Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 4.November1SVS Nr. 359 Srlchetut täglich außer Sonntags. Dem Greßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. RolaNonSdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckoret (Pietsch Erben) Redaktion. Expedttioa und Druckerei: Schul ft ratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprrchanlchluß Nr. 61. JRVMT A 'waT* ä VezngdpreiSr MM iy monalllch76Pt.,viertel« GretzenerAnzelgerW W General-Anzeiger " SS ▲V 1 < _ _ für den polit. u. all gern. Amts- und Anzetgeblatt für den Kreis Gießen ME-Z ___________________.__ " zetgenteil: Han« Beck. Bekanntmachung. Detr.: Schafräude. In ReinhardShain ist die Schafräude ausgebrochen. ES ist Gemarkungssperre angeordnet. Gießen, den 8. November 1902. Grobherzogliches streidamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Auf Grund des § 42 der Verordnung vom 13. Januar 1900, die Anlegung des Grundbuchs und die Ausführung der Grundbuchordnung betreffend, hat das Großh. Ministerium der Justiz bestimmt, daß das Grundbuch und Berggrundbuch für die Gemarkung Albach vom 1. Dezember 1902 an als angelegt anzusehen ist. Die Vorschriften darüber, waS seitens der Beteiligten noch bis zu dem gegebenen Zeitpunkte zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Großh. Ortsgerichtsoorstehers zu Albach und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden. Von der Anlegung des Grundbuchs sind folgende Grundstücke atiSgeschloffen: Fl. I Nr. 893, Fl. I Nr. 894, Fl. I Nr. 896, Fl. VI Nr. 163, Fl. Vlll Nr. 308, Fl. VIII Nr. 309, Fl. X Nr. 197, Flur XI Nr. 107. Gießen, den 31. Oktober 1902. Großh. Amtsgericht. IrauenKimmrecht. In der neuzeitlichen Frauenbewegung spielt das Verlangen nach Zuerkennung des Stimmrechts an die Frauen eine große Rolle. Alljährlich hat man Gelegenheit, auf den Kongressen, die nicht nur der Deutsche Verein für Frauenstimmrecht, sondern auch andere Frauenvereinigungen abbalten, lang und breit Die Gründe zu vernehmen, welche für Diese Forderung ins Feld geführt werden, bisher aber ist die Aussicht, die g-rauen solchergestalt auch in das politische und kommunale Leben eintreten zu sehen, nachdem sie sich im wissenschaftlichen wie im Rechtsleben bereits Geltung verschafft haben, nur gering. Die Bedenken, die gegen die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen geltend gemacht werden, sind gar mannigfacher Natur, sind auch dem aufmerksamen Beobachter des öffentlichen Lebens nicht unbekannt, ihnen gegenüber dürfte es nicht uninteressant sein, zu hören, wie sich die Frankfurter Halbmonatsschrift „Das freie 23ort" der Forderung entgegenstellt. „Wenn fortschrittlich gesinnte Männer aller Parteirichtungen", so schreibt der Verfasser il a, trotz schlechter Erfahrungen zäh am allgemeinen Wahlrechte fest halten, dann geschieht es in der Erwägung, daß es von allen Uebeln doch das kleinste ist und weil jeder Fortschritt in der Kultur des Volkes einen Teil dazu beiträgt, seine Schattenseiten mehr und mehr verschwinden zu machen. Die Schattenseiten des allgemeinen Wahlrechts, wie wir es in Deutschland für die Wahlen zum Reichstage besitzen, würden aber bedrohlich zur Geltung kommen, wenn das Frauen st immrecht bei dem heutigen Kultur- stande des deutschen Volkes eingeführt würde. Tenn wenn schon weite Kreise unter den Männern nichts als Werkzeuge in der Hand zielbewußter Reaktionäre sind, darf man ohne Uebertreibung sagen, daß die Mehrzahl der Frauen, wie sie heute sind, lediglich ihre Stimme im Dienste aller reaktionären Bestrebungen abgeben würden, weil sie infolge jahrhundertelanger Unterdrückung, schlechter Bildung und künstlich geförderter Verdummung gar nicht in der Lage sind, sich zu freien Persönlichkeiten zu entwickeln. Um es kurz zu sagen: Die Einführung des Frauenstimmrechts würde nichts mehr und nichts weniger bedeuten als einen durch nichts wieder gut zu machenden Rückgang Deutschlands auf allen Gebieten des staatlichen Lebens, weil die reaktionären Mächte, vor allem die kirchlichen, ihre festeste Stütze in den Frauen besitzen. Die Macht der Zentrumspartei und der evangelischen Orthodoxie würde sofort ins Ungemessene steigen, wenn die im Beichtstühle und von der Kanzel aus beeinflußte Frau an die Urne träte, um mit zu stimmen. Tas haben die reaktionären Parteien sehr wohl erkannt. Ein Beweis dafür bietet Belgien, wo die Klerikalen erklärt haben, daß sie gegen die Einführung des Frauenstimmrechts durchaus nichts ein- zuwenden hätten, während die sozialdemokratische Partei, m deren Programm die Einführung des Frauenstimmrechts ausgenommen ist, ohne Scheu erklärt hat, daß man Pro- grammpunkte so lange zurückstellen müsse, bis die richtige Zeit zur Ausführung gekommen sei. Wenn diejenigen, die in der deutschen Bewegung zur Einführung des Frauenstimmrechts stehen, ihre Aufgabe ernst nehmen, dann müssen sie mit aller Macht dafür wirken, daß die deutsche Frau zu einer Persönlich- Eeit erzv gen werde, dag sie aufhöre, einfach dem Geistlichen oder sonst einem sie beeinflusjenden Manne zu folgen. Die Frau muß erst gelernt haben, selb st zu denken, sie muß sich zu ie neue Nuiversttäts-MöliolyeL. Es geht uns folgendes Schreiben zu: Bevor noch der Neubau der Universitätsbibliothek im Rohbau vollendet ist, muß er sich bereits gefallen lassen, daß er nicht nur hinsichtlich ferner Raumanordnung, fon- dem auch seiner demnächstiger, architektonischen Erscheinung kritisiert wird. Ter Artikel des Herrn C. Pl. in der letzten Samstagsnummer ist zwar in erster Linie ein allgemeiner Stoßseufzer über die unromantische Jetztzeit, der ihm lediglich durch den Bibliotheks-Neubau ausgepreßt wurde,- er beschäftigt sich jedoch immerhin so eingehend mit dem „kalten, modernen Gebäude", daß es denjenigen, die für Entwurf und Ausführung verantwortlich sind, gestattet fein muß, eine „Entschuldigung" vorzubringen. In diese Verantwortung teilen sich hier Bibliothekar und Architekt. Tas durch den demnächstigen Betrieb bedingte Bauprogramm zieht dem Entwurf bestimmte Grenzen; der Architekt kann daher nur zum Teil für den Ausfall verantwortlich gemachr werden, und zwar insoweit, als er nach weisen kann, daß eine bessere Lösung der Programmforderungen nicht möglich war. Nun waren aber wesentliche Reibungsflächen zwischen Programm und Architektur nicht