Nr. 207 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlußNr.51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 4. September LSVS GietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amtz-un- Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugSpreiSr monatlich 7bPf.,viertel» jährlich Mk. 2.20; durch 2lbhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Rlk.2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgerm Teil: P. Wittko; für »Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den An- zeigonteil: HanS Beck. September in 15. September in 17. September in 19. 22. September in 25. September in 29. September in 2. Oktober tn Rechnung der Provinzialkasse Oberhessen pro Rubr.- Beschreibung 49 38 33 447 81 27 931 81 Der Rechner der Provinzialkasse für Oberhesien. Abschluß 325 339 72 291891 91 7 8 12 33 60 63 21 08 19 66 38 29 14 15 16 17 18 19 20 4 077 700 10159 20 30 000 336 Nr. 1 2 3 4 5 6 2 008 2 343 287 994 166 924 74 041 7189 15 925 255 000 9 436 329 30 000 5 465 849 1144 16 62 41 25 b) in liquidierten Ausständen 5 516 Gießen, am 7. Mai 1901. gez. Grüneberg. Revidiert, ohne daß sich für den vorstehenden eine Aenderung erbeben hat. Daemstadt, den 26. April 1902. Großherzogliche Oberrechnungskammer. gez. Lorbacher. 1899/1900. Betrag Mk. Pf Abschluß. Gesamtsumme der Einnahme Gesamtsumme der Ausgabe . Verglichen bleibt Rest . . welcher besteht in: a) baarem Vorrat Gießen, den 2. September 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. ©reihert Bekanntmachung. Betr.: Die Körtermine. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Beteiligten, daß die diesjährige Hauptkörung in dem Körbezirk Grünberg an den nachstehend genannten Tagen, jeweils vormittags um 8 Uhr beginnend, in den einzelnen genannten Gemeinden stattfinden wird: Auszug aus der von der Großh. Oberrechnungskammer revidierten Kesielbach, Londorf, Allendorf, Treis, Climbach; Allertshausen, Beuern, BerSrod, Winnerod, Reinhardshain, Beltershain; Röthges, Villingen, Nonnenroth, Ober- und Rieder-Bessingen; Lumda, Weitershain, Rüddingshausen, Odenhausen, Geilshausen; Göbelnrod, Saasen, Lindenstruth, Hattenrod, Harbach; Lauter, Queckborn, Ettingshausen, Münster; Weickartshain, Stockhausen, Stangenrod, Grünberg. Summe der Ausgabe 291 891 91 Einnahme. Kaffevorrat aus vorhergehenden Jahren . Ausstände . . . ... . Beitrag der Kreise Kapitalzinsen Prozeßkosten ...... Beitrag aus der Staatskasse zu Straßenneubauten Einnahmen des chemischen Untersuchungsamtes Ersatzposten ..... Zurückzuempfangende Kapitalien . Summe der Einnahme Ausgabe. In Gemäßheit des Art. 93 und 43 der Kreis- und Provinzial-Ordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 1. Sept. 1902. Der Vorsitzende des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen. Dr. ©reihert. 81 — 33 447 Kunst für das AolK. lieber den erziehenden, veredelnden Einfluß der Kunst, über die Notwendigkeit, das Beste, was sie bietet, dem Volk, dem wirklichen Volk, der großen Masse, deren Leben meist so einförmig, grau und kahl verläuft, zugänglich zu machen, ist kein Wort zu verlieren. Wer es ist notwendig, immer wieder darauf hinzuweisen und die Mittel dazu zu erwägen. Um gleich in medias res einzutreten, wir denken da z. B. an die zum Spottpreise von 60 Psg. von dem Hervorragendes in der Popularisation gediegener Kunst leistenden jungen Berliner Verlage Fischer & Franke herausgegebenen Porträts berühmter Männer, wie Böcklin und Gottfr. Keller, die in meisterhafter farbiger Ausführung wahrhafte Kunstwerke sind und von jedem Manne aus dem Volke, von jeder noch so knappen Schulkasse erworben werden tonnen; oder an ein Unternehmen, wie bas> des verdienten Herausgebers des ,^Kunstwart" Avenarius mit 'seinen Meist er bildern, die Taük der Unterstützung eines ungenannten Mücens für den lächerlichen Preis von 25 Pfa. das Blatt, das Herrlichste, was es flieht, die großen Meister Holbein, Rembrandt, Rnispael, , Die wundervollen Sammelwerke aus dem berühmten [ Leipziger Kunstverlage E. A. Seemann haben auch eine viel zu geringe Verbreitung noch gefunden. Man sieht hier und >d.a wohl in den Häusern Begüterter ein paar 1 Lieferungen der^Alt en Meiste r", diese ganz entzückenden vielfarbigen Reproduktionen der Werke unseres großen , Dürer v,der eines Raffael, Tizian, Reni, eines Franz Hals, Rubens, Jordaens, eines Murillo und Velasquez re. Wer : welcher deutsche Handwerker, welche deutsche Volksschule besitzt diese Blätter! Unb trotzdem sind auch diese Blätter geradezu spottbillig, kostet jede Lieferung mit ihren 8 Blättern nur 5Mk., jedesBlatt also 621/2 Pfg., im Einzelverkauf — wir nehmen an, daß dieser stattfindet — vielleicht 65 Pfg. Ter „Haus sch atz älterer Kunst" aus demselben Verlage, der die großen Niederländer bevorzugt, kostet pro Lieferung nur 3 Mk., jede Lieferung enthält 5 Blatt, also jedes Blatt kostet 60 Pfa. Tie kürzlich zur Ausgabe gelangte erste Lieferung der „Hundert Meister der Gegenwart" mit Werken von Fr. v. Lenbach, F. A. von Kaulbach, Leibl, Grützner und Hans v. Bartels in einer Ausführung, die in ihrer subttlen Farbenfreudigkeit fast den Eindruck des Originals uns vortäuscht, verspricht zum Subskriptionspreise von 2Mk. pro Heft (also pro Blatt 40 Pfg.!) eine unvergleichliche Uebersicht über die moderne Kunst, die gar nicht genug geschätzt werden kann. Was aber vorerst notthut, um diesen außerordentlich schätzenswerten Bemühungen deutscher Kunstverlagsanstalten zur Popularisierung der Kunst den rechten Erfolg zu sichern, das ist die Erziehung des Volkes schon von Jugend au für das Schauen und Genießen des Schönen. Was wäre es, wenn man den besseren Schülern der oberen Klassen unserer Volksschulen so ein schönes Blatt in die Hand gäbe, etwa zum Schulschluß, zur Entlassung. Es würde unser städtisches Budget nicht umbringen. Oder wenn in den Schulen solche Bilder des Oefteren vor- gezeigt und erklärt würden. Die kahlen Wände unserer Dorfschulen schreien förmlich nach einem edlen, heute ja so billigen Schmuck. Lehrer, Pfarrer, alle, die Einfluß auf die Schule haben, sollten dafür sorgen, daß gute Bilder an die öden Wände kommen. Dcnn sind hie großen farbigen Künstlerlithographien' von Fischer und Franke ganz vorzüglich. Wer auch schon die Wenariusschen Meisterbilder waren eine schöne, erhebende Zier für manche Dorfschulstube, die jetzt die Kinder mit ihren nichtssagenden Wänden anschaut. Und wenn kein Geld da ist, oder, was noch öfter, kein Sinn dafür, haben wir keine Mäcene, die für so etwas sorgen, oder