreunde vorzulegen. Madrid, 3. Dez. Das Ministerium Saga st a hat seine Demission gegeben. Der König bedang sich einen Tag Bedenkzeit aus.____________________________________ Schwurgericht. W. Gießen, 3. Dezember. Gestern verhandelte das Schwurgericht bis abends 8 Uhr gegen den 29jährigen, bis ifetner Inhaftnahme noch unbestraften Weißbindermeister Wilhelm Westerburg aus Bad-Nauheim wegen Meineids. Der Thatbestand, welcher der Anklage zu Grnnde liegt, ist kurz der folgende; Ter jetzige Privatter H. Obermeyer, der zur Zeit in Hanau wohnt, hatte an den Restaurateur Kiechle aus Mannheim sein in Bad-Nauheim liegendes Gast- und Logierhaus, den ^Thüringer Hof" für 120000 Mk. verkauft und beim Der- kauf ausdrücklich versichert, daß in dem Hotel kein Ungeziefer, besonders keine Wanzen seien. Tie Nebergabe des „Thüringer Hofes" erfolgte an den Käufer am 1. Oktober 1901. Gleich nach der Uebemahme eröffnete der Weißbindermeister Westerburg der Frau Kiechle, sie solle doch die Logierzimmer nachsehen lassen, es seien Wanzen darin, er wolle dieselben vertreiben, damit sie mit den Sommergästen keinen Aerger bekomme. Er erzählye der Frau, daß er schon für den Vorbesitzer einen Teil der Logier- zimmer von Ungeziefer befreit habe, fnbem er gewisse Ingredienzien zwischen die Farbe gethan habe. Es habe an Zeit gefehlt, um in drei bis vier weiteren Zimmern die gleiche Arbeit' vorzunehmen. Frau Kiechle machte nun mit Westerburg die Runde durch vier Logierzirnmer. Westerburg stieg auf einer Leiter in die Höhe, entfernte die Ta- beten, suchte und fand Wanzen in Menge. Ebenso würden die Mansardenzimmer durchforscht und dabei daS Vorhandensein großer Mengen dieses Ungeziefers entdeckt. Westerburg erhielt den Auftrag, seines Amtes zu walten, nämlich die Wanzen zu entfernen, was er denn auch gethan hat. Noch im Jahre 1901 verklagte der frühere Besitzer des „Thüringer Hofes" Obermeyer seinen Nachfolger wegen einer Forderung für Gläser und für Wasche beim Land- geridit Gießen. Der Verklagte, Wirt Kiechle, kam im Laufe des Prozesses auch mit den von ihm nicht mit gekauften Wanzen zum Vorschein und verlangte Schadloshaltung dafür, daß wegen der Wanzenplage sein Hotel zirm „Thüringer &of" leer gestanden habe. Der Kläger Obermeyer bestritt das Vorhandensein von Wanzen wenigstens zur Zeit der Uebergabe des Hauses in Nauheim. Ter Verklagte Kiechle bezog sich außer auf andere Zeugen auch auf den Weißbindermeister Westerburg, und dieser erklärte bei seiner zeugeneidlichen Vernehmung vor der zweiten Zivilkammer des Landgerichts Gießen, daß er öfter im „Thüringer Hof" gearbeitet, aber nie Wanzen darin bemerkt habe. In diesem Frühjahr seien die Fremdenzimmer von seinen Leuten geweißt werden, er selbst habe nur in einem Mansardenzimmer Wanzen gefunden. Diese Aussage soll nach der Anklage der Angeklagte wissentlich falsch abgegeben haben. Der Angeklagte erklärte, er sei unschuldig; was er beschworen habe, sei die Wahrheit, er habe damals, als er den Eid geleistet, nicht mehr gewußt, daß er Wanzen in den Logierzimmern gefunden, er selber habe dieselben