vorhanden, abgesehen davon, daß die Ausbildung der „Bücherkiste", wie weiter ausgeführt werden soll, für iUen Architekten keine leichte Aufgabe ist. Gewiß wäre es am andern Platz und unter mancherlei anderen Verhältnissen möglich gewesen, dem 23au eine romantischere Gesamtwirkung zu geben, auch ohne gegen die Forderungen hier Vernunft zu verstoßen. Eine solche Erscheinung wäre durch äußerliche Zuthaten, z. B. größere gärtnerische Umgebung, Wandechallen u. bergt Anklänge an die früheren traulichen Stätten der Wissenschaft, die Klöster, erzielbar gemeßen, der Grundzug der Raumanord- nung im Bau selbst, könnte aber dabei nach der übereinstimmenden heutigen Anschauung deutscher Bibliothekare und Architekten kein wesentlich anderer sein. Ter Romantiker möchte die Bücher in schönen, vielleicht gewölbten Siäumen untergebracht haben. Ties wäre ja ivohl möglich, aber — den Geldpunkt ganz- außer Betracht gelassen — zum großen Nachteil des Betriebs, da mit dem durch die Architektur beanspruchten Raume die Ausdehnung und Entfernungen ganz bedeutend zunehmen. Was hätte aber auch eine solche Ausstattung der Bücher- räume für einen Wert? Sie wurde dem schönheitsdurstigen Sibliotheksbesucher nur Tantalusqualen bereiten; beim wenn er nicht zufällig Universitätsdocent ist ober sich eine Extravergünstigung auszuwirken vermag, bekommt er bie Herrlichkeit gar nicht zu sehen. Je mehr er aber die Bücher liebt, umsomehr muß ihn dafür bie Gewißheit trösten, daß biefe Absvnberung ber Bücherräume gegen bas Publikum in jeber Hinsicht bie beste Sicherung des kostbaren Schatzes gegen Diebstahl, Feuer- unb Wassergefahr, Verstaubung irfro. bitbet. Won ben sog. Saalbibliotheken, wie sie allerdings zuweilen auch noch in der Neuzeit in England und Amerika gebaut werben, bie in einem großen Hauptraum Bücherbestände und Lesesaal enthalten, wird man schon aus Ver- nunstgründen mehr und mehr abkommen, zumal sie dem Gefühl nur sehr zweifelhaft Rechnung tragen. Tie in dem Samstagsartikel gewünschten Lesewinkel sind ja hier meist zur Freude beschaulicher Naturen unb — Bücherdiebe zu finden, aber von Ruhe zum Studieren kann in diesen mächtigen Hallen, in denen sich ber ganze Betrieb abspielt, doch viel weniger bie Rede fein, als in eiroem eigens zu biefem Zweck bestimmten, von jeder Betriebsstörung frei- gehaltenen, wenn auch aus Zweckmäßigkeitsgründen winkel- losen, Saale. Es darf auch nicht vergessen werden, daß die Bibliothek nur zu einem Teil solche Lilleratur enthält, für die man hinsichtlich Unterbringung unb Stubium eine besonders trauliche, poesievolle Umgebung wünschen mag; für einenanbern großen Teil der Bücherbestände, bie exakte Wissenschaft, kann man aber nicht nur auf eine solche Stimmungsmachung verzichten, sondern sogar ihrer Natur nach verlangen, daß ihre Umgebung, tote ihr Wesen, klar, praktisch und verstandesmäßig sei. Ten hiernach noch berechtigt erscheinenden Forderungen vom ästhetischen Standpunkte hat der Architekt, zumal sie ihm gewiß willkommen sind, nach Möglichkeit Rechnung zu tragen gesucht. Es fei gleich vorausgeschickt, daß diese Möglichkeit, entgegen der Annahme des Herrn C. Pl. nicht pekuniärer Natur ist. Es ist bei Anforderung unb Bewilligung ber Bau summe (bie übrigens sogar nur 520000 Mk. beträgt) keineswegs geknausert worden. Staatsregierung und Stände haben vielmehr in voller Würdigung des Zweckes in dankenswerter Weise eine Summe bewilligt, bie zur Lösung ber einmal gegebenen Aufgabe, auch in künstlerischer Hinsicht, als völlig ausreichend bezeichnet werden muß. Es sei aber auch gleich betont, daß glücklicherweise heutzutage nicht mehr, wie dies leider eine Zeil lang selbst in Architekten kreisen ber Fall war, m Lai en kremen aber mehr oder weniger immer so bleiben wird, ber Reichtum, mit dem eine Faeade behängt wird, ber Gradmesser für ben künstlerischen Wert abgiebt, vielmehr endlich gerade wieder in ber Mäßigung ein aller- bings nicht auf (eben wirkender Reiz angestrebt wird. Ta muß es den Architekten, ber ein Hauptaugenmerk darauf richten zu müssen glaubte, daß es ber Facade infolge bes unregelmäßigen Bauplatzes nicht an ber nötigen Ruhe fehle, umsomehr wundern, baß man eine noch reichere Ausschmückung gewünscht hat; er ist entgegen ber Vermutung, baß bei reicheren Mitteln bie Architektur auch« reicher auSr gefallen wäre, leichtsinnig genug auf biefen, ihm hiermit freundlichst gereichten Strohhalm zur Rettung seines künstlerischen Geschmacks zu verzichten. Ein heikles Ding ist allerdings die Ausgestaltung der „Bücherkiste". Tiefe haben auch in anderen Orten, in denen man Bibliotheken nach dem „Magazinsystem" erbaut hat, oft Unwillen im Publikum erregt, bezeichnender Weise aber nur da, wo sich der Architekt keiner architektonischen Lüge schuldig gemacht hat. Eine solche ist es, wenn man den nackten Zweck des Baues mit einer noch so reichen ober „schönen" Hülle bis zur Unkenntlichkeit verkleidet. Eine große Zahl der großartigsten Lügen in Bibliotheksbauten zeigen, daß leider auch in der Kunst die alte Wahrheit ihre Macht übt: „vulgus vult deoipi, ergo decipiatar“. Wieder andere Architekten haben, allerdings in allzu biederer Wahrhaftigkeit, nicht den leisesten Versuch gemacht, bie innere Magazineinteilung im Aeußern auch nur ettvas zu mildern. Beim Entwurf unseres Baues bestaub die Absicht, bem Magazin wohl eine gewisse äußere Ausschnitts- ung zuzugestehen, aber nur so weit, als damit seine Natur durchaus nicht verleugnet wird. Die Absicht soll durch die Zusammenziehung je zweier Fensteraxen sowie mit Hülfe ornamentaler Zuthaten, von denen allerdings jetzt noch nichts zu sehen ist, erreicht werden. Tie Architektur ist im Vergleich zu den freien Künsten übel bran„ unb das Publikum steht ihr, die einst die populärste und gefeiertste ftunft war, heute viel glcichgiltigec und weniger durch eine gute, fachmännische Kritik erzogen, gegenüber, als jenen. Sie muß es sich sogar gefallen lasien, daß über ein Werk der Stab gebrochen wird, noch bedor es fertig ist. Es ist ja eoen so wohl möglich, daß die Befürchtungen des Herrn Kritikers nach Fertigstellung des Baues sich als übertrieben Herausstellen, als auch, daß sie noch übertroffen werden; im einen Fall wäre bem Architekten burch bie verfrühte Kritik Unrecht geschehen, im anderen wäre Frofessor A«hr f*). Gießen, 4. November 1902. Ein mitleidiger Tod hat endlich die Qual beendet. Am Morgen des 3. November ist Professor Fuhr, noch nicht 50 Jahre alt, gestorben. In den weitesten Kreisen der Bevölkerung wird diese Nachricht Trauer und Mitleid erregen, denn der Verstorbene war als edler Mensch und als tüchtiger Arzt gleich hoch gewertet und beliebt. Der Kummer um das langjährige Siechtum und den endlichen Verlust deS einzigen, hoffnungsvollen Sohnes, des vielversprechenden, liebenswerten Jünglings, mag den Keim der erbarmungslosen Krankheit entwickelt und den im besten Mannesalter Stehenden so früh gefällt haben. Ferdinand Friedrich Fuhr, im Jahre 1853 zu Windhausen als Sohn des dortigen Lehrers geboren, hat fast seine ganze Lebenszeit in Gießen zugebracht. Er besuchte hier das Gymnasium, welches er tm Jahre 1870 absoloirte. 