die, wenn ein neues Schulhaus gebaut wird, die Ausstattung der Schulsäle mit guten, edlen Bildern übernehmen, natürlich in Uebereinftimmung mit Lehrern und Schulbehörde? Dahin reicht es wohl noch nicht, daß der Staat den Besuch der Darmstädter Kunstsammlungen z. © den Vereinen durch eine möglichst billige Fahrt nicht nur ermöglicht, sondern auch dazu aufmuntert und so viele schöne, edle Eindrücke vermittelt, die die Menschen dann mit nach Hause nehmen. Wir hatten im vorigen Jahre die Darmstädter, wir haben heuer die vortreffliche Jubiläumsausstellung in Karlsruhe, die in ihrer ganzen Anordnung und ihrem Gehalt wirklich etwas Feines und Ungewöhnliches bietet. Auch die Wormser Ausstellung soll ja besuchenswert sein. Im nächsten Jahre werden wir wahrscheinlich in nicht allzu großer Entfernung wieher so etwas haben. Würbe es unsere Kräfte übersteigen, wenn man nur allen Lehrern, hie hafür Interesse haben, zu hiesem Zweck freie Fahrt nach hem Aus- tellungsorte gewährte, um ihnen ben Besuch zu ermöglichen, sie dazu anzuspornen? Es würbe sich hunbertfach bezahlt machen. Diese Männer würben viele, gute, schöne Ein brücke bavon mitnehmen, es würbe viel Edles davon wieher ausströmen in die Lande, auch in die Herzen der Kinder. Es wäre noch 'viel zu sagen; vor allem auch in Bezug auf Musik und Th eate r. Wann werden wir in unseren Städten, wie das in Amerika wohl geschieht, edle Menschen- reunbe haben, hie für hie Ermöglichung des unentgeltlichen Genusses her besten Musik, her ehelsten dramatischen Kunst Stiftungen machen, so wie man Heute für ein Spital oder für eine sonstige wohlthätige Veranstaltung eine Stiftung macht? Die Großstadtbühnen sind zwar eine schöne Sache, aber für die Volkserziehung zehnmal gleichgiltiger, als die kleinen und kleinsten Bühnen her Provinzstädte und die zahllosen musikalischen Veranstaltungen gesanglicher und instrumentaler Art in ben Vereinen unb Familien. Für beste, gehiegenfte Musik für bas Volk soll man sorgen, । von hem man nur nicht meinen muß, es hätte dafür keinen । Sinn, weniger Sinn, als die sogenannten Gebildeten. Wo 1 man hin sch aut, öffnen sich in diesen Dingen unendliche , Gebiete, auf welchen noch viel Arbeit her Zukunft aus- 1 gehoben ist. Mögen sie in Angriff genommen werden! 1 Politische Tagesschau. Getäuschte Hoffnungen am Zaren-Hose. Die Hoffnungen des Zarenpaares auf einen Thronerben find abermals getäuscht worden. Man erwartete mit aller Sicherheit in diesen Tagen hie Nieberkunft her Kai- ’erin Alexandra. Wie wir nun gestern meiben mußten, ist hie Zarin zu früh eutbunben worben. Der Leibaceoucheur her Kaiserin, Professor Olt, giebt offiziell bekannt: Die Zarin befand sich seit einigen Monaten in gesegneten Um» tänhen. Zur Zeit ist es jedoch infolge Abweichung vom normalen Verlause des Prozesses zu einer Fehlgeburt gekommen, die sich ohne Komplikationen bei im übrigen normaler Temperatur unb normalem Puls vollzog. aber auch mit Unrecht weniger bekannte wie Dirk Bvuts u. a., ober neuere wie Rethel rc. auch ben Unbemitteltesten nahe bringen. Der Zar hat im Mai fein 34., hie Zarin Anfang Juni ihr 30. Lebensjahr vollenbet. Prinzessin Alix von Hessen hat sich bekanntlich im November 1894 mit hem Zaren vermählt, unb der Ehe sind bisher vier Töchter, deren älteste am 15. November 1895, deren jüngste am 18. Juni vorigen Jahres geboren wurde, entsprossen. Bei uns in Hessen ist die Teilnahme natürlich besonders warm, und wir wollen hoffen, daß der Ausgang ein gleich künftiger wird wie bei der jungen Königin von Holland, die ihre schwere Krankheit glücklich überstanden hat. Während ihrer ganzen Ehe ist die Zarin, soweit bekannt, nicht ernstlich trank gewesen, dagegen hatte der Zar einen heftigen, ihn aufs äußerste erschöpfenden Typhus durchzumachen. Ueberhaupt gilt die Zarin für bedeutend widerstandsfähiger, als ihr Gemahl, ben s. Zt. her geräuschvolle unb strapaziöse Empfang in Frankreich berart angriff, daß er sich zurückziehen mußte. Damals — es war her bebeutungsvolle historische Moment, wo her Zar zum ersten Male bas heißbegehrte Wort „Bündnis" gebrauchte — herrschte Bewunderung darüber, wie sicher und grazil die Zarin ben ungeheuren Anforderungen an die Nerven standhielt. Alles das darf wohl die Erwartung rechtferttgen, daß die Kaiserin Alexandra die Erkrankung rasch und glücklich überwinden wird. Die Hoffnungen des russischen Reiches richteten sich auf die Geburt eines Thronfolgers. Kriegsminister v. Goßler. In einigen Zentrumsblättern finden wir folgenben Artikel: „General v. Goßler befinbet sich allerbings bereits 6 Jahre in her Stellung bes Krie-gsministers, ein für diesen in neuester Zeit nicht selten wechselnden Posten ungewöhnlich langer Zeitraum. Jeboch gehört er noch keineswegs zu ben bienstältesten Generalen, obgleich er bereits mehrere Hinterleute unter ben kommandierenden Generälen besitzt Tie Stellungen des Kriegsministers und diejenige des kommandierenden Generals rangieren in gewisser Beziehung mit einander gleich. Jedoch ist her Kriegsminister gewissermaßen Primus inter pares, unb es sind hie Eommanbieren* ben Generäle, ohne seine Untergebenen zu sein, verpflichtet, den ressortmäßigen Weisungen des Kriegsministers zu folgen. Bei ben kommandierenden Generälen hot sich in neuerer Zeit her Usus hevousgebilbet, daß sie etwa 5 bis 6 Jahre in ihren Stellungen verbleiben unb alsdann ihr Abschiedsgesuch einreichen, um jüngeren Kräften Platz gu machen. Es gehört dies sozusagen zum „guten Ton". Rur vereinzelte Ausnahmen, wie z. B. General 0. Lentze und General Graf Häseler, die über 10 Jahre an her Spitze ihres Armeekorps standen bezw. stehen, fanden statt. Ter Kriegsminister i#ürbe daher nur dem im allgemeinen üblichen Vorgänge folgen, wenn er demnächst im siebenten Jahre seiner Amtsführung zurücktritt. Taß derselbe noch ein Armeekorps erhalten würde, gilt bei seinem inzwischen vorgeschrittenen Lebensatter für nicht wahrscheinlich, wenn es auch nicht absolut ausgeschlossen ist, da der General dem Monarchen in seiner Stellung als Kriegsminister besonders nahe getreten ist. Ob etwa neueste hinsichtlich der weiteren Ausgestaltung des Heeres gehegte Pläne ober die Ergebnisse bes Lehnbvrfschen Pferbe-Aufbringungssystems für ben eventuellen Rücktritt bes Kriegsministers maßgebend sein könnten, läßt sich nicht übersehen. Immerhin tände derselbe in nicht ferner Zeit vor her Aufgabe her Neuforberung her vom Reichstage feiner Zeit abge- lehnten 7000 Mann her H e er espräs enzst är ke, eine Forherung, deren Bewilligung in