nicht geweißbindert, sondern damit seine Leute beauftragt. Oben in der Mansarde habe er Ungeziefer gefunden und dies auch unter Eid angegeben. Auch die Arbeiter, welche die Fremdenzimmer in Ordnung gebracht haben, hätten ihm nie gesagt, daß darin Wanzen gewesen seien. In der Beweisaufnahme erklärt die Eheftau Kiechle, Westerburg, der in der Wirtschaft verkehrte, habe sie zu» erst auf das Vorhandensein van Wanzen int Hause auf- merksam gemacht. Auf ihre Veranlassung hat dieser im ersten und zweiten Stock nach kurzem Nachsehen, wobei er bte Tapete von der Wand abloste, Wanzen gefunden, et batte davon eure Anzahl auf der Hand und wies dieselbe« jo der Zeugin und deren Ehemann in Gegenwart de- Hausdieners, der die Leiter ins Zimmer gebracht hatte, vor. ~ie 3£lrrrr' erklärt ans Befragen des Vorsitzenden, ob sie benn Waue en .u'ch Cer. ne und ob sie solche auch wirklich ge,ehen habe, sie hätte damals schon Wanzen gekannt imb habe die vom Ang.klagten vf/nc Mühe von den Wände» angenommenen Tiere gesehen. Westerburg hat dieserZ eugin auch nritgeteilt, daß Obermeyer die Zimmer erst hab« machen lassen, weil er das Hotel habe verkaufen wollen, er habe ein Wanzenvertilgungsmittel in die Farbe gethan und damit daS Ungeziefer entfernt. In vier Zimmern hat nach Angabe der Zeugin der Angeklagte Wanzen konstatiert, und diese Fremdenzimmer seien darauf von demselben g«. reinigt worden. Westerburg habe dann die fünf Räume der Mansarde auf Wanzen untersucht und auch überall «solche gefunden. Frau Kiechle erklärt, daß infolge der Wanzenplage in dem Jahre die Gäste ausgezogen seien, wodurch sie großen Schaden gehabt hätte. Frau Kiechle versichert, der Angeklagte sei aus freien Stücken an sie herangetreten und hätte sie auf das Vorhandensein der Wanzen aufmerksam gemacht. Der Angeklagte verwahrt sich dagegen, daß er sich zum Wanzenverttlgen angeboten hätte. Frau hechle habe ihm erzählt, daß sich das Dienst- personal, welches in der Mansarde geschlafen, wegen Wanzen beklagt habe, und da habe er gesagt, man könne ja mal nachschauen, baß er aber die Fremdenzimmer untersuchit hatte, erinnere er sich nicht. Ter Hausdiener Stelling vom ,,Thüringer Host' bekundet, daß er seinerzeit die Stellleiter in das Fremdenzimmer getragen habe, die der Angeklagte benutzt habe, um nach Wanzen zu suchen: er habe gesehen, wie dieser auf der Hand der Frau Kiechle etwas gezeigt hat, und dabei äußerte: „Sehen Sie, das sind Wanzen. Hier sitzt alles voll von Wanzen." Tie Wirtin habe ihn, den Hausdiener, dann aus dem Zimmer geschickt. Ter Zeuge erklärt auf Befragen des Vorsitzenden weiter, er habe vor Wanzenstichen nicht schlafen können, so arg sei es damit gewesen. Er wisse genau, daß die Fremdenzimmer im ersten und zweiten Stock des Hause? ebenfalls verwanzt gewesen seien. Tie Gehilfen des Angeklagten hätten seines Wissens die Zimmer 7, 8 und 9 geweißbindert und die Tapeten repariert. Eine Reihe von Zimmermädchen und Köchinnen schildert die Wan^enplage im Hotel, darunter auch und zwar recht drastisch die Köchin Julie ©eiden- stücker. „Tie Mansarden waren die