1870 bis 1875 studirte er Medizin und begab sich nach abgelegtem Approbationsexamen zu weiterer Ausbildung nach Wien, um die berühmten Chirurgen Blllroth und Albert zu hären. Nach seiner Rückkehr von dort bestand er 1876 das Doktorexamen und wurde Assistent an der chirurgischen Klinik zu Gießen bis zum Jahre 1881. Von 1882—1886 war er hier praktischer Arzt, um sich dann vollständig der Chirurgie zu widmen. Im Sommersemester 1886 habilitirte er sich als Prwatdozent für Chirurgie mit einer in weiten wissenschaftlichen Kreisen Aufsehen erregenden Schrift „über die Exstirpation der Schilddrüse^. Am 29. Juni 1891 wurde ec zum außerordentlichen Professor ernannt. Er hatte jahrelang die Leitung der chirurgischen Poliklinik in Händen und las Collegien, namentlich über Knochenbrüche und Verrenkungen, auf welchem Gebiete er eine Autorität ersten Ranges genannt werden darf. Im Jahre 1898 berief ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in die Stadtverordneten - Versamlung. Vor zwei Jahren suchte Fuhr seine Pensionirung nach wegen eines beginnenden Halsleidens. Fuhr's außerordentliche Tüchtigkeit im Berufe, sein edler, grader und unbestechlicher Sinn, sein bis zur Selbstverleugnung uneigennütziges Verhalten der leidenden Menschheit gegenüber, seine hilfreiche Güte gegen Hoch und 9hebrig, das sind Gründe genug, seine außergewöhnliche Beliebtheit bei der gesamten Bevölkerung Gießens und der weiteren Umgebung zu erklären. In intimere, freundschaftliche Beziehungen zu dem Verstorbenen zu treten, war übrigens nicht Vielen vergönnt, er war im Grunde eine verschlossene Natur und eine nicht geringe Dosis Menschenverachtung ein Grundzug seines Wesens, wer aber das Glück hatte, sein Freund zu heißen, der em- psing stets mehr, als er geben konnte — reiche Anregung nnd Belehrung gewährte der Verkehr mit dem, nicht nur in der Medizin, erstaunlich belesenen und hochgebildeten Dlnnne. Groß war Fuhr'S Lehrtalent und unermüdlich die Geduld, mit der er im klinischen Unterricht, das Wesentliche und Wichtige immer wieder heroorhob, es von der Spreu scheidend, charakteristische Unterscheidungsmerkmale hell beleuchtete, praktische Untersuchungsmethoden und Maßnahmen wieder und wieder demonstrierte, auf Irrtümer aufmerksam machte, dieselben widerlegte und korrigierte und so hat er, während seiner leider zu früh abgebrochenen Lehrthätigkeit es verstanden, in seinem Fache viele tüchtige Aerzte zu erziehen, die draußen in der Praxis nach seinem Beispiel und seinen Lehren handelnd, letztere zum Wohle ihrer Patienten richtig anzuwenden roiffen. In wissenschaftlich-litterarischer Hinsicht ist Fuhr nach heutigen Begriffen und der Spaltenzahl nach nicht sehr produktiv gewesen, er schrieb eben nur, wenn er etwas Ganzes, •) Der obenstehende Nachruf ging uns heute von einer Seite zu, die dem Verstorbenen im Leben freundschaftlich nahe stand, unb bie Witwe des Verstorbenen ermächtigte, wie man uns mit- teilt, ben Verfasser biefes Nachrufes zur Veröffentlichung in unserem Blatte. D. Red. bes Gieß. Anz. zu bedauern, daß die ihm erteilte Lektion noch zu schwach ausgefallen ift Daß die Mittel zu dem Bau reichlich bemessen wurden, trotz der damaligen Finanzlage, derettvegen noch dieser Tage der „Gießener Anzeiger"*) eine weise Ermahnung zu Ersparnissen an Diäten und Ausstattung von Neubauten brachte, sollte gerade von Gießen dankbar anerkannt werden, und es sollte nicht denen, die keine eigne Ansicht haben — und diese bilden die Mehrheit — durch eine öffentliche Kritik vorweg der Geschmack an dem Neubau verdorben werden, zumal ein Gegengewicht durch fachmännische Kritiken deshalb nicht zu erwarten ist, weil sie nicht ins Publikum zu dringen pflegen. Becker. * e Mir haben den vorstehenden Aufsatz umso lieber zum Abdruck gebracht, als er in sehr vielen wesentlichen Dingen mit dem übereinstimmt, was in dem Artikel über die Bibliothek in unserer Samstagnummer gesagt war. Es mag nochmals betont werden, daß dieser Artikel ausschließlich die romantische Richtung vertrat und eine Kritik nur nach dieser Richtung hin übte. Daß die Ornamentik reicher sein sollte, ist in jenem Artikel nicht gefordert worden. Dagegen erschien dem Verfasser eine reichere Innenausstattung vom Standpunkte des romantischen Empfindens notwendig. Hinsichtlich der Raumanordnung war nur eine größere Anzahl kleinerer Abteile gewünscht worden, die selbstverständlich nicht jede m zur Benützung offen stehen sollten. Für die Allgemeinheit ist der Lesefaal, wie wir gerne ein- gestehen wollen, vollständig ausreichend und mit Rücksicht auf vorkommende Diebstähle auch zweckmäßig. Bei den Persönlichkeiten aber, für die wir jene Abteile wünschten, und die wir ja auch hinlänglich charakterisiert haben, sind Diebstähle rc. doch wohl ausgeschlossen. Im übrigen ift weniger das neue Bibliotheksgebäude kritisiert worden, als eine gar so sehr auf das Praktische gerichtete Zettströmung, die kein Verständnis für die intimen Reize der älteren romantischen Bauten hat, oder dies doch nicht bei den Bauten der Gegenwart zum Ausdruck bringt. D- Red- des Gieß. Anz. ♦) Pardon, nicht der „Gießener Anz.", sondern ein Mitarbeiter des „Gieß. Anz ", der in jenem Artikel keines- wegs gegen die Monuinemalbaulen, sondern n'u r gegen die „villenartigen Beamtenl-änser" sich aussvrach. D. Red- des Gieß. Anz. Fertiges vorzulegen hatte, aber bie wenigen Arbeiten*) welche wir von ihm besitzen, überwiegen turmhoch ben Durchschnitt her mebizinischen TageSlitteratur, sie sind