Anbetracht der derzeitigen lange Tauer versprechenden friedlichen Lage, sowie des vorhandenen 48 Millionen-Tesizits wohl als ausae- chlossen gelten kann." Ein verhinderter Ministerzweikampf. Wir haben kürzlich berichtet, daß zwischen dem fran* Eschen Kriegsminister General Andre unb hem Marinerninster Pelletan ein Konflikt ausgebrochen war, her beinahe zu einem Duell geführt hätte, wenn nicht Präsibent Loubet in höchsteigener Person interveniert hätte. Die Ursache des Konslittes soll nach Mitteilungen her regierungsfeindlichen Presse die Weigerung des Kriegsminister gewesen sein, seinem Kollegen von der Marine einen feiner Ordonnanzoffiziere abzutreten. Es war dies der Hauptmann Humbert, der bann plötzlich nach Vincennes zum 26. Jägerbataillon versetzt wurde, einZwischen- all, an den sich noch mehrere andere knüpften, die nicht zum Vorteile des Generals Andre gedeutet wurden. Vor vierzehn Tagen erschien im antiministeriellen „GHo he Pans" ein Interview, das den Kriegsminister zum Gegen- tand hatte, und von dem es hieß, es sei von dem Marineminister Pelletan selbst inspiriert worben. Darin würbe General Anbrs ein Dummkopf genannt unb ein ernster Hanbel zwischen ihm unb Pelletan, her auf die Geschichte mit dem Hauptmamr Humbert zurückkommen werde, in Aussicht gestellt. Der Kriegsminister war damals abwesend und erfuhr erst 'bei seiner Rückkehr von der Sache. In einigen kurzgefaßten Zeilen forderte er den Marineminister auf, durch die Agentur Havas Form unb Inhalt bes Interviews zu verleugnen. Pelletan antwortete, bas falle chm gar nicht ein, und er soll biefe Erklärung mit einigen Derbheiten begleitet haben. Nun traf General Anbre Anstalten zu einem Tuell. Tie meisten Minister waren abwesend, und her Finanzminister 310Ubier, an ben hie Aussorberimg erging, den Streit zu schlichten, lehnte bas Ansinnen ab, ba er unb Pelletan seit ber Panamaaffaire her Dcrfeinbet sinb. So mußte her Präsibent ber Republik selbst sich ins Mittel legen. Wenigstens wirb sein unerwartetes Eintreffen in Paris, über bas viel hin und her geraten wurde — man sprach auch von einem Besuch bei seinem Zahnarzt —, schließlich 0 gebeutet. Es soll ihm gelungen sein, ben Kriegsminister merkwürbig rasch zu besänftigen, was umsomehr auffie^ 325 339 72 Besoldungen Diäten und Gebühren Botenlohn und Verkündiguugskosten Für Bureaubedürfnisse und Gerätschaften Unterhaltung der Kreisstraßen Neubau von Kreisstraßen .... Beiträge zu den Kosten der Naturaloerpflegungsstation 20a Für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke 21 Kosten des chemischen Untersuchungsamts . 22 Uneinbringliche Posten und Nachlasse . 23 Auszuleihende Kapitalien . . . . 24 Zinsvergütung und Reichsstempelsteuer als der General Andr6 vor feinem Gange nach dem Elyfee- Palaste geschworen hatte, er würde eher sein Portefeuille niederlegen, als nachgeben. Die neue russische Uuiverfitatsoerordmmg. Ter gegenwärtige Minister der Volks auf klärung, von Sänger, hat ein Rundschreiben an die Kuratoren erlassen, das verschiedene bemerkenswerte Verordnungen enthält unb nicht ohne Einwirkung auf das llniversitätsleben bleiben wird. Tie sogenannte „geheime Charakteristik", welche die Direktoren der verschiedenen Gymnasien über ihre Abitu- rieulen an die Rektoren der Universitäten einschicken sollten, hat in Wegfall zu kommen. Diese Neuerung ist von der Petersburger Presse mit großer Zustimmung begrüßt worden. Weniger gefallen aber dürften diesen Blattern einige andere Verordnungen, welche direkt ihre Spitze gegen die Tumultuanten aus txen Hochschulen richten. In Zukunft sollen nämlich bei der Immatrikulation in erster Linie die Abiturienten der Anstalten berücksichtigt werden, deren frühere Zöglinge sich an den Unruhen der letzten Jahre wenig oder gar nicht beteUigt Haven. Sind diese alle untergebracht, unb ist bann noch Platz auf ben Hochschulen, so können die aus -d.er schwarzen Liste stehenden Anstalten ebenfalls an die Reihe kommen. Aber sehr viel dürfte für sie jedenfalls nicht übrig bleiben. Diejenigen Studenten, welche wegen der Unruhen für die Dauer einer bestimrnten Frist von den Universitäten entfernt worden waren, sollen in keinem Fall vor Ablauf dieses Zeitraumes wieder zum Studium zugelassen werden, und auch dann soll dies nur möglich sein, wenn sie ein Zeugnis über gute Führung während der Zwischenzeit beibringen können. Was die Aufnahme von Juden anbetrifft, so soll ihre Anzahl nach den Bestimmungen des vorigen Jahres eingeschränkt bleiben. Nur in Warschau, Odessa und am Rigaschen Polytechnikum wird ein etwas höherer Prozentsatz zugelassen. Endlich giebt Herr v. Sänger eine bemerkenswerte Erklärung zu der von seinem Vorgänger geplanten Stubentenorganifcttion ab. Dieselbe wird vorläufig zurück- gestellt, solange noich nicht eine in Aussicht genommene nochmalige Prüfung durch eine Anzahl Minister stattgefunden hat. Als Grund dieses Entschlusses wird angegeben, einerseits das mangelnde Interesse der Studenten an der Sache, andererseits die Schwierigkeit, den Plan mit anderen, bereits bestehenden Verordnungen in Einklang zu bringen. Die Juden in Newyork. Die Zahl der in Groß-Newyork, welches Brooklyn einschließt, lebenden Juden wird von der „Jewish World" auf rund 600 000 geschätzt. Das Blatt berechnet diese Zahl zunächst auf Grund der Sterbefälle, welche um die Mitte des vorigen Jahres7997 betrugen, was der für Groß-New- york geltenden jüdischen Sterbeziffer zufolge eine Bevölkerung von 533133 ergiebt. Seitdem sind 39 225 Juden mehr in Newyork eingewanbert, und der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle läßt sich bis 1. August dieses Jahres auf 21400 schätzen, was zusammen eine Bevölkerung von 584 788 ausmachen würde. Die genannte jüdische Zeitschrift meint, daß sie damit die Zahl der Glaubensgenossen wahrscheinlich noch zu gering veranschlagt habe. In der alten Stabt Newyork allein fanden im Jahre 1901 5062 jüdische Eheschließungen statt. Nimmt man eine Heiratsziffer von 10 auf das Tausend an, was eine sehr hohe Ziffer ist, so würbe bas für 1901 für bas alte Newyork allein eine Bevölkerungszahl von 506 200 ergeben, wozu bann noch bie 70 000 Juden in Brooklyn und, wie oben erwähnt, die spätere Einwanderung und der Ueberschuß an Geburten zu rechnen wären. Tie hohe Heiratszifser erklärt sich aus dem Umstande, daß der Prozentsatz der Erwachsenen unter den einwandernden Juden sehr groß ist. Auf jede drei Junggesellen kamen zwei Mädchen. Die rund 600 000 Juden in Groß-Newyork bilden 16,5 pCt. der Gesamtbevölkerung der Stadt, während 500 000 allein in Mt-Newyork wohnen, also 27 pCt. der Bevölkerung der eigentlichen Stadt Newyork ausmachen. Die „Jewish World" schließt: „I e d e r v i e r t e Mensch, dem man in Newyork begegnet, ist ein Jude oder eine Jüdin." Aus Stadt und Land. Gießen, 3. September 1902. Mitteilungen aus dem Publikum werden gern entgegengenommen und angemessen honoriert. *• 5. Hessische Landeslotterie. 