reinen Wanzennester.", meint diese Zeugin, die bei der Untersuchung zugegen war. Tie Fremdenzimmer sind nach der Darstellung der Zeugin so voll von Ungeziefer gewesen, daß. als Kiechle das Haus übernahm, man bis heute die größte Arbeit hatte, der Plage Herr zu werden. Ter als Zeuge vernommene Weiß- btnderweister Stamm von Bad Nauheim bekundet, daß er im „Thüringer Host' das Hinterhaus geweißbindert hat und in dessen Raumen Wanzen zu vertilgen hatte. Zu derselben Zeit hat mich der Angeklagte im Vorderhaus gearbeitet, und dieser hat ihm gelegentlich einmal mitgeteilt, daß auch dort Ungeziefer sei; ob er damit gesagt haben will, daß auch Wanzen in den Fremdenzimmern gewesen seien, kann der Zeuge nicht sagen, hat aber die Rede von Söcjlerfnirg so aufgefaßt, als wenn dies der Fall gewesen sei. Ter Zeuge Hugo Obermeyer von Hanau hat den „Thür. Host' von seiner Schwiegermutter vor ca. 31/2 Jahren übernommen und 21/2 Jahre lang bewirtschaftet. Es sei, während er Inhaber gewesen, nie von seinen Gästen über eine Belästigung durch Wanzen geklagt worden. In dem Hinterhause, wo er im Sommer mit seiner Familie gewohnt hat, waren allerdings Wanzen vorhanden. Ebenso in der Mansarde, wo das Personal des Hauses geschlafen habe, seien wohl Manzen gewesen. Ties sei aber in Nauheim nicht anders, wo diese Plage durch den häufigen Wechsel der Leute eingeschleppt werde. Ter Zeuge bestreitet, dem neuen Käufer oder dessen Ehefrau gegenüber versichert zu haben, daß im Hanse keine Wanzen seien. Bei der Heber- nähme habe man schon kleine Blutflecken an der Wand für Spuren von Wanzen gehalten imb ihm dieselben gezeigt, er habe aber erklärt, wie dies auch der Fall gewesen sei, daß diese Flecke von Schnaken herrühren. Unwahr sei auch, wenn der Angeklagte behauptet habe, er habe in seinem Auftrage die Fremdenzimmer geweißt, um die Wanzen darin zu verttlgen. Die von der Verteidigung geladenen Leumundszeugen sagten im allgemeinen günstig für den Angeklagten aus. Tie Ehefrau Kiechle versichert auf die Frage des Vorsitzenden noch einmal, daß Obermeyer, als er in Worms war, ihr und ihrem Manne gegenüber ausdrücklich die Zusicherung gegeben habe, daß der „Thüringer Host' rein sei von Ung^iefer imb Wanzen. Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Ten Gesck>worenen wirb die Frage wegen Meineids vorgelegt. Auf Antrag des Rechtsanwalts Kak die weitere Frage, ob eventuell der geleistete Eid fahrlässig falsch abgegeben sei. Staatsanwalt Reuß erklärt als Einleitung zu seiner ein- stündigen Rede, es sei wohl niemals eine Meineidssache einfacher und beweiskräftiger den (^Geschworenen unterbreitet worden, als der heutige Fall. Eine ganze Reihe von einwandfreien Zeugen belasten den Angeklagten, daß er wissentlich falsch unter Eid ausgesagt habe. Obermeyer hat zweifellos in doloser. arglistiger Weise den Käufern des „Thüringer Hofes" verschwiegen, daß derselbe verwanzt war. ihm lag daran, das Hotel gut zu verkaufen. Herr Reuß erläutert den Geschworenen, was der Angeklagte beschworen und was die Beweisaufnahme dargethan habe. Es sei vom Angeklagten, der