ausgezeichnet burch eltene Grünblichkett, klare Darstellungsweise unb vorzüglichen Stil, sie haben bleibenden Wert unb sichern ihrem Verfasser einen hochgeachteten Namen auch als Fachschriststeller. Neben seinem gewissenhaft verwalteten Lehramte lag Fuhr's segenbringenbe Thätigkett auf praktisch ausübenbem Gebiete, denn er war nicht nur ein begabter Lehrer, sondern auch ein vorbilblich guter Arzt unb als solcher hat er viel genützt unb sich bas unbegrenzte Vertrauen einer überaus großen Anzahl von bankbaren Patienten erworben. Sachlich, kurz unb boch erschöpfens ohne jebe Effekthascherei, hatte eine ganze Art sich zu geben etwas unenblich Wohlthuenbeö unb Vertrauen erroecfenbeS. Allem Neuen in ber mebizinischen Wissenschaft brachte ber Verstorbene bas größte Interesse entgegen, aber Interesse unb Enthusiasmus war bei ihm zweierlei. Er prüfte scharf unb wog genau unb was er zu leicht befunben, bas war bei ihm ein für alle Mal abgethan. Manchen neueren mebizinischen Strömungen unb Bestrebungen stanb er ablehnenb gegenüber unb hat baraus nie em Hehl gemacht. So hat er sich inmitten ber Tuberkulin-Begeisterung seinen ablehnenden Standpunkt gewahrt und bas klägliche Fiasco ber Koch'schcn Entbeckung hat ihm Recht gegeben. In seiner Kritik war er nie geneigt, Konzessionen zu machen, schroff vertrat er seinen nach reiflicher Ucberlegung eingenommenen Stanbpunkt gegen Jeben unb unter Verzicht auf alle sogenannte Weltklugheit unb er mag bann manchmal zu weit unb zu rabikal vorgegangen sein. Gönner erwirbt sich nicht, wer gegen ben herrschenben Strom schwimmt! Aeußere Ehren unb Auszeichnungen, bie er übrigens seiner ganzen Sinnesart nach nicht erstreben konnte, sinb bem wackeren Kämpfer berm auch nicht zuteil geworben unb seine Pensionierung, allerbings, wie ber traurige Ausgang lehrt, triftig genug mit einem Halsleiden begründet, wurde von ihm nachgesucht in tiefer Verbitterung und im Gefühle unverdienter Zurücksetzung. 2)tit spartanischer Konsequenz führte er, was er einmal als das Richtige erkannt, am eigenen Leibe selbst durch. Zweimal hat er schmerzhafte Operationen ohne die Wohlthat des Chloroforms ertragen unb hat bis zu seinem Enbe auf ben Segen ber schmerzlmbernben unb wenigstens zeitweiliges Vergessenbringenben Morphiumspritze verzichtet. „Weil ich nicht willenlos werben unb meinen klaren Verstanb behalten will!" So hat biefer seltene Mann klaren Blickes ben Kelch bis zur Neige geleert! Er hat in vollster Erkenntnis ber Hoffnungslosigkeit seines Zuslanbes qualvolle 3)lonate burchlebt unb Leiben mannhaft ertragen, bie über menschliche Kräfte gehen! Unb wenn sein bescheibener Sinn es ablehnte, baß ein Nachruf ihn in bie Gruft geleite, so können wir biesmal einem Wunsche nicht willfahren; ftärler war unser Herzens- bebürsnis unb tiefinnerlicher Drang, auszusprechen, ivas er war unb was wir an ihm verloren. Sein Anbeuten wirb im Herzen Aller, die ihn recht gekannt, niemals verlöschen, wir, seine Freunde beklagen tief bas traurige Geschick bieses Eblen unb wollen seiner in Liebe gebenden, so lange wir atmen! Dr. Klein. •) Außer verschiedenen größeren und kleineren Referaten für bie „Münch. meb. Wochenschrift" und das ^Internat. Cemralblati für Laryngologie" hat Fuhr bie oben erwähnte ausgezeichnete experimentale Stubic über Exslipation ber Schilbbrüse, 2. Zur Entero- tomie bei Ileus, 3. Beiträge zur Enterotomie bei innerem Darm- Verschluß, 4. Ter Kropf im Altertum, ö. Zur Frage ber Ampu- tationstechnik bes Unterschenkels, geschrieben. D. Vers. Aus Stadt und Land. Gießen, 4. November 1902. ** Gedenktage. Der Dichter und Kunsthistoriker Gottfried Kinkel floh am 5. November 1850 aus dem Gefängnis zu Spandau unter Mitwirkung des damaligen Studenten Karl Schurz nach England. Kinkel hatte sich am pfälzisch-badischen Aufstande beteiligt, wurde verwundet, gefangen genommen unb zu lebenslänglicher Festungsstrafe Der» urteilt; in bas Zuchhaus zu Naugarb gebracht, stellte man ihn vor baß Gericht wegen versuchter Erstürmung bes Zeughauses in Siegburg. Doch würbe Kinkel nach einer glänzenben Verteidigungsrede freigesprochen, inbeß in Spanbau in strengster Haft gehalten. ** Auszeichnungen. Dem Obersten Winter, Präses der Gewehr-PrüfungS-Kommission, ist die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Komthurkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt worden. — Dem Maschinenmeister Wilhelm Tiehlmann zu Nidda, in Diensten der Buchdruckerei von Ludwig Cloos daselbst ist das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen worden. -i- Fortbildungsschulwesen. In Oberhessen werden in diesem Jahre gegen 5000 Mk. Unterstützung für ärmere Gemeinden zur Bestreitung der Fortbildungsschulkosten verausgabt, davon entfallen auf solche Gemeinden des Vogelsbergs ca. 3000 Mk. ** Gießener Volksbad. Im Oktober wurden 7560 Bäder verabreicht gegen 7291 im September 1902 unb 8714 im Oktober 1901 ober im Durchschnitt auf ben ganzen Badetag 261 Bäder gegen 260 im Septbr. 1902 unb 300 im Oktober 1901. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 3979 Männer, darunter 682 zu 10 Pfg., „ 924 Frauen, „ 261 , 10 , Wannenbäder 1. Klaffe 240 Manner, 75 Frauen, , 2. , 514 „ 367 , Dampf- und Heißluftbader, sowie Massage zusammen 120 Männer, 19 Frauen. Brausebäder 1123 Männer, 199 Frauen. Die Personenwage wurde von 180 Personen benutzt. Das Bad von 11 Personen besichtigt. *♦ Der National liberale Verein hält am nächsten Samstag seine Generalversammlung ab. (Vgl. Inserat.) Die Frage ber Erwerbung des hessischen Staats bürg errechts ift aus Anlaß der Landtagswahlen ber Gegenstanb lebhafter Erörterungen gewesen, da sie auf den Ausgang derselben von größtem Einfluß war. Die in dieser Frage vielfach noch herrschende Unklarheit hat der ,£)ffenb. Ztg." Veranlassung gegeben, ihr an ber Hand der einschlägigen Gesetzesbestimmungen einmal auf ben Grund zu gehen. DaS genannte Blatt ist dabei zu dem Ergebnis ge- langt, daß die weit verbreitete Ansicht, man brauche bei ber Etwerbung des hessischen Staatsbürgerrechts seine frühere Staatsangehörigkeit nicht aufzugeben, auf einem Irrtum beruht. Nach ben Bestimmungen des Gesetzes vom 8. November 1872, welche burch bie Abänberungen vom 6. Juni 1885 nicht berührt werden, sind stimmberechtigt Urwähler) bei der Wahl der Wahlmänner diejenigen Staatsbürger, welche das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben, feit Anfang des Rechnungsjahres, m welchem bie Wahl stattfinbet, zu einer bireften Staatssteuer herangezogen ober, wenn bies nicht ber Fall ist, kommnnalsteuerpsüchtig mb 2C. Staatsbürger aber sind nach Art. 14 ber Versassungs- urkunbe „biejenigen volljährigen Jnlänbcr männlichen (9e- chlechts, welche in keinem fremben persönlichen Intert hansverbanbe stehen unb wenigstens brei Jahre in bem Grobherzogtum wohnen.