6. Klasse. Aus Darmstadt erhalten wir telegraphisch folgende Gewinnliste: Es fielen Gewinne zu je 3000 Mk.: 3447 (Gr.-Gerau) 17555 (Mainz) 24880 (Darmstadt) 42029 (Darmstadt) 43362 (Darmstadt) 49819 (Oldenburg) 50789 (Darmstadt). 2000 Mk.: 9042 9866 17298 22214 23136 32752 40121 54362 54519. 1000 Mk.: 2321 7895 12155 15317 15442 16092 16506 20572 22967 24362 26404 26419 29799 36214 39962. (Ohne Gewähr). ** Zirkus Maximilian. Es war die höchste Zeit, daß Gießen in dieser konzert- und theaterlosen Zeit wieder einmal eine „Attraktion" bekam. Man dürstete nach einer Abwechselung in diesem langweiligen Einerlei des täglichen Lebens, das durch nichts, aber auch rein gar nichts unterbrochen wurde. Da kam der Zirkus Maximilian gerade recht, und ein volles Haus war ihm von vornherein sicher. Schon lange vor Beginn der Vorstellung war der größte Teil der Plätze vergeben; und als endlich um 81/4 Uhr überall in dem riesigen Zelt das elektrische Licht aufflammte und die Klingel ertönte, war beinahe jeder Platz besetzt. Wir gönnen dem Besitzer diesen Erfolg gern; denn was er bot, ging im allgemeinen weit über Durchschnittsleistungen yinaus. Wer ist übrigens dieser Besitzer, dieser Maximilian B., wie er sich so geheimnisvoll nennt? Die einen vermuteten in ihm den jungen Busch, die anderen einen Ableger und Imitator von Barnum L Bailay. Nichts von alledem trifft zu. Herr Direktor Maximilian B- ist ein geborener Berliner, entflammt einer gutsituierten Bürgerfamilie unb hat acht Geschwister, die sämtlich, trotzdem sie nicht von Artisten abslammen, beim Bariöts und Zirkus unter den verschiedensten Namen hervorragende Stellungen bekleiden. So ist u- a. seine Schwester mit dem Altmeister zirzensischer Künste, Herrn Kremser, vermählt. Beim alten Kremser ist Herr Direktor Maximilian B. auch in die Schule gegangen und begann dort seine erfolgreiche zirzensische Laufbahn als Jockeyreiter, Salto- mortale- und Parforcereiter, und zwar 1886 un Aller von 16 Jahren, also auch vor 16 Jahren, da er 1870 geboren ist. Bis heute ist der in noch Verhältnis mäßig jungem Alter stehende Direktor unbeweibt geblieben (aljo noch . u haÜes!). Wie ein Feldherr bidgiect er fein au, lu_ Personen bestehendes Personal, und jede Vorstellung wickell such trotz des kolossalen Apparates glätt und ohne jegliche Störung ab, wobei ihm fern Schwager Edmund Loyal, als alter, erfahrener Regisseur thatkräftig zur Selle steht. Im Jahre 1896 fing der Direktor Maximllian B. die mittlerweile berühmt gewordene Elefantennummer an und zwar anfangs bts 1900 in fremden Zirkus-Etablissements und seit etwa jtoei Jahren in seinem eigenen Zirkus, mit dem er ganz Frankreich bereiste, bevor er seine Tourns durch Deutschland und zwar in Sachsen begann. Dieser großartige Dressur-Akt mit seinen stattlichen fünf Elefanten stellt der Ausdauer und dem Fleiße des Direktors das glänzendste Zeugnis aus. Mit welcher Präzision und spielenden Leichtigkeit, Eleganz und Munterkeit er sich übrigens dieses Bravourattes entledigt, das muß man gesehen haben. Unb bas Publikum klatschte auch Beifall, daß die Handschuhe platzten. Neben dem Direktor glänzt dessen älterer Bruder, als S-ennor Fessi, mit seiner eigenartigen Stier-Dressur. Früher ein sehr bedeutender Schulreiter im Zirkus Renz rc., produziert sich dieser elegante Künstler als Dresseur eines andalusischen Stieres, dessen Vorführung auch gestern den größten Applaus halte. Bekanntlich ist dieser Stier der einzig brenterte in der ganzen Welt. Verschiedene Künstler haben sich an dieser Dressur versucht, aber Sennor Fessi ist es bis jetzt allein gelungen, in zweijähriger, unermüdlicher Arbeit diesen Prachtstier bis zu unerreicht hoher Vollendung zu dressieren. Schon im Zirkus Busch erroeette dieser schwierige Dressurakt großes Aufsehen, da die Vorführung der Hohen Schule auf diesem Prachtexemplare seiner Rasse äußer st wirkungsvoll ist. Sennor Fessi macht dank seiner eleganten Männergestalt und mit seinem südländischen Typus in seinem spanischen Kostüm aus dem Sattel dieses eigenartigen „Schulpferdes" einen ungemein vorteilhaften Eindruck. So neu und interessant auch die erwähnten Nummern des gestrigen Programms waren, so müssen wir doch daran erinnern, daß die Hauptaufgabe aller zirzensischen Unternehmungen die Dressur des Schulpferdes ist und bleiben muß. Herr Manuel Herzog führte uns Gouette dör, einen schönen Trakehner Hengst, in der hohen Schule geritten vor unb fanb oerbiente Anerkennung. Desgleichen war die Vorführung seiner sechs in Freiheit dressierte^ russischen Rappheng st e eine Musterleistung. Ebenso großen Beifall fanden die Damen Delbosque mit ihrem Sportakt, Mlle. Josephine mit ihrem in Freiheit vorgeführten Schimmelhengst. Die anderen Stummern des Programms sind ja heute so modern, daß sie in keinem Zirkus fehlen dürfen. Da ijt zunächst La Bella Aida, wo man nicht sicher ist, ob man mehr die reizende Künstlerin bewundern soll oder ihren graziösen Drahtseilakt. Mr. H. Martens brillierte mit einer ungewöhnlichen Fertigkeit im Präzisionsschießen, und die Gebrüder Deike fanden als Akrobaten ungeteilten Beifall. Le jeune Adonis kann als Equilibrist Contorsioniste wohl ebenso wenig übertroffen werden, als dNons. Edmund Loyal mit seinen eigenartigen Jongleurkünsten zu Pferde.. Schließlich dürfen wir nicht des Signor Sechi vergessen, der sich als ein hervorragend gewandter Jockeyreiter präsentierte. Die Entrees der verschiedenen Clowns waren äußerst amüsant. — Wir können auch für bie folgenden Tage dem Zirkus unb seinen Künstlern nur ben besten Erfolg wünschen. K. Der hessische Landes-Lehrerverein wird seinem Obmann, Oberlehrer Backes aus Darmstadt, aus Anlaß seiner 20jährigen verdienstvollen Leitung des Vereins — man denke nut an das Zustandekommen der jüngsten Lehrerbesoldungsvorlage — eine besondere Ehrung zu Teil werden lassen. Der Vorschlag, ein Bild des Obmannes Herstellen zu lassen, hat unter den Lehrern Hessens große Zustimmung gefunden, sodaß bie Ausführung des Planes gesichert ist durch die bereits sehr zahlreichen Bestellungen. Im Anschluß hieran soll ferner eine „93acfeS»«Stiftung" ins Leben gerufen werden und zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken im Interesse des Lehrerstandes Verwendung inden. 