ein kluger und intelligenter Mensch sei, dumm und albern, zu enlärcn, er w'sse nicht mehr, daß er in den Fremdenzimmern, in sämtlichen fünf Man- sardeurciumen bei seiner Untersuchung Wanzen gefunden und vorgezeigt habe. Welches Motiv den Angeklagten zur Begehung des Verbrechens geleitet, das sei allerdings nicht erwiesen, auch schwer zu sagen; eS sei möglich, daß Obermeyer ihn dazu angestiftet habe, aber darauf komme es gar nicht an gegenüber der offensichtlichen Gewißheit daß der geschworene Eid des Angeklagten wissentlich falsch geleistet sei; er bitte daher die Geschworenen, die gestellte Schuldfrage wegen Meineids zu bejahen. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Katz, plaidierte auf Bejahung der gestellten ©dpulbfragc wegen fahrlässigen F-alsch- eides. Ter Angeklagte behauptet, er habe die Vorgänge, die als Belastung gegen ihn in der Verhandlung vorgeführt seien, vergessen, er habe sie nicht mehr im Gedächtnis ge- habt, als er den Eid schwur, um den eS sich handele. ES sei möglich, daß es so sei, das Gegenteil dieser Behauptung seine? Klienten sei nicht erwiesen. Ein Weißbinder in Bad Nauheim habe häufig Wanzen zu entfernen, dies komme da, wo ein starker Fremdenznstrvm herrsche, häufig vor, und es sei nicht verwunderlich, wenn der Angeklagte den einzelnen Fall, wo dies geschehen, nicht behalten habe. Tas Wissentliche des falschen Eides müsse von der Anklage erwiesen werden, ehe man jemand deshalb verurteilen "dürfe. Ter Verteidiger überläßt es den Geschworenen, hier ui entscheiden, weist aber noch darauf hin. daß im Zweifelsfalle der Wahrspruch zu Gunsten des Angeklagten lauten müsse. Nach erfolgter ReLtsbelehrung durch den Vorsitzenden Und nach beinahe 40 Minuten währender Beratung ver- kündet der Obmann, Landwirt Möbs von Gettenau, den Wahrspruch der Geschworenen, der auf wissentlichen Meineid lautet. Ter Staatsanwalt beantragt 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre und dauernde Eidesunfähigkeit. Ter Verteidiger überläßt die Ausmessung der ©träfe dem Gericht. Tas Urteil lautet unter Einbeziehung der vom Schöffengericht Bad Nauheim erkannten vier Wochen Gefängnis auf3Jahreund 10 Tage Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und dauernde Eidesunfähigkeit; zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft kommen auf die erkannte Strafe als verbüßt in Abzug. Tie Höhe der ©träfe wurde damit begründet, daß die That des Angeklagten im höchsten Grade gemeingefährlich sei. Hierzu komme, daß der Schaden, der durch das Thun von Westerburg hätte entstehen können, ein sehr erheblicher gewesen wäre, wenn nicht zufällig noch andere Zeugen vorhanden gewesen wären. Andererseits habe das Gericht erwogen, oaß Westerburg noch unbestraft sei, denn dessen Verurteilung in Bad Nauheim komme als Vorstrafe nicht in Dettacht, darum sei unter das beantragte Strafmaß erkannt worden. Aus Stabt und fand. Gießen, den 4. Dezember 1902. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben Allergnädigst geruht, nm 3. Dezember die Notare Geheimen Justizrat Dr. Karl Braden in Mainz, Geheimen Justizrat Hermann Jöckel in Friedberg und Otto Hall- wachs in Darmstadt zu Mitgliedern, die Notare Justizrat Ferdinand Gallus in Darmstadt, Dr. Julius Neen in Wörrstadt und Ernst Metz in Nidda zu stellvertretenden Mitgliedern des DiSziplinarhofs für Notare, die Notare Justizrat Dr Karl Schuler und Justizrat Ernst Schmeel in Darmstadt zu Mitgliedern, die Notare Dr. Karl Kleinschmidt in Darmstadt und Otto von Brentano di Tremezzo in Offenbach zu stellvertretenden Mitgliedern der Disziplinarkammer für die Notare der Provinz Starkenburg, die Notare Justizrat August Metz und Hermann Katz in Gießen zu Mitgliedern, die Notare Atthur Stahl in Bad-Nauheim und Ludwig Röm Held in Gießen zu stellvertretenden Mitgliedern der Disziplinarkammer für die Notare der Provinz Oberhessen, die Notare Justizrat Heinrich Köhler in Osthofen und Justizrat Karl Wolf in Mainz zu Mitgliedern, die Notare Justizrat Peter Hubert in Oppenheim und Otto Schwarz in WonnS zu stellvettreten- den Mitgliedern der Disziplinarkammer für die Notare der Provinz Rheinhessen — sämtlich für die Zeit vom 1. Januar 1903 bis Ende Dezember 1905, zu ernennen. ** Audienzen. S. K. H der Groß her zog empfingen am 3. Dezember den Oberstleutnant Frhrn. von Normann, Kommandeur des Gendarmerie-Distrikts Ober» Hessen, den Rektor der Landesuniversität Gießen Professor Dr. Krüger, den Professor Dr. Vossius von Gießen, den Professor Dr. Drude und den Professor Dr. Fromme von Gießen. Die Eulenspiegeleien des Wetters scheinen fortan bau cm. Nachdem vorgestern abend noch eine milde, feuchte Luft geweht hatte, wurde es gestern oomüttag plötzlich wieder kälter, nachmittags >/.,3 Uhr zeigte die Queckfilber- fäu(e deS Thermometers schon — 6° ('., abends — 8° C., um dann in der Nacht noch tiefer zu sinken. Heute morgen herrschte noch eine Kälte von — 9® C. (Vgl. unsere meteorologische Beobachtungen.) -AuS dem Bureau des Sta d 1t he a t e r S. Es sei hiermit nochmals auf das am Freitag stattfindende Gast- spiel des Herrn Richard Kirch vorn Frankfurter Schauspielbause hingewiesen. Dasselbe findet im Abonnement bei erhöhten Eintrittspreisen statt. Der Künstler spielt den „Uriel Ae 0 sta*. Ferdinand Pfohl, der scharfe Kritiker der „Hamburger Nachrichten^, nennt seinen ,Uriel Acosta" eine Gestalt, der daS Wort SalomoS, daß Wissen Schmerz bereitet, auf die Stirne geschrieben sei, und nennt seine Darstellung ein „Balancement von Intelligenz und Schönheitsgefühl". - D ie Ferber'sche Universitäts-Buchhandlung (C. Koch), Seltersweg 87, übersendet uns ihren diesjährigen elegant auSgestatteten Weihnachts-Katalog. Das vornehme Werk ist mit größter Sorgfalt zusammengestellt und bringt besonders alle Neuerscheinungen aus sämtlichen (Schieten der Litleratur zur Kenntnis des Publikums. Wer ein gutes Geschenk zu kaufen beabsichtigt, wird auS der Fülle der aufgefühtten Erscheinungen leicht eine passende Gabe zu finden wissen, mag diese für Kinder, für die reifere Jugend oder für Erwachsene bestimmt fein. Wie wir hören, gelangt die g roße Auflage des Katalogs in den nächsten Tagen zur Verbreitung