* Küchler schreibt m fernem „Verfassungs- unb Verwaltungsrecht bes Großherzogtums Hessen*, Darmstabt 1894, unter § 48 (Staatsangehörigkeit unb Staatsbürgerrecht): „Innerhalb der Zahl der Staatsangehörigen stehen Staats» angehörige im engeren Sinne, das sind die sogenannten ^taats- bürger: Diejenigen volljährigen Hessen männlichen Geschlechts, welche in feinem fremden Uniertbanenverbanbe stehen unb wenigstens drei Jahre im Großherzogtum wohnen." Küchler macht dazu folgende Bemerkung: „Nach Reichsrecht kann em Reichsangehöriger eine mehrfache in- und ausländische Staatsangehörigkeit besitzen («ujet mixt« ), nach Landesrecht kann ein solcher hessischer Staatsbürger nicht sein." Aus alledem geht deutlich hervor, daß man, um hessischer Staatsbürger zu werden unb in ben Lanbtag wählen zu können, unbebingt seine frühere Staatsangehörigkeit auf* geben muß. ** Eine eigentümliche Stellung, so schreibt die „Fortbildungsschul-Korresp.", nimmt derLandes-Ge- werbeverein des Großherzvgtums ein. Er bildet zwar eine freiwillige Vereinigung von Gewerbetreibenden aus allen Teilen des Landes; er hat aber eine staatliche Verwaltung und weitgehende Rechte. Seit dem Jahre 1837 widmet er dem gewerblichen Unterricht feine Aufmerksamkeit. Unterstützt von zahlreichen Freunden, den Ortsvereinen, den Gemeinden, den Sparkassen, vor allem von der Regierung, hat er ein weitverzweigtes Netz gewerblicher Unterrichtsanstalten geschaffen. Eine große Anzahl blühender und angesehener Schulen, an deren Aufsicht und Leitung die Ortsgewerbevereine beteiligt sind, verbreitet Dildiing und Wissen in den Kreisen der gewerblichen Jugend und bietet in verschiedenen Lehrstätten Ergänzung und Vertiefung der Werkstättenlebre. Tie Mitwirkung der Vereinsvorstände ermöglicht es, den örtlichen Bedürfnissen bei Ausbildung der Lehrlinge und den wechselnden Amnfvrderungen Rechnung zu tragen, während die von der Zentralstelle für die Gewerbe im allgemeinen festgesetzten Unterrichtspläne vor der Gefahr eines tastenden Probierens bewahren. Eine Anzahl der 1(/J tn-? ■ vereine hat den größten Teil ihres Einkommens resp. Vermögens den gewerblichen Schulen zugewendet; im vergangenen Jahre z. B. haben die Gewerbevereine zu Alsfeld, Großgerau, Gvoßumstadt, Langen, Eberstadt, Mainz, Worms, Bensheim und Reinheim entweder den Bau von Schul- Häusern begonnen ober Anbauten durchgeführt. Besondere Fachkurse veranstalteten die Vereine zu Offenbach (für Leder- särber), Alzey (in Kerb- und Fachschnitt), Offenbach (Vorbereitung zur Meisterprüfung); Bieber, Großstettiheim, Höchst und Großgerau hielten Buchführungskurse ab. Vorhanden sind die LandeÄbaugewerkschule zu Darmstadt, welche schon im vorigen Jahre ihre fünsundzwanzigjährige Thätig- keit beendete, die Fachschule fürElfenbeinschnitzerei zu Bad), die Web schule in Lauterbach, die Kunstgewerbeschule in Mainz, die technische Lehranstalt zu Offenbach, die Bau- gewerk- und Gewerbeschule in Bingen, 10 Gewerbeschulen 109 Sonnfagszeichenschulen und 40 gewerbliche Ford' bildungsschulen für die nichtzeichnerischen Fächer. Wenn man bedenkt, daß außerdem noch die 1008 allgemeinen Fortbildungsschulen, Anstalten für junge Kaufleute, Landwirte und Mädchen im Lande bestehen, so kann man nur mit Respekt von d en Kulturbestrebungen des hessischen Völkchens reden. Hohe Achtung aber muß man ben Gewerbtreibenden im Hessenlande zollen, die als den Kernpunkt der ganzen Handwerker frage die Ausbildung des jungen Nachwuchses betrachten und tapfer in diesem Sinne arbeiten. eg. WiSmar, 4. Noo. Dem Bericht über die Messer« stecherci in ber SonntagSnacht fügen wir noch bei, baß ber Gestochene, H. Kraft, auf bem Heimwege von bem Thäter, L. Stroh, meuchlings überfallen unb in ben Hals gestochen würbe. Der Thäter setzte, nachdem bie Polizei bie verriegelte Thür seiner Wohnung geöffnet, feiner Festnahme heftige» Widerstand entgegen, sobaß er geschlossen werben mußte. Anfangs verhielt er sich im Haftlokal ruhig, als aber bie Polizei sich entfernt hatte, brach er ein Gefach aus ber Wand, schlug em Fenster entzwei unb stieg auf das Dach eines Ne- bengebäubed, von wo er zur Erbe gelangte. Hierauf suchte 3. seine Wohnung im Hause seines Schwagers auf, stahl biefem 30 Mk. unb ergriff die Flucht. e. Bad Nauheim, 1- Nov. Die Gesamtste* q u e n,z hiesigen Bades betrug gestern, am 31. Oktober, dem Schlu sse der Saison, 22 567 Kurgäste gegen 19 883 i.m Jahre 1901. Eine annähernd hohe Frequenzzifser wie 1902 zeigte bisher njur «ba.5 Jahr 1899 mit 22 411 Personen, der letzte Sommer brachte mithin Nauheim trotz ber ungünstigen Witterungsveryältnisse, den besten Besuch. Bäder wurden in der letzen Saison 304 616 abgegeben, gegen 296 583 im Vorjahre. — Ter außerordentlich günstige Verlauf der diesjährigen Kur dürfte zum Teil daraus zurückzuführen sein, daß sich im vorigen Winter die Kurverwaltung die Stadt und die Nauheimer VerkehrSvereine zur Bildung einer Derkehrskommission entschloßen, ein Verkehrsbureau gründeten und eine vornehme, zielbewußte Reklame, hauptiächlich durch Herausgabe eines Albums von Bad Nauheim ins Leden riefen. Von privater Seite wurden zu den etwa 11000 Mark betragenden Kosten über 5000 Mark gezahlt. — Tie sieben staatlichen Badehäuser unb das Inhalatorium sind nun seit gestern geschlossen; Thermal-, Sprudel- und Süßwasserbäder werden den aanzen Winter über im Badehause des städtischen Komtz- stifts gegeben. § Ober-Lais, 2. Noo. Unsere gemeinsam mit bet Nachbargemeinde Fauerbach (Kr. Bübingen) erbaute Quellwasserleitung wirb 15 000 Mk. kosten, wovon bie hiesig« 3 emcinbe 7000 Mk. zu tragen hat. 0 Gebern, 1. Noo. Die hiesigen Lehrer Roth unb Spitznagel sind heute in den Ruhestand getreten. Gciicw verabschiedeten sie sich von ihren Schülern, wobei ber Nor- Ützende beS Schulvorstanbes, Hosprebiger Heinrichs, eine warme Ansprache hielt. Kantor Roth siedett nach Darmstadt 3. November + 6,6 °6. — 0,8° C. 3. sehr bekömmlich! 