8. Wetzlar, 3. Sept. Am gestrigen Tage wurde die General-Lehrerkonferenz für die Lehrer des Kreises Wetzlar im „Schützengarten" zu Wetzlar abgehalten. Außer den drei Kreisschulinspektoren waren Geheimer Regierungsund Schulrat Anderson-Koblenz, Landrat Dr. Sartorius-Wetz- ar sowie viele Geistliche des Bezirks erschienen. Als Thema land zur Verhandlung: „Welche Aufgaben stellt das Für- orge-Erziehungsgesetz vom 2. Juli 1900 den Lehrern und Lehrerinnen der Volksschule und wie können diese überhaupt zu einer gedeihlichen Durchführung des Gesetzes mllwirken." Die Arbeiten drr beiden Referenten wurden lobend anerkannt. W. Nidda, 3. Sept. Aus Anlaß der 32. Wiederkehr des Sedantages leuchteten gestern abend auf den um» äegenben Höhen Freubenfeuer weit ins Lanb hinaus. Bis tief in ben Vogelsberg hinein waren biefe leuchtenben Erinnerungszeichen einer großen Zeit zu sehen. In Bab Salzhausen würbe zur Feier des Tages ein Brillant- Feuerwerk abgebrannt, bas sehr viele Zuschauer aus nah unb em herbeigelockt hatte. — Vom 9.—12. September wirb unser Städtchen gedrängt voll Soldaten fein, einmal wohl über 1000 Mann. Auch ein Proviantamt wird hier errichtet. In letzter Zell weilten verschiedentlich höhere Offiziere hier, um die erforderlichen Schritte zu thun. -In der Nahe der Stadt, beim „Dauernheimer Hof", findet ein Biwack statt. Kassel, 1. Sept. Ein in der Henschel'schen Lokomotivenfabrik beschäftigter Arbeiter wollte einen Maschinentell putzen und bediente sich dabei einer Winde, um ihn hochzuwmden. Dabei ließ er versehentlich die Kurbel los, die ihn dermaßen vor den Magen traf, daß er zurücktaumelte, mit dem Kopf auf einen Maschinenzylinder aufschlug und einen schweren Schädelbruch davontrug. An den Folgen der Verletzung ist er bald darauf im Landkrankenhaus, wohin man ihn gebracht hatte, gestorben. Heute früh entgleiste eine Maschine der der Kohlen- unb Steineförberung im Drusenthal bienenden elektrischen Herkulesbahn nut 6 Kohlenbehältern, wodurch die Straße etwa 1 Stunde gesperrt war. Em Führer wurde hierbei leicht, em Kohlenfuhrmann erheblicher verletz! (Arm- und Rippenbruch). Die Ursache des Unfalls soll darin zu suchen fein, daß der Führer bei dem feuchten Wetter die Sandstreuer nicht benutzte und die Bremsen nur teilweise und nicht recht- zellig in Thätigkell setzte. Der Führer 111 bereits 80 Meter nach der Ausfahrt aus der oberhalb (in der Horizontale) ! egenden Weiche nach Beginn des starken Gefälles von der Maschine abgesprungen unb hat die Maschine dann führerlos den Berg hmablaufen lasten. Der Bahnkörper w»'tde mcht nennenswert beschädigt, der Materialschaden an Maschine und Kohlenwagen aber ist erheblich. Vermischtes. • Delitzsch, 2. Sept. Der vor etwa Monatsfrist auS der Strafhaft in Halle wegen schwerer Erkrankung beurlaubte ftühere Magistratsassessor Simon von hier ist heute hier gestorben. Er war an Körper und Geist völlig gebrochen. Sell 1898 hat er bis jetzt eine 3jährige Gefängnisstrafe von den ihm vom Schwurgericht Halle zu- diktierten 5 Jahren verbüßt. Bekanntlich war Simon als Hauptträger eines in der städtischen Verwaltung cm» rissenen Korruptionssystems festgestellt worden. Seine Mitschuldigen wurden s. Z. geringer bestraft. • Temesvar, 3. Sept. Hier wurden vier Arbeiter verhaftet, weil dieselben falsche Kronen stücke angefertigt hatten. * Port Elisabeth, 2. Sept. Von dem bei dem Orkan gescheiterten deutschen Schiff „Nautilus" wurden drei Mann gerettet. Vom „Coriolanus" ertranken zwei Mann, die übrigen wurden gerettet. • Die vulkanischen Eruptionen in Mittelamerika. Ein dem franz. Minister der Kolonien aus Fort de France zugegangenes Telegramm bestätigt, daß die Dörfer Morne Rouge, Ajaupa, Bouillon und Morne London durch ben Ausbruch bes Mont Pelve m ber Nacht zum 31. August zerst 0 rt würben. Nach Melbungen der Polizisten auf Martinique finb 10 60 Menschen umgekommen unb 1500 verletzt worben. Die lieber» lebenben wurden aus den verwüsteten Ortschaften nach Fort be France unb Umgegenb gebracht. Fort be France litt nicht. Morne-Rouge war bei ber Eruption bes Mont Pelse im Augenblick von brühenb heißem Wasser und Schmutz massen überflutet. Ajoupa, Bouillon ist von Schmutzfluten des Flusses und herniederfliegenden Steinen zerstört. Während des Ausbruches war die See in furchtbarem Aufruhr. Eine Flutwelle wogte längs der ganzen Küste. In Le (Sorbet kamen viele Personen in den Fluten um. Nach der Eruption versank eine Strecke von mehr als einer Meile Länge am Ostende ber Insel ins Meer. Granb Rivisre auf Martinique ist gleichfalls zerstört. Die Regierung beabsichtigt, ben nördlichen Teil ber Insel zwischen Lorrain unb Le (Sorbet räumen zu lassen. Die Schreckensszenen, bie sich beim ersten Ausbruch abspielten, wiederholten sich. Die Temperatur auf Martinique ist fast unerträglich. — Privatdepeschen auS Point a Pitre schildern nach Erzählungen von Personen, welche Martinique in der Nacht von Samstag zu Sonntag verließen, die Stimmung in Fort be France sehr büfter. Das Louis-Fort hat kaum Platz für bie große Zahl ber Verwunbeten, bie sich borthin retten konnten. Unter den Toten befinden sich in der Mehrzahl Frauen und Kinder. In Morne Rouge ist auch nicht ein einziges lebendes Wesen dein Tode entgangen. Die Regierung ist entschlossen, die ursprünglich beabsichtigte, dann wieder auf- gegebene vollständige Räumung des Nord - Bezirkes von Martinique rasch durchzuführen. Die schwarze Bevölkerung soll teils nach Guadeloupe, teils nach Cayenne geschafft werden. Es scheint jedoch, daß viele Schwarze die freiwillige Auswanderung nach Cuba vorziehen. • In ungarischen Adelskreisen ruft folgender Vorfall lebhafte Erregung hervor. Die beiden jungen G r a f e n Mirbach drangen m das Haus des Grafen Peter Haller und verwundeten ihn schwer an Kopf und Schultern. Graf Haller erstattete gegen die beiden Mirbach Strafanzeige. Das Motiv der That ist in einem Familienzwist zu suchen. * Ein energisches Mädchen". Unter vorstehender Spitzmarke erzählt der „Elsässer Volksbote" von der Lauter folgende Geschichte, die sich fast wie ein Roman lieft, für deren Richtigkeit aber das genannte Blatt wob! bürgen wird: Vor einigen Jahren langte im Lauterdorfe Sch. ein gewisser K. als Forstpraktikant an, bald darauf wurde der junge Mann schwermütig und legte eines Tages Hand an sein Leben. Ter Selbstmörder wurde auf dem Friedhöfe in Sch.