an den Kundenkreis der genannten Firma. ” Eis ver ein. Der Eisoeroin hat heute um 1 Uhr die Eisbahn wieder eröffnet. ** Von der Kanalisation. Infolge der strengen Kälte sind die Arbeiten der Kanalisation 3um größten Teil eingestellt worden. — Beiträge für daS Bennigsen-Denkmal. Bis zum 22. November ds. IS. sind auS Oberhessen die nachstehenden Beiträge für das Bennigsen-Denkmal eingegangen, be;w. gezeichnet worden: Dr. Fuhr, Amtsrichter, Gießen, 10 Mk., Heyligenstaedt, Kommerzienrat. Gießen, 20 Mk., Jean Kirch, ©tabtocrorbneter, Gießen, 20 Mk. Im Ganzen sind in der Provinz Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen und Thüringen 3305 Mk. gezeichnet worden. — Alldeutscher Verband (Ortsgruppe Gießen) Kommenden Freitag, den 5. Dezember, Anfang 8 X[1 Uhr abends, hält bet Verband im Eafce Ebel eine Versammlung ab, in der Oberlehrer A11end 0rf über „Was ist alldeutsch? Der alldeutsche Gedanke und die alldeutschen ßielc' sprechen wirb. 1. MeicheS, 3. Dez. Der 17 jährige einzige Sohn des Landwirts L. hat sich in der elterlichen Hofraite erhängt. DaS Motto zur That ist unbekannt. Darmstadt, 3. Dez. Staatsminister Rothe hat an die Zweite Kammer die Mitteilung gelangen lassen, daß S. K. H. der Groß Herzog ihn zur Entgegennahme der auf schriftlichem Wege eingehenden ständischen Adresse ermächtigt habe. Mainz, 3. Dez. Gestern abend hat sich in unserem Nachbarotte Bretzenheim ein bedauerlicher Unglücksfall zu- getragen. DaS Kind eines bärtigen Tünchers, im Alter von 12 Jahren, hatte hier in Mainz beim Kohlensuchen an einem Kohlenlager eine Dynamit-Patrone gefunden. Durch trgenb eine Ursache expl0dierte die Pattone aus dem Heimweg, wodurch dem Kmd die eine Hand abgerissen und die beiden Augen derart verletzt wurden, daß eS er. blindete. In der Straße, in welcher die Patrone erplobicrte sind eine Anzahl Fensterscheiben zertrümmert worden. Tu' Staatsanwaltschaft hat Untersuchung eingeleitet. " Ehlhalten, 3. Dez. Unsere Einwohnerschaft wurde in später Nachtstunde deS gestrigen TageS in nicht geringe Aufregung versetzt. Der 17 jährige Fabrikarbeiter ErnstBach aus Niedernhausen unterhielt mit der gleichaltrigen Fabrikarbeiterin Christine KauS von hier ein LubeSver- hältnis. Es scheint, daß daS Mädchen in letzter Zeit daß Verhältnis brechen wollte. Gestern abend fuhr Bach mit der Kaus von Höchst nach Niedernhausen; sie gingen von da über Niederjosbach nach Ehlhalten, wo sie nachts zwischen 11 und 12 Uhr ankamen. Nach kurzem Streit auf der OttSstraße verwundete Bach die KauS durch einen Revolver schuß. Die Kugel drang dem Mädchen in die Brust, die Verwun- bete brach bewußtlos zusammen und war bis heute noch nicht vernehmungsfähig. Bach lief nach der That in einen nahen Wiesengrund und tötete sich durch einen Schuß. Die Kugel drang ins Herz und führte den augenblicklichen Tod herbei. Vermilchtes. • Großfeuer in Bochum. AuS Bochum, 3. Dez^ wird berichtet: Heute Nacht brach in einer hiesigen Kondi. torei Grobfeuer auS, durch welches das Gebäude bis auf den Grund niederbrannte. Eine Anzahl von im Hause wohnenden Personen sind dabei ums Leben gekommen. Wie der „BochumerAnzeigcr* meldet, wurden bis jetzt aug den Trümmern acht Leichen hervorgezogen. Fünf Personen werden noch vermißt. Wie die „Wests. Volksztg.