Nr. 180 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kannlien- blittler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Ferusprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Montag 4. August 1903 Gießener Anzeiger General-Anzeiger ö Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen Bezugspreis, monatlich75Ps., viertelt jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 U^. ZeUenpretS: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wtttko: für »Stadt und Land^ imb „Gerichtssaal^: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Wochenschau. Seit kurzem sind wir in eine ruhige Zeit geraten, die durch keinen Lärm parteipolitischer Kämpfe beeinträchtigt sind. Die Landtagswahlen bei uns in Hessen stehen noch in weitem Felde, vorerst will man sich, bei Beginn der akademischen Ruhe, allenthalben der sommerlichen Erholung hingeben, um alsdann frisch ins Zeug zu gehens Die allgemeine Stille wurde unterbrochen durchs die Rede des Kaisers in Emden. Diese fällt umsomehr ins Gewicht, wenn man den Anlaß der Feier, bei der sie gehalten wurde, ins Auge faßt. Es war nämlich gewissermaßen eine Nachfeier der Fertigstellung der neuen Wasserstraße des Dortmund-Emskanals, der das westfälische Industrieland mit der Nordsee verbindet, und seiner damit im Zusammenhänge stehenden großen Anlagen der westlichsten Seestadt des Reiches. Der Kaiser sprach von der Handelsstadt Emden, die schwere Zeiten durchzumachen gehabt habe, und fuhr fort: „Der Kanal ist gegraben, das Hinterland ist geöffnet, an Emden wird es liegen, die dadurch geschaffene günstige Konjunktur auszunützen." Bessere Tage seien für Emden im Anzuge, aber auch in bösen und schlimmen Zeiten habe Emden niemals durch „Schreien und Klagen" seiner Bitterkeit Ausdruck gegeben, ein Beispiel, an dem sich viele seiner Landsleute ein Muster nehmen sollten. Gegen wer: diese Worte gerichtet sind, ist zweifellos. — Dem Bunde der Landwirte kann man eine gewisse Mißstimmung nicht verargen. Er hat jauch im ehemaligen Wahlkreise Dr. Liebers kein Glück gehabt. Dort siegte wieder ein Zentrumsmann, Dr. Dahlem, und die „Köln. Volksztg." nebst ihrer Gefolgschaft frohlockt. Wer das Zentrum hat zu beachten, daß im Kreise St. Goarshausen die gegnerischen Stimmen gewachsen sind im Hinblick auf die letzte Wahl. Daß der Gießener sozialdemokratische Redakteur Vetters dort nur eure Hand voll Stimmen erhalten würde, hätte er voraussehen können; Dr. Dahleins Sieg war im Voraus für den aufmerksamen Betrachter keinen Augenblick zweifelhaft. In Bayern ist die Ministerkrisis nicht im Sinne des Zentrums entschieden worden. Frhr. v. Podewils ist zum Kultusminister ernannt, Dr. v. Landmann verschwindet von der Bildfläche. Die bayerische Kammer der Reichsräte hat ;Me Positionen für Werke der Kunst, die die Klerikalen sauf ihrem wegen des gestürzten Ministers unternommenen Kriegszuge vernichtet hatten, wieder hergestellt. Und von Baden kommen Nachrichten von Protestkundgebungen »gegen die Errichtung von Mönchsorden. Jetzt haben sich auch die Vertreter der badensischen Hochschulen der Bewegung angeschlossen. Rechnet man zu all diesen Ereignissen noch das Moment der scheinbar beginnenden Abkehr der rhernischen Industriearbeiter und der christlichen Gewerkschaften, so stellt sich das Ergebnis heraus, daß die antiklerikale Bewegung