7085 l^ber, während Spitznagel hier verbleibt. Heute versannnelte snch der Bezirkslehrerverein vollzählig, um den Abschied seines I angjährigen, treuen Mitgliedes Roth zu feiern. Lehrer Liubroig ^Ober-Lais), der Obmann des Vereins, richtete warme Worte an den Scheidenden. am 2. „ 2. Höchste Temperatur Niedrigste „ Wenn Tie tut Kaffeehaus „Zur schönen Aussicht" waren, so werden Sie sich erinnern, daS dort der Kaffee ausgezeichnet schmeckte; es wurden oft bis 700V Portionen an einem Tage abgegeben! — Der Kaffee bestand aus einer Mischung von halb Bohnenkaffee und halb Kathreiners Malzkaffee ! — Verwenden Sie auch zu Hause die gleiche Mischung, sie ist vorzüglich und Wichtig für alle Besucher der Düsseldorfer Aus- ftellung! Westindische AulLanausörüche. N. Gießen, 1. Nov. Am Freitag Abend hielt Herr Dr. Emil Deckert-Steg- l tz in der großen Aula der Universität einen Vortrag über „Westindische Vulkanausbrüche". Es war ein solcher Zudrang gji dem Vortrag, daß der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war, ein Beweis für das Interesse, das man beim Stoffe entgegenbrachte. Nachdem Prof. Dr. Sievers bem Redner begrüßt hatte, begann dieser mit seinem Vortrag. Seitenstücke zu der furchtbaren Katastrophe, die über die mestindische Insel hereingebrochen ist, gibt es nicht. Weder Sodom und Gomorrha, noch Pompeji können damit verglichen werden. Auch der furchtbare Ausbruch der Krakaten im Jahre 1883 wird durch sie in Schatten gestellt. Noch nr.e sind 30000 Menschenleben mit einem Schlage durch einen Vulkanausbruch vernichtet worden, und noch nie ist ein der- att enges Zusammenspiel von zwei Vulkanheerden, die über 150 km auseinander liegen, von Vulkanologen beobachtet morden. Bei den Eruptionen des 7. Mai bis 30. August erdröhnte die ganze Antillengegend und die Nordküste Amerikas wie von einem ungeheuren Bombardement. Daß durch öiie Katastrophe auch die abnormen Witterungsverhältnisse dieses Sommers zu erklären sind, ist eine Behauptung, die nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden kann. D»ie genaue Untersuchung der Vulkane durch eine ganze Reihe . amerikanischer, französischer und englischer Expeditionen hat verschiedene, wichtige Aufschlüsse gebracht. Um aber die Fragen über die Möglichkeit eines derartigen Ausbruchs und über bo8 zukünftige Schicksal der Inseln beantworten zu können, ist eine Orientierung über die Lageverhältnisse der Inseln und über das Aussehen der Vulkane vor der Eruption unumgänglich notwendig. Von den Inseln, die hier in Betracht lonntnen, seien zunächst die Balamas-Jnseln genannt, langgestreckte, ziemlich flache Eilande, die nur geringe Erhebungen (b*iS 400 m) zeigen. Zum größten Teil sind sie ein Produkt Der Thätigkeit der Koralle. Der Vulkanismus hat keinen A „teil an ihrer Bildung. Erdbeben sind dort ebenso selten w le im Norden Deutschlands. Ringsum aber lagern sich verschiedene Erdbebenzentren. Der Typus dieser Inseln ist 51 Thomas, der Mittelpunkt des westindischen Handels. Ebenso vulkanisch sind die Jungfern-Jnseln und die karaibischen sjvseln. Die Umrahmung des karaibischen Meeres war auch in der Zeit der Ruhe stets von Zeit zu Zeit von schweren Erdbeben heimgesucht, seit 1896 besonders Guadeloupe und Montserrat. Das Gestein der Inseln läßt den älteren und jüngeren Vulkanismus deutlich erkennen, ebenso die Solfataren uiib Fumarolen in den gewaltigen Vulkankratern. Die 5»ufriören von St. Lucia, Dominike, Guadeloupe hatten in z hisiiorischer Zeit Ausbrüche, ebenso der Mont Pelöe 1851 und ieffonders stark die Soufräre von St. Vincent 1812. 3m Ganzen aber zeigte der Vulkanismus der karaibischen Fmseln bis zu den Maitagen des laufenden Jahres eine Istnrisse Schwächlichkeit und Schläfrigkeit im Vergleich zu iec Thätigkeit des Vesuvs oder Aetnas. Die lange Ruhezeit lacke auf den Inseln die Tropenpracht sich zu ihrer herrlichst» Fülle entfallen lassen. Die Perle der kleinen Antillen cb er war Martinique. Hier war die Bevölkerung am |:ä cksten und hoch kultiviert. Hier hatte sich französische Iiixlonialarbeit ein glänzendes Denkmal gesetzt. Reich und Ih in vor allem war St. Pierre und seine Umgebung. Die pilen Vorgebirge auf Martinique und St. Vincent ent» itr nm en vulkanischer Thätigkeit, wie die Vulkanbomben tiü die Lava zeigt, die sie zum größten Teil zusammen- fhjen. Der südliche Teil von Martinique zeigt einen Auf- larn aus Urgestein mit niedrigen Bergen und breiten Thälern. Mger ist die Mitte der Insel, deren rein vulkanische Bil- liungen der Tertiär- und Quaternärzeit angehören. Der itoorben, mit bem Mont Pelöe ist ber jüngste Teil, im wesent- tctzm auS vulkanischen Konglomeraten aufgebaut. Die Ent- smung bes Mont Pelse von ber Stabt beträgt neun Kilo- ne-ier, betreiben Entfernung wie zwischen Neapel und bem ße'luo. Es folgte nun eine höchst interessante Schilderung einer Ke'teigung des Mont Pels, die ber Vortragende im Jahre :8?98 unternommen hatte. Trotzbern furchtbare Wolkenbrüche mit Gemüter die Wege fast ungangbar gemacht hatten, ge- bmg ber Aufstieg. Die eigentlichen Schmierigkeiten zeigten erst nach ber letzten Station vor bem Gipfel Mont Ronge, US! wohin eine von den Franzosen gut irnstand gehaltene iavidstraße führte. Der Weg, den sich ber Reisende durch Km Urwald hauen mußte, führte steil auf zum Gipfel. An ttslle des Urwalds trat in ber Höhe von 900 Meter manns- bEjeS Gestrüpp, überragt von unzähligen Baumleichen, die nid ihren kahlen Zweigen einen fast gespenstigen Eindruck na hten. Ein furchtbarer Orkan des Jahres 1901 hatte Kirch seine gewaltigen elektrischen Entladungen den Baum- ruhs vernichtet. In der Höhe von 1100 Meter wurde ber Lxz burch eine quer verlaufenbe Spalte unterbrochen, aus ii'tn Tiefe Schwefelbunst aufstieg. Noch drei solche Spalten j.nben sich auf dem Weg zum Gipfel. Der oberste Teil des ßszes führte durch fnietiefen Morast, dadurch veranlaßt, baß !rn poröse Bimssteinboden die Regenfeuchtigkeit aufgesammelt litte. Der Abstieg erfolgte bann nach ber Westseite ber jnffel. Der Passatwind wehte mit solcher Heftigkeit, daß die Sieger wiederholt zur Erde geschleudert wurden. Außer uj: einige Schwefelquellen stießen sie beim Abstieg auf zwei Kine Krater, die im Jahre 1800 zwei gewaltige