-begraben. Einige Zeit nachher sandte eine unbekannte Dame an den Freund des K. nach 3d), einen anonymen Brief, in dem sie anaab, sie sei die Braut des K. und übermittle das nötige Geld, nm dem SU einen Grabstein zu setzen. Vorläufig wolle sie ihren Namen und ihren Wohnort verschweigen und nur mitteilen, daß sie ein braves, aber armes Mädchen sei. Aus diesem Grunde hätten die Ettern ihres Bräutigams sich ihrer Verehelichung mit K. hindernd in den Weg gestellt. K. and) habe trotz seiner Zuneigung zu ihr, aber mit Rücksicht auf sein späteres Avancement wohl bie Verlobung nicht aufgehoben, aber doch selbst Bedenken gehabt, sie später als Frau heimzuführen. Tas habe ihn in den Tod getrieben. Sie schloß ihren nach Sch. eingefd)itften Brief mit der bemerkenswerten Wendung, „daß sich selbst das Leben nehmen immer wieder eine Feigheit und eines Mannes unwürdig sei. Jeder Mensch habe die Verpflichtung, aud) dem härtesten Lebensschicksale die Stirn zu bieten. Tarin läge eigentlich jedes Menschen Mut." Tiefer Tage traf nun die Unbekannte in Sch. ein und verlangte die Grabstätte des K. zu sehen. s2üt derselben verweilte sie lange Zeit betend. Darauf erkundigte sie sich, roa «b-?r Freund des K-, der vor Jahren mit der Stellung des K.'schen Grabsteines betraut war, wohne. Tiefen besuchte sie, dankte für feine Bemühungen und machte ihm folgende Angaben: „Ich bin dasjenige Mädchen, das das K.'sche Grabdenkmal stellen ließ. Als sich E^das Leben nahm, war ich feine Braut unb Lehrerin in N. Seine 2Jat empörte mich, und ich faßte den Vorsatz, dem feigen Selbstmörder zu zeigen, daß ich seiner doch würdig gewesen wäre. Alle meine freie Zeit widmete ich von damals ab dem Studium. Ein Jahr darauf bestand ich das Examen als Lehrerin für die höheren Töchterschulen. Zwei Jahre nachher erlangte ich durch das Abfolutorium die Berechtigung zu Univerfitätsstudien, und zu guterletzt errang ich den Jo ft or titel. Heute bin ich Leiterin einer bedeutenden höheren Äcäbchenanstalt und Mitarbeiterin der meisten in Deutschland ausgegebenen Frauenzeitungen." — Drei Tage lang blieb die Dame in Sch. Ihre Enthüllungen wurden bekannt. Jedermann wollte sie sehen. Tos Lebensalter der Studenten. Professor Pelerfilie untersuchte in seiner Arben über „Uni» I versilälsbesuch und Studentenschaft aus den deutschen Universitäten" auch das Lebensalter der Studierenden. Es liegen Nachrichten darüber iur die Hald'abre 1886/87—1895—96 und 1899—1900 vor. Wenn das Gymnasium, dem die große Mehrzahl der deutschen Studenten entstammt, glatt durchlaufen wird, so muß das Älter von 18 bis 19 Jahren das des Eintrittes in die Universität sein. „Es ist erfreulich, so führt Petersilie aus, festzustellen, daß der Prozentsatz der Studierenden dieses Alters im Steigen begriffen ist. Von je 100 Studierenden hatten dieses Alter in dem Zeiträume 1886/87 bis 1891 3,28, in dem Zeitabschnitte 1891/92-1895/96 3,83 und 1899—1899/1900 3,88. Die noch jüngeren Studenten sind dagegen etwas im Rückgänge begriffen; Studierende in einem Alter von 17—18 Jahren gab es auf je 100 in diesen drei Zeiträumen 0,53 bezw. 0,45 und 0,39; unter 17 Jahre alte kamen zu jeder Zeit nur ganz vereinzelt vor. Einen verhältnismäßig recht beträchtlichen Anteil machten die Studierenden m reiferen Jahren aus; in obigen drei Abschnitten gab es unter je 100 Studierenden solche von 80 bis 40 Jahren 1,69 bezw. 1,73 und 1,84; es zeiht sich hier also eine Zunahme. Studierende dieses Alters sind natürlich kaum jemals solche, die ihre Studienzeit unverhältnismäßig lange ausgedehnt haben, sondern fast ausschließlich Männer, die bereits in einem Lebensberufe standen und dann abermals aus irgend einem Anlaß, über den nur Vermutungen bestehen können, die Universität wieder ausgesucht haben. Ein Urteil darüber, ob diese Erscheinung günstig oder ungünstig ist, läßt sich nur schwer fällen, da eben die Beweggründe eines so verspäteten Universitätsbejuches sich nicht sicher feststellen lassen. Sollte mißliche wirtschaftliche Lage und mangelhaftes Fortkommen in dem bisherigen, wohl meist praktischen Berufe, zu einem Berufswechsel führen, so würden die obigen Zahlen, zumal in ihrem Wachstume, allerdings ein wenig erfreuliches Zeichen der Zeit darstellen. Auf die einzelnen Fakultäten verteilen sich die verschiedenen Lebensalter in grund- ätzlich von einander abweichender Weise. Die jüngsten Stuoenlen inden sich naturgemäß in der philosophischen Fakultät. Das rührt )aher, daß allein in dieser Fakultät Jmmaturi in größerer Zahl ausgenommen werden können; dies betrifft in erster Linie Landwirte, Pharmazeuten, Chemiker, Zahnärzte u. a. m. sowie solche, die sich nur, um eine allgemeine Bildung zu erwerben, auf der Universität aufhalten. Das Gleiche gilt auch von den ältesten Studierenden; auch sie sind vorzugsweise in der philosophischen Fakultät eingeschrieben, allerdings bleiben die Zahlen der medizinischen Fakultät nicht sehr hinter denen der philosophischen zurück; in dem ersten Zeitabschnitte zählte die katholisch-theologische Fakultät auffallend viel Studierende zwischen dreißig und vierzig Jahren; gegenwärtig hat keine andere Fakultät so wenig dieses Alters. Das Alter von 18—19 Jahren findet sich am stärksten in der puristischen Fakultät vertreten, nächst dieser in der evangelischtheologischen ; bei der ersteren ist der Prozentsatz gefallen, bei der letzteren gestiegen." Was die verhältnismäßig große Zahl der Studierenden im Alter von 30—40 Jahren betrifft, so wäre eines zu untersuchen, nämlich in wie weit die Studierenden dieser Altersstufe nicht lediglich chrer Fortbildung wegen die Universität zum zweiten Male bezogen haben. Das Streben nach Fortbildung ist ein ganz moderner Zug. Vor einem Vierteljahrhundert etwa spielte die Fortbildung von Studierten gar keine Rolle. Es kam höchstens ganz ausnahmsweise jemand, der schon länger in seinem Berufe stand, in den Sinn, noch einmal zur Universität zu gehen, um sich mit den neuerlichen Fortschritten seiner Wissenschaft vertraut zu machen. Das ist mittlerweile ganz anders geworden. Der Fortbildungsunterricht ist ein gesichertes Stück der Hochschulpädagogik. Die größte Ausdehnung hat der Fortbildungsunterricht bei den Medizinern. Es giebt aber auch Fortbildungskurse für Lehrer der Naturwissenschaften, für klassische und für Neuphilologen. Wemr diese Kurse auch vielfach eine eigene, mit der Universität nicht zusammenhängende Organisation haben, so sind sie doch ein Zeichen dafür, daß bei den Studierten verschiedener Gattung ein