in Deutschland sich stetig ausbreitet. Der Ausbruch des Kampfes zwischen Agrariern und ^Großindustriellen ist vorläufig vermieden worden; in der Zolltari fko mm issi o n haben erstere davon Abstand genommen, die der Großindustrie angekündigte Fehde durch Herabsetzung der Eisen- und Maschinenzölle jetzt schon zum Austrag zu bringen. Man hat den Kampf auf die zweite Lesung verschoben. Neben allem anderen scheinen sich die Mitglieder der Kommission nach Ruhe zu sehnen, und so werden die für den 8. August angekündigten Ferien voraussichtlich auch programmmäßig beginnen. Erregung ist durch den „Fall Löhning" hervor- aerufen worden, und es scheint nicht nur die hochsommerliche Flaue in den Ereignissen zu sein, die die Presse sich mit dieser Geschichte von der „Feldwebelsehre" so ausführlich beschäftigen läßt. Die „Pos. Ztg." thut so, als ob ganz überraschende Enthüllungen noch bevorstehe n, die den Fall in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen würden. Wir wissen nicht, was noch „enthüllt" werden kann. Gewiß spielen politische Momente hierbei mit; angeblich hat der Posensche Provinzialsteuer- direktor der Polenpolitik der Regierung ins Handwerk gepfuscht. Eine andere Lesart läßt ihn klerikalen Neigungen huldigen, und nur um des gefürchteten Zentrums willen habe die preußische Regierung ihn bislang im Amte belassen. Wie dem nun auch sei, wir kommen um die That- sache nicht herum, daß es hauptsächlich Kastengeist und Standesdünkel waren, die zur Maßregelung des Beamten führten, und daß es vor allem die „Feldwebelstochter als Chefeuse" ist, die den Gattinnen der höheren Posenschen Beamten nicht konvenabel erscheint. Wie gerade im Posenschen unter den jetzigen Verhältnissen Zwistigkeiten unter den Deutschen den Polen gegenüber wirken müssen, das kann man sich denken. In China hat mau begonnen, die chinesische Zollschutzmauer abzutragen. Tie Bestimmungen über die Aufhebung der Likinabgäben bedeuten einen Bruch, mit dem System der Binnenzölle, die auch in China Handel und Wandel stark in seiner Entwicklung behinderten. Der Vertrag wurde vorerst mit England allein abgeschlossen, aber es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß in kurzer Zeit auch den übrigen Handelsstaaten die Vergünstigungen zu teil werden. In England haben außerdem die Liberalen einen Wahlsieg errungen, den Rosebery als den bedeutungsvollsten feit der ersten Wahl Gladstones bezeichnet und hervorhob, daß das Ansehen der Regierung durch dieses Vvlksvotum einen „tätlichen Stoß" erlitten habe. Ein allgemeiner Umschwung scheint sich überhaupt unter den englischen Wählern vorzubereiten. Allmählich mehren sich auch wieder die Nachrichten über die Feier der Krönung (KrucuLs VII. Zu einer Meldung, daß nach, der Krönung eine zweite weniger gefährliche Operation nötig sei, erfuhr die „Daily Mail", es sei zwar richtig, daß die Perityphlitis König Eduards wahvschein- lich eine Folge von Appendicitis war und daß der Appendix düng stattfindet, sondern es ist die Pflicht jedes Mitglieds dieser Partei, ja im Interesse einer starken nationalen Vertretung im Reichstag, auch jedes nationalgesinnten Mannes überhaupt, darauf hin^uwirken, daß eine solche Scheidung nicht stattfindet, und daß ein für allemal alle wirtschaft lichen Dinge vom Parteiprogramme gestrichen werden. O. A bei der Operation