Aschen- euptionen verursacht hatten. Unmittelbar unter diesen beiden .Kauern liegt noch eine ganze Reihe kleinerer, die aber nicht s ijut erhalten sind. Aus der letzt beschriebenen Krctter- igtgitnb fand die Eruption statt, erst die Ascheneruption, die St. Pierre traf, sondern mehr die nördlichen gelegenen ■ iCrti Philomöne und Pröcheur, weil ber Passatwind die IhEjenmaffe westwärts trieb; dann ergossen sich von dort die |ji@?n Schlammströme, die die Guerin'sche Zuckerfabrik mit iiire-i Insassen als erste Opfer verschlang; dort nahm auch iik jurchtbare Explosion vom 8. Mai ihren Ursprung, die iik Entladung eines Riesengeschützes zu vergleichen war und die mit ihrem Gluthauch 8000 Menschen auf einmal tötete, und die ganze Gegend in eine kahle, graue Einöde verwandelte, ohne jede Spur von pflanzlichem und tierischem Leben. Die späteren Eruptionen waren nur Wiederholungen des Ausbruchs am Himmelfahrtstage, z. T. aber noch viel stärker, und das Vermüstungsgebiet wurde durch sie zuletzt auf etwa 1/8 der Jnselfläche ausgedehnt. Das Schicksal des Zerberstens und Versinkens, wie eS 1883 den Krakatan getroffen, ist weder für St. Martinique noch für St. Vincent zu befürchten. Auch das plötzliche Tieferwerden des Meeres bei den Inseln, von dem verschiedene Zeitungen berichteten, hat sich als eine Fabel erwiesen. Die Versenkung erfolgt mehr in den Erdbebengegenden von Montserrat und Caracas, aber auch dort so langsam, daß zu Beunruhigungen kein Grund vorliegt. Der Mont Pels ist höher geworden, eine frische Eruption könnte aber den neuen Auswurfskegel leicht wieder zum Einsturz bringen. Die Eruption des St. Vincent war viel stärker als die Mont Pels-Eruption und die Masse des Auswurfsmaterials etwa zehnmal so groß, aber die verwüsteten Distrikte (2/s der Insel) waren weniger dicht bevölkert und es war den Bedrohten möglich zu entfliehen. Auch hier sind die Verwüstungen oberflächlicher Natur. Nach Beendigung ber Eruptionsperiobe werden die Bäche und das fließende Waffer rasch mit den Schlacken aufräumen und im Verein mit dem Klima und der Fruchtbarkeit des Bodens bas Tropenparadies wieder Herstellen. Die interessanten Ausführungen des Vortragenden, die durch zahlreiche wohlgelungenen Lichtbilder illustriert wurden, hielt die Aufmerksamkeit ber Zuhörer bis zum Schluß rege. Reichlicher Beifall lohnte bie Bemühungen des Redners. * • • Nach einem Privattelegramm aus Guatemala hat der Ausbruch des Vulkans Santa Maria aufgehört. Nach einer am 1. November eingetroffenen Depesche erlitten die ber Osima-Rochela Plantagen-Gesellschaft gehörigen Plantagen Sananbres-Osuna und La Rochela durch die letzten Ausbrüche keinen Schaden. Ebenso erlitten einem wetteren Telegramm aus Guatemala zufolge die Plantagen Chocola von der Chocola Plantagen-Gesellschast in Hamburg keinen nennenswerten Schaden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Sind Siemagenleidend.müssen Sie in derWahl derSpeisen vorsichtig sein, versuchen Sie es mi t Dr.Knechts Magen- bi|ter„SäntiSr die Wirkung ist eine ganz überraschende. Grosse Flasche M.2,SO.Probeflaschel,00.Überall erhältlich. „Der Spielplan ist geändert, K weil Herr Banderini wegen Heiserkeit abgesagt hat." Solche und ähnliche Ankündigungen liest man alle Tage zum Aerger des Publikums, der Tirektion und der Künstler selbst. Und doch ließe sich jeder Heiserkeit unb damit der Notwendigkeit einer Absage leicht begegnen, wenn Sanger und Schauspieler sich an den ständigen Gebrauch von Fays echten Sodener Mineral-Pastillen gewöhnen wollten. Dieselben üben aus den Magen und Darnr einen äußerst wohlthuenden Einfluß aus. Die Schachtel kostet nur öo Psg. und ist in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandlungen zu haben. 6824 lieber Haarausfall und Haarleiden F“ in P. 6. Juni 1902 : Habe bei Krankheiten des Kopfes und der Haare (Haarausfall) die „Obermeyers Herba-Seife" mit zufriedenstellendem Erfolge angewandt. Z. h. in Apotheken, Drogerien u. Fabrikant I. Gioth, Hanau 13. Best.: 90% Seife, 3% Arnica, 2% Salbei, 1,5% Wasserbecherkrt., 3,5% Harnkrt. 5712 Arbeiter in Tabakfabriken von Cholera und anderen Epidemien verschont geblieben seien. Sogar die Umgebung von Tabakfabriken soll nach einem alten Glauben einen gewissen hygienischen Schutz genießen, wie es namentlich vor etwa 70 Jahren in Bordeaux angeblich ermittelt wurde. * Echte Havanna-Zigarren. Es wird vielfach die Frage aufgeworfen, wie es denn nur möglich sei, daß so viele billige importierte Havanna-Zigarren auf den Markt kommen, die sich durch Originalverpackung und Originalfirmen als echt erweisen. Darüber schreibt der „Materialist" (Hannover): Wenn man einem Spanier eine Zigarre anbietet — nicht damit er sie rauche, sondern sie kritisiere — so wird er ein scharfes Federmesser hervorholen und sie diagonal durchschneiden. Tann wird er ein starkes Vergrößerungsglas nehmen und damit die Einlage prüfen und danach feststellen, ob die Zigarre von der Insel Cuba selbst herstammt oder von Haiti, oder Virginia, oder von Maryland, oder vielleicht auch — von dem Süden unb Osten Europas. Es ist Thatsache, daß gewaltige Quantitäten ungarischen, österreichischen und sardinischen Tabaks die Reise nach Cuba machen und von dort zu uns als echte Havannas erster Sorte zurückkehren. * Petroleum-Bohrungen in der Pfalz. In der Bergzaberner Gegend werden in der Gemarkung Dierbach unter Leitung des badischen Landesgeologen Dr. Thür- rach-Heidelberg seit Beginn dieses Jahres Bohrversuche nach Rohöl gemacht. Diese Versuche scheinen von Erfolg gekrönt zu sein, weil man die Versuche auch auf die Gemeinden Hengersweiler, Oberhausen, Barbelroth, Kapellen und Niederhorbach in nächster Zeit ausdehnen will. Pachtverträge zu diesem Zwecke sind schon in diesen Gemeinden in den letzten Tagen abgeschlossen worden. In Dierbach waren vor einiger Zeit die Arbeiten infolge Brechens des Bohrers ins Stocken geraten, während der letzten Tage aber konnte man die Bohrungen t hat kräftig fort» setzen, sodaß man bis jetzt etwa 260 Meter Tiefe erreicht hat. «Ä. * geben. Qu>t »C'ts * hänner ensjahr W 8t. L®.