« meldet, ist das Großfeuer in der Konditorei von Kösters nachts 12 Uhr entstanden. Das Feuer, welches in der Backstube zum Ausbruch kam, verbreitete sich mit großer Schnelligkeit übet daS ganze Haus. Da die Treppen einstürzten, war eS den Hausbewohnern, welche im tiefsten Schlafe lagen, unmöglich, daS Haus zu verlassen. Ein Diensttnädchen, welches auS dem Fenster auf die Straße sprang, blieb mit zerschmetterten Gliedern auf der Straße liegen. Ferner stürzte ein 13|5är. Mädchen, welches sich am Fensterrahmen angeklammert dal:,, bevor man e§ retten konnte, auf die Straße hinab unf erlitt schwere Verletzungen. Die Feuerwehr konnte nur mit gtofon Mühe sich in da? brennende Haus Eingang verschaffen. Noch in der Nacht wurden drei Tote geborgen, während dm Schwerverletzte und ein Leichtverletzter nach dem Krankenhaus gebracht wurden. Bis heute Vormittag 10 Uhr waren im (Sanken neun Tote geborgen , man befürchtet jedoch, daß noch weitere Tote sich unter den Trümmern befinden. Da die Aufräumungsarbeiten mit großen Schwierigkeiten verbunden sind, muß die Feuerwehr sehr vorsichtig zu Wecke gehen. Der Brand wurde am Vormittage gelöscht. ' Die Erbschaft des Dienstmädchens. Aus Mailand wird gemeldet: In Tortona starb Don Mgoüino Borasi, Advokat der bischöstichen Kurie. Unioerfaktbin seines bedeutenden Vermögens, das auf mehr als 200 000 Lin geschätzt wird, ist fein Dienstmädchen, dessen 11 jährige» Sohn Borafi schon vor mehreren Jahren als „Neffen* aba>- tiert hatte. -Neueste Wel-nnuen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Berlin, 4. Tez. Aus Riga wird gemeldet, daß bei einer Erplosion von Aethergasen rn der chemischen Fabrik von Miclentz zwei Personen getötet und drei schwer verletzt wurden. Berlin, 4. Tez. Nach einer Pariser Meldung des „Lok.-Anz." hält die Pariser Polizei die weitere Verfolgung der Familie Humbert für aussichtslos. Tu? ffffaire gelange wahrscheinlich schon im Januar zur Fällung des Kontumats-Urteils vor 0)erich1. London, 4. Tez. Tie englische Regierung hat samt- liche deutschen Hafen-Behorden telegraphisch erfnrft. forschung nach dem Verbleib einer aus Südafrika kämmenden Goldsendung im Werte von 3 250 000 anzustellen, welche angeblich in den letzten 14 Tagen fn (hir^a eintraf, und an den Erpräsidenten Krüger oder an Tt. Leyds adressiert gewesen sein soll. Man glaubt, daß diese Sendung im Norden von Transvaal vergraben gewesen und nun an Krüger gesandt worden ist. Swansea (Dales), 4. Tez. Tie englische „Brayegmar" nach der Delagoa-Bett unterwegs, wurde wegen heftigen Sturmes gezwungen, in die Bai von Ws- eaya einzulaufen. An Bord des Dampfers befanden sich ünf spanische Matrosen, die unterwegs auf genommen wer- )cn waren. Das Schiff derselben war mit 25 Mann Be- ätzung untergegangen. Fünf andere Männer retteten suv in eine Barke, aber man glaubt, daß auch diese umgt» kommen sind. Paris, 4. Dez. DaS in der