nicht gefunden wurde und also nicht entfernt werden konnte, doch sei keine zweite Operation beabsichtigt, sondern man glaube, daß König Eduard dauernd geheilt sei, ohne die Notwendigkeit eines weiteren operativen Eingriffs. Der König will sich am Mittwoch nach London begeben . In Frankreich geht der Kulturkampf weiter. Tas Amtsblatt veröffentlichte drei Dekrete betreffend die Schließung von Ordensschulen. Insgesamt werden 30 Schulen von dieser Maßregel betroffen. Den Präsekten wurde mitgeteilt, daß der Inhalt der Dekrete sofort nach dem Erscheinen in den Amtsblättern der Departements in Kraft zu treten hat, jedoch bleibt ihnen je nach dem Bedürfnis eine Vertagung zur Durchführung überlassen. Diese Klausel ist besonders für die bretonischen Gemeinden eingeschaltet worden, um dort Blutvergießen zu verhindern. In Paris beabsichtigen die nationalistischen Gemeinde- räte ihr Amt niederzulegen. Der Marquis de Castellane Escarron hat angezeigt, daß er an eine Regierung, die die Verfassung vom Jahre 1876 vorletzt habe, keine Steuern mehr zahlen werde. Der „Gaulois^" erklärt dieses Vorgehen für nachahmenswert. Das Ministerium Combes scheint aber nach wie vor fest und entschlossen, alle derartigen Bestrebungen energisch zu unterdrücken, wobei es durch die Liberalen und Radikalen Unterstützung findet. Bürgerkriege, Revolutionen und sonstige Putsche in den mittel amerikanischen Staaten Haiti, Columbien, Venezuela usw. vermögen die sommerliche Ruhe in der Politik bis jetzt nur wenig zu stören. Wir wollen hoffen, daß nicht ernstliche Verwickelungen entstehen, die für die dort lebenden Deutschen von bedenllichen Folgen sein könnten. Doch einmal die Dationalliöeralen. Wir erhielten heute aus unserem Leserkreise folgende Zuschrift: Tie Schlußbemerkung Ihres Leitartikels „Tie National- liberalen" im zweiten Blatt Ihrer Sonntagsnummer veranlaßt mich zu folgender Entgegnung. Es ijX. darin die Ansicht vertreten, die verschiedene Stellung der Mitglieder der nationallib. Partei im Reichstag zu den wirtschaftlichen Fragen^ insbesondere zum neuen Zolltarif, dränge wohl zu einer gründlichen Erörterung auf dem bevorstehenden Parteitage und zu einer entschiedenen Stellungnahme der Partei in diesem oder jenem Sinne. Sich mit dem Beschlüsse des Frankfurter Delegiertentages zu begnügen, nachdem den Mitgliedern in der Partei Freiheit in ihrer Ansicht über wirtschaftliche Dinge belassen wird, sei nicht mehr angängig, wenn nicht die Partei unter den Wählern noch mehr an Boden verlieren wolle. Selbst vor einer „reinlichen Scheidung" dürfe nicht zurückgeschreckt werden im Interesse der einheitlichen inneren Festigung der Partei. Das, meint der Artikelschreiber, sei auch die weit verbreitete Ansicht im Parteiwesen selbst. Ist das letztere der Fäll, so wäre das im wohlverstandenen Interesse der Partei aufs äußerste zu bedauern. Es wäre wieder einmal außerordentlich charakteristisch für den allen Erbfehler der Deutschen, der sie stets zur Zersplitterung statt zur Zusammenfassung treibt. Ein konsti- tuttonelles Staatswesen bedarf starker Parteien. Politisch reif für ein solches sind darmn eigentlich nur Völker, die fähig sind, solche zu bilden und zu erhalten. Große Parteien aber haben nur dann Aussicht auf Bestand, wenn sie auf möglichst breiter Grundlage gebaut sind, wenn sie sich auf