°61>lri«9tu* Wong^öngttif e Menannlen 6taa& Eckchen (UZ kung: Wl«c eine mehrfache Sl («‘Jet mixte), nach ’burger nicht fern." S ÖQB man, um HG Landtag wählen Ksangehörigkeit aus. so schreibt dcrLandes-Ge- ein. Er bildet zwar 'erbetreibenden aus staatliche Verwal. l 3ahre 1837 widmet smerksamkeit. Unter» ttsvereinen, den Ge. n der Regierung, hat Unternchtsanstalten der und angesehenei ng die Ortsgewerbe- ig und Wissen in den ietet in verschiedenen der Werkstättenlebir e ermöglicht es, te g der Lehrlinge r: ming zu tragen ie Gewerbe m chk- oor der Gest:-nies Anzahl der!%'tts- inkommens ch Ar- Mewendet: im ver- rbeoereinezn AW, :ftadt, Wnz, Worms, >en Bau von Tchul- chgesüHtt. Besondere rffenbad) (für Leder- tf), £fjenbad> (Borer, Großsteinheim., augskurfe ab. ?Lvv ^Taxm\tabt, welche ThäA teinschMern zu Ev. Auuslgewerbeschule ü Offenbach, die Au- n 10 Gewerbeschulen / gewerbliche 'rM ischen W- Ä ie 1008 allgemeinen ^Smifleute,^ so kann mMvurmü .ischen Bo kchens en Gewerbtreüenden empmit der E jungen Achwuchie- arbeiten. , M über die otrnachbn,^ ae von bem*1- in ben ** M-i di- er Festnahme W »* iate Hierauf s^ auf. ' Tie £fto^ pltvale . ü(jer M «eine* mell' rre baute (Rü h ffeveu Vermischtes. ♦ Berlin, 3. Nov. Das Polizeipräsidium setzte eine Belohnung von 200 Mark aus die Ergreifung des Schreibers Thiele aus, der in der Nacht zum Montag seine Braut, die Arbeiterin Büß, im Tiergarten durch Revolverschüsse lebensgefährlich verletzte. Thiele erschoß sich heute abend in einem hiesigen Bierlokal. Mann heim, 2. Nov. Gestern abend hat sich der ledige Schneider Abraham Kohl von hier, welcher von der Königl. StaatsMwaltschast Frankfurt a. M. wegen Mordversuchs verfolgt wurde, auf dem Rheinhäuserplatz dahier vor der Wohnung seiner Eltern durch einen Scyuß in bie rechte Schläfe entleibt. * Paris, 3. Nov. In Pamiers erkrankten neun Personen nach dem Genuß von in einem kupfernen Kessel hergestellter Schlagsahne unter Vergiftungs-Erscheinungen. Zwei sind bereits gefto rb en, bie übrigen schweben in Lebensgefahr. * Teplitz, 3. Nov. Die aMerühmte Buraruine Ka m ai k ist ein gestürzt. * Saloniki, 3. Nov. Heute wurden hier unb in der Umgebung zwei heftige Erdstöße verspürt. * Tiflis, 3. Nov. Der Postwagen, welcher sich aus ber Fahrt von Telaw nach Tiflis befanb, ist von Räubern überfallen worben. Von ben bie Post begleitenden Beamten wurde einer getütet und einer verwundet. Den Räubern fielen 8000 Rubel in bie Hänbe. * Ein Opfer ihrer Kinbesliebe. Aus Graz wird gemeldet: Die reiche Gutsbesitzerin ThereseGleich- toeit bekam mit großer Muhe bie Erlaubnis, ihren einzigen 30jährigen irrsinnigen Sohn Hermann selbst pflegen zu dürfen, mußte aber zwei handfeste Wärter halten. Als gestern bie Wärter einen Augenblick ben Irrsinnigen verliehen, erschlugermiteinerEisenstangeseine Mutter und empfing darauf lautlachenb die Wärter. * Das Gesundbeten — fahrlässige Tötung. Nach der „Moming Postt' kommt es demnächst in Amerika zu einer ernstlichen Erörterung der Frage, ob die sogenannten „Christian Scientifts", das heißt Leute, die gesund beten, Wetter unbehelligt bleiben sollen oder nicht. Die Jury von Mount Vemon Newyork, hat mehrere dieser Leute wegen fahrlässiger Tötung unter Anklage gebracht, indem sie bei einer Leichenschau als Todesursache angab „Diphtheritis, verbunden mit Vernachlässigung durch bie Christian Scientists". Die an die Heilung burch den Glauben glaubenden Newyorker sollen entschlossen sein, den Kampf vis zum äußersten durchzuführen. * Der Tabak als Jmmunisierungsmittel. Im Jahre 1888 wurden die ersten und bis auf bie letzt- vergangene Zeit auch einzigen Versuche gemacht, um bie Wirkung bes Tabakrauches auf krankheitserregenbe Bakterien festzustellen. Es war bamals der italienische Arzt Dr. Tassinari aus Pisa, der die Keime verschiedener tödlicher Krankheiten wie Cholera, Typhus und Mttzbrand in verschloßenen Räumen bem Einflüsse dichter Wolken von Tabakrauch unterwarf. Er kam ju oem Ergebnis, daß bie Entwicklung ber gefährlichen Keime im Verlaufe von 100 bis 150 Stunden ganz ober teilweise zum Stillstanb gebracht würbe, namentlich wenn der Tabakrauch von großen Zigarren herstammte. Das beweist nun, schreibt das „Dresdener Journal", allerdings recht wenig für den hygienischen Wert des Rauchens, denn niemand behält den Rauch 100 Stunden lang in seinem Munde. Ein mittelharter Raucher, der täglich acht bis zehn Zigarren oder eine entsprechende Menge von Tabak in anderer Form zu sich nimmt, wird auch nicht annähernd durch den Rauch in bie gleiche Lage versetzt, in der sich die Bakterien bei den Versuchen Dr. Tassinaris befanden- Bei der letzten großen Pestepidemie in Europa wurde in manchen Orten sogar den Schulkindern erlaubt, während des Unterrichts zu rauchen. Die Totengräber und alle, die ihnen während der Epidemie halfen, rauchten fortgesetzt. In einer kurzen Abhandlung über „bie Tugenben der amerikanischen Tabakpflanze" vom Jahre 1783 wird ausbrücklich erwähnt, baß sich ber Tabak als Schutzmittel während der Pest bewährt habe. Der Verfasser jener Schrift versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß die Epidemien bedeutend abgenommen hätten, feit in Europa das Rauchen aufgekommen wäre. Ganz ohne Grund mögen diese Anschauungen wohl nicht sein, beim es ist noch später oft behauptet worben, baß ^anHoaten^ Cacao J Versuchen Sie einmal während 8 Tagen eine Büchse van Houten’s Jj] r Jtin Cacao als erstes Frühstück. fflL==5==. Mr S@iä@nstoff6SsÄ Elten & Keussen, Ä Krefeli November Barometer aus 0° reduziert Temperatur ber Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 3. 225 751,4 5,8 5,5 81 8. 1 Bed. Himmel 3. 925 751,8 5,2 5,7 86 8. 1 Bed. Himmel 4. 752,9 4,0 5,6 92 8. 2 Bed. Himmel SV,,U- H \ "v- J.fi.HoubenSohnlarl 77« Eintrittskarten für Nichtmitglieder sind 7 * '0 Pfg. abends an der Kasse zu haben Die Vorstände. Kaufmännischer Verein und Ortsgewerbeverein Giessen. Zweiter Vortrag Mittwoch den 5. November, abends pünktlich 8'- Uhr im Cafe Leib. Herr Otto Ewald, 8 Königlicher Schauspieler und Regisseur, Kassel: Die heiligen Lande (Syrien, Palästina, Egypten) mit 84 Lichtbildern. Felzwaren Drohte Auswahl aller Neuheiten. — Al» Zu- thaten beste prima Winterfelle. — Billigst gestellte Preise. — Reparaturen und Umänderungen nach Maß in eigener Werkstätte. Ang. Kretzschmar, Mrkt-l. IL \ bleibt allzeit die beste 40 Pfg. per Stück. öall * I Bit 12 L man fleiü Tr. mix im Ich wer mei tarn Kach funj Vas dn 1 lies' 8at) den jit Ln! s°ji 5r der, (hm örier anlas versto euni »erigi es ai denr; 6