Avenue de la Grande Armee gelegene Grundstücr der Familie Humbert gelangt am 17. Dezember zur Versteigerung. Tie Humbertsre Besitzung in Toulon ist für den Preis von 705500 FraneS verkauft worden. Der Name deS Käufers ist bisher nvrt bekannt. Prag, 4 Dez. Anläßlich deS Einzuges deS Erzherzog- Franz Karl kam eS in der Nähe deS deutschen ^h^attrs aus unbekannter Ursache zu einer Panik unter der dicht gedrängten Menge. Viele Personen, darunter mehrere Kruder wurden zu Boden geworfen und zahlreiche von der übet sie hinwegstürmenden Volksmenge teils schwer verletzt. Telephonischer Kursbericht« Frnnl« fort e. ”•. 4 Dexember 1902. S’/t’/o Reicheanleihe . *"/. do. . . 3v„®/e Konsole . . . 3«/. do. .... t1'«0/. H»8sen . . . 3 % Ob^rhesn-tl . , O^terr. O»'4r»r*e V , -6 0-8»err. fH’bwente 4H Unrar. O old reute » 4°' Italien Rente . . 4’,X Portogie* n . . 6/ Portn^iea-n. . . . 1 % C. Türken . . . Türkenloee..... 4®/o Oriech. Monope’ - Anl. 4‘/,X loeeere Argentiner . 102.00 I fr'/n Mexikaner . . . 91.35 47 Chinesen , . . 101.85 1 El-etrie. Rc> nckert . . . 91 35 I Nordd Lloyd . . . . 100.00 j Kreditektien . . . . 99 80 ! Diekonto-Kommandit . . 102.90 Dannetldb r Bank . . 101.40 Dresdener Bank . . . . 101.45 Rer iner Hande’eeree. . 103.30 Oeaterr StaaUbahn . . . 49.80 , Lombarden . , . . 81.10 ! Octthar bahn .... •--Laura Otte . » . • • 12160 Roehom 44.10 Harpen er .... —.— | Tendenz: etilL . 2410 . 90« . 80.00 . 94.50 . 211 10 189 30 . 136 70 . 143.00 . 15610 . 147 20 1700 17970 202.50 . 16840 167.40 ÜSn eleitet, n m 5 IN nirfü ^48 k sL M, bi,>i »taft** ,n >, . ^Ni hql ”^"i. $»t,.. r,b te. •V. >0 ' >.b° • ff?*** 1MIL »ctzener AhM rb gemelbt1. der chemisäas^ nb drei Pariser MekB i die weiten >•■' zsichMTv^ uar zur K ' ! «egtet« raphis^A^ aus W;; 1 32.5000- n 14 W ; v„ «an al W> - !N ist. ,1 ■<:' Die . «■*!>' aiitpfv ’ßt ? Jttii« e uff! WB « w k, la *v^t vt lw W” p» sK <Ü* ' . • ' 4'4 rtB . -' J ' nei«” . . . . Jy »d • ■. ■ A> <•*: -L - to;k; ■ ■& „%'f : Jf; >•': L 5 ^ochuin, 3A ?*>« von im p.' n§ -eben gd^ "urben bi§ '?enm Nti, is. Volksztg.' on Kösters nch;' 'n der Nilibtp 6er Cchnelliglnljr Ärzten, mar °ie lagen, unti- hen, welches m ' mit zerschm^ ?r stürzte ein H ti angellammert trage hinab uns konnte nur mit. lang verschaffen! argen, rofyrmt i nach bm firon.'r1: g 10 Ubr man bestich,' ,M l Tnimmm iiW m Schmuck K> : do#: u tot tage M »st mähens. flott ton V llnioeriainbinike ir als 200000 : hfffen lljoty als r9?effen* 0 Britz Greger» § Sohn, eH 8431 Flockstrasse 14. Giessen Mviehmärkte in $nrinjWt 7982 8428 Morneweq. Assdcutscher 'Deröand 8438 empfiehlt 8420 Gegründet 1826. Telephon 262. 8435 8430 B wird auf § 23 der Statuten aufmerksam gemacht. s I. A.: W‘lh. B*V*pt. J. HIRZ vis-ä-vis der Plolkstraße. MERKUn Kaplansgasie 26. 05395 8157 8411 zu bekannt billigsten Preisen. Süssen Rahm Schlagrahm. (Mf Gikftiin LchnklldchhIMM Sarg-Lager t- 8 8 2 Seltersweg 22 laritrtt imb 'hmrfoi 17. Febrnar, 17., 31. März, ä 10 Pfg. für 2 Teller nahrhafter Suppe. 8376 L Kalkhof Nachf., H. 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