möglichst tiefliegenden, allgemeinen Gedanken erheben, aber in allein, was dem Wechsel unterworfen ist, Freiheit lassen. Eine geradezu vorbildliche Partei in dieser Beziehung ist die Z e n t r u m s p a r t e i. Sie ist thatsächlich die einzige wahrhaft politische von den Parteien unseres Reichstages. Kon diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es schon von vornherein verkehrt, wenn eine Partei überhaupt in wirtschaftlichen Dingen, welche doch am meisten dem Wandel unterworfen sind, festgelegt ist, noch viel verkehrter würde es sein, wenn sich eine solche vielleicht aus Furcht vor einer bevorstehenden Reichstagswahl festlegen wollte. Der Frankfurter Beschluß der nationalliberalen Delegierten zeigt gerade von großer politischer Reife. Er ermöglicht es vielen nationalgesinnten jüngeren Bürgern in der Partei ihren Unterschlupf zu suchen, wenngleich sie mit manchen Thaten ihrer Vergangenheit nicht übereinstimmen. Er bietet sogar die Aussicht, daß es einmal möglich werden könnte, daß diese Partei die Vertretung aller Einzelinteressen mit Bewußtsein von seinem Programm fern hält, ohne die Vertretung derselben ihren Mitgliedern nach ihrem Sinne verkürzen zu wollen, und sich auf den reinen nationalen Standpunkt stellt, auf Grund dessen sich die große deutsche Partei ausbauen könnte, die unserem Reiche als Gegengewicht gegen die beiden internationalen, das Zentrum und die Sozialdemokratie, so not thut. Auch die Parteien sind mit verantwortlich für die Gesamtpolitik unseres Landes. Leider ist dieses Gefühl der Verantwortlichkeit in unseren Parteien wenig ausgebreitet, und es führen deswegen gar oft kleinliche Augenblicksrücksichten Entschlüsse hervor, die das Gesamtinteresse und selbst das tiefere Eigeninteresse außer Acht lassen. Was würde die nationallkverale Partei von einer neuen „reinlichen Scheidung" hüben? Nichts anderes als eine neue Schwächung. Und was der Reichstag, neben Bundesrat und Kaiser der gleichberechtigte Vertreter des deutschen Volles? Einen Verlust an zuverlässigen nationalen Elementen, die so wie so schion dort ins Hintertreffen geraten sind. Es ist darum, so schließe ich, für die nationalliberale Partei nicht zu wünsch>en, daß aus Anlaß der MeinungSverschieden- h eit en in den wirtschaftlichen Fragen eins vvinkiche Schei- Heer uno Flotte. Philippsthal (Rhön), 3. Aug. Von Emden aus, sandte der Kaiser dem hier wohnhaften Korvellenkapitäu a. D. Ros en stock v. Rhön eck folgendes Telegramm: Die gerettete Besatzung des Torpedobootes „S- 42" hat soeben vor mir gestanden. Ich habe sie nicht besichtigen tonnen, ohne dabei der heldenmütigen Treue Ihres Sohnes, des Kapitänleutnants Rosenstoä v. Rhöneck zu gedenken. Seine Umsicht und sein glänzender Pflichteifer haben ihn in der Gefahr nicht verlassen. Als Letzter harrte er auf seinem Schiffe aus, nur bedacht auf die Rettung anderer. Möge Ihnen das tapfere Verhalten Ihres Sohnes den schweren Verlust tragen helfen, den ich gleich meiner Marine tief beklage. An diesem Schmerze nimmt auch der König von England mit der britishen Marine teil, wie Sie aus dem Telegramm damals ersehen haben werden. Berlin, 3. Aug. Gegenüber den „Berl. Pol. Nachr." stellt die „Nordd. Allg. Ztg." fest, daß der im Reichs- marineamt abgeschlossene Etat-Entwurf für 1903 sich durchaus im Gesamtrahmen des Flottengesetzes