lebhaftes Streben nach Fortbildung besteht und dieses Streben versuchen die Studierten auch dadurch zu beliebigen, daß sie von neuem die Universität beziehen. Von den Aerzten weiß man, insbesondere, daß verhältnismäßig viele, sei es, daß sie Lücken ergänzen wollen, ober sich für ein Sonberfach, zu bem sie übergehen, wollen, vorbereiten, für längere ober kürzere Zeit ben Universitätsbesuch roieber aufnehmen. In anderen Fakultäten sind es die Seminarübungen, die auf Studierte eine starke Anziehung ausüben. In ben Seminaren, zumal in ben volkswirtschaftlichen, finben sich oft genug Männer, welche bas akabemische Studium schon lange hinter sich haben, im Berufe gestanden haben oder noch stehen, am Seminar aber teilnehmen, um ihre Kenntnisse zu vertiefen und die Methodik der wifsenfchaftlichen Arbeit genauer kennen zu lernen. UniverMs-Uachrichten. — Dr. Willy Wien, ordentlicher Professor der Physik in Würzburg, ist, wie wir bereits mitteilten, an die Universität Leipzig berufen worden, wo durch Boltzmanns Rückkehr nach Wien ber erste Lehrstuhl der Physik und die Direktion der physikalischen Universitätsanstalt frei geworden ist. 1864 in Ostpreußen geboren, erhielt Wien seine Schulbildung zu Rastenburg und Königsberg, studierte in Göttingen, Heidelberg und Berlin. Unter Wiens Lehrern waren die Physiker Helmholtz, Kirchhoff, Bunsen, Quincke, die Mathematiker Wererstraß, Kronecker, Schwarz, Fuchs und die Philosophen Zeller und Dilthey. Mit „Untersuchungen über die bei der Beugung des Lichts auftretenden Absorptionserscheinungen", wurde er 1886 von der Berliner philoso- phischen Fakultät zum Doktor promoviert. 1890 trat Wien als Hilfsarbeiter bei der physikalisch-technischen Reichsanstalt ein, bei welcher er tm Jahre darauf eine Assistentenstelle erhielt. 1896 wurde Wien durch Den Profeffortitel ausgezeichnet. 1897 wurde er an die technische Hochschule in Aachen abgeordnet. 1899 wurde er als ordentlicher Professor nach Gießen berufen. Im Jahre darauf siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Würzburg über, wo er Röntgens Nachfolger wurde. Die Arbeiten Wiens betreffen an erster Stelle den Ausbau der Lehre von der Erhaltung der Energie, die Optik, Mechanik, Elektrizitätslehre. Kunst und Wissenschaft. Der reiche BUderschatz der Wormser Gemälde-Ausstellung hat, wie wir erfahren, eine neue Bereicherung an hervorragenden Werken alter und zeitgenössischer Meister erfahren. Und zwar besteht diese Vermehrung in einer sehr interessanten Oelskizze, einer PietL von A. van Dyck und in einer Hafenlandschast von I. van (Sogen. Von Werken moderner Meister sind drei Thoma und ein Gabriel M ar hinzugekommen. Von dem Letztgenannten ein „Mädchenkopf" (Oeldild); von H. Thoma zwei Oelbilder: „Flora" und „Konzertierende Engel auf einer Wolke" und schließlich von demselben Maler ein sehr interessantes Aquarell, „Flucht der helligen Familie". — Aus Frankfurt schreibt man uns: Ter Kunstfalon Hermes hat seine Herbstsaifon eröffnet mit einer Sonderaus- stellung des holländischen Malers P. Eornelis de Moor, bestehend aus 21 Genre- und Landschastsbildern. Mit größeren Kollektionen sind außerdem vertreten Hans Thoma, Gustav Schönleber und Fritz v. Uhde. Emzelwerke der bekannten Meister, ivie Defregger, Leibl, Bocklin, I. v. Brandt, Max Liebermann, G. Max, L. v. Hofmann rc. vervollständigen die reichhaltige Sammlung. Leipzig, 2. Sept. Die Sammlungen für Klingers große Beethoven-Statue sind soweit gediehen, daß das Werk im Januar 1903 in den Besitz des städtischen Museums zu Leipzig übergeht. Kopenhagen, 3. Sept. Wie dem „Honningsvaag" gemeldet wird, passierte das Hilfsschiff der Baldwin-Expedition „Fridthjos" die dortige Außenrhede. Eine Verbindung mit dem Schiff erhielt man nicht. Ktteratur. — Die eigenartigen Dämmeruugscrscheinungen, die aus manchen Gegenden gemeldet werden, und höchstwahrscheinlich durch die beim Ausbruch des Alont Pelse in die Luft geschleuderten Staubmassen hervorgerufen werden, erinnern wieder an die überaus prächtigen, einzigartigen optischen Phänomene, die bei, resp. nach dem furchtbaren Ausbruch des Krakatoa im Jahre 1883 auf der ganzen Erde beobachtet wurden. Diese Dämmerungserscheinungen bringt in einer geradezu musterhaften farbigen Illustration das Heft 10 des fchon jetzt außerordentlich populär gewordenen wissenschaftlichen Prachtweckes „Weltall und Menschheit". (In Verbindung mit hervorragenden Fachgelehrten herausgegeben von Hans Kraemer. Deutsches Verlagshaus Bong u. Eo., Berlin W. 57.) In Heft 9, 10 und 11 behandelt der bekannte Geologe Professor Dr, Sapper die Erforschung der Erdrinde, und bietet des Interessanten so viel, daß ein Aufzählen an dieser Stelle unmöglich ist. Wie Wind und Wetter, wie der ewig fideriröe Tropfen auf die Dauer zu einem mächtigen Bildhauer werden, bte die Züge im Antlitz der Erde verändern, dort Felsen zernagen, hier mächtige Steinblöcke aushöhlen und unterminieren, wird in den neuen Heften in mufter» gütiger Weise zur Darstellung gebracht. Vom Winde ausgehöhlte Gesteine, vom Regen durchfurchte Felsen, Gletscher und Gletscherwirtungen, Wellen und Wellenwirkungen, seltsame Ge- stemsformen und vieles andere ist in schwarzen und bunten Bildern wiedergegeben. Hochinteressant ist auch die farbige Tafel, die Himmel und Erde nach der eigenartigen Anschauung der Babylonier zeigt, mit der auf dem Wasser schwimmenden Erde und der darüber gestülpten Himmelsschale. Ganz besondere Verdienste erwirbt sich der Verlag dadurch, daß er Faksimiles seltener Bilder aus vergangenen Jahrhunderten.reproduziert. So enthält das Heft 10 ein Faksimile des Scheuchzerschen „Beingerüst eines in der Sun dflut ertrunkenen Menschen" vom Jahre 1726. Hochwillkommen fein wird gerade jetzt, wo die abnorme Witterung das Interesse auf die meteorologischen Vorgänge lenkt, die in Heft 11 enthaltene große farbige Regenkarte, die die Verteilung der Regenmenge auf der Erdoberfläche sehr übersichtlich erkennen läßt. Gerade die Fülle der Illustrationen — das Riesenwerk wird in seinen 100 Lieferungen deren 2000 enthalten — macht dieses epochemachende Buch so überaus populär. Bon der Schwedin Selma Lagerlöf erwähnten wir dieser Tage die meisterhafte poetische Erzählung „Jerusalem" (Verlag von Alb. Langen in München). Heute möchten wir auf zwei weitere kleine Dichtungen dieser bedeutenden Frau aufmerksam machen, „Astrid" und „Ingrid", die als Nr. 2 bezw. 9 und 10 der pro Nummer nur 20 Pfg. kostenden „Allgemeinen Bücherei" m der Jos. Roth'schen Verlagshandlung in Stuttgart erschienen Jini). Diese kleinen Dichtungen sind naiv wie Volkslieder, jedes ein Stück großer Kunst. Jeder sollte die Werke dieser großen Dichterin lesen, denn jedem hat diese merkwürdige Frau viel zu schenken. In Heft 33 der neuen Münchener Zeitschrift „Freistatt", einer kritischen Wochenschrift für mobeme Kultur, die wir auch allgemeiner Beachtung empfehlen (Abonnementspreis vierteljährlich 2,50 Mk.), denn es kommt ihr in unserer Presse an Originalität und Aufrichtigkeit ber Tonart wohl nur Hardens „Zukunft" gleich, sagt HanS Bethge sehr richtig : Tie Lagerlöf versteht es, Situationen von einer ungeheuren Bilblichkeit zu schaffen. Sie bat eine beneidenswerte Gabe, Menschen lebenbig werden zu lassen. Wir erkennen jebc Nuance ihrer Geberben, wir sehen ben Glanz chrer Augen und spüren die seltsame, zauberhafte Atmosphäre, in ber sie wie in einem Traume schreiten. Das Sonberbarste wirb in dem einfachsten, simpelsten Tone erzählt, als wäre es bas Natürlichste von ber Welt. Landwirtschaft. Friedberg, 1. Sept. In unserer Gemarkung, ja saft in der gesamten Wetterau treten in diesem Herbste die Feldmäuse in lolchen Mengen auf, das behördlicherseits das Stürzen sämtlicher Stoppeläcker und das Vergiften der Mäuse angeordnet worden ift f. Ans dem Vogelsberg, 3. Sept. Seit langen Jahren haben wir keine so späte Ernte wie die diesjährige gehabt. Die Sommerfrucht ist noch meistens grün, sodaß die Landwirte, um nicht müßig zu gehen, zur Grummeternte schreiten. Die Sch ul en haben noch keine Sommerferien gehabt und sollen deshalb an mehreren Orten Sommer- und Herbstferien, der vorgeschrittenen Jahreszeit halber, zusammengelegt werden. Arbeiterbewegung. Florenz, 3. Sept. Der allgemeine Aus st and ift gänzlich beendet, auch die Metallarbeiter nahmen die Arbeit wieder auf, ausgenommen 200 frühere Arbeiter von Pignone, die infolge des Ausstandes entlassen sind. Die Werkstätten der Straßenbahn- Gesellschaft sind noch aus Gründen der Disziplin geschlossen. Die Stadt bietet wieder den gewöhnlichen Anblick. Barcelona, 3. Sept. In £ en i a ist der Ausstand allgemein. Tie Arbeiter der meisten industriellen Betriebe beteiligen sich am Streik. Die meisten Schiffe, welche im Hafen liegen, mußten, ohne ein oder ausgeladen zu werden, wieder abbampfen. Der Schaben, welcher ber Stadt hierdurch erwächst, ist enorm. New-Uork, 3. Sept. Ein Telegramm aus Bramwell in Westvirginien berichtet, daß ein Zusammenstoß der ausständigen Bergarbeiter mit ber Polizei erfolgte, nachbem bie Ausständigen das Bergwerk von Pocahontes in Brand gesteckt hatten. Es wurden zahlreiche Schüsse gewechselt. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Limburg a. d. L., 3. Sept. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.50 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., altes Korn 00.00 Mk., neues Korn 10.46 Mark, Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.51 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Wöchentliche tleberiicht der Todesfälle in der Ltadt Gießen. 35. Woche. Vom 21. August bis 30. August 1902. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär. Sterblichkeitsziffer: 24,09, nach Abzug von 3 Ortsfremden 18,06 °/oo. Kinder Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden KrankhAt auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensiahr: 2.- -15. Jahr Lungen-Tuberkulose i 1 — — Krebs 1 (1) 1 (1) — Herzfehler 1 (1) 1 (1) — — Leberentzündung 1 1 — — Nierenentzündung 1 1 — — Blutvergiftung 1 1 — ** Bronchitts 2 — 1 1 Atrophie 2 2 — — Atersschwäche 2 2 — — Verunglückung 1 (1) 1 (1) — — Summa: 12 (3) 9 (3) 2 1 Der Feind des Guten der Seifenfabrika^on wird heute gewiß viel geleistet, aber daß auch hierin noch Fortschritte zu machen sind, beweist Bacheberle's Hygienische Priskalm-Setfe", b« sich ihrer vorzüglichen Eigenschaften wegen in ganz kurzer Zett ein« zuführen verstauben. Milb, zart unb erfrischeno, ist bie Priskolin- seife ohne jebe Schärfe, besitzt einen außerordentlich hohen Fettgehalt unb ist babei sehr ausgiebig. Als Damen- und Kinder- Loiletteseise ist sie unübertroffen und von hervorragenden Lrzttichen Autoritäten und Vesuchsanstalten aufs glänzendste begutachtet. Trotzdem ist die Priskalmseife nicht theurer als andere gute Seifen auch, beim zum Preise von 50 Pftz. pro Stück ist sie in allen Apotheken, Drogerien unb besseren Eoiffeurgeschäften erhältlich. Bacheberle's Krystall-Priskalin-Rasier-Seife" ist eine ideale Seife für Herren, die sich selbst zu rasieren pflegen unb ein würdiges Gegenstück zur Priskalin-Tottetteseife. 5049 Bekanntmachung, betr.: Die Vergebung ber Kultur- und Wegbauarbeiten und Lieferungen im Gießener Stadtwalb. Die im Gießener Stabtwalb erforberlichen Arbeiten unb Lieferungen, als: veranschlagt zu a) Herstellung von rajolten Riefen einschließlich ber Entfernung von Dörnern unb Vorwuchs . . . 1840.— Mk. b) Aufräumen von allen Gräben.......219.— „ c) Herstellung von neuen Gräben ....... 163.20 „ d) Planierarbeiten............ 634.40 „ e) Lieferung von Basallsteinen ........ 3114.— „ f) Lieferung von Kleinschlag......... 1150.— „ g) Ehaussierarbeiten..... 2574.— „ h) Auf setz en von Steinen....... 228.60 „ sollen Lllnlftag Öen 6. September 1902, MmW 10 llhe, im Bürgermeistereigebäube, Zimmer Nr. 15, öffentlich vergeben werden. Die Gro'ßh. Bürgermeistereien ber umliegenben Orte werben ersucht, bies in ben bortigen ©emeinben bekannt machen ju lassen. Gießen, am 2. September 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. 23.: Georgi. 6146 22 Marburgerstraße 5698 nur erMasstge Marken, für Forzüglichkett garantiert per Sack 1.45 Mark er übernimmt den dauernden Berkaus von r 9 > 4b niedrigprozentigem Thomasmehl zu äußerst günstigen Bedingungen? Anfragen befördert die Expedition b. Bl. unter Nr. 6050. Grummetgras- Versteigerung der Grast. Oberförsterei Arnsburg. Dienstag den 9. September, nach Zusammenkunft 9 Uhr vormittags im Kloster, wirb bas Grummetgras der Wiesen im Gottesackerthal, gegen 10 Uhr dasjenige der Vierzig Morgen bei Colnhausen versteigert. 6107 AMchigemg. Dienstag, 9. September, vormittags 8 Uhr anfangenb, soll das Grummetgras von ben dem Marienstift Lich zu- stehenden etwa 100 Morgen Wiesen in den Gemarkungen Lich, Nieder- und Ober- Bessingen versteigert werden. Der Anfang ist hinter dem Kirchhof, an der Straße nach Grünberg. Lich, 1. September 1902. 6138 Winheim. Fluß- und Seefische J. M. Schulhof Telephon 119. 314 Prompter Versandt nach ausw. 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