halte. Die jungen Damen von Emden. Die „Staats- bürger-Ztg." läßt sich aus Emden schreiben: „Der Kaiserbesuch hat uns die Gewißheit gebracht, daß Emden Ma- rinestation wird. Se. Majestät richtete an die Tochter des Oberbürgermeisters die Frage: „Sind das alles junge Damen aus Emden?" Auf die bejahende Antwort sagte der Kaiser: „So? Alles Zukünftige für meine Marineoffizier e." Newyork, 3. Aug. Der Marineleutnant Devis soll eine Panzerplatte hergestellt haben, die angeblich widerstandsfähiger ist als diejenigen Krupps. Kolonialpost. Aus dem Hinter la nd von Nordkamerun berichtet Oberleutnant Dominik aus Garna über zahlreiche Gefechte. Ein Angriff des Emir Siberu auf däs Lager des Hauptmanns Kramer mißglückte. Oberleutnant Radtke hat nach einem schweren Gefecht Bubanjidda unterworfen und den flüchtigen Emir Siberu scharf verfolgt, ohne ihn jedoch , einzuholen. Hauptmann Kramer wollte in'Mubi Ruhe stiften. Oberltnt. Dominik beschloß, den Emir Siberu endgiltig aus Wamana zu vertreiben. Am 17. Januar erhielten die Matasall-Räuber eine scharfe Züchtigung. In Miski schritten die Eingeborenen, ruhig den langen Stoßspeer in der Hand, auf die Expedition zu, bis sie plötzlich unter wildem Geschrei angriffen und den farbigen Sergeanten Dia schwer verwundeten. Den Eingeborenen war vorgeredet worden ,bie Gewehre der Soldaten würden nicht losgehen. Bei Garua liefen einige Eingeborene, nur mit einem Strick versehen, auf die Soldaten zu, um sie zu sangen. Ueberall wurde die Expedition von Reiter schwärmen begleitet, bis ein Maschinengewehr zu feuern begann und in den Kolonnen Mann aus Mann fiel. Immer neue Leute liefen, nur einen großen Stoßspeer schwingend, auf die Expedition zu, um oft erst zehn Schritte vor der Front niedergeschosfen zu werden. Oberleutnant Dominik berichtet, daß nach diesem Gefecht die gesamten Fullahstaaten die deutsche Herrschaft anerkannt haben. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 4. August 1902. ** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 47 enthält: 1. Gesetz, die Herstellung einer Verbindungsbahn zwischen der Strecke Lampertheim-Mannheim und dem neuen Rangierbahnhof Mannheim der Badischen Staats- bahn betreffend. Vom 19. Juli 1902. 2. Verordnung, die Aufhebung der Verordnung vom 20. Juni 1900 betreffend. (Die Verordnung, die Eintragung der Grunddienstbarkeiten betreffend, vom 20. Juni 1900, wird aufgehoben.) (?) Krosdorf, 4. Aug. Die Ergänzungswahlen zum Gewerbegericht Wetzlar stehen bevor; die Bürgermeisterei Krofdorf bildet mit sechs Gemeinden der Bürgermeisterei Hohensolms den 4. Wahlbezirk. Gemäß § 8 des Kreisstatuts scheiden für diesen Bezirk als BeisiAr aus: Maurermeister K. D r e s ch e r - Krofdorf und Zigarrenarbeiter K. Leib II. zu Gleiberg. Wahltermin ist am Donnerstag, den 21. August L I., im Sitzungszimmer der Bürgermeisterei zu Krofdorf anberaumt. Die Anmeldungen dafür haben innerhalb zwei Wochen entweder mündlich oder schriftlich unter Beifügung einer Bescheinigung über die Stimmberechtigung zu erfolgen. 88 S i ch e n h a u s e n, 2. August. Ein 7jähriger Knabe war gestern mit Holzhacken beschäftigt, als ihm plötzlich ein fingerdickes Reis in das eine Auge flog und es erheblich verletzte. Ter Vater begab sich mit dem Knaben sofort in, die Gieß euer Augenklinik. — Der weit und brell, besonders in Jmkerkreisen, wohlbekannte Strohfässer-Fa- brikant Kaltenschnee ist int Alter von 67 Jahren gestorben. (?) Wetzlar, 3. Aug. So sind denn mit dem am gestrigen Sonntag hiev abgehaltenen 60jährigen Stiftungsfest der Kreis-Schützengesellschaft die Tage der Festlichkeiten für dieses Jahr vorüber. In der Thai, „Es war wirtlich diesmal des Guten zu viel". Eröffnet wurde der Reigen her Feste mit dem auch weit über ixte Grenze« des Kreises hinaus bekannten Tierschaufeste, dem ^ZäueS-* ,1ild — zart — erfrischend — ohne Jede Scharfe | ElMTolletten-Seife von bedeutendem hygienisch, Werth! Epochemachend auf dem Gebiete der Hygiene: SCrystall Priskalin-Rasir Seife im Köcher. A erstlich warm empfohlen. Preis per Stliolc 50 Pfennige. Erhältlich in den meisten Apotheken, Drogerien, Parfümerien und Frisr-nr-Geschäften.#) Schönheits- und Kinder-Seife ist BACHEBERLE’s Frauenarzt ist bis 20. August einschliesslich verreist. Professor ür- Walther f?) Hörnsheim. 3. Allg. In ben Gemarkmigen' Hörnsheim nnd Hochelheim ist mit einer Gesamtflächen grüße von 35'95 Hektar fett dem Jahre 1901 eine Wiesen-Ge- nossenschaft gegründet morden. Es sind nach dem Ver- waltungsbericht des Kreiscmsschusses Wetzlar innerhalb der letzten Jahre zehn solcher Genossenschaften ins Leben gerufen worden. Beiden Gemeinden wurden zur Ausführung der Wiesen-Meliorationsarbeiten Kreisbeihülfen von je 200 Mk. bewilligt. In denjenigen Gemeinden, wo Be- und Ent- wässerungsgerrossenschaften nicht bestehen, sinden auf Grund der Regierungs-Polizerverordnung vom 10. Januar 1896 Bach-- und Gräbenschanen statt. _______________________ Landwirtschaft. Berlin, 2. Aug. Tie ministerielle „Berl. Korresp." veröffent- licht eine allgemeine Verfügung des Landwirtschaftsministers, um einer weiteren Verbreitung des AnsteckunHsstoffes von den Immer noch hier und da vorkommmenden Fällen der Maul- uns Klauenseuch e schnell und kräftig begegnen zu können. Die Verfügung ordnet in acht Paragraphen an, daß der Viehbesitzer Erkrankungen sofort der Polizei meldet, welche schnellstens den Kreistierarzt verständigt und die notwendigen Sperren verhängt. Der Landrat hat einen (Gendarmen an den Seuchenort zu stationiere^ aus dem Seuchengehöft oder der Sammelmolkerei, wohin die Milch geliefert wird, darf diese nur abgekocht weiter abgegeben werden. Das auf dem Seuchengehöft vorhandene Federvieh ist zu isoliren. Die Hunde sind festzulegen. — Motlewsang. In einigen Rheinorteu wurden jüngst von der Gemeinde Acetylenfanglampen zum Fangen der Heu- und Sauerwurm-Motte ausgestellt. An vier Abenden wurden annähernd 3000 Stück Motten gefangen, ungefähr so viel, wie zirka 50 Kinder in derselben Zett bisher gefangen haben. Eisenbahn-Zeitung. — Auf der Eisenbabu zwischen Berlin und Magdeburg werden gegenwärttg Versuche m Schn erfahr ten mit aus zwei Lokomotiven und aus zwei D-Zuawagen bestehenden Zügen vor- genommen. Bisher wurde eine Geschwindigkeit von 140 Km. pro Stunde erreicht. Arbeiterbewegung. — Im Betriebe der Aktiengesellschaft für Schriftgießerei und Maschinenbau iu Offenbach a. M. will die Direktton die Akkordarbeit einführen. Die Arbeiter erklärten, daß sie zu diesen Bedingungen nicht arbeiten wollten. Es fanden verschiedene Verhandlungen zwischen der Betrieblseitung und einer Kommission der Arbeiter statt, die jedoch keinen Erfolg hatten, denn die Direktion erklärte, ihr Standpunkt sei unabänderlich. Die Arbeiter reichten darauf die Kündigung ein. Barcelona, 3. Aug. Die Arbeiter sämtlicher Fabriken in Matara sind in den Ausstand getreten. Triest, 2. August. Tie streikenden Kellner wählten ein Komitee zur freundschaftlichen Beilegung der Differenzen mit den Hoteliers. ^Wetzlarer Ochfenfest?. Darauf folgte doS Gestrngsfest des i Lahrrthalsängerbundes, und mm zu guterletzt noch ent Schützenfest. Aus beiden letzten Festen haben die beteiligten Vereine die Lehre gezogen^ daß es niemals wohlgethan ist, eine festliche Veranstaltung so zu legen, daß sie auch nur ungefähr mit dem Ochsenfest zusammentrifft; denn jede andere Feier muß dabei den Kürzeren ziehen. -* Homberg a. d. Ohm, L Aug. Am 16. August feiert der hiesige Turnverein sein 40jähriges Stiftungsfest, an welchem sich auch eine Anzahl aus- wärtrger Turnvereine beteiligen werden. Als Festplatz wurde das herrliche am Abhang des Hechberges gelegene städtische Baumstück bestimmt, das einen prächtigen Aus- Lück aus unser Städtchen, das idyllische Ohmthal und die Umgrenzenden bewaldeten Höhen eröffnet. Ern Blick in Las Programm läßt erkennen, daß der Verein bestrebt ist, seinen Gästen genußreiche Stunden zu bieten. Eingeleitet wird das Fest durch einen Kommers am Vorabend, während Böllerschüsse und der Weckruf der Musik den Haupt- festtag eröffnen. Nach Empfang der auswärtigen Vereine formiert sich der Festzug an der Oberförsterei, tun sich dann nach' einem Umzug durch Ober- und Unteraasse nach dem etwa 5 Minuten nördlich vom Städtchen liegenden Fest- Platz zu begeben. Es folgen sodann Begrüßung, Festrede rc., worauf die von den Frauen und Jungfrauen Hombergs gesttftete Fahnenschleife überreicht werden sott; Musik- pieeen, Preis- und Kürturnen, Stellung von Pyramiden schließen sich an. In den Bierzelten und auf dem Tanzboden kann bei den Klängen der rühmlichst bekannten Kapelle und von der Jugend auf dem Juxplatz dem „Fröhlich" gehuldigt werden. Dem Turnfest folgt des Montags ein Jugend- und Volksfest, an dem sich sämtliche hiesige Schulklassen beteiligen werden. Lemberg, 2. Aug. Der Ausstand der: Fel darb eiter dauert fort. Nur in vereinzetten Gemeinden ist die Arbeit wieder ausgenommen. In Jakiorow im Bezirk Przemyslany fand ein 3u- sammenstoß zwischen dem Militär und den Ausständigen statt. Da die Aufforderung des Kommandeurs der Truppen zum Auseinandergehen von den Bauern mit Steinwürfen erwidert wurde, so griff eine Husarenabteilung ein und zerstreute die Menge, wobei ein Ausständiger schwer, ein anderer leicht verwundet wurdL, Drei Bauern, welche einen Husaren vom Pferd herunterzuziehen versuchten, wurden leicht verletzt. Ein HusarenleuMant erhielt einen Steinwurf auf die Hand. New-Aork, 3. Aug. Der Verband der Kohlengruben- a r b e i t e r verlor zivei Gruben, die vollständig in Betrieb find. Für die nächste Woche ist die Wiederinbetriebsetzung von drei weiteren Zechen von den Zechenbesitzern in Aussicht genommen. Ter Präsident des Verbandes, Mitschell, hielt eine Ansprache an 7000 Arbeiter, in der er sie zum Ausharren ermahnte. Ehren-Dlplom. einzarichten. Beleuchtung für Goldene Medaille. Strassen und Plätze ganzer Gemeinden, Bahnhöfe, Lagerplätze, Petro le